NZZ Akzent· Folge 1612

Warum man in Japan ewig Ausländer bleibt

Donnerstag, 2. Juli 2026 · 16 min

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Shownotes

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Ein Brief hätte fast ihren grossen Traum zerstört. Die Schweizerin Jessie arbeitet damals an einem buddhistischen Gymnasium in Japan und will dort Priesterin werden. Im Brief des Schulleiters aber steht: Als Frau und Ausländerin sei es ihr unmöglich, eine buddhistische Priesterin zu werden.
Aber Jessie will das nicht wahrhaben und kämpft weiter. Heute ist sie die erste ausländische Tempelvorsteherin in Japan. Wie sie das geschafft hat, hat sie NZZ-Auslandredaktor Marco Kauffmann erzählt. Er wollte wissen, ob und wie Zuwanderer in der japanischen Gesellschaft aufgenommen werden.

Getroffen hat er dafür auch den Australier Byron, der seit rund 25 Jahren in Japan lebt. Für ihn ist klar: Wer als Ausländer in Japan leben will, muss sich anpassen. Er hat wenig Verständnis für die Einwanderer, die die kulturellen und gesellschaftlichen Regeln der Japaner ignorieren.

Gast: Marco Kauffmann, NZZ Auslandredaktor
Host: Simon Schaffer

Redaktion: Antonia Moser

Marcos Reportage aus Japan findest du bei der NZZ (nzz.ch/international/wann-gehen-sie-zurueck-zu…).

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Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert von den Wutwasversicherungen, dem Versicherer für KMU und Selbstständige. Und bin ich der nächste Tag wieder in die Schule? Die Schweizerin arbeitete seit Jahren an einem buddhistischen Gymnasium in Japan Und in diesem Brief wurden sie von ihrem Rektor informiert.

Wenn man das direkt besitzen würde, wäre es ... Ja, es tut mir leid dir das so direkt zu sagen. Aber als Ausländer und als Frau ist es für dich unmöglich Brüste zu werden! Es tut ihm leid aber als Frau und als Ausländerin sei es unmöglich, dass sie eine buddhistische Priesterin werden können. Ich dachte, du bist jetzt ein altmodischer Keib.

Ist das so überraschend, Marco? Dass einer Ausländerin das verwehrt wird. Nein ganz so überrassend finde ich das eigentlich nicht. Es sind zwei Dinge die da zusammenkommen. Das eine ist der Buddhismus also auch diese Jodo Shinjo Buddhismus Linie der Jesse angehört. Die hat das zwar nicht verboten dass Frauen Pristrin werden können aber es ist immer noch eher selten Tradition und Frauen haben es in sehr traditionellen Bereichen in Japan einfach schwieriger.

Dann kommt hinzu, dass sie Ausländerin ist. Und hier muss man sagen, dass Japan zwar Zuwandererinnen und Zuwanders braucht – gleichzeitig wenn sie aber nie ganz akzeptiert! In Japan bleibt man ewig Ausländern auch nach Jahrzehnten. Davon hat ein Auslandredaktor Marco Kaufmann zwei Auswanderer erzählt.

Ich bin Simon Schaffer. Was hören wir da, Marco? Ja das ist ein Sutra lesen. Das sind buddhistische Lehrtexte und da muss man sagen dass Jesse diese Texte vorlesen kann. Das braucht sehr viel Kenntnis von der japanischen Sprache. vor allem. Es brauchte eine langjährige Ausbildung die dauerte fünf Jahre dass sie nachher offiziell Sutras lesen darf.

Sie saß da am Boden in einem schwarzen Gewand, eine grünen Scherpe vor sich ein Buch mit diesen Texten. Heute heißt Jesse Shaku-Hokai. Das ist ein religiöser Titel kombiniert mit einem japanischen Namen und sie ist die erste ausländische Äbtisinn. Eine buddhistische Äbtesinn mit blondem Haaren, blondem Pferdeschwanz?

In dieser Robbe! Wie hat es denn geschafft?! Ich glaube, einerseits ihre Leidenschaft für die japanische Kultur. Für die japonische Sprache so dass sie fließend japanisch spricht, Japanisch liest also auch alte schwierige Texte und das ist eine ziemlich hohe Hürde die nicht viele Ausländer nehmen. Ist es dann einfach nur Gelehrsamkeit?

Also Sie ist da besonders gelehrsam oder gibt's noch andere Gründe? Bei ihr kommen zwei Dinge zusammen. Das eine ist, sie hat irgendwie schon als Jugendliche einfach Faszination gespürt für japanische Kampfkunst, für Schwertkunst und für Flöten alte japanischen Flöte. Es kam dann aber auch quasi ihre persönliche Geschichte hier rein.

Sie hatte nach dem Tod ihrer Mutter das war irgendein schwieriges Erlebnis. es waren assistierte Suizid in der Schweiz. Sie stürzt in eine Lebenskrise. Sie sagt, sie hatte eine schwere Depression durchgemacht und das hat eine Rolle gespielt, dass sie Zugang zu Religionen fand. Zu einer Religion die eben das Leben bejaht und die Motivation allein.

aber dem hat es auch noch nicht ausgemacht weil sie sagt sie braucht Unterstützung von ...progressiven Kreisen. Wir haben diesen Brief erwähnt, wo ihr gesagt habt, vergiss es. Wirst du nie schaffen? Aber es gab auch sehr offene Geistliche, die gesagt haben... Also wenn sie das alles kann und will, dann kann sie das machen!

Und es war nicht so, dass in dieser Jodelschule jetzt Frauen nicht hätten prüsten werden können. Sie konnten ja auch ein Handy werden. Schon damals. Also dort, wo ich an der Schule war? Ja Und dann kam noch mal ein Faktor hinzu. Fachkräftemangel, ja auch eine religiöse Fachkräftemangel und Priestemangel.

Genau! Sie ist heute im Heimtemper sozusagen in Tsuruga, das ist im Westen von Japan wo die meisten Leute, also die jüngeren Leute abwander, Städte ziehen. und als der letzte Abtort oder der letzte Tempelvorsteher gestorben ist sie haben niemanden gefunden und da wurde der Kontakt hergestellt, man hat gemerkt Puh!

Das ist eine Frau, eine Ausländerin. Aber die kam das und sie ist sehr gut ausgebildet und findet den Zugang zu den Leuten. Und d.h., die Leute waren dann auch offen für Sie vor Ort? Das stelle ich mir vor, sind wahrscheinlich nur ein paar hundert Leute und nicht allzu viele... Also ich habe das Gefühl, dass sie es sehr gut angekommen ist, sie wird akzeptiert, auch weil sie so ein bisschen mehr ... drei vielleicht in das Tempelleben gebracht hat.

Sie organisiert Konzerte dort, sie ist sehr aktiv im Dorf unterwegs. also sie hat eigentlich eine Gemeinde die ein bisschen vom Aussterben bedroht war neues Leben eingehaucht. Vielleicht auch weil die Leute merken eben da hat jemand großen Respekt vor der ganzen Materie und es wirklich drin? Ich glaube dass gehört in Japan dazu.

Japanerinnen sind Perfektionisten. Also, wenn jetzt jemand einfach kommen würde und er sagt ja ich mag da irgendwie ein bisschen das Tempelleben und so, dann wird sie nicht akzeptiert. Ja also die beherrscht eigentlich diese religiösen Traditionen. Sie hat sich dann auch enorm angepasst in dem Sinne Und Ich würde sagen sie beherrscht mehr Tradition als manche Einheimische.

Ja, hier hören wir Bayern Mermikidis. Ein Australier mit griechischen Wurzeln und er lebt mit Unterbrüchen insgesamt jetzt schon fast... ...fünfundzwanzig Jahre in Japan meistens in Tokio also in der Hauptstadt. Er ist seit kurzem pensioniert, er war vorher Manager in einem amerikanischen Finanzunternehmen das aber japanischen Sitz hat.

Ich höre das noch in den Ohren, wer sagt rules? Also Regeln. Wenn man in diesem Land ankommen will und respektiert werden will ... Das ist wichtig! Man muss die Sprache beherrschen. Aber es geht vor allem auch um die sozialen Regeln... Das sind Dinge, die einem vielleicht als Schweizer gar nicht so fremdvorkommen.

Also korrekt anstehen, leise sein Abfall sauber trennen Nicht in der U-Bahn telefonieren Da gibt es aber auch vielleicht eher ungewohnte Sachen. also überhaupt nicht kein Trinkgeld geben. Das ist ein japanisch Umfeld. wird das als komisch angeschaut? man kann auch leicht Fehler machen und Bayern ist einer, der sich bemüht keine Fehler zu machen.

Und es scheint ihm auch zu entsprechen? Also er geht darin ein bisschen auf... Unbedingt! Ohne dass ich jetzt das Gefühl habe, er versucht Japanischer zu sein als Japaner, er sagt mir ist es wohler in Japan Ich fühle mich irgendwie dem japanischen näher aus dem australischen Ja und eben er ist maximal international Ein Australier mit griechischen Wurzeln, der für ein amerikanisches Unternehmen in Japan arbeitet.

Absolut! Persönlich muss man vielleicht noch sagen er ist mit einer japanerin verheiratet seit langem. sie haben einen gemeinsamen Sohn also da ist auch etwas japanisches herangewachsen. ihm scheint es leichter zu fallen. aber eben das heißt ja dass es so auffällt. das heißt auch das bringen nicht alle hin diese ganzen Regeln und die kleinen vielleicht auch die kleinen regeln.

Ich denke, das ist ein Problem geworden in Japan, wenn es um die sogenannte Ausländerfrage geht. Und zwar haben wir ja da wie zwei Kategorien... also wir haben die Ausländern, die in Japan leben. Wir haben aber auch die Aus Länder, die Japan einfach besuchen und das hat extrem zugenommen! Es ist ein Riesenwachstum.

Ja, da gibt es unschöne Vorfälle. Also Leute die irgendwie wahnsinnig an einer Tempelglocke reißen und sich dann TikTok-Video machen draus, Geisters, die bedrängt werden... Das ist für die lokale Bevölkerung total echt zu viel. Wenn ich von Overtourism reden, dann ist das sicher ein Thema! Und in der Wahrnehmung vieler Japaner ist es gar nicht so einfach zu sagen, okay, da sind jetzt die Touristen, die nicht so viel wissen oder Ausländer, die sich wirklich integrieren wollen.

Jetzt muss man hier natürlich sagen insgesamt sind das immer noch wenig. Es ist etwa drei Prozent der Wohnbevölkerung verglichen mit anderen Ländern, die zweistellige haben oder in der Schweiz? Genau! Aber in Japan ist die Veränderung jetzt relativ schnell weil die Regierung gesagt, wir brauchen ausländische Arbeitskräfte.

Wir werden immer älter und so. Wir haben zu wenig Leute, die in den Fabriken arbeiten. Aber das hat Spannungen gegeben und das wiederum hab dazu geführt dass man das auch politisch spürt. also es gibt eine Partei die heißt San Seito ist ja stark fremdenfeindlich. Die hat starken Zulauf gefunden Und man muss sagen, selbst jene die sich dann ganz anpassen, die die Sprache beherrschen wie jetzt eben Jessie und Byron.

Sie merken natürlich sie werden nie ganz dazugehören. Zum Stichwort dazu gehören eine kleine Werbung hier nur für Podcast-Hörerinnen und Hörer gibt es jetzt ein Sonderangebot. Sieben Tage lang die digitale NZZ gratis und keine Angst! Es gibt danach kein automatisches Abo. also das Abo endet vollständig.

Der Link dazu ist in der Folgenbeschreibung. in Japan akzeptiert zu werden, auch wenn man länger dort lebt. Wenn man die Sprache wirklich gut lernt? Ich würde sagen das ist so weil der Pass ändert nichts am Aussehen. also jetzt gerade als Wessler insbesondere wird man immer aus Ausländer angesehen werden.

Man schafft es durchaus ein sehr geschätzter Gast zu sein auf Lebenszeit sozusagen. Die Leute werden einem auch viel Komplimente machen, wie gut man die Sprache schon beherrscht und so. Aber verschiedene asiatische Gesellschaften haben halt eine relativ enge Definition von ethnischer Homogenität. Und da passt es in Wessler einfach nicht rein.

Ich habe mich an einer Szene erzählt ... Eigentlich sind sie ja mehrere Szenen, weil das so lange schon in Japan lebt. Er hatte vielleicht zwei oder dreimal mit einer Ambulanz in einen Spital. Er war zumindest zweimal nicht ganz bewusstlos, und er lag da irgendwie auf einer Schrage festgebunden. Die fuhren damit hundert Kilometer irgendwo ... Und er hört mit einem Ohr, weil er ja sehr gut japanisch kann, hat das alles verstanden, rufen die im Spital und sagen, wir haben einen Ausländer!

Was sollen wir machen? Nehmt ihr ihn? Nein okay, dann müsst ihr den anderen Spital suchen.". Und er hat quasi in der Ambulanz, obwohl es ihm ja wirklich nicht gut ging. Sonst wäre er nicht in die Ambulance gewesen und gesagt, aber sagt ihnen nicht, dass ich Ausländer bin oder? Weil er schon antizipiert hat, sonst werden wir wieder abgelehnt.

oder wenn sie mich abgeladen haben dann bin ich dort. Aber er hat gesagt das hat alles nichts genutzt. Ich höre noch wie er auf Englisch sagt, that's one of the most frustrating things about healthcare in Japan. Oder einerseits die Qualität absolut super aber hier kommt dieses kulturelle Problem irgendwie rein.

Dann habe ich dann gesagt ja ist das irgendwie nicht brutal? und erst eines versucht es alles auch ein bisschen zu erklären. Eigentlich schon, aber die Japaner lehnen den Ausländer mich nicht ab weil sie die Auslände hassen. Sondern wir können mit dem nicht wirklich umgehen. oder haben einen Spezialist der vielleicht kein Englisch kamen oder es gibt mit der Krankenkassen ein Problem.

Die versuchen irgendwie diese Situation so zu vermeiden, weil sie haben sehr hohe Qualitätsansprüche und wenn Sie das nicht... umsetzten. Das führt zu einem Scheitern, dann kann das dazu führen dass sie irgendwie sagen liebe die Situation vermeiden als eine Situation zu schaffen wo man eben nicht diesen Standard erreichen kann den Sie möchten.

Die beiden sind jetzt schon lange da eben tief drin und haben Wurzeln geschlagen. Haben Sie vielleicht auch ihren Frieden geschlossen? Das ist ganz fest mein Eindruck. Bayern zum Beispiel sagt Man muss Japaner nehmen so wie sie sind. Das hört nicht irgendwie nach Enttäuschung oder Frustration, sondern das ist einfach so.

Und bei Jessi ist es nicht anders. Du hast natürlich dann die, die ... Das will ich nicht sagen, aber du spürst schon einen Blick. Weil auch sie sagt... Natürlich habe ich gespürt wie mich Leute ablehnen wenn Sie mich anschauen. Ich, die Westlerin im Prieste gewammt. Es gibt Konservative, die wollen das nicht.

Aber auch hier wieder es ist so! Sie nimmt es hin wie ein Naturgesetz. Danke Marco. Bitte schön Das war der Akzent mit dem Ausland. Redaktor Marco Kaufmann. Mein Name ist Simon Schaffer. Bis zum nächsten Mal.

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