NZZ Akzent· Folge 1605

Glück an der Front – Warum eine ukrainische Ärztin den Krieg sucht

Mittwoch, 1. Juli 2026 · 17 min

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Shownotes

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Olga Suppan, eine 51 Jahre alte ukrainische Ärztin, reist regelmäßig aus Graz in die Ukraine, um als Anästhesistin Kriegsopfer zu behandeln. Sie arbeitet mit der Organisation Pirogow First Volunteer Mobile Hospital zusammen und sieht sowohl Verletzte als auch viele Tote. Für sie ist jemand mit nur einem amputierten Bein ein "Glücksfall".
Doch nach einem Einsatz in der Frontstadt Bachmut fühlte sich Suppan entfremdet von der Normalität in Graz und suchte in einer Psychotherapie Hilfe, um ihre Traumaerfahrungen zu bewältigen.

Gast: Katharina Bracher, NZZ-Reporterin
Host: Dominik Schottner
Redaktion: David Vogel

Katharina Brachers Porträt von Olga Suppan kannst Du hier (nzz.ch/gesellschaft/ukraine-krieg-die-aerztin-…) in der NZZ nachlesen.

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Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert von den Vodwas-Versicherungen, dem Versicherer für KMU und Selbständige. NZZ Akzent. Es ist der Herbst, zwei tausend zwanzig in der ostukrainischen Stadt Bachmut. Das russische Militär belagert die Stadt seit Monaten Und auf beiden Seiten beim ukrainischen wie beim russischen militär sterben unglaublich viele Menschen in den Häuser kämpfen.

mitten drin in alldem befindet sich ein Feldspital. Da wird einen Schwerverletzter hereingebracht, eine Militärsinnität ermachen, eine Herzmassage. aber dann kommt eine Ärztin dazu und sagt warum versucht ihr eigentlich diese Leiche wieder zu beleben? Katharina das klingt wenn man es so hört erstmal unglaublich hart.

jetzt hast du diese Ärztinnen kennengelernt. ist sie denn auch so hart? Also ich habe diese Ärztin, die Olga Supan heißt in Zürich am Flughafen getroffen nach einer Benefizveranstaltung. Ist sie mir eigentlich nicht als harte Persönlichkeit aufgefallen? Sie hat aber selbst von sich gesagt dass der Krieg sie verändert haben.

Ich bin nach Österreich gekommen auch ausgestiegen und ich habe die Sonne zum ersten Mal gesehen. Ich hab' dreißig Tage keine Sonne gesehen. Gar keine... nie! Keine einzige Minute. Und ich bin einfach, ich erinnere mich an Blass stehen geblieben und habe die Sohne gesehen. Ich hab geweint weil ich die Sohn sehe.

Sie hat auch einen Talent zu erkennen wer überleben kann und wer nicht. Das ist einerseits Erfahrung auch, weil sie schon so lange als Notfallärztin tätig ist. Sie sieht dann zum Beispiel die Popillen, die sich sternförmig ausbreiten für eine Hirnschädigung sprechen. Dann ist der Patient eben Hirntod wie in dieser Anfangs-Szene geschildert.

Die Ärztin Olga Suparn reist immer wieder an die Front in der Ukraine, um dort Leben zu retten. Warum sie selbst daran fast zerbrochen ist, das erzählt uns Endset Reporterin Katharina Bracher. Ich bin Dominik Schottner. Katharina Olga ist ÄrztInn. Sie reißt an die front und spricht aber auch Deutsch.

Woher kann sie das? Denn wo lebt sie? Sie lebt in Österreich seit ... fast fünfzehn Jahren, weil ihr Mann von dort stammt. Sie ist aber ursprünglich aus Kiev und aufgewachsen noch in der Sowjetunion. Und diese Zeit hat sie auch stark abgehärtet.". Also neben diesen Einkäufen die offensichtlich sehr mühselig waren was hat sie noch abgehärtet?

Olga war, bevor sie Medizin studiert hat, Krankenschwester und hat dann auch auf einer Dialysisstation für schweren Nierenkrankpatienten gearbeitet. Das war in der Sowjetunion noch, wo es ganz wenige Dialysis-Stationen gab. Sie musste sechzig! Patienten auf einmal versorgen. Und da kam es eben auch jede Nacht zu sehr kritischen Situationen, wo sie Patienten reanimieren musste oder halt wirklich feststellen mussten ob die tot sind und das hat ja ein Gespür gegeben für die Sterbenden.

Sie sagte aber auch, dass sie eigentlich vor allem Ärztin wurde aus einer Familientradition heraus. Das heißt ihre Mutter war ÄrztIn und deswegen ist sie dann auch. nach dieser Erfahrung der Dialysestation hat sich entschieden Medizin zu studieren. Jetzt lässt sie also ihren ersten Job als Krankenschwester hinter sich, aber gleichzeitig verändert sich ja auch alles um sie herum.

Diese Veternion bricht zusammen! Was macht das mit ihr? Ja, dieser Zusammenbruch der Sowjetunion als die Ukraine plötzlich unabhängig dasteht ist gerade die Zeit wo sie es staatsksam macht und dann den Zerfall der Institution auch der öffentlichen Krankenhäuser erlebt. Es hat extreme Armut in der Bevölkerung, in der Ukraine.

auch Olga's Mutter musste ohne Lohn als Ärztin arbeiten. Sie hatten, und das hat sie erzählt. Sie hat vor allem Kartoffeln gegessen. Das war so ihr Hauptnahrungsmittel weil ein bekannter ihnen jeweils Kartoffel geliefert hat vom Land. Und wie schlägt sie sich dadurch wenn sie kein Geld bekommt bzw auch kaum was zu essen hat?

Ja, sie entscheidet sich dazu einen anderen Job zu suchen außerhalb der Medizin. Weil was da schon klar ist, dass vor allem privatisierte Unternehmen und ausländische Unternehmen halt viel besser mehrfaches bezahlen von dem, was sie als Ärztin erhält. Und darum fängt sie an für die Lufthansa zu arbeiten im Bodenpersonal und fängt dadurch auch privat viel an zu reisen und lernt dann im Urlaub in Spanien ein Österreicher kennen, das ist ja heutiger Mann und zudem zieht sie dann auch irgendwann und nimmt dort in Österreich einen Job als Ärztin an.

Sie hat also ein eher ruhiges friedliches Leben, sie beschreibt es als ein Leben in intakter Natur und hat auch viele Freunde im wachsenden Freundeskreis dort in österreich. Donnerstag der vierundzwanzigste Februar. Guten Morgen, alle Grüße! Feier und zwanzigster Februar. zwei Tausend Zweiund Zwanzig greift Russland flächendeckend im großen Stil die Ukraine an.

was macht sie an dem Tag? Sie ist jetzt gerade sehr früh schon beim Kaffee und hört die Nachrichten, liest die Nachricht und denkt das müssen Falschmeldungen sein. Sie sieht dass es einen Angriff auf Kiev gibt, dass sie Menschen fliehen und das schockiert sich so, dass er sich fast nicht glauben kann denn sie wollte genau an diesem Tag selbst nach Kiev reisen zu ihrer Mutter.

Viele Kollegen haben mich schon noch im Jänner gefragt was glaubst du? Wird's ein Krieg geben? Sie sagt, dass sie zwar immer gewusst hat oder natürlich schon seit Jahrzehntein vierzehn mit dieser russischen Aggression gegen die Ukraine lebt. Aber das betraf irgendwie den Osten und nicht so sehr Kiev.

Und deswegen war das für sie auch wirklich ein Schock! Sie rief ihre Mutter an und flehte sie auszureisen Und gleichzeitig fasste sie so im Kopf den Schluss, jetzt brauche mich mein Land. Ich muss zurück als Ärztin und helfen.". Wir sind gleich zurück! Als Unternehmerin oder Unternehmer sind Sie hundert Prozent bei Ihrem Projekt – wir Hundert Prozent beim Schutz.

Bei der Voodooise begleiten wir Sie rasch präzise und langfristig mit einer vertrauenswürdigen Ansprechperson die Ihnen jederzeit zur Seite steht. So können Sie sich auf das Wachstum Ihres Geschäfts konzentrieren und Ihren Unternehmergeist frei entfalten. Olga Suppern, Katharina hast du gesagt, ukrainische Ärztin lebt in Österreich und erlebt diesen Feb.

twenty-four zwei tausend zwanzig quasi auf dem Weg zum Flughafen weil sie eigentlich nach Kiew reisen wollte um was genau zu machen. Also sie will da als Notfallärztin sich einbringen und dazu muss man wissen, dass die ukrainische Armee nicht alle Verwundeten an der Front selbst versorgen kann. Und deswegen gibt es ganz viele freiwilligen Initiativen.

unter anderem gibt es die Pyrograph First Volunteer. Die machen eigentlich mit mobilen Einheiten oder Stützpunkten. Sie evakuieren verwundete und behandeln die Und dort meldet sie sich dann und versucht irgendwie, sich da einzubringen. Sie kam gleich in ihrem ersten Einsatz nach Bachmut wo in der Zeit ein wirklich schrecklicher Häuserkampf topte mit vielen Toten und Verletzten.

Die Russen hatten die Stadt eigentlich umzingelt und Überlebende aus dieser Zeit vergleichen das auch oft mit der Schlacht von Stalingrad. Was ist Ihre Aufgabe da? Sie sagt, dass sie in Spitzenzeiten bis zu zweihundert Verwundete am Tag versorgte. Sie war immer am Stützpunkt manchmal aber auch im Sanitätswagen wo die Verwunderten evakuiert wurden was sehr gefährlich war weil sie eigentlich jederzeit unter Beschuss waren.

Teilweise hat sie zwanzig Stunden täglich gearbeitet und nur ganz wenig geschlafen Und da sah sie halt wirklich jeden Tag die schlimmsten Verletzungen, die so einen Krieg an der Front verursachen kann. Ich habe gesehen zum Beispiel dass wir schon Leiche reanimieren – eine Leiche und ich habe gesagt warum reanimiren?

Wir leichen das brauchen wir nicht mehr erlebt nicht mehr. aber ja sie wollen das irgendwie zu sagen, dass sie bis zum Schläge sind. Aber ich habe schon gesehen, er hat schon Pubilen wie ein Jungsterrnige-Pubilen. Das heißt, das Hirn ist nicht mehr. Also Sie muss tafs sein auf eine Art und Weise mit den anderen aber auch mit sich?

Weil für Sie – du hast es kurz angedeutet – ist die Arbeit ja auch gefährlich ne? Ja! Teilweise Evakuation unter heftigen Beschuss durchgeführt. Es gab so Granateneinschläge direkt neben ihrer Ambulanz, in der sie fuhr... Sie arbeitet wirklich unter schwierigsten Bedingungen auch von der Ausrüstung her weil halt an der Front wirklich totaler Mangel an allem Möglichen herrscht.

und sie hat mir auch erzählt ganz am Anfang war es insbesondere der Blutmangel da haben sie selber von eigenem Blut gespendet Und sie hat mir auch erzählt, dass dann auch in den Militärambulanzen die Sie gesehen haben. Die waren gar nicht ausgerüstet sozusagen für dieses Szenario an der Front was da passierte in Bachmut.

Jetzt haben wir auch schon gelernt, dass sie eher ein robuster Charakter ist nenn ich es jetzt mal muss man vielleicht auch sein wenn man in diesen Job geht. aber trotzdem wie geht sich damit um? Der Krieg von Russland gegen die Ukraine, das fühlt sich für sie an wie der zweite Weltuntergang. Und der erste Weltuntergangen war der Zerfall der Sowjetunion und ich dachte da immer jetzt habe ich die schwierigste Zeit hinter mir.

was soll mir noch passieren? Aber nun dauert dieser Krieg schon vier Jahre an. Sie hat in zwei Einsätzen pro Jahr gesehen unter welchen schwierigen Voraussetzungen die Ukraine kämpft und das sagt sie hat sie härter gemacht. Einsätze heißt, sie fährt ja immer wieder auch zurück nach Hause in ihrem Fall also nach Österreich.

Kommt also da in den Frieden zurück? Wie geht Sie mit dieser Gleichzeitigkeit von Krieg und Frieden in Ihrem Leben um? Das ist sehr interessant weil sie hat mir gesagt dass ich nicht mehr wusste wie es sich in der Normalität zu verhalten hat. Also zurück in Österreich sich ganz normal zu verhandeln mit Menschen die sie trifft in ihrem Alltag was sie sagt Wir haben ja so eine unerträgliche Oberflächlichkeit in unserem Leben, im Umgang mit unseren Mitmenschen.

Und sie hatte diese Sehnsucht zurück an die Front zu gehen weil sie sagt ich habe mich immer glücklich gefühlt. Glücklich einer Front. Glücklich einer Front! Dort hab' ich mich glücklich verfühlt. aber es gibt den Schutzmechanismen und die Psychologen kennen das. Es gibt gute Schutzmechanismen von hier was in irgendeiner Notfallsituation, in einer Notsituation uns schützt.

Und bei mir hat das gut funktioniert.". Sie sagt es sei dort intensiver echter und eben nicht so oberflächlich. Sie sagt die Masken fallen eigentlich sofort im Gespräch mit den Menschen. Es geht um Leben und Tod. Zu Hause hatte sie das gar nicht mehr. dieses Gefühl Ging es ihr nicht so gut? Das hat sie am Anfang eigentlich gar nicht gemerkt.

Erst als ich dann ein Glas Wein trank, merkte sie sich und reagiert ganz anders unter dem Einfluss von Alkohol. Da musste sie plötzlich weinen. Sie sagte, sie konnte nicht mehr aufhören zu Weinen. dabei hatte sie früher gern diesen Wein Aber sie hatte ab da unkontrollierbare Flashbacks. Ich bin immer mit Gedanken dort, ich beginne wieder diese Situationen, verschiedene Situationen bearbeiten im Hirn an die zu denken und daran weinen.

Und nur dort mit Gedanken! Da hat sie mir zum Beispiel erzählt von einem Fleischpack, das immer wieder kam. Das war in dem Moment, dass ich kurz Pause machte. Es war schönstes Sommerwetter noch im September, im Wachmut. Der Krieg aber hat sich intensiviert weil es ein schönes Wetter war. Immer wenn es ein schöner Wetter ist keine Wolken am Himmel ist die Sicht besser.

Du nimmst diese Realität ganz anders wahr. Du siehst einen Bauer gegenüber den Himmeln Katarina, ich bin kein Psychologe. Aber das klingt schon wie eine posttraumatische Belastungsstörung vielleicht? Es ist interessant dass Olga Supan nicht wirklich kannte diese Symptome. Sie merkt es geht mir nicht gut.

Ich gehe zu einer Psychologin, aber als Medizinerin kam sie erst dann darauf, dass das ein Trauma war mit dem Sie zu kämpfen hatte. Weil sie erzählt der PsychologIn für mich ist der Krieg wie ein Albtraum Und dann hat ihr die Psychologin erklärt, das ist genau das. Das ist nämlich der Mechanismus des Gehirns dieses Trauma zu verarbeiten.

Es weigert sich diesen Krieg als real abzuspeichern und blockiert diese schlimme Realität. Deswegen ist es ein Schutzmechanismus. dass sie sich wie glücklich fühlen im Einsatz an der Front Stelle ich mir schwierig vor. man is einerseits glücklich an der front in großen Anführungszeichen andererseits Weiß man natürlich, da geht es um Leben und Tod.

Was macht sie denn da jetzt? Also wann und wo macht sie dann vielleicht eine Therapie? Ja, sie macht die Therapie zu Hause in Österreich. Weiterhin arbeitet sie an der Klinik als Notfallmedizinerin dort und baut so langsam ein Verständnis für ihr eigenes Verhalten auf, diese Sehnsucht nach der Front, die sie verspürt, zu begreifen.

Und sie merkt dann auch ... Es gibt wie zwei Qualitäten von Glück in ihrem Leben. Es gibt das Glück an der Front und dann gibt es das ruhige, sichere Glück zu Hause – und das sind nicht dieselben Dinge! Sie beschließt aber auch vor allem keinen Weißwein mehr zu trinken weil eben das genau diese Flashbacks provoziert.".

Und jetzt? Geht sie dann wieder hin? Der Krieg läuft ja nach wie vor, auch wenn er vielleicht in den Medien nicht mehr ganz so präsent ist als andere Konflikte auf dieser Welt. Aber ist sie da noch und bist du auch noch im Kontakt mit ihr? Ja also jeder der die Nachrichten aus der Ukraine verfolgt weiß wie präsente dieser Krieg noch wirklich ist in der Ukraine und für die Ukraine.

und auch Olga Supan reist deswegen wieder hin Ende Juni, und ich habe dann zufällig auch einen Einsatz in der Ukraine geplant als Reporterin. Und werde sie treffen! Sie sagt dass es sich freut auf diesen Einsatz und obwohl's lebensgefährlich ist versteht sie warum sie sich darauf freut. Katarina Bracher vielen herzlichen Dank für diese Geschichte von Olga Supran.

Bitte! Und das war unser Akzent Wenn ihr die Geschichte von Katharina über die ukrainische Ärztin Olga Supan auch lesen wollt. In der Folgenbeschreibung findet ihr einen Link zu unserem Proboabo, lohnt sich in jedem Fall. Ich bin Dominik Schottner, vielen Dank fürs Zuhören!

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