
NZZ Akzent· Folge 1685
Kriegsfotograf Dominic Nahr: «Wir müssen zeigen, dass Leute sterben»
Samstag, 3. Oktober 2026 · 28 min
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Shownotes
Wenn Dominic Nahr an einem neuen Ort ankommt, fängt er sofort an zu fotografieren. Die Kamera ist immer draussen. Die Leute sollen sehen, dass er Fotograf ist. «Ich merke schon, wer offen ist, fotografiert zu werden, und wer nicht.» Wie Menschen sich bewegten, wohin ihre Augen schauten – das alles verrate ihm, wer sie seien.
Seit zwanzig Jahren ist Dominic Nahr als Fotograf in Kriegs- und Krisengebieten unterwegs. Er wohnt in Zürich, steigt aber alle paar Wochen ins Flugzeug, um die NZZ-Korrespondentinnen und -Korrespondenten auf ihren Reportagen zu begleiten. Im Gespräch erzählt er, wie er es schafft, in intensiven Momenten wie Beerdigungen oder Fronteinsätzen zu funktionieren.
Gast: Dominic Nahr, NZZ-Fotograf in Krisengebieten
Host: Alice Grosjean
Bild: Dominic Nahr
Weiterführende Links
• Das Foto der Beerdigung in der Ukraine hier zum Anschauen (nzz.ch/ld.10026296)
• Hier findet ihr alle NZZ-Artikel (nzz.ch/impressum/dominic-nahr-ld.1661941)mit Fotografien von Dominic
• Video-Doku (youtube.com/watch?v=aT21ktK14Ig)über Dominics Einsätze in der Ukraine
• Dominics eigene Website (dominicnahr.com)und sein Portfolio
• Fotobuch (nzz-libro.ch/produkt/ivo-mijnssen-das-wilde-fe…)über die Menschen und den Krieg in der Ukraine, mit Fotos von Dominic Nahr und Artikeln von Ivo Mjinssen, stv. Chefredaktor der NZZ
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Und einer der dieses Szenens fotografiert ist der NCZ-Fotograf Dominic Nahr. Der Grund warum ich funktioniere ist weil ich aus Fotografier konzentriere. Das ist die Mission und meine Kamera ist der Grund, warum ich da bin. Wie Dominik arbeitet um die Ausnahmezustände unserer Welt visuell festzuhalten?
Und was das mit ihm selbst und seiner Psyche macht darüber sprechen wir heute. Also ich muss das so distanziert wie möglich ansehen aber es könnte natürlich sein dass es dann in meinen Träumen existiert. Ich mache einfach einen Schritt nach dem anderen. meistens gucke ich erst am Tag vor meinem Flug wenn der Flug überhaupt geht.
Mein Name ist Alice Grosjean und ich freue mich sehr auf dieses Gespräch. Hallo Dominik! Hallo, vielen Dank für die Einladung. Dominik um gerade mal direkt reinzusteigen wenn du unterwegs bist auf einer Reportage und du triffst dort Menschen an einem Ort wo du noch nie warst davor wie oder wann entscheidest du da ob du eine Person fotografieren willst?
Ich fange eigentlich immer gleich an zu fotografieren. Ich habe die Kamera auch immer draußen. Also Leute sehen, dass ich Fotograf bin und ich will das nicht verstecken. Ich merke schon wer offen ist fotografiert zu werden und wer nicht. Es hat immer so Personen – ich nenne sie The Crazy Uncles – die Probleme machen würden.
Und die versuche ich halt nicht zu fotografieren. Wie muss mir so ein Vorstellen? Meine Sprache, die ich gut kann, ist nicht irgendeine verbale Sprache aber es ist die Sprache von Menschen wie Sie sich bewegen Augenbewegungen Körperbewegung. Ich lese die ganze Zeit verschiedene Menschen ausdrücke, wie sie mit mir reden.
Aber einfach mit ihren Körpern und so kann ich ein bisschen erfahren was für Menschen Sie sind und ob Sie auch offen sind fotografiert zu werden oder nicht? Und wie... Was für eine Körpersprache hat so'n crazy Ankel der nicht fotografiert werden will? Meistens weiß er nicht was los ist oder es bis zum weiter weg und sieht mich von der Distanz und denkt ich soll nicht da sein oder ich soll ihn nicht fotografieren.
Bis er dann realisiert und sich auch überlegt, ich komme jetzt zu diesem Fotograf und sage er soll nicht fotografieren. das braucht einen Moment. Und ich gucke einfach immer dass ich dann schon fertig bin am fotografieren und schon wieder weg bin. Das heißt du fotografierst die Menschen eigentlich bevor sie überhaupt checken dass sie fotografiert werden?
Ja teilweise logisch wenn wir Protagonisten haben die wir begleiten für längere Zeit die wissen natürlich dass ich auch da fotografiere dann warte ich erst was die Geschichte ist und wer wir sind. Und dann fotografiere ich, aber wenn ich irgendwo draußen bin wo es viele Menschen hat, dann fotografier' ich einfach und versuch mich halt durch die Menschenmasse zu bewegen so dass eigentlich niemand wirklich gemerkt hat das ich im Bild gemacht habe.
Also es hat zwei Versionen. Die eine Version sind die Menschen die im öffentlichen Raum sind Da bewege ich mich, mache Bilder und versuche halt nie ganz klar zu sein Wer ich bin oder was ich mach und dann die anderen wo die Protokonisten sind mit denen wir direkt Kontakt haben. Aber das sind ja dann auch die Menschen, die wirklich fokussiert, wo es Porträts gibt.
Die man erkennt auf dem Bild und das andere ist in der Ehrleute, die sind so in einer Menschenmenge drin oder die erkennt man nicht? Oder auf der Straße... Ja, es geht nicht um die Person Es geht um die Ambiance oder die Stadt oder die Straße oder das Gebäude, das im Hintergrund ist Das Zerstörtes oder die Geschichte von diesem Museum oder sowas.
Dominik Nahr ist seit zwanzig Jahren in Krisengebieten rund um den Globus unterwegs. Als Fotosjournalist muss er dabei immer wieder seinen eigenen Zugang zu den Menschen vor der Kamera finden. Es gibt zum Beispiel ein Bild, das hat Dominik in der Ukraine aufgenommen. Das Foto zeigt eine Menschengruppe auf dem Friedhof.
Im Vordergrund sieht man rote Rosen und einen offenen Sarg Und im Sarg drin da liegt der Blasseleichnam eines jungen Mannes. Runterum steht seine Familie. Den Link zum Foto findet ihr auch in den Show Notes. Da bei dieser Situation, ich nehme an da bist du nicht einfach dran vorbeigekommen oder schon?
Nein wir waren schon am Friedhof und haben geschaut ob es verschiedene Zeremonien gibt für Soldaten die gestorben sind. Und dann haben wir von diesem jungen Mann gehört. Es ist immer nicht angenehm, Leute anzusprechen während sie in Trauer sind und während die Zeremonie für den Verstorbenen gerade im Gange ist.
Wir haben es ein bisschen später gesehen und dann fange ich halt an und suche so die hinteren Personen und fang an zu reden und sage Entschuldigung mein Name ist Dominik. nah Ich bin Fotograf dürfte hier fotografieren. wen soll ich ansprechen? Und dann meistens bewege ich mich durch diese Gruppe und irgendwann habe ich jemanden getroffen der sagt ja oder nein Und wenn ja, dann muss ich halt vor diesen Menschen stehen die trauern und versuchen Bilder zu machen.
Es ist nie angenehm bei Beerdigungen aber sie wollen auch zeigen dass ihr Sohn, Ihr Bruder gekämpft hat und ein guter Kämpfer war. der war sehr jung und hat sein eigenes Unit gehabt. also er war wirklich ein Supersoldat und ist gestorben weil sein Kollege vor ihm auf einer Mine gestanden ist Beides hintergestorben.
Also er ist nicht mal gestorben wegen ein Fehler von ihm oder so und die wollten einfach irgendwie seine Erinnerung behalten, um wussten wenn ich da fotografiere dass das es nichts für nichts ist, dass man zeigen kann dass er gekämpft hat und jetzt wegen Russland gestormen ist. Und welche Person aus der Gruppe hat dann dir sozusagen das okay gegeben zum Fotografieren?
Meistens Nicht direkt die Familie, weil sie sind ganz am Trauern. Das ist immer vielleicht ein Bruder oder eine Schwester vom Vater oder so. Ich war in einer anderen Situation wo Kinder gestorben sind nachdem der Drohne einen Spielplatz erwischt hat und da ist es noch schwerer. Es war auch ne Beerdigung?
Oder... ...Beerdigung von Kindern! Und eine Familie hat klar Nein gesagt. wir waren drei Fotografen Und bei einer anderen haben sie ja gesagt, und da muss man halt vor dem Sarg stehen. Und fotografieren während der Vater so total am Ende ist und sein Kind umarmt in diesem offenen Sarg. Aber da war es irgendwie klar zu zeigen auch wieder was der Schrecken vom Krieg ist.
Und die Eltern haben das auch gewusst. Sie wollten nicht dass das Kind einfach für nichts gestorben ist. Man muss zeigen wie schlimm das ist und dass eben Kinder sterben. Und hier die Eltern wollten zeigen, dass ihr Sohn, der gekämpft hat und gut gekämmt hat auch gestorben ist wegen diesem Krieg. Wie ist das für dich in dem Moment?
Wenn du da eben davor stehst... wie schaffst du es dir so auf das Technische zu fokussieren? Ich halte dann die Emotionen aus und konzentriere mich aufs Fotografieren. Das ist der einzige Weg, wie ich das ausblenden kann Dass vielleicht paar von den Angehörigen nicht wollen, dass ich hier bin. Also es ist nie angenehm.
Das sind die schwereren Aufträge oder Situationen, die wir brauchen um die Geschichte zu erzählen weil wir müssen zeigen dass Leute sterben und Soldaten sterben. aber das ist nieangenehm das zu machen und ich versuche jetzt auch nicht die ganze Zeit zu tun. Und bekommen die Leute dann auch nachher ein schickst du denn denen auch die Fotos?
Oder ist das eher die Ausnahme? Kommt drauf an bei so Sachen eigentlich nicht Aber ja bei anderen Situationen gerade mit den Soldaten, wenn sie am Kämpfen sind oder an Frontpositionen sind dann wollen die alle ihre Bilder haben. Aber hier weniger. Gibt es auch Momente wo du von dir aussagst da fotografiere ich nicht aus ethischen Gründen oder sonst einem Grund?
Ich fotografieren nicht, wenn jetzt die Personen vor mir sagen nicht fotografieren das ist dann klar. aber ja eigentlich fotografier ich immer weil es ist gefährlich wenn man in der Situation ist und sich schon auseditiert. Meinst du das? Ich mache die Bilder, erst nachher, wenn ich von der drei D-Welt auf die zwei D-welt komme und auf dem Laptop dann die Bilder angucke.
Dann kann ich erst überlegen was ich habe, was gut ist zum Schicken, was nicht gut ist zu schicken. Ich war schon in Sudan während einem Krieg vor ein paar Jahren Und ich hab so viele Bilder gemacht von Toten und es war fast Kunst. Aber in der Situation habe ich nicht gemerkt, wie schrecklich das alles war.
Erst nachher habe ich dann die Bilder angeguckt und war total schockiert, dass sich so Bilder gemacht haben. Aber ich war so fokussiert auf diese Situation. Es war auch sehr problematischer Ort und hab einfach Bilder gemacht von allem. Und nachher konnte ich nichts benutzen. Das war zu grotesk oder zu garfisch.
Okay also du würdest dich dann erst im Nachhinein dazu entscheiden? eine Grenz überschreiten, dass man das nicht machen kann. Aber vor Ort fotografierst du einfach mal grundsätzlich? Ja, weil eben außer Menschen oder Personen sagen nein. Aber generell versuche ich durch zu fotografieren.". Dominic ist in der Schweiz geboren – in Hongkong aufgewachsen und hat danach mehrere Jahre in Nairobi gelebt.
Mittlerweile wohnt er zwar wieder in Zürich aber alle paar Wochen steigte ins Flugzeug um die NCZ-Korrespondentinnen und Korrespondenten Allein. dieses Jahr war er auf drei Kontinenten unterwegs, unter anderem in Japan, Syrien im Sudan und immer wieder in der Ukraine. gelandet ist und wir waren gerade unterwegs in die Richtung zu laufen, wo sie von der Basis gehört haben.
Wir müssen zurück.". Und dann kommen wir zur Basis wieder zurück und dann war es wieder okay und dann sind wir gleich auch zu den Kampfpositionen gegangen. und dann haben Sie anfangen zu schießen mit... Das an der Frontlinie? Ja ja das war richtig! Also drohen überall. Okay jetzt in so Momenten also alles rundherum, wo man keine Ahnung hat was als nächstes passiert, wo ein Hyper aufmerksam sein muss wie kannst du dich in so momenten aufs fotografieren Konzentrieren?
Der Grund, warum ich funktioniere ist weil ich aus Fotografieren konzentriere. Also ich benutze das als die Mission es jetzt dahin zu rennen dann in den Tunnel rein gehen und die ukrainischen Soldaten zu fotografieren während sie arbeiten. Das ist die Mission und meine Kamera ist der Grund warum Ich da bin Und irgendwie schaffe ich dann dazu Arbeiten und ich gucke dass ich nicht im Weg Bin von den Soldaten wenn Sie die verschiedenen Ammunitionen hin und her tragen und arbeiten.
Das ist auch, du fokussierst dich da drauf auf das Fotografieren und blendest dadurch alles andere aus? Nein nur die Angst. vielleicht blend ich aus. Alles andere ist noch sehr da. Ich guck dass ich nie im Weg bin. Ich sehe wo Leute hinkommen und ich bin irgendwie auch bereit wenn etwas einschlägt einfach klar sein dass es könnte passieren um was sich dann machen.
Wo grenne ich hin? Was sind meine Möglichkeiten? Also es ist dir in jedem Moment bewusst wo du hin rennen könntest wenn was passiert. Ich gucke auch, ich skerne die ganze Zeit immer wo es eine Möglichkeit hat mich zu verstecken. Und so sicher als technisch in so einer Situation bist du da selber für dich zuständig oder gibt's irgendwie ne Aufgabenteilung wer für was zuständig ist?
Wir sind immer zu dritt der Korrespondent ein Übersetzer oder Produzent und wir gucken einfach alle das wir immer aufeinander schauen gucken, wo die Gefahr sein könnte. Aber zum Beispiel bin ich muss ja wieder aus dieser Basis raus so eine Ford Operation Base und was heißt das genau? Das ist so ne Basis an der Front.
Von da aus wir schwärmen sie aus und kommen wieder zurück. Ja gehen wieder rein, ein Keller meistens von aus arbeiten und drin bleiben wenn es gefährlich wird. Und ich muss halt wieder rausgehen um zu fotografieren. also ich bin meistens dann wenn's wirklich gefährlich ist bin ich der einzige der noch geht.
Der Produzent und die Korrespondenten bleiben, weil für sie bringt es ja nichts. Die bleiben in der Sicherheit von dem Keller. Und ich gehe dann raus und mache die Bilder und dann komme wieder zurück.". Wir sind gleich zurück! Profitieren Sie bis zum dreißigsten November, zwanzig sechsundzwanzig vom Sonderrabatt.
Mehr Informationen und Bedingungen unter postfinance.ch. slash terminal. So equipmentmäßig kannst du mal beschreiben bei so einem Einsatz was du alles mit dir rum schleppst an so einem Tag? Ich habe immer zwei Kameras dabei eine Hauptkamera die ich benutze und dann zweite Kamera die ich dabei hab falls ich schneller muss fotografieren oder ich vor etwas stehe wo Ich denke, es ist sehr wichtig.
Dann mache ich das Bild zweimal. Damit du einen Backup hast? Dass ich am Back-Up nicht nur auf der SD-Karte, aber auch zwei Kameras haben das Bild auch. Es ist nicht genau das gleiche Bild, aber wenigstens habe ich es. fast irgendetwas passiert. Falls die Kamera kaputt geht oder beschlagnahmt wird... Genau!
Irgendwas. Das ist gewöhnlich. Also immer wenn ich weiß dass es nur einmal wird was passieren? dann mach' ich ein Bild mit einer Kamera, tue die runter und im zweiten kann man dann machen die Bilder. Dann habe ich natürlich Wasser dabei, ich hab noch ein langes Objektiv das nie benutze. Aber immer dabei her.
Ist aber schwer wahrscheinlich? Ja genau super schwer! Dann Batterien. also genug dass ich den ganzen Tag arbeiten kann oder einen zweiten Tag arbeiten können. Genug SD-Karten. dann habe ich einen Garmin Inreach. Das ist so ein Zatoliten Kommunikationssystem das mit meinem Telefon verknüpft ist. Also ich kann Text Messages zu NZZ hier schicken Über Satelliten?
Ja, über Satellite. Und dann haben wir auch Schutzwester, Helm, Medical Kit... Dann habe ich so Action Cameras immer eine auf meiner Weste, die rausguckt und die auf meine Kamera ist. Die laufen eigentlich die ganze Zeit wenn ich an der Front bin oder irgendwo wo es ein bisschen brenzlig ist. Warum machst du das?
Ich hab das schon immer gemacht. Weiß nicht! Für mich ist einfach wichtig alles zu dokumentieren Sachen, die ich vielleicht nicht gesehen habe Oder eben wenn etwas passiert dass es auch dokumentiert ist Ton und mit Video, nicht nur mit Bildern. Hattest du schon mal eine Situation wo du im Nachhinein eben was entdeckt hast, was du nicht gemerkt hast?
Nicht so Detailen einfach so in Gesandten wie krass die Situation war eigentlich. Ich merke es auch nicht wenn ich in der Situation bin weil ich bin so hyper fokussiert auf. Was kann man machen wenn etwas passiert? Wo fotografiere ich Wie schnelles fahren wir gerade? Und dann merk' ich halt nicht alles.
Und die Videos zeigen einfach wirklich, wie es war und die Intensität. Und wenn meistens überrascht, wie unsere Gesichter dann auch aussehen. Weil wir voll fokussiert sind und natürlich auch sehr hohen Adrenalin durch den Körper. Schaust du dir die Videos im Nachhinein regelmäßig an oder einfach ab und zu?
Wenn du mal wieder so ein Reality-Check brauchst? Nein ich gucke nicht an. eigentlich nur, wenn ich es brauche für meine Arbeit Social Media für NZZ oder private Ausstellungen Und dann bist du so, oh shit. Ja ja genau, wenn ich das angucke und die Töne höre, so denk' Oh Gott! Aber was würde dich jetzt nicht daran hindern, das nochmal zu machen?
Nee nee, vielleicht früher den Record-Button drücken oder weiß ich was... Ne, ich gucke immer, was könnte ich noch besser machen? Also auch ein bisschen selber noch besser werden, sich kommentieren und besser werden. Würdest Du sagen, Du bist als Fotograf? kannst Du oder musst Du näher an die Menschen rankommen wie ein schreibender Journalist?
Nicht unbedingt. Ich glaube ein guter Schreiben, der halt schon an ist muss genau gleich nahe an Personen kommen wie ich. Ich muss vermutlich nur anders an die Personen rankommen und ich muss länger mit denen bleiben. Idealerweise sogar dass wir da schlafen wo wir fotografieren also wenn wir eine Familie fotografieren das wir auch dort schlaven können oder dass ich da schlaf kann.
Also dass es so intim wie möglich ist, dass sich den ganzen Ablauf vom Leben dieser Person mitmachen kann. So sehe ich das. Also sie haben wir mehr Informationen und kommen vermutlich emotional näher dran, weil Sie über Sachen diskutieren und die Protagonisten öffnen sich. Und bei mir ist es halt visuelle.
Vielleicht bin ich dann um ein Uhr morgens schleichig aus dem Bett und schau wie die Mutter ihre Tochter hält während der Fernsehe ein blaues Licht auf sie strahlt. Und merken Sie denn dass du sie fotografierst? Nee, dann schalte ich die Kamera auf lautlos. Nimm das Bild und geh wieder ins Bett. Und sagst du ihnen im Nachhinein, dass du sie fotografiert hast oder nicht?
Ich hab's vermutlich schon wieder vergessen! Wenn da als Sie aufwachen und machen mehr Bilder... ...ich merke erst nachher welche Bilder auch ein Gewicht tragen. Und wenn dann das Bild veröffentlicht würde im Nachhinheim?! Musst du ihnen das dann sagen? oder ist es wie so das Agreement, dass darfst du?
Ja ich hab's ja schon vorher besprochen und sie wissen ja ich schlafe da. Dass sich auch intime Momente erwische die vielleicht nicht möglich wären wenn ich jetzt nur für eine Stunde da wäre um wieder gehen würde. Ist schon klar. also ich erkläre auch dass ich da fotografieren möchte wie sie ins Bett gehen oder am Morgen aufwachen.
Das haben wir schon ein bisschen diskutiert. Ich habe es der Familie geschickt natürlich und sie waren auch sehr happy Aber sie wollten auch zeigen, wie es ist für Sie im Krieg zu leben. Die Realitäten, die Dominik auf seinen Fotos festhält sind intensiv und er selber muss wahnsinnig oft wechseln zwischen verschiedenen Realitäten.
Gerade erst zurück aus der Ukraine geht's gleich weiter nach Syrien – unter Zwischen das Leben in der Schweiz! Hast du da irgendeine Art von Ritual oder Gewohnheit? Wie du davon der einen Realität irgendwie in die nächste wechselnd kannst?! Nicht unbedingt. Ich guck einfach nie, wie groß der Berg ist.
Welcher Berg? Der Berg, der vor mir steht! Ich fange einfach an zu laufen und ich gucke nie hoch, wie gross der Berg is'. Und so merke ich nicht, wie krass die Unterschiede sind. Ich mache einfach einen Schritt nach dem anderen. Meistens gucke ich erst am Tag vor meinem Flug wenn der Flug überhaupt geht... ...und ich packe meine Sachen.
Ich versuche einfach mich zu weit nach vorne zu schauen.. ..und bin halt immer genau in der Gegenwart. Wenn du in der Gegendwart komplett übermütet bist… Dann machst du das trotzdem? Ja, ja. Aber dann bin ich übermüdet in dem Moment wo ich bin im Flugzeug am Flughafen In einem Hotel Im Auto weil wir jetzt sechs Stunden wieder fahren müssen.
Ich gucke nicht rückwärts oder vorwärz. Das habe ich von meinen Eltern gelernt. Ich bin in Hongkong aufgewachsen Und meine Eltern haben wirklich immer im Moment gelebt. Die waren auch Experts Also Leute die weit weg von der Schweiz gelebt haben. Dann guckt man auch nichts zurück und auch nicht so weit nach vorne.
Planet man Nicht unbedingt. Man plant nicht. Vielleicht einer meiner Schwächen ist Planen, ich plan so eine Woche voraus vielleicht zwei aber alles andere ist ziemlich schwer und meine Familie nervt das natürlich dass sich dann nicht weiter vorne planen kann weil ich vielleicht passiert wieder war sondern gehe ich am nächsten Tag wieder auf den Flieger.
Wie gehen die damit um? Deine Familie Haben sie sich dran gewöhnt oder nicht? Also in meinem Kopf haben Sie sich daran gewöhnen? aber ich glaube nicht. also meine Mutter ist natürlich immer ein bisschen nervös, wenn ich in so Plätzen gehe. Aber mein Vater war ein Abenteurer, hat Rennautos gefahren und war ein Pilot.
Und ich sage dann einfach, ich gehe meinen Vaters Footsteps und dann irgendwie denkt sie, ja stimmt. Hilft ihr das? Ja, ich glaube es hilft dir! Okay... Wenn du da bist also eben auch sehr im Moment, dann passiert's oft dass du auch Zeuge wirst von eben sehr krassen Sachen, von sehr starken menschlichen Leid.
Genau weißt, okay morgen gehe ich an einen Ort wo eine riesige Zerstörung ist. Wo ich schlimme Sachen sehen werde. Bereitest du dich darauf irgendwie vor? Ich gucke dass meine Batterien voll sind und meine Karten leer sind... ...ich gucke das ich die richtige Schuhe anhabe und die richtige Kleidung fürs Wetter.
Mein Punkt ist einfach, ich gucke einfach dass meine Sachen funktionieren und dass ich funktioniere und die richtigen Kleideranhaben für den Tag der dann kommt. Und ich denke nicht jetzt, wie schlimm könnte es sein? Weil das ist wieder so... Ich gucke den Berg hoch und wie steil der er ist. Das mache ich eigentlich nicht!
Ich guck einfach was vor mir ist und wie ich packen kann und dann lass mich überraschen, was kommt. Wenn es passiert und es sehr schlimm ist, was du alles siehst und erlebst an dem Tag, was macht das mit dir im Nachhinein am Abend wenn du wieder im sicheren Hotel zurück bist zum Beispiel? Das Glück, dass ich habe ist, dass wir immer als Team unterwegs sind und das was wir gesehen haben.
Wir können es diskutieren oder wir können Witze machen über whatever und können uns irgendwie dann langsam runterholen. Also setzt ihr euch abends zusammen? Ja schon im Auto diskutieren was passiert ist um wie glück wir hatten oder bla bla bla... Und wir versuchen uns einfach dann hat die Situation durchzuarbeiten durch Konversation und Witze und Ich bin nie alleine und denke wow!
mit meinem Team kommunizieren oder sagen, hey das war zu weit. Wir sind zu weit gegangen, zu gefährlich. Oder nee es war eigentlich cool alles hat gut geklappt. so diskutieren wir das auch und das mache ich auch mit mir selber. War es zu gefährdlich? Wo waren die Warnungssignale, die vielleicht da waren, die wir überschritten haben?
Es ist wieder sehr mechanisch. also Ich glaube die Arbeit kann man nicht machen wenn man zu emotional über die Situation. Sonst könnte ich ja nicht die ganze Zeit wieder arbeiten. Also ich muss das so distanziert wie möglich ansehen. Aber es könnte natürlich sein, dass das dann in meinen Träumen existiert.
oder ich habe schon gehört, dass ich im Schlaf vielleicht rede und vielleicht etwas sage von you know the warehouse is burning oder die Bombe ist angeschlagen, dass sich so Sachen auch sagen. also logisch. Das scheint dich schon zu verfolgen in den Träum. Ja ja. Hattest du schon mal einen Moment? Wenn du dann ein bisschen größere Distanz hattest, die paar Tage später oder wieder zu Hause?
Und wenn du dann vielleicht doch mal ein bisschen alleine bist, wo irgendwas kommt. Oder passiert das nicht? Ja es kommt aber halt nicht wie ich merke oder nicht dann, wenn ich denke nach drei Tagen kommt ist. Es ist mehr dass ich dann vielleicht müde habe mit Menschen zu sein also in einer Größe Gruppe von Menschen oder hier ankommen in der Schweiz und alle reklamieren über irgendetwas und das macht mich natürlich so... So Kleinigkeiten!
Ja also bin dann halt sehr etwas wütend Auf alle Menschen. So Sachen, also es sind mehr so Reaktionen die dann kommen aber nach ein paar Tagen geht das wieder weg. Hat sich dein Umgang damit verändert über die Jahre hinweg? Ja sehr! Als ich jung war wenn ich Probleme hatte mentale Probleme gegen irgendetwas bin ich einfach zum nächsten Ort gegangen.
So kann man eigentlich sehr gut zu Sachen ausweichen weil man geht von Ort zu Ort und muss nie überlegen weil man schon wieder im neuen Ort ist und konzentriert. Und so habe ich das früher gemacht. Irgendwann hat das nicht mehr geklappt, weil ich war einfach zu voll mit Sachen, die ich ignoriert habe.
Das war auch ein Grund warum mich in die Schweiz gezogen bin, weil Ich wollte irgendein Ort haben der Fix ist Der auch offiziell mein Zuhause ist. Weil oft war ich in Orten wo ich vielleicht einen Tourist-Visa hatte und doch da gelebt hab. für Jahre Und darum war ich immer. als ich zurückkam War ich nicht sicher ob ich ins Land wieder komme Ob ich meine Sachen sehen werde oder vielleicht beim rausgehen würden sie mich erwischen und war immer nervös und das hilft nicht wenn man dann sich beruhigen will.
Und dann dachte ich, vielleicht gehe ich mal in die Schweiz und habe eine Adresse. Ich kriege Briefe an der Adresse, ich registriere mich in diesem Land und auf einmal bin ich in einem System drin, das ich vorher nicht drin war. Das hilft natürlich so mich zu beruhigern, weil das System ein bisschen auf mich auch aufpasst.
Weil Sachen funktionieren einfach. Du kannst Briefen nicht ignorieren? Ja ja, ob gut oder schlecht. das Gesundheitssystem funktioniert. Ja, und ich versuche dann auch einfach nicht länger als zwei Wochen in Orten zu sein wo stressig sein könnten dass sich dann schneller wieder recovering kann Dass ich schneller besser werden kann.
Ich träume oft einfach dass ich nach KFC hier und dann nie mehr raus muss Und einfach da arbeiten kann aber es ist nicht logisch. Wäre das gut für dich? Nee ja vermutlich nicht Aber vielleicht...ja er weiß nicht Vielleicht Es ist halt schwer weil ich denke immer wenn etwas passiert Bin ich nicht da und hab so ein Schuldgefühl, dass ich nicht ... da bin.
An dieser großen Geschichte, die ich schon seit fast fünf Jahren begleite. Und das ist... Das Schuldgefühl ist sehr schwer so. Schuldgefühlt gegenüber wem? Mir selber, dass sich nicht da bin um zu dokumentieren was passiert ist. Also es ist immer das Erste was kommt in dir drin, du musst das dokumentieren.
Ja Für die Geschichte Dass man dich vergisst was passiert ist. Und hoffentlich in zwanzig Jahren, dreißig Jahre guckt man zurück und schaut diese Bilder an und versteht wo wir überhaupt waren. weil jetzt in der Gegenwart verstehen wir... Wir sind so im Chaos, wir verstehen doch nicht wie das alles funktioniert hat.
und was waren die Verknüpfungen? Wie sind wir überhaupt dahin gekommen? So habe ich angefangen. aber jetzt bei der Zeitung finde ich natürlich dass die Gegenwart doch wichtig ist und dass die Geschichten die wir teilen hoffentlich auch Menschen erreichen Ein Gefühl haben von einer Situation, oder dass sie nicht vergessen was passiert.
Oder dass sie erfahren... ...was nicht in den Schlagzeilen normalerweise ist. Darum gehen wir nach Jemen-Darm und Libyen. Daumen gehen wir wieder nach Syrien und nicht nur in die Ukraine. Der Effekt ist jetzt in der Gegenwart, nicht nur in der Geschichte. Aber natürlich bin ich sehr froh, dass sich ein Archiv in der Endset-Zelt habe.
Das heißt vielleicht eben wenn man mal wieder über etwas redet... ...in zwanzig Jahren sind die Bilder da um zu erzählen was überhaupt in unserer Geschichte passiert ist? Ihr habt unsere Samstagsfolge von NCZ-Aktzent gehört, heute mit dem Fotografen Dominik Nahr. Und wenn ihr jetzt neugierig seid auf seine Fotos dann schaut unbedingt in den Show notes vorbei.
da findet ihr diverse Links zu seinen Arbeiten in der NCZ und ich finde auch ein Link zu einer Videodokumentation über Dominik. Da bekommt ihr nochmal einen sehr guten Eindruck davon wie seiner Arbeit an der Front im Ukraine Krieg tatsächlich aussieht! Das war's von mir Alice Grosjean. wir hören uns bald wieder.
schön wart ihr da Macht's gut.