NZZ Akzent· Folge 1684

In Japan verschwinden jedes Jahr Tausende Menschen spurlos – und freiwillig

Freitag, 2. Oktober 2026 · 15 min

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Shownotes

Tausende Menschen verschwinden jedes Jahr in Japan freiwillig aus ihrem bisherigen Leben. Dieses Phänomen nennt sich Johatsu, zu deutsch: verdunsten. NZZ-Korrespondent Andreas Babst hat einen Mann namens Otha in Tokio am Tag seines Verschwindens und Neuanfangs begleitet.

Warum Otha weg will und warum viele es ihm gleich tun, erfährst du in dieser Episode. Andreas erzählt ausserdem von einer Unternehmerin, die das Verschwindenlassen von Menschen zu ihrem Business gemacht hat.

Gast: Andreas Babst, NZZ Südostasien-Korrespondent
Host und Produktion: Lillybelle Eisele

Redaktion: David Vogel

Copyright Foto: Rebecca Conway

Andreas Reportage findest du in der NZZ (nzz.ch/international/in-japan-verschwinden-tau…).

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Dieser Podcast wird präsentiert von PostFinance, ihrer Schweizer Partnerin für moderne Zahlungslösungen und einfaches Einkassieren im Geschäftsalltag. Andreas, du warst in dem Moment dabei. Was hat er denn da geschrieben? Es war eigentlich nur eine kurze Notiz gar kein langer Brief. Er schrieb es tut mir leid dass ich verschwinde.

Ich habe keinen Verbrechen begangen. Ich will mich nicht umbringen. Bitte suchen Sie mich nicht. Vielen Dank für alles. Und was ist dann passiert? Dann verschwand Otter aus seinem bisherigen Leben. Tausende Menschen verschwinden jedes Jahr in Japan Viele von ihnen freiwillig. Südostasien-Korrespondent Andreas Barbst hat Ota am Tag seines Verschwindens begleitet – ich bin Lili Beleisele.

Andreas, wie muss ich mir diesen Mann vorstellen? Ota ist ein fünftierzig Jahre alter Mann. Er sieht eigentlich ganz und gar unauffällig aus, als wäre er fast alle die Pendler, die man täglich in Tokio am U-Bahn... Die Bahnhof sieht. diese Tausend Menschen, die sich an diesen Zeugen drücken. Er trägt eine Brille, einem Handgelenk hat eine nicht zu auffällige Uhr und Otto hat ein Literaturstudie.

Der wollte auch gerne Verlagswesen mit Comics arbeiten. Er hat dann aber an der Uni einen älteren Mann kennengelernt, seinen Manager. Der mit ihm ein Geschäft gegründet hat für Second Hand Artikel und er hat ihm das Otto ein gutes Leben ermöglichte. Er reiste mit ihm in die Philippine nach Malaysia nach Singapur.

Otto hat Geld verdient und so viel Geld vernimmt, dass er manchmal auch glaubt, er sei besser als alle anderen.". Das klingt ja soweit alles ganz! Gut, warum will er jetzt das alles hinter sich lassen? Weil dieses Unternehmen in dem er arbeitete irgendwann begann die Probleme. Er hatte Schulden. der Partner sich an der Börse verspekuliert es gab Streit und Otto hat sich eigentlich von seinen Freunden entfernt während dieser Geschäftspartnerschaft keine Freunde mehr.

Als ich die Probleme aufgehörmte, hat er sich entschieden. Ich will verschwinden.". Dafür braucht er aber Hilfe und diese Hilfe bekam man von einer Frau namens Saita. Und wer ist sie? Saitaa lässt seit ca. twenty-fünf Jahren Menschen verschwenden. Sie ist sechsundfünftig Jahre alt Und pro Jahr hat sie ungefähr einhundert Gründen, denen sie die Flucht aus ihrem Leben ermöglicht.

Also es ist ein richtiges Business! Es ist ein Business... Sie hat eine Webseite, wenn man sie googelt findet man Seita. Sie ist die einzige. Sie sieht ganz viele solche Nachtfluchtunternehmen vor allem in Tokio aber auch in ganz Japan Die Menschen mitten in der Nacht verschrinden lassen. Menschen die aus ihrem Leben verliehen wollen.

und Seita hat dieses Business angefangen. Sie war Opfer eines Gewalttät in Partners. Das war schon von zwanzig Jahren und sie ist selber einfach verschwunden und hat dann eigentlich um einen Schicksal ein Geschäftsmodell gemacht. Sie hilft jetzt anderen Menschen aufzubrechen, zu verschwinden. Sie macht das nicht gratis – es kostet ungefähr tausend Franken, seither zu engagieren.".

Und Ota, der hat diese Tausend Franken bezahlt damit er sein altes Leben hinter sich lassen kann? Genau, Otto verschwand bereits vor acht Jahren einmal. Das war damals als diese Geschäftsfartnerschaft zerbrach. Damals wollte er verschwinden und hat Zeit gefunden über das Internet. Und sie hat ihn nicht nur abgeholt, sie hat ihm auch einen Job vermittelt.

Ein Job in einer Metall-Arbeiterverdrück, so eine totale Routine. Brücken und Straßenteile starten. Otto machte diese extrem eintönige Schichtarbeit, er teilte sich ein Zimmer, das der Arbeitgeber zur Verfügung gestärkte mit anderen Schichtarbeiten. Sprech wenn die Tagsschicht zum schlafen kam dann hat die Nachtschicht das Zimmer verlassen.

Und Otto freut sich mit seinem Mitbewohner an. Am Wochenende waren sie acht zusammen im Zimmer, der Mitbewohner ließ sich dann allerdings Geld von ihm und verschwammt plötzlich. Das war wieder so ein Moment, wieder einen Betrug wie schon bei diesem ersten Geschäftspartner. Und jetzt hat Otto wieder gesagt ich muss wieder verschwinden.

Er nennt das so ein Reset, ein Neuanfang, also wie eine Taste bei der Spielkonsole. man kann noch mal neu anfangen. Ota macht das jetzt also schon zum zweiten Mal, einfach so sein Leben hinter sich zu lassen. Saita hat sich ein Business damit aufgebaut mit diesem Verschwindenlassen von Menschen. So wie du es erzählst, das klingt als wäre das in Japan gar nichts Ungewöhnliches?

Ja! Also man muss dazu sagen im modernen Japan sind Menschen eigentlich schon immer plötzlich verschwunden. Die Polizeizahlen sagen zwischen achtzig und neunzehntausend Menschen verschwind eigentlich jährlich Und etwa achtzig Prozent dieser Menschen findet man wieder. Das sind eigentlich die letzten zwanzig Prozent, die mich interessierten für diese Geschichte, weil das sind Menschen, die nicht gefunden werden wollen.

und dieses Verschwinden begann eigentlich schon früh. in den Sechziger-Siebzigerjahren war es oft Hausfrauen oder Ehemänner, die unglücklich waren ihre Beziehungen. Es waren Jugendliche, die ein freies Leben in Städten suchten. Während den späteren Wirtschaftskrisen waren es Entlassene Angestellte, die sich schämten, dass sie keine Aufgaben mehr hatten.

Und jetzt zuletzt waren es auch vermehrt alte Menschen, die niemandem zu Last fahren wollten und in Japan gibt es verschiedene Wörter für dieses Phänomen. eines, das so ein Disfumlikant geworden ist Auch im Westen ist Shohatsu und das heißt Verdunsten. Menschen, Die einfach verdunsten ganz verschiedene Gründe haben, Schulden.

Es kann sein, weil ein Kind sich extrem schämt, dass es durch die Uni-Prüfung gefallen ist, dass die kulturelle Faktoren in Japan die das begünstigen. Es gibt enormer Wartungsdruck nicht nur in der Familie, sondern generell in der Gesellschaft, wo man sich verhalten soll. und neuerdings sagen Experten auch ist die soziale Isolation, die Einsamkeit auch einen sehr wichtigen Grund.

Und die Zahl, also achtzig bis neunzig tausend Menschen verschwinden da in Japan pro Jahr. Im zwanzig Prozent davon freiwillig? Wie ist das im Vergleich zu Europa? Also in der Schweiz gehen wir ungefähr so von fünftausend Vermisst-Meldungen aus im Jahr. Zweihundert davon, die verschwenden spurlos und wenn wir nach Deutschland schauen dann sind es so hunderttausende für Missmeldung und tausend von denen sind dann auch spurlos verschwunden.

Also die Prozentsetzen vergleichen zu Japan sind eigentlich ungefähr gleich, dazu muss man auch sagen wenn jemand sich zurückziehen will von der Gesellschaft und verschwindet aus seinem alten Leben, dann bricht er per se mal kein Gesetz solange Erfolgerig ist. Und dann kommt dazu, dass im Jagdpan die Privatsphäre extrem stark geschützt ist.

Sprich eine Gemeinde, eine Bank wird Personendaten nie herausgeben und das macht ein spurloses Verschwinden in Japan etwas einfacher wahrscheinlich als in Europa. Wir sind gleich zurück! Finden Sie bei uns die passende Anschlusslösung für Ihr Geschäft. Wir begleiten sie gerne durch den gesamten Prozess.

Profitieren Sie bis zum dreißigsten November, im Jahr von dem Sonderrabatt. Mehr Informationen und Bedingungen unter postfinance.ch-terminal. Jetzt will Ota es noch einmal versuchen nochmal neu beginnen wieder mit der Hilfe dieser Frau namens Seiter. wie muss ich mir das vorstellen? Wie läuft so ein Verschwinden ab?

Wie hilft sie ihm konkret? Also ich durfte bei fast jeder ganzen Flucht von Otto dabei sein. Wir haben uns am Mittwochabend an einem Bahnhof in Tokio getroffen, alles war dunkel. also dieser Bahnhof der er so gestrahlt hat. und Otto ist da zu uns rüber gelaufen, Seite hat ihn begrüßt die Verwagen eingestiegen, den Seiter angemietet hat für diesen Zweck und sind zu ihm gefahren in dieses Zimmer, in dem er jetzt acht Jahre gewohnt hat.

Und wo er einfach ganz schnell ... also ich war da selber auch megal überrascht wie schnell das ging. Er hat einfach ein paar Kleider in eine Schwertasche geworfen. Dieses Zimmer total beengt, das rochlich kaltem Rauch und es stand Altecafé-Dosen und MG Drinks um. Und da ist er total schnell ausreingeworfen, vier Sachen zurückzulassen also Gebrauchsgegenstände die man wieder kaufen kann.

Er hat dann diesen Brief geschrieben an seinen Arbeitgeber dass man ihn nicht suchen soll... ...und dann sind wir losgefahren! Gab es einen Plan, also wusste Ota im Vorhinein wie seine Flucht verschwinden genau ablaufen würde? Sie hat das vorhin mit ihm besprochen. Er wusste das. Deshalb hatte er wohl auch so schnell gepackt, weil er wusste, er muss da relativ schnell als Sammpacken.

Es hat auch etwas Klandestines dieser Nachtfluchten natürlich. und dann sind wir zwei Stunden rausgefahren aus Tokio Richtung Yokama. Das ist eine Hafenstadt die so verwachsen ist mit Tokio. Dort haben wir eine frühere Kundin von Seite getroffen, der sie vor vielen Jahren zur Flucht verholfen hat. Die jetzt eigentlich einen Job hatte für Otto.

Und diese ehemalige Kundin Von Seite wird Otto mit nach Hause nehmen. Wohin genau bleibt geheim? Da dürfen wir auch nicht hin! Unsere Reise ist dann in Yokohama fertig gewesen und kurz vor Nittonacht ist Otto da ausgestiegen und er hat sich noch kurz umgedreht. Und dann sind wir losgefahren, und sein neues Leben hat eigentlich da um Mitternacht begonnen.

Du warst dabei an diesem speziellen Tag, diesen wichtigen Umbruch in seinem Leben? Was ist dir durch den Kopf gegangen? Ich habe mich für diese Recherche länger mit dieser Flucht, dem Verschwinden auseinandergesetzt auch etwas extrem zwiespältiges. Also einerseits gibt es in Japan einen extremen Druck, so von der Gesellschaft ein gewissen Bild zu entsprechen.

wenn man dem nicht entsprechen kann oder will dann aufzubrechen und wegzugehen das verstehe total dass man irgendwie dieses vorgesehenen Leben dass man das nicht leben will gleichzeitig und deshalb sage ich zwiesfältig hat zwar eine Flucht natürlich auch etwas enorm verantwortungslos. Wir haben diese über Gesetze und das Legal gesprochen, aber man lässt sich am Menschen zurück.

Niemand hat gar keine sozialen Kontakte und diesen Menschen einfach zurückverlassen dann auf dem Telefon zu blockieren und man ist dann weg. Das hinterlässt natürlich eine Spur oder ein Wunde Und es ist natürlich, dass im europäischen Blick das Gegenteil von Auseinandersetzung, von Miteinanderreden und sich seinen eigenen Schädler irgendwie klar werden.

Und sich konflikten stellen. Und interessanterweise hat Seyta die was zum Geschäft gemacht hat auch gesagt Fliehen ist okay aber man darf in neuen Leben nicht die neuen Fehler machen sich einsam fühlt im alten Leben und im neuen Leben sich genau gleich verhält, wird sich auch ein neun Leben einsam fühlen.

Und hast du mit Ota auch darüber gesprochen wie? das ist für ihn einfach alles zurückzulassen? Also während der Flucht selber war Ota noch schwer ansprechbar zu einer riesigen Momente. Er war da sehr, sehr wortgekartig was ich verstehe. Wir haben uns deshalb am nächsten Tag nochmal getroffen, wir sind in einen Kaffee gekommen.

Ohne hat er das erste gesagt, ich habe es super geschlafen. So gut wie Lanne nicht mehr kann. sich zum ersten Mal ausstreckende Bett seit Jahren... Nachdem er in diesen beengten Verhältnissen gelebt hat. wir haben versucht ein bisschen Verantwortung mit ihm zu sprechen. Das war nicht so einfach weil er dann immer wieder diese Geschichten erzählt wird wie er betoren wurde und auch das verhalten der anderen rechtfertigte sein eigenes.

Was dann blieb, ist halt er der jetzt ein neues Leben beginnen will. Der sich vorgenommen hat, sich auch sozial viel weniger zu isolieren. Er will Freunde finden und mit Menschen in Kontakt kommen. Und er sagt auch ich fühle mich erleichtert. also für ihn stand wenige Stunden nach seiner Flucht hat sich der Ausbruch gelohnt.

Danke Andreas dass du deine Recherche erzählt hast. Danke Lille Bell. Das war unser Akzent mit Südostasien-Korrespondent Andreas Barbst und zum ersten Mal mit mir, Lille Belle Eisele, schön dass ihr zugehört habt!

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