
NZZ Akzent· Folge 1691
Pest-Verdacht in Russland: Was geschah im Labor von Irkutsk?
Montag, 12. Oktober 2026 · 14 min
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Shownotes
Ein rätselhafter Todesfall in Sibirien sorgt für internationale Unruhe: Eine 28-jährige Laborantin stirbt an einer schweren Lungenentzündung. Da sie in einem Institut für Pesterreger arbeitete, keimt rasch die Vermutung auf, sie sei an der Lungenpest gestorben. Während in der Region sofort Wohnhäuser desinfiziert, Kontaktpersonen isoliert und Spitäler unter Quarantäne gestellt werden, spricht der Kreml von einer Lungenentzündung unbekannter Herkunft. Die fehlende Transparenz sorgt für Spekulationen: Droht nach einem Laborunfall eine Epidemie? Oder experimentiert Russland im Pest-Labor gar an einer Biowaffe?
Gast: Stephanie Lahrtz, Wissenschaftsredaktorin
Host: Nadine Landert
Redaktion: Dominik Schottner
Weitere Informationen rund um die Pest findet ihr hier (nzz.ch/wissenschaft/moeglicher-laborunfall-mit…)
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Dieser Podcast wird präsentiert von der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Fachwissen, Praxisorientierung und hochkarätige Dozierende für ihren nächsten Karrierschritt. Es weckt Erinnerungen an eine schwierige Zeit, wenn da plötzlich eine Gestalt in weißem Ganzkörperschutzanzug durch die Straße läuft. So geschehen Anfangs Oktober am kalten Tag im sibirischen Schellekopf Und es bleibt nicht bei einer Gestalt.
Ganze Trupps in Schutzanzügen begeben sich in ein Wohnhaus, sie besprühen das ganze Gebäude flächendeckend mit Desinfektionsmitteln und hängen Zettel mit einer Notfallnummer an die Türen. Stefanie zu diesem Zeitpunkt wissen die Anwohnerinnen und Anwohner noch nicht dass dieser Großeinsatz dann internationale Schlagzeilen machen wird?
Nein sicher nicht. ich glaube Die waren einfach erst mal entsetzt, also geschockt. Ich will mich mir das so vorstellen. jetzt hier wo ich wohne käme jemand da mit Schutzanzügen. Also ich fände es gruselig und natürlich kriegt man sofort Angst. Was ist denn da genau geschehen? Tja, das ist eine gute Frage.
Also was man weiß, in dem Haus wohnt da einer achtundzwanzigjährige junge Frau und die hat als Labyrinthin in einem Labor das Pesterreger erforscht gearbeitet Und sie ist an einer lungen Entzündung gestorben allerdings nicht in diesem Haus sondern im Spital in der Stadt. Jetzt hat natürlich jeder die Angst dass diese Frau an der Pest gestorbt.
Eine achtundzwanzigjährige Labormitarbeiterin stirbt in Sibirien mutmaßlich an der Pest. Die Region reagiert, der Kreml schweigt und die Gerüchte kursieren. Wie begründet ist die Sorge vor einer neuen Gesundheitskrise? Das klären wir im Akzent mit Wissenschaftsredaktorin Stefanie Lahrz – ich bin auch den Landrat.
Stefanie vielleicht zuerst! Was war denn genau die Aufgabe von der Labor-Mitarbeiterin? Also man weiß eigentlich sehr wenig. Man weiß, dass sie da ja Schipilowa heißt aber man weiß nicht genau was sie wirklich gemacht hat und man weiß noch nicht mal sicher ob sie mit Pesterregern gearbeitet hat. also es ist alles sehr im Dunkeln.
Was man weiß ist dieses Institut an dem Sie gearbeitet haben. das wurde neunzehntundhundertdreißig gegründet um genau pestausbrüche zu erforschen Denn das Bakterium kommt in der Region natürlicherweise in Nagetieren vor, also in Ratten oder Mäusen. Und deswegen gibt es auch immer mal wieder den Fall dass dieses Bakteriums auf Menschen überspringt und deswegen möchte man dieses Bakternum noch besser erforschen.
wie verhält es sich? verändert sich vielleicht der Erreger? Und man arbeitet auch an der Entwicklung von Impfstoffen damit man im Fall eines Falles etwas hätte, um das abzuwehren. Es gibt auch andere Labore nicht nur jetzt dieses Inzibilien, dass aus genau diesen Gründen mit Pesterregern arbeitet und auch in Europa.
Jetzt weiß man nicht mit Sicherheit ob die verstorbene Labormitarbeiterin überhaupt mit dem Pesterreger gearbeitet hat aber könnte es theoretisch sein, dass bei einem Laborunfall sie in Kontakt gekommen ist? Das könnte schon sein. Ich habe früher selber im Labor gearbeitet und mir ist auch mal ein Röhrchen geplatzt, als ich aus dem Stickstofftank rausgeholt hab und dann in diese Werkbank getragen habe.
Und da ist mir der Inhalt ins Gesicht gespritzt. das waren aber nur ganz harmlose Zellen. Das hat also für mich jetzt keine Bedeutung gehabt. Aber klar es hätte nicht platzen sollen und ist doch geplatzed. Das war aber auch kein Hochsicherheitslabor, weil wie gesagt die Zellen waren harmlos. Also das heißt wenn in so einem hochsicherheites Labor etwas passiert dann müssen immer mehrere Fehler gleichzeitig eintreten sprich dass Röhrchen ist geplatzt Die Maske ist defekt oder undig die Abluft funktioniert nicht mehr richtig Und vielleicht hat die Person die mit dem Bakterium arbeitet auch noch einen Fehler gemacht also zum Beispiel nicht hinter Glas gearbeitet.
Stefanie, gehen wir zurück an den Ort wo die verstorbene Laborantin gelebt hat. Wie ist es da weitergegangen nachdem die Trupps in Schutzanzügen alles desinfiziert haben und die Anwohner informiert? Also das heißt man habe die Anwonner getestet also zumindest die aus dem Haus. Es heißt auch, man habe alle Kontaktpersonen, also alle Personen mit denen die Verstorbene in Kontakt war, gesprochen hat sich getroffen hat vielleicht einen Kaffee trinken oder zusammengearbeitet hat ausfindig gemacht und getestet.
Das waren ungefähr zweihundert Leute. Es ist aber nicht so ganz klar, auf was sie getestet wurden. Und das ist auch nicht so. glaube, dass jetzt alle sind die Frau in den letzten Tagen vor ihrem Tod getroffen hat. Das heißt auch, dass die Mitarbeiter des Instituts ihren Arbeitsplatz nicht verlassen durften bis sie getested waren und es wurden auch Spitäler in der Region unter Quarantäne gestellt, sprich die Menschen durften da nicht mehr raus, auch wenn sie schon gesund war.
Man weiß nicht ob das alles stimmt weil man weiß nie was da stimmt, wenn es aus Russland kommt. Aber wenn das alles so passiert ist dann sind das sehr weitreichende Maßnahmen.". Und das würde ja bedeuten dass man eigentlich schon Angst oder zumindest Befürchtungen hatte, dass sich da etwas ausbreiten könnte oder sonst hätte man das wahrscheinlich nicht getan.
diese Maßnahme? Ja, absolut. Ich muss aber auch sagen ich hoffe jetzt mal dass diese Berichte stimmen denn das wäre die gute Nachricht an der ganzen Geschichte das offensichtlich die Behörden so reagiert haben wie sie das sollten. Also es gibt so internationale Protokolle, was man machen muss wenn eine Person an einer Lungenentzündung oder einer anderen Krankheit verstorben ist.
Die möglicherweise von einem Virus oder einem Bakterium verursacht wurde und diese Krankheit kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Wenn alle diese Punkte zutreffen dann muss eigentlich genau das gemacht werden, was jetzt gemacht worden ist. Ist es denn so ansteckend dass man da so gleich reagieren musste?
Also es ist schon sehr ansteckend, also es gibt ja zwei Formen der Pest. Das eine ist die, die man aus dem Mittelalter kennt. das nennt man Boilenpest weil wenn das Bakterium in den Körper gelangt ist dann sammelt sich in den Lymphknoten. deswegen blähen sich diese Lymphknoten so auf und bilden diese Boilen.
Die andere Form, die es jetzt vermutlich bei dieser Patientin in Sibirien geht ist die Lungenpest. Die Lungen-Pest wird übertragen durch Husten. Diese Form ist sehr ansteckend. Da reichen viel weniger Bakterien als bei der Bollenpest und die Lungepest ist unbehandelt fast immer tödlich. Die Tröpfcheninfektion, das klingt oder erinnert mich jetzt so ein bisschen an die Covid-Pandemie?
Absolut! Da gibt es Parallelen... Aber es gibt auch gewichtige Unterschiede, nämlich die Pest kann sich nur verbreiten wenn jemand schon wirklich krank ist. Also ganz viele Bakterien in der Lunge hat und diese aushustet. Wenn bei Corona war's ja so dass man auch schon bevor man Symptome hat ansteckend war.
Und der zweite Unterschied ist, wenn man wüsste das irgendwo ein Pestausbruch gibt dann kann man die Menschen in der Region prophylaktisch mit Antibiotika behandelt. Das heißt, man gibt ihn das mal auch wenn man gar nicht weiß ob sie die Infektion haben und so etwas gab es ja bei Corona auch nicht. Wir sind gleich zurück.
Heben Sie mit uns ab Mit einer Weiterbildung an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. bringen Sie Ihre Karriere auf die nächste Stufe. finden Sie jetzt ihre passende Weiterbildung auf www.fhnw.ch-abheben. Nicht so viele verlässliche Informationen. Was wissen wir denn ganz offiziell? Was sagt die russische Seuchenschutzbehörde, was sagt der Kreml?
Die sagen eigentlich inhaltlich sehr wenig. Sie sagen, die Frau ist an einer Lungenzündung gestorben. Wir kennen den Erreger nicht Und alles andere seien Gerüchte und die Lage hätten sie voll im Griff. Alles sei normal. Man habe Proben genommen von Kontaktpersonen, die seien negativ. Allerdings, sie sagen nicht was denn wirklich getestet wurde.
Also ob jetzt die Kontaktpersonen nur keine Peste haben oder ob sie auch noch auf andere Erreger negativ getestete wurden das weiß man alles nicht. Man weiß doch nicht mal auf was sie getesteten worden. Das heißt es gibt sehr wenig Details und genau das macht natürlich die internationale Gemeinschaft etwas nervös.
Die Weltgesundheitsorganisation hat deshalb auch von Russland umgehend weitere Informationen verlangt. Es gibt Nachbarstaaten wie die Mongolai, Kasachstan oder Litauen. Die haben sogar ihre Grenzkontrollen verschärft und weil der Kreml eben nicht informiert kommen jetzt Spekulation auf zum Beispiel das Russland hier etwas vertuschen will.
könnte es sein dass durch so ein Laborunfall eine Pestepidemie ausgelöst wird und Russland den Vorfall deshalb runter spielt? Das halte ich jetzt für sehr unwahrscheinlich, denn man kann Pest bestimmen. D.h., man hatte ja den Todesfall und abklären in Labournalüsen was die Frau hatte. Genau das konnte man zu Beginn der Corona-Pandemie nicht, weil man den Erreger gar nicht kannte.
Und dann ein weiterer ganz wichtiger Unterschied zur Corona- Pandemie – wir haben hier wirksame Gegenmittel! nämlich die Antibiotika. Das heißt, sollte jetzt wirklich noch eine zweite oder dritte Person sich bei der ersten Person infiziert haben dann kann man die Patienten behandeln. Deswegen halte ich eine lokale Epidemie von sehr unwahrscheinlich.
und dass es sogar eine globale Pandemie wird das ist noch unwahrscheinlicher in meinen Augen. Es gibt aber noch weitere Spekulation, die hier bei einer Pressekonferenz auf den Punkt gebracht werden. Ein Journalist fragt Donald Trump ob die Pest in Russlands eine Bio-Waffe sei? Trump antwortet er glaube nicht.
Sie, also Russland, sagen sie hätten alles unter Kontrolle. Aber das hätten sie ja auch schon früher gehört.". Stefanie, das sind jetzt fast Katastrophenszenarien, dass Russland im Labor eine Bio-Waffe baut... So lange man nicht genau weiß, was alles erforscht wurde und was mit diesen Pestbakterien in dem Labor gemacht wurden.
Solange blühen natürlich die Spekulationen guter Ende.". Wäre es denn rein theoretisch möglich eine Biowaffe mit dem Pesterreger herzustellen? Das wäre es schon, also im Mittelalter hat man die Pest schon als Biowaffe eingesetzt. Nicht ganz so hoch technologisiert. Man hat einfach Menschen, die an Pest gestorben sind in den Dringbrunnen der Nachbargemeinde geworfen und dann die Menschen dort zu infizieren und zu töten.
das hat auch funktioniert muss man leider sagen. Auch im Zweiten Weltkrieg gab es Versuche. Da haben Japaner Röhrchen mit der Bakterienlösung abgeworfen, dass sie auf die Erde aufpralten sind, sie zerplatzt und das haben sich dann auch Menschen infiziert. Aber es ist natürlich heute längstens nicht mehr die Situation wie im Mittelalter.
Wir kennen den Erreger und wir haben die Gegenmittel. Also kein Grund zur Panik. aber Transparenz braucht es eben doch um genau Spekulationen und Panik zu verhindern. Absolut, weil ganz ehrlich es könnte ja auch ein unbekannter Erreger sein und dann wäre es schon gut wenn man jetzt wüsste was das alles nicht ist damit sich die Nachbarländer und andere Länder darauf einstellen können.
Ich muss auch ganz ehrlich sagen ich fände die Pest fast noch die angenehmere Lösung als ein unbekannten Erreger. Das hat uns ja Corona gezeigt, wenn der Erregar nicht bekannt ist ich kann ihn nicht testen und weiß nicht wie er sich verbreitet. Ich habe kein Gegenmittel. also eigentlich ist die Variante Die Frau ist an der Lungenpest gestorben für die Umgebung fast die bessere.
Ja, und wir versuchen euch so gut wie möglich mit Informationen und Transparenz zu versorgen. Und wenn ihr mehr möchtet dann habt ihr jetzt die Gelegenheit für ein sieben Tage gratis NZZ-Abo ganz unverbindlich. den Link findet ihr in den Show notes. Das war unser Akzent. Ich bin Nadine Landert. Bis bald!