
NZZ Akzent· Folge 1692
Missbrauch an US-Colleges: Fall der «Cornell 7» bringt #metoo zurück
Dienstag, 13. Oktober 2026 · 14 min
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Shownotes
Eine Studentin der Cornell University im US-Bundesstaat New York beschuldigt sieben Kommilitonen, sie während einer Party vor zwei Jahren stundenlang vergewaltigt zu haben. Die Studentin habe sich nicht wehren können, weil ihr zuvor Alkohol und Drogen verabreicht worden seien, so die Klageschrift. In der wird das Opfer - wie in den USA üblich - Jane Doe genannt. Seit der ersten Veröffentlichung des Falls im September diskutieren nicht nur Studierende an US-Colleges intensiv darüber, wie Hochschulen, Polizei und Politik mit sexualisierter Gewalt umgehen. Auch US-Präsident Donald Trump hat sich in die Debatte unter dem Hashtag #IAmJaneDoe eingeschaltet. NZZ-Korrespondentin Isabelle Jacobi erklärt in dieser Folge, ob die Debatte das Potential hat, für Trump zur sogenannten Oktober-Überraschung im aktuellen Zwischenwahlkampf zu werden.
Gast: USA-Korrespondentin Isabelle Jacobi
Host: Lillybelle Eisele
Redaktion und Produktion: Vera Pache, Dominik Schottner, Simon Schaffer
Isabelles Artikel über die Vergewaltigungsvorwürfe an der Cornell University könnt ihr hier lesen (nzz.ch/international/zerschlagt-das-patriarcha…).
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Dieser Podcast wird präsentiert von der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Fachwissen, Praxisorientierung und hochkarätige Dozierende für ihren nächsten Karrierschritt. No Justice! No Peace! Keine Gerechtigkeit kein Frieden. Auf Videos sehen wir junge Menschen die mit selbstgeschriebenen Schildern über den Campus ziehen.
Das passiert an der Cornell University im US-Bundesstaat New York. Hier sollen sieben Studenten während einer Party eine junge Frau vergewaltigt haben, die Demonstrationen, die an der University stattfinden beschäftigen zurzeit das ganze Land. Isabel was erleben die USA gerade für ne Protestwelle? Ja, die Protestwelle findet im Moment auf der Straße vor allem an der Cornell University Stadt und in der nahen Umgebung.
Dort machen Tausende ihrer Empörung über den Fallluft solidarisieren sich mit dem mutmaßlichen Opfer. sie wird Jane Doe genannt. so nennt man Anonyme Opfer in den USA. es hat auch schon Vandalismus gegeben aber bisher keinen Zusammenstoß mit der Polizei. Und natürlich in den Medien und den Social Media ist das ein Virat.
Ein mutmaßlicher Gruppenvergewaltigung an der Elite-Universität Cornell löst unter dem Hashtag I am Jane Doe eine Protestwelle in den USA aus. Warum sich auch der Präsident dazu äußert, erzählt USA-Korrespondentin Isabel Jakobi. Ich bin Lili Beleisere. Isabel, rollen wir den Fall einmal von vorne auf was es genau in jener Nacht vor zwei Jahren an der Cornell University passiert?
Was wir wissen ist dass es am neunzehnten Oktober zwanzig vierundzwanzig im Haus der Fraternität Greifi zu Gruppen sechs kam und zwar stundenlang und das Drogen konsumiert wurden. die beteiligten Männer sagen es sei alles im Einvernehmen geschehen. Die Frau hat Mitte September gegen die sogenannten Cornell Seven geklagt und sagt, sie sei vergewaltigt und gezwungen worden Drogen einzunehmen.
Es gab in dieser Nacht einen Gruppenchat an dem weitere Männer etwa ein Dutzend Männer teilnahmen Und aus diesem Chat sieht man wie Männer, die im Zimmer anwesen waren. Andere Männer einluden auch mitzumachen. Zum Beispiel schrieb da einer ist der Laden noch offen? fragte einer, der noch nicht da war zu später Stunde und dann lautete die Antwort ja.
also zeigt diese Mentalität, die in diesem Abend geherrscht hat und das Kandalpotenzial auch dieses Vorfalls. In den Medien wird oft der Begriff Cornell Seven gebraucht. Das bezieht sich auf diese Männer. kannst du uns mehr über die erzählen? Ja es ist eine Bund gemischt, Gruppe Männer mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.
Es ist auch eine ethnisch diverse Gruppe aber alle sind Mitglieder der einflussreichen Studentenverbindung Kai Fee. das ist eine sogenannte Fraternity wie die Studenten Verbindungen in den USA heißen. Cornell ist ja eine Elite-Uni. es handelt sich um gut situierte Studenten. ihre Namen sind öffentlich bekannt weil sie auf der Klageschrift von Jane Doe erschienen.
Genau, also der Fall ist aus dem Jahr zwentzwanzig. Das ist zwei Jahre her. Du hast vorhin gesagt, sie hat im September geklagt dieses mutmaßliche Opfer. Warum hat sie das nicht früher gemacht? Ich weiß es nicht! Das ist einfach so erfolgt und das ist der Anlass weshalb jetzt dieser Fall so aufgekocht.
man hat auch zum ersten Mal eben Details erfahren. Jane Doe meldete damals den Vorfall, zwar der Campus-Polizei. Also etwa drei Wochen nach dem Vorfall ging sie zuerst zur Campuspolizei. Es gab eine interne Untersuchung der Universität. Zwei Studenten wurden temporär suspendiert zwei exmatrikuliert. zudem wurde die Fraternität von Cornell ausgesperrt.
aber und das ist wichtig es kam eben zwanzig vierundzwanzig nicht so einer strafrechtlichen Anklage. Zirksanwalt hat sich damals dagegen entschieden, es sei keine Grundlage für den Tatbestand einer Vergewaltigung. Dann kam eben die neue Klage von Jane Doe Mitte September und die Studenten-Zeitung der Cornell Universität hat das Thema aufgenommen und das hat dann zu einer Welle der Empörung geführt und eben auch zu den Protesten an der Universität.
Studenten und Studentinnen solidarisieren sich mit Jane Doe, sie kritisieren die Universitätsleitung, fordern teilweise den Rücktritt. Sie kritisieren, wie sie mit dem Fall umgegangen ist und klagen generell ein System der sexuellen Gewalt an Colleges an. Zerschlag das Patriarchat haben Vandalen auf das Hauptgebäude geschmiert Und ja es gibt Rufen nach der Abschaffung der männlichen Studenten Verbindungen unter dem Slogan Banned The Frats.
Auch frakturitätsmitglieder haben sich den Demonstranten angeschlossen. Der Cornellpräsident hat vergeblich versucht die Wogen zu glätten. Er trat zum Beispiel mit einer Videobotschaft auf und er bezeichnete die geschilderten Vorgänge als zutiefst verstörend und versprach ab jetzt mehr Transparenz, aber das hat nicht wirklich geholfen diese Proteste zu beruhigen im Gegenteil.".
Ja, da ist jetzt gerade sehr viel aufruhr. So was stehen denn zurzeit die Ermittlungen? Es gibt jetzt drei laufende Untersuchungen im Rahmen des schon erwähnten zivilen Prozesses am Gericht in New York den Jane Doe anstrengt. dann gibt es jetzt auch eine strafrechtliche Untersuchung und zwar durch die Justizministerin des Staates New York Leticia James.
Die New Yorker Gouverneurin hat sie in einem Executive Order als Sonderermittlerin eingesetzt. Das könnte dann am Ende in einer Anklage der Cornell Seven resultieren und es gibt auch eine neue Untersuchung, die die Cornell Universität jetzt externen Auftrag gegeben hat. D.h., es werden noch viele neue Informationen bekannt werden zu diesem Fall.
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Also die Empörung kann man sagen über diesen Fall reicht längst über den Campus hinaus. Ja man kann das schon mit der MeToo Bewegung vergleichen teilen Tausende von Frauen eigene Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt an Universitäten, solidarisieren sich also persönlich mit Jane Doe. Influencerinnen kritisieren eine Date-Rape-Culture.
Also eine Vergewaltigungskultur an den Universitäten und sie prangen das Versagen von Regeln und Gesetzen an. und es werden auch Forderungen nach einer Erziehung von Männern, Education of sons and brothers. Ja das ist ein anderer Slogan der im Moment kursiert. Was ich auch gesehen habe sind viele Fotos von den Beschuldigten.
also wir können die Stimmen in Medienberichten oder so von diesen mutmaßlichen Vergewaltigerhörern in einem Telefon anrufen. Das ist ja schon ziemlich krass. wie normal ist denn das in den USA? Ja, das ist schon erstaunlich wie schnell jetzt Informationen an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Wie gesagt, die Namen der Angeklagten sind bekannt weil sie in der Klageschrift genannt werden und heute können natürlich alle mit KI sofort alle Informationen zusammensuchen, dass man keine Rolle gespielt haben.
Dann haben die Cornell Seven in dieser besagten Nacht selber sehr munter gejattet. der Untersuchungsbericht der Campuspolizei wurde geliegt. Der Name des mutmaßlichen Opfers wurde ebenfalls geleakt. Kurz es ist erstaunlich wie schnell Informationen kursieren, aber die Grundfrage ist damit natürlich nicht geklärt.
Nämlich hat Jane Doe eingewilligt in die sexuellen Handlungen in dieser Nacht oder nicht? Das ist eigentlich die strafrechtlich relevante Frage. und da ist die Sache lage eben komplizierter denn nach eigenen Angaben von Jane Doee wissen wir dass sie zunächst eingewilligt hat in die sexualen handlungen aber das dann der Abend ausgeartet ist Und sie ist nach dem Vorfall erst allmählich zu Erkenntnis gekommen, dass sie vergewaltigt worden ist und ging erst Wochen danach zur Polizei.
Ja auch die Frage inwiefern Drogen eine Rolle gespielt haben – Ist relevant und ihre Konsensfähigkeit eingeschränkt haben? Das Gesetz in New York ist nicht gerade sehr opferfreundlich! Isabel der Falle ist sehr kompliziert. das spiegelt sich auch in der Berichterstattung wieder darüber. Was für ein Lager siehst du da momentan in den USA?
Ja, eine wichtige Person die sich gemeldet hat ist Präsident Donald Trump. Er hat sich zur Untersuchung geäußert. Er hält es für einen Fehler, dass Letysha James den Fall untersucht weil sie ist ja eine Erzfeindin von ihm. Sie hat mehrere Prozesse gegen ihn geführt. Trump nannte sie korrupt und sagte jeder Tour im Leid gegen den sie ermittelt denn sie sei unfair Und er solidarisierte sich ja wenigstens indirekt mit den Cornell Seven.
Konservative Medienfiguren wie Megan Kelly sprechen dem Opfer die Glaubwürdigkeit ab und reden schon jetzt von einer... Welle einer hysterischen Cancel-Kultur. Und in linken und linksliberalen Medien hingegen wird das ganz anders diskutiert, da ist die Opferperspektive dominant. Man sieht also in der Sichtweise auf den Fall tun sich ideologische Gräden auf Der Fall wird politisiert.
Auch linke Politikerinnen wie Alexandria Ocasio Cortez haben sich gemeldet schlagen sich auf die Seite des mutmaßlichen Opfers und sehen darin ein Beispiel systematischer sexueller Gewalt an Universitäten. Isabel, wir sehen hier eine Bewegung, die an MeToo erinnert, Sexuelle Gewalt und der Umgang damit wird öffentlich diskutiert.
Die Bewegung kriegt aber auch viel Gegenwind. Und wie siehst du das? Meinst du, die Proteste werden etwas daran ändern, wie an den Universitäten in den USA mit sexueller gewalt umgegangen wird? Eigentlich gibt es ein Bundesgesetz oder eine Bestimmung namens Title IX, dass die Universitäten verpflichtet Vorwürfe sexuellen Missbrauchs-Formel zu untersuchen.
Diese Regelung hat aber Präsident Trump gerade abgeschwächt – zufälligerweise auch letzte Woche! Aber die Universität selber stehen natürlich unter Druck jetzt wegen dieses Falls zu überdenken wie sie mit Vorwörfen sexuellem Missbrauch … umgehen, wie sie sexuelle Gewalt verhindern oder auch anden. Es wird wahrscheinlich eine ernsthafte Diskussion geben ob die Institutionen, die Studentenverbindungen stärker kontrollieren sollen.
Die Demonstranten fordern ja eine Abschaffung und auf gesetzlicher Ebene wird wenigstens im Bliedstaat New York diskutiert ob es eine Strafrechtsreform geben soll damit Vergewaltigung unter Einfluss von Drogen einfacher eingeklagt werden kann. Und jetzt im November stehen ja die Midterms an, wird dieser Fall auch im Wahlkampf eine Rolle spielen?
Ja das ist eben die große Preisfrage! Ist das jetzt die Oktoberüberraschung mit der im WahlKampf niemand gerechnet hat? Das Thema dominiert jetzt natürlich die Medien. gleichzeitig stimmen Millionen von Amerikanern bereits ab. Ich glaube, wenn die Proteste auf andere Colleges überschwappen würden dann könnte das den Republikanern helfen.
Vor allem wenn es zu Gewalt kommt wie bei dem Gasaprotesten. aber das ist noch nicht der Fall. eine ganz andere Beobachtung ist dass viele Eltern Ein Problem haben damit, dass an Colleges Drogen und Sex dermaßen aushalten können. Und dieser Effekt finde ich steht vielleicht einer Politisierung etwas im Weg.
Danke Isabel für das Gespräch! Danke dir, ihr Lieber! Das war der Akzent mit unserer USA-Korrespondentin Isabel Jakobi. Ihren Artikel zum Thema könnt ihr auf nz.ch nachlesen, den Link dazu findet ihr in den Shownotes. Mein Name ist Lili Beleisele. Danke fürs Zuhören.