
NZZ Akzent· Folge 1688
Schülerproteste in Frankreich: Wenn Gewalt die einzige Sprache wird
Mittwoch, 7. Oktober 2026 · 13 min
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Shownotes
In ganz Frankreich protestieren Schülerinnen und Schüler gegen die Zustände an ihren Schulen. Was mit friedlichen Blockaden begann, ist in regelrechte Strassenschlachten umgeschlagen. Hunderte Schulen sind geschlossen, während brennende Barrikaden und schwere Krawalle zu Festnahmen und Verletzten führten. Es sind die maroden Schulgebäude, fehlende Lehrer und Chancenungleichheit, die die Jugendlichen auf die Strassen treiben. Warum die Wut und der Frust in Gewalt umschlagen und welche Rolle die Politik dabei spielt, erklärt Frankreich-Korrespondent Daniel Steinvorth im Podcast "NZZ Akzent".
Host: Nadine Landert
Redaktion: Dominik Schottner
Daniels Reportage findest du hier (nzz.ch/international/erst-wenn-es-knallt-hoert…)
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Santini Und Daniel, du standest da mittendrin. Was ist genau vor der Schule passiert? Ich stand vor einem Lisee im Pariser Vorurzahlen de Nye an einem Mittwoch-Nachmittag. Ungefähr zweihundert Jugendliche waren da versammelt – der Unterricht fiel aus und sie haben mal eine Blockadeaktion mitgewirkt weil dieses Liseee eines von vielen Zu dem Zeitpunkt schon tagelang gestreikt wurde gegen die miserablen Lernbedingungen in Frankreich.
Und die Jugendlichen standen dort auf dem Geheweg, saßen auf Klappspülen, haben bengalische Fackeln angezündet, Feuerwerkskörper geworfen – ja ein bisschen wie eine Party eigentlich! Aber es standen auch viele Bereitschaftspolizisten. Und zu dem Zeitpunkt, wo ich kam war klar es kann dort auch knallen.
Ein paar Tage vorher hat's dort auch schon geknallt also kam es zu Zusammenstößen zwischen den Jugendlichen und den Polizisten. Seit Tagen finden an hunderten von Schulen in Frankreich Proteste gegen den Zustand des Schuhsystems statt. die Anfangs friedlichen Blockaten sind inzwischen landesweit den regelrechte Straßenschlachten umgeschlagen.
Woher kommt diese Wut? Darüber sprechen wir heute im NCZ-Aktzent mit Frankreich-Korrespondent Daniel Steinfort. Ich bin an den Landen. Je travaille pour la presse suis, l'appresse étanger. Daniel du hast da vor der Schule auch mit den Jugendlichen gesprochen. was sagen sie dir denn? warum protestieren Sie?
Die haben sehr anschaulich gesprochen über die Mängel oder die Missstände an den Schulen. einer hat mir gesagt Da tummeln sich Ratten und Kaka-Laken, da gibt es Schimmel an den Wänden. Andra hat mir gesagt das ist immer kaltes im Winter und immer heiß im Sommer Und das Essen ist ungenießbar in der Mensa.
Einhellig haben wir dann auch noch andere gesagt, die Zustände dort sind desaströs. Eine Schülerin hat ja hier auch gesagt es hat zu wenig Stühle Dachziegel die sich lösen Material das fehlt. Ja, Fakt ist das viele von diesen Schulen tatsächlich Jahre oder jetzt hintelang nicht mehr saniert wurden. Und ich habe auch eine Schülerin getroffen die hat ein sehr kreatives Plakat hochgehalten.
Ich hab bessere Chancen einen Drachen zu begegnen als eine Vertretung für einen fehlenden Lehrer zu bekommen. Die Aussage dahinter auch sehr real Es gibt einen großen Unterrichtsausfall. es gibt wenig Lehrer oder zu wenig Lehrer und zu wenig Personal an den Schulen, zum Beispiel auch häufig zu wenig Begleitpersonal für Schüler die Nachhilfe brauchen.
Keine Schulkrankenschwestern oder andere Leute, die dort fehlen.". Dieser Schüler sagt dir hier in St. Denis sei es besonders schlimm – ist da was dran? Vor allem erst mal ein Gefühl, wer aus Sandinie kommt. Aus Neuf-Trois. Das ist das Kennzeichen des départements Sandinies klagt ganz häufig darüber gegenüber Gleichaltrigen zum Beispiel aus der Hauptstadt aus Paris benachteiligt zu werden.
Trotzdem ist es natürlich so wenn jetzt eine Schülerin das Baccalaurier gemacht hat in Sandinien Und nachher der Arbeitgeber sieht Neuf-Trois. Dort wurde das Bug gemacht, sind die Kids benachteiligt gegenüber einem Schüler, der aus Henri Katre kommt oder einem anderen Lisee aus besseren Quartieren in Paris.
Also hier auch noch immer dieses Stigma, dass diese Region so anhaftet? San Denis hat auf jeden Fall diesen Stigma daran, es nicht zu rütteln. Marode Schulgebäude... fehlende Lehrer, das ist jetzt aber nicht nur ein Problem von Schulen in St. Uney? Genau! Das betrifft nicht nur dieses eine Lysée oder die vielen Lysées in den Boliers – es sind auch Boliers im Süden von Paris übrigens also angefangen hat, das Ganze in Cretay im Südosten von Paris.
Das ist eine landesweite Protestbewegung geworden. Es haben sich dann aber auch Lysés wo man annehmen kann, dass sie nicht unbedingt vom Staat vernachlässigt werden oder wo die Kinder überwiegend aus besseren Verhältnissen kommen. Angeschlossen der Protestbewegung auch Solidarität. aber die Probleme Unterrichtsausfall oder überfüllte Klassen oder eben wie gesagt auch marode Gebäude, die konzentrieren sich nicht nur auf die Bolius von Paris.
Warum ist das so? Also fließt einfach viel zu wenig Geld ins Schuhsystem. Es ist nicht so, dass die Schulen pauschal weniger Geld bekommen. Tatsächlich werden sozial benachteiligte Schulen ja häufig sogar gezielt gefördert. und dann ist die Frage ob die zusätzlichen Mittel überhaupt das Problem lösen wenn Stellen unbesetzt bleiben oder Vertretung fehlen?
Der Lehrerberuf ist sehr unattraktiv geworden. in Frankreich haben wir auch Lehrer erzählt sie werden schlecht bezahlt und Sie können sich auch nicht immer aussuchen ob sie dann eben einen schwierigen Vettel ihren Dienst leisten. Nicht jeder Lehrer wird sich darum reißen, an einem Dissert in Sandinie zu lehren.
Und ja bei den Gebäuden muss man sich fragen ob auch Prioritäten einfach falsch gesetzt wurden vom Staat oder von der Region. Es wurde jahrelang oder jahrzehntelang zu wenig investiert. Wir sind gleich zurück. Wir begleiten Sie gerne durch den gesamten Prozess. Profitieren sie bis zum dreißigsten November, im Jahr von dem Sonntag vom Sonderrabatt.
Mehr Informationen und Bedingungen unter postfinance.ch. Es dauerte aber nur wenige Tage und da weiteten sich diese Proteste eben aus an Schulen in großen Städten. Und Anfangs dieser Woche waren dann, ganz Frankreich, fünfhundert Schulen wegen den Blockaden geschlossen – und es blieb nicht nur friedlich!
Die Barrikaten aus Mülltonnen-Fahrrädern, Bauzäunen werden angezündet, Pyros fliegen, Böller knallen, Jugendlichen und die Polizei liefen sich regelrechte Straßenschlachten... Daniel, warum ist diese Gewalt denn so eskaliert? Also eine Schülerin hat mir gesagt erst wenn's knallt hört man uns zu. Und da scheint was war es dran zu sein.
Es gab vorher auch schon friedliche Protestaktionen zum Teil es gab Sit-ins oder Demos und da ist eben nichts passiert. Jetzt wo es geknallt hat die Schulleitung den Schülern zugehört sind dann auch Kamerateams und Reporter an die Schulen gekommen haben die jugendlichen Interview Und zweitens ist es, wo auch was sehr Französisches.
Eskalation ist die Sprache, die verstanden wird, glauben die Jugendlichen und verweisen danach auf die Erwachsenen. Ein Schüler hat mir gesagt, wenn Feuerwehrleute oder Beschäftigte des öffentlichen Dienstes auf die Straße gehen, die zünden dann auch mal eine Mülltonne an.". Also es geht primär darum einfach möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen und in Frankreich scheint das Gefühl da zu sein dass es eben mit Gewalt eher erreichbar ist.
Das ist so und es gibt dann auch Unterstützung aus der Politik. Der Bürgermeister von Saint-Denis ist schon wenige Tage nachdem es eskaliert ist vor den Zweilisees der Stadt, dort hingegangen hat sich schützend vor die Schüler gestellt, hat dann versucht zu deeskalieren erst mal. Er hat dann aber auch gesagt, im Anschluss Gewalt kann legitim sein und die Aussage ist natürlich nicht unproblematisch.
Er hat gemeint, die Aussagen zu tun, dass es durch die Kids gegen Polizeigewalt wäre. Es gab Vorfälle mutmaßlicher Polizeigiewalt. Diesen Vorfeld sind dann aber häufig Provokation vorangegangen, wo Feuerwerkskörper auf die Polizisten geworfen worden sind. Und eben diese Aussage, Gewalt kann legitim sein aus dem Mund eines Mandatsträgers in so einer Situation ist schwierig.
Viele Jugendliche haben das dann auch eigentlich verstanden als Freischein für Gewalt. und wie so häufig, wie auch bei ganz anderen Anlässen in Frankreich sagen wir mal jetzt noch im Sieg von Fußballmannschaft oder irgendwelchen großen Volksfesten. Es gibt immer auch Trittbrettfahrer, die dann aus Krawall lust die Gelegenheit nutzen um zu konfrontieren und zu zerstören.
Es ist ganz schwierig jetzt zu sagen bei diesen Schülerprotesten sind da überhaupt noch Schüler beteiligt? Oder in welchem Ausmaß sind Schüler beteiligt aus den jeweiligen Dissees? Und wie weit haben sich eben randalierer Kaoten von außerhalb angeschlossen um dann auch Polizisten, Polizistinnen zu jagen.
Teure, tolle renovierte Schulen anzuzünden. Also lauter destruktive Sachen tun. Was dann nichts mehr mit dem eigentlichen Anliegen zu tun hat? Was überhaupt nicht seitdem eigentlich den Anliegenden zu tun haben und was natürlich die Anliege der Schüler delegitimiert. Ja. Daniel wo ist denn eigentlich in all dem der französische Präsident Emmanuel Macron?
Ah, Macron hat natürlich jetzt bessere Sachen zu tun. Das ist aber typisch. Macron überlässt diese Probleme dann seinen Fachministern. Was ist in dem Fall vor allem der Bildungsminister gewesen und der Innenminister? Die dürfen darüber nachdenken was passieren muss um die Lage zu befrieden. Die dürfen zum Beispiel auch darüber nachdenken, wer jetzt die Schäden zu bezahlen hat.
Es gab den Vorschlag sollen doch bitte die Eltern jetzt dafür aufkommen. Den muss die Rechnung geschickt werden für zerstörte Bushaltestellen oder ähnliches. Aber ja Macron tut dann in solchen Situationen lieber durchs Ausland. aber kommt etwas von Bildungsminister vom Innenminister? also kommen da Vorschläge das sich etwas verändern wird?
Also die Strukturellen Probleme, über die wir jetzt gesprochen haben. Mangel der Attraktivität des Lehrerberufes und überfüllte Klassen- und Marode Schulen, die lösen sich ja nicht über Nacht. Man muss auch dazu sagen... Die Lehrer haben teilweise schon vor vielen Jahren darauf hingewiesen. Unmittelbar hat die Regierung einige Sachen angekündigt.
Es gibt gleichzeitig eben Gespräche mit den Elternvertretern und mit den Schülergewerkschaften Und der Premierminister hat jetzt eine Roadmap mit konkreten Terminen nachgelegt und Vorschlägen, beispielsweise wo Gebühren erlassen werden für bestimmte Bildungsabschlüsse oder wo Langzeitabwesenheiten von Lehrern vorrangig bearbeitet werden müssen.
So kleinere Steps! Aber ein marodes Schuhsystem erforderbar zu bringen, das ist natürlich eine längere Geschichte. Und einer die viel Geld braucht was Frankreich nicht hat? Das darf man ja auch nicht vergessen. Frankreich ist hochverschuldet und die Regierung muss momentan Sparmaßen am Treffen. Ja und die Jugendlichen wollen es genau gegenteil sie wollen mehr Geld für ihre Schulen.
Das alles lässt nicht so optimistisch in die Zukunft blicken. wie siehst du das? Ich bin da leider sehr pessimistisch. Ich glaube, diese Schülerproteste sind jetzt nur ein Ausschnitt aus der französischen Gesellschaft wo Verteidungskämpfe beginnen. In einigen Monaten sind hier auch Präsidentschaftswahlen und die Parteien, die besonders einfache Lösungen haben von ganz rechts oder von ganz links können punkten.
Es klingt nach einer weiteren Polarisierung. Es wird eine weitere Polarisierung sein. Daniel du beobachtest für uns die Situation weiter in Frankreich. Vielen Dank Sehr gerne Und das war unser Akzent mit Frankreich-Korrespondent Daniel Steinfort. Ich bin auch landet, bis bald!