
NZZ Akzent· Folge 1693
Saudiarabien unter Huthi-Beschuss: Warum alle tun, als wäre nichts
Mittwoch, 14. Oktober 2026 · 16 min
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Shownotes
Ein tödlicher Raketenangriff der jemenitischen Huthi-Miliz auf den Flughafen in Riad erschüttert Saudi-Arabien und fordert zahlreiche Todesopfer sowie Hunderte Verletzte. Der Nahost-Korrespondent Rewert Hoffer erlebte die Eskalation vor Ort mit, als sein eigener Flug über dem Flughafen kreisen musste. Im Gespräch mit Alice Grosjean berichtet er direkt aus der saudischen Hauptstadt. Obwohl die saudische Führung und die Bevölkerung versuchen, Ruhe zu bewahren, wächst der Druck auf das Land enorm. Nach verheerenden Gegenschlägen der saudischen Luftwaffe und ausbleibender militärischer Unterstützung durch die USA steht Kronprinz Mohammed bin Salman zunehmend isoliert da.
Gast: Rewert Hoffer, Nahost-Korrespondent
Host: Alice Grosjean
Redaktion: Simon Schaffer
Rewerts Text aus Riad bei der NZZ lesen (nzz.ch/international/saudiarabien-nach-dem-hut…).
Hier zum NZZ-Ticker zur Lage im Nahost-Krieg (nzz.ch/international/iran-krieg-erneut-tanker-…).
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Dieser Podcast wird präsentiert von der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Fachwissen, Praxisorientierung und hochkarätige Dozierende – für ihren nächsten Karriere-Schritt. Die Passagiere schnallen sich an! Und die Maschine der libanesischen Airline Middle East Airlines rollt auf die Startbahn in Beirut.
Zweiundhalb Stunden soll der Flug dauern diesen Donnerstagmorgen bis nach Riad in Saudi Arabien Doch die Landung in der saudischen Hauptstadt verzögert sich. Das Flugzeug muss in der Luft bleiben und fliegt Kreise über dem König Khalid-Flughafen. Diese Tonaufnahmen aus dem Flugzeug, die hast du gemacht, Revert?
Du warst nämlich selber als Passagier an Bord dieser Maschine! Ab welchem Moment war dir da so klar, dass das keine alltägliche Flugverspätung ist?! Ich glaube, spätestens nachdem wieder eine Stunde am Kreisen war und es immer noch keine Informationen gab wann wir jetzt landen können. da habe ich mich schon Gedanken gemacht.
Zumal ist schon am Abend davor ein Angriff der Huthi auf den Flughafen in Riad gegeben hatte. Und tatsächlich war's dann so während wir in der Luft waren also auf dem Weg von Beirut nach Riad wurde der Flughafener Riad wieder von den Huthis angegriffen. am vergangenen Donnerstag am achten Oktober Das hat mir erst ein anderer Passagier gesagt, als wir dann später gelandet sind und wir wieder Internet hatten.
Und deswegen mussten wir eben so lange warten und unser Flug ist dann tatsächlich gelandelt nachdem dieser Angriff vorüber war. aber jetzt am Wochenende also am vergangenen Samstag gab es natürlich nochmal einen viel viel schlimmeren Angriff mit viel mehr Todesopfern und bis heute ist dieser Flughafen in Riad immer noch nicht im Betrieb.
Saudi-Arabien hat am vergangenen Samstag den tödlichsten Angriff seit einem Jahrzehnt erlebt. Unser Naos-Korrespondent Revert Hoffa ist gerade selbst inriert und mit ihm spreche ich darüber, wie die Menschen dort mit den Angriffen umgehen und warum dem Land schwere Zeiten bevorstehen könnten. Ihr hört NZZ-Aktzent heute mit mir Alice Gougeon.
Die Angriffe auf saudische Flughäfen setzen sich auch diese Woche fort. Allerdings hat keiner davon so viele Opfer gefordert wie am vergangenen Samstag. Robert, was wissen wir mittlerweile über diesen Angriff? Ja laut Medienberichten ist da eine ballistische Rakete der Houti-Militz aus dem Jemen eingeschlagen und es war wohl so wie das aussieht.
Das ist ein Volltreffer auf dieses Terminal Drei an den Funkhafen berührt – das ist das Inlandterminal. Auf den Videos die wir gesehen haben sind die Menschen in Panik, die Deckenverkleidung fällt ab, überall ist Rauch Und man weiß jetzt, das stand heute. Wir zeichnen am Montag auf wurden dreizehn Menschen dabei getötet über dreihundert sind verletzt und es war auch nicht der letzte Angriff.
also am Tag darauf am Sonntag gab's nochmals Beschuss wieder wurde eine Person getötete und Heute ist der Flughafen immer noch geschlossen. Du hast mit den Menschen geredet vor Ort generiert. wie haben die auf diesen Angriff reagiert? Ja, relativ ruhig eigentlich. Relativ gelassen. Am Samstag war ich eingeladen bei einem saudischen Geschäftsmann der für eine große Bank in Saudi-Arabien arbeitet bei ihm zu Hause und hat mir gesagt er hätte den Angriff gar nicht mitbekommen.
also dazu muss man auch wissen der Flughafen Riyadh ist dreißig Kilometer vom Zentrum entfernt. Ich habe den Angriff zum Beispiel auch gar nicht gehört und er meinte, ja das wird jetzt bald wieder vorbei sein. Sie greifen zwar den Flughafen an, das ist schon ernst aber wir gehen nicht davon aus dass zum Beispiel unsere Häuser bombardiert werden.
Und das einzige, was mir dann aufgefallen ist am Tag danach. Am Sonntag war es merklich weniger Verkehr in Ria. Das liegt auch daran dass Saudi-Arabien eine Woche Remote Unterricht für alle Schulkinder angeordnet hat. viele Arbeitnehmer sind zu Hause geblieben. also die Unternehmen haben auch gesagt wenn sie von Zuhause arbeiten wollen können Sie das machen?
Also man merkt schon einen Unterschied aber generell in der Stimmung der Menschen die sagen eben ja Wir können jetzt halt nicht fliegen, aber wir haben keine Angst dass wir quasi in Lebensgefahr sind. Und trotzdem bei diesem Angriff sind mehrere Zivilisten gestorben. Mehrere hundert Menschen sind verletzt worden.
also kannst du diese Reaktion nachvollziehen das die Leute damit so scheinbar locker umgehen? Ich kann es bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Ich glaube, es liegt auch daran, dass eben Saudi-Arabien schon mal, im Jahr zweitausendundzwanzig ein langen Krieg gegen die Houthi geführt hat und sie dort eigentlich kaum etwas davon mitbekommen haben.
Und jetzt kommt dieser Krieg eben immer näher. aber Sie gehen immer noch davon aus beziehungsweise die Menschen, die mit mir geredet haben gesagt Die Regierung hat das im Griff. wir schlagen jetzt hart zurück Das wird noch vielleicht so ein paar Tage weitergehen und dann ist dieser Spuk vorbei. Und eben wie gesagt, es ist relativ gezielt auf die Flughäfen im Land bzw.
vor allem auf den Flughafen in Riad bisher Es ist jetzt nicht so dass überall in dieser Stadt in Riads bombardiert wird. Jetzt bist du ja ursprünglich nach Riad gereist für ein Kongress nämlich den WPC Energy Congress der diese Woche stattfindet. Wir hören hier die Eröffnungsveranstaltung. Da wurden auch viele internationale Politiker und Geschäftsleute erwartet.
Wie hast du die Stimmung denn dort wahrgenommen? Ja, ich war am Montag bei dem World Petroleum Congress. Das ist quasi die größte Energiekonferenz der Welt und da ist es so ein bisschen ähnlich. also da will man auch quasi Normalität demonstrieren. wir sagen das ist ja gar nicht so schlimm diese Konferenz findet trotzdem statt.
wichtig für Saudi-Arabien, also diese Konferenz. Sie findet immer einen anderen Orten statt und jetzt erstmals inriert. Also es ist wie auch so eine Möglichkeit für Saudi Arabien sich zu präsentieren und zu zeigen ja wir haben die Lage im Griff.". Man will sich im besten Licht präsendieren inrierte trotzdem gab's jetzt diese Angriffe.
sind die Leute irgendwie darauf eingegangen oder kam das wie nicht vor? Also, man hat es schon immer wieder gehört bzw. Es war natürlich so dass viele Teilnehmer nicht kommen konnten. also beispielsweise der französische Energieminister war eigentlich eingeladen ist nicht gekommen. Der amerikanische Energieminister war nur zugeschaltet.
Wichtiges sieht ja aus von den größten Energieunternehmen der Welt sind Nicht angereist. sie sind einerseits nicht gekommen wegen Sicherheitsbedenken oder weil es auch einfach schlicht nicht möglich war, weil eben der Flughafen zu war. Und ich habe dann eben versucht mit den Leuten dort zu reden. da war auch noch nebenan so eine große Expo wo Unternehmen und Staaten quasi sich präsentiert haben und der größte Stand war vom Saudi-Energieministerium.
Dort bin ich reingegangen und habe mit den Menschen dort geredet, die waren sehr bereitwillig, haben mir Auskunft gegeben wie sie jetzt in erneuerbare Energien investieren, wie Sie mit KI umgehen, ein Smart Grid in Saudi Arabien aufbauen wollen. Sobald ich sie dann gefragt hab dass ja die Situation gerade etwas angespannt sei.
und wie man denn so in die Zukunft blicken auch mit den Angriffen kam immer nur no comment Wir sind gleich zurück. Heben Sie mit uns ab! Mit einer Weiterbildung an der Hochschule für Wirtschaft, FHNW bringen sie ihre Karriere auf die nächste Stufe. Finden Sie jetzt Ihre passende Weiterbildung auf www.fhnw.ch.
die ebenfalls von Saudi-Arabien unterstützt wird. Dass es jetzt aber zu einer Eskalation diesen Ausmaßes kommt, also dass die Husi es schaffen hunderte Kilometer weit entfernt im Nachbarland so viele Zivilisten zutöten – wie ist das zu erklären? Ja dieser Krieg du hast es ja schon gesagt der war eigentlich eingefroren seit dem Jahr und jetzt im letzten Juli ist er wieder eskaliert.
Also die Huthi haben einerseits angefangen, Raketen und Drohnen auf Saudi-Arabien zu schießen und eben auch gegen diese international anerkennte Regierung im Jemen, die von Saudi Arabien unterstützt wird, zu kämpfen. Und irgendwann hat dann eben die Regierung in Saudi Arabian beschlossen jetzt ist genug.
sie haben eine große Bombenkampagne im Jemin gestartet was auch dazu geführt hat dass die Houthis mit aller Härte darauf reagieren. Und so ist es eben auch zu diesem Blutbad in Riad am Flughafen gekommen. und es sieht auch danach aus, dass die Houthi eher noch an militärischen Fähigkeiten den vergangenen Jahren gewonnen haben das sie nämlich ihre Raketen sehr viel genauer steuern können und eben sehr genau Ziele ins Saudi Arabien die wie du schon gesagt hast hunderte Kilometer entfernt sind anvisieren können.
Das offizielle Saudi-Arabien auf diese neue Situation, wie gehen Sie damit um? Ja man muss sagen bisher reagieren sie mit eigentlich den alten Mitteln auf die neue Situation. Also sie haben noch mehr Luftschläge und eine entschlossene Reaktion angekündigt. also saudische Jets bombardieren im Moment auch wirklich sehr viele mutmaßliche Huthi Ziele in Yemen.
Und ich war eben am Montag an dieser Konferenz in Riad, wo unter anderem auch der saudische Energieminister gesprochen hat. Und er hat so eine sehr trotzige fast schon angriffslustige Reaktion von sich gegeben. also er hatte gesagt das Wort Angst Existiere gar nicht im saudischen Wörterbuch. Er hat den Dank ausgesprochen an alle, die gekommen sind an Ria.
Diese wüssten jetzt, dass eben Ria trotzdem sicher sei.". Also der Energieminister versucht auch wieder das alles klein zu reden? Glauben ihm die Leute das? Es nicht möglich ist, in Saudi-Arabien einen Flug zu nehmen ohne Angst zu haben, bombardiert zu werden. Ich glaube dann geht es auch relativ schnell dass sich die Stimmung in der Bevölkerung verändert wird.".
Die stärksten Verbündeten von Saudi Arabien wären eigentlich die USA – aber deren Präsident scheint gerade nicht allzu motiviert, die Saudis militärisch zu unterstützen! Das sagte er jedenfalls letzten Samstag. Robert, heißt das Land Saudi-Arabien ist jetzt erstmal komplett auf sich allein gestellt? Ja, Alice so sieht es aus!
Also die Saudis vor allem Krumprinz Mohammed bin Salman der starke Mann in Saudi Arabien, der versucht fast schon fieberhafter Unterstützer zu finden für seinen Krieg gegen die Houthi. also erst vor wenigen Wochen hat ja Saudi Arabia ein neues Verteidigungsbündnis mit der Türkei und Pakistan geschlossen, der sogenannte Mecca-Pakt.
Der eigentlich sagt das im Falle eines Angriffs auf eines dieser drei Länder die anderen diesem Land beistehen von der Türkeei und von Pakistan kam bisher nicht sehr viel. also sie haben natürlich die Angriffe verurteilt. Sie haben gesagt sie sind solidarisch mit Saudi Arabien. Pakistan hat auch Soldaten in Saudi Arabia stationiert aber Es ist sehr, sehr unwahrscheinlich dass diese Soldaten quasi für Saudi-Arabien in jedem einmarschieren werden dort kämpfen werden.
Deswegen eigentlich ist es schon so Saudi Arabien ist auf sich allein gestellt und es ist eben die Frage wie lang kann das Land das durchhalten? denn der Schaden führt natürlich Business, also für Investitionen und auch für den Tourismus im Land. Die sind riesig! Also jetzt werden sich Unternehmen und Menschen zweimal überlegen ob sie nach Saudi-Arabien reisen und dort dann auch Geld lassen.
Ist das jetzt gerade ein Punkt wo sich was verändern könnte? Für die Menschen, für ihren Alltag Was anhalten könnte die nächsten paar Wochen oder sogar Monate. Ich glaube was man jetzt erstmal kurzfristig sehen wird ist dass die Menschen in Saudi-Arabien massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.
Denn das ist ein riesiges Land und wenn man zum Beispiel eben von Riyadh nach Jeddah, die zweitgrößte Stadt am Roten Meer fliegen will dann sind es knapp zwei Stunden Flug. Wenn man fahren will, sind es elf Stunden mit dem Auto. also dann wird es sehr schwierig sein für die meisten Menschen sich in dem Land zu bewegen, wenn diese Angriffe weiter fortgesetzt werden vom Houthi.
Das heißt man kann eigentlich nicht Plan, also es gibt eine große Planungsunsicherheit. Und das gilt natürlich nicht nur für Menschen sondern auch für Unternehmen. und dass ist glaube ich der viel langfristigere Effekt den Saudi-Arabien sehen wird. denn jetzt wenn eben solche Sachen solche Attacken weiter zunehmen zu einer neuen Normalität werden dann werden sich sehr viele internationale Unternehmen sagen Ich warte jetzt vielleicht erst mal ab, vielleicht investiere ich auch in ein anderes Land.
In der Region wo es eben nicht solche Angriffe gibt. also diese ganze Strategie Saudi-Arabiens unabhängiger von den Öleinnahmen zu werden um mehr ausländische Investitionen anzuziehen die steht eigentlich gerade auf der Kippe und das werden irgendwann natürlich auch die Menschen merken dass Wirtschaftswachstum wird runtergehen es wird Arbeitslosigkeit geben.
Das ist einen Effekt der sich erst später einstellt aber der wahrscheinlich Unweigerlich kommen wird, wenn sich die Situation nicht schnell ändert. Und im Moment sieht es danach aus, dass die Huthi her noch weiter schießen werden und das sich an diesem Zustand in dem Saudi-Arabien jetzt ist sobald leider nichts ändern wird.".
Das war unser Akzent, heute zusammen mit unserem Nahost-Korrespondenten Reva Toffe aus Riad. Weitere Updates von Reva zur Situation in Saudi Arabien und im Nahen Osten findet ihr natürlich auch jederzeit auf ncz.ch oder in unserer App. Den Link für ein Gratis-Abo findet ihr in den Shownotes zufolge. Ich bin Alice Grosjean, schön, ob die zugehört!
Bis bald.