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On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 6

Auf einen Kaffee mit MV Fremdingen (Blasius-Festival) - Wieso richtet man ein Festival aus?

Montag, 20. April 2026 · 46 min

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Shownotes

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Das Blasmusik Festival gehört mittlerweile zu einer festen Größe der Blasmusik-Festival-Landschaft. Ich habe mich mit den beiden Vorsitzenden Benjamin Seefried und Daniel Stimpfle gesprochen und wir sprechen u.a. darüber, wie es ist ein so großes Festival mit ehrenamtlichen auf die Beine zu stellen.
Viel Spaß!
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Ich wünsche euch einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag oder guten Abend, je nachdem, wann ihr das natürlich hier hört. Ich freue mich, dass ihr eingeschaltet habt bei Auf einen Kaffee mit dem kleinen Format hier im Blasmusik-Podcast. Ich habe mich mit Benjamin und Daniel vom Musikverein Fremding getroffen, um mit ihnen darüber zu sprechen, was natürlich einerseits Ehrenamt betrifft, aber eigentlich ging es natürlich hauptsächlich auch um das Blasius Festival, das die beiden natürlich mit ihrem Team vor zehn Jahren aus dem Boden gestampft hat.

Das ganze ehrenamtliche Betrieben über so lange Zeit bedarf natürlich eines gewissen Team-Spirits innerhalb des Vereins. Wir werden darüber reden, was das Festival ausmacht, wie schwer das war, was das für den Verein bedeutet. Und ganz am Schluss gibt es vielleicht auch noch ein, zwei Tipps, um so einen Spirit auch in eurem Verein zu generieren.

Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß mit der Folge. Schnappt euch einen Kaffee und los geht's. Wie trinkt ihr euren Kaffee?

Ähm, mit dem Schussmilch. Okay. Am liebsten halt doppelten Espresso.

Ah, auch nicht schlecht. Okay, dann kommen wir jetzt. Und ich selbst, ich war jetzt lang Cappuccino-Drinker. Im Moment versuche ich mal so ein bisschen auf Milch zu versicht und trinke ihn schwarz. Tatsächlich. Heute soll es ja so ein bisschen um euren Verein bzw. um auch das Blasius Festival gehen. Wollt ihr zwar euch ganz kurz nochmal persönlich vorstellen, damit die Zuhörer eure Stimmen auch zuordnen können und welche Funktion ihr innehabt?

Ja, gerne. Mein Name ist Benjamin Seefried, kurz einfach Benni. Ich bin der erste Vorsitzende im Musikverein Fremdingen seit 2019 und zugleich in der Funktion als erste Vorsitzende auch Blasius Veranstaltungsleiter.

Ich bin der Daniel Stimpfle, ich bin seit letzten Jahren zweite Vorsitzende auch im Musikverein und bin im Blasius eigentlich auch so die rechte Hand sozusagen, kümmere mich da querbeet, um die Sicherheit um Bands und um den Schaustellerbereich.

Wie lange gibt es das Festival jetzt schon?

Seit 2017. Also die ersten Planungen haben 2015 begonnen und die erste Auflage war dann im Juli 2017.

Okay. Also es sind jetzt knapp zehn Jahre und das hat sich ja jetzt auch schon etabliert, ist schon ein Name in der Szene. Man kennt das Festival. Was bewegt ein Musikverein dazu, sowas zu tun?

Wir waren damals auf dem Wurzdog der Blasmusik vor der Bühne und haben uns gedacht, Mensch, eigentlich eine tolle Sache, so ein Blasmusik-Festival. Warum bis nach oft im Innkreis fahren? Sowas könnte man doch überlegen, auch bei uns auf die Beine zu stellen. Vielleicht war vor der Bühne ein Spritzer zu viel im Geschehen.

Und so haben wir die Idee mit heimgenommen und ein paar Wochen drauf haben wir uns dann mal getroffen und einfach gebrainstormt. Was braucht es alles für ein Blasmusikfestival? Wir haben erst die Ideen gesammelt, auch was Bands anbelangt, welches Grundstück wird in Frage kommen. Und so war das eine lockere Idee zu Beginn.

Und es war auch so, dass wir bis 2009 immer ein Rockwochenende veranstaltet hatten. Und seit 2009 hat uns dann eigentlich immer so ein großes Event im Verein gefehlt, um einmal im Jahr wirklich auf alle Mitglieder auch angewiesen zu sein, ein gemeinsam ein großes Ziel zu haben, auf das man gemeinsam hinarbeitet.

Und wir haben dann gedacht, Mensch, mit einem Glasmusik Festival verbinden wir zwei Dinge, nämlich wir schaffen wieder ein großes Event im Verein. Und zum anderen schaffen wir es vielleicht damit auch, Glasmusik etwas anderen Zielgruppen auch zugänglich zu machen, als nur jetzt uns aus dem Musikverein.

Lasst uns mal so noch ein bisschen erstmal so abstecken, wie groß ist euer Verein, beziehungsweise wie groß ist auch das Orchester?

Der Verein hat ca. 400 Mitglieder. Das Orchester bei uns in der Stammkapelle hat ca. 70 aktive Musikanten. Dazu haben wir noch eine relativ große Jugendkapelle mit ca. 50 Musikanten und ein gemeinsames Vorstufenorchester mit einem Nachbarmusikverein mit 30 Musikanten. Von daher sind wir da auch sehr gut aufgestellt.

Da schon meine ich bei unserem größeren Umkreis einer der großen Musikvereine eigentlich.

Wie lange hat es gebraucht zu überzeugen, zu sagen, okay, wir machen das genauso wie das Woodstock. Also wir machen auch ein Festival. Das ist ja jetzt, man kommt ja ja mit so einer Idee um die Ecke, wie du schon sagst, vielleicht mit einem Spritzer zu viel erstmal. Und das ist ja von außen betrachtet, ist es ja, ich formuliere mal überspitzt, auch ein bisschen größenwahnsinnig.

Absolut. Das würde ich auch heute noch zu 100% unterschreiben. Es braucht Minimum eine Handvoll fast Verrückte, die sowas regelmäßig treiben. Und damals war so, wir waren gleich Feuer und Flamme, wir waren damals ein Vierer-Team, wo sich so das erste Mal getroffen hat. Wir haben dann wirklich von uns war damals noch niemand, also in der Vorstandschaft schon, aber nicht an führender Position.

Wir haben dann ein komplettes Konzept ausgearbeitet, eben mit einem Line-Up-Vorschlag, mit einem Line-Up-Vorschlag mit verschiedenen Konzepten, was das Thema Essen anbelangt, verschiedenen Vorschlägen bezüglich Grundstück und sind sozusagen mit einem kompletten Veranstaltungskonzept, man kann fast sagen, vielleicht mit einem kleinen Businessplan damals auf den ersten Vorsitzenden und seine Stellvertreterin zugegangen und haben gesagt, hey, wir hätten da eine Idee in der Tasche.

Wir könnten uns vorstellen, ein deutlich kleineres Blasmusik-Festival, als das Wurztag der Blasmusik ist, bei uns zu Hause auf die Beine zu stellen. Und man muss ehrlich sagen, von der ersten Minute an war es dann so, dass wir eigentlich da auf volle Zustimmung gekommen sind, nicht nur bei den Vorsitzenden, sondern dann auch in der Vorstandschaft und dann auch bei den aktiven Musikanten, als man die Idee dann eben nach und nach ausgerollt hat und es konkreter wurde.

Aber wir haben schon relativ konkrete Vorüberlegungen getroffen, dass man einfach auch gemerkt hat, okay, die haben sich auch mit Details befasst, dass es einfach eine runde Sache wird von der Musik über das Essen, übers Gelände, einen kleinen Schaustellerbereich von vornherein mit eingeblanten Instrumentenausstellung.

Wir waren bemüht, an möglichst viel zu denken, auch wenn man rückblickend sagen muss, das hat wahrscheinlich nur an der Oberfläche gekratzt, wenn man jetzt dann doch viele, vieler Details bedarf in der weiteren Organisation.

Wisst ihr noch, also wie viel Publikum ihr im ersten Jahr hattet? Ungefähr.

Ich würde sagen knapp 1500.

Und wo bewegen wir uns jetzt?

Zwischen zweieinhalb und drei. Also so in Spitzenzeiten, so Samstagabend ist immer so die absolute Spitzenzeit. Da werden wir uns stark Richtung 3000 bewegen.

Okay. Wisst ihr noch, wie das das Gefühl war, als das erste Mal das dann losging? So am Tag X Opening und Leute kommen.

Ja, das ist so, das ist so ein Gefühl, Mensch, da haben wir jetzt zwei Jahre drauf hingearbeitet und dann gehen plötzlich die Schleusen auf und die ersten Gäste stehen vor einem mit ihrem Zeit unter dem Arm, mit einem Bollerwagen, den sie hinterherziehen, wo sie das ganze Camping-Zeug, was so ein Festivalgast eben am Wochenende braucht.

Und natürlich, was bei uns nicht fehlen darf, mit dem Instrument im Schlepptau. Das ist schon ein richtig cooles Gefühl. Und was so richtig stolz gemacht hat, wenn man dann abends bei den Headlinern so am Rand der Bühne stand und von oben in die Menge geschaut hat, dann hat man sich gedacht, okay, jetzt wissen wir, wofür man die ganzen Stapazen im Vorfeld nicht nur in der Orga, sondern dann natürlich auch vor allem beim Aufbau auf sich genommen hat.

Das war schon, war richtig, richtig cool.

Was hat euch veranlasst zu sagen, okay, das war jetzt nicht nur eine einmalige Sache, sondern wir machen das jetzt jedes Jahr.

Ich glaube, insbesondere war der große Zuspruch aus der Bevölkerung und auch aus dem Verein, der auf jeden Fall danach spürbar war. Es kam wirklich so eine Art Hype auf, May, das war wahnsinnig toll, bleibst du auf jeden Fall dran. Das war für uns da eigentlich schon der Anlass, das auch weiterzutreiben.

Natürlich war dann auch schon eine gewisse Vorplanung ja vorhanden, was natürlich bei so einer Veranstaltung dann auch einfacher macht für die Folgejahre. Ich fange ja nicht bei null an, sondern ich bin ja auch am gewissen Level. Da muss man auch sagen, wir haben das von vorneweg sehr strukturiert aufgebaut, gab eigentlich dann immer To-Do-Listen, die man dann abgearbeitet hat, verbessert hat.

Und da war dann, glaube ich, einerseits wirklich auch der Hype einfach da, dass man Lust drauf hatte und eben auch von außen die Zustimmung, macht es weiter und steigert es euch da.

Ich stelle mir dann trotzdem die Frage, ihr seid ja ein Musikverein. Also das ist ja eine immense Belastung nebenbei. Also, euer Kerngeschäft ist ja selber Musikspielend. Ich weiß, dass das natürlich im südlichen Deutschland nochmal eine andere Nummer ist, aber ich merke halt jetzt, wo ich in Mainz wohne, oder dann auch im nördlichen Zipfel von Bayern, wo ich eigentlich herkomme, es wird ja immer schwerer, Menschen zu finden, die Feste austragen.

Jetzt habt ihr nicht nur ein Fest, sondern das ist ja schon ein Riesending. Du hast gesagt, ihr habt im ersten Jahr wahrscheinlich nur an der Oberfläche gegratzt, das heißt, da sind ja jetzt noch tausend Sachen dazu gekommen, woran man denken muss, was vielleicht zusätzlich organisiert werden muss. Das Publikum hat sich verdoppelt.

Das macht ja auch wieder einen Unterschied. Wie motiviert ihr dann so einen Verein zu sagen, wir machen das jetzt schon fast im zehnten Jahr? Also ich finde das total bemerkenswert. Weil man ja nicht vergessen darf, ihr macht das ja alles ehrenamtlich. Das ist ja jetzt nicht so wie beim Wurztalk, dass da hinten dran eine Firma ist, eine Eventfirma, die davon leben muss.

Sondern ihr macht das, weil ihr dafür brennt und Bock habt.

Ich denke, genau das zeichnet uns aus und das merkt man auch in der DNA vom Festival. Und ich glaube wiederum, das ist auch der Punkt, der unsere Mitglieder motiviert, wenn man bei uns übers Gelände läuft. Also auch unsere Leute, unsere Helfer, unsere Musikanten. Man kennt sich mittlerweile unter den Gästen.

Wir haben eine sehr große Fanbase, zum Beispiel aus dem Allgäu, die regelmäßig zu uns kommen. Man kennt natürlich die regionalen Gäste und viele unserer Mitglieder, aber auch so der Helfer aus dem Ort sind wirklich stolz drauf, dabei zu sein. Ich war da am Anfang immer skeptisch, ob uns das gelingt, auch so die Leute aus dem Ort von der Idee zu überzeugen und dafür zu begeistern.

Und ich glaube, das ist sehr gut gelungen. Und mittlerweile ist es häufig so, es ist nicht mehr, wie finden wir notgedrungen, irgendwie diese Anzahl an Helfe. Wir sprechen hier über 250 Leute, die am Wochenende auf den Beinen sind, sondern es ist eher so, ich will dabei sein und ich will Teil des Ganzen sein und am Montag an der Arbeit davon erzählen können, hey, ich war Wochenende beim Dasius und das nicht nur als Gast, sondern ich war Teil davon.

Und das ist uns, glaube ich, auch im Verein sehr gut gelungen. Wir hatten von Anfang an eine AK-Struktur, also dass es nicht einen konzentrierten Festausschuss gibt, der im Endeffekt alles definiert und bestimmt, sondern es war sehr stark auf die Mitwirkung unserer Musikanten angelegt. Wir haben einen Marketing-AK, einen AK für Sicherheit, für Sponsoring, für Verpflegung, sodass man das wirklich auch in die Breite im Verein trägt und wir nicht nur zehn Leute sind, die das stemmen.

Klar, irgendwo laufen schon die Fäden zusammen. Aber viele, viele kleine Ideen und viele kleine To-Dos versuchen wir eben schon in den Arbeitskreisen auch abzuwickeln. Und dann sprechen wir da allein in der Vorbereitung eigentlich über eine Größenordnung zwischen 40 und 50 Leute, würde ich sagen.

Also das Wochenende ist ja eine Sache, aber da läuft ja vorher Aufbau, Abbau und so. Wie viele Tage habt ihr dafür?

Wir starten genau eine Woche, bevor das Festival losgeht. Also am Freitag vorher mittags starten wir. Dann an dem ersten Aufbauwochenende passiert sehr, sehr viel. Und unter der Woche ist es dann so, vormittag sind wir meistens ein bisschen weniger helfer, wo dann Dinge vorbereiten. Und nachmittags geht es dann wieder Vollgas an den Aufbau und am Boden und Seite aufgebaut werden.

Aber klar, das verlangt von vielen im Verein schon auch ab, dass auch der ein oder andere Urlaubstag und bei manchen sind es nicht nur Tage, sondern eher eineinhalb, zwei Wochen dafür auch geopfert wird.

Also es ist krass, dass du dann sagst, okay, ihr habt das so weit schon geschafft, dass die Leute alle sagen, ich will dabei sein, ich will nicht nur erzählen können, dass es gemacht worden ist und ich bin ein Teil davon. Also dann habt ihr ja quasi von innen raus alles richtig gemacht, damit sich die Leute auch damit identifizieren und nicht so ein notwendiges Übel ist mit, okay, wir machen das halt, weil wir müssen Geld verdienen, das ist jetzt schon, läuft jetzt schon, wir können nicht einfach aufhören, weil aufhören ist ja jetzt nach zehn Jahren auch gar nicht so einfach, finde ich.

Man hat ja so eine Erwartungshaltung von außen vom Publikum. Die will man ja miterfüllen. Das kommt ja noch dazu, oder?

Absolut, ja. Man wächst ja auch mit den mit dem Feedback oder mit der Resonanz natürlich. Das motiviert ja auch ungemein dann zu sagen, Mensch, wir holen größere Headliner, wir weiten vielleicht die Tage aus und ermöglichen schon eine Anreise am Donnerstag mit einem Bühnenprogramm. Solche Dinge überlegt man sich ja nicht, weil man jetzt sagt, wir wollen es krampfhaft größer machen, weil wir uns das vorstellen, sondern weil einfach der Zuspruch bei den Gästen auch da ist.

Und man muss aber, um so ehrlich darf man, denke ich, schon auch sein, schon auch sagen, dass es nicht, dass es kein Selbstläufer, man muss sehr, sehr viel Werbung dafür machen. Ich würde sagen, so vor Corona war definitiv die Hochphase, also 2019 war rückbrigend unser stärkstes Jahr, würde ich sagen, alleine so vom Wachstum her.

Mittlerweile gibt es halt einfach auch viele andere, die in dieses Segment ein bisschen reindrücken. Viele Bezirksmusikfeste, Musikfeste, aber teilweise auch schon Feuerwehrfeste, haben ein ähnliches Line-up wie wir. Sicher nicht in der Breite, aber einzelne Künstler, die man bei uns hören kann oder Bands, findet man halt auch in anderen Line-Ups wieder.

Und das macht es für uns schon auch ein bisschen schwieriger. Und es ist schon auch so, ich habe vorhin gesagt, wir brauchen am Wochenende 250 Leute. Die bekommen wir auch zusammen. Aber natürlich nach zehn Jahren immer noch Leute zu finden im Verein und auch das in die nächste Generation zu tragen im Verein, ist schon auch eine Herausforderung.

Also das ist kein Selbstläufer, dass man sagt, schwuppdiwupp, da stehen jetzt 50 Leute aus der nächsten Generation Schlange, die unbedingt das zu ihrer Idee machen wollen.

Das werde nämlich meine nächste Frage wissen. Darf ich fragen, wie alt ihr seid?

Ich bin 35 und dann bin ich 3939.

So, jetzt rechnen wir mal 10 Jahre zurück, da ist man Mitte, Ende 20, da ist man natürlich irgendwie strotzt mal vor Ideen. Und jetzt ist halt die Frage, wie kriege ich die nächste Generation, wie du schon sagst, da auch rein? Zu sagen, hey, das ist eine coole Sache, ich kann das jetzt oder will das vielleicht jetzt auch gar nicht, nochmal zehn Jahre so in dem Ausmaß selber alleine machen.

Wie schafft ihr das, da Leute mit reinzukriegen, die auch Verantwortung übernehmen? Oder ist das zunehmend schwieriger?

Das ist, glaube ich, gerade auch ein großes Thema bei uns im Verein, das zu schaffen. Ich glaube, das ist ja auch die allgemeine Zeit mit der Generation Z, dass man ja auch sagt, die Verantwortungsbereitschaft geht zurück, die Verbindlichkeit geht zurück. Und gerade das ist aktuell schon ein Thema. Wir sind im Großteil des Führungsteams eigentlich ziemlich gleich geblieben, muss man sagen.

Wir haben schon vereinzelt jetzt 25-Jährige wieder zubekommen, dies mit reinnehmen. Ich denke, das hängt halt immer ein bisschen von Einzelpersonen ab. Man kann es jetzt nicht erzwingen. Das ist schon auch ein großes Thema, was wir uns auch als Vorstandschaft aktuell stellen. Muss sich einen Spielraum geben für neue Ideen, für einen gewissen Transfer und so weiter.

Das ist bei uns gerade schon tatsächlich ein aktuelles Thema, wie wir das auch erreichen. Wir haben jetzt im Vergleich zu den letzten Jahren schon jedes Jahr so ein, zwei, würde ich sagen, mit in die erste Reihe dazubekommen. Andererseits haben auch verhältnismäßig wenige aber auch aufgehört. Also die Lücken sind jetzt auch nicht so groß da gewesen bisher, muss man sagen, aber natürlich schaut das Alter.

Bei vielen kommt Familienplanung dazu, bei vielen kommt Hausbau dazu. Da haben wir durchaus auch den einen oder anderen Wechsel dadurch gehabt. Und die Frage muss man sich eigentlich meines Erachtens konstant stellen.

Ich habe ja gesagt, ihr macht das komplett ehrenamtlich, das Wurzstock als großes Vorbild, weil daraus ist ja die Idee entstanden, hat da ja ein riesen Team, Event-Team, die ja quasi nichts anderes machen. Wo liegen für euch die Grenzen im Ehrenamt, wo ihr sagt, okay, das können wir einfach nicht leisten?

Ja, definitiv bei der Besucherzahl. Also da sind wir an einer Größe angelangt, wo wir sagen, uns ist es immer sehr wichtig, den familiären Charakter beizubehalten und dass wir weitestgehen, das Thema Verpflegung unserer Gäste. Also uns ist es in der Führungsriege definitiv ein Anliegen, dass dort größter in der Breite Mitglieder unseres Vereins, Personen aus dem Ort hinter den Ständen zu finden sind und wir nicht irgendwelche gewerblichen Anbieter uns holen, nicht weil wir das Geld zwingend im Verein halten wollen, sondern ich glaube, das ist schon ein Thema der Identifikation mit dem Ganzen.

Und das wird uns auch von den Bands zum einen, aber auch von den Gästen immer wieder gespiegelt, dass dieser familiäre Flair uns eigentlich auszeichnet. Und ich glaube, das wäre für mich definitiv der Punkt zu sagen, okay, jetzt ist es nicht mehr unsere Veranstaltung, da sehen wir uns nicht mehr, wenn es zu groß wird und zu gewerblich wird.

Aber wichtiger Punkt ist auch der Bereich Line-Up und Werbung. Da haben wir natürlich auch einfach Grenzen dadurch, dass wir an einem Vereinsvermögen arbeiten. Wenn jetzt ein Privater mit seinem Vermögen da ein unternehmerisches Risiko eingeht, ist es seine Sache. Da sind wir, oder müssen wir meines Erachtens auch einfach aus der Vereinsverantwortung heraus ein bisschen konservativer sein.

Wir haben schon durchaus mal über die ganz Großen nachgedacht, aber haben uns dann oft auch darauf verständigt, das vielleicht eine Stufe darunter zu setzen, eben weil das Risiko dann doch in einer gewissen Größe da ist. And genauso beim Bereich Werbung, man kann natürlich heute über Social Media auch viel mit finanziellem Aufwand noch dazu leisten.

Da sind uns natürlich die Grenzen auch ein bisschen anders gesetzt wie bei größeren Veranstaltern. Natürlich haben wir auch nicht die riesen Sponsoren. We have jetzt keine großen Instrumenten bei uns. die uns da großflächig unterstützen. Wir haben uns da aber eigentlich auch darauf verständigt, das hauptsächlich mit den örtlichen zu machen, was für uns eine viel bessere Lösung ist.

Die sind auch alle persönlich dabei, sind auch persönliche Mitglieder oder Freunde. Natürlich hat es dann auch ein bisschen eine Einschränkung in dem Bereich.

Aber für mich tatsächlich sehr faszinierend zu sagen, ich halte das eigentlich alles sehr regional und trotzdem schafft ihr das jetzt seit zehn Jahren auch mit der Größe. Also das ist ja eine Konstanz, die sehr bemerkenswert ist.

Ja, schon, das wird auch von vielen umliegenden Vereinen durchaus bewundert, würde ich fast sagen, die wirklich sagen, hey, Wahnsinn, was ihr euch da mittlerweile ja seit Corona alle zwei Jahre fast schon aufhalst und zusätzlich zum Vereinsgeschehen. Wir sind ein Musikverein mit drei Orchestern, mit einer Musikschule mit 100 Schülern, mit insgesamt 400 Mitgliedern im Verein.

Alleine das würden viele andere schon sagen, ist ein mittelständisches Unternehmen. Und wir nehmen uns zusätzlich noch alle zwei Jahre ein Festival vor die Brust. Da sind wir schon auch stolz drauf, das so zu leisten. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, das ermöglicht uns im Vereinsalltag halt auch an der einen oder anderen Stelle finanziell auch das ein oder andere möglich zu machen, was ohne diese Finanzspritze aus dem Festival definitiv schwieriger wäre.

Okay. Weil das wäre jetzt so die nächste Frage gewesen, ob sich das so rentiert, dass das natürlich mittengrund ist oder ob das schon auch eher so ein bisschen so ein Prestige-Ding ist. Aber wenn du sagst, ihr könnt euch dadurch an der einen oder anderen Stelle auch mal was leisten, was es vielleicht sonst ein bisschen schwieriger gemacht wird, beantwortet es ja wahrscheinlich die Frage.

Absolut. Also es rechnet sich schon für den Verein und ich bin der Meinung, das muss es sich auch, weil wie ich vorhin gesagt habe, es gibt etliche Personen im Verein, die einen Teil ihres Jahresurlaufs dafür opfern, die viel, viel Freizeit dafür opfern. Und dann muss schon für einen Verein auch was hängen bleiben am Ende des Tages, weil sonst definitiv auch die Bereitschaft bei den Musikanten sinken würde.

Daniel, du hast das ja gerade schon so ein bisschen angesprochen, wenn ihr junge Leute reinholt, ist ja dann auch immer die Frage mit neuen Ideen, wie weit will man sich öffnen, was will man mal neu ausprobieren. Gibt es irgendwas, wo ihr sagt, okay, abgesehen davon, dass ihr sagt, okay, wir wollen das auf jeden Fall im Verein lassen, damit es einfach eine familiäre Atmosphäre wird, gibt es irgendwas, wo ihr sagt, okay, das wollen wir auf keinen Fall verändern, weil es einfach gut gelaufen ist und das irgendwie so ein Ding ist?

Tatsächlich ein großer Punkt war, wir haben in 2024 das Plasius ja auch noch kombiniert mit unserem örtlichen Bezirksmusikfest. Da war ein großes Thema der Örtlichkeit, weil wir auch das Thema hatten, Umzug draußen auf der Wiese, das muss doch im Dorf stattfinden. Da hatten wir auch schon einen relativ konkreten Alternativplatz im Auge, der Ortsnah war.

Dann kam es aber in die konkreten Überlegungen auf einmal, Mensch, wir können doch auf keinen Fall von unserer Fläche weggehen. Das ist, glaube ich, ein Punkt, wo wir uns noch gar nicht angesprochen haben. Also was uns wirklich einzigartig auch in dem Bereich macht, wir sind ja wirklich auf der grünen Wiese.

Und nicht nur 500 Meter vom Ort weg, sondern 3,5 Kilometer vom Hauptort, von unserem Hauptort mit 800 Einwohnern. Ungefähr 300 Meter weg ist ein Aussiedlerhof, der aber selber auch eine eigene Kernlage und eine eigene Wasserversorgung hat. Heißt, wir sind hier quasi wirklich komplett ohne Infrastruktur da.

Wir legen ja eine zweieinhalb Kilometer Leitung Wasser quer durch den Wald. Wir müssen das Abwasser manuell mit Güllefässern abtransportieren. Strom geht natürlich auch noch über Generatoren. Aber das ist es uns wert, weil wir halt wirklich so eine schöne Schneise haben. Links und rechts Wald, schöne Waldwiese.

Man sieht bis an Horizont eigentlich die Natur. Das macht es wirklich einzigartig, wo wir eigentlich auf gar keinen Fall weg wollen. Also das würde das Plasius komplett über den Haufen werfen. Das war dann auch tatsächlich 24 das Argument. Wir haben uns dann auch getraut, am Sonntag den Umzug wirklich über das Festivalgelände zu machen.

Wir sind dann über den Zeltplatz und über den Karavanplatz mit 60 Gruppen marschiert und am Ende dann vor der Hauptbühne geendet. Das war schon auch im Nachhinein was wirklich unheimlich Einmaliges und auch, würde ich mal sagen, wie es ein Gänsehauptmoment. Also ganz klares Gelände, das dürfte sich am Konzept am wenigsten ändern.

Aber was hat sich jetzt in Szenen am meisten verändert?

Was definitiv spürbar ist, so seit Corona, was wirklich krass zugenommen hat, ist das Thema Karavan. Also es geht immer mehr weg vom eigentlichen Camp, Zelten hin wirklich, ich komme im Wohnwagen, ich komme im Camper, mit dem VW-Bus. Das wurde deutlich, deutlich mehr. Was sich krass geändert hat, würde ich definitiv auch sagen, ist das Einzugsgebiet unserer Gäste.

Im ersten Jahr waren wir da noch sehr, sehr stark regional, hatten sicher Gäste aus dem ganzen süddeutschen Raum, aber mittlerweile haben wir Gäste aus der Schweiz, aus Belgien, aus Luxemburg, ganz, ganz viele Gäste auch aus dem Rheinland. Ich würde fast sagen, quer bet durch die Republik und auch angrenzende Länder sind mittlerweile auf dem Dasius vertreten.

Also die Reichweite, das ist definitiv ein Punkt.

Spürbar war auch, dass sich das Bestellverhalten der Gäste ein bisschen verändert hat. Nach Corona war ja auch überall ein bisschen das Thema der Verbindlichkeit. Die Leute werden immer kurzfristiger, die Leute wollen sich nicht mehr festlegen und planen relativ kurzfristig, was es uns als Veranstalter natürlich auch oft nicht leicht macht, dass man da noch ein bisschen auf Kohlen sitzt, so nach ein paar Wochen ein Ticket verkauft, ja, ist jetzt auch nicht besser geworden.

Da nimmt es aber meistens jetzt immer später eigentlich erst fad auf. Da muss man ganz klar sagen, dass sich das sehr stark auf Kurzfristigkeit verschoben hat.

Ja, das hört man ja immer wieder. Auch große Künstler sagen, dann Touren ab, weil sie nicht planen können, ob sie die Halle halt dann voll kriegen und meistens ist es billiger abzusagen, als es durchzuziehen, wenn keiner kommt. Das ist natürlich dann für so ein Riesenfestival der Super-GAU. Irgendwie eigentlich.

Also das heißt, alle, die jetzt zuhören, kauft euch die Karten rechtzeitig, damit die zwei Haaren hier auch beruhigt schlafen können. Weil ich kann mir das gut vorstellen, dass das auch. Also klar, man hat vielleicht so ein bisschen Vertrauen schon langsam, weil er das ja jetzt nicht zum ersten Mal macht, aber wenn ihr sagt, das verschiebt sich immer auf Sperr, dann ist das ja schon auch ein bisschen Unruhe.

Definitiv, also die finanzielle Planbarkeit ist das eine, aber es geht ja auch darum, die Dimensionierung der Sitzplätze, Zeitplatzfläche, Karawanfläche, Parkplätze und so weiter. Also ganz rudimentäre planerische Überlegungen, die davon eben auch stark beeinflusst sind, ob ich jetzt 2000 Gäste auf dem Platz habe oder 3000.

Und darum wäre uns enorm geholfen, wenn wir möglichst früh möglichst viele Tickets verkaufen könnten, dadurch Planbarkeit schaffen. Und ich hoffe, bei unseren Gästen auch möglichst lange Vorfreude eben dadurch auch erzeugen können.

Für die Kurzfristigkeit haben wir uns eigentlich auch von Anfang an ein ganz gutes Konzept überlegt. Bei uns gibt es das sogenannte Brotzeit-Ticket, haben wir uns überlegt als Idee. Man bezahlt quasi am Freitag oder Samstag den vollen Tagesticketpreis. Und wenn man vor 19 Uhr, sprich 21 Uhr, Entschuldigung, das Gelände wieder verlässt, sprich vor den großen Headlinern, bekommt man einen Teil des Eintritts wieder zurück.

Macht es natürlich für die örtliche Bevölkerung, die jetzt nicht unbedingt im großen Blasmusik-Scholle zu Hause ist, auch möglich, einfach nur zur Brotzeit hinzugehen, einen gewissen Eintritt zu bezahlen, aber trotzdem auch am Festival teilnehmen zu können. Ist natürlich schon ein Thema, wenn ich jetzt abends um 18 Uhr komme und noch 30 bis 40 Euro Eintritt zahlen soll, stößt beim einen oder anderen natürlich auch ein bisschen auf Unverständnis.

Wir sind aber nun mal im Festival und müssen halt einen gewissen Spagat auch hinbekommen. Aber dadurch wäre es natürlich auch möglich, dass man kurzfristig auch noch vorbeikommen kann.

Was war bisher die größte Herausforderung?

Definitiv das Thema Absage der Veranstaltung 2020, hinüberrettende Ticketverkäufe auf 21, nochmal Absagen in der Ungewissheit, ob es 22 klappt.

Ja, das gehen wir vorstellen.

Also das war sowohl für mich als Vereinsvorstand die ungewisseste Zeit, wie geht es im Verein weiter, aber vor allem auch beim Festival und da reden wir halt über viele, viele tausend Euro, die plötzlich im Raum stehen, wo auch der ein oder andere Künstler, die waren größtenteils sehr kudant und uns da sehr gewogen.

Aber wir hat schon auch den einen oder anderen, der da versucht hat, harte Kante zu fahren.

Ja, ich kann mir vorstellen, da ist man wahrscheinlich auch ein paar Jahre gealtert in der Zeit, oder?

Absolut. Ich hätte nie gedacht, mich am Schreibtisch zu sehen und Hygienekonzepte auszuarbeiten, wie man irgendwie ermöglichen kann, dass 100 Musikschüler der vereinseigenen Musikschule nicht den Draht zum Verein verlieren und auch weiterhin ihr Instrument spielen können?

Wie ist das in dem Jahr, wenn ihr Festival habt, da ist ja schon ein paar Mal gefallen, manche müssen da zwei, zweieinhalb Wochen Urlaub auch aufbringen, aber euer Kerngeschäft ist ja noch Musik machen. Ist das dann weniger in dem Jahr, dass ihr weniger Auftritte spielt? Merkt man das irgendwie, dass Probenbesuche vielleicht nicht ganz so viel sind, weil sie natürlich sagen, okay, ich kann ja nicht überall meine Kraft so einbringen.

Oder spielt das tatsächlich keine Rolle?

Bisher glücklicherweise eigentlich nicht messbar und nicht spürbar, würde ich jetzt mal so sagen. Wir haben ein gutes Beispiel, das glaube ich uns bald ja auch persönlich sehr stark betroffen hat oder betrifft. Wir haben noch so ein Alleinstellungsmerkmal in unserem Jugendbereich. Wir fahren regelmäßig, eigentlich fast alle zwei Jahre mindestens, mit der Jugendkapelle eine Woche lang nach Südtirol.

Eine Probenwoche, sieben Tage, 25 Stunden Proben mit kompletter Selbstversorgung, mit Ausflügen, mit gemeinsamen Aktivitäten mit den Partnerkapellen und so weiter. Das war einmal so, dass es so war, wir sind fertig gewesen beim Abbau. Nächsten Tag haben wir uns das Früh zum Einkaufen getroffen, dass wir wieder weiterfahren nach Südtirol.

Das war schon ein Hardcore-Jahr. Das haben wir jetzt in diesem Jahr eigentlich auch wieder. Da ist natürlich dann schon ein Hausnummer, wo ich sage, es sind definitiv auch Grenzen da. Aber es ist eigentlich bis jetzt schon noch so. Toi toi, dass es auch so bleibt, dass der Verein das eigentlich auch mitmachen kann.

Und ich glaube, da brauchen wir uns absolut nicht verstecken. Wir sind auch vereinsmäßig meines Erachtens sehr gut aufgestellt, wenn wir uns im Umkreis vergleichen. Wir sind auch sehr selbstkritisch, wir wollen das eigentlich stetig auch in allen Bereichen verbessern. Wir haben vor zwei Wochen nicht den ganzen Tag Klausur gemacht mit Themen, die wir seit Jahren vor uns her schieben.

Das steht und fällt aber möglich mit ein paar Einzelpersonen. Dass das, glaube ich, auch so funktioniert. Man kann natürlich, sofern muss man schon sein, der Großteil der Helfer am Blasius sind jetzt übers Jahr in einem Vorbereitungsjahr relativ wenig tangiert. Das haben wir schon, wir haben ja dieses Team mit 50 Personen insgesamt übergreifend.

In der Kapelle selber kommt es nicht direkt so an.

Ja, wobei auf der anderen Seite uns das auch, das macht es in vielen Belangen auch einfacher, dass man sich sehr regelmäßig sieht bei den Proben, bei den Auftritten, viele organisatorische Themen, wo ich sonst extra jemanden anrufen müsste, extra einen Termin ausmachen müsste, kann man so halt geschwind auch mal vor oder nach einer Probe oder am Rande von einem Auftritt auch mal kurz klären und sich abstimmen.

In einer Zeit, wo wenig Vereinstermine sind, ist das tatsächlich dann eher sogar anstrengend, da immer zusammenzufinden.

Wie viele Auftritte spielt ihr so im Jahr?

Jugendkapalier weiß ich gerade auswendig, hatte letztes Jahr 25 Auftritte, also ködlich und Ständchen alles mit eingerechnet. Bei der Stammkapelle würde ich sagen, sind wir in der Größenordnung Richtung 40 Auftritte so. Okay. Aber da gibt es natürlich Wochenenden, da spielt man an einem Wochenende, sind es drei Auftritte und dann gibt es Wochen wie im Moment, da ist jetzt mal vier Wochen absolut gar kein Auftritt.

Vielleicht mal ein Geburtstagsständchen oder sowas.

Trotzdem macht ihr anscheinend irgendwas richtig, dass das so gut funktioniert bei euch, dass die Mannschaft da mitzieht. Also ich kenne andere Vereine, die haben deutlich weniger zu spielen und müssen trotzdem gucken, dass ihr halt die Mannschaft zusammenkriegt. Und ihr fahrt so ein Programm plus ein Festival, plus die Jugend fährt noch irgendwo hin.

Also da gehört ja schon viel, viel, viel Herzflut und Leidenschaft dazu. Wie gesagt, das ist ja alles ehrenamtlich. Das ist ja nicht euer Hauptjob. Ihr habt ja gehe ich davon aus, auch noch andere Dinge zu tun. Ohne Familie wahrscheinlich noch. Also meinen größten Respekt. Danke.

Was man auch dazu sagen muss, dadurch, durchs Blasius ist es jetzt nicht wirklich messbar. Stehen wir natürlich auch in der Gemeinde auch weitaus positiver da. Ich denke, langfristig oder auch beim Einzelnen macht sich das vielleicht auch in der Nachwuchsgewinnung bemerkbar. Dass man definitiv auch Fans erreicht hat, die vielleicht so jetzt mit dem Musikverein selber nichts groß anfangen können, aber hey, das sind die Blasius-Veranstalter, das ist ein cooler Verein.

Da profitieren wir, glaube ich, auch in dem Bereich schon auch ein bisschen.

Und das, finde ich, macht es auch einzigartig irgendwo, dass wir wirklich, wir haben Familien unserer Musikanten, da kommen die Kinder mittags vom Kindergarten und sagen so: Mama, fahren wir heute Nachmittag wieder zum Blasius-Aufbau und die springen dann die ganze Woche nachmittags draußen mit rum und wöcheln mit.

Und für die ist das das Größte. Also es ist wirklich bei uns von jung bis alt, vom Vorschulkind, das musikalische Führerziehung hat oder Plopstödeland, bis zum Ehrenmitglied mit 70 Jahren sind alle mit vertreten. Die einen mehr, die anderen weniger, ganz klar. Aber so die Begeisterung zu schaffen, für die Kids ist es das Größte, am Festivalwochenende ein Festivalband zu gattern, zu bekommen und damit am Montag in die Schule zu gehen.

Und das ist schon cool, wenn man auch bei den ganz Jungen, genauso aber wie bei den Älteren, hier so eine Euphorie entfachen kann.

Das Vorstufenorchester darf zum Beispiel am Sonntag früh immer den Wegruf spielen und davor auch noch ein bisschen helfen, das Gelände aufzuräumen, hat dann einen ganz guten Nebeneffekt. Aber es schwingt die Kinder natürlich auch toll, auf dem Festival da auch mitspielen zu dürfen. Das war natürlich auch.

Habt ihr einen Tipp für alle, die gerade zuhören und sagen, ja, okay, den Spirit haben wir gar nicht. Also wie bekomme ich überhaupt, bevor ich überhaupt über das Festival oder so? Es langt ja auch schon, einfach ein normales Fest zu organisieren. Man muss ja jetzt nicht gleich in den Dimensionen denken, die ihr gemacht hat.

Aber wie schaffe ich so einen Spirit zu etablieren? Habt ihr da einen Tipp? Oder ist es halt einfach bei euch so?

Ich würde sagen, unbedarft an das Thema rangehen, wirklich mal den Blick zu weiden, wenn man sich eine Veranstaltung überlegt. Verrückte Ideen haben. Unser Dirigent hat so den Spruch etabliert bei uns im Verein Thinking Out of the Box. Das war am Anfang heißt es natürlich öfters mal, oh Gott, wie soll man das machen?

Was ist das jetzt für eine verrückte Idee? Aber sich auch einfach an verrückte Ideen. Und ich glaube, ein Glasmusikfestival in der 2000 Einwohnergemeinde auf die Füße zu stellen, ist definitiv eine verrückte Idee. Sich einfach auch mal an unkonventionelle Dinge herantrauen, kreativ sein, Neues ausprobieren und es versuchen, möglichst breit im Verein zu streuen.

Da setze ich ganz stark auf eine Härtenintelligenz. Wenn man ganz viele Köpfe zusammenbringt, dann kommen da auch die besten Ideen dabei raus.

Gut, das auch meines Erachtens flache Hierarchien, die wir eigentlich schon auch versuchen zu halten, dass die Verantwortung wirklich weit gestreut wird. Wenn die Leute motiviert sind und die Verantwortung haben, ist das, glaube ich, der größte Gewinn, den man haben kann. Dass man da nicht der Vorstand immer nochmal fragen muss, darf ich das so machen, darf ich das so machen, dass man gleich auch die Verantwortung wirklich auch abgibt.

Dann hat man die Leute auch viel breiter dabei und man ist auch nicht von Einzelnen so abhängig. Macht es natürlich auch bei der Neuauflage von einem Fest einfacher, wenn die Verantwortung bei vielen liegt.

Wie sieht das Line-Up dieses Jahr aus? Machen wir nochmal konkret ein bisschen Werbung.

Und gemischt wie immer beim Blasius. Unser Credo war immer, es muss mindestens ein Blasinstrument dabei sein, es muss handgemachte oder mundgeblasene Musik sein. Wir haben sowohl traditionelle Besetzungen im Line-up, das reicht von lokalen Formationen wie die Musikantenfreunde oder die A96-Musikanten, Polkabären, alles eher kleinere Nachwuchsformationen, bis hin zu wirklich großen traditionellen Namen wie die Innsbrucker Böhmischen, Southbrass, was uns besonders stolz macht.

Sonntagmittag zur Mittagszeit spielen die Alber-Schwäbischen Musikanten. Unser Heimatblasmusikverband feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Und dass wir da dieses Auswahlorchester zu uns nach Fremdlingen holen können, dass einen Musikantenfrühschatten am Sonntag eben gestaltet, freut uns wahnsinnig.

And then haben wir aber auch, and ich glaube, das macht es aus, so einen bunten Crossover hinzubekommen über die Blasmusik. Moderne Formationen dabei, wie Blachmans, wie Funk'n Roll, Druckluft, das zweite Mal als Headliner bei uns, kennen sicher einige aus der Fashions Karnevalszeit mit ihrem Hit Karneweits Maus.

Also wirklich querbeet. Wir haben drei Bühnen insgesamt, eine Zeitplatzbühne, die punktuell bespielt wird, eine Birgartenbühne, wo immer kleinere Formationen zünftig musizieren. Und eben die Mainstage, wo dann die größeren Formationen richtig einheizen.

Es sind aus 26 Gruppen dabei. Auch ein Alleinstellungsmerkmal, glaube ich, fast, ist, dass man bei uns alle Bands auch anhören kann. Wir haben keinerlei Überschneidungen im Line-up. War uns auch ganz wichtig, dass die Bühnen, auch die kleineren Bühnen, die bei uns im Biergarten ist, gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen.

Deswegen haben wir einen nahtlosen Übergang. Sprich, hier endet es, dann geht es sofort nahtlos im Biergarten weiter und es geht wieder zurück auf die Hauptbühne. Man kann wirklich auch wirklich jede Band bei uns anhören.

Wo seht ihr persönlich das Festival in 10 Jahren?

Oh, gute Frage. Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Ich habe es vorhin schon mal angedeutet. Ich glaube, so der Zenit bei den großen Glasmusik-Events ist vielleicht schon ein Stück weit überschritten, ist unser Eindruck. Wo sehen wir uns in zehn Jahren als Glasus Festival? Schwierig zu sagen. Ein Stück weit hängt es natürlich schon davon ab, eine neue Generation im Verein zu finden, die diese Festival-Idee weiter trägt.

Sofern uns das gelingt, hoffentlich nach wie vor als das familiäre Blasmusikfestival in Süddeutschland.

Abschließend noch die Frage, wenn ihr vorhin gesagt habt, ihr seid natürlich an finanzielle Mittel mehr gebunden als jetzt andere Festivals. Und ihr traut euch vielleicht nicht an die ganz, ganz, ganz großen Headliner ran. Wenn das jetzt keine Rolle spielen würde, was wäre euer persönlicher Traum-Headliner, den ihr gerne da hättet?

Eine gute Frage. Also was, glaube ich, wirklich mal toll wäre, wenn man, glaube ich, schon das erfolgreichste Blasorchester der Welt mal da hätte. Die Egerländer-Musikanten mit dem Alexander Woods wäre natürlich schon eine Nummer, da waren wir schon mal kurz davor, auch leider dann coronabedingt, dann nicht mehr zum Zug gekommen.

Wäre natürlich schon toll, wenn man auch mal so ein Ausrufezahl einsetzen könnte. Das wäre schon auch ein großer Wunsch, das mal noch zu schaffen. Denn grundsätzlich sind wir ja schon, ich denke, in der Branche ist es ja so, die Superstars sind ja relativ dünn gesät, es sind ja sehr viele, sehr breit aufgestellte Gruppen.

Da sind wir eigentlich die letzten Jahre auch schon sehr gut dabei gewesen, glaube ich. Insgesamt.

Ich persönlich hätte gesagt, Lucky Jobs wäre mein Favorite gewesen.

Also kann ja nur sein. Oder gibt es die, doch, die gibt es ja noch. Die gibt es noch.

Wenn es gerade mit der Europa-Tournee passt, dann könnten wir das mal hinbekommen.

Warum nicht? Warum nicht? Okay. Ja, also wie gesagt, ich bin sehr beeindruckt von eurem Tun, von eurem Verein, dass das alles so gut klappt. Und vielleicht ist das so ein bisschen auch nochmal Vorbild für den einen oder anderen, der das jetzt hört und sagt, Mensch, bei uns im Verein könnte auch mehr gehen.

Das muss jetzt nicht gleich ein Festival sein, aber vielen lieben Dank an euch beide, dass wir mal so ein bisschen darüber reden konnten, wie das so hinter den Kulissen aussieht und was da so alles geht. Dankeschön.

Danke dir, Andi, und wir freuen uns auf ein tolles Glas hier im Juli diesen Jahres.

Einladung steht ja, haben wir schon besprochen. Wenn du Zeit und Lust hast, mit der Family vorbeizuschauen. Herzliche Einladung.

Vielen Dank. Das war auf einen Kaffee mit. Ich freue mich, dass ihr bis hierhin gehört habt, wenn ihr auch mal zu Gast sein möchtet, um eine Veranstaltung, ein Konzept Jugendausbildung, sonstigen gleichen vorzustellen oder auch einfach nur mal in Diskussion zu gehen, dann meldet euch unter blasmusikpodcast.gmx.de oder schreibt mir auch gerne auf Instagram.

Ich freue mich, wenn ihr bei den großen Folgen auch dabei seid. Wenn ihr meinen Podcast unterstützt, gerne auf Patreon oder indem ihr den Podcast einfach tatkräftig teilt und abonniert. Und ansonsten wünsche ich euch eine schöne Woche. Macht's gut, euer Andi.

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