On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5· Folge 115

Dominik Wollenweber (Englischhorn der Berliner Philharmoniker) - Wieso muss Kunst weh tun?

Donnerstag, 13. März 2025 · 2 h 09

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Shownotes

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Dominik Wollenweber hat Oboe am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium bei Simon Dent studiert. Von 1991-93 setzte er seine Ausbildung als Stipendiat der Orchesterakadmie der Berliner Philharmoniker fort. Seit 1993 ist er Solo-Englischhornist der Berliner Philharmoniker und 1996 war er Preisträger für Oboe beim ARD-Wettbewerb. Im Jahre 2000 erhielt er eine Gastprofessur für Oboe an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin. 2022 kam sein erstes Album “The Art of English Horn” raus und wurde mit dem Opus Klassik für den besten Instrumentalisten prämiert.
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Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes

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Also gerade in Berlin besonders da eine Musik oder eine Rolle spielt. Wenn ich anschaue im Kindergarten, wie da die Musik, musikalische Erziehung oder Betreuung oder so ist, das finde ich beschämend, peinlich erbärmlich. Und wenn ich das damit vergleiche, wie das bei mir früher war, okay, das war Bayern ist vielleicht auch wieder was anderes.

Kann ich jetzt nicht so wirklich beurteilen, weil ich ja meine Kinder nur in Berlin habe. Aber das ist schon sehr mickrig. Wenn halt Kunst zu sehr im Wohlfühlbereich ist, sage ich mir, dann geht sie nicht nach außen. Dann bleibt sie da, wo sie ist. Und ja, da fühlen sich alle wohl und sind zufrieden, aber es wird so ein bisschen belanglos.

Also ich finde kaum eine Musik so anrührend und so schön wie echte altenländische Volksmusik. Ich weiß doch genau, ich habe dieses Probespiel gewonnen. Zwei Tage war ich im Rauschzustand, habe mich wahnsinnig gefreut, und nach zwei Tagen bin ich irgendwie nicht nur auf dem Boden der Tatsachen angekommen, sondern noch tiefer gefallen, sozusagen.

Also das will mich jetzt gar nicht beschweren, das ist ja ein Luxusproblem. Aber man hat halt als Musikstudent, oder sobald man diesen Entschluss fasst, Musiker zu werden. Und gerade wenn man so ein Instrument hat wie Oboe, ist halt das Höchste, was du dir vorstellen kannst, was du dir in deinen allerkühnsten Träumen ausmalen kannst, ist halt mal vielleicht Berliner Philharmoniker zu werden.

Ein absolut vermessener Wunsch, den man nie laut sagen würde, weil er einfach total unrealistisch ist. Und wenn man dann diesen Traum plötzlich mit einem Schlag wirklich verwirklicht hat, dann ist eben, man hat ja plötzlich kein Ziel mehr. Du bist eben, vorhin habe ich gesagt, mit zwölf oder mit 13 war es für mich sicher, dass ich Musiker werden will.

Mit 23 hatte ich dann, oder nee, mit 25 so. Also zwölf Jahre lang hatte ich dieses Ziel vor Augen und dann plötzlich habe ich es. Dann hat man ja plötzlich kein Ziel mehr. Und dann habe ich, war ich ein Küken noch mit 25 Jahren eben. Und habe mich plötzlich gefühlt wie direkt vor meiner Pensionierung schon.

Weil jetzt ist es sozusagen vorbei.

Herzlich willkommen bei Onair, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Andi Streck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionen aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von On Air Dem Blasmusik Podcast.

Ich freue mich sehr, dass ihr wieder dabei seid und möchte mich recht herzlich bedanken auf die vielen Nachrichten zur letzten Folge. Und weil in der letzten Folge die Oboen so im Vordergrund standen, ist es heute das Englishhorn. Aber bevor wir zu meinem Gast kommen, wie immer der Supporter, und das ist Buffet Gramp beziehungsweise auch dieses Mal die Oboen-Marken aus dem Hause Buffet Gramport.

Und da gibt es gleich zwei Marken. Einmal die gleichnamige Marke sowie Rigota. Beide produzieren von der Schüler-Obu bis zur Profi-Obu alles, was das Doppelrohrplattherz begehrt. Und da lohnt es sich mal auf der Homepage zu gucken, was es für verschiedenste Modelle gibt. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, diese anzuspielen.

Mein heutiger Gast zum Beispiel spielt ein Englishhorn der Reihe Prestige von Buffy Grampant sowie eine Oboe aus der Reihe Virtuose. Mein heutiger Gast ist Dominik Wollenweber. Dominik ist Englischhornspieler bei den Berliner Philharmonikern. Sein Vater war schon Oboist, seine Frau ist Oboistin und sein Sohn ist jetzt auch Oboist geworden.

Ich wollte von ihm wissen, wie ist es eigentlich, wenn das ganze Leben sich um dieses Instrument dreht und wie kam es überhaupt dazu? Außerdem erzählt er mir, wie es sich anfühlt, wenn sich der Traum des Philharmonikers schon sehr früh erfüllt und was das mit ihm gemacht hat. Außerdem sprechen wir über Melancholie, Kunst, Kampfhaltung und musische Bildung.

Ich wünsche euch jetzt viel Spaß mit Dominik Wollenwieber hier im Blasmusik-Podcast. Mein heutiger Gast hat Oboe am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium bei Simon Dent studiert. Von 1991 bis 1993 setzte er seine Ausbildung als Stipendiat der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker fort. Seit 1993 ist er Solo-Englischhornist der Berliner Philharmoniker und 1996 war er Preisträger für Oboe beim ARD-Wettbewerb.

Im Jahre 2000 erhielt er eine Gastprofessur für Oboe an der Hans-Eisler Musikhochschule in Berlin. 2022 kam sein erstes Album The Art of Englishhorn raus und wurde mit dem Opus-Klassik für den besten Instrumentalisten prämiert. Ich freue mich, dass er hier ist und sage herzlich willkommen, Dominik Wollenwieber.

Hallo, freut mich auch. War alles richtig?

Ja, fast nur der Vorname meines Lehrers ist Simon, weil der ein Engländer war. Aber das ist zu verschmerzen. Oder ist sogar noch ein Engländer.

Okay. Ich bin in der Oboen-Szene nicht so ganz bewandert, deswegen war mir das nicht ganz ganz klar.

Den muss man auch nicht unbedingt kennen, der ist auch schon seit zehn Jahren in Pension und so weiter. Der ist jetzt nicht mehr in der Szene.

Okay. Meine erste Frage, du hast ja gerade eben gesagt, du weißt gar nicht so genau, was heute auf dich zukommt. Es gibt so eine Einstiegsfrage, die stelle ich jedem Gast hier, und zwar, welches Musikstück hast du dir als letztes bewusst angehört?

Also was ich wirklich mir willentlich angehört habe. Also jetzt nicht, was ich gespielt habe oder so. Also, das ist ganz profan eigentlich das, was ich gerade üb, weil ich in einem Monat ein Kammerkonzert habe in Berlin. Da habe ich mir jetzt mir bewusst die beiden Quintette angehört, die ich da spielen muss.

Von Hans-Werner Henze und von Wolfgang Riem. Zwei Quintette, die man jetzt nicht unbedingt kennt und die ich halt sozusagen studieren muss. Aber wahrscheinlich willst du lieber darauf hinaus, was ich mir freiwillig in meiner Freizeit sozusagen gerne mal anhöre.

Du darfst die Frage beantworten, wie du möchtest.

Ja, da gehöre ich zu den klassischen Leuten, die eigentlich freiwillig nebenbei kaum Musik hören. Also wenn ich Musik höre, dann ganz bewusst und auch zu Studienzwecken, um halt Stücke zu lernen oder kennenzulernen, die ich irgendwie kennen muss, kennen muss, bewältigen muss oder sonst was. Aber dass ich so nebenbei beim Abspülen oder so was mir so anhöre, das passiert eigentlich fast nie.

Da habe ich dann zum Beispiel beim Radio lieber Informationsradio oder sowas. Also so richtig Musik selten. Zu Weihnachten mal Weihnachtsautorium zum Beispiel. Das fällt mir jetzt ein, weil die Kinder das wollen. Weil die Kinder das fordern.

Okay. Ich würde gerne ein bisschen chronologisch vorgehen und so ein bisschen dein Leben mal näher beleuchten. Kannst du dich erinnern, wann du das erste Mal über Musik gestaunt hast?

Ja, das ist schwierig zu sagen, weil ich komme aus einem Musikerhaushalt und mein Vater war ja Oboist, auch Englischanist, witzigerweise auch dasselbe Nebeninstrument als sein Hauptinstrument wie ich, also das Englischon. Und ich habe da natürlich der hat zu Hause geübt und ich bin da völlig unbewusst an die Sache herangeführt worden.

Also ich kann mich auch zum Beispiel erinnern, dass ich so, als ich zum Beispiel zum ersten Mal bewusst die große Schubert C-Dur-Symphonie gehört habe, kannte ich die Melodien irgendwie und mir ist dann aufgefallen, das hat wahrscheinlich mein, da sind sehr viele Obon-Soli drin. Damals war mein Vater noch Obo ist, nicht Englisch.

Und er hat diese Obon-Soli geübt, and ich habe sie wahrscheinlich halt so nebenbei as baby oder as kleinkind aufgenommen anders and mir gemerkt halt. Deswegen so ein Aha-Erlebnis. Also, das sind dann eher so things that me erzählt werden. Platten, hat ich from the Sommernachtstraum von Mendelssohn eine Platte, die habe ich wohl so oft angehört, dass sie dann irgendwann kaputt war, weil ich sie wahrscheinlich halt als kleiner Junge auch nicht so wahnsinnig gut behandelt habe.

Und die war dann irgendwann kaputt und dann habe ich bitterlich geweint und war sehr unglücklich. Und an das Gefühl, dass die Platte kaputt war, da kann ich mich noch erinnern. Und ich weiß auch, was das für eine Aufnahme war. Und jeder Interpret, der das nicht so interpretiert wie auf dieser Aufnahme, ist für mich eine Flache.

Also bin ich total geprägt worden davon.

Welche Aufnahme war das?

Das war George Sell, so ein alter englischer Dirigent, der, ja, ich keine Ahnung, wann er gestorben ist, bevor ich geboren wurde, glaube ich, ist er gestorben oder vielleicht in der Zeit, also in den 60er, 70er Jahren irgendwann. Und war, wie ich jetzt weiß, eben als sehr lebendiger Interpret bekannt, der also schnelle Tempi genommen hat und so weiter.

Und wenn jetzt jemand hierherkommt und das so ein bisschen bedächtig langsamer interpretiert, finde ich, das widerstrebt mir das total.

Also sehr frühkindliche Beregung.

Ja, genau, das auf jeden Fall. Und meine beiden, ich bin ja jüngstes Geschwister von Brien und meine älteren Geschwister sind auch bei den Musiker geworden, haben Geige und Cello gespielt. Und deswegen, also hatte mich die Musik schon früh umgarnt.

Ich habe gelesen, dass du zunächst Flöte gespielt hast.

Ja, genau, das war, da gibt es eigentlich auch einen lustigen Grund, profanen Grund. Ich habe als Kind sehr gestottert. Und dann dachten meine Eltern halt, bei Querflöte, da fließt die Luft so schön, so ungebremst. Hat so was Lockeres im Gegensatz eben zu Oboe, wo es ja mehr so um die Bauchpresse und um das Fokussieren des Luftstroms geht, ist bei Flöte ja alles locker.

Und dann haben sie halt gedacht, es ist eine gute Idee, mich Flöte spielen zu lassen. Und habe dann erst mit 14. Auch eigentlich eine Mischung aus weiser Entscheidungen von meinen Eltern, die sich bestimmt gedacht haben, dass Flöte doch nicht so ganz zu mir passt. And auch einen älteren Cousin, der ist Flötist geworden, and bei Flöte ist die Konkurrenz noch damals zumindest noch größer.

Und sie dachten, wenn ich es schon beruflich machen will, dann lieber ein Instrument, was nicht so häufig bedient wird wie die Flöte. Und dann war ich 14 und dann dachte ich mir, ja, was bleibt jetzt? Ein Streichinstrument ist schon ein bisschen spät. Klarinette fand ich immer doof, war Gott war mir zu langweilig.

Und dann war sozusagen ein Wettstreit zwischen Horn, also Frenchhorn, also normales Horn, Waldhorn und Oboe. Und mein Vater hatte zwar immer gesagt, seine Kinder dürfen alles lernen, nur nicht die Oboe, weil da diese Materialschlacht so groß ist. Aber ich habe dann, also er musste in den sauren Apfel beißen.

Ich habe mich dann für Oboe entschieden. Und hab's nicht bereut.

Okay. Ich habe jetzt schon einige Fragen. Dein Kollege Albrecht Meyer schreibt ja auch, dass er früh gestottert hat. Ist das Zufall, dass ihr weiter irgendwie.

Das ist, glaube ich, tatsächlich reiner Zufall. Also, ich kenne ihn zwar auch schon ewig, also schon bevor wir Kollegen wurden, haben wir schon öfters zusammen gespielt und ich kannte ihn gut. Ich wusste ehrlich gesagt auch ziemlich am Schluss erst, dass er gestottert hat. Da haben wir uns irgendwann mal gegenseitig geoutet.

Ich glaube, bei ihm merkt man das so wenig wie bei mir jetzt. Wobei man als Stotterer sagt, es ist so wie Alkoholiker oder so, einmal Alkoholiker und bleibst du das dein Leben lang beim Stottern, ist es eigentlich auch so, das holt einem immer mal wieder ein, dieses Thema, aber man lernt halt damit umzugehen und es stört dann nur noch in extremen Ausnahmesituationen.

Okay. Wann hast du für dich beschlossen, das zu studieren?

Ja, ich war halt da relativ früh in diesem Fahrwasser drin. Eben mein Vater-Musiker, meine großen Geschwister haben natürlich auch schon vor mir damit angefangen, das beruflich machen zu wollen. Und ich habe so ein bisschen trottelig halt einfach das gemacht, was the other gemacht und had keinen Grund gesehen, das irgendwie anders zu machen.

War in forgive to the other schon früh relativ ehrgeizig und leistungsbewusst and so, and this was for me irgendwie klar. Also, sagen wir mal, als ich 12, 13 war oder so, hatte auch keine anderen großen Begabungen, wenn ich jetzt toll Fußball gespielt hätte oder wahnsinnig toll gemalt hätte oder keine Ahnung was, dann wäre es vielleicht auch was anderes geworden.

Aber so dachte ich halt, ja, das mache ich gut, es macht mir Spaß und ich habe Erfolg und baue ich es halt weiter.

Wie war das für dich in der Schule, wenn du sagst, du warst ehrgeizig, also gehe ich davon aus, dass du viel geübt hast.

Ja, genau, so und hab schon immer gerne so kleine Jugendmusiziert Wettbewerbe zum Beispiel, haben meine Geschwister nie gemacht. Das war damals, also in der damaligen Zeit, fand man das doof. Und ich fand es vielleicht auch doof, habe es aber trotzdem gemacht, weil ich gerne irgendwie halt, ich wollte mich gerne messen mit den anderen.

Das Ergebnis war gar nichts. Also ich bin ganz schnell, ganz früh rausgeflogen, kam mir unglaublich ungerecht behandelt vor, aber gemacht habe ich es trotzdem.

Wie ist es, in so einer Klasse aufzuwachsen, wenn man dann quasi der Obuist ist, der quasi in dieser klassischen Welt lebt. Zu der damaligen Zeit?

Naja, ich war bis zur neunten Klasse, also bis ich, wie alt ist man da, bis 14, 15 oder so, war ich auf einem normalen Gymnasium und da habe ich das, das wurde nicht groß thematisiert. Ich habe das so für mich gemacht, wussten vielleicht alle, aber haben mich in Ruhe gelassen. Ich habe dann gewechselt in München auf das musische Gymnasium und da war das dann eben, das war dann eine der Erfahrungen, wo ich halt gesehen habe, ja, jetzt bin ich jemand.

Ich spiele eines Instrument, was sehr selten ist im Schulalltag. Und das wurde auch gleich anerkannt, dass ich es halt irgendwie besonders gut mache und dann war ich dann jemand. Durch Instrument auch, was davor irgendwie keine Rolle gibt, keine größere Rolle gespielt hat oder eigentlich gar keine.

Aber war dir das wichtig, jemand zu sein oder ging es dir nur ums Instrumentsspielen?

Naja, das lässt sich dann schwer trennen. Also vor allem eben, wenn man so ein bisschen vom Ehrgeiz gepeinigter Typ ist wie ich, dann sowieso. Aber naja, mit 15, 16 will man ja immer jemand sein und ist ja extrem auf der Suche und freut sich über jeden Anlass, der einem zeigt, dass man eben jemand ist und nicht nur ein dickliger, viel zu groß geratener, dünner Teenager, der natürlich damals war.

Ich bin ja sehr groß, bin über zwei Meter und das ist dann, wenn man so 17, 18 ist und ist das einer der Gründe, warum man dann vielleicht mal Komplexe hat oder sich blöd fühlt halt.

Ich habe gesehen, also du hast ja sechs Kinder und auf Instagram sieht man ja, wie ihr Musik macht. Alle spielen ja was, wenn ich das so richtig gesehen habe.

Also alle haben was gelernt mit unterschiedlichem Impetus, sage ich mal. Der Große ist ja auch Oboist geworden und hat jetzt gerade, fängt jetzt in den Tagen momentan gerade an mit seiner ersten Stelle, der ist in Bamberg Solo-Oboist geworden und hat jetzt in ein paar Tagen seinen ersten Dienst. Und der zweite hat, glaube ich, zum letzten Mal ungefähr fünf Jahren, der spielt Posaune, hat vor fünf Jahren zum letzten Mal wirklich geübt.

Und da ist es sowieso in unserer, merkt man dann auch eben in unserer Familienkombo, ein bisschen das Problem, dass die, das ist ja ein bisschen höhenlastig. Also die hohen Instrumente spielen sehr gut und die tiefen Instrumente, die delettieren so ein bisschen vor sich hin, was aber auch vielleicht gerade den Reiz ausmacht, dass da nicht jeder Ton sitzt und es nicht so perfekt ist, halt, hoffe ich zumindest.

Wie bringt man seine Kinder, also wenn der Papa ist Musiker, der Großvater war Musiker, deine Frau ist, glaube ich, auch Musikerin, wenn ich es nicht mehr so gut habe.

Ja, die spielt originellerweise auch Oboe, ja.

Wird das Kindern dann nicht irgendwann so viel, wenn dann überall nur noch der Musikerhaushalt da ist?

Ja, natürlich. Damit habe ich immer gerechnet und ich, also sagen wir mal, mein oder halt unser Ansatzpunkt war der, dass, oder ist weiterhin der, dass die Kinder halt neben der Schule irgendwas machen sollen, was sie irgendwie gerne machen, was sie aber auch machen, wenn sie es mal nicht so gerne machen.

Also dass diese gewissen Motivationstäder, die es ja dann immer gibt bei Kindern sowieso, dass die halt durchschritten werden und dass man dranbleibt. Und dann sage ich, das Einzige, was ich gut kann, ist die Musik. Und insofern liegt es für mich nahe, dass ich meinen Kindern erstmal die Musik beibringe oder das denen zeige.

Und habe aber immer allen auch gesagt, wenn ihr irgendwas anderes machen wollt, irgendwie lieber Fußball spielt oder sonst was macht, ob das Sport ist oder irgendwas anderes, ist mir egal, es soll nur irgendwas sein. Also jetzt zum Beispiel der Kleine hat jetzt, also der Balin, der ist bald elf, der hat vor ungefähr einem halben oder dreiviertel Jahren mit Zaubern angefangen und zaubert jetzt den ganzen Tag tatsächlich mittlerweile schon so Tricks, wo man, also was jetzt das normale Zauberkasten, was darüber hinausgeht und was wirklich Tricks sind, wo ich schon gar nicht mehr weiß, wie er das eigentlich macht.

Also finde ich auch toll. Und wenn er das weitermacht, sehr gerne und kann er mit dem Cello auch aufhören. Das ist mir dann, ja, ich finde es schön, wenn man eben sowas machen kann, die gemeinsam in der Familie Musik zu machen. Das macht Spaß. Und insofern, so ein bisschen soll jeder irgendwas können.

Aber wie weit es dann geht, ist wirklich eben selber überlassen, jedem Kind.

Wir machen eine Kurzunterbrechung für einen weiteren Supporter dieser Folge, nämlich der Konzertmeister-App. Ich bin nicht nur Dirigent, sondern auch als Musiker in einigen Ensembles unterwegs und leite mittlerweile einige Ensembles. Und ich habe in den letzten Jahren immer was gesucht, womit die Organisation der Termine und der Kommunikation mit diesen Ensembles vereinfacht wird.

Und das habe ich gefunden in der Konzertmeister-App. Nicht nur, dass ich die verschiedenen Termine der verschiedenen Ensembles anlegen kann und ich in Echtzeit benachrichtigt werde, falls jemand nicht kann. Und somit die Kommunikationsplattform über Teilnahmen nur noch über eine App läuft. Ich kann mittlerweile auch Räume planen.

Auch das kennen wir von Musikvereinen, dass in der Gemeinde der Proberaum vielleicht durch verschiedene Ensembles, durch Lehrer oder durch andere Vereine mitgenutzt wird. Somit kann ich das auch in einer Übersicht verwalten. Und die App hat sich in den letzten Jahren nochmal extremst weiterentwickelt, denn die Macher sind selbst Musiker und das merkt man.

Ich kann auch mittlerweile Umfragen starten und ganze Musikstücke und Setlists verwalten, sodass ich alles, was mein Orchester, mein Ensemble betrifft, in einer App vereint vorfinde. Und das neueste Feature ist eine Verbandslösung, so dass der Verband sich auch innerhalb verwandt. Dazu gibt es auch den Link in den Shownotes.

Wenn ihr jetzt sagt, ich kenne die App nur vom Hörensagen, dann probiert sie unbedingt aus. Den Link findet ihr in den Shownotes und ich kann euch jetzt schon versprechen, ihr werdet nicht enttäuscht sein. Und jetzt geht's weiter mit der Folge. Weil du gerade gesagt hast, man muss Motivationster auch mal durchschreiten.

Hast du das Gefühl, dass das Kinder heute nicht mehr so können?

Ja, das ist natürlich ein weites Feld. Natürlich ist es so. Also die Zeit wird ja immer schnelllebiger, kurzlebiger, alles wird immer spontaner und ebenso dran zu bleiben an so einer Sache wird immer unpopulärer. Das will ich jetzt auch gar nicht bewerten. Das ist einfach so. Und das ist ja auch nicht nur negativ.

Das kann ja auch was Gutes sein. Aber dass man eben dranbleibt an der Sache oder sich einer Sache wirklich widmet, das ist wahrscheinlich immer seltener. Ist schon schade, weil ich meine, gerade bei der Musik geht es ja darum und auch gerade bei der Musik, da komme ich dann gleich aufs Nächste halt, dass gerade in unseren breiten Graden ist es einfach, also gerade in Berlin besonders wahnsinnig selten geworden, dass das gerade Musik oder eine Rolle spielt.

Wenn ich anschaue im Kindergarten, wie da die Musik, musikalische Erziehung oder Betreuung oder so ist, das finde ich beschämend, peinlich, erbärmlich. Und wenn ich das damit vergleiche, wie das bei mir früher war, okay, das war Bayern ist vielleicht auch wieder was anderes, kann ich jetzt nicht so wirklich beurteilen, weil ich ja meine Kinder nur in Berlin have.

Aber das ist schon sehr mickrig, finde ich leider. Singt dir viel zu Hause? Würden wir gerne, ist aber total uncool, finden alle nur blöd. Abgesehen von meiner großen Tochter, die 19-Jährige, die Katharine, die lernt jetzt singen. Also die macht sozusagen eine Gesang oder möchte eine Gesangsausbildung machen.

Aber so das Gemeinsame bei Weihnachten, an Weihnachten oder so, sich hinsetzen und Lieder zu singen, das ist sehr, sehr unpopulär bei meinen Kindern. Also gerade bei den Jungs, da ist so eine blöde Automatik da. Singen ist uncool, ist mädchenhaft, doof und mache ich nicht. Und bei den Großen habe ich noch versucht, sie zu überzeugen.

Also ich hatte das selber als Kind, wir haben relativ viel gesungen. Fand ich das schon toll, habe ich mich auch manchmal gedrückt und so. Ganz normal, wie das so bei Kindern halt ist, aber ich hätte es gerne meinen Kindern weitergegeben, habe aber da total versagt.

Ja, ja, ob das jetzt an dir lag, weiß ich jetzt nicht.

Also auch, ist halt auch vielleicht wieder, ja, das, was du vorhin meintest, ob das den Kindern nicht manchmal zu viel wird, spielt natürlich eine Rolle, wenn sie sowieso 24 Stunden bedudelt werden von den Eltern. Also wobei wir natürlich nicht 24 Stunden am Tag spielen, aber es ist ja omnipräsent das Thema bei uns natürlich.

Und dass da so Oppositionsbestrebungen dann mal da waren, ist irgendwo klar, habe ich verstanden und dann irgendwann auch akzeptiert.

unknown Okay.

Aber wie begeistert man Kinder dann erst recht für klassische Musik?

Ja, also das, dass es jetzt klassische Musik sein muss, da wäre ich auch offen gewesen. Ich meine, ich habe auch, ich mag auch Jazz zum Beispiel sehr gerne oder wenn es guter Pop oder Rock ist, dann habe ich da auch nichts dagegen. Irgendwie war das dann doch mehr oder weniger, das ging von den Kindern dann aus.

Die haben halt unsere klassische Musik gehört. Und jetzt, also zum Beispiel der älteste, der Janosch, der jetzt Oboist geworden ist, eben der, den haben wir dann damals schon immer wieder zu Konzerten mitgenommen, der hat es aber gehasst. Der war also spätestens nach 15 Sekunden hat er angefangen, irgendwie unruhig zu werden und zu fragen, wie lange dauert es noch.

Und es war sehr mühsam, aber ja, dann wurde er 16 und plötzlich ist er freiwillig mitgekommen und irgendwann ist er alleine gegangen auch. Und dann irgendwann war er so weit, dass er sogar Musik studieren wollte. Das sind diese Motivationstäder, die man durchschreiten muss. Und dass es irgendwie toll ist, in Konzerte gehen zu können, ist ja sozusagen objektiv auch ein bisschen so.

Dass man, ja, man geht zusammen aus, man geht in diesen wunderbaren Saal bei uns, in die Philharmonie. Das ist ja schon an sich schon ein Event. Und da kann man das, ja, dann gibt es in der Pause Butterprezen und keine Ahnung was. Also das ist für die Kinder schon auch schon von daher attraktiv. Und das bisschen Musik, das nehmen sie dann auch noch in Kauf.

Ein bisschen so. Und irgendwann wird die Musik halt dann, wenn es gut geht, dann doch so wichtig, dass sie das auch ganz gerne haben. Es ist schwierig, weil das jetzt nicht so ein Rezept ist für andere, weil natürlich die Möglichkeit, immer so in die Philharmonie seine Kinder mitzunehmen, das ist ja ein totales Privileg und es ist mir klar, dass ich da wahnsinnig privilegiert bin und meine Kinder auch privilegiert sind.

Aber eben, Privilegien sind ja immer schön, wenn man Nutznießer ist davon und nicht alles in Frage stellen.

Naja, also ich frage natürlich so ein bisschen auch aus Eignutz. Ich habe eine fünfjährige Tochter und wir haben von Anfang an sich schon auf, also wenn ich gespielt habe oder dirigiert habe oder meine Frau gesungen hat, dann war sie sowieso bei Konzerten dabei und wir haben sie mit allem schon sehr früh Bescheid, von Schubert-Liedern bis hin zur Soul-Musik.

Also es ist super offen. Und das war total spannend für uns jetzt. Wir waren vor ein paar Wochen in Wien im Urlaub und ich habe gesagt, ich möchte zumindest in eine Kinderoper oder so, wenn es noch geht. Also war alles sehr spontan. Und wir haben noch eine Kinderoper gefunden, wo wir drin waren. Und die war sehr modern.

Ich persönlich fand es für mich jetzt ein bisschen schwer zugänglich, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe mit neuer Musik öfters mal so ein bisschen schwierig kennen. Und ich dachte, okay, mal gucken, was passiert. Und 60 Minuten waren rum, die Oper war durch und sie hat mich gefragt, warum es nicht weitergeht.

Also auch das geht anscheinend, wenn man einfach.

Ja, dann habt ihr scheinbar ziemlich viel richtig gemacht bisher.

Gucken wir mal, wo es hinführt irgendwie. Aber ich finde es immer wieder so spannend, dass so kleine Kinder öfters noch viel offener sind und natürlich viel, viel freier daran gehen.

Meine Erfahrung war dann zum Beispiel auch, also bei den größeren Kindern, als sie noch klein waren, haben wir sie dann oft, also wir haben so Familienkonzerte in der Philharmonie auch, also extra für kleinere eben. Und da sind erstaunlicherweise meine Kinder nicht gerne hingegangen, weil es denen da zu unruhig war.

Und die mochten das nicht, das ist dann auch wieder ein bisschen diese Berliner Art, dass alles so, alles muss wahnsinnig locker sein und rücksichtsvoll. Und wenn Kinder irgendwie schreien, dann schreien sie halt, dann muss man sie lassen und so weiter. Und das hat meine Kinder genervt, weil die gesagt haben, ja, das ist viel zu unruhig, warum soll ich da hin?

Da kann ich ja gar nicht richtig zuhören. Die wollten da lieber in die Erwachsenenkonzerte rein. Weil man da halt zuhören konnte.

Wie findest du das persönlich? Weil es hört sich gerade so ein bisschen nach Kritik an.

Ja, also das, dass da ist dann halt Kindererziehung vielleicht allgemein, dass man dann gesunde Mitte finden muss aus Strenge und aus Nettigkeit, und wenn dann die Kinder halt alles bestimmen und wenn ein Kind dann unbedingt jetzt auf die Bühne krabbeln will, während da die Musiker spielen und dann die Eltern noch nicht mal dafür sorgen, dass das Kind wieder zurückkommt, da sage ich dann, also ja, also das ist mir dann doch ein bisschen Fälle und da sollte man dann doch mal so ein bisschen aufbauen, dass da die anderen vielleicht jetzt nicht alle darunter leiden, dass jetzt mein Kind gerade da irgendwie andere Ideen hat, als es soll.

Ich kann das gut verstehen.

Aber wir waren einmal zum Beispiel in der Waldbühne hatten wir und da hat meine Frau dann die jetzige Sängerin, Geigerin, Sängerin Katalin mitgenommen, die war noch ein kleines Baby, war vielleicht wie alt? Naja, ein Dreivierteljahr und die war immer total ruhig eigentlich. Aber da bei der Zugabe, weiß ich noch, Janine Jansen hat dieses Skeigendings, jetzt fällt mir natürlich der Name nicht ein, dieses ganz lange von Thais hat sie gesprochen.

So ein ganz, was so wunderschön, ganz leise wird. Also eine der schönsten, ein bisschen kitschige, kitschiges Geigenstück vielleicht, aber wahnsinnig schön wirklich. Und dann sitze ich auf der Bühne und höre, wie meine Tochter plötzlich anfängt laut zu brüllen. Und ich habe mich natürlich total geschämt.

Mich gefreut, dass niemand weiß, außer mir, dass es meine Tochter ist. Es war aber total daneben natürlich. Sowas passiert halt dann auch mal. Meine Frau hat sich auch geschämt und hat dann das Kind irgendwie das brüllende Kind raus versucht, rauszutragen. Und sowas passiert halt dann mal.

Ja, aber im Endeffekt war es ja trotzdem ganz gut, weil sonst wäre sie vielleicht jetzt nicht länger. Ja, genau. Geiren. Gehen wir nochmal wieder zu dir zurück. Du bist halt ins Studieren gegangen. Was würdest du deine Studienjahre rückblickend beschreiben?

Naja, ich habe in München ja auf dem Konservatorium studiert, was das Konservatorium, ich weiß gar nicht, ob es das jetzt noch gibt, das war damals so ein bisschen die zweite Adresse neben der Hochschule. Und an der Hochschule gab es einen sehr populären Obohn-Lehrer, also was heißt populär, einen hervorragenden Obohn-Lehrer, wo ich aber elitär denkend irgendwie nicht hinwollte aus schwer nachvollziehenden, Gründen.

Und da habe ich so ein bisschen Schattendasein gefristet und habe dann eigentlich gab es so ein Aha-Erlebnis für mich. Das war das, habe ich vorgespielt für das Europäische Jugendorchester, also EU-Jugendorchester, was damals wirklich sehr begehrt war, eigentlich jetzt immer noch, aber und das habe ich dann zu meiner großen Verwunderung, habe ich dieses Probespiel gewonnen.

Und ab da ging dann sozusagen ein bisschen die Post ab bei mir, karrieremäßig. Da war ich halt dann plötzlich unter den Besten dabei und habe dann durch den Wechsel nach Berlin, da sollte ich eigentlich erst an die Berliner Hochschule, also HDK, damals, jetzt UdK, zu Schellenberger gehen. Und der hat mich dann gleich eben zur Orchesterakademie hinaufbefördert.

Und dann, so kam dann einfach so ein Schritt nach dem anderen in der Karriere leiter und ich habe brav immer alles mitgemacht und mich nie gewehrt und habe davon profitiert, auf die Art und Weise.

Okay. Wie war das für dich dann, die Stelle bei den Berlinern zu bekommen? Das ist ja jetzt nicht das unpopulärste Orchester.

Ja, das war natürlich, das war der Wahnsinn. Das war also ein atemberaubender Erfolg für mich. Also ich vielleicht kann ich sagen, es war nicht nur, also ich weiß noch genau, ich habe dieses Probespiel gewonnen. Zwei Tage war ich im Rauschzustand, habe mich wahnsinnig gefreut und nach zwei Tagen bin ich irgendwie nicht nur auf dem Boden der Tatsachen angekommen, sondern noch tiefer gefallen sozusagen.

Also das will mich jetzt gar nicht beschweren, das ist ja ein Luxusproblem, aber man hat halt als Musikstudent, oder sobald man diesen Entschluss fasst, Musiker zu werden. Und gerade wenn man so ein Instrument hat wie Oboe, ist halt das Höchste, was du dir vorstellen kannst, was du dir in deinen allerkühnsten Träumen ausmalen kannst, ist halt mal vielleicht Berliner Philharmoniker zu werden.

Ein absolut vermessener Wunsch, den man nie laut sagen würde, weil er einfach total unrealistisch ist. Und wenn man dann diesen Traum plötzlich mit einem Schlag wirklich verwirklicht hat, dann ist eben, man hat ja plötzlich kein Ziel mehr. Du bist eben, vorhin habe ich gesagt, mit zwölf oder mit 13 war es für mich sicher, dass ich Musiker werden will.

Mit 23 hatte ich dann, oder nee, mit 25 so. Also zwölf Jahre lang hatte ich dieses Ziel vor Augen und dann plötzlich habe ich es. Dann hat man ja plötzlich kein Ziel mehr. Und dann habe ich, war ich ein Küken noch mit 25 Jahren eben, und habe mich plötzlich gefühlt wie direkt vor meiner Pensionierung schon.

Weil jetzt ist es sozusagen vorbei. Jetzt habe ich kein Ziel mehr. Und damit musste ich erstmal zurechtkommen auch. Also daran kann ich mich noch erinnern. Eben, das war gar nicht so einfach. Dann plötzlich wird der Schalter umgelegt und man hat, also das Leben ändert sich mit einem Schlag. Auch jetzt so in den Augen der Leute davor war man halt der begabte Student, der irgendwie geht es hier hin, geht es nach links, geht es nach rechts, geht es nach oben, nach unten.

Mit einem Schlag bin ich Berliner Philharmoniker. Und mit den Leuten, mit denen ich davor normal befreundet war, kommuniziert habe, die waren dann plötzlich so, ich habe gesehen, ja, plötzlich bin ich über denen sozusagen in ihren Augen. Ich fand es total albern. Ich bin doch immer noch genau derselbe Mensch, was soll denn das jetzt?

Ich bin, ja, okay, ich habe jetzt diesen Titel Berliner Philharmoniker hinter meinem Namen, aber das spielt doch überhaupt keine Rolle. Aber für die anderen Leute hat es eine Rolle gespielt. Also das hat eine Zeit gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe, bis ich das irgendwie verarbeitet habe.

War für dich gerade in der Zeit nicht auch noch irgendwie die Überlegung, okay, ich habe aber noch zwei Jahre Probezeit? Also Probespiel heißt ja nicht automatisch dann auch. Oder war das dann.

Ja, das habe ich, ja, das, aber diese die ganze Probezeit, zumindest so die ersten Monate, da war ich so durch den Wind, irgendwie, ich habe gar nicht, ich habe gar nicht kapiert eigentlich, was ich. Wir haben zum Beispiel eins, also eine Sache, ich wusste, also als Akademist hätte ich nach dem Probespiel in der zweiten Maler, zweite Symphonie von Maler, hätte ich mitspielen soll, als Akademist halt fetter Oboist.

Und der Kollege hat dann gesagt, ja, jetzt hast du die Stelle bekommen, dann spielst du jetzt gleich Solo-Englisch schon. Und als Solo-Englischer in der zweiten Maler ist für jemanden, der die Routine nicht hat, ziemlich schwer. Also ich bin richtig total ins kalte Wasser geschmissen worden und musste plötzlich Sachen können, die ich damals noch überhaupt nicht konnte.

Also das ist halt was anderes. Es sind zwei total verschiedene Sachen, ein Probespiel zu gewinnen und dann im Orchester wirklich zu sitzen und die Töne dann wirklich genauso, wie sie halt gespielt werden müssen, wirklich zu bringen. Das sind zwei völlig verschiedene Techniken. Das eine kann man üben und kann man lernen und das andere ist eigentlich nur Routine.

Und die Routine hatte ich überhaupt nicht. Dann kam so meine erste Oper war Fallstuff. Das habe ich einfach so gespielt im Nichtsahnend. Und das kam dann ein paar Jahre später, fünf, sechs Jahre später haben wir das nochmal gespielt, da habe ich erst realisiert, das ist ja total heikel und schwer. Und wie habe ich das damals hingekriegt, eigentlich von tatsächlich von Tuten und Blase, keine Ahnung gehabt und musste dieses Stück irgendwie spielen.

Und kamen große Sachen, dann kam Achte Schostakovic auch, da war ich vielleicht drei Monate da und das habe ich auch irgendwie durchgekriegt. Und habe, glaube ich, meine Soli immer ganz, ganz ordentlich gespielt. Und das war es so im Orchester, dann im Satz, also im Holzbässer Satz zu spielen, ist irgendwelche heiklen, leisen Einsätze oder so.

Das habe ich, glaube ich, meistens eher in den Sand gesetzt und hatte aber wohl meinende Kollegen, die dann gemeint haben, wohl, das kriegt er schon noch hin, wenn er mal die Routine hat. Und das hat ja, glaube ich, auch gestimmt.

Ja, bist du jetzt lang genug dabei.

Ja, aber die Probezeit ist immer hart und war dann gegen Ende auch, ja, habe ich mir in die Hose gemacht vor Nervosität.

Okay.

Hatte dann auch nochmal so eine kleine Verlängerung. Also ich hätte es eigentlich die Abstimmung hätte sein sollen und die wurde dann nochmal ein paar Wochen nach hinten verschoben. Und da hatte ich richtig total Muffensausen und habe auch quasi noch das Konzert, das letzte Konzert von der Abstimmung ganz grandios in den Sand gesetzt, aus Dummheit eigentlich.

Also ich habe Maler 9, da sind so ganz wenige Stellen zu spielen, die sind aber jedes Mal ziemlich reikel, sind ziemlich schwierig zu spielen. Und dazwischen ist immer sehr viel Pause und ich saß so mit meinem, habe den Fehler gemacht, mit meinem Instrument in den Händen zu sitzen. Und ich war halt, wie gesagt, total nervös, habe geschwitzt wie ein Stier.

Und dann ist irgendwie mein Handschweiß auf die Klappen gekommen vom Instrument und das Instrument hat dann bei den wichtigsten Stellen nicht funktioniert. Kam dann einfach zum Teil wirklich gar nichts raus aus meinem Englischen, weil einfach die Klappen nicht funktioniert haben. Also da habe ich, seitdem weiß ich, wenn ich aufgeregt bin und nervös und schwitze und so, dann sollte ich das Instrument nicht in den Händen halten.

Aber das war halt da das Leergeld, was ich gezahlt habe.

Hast du dann auch heute, wenn neue kommen, auch einen wohlwollenderen Blick drauf?

Also ich bilde mir ein, dass ich den habe und ich bilde mir ein, dass ich gerade im Vergleich zu vielen meiner Kollegen mich noch besser als die daran erinnern kann, wie das ist, was man für, wie dumm die Fehler sein können, die man machen kann, ohne dass man gleich fundamental ein Idiot ist. Also ich weiß zum Beispiel, ich habe als Student in München an der Oper, also im Orchester von meinem Vater, Elektra, war so eine Produktion Elektra an der zweiten Opoe gespielt.

Und da in der Elektra ist eins sehr so motivisch aufgebaut. Ein Motiv ist das immer zwei Oboren, manchmal mit Englischhören, manchmal ohne so zu spielen haben. Da hatadi dadi, Unisono, da hatadi dadi, dadi. Und ich weiß noch genau, das habe ich von der ersten Probe bis zum letzten Konzert habe ich diesen Absprung nie richtig gekonnt.

Ich bin immer irgendwie zu spät gekommen. Ich habe so gespielt, da Scheiße ist schon wieder zu spät. Und ich habe es einfach nicht hingekriegt. Und dann kam eben, war ich in Berlin und war eine der ersten Opern, die wir gemacht haben, Elektra mit Abado damals. And ich weiß noch, erstaunlicherweise habe ich dann erst so in der dritten oder vierten Probe dann realisiert, hä?

Vor drei Jahren konnte ich das nicht. Wieso konnte ich das nicht? Das ist doch total einfach. Da hattet ihr da die. Das muss man doch einfach nur spielen. Das ist doch total simpel.

unknown Also.

Damals fand ich es dann total simpel, drei Jahre vorher war es unspielbar für mich. Und dass man diese Erfahrung halt macht und dass man Routine braucht, dass man einfach viele Sachen nicht sofort kann. Und dass man es nicht kann, nicht bedeutet, dass man es fundamental einfach nie kann, sondern man kann es halt lernen.

Und das werfe ich also oft meinen Kollegen vor, dass man, dass sie dann ganz schnell dann irgendwie den Daumen senken, wenn da irgendein Neuer kommt und irgendwas halt nicht checkt. Würde ich halt sagen: Gib dir mal die Zeit anders kriegt er schon noch hin. Und so solche Sachen hat eigentlich bisher jeder hingekriegt.

Der eine braucht halt einen Monat, der andere braucht ein Jahr, and der dritte braucht vielleicht drei Jahre oder so, aber irgendwann können die das dann schon. Und das ist fehlen nicht klar. Nervt mich.

Woher kommt das? Ist das dieses? Wir sind die Berliner Philharmoniker-Ding?

Also, das spielt natürlich sowieso in allen unseren Lebenslagen immer irgendwo eine Rolle. Wir sind die tollen Berliner Philharmoniker, das ist ja auch toll. Was eine Rolle spielt, glaube ich, auch, ist so eine grundmenschliche Reaktion, dass man sich sagt: Ich habe so viel Müll schlucken müssen und so viele beschissene Situationen erlebt in meiner Probezeit.

Ich möchte jetzt, dass der Neue das genauso schwer hat wie ich. Und es gibt überhaupt keinen Grund, warum der das jetzt leichter haben soll als ich damals. Glaube ich, spielt es auch eine Rolle, ist vielleicht auch nicht nur dumm, aber ich meine, man kann es auch übertreiben.

Gibst du diese Grundhaltung auch deinen Studenten weiter? So dieses, ihr könnt das noch lernen, ihr müsst noch nicht alles können.

Ja, versuche ich natürlich, ja. Aber ich meine, natürlich gibt es trotzdem auch Sachen jetzt gerade bei, also ich sage jetzt mal, wenn jemand das so weit schafft, dass er beim Probespiel für mein Orchester, für Belene Philharmoniker als der Beste ausgewählt wird, dann muss es schon wirklich mit dem Teufel zugehen, dass der dann die Sachen, die ihm vielleicht noch fehlen, nicht lernt.

Natürlich gibt es auf der anderen Seite bei anderen, die eben nicht so gut sind, gibt es dann auch Fundamentalprobleme. Natürlich gibt es immer wieder Sachen, die einfach nicht gelernt werden können, weil sie nicht begabt genug sind oder weil sie nicht leistungsbewusst genug sind oder nicht konsequent genug und so weiter.

Also wie, das klingt jetzt sehr prätens, wahnsinnig blöd, ich meine es aber nicht so, also wie begabt ich bin oder ich war, habe ich eigentlich erst gemerkt, dadurch, dass ich selber unterrichtet habe und dass viele Sachen, die ich halt irgendwie dann doch relativ schnell gelernt habe, für andere irgendwie nicht erreichbar sind.

Und Sachen, die mir nie erklärt worden sind oder vielleicht einmal angesprochen worden sind, dass das so und so sein sollte, das habe ich dann halt irgendwie, wie auch immer, versucht umzusetzen und irgendwann geschafft mit dieser einen Kritik. Und ich habe so das Gefühl, ich als Lehrer, ich spreche eine Sache 50 Mal an und versuche 150 Mal das auf unterschiedliche Arten und Weisen zu erklären.

Und trotzdem checken sie es einfach nicht. Also das gibt es natürlich schon auch.

Ja, ja.

Musstest du jemandem schon mal sagen, ich glaube, es ist besser, einen anderen Berufweg einzuschlagen.

Also, das sage ich, also ich versuche es positiv zu formulieren, aber es gibt relativ oft Leute, die mir ja vorspielen und halt in meine Klasse aufgenommen werden wollen oder halt einfach auch nur meine Meinung wissen. Und dann sage ich das dann schon mehr oder weniger verklausuliert, so dass das, also wenn sie es hören wollen, wenn sie es so verstehen wollen, dann können sie es so verstehen.

Ich sage halt dann, ja, du bist jetzt, ich finde es toll, dass du so eifrig dabei bist und ehrgeizig und diese Ziele hast, aber du bist einfach ungefähr drei oder vier Jahre hintendran. Und diese drei oder vier Jahre kannst du aufholen, wenn du wirklich willst. Das ist aber schwierig, weil die anderen, die jetzt vier Jahre weiter sind als du, die schlafen ja nicht während diesen vier Jahren, die du jetzt versuchst, das aufzuholen, die kommen ja auch weiter.

Aber ich habe es auch schon oft genug erlebt, dass Leute, denen das gesagt worden ist, ja, das vergiss es, das hat eh keinen Sinn. Die schalten dann den Turbo an und plötzlich werden die wahnsinnig gut. Also witzigerweise, sogar bei meinem eigenen Sohn, beim Janosch, der jetzt eben Oboist ist, der hat eigentlich, der hat, also so 12, 13, 14 war, hat er ganz passabel Klavier gespielt und hat mal beim Klavierjugend musiziert mitgemacht.

Er hat passabel gespielt, aber mit 14 gibt es einfach schon manchmal Leute, die richtig super spielen. Und dann hat er da mitgespielt und hat dann, danach gibt es ja immer diese Jury-Gespräche. Und der Juror damals hat ihn wirklich so richtig niedergeputzt, niedergemacht. Er war wirklich total dumm, fand ich auch.

Mit einem 14-Jährigen muss man diese Sachen, die er ihm damals gesagt hat, muss man nicht sagen. Aber der Janusch hat sich so darüber geärgert, dass er gesagt hat für sich, so, okay, nächstes Jahr macht er dann bei Oboe mit und da zeigt das dann allen. Und dann hat er sich in diesem Jahr wirklich hingesetzt und richtig gut geübt und er hat dann einfach saugut gespielt.

Also das war, da war so ein negatives Feedback, war der Anlass, sich auf den Hosenboden zu setzen und richtig zu arbeiten. Und sowas gibt es halt dann. Es war zwar jetzt ein anderes Instrument, aber.

In der Zeit, wo du dann, du hast ja gesagt, du bist erstmal so ziellos gewesen und bist in so ein Loch reingefallen. Wer hat dir da geholfen, da rauszukommen?

Jetzt würde ich mal sagen, habe ich mir noch nie überlegt. Ich glaube, ich selber, ich habe, ja, ich habe dann schon auch mir gedacht, ja, jetzt habe ich diesen Erfolg und jetzt jammer ich hier um und blase hier drüb sein. Was soll das? Ich soll gefälligst froh sein. Ich soll mich gefälligst freuen und das habe ich dann irgendwann auch wieder geschafft.

Also es ist schon eine Herausforderung, finde ich, als Orchestermusiker zufrieden bleiben zu können. Weil man halt, wir werden ja unglaublich unsorgt und alles wird uns gemacht. Und man, ja, man, es ist relativ oft ziemlich unkreativ, was wir machen. Also wir müssen nie uns selber Gedanken machen, wo geht es hin, in welche Richtung geht es.

Und das ist so bei Freiberuflern zum Beispiel was völlig was anderes. Die müssen sich jeden Tag wieder kreativ sich überlegen, was ist das nächste Projekt, wie verhalte ich mich, in welche Richtung gehe ich? Gehe ich eher nach links oder nach rechts. Als Orchestermusiker, man bleibt immer so, wie man ist.

Und viele werden dadurch so ein bisschen latent unzufrieden, weil sie sich einfach irgendwie langweilen eigentlich. Und ja, es rührt sich nicht mehr viel.

Hattest du auch gerade in der Zeit Gespräche mit deinem Vater?

Ja, schon natürlich auch. Mein Vater war nie so der, der so problembewusst dann so gegrübelt hat oder so. Der war, ja, der hatte so was Naturburschenhaftes. Der war immer zufrieden, froh, hat alle Sachen positiv gesehen. Da konnte ich nicht so sagen, ja, Papa, ich habe da irgendwie jetzt, ich fühle mich da komisch oder so.

Dann hätte er gesagt, ja, das wird schon wieder kommen. Das lassen ein paar Wochen vergehen und dann bedrängt sie schon ein. Also wenn ich solche Probleme gehabt hätte oder zu jemandem gegangen wäre, dann wäre das eher zu meiner Mutter gewesen. Also ich habe es irgendwie dann, ich habe es selber geschafft, das hat sich ja mit Freunden darüber geredet oder mit der Freundinnen wahrscheinlich.

Aber das ist, es ist natürlich, wenn die Freunde dann, wie bei klassischen Musikern, oft ja auch aus der klassischen Musik kommen, ist es dann so ein Problem, mit dem kann ich schwer jetzt kommen und da Mitleid fordern, wenn ich gerade Berliner Philharmoniker geworden bin, da zeigen mir alle den Vogel und sagen jetzt, fahren wir auf zu spinnen.

Heul doch, sagt man heutzutage dann.

Claudia, Abado hat über dich mal gesagt, dass du wahrscheinlich der weltbeste Englischhornspieler seist.

Angeblich hat er das gesagt. Ob das Zitat stimmt, weiß ich nicht. Das hat irgendjemand mal ausgegraben, dieses Zitat. Keine Ahnung.

Was macht das mit dir?

Ja, natürlich, irgendwo schmeichelt mir das auch und macht mich, erfüllt mich mit Freude und Stolz, gerade weil Claudio Abbardo natürlich mein, ja ich bin ja absolute Abardo-Generation. Das war zu meiner Zeit einfach das Tollste und Beste, was es gab. Auf der anderen Seite sage ich dann mehr, ja, also Englisch Hornspielen ist kein Weitsprung, wo ich merke, wo ich messen kann, wer halt weiterspringt, ist besser.

Es ist ja alles total subjektiv. Was ich gut finde, findet jemand anders aus der anderen Ecke von der Welt vielleicht nicht so besonders toll. Es sind schöne Federn, mit denen ich mich schmücken kann, aber mir auch nicht.

Okay. Ich habe mir heute nochmal ein paar Videos über dich angeguckt, oder wenn du oder Dinge, die geschrieben sind. Und wenn du es über das Englischhorn sprichst, und das ist ja auch so in der Musik, betonst du natürlich immer, dass das Englischhorn eher für die traurigen lyrischen und die melancholischen Stimmenstellen da sind.

Spiegelt sich das Instrument oder spiegelt sich deine Persönlichkeit darin? Bist du so ein melancholischer Typ?

Nein. Also da ja, irgendwo. Also ich meine, das kann schon sein, dass das dann prägt auf die Dauer. Also ich denke manchmal daran, dass in den ersten Jahren meines Berufes kam ich mir irgendwie oft so ein bisschen, ja, ständig muss ich da auf die Tränendrüse drücken und eigentlich liegt mir das gar nicht so.

Ich bin doch eigentlich mehr so ein heiterer, unbeschwerterer Typ. Und das muss ich aber nie machen in meinem Beruf. Also kam mir sozusagen unverstanden, falsch behandelt vor vom Schicksal. Das Gefühl habe ich jetzt in den letzten Jahren nicht mehr gehabt. Und es gibt ja auch, also das ist auch ein Spruch, den ich gerne an meine Schüler weitergebe: die Theorie, dass ein Schauspieler gerade die Rollen besonders gut spielen kann, die seiner Persönlichkeit konträr sind.

Also je ähnlicher die Rolle ist zu seinem wahren Charakter, desto weniger kann er den Charakter dann objektiv darstellen, weil er dann immer wieder involviert wird von seiner eigenen Persönlichkeit. So kann man es auch sehen. Also, dass gerade dadurch, dass ich eher positiv Teiltag habe, was weiß ich, was bin ich, kann ich besonders gut den Melancholiker spielen.

Aber es ist irgendwo müßig, sich darüber Gedanken zu machen. Letzten Endes, ich komme in den Dienst und habe eben dann so eine Schostakovic 8 oder einen Schwan von Turnela zu spielen und ich muss es halt gut spielen. Und ich weiß die Tricks, die es gibt, um traurig zu klingen, die sollte ich natürlich drauf haben.

Ob ich dann wirklich selber das so gerade so fühle oder nicht, ist doch eigentlich egal.

Was wäre so ein Trick, traurig zu klingen?

Naja, das sind dann halt so, ja, da geht es dann so in die, geht es für mich jetzt in die Ubunte, also Englisch Horn-Technik. Dass das Vibrato beim English Horn, wenn ich den, also Pitch, wie sagt man das auf Deutsch, also Intonationslevel, kann das Vibrato beim Englishhorn ein bisschen mehr unterschreiten.

Also das Vibrato kann ein bisschen lockerer, ein bisschen wabbliger, wenn ich es negativ form, jaulliger klingen. Also wenn ich jetzt auf der Obroso spiele, klingt es nicht überzeugend. Und wenn ich genauso auf dem Englischhorn spiele, ist es dann genau das Richtige, oder dass das Vibrato ein bisschen langsamer ist, dass ich klanglich nie wirklich ans Ende gehen darf.

Also die Maximalkraft, mit der darf ich nie spielen, sondern ich muss immer das ein bisschen abdimmen, sozusagen. Also ich muss sozusagen lautstärkenmäßig, ich darf nicht auf 100 spielen, sondern ich muss auf 100, den Laden auf 100 raufbringen und dann aber auf 95 spielen. Das sind so Tricks, sage ich jetzt mal.

Ja, was anderes fällt mir jetzt erstmal nicht ein.

Ja, aber es ist ja. Damit kann man, glaube ich, schon was anfangen. Du hast ja auch in einem Interview erzählt, dass du deine Stücke so vorbereitest, dass du genau weißt, wie du jeden Ton auch platzieren willst, dass du im Konzert nur noch an Technik denkst.

Ja, das für mich stimmt es schon. Also, das ist so, wie ich es selber das denke, aber wenn ich das übe, wenn ich die Töne mir so genau vorbereite, wie ich sie möchte, ist es ja eine purmusikalische Arbeit. Und es ist dann immer noch ein bisschen Raum für Spontaneität übrig, dann im Konzert, was auch manchmal an technischen Unzulänglichkeiten liegt.

Dann irgendwie fühle ich mich doch nicht so, wie ich es gerne hätte. Und mache dann sozusagen aus der Not eine Tugend und denke mir, okay, dann mache ich es halt irgendwie anders. Und dann spiele ich jetzt ein bisschen lauter, als ich eigentlich gerne würde, weil ich mich nicht traue, weil das Piano vielleicht kracht mir dann ab, also spiele ich ein bisschen lauter.

Also es klingt dein Zitat sozusagen klingt technokratischer, als es vielleicht eigentlich ist.

Weil das wäre nämlich jetzt so meine Frage gewesen: Was geht denn konkret im Konzert in deinem Kopf vor?

Ja, das ist eine gute Frage. Also, ich würde da jetzt mal unterscheiden zwischen Soli, die zum Beispiel in Malersymphonien sind, die relativ kurz sind, and which, when I just sechste Maler, that has this English Horn das Nebenthema from langsamen Satz. Also, the erste Mal, where this Nebenthema kommt, is this English Horn.

And ungefähr, sage ich jetzt mal hochgerechnet, ungefähr acht Töne. Da ist man schon sehr froh, wenn die acht Töne alle kommen und alle so kommen, wie ich sie ihm mir vorstelle. Also da denke ich tatsächlich an technische Sachen, an Sachen, dass die Finger wirklich das machen, was sie sollen, dass ich mich vom Ansatz genau richtig verhalte, dass die Luft stimmt und so weiter, das sind dann wirklich technische Sachen.

Wenn ich längere Soli habe, jetzt eine neue Welt zu spielen habe von Dorschak oder Tristan Solo oder eben Schostakovich-Soli, die wirklich ja manchmal gar kein Ende nehmen. Da stelle ich mir dann schon auch die Sachen vor, die ich bildhaft von der Farbe, von der Atmosphäre her erreichen will. Und es sind dann schon relativ komplexe Abfolgen, also jetzt, was ja in der symphonischen Literatur eigentlich das profilierteste Solo ist, ach, der Symphonie von Schosjakovic, wo sich die Musik im ersten Satz, die baut sich so auf, alles wird immer lauter, immer höher, immer greller.

Und das ist so ein Prozess über, ich weiß nicht, fünf oder zehn Minuten, und plötzlich, wenn es wirklich nicht mehr zum Aushalten ist, bricht es plötzlich ab, und dann kommt ein ewig langes Englisch an Solo. Also erst spielen wirklich alle das ganze Orchester in totaler Forza, wirklich so scheußlich wie es nur geht, so ungefähr.

Wenn man das dann, is auch nicht unbedingt my idee, hat mir mal jemand so erklärt, das ist eben Atomkatastrophe, Krieg, irgendwas richtig Schlimmes, and am Ende bleibt eben Schosakovic, Russe, eine ältere Frau, russische Frau, steht auf der Taiga ganz allein um sie rum nur Zerstörung, Tod, Leichen. Und sie besingt diese Situation.

Also schon eine extrem ergreifende, extrem tragische Geschichte. Und ich stelle mir dann schon vor bei den Tönen, die ich spiele, was sie sich gerade anschaut und worüber sie singt oder spricht oder sich Gedanken macht. Also das waren schon auch. Am Schluss kommt dann eben ist die Moral der Geschichte, am Schluss dieses Solos ist dann ein, meine Theorie, eben ein wunderschöner, unglaublich farbbächtiger Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang.

Halt die Moral, die Menschen können kaputt machen, was sie wollen. Am Ende, die Natur, der Natur ist es egal. Der Sonnenaufgang ist trotzdem unglaublich schön, auch wenn auf dem Feld nur Leichen rumliegen. Und dieser Sonnenaufgang muss dann natürlich so auch entsprechend gespielt werden.

Ja, also weil ich bin so ein bisschen drüber gestolpert, weil ich erkenne das aus meinem Studium oder auch von vielen anderen, die sagen, okay, die Technik ist so gut vorbereitet, dass im Konzert am besten nicht mehr Kopf an, sondern einfach gespielt wird. Also nicht mehr so, wie hast du das so schön genannt, technogratisch gedacht.

Also so ein Flow-Zustand irgendwie. Oder ist das zu romantisch gedacht, dass das gar nicht so funktioniert?

Ich muss aber trotzdem immer, also ich muss die Kontrolle haben. Das nützt mir ja nichts, wenn ich selber, also das passiert ja relativ leicht, dass man selber in einen Flow kommt, der sich aber überhaupt nicht mitteilt nach außen. Also ich finde es auch interessant, manchmal, also meine Wahrnehmung zumindest ist so, dass ich oft, wenn ich mich wirklich mich super gefühlt habe und ich alles so gespielt habe, wie ich es will und alles toll funktioniert habe, dann war die Reaktion freundlich positiv und so.

Aber irgendwie so ein bisschen enttäuschend, während wenn ich mich in Konzerten, wo ich mich hart am Abstürzen, am Abstürzen mich bewege und irgendwie alles mir entgleitet und ich sozusagen in so einer Kampfhaltung sein muss, dadurch, dass ich es nicht unter control, dann kommt oft so, dann ist das Feedback noch viel positiver.

Da ist dann Begeisterung da, wo ich denke, eigentlich habe ich noch gar nicht, da ging doch das daneben und das war nicht so richtig und der Ton war irgendwie zu hoch und der war lauter, als ich wollte, und so weiter.

Ist es das Unperfekte dann?

Ja, es ist halt, wenn halt Kunst zu sehr im Wohlfühlbereich ist, sage ich mir, dann geht sie nicht nach außen. Dann bleibt sie da, wo sie ist und ja, da fühlen sich alle wohl und sind zufrieden, aber es wird so ein bisschen belanglos. Leicht. Während wenn, wenn man intensiv dabei ist und am Kämpfen ist, dann kommt man für, hat man viel mehr einen viel größeren Einzugsbereich.

Das trifft sich ganz gut, dass du den Wohlfühlbereich ansprichst, weil es gibt noch ein Zitat, also Habe ich auf deiner Homepage auf jeden Fall gefunden. Ein Musiker, der bis zum Äußersten geht, wurde ja mal bescheinigt. Wann war das letzte Mal, dass du bis zum Äußersten gegangen bist? Also vielleicht schon so weit, dass es schon fast im übertragenen Sinne oder im reellen Sinne wehgetan hat.

Naja, das ist natürlich, da fallen einem als Oboist oder Englischerist zahlreiche Konzerte ein. Das liegt an unserem Instrument einfach. Das ist, unser Instrument lebt vom Schmerz. Also technisch halt einfach durch diesen Druck und durch die Artennot und den Artenstau, der einfach sehr leicht und oft passiert, ist es einfach, ist es immer wieder vom Schmerz geprägt.

Und ich sage auch, also sage das zu den Studenten auch oft, also wer überhaupt keine masochistische Ader hat, also Masochismus im Sinne davon, dass es mich befriedigt, wenn es mir weh tut. Das ist ja Masochismus. Wer das gar nicht kennt und gar nicht will und Schmerzen immer nur vermeiden will, der hat mit der Oboe einfach die falsche Wahl.

Der soll lieber was anderes spielen, was einfach fast nie weh tut. Oboe tut einfach weh. Wenn ich ein großes Solo zu spielen habe, wenn ich eine Schostakovich 8 zu spielen habe, dann muss die zweite Phrase so sein, dass ich gerade noch vor dem Abnippeln meine zweite Phrase zu Ende bringen, um dann atmen zu können.

Wenn ich das nicht gemacht habe, dann habe ich was falsch gemacht. Dann habe ich im Wohlfühlbereich gespielt, dann habe ich es irgendwie zu schnell oder zu belanglos gespielt. Und jetzt habe ich jetzt kommt bald Ende des Monats kommt der Schwan von Tunela von Sibelius, habe ich zu spielen mit Petenko auch noch.

Das ist auch so ein Stück. Da muss, das geht wirklich an die Grenzen. Und da muss ich die Grenzen auch ausloten und wirklich bis an die Grenze gehen, um diese Intensität zu bekommen, die die Musik braucht.

Das ist total schön, weil ich das in anderen Worten zumindest regelmäßig in meinem Blasorchester wiedergibt, dass dieses belanglose Spielen regt mich auf, als vielleicht manchmal zu viel, aber ich verstehe das dann halt auch nicht. Also wenn es Stellen gibt, die einfach mal angepackt werden müssen und man merkt, da ist eigentlich noch so viel Luft drin, weil jeder einfach nur bequem spielt.

Dann und man kann ja vorne als Dirigent nur fordern, wenn es keiner macht, dann ist natürlich, ist man halt dem ausgeliefert irgendwie. Deswegen finde ich das gerade so schön, dass du sagst, okay, Kunst muss auch an die Grenze gehen, denn sonst bleibt es irgendwie in sich verhaftet.

Ja, ja, aber eben auf der anderen Seite möchte ja jeder seine Stellen bringen, also das heißt, seine kleinen Soli und seine kleinen Aufgaben eben möglichst fehlerfrei eben bringen. Gerade so eine Maler 9 zum Beispiel, da hat wirklich jedes Instrument irgendwo eine Stelle, wo es technisch an die Grenzen geht.

Ist einfach von Malerbewusst, glaube ich, auch so komponiert worden. Und in so einer Abfolge von so einem Konzert will einfach niemand der Erste sein, der eine Stelle verkackt, weil das dann oft so einen Domino-Effekt auch gibt. Wenn der Solohannist irgendwie verkickt, dann ist gleich wieder der nächste, macht dann auch, baut dann auch Mist und so.

Und es ist schon eine unglaubliche Spannung dann da. Insofern ist es immer ein Kompromiss zwischen an die Grenzen gehen und dieses Ausloten, ja, aber eben, wo ist meine Grenze und da ist meine Grenze, aber nicht drüber hinaus gehen.

Gut, ihr wird ja wahrscheinlich auch von Tag zu Tag anders sein.

Ja, natürlich, klar. Und oft wird man dann eben von der Realität eingeholt und denkt sich, ja, meine Grenze ist hier und dann, ach, scheiße, ja, meine Grenze war doch schon früher.

Classic für Klugscheiter.

Soll ich mal rein starten?

Unsere Hosts, Lauri Reichert und Uli Knapp lieben Musik. Sie fuchsen sich in kleine Details und große Themen. Es geht um Horrormusik und die Zusammenhänge mit der klassischen Musik. Beethoven mal diese Melodie benutzt. Musik ist Musik. Hauptsache gut gemacht. Egal welches Thema, Lauri und Uli prallen gerne mit ihrem Wissen.

Und das ist natürlich top recherchiert. Die passende Musik gibt's obendrauf. Bei Spotify haben wir eine Playlist zu jeder Folge. Würde ich gerne mal hören von uns. Ein Podcast mit viel Humor, wenig Gehabe und gutem Wissen. Klassik für Klugscheißer. Alle zwei Wochen in der ARD-Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt.

Kannst du gut mit Fehlern umgehen?

Ja, ich bin mit einem schlechten Gedächtnis gesegnet und versucht es zu verdrängen. Und trotzdem, es gibt so Stücke, wo sich das ins Gedächtnis tief eingegraben hat, wenn man mal da einen Bock geschossen hat und man denkt jedes Mal wieder an dieses eine Mal, wo es daneben ging und hat dann Angst davor, dass es nochmal passiert.

Was findest du reizvoller am Englischhorn als an der Obo?

Achso, im Vergleich zu Obo. Ja. Also ich spiele ja auch sehr gerne Oboe. So ist es ja nicht, also ich kann vielleicht so sagen, erstmal der Job, die Orchesterstelle, das Stellenprofil des Englischer Listen ist einfach super. Das ist, da möchte ich wirklich mit niemandem im Orchester tauschen. Ich habe, also zur Befriedigung meines Egos habe ich eben meine Soli.

Und ansonsten sitze ich ja viel einfach da und kann zuhören. Denke mir oft so, mein Gott, ich habe hier so einen tollen Platz und ich muss nicht nur nichts dafür zahlen, sondern ich kriege ja sogar noch Geld dafür, dass ich hier sitzen kann und den Leuten zuhören. Ganz nah sehe ich genau, was sie machen und es ist super tolle Musik.

Und nebenbei habe ich dann auch noch meine Soli zu spielen und kriege dann, also wird auch noch gebaucht pinselt und so. Und das ist einfach was, was man auch bis ins, also Englischan kann man bis ins hohe Alter, glaube ich, also hoffe ich zumindest, auch ganz gut machen beim echten Solo-Bläser, also gerade bei Solo-Oboe, da wird es einfach physisch dann so, das geht dann so an die Grenze, dass man dann eben oft dann ab einem gewissen Alter dann wird es einfach schwierig.

Es ist ja problematisch, das zu sagen. Wir sind ja alle im selben Alter in meinem Orchester, in der Obohn-Gruppe meine ich. Und da will ich jetzt also gar nicht zu sehr ins Detail gehen müssen, sonst wird es zu persönlich.

Okay.

Wie hat sich dein Üben verändert? Ja, es ist auf jeden Fall im Vergleich zum Studentendasein natürlich weniger geworden. Und es ist sehr viel zielgerichteter. Also ich bin, also ich übe wie ein Quartalsäufer, also für entsprechende Anlässe dann auch wirklich sehr viel manchmal. Aber so dieses Dauerüben, was viele andere so haben, dass sie jeden Tag so ihre Tonleitern und ihre ausgehaltenen Töne und was weiß ich alles machen, das mache ich nicht.

Also ich übe dann auch mal ein paar Wochen gar nicht.

Ehrlich?

Ja, kannst du ruhig stehen lassen, das ist mir egal. Also ich weiß noch, ich habe mal mit einem Trompeterkollegen saß ich mal zusammen irgendwie abends und weiß auch genau, dass ihr mir erzählt habt, ja, du Dominik, also dann im Urlaub, da bin ich dann immer mal wieder, dann bin ich mal ganz locker. Da übe ich dann manchmal auch nur eine Stunde am Tag und vielleicht sogar auch mal einen ganzen Tag gar nicht, wo ich dachte so, okay, jetzt bin ich mal ganz still und sage einfach gar nichts und mache keine Reaktion.

Weil das einfach, also das ist im Urlaub, wenn ich nichts zu tun habe, dann übe ich auch nicht.

Und du hast kein schlechtes Gewissen.

Nö.

Weil ich kenne ganz viele von der anderen Sorte, die sich schwer tun im Urlaub, einfach mal zu sagen, ich übe eine Woche nichts. Also da ist genug. Deswegen frage ich so provokant.

Also ich weiß, dass ich damit provoziere ein bisschen und es ist natürlich auch wieder wirklich, das hat mit meinem Stellenprofil zu tun. Dass ich, also Engel Shorn geht nur relativ selten physisch an die Grenze, wo ich dann nicht mehr kann. Also wenn ich zum Beispiel eine achte Symphonie von Schubert an der ersten Oboe spielen muss, da muss ich einfach zwei Wochen trainieren, Muskelaufbau machen.

Sonst kann ich das Stück nicht spielen. Und wenn ich an der zweiten Oboe spiele, ist es vielleicht nicht zwei Wochen oder drei Wochen, sondern vielleicht nur eine Woche oder zehn Tage. Aber da muss ich einfach, es muss funktionieren. Und ich weiß, ich muss diese Stunde einfach quasi non-stop durchspielen und immer voll im Saft und immer präsent sein können.

So ein engelschan-Solo dauert maximal drei Minuten, das kriege ich irgendwie uneingespielt auch noch hin. Wenn ich halt ein gutes Rohr habe, ein gutes Mundstück, dann funktioniert es schon. Also ich muss ja auch zweite Opo spielen, da muss ich manchmal wirklich dafür üben auch. Und natürlich jetzt für sowas wie den Schwan übe ich auch, aber es ist mehr einfach die Beschäftigung mit dem Stück und die Beschäftigung mit den Abläufen, als dass ich das jetzt wirklich nochmal üben muss.

Ich weiß an sich bei jedem Ton, wie ich den gerne spielen würde. Und ich hoffe, dass ich es so hinkriege, wie ich es spielen will. Ich muss da nichts Neues mehr lernen.

Was ist vielleicht aus deiner Erfahrung raus verglichen mit deinem studentischen Ich eine wichtige Übermethode, die du weitergeben möchtest?

Ja, also das Wichtigste ist, dass üben sollte, also wenn ich wirklich jetzt übe, üben will, dann muss das Üben hauptsächlich aus Spielen bestehen. Und das macht man einfach, also machen viele falsch und nicht nur viele, sondern eigentlich jeder und ich auch immer wieder, dass man, dass man einfach dann immer wieder, ja, ich möchte irgendein Stück spielen, habe eine Seite zu spielen und ich fange oben an und schon in der Mitte von der ersten Zeile denke ich mir so, ah, nee, hat schon wieder nicht funktioniert, fange ich nochmal an.

Fange ich nochmal an, dann ist der kapitale Fehler vielleicht zwei Tage später, dann fange ich nochmal an. Das heißt, ich setze immer ab und bringe mich sozusagen wieder in die Wohlfühle, in die Wohlfühlsituation und fange nochmal an. Und letzten Endes komme ich aus diesem Wohlfühl, aus diesem Wohlfühlgefühl nie raus, weil ich mich nie dazu zwinge, wirklich zu spielen.

Und das gerade bei so physisch, also bei Instrumenten, die einen physisch herausfordern, passiert es einfach sehr, sehr leicht. Aber ich glaube, am Ende ist jedes Instrument irgendwie physisch so herausfordernd, auch wenn ich jetzt Geiger bin, ist es dann auch irgendwann, irgendwie verliert man die Kontrolle und dann hört man halt beim Üben oft auf und fängt wieder von vorne an.

Und man muss das einfach mal durchziehen, immer wieder durchziehen, sich da zu zwingen, durchzuspielen, um dann zu sehen, ja, was mache ich denn eigentlich, wenn ich die Kontrolle verliere. Und im Konzert verliere ich ja auch oft die Kontrolle. Und ich muss ja auch weiterspielen. Ich kann ja auch nicht sagen, ach, Kinder, jetzt fange ich nochmal von vorne an.

Das war jetzt irgendwie nicht so ganz, wie ich es mir vorstelle, nochmal von vorne. Das geht ja nicht. Also da muss ich ja auch durchspielen. Und das muss man üben. Und das machen viele. Ich sehe es, wie meine Kinder üben. Ja, 80 Prozent des Übens besteht aus da rumsitzen, dann doch irgendwie mal zum Handy greifen und irgendwie aus dem Fenster gucken und ich weiß nicht, was sie dann so genau machen.

Aber so Töne höre ich dann einfach zu selten von denen.

Wie viel greift dann der Papa da ein und sagt, Üben sieht anders aus?

Hängt natürlich sehr vom Alter des Kindes ab. Je kleiner, desto eher. Und bei den großen, ja, die da. Also eingreifen tue ich dann eigentlich nie. Also vielleicht mal irgendwie eine saloppe, flapsige Bemerkung, wenn ich durchs Zimmer gehe oder so. Das dann schon aber höchstens dann danach, dass ich sag so.

Aber auch nicht richtig ernst. Also das müssen die schon selber wissen, finde ich. Und jeder muss ja auch, jeder muss seine schlechten Erfahrungen auch machen. Also das hilft ja auch nichts, wenn die jetzt die blöden Erfahrungen dann vermeiden. Die müssen sie ja gemacht haben. Sie müssen ja selber gemerkt haben, dass es schlecht ist, was sie gemacht haben.

Also wenn das der allwissende Vater immer sagt, das bringt ihnen ja auch nichts.

Das stimmt. Ich würde mal zu den Zuschauern oder Zuhörerfragen kommen. Ich habe heute nochmal auf Instagram gesagt, dass wir reden und dann kamen ein paar Fragen. Die erste fand ich ganz lustig, die kam von einem Klarinettisten. Wie viele Stunden verbringst du mit Rohrbau?

Da kommen die ganzen peinlichen Fragen. Ja, also da ist wieder auch, irgendwie habe ich auch sehr luxuriöse Situation. Meine Frau ist ja Oboistin, mein Sohn ist Oboist. Und gerade mit Oboen-Rohren funktioniert es also weitestgehend so, dass ich auf den schlechten Rohren von Silvia ganz gut zurechtkomme.

Und ich muss nur im richtigen Augenblick, wenn sie Rohre macht, da sein, um ihre schlechten Rohre ihr wegzunehmen, bevor sie sie kaputt macht. Weil man ist ja dann meistens emotional so dabei, dass man sauer ist, wenn es dann nicht geht und sie dann kaputt macht. Da muss ich dabei sein und die schnell ihr wegnehmen.

Und insofern, also ich, ich, und also Obohn-Rohre werde ich oft eben von ihr versorgt, wie gesagt, und Engel Schornrohre, also oder ich sag mal so, ich bin offensichtlich fürs Rohremachen begabt. Ich freeme die Dinger dann meistens so hin, dass sie dann irgendwie gehen am Ende und so dieses deprimierende so vor sich hinschaben stundenlang und einen Misserfolg nach dem anderen, das habe ich sehr selten, sage ich mal so.

Übrigens, was wieder eine Sache, also das ist zwar natürlich ein sehr angenehmes Talent und dies übergangen zu haben als Lehrer, ist es natürlich ein bisschen blöd. Weil ich am liebsten würde ich meinen Studenten immer sagen, ja, bei dem Rohr müsstest du es irgendwie eher so machen und bei dem anderen würde ich jetzt eher das machen.

Ich habe kein richtiges Modell, wo man sagt, so und so muss es sein. Und das brauchen die natürlich. Räuchten sie.

Aber ich muss mir das nicht so vorstellen, dass du mit deinem Sohn und mit deiner Frau da so ein Familien-Happening machst und der sitzt alle am Tisch und baut Oborenrohre.

Nö, naja, jetzt meint mein Sohn natürlich, der ist jetzt in Bamberg sowieso nicht mehr so. Also Janusch und Silvia sitzen schon manchmal zusammen und machen so Sessions vor sich hin. Ich bin dann mal auch mal dabei und gebe dann mein Senf dazu ab. Und gerade mein Sohn findet es dann ganz falsch und so, ganz doof, aber es funktioniert.

Okay.

Nächste Frage, da würde ich, also weil du vorhin ja auch über Nervosität gesprochen hast und dass du, wenn du nervös bist, dein Instrument am besten nicht in den Händen hältst. Kam die Frage, wie du mit dem Druck umgehst, vor allen Dingen, weil ihr halt auch doch so viel live aufnehmt.

Ja, das ist, also seitdem diese Digital Concert Hall existiert, seit diesen 10, 12, 15 Jahren, weiß ich gar nicht genau, ist der Druck noch größer geworden. Eben diese Live-Übertragungen sind schon manchmal, ja, das ist schon sehr präsent und wie man mit dem Druck umgeht, da habe ich kein Patentrezept.

Ich meine, ich habe gewisse Patentrezepte, um mich selber irgendwie ein bisschen runterzubringen, wenn ich merke, oh, jetzt kommt der Mann mit dem Hammer und haut mir eine drüber. Was gar nicht mal unbedingt immer dann passiert, wenn ich jetzt was besonders Schweres oder besonders Wichtiges zu spielen habe.

Das kann irgendwie, ich verstehe selber manchmal nicht, warum ich manchmal nervös bin und manchmal nicht. Es gibt kein Patentrezept, vielleicht einfach auch akzeptieren, dass jeder damit zu kämpfen hat und niemand davon frei ist. Und wenn es jemand behauptet, dann glaube ich es nicht. Und ich sehe es auch an meinen Kollegen, das finde ich auch immer wieder ganz interessant, wie unterschiedlich die Leute damit umgehen.

Wie sie sich verhalten. Da ist alles dabei. Und jeder muss für sich selber herausfinden, welche Methode am besten funktioniert für ihn.

Aber was hilft dir jetzt speziell?

Also ich muss mich gerade hinsetzen, mein Instrument irgendwie weg oder auf den Knien und ich muss die Hände, äh, die Arme hängen lassen. Und versuche so das zu spüren, wie das Blut in meine Finger strömt und die Schwere meiner Existenz sozusagen, die möchte ich spüren. Weil bei Nervosität irgendwie rutscht ja alles so nach oben.

Und das ist das, was einen dann so, ja, was einen so zum Ersticken bringt, sozusagen. Das ist aber jetzt auch nichts Dolles für mich, also als Technik. Und also ich brauche dann noch auch, habe ich auch ein paar Mal die blöde Erfahrung gemacht. Also wenn ich nervös werde, heißt es ja meistens auch, also vor meinem Soli spiele ich ja meistens nicht.

Und dann werde ich nervös und wenn ich dann anfange zu spielen, dann rein physisch kommt das ganze Blut, geht halt dann in diese Regionen, wo die Bauchpresse halt stattfindet, die physische Anstrengung und auf jeden Fall geht sie aus dem Kopf raus. Und ich habe, also ein paar Mal hatte ich dann das Gefühl, ich falle gleich um.

Also mir ist wirklich schwarz vor Augen geworden. Und jetzt mache ich immer, wenn ich, kurz bevor ich spielen muss, mache ich so ein bisschen Bauchpresse, um die Blut ins Hirn zu pumpen. Dann passiert mir das nicht mehr. Die halbe Ohnmacht, mit der ich am Anfang zu kämpfen hatte. Wo ich mir immer vorgestellt habe, das wäre mal lustig, wenn dann ab der Acht und Schostakovich, der Englisch schon einfach in Ohnmacht fällt.

Das ist Gott sei Dank nicht passiert.

Wir hoffen, das bleibt auch weiterhin nur die Vorstellung. Eine weitere Frage, da ist die erste Hälfte, finde ich, auch amüsant, die zweite Hälfte ist, glaube ich, ernster noch gemeint. Welchen Trompeter hast du am liebsten hinter dir?

Also seitdem der neue ist David Guerrier, ist es mir egal. Ich finde die beide super. Also jetzt geht ja um die beiden Solo-Trompeter Guillon und David, beide Franzosen, die spielen beide sehr gut. Also ich finde, ich stelle mir selber die Aufgabe manchmal, also ich komme ja in den Dienst, schau nicht unbedingt, oder bin vorher da, bevor die Trompeter da sind.

Keine Ahnung, auf jeden Fall. Ich sitze dann oft da und ich weiß gar nicht, wer spielt. Und nach hinten zu schauen, ist ja oft gar nicht so einfach. Weil das, also die Leute fühlen sich manchmal angegriffen sozusagen. Wenn jemand sich so umdreht, denken gleich, habe ich was falsch gemacht und so, wieso schaut er mich jetzt so an?

Also das muss irgendwie mehr oder weniger unauffällig passieren und ich mache mir oft die Aufgabe, herauszufinden, wer jetzt eigentlich spielt. Und das ist bei den beiden jetzt, also David ist noch nicht lang genug da, dass ich den Unterschied wirklich hören kann. Die spielen einfach beide super. Die sind beides.

Wahnsinnig tolle Trompete.

Weil du gesagt hast, seitdem der Neue da ist, ist es dir egal, wie was vorher?

Ja, da war es halt dann schon so, dass Guillom hat halt so eine ganz leichte Art zu spielen. Also der kann wirklich auf der Trompete spielen, als ob es eine Blockflöte wäre. Also unglaublich leichtgewichtig auch. Und Trompete ist halt ansonsten schon eher so ein bisschen zupackender halt. Ich weiß auch, dass andere Trompeter dem Guillaume auch vorwerfen, dass das irgendwie halt zu sehr Holzbläsermäßig ist, wie er spielt.

Ich als Holzbläser, für mich ist es ein großes Kompliment, wenn es jemand dem Trompeter vorwerft.

Okay. Die zweite Frage, oder der zweite Teil der Frage ist, wie du quasi mit der enormen Lautstärke umgehst.

Ja, also schlecht. Also ich habe es bisher noch nicht geschafft, mich daran zu gewöhnen, mit Ohrenstöpseln zu spielen. Aber ich meine, ich bin jetzt immerhin auch schon 57, bin auf jeden Fall noch nicht richtig taub. Also sagen wir mal so, was ich schon bewusst mache, ist mich, wenn es wirklich laut wird, dass ich mich nicht mehr gerade hinsetze, dass ich mich so ein bisschen ein Igel auch durch meine Größe, wenn ich mich gerade gerade hinsetze, dann bin ich oft wirklich genau im Trichter von den Posaunen.

Und die Posaunen sind ja auch, wenn die Trompete oft greller ist und sozusagen eigentlich schmerzhafter, also objektiv am lautesten sind die Posaunen. Also am meisten kaputt machen, tun die Posaunen, also bei fremden Gehören. Und da muss ich einfach, da versuche ich mich ein bisschen zu schützen. Oder ganz manchmal tue ich dann was ins rechte Ohr und weil ich ja sozusagen auf der linken Seite, also vom Orchester aus gesehen, aus meiner Sicht, gesehen, linken Seite sitze, kann ich mich dann so ein bisschen nach rechts wenden und dann kriegt sozusagen nur mein rechtes Ohr was davon ab direkt.

Und wenn da was drin steckt, dann fühle ich mich auf der sicheren Seite. Das mache ich aber relativ selten. Jetzt zum Beispiel bei der, jetzt spielen wir gerade erste Maler, da ist es eigentlich auch sehr laut irgendwie. Also es ist schon auch, glaube ich, eine mentale Sache. Also ich mag es auch gerne laut.

Ich finde das geil. Ich finde es super. Und so lange ist es ja auch nicht laut. Das ist dann halt beim letzten Satz auch dann so die letzten zwei, drei Minuten oder so. Und das kommen dann auch immer nur so ein paar Spitzentöne. Da muss ich dann vielleicht mal ein bisschen aufpassen. Aber ich finde es irgendwie auch toll und ich hatte noch nie einen Gehörsturz, ich hatte noch nie wirkliche Probleme damit.

Also das sind Leute, die vor mir sitzen, irgendwie, also die halbe Cello-Gruppe bei uns hatten, hatten schon Hörstürze und das ist, glaube ich, irgendwo dann auch ist das Problem dann oft psychisch oder psychosomatisch oder eine Frage, wie nehme ich den Lärm in mir auf und so.

Okay.

Weitere Zuhörerfrage. Wer ist dein Lieblingskomponist?

Aha, ja, das ist schwierig zu sagen. Also sagen wir mal, im symphonischen Bereich, einfach, auch weil wir ihn relativ selten spielen, dann doch noch, ist es eigentlich Schostakowic, würde ich sagen. Also, sagen wir mal so, wenn du mich vor 20 Jahren gefragt hättest, hätte ich vielleicht Brahms gesagt.

Also, aber bei Brahms-Symphonien finde ich zum Beispiel einfach, dass wenn ich die 85 Mal gehört habe, dann muss ich die nicht unbedingt ein 86. Mal hören. Schostakovich-Symphonien habe ich vielleicht einfach noch nicht oft genug gehört, dass sie mir überwerden. Oder ich meine, Sacre du Printon, Stravinsky, finde ich ein wahnsinnig tolles Stück, habe ich aber schon so oft gespielt, dass ich es eigentlich auch jetzt muss ich nicht unbedingt nochmal so oft hören oder spielen.

Kenne ich einfach schon so gut. In irgendwann objektiv kann ich es schwer sagen, aber eben gerade so diese sperrigeren Werke von Schostakovich, also eine vierte Schostakovich oder elfte Schostakovich zum Beispiel, oder die siebte, jetzt haben wir zum ersten Mal, also vor kurzem, zum ersten Mal seit ganz langer Zeit wieder gespielt, ein fantastisches Stück und finde ich einfach unglaublich toll.

Okay, hast du Erfahrung im Blasorchester, wird gefragt.

Nein, überhaupt nicht.

Obwohl du aus Bayern kommst.

Ja, das ging irgendwie leider, muss ich sagen, an mir vorüber. Also ich finde kaum eine Musik so anrührend und so schön wie echte alpenländische Volksmusik. Also so ein richtig schön gesungener Dreigesang ist unglaublich schön. Und ich finde es wahnsinnig traurig, dass also da kann man wirklich sagen, der Weißwurst Äquator, also nördlich von der Donau in Deutschland, kennt es.

Diese Musik kennt niemand. Man denkt halt, Volksmusik ist so Musikantenstadl oder Musikanten, wie das heißt, ist ja grauenhaft, wirklich ganz schlimm, allerunterste Kategorie für mich, wogegen eben die echte Volksmusik wahnsinnig schön ist und es sehr traurig ist, dass das in Deutschland kaum jemand kennt.

Hast du mitbekommen, was letztes Jahr in München vonstatten gegangen ist, seitdem Rattle jetzt da ist?

Naja, der ist ja, also der ist ja eigentlich schon ein bisschen länger da, der ist jetzt vielleicht tatsächlich Chef erst seit letztem Jahr. Kriege ich schon so mit. Ich habe natürlich auch irgendwie Freunde oder Bekannte zumindest in dem Orchester und ich weiß schon, wie es da läuft und ich mag den ja auch sehr.

Ja, also weil ich frag, weil es gab letztes Jahr das erste Mal wahrscheinlich überhaupt, dass ein Sinfonieorchester sich mit Blasorchestern zusammengetan hat. Also es sind Laienblasorchester eingeladen worden nach einem großen Auswahlding und dann wurde zusammen musiziert. Wurde auch extra ein Werk geschrieben, dann für alle zusammen.

Das habe ich sogar irgendwie mitgekriegt, ja, ja, wieso du sagst, war mir schon wieder entfallen. Ja, super. Ja. Toll solche Sachen. Also sowieso das, was Simon Rettle macht, also klar, die unkonventionellen Sachen, die er macht, sind super alle. Also das ist fantastisch und das, ja, so sollte es sein.

Und auch ist dann auch im Endeffekt vielleicht nicht so entscheidend, ob das Endergebnis dann wirklich fantastisch ist oder toll oder nur sehr gut. Oder so ist es einfach toll, dass es gemacht wird und dass es den Leuten Freude bereitet hat.

Ich habe noch ein paar Zuhörerfragen und zwar, wie siehst du den Stellenwert des Englischhorn in den verschiedenen Orchesterformen?

Was meinst du mit verschiedenen Orchesterformen?

Das kann ich dir leider auch nicht sagen, die Frage ist so gestellt worden.

Da muss ich erstmal überlegen, was da wohl gemeint wird. Vielleicht Opernorchester, Konzertorchester, Operettenorchester oder Musical Orchester, keine Ahnung, Barockorchester. Es ist natürlich schade, dass es im richtigen Blasorchester, also vielleicht täusche ich mich, aber da frisst es doch ein ziemliches Schatten da sein, oder?

Kommt drauf an. Also, wenn wir traditionelle Blasmusik nehmen, dann ja, da habe ich dir recht. Wenn wir symphonische Blasmusik nehmen, nein. Dann ist die Oboe auch eher Soloinstrument oder auch Englischhorn. Also das ist ja da auch vertreten. Also symphonische Werke ist ja auch mittlerweile eine große Szene und ein großes Repertoire da, das sich weit abhebt von dem traditionellen.

Ja, ich meine, ich habe, also wenn ich daran denke, was ich an Blasorchestern mitgekriegt habe, so in den letzten Jahren, habe ich mich oft gefragt, dass also auch gerade wenn es dann so mehr in das sinfonische Repertoire geht, dass da der, also je ernster die Musik wird, oder also ernster im Sinne von E-Musik.

Also es soll ja nicht ernst sein, das E steht zwar für ernst, aber also ich fand immer, dass es dann eben so, das wurde dann so ernst und der Spaßfaktor war dann irgendwie nicht mehr da. Und oder zu wenig da. Ich hatte dann das Gefühl, das sind ja dann, also zumindest die Blasorchester, die ich gehört habe, das waren halt Laienmusiker.

Und je mehr die dann so den Anspruch haben, doch ernsthafte Musik zu machen, desto mehr muss der Spaßfaktor irgendwie verdrängt werden, weil das ist ja billig sozusagen. Und das finde ich, fand ich dann, das war natürlich dann, war meistens dann doch irgendwie im Urlaub halt irgendwelche in Richtung Süden, irgendwie, ob es jetzt in Österreich war oder in Slowenien oder in Bayern.

War eigentlich immer dasselbe. Und ich dachte, ja, Leute, es ist doch super, was ihr macht. Lasst doch die Sau raus und zeigt auch die Freude, die es macht. Dieses saßen dann alle so ganz steif da und haben versucht, die richtigen Töne zu spielen. Also haben es auch geschafft, die richtigen Töne zu spielen.

Die waren auch gut. Aber ich dachte, ja, meine Güte, das ist doch, bewegt euch mal irgendwie, bringt die Sache zum Groven auch. Und nicht nur so. Auch ein ungarischer Tanz von Brahms oder was sie dann gespielt haben, das ist doch tolle Musik. Und ich will das nicht so korrekt hören.

Du sprichst mir gerade sehr aus der Seele. Ich lasse das einfach mal so stehen. Letzte Zuhörerfrage, auch sehr schön. Es geht um den Kulturauftrag und inwieweit die Berliner Philharmoniker jetzt vor allen Dingen als ich weiß, bin da nicht ganz so tief eingelesen, ich habe das aber auch noch mitbekommen, dass ja der Kulturetat in Berlin erheblich gestrichen werden soll.

Was kann da euer Orchester dagegen tun?

Ja, geht es ja jetzt sozusagen auch wieder um, also was heißt, auch wieder geht es um Politik und da sage ich jetzt mal ganz provokant. Bei dem Senat, den wir momentan haben und bei dem Kultursenator habe ich das Gefühl, es ist relativ egal, was wir machen. Das wird erstens nicht registriert und zweitens wird es nicht anerkannt.

Es ist irgendwie nicht wichtig. Also kann ich sozusagen sagen, wir können sowieso gar nichts machen. Weil die entsprechenden Leute sich nicht dafür interessieren. Da werden jetzt natürlich, falls die entsprechenden Leute das jetzt hören würden, was vorhin nicht ausgeht, würden sie natürlich sagen, ja, wahr, wollen wir, das stimmt überhaupt nicht und ist ja alles ganz anders und so weiter.

Ich bin aber jetzt auch schon seit ein paar Jahrzehnten ja hier und ich habe schon verschiedene Kultursenatoren und so mitgekriegt und also dieser Eindruck hat sich jetzt zumindest aufgedrängt in den letzten ein, zwei Jahren, dass es so ist. Ansonsten könnten wir natürlich, gerade wir natürlich sehr viel machen.

Also wir können sehr viele Aktionen machen und wir können auch, also gerade eben dadurch, dass wir halt ganz oben sind jetzt in der Gewichtungsskala zumindest, können wir sehr viel machen. Also skurrilerweise ist ja auch gerade beschlossen worden, zumindest ist das eine der, also ist es der Stand, auf dem ich bin, dass ja überall gekürzt wird, aber jetzt bei den Berliner Philharmonikern wird gar nicht gekürzt, weil bei uns darf man ja nicht kürzen.

Und das sage ich jetzt auch mal, da bin ich dann auch vielleicht meine Intendantin auf den Kopf steigen, finde ich, also wenn man irgendwo kürzen könnte, dann bei uns noch am ehesten, glaube ich. Also irgendein kleines Theater, wenn die irgendwie 500.000 Euro im Jahr sowie ein Zonen bekommen oder sage ich mal, sage ich mal, 100.000, denen dann die Hälfte zu streichen, dann kannst du sie gleich dicht machen.

Also bei uns, da würden mir schon so ein paar Bereiche einfallen, wo man, wo man, glaube ich, ein bisschen Geld sparen könnte, ohne dass man gleich an die Substanz geht. Also bei anderen kleineren Häusern geht es einfach ganz schnell an die Substanz und das finde ich irgendwo schade, dass dann gerade bei den größten und dicksten Leuten dann irgendwie da, die werden dann in Ruhe gelassen.

Leider.

Mit Blick auf die Wahlen, die anstehen, mit Blick auf das weltpolitische Geschehen, was so ist, wo glaubst du, führt das alles noch hin?

Ja, also ich versuche ja, meinen Optimismus zu behalten und die Sache, soweit es geht, positiv zu sehen, ich provoziere gerne damit, dass ich sage, es wird doch eigentlich alles immer besser, gerade dann, wenn jemand sagt, früher war doch alles viel besser, als jetzt sagt jemand, es stimmt doch gar nichts, ist doch alles immer besser geworden.

Aber so, also wenn es dann so um die Thematik Ignoranz und dass einfach Fakten keine Rolle mehr spielen oder wissenschaftliche Erkenntnisse und so weiter, dass einfach Tatsachen geleugnet werden, da kommt man dann schon manchmal so sehr ins Zweifel, wenn wir uns nicht mal darauf einigen können, worauf soll man uns dann einigen, wenn ich jetzt keine Argumente, wenn es sowieso sinnlos ist, Argumente zu bringen, weil ja die Fakten gar nicht.

Bei der Kultur ist ja, gerade in Berlin wird ja gesagt, ja, eine der Attraktionen, der wenigen Attraktionen, die Berlin wirklich hat, ist die Kultur und die Club-Szene und so weiter. Warum soll man ausgehen? Und es ist auch so ein kleiner Posten im Vergleich zum Gesamtetat, warum kürzen sie ausgehend da?

Ich habe ein Interview mit der im Radio gehört, mit der Kulturdezernentin von Wien, die gesagt hat, ja, in den letzten drei Jahren haben wir irgendwie 60% Zuwachs bekommen. Ich denke, das ist ja wirklich lustig. Bei uns wird es irgendwie 12% gekürzt und in Wien packen sie 60 Prozent drauf. Ja, aber so ist es halt irgendwie.

Man muss damit irgendwie umgehen und darauf bessere Zeiten warten, kulturmäßig zumindest.

Was kann Kultur gerade in solchen Zeiten bewirken?

Sehr viel Kultur ist ja das Existenzielle, das ist das, was uns von den Tieren unterscheidet und alles ist Kultur. Und dass man auch immer so diese Ignoranz, mit der man sagt, ja, das ist nur was für die Reichen, für die Gutgebildeten, für die, was weiß ich, warum soll denn eine Edeka-Verkäuferin nicht auch mal ins Theater gehen wollen oder nicht auch mal klassische Konzerte anhören wollen?

Was ist das für ein Denken, was da dahinter steckt? Also Kultur kann alles bewirken.

Ja, auf jeden Fall. Ich würde gern nochmal, du hast vorhin so schön gesagt, als Orchestermusiker kann man sich relativ schnell langweilen, wenn man nicht aufpasst. Jetzt hast du vor zwei Jahren, vor drei Jahren dein erstes Soloalbum veröffentlicht. Genau. Zwei Fragen. Erstens, und letztes. Okay, da können wir gleich, aber Frage Nummer eins, war das aus Langeweile, weil du und zweitens, warum so spät?

Ja, also aus Langeweile war es nicht, ich meine, das Thema war ja schon, ist natürlich omnipräsent irgendwie, also wenn ich halt, wenn man diese Stelle hat und meine ganzen Kollegen, die die ganzen Solisten haben, werfen ja eine CD nach der anderen auf den Markt. Es war natürlich immer wieder die Frage da von mir an mich selber und natürlich auch von anderen Leuten an mich, warum machst du eigentlich nie?

Und ich habe gesagt, ja, warum soll ich jetzt auch noch eine CD machen? Wer will mir das schon hören? Und vor allem auch, es gibt ja keine Stücke, was soll ich denn schon aufnehmen? Irgendwie, ich kann ja jetzt nicht aus der Aachen Schosakovic das Solo rausschneiden oder aus der neuen Welt, da muss ich ja erstmal eine Version haben.

Und dann kam aber eben so, ja, hat sich so entwickelt. Ich habe dann einen Arrangeur kennengelernt, der mir eben, die Stücke zum Teil eben, die auf der CD ist ja so ein Bach-Konzert eben drauf. Bach hat natürlich für Englisch kein Solokonzert geschrieben. Das wurde halt zusammen geschnipselt. Von dem, aber sehr gut zusammen geschnipselt.

Das hat er super gemacht und hat eine Version von der Sinfonie aus der Neuen Welt aus dem Solo halt geschrieben. Und so kam dann so ein Repertoire eben zustande und dann haben wir uns einfach gedacht, ja, das machen wir jetzt halt mal. Und dass es dann so gut einschlägt und gleich so einen Preis gewinnt und so weiter, das war natürlich ein willkommener Nebeneffekt.

Aber also du hast ja, du hast gerade gesagt, du hast ja immer wieder die Frage gestellt, ob du das auch machen musst. Warum hat es jetzt trotzdem so lange gedauert?

Ja, also ich habe vorhin ja gesagt, ich bin ehrgeizig und leistungsbewusst und so weiter. Also auf dem Gebiet bin ich eher da, ich brauche das jetzt nicht unbedingt für mein Ego, dass ich da meine CDs mir da irgendwie aufs Nachtkästchen drauf tue und die immer wieder anschauen. Das hat mir nie so wahnsinnig viel bedeutet.

Und eben when es jetzt ein tolles Repertoire gegeben hätte, wo ich gedacht hätte, also when ich jetzt zum Beispiel, when I when Oboe mein Hauptinstrument wäre, würde ich zum Beispiel, hätte ich immer gedacht, von Zimmermann, von Bernd Alos Zimmermann dieses Oboen-Konzert und von Shandor Verres, die Pasakalia auch ein Obohn-Konzert, das müsste man mal wirklich hervorragend aufnehmen.

Das hat einfach noch niemand richtig gut gemacht. Oder sowieso gibt es das Stück fast nie. Aber solche Stücke gibt es für Englischern halt nicht. Wo ich dachte, ich meine, das, was an Solorepertoire für Englischern ist, das sind dann irgendwie so, das ist so ein Donizetti und ein Fiala. Und ja, da wartet die Welt jetzt nicht unbedingt darauf, dass ich das aufnehme und dass sie sich das dann Tag und Nacht dann beim Abspülen irgendwie anhören.

Halt irgendwie so ein Grund, vielleicht so irgendwie so eine Art, ja, ich sehe mich da nicht so zentral und dachte mir, ich habe es dann gerne gemacht. Eigentlich ein Freund von mir, also ein ehemaliger Schüler, mit dem ich, mit dem ich viel Kammermusik mache, also Wilhelm Verkais der, der hat mich dann gepusht, meine Frau hat mich gepusht und dann gesagt, ja, du musst es doch machen und warte nicht so lange, mache einfach.

Und dann irgendwann dachte ich mir, okay, bevor die jetzt zu sehr nerven, mache ich es halt.

Auch eine schöne Haltung. Wie ist das, wenn du gerade sagst, du brauchst das alles nicht für dein Ego? Wie ist das generell mit Ego in so einem Orchester? Man wird ja im Studium schon eher als Solist ausgebildet.

Und dann kommt man in so ein Orchester und Ja, also das stimmt, für die Streicher stimmt es. Und für die Streicher ist es tatsächlich schwierig, glaube ich. Also gerade für die Geiger, die halt da mit ihren ganzen fantastischen Solokonzerten groß werden. Ich meine, was hat man als Englishanist hat man überhaupt keinen, auf jeden Fall von dem klassischen Repertoire, überhaupt kein Solokonzert.

Bei Oboe, ja, da haben wir Mozart, da haben wir Strauß und ein bisschen Martinou. Das ist aber auch nicht so. Damit kann man sein Leben nicht fristen, musicalisch. Also als Oboist is irgendwie klar, man geht ins Orchester. And the best, what am I Oboist passieren kann, is ins Orchester to go. Also insofern, da hat man bei meinem Instrument überhaupt kein Selbstverständnisproblem.

Ich sehe das bei den Geigern, ist es tatsächlich so. Ich sehe es zum Beispiel bei meiner Tochter, die sagt einfach, ja, sie studiert jetzt Geige im ersten Semester. Dieser Gedanke, dann im Orchester zu spielen und dann halt eine von 16 Tutti-Geigen zu sein. Und wenn sie krank ist, dann stellt man einen Stuhl raus und das Konzert findet genauso statt ohne sie.

Das turnt sie schon ein bisschen ab. Deswegen macht sie auch diese Gesangsausbildung jetzt und so. Ich sage dann, ja, mit Geige kannst du so viel machen, du musst auch nicht unbedingt ins Orchester. Und außerdem macht Geige spielen im Orchester auch Spaß. Also ich glaube, mir wird es mehr Spaß machen, Geige im Orchester zu spielen, als irgendwie der 1537.

der Geiger zu sein, der das Bramskonzert versucht zu interpretieren und dann versuchen, eh alle nur so zu klingen wie Haifetz oder so. Also das finde ich eher frustrierend.

Du hast ja, weil du jetzt schon so lange dabei bist, zwei große Dirigentenwechsel mitgemacht. Von Abado auf Rattle und jetzt dann noch zu Petrenko. Wie waren für dich die Übergangsphasen, beziehungsweise wo sind jetzt die größten Unterschiede zwischen den dreien?

Naja, also wie ich vorhin habe ich ja schon gesagt, Abado ist halt, ich bin die Abado-Generation, das war einfach ein, das war mein musikalischer Held damals. Und ich bin geprägt davon, von dieser Art, so auf diese Art and Weise Music to machen, wie er this gemacht hat, auf diese Art and Weise to dirigieren and in Laden to grow.

Also insofern, this is so to say my ideal is Claudia Abado, weil it my präging is. And je weiter the dirigent weg is from diesem Ideal, desto größere Probleme habe ich damit. Ja, das ist dann, Simon Rattle hat halt dann frischen Wind reingebracht, also sehr, sehr einfach neue Ideen, sehr einfach tolle Projekte gemacht, tolle Zusammenarbeiten und so weiter.

Rein dirigentisch war es eine harte Zeit für mich.

Was macht für dich einen guten Dirigent aus? Du hast ja jetzt viele erlebt schon.

Also schon auch erstmal, dass die das technisch zeigen können. Also dass die das einfach gelernt haben. Es wird ja oft so kritisiert, das ist was, was mich immer nervt. Der hat ja alles nur vor dem Spiegel gelernt. Sag ich immer, ja, ich hoffe sehr, dass mein Dirigent vor dem Spiegel lebt ja davon, dass wir ihn anschauen.

Der muss ja wissen, wie das ausschaut, was er da rumfuchtelt. Also bitte vor dem Spiegel lernen, alle Dirigenten, sage ich. Also, die sollen das technisch zeigen können, was sie wollen. Und ja, also was macht einen guten Dirigenten aus, einfach eine genaue musikalische Vorstellung zu haben und eine Begeisterungsfähigkeit vermitteln können, dass dann so eine Horde von Idioten, wie wir sind, dann auch machen, was sie wollen.

Und dann gleichzeitig die Offenheit auch zu haben, wenn jemand eine Idee hat, ist bei unserem Orchester natürlich sowieso meistens der Fall, dass die Leute selber auch wissen, wie sie spielen möchten, dass man da irgendwie zumindest einen Kompromiss findet zwischen dem, was er gerne möchte und dem, was die Musiker anbieten.

Also so kann ich es vielleicht definieren.

Okay. Dann drehen wir den Spieß um, was ein No-Go für dich als von einem Dirigenten.

Ja, erstmal, also gibt es mittlerweile eigentlich kaum mehr Unverschämtheiten oder diktatorisches Gehabe. Das geht überhaupt gar nicht mehr. Das war früher noch, also als ich angefangen habe, noch relativ normal. Ist glücklicherweise sehr unpopulär geworden. Also Langeweile ist für mich No-Go. Also wenn die das Stück so runterschlagen und nicht zuhören, keine Vorstellung haben, keine Idee, schlecht ausschauen beim Dirigenten und beim Dirigieren, wenn es einfach leider relativ oft, dass es einfach nicht gut aussieht.

Und beim Dirigieren, der lebt ja davon, wie es aussieht. Also es muss irgendwie muss es gut aussehen. Das heißt ja nicht, dass der Mensch gut aussehen muss und dass es jetzt schön dirigiert sein muss. Also, Extrembeispiel is für mich, sage ich jetzt einfach, viele Mann schaut wirklich nicht gut aus beim Dirigieren, is aber ein super Dirigent.

Und das Ergebnis ist zumindest bei dem Repertoire, wo er gut drin ist, ist fantastisch, ist einer von den ganz großen. Aber gut, ausschauen tut es ganz bestimmt nicht. Also es geht auch so.

Aber was ist dann sein Geheimnis? Weil das habe ich mich schon öfters gefragt, irgendwie. Also ich geb dir recht, das klingt immer, aber Aussehen ist oft so.

Ja, das ist, ja. Also Tielman ist für mich, und da ist jetzt zumindest bei den Jüngeren, also außer Petrenko, kommt da eigentlich kaum jemand in diese Klasse. Na, du da mal vielleicht noch. Das ist so genial. Da bin ich als einfacher dummer Musiker, ich kann das gar nicht kapieren. Ich muss da aufgeben, sozusagen, bei der Frage.

Ich weiß es tatsächlich selber nicht. Ich weiß nicht, was der macht, um dann so schwierige Zusammenhänge, wenn dann irgendwie mit Sängern, die hinten sind und Chor und den Musikern, die vorne sind, wie er das zusammenbringt und wie er das, also Tiedemann jetzt, wie er das leitet, anleitet, ohne sich zu sehr aufzudrängen, das ist wirklich hat was Mystisches für mich und ich kann es gar nicht kapieren, ich bin zu dumm dazu.

Okay, das beruhigt mich, dass jemand, der dann im Orchester sitzt und das nochmal irgendwie anders erlebt, als nur ich, der sich irgendwelche Aufnahmen anschaut, dann auch sagt, er hat keine Ahnung, was da eigentlich passiert, aber irgendwie geht's. Okay. Das beruhigt mich gerade ein bisschen, tatsächlich.

Ich würde so langsam Richtung Schluss kommen. Ich habe heute Mittag mir, es gibt so ein kleines Interview in der Digital Konzert Hall von dir, wo du auch nochmal so ein bisschen vorgestellt wirst. Du erzählst auch, dass du sechs Kinder hast und dass es da natürlich gut, die sind natürlich jetzt alle ein bisschen älter, als damals auch viel los ist am Nachmittag.

Wie das halt so mit ist, wenn man als Familie zusammen wohnt. Wie schafft man das dann, bei so einem Tova Bo, nenne ich es jetzt mal, dann doch fokussiert abends zum Dienst zu gehen?

Ja, ich darf da nicht zu anspruchsvoll sein und nicht, ich habe noch nie auf irgendwie Mittagsschlaf oder sowas ähnliches beharrt. Ich meine, wenn ich am Abend wirklich was Schweres zu spielen habe, dann nehme ich mir die Zeit, mich da mal kurz davor ein bisschen einfach mit dem Instrument zu beschäftigen.

Zieh mich mal zurück für eine halbe Stunde. Aber ansonsten habe ich schon zahlreiche Konzerte so bestritten, dass ich direkt aus dem Chaos rein in die Philharmonie und dann da einfach Schalter umstellen und dann die Sache bringen müssen. Also anders wäre das nicht gegangen. Ich meine, meine Frau ist ja selber berufstätig, auch hat genau dasselbe, hat auch ihre Konzerte, hat auch, also es ist ja Solo-Uboistin in der Konzerthausorchester, ist auch sehr verantwortungsvolle Position und so weiter.

Also das muss halt einfach klappen. Also mein Chillen, mein Relaxen ist die Fahrt zur Philharmonie auf dem Fahrrad. Diese 20 Minuten, die ich da habe, wo ich wirklich nur allein für mich bin, angesehen von den anderen Verkehrsteilnehmern, da habe ich, da nervt niemand. Dann bin ich in der Philharmonie und bereite mich davor, konzentriere mich und so.

Und dann geht es meistens.

Redet ihr eigentlich daheim viel über Oboe? Also wenn deine Frau Obo ist, dann ist dein Sohn jetzt auch noch gut, der wohnt nicht mehr da, aber ist diese Obue omnipräsent oder gibt es auch andere Themen?

Ich würde mal sagen, sie reden eigentlich fast nie über Obwohl. Ja, wie die Probe so war. Und wenn sie, wenn ich weiß, sie hat das Heikles zu spielen, frage ich so, wie ging dein Rohr, hat es geklappt und so. Ja, aber mehr eigentlich auch nicht.

Okay.

Also das ist ganz zu langweilig, das Thema. Dann lieber über die schlechten Noten, die die Kinder nach Hause gebracht haben. Aus Geschichte oder sonst was.

Was bringt die Zukunft?

Naja, ich bin jetzt 57, also insofern in zehn Jahren meine Pensionierung. Und ansonsten habe ich jetzt in den letzten Jahren mehr angefangen, wahrscheinlich auch deswegen, weil die Kinder halt größer werden und ich mehr Zeit habe, mehr Ruhe, mehr Ressourcen solistisch mehr zu machen. Also, also habe jetzt einen Agenten, der Konzerte für mich organisiert und ein Komponist oder zwei Komponisten haben mir schon Stücke geschrieben, die hoffentlich noch öfters aufgeführt werden und ich mache mehr Kammermusik und so.

Also da versuche ich aktiver zu sein auf dem Gebiet. Und ansonsten unterrichte ich halt auch viel. Das ist schon auch sehr zentral und nimmt sehr viel Zeit und sehr viel Energie.

Wenn Stücke für dich geschrieben werden, dann steht im zweiten Album ja eigentlich nichts mehr im Weg.

Achso, ja, stimmt, ja. Ja, ja, guter Punkt. Punkt für dich. Ja, ja, ja. Wird schon kommen irgendwann mehr, wenn sie es nicht mehr vermeiden lässt.

Okay. Ich habe noch am Schluss ein paar schnellere Fragen. Ja. Und das ist so die letzte Runde. Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst?

Ich kann so viel nicht und würde mich bei so vielen Sachen freuen, wenn ich das lernen würde, aber ich bin in einem Alter, wo man froh sein kann, wenn man möglichst viel konservieren kann und nochmal was dazulernen. Das ist ein totaler Luxus. Da weiß ich jetzt erstmal nicht. Fällt mir spontan nichts ein, was ich jetzt noch dazugelernt hätte.

Okay. Wenn du das Buch deines Lebens lesen könntest, würdest du die letzte Seite lesen wollen?

Ja, warum nicht? Doch, die lese ich dann gerne und dann gebe ich mit gutem Gefühl den Löffel ab.

Okay. Welches Buch beziehungsweise welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?

Naja, ich fange mal mit Film an. Also der Film, den ich, den ich gerne mal wieder sehen würde, den ich ein paar Mal gesehen habe, aber jetzt schon viele Jahre nicht mehr, ist Shortcuts von Robert Altman. Den fand ich ein ganz toller Film, weil er so vielschichtig ist, auch so lustig ist und originell und auch sehr ergreifend, tragisch, auch brutal, sehr vielschichtig und wirklich ein toller Film.

Buch fallen mir so viele Bücher ein. Also was ich gerne weitergebe, ist nicht besonders gut geschrieben, stilistisch nervt es manchmal, aber weil wir darüber geredet haben, auch vorhin, ein Buch heißt Factfulness von einem Schweden namens, weißt du das jetzt vielleicht, wo es eben darum geht, gerade, dass es eben nicht stimmt, dass immer alles schlechter wird und alles schlimmer, der das wunderbar belegen kann mit zahlreichen Beispielen und zahlreichen Statistiken, dass sehr viele Bereiche im Leben doch einfach immer besser geworden sind und weiterhin immer besser werden.

Ist mir kurz vor Weihnachten geschenkt worden. Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich habe es in der Hand gehabt. Wir waren zu Besuch und der Bekannte hat gesagt, hier. Ich brauche das nicht.

Dieses Mal ist es, also wie gesagt, stilistisch, also er reitet immer mal wieder auf denselben Sachen rum und das irgendwann nervt es dann auch mal, aber der Tenor des Buches ist super.

Okay. Welche Aufnahme sollte man sich unbedingt mal angehört haben? Das wird wahrscheinlich die schwerste Frage werden.

Also ich mag Lieder sehr gerne, also Schumann, Schubert, Lieder und abgesehen von den frühen Fischer-Diskow-Aufnahmen jetzt von den Eichendorf-Liedern oder sowas wie Schwangesang, Winterreise von Schubert, empfehle ich sehr die Fritz-Wunderlich-Aufnahmen. Den kennen viele nicht mehr, einen Tenor, der vor, ich weiß nicht, 40, 50 Jahren gestorben ist, ein deutscher Tenor, der einfach die wunderschönste Stimme hatte, also dann so ein Lied wie Der Musensohn von Schubert, ein Text von Goethe, das ist einfach immer wieder für mich niederschmetternd schön.

Kleiner Funfact: Wir haben in der Schule, also ich bin ja Lehrer und wir haben Plattensammlungen ausgemistet, weil die, weil in der Schule benutzen wir die nicht mehr und dann habe ich ganz viel mitgenommen. Und ich habe meiner Tochter schon als Baby-Schubert-Lieder vorgeschrieben. SC und Maler 2, das waren so die Highlights für sich witzigerweise.

Da hast du mal drauf reagiert. Und dann hast du irgendwann jetzt dann letztes, ne, vor zwei Jahren so dieses Platten mal durch und da war eine Fritz Wunderlich-Platte dabei und hat draufgelegt. Und die haben wir dann auch zwei Wochen lang wirklich rauf und runter gehört. Wollte sie unbedingt, hat sie irgendwie angesprochen.

Ja, das ist also. Ich wäre gerne Sänger, wäre gerne Sänger geworden, wenn ich es früher mitgekriegt hätte, aber war leider nicht so. Aber diese Stimme, finde ich, ist schon unglaublich.

Abschließend, was sind deine privaten Wünsche und die Wünsche für die Bläser-Szene?

Habe ich da Wünsche. Dass viel schöne neue Musik geschrieben wird und aufgeführt wird. Und dass es da einfach neue Werke geben wird, die, obwohl sie interessant sind, nicht hässlich klingen und obwohl sie schön klingen, trotzdem interessant sind und so weiter. Also da hätte ich gerne viel neue Musik und bin mit der neuen Musik, die zumindest so in den letzten Jahren entstanden ist, oft sehr traurig und unzufrieden und finde es auch so ein belangloser Schmarrn einfach, der da aufgeführt wird.

Noch was, woraus du mir sprichst. Da könnte man eigentlich allein darüber schon ewig reden. Weil ich das, das ist auch sowas, was ich einfach nicht nachvollziehen kann. Aber anderes Thema. Das vertiefen wir heute. Ja, genau. Deine privaten Wünsche noch?

Ja, meine privaten Wünsche sind natürlich, also meine Kinder sind alle jetzt in so einem Alter, also sagen wir mal, bis auf die beiden Kleinen, der zweitkleinste ist, wird 14, der andere wird elf. So die drei jetzt in der Mitte, dass die ihren Weg finden und dass die was finden, mit dem sie glücklich werden und haben wir jetzt Probleme in verschiedene Richtungen und nicht nur Probleme, aber die sind halt alle an so einem Punkt, wo es noch nicht klar ist, in welche Richtung sie gehen.

Und da hätte ich schon sehr gerne, dass wir da alle irgendwie froh und zufrieden und glücklich sind damit.

Okay, Dominik, vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, so lange zu reden. Das war die Folge mit Dominik Wollenweber und die zweite Episode in Folge, wo es um das Doppelrohrblattinstrument geht. Mich würde interessieren, wie ihr diese Folge heute fandet und welche Fragen ihr gerne noch von mir gehabt habt.

Ich finde es sehr spannend, dass auch ein Musiker in solch renommiertem Orchester auch eine gesunde Distanz zu seinem Instrument und zum Üben entwickeln kann. Ich möchte mich nochmal ganz herzlich bei den Supportern dieser Folge, bei Buffet Gramport und der Konzertmeister-App bedanken. Und wenn ihr mich unterstützen wollt, dann bitte den Podcast abonnieren oder sogar auch auf Patreon.com und hier noch extra Folgen abstauben.

Alles weitere findet ihr dann auf Patreon selbst. Und wenn ihr noch den Newsletter abonnieren wollt, den Link findet ihr auch in den Shownotes. Ich bedanke mich bei Dirk Mattes für die Musik, bei Leander Machern für den Schnitt und freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Macht's gut, euer Andi.

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