
On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5· Folge 114
Miriam Hanika (Oboe, Singer-Songwriterin) - Über Wurzeln, Innenleben und Wettervorhersagen
Donnerstag, 27. Februar 2025 · 1 h 41
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Shownotes
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Miriam Hanika habe ich schon vor längerer Zeit auf Instagram entdeckt und sie immer wieder mal mehr, mal weniger verfolgt. Schon beim ersten Entdecken gab es eine gewisse Neugier von meiner Seite und jetzt habe ich sie endlich eingeladen. Sie ist Komponistin, Liedermacherin, spielt Oboe, Englischhorn und Klavier. Für mich wird das heute ein ganz besonderes Gespräch, denn sie wandelt zwischen den musikalischen Welten, wie keine andere bisher hier im Podcast.
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Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes
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Waren die Texte am Anfang der erste Schritt, sich überhaupt mal auszudrücken, weil es gar nicht so viele Menschen um dich herum gab, die sich verstehen haben? Weil du ja gerade sagst, Selbsttherapie?
Ja, mit Sicherheit. Also auf jeden Fall. Das ist auch heute noch so. Also, wenn ich mich unverstanden fühle, dann kommt 99% der Fälle kommen genau aus solchen Situationen raus. Und es ist dann gar nicht dazu da, um dem anderen irgendwas zu erklären oder so, sondern um mir selbst einfach so ein bisschen, ja, weiß ich nicht, wie so eine Art Abschluss zu erschaffen.
Dann mache ich halt jetzt mit der Obama was ganz anderes und investiere da wiederum Jahre, um mir das aufzubauen. Weil das ist natürlich die Realität dahinter. Man geht nicht aus dem Studium und hat dann ein Netzwerk, auf das man diesbezüglich zurückgreifen muss. Wenn du im freien Markt existieren willst, musst du da natürlich auch erstmal jahrelang stattfinden.
Und das weiß ich tief in mir drin auch dann in den Momenten, wo ich zweifle. Also ich habe das Gefühl, dass ich, wenn ich morgen sterbe, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann. Ich habe mein Leben auf eine sinnvolle Art und Weise verbracht.
Konntest du mit deinen Lehrern darüber reden, über dieses, ich fühle mich gerade nicht so wohl auf der Bühne.
Also ich würde sagen, dafür ist generell wenig Platz in der klassischen Szene. Auch weil, also und das ist jetzt überhaupt nicht, das möchte ich nicht meinen Lehrern irgendwie nachsagen oder so, aber was ist ein genereller Konsens, dass man mit solchen Problemen einfach umgehen lernen muss? Das ist so ein bisschen, vielleicht ändert sich das jetzt auch oder es ist sich möglicherweise auch schon am Ändern, aber so eine harte Schule einfach, ne?
Herzlich willkommen bei On Air, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Andy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag oder guten Abend, je nachdem, wann ihr diese Folge hört, seid herzlich willkommen hier beim Blasmusik-Podcast.
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Bevor wir zu meiner heutigen Gästin kommen, wie immer der Supporter und das ist Buffy Grampant beziehungsweise die Oboenmarken. Und da gibt es gleich zwei, nämlich einerseits die gleichnamige Marke Buffy Grampant, auf der anderen Seite noch Rigutard. Schon 1907 waren in französischen Händlerkatalogen zahlreiche Oboen von Buffy Grampant aufgelistet und heute werden von der Schüler Oboe bis hin zu Profimodellen als auch selbstverständlicherweise auch Englischhörner Oboon d'Amour und Bariton-Oboon gebaut.
Wenn ihr jetzt Oboistin oder Oboist seid, schaut doch einfach mal, den Link findet ihr in den Shownotes nach, welche Modelle alles unter diesen Marken vorhanden sind und probiert diese gerne aus. Meine heutige Gästin ist Miriam Haneker. Miriam Haniker habe ich über Instagram entdeckt. Sie ist Oboistin, Englishhornspielerin und Singer-Songwriterin.
Ich fand die Mischung aus Singer-Songwriter-Musik gepaart mit Oboenspiel etwas komplett Neuartiges und total Interessantes, so dass ich Miriam angeschrieben habe, dass wir einfach mal reden. Woher kommt die Idee? Warum gibt es sowas nicht öfters und wie sie eigentlich zum Obohn-Spiel gekommen sind? Daraus wurde eine sehr nachdenkliche, ruhige Folge mit viel Musik darin und einigen Einsichten in die Obohnwelt.
Ich wünsche euch viel Spaß mit Miriam Haneker hier im Blasmusik-Podcast. Meine heutige Gästin habe ich schon vor längerer Zeit auf Instagram entdeckt und sie immer wieder mal mehr, mal weniger verfolgt. Schon beim ersten Entdecken gab es eine gewisse Neugier von meiner Seite und jetzt habe ich sie endlich eingeladen.
Sie ist Komponistin, Liedermacherin, spielt Oboe, Englishhorn und Klavier. Für mich wäre das heute ein ganz besonderes Gespräch, denn sie wandelt zwischen den musikalischen Welten wie keine andere bisher hier im Podcast. Ich freue mich, dass sie hier ist. Herzlich willkommen, Miriam Haneker.
Danke, Andi. Ich freue mich, dass ich da sein darf.
Ja, sehr gerne. Miam, was war das letzte Musikstück, das du dir bewusst mal angehört hast, bevor wir hier jetzt sprechen?
Oh, oh, oh. Naja, also gut, wir haben gerade mein Album gemischt. Deshalb war das dann wohl meine eigene Musik. Und jetzt muss ich kurz ein paar Tage zurückdenken. Das ist nämlich eine richtig gute Frage. Zuletzt habe ich davor tatsächlich von Aho Kalevi das Quintett Nummer 1 gehört, weil wir das in meinem Blizzer-Quintett gerade spielen und bald aufnehmen werden.
Und deshalb habe ich mich da so ein bisschen reingehört. Ich spiele von den Berliner Philharmonikern, genau.
Okay. Ich habe mich jetzt so ein bisschen eingelesen, was du so machst, was du so schreibst. Ich habe natürlich auch nicht alles, aber vieles von dir jetzt versucht, mir auch anzuhören, auch deine Texte zu lesen. Und du scheinst ein sehr feiner Beobachter der Welt zu sein, sehr fühlig mit der Welt. Wie geht's dir gerade?
Du meinst so wirklich jetzt in diesem Moment oder so generell auf die Gesamtheit.
So jetzt in den Tagen, ja.
Ja, es sind schon herausfordernde Tage, aber ehrlich gesagt, ich kenne fast niemanden, der das nicht sagen würde. Es ist irgendwie eine sehr spezielle Zeit. Auf der einen Seite geht es einem total gut, auf der anderen Seite passiert vieles, wo man stundenlang entweder drüber nachdenken oder sich auch aufregen könnte.
Also ja, ich würde sagen, es ist so eine ganz Mischung, ganz, ganz bunte Mischung aus vielen verschiedenen Gefühlslagen, auch so sehr, sehr wechselseitig. Ja, ich glaube, das ist eine ehrliche Antwort zumindest.
Okay. Und jetzt gerade?
Jetzt gerade bin ich angenehm entspannt und ein bisschen müde, weil ich sehr anstrengende Tage hinter mir habe und ja, aber auch nicht jetzt nicht ausgebrannt bin oder so. Es ist alles gerade so am Werden. Da geht es mir gut.
Wie blickst du jetzt ganz persönlich auf die Welt im Moment?
Ich würde mal sagen, mit einer gehörigen Portion Abstand tatsächlich. Also früher wäre ich wahrscheinlich mehr in viele Themen so richtig reingegangen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass man das gar nicht mehr so richtig kann. Oder manchmal muss ich mich selber da auch so ein bisschen rausziehen, weil man sonst da einfach sehr schnell eingesogen wird.
Natürlich könnte ich jetzt sagen, ich blicke sorgenvoll auf die Welt, aber das wäre vielleicht auch ein Stück weit zu einfach. Also ähnlich wie mit der Gefühlslage. Es gibt irgendwie zwei Seiten und es ist, glaube ich, die größte Arbeit, diese beiden Seiten übereinander oder nebeneinander so einfach sein zu lassen und auch zu akzeptieren, dass es nicht immer ganz klar ist, wie man sich gerade fühlt, glücklich oder fulsiefst unglücklich.
unknown Ja, genau.
Wenn du sagst, okay, es sind stressige Tage und ihr habt das Album jetzt fertig gemacht, hilft dir dann die Arbeit davon, Abstand zu nehmen?
Ja, auf jeden Fall. Also es ist kein Ablenken, das nicht. Meine Texte sind ja auch oft sehr aufs Zeitgeschehen bezogen oder auch politisch oder ja, politisch-philosophisch motiviert und auch oft eine Art Verarbeitungsprozess von Erlebnissen und das hilft mir dann natürlich Abstand zu nehmen und auch tatsächlich zu verarbeiten und die Dinge auch aus einem anderen Blickwinkel einfach zu betrachten.
Ich würde später da nochmal drauf zurückkommen. Ich würde gerne eine größere Schleife nämlich nehmen. Wie kam Musik in dein Leben?
Also meine Eltern sind beide Musiker. Das ist macht es erstmal sehr einfach, sage ich mal tatsächlich. Beide studierte Kirchenmusiker tatsächlich. Und als meine Schwester und ich auf die Weg gekommen sind, waren meine Eltern noch sehr, sehr jung und mein Vater war eigentlich Konzertorganist, aber das mit dem Reisen, das funktioniert halt mit zwei kleinen Kindern tatsächlich nicht so gut.
Und dann hat er eine Musikschule gegründet und in der Musikschule bin ich quasi aufgewachsen, mehr oder weniger. Die ist genauso alt wie ich. Und ja, da konnte ich dann wirklich irgendwie alles ausprobieren, was ich wollte und einfach überall mal rein stumpern. Und meine Eltern haben mich auch immer gelassen.
Also da war kein Druck dahinter. Das war eigentlich ein sehr schönes Aufwachsen mit der Musik tatsächlich.
Und wie kam es dann zu Oboe?
Eben auch tatsächlich ein seltsamer, lustiger Zufall, wenn ich die Geschichte erzähle, dann muss ich immer dazu sagen, das ist eigentlich das, was die Oboisten, also was so ein Affront ist gegenüber den Oboisten, wenn du die Oboe mit der Klarinette verwechselst. Das passiert häufig und das ist auch überhaupt kein Ding, weil sie sehen sich einfach auch ähnlich.
Und wenn man da nicht so drin ist, kann man das schnell mal verwechseln. Und ich habe damals, also ich war ungefähr zwölf, wollte ich ein Blasinstrument spielen. Und mein Vater hatte in seinem Büro unten in unserem Haus hatte er ganz viele Instrumente. Und ich hatte mir Klarinette irgendwie überlegt.
Ich weiß, da weiß ich tatsächlich nicht, warum. Schien mir irgendwie logisch. Und dann bin ich runter ins Büro gestapft und habe aber statt der Klarinette aus Versehen die Oboe mit nach oben gebracht. Und dann habe ich das Instrument zusammengebaut mit meinem Vater und er hat mir, glaube ich, erzählt, dass es besonders schwer ist.
Und ich habe mich auch noch erinnert, weil als ich drei, vier Jahre alt gewesen bin, hat mein Vater sehr viel Oboe gespielt und ich hatte den Klang noch so dunkel im Kopf und fand das dann als Kind irgendwie spannend, ein Instrument zu lernen, was sonst keiner lernt und was schwierig ist und anstrengend.
Ich war auch so ein kleines, zierliches Kind und ich glaube, ich wollte mir irgendwie was selbst beweisen. Und dann habe ich da irgendwie auch gleich einen Ton rausgeknörkt, muss man echt sagen. Und dann habe ich gedacht, okay, das mache ich jetzt. Ja, dann hat es nur ein paar Jahre gedauert, dann habe ich auch wirklich Feuer gefangen.
Aber die ersten Jahre waren hart.
Aber du bist dran geblieben, das ist ja auch was.
Ich hatte eine längere Pause dann tatsächlich und dann 15, 16 ist dann der Funke so richtig übergesprungen. Genau, aber bis dahin hat es tatsächlich auch gedauert.
Ich finde es spannend, dass du sagst, ich wollte ein Instrument lernen, das nicht so leicht ist. Und dass du dir sowas beweisen wolltest, woher kommt das? Weißt du das?
Ja, irgendwie, also ich war nie so das wahnsinnig sportliche oder mutige Kind. Also abgesehen davon, dass ich mich auf eine Bühne stellen konnte, wo viele andere Kinder vielleicht sich nicht getraut hätten, aber so draußen, weiß ich nicht, oder beim Sport oder so, war ich immer eher so jemand, der jetzt nicht unbedingt ein Salto schlagen wollte oder so.
Und die Oboe hatte irgendwie so was Herausforderndes für mich. Eben und so wahnsinnig exotisch. Und dann gleichzeitig auch in Kombination mit diesem wunderschönen Klang, der, der irgendwie so selten ist und dann doch irgendwie total vertraut mir, mir persönlich war. Ja, und diese ganzen, diese, ja, das alles zusammen hat dann dazu geführt, dass ich dachte, das muss ich jetzt machen.
Und es war auch ein gutes Gefühl, dann zum Beispiel im Schulorchester zu sitzen und zu wissen, man ist der Einzige. Das habe ich heute noch so, das sage ich ganz gern. Ich mag es, wenn ich mich nicht vergleichen muss. Also das ist ja in der Musik eine gängige Praxis leider. Das gehört irgendwie mit dazu.
Aber ja, ich glaube, deshalb habe ich mir immer so versucht, die Felder zu schaffen oder in den Feldern auch zu wirken, wo das nicht so ausgeprägt ist.
Genau.
Okay. Mit welcher Musik bist du generell groß geworden? Also, was hast du bei euch zu Hause?
Ja, fast nur Klassik. Also sehr, sehr viel. Bach, mein Vater ist ein großer Bach-Fan und ich, ich auch. Also meine Mutter hatte dann irgendwann auch mal Jazz oder sowas. Also Silie Nergert, ich weiß nicht, ob du die kennst, ist eine relativ bekannte Jazzsängerin. Und die habe ich dann entdeckt, habe ich irgendwann aus dem Regal gezogen im Teenager-Alter und fand das dann extremst spannend, weil ich sowas noch nie richtig gehört hatte.
Und sie hatte auch eine sehr helle Stimme, also so ein bisschen ähnlich von der Klangfarbe her wie meine. Und das fand ich dann ganz toll. Aber ansonsten war das schon ein ganz starker klassischer Einfluss bis auf die Musik, die dann irgendwie im Teenager-Alter auch von meinen Freunden zu mir rübergeschwappt kam.
Und da habe ich dann natürlich auch so die Sachen von damals gehört. Ich weiß schon gar nicht mehr, was das war. Mobi, ich weiß nicht.
Oder so. Kommt drauf an, wie alt du bist. Ich weiß nicht gar nicht.
Ich weiß nicht mehr, wie die Bands alle heißen. Aber auch, ich habe auch Supertramp gehört und Beatles und so Zeug dann irgendwann. Ja, aber am Anfang war das schon sehr, sehr stark von der Klassik dominiert.
Wie alt warst du, als du das erste Mal auf der Bühne standest?
Ich glaube vier oder drei im Kirchenchor. Also ich habe dann, ich hatte so eine ganz klare Stimme und ich durfte dann Weihnachten immer dieses Weihnachtslieder-Soli singen. Ja, da habe ich meine Mutter erpresst, dass ich das nur mache, wenn ich Lackschuhe bekomme und die habe ich bekommen und ich habe es auch gerne gemacht.
Das war nur ein guter Anlass, um das durchzudrücken.
War die Bühne schon immer deins?
Ja, aber sie ist es dann eine Zeit lang nicht gewesen. Gerade mit der Oboe fand ich es ab dem Zeitpunkt, wo es ernst geworden ist, also wo ich mich entschieden habe, ich mache das jetzt, kam dann so eine Phase, wo ich extrem nervös war, alles sehr in Frage gestellt habe und auch nicht wirklich Spaß hatte auf der Bühne.
Das war dann ja, vielleicht bis zur Hälfte des Studiums ein großes Thema und dann hat sich das verwachsen, will ich nicht sagen, aber komplett wieder umgedreht mit den Jahren.
Wenn du sagst, als es ernst wurde, wie alt warst du da, als du für dich dann beschlossen hast, okay, ich gehe den Weg und studiere Obo.
Also im 15, als ich dann eben auch ernsthaft gesagt habe, Obo ist jetzt irgendwie das Ding, wollte ich auch gerne von zu haben, also nicht von meinen Eltern, aber einfach weg aus der kleinen Stadt irgendwo hin, wo auch Leute mich verstehen, dass ich halt mich für sowas so sehr interessiere. Und hab dann meinen Eltern gesagt, dass ich gerne auf ein Musikinternat gehen würde.
Und dann bin ich dann mit 16 Jahren nach Weimar gegangen. Da gibt es ein Musikinternat, was sehr gut ist und wo ich auch sehr, sehr gerne war tatsächlich. Ja, und da fing das dann aber an, das war, das System dort ist natürlich auch schon sehr fordernd. Man hat dieses halbe Jahr Prüfung, man spielt eine Abiturprüfung auch in seinem Instrument.
Also so Sachen wie Jugendmusiziert, diese Wettbewerbe sind auch irgendwie Voraussetzungen. Der Orchesterapparat ist auch in den Schulalltag integriert und sowas. Das ist ganz toll. Aber natürlich auch ein gewisser Druck ist schon da, klar. Und da war es dann erstmal schwer.
Und das Vergleichen geht los.
Genau, das Vergleichen geht los, auf jeden Fall. Wenn es benotet wird, klar, du weißt, was dein Sitznachbar gekriegt hat, dann fragst du dich, warum hat das bei mir noch nicht so geklappt, oder? Ja.
Warum bist du den Weg gegangen, wenn du sagst, okay, ich hatte zwischendurch eigentlich keine Lust. Und das war gar nicht so ein Wohlfühlort für mich.
Also Lust hatte ich, wie gesagt, bis auf diese Jahre zwischen 12 und 15, da war es halt, das war so diese typische Phase, kennen, glaube ich, alle Eltern, wo man einfach seine Kinder manchmal gerne zum Üben prügeln würde. Aber man macht es nicht, weil man weiß, es bringt nichts. Das war, da, das war die Frage der Lust.
Danach hatte ich große Lust und war aber einfach noch überfordert. Und auch, glaube ich, so ein bisschen nicht erschrocken, so ein positives, wie nennt man das, nicht erschrocken, sondern so voller Ehrfurcht stand ich so vor diesem Berg an, nicht an Arbeit, aber an Möglichkeiten, die sich einem bieten, wenn man eben sowas angeht.
Aber man merkt ja dann auch in der ersten Phase vor allen Dingen, wie viel man tun muss, um da am Ende hinzukommen. Man merkt, was das wirklich erfordert, wie viel Zeit, wie viel Stunden, wie viel Disziplin auch und wie viel Herzblut und auch wie viele Niederlagen auch da dazugehören. Für jeden Musiker, also es stimmt ja eben wirklich, dieser Spruch, es ist kein Meister vom Himmel gefallen.
Und das war dann eben so diese Phase, wo ich zwar Lust hatte, aber mich herausgefordert gefühlt habe. Und man kann ja immer an so eine Herausforderung, entweder man geht da ran und sagt, hey, eigentlich sperrt sich in mir so einiges dagegen, ja, ich möchte eigentlich lieber umdrehen gehen, aber irgendwas in mir sagt auch, nee, das ist total cool und wenn es dann mal funktioniert, dann hat man dieses krasse Hochgefühl, das kennt ja auch jeder Musiker und man kann sich dann irgendwie ausdrücken, ja, hat irgendwie auch ein Ventil.
Also ja, was, was glaube ich auch vielen Menschen Zeit ihres Lebens verborgen bleibt, wenn man sowas mal nicht probiert einfach ja, über die Grenzen geht, sich auch mal blamiert oder unzufrieden mit sich selbst ist, ja.
Hast du dich so richtig blamiert auf der Bühne?
Ach, naja, bestimmt. Also zumindest hat es sich vielleicht so angefühlt.
Das sind ja zwei verschiedene Dinge zwischen anfühlen, was meistens ja überwiegt, als tatsächlich das blamieren.
Also genau, das Gefühl der Blamage ist ja meistens dann am größten, wenn man zum Beispiel, also bestes Beispiel sind für mich immer solche Situationen wie Wettbewerbe oder Probespiele, wo du wirklich merkst, das war jetzt überhaupt nicht, entsprach nicht deiner Leistung und oder es passiert irgendwas ganz Blödes, einmal bei einem Wettbewerb, war wirklich was in meinem Rohr drin und ich musste aufhören und das erstmal rausfischen, bevor ich dann weiter.
Also das war wirklich kein schöner Moment. Aber das sind natürlich eigentlich keine wirklichen Blamagen, weil ja, also erstens jetzt bei der Situation vielleicht schon, aber sonst merken das viele Leute ja gar nicht, dass man sich so wahnsinnig unwohl fühlt. Und ansonsten alles andere, was auf der Bühne passiert, wo man sagt, es könnte eine Blamage gewesen sein, ist dann eigentlich auch schon wieder lustig und es kommt immer darauf an, wie man mit umgeht.
Also neulich habe ich wahnsinniges Nasenbluten auf der Bühne bekommen. O Bon-Solo in einem meiner Lieder. Und ich wollte aber weiterspielen und dann tropfte das so runter und es hat auch irgendwie zum Lied gepasst. Und ich habe das dann durchgezogen und nachher dachte ich, ja, also alle fanden es irgendwie klasse.
Ich habe mir dann gedacht, wenn ich da aufgehört hätte und hätte irgendwie rausgerannt, also das wäre peinlich gewesen. Aber so war es irgendwie, hat es irgendwie was von Stimmung gehabt.
Aber du baust das jetzt nicht immer ein bei dem Song.
Nee, das wäre spektakulär. Nee, geht einfach nicht.
Wo hast du genau studiert? Das konnte ich nämlich nicht rausfinden.
In München, hier an der Musikhochschule, genau, bei François Léleu.
Konntest du mit deinen Lehrern darüber reden, über dieses, ich fühle mich gerade nicht so wohl auf der Bühne.
Also ich würde sagen, dafür ist generell wenig Platz in der klassischen Szene. Auch weil, also und das ist jetzt überhaupt nicht, das möchte ich nicht meinen Lehrern irgendwie nachsagen oder so, aber es ist ein genereller Konsens, dass man mit solchen Problemen einfach umgehen lernen muss. Es ist so ein bisschen, vielleicht ändert sich das jetzt auch oder es ist sich möglicherweise auch schon am Ändern, aber so eine harte Schule einfach.
Also, und dann muss man für sich selbst die Strategien entwickeln und ja, das ist schon manchmal auch mühsam, aber dass ich mit meinen Lehrern, also gerade im Studium darüber gesprochen hätte, klar, man sagt dann vielleicht mal nach einem Klassenkonzert, wenn was nicht geklappt hat, ja, ich war zu nervös oder so.
Aber dass man wirklich darüber spricht, was könnte man tun, dass das ist eigentlich nicht passiert. Und nicht, also vielleicht auch, weil ich es nicht für nötig finde, aber so sicherlich auch von mir aus gesehen. Aber es ist auch das Angebot nicht da. Es ist so ein beidseitiges Ding. Und es ist ja auch jetzt kein Geheimnis, dass viele klassische Musiker gerade später, dann auch im Orchesterbetrieb, mit der Aufregung noch weniger klarkommen.
Dann kommt diese Beta-Blocker ins Spiel und so. Früher ändert sich jetzt auch gerade, ist aber sicher auch noch ein Thema. Also das Thema Alkohol generell, eigentlich dieser, man muss es so nennen, Drogenmissbrauch, um diesen Beruf auszuhalten. Ich finde schon, dass man da viele, viele Anhaltspunkte hätte, wo man mal hinschauen könnte, um auch einfach den Leuten das Leben ein bisschen leichter zu machen.
Aber ja, da ist halt im Studium einfach vielleicht nicht der Platz mit den Hauptverständnis. Lehrern da gewesen.
Du hast dann vorhin so schön lapidar gesagt, das hat sich dann verwachsen. Was war deine Strategie? Weil das geht ja nicht automatisch weg. Hast du so viel gespielt, dass du so viel Routine gekriegt hast, dass es dann tatsächlich irgendwie normaler geworden ist? Oder was war deine Strategie dabei?
Routine ist sicherlich ein ganz großer Punkt. Also auch so diese Einstellung, wenn man vom Pferd fällt, steigt man wieder auf, dass man sich lange fragt, wenn es mal nicht geklappt hat, was mache ich jetzt, wann traue ich mich wieder auf die Bühne. Der große Vorteil hier in München war auch, es gibt ein unglaubliches Angebot an Orchestern und Gruppierungen, wo man schon sehr früh im Studium anfangen kann zu mucken und immer wieder auf Bühnen steht, auch in Situationen, wo man sich jetzt nicht so herausfordernd, ähfordert fühlt.
Und dann kann man aber einfach so dieses auf der Bühne sein, auch fast wie so ein bisschen üben, würde ich mal sagen. Das hat mir persönlich sehr geholfen. Ich habe aber auch extrem viel Yoga gemacht, tatsächlich während meinem Studium, habe mich viel mit der Atmung beschäftigt, weil ich eben, wie gesagt, ich bin schon eher eine kleine zierliche Person.
Es ist mir oft passiert, dass Leute zu mir gekommen sind und gesagt haben, was, Sie spielen Oboe. Ja, es ist dann fast so ein bisschen schwierig, damit umzugehen, weil dann fühlt man sich so bestätigt in seiner eigenen Annahme, dass man vielleicht, dass man es schwieriger hätte als jemand, also der Kommilitone, der vielleicht einen halben Meter größer ist oder so.
Was gar nicht unbedingt stimmt. Und dann war so das Thema Atmung für mich immer ein ganz großes, auch gerade, wenn man nervös ist, dann ist die Atmung ja einfach schneller und höher und die brauchen wir einfach beim Obo-Spielen sehr weit unten und sehr kontrolliert. Und dann habe ich eben sehr, sehr viel Yoga gemacht und auch meditiert und solche Sachen.
Aber eben auch die Praxis auf der Bühne und ja, einfach sich selbst immer wieder fragen, was hat mir geholfen in dem Moment oder was hilft mir nicht. Ja, was kann ich ausschließen, was ist schlecht an den Tagen, wenn ich ein Konzert spiele. Ja. Und dann braucht es natürlich auch einfach Leute um einen rum, die einem immer wieder sagen, hey, du machst das gut, du wirst besser, du entwickelst dich, weil darum geht es ja letzten Endes.
Es muss nicht so gut sein, sondern sich einfach entwickeln können.
Wann kam bei dir dazu, dass du Texte geschrieben hast?
Das fing eigentlich sehr, sehr früh an. Eigentlich, also bevor ich auf das Musikinternat gegangen bin, habe ich getextet. Als ich dann dort anfing, ist das erstmal wie in den Hintergrund gerückt. Und dann aber dort vor dem Abitur ein, zwei Jahre, habe ich schon wieder angefangen, auch Lieder zu schreiben und zu texten.
Und es war eigentlich dann auch durchs Studium durch immer das, was ich gemacht habe, wenn ich an der Oboe fertig war, sozusagen. Also man kann ja jetzt auch nicht acht Stunden Oboe spielen am Tag. Man muss es in mehrere Strecken, also Etappen aufteilen, das nicht so anstrengend ist. Und das war dann immer die Zeit, wo ich am Klavier saß und einfach gespielt und komponiert habe.
Und ja, das ist dann immer mehr geworden mit der Zeit tatsächlich.
Wann kam dann der Schritt zu sagen, okay, ich kombiniere einfach beides? Also Obu und Songwriting.
Ziemlich spät, gegen Ende von meinem Studium, also von meinem Master tatsächlich, weil es so sich so abwegig angefühlt hat erstmal. Und ja, das war dann auch am Anfang nur so ein kleines Experiment, da hatte ich ein Lied und habe mich auf so einen Kulturpreis beworben und dachte, hey, vielleicht ist es cool, wenn ich da auch mal ein Ubuntsolo reinspiele.
Und dann habe ich das gemacht, fand das erst auch wahnsinnig schwierig, weil Singen und Ubo-Spielen hat nicht so, also hat irgendwie was miteinander zu tun, aber dann auf der anderen Seite auch wieder gar nichts. Muss ich sehr umstellen und ja, dann habe ich das ausprobiert und erstmal gedacht, ja, nett, aber weiß ich nicht, ob ich das wieder mache.
Und dann habe ich es aber immer wieder gemacht und mittlerweile fühlt es sich genauso normal an, wie wenn ich Klavierspiele und dazu singe.
Sind das jetzt beides Elemente, wo du sagst, okay, damit kann ich mich, also kann ich mich als Person vollständig ausdrücken, also einmal durchs Instrument, also durch ein Instrumental, also Blasinstrument. Und natürlich die Texte, die ja sehr, sehr persönlich sind und sich nochmal öffnen. Das sind ja so zwei Ebenen.
Absolut. Für mich zumindest.
Ja, also ich denke, ich kann schon sagen, dass wenn ich meine Texte singe, die ich ja auch selbst geschrieben habe, dass das nochmal eine andere Form der Ausdrucksweise ist, vielleicht irgendwie tiefer geht oder sich vertrauter und viel vertrauter anfühlt. Das heißt aber, das ist jetzt nicht unbedingt wertend, weil wenn ich dann mit meinem Quintett spiele, das ist so das klassische Projekt, was ich noch mache und auch mit sehr viel Leidenschaft und auch mit einer ganz tollen Truppe, die ich einfach sehr, sehr liebe und auch die Musik ist fantastisch.
Aber es ist ein anderes Gefühl. Das eine ist tatsächlich, also diese klassische Musik ist wieder so ein bisschen auch so dieses Herausfordernde, so ich gehe jetzt mal in meine Grenzen und jetzt mache ich das mal und mit denen zusammen und irgendwie ja, so da ist das eigene Limit so extrem ausloten und die Texte und meine eigenen Lieder, das ist wirklich so in mir dringraben, was da nach draußen will.
Und ja, wie so eine Art Selbsttherapie eigentlich, genau. Also schon schon mehr der persönliche Ausdruck natürlich als die klassische Musik.
Du hast vorhin, und vielleicht ist meine Annahme jetzt auch falsch, dann berichtige mich. Du hast vorhin gesagt, du wolltest dann auch auf ein Musikgymnasium, weil du auch Leute um dich haben wolltest, die verstehen, was du da so tust, was du da so willst. Also sich mit Musikern halt umgeben. Ich glaube, jeder Musik erkennt das.
Waren die Texte am Anfang so der erste Schritt, sich überhaupt mal auszudrücken, weil es gar nicht so viele Menschen um dich rum gab, die sich verstehen haben, weil du ja gerade sagst, Selbsttherapie.
Ja, mit Sicherheit. Also auf jeden Fall. Das ist auch heute noch so. Also wenn ich mich unverstanden fühle, dann 99% der Fälle kommt genau aus solchen Situationen raus. Und es ist dann gar nicht dazu da, um dem anderen irgendwas zu erklären oder so, sondern um mir selbst einfach so ein bisschen, ja, weiß ich nicht, wie so eine Art Abschluss, ja, so eine Closure irgendwie zu erschaffen.
Ja, und das war damals sicherlich ganz genau das Gleiche. Nur viel kindlicher, sage ich jetzt mal. So mit zwölf habe ich das noch nicht so ganz fassen können, glaube ich.
Ist dieses Songwriting Learning by Doing? Oder gab es jemanden, der dir auch gezeigt hat, gerade in der Hochschule gibt es ja manchmal Möglichkeiten, um fachfremd quasi so ein bisschen reinzuschnuppern?
Nee, es ist tatsächlich komplett Learning by Doing und das ist auch, glaube ich, also es soll auch so sein und ich habe es dann auch irgendwann, also zwischendurch habe ich schon mal Gesangsunterricht genommen oder so, aber jetzt nicht speziell bei einem Liedermacher, Gesangslehrer oder so, sondern einfach mal bei der Klassik reingeschaut, dann im Jazzbereich und so, einfach um die Stimme so ein bisschen kennenzulernen.
Aber was das Texten und so betrifft und auch das Zusammenspiel mit dem Klavier, das ist komplett Learning by Doing und ich finde das auch total schön, weil ich ansonsten, also auf der Bube natürlich eine extrem schulische Laufbahn, sage ich es mal, durchlaufen habe, wo es auch wichtig war, dass ich Leute an meiner Seite hatte, die gesagt haben, hey, mach das so und so, dann funktioniert es so und so, weil dieses Instrument ist einfach extremst komplex.
Da reicht ein Leben nicht aus, wenn man das quasi autodidaktisch lernen möchte. Nun habe ich am Klavier ja auch schon sehr früh Unterricht bekommen und gut, dass Texten in gewisser Weise, natürlich haben wir im Deutschunterricht auch Gedichte schreiben müssen und so und ich habe das immer sehr gern gemacht.
Ich habe den Deutschunterricht immer total geliebt und so und deswegen ist es ja schon Learning by Doing, aber natürlich unter ganz vielen verschiedenen Einflüssen von außen.
Wer ist musikalisch gesehen, gerade was dieses Songwriting betrifft, dein größter Einfluss, würdest du sagen?
Schwierig zu sagen. Also von außen, auch weil ich da jetzt im Label natürlich lange war, kommt immer gleich so dieser oder kommt schnell der Vergleich, Konstantin Wecker in weiblicher Form oder so. Ich mag das gar nicht so gern, weil ich finde.
Gut, dass ich das weggelassen habe.
Naja, nee, es ist auch nicht schlimm. Also das macht auch Sinn und es gibt auch viele Dinge, die uns tatsächlich verbinden, weil er ja auch eine klassische Ausbildung am Klavier eben hatte und auch aus der Klassik kommt und auch so in den Texten, nicht in allen, aber in vielen Texten natürlich eine ähnliche Ausrichtung da ist und so.
Dann überschneidet man sich natürlich schneller, auch wenn man vielleicht ansonsten viele Unterschiegt hat. Und ich habe ja vorhin schon erwähnt, Silja Nerger zum Beispiel war für mich lange ein großes Vorbild auch von den Arrangements, die in ihren Sachen benutzt werden. Die sind oft sehr orchestral mit Streichquartett und eben, aber zusätzlich Band und so.
Und das hat mich zum Beispiel auch sehr geprägt. Und dann klar, Konstantin Wecker auch, aber auch Reinhard May, ich bin ein ganz großer Fan von Reinhard May, gerade live, ist er einfach jemand, der mich endlos begeistert. Und ja, da geht, ich habe jetzt sicherlich ganz viele vergessen. Also natürlich auch aktuelle Künstler.
Doter Kehr finde ich total toll. Als Leader oder Singer-Songwriterin, wie auch immer man das jetzt nennen möchte. Genau. Da gibt es ganz viele Einflüsse, fallen mir jetzt gar nicht alle ein.
Alles gut. Weil der Name gefallen ist, würde ich gerne kurz dableiben. Wie kam die Verbindung zu Konstantin Wecker?
Ich habe damals, also nach meinem Studium habe ich dann mein erstes Album aufgenommen und habe das einfach mal durch die Gegend geschickt. Und ich habe eine gute Freundin, die beim BR in der Klassikabteilung allerdings arbeitete damals. Und die hat das Album einfach dem Konstantin weitergeleitet, weil sie ihn kannte.
Und dann hat er sich bei mir gemeldet und hat gesagt, das würden sie gerne rausbringen, genau.
Okay. Bevor wir tiefer in deine Musik einsteigen, würde ich erstmal bei deinem Instrument ein bisschen bleiben. Also du schreibst das ja auch so schön und hast das jetzt auch gesagt, dass das ein sehr schweres, komplexes Instrument ist, das wahrscheinlich ein Leben nicht reicht, um das vollendst zu durchdringen.
Die Frage ist, welches Instrument kann man wahrscheinlich vollends durchdringen. Das ist die andere Sache. Absolut. Ich weiß, dass ich auch bei den Hörern relativ viele Amateurmusiker beide und natürlich auch viele, die aus dem Blasorchester kommen, da ist die Oboe jetzt auch nicht immer so stark vertreten.
Deswegen die Frage: vielleicht kannst du das für manche greifbarer machen, was macht die Oboe so extrem schwer?
Also grundsätzlich kann man es auf zwei Faktoren reduzieren. Das eine ist das Mundstück, also unser Rohr, und das andere ist die anfällige Mechanik. Das mit der Mechanik, also wenn man es tatsächlich mit einer Klarinette vergleichen will, wenn man sich die zwei Instrumente nebeneinander anschaut, dann hat die Oboe, also man muss nicht mehr Klappen drücken als bei einer Klarinette, das nicht, aber es ist einfach sehr viel mehr verbaut an Mechanik dort auf diesem Instrument.
Und das heißt, man hat sehr viel mehr Stellen, die in Mitleidenschaft gezogen werden können. Und so eine Oboe verstellt sich wirklich unglaublich schnell. Es gibt so Phasen, da bin ich jede Woche bei meiner Oboenbauerin hier in München, um das Instrument wieder einstellen zu lassen oder weil irgendwas abgefallen ist oder so.
Also manchmal nimmt das echt sehr seltsame Formen tatsächlich. Das ist das eine. Aber ich glaube, der noch viel extremere Punkt ist einfach das Mundstück, also das Rohr. Das, glaube ich, versteht man tatsächlich erst, wenn man es gespielt hat. Fagottisten haben ein ähnliches Thema. Klarinettisten haben das Thema auch bis zu einem gewissen Grad.
Aber unser Rohr ist das Kleinste und wir haben eben Doppelrohrblatt. Das heißt, es ist einfach so, so mini-klein alles und es geht um so wenige Maßeinheiten, wo man dann was falsch machen kann oder die darüber entscheiden, ob ein Rohr gut klingt oder nicht. Ja, dass es schon auch immer ein bisschen Glück und Zufall bleibt, ob das jetzt was wird.
Und dann hast du an einem Rohr an einem Tag ein Rohr, was gut funktioniert, was aber dir am nächsten Tag gefühlt nur Stein in den Weg legt. Also es ist tatsächlich so, das klingt übertrieben, aber manchmal kann ich mit meinen Rohren das Wetter vorhersagen. Weil die sich so stark verändern, wenn jetzt zum Beispiel ein Gewitter kommt oder so, von Trocken zu feucht.
Das ist manchmal wirklich frustrierend. Das bleibt doch immer ein Stück weit. Also man lernt damit umzugehen, man lernt auf schlechten Rohren zu spielen, gut spielen zu können. Auch darum geht es eben auch. Aber es ist ja immer jeden Tag ein großes Abenteuer, zusätzlich zur eigenen körperlichen Verfassung, die wir ja alle haben, als Musiker, der wir ja alle ausgesetzt sind, noch diese Launen des Mundstücks und des Instruments dann manchmal zu ertragen.
Wir machen eine Kurzunterbrechung für einen weiteren Supporter dieser Folge, nämlich der Konzertmeister-App. Ich bin nicht nur Dirigent, sondern auch als Musiker in einigen Ensembles unterwegs und leite mittlerweile einige Ensembles. Und ich habe in den letzten Jahren immer was gesucht, womit die Organisation der Termine und der Kommunikation mit diesen Ensembles vereinfacht wird.
Und das habe ich gefunden in der Konzertmeister-App. Nicht nur, dass ich die verschiedenen Termine der verschiedenen Ensembles anlegen kann und ich in Echtzeit benachrichtigt werde, falls jemand nicht kann. Und somit die Kommunikationsplattform über Teilnahmen nur noch über eine App läuft. Ich kann mittlerweile auch Räume planen.
Auch das kennen wir von Musikvereinen, dass in der Gemeinde der Proberaum vielleicht durch verschiedene Ensembles, durch Lehrer oder durch andere Vereine mitgenutzt wird. Somit kann ich das auch in einer Übersicht verwalten. Und die App hat sich in den letzten Jahren nochmal extremst weiterentwickelt, denn die Macher sind selbst Musiker und das merkt man, ich kann auch mittlerweile Umfragen starten und ganze Musikstücke und Setlists verwalten, sodass sich alles, was mein Orchester, mein Ensemble betrifft, in einer App vereint vorfinde.
Und das neueste Feature ist eine Verbandslösung, sodass der Verband sich auch innerhalb verwalten kann. Dazu gibt es auch den Link in den Shownotes. Wenn ihr jetzt sagt, ich kenne die App nur vom Hörensagen, dann probiert sie unbedingt aus. Den Link findet ihr in den Shownotes und ich kann euch jetzt schon versprechen, ihr werdet nicht enttäuscht sein.
Und jetzt geht's weiter mit der Folge. Ich glaube, wir gucken, also ich bin ja Trompeter, ich glaube, wir gucken insgeheim nightfall so ein bisschen drauf, dass wir manchmal, wir würden gerne auch gern die Schuld manchmal aufs Mundstück schieben. Ja. Wenn es nicht läuft.
Das ist das Ding, je nachdem, wo du bist, kannst du das vielleicht mal machen. Aber sobald du im professionellen Bereich unternimmst, ist das den Leuten herzlich egal. Ich bin dann immer neidisch auf die Opernsänger, wenn dann irgendwie da die Durchsage kommt, HXY oder her, weiß ich nicht was, ist heute leider erkältet und deshalb kann er nicht so gut singen, so nach dem Motto, seit Nachsicht.
Dann denke ich mir immer, ja, wäre nett, wenn man auch die Oboe so ankündigen könnte. Hat heute leider kein gutes Rohr.
Wie sieht dein Üben bei der auf der Oboe aus? Also bist du täglich?
Ja, wenn es geht, schon. Also es gibt natürlich mal Phasen, wo so viel los ist. Wenn ich auf Tour bin, sowieso, dann ist das hinfällig, aber dann versuche ich irgendwie noch während dem Soundcheck oder kurz danach nochmal so ein bisschen zu üben, damit mein Ansatz einfach auch fit bleibt. Und ansonsten, ja, es ist wirklich oft so, auch dass ich übe, nicht, weil ich jetzt unbedingt die Stücke noch üben muss, je nachdem, was für ein Programm ich gerade spiele, sondern einfach, weil ich weiß, wenn ich es nicht mache, dann bin ich nach fünf Minuten platt.
Das ist halt auch bei der Oboe, bei Trompete und Horn sicherlich auch noch ähnlich, dass man einfach fit bleiben muss und übt um der Fitness willen. Ja, da braucht man halt diese Regelmäßigkeit. Deshalb übe ich auch noch relativ viel Technik, finde ich aber auch eigentlich was Gutes, also weil man entwickelt sich ja dann doch auch ständig weiter, auch wenn man das Gefühl hat, man kann eigentlich vielleicht das meiste schon irgendwie, aber ja, und dementsprechend Tonleitern, weiß ich nicht, auch mal lange Tönefingerübungen und dann eben das, was gerade so auf dem Programm steht.
Also ich bin ja auch Dirigent und ich muss sagen, Oboe ist immer so das Instrument, weil ich auch lange keine Oboe in meinem Blasorchester sitzen hatte, erst die letzten paar Jahre, ist das immer noch so ein Instrument, wo ich einfach zu wenig weiß. Also ich kann auch keine Tipps geben. Und so wird es wahrscheinlich in auch vielen draußen gehen.
Hast du irgendwas, wo du sagst, okay, darauf könnte man als Dirigent, vor allem von einem Laien-Orchester, achten, dass eine Oboistin, ein Oboenspieler besser klingt, wenn es jetzt nicht das Rohr ist. Also das habe ich jetzt verstanden. Weil da habe ich ja keinen Einfluss. Ich habe das ja auch schon im Studium immer mitbekommen, dass das eine Wissenschaft für sich ist.
Wenn dann fleißig geschnitzt wird und dann sich irgendwann aufgeregt wurde, dass es doch nichts geworden ist.
Also aus meiner pädagogischen Tätigkeit weiß ich, dass, zumindest, also das immer umgekehrt gesprochen, das Schlechteste, was man machen kann, ist nicht demjenigen Mut zuzusprechen.
Das habe ich auch schon verstanden. Aber das ist ja generell so.
Das ist generell so. Aber ein Oboist, der sich gerade fragt, ob das, was er macht, gut ist und so ein bisschen Angst hat zu spielen, der wird immer, also das wird immer, das wird in die Hose gehen, weil als Oboist du kannst dich ja auch nicht gut verstecken. Das ist ja das Ding. Wir haben ja nicht so viel Dynamik wie andere.
Das ist ja schwer, ein gutes Piano zu spielen. Und deshalb ist erstmal so für mich, denke ich, das Wichtigste, dass man demjenigen sagt, hey, mach einfach traurig, wird schon, ja. Und dann klingt es vielleicht erstmal gar nicht so gut, aber nach und nach wird es besser, weil man sich einfach entspannt.
Weil ich glaube, der Schlüssel ist bei der Oboe, wie bei fast allen Instrumenten, auch eben so diese goldene Mitte aus Anspannung und Entspannung an den richtigen Punkten im Körper. Und ja, letzten Endes die zwei Komponenten, die zu einem schönen Klang führen, sind die Luftführung und ein runder Ansatz.
Also kann man auch wirklich gut demonstrieren, wenn man den Ansatz mal sehr breit in die Länge zieht, also so ein wirklich so ein, dass man auch sehr aufs Rohr beißt, dann wird der Klang halt dementsprechend heller und weniger rund. Wohingegen, wenn ich versuche, mir meinen Mund eher wie so eine Art Ringring vorzustellen oder die Muskulatur um den Mund wie so einen Ring zu visualisieren und dann den Ansatz dementsprechend wirklich um das Rohr zu formen und man sagt immer so schön von den Seiten zu drücken, was das sind alles nur Bilder, das geht ja nicht so richtig anatomisch, dann wird der Klang für gewöhnlich gleich eigentlich sehr viel wärmer und schöner.
Und dann muss natürlich aber noch die Luftführung stimmen. Also man muss wirklich reinblasen. Ich habe immer ganz viele, viele, wenn Schüler zu mir kommen und gerade erst anfangen, dann ist es eigentlich oft so, dass ich sagen muss, blas einfach rein, blas rein. Denk erstmal nicht drüber nach und dann entwickelt sich der schöne Klang irgendwann mit der Zeit.
Okay. Du hast ja, also du hast gesagt, du hast gerade ein Album aufgenommen. Das letzte Album, wenn ich sie jetzt richtig weiß, waren ja die Schilflieder, also ein Instrumentalalbum für Obo und Engelschauen. Und du hast so schön auf deiner Homepage auch geschrieben, du versuchst die Oboe da hinzubringen, wo sie noch nicht ist, aber sein könnte.
Ja, ja. Das ist mein großer Wunsch, irgendwie so an die Zukunft. Oder ja, weiß der Geier, ich bin einfach gerne ein Teil der Entwicklung, dass die Oboe eben nicht nur ein Instrument ist, was man im Orchestergraben oder im Sinfonieorchester oder maximal im Blasorchester mal herausholt. Sie ist halt einfach, glaube ich, durch ihre Komplexität und ja, auch so andere Instrumente, die dann in der Musikgeschichte einfach plötzlich in waren, ist sie oboe so ein bisschen in den Hintergrund geraten.
Und ich finde es schade, also auch gerade für Leute, die das Instrument studieren, weil was ich ganz oft erlebt habe, ist tolle Oboisten, die am Ende ihres Studiums sagen, ja, nee, Probespiele, es ist voll ätzend, das kann jeder nachvollziehen. Und oder ich war jetzt ein halbes Jahr im Orchester, war nicht cool, jetzt das alles nochmal durchmachen, packe ich nicht.
Ich werde jetzt Optiker oder keine Ahnung. Es ist ja vollkommen in Ordnung. Also wenn das nicht jedermanns Sache ist, darum geht es mir gar nicht. Aber so diese Alternativlosigkeit, die man in diesem Studium eigentlich ja eben hat. Also als Geiger kannst du schon, du kannst doch mal Jazzgeige studieren, sogar in München.
Als Pianist hast du auch viele Möglichkeiten, was anderes zu machen. Als Gitarrist, also auch, es gibt ja sogar Jazzquerflötisten, gut, das ist jetzt hier auch wieder sehr speziell, aber Klarinette, Volksmusik und so, ja, aber Oboe ist wirklich sehr, sehr eingeschränkt und das finde ich irgendwie schade, weil sie klingt ja so toll.
Ja, aber woher kommt das denn?
Ja, eben, ich glaube, dadurch, dass sie so komplex ist und dass, also jahrelang war es eben auch so, dass es nicht so viele Oboisten gab, wie es Stellen gab in Deutschland, also bis vor ungefähr 40, 30 Jahren, war das eigentlich so, dass du, wenn du studiert hast, sicher auch eine Stelle bekommen hast.
Das ist ja heute also komplett auf den Kopf gestellt. Wir haben auf eine gute Stelle, 300 Bewerber aus aller Welt. Da kriegt einer die Stelle, wenn es hochkommt und die anderen 299 fahren nach Hause. Und ich glaube, dass man dann nach so einer langen Ausbildung, so sechs, sechs, sieben, acht Jahre, wo man wirklich dieses Instrument studiert hat und Strauß und Mozart drauf und runter gespielt, sich für Probespiele eben vorbereitet und Wettbewerbe und so, dass man dann nicht unbedingt auf die Idee kommt, ach so, ja, nee, dann mache ich halt jetzt mit der Obuma was ganz anderes und investiere da wiederum Jahre, um mir das aufzubauen, weil das ist natürlich die Realität dahinter.
Man geht nicht aus dem Studium und hat dann ein Netzwerk, auf das man diesbezüglich zurückgreifen muss. Wenn du im freien Markt existieren willst, musst du da natürlich auch erstmal jahrelang stattfinden. Ja, das muss man wollen. Und ich glaube, das tun die wenigsten nach sechs Jahren Studium, ist auch verständlich.
Weil du gerade gesagt hast, Jazz und Volksmusik, aber es gibt ja, das ist jetzt keine Obo, aber es gibt ja trotzdem armenische Volksmusik, die auch mit Doppelrohrblattinstrumenten wie Duduk und so funktioniert. Warum gibt es bei uns sowas nicht?
Das ist eine gute Frage. Ich weiß es nicht. Also, tschau.
Also du sitzt ja in München, du könntest ja trotzdem auch bayerische Volksmusik mit Obo machen.
Das stimmt, das könnte ich machen, ja. Nun habe ich halt das mit den Liedern für mich entdeckt. Vielleicht macht das ja ein anderer Obo. Ich fände es cool. Ich fände es cool, wenn es ein anderer Oboist macht. Ich warte auch nur drauf.
Also wir haben jetzt 2024. Gut, du machst das jetzt schon ein bisschen länger, aber jetzt auch noch keine 30 Jahre. Warum kam noch niemand früher auf die Idee, die Oboe mal in ein anderes Genre zu verpacken? Also es gibt natürlich noch Filmmusik, das ist klar, das ist aber auch meistens dann klassisch angehaucht, wenn die Oboe einsetzt und meistens dann auch bei den Liebesszenen und sehr theatralischen, melancholischen Sachen.
Also da ist das ja auch schon ziemlich festgefahren für die Klangfarbe.
Ja, ja, also vereinzelt ist es auch passiert. Es gibt einen Oboisten in Frankreich, Jean-Luc Filoux, der spielt quasi eigentlich ausschließlich Jazz-Oboe, aber er ist auch der einzige, den ich sonst noch kenne. Und warum das jetzt in Deutschland nicht so passiert ist, vielleicht hat es auch tatsächlich einen historischen Hintergrund.
Also da kann man jetzt natürlich sehr weit ausholen, weil wir haben Zeit. Wir haben Zeit. Da kann ich mich jetzt natürlich auch im Kopf und Kragen reden, weil das sind alles so, nee, Vermutungen sind es nicht. Aber wenn man jetzt mal überlegt, warum ist bei uns zum Beispiel in Deutschland der Schlager so groß geworden, gibt es ganz viele Leute, die dir sagen werden, ja, Zweiter Weltkrieg, es war eine ziemlich harte Zeit.
Danach war den Leuten nicht unbedingt nach sozialkritischer Musik, glaube ich. Oder vielleicht auch nicht, vereinzelt zumindest nicht mehr nach Wagner. Und ja, auch, glaube ich, von der Politik gefördert wurde dann ein Bereich von Unterhaltungsmusik, der irgendwie leicht zugänglich war, auch leicht zu spielen, sage ich mal, zu reproduzieren.
Und dann gleichzeitig in der Klassik gab es ja eigentlich auch, wenn man so überlegt, ein bisschen wie so einen Stillstandmoment. Also wenn wir jetzt uns überlegen, dass das, was wir heute neue Musik nennen, mitunter 60, 70 Jahre alt ist, das ist schon, das ist seltsam eigentlich. Und davor hat sich eigentlich, also da kennen wir ja alle großen Komponisten.
Also fangen wir mit Ligetti an, der gehört ja schon fast zur neuen Musik, dann Poulonc, dann Romantiker, ah ja, Schumann, Schubert, tralala, dann geht es mit der Klassik weiter, okay, das brauche ich gar nicht anfangen mit Beethoven, Mozart, dann kommt Bach. Aber so alles, was nach 1950 passiert ist, ist irgendwie nicht in unserem, also nicht so wirklich präsent.
Ist auch für Fühle nicht so zugänglich, muss man ja auch sagen.
Genau, aber das ist ja das Feld, in dem die Obuhr primär stattgefunden hat. Im Schlager hätte sie sich ja zum Beispiel was ganz Neues aufbauen müssen. Der Jazz hat in Deutschland zu dem Zeitpunkt ja gerade erst angefangen, existieren zu dürfen überhaupt. Das heißt, bis heute ist der Jazz damit zu beschäftigt, sich hier in Deutschland, also er existiert, aber wie die Jazzmusiker bezahlt werden, das ist gut, das ist jetzt wieder ein anderes Thema.
Also sprich, aber da war vielleicht auch einfach dann nicht der Anreiz für einen Oboisten, da zu sagen, ich probiere was anderes aus, auch aus diesem Grund, weil du studierst und hast die Auswahl zwischen einer sicheren, extremst sicheren Musikerstelle, etwas, was es in keinem anderen Musikbereich in Deutschland gibt, wo du jahrzehntelang eine Stelle hast, die du nicht mehr verlieren kannst.
Das ist ja, das ist ja gigantisch. Oder du gehst in den freien Markt, probierst was aus, fällst eventuell auf die Nase und musst sich da auch noch quasi, ja, musst du musst dieses Bedürfnis nach Oboe in deiner Musik ja erstmal erschaffen. Ist ja nicht da.
Du schreibst auch, dass wir in einer Zeit leben, wo das Dagewesen in der Musikgeschichte wichtiger ist als das Neue. Was meinst du damit?
Ja, eben genau auch das, was ich gerade schon so ein bisschen erwähnt habe, dass wir eigentlich auch so, ja, mit Mozart und Bach und Co. so das Gefühl haben, das waren so die Messiasse der Musikgeschichte und jetzt ist es vorbei, alles was jetzt kommt, das bra, ja, und die Sachen, die man jetzt halt weltweit kennt oder in sehr, sehr, die man, ja, die sehr breite Massen kennen, sind musikalisch, ich will das jetzt nicht über einen Kamm scheren, aber wenn man dann gleichzeitig sieht, dass zum Beispiel Taylor Swift oder Adele oder so, dass da die Massen sich hin konzentrieren.
Ich glaube aber nicht, dass diese Musik musikgeschichtlich Relevanz haben wird. Also vielleicht Adele schon, aber Taylor Swift glaube ich einfach nicht. Glaube ich auch nicht.
Ich glaube, da geht es eher um die Person. Da bin ich.
Genau.
Weil anders kann jemand dieses Phänomen nicht erklären, aber das ist vielleicht ein.
Genau, und dann frage ich mich natürlich auf der anderen Seite, was wird denn musikgeschichtlich relevant sein, wenn wir die Musik der Gegenwart gar nicht wirklich kennen? Also und mit ihr nicht wirklich verbunden sind auch.
Das ist eine ganz große Frage. Ja. Und die wir aber wahrscheinlich auch nur rückblickend beantworten können.
Definitiv, ja.
Weil ich ja generell das Gefühl habe, dass vieles, also ich sehe das ja auch an Schülern, wenn ich mache regelmäßig so einen Durchlauf, wo sie mir ihre Lieblingssachen mal vorstellen sollen, so alle halb Jahr und irgendwie. Du kannst davon ausgehen, dass ich 98% einfach nicht kenne. Aber für mich, ohne dass ich mich jetzt mit den Texten im Ernstfall auseinandersetzt, selbst da ist der Ersteindruck, und ich rede jetzt nur vom Ersteindruck, weil ich mich nicht tiefer damit beschäftige, auch so, dass sich für mich 90% einfach auch gleich anhört.
Weil ich oft das Gefühl habe, dass es mittlerweile einfach nur nach Algorithmus komponiert wird. Marktanalysen stattfinden, okay, was muss in den ersten 30 Sekunden kommen, damit der Song auf Spotify halt 30, 40, 50 Sekunden gehört wird, danach ist er meistens eh schon wurscht, weil dann bezahlt der Spotify schon.
Also man merkt ja relativ deutlich in der heutigen Popmusik, also die Mainstream-Popmusik, dass das ja nur danach geguckt wird. Also mit Kunst hat das ja oft nichts mehr zu tun.
Es gibt streng, also du hast fast schon strenge Vorgaben, wie lang darf ein Song sein, wie oft kommt oder in welcher Form kommt der Referent, welche Instrumente werden benutzt oder eben nicht. Also das ist schon ganz klar. Und ich finde auch, es sind wie zwei parallele Welten, die miteinander eigentlich gar nicht viel zu tun haben.
Also das eine ist die Musikindustrie, ich sage mal, die obere Fettschicht, da wo richtig viel Kohle auch gemacht wird. Ist aber nie, also es stellt sich eigentlich nie die Frage nach der Nachhaltigkeit, auch selten nach den Befindlichkeiten der Künstler. Es sei denn, man ist wirklich so berühmt, dass man sich alles quasi leisten kann als Künstler.
Aber ansonsten geht es einfach ja ums Geld verdienen. Und das wiederum kann man, ist unvereinbar mit Kunst, Musik und Kultur. Es ist einfach so, genauso wie Krankenhäuser nicht wirtschaftlich arbeiten müssen sollten, ja, weil es funktioniert nicht, es kann einfach nicht gehen. Genauso ist es mit der Kunst und der Musik.
Deshalb ist man da so angewiesen auch und deshalb finde ich das auch so wichtig und auch toll, dass das im Moment so ein bisschen Fahrt aufnimmt auf Förderungen oder auch auf Leute, die aufstehen und sagen, hey, ich förder dich. Also das ist bei mir tatsächlich auch so. Es war jetzt auch mit meinem letzten Album, dass ich das über Crowdfunding wieder gemacht habe und das immer wieder merke, dass ich nicht, also dass ich mit dieser Musik, mit dieser Musikindustrie eigentlich gar nichts zu tun habe und auch wahrscheinlich nie was zu tun haben werde.
Ja, selbst wenn ich das wollte, ging es nicht. Aber ich möchte auch gar nicht.
Ja, aber wie du schon sagst, Nachhaltigkeit, aber das ist ja so ein gesellschaftliches Problem. Also da können wir ja woanders dann noch hingucken, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Schwierig. Es geht ja erstmal nur ums Geld. Wird Crowdfunding so das Zukunftsmodell sein, weil ich bin mir gerade gar nicht so sicher, ob diese Kulturförderungen wirklich in Fahrt kommen.
Ich bin da jetzt auch nicht so tief drin, aber Berlin hat doch jetzt auch, glaube ich, den Kulturetat gekürzt. Jetzt stellt sich mir die Frage, wann passiert das woanders? Also und man hört ja immer wieder Diskussionen, ich glaube, letztes Jahr war es in Wien, dass das Radiosinfonieorchester eigentlich hätte gestrichen werden sollen.
Also die Diskussionen tauchen ja überall immer mal wieder auf. Manches kann man ja ganz gut abwenden, aber es ist jetzt nicht so, dass die Politik sagt, juhu, wir müssen mehr Kultur fördern. Im Gegenteil.
Nee, also nach Corona oder mit Corona gab es da so ein Gefühl des Aufschwungs, sag ich mal. Da war irgendwie kurz Tür und Tour offen. Man hatte das Gefühl, yay, endlich konzentrieren sich die Leute auch mal so ein bisschen auf die freie Szene. Und es wird auch ge, also klar, wir haben in Deutschland, es wird sehr viel Geld für Kultur ausgegeben.
Die Orchesterlandschaft ist ja grandios. Aber es ist natürlich auch vollkommen richtig, was du sagst. Und das empfinde ich auch so arg, ist es gerade rückläufig. Es wird überall zurückgerudert, also auch in München merkt man es jetzt ganz stark. Da wird auch über die Streichung des Kultur-Etats oder teilweise Streichung diskutiert.
Und ja, das wird jetzt, glaube ich, in den nächsten Jahren auch nicht leichter werden, einfach aufgrund der wirtschaftlichen Lage, weil das ist einfach das Erste, wo man zu sparen beginnt. Also, und ob dann das Crowdfunding das Modell der Zukunft ist, weiß ich auch nicht so richtig, weil gerade jetzt im Moment, wo verständlicherweise die Leute auch auf Sparkurs sind, weil alles ist, also Inflation und so ist alles wahnsinnig teuer geworden.
Wenn man sich in meiner Generation Gedanken um die Rente macht, dann hört man lieber entweder schnell wieder damit auf oder ich weiß nicht, hält sein Geld wirklich ganz eng bei sich. Ja, wie auch immer. Also es ist, ich glaube, etwas als Modell der Zukunft zu bezeichnen, ist schwierig, weil man nie so richtig weiß, was die Zukunft bringt.
Zumindest war es die letzten Jahre so, dass man das Gefühl hatte, okay, es gibt so ein bisschen eine Tendenz in die Richtung, aber es kann genauso schnell wieder vorbei sein. Und eben, wie gesagt, sobald es schwierig wird, sobald Probleme kommen, also auch wirklich ja, also große Probleme wie eben Kriege oder Wahlen, die anders laufen, als man sich das vielleicht erhofft hätte, ist die Kultur, denke ich, das Erste, was hinten runterfällt.
Hast du Angst vor den nächsten Wahlen bei uns, dass es dann der Kultur wieder mehr an den Kragen geht? Oder glaubst du es relativ stabil jetzt bei uns?
Nee, Angst nicht direkt. Ich glaube, ich habe mich zu einem gewissen Teil schon damit abgefunden, dass, also einfach wird es sicherlich nicht in den nächsten Jahren. Ich persönlich merke es daran, dass ich zum Beispiel viel weniger im Osten spiele als im Westen. Und ich im Osten zum Beispiel dann auch, ich habe jetzt gerade einen Programmnamen, also Innenleben mit einem Sternchen davor, also quasi gegendert.
Das hat überhaupt keinen Gender-Hintergrund, aber es ging mir einfach darum zu zeigen, dass, also es geht um das Innenleben, was man am Anfang des Lebens quasi ist, jeder Mensch von uns, wo man auch noch kein Geschlecht hat. Und das ist eigentlich auch wirklich vollkommen egal, was für ein Geschlecht man hat zu diesem Zeitpunkt und oder eben nicht hat.
Ja, weil ich habe dann doch ein, zwei Veranstalter gehabt, die gesagt haben, ja, ich glaube, bei mir ist das mit dem Publikum schwierig, weil das ist so ein bisschen progressiv und dann habe ich den Stern dort weggemacht. Ja, also ich merke einfach, dass dort auch so politisch gesehen, jetzt nicht von den Veranstaltern aus, aber die Leute sind einfach anders drauf dort und da weten anderer München und auch mit Bands, mit denen ich spreche, die von dort kommen.
Ja, und ich glaube, das wird mehr werden. Also ich stelle mich darauf ein, dass Leute auch nicht zu meinen Konzerten gehen, weil sie das vielleicht zu liberal finden oder, keine Ahnung, zu, zu, ja, wie heißen diese, wie nennt man es so schlafscharfmäßig oder so, diese Ausdrücke, die dann von einschlägigen Gruppierungen benutzt werden.
Oder einfach nur, dass man als Träumer bezichtigt wird oder so, als Gutmensch, ja, so lauter so positive Begriffe, die dann da ins Negative gezogen werden.
Kam schon mal jemand nach einem Konzert zu dir und da ging es da drum?
Diskussionen gibt es immer mal wieder, aber selten, ehrlich gesagt. Ich glaube, das ist halt gerade auch so ein Dinge, die Leute gehen ja eh lieber in die Konzerte, wo sie wissen, was ihnen, was da läuft. Also neue Künstler haben es ja gerade generell nicht leicht mit dem Publikumsaufbau. Und ich denke, die, die kommen, die informieren sich vorher, was ihnen da blüht.
Und wenn man dann eben so ein bisschen schaut, dann weiß man das ja schon und dann kommt man vielleicht erst gar nicht. Also es ist selten, dass Leute im Publikum sitzen, die nachher kommen und sagen, das sehe ich aber ganz anders.
Ich nehme mal einen Teil aus einem Text von dir. In deinen Spuren gehen ist einfach und bequem, alles bleibt, so wie es war und ich bleib stehen. Wieso bleibst du nicht stehen? Also, wieso nimmst du diesen schweren Weg auf dich und sagst, ich will was Neues schaffen? Und das, was du vorhin beschrieben hast, ich komme aus einem Studium und habe noch kein Netzwerk, ich muss mir das alles aufbauen.
Was treibt dich an?
Tja, manchmal frage ich mich das selbst, also ich meine, ich spüre, dass es da ist, aber was genau es ist schwierig zu sagen. Also ich glaube, es ist schon eine große Portion auch, also Freude an der Sache, das ist das allererste. Es macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß. Ich habe das Gefühl, dass es was sehr Sinnvolles ist, was ich tue.
Wenngleich das vielleicht viele anders sehen, also gerade während Kone, dann diese Aussage der Systemrelevanz, das lässt einen nicht kalt, aber es ist einfach nicht wahr. Und das weiß ich tief in mir drin, auch dann in den Momenten, wo ich zweifle. Also ich habe das Gefühl, dass ich, wenn ich morgen sterbe, dass ich, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, ich habe mein Leben auf eine sinnvolle Artweise verbracht.
Und ja, das gut, dann ist natürlich auch gleich klar, ich bin, glaube ich, schon irgendwie ein Idealist. Und Idealisten machen oft Dinge, wo man von außen vielleicht sagt, es ist jetzt nicht so bequem. Aber ja, unterm Strich fühlt sich es einfach extremst richtig an. Und das ist alles, was sie hast.
Wann hast du das letzte Mal mit dir gehadert?
Jeden Tag. Jeden Tag 30 Mal. Nein, aber also ich kann auch gar nicht sagen, ob ich mit mir hader dann oder ob ich mit der Welt hader. Aber es gehört einfach mit dazu. Also gerade in dieser Zeit. Ich glaube, niemand läuft durch die Gegend und sagt die ganze Zeit, ja, alles super, alles toll, ich mache, es läuft und es gibt keine Probleme mehr hier.
Ja, vielleicht auch ein Obuisten-Thema, ich weiß es nicht. An jedem Rohr habe ich was auszusetzen.
unknown Okay.
Ich sehe schon, ich muss mich mit mehr Oboisten unterhalten.
Nee, es klingt auch ein bisschen zu dramatisch jetzt. Ich hadere nicht jeden Tag. Ich bin eigentlich ein sehr positiver Mensch und das Hadern kann einem auch eine enorme Antriebskraft verleihen. Das ist ja die Gegenseite. Da hat man manchmal sehr viel Energie.
Deine Alben haben ja immer so ein Kernthema, wenn ich das so richtig sehe. Das Neue ist fertig. Da stand ja, zumindest auf der Homepage, dass es um Identität geht. Hab ich das richtig gelesen?
Ja, ja, genau. Also klar, jetzt das übergeordnete Thema ist eigentlich, da habe ich lange überlegt, was für ein anderes Wort man dafür benutzen könnte, aber es gibt kein besseres, es ist Weiblichkeit. Und das ist, damit meine ich aber jetzt nicht irgendwie das, was man so pauschal darunter verstehen würde, sondern wirklich eine Art von Weiblichkeit, die die Männer und Frauen gleich bedeutend mit einschließt.
Also weil ich denke, es ist schon das, was auf der Welt immer wieder fehlt. Auch Frauen fehlt.
Also du meinst ja so das Sanfte?
Das Sanfte, ja, vielleicht auch so dieses beschützende, mütterliche, jetzt mal ganz konkret auf unsere Gesellschaft bezogen, was mich immer sehr frustriert, ist schon auch die Tatsache, dass wir alle sehr, also oder dass ich aufgewachsen bin in dem Glauben, dass wir emanzipatorisch so viel erreicht haben, aber eigentlich dann am Ende des Tages kehrt sich das jetzt gerade alles doch auch wieder sehr stark um.
Ich sage jetzt bewusst nicht, dass das die Schuld von den Männern ist, weil das ist es eben nicht nur. Ich glaube, es ist das, was wir jetzt Emanzipation nennen und was wir da vielleicht noch lösen müssten, ist ein Thema von beiden Geschlechtern, denke ich. Und ich glaube übrigens auch, dass Männer genauso unter diesen, ja, diesen chauvinistischen, patriarchalen Strukturen leiden wie Frauen, also viele, viele Männer, auch Männer, die ich kenne.
Und man sieht es ja auch einfach schon alleine daran, dass wir eine Gesellschaft sind, wo es bedeutet, also wo man, wo man wenn man Kinder in die Welt setzt und sie liebevoll großziehen will und so, das ist eigentlich ein Verlust auf der anderen Seite. Also du verlierst die wertvolle Zeit für deine Karriere, du verlierst Geld, Einfluss, ja.
Also wen kümmert die Stimme einer Mutter? Familienpolitik ist, finde ich, in Deutschland was, was wirklich total vernachlässigt wurde. Und deshalb haben wir jetzt auch so eine Phase, wo sich eben dann Frauen und Männer entscheiden müssen zwischen Beruf und Familie, wo alleinerziehende Menschen wirklich auch extremst hadern.
Und das finde ich einfach nicht richtig. Und ich glaube, dass das, wenn die Weiblichkeit in einem anderen Fokus stehen würde auf der Welt, wahrscheinlich ist das aber auch wieder eine große Träumerei oder ein Wunschdenken, aber ich glaube, dann hätten wir echt viel erreicht. Also ja, da bin ich mir ziemlich sicher.
Was war der ausschlaggebende Punkt, dass du gesagt hast, das wird das ein Thema der neuen Platte?
Viele kleine Erlebnisse über die letzten drei Jahre. Also immer wieder, ja, also persönlich ist aber eben, was ich auch vorhin schon angesprochen habe, auch das, was ich, was ich so sehe, was in der Welt passiert und wo es eben stagniert, wo es sich nicht weiterentwickelt. Ich meine, man muss mal überlegen, wir diskutieren hier in Deutschland über Gendersternchen.
Das ist ein ganz großes Thema und anderswo auf diesem Planeten dürfen Frauen nach wie vor nicht wählen gehen, werden vergewaltigt und gesteinigt und beschnitten und was weiß ich. Also es ist ja einfach verrückt, das kann man sich ja gar nicht vorstellen. Und dann anderswo auf diesem Planeten wählen ganz viele Frauen einen Mann, der angeklagt ist wegen sexueller Nötigung und so weiter und so fort, das ist einfach, das ist einfach total verrückt.
Also die Welt ist, ist, dieses Thema drängt sich einem ja völlig auf. Und nicht nur mir, denke ich. Also das ist ja nie nur mein Thema, das haben ja ganz viele.
Ja. Aber wie du ganz am Anfang gesagt hast, man muss ja nicht in solche Themen immer voll reingehen. Deswegen interessiert es mich, warum du da jetzt dann gleich mit dem ganzen Album rein bist.
Naja, also jetzt für mich, also dann muss ich von meinen persönlichen Sachen tatsächlich erzählen, weil natürlich am Ende schreibe ich.
Aber nur wenn du willst, gell?
Doch, doch, nee, nee, das ist also persönlich in dem Sinne das, was ich so erlebt habe, weil letztendlich schreibt man, glaube ich, Lieder am authentischsten dann, wenn man es selber erlebt hat. Also ein Beispiel ist, wenn ich, ich mache mein Booking, jetzt gerade tatsächlich bin ich bei einer Agentur, aber ich mache mein Booking schon seit Jahren eigentlich selbst.
Und ich komme immer wieder auf Seiten und dann scrolle ich, schaue ich mal, was da so gespielt wird, weil man muss ja sich nur dort anbieten, wo es auch passt. Und es ist einfach für mich immer wieder ein Schlag ins Gesicht, wenn ich dann Line-Ups sehe, wo wirklich 99% Männer auftauchen und dann ist mal eine Frau dazwischen und dann frage ich mich immer, wieso das so ist.
Weil es gibt, ich kenne so viele tolle Frauen, die Musik machen. Und das ist so für mich so auch ein Punkt, weil das nur eine Arbeit ist, die ich wirklich auch wöchentlich oder manchmal auch täglich mache, was mich frustriert hat. Dann waren es aber auch Begegnungen mit Menschen, nicht nur mit Männern, aber natürlich vorrangig schon, weil auch letztendlich, ja, die Menschen, die jetzt an der Spitze noch stehen, und vielleicht bleibt das auch so, ich weiß es nicht, auch in meinem Bereich, das sind meistens Männer, also die, die Labels leiten, die, die eine Vorbildfunktion einnehmen, die, die mich unterrichtet haben, und das heißt jetzt überhaupt nicht, dass mich die alle irgendwie schlecht behandelt
hätten, überhaupt gar nicht. Aber es passiert halt hin und wieder dann doch und das ist dann umso frustrierender, gerade in dieser Zeit, wo man eigentlich das Gefühl hat, es sind schon viele Leute in der Gesellschaft so weit, dass sie sehr, sehr achtsam mit dem Thema auch umgehen.
Wie viele Songs sind sie auf dem neuen Album?
Zehn.
Zehn. Welcher davon war der schwerste zu schreiben?
Emotional gesehen.
Weiß ich nicht, manchmal hat man ja so im Arbeitsprozess ringt man ja mit sich, das muss ja gar nicht immer nur Textlier sein, das kann ja dann auch tatsächlich im Arrangement sein oder so. Was war für dich der schwerste?
Schwer zu sagen. Weil, also emotional gesehen gibt es zwei Songs, die gleichzeitig schwer waren zu schreiben, aber dann auch wieder leicht, weil am Ende hast du es richtig gut getan. Das war einmal ein Lied, das heißt Faber. Und das andere Lied heißt immerhin haben sie eine Frau vorne hingestellt. Tatsächlich diesen Titel.
Ich finde den Titel jetzt schon cool, tatsächlich.
Und ja, die waren halt so, also am Anfang so, wo ich wirklich rangegangen bin mit einer großen Frustration und am Ende, oh, zum Glück ist das eh raus jetzt. Vom Arrangement her war es dann wieder was ganz anderes. Also ich habe das Album ja sehr groß arrangiert und auch meinen Holzbläserquintett mit eingebunden und ich finde es extrem schwer für Holzbläserquintett zu schreiben.
Und ich glaube, damit bin ich nicht alleine. Ich merke das auch immer, wenn wir mit jungen Komponisten zusammenarbeiten. Es ist auch jetzt keine häufige Besetzung, für die man jetzt jeden Tag schreibt. Man muss da echt so ein bisschen schauen, was man macht, sonst klingt es schnell irgendwie, weiß ich auch nicht, Kraut und drüben.
Und da gibt es ein Arrangement für ein Lied, das heißt Der Nackte Kaiser, da habe ich echt lange dran gesessen, damit das Sinn ergibt. Und es gibt auch ein Instrumentalstück tatsächlich auf dem Album, was nur für Holzbläser Quintett ist. Das war auch, ja, ich würde sagen, das, was ich als schwer bezeichne.
Wenn du es das große arrangiert für die Hörer, also Holzbläser-Quintett, was ist da noch außenrum dabei?
Streicher, also quasi eigentlich am Ende ja fast wie so ein kleines Orchester. Ich habe auch eine Hafenistin mit dabei gehabt. Dann Blechbläser auch, also zusätzlich zum Horn aus dem Holzbläserquintett, Posaune und Trompete. Dann habe ich das natürlich auch alles noch lustig gemischt. Also es war jetzt nicht immer nur das Holzbläserquintett, sondern hat man nur die Hornistin irgendwo ein Solo gespielt oder so.
Die Band ist mit dabei, also Klavier, Schlagzeug, zwei Gitarristen, da bin ich auch ganz happy, dass die dabei gewesen sind. Bass, Klavier, genau, Schlagzeug. Habe ich jetzt was vergessen? Also es waren 18 beteiligte MusikerInnen am Ende, genau.
Okay. Gehst du dann auch mit der kompletten Besetzung auf Tour?
Das würde ich gerne.
Davon gehe ich aus.
Leider ist das finanziell tatsächlich in der Regel nicht möglich. Auch weil es für die Musik vielleicht noch nicht so die Bühne gibt. Es gibt ab und zu, ich kenne Leute, die mit Big Band oder so, mit größeren Besetzungen touren. Aber das ist natürlich wieder ein Feld, was man irgendwie so kennt, jetzt irgendwie Oboistin, Sängerin mit Orchester, Tourt durch die Gegend.
Das ist wieder so eine Nische, die muss man erstmal sich erarbeiten. Ich tue aber ganz selten alleine. Ich bin meistens im Trio oder Quartett unterwegs. Auch ab und zu Quintett, ab und zu Sextett. Und in München spiele ich dann in der großen Besetzung. Und leider hat es das Orchester auch aus der Stadt noch nicht rausgeschafft.
Nächstes Jahr ist ein Orchesterprojekt geplant, allerdings mit einem Orchester nicht aus München, sondern mit einem Orchester aus Bergheim. Mal gucken, ob das klappt. Das würde mich sehr freuen. Und ja, auch darüber hinaus, wenn das so ein bisschen sich zerstreut, wunderbar. Aber die meisten Veranstalter haben halt einfach auch dann nicht das Geld, um 18 Personen zu bezahlen.
Unter Kurfelanreiß und so. Ja, das ist schon teuer.
Was ist dein Lieblingssong auf der Neuen Platte?
Das ist immer so ein bisschen schwierig zu sagen. Für mich der wichtigste und schönste Song ist auf Wiedersehen. Es ist eher wieder so ein ganz leiser Song, wo es tatsächlich auch ums Abschied nehmen geht, also ums Sterben. Und der basiert lose auf einem Thema von Bach aus einer Bach-Kantate, die ich liebe, extrem liebe.
Und daraus ist dieser Song so ein bisschen auch entstanden. Und ja, das ist einfach für mich auch so ein ganz emotionales Ding. Also aber ja, es ist ganz schwierig zu sagen, welchen Song ich am liebsten mag. Das variiert auch oft. Von Tag zu Tag.
Jeden Tag alles anders. Licht als meinem Acht rein. Jeden Abend nicht von meinen Art verstehen. Dieser Lichtreif. Es gibt noch immer diese Tage, wo ich feine. Wo du solltest fein. Obwohl ich fein, du hättest nichts als Frei.
Wie sieht die Arbeit generell an so einem Album bei dir aus? Hast du irgendwann so jetzt, während du Tourst, schreibst du schon und hast dann Songs zusammen und sagst, okay, jetzt könnte man ein Album machen. Oder hast du erst die Idee, okay, das wird die thematische Idee, dann setzt du dich hin, schreibst Songs.
Wie ist das bei dir?
Auf Tour komme ich eigentlich fast gar nicht so zum Schreiben. Ich muss mir tatsächlich auch Freiräume schaffen. Deswegen spiele ich auch jetzt nicht das ganze Jahr durch und mache alles, was da irgendwie reinkommt, weil dann weiß ich, ich habe am Ende keine Zeit mehr zum Schreiben. Weil ich brauche so ein bisschen Langeweile dafür oft.
Manchmal entstehen Songs auch im Stress. Das kommt dann auch vor. Dann muss das ganz schnell raus. Aber ich lasse mir für die Alben auch generell Zeit. Ich brauche meistens so zwei Jahre, um es zu schreiben und dann auch nochmal entsprechend Zeit zum Arrangieren und Vorbereiten. Ich glaube, alles, was kürzer entstehen würde, wäre unter so einem Druck aller, ich muss jetzt was Neues machen.
Und ja, das möchte ich eigentlich nicht unbedingt genau.
Hast du Hilfe beim Schreiben oder beim Arrangieren oder machst du das wirklich komplett alleine?
Ich mache alles alleine. Also wenn jetzt die Band mit dabei ist, klar, ich sage es nicht dem Schlagzeuger, es ist eh mein mein Partner. Also wenn ich dem sagen würde, spiel mal bitte den und den Groove da und da, dann würde der mir sagen, hey, das lass mich mal machen. Und da hat er auch recht. Aber was so die Arrangements von den eben von den Streichern und Bläsern betrifft und auch vom Klavier, wobei ich habe einen super Pianisten.
Also wenn, wenn das, sobald das mal ein bisschen Poppy Girl-Jazzy wird, dann macht er eh, was er will und das ist auch immer super gut. Aber so die Arrangements schreibe ich komplett selber. Texte auch da, ja, das macht mir auch Spaß und ich lasse mir da, glaube ich, auch nicht so gerne reinreden.
Das heißt, du hast kein Korrektiv von außen, der auch mal drüber guckt oder auch bei den Texten sagt, okay, vielleicht da mal und da mal.
Also ab irgendeinem Punkt zeige ich meine Lieder natürlich Menschen, denen ich vertraue. Das ist vorrangig eben erstmal mein Partner und meine Mama. Und wenn die sagen, ja, das ist jetzt komisch, dann weiß ich ja, okay, muss ich nochmal gucken. Aber meistens zeige ich es ihnen auch erst dann, wenn ich selber das Gefühl habe, jetzt passt es.
Da entwickelt man ja mit den Jahren auch so ein Gefühl dafür. Also sicherlich am Anfang war das öfter mal so, dass ich dann auch selber was geschrieben habe, wo ich dann später dachte, das wird jetzt dann doch nichts mehr. An dem Punkt bin ich jetzt viel schneller, als ich vor vier, fünf Jahren noch gewesen bin, dass ich einfach merke, okay, der Song, den muss ich jetzt darlegen.
Das fließt einfach nicht mehr so richtig.
Wenn du dir die ersten Alben anschaust und das jetzt, wie würdest du sagen, hast du dich weiterentwickelt?
Also auf jeden Fall, was die Vielfalt betrifft, habe ich schon auch versucht, bei jedem Album was Neues auszuprobieren in der Instrumentierung. Ich hoffe auf allen Ebenen, dass ich mich weiterentwickelt habe, sowohl an meinen Instrumenten als auch textlich gesehen. Klar, also ich habe auch auf meinem ersten Album Texte drauf, wo ich sage, okay, die kann ich so nie wieder schreiben.
Das ist einfach gut so wie es ist. Aber ja, ich glaube, das ist die Hoffnung eines jeden Künstlers, dass man sich mit jedem Album ein bisschen weiterentwickelt. Ja.
Okay. Das letzte oder das vorletzte Album muss das ja dann gewesen sein, weil das letzte war ja instrumental. Ging ja um Heimat. Was ist Heimat für dich?
Also in erster Linie sind es die Menschen, die mich umgeben. Das merke ich zum Beispiel auch ganz stark, wenn ich auf Tour bin. Wenn da mein Freund und mein Hund mit dabei sind, dann schlafe ich viel besser. Fühle ich mich viel mehr zu Hause. Ja, die Menschen. Aber natürlich sind es auch Orte und auch Dinge, die ich tue.
Wenn ich irgendwo schon mal auf einer Bühne gestanden habe, also oder wenn ich irgendwo hinkomme, wo ich mich nicht so wohlfühle, wenn ich dann die Bühne betrete, dann ist das irgendwie so ein Safe Space. Ich weiß, was ich zu tun habe. Das heißt ja nicht, dass ich nicht nervös bin oder so, aber das kennt man, das Gefühl.
Ja, genau. Und das Album entstand letztendlich aus dem Gefühl der Heimatlosigkeit auch so ein bisschen heraus, was glaube ich Generationen vor mir entstanden ist, weil meine Großeltern Heimatvertriebene sind. Man ja auch erst so in den letzten Jahrzehnten angefangen hat, darüber nachzudenken, über diese Weitergabe von Kriegstraumata und so weiter.
Und das betrifft natürlich auch Geflüchtete. Und ich habe dann auch irgendwann, also mit meinen Großeltern sowieso mal viel darüber gesprochen, war auch mal selbst im Sudetenland, habe erst erst wirklich spät auch verstanden, was das bedeutet haben muss. Als Kind hört man dann immer so diese Geschichten, ja, dann mussten wir gehen, dann stellt man sich das irgendwie so, weiß ich nicht, irgendwie vor, so wie Kinder sich das halt vorstellen.
Und später realisiert man dann, was das für eine Tragweite auch hat, wie dramatisch das alles war. Und ja, dass meine Großeltern wahrscheinlich bis zum Schluss auch ihre Heimat ja schon wiedergefunden haben, aber natürlich auch verloren haben letztendlich. Und gerade meine Urgroßeltern, da ist es, das ist auch ganz klar gewesen, dass die nie so richtig angekommen sind.
Und dann bin ich relativ früh von zu Hause weggegangen und fand das dann irgendwann fast schon lustig, dass ich in München saß, gerade während Corona, und mich darüber aufgeregt habe, dass meine Familie so weit weg ist und das mich schon so richtig genervt hat und ich dann aber auch im gleichen Gedankenzug mir eingestehen musste, dass ich mir das ja selber ausgesucht habe.
Und das auch ein Privileg ist. Also meine Generation, wir konnten ja überall hingehen, wo wir wollten, so ungefähr. Und ja, also sicherlich auch nicht alle von uns, aber unsere Eltern, viele haben uns auch einfach gelassen, haben gesagt, mach das, was, was du möchtest, was wofür dein Herz brennt und so, muss jetzt nicht meine Schreinerei übernehmen oder meine Musikschule in meinem Fall oder so.
Ja, aber dann ist man irgendwann halt woanders und die Familie weit weg und da muss man dann auch mit zurechtkommen.
Mein Lieblingssatz aus dem Album ist, angekommen bin ich dann, wenn ich Wurzeln habe und fliegen kann. Bist du angekommen? Beziehungsweise hast du schon Wurzeln?
Ja, und also abgesehen davon, dass ich mich in München, obwohl es manchmal eine Stadt ist, die mich gleichzeitig auch sehr abstößt, fühle ich mich sehr wohl mittlerweile. Also ich bin hier schon sehr zu Hause. Aber es ist auch einfach in der Musik tatsächlich so, dass ich mich angekommen fühle mit dem, was ich mache.
Nachdem ich jahrelang auch gesucht habe, vielleicht auch gehadert, eben so mit diesen Stilistiken oder mit der Frage, kann ich dieses und jenes miteinander verbinden? Darf ich das? Darf ich das machen? Und irgendwann, weil wenn dann so der Punkt da ist, wo man das auch so rückblickend betrachtet und sieht, hey, das ist jetzt deine Welt und es nehmen Leute Anteil und es begeistert andere Menschen als nur dich.
Das ist schon ein ganz, ganz starkes Heimatgefühl eigentlich. Oder so eben so verwurzelt sein und gleichzeitig ja auch fliegen können, so ein Stück weit.
In welchen Situationen fliegst du?
Ja, also auf der Bühne, klar, wenn es so ein richtig guter Abend ist mit meiner Band, das ist fantastisch. Im Studio. War es jetzt auch wieder so, dass ich wirklich einfach tolle Momente erlebt habe. Beim Schreiben. Beim Schreiben und manchmal auch beim stumpf sind Dingen üben. Und beim Spazieren gehen mit meinem Hund.
Das sind ja alles ziemlich große Fragen, die du aufmachst und große Themen. Und vieles ist ja immer eine Suche. Würdest du sagen, dass du dich selber gefunden hast, beziehungsweise weißt, wer du bist jetzt?
Jetzt für den Moment schon, ja. Dass sich das mal irgendwann wieder ändert, das kann sein. Hängt sicherlich auch von Dingen ab, auf die ich keinen Einfluss habe. Also wenn ich jetzt morgen meine Arme verliere, wird sich mein Leben und die Person, die ich bin, zwangsweise verändern müssen. Aber wenn das so für mich nicht vorgesehen ist, was ich hoffe, dann für den Moment fühle ich mich eigentlich wirklich sehr angekommen mit dem, was ich mache, trotz all der Probleme oder trotz des Haranz, wo darüber wir vorhin auch gesprochen haben, was einen manchmal begleitet.
Definierst du dich über deine Musik?
Ja, definitiv. Manchmal sicherlich auch mehr, als es mir persönlich gut tut. Aber ich glaube, eine Miriam ohne Oboe und ohne Texte, die kenne ich gar nicht mehr so richtig. Ja, weiß ich nicht, ob das notwendig ist, dass ich die, dass ich die, wie gesagt, das wird sich zeigen, ob ich die immer wieder kenne, gerne.
Wenn ich, also wenn jetzt Zuhörer draußen zuhören und sagen, okay, die Miriam kenne ich nicht und ich kenne deine Musik nicht, welchen Song müsste ich hören, um den besten ersten Eindruck von dir zu bekommen, textlich?
Ganz schwierig. Ich bin auch einer von den Musikern, der sagt, wenn du mich drei Minuten auf eine Bühne stellst, finde ich das furchtbar, stell mich zwei Stunden hin, dann finde ich das grandios. Weil eben, also was kann ich in einem Song zeigen? Also im besten Fall habe ich die Oboe kurz in der Hand und singe und mache alles gleichzeitig, aber das ist es ja auch nicht, also das ist ja auch nicht Sinn der Sache.
Aber mir geht es ja jetzt eher um die Person.
Um die Person. Vielleicht Luise? Ja, Luise ist. Das ist ja aus deinem ersten Album oder so. Ja, das zweite Album, ja. Das zweite Album. Aber sehr früh, das hatte ich so. Ja, Lied über meine Urgroßtante und ja, da schwingt so dieses eben so dieses mit, dass man zwar manchmal wirklich seine Hoffnung verliert, aber dann auch doch wieder so die Sterben zusammensammelt und dann wird was Schönes draus und so.
Ich glaube, das ist was, was mich schon auch so ein bisschen ausmacht, denke ich. Und ja, genau.
Wann kommt dein Album raus?
Am 11. April. Am 11. April kommt es raus. Genau. Aber ich habe nämlich gerade mein Label verlassen und habe jetzt ein eigenes Label gegründet, das heißt Luise. Haha. Und das passierte relativ spontan. Und deswegen.
Darf man fragen, warum oder ist das? Darfst du unangebracht?
Ich rede immer gerne relativ offen über Themen, weil ich mir denke, was habe ich, ich habe nichts zu verbergen. Also ich weiß es ehrlich gesagt nicht so genau, aber das Label ist wohl pleite und das habe ich zwei Wochen vor meinem ersten Single-Release erfahren. Das hatte für mich relativ große finanzielle Konsequenzen, so groß, dass ich dann entschieden habe, es ist an der Zeit, dass ich meinen eigenen Weg gehe.
Ich habe das länger schon geplant gehabt oder immer mal wieder durchdacht, weil viele Musiker, die länger releasen, also die gründen irgendwann ihr eigenes Label. Das ist ja auch keine große Sache in dem Sinne. Aber ja, weil es einfach sinnvoll ist, diese Dinge dann auch in die eigene Hand zu nehmen.
Ich hätte es mir ein bisschen, ich hätte es mir ein bisschen weniger spontan gewünscht, weil mit so einer Labelgründung oder ich hatte schon ein Label, aber man muss natürlich, ja, da hängen viele Dinge dran, dieser, dieser Vorgang der Promotion, dass das Album auch, dass das irgendjemand mitkriegt, dass das rauskommt und so.
Das muss man ja alles so ein bisschen durchdenken und planen und Ja, das ist jetzt gerade so ein bisschen sportlich, aber wie gesagt, also man lernt viel in solchen Phasen und ja, ist dann auch wieder reicher um eine Erfahrung.
Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Weitermachen. Also das.
Ja gut, jetzt hast du ein Label gegründet, jetzt musst du ja weitermachen. Also jetzt.
Ja, unabhängig davon war das, ist das. Also ich würde mir wünschen, dass ich einfach weiter veröffentlichen kann, dass ich weiter konzertieren kann, dass das auch sich weiter ausbaut. Also einfach, dass ich auch eine Größe. Ich brauche kein Millionenpublikum, wirklich nicht. Also ich spiele eigentlich wirklich gerne in kleinen Clubs und Veranstaltungsräumen.
Ich wünsche mir für die Veranstalter und für mich und für alle Künstler, die gerade, wie man so schön sagt, im Aufbau sind. Einfach, dass die Leute wieder mehr oder weiter in Konzerte gehen, auch zu Leuten, die vielleicht noch nicht so ein Standing haben. Es ist so ein bisschen, kann ich eine lustige Geschichte erzählen.
Ich habe neulich bei einem Konzert gespielt. Das war ein Benefizkonzert für den BR, den Studio, der hier gerade in München, also die ganze BR wurde ausquartiert und es ist noch nicht klar, was mit diesen Gebäuden passiert. Und da gab es eben dieses Konzert und bin ich mit meinem Freund aufgetreten und dann am Ende haben die Mitarbeiter von BR uns gesagt, sie brauchen uns jungen Leute, es wäre toll, dass wir da gewesen wären.
Wir waren auch tatsächlich die Jüngsten. Und da haben wir uns beide angeschaut und ein bisschen gelacht, weil wir sind beide auch Mitte 30. Also wir sind nicht mehr so blutjung. Und das ist so ein bisschen, aber auch die Krux natürlich an der Geschichte, dass man das Gefühl hat, man ist immer noch Nachwuchskünstler Mitte 30.
Aber nicht, weil man nicht die gleiche Routine hätte wie die anderen vor 40 Jahren oder weil man nicht genug veröffentlicht hätte oder so, sondern einfach, weil momentan es einfach so ein bisschen schwierig zu sein scheint, etwas Neues an den Mann, an die Frau zu bringen. Und ja, es gibt natürlich auch unglaublich viel Auswahl, das kommt dazu.
Es gibt unglaublich viel Ablenkung, ja, Netflix und Co. bin ich ja selber oft genug, hänge ich davor. Also das ist jetzt gar nicht irgendwie böse gemeint oder so. Aber das ist eben so der Wunsch für die Zukunft, dass dieses Konzertgeschehen einfach halten bleibt, weil es auch tatsächlich das Letzte ist, wo man als Musiker, sag ich nochmal, also einfach gerade heraus finanziell sich sein Überleben sichern kann.
Weil mit CD-Verkauf davon kannst du jetzt nicht deine Miete zahlen und mit Streaming erst recht nicht. Das heißt, ja, und das Konzertieren ist natürlich auch das Elementare, was man als Musiker eigentlich möchte. Das heißt, das wäre schön, wenn das in Zukunft weitergehen kann und auch sich noch ein bisschen verändert.
In zu positiven Formen natürlich.
Gibt es was, was ich vergessen habe anzusprechen, wo du sagst, da hätte ich jetzt unbedingt gern drüber gesprochen, jetzt haben wir so lange gesprochen, aber das wurde ich einfach nicht gefragt.
Mir fällt jetzt nichts ein. Also ich fand deine Fragen sehr, sehr schön ausgewählt und so. Und ich habe auch das Gefühl, ich habe wirklich sehr viel geredet. Und so spontan fällt mir jetzt nichts ein, was.
Okay, weil ich habe nämlich noch ein paar.
Okay, okay, dann.
Nein, wir kommen jetzt nur in die letzte Runde. Was denken andere über dich, was nicht stimmt?
Ja, ich muss natürlich dazu sagen, manchmal heizt sich das selber so ein bisschen mit an, dass ich leise und sanft nur ausschließlich wäre. Steht blöderweise mittlerweile auch in meinem Pressetext teilweise drin, ne? Das ist natürlich dann meine eigene Schuld. Aber irgendjemand hat das mal über mich geschrieben.
Und das ist auch häufig so, wenn ein Einträger schreibt, dann schreibt es ja nächste auch. Ist auch vollkommen in Ordnung.
Aber es ist ja ein Unterschied zwischen der Bühnenfigur und der privaten Person, finde ich. Also man kann ja als Bühnenfigur trotzdem leise und sanfte Musik machen und aber privat muss das ja gar nicht so sein.
Ja, aber auch auf der Bühne bin ich nicht. Also ich glaube, das ist vielleicht auch natürlich auf der Bühne nochmal was anderes, weil dann moderiere ich auch, ich erzähle die Hintergrundgeschichten zu den Liedern. Ich, ähm, es ist auch so, dass ich auf der Bühne, glaube ich, manchmal ein anderes, ein anderes Brodeln habe als im Studio.
Da muss man ja, da sind auch andere Sachen wichtiger, sage ich mal, das ist eine andere Herangehensweise an Musik. Aber genau, auf der Bühne bin ich, glaube ich, weniger sanft als manche jetzt vielleicht denken, wenn sie meine CDs hören. Genau, ja, das ist so das, wo ich mir manchmal wünschen würde, dass die Leute das vielleicht oder dass ich selbst das auch nicht so darstelle.
Ja, vielleicht musst du lautere Musik machen. Die verzerrte E-Gitarre rausgeholt werden.
Ja, ich habe es immerhin schon mal angefangen, E-Bass zu lernen. Also das, ja, es wird.
Was würdest du gerne mal machen, hast dich aber bisher nicht getraut.
Puh. Nicht getraut?
Ja.
Ja, das mit dem Label-Gründen, das war jetzt zuletzt das. Habe ich mich nicht getraut, hat mich das Leben jetzt so ein bisschen dazu gezwungen. Fand ich gut. Was steht jetzt als nächstes an, was ich mich nicht getraut habe? Mir fällt bestimmt was ein, sobald wir auflegen. Mein Konzept zu spielen, ohne mich groß vorzubereiten.
Das würdest du gerne mal machen, echt?
Ja, weil manchmal ist das fast so ein bisschen zwanghaft bei mir. Also gerade an der Oboe, wenn ich da nicht so eine gewisse Konstanz habe, dann werde ich manchmal richtig fahrig und dabei weiß ich eigentlich, dass ich das gar nicht sein muss, weil auch wenn ich mal einen Tag davor nicht wie Blöde geübt habe, dann funktioniert das trotzdem alles so, aber das ist so ein bisschen der Klassiker in mir.
So, jetzt macht das noch das und das und dann läuft das, dann ist das perfekt. Perfekt wird es nie und es soll es auch gar nicht sein. Von daher kann ich nachvollziehen.
Wenn du die Shorts hättest, das Buch deines Lebens zu lesen, würdest du die letzte Seite lesen wollen?
Ja, sie ist sich selbst immer treu geblieben. Das wäre, glaube ich, der Abschlusssatz, den ich mir für mich wünschen würde. Ja, und vielleicht, ja, natürlich als Wunsch und es hat auch geklappt. Sie war nicht enttäuscht an frustriert und ja, allein.
Okay. Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?
Buch Nada Brahma, die Welt ist klang von Joachim Ernst Behrendt, weil es Musik einfach oder klang und die Welt, ja, die Welt in einen klanglichen Zusammenhang stellt, den ich einfach total spannend und toll finde und wir alle in so einer visuellen Welt leben und das Buch so von so einer ganz anderen Seite herangeht.
Das ist ein unglaublich tolles Buch.
Welche Aufnahme sollte man es sich unbedingt mal angehört haben? Natürlich neben dein, das ist klar.
Pepopolina. Ich hoffe, ich spreche es richtig aus. Ich und Italienisch Idel, Sole Che Vera, finde ich ein unglaublich schönes Album. Aber auch, warte, ich muss kurz nachgucken. Es ist ein junger Künstler, den ich wahnsinnig spannend finde einfach. Ich finde das Album so gut. Es heißt, ich habe einen Vertrag unterschrieben von Muritz Krämer.
Es ist ein letzten Sommer mein Lieblingsalbum.
Also, das werde ich heute wahrscheinlich nicht mehr, aber morgen früh gleich mal anhören. Allein der Titel.
Es ist witzig, ohne witzig zu sein. Und für jeden Musiker so viele Momente so, ah ja, genau so. Und irgendwie auch super gut arrangiert, sehr poppig, aber wirklich richtig gut. Also fand ich irgendwie innovativ.
Super. Abschließend, was sind deine privaten Wünsche und die Wünsche für die Bläser-Szene?
Jetzt die Bläser-Szene, von der ich aus gucke, also so die kammermusikalische Szene, würde ich mir wünschen, dass Bläser einfach mehr aus ihrer Ecke herauskommen. Und ja, ich habe schon immer das Gefühl, dass es so für Streicher einen viel größeren Markt gibt. Streichquartette, jeder kennt Streichquartette und Streichquartette werden auch in jedem, jeder Popmusik eingesetzt.
Aber dass Bläser so, ja, weiß ich nicht, auch mehr normal werden, so mehr dazugehören, mehr integriert werden. Ja, ich finde das ja schon unglaublich toll. Als ich nach Bayern kam, habe ich das erstmal begriffen, dass es eine ganz große Blasmusik-Szene gibt. Würde ich mir für ganz Deutschland wünschen.
Weil also selbst wenn ich selber keine Blasmusik spiele, finde ich es einfach schön. Ich finde es toll.
Ja, Blasmusik kann ja alles sein. Das kann ja von traditionell bis zu sinfonisch bis zu Big Band kann das ja alles sein. Deshalb mache ich ja diesen Podcast.
Ja, finde ich auch super. Also es ist ja auch irgendwie, muss ich ja nochmal sagen, ganz toll, dass du den machst, weil es ist ja jetzt auch der logischste Gedanke, der einem so kommt, oder? So einen Blasmusik-Podcast zu starten.
Nee, aber also jein. Also wenn man halt da so tätig ist irgendwie und ich mir immerhin gedacht habe, okay, es gibt über jede Themen Podcasts nur nicht darüber, dann mache ich das halt selbst, wenn es keiner macht.
Ja, genau.
Um zu zeigen, dass halt ganz viele Künstler und Künstlerinnen halt auch verschiedene Sachen spielen. Also bei uns, also in der Blasmusik-Szene ist ja auch oft das Ding, dass man sich untereinander bekriegen ist zu viel. Aber es gibt immer so zwei Lager zwischen den Sinfonikern und den Traditionellen, obwohl es eigentlich, obwohl wir alle die gleichen, also gerade in den Vereinen die gleichen Probleme haben.
Und ganz große Künstler ja meistens in allen Welten unterwegs sind. Also deswegen finde ich das ganz spannend. Und vor allen Dingen, wenn dann so Künstlerinnen wie du um die Ecke kommen und sagen, ja gut, obwohl es nicht einfach nur Sinfonie spielen, sondern halt auch Popmusik machen. Also von der Sicht finde ich, ist das schon mein Ansinnen, einfach zu zeigen, dass Blasmusik nicht gleich Blasmusik ist, sondern eigentlich hätte ich es ja wahrscheinlich auch Bläsermusik nennen müssen, aber das wäre noch sperriger gewesen.
Deswegen, also ich kann den Wunsch auf jeden Fall gut nachvollziehen.
Ja, ja, ja. Da haben wir schon eine ähnliche Heran- oder eine ähnliche Denkweise über unsere Themen.
Und deine privaten Wirtschaft?
Du meinst für mich persönlich so.
Ja, ja.
Gar nicht so viele. Also, solange ich mir meine Wohnung in München leisten kann und mein Auto, was leider überlebenswichtig ist, wenn man viel tut mit einem Klavier, geht das mit der Bahn nicht so richtig. Bin ich eigentlich ziemlich zufrieden.
Okay, auch so.
Gesund bleiben. Oh ja, ja, doch. Das war, fand ich, immer so banal, wenn meine Oma das gesagt hat. Hauptsache, ihr seid gesund. Aber sie hat recht, weil wenn man dann doch mal merkt oder sieht, wenn es dann nicht so ist oder auch bei anderen das mitbekommen, ja. Also so ganz elementare Dinge, weil die machen das Leben halt letztendlich aus.
Auf jeden Fall. Miriam, vielen Dank. Ja, danke dir. Wahnsinnig tolle Gespräch. Das war die Folge mit Miriam Haneker und mich würde jetzt interessieren, wie euch die Folge gefallen hat. Findet ihr gut, dass in letzter Zeit immer mal wieder auch Musik des jeweiligen Künstlers oder Künstlerin eingespielt wird?
Oder sagt ihr, ihr findet das eher nicht so gut, weil dann der Redefluss verloren geht? Lasst das mich gerne wissen. Auch generell die Gedanken zu dieser Folge, zu Miriam oder auch zu ihrer Musik. Findet ihr sowas spannend? Sing ja Song weiter, Musik mit Ubo oder welche Kombinationen könntet ihr euch noch vorstellen?
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Den Link findet ihr auch in den Shownotes. Ich möchte mich bei den Supportern dieser Folge bedanken, bei Buffet Grampant und bei der Konzertmeister-App. Bei Leandermachern für den Schnitt, bei Dirk Mattes für die Musik und ich würde mich freuen, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Ich wünsche euch eine gute Zeit.
Macht's gut. Euer Andi.