PUR+ Wissendrin mit Eric

40| Essen ohne Fleisch? Darum ist es nicht nur für die Tiere gut

Freitag, 9. Oktober 2026 · 27 min

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Shownotes

Müssen wir wirklich Fleisch essen? Und wenn nicht: Was kommt stattdessen auf den Teller? In dieser Folge wagt Familie Jagodzinsky für „PUR+ Wissendrin mit Eric“ ein Experiment: Drei Wochen lang verzichten sie komplett auf Fleisch. Was einfach klingt, wird für die Familie ganz schön zur Herausforderung. Denn wenn Schinken auf dem Pausenbrot, Burger am Abend oder das Lieblingsgericht plötzlich wegfallen, werden ihre Gewohnheiten ganz schön auf die Probe gestellt. Wer hält durch und wem fällt der Verzicht besonders schwer?
Gemeinsam mit Eric geht es außerdem um die Frage, warum unser hoher Fleischkonsum zunehmend kritisch gesehen wird. Was hat unser Essen mit Tierwohl, Klima und den Ressourcen der Erde zu tun? Und kann man überhaupt gesund leben, wenn man kein Fleisch isst? Antworten liefert auch die Ernährungswissenschaftlerin Merle Schonvogel vom Bundeszentrum für Ernährung.
Natürlich schaut Eric auch auf die Alternativen: Wie gut sind vegetarische und vegane Burger, Schnitzel und Co. wirklich? Schmecken sie wie das Original und sind sie besser für Umwelt und Gesundheit? Und dann gibt es da noch einen Fleischersatz, der viele erst einmal schlucken lässt: Insekten. Eric besucht für euch eine Insektenfarm, probiert selbst gebratene Grillen und stellt Kinder vor die Frage: Wer traut sich zu kosten? Ob das wirklich die Nahrung der Zukunft sein könnte, erfahrt ihr in dieser Folge. Also: Hört rein!

Moderation: Eric Mayer
Expertin: Merle Schonvogel
Autor/innen dieser Folge: Hanna Autenrieth, Susanne Dittebrand
Sounddesign: Vinzenz Glania, Joé Fleischhauer
Produktionsleitung und Redaktion Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/ (eur01.safelinks.protection.outlook.com/?url=ht…)

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Hi Leute, hier ist Erik. Sagt mal, habt ihr schon mal Fleischersatzprodukte gegessen? Also Lebensmittel, die aussehen und schmecken sollen wie richtiges Fleisch und richtige Wurst, aber aus Pflanzen bestehen? Die werden nämlich immer beliebter. Das liegt unter anderem daran, dass manche Menschen kein oder weniger Fleisch essen wollen, weil dafür Tiere getötet werden und deswegen gerne diese pflanzlichen Produkte kaufen.

Und immer mehr Menschen sehen den hohen Fleischkonsum noch aus weiteren Gründen kritisch. Weil die Tiere leiden, wenn sie nicht artgerecht gehalten werden. Weil Tierzucht unsere Umwelt stark belastet und auch unsere Gesundheit soll unter zu viel Fleischkonsum leiden. Die Forschung sagt außerdem, dass wir unsere Ernährung noch aus einem anderen Grund umstellen müssen.

Denn auf unserer Erde können wir nicht endlos viele Lebensmittel herstellen, die wir aber brauchen, um alle Menschen dauerhaft satt zu bekommen. Besonders die Produktion von Fleisch verbraucht viele Ressourcen wie Land und Wasser, die wir auf Dauer aber nicht haben. Deshalb suchen Wissenschaft und Lebensmittelindustrie nach anderen nachhaltigen Eiweißquellen, die Fleisch ersetzen können.

Dazu gehören pflanzliche Fleischersatzprodukte. Aber es gibt auch noch andere Alternativen. Eine ganz besondere Alternative stelle ich euch in der zweiten Hälfte unserer Folge vor. Kleiner Spoiler, es wird ein bisschen eklig. Seid gespannt und bleibt dran. Also, abgesehen davon, dass einige Menschen eh schon Vegetarier oder Veganer sind, gibt es gute Gründe dafür, dass wir alle unseren Fleischkonsum kritisch hinterfragen und reduzieren sollten.

Aber die Frage ist, wie schwierig ist es, weniger Fleisch zu essen, wenn man es eigentlich super gerne und regelmäßig isst? Familie Jagudschinski probiert es in dieser Folge für uns aus. Und wir klären, müssen wir überhaupt Fleisch essen, um uns gesund zu ernähren? Und wie gesund, nachhaltig und lecker sind die Alternativen?

Ihr hört Wissen drin, den Podcast von PUR Plus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Los geht's also mit Familie Jagoczynski und unserem Purplus-Fleischvermeidungsexperiment.

Sie sollen drei Wochen komplett vegetarisch leben, also kein Fleisch und keinen Fisch essen. Das heißt, kein Schinken mehr auf der Pizza, kein Hackfleisch auf dem Burger und kein Speck im Rührei. Und wir sind dabei und schauen, wie es klappt. Die Jagodschinskis, das sind Mama Katrin, Papa Thomas, der neunjährige Theo und seine zwölfjährige Schwester Greta.

Fleisch essen bei ihnen eigentlich alle, und zwar mehrmals die Woche. Papa Thomas ist so auch aufgewachsen. Eine vegetarische Ernährung ist für ihn etwas ganz Neues. Fleisch gab es bei uns zu Hause immer. Mein Vater ist Metzgermeister gewesen, mein Großvater war Metzger. Und auch Theo hat täglich Fleischprodukte auf seinem Speiseplan.

Morgens in der Schule beim Pausenbrot isst ich immer Schinken, dann am Wochenende und in der Woche in der Schule. Und damit sind die Jagodschinskis nicht allein. Im letzten Jahr haben die Menschen in Deutschland pro Kopf im Durchschnitt rund 55 Kilogramm Fleisch gegessen. Das wären zum Beispiel ca. 400 Burger oder 330 Schnitzel pro Person.

Täglich oder mehrmals die Woche Fleisch zu essen, ist für viele ganz normal. Das ist aber noch gar nicht lange so. Bis in die 1950er Jahre, also vor noch nicht mal 80 Jahren, war Fleisch etwas Besonderes. Eine Delikatesse, die es höchstens einmal die Woche gab, zum Beispiel als den berühmten Sonntagsbraten.

Viele konnten sich einen hohen Fleischkonsum gar nicht leisten, denn Fleisch war viel teurer als heute. Das änderte sich in den 1950er Jahren. Neue Maschinen und bessere Transportmöglichkeiten machten es möglich, viel mehr Fleisch herzustellen. Dadurch wurde es für fast alle Menschen bezahlbar und der Sonntagsbraten wurde zum täglichen Fleischgericht.

Damit wurde aber auch immer mehr Fleisch benötigt und deshalb viele Tiere in großen Ställen gehalten. Das nennt man Massentierhaltung. Für die Bauern ist das einfacher und günstiger. Für die Tiere bedeutet das aber in der Regel wenig Platz, kaum Freilauf und selten natürliche Umgebung. Das kann zu Stress führen und ist oft nicht gut für ihr Wohlbefinden.

Natürlich arbeiten nicht alle Bauernhöfe so, aber günstiges Fleisch bedeutet oft schlechte Tierhaltung. Heute essen zwar noch viele Leute Fleisch, aber nicht mehr jeden Tag. 2015 aß in Deutschland noch etwa jeder Dritte täglich Fleisch oder Wurst, heute ist es nur noch etwa jeder Vierte. Ungefähr 7% der Deutschen leben vegetarisch, verzichten also auf Fleisch und Fisch.

Rund 2% ernähren sich vegan, sie essen gar keine tierischen Lebensmittel, also zum Beispiel auch keine Milch, keine Eier und keinen Käse. Familie Jagoczynski gehört aber noch zu den Vielfleischessern und soll jetzt aber drei Wochen auf Fleisch verzichten. Wie schwierig wird das und wie geht man da überhaupt ran?

Die erste Idee, ein Plan, was die nächsten Wochen auf die Teller kommen soll. Ich habe eine leckere Pastasauce mit Spinat. Doch, Spinatsauce ist doch total in Ordnung. Ein Speiseplan ganz ohne Fleisch, das ist für die Familie gar nicht so easy. Denn sie müssen mit alten Gewohnheiten brechen und neue Rezepte finden, die allen schmecken. Bei vier Leuten gar nicht so einfach.

Also wem wird es wohl am schwersten? Theo. Mir. Theo. Mir aber auch. Für Sohn Theo und Vater Thomas scheint der fleischlose Speiseplan eine echte Herausforderung zu werden. Puh. Trotzdem sind sich alle einig, das Experiment wird gestartet. Denn gute Gründe, auf Fleisch zu verzichten, gibt es für die Familie durchaus.

Ich glaube auch, dass es eigentlich echt gut ist, kein Fleisch zu essen, weil die Tiere wollen ja auch nicht sterben. Es ist ja schon eine Diskussion heutzutage, welchen Preis die Umwelt auch dafür bezahlt, dass wir Fleisch essen. Und damit hat Vater Thomas recht. Damit wir Menschen so viel Fleisch essen können, wie wir es heutzutage tun, müssen sehr viele Tiere gehalten werden und sie brauchen jede Menge Futter, Wasser und Platz.

Für Weideflächen und den Anbau von Futtermitteln wie Soja, Mais oder Getreide wird viel Land gebraucht und deshalb werden viele Wälder gerodet. Besonders problematisch ist dabei die Abholzung im Amazonas-Regenwald in Südamerika. Da wird so viel Wald abgeholzt, dass es einer Fläche von ungefähr 2400 Fußballfeldern entspricht. Und das jeden Tag.

What? Das ist nicht nur schädlich fürs Klima, weil die Bäume für unsere Luftreinigung fehlen, sondern zerstört auch Lebensräume für viele Tiere und verringert dadurch die Artenvielfalt. Und dann entstehen bei der Tierhaltung auch noch jede Menge Treibhausgase. Denn Tiere, besonders Kühe, erzeugen beim Verdauen Gase, die sie rauspupsen und die den Klimawandel weiter anheizen.

Wenn sehr viele Tiere gehalten werden, gelangt außerdem oft viel Gülle von den Tieren auf die Felder und kann den Boden und unser Grundwasser belasten. Und für die Fleischproduktion wird sehr viel Wasser gebraucht, vor allem für den Anbau des Tierfutters. Zurück zu unserer Familie. Für Mama Katrin geht es jetzt erstmal in den Supermarkt.

Mit Einkaufsliste klappt das ganz gut. Bei spontanen Griffen ins Regal muss sie aber nochmal umdenken. Ich hatte gerade schon den ersten Gedanken. Ich wollte gerne dieses Sushi kaufen, weil die Kinder gerne Sushi mögen. Und leider gibt es kein vegetarisches Sushi. Da hatte ich schon den ersten Gedankenfehler.

Am Ende landen trotzdem nur vegetarische Lebensmittel auf dem Kassenband. Viel Gemüse, Obst, Joghurt und Käse. Das Gemüse wird am Abend zusammen mit Reis serviert. Für Theo gibt es eine Pizza vom Lieferdienst. Natürlich ohne Wurst. Theo, wie findest du die Pizza? Gut. Ja, findest du sie gut? Ja. Auch wenn der Schinken fehlt? Oder fehlt er dir ein bisschen? Ein bisschen.

Die erste Woche läuft ganz gut. Alle schaffen es, nicht zu Fleisch oder Wurst zu greifen. Selbst Theo, dem es echt schwer fällt, auf Fleisch zu verzichten. In Woche zwei geht es weiter mit den vegetarischen Gerichten. Zum Beispiel mit Ofengemüse mit Feta. Was sagt die Familie dazu? Alles lecker. Aber ich glaube, so ein leckeres Stück Fisch wird auch hervorragend zu schmecken.

Und was sagt unser größter Kritiker Theo? Ich mag es nicht. Du magst es nicht. Was fehlt dir im Moment am meisten? Alles. Alles? Papa Thomas und Theo fällt es weiterhin am schwersten, aus den alten Gewohnheiten auszubrechen. Mama Katrin und Tochter Greta kommen dagegen mit den vegetarischen Gerichten ganz gut zurecht.

Also, wie Familie Jagoczynski feststellt, kann man auf jeden Fall fleischlos essen, wenn man es möchte. Aber stellt sich die Frage, brauchen wir nicht Fleisch für eine gesunde Ernährung? Das wird ja oft behauptet. Wir klären es für euch in unserem Besserwissen drin. Besser Wissen drin. Lange dachte man tatsächlich, dass Fleisch für eine gesunde und ausgewogene Ernährung zwingend dazugehört.

Heute weiß man, das stimmt gar nicht. Klar ist, Fleisch enthält wichtige Nährstoffe wie Mineralstoffe, Fette, Vitamine und jede Menge Proteine, also Eiweiß. Die brauchen wir für fast alles im Körper. Zum Beispiel für Muskeln, Gewebe, den Stoffwechsel oder unser Immunsystem. Die meisten dieser Nährstoffe stecken aber auch in pflanzlichen oder anderen tierischen Produkten, für die kein Tier geschlachtet werden muss.

Gute Eiweißquellen sind zum Beispiel Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen, Getreide, Nüsse, aber auch Milchprodukte oder Eier. Notwendig ist es also nicht, Fleisch zu essen. Wenn man darauf achtet, sich die nötigen Nährstoffe aus anderen pflanzlichen Quellen zu holen. Ein hoher Fleischkonsum kann unserem Körper sogar schaden.

Oh, besonders verarbeitetes Fleisch, das viele Schritte durchläuft, bevor es als fertiges Produkt bei uns auf dem Teller landet, also zum Beispiel Würstchen, Wurst oder Schinken, kann Entzündungen im Körper fördern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Darmkrebs erhöhen. Puh. Fazit? Um unseren Nährstoffbedarf zu decken, braucht es also kein Fleisch.

Aber wir sollten schon auf eine ausgewogene vegetarische Ernährung achten. Familie Jagoczynski kann also ohne Bedenken die drei Wochen auf Fleisch verzichten. Nur der Geschmack von Fleisch, der fehlt vor allem Thomas und Theo ganz schön. Am nächsten Abend probiert Mama Katrin deshalb etwas Neues. Ein vegetarisches Schnitzel, also ein Fleischersatzprodukt, das ähnlich aussehen und schmecken soll wie Fleisch.

Und siehe da, Theo haut ordentlich rein. Theo, wie ist es? Gut. Greti, was ist mit dir? Was isst du da? Eine vierte Rolle und gleich auch noch Schnitzel. Fehlt dir das Fleisch sehr? Nö. Klappt gut? Ja. Und wie geht es den Eltern mit der vegetarischen Ernährung? Vorgestern hätte ich schon fast aus Versehen Chili con Carne gegessen, aber bin dann doch noch zur Kürmessuppe abgewogen.

Ich muss sagen, mir fehlt das Fleisch nicht, aber ich hätte mich schon auch das eine oder andere Mal beinahe vergriffen und hatte heute ein Brötchen mit Rührei. Und das gab es nur mit Bacon. Und da habe ich tatsächlich den Bacon runtergetan. Na gut, dass man sich am Anfang erst mal umgewöhnen muss, das ist völlig normal.

Die Jagochinskis haben das Experiment aber trotzdem gut durchgehalten und sind jetzt fast am Ende der drei Wochen angelangt. Heute ist der letzte Abend und es gibt Burger. Statt Hackfleisch kommt aber ein Fleischersatz aus Soja auf das Brötchen. Was sagen unsere Testesser dazu? Da steht drauf Chicken Burger.

Schmeckt es denn auch ein bisschen wie Hähnchen? Ja, ich würde auch sagen, kein großer Unterschied zum normalen Burger. Tatsächlich sieht das... Auch optisch nicht. Genau. Also ich finde es ein super Ersatz. Die vegetarischen Burger-Patties können alle überzeugen. Und damit ist das Experiment für die Jagoczynskys vorbei.

Drei Wochen haben sie eine fleischlose Ernährung ausprobiert. Musik. Und, wer greift jetzt wieder zum Fleisch? So, ihr Lieben, der Kühlschrank ist voll. Es geht wieder alles. Was kochen wir heute? Wir haben Reis, wir könnten Reispfanne mit Hähnchen machen. Wir könnten Carbonara-Nudeln machen. Ich habe noch Reispapier für Summer Rolls. Wraps.

Ich bin für Summer Rolls und Wraps. Ich bin auch für Wraps. Ja, und wer möchte Fleisch? Ich. Okay, für Sohn Theo und Papa Thomas ist die Entscheidung schnell gefallen. Mutter Katrin und Tochter Greta entscheiden sich trotz des Fleischangebots bei diesem Essen wieder für die vegetarische Variante. Am Ende des Experiments ist sich die Familie also nicht ganz einig.

Obwohl Papa Thomas und Sohn Theo viele der vegetarischen Gerichte richtig lecker fanden und auch der Fleischersatz überzeugen konnte, entscheiden sich beide dagegen, weiter vegetarisch zu leben. Dafür schmeckt ihnen das Fleisch zu gut. Mama Katrin will zwar wieder Fleisch essen, aber weniger als davor.

Und Tochter Greta? Also ich finde es gut, wenn wir zukünftig Mahlzeiten ohne Fleisch essen würden. Also vielleicht mit Fleischersatzprodukten, aber halt ohne richtiges Fleisch. Fleischersatzprodukte wie Schnitzel oder Burger-Patties haben Familie Jagoczynski auf jeden Fall gut geschmeckt. Aber neben dem Geschmack, den ja letztlich jeder unterschiedlich wahrnimmt, wollen wir in dieser Folge ja auch klären, ob diese Fleischersatzprodukte eine gute, gesunde und nachhaltige Alternative sind.

Vor allem, weil sie immer beliebter werden. Also wenn ihr beim Einkaufen in die Kühlregale schaut, dann seht ihr das ja schon. Die Auswahl an Fleischersatzprodukten ist groß und sie wächst immer weiter. Ständig kommen neue Produkte dazu. Das wird laut Umfragen auch in den nächsten Jahren so weitergehen.

Am häufigsten greifen übrigens Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren zu den Ersatzprodukten, aber auch immer mehr von denen, die sich als flexitarisch bezeichnen. Flexitarier, das sind Menschen, die sich hauptsächlich vegetarisch ernähren und nur selten zu Fleisch greifen. Und wenn, dann achten sie besonders auf eine artgerechte Haltung der Tiere.

Also eine Ernährungsform, die eigentlich gut ist, um den Fleischkonsum deutlich zu reduzieren. Und gehört habt ihr da gerade Merle Schonvogel. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin beim Bundeszentrum für Ernährung und kennt sich gut mit Fleischersatzprodukten aus. Sie erklärt mir, aus was diese Ersatzprodukte überhaupt bestehen.

Veganes Hackfleisch zum Beispiel wird oft auf der Basis von Sonnenblumenkernprotein hergestellt. Vegane Schnitzel aus Seitan, das ist Weizenprotein. und vegane Burger-Patties zum Beispiel aus Erbsenprotein. Klingt ja erstmal ganz gut. Wie gesund sind die Alternativen? Generell lässt sich sagen, dass pflanzenbasierte Alternativprodukte oft mehr gesunde Ballaststoffe enthalten und weniger kalorienreich sind als Fleisch und Fleischprodukte.

Außerdem enthalten sie meist weniger gesättigte Fettsäuren und das ist gut, weil wir davon ja auch weniger aufnehmen sollen. Und besonders im Vergleich zu den Fleischprodukten, bei denen Fleisch erst hochverarbeitet wird, bevor wir es zum Beispiel als Würstchen essen, ist es bei den pflanzlichen Ersatzprodukten so.

Auf der anderen Seite ist der Salzgehalt oft höher und es ist weniger gut verfügbares Eisen enthalten. Und auch Proteine aus pflanzlichen Quellen werden ein bisschen schlechter aufgenommen als tierische Proteine. Okay, Fleischersatzprodukte haben also Vor- und Nachteile gegenüber echtem Fleisch. Und es gibt natürlich auch Unterschiede zwischen den verschiedenen Produkten, wie bei echtem Fleisch auch.

Generell enthalten viele Fleischersatzprodukte aber wichtige Ballaststoffe, weniger Kalorien und auch viele Proteine. Damit diese pflanzlichen Proteine genauso gut aufgenommen werden können wie tierische, gibt es übrigens einen Trick. Einfach verschiedene pflanzliche Proteinquellen kombinieren, dann kann der Körper es auch besser aufnehmen.

Zum Beispiel Hülsenfrüchte mit Getreide, also einfach eine Bolognese aus Erbsenproteinbasis zusammen mit Nudeln. Also gar nicht so kompliziert. Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Und wie sieht es mit der Umwelt aus? Fleischersatzprodukte auf pflanzlicher Basis sind generell besser für die Umwelt als Fleisch.

Die haben meist einen kleineren ökologischen Fußabdruck. Das heißt, die Produktion erzeugt zum Beispiel weniger klimaschädliche Treibhausgase. Aber es kommt natürlich auch darauf an, ob die Produkte und Inhaltsstoffe von weit her kommen, ob Ökostrom für die Herstellung verwendet wurde und so weiter. Dazu kommt etwas, das wir schon von vorher wissen. Die Viehzucht braucht sehr viel Fläche für die Tiere und für den Anbau von Futter.

Bei Fleischersatzprodukten müssen lediglich die pflanzlichen Rohstoffe angebaut werden. Und das braucht weniger Fläche. Also, Fleischersatzprodukte schneiden in puncto Umwelt besser ab als Fleischprodukte. Das heißt aber nicht, dass wir komplett auf Fleisch verzichten müssen. Aber es würde unserem Planeten helfen, wenn wir viel weniger Fleisch und wenn, dann aus artgerechter Haltung essen würden.

Und in Bezug auf unsere Gesundheit können die pflanzlichen Ersatzprodukte in manchen Punkten besser sein als Fleisch oder Fleischprodukte. Trotzdem gilt grundsätzlich, je weniger hochverarbeitete Lebensmittel wir essen, desto gesünder. Das gilt sowohl für Fleisch als auch für Ersatzprodukte. Wenn ihr beim Einkaufen seid, achtet also zum Beispiel auf eine kurze Zutatenliste.

Oder wer es ganz gesund und fleischlos haben will, der kann auch zu einer anderen Alternative greifen. Es gibt auf jeden Fall die Möglichkeit, sich selber Fleischersatzprodukte herzustellen. Da gibt es ja zum Beispiel Bratlinge oder auch Patties für Burger. Und die kann man aus günstigen Zutaten, aus Bohnen zum Beispiel oder aus verschiedenen Gemüse, was man raspelt, sich das zusammenstellen. Und das ist dann auf jeden Fall preislich günstiger und auch lecker.

So, jetzt stelle ich euch noch eine andere Alternative zu Fleisch- und Fleischersatzprodukten vor, die ich euch ja am Anfang der Sendung schon versprochen habe. Insekten. Jetzt denken viele von euch sicherlich, hä, wie Insekten? Die soll ich essen? Ist ja voll eklig. Und außerdem werden dafür ja auch wieder Tiere getötet. Stimmt, aber ich erkläre es euch.

Weil Nahrungsmittel aus Insekten besonders proteinreich und in der Regel klimafreundlicher und nachhaltiger als Nutztierfleisch sind, sehen einige Ernährungsexpertinnen und Experten Insekten als langfristige Möglichkeit, Fleisch in Zukunft zu ersetzen oder zu reduzieren, um die Ernährung der Weltbevölkerung dauerhaft zu sichern.

Über 2200 Insektenarten werden weltweit gegessen. Bei uns in der Europäischen Union sind bisher nur vier Arten als Nahrungsmittel zugelassen. Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer und Buffalo-Würmer. Die Insekten, die wir Menschen essen, werden nicht draußen gefangen, sondern in speziellen Insektenfarmen gezüchtet.

Wie das aussieht, kann ich mir gar nicht so richtig vorstellen und besuche deshalb eine Insektenfarm in Bremen. Dort treffe ich Florian, der auf der Insektenfarm arbeitet. Und Florian, du machst das hier. Wo sind wir jetzt hier gerade? Genau, wir sind jetzt hier in unserer sogenannten Reproduktion. Vor uns stehen weiße Kisten mit Pappschalen und Erde drin, in denen es nur so von Grillen wimmelt.

Links und rechts an der Wand sind noch weitere Kisten in Regalen. Auch darin befinden sich Erde, Pappe und jede Menge Grillen. Also du hörst es ja schon, du hörst die Männchen, die zirpen, um die Weibchen anzulocken. Und die Weibchen, die legen dann hier in so einer Kokoserde ihre Eier ab. Zwischen 10 und 15 Millionen Grillen gibt es auf der Farm. Wow!

Also ganz schön viele. Da kannst du viele Leute von satt machen. Aber auch die Grillen müssen erst mal satt werden. Florian kippt dafür einen Eimer mit Futter in die Kästen. Auf der Farm werden die Insekten mit Resten aus der Lebensmittelindustrie gefüttert. Zum Beispiel mit Cornflakes, die das Haltbarkeitsdatum überschritten haben.

Die würde man sonst wegwerfen. Hier werden sie stattdessen als Futter wiederverwertet. Richtig nachhaltig also. Das ist aber nicht bei jeder Insektenfarm so. Manche füttern ihre Insekten mit Futter oder Getreide, welches extra angebaut wird und damit wieder Bodenflächen verbraucht. Das ist dann weniger nachhaltig.

Grundsätzlich braucht die Produktion von Insekten weniger Wasser und Fläche. Und es werden im Allgemeinen weniger Treibhausgase verursacht als bei der Zucht von Rindern, Schweinen und Hühnern. Bis die Grillen groß genug sind, um zu Lebensmitteln verarbeitet zu werden, dauert es außerdem nur ungefähr fünf bis sechs Wochen.

Im Vergleich ein Rind zum Beispiel wird mindestens acht Monate alt. Also es geht halt doch deutlich schneller. Also das heißt, wenn man das jetzt mal vergleicht, die Zucht von zum Beispiel Rindern oder Schweinen mit der Grillenzucht, das ist weniger Platz, den die brauchen, geht wahnsinnig schnell. Aber wie sieht es dann aus mit dem, was wir uns dann in den Körper zuführen, wenn wir sie essen? Ist das denn vergleichbar? Genau, das ist eine wirkliche Alternative zu herkömmlichen Fleisch.

Und wie kann man Insekten bei uns in Deutschland kaufen? Insekten kommen meist als Proteinpulver in Proteinriegeln, Nudeln oder Backwaren zum Einsatz. Äh. Aber keine Angst, wenn in einem Produkt Insekten verarbeitet wurden, dann muss das auf der Verpackung draufstehen. Aha. Oder man isst sie als Snack zum Knabbern. Dafür werden sie ähnlich zubereitet wie Chips, also geröstet, mit Gewürzen und Kräutern mariniert und dann gebacken.

Als wirklicher Fleischersatz werden Insekten bei uns bisher aber kaum genutzt. Sie gelten eher als zusätzlicher Proteinsnack. Und wenn sie zusätzlich zu Fleisch gegessen werden, hilft das auch leider nicht unserer Umwelt und unserem Klima. Isst du denn auch gerne grillen, wenn du nicht arbeitest mit den Tieren?

Tatsächlich, also auch während der Arbeit muss natürlich auch das, was man produziert, auch mal probieren. Und probieren will ich das jetzt auch. Vor mir liegen ein paar frisch zubereitete Grillensnacks. Die sind braun gebrannt und mit einer Gewürzschicht bedeckt, aber man erkennt immer noch das Insekt.

Ich schnapp mir eine Grille und beiß rein. Wie so ein kleiner Kartoffelchip eigentlich. Ein bisschen wie Eddlers Flips. Stimmt, genau. Ich gebe es zu, ich hatte ein bisschen Vorurteile, aber die Grillen schmecken tatsächlich ziemlich gut. Jetzt will ich aber auch wissen, was andere Leute dazu sagen. Dafür gehe ich mit ein paar Kostproben zu den Bremer Ferienspielen und schnappe mir eine kleine Gruppe an Kindern, die für mich die Insekten testen sollen.

Habt ihr schon mal Insekten gegessen? Nein! Mit voller Überzeugung, nein. Na, dann wird's aber Zeit. Zum Probieren gibt's Grillen, Buffalo-Würmer und Heuschrecken. Und wie hat's geschmeckt? Für mich hat's nicht so gut geschmeckt. Also die Hautreste so in den Mund, die behält man dann auch manchmal so.

Die großen fand ich nicht so gut, weil die Flügel waren so ein bisschen so, also die haben mir nicht so geschmeckt. Vor den Heustrecken hatte ich ein bisschen Angst, weil manche waren kopflos und ja, die waren ein bisschen gruselig. Die Würmer sind, die finde ich sehr lecker. Die Rönen hier, die fand ich schon gut, weil die so schön gewürzt waren und die waren halt so salzig.

Und die würde ich auch mal so beim Abendbrot essen. Tatsächlich? Ja. Na gut, also das Fazit ist gemischt. Am besten kamen die Würmer und die Grillen an. Die Heuschrecken haben niemand so richtig geschmeckt. Aber es haben sich alle getraut und mitgemacht. Und weil die meisten Menschen in Deutschland noch viel kritischer sind als unsere Testesser-Kinder, gehen die Forschenden davon aus, dass sich Insektenessen bei uns in Deutschland als Fleischersatz erstmal nicht durchsetzen wird.

Also, wenn wir weiterhin so viel Fleisch essen wie heute, hat das Folgen. Für unsere Umwelt, für das Tierwohl und auch für unsere Gesundheit. Langfristig muss sich unsere Ernährung deshalb verändern. Denn die Ressourcen auf unserer Erde sind begrenzt. Und wir müssen dafür sorgen, dass auch in Zukunft genug Lebensmittel für immer mehr Menschen da sind.

Und auch mit wenig oder ohne Fleisch können wir gesund leben. Sei es durch Fleischersatzprodukte oder vielleicht doch mit dem gelegentlichen Insektensnack während des Filmschauens? Ich bin gespannt, was sich da noch tut. Habt ihr schon mal Fleischersatzprodukte oder sogar Insekten gegessen und lebt ihr vegetarisch oder vegan? Schreibt mir das doch gerne mal in die Kommentare.

Und natürlich gibt es auch zum Ende dieser Folge wieder Grüße und zwar an Emi Dorothea und an Lara. Danke, dass ihr Wissen drin hört und mir so liebe Nachrichten geschrieben habt. Wenn ich euch auch mal grüßen soll, lasst mir doch einfach einen Kommentar da. Abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst.

Oder schaut doch mal auf ZDF-TV.de vorbei. Den Link findet ihr in den Shownotes. Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere. Im Auftrag des ZDF und der Redaktion Purplus.

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