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Shownotes
„Glück gehabt“, sagen wir, wenn uns zufällig etwas Gutes passiert; um dieses „Glück“ geht es in dieser Folge NICHT, sondern darum, uns glücklich zu fühlen: für einen Moment oder idealerweise auch längerfristig. Eric will wissen, was wir selbst dafür tun können und testet vier verschiedene angebliche „Glücklich-Macher“: Lächeln, Schokolade, Lieblingsmusik und Trampolinspringen. Dabei zeigt sich, dass manche dieser Dinge tatsächlich für ein gutes Gefühl sorgen – aber auf unterschiedliche Weise und auch nur kurz. Klar ist jetzt immerhin: Unser Körper reagiert messbar auf Glück, zum Beispiel über den Herzschlag oder die Gesichtsmuskeln. Doch das, was sich zuerst am besten anfühlt, ist nicht automatisch das, was uns nachhaltig glücklich macht. Denn ein anderes Experiment, das Eric in dieser Folge begleitet, bringt eine weitere überraschende Erkenntnis: Jungs, die eigentlich keine Lust aufs Singen haben, werden Teil eines Chors – und ihre Stimmung verbessert sich mit der Zeit deutlich. Das zeigt: Glück entsteht oft nicht nur durch schnelle „Kicks“, sondern durch Erfahrungen, die uns mit anderen verbinden und uns wachsen lassen – selbst dann, wenn wir uns erst dazu überwinden müssen. Die Forschung bestätigt diesen Eindruck: Glück besteht aus zwei Teilen – aus positiven Momenten und aus einem tieferen Gefühl von Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Besonders wichtig dabei sind soziale Beziehungen, gemeinsame Erlebnisse und Dinge, die uns Sinn geben. Gleichzeitig lernen wir: Glück bedeutet nicht, immer gut drauf zu sein. Auch schwierige Gefühle gehören dazu – und manchmal müssen wir raus aus unserer Komfortzone, um am Ende umso zufriedener zu sein. Die wichtigste Erkenntnis: Es gibt nicht den einen Glückstrick. Aber wir können beeinflussen, wie glücklich wir sind – vor allem durch das, was wir tun, wie wir mit uns selbst und anderen umgehen und worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.
Moderation: Eric Mayer
Expert/innen: Prof. Malek Bajbouj, Prof. Dr. Gunter Kreutz, Prof. Dr. Ulrike Lichtinger
Autor/innen dieser Folge: Hanna Autenrieth, Brigitte Böttcher
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung und Redaktion Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
ZDF Hi Leute, hier ist Erik. Kennt ihr diesen Moment, wenn ihr an etwas denkt und sofort ein gutes Gefühl bekommt? Ihr einfach glücklich seid. Bei mir ist das der Gedanke an Caramello. Caramello, das war mein Hund. Und ja, der lebt leider nicht mehr. Ihr denkt euch jetzt vielleicht, hä, macht dich das nicht eher traurig?
Und natürlich bin ich traurig, dass er nicht mehr da ist. Aber eigentlich bin ich einfach total glücklich, dass er bei mir war. Wenn ich so daran zurückdenke, wie er sich an mich gekuschelt hat, dann habe ich direkt wieder seinen Geruch in der Nase. Und der war für mich pures Glück. Und darum geht es heute. Um Glück. Beziehungsweise ums Glücklichsein.
Bevor die Folge so richtig losgeht, wollte ich erstmal wissen, was euch denn so glücklich macht. Mich macht festliche Stimmung immer total glücklich, so an Weihnachten oder Geburtstagen oder so. Mich hat es sehr glücklich gemacht, als mein Hund Welpen bekommen hat. Mich macht total glücklich, wenn wir Ferien haben, meiner Familie und meinen Freunden es gut geht, ich keinen Streit habe und wir was unternehmen oder im Urlaub sind.
Aber klar, es können nicht immer Festtage und Ferien sein und nicht alle mögen Hunde. Deshalb möchte ich in dieser Folge rausfinden, gibt es Dinge, die wir alle ziemlich einfach und jederzeit tun können, um uns glücklich zu fühlen? Und vielleicht sogar welche, die uns längerfristig ein gutes Gefühl geben, uns zufrieden machen.
Ihr hört Wissen drin, den Podcast von PUR Plus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren oder genaues Zuhören finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Bevor ich gleich als Glückstester ein spannendes Experiment starte, will ich zuerst wissen, was Glück überhaupt ist und frage dazu bei Professor Baschbusch nach.
Er erforscht, was uns glücklich macht und ist deshalb ein echter Profi auf dem Gebiet. Es gibt zwei verschiedene Formen. Das eine ist Glück, wenn einem etwas zufällig widerfährt, wenn man Geld findet, etwas, was man überhaupt nicht beeinflussen kann. Und das andere ist eher so Wohlbefinden, also Dinge, die man selber steuern kann, damit man sich den Tag über richtig gut fühlt.
Ah, okay. Dann ist das, was ich heute vorhabe, also eher eine Suche nach Wohlbefinden. Aha. Ich teste nämlich vier Dinge, die mir Wohlbefinden bescheren sollen. Erstens, lächeln. Zweitens, Schokolade. Drittens, das Lieblingslied hören. Und viertens, Trampolinspringen. Das Wort Wohlbefindensbringer finde ich aber doch ein bisschen zu kompliziert.
Deshalb nenne ich die vier Dinge einfach Glücksbringer. Überlegt doch mal kurz, welcher von diesen vier Glücksbringern würde euch wohl am glücklichsten machen? Und? Habt ihr euch entschieden? Dann schauen wir jetzt mal, ob das mit meinem Testergebnis übereinstimmt. Damit wir nicht nur auf mein Gefühl vertrauen, sondern auch sehen können, was in meinem Körper passiert, hilft mir Professor Baschbusch bei meinem Experiment.
Während ich die Glücksbringer ausprobiere, misst er drei Dinge. Meine Gehirnaktivität, meinen Herzschlag und die Bewegung meiner Gesichtsmuskeln. Zuerst bekomme ich dafür eine Haube auf den Kopf gesetzt. Die sieht ähnlich aus wie diese bunten Schwimmhauben, die man manchmal im Schwimmbad trägt. Nur an dieser hier hängen ganz viele Kabel, die mit einem Computer verbunden sind.
So kann meine Gehirnaktivität gemessen werden. Damit Professor Baschbusch später die Messwerte besser vergleichen kann, misst er jetzt erstmal meinen, ja ich sag mal, neutralen Zustand. Dafür schließe ich meine Augen und lasse die Geräte einfach eine Weile arbeiten. Ein paar Minuten später. So, damit ist die Vorhermessung beendet.
Kannst die Augen aufmachen. Dann bekomme ich noch einen Fragebogen, den ich nach jedem Versuch ausfüllen soll. So wird festgehalten, wie ich mich fühle. Zum Beispiel verärgert oder ängstlich. Oder aber stolz oder begeistert. Jetzt können wir endlich unser Purplus-Glücksexperiment starten. Test 1. Lächeln. Wie lange? 3 Minuten. 3 Minuten ab jetzt.
Ich ziehe also meine Mundwinkel nach oben und lächle mir allen ab. Sieht schön bescheuert aus. Ihr könnt das ja auch mal ausprobieren und so wie ich gerade eine Weile einfach nur lächeln, ohne dass irgendwas Lustiges passiert ist. Die Idee dahinter nennt sich Biofeedback. Das heißt, unsere Gefühle beeinflussen unsere Mimik.
Aber eben auch umgekehrt. Theoretisch denkt mein Gehirn, wenn ich lächle also, oh, wir sind offenbar glücklich und schüttet dazu passende Glücksbotenstoffe aus. Und? Merkt ihr einen Unterschied, wie es euch nach dem Dauerlächeln geht? Wie ich mich fühle, notiere ich auf dem Fragebogen. Kommen wir zu Glücksbringer Nummer 2.
Genüsslich stecke ich mir ein Stück eines Schokoladenriegels in den Mund. Mh, lecker. Ich schließe meine Augen, damit ich mich noch genauer darauf konzentrieren kann, was die Schokolade in mir auslöst. Schmeckt gut. So viel steht schon mal fest. Aber Schoki kann noch mehr, das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren.
Das schüttet dann bei manchen Dopamin aus, weil vor Urzeiten Zucker und Fett, die Hauptbestandteile von Milchschokolade, wertvolle Energiespender für unsere Vorfahren waren. Und dieses Glückshormon sie dazu bringen sollte, mehr davon zu essen, um ihr Überleben zu sichern. Heute verbinden viele Menschen Schokolade vor allem aus Erfahrung mit Belohnung oder Trost. Es ist also eher ein erlernter Effekt.
Wie stark der bei mir wirkt, sehen wir nachher bei der Auswertung. Als nächstes sind wir bei Glücksbringer Nummer 3. Musik hören. Dann höre ich mir jetzt mal das Lied an. Auch das soll ja kurzfristig glücklich machen. Das Lieblingslied. Wissenschaftlich gesehen löst das ziemlich viel gleichzeitig aus.
Auch hier schüttet das Gehirn Dopamin aus, weil es den Song kennt und voraussagen kann, wann besonders gute Stellen kommen. Und wir erinnern uns an schöne Momente, in denen wir das Lied gehört haben. Mal gucken, wie viel Wirkung das bei mir hat. Dafür setze ich mir Kopfhörer auf. Aus denen schallt jetzt Crazy in Love von Beyoncé.
Für mich einfach ein absoluter Hit. Ich merke sofort, wie meine Mundwinkel automatisch nach oben wandern. Wie bei den anderen Glücksbringern fülle ich auch hier wieder den Fragebogen zu meiner Gefühlslage aus. Und dann geht's auch schon zum letzten Test. Glücksbringer Nummer 4. Trampolinspringen. Hierauf bin ich besonders gespannt, denn laut Forschung müsste mich das richtig glücklich machen.
Die Bewegung sorgt mittels Endorphinen für ein Sporthai, wobei Endorphine unsere körpereigenen Schmerzhemmer und Glücklichmacher sind. Diese Botenstoffe sorgen unmittelbar für gute Laune und Energie. Außerdem verspricht der wackelige Elastikuntergrund des Trampolins eine für Menschen angenehme Mischung aus Nervenkitzel und Kontrolle.
Gleichzeitig sind wir bei dieser Aktivität zu beschäftigt mit Gleichgewicht halten, um uns über anderes Sorgen zu machen. Auch sehr hilfreich fürs Glücklichsein. Also, auf geht's. Dafür wurde im Labor ein kleines rotes Trampolin aufgebaut, auf dem ich jetzt drei Minuten rumhüpfe. Natürlich immer noch mit der Haube auf dem Kopf, damit auch alles gemessen werden kann.
Das sieht ganz schön albern aus, aber es macht Spaß. Nach drei Minuten Hüpfen geht es an den letzten Fragebogen. Und dann ist es geschafft. Der glücklichste Moment des Experiments kommt jetzt, ich kriege die Haube abgesetzt. Befreit. Mein Teil ist getan. Jetzt ist die Wissenschaft dran. Professor Baschbusch schaut sich ganz genau an, wie sich meine Gehirnaktivität, mein Herzrhythmus, meine Gesichtsmuskeln und meine Gefühlslage im Laufe des Experiments verändert haben.
Was sagt die Wissenschaft? Welcher Glücksbringer hat mich jetzt am glücklichsten gemacht? Es war nicht nur einer, es waren am Ende zwei. Sport und die Musik. Das waren die beiden, die am meisten am Ende ausgelöst haben. Aha, das habe ich auch selber so empfunden. Also ich hatte ja auch Trampolin und das Lied hören, fand ich so am besten.
Das Spannende ist, diese zwei Sachen haben mich auf unterschiedliche Art und Weise glücklich gemacht. Die Gehirnaktivität hat bei dem Trampolin sich viel, viel mehr verändert. Während der Gesichtsmuskel, also das Lächeln, nachdem man das Lied gehört hat, wer viel, viel mehr gemacht hat im Vergleich zu dem Trampolin.
Ich habe innerlich weiter gelächelt und das konnten diese Sensoren sogar messen. Sport regt also die Gehirnaktivität an. Bei meinem Lieblingslied wurden vor allem meine Gesichtsmuskeln aktiviert. Das habe ich ja während des Experiments selbst schon bemerkt. Ich musste fast wie von selbst lächeln. Bei beiden Aktivitäten hat außerdem mein Herz reagiert und die Gefühle, die ich im Fragebogen festgehalten habe, waren positiver als beim Grinsen und bei der Schoki.
Es gibt also keinen klaren Gewinner. Aber was genau haben Grinsen und Schoki denn bewirkt? Da hat sich nicht allzu viel getan. Lächeln und Schokolade weder im Herzen noch im Gesicht und bei der Gehirnaktivität auch nicht besonders viel. Na gut, für mich sind das also wohl keine großen Glücksbringer. Aber wenn ihr vorher mit mir zusammen gelächelt habt, schreibt doch mal in die Kommentare, ob ihr euch danach glücklicher gefühlt habt.
Was ist denn jetzt in meinem Körper, vor allem bei Trampolinen und Liedhörern, was ist in meinem Körper genau passiert? Im Gehirn sind eine ganze Reihe von Botenstoffen ausgeschüttet worden. Und vom Gehirn aus sind dann so Nervenfasern, die zum Herzen gehen, die ins Gesicht gehen, aktiver gewesen. Und das äußert sich dann in diesem Wohlbefinden?
Genau. Mein Glücksgefühl verschwindet aber so langsam wieder ein bisschen. Also es hält nicht lange an. Genau, aber das ist auch nicht unerwartet. Das ist etwas, was sehr flüchtig ist, wenn man etwas einmal macht und es relativ rasch wieder verschwindet. Aber wie schaffe ich es dann, dass dieses Glücksgefühl länger anhält und ich mich sogar nachhaltig wohlfühle? Die Antwort ist relativ einfach.
Das dann regelmäßig machen. Also jeden Tag Sport, jeden Tag Musik hören. Das wäre dann das, was für dich das Allerbeste wäre. Na gut, dann werde ich mir jetzt wohl ein kleines Trampolin zulegen und beim Hüpfen Beyoncé hören. Musik. Es gibt aber auch andere Wege, wie man langfristig glücklicher werden kann.
Glücklich sein ist nämlich nicht nur ein Gefühl, das einfach so passiert. Es ist auch eine Fähigkeit, die man lernen kann, so wie Radfahren oder Kopfrechnen. Und wie das genau funktioniert, erklären wir euch in unserem Besser Wissen drin. Besser Wissen drin. Glücklich sein lässt sich trainieren. Ihr könnt euch das so vorstellen.
Ihr steht an einer Kreuzung im Wald mit ganz vielen Wegen. Lauft ihr immer wieder denselben Weg, merkt ihr ihn euch und findet beim nächsten Mal schneller wieder raus aus dem Wald. Genau so ist das mit positiven Gedanken und Gefühlen. Je öfter ihr sie habt, desto leichter kann euer Gehirn sie beim nächsten Mal ansteuern.
Und es gibt da ein paar einfache Dinge, die ihr, neben Musik hören und vielleicht Trampolinspringen, gut in euren Alltag einbauen könnt, um die Glücksfade im Hirn zu vertiefen. Zum Beispiel, erstens, ein Dankbarkeitstagebuch. Schreibt euch jeden Abend drei Dinge auf, die euch glücklich gemacht haben.
Auch Kleinigkeiten, wie ein gutes Gespräch oder ein leckeres Eis. Zweitens, auf euch selbst hören. Fragt euch ab und zu, was tut mir gerade gut? Brauche ich eine Pause? Was macht mich glücklich? Drittens, Bewegung. Nicht nur auf dem Trampolin, sondern beim Sport allgemein schüttet euer Körper den Botenstoff Dopamin aus.
Das macht euch automatisch glücklicher und stärkt so die Verbindung zu positiven Gefühlen im Gehirn. Viertens, soziale Kontakte. Schon ein kurzes Treffen mit einer guten Freundin oder eurem besten Freund kann die Stimmung heben und vertieft dabei auch die Glücksfade in eurem Gehirn. Das heißt natürlich nicht, dass ihr auf Knopfdruck für immer glücklich sein könnt. Das kann niemand.
Auch Lebenssituationen, Gene und Persönlichkeit spielen eine Rolle. Aber wenn ihr auch nur eine dieser Sachen regelmäßig macht, wird euch das sehr wahrscheinlich langfristig glücklicher machen. Besser Wissen drin. Einer meiner Top-Glücksbringer war ja Musik hören. Aber auch Musik selbst zu machen, z.B. beim Singen, soll das Wohlbefinden stärken.
Wie groß diese Effekte sind, will ich testen. Und zwar mithilfe von 20 Jungs der Frankfurter Merianschule. Sie wagen sich ran und werden für die nächsten 6 Wochen gemeinsam in einem Chor singen. Das Besondere, sie alle haben eigentlich wenig bis gar keinen Bock auf Singen. Ich war noch nicht im Chor, dann dachte ich, da sind nur Mädchen und sowas und es macht noch keinen Spaß.
Ich war im Chor, aber ich wollte eigentlich fast nie hingehen, weil ich immer dachte, singen ist langweilig, davon gehe ich nicht nur. Trotzdem stellen sie sich unserer Herausforderung und finden für uns heraus, kann gemeinsames Singen wirklich glücklicher machen? Auch hier holen wir uns Unterstützung. Professor Gunther Kreutz wird unser Experiment begleiten.
Er erforscht, wie sich Singen auf unser Wohlbefinden auswirkt, normalerweise aber an Erwachsenen. Also bei Erwachsenen wüsste ich ja ungefähr, was mich erwartet. Aber mit Jungs, da gibt es keine Studien. Da bin ich jetzt mal sehr gespannt. Damit die Ergebnisse am Ende auch wirklich stimmen, müssen die Jungs immer unter den gleichen Bedingungen gemeinsam singen.
Für die nächsten sechs Wochen heißt das deshalb, immer freitags nach der vierten Stunde ab zum Chorunterricht. Damit wir auch wirklich messen können, ob die Chormitglieder durchs regelmäßige Singen glücklicher werden, hat Professor Kreutz spezielle Fragebögen entwickelt, die die Kinder immer vor und nach der Probe ausfüllen müssen.
Auf einer Skala von 1 bis 5 sollen sie beschreiben, wie sie sich gerade fühlen. Also ob sie z.B. Kaputt und müde oder aber gut drauf und entspannt sind. So kann Professor Kreuz untersuchen, wie sich die Gefühle durch das Singen verändern. Diese Fragebögen bekommen die Jungs also in die Hand gedrückt und sie fangen direkt fleißig an, sie auszufüllen.
Und dann kann es auch schon losgehen mit der allerersten Gesangsprobe. Dafür sind jetzt alle in einem Musikraum versammelt. In der Mitte steht ein Klavier, an dem die Chorleiterin Frau Sattler sitzt und spielt. Die Jungs setzen sich in zwei Reihen zu einem Halbkreis um das Klavier herum. In den Händen Zettel mit dem Songtext.
In der ersten Probe wirken alle erst mal noch total verhalten. Sie starren konzentriert auf ihre Zettel. Kaum einer traut sich, wirklich laut mitzusingen. Man hört fast nur Frau Sattler. Aber das ist ja nur mein erster Eindruck von außen. Zusätzlich zum Fragebogen, den sie jetzt wieder ausfüllen müssen, fragen wir deshalb noch mal nach.
Also meine Sorgen, die ich hatte. Das Ganze ist einfach wie verschluckt worden. Ich fühle mich eigentlich auch recht glücklich, aber ich bin auch jetzt recht schlapp. Ich habe auch jetzt halt Hunger. Ich fühle mich fröhlich. Und es macht mir auch richtig Spaß, wenn man so richtig laut mal so mit anderen singen kann.
Also, auch wenn die meisten erstmal zurückhaltend waren, es hat ihnen Spaß gemacht. Und das, obwohl sie ja am Anfang gar keine Lust auf das Chorexperiment hatten. Mal sehen, wie sich die Stimmung in den nächsten Wochen entwickelt. Nach drei Wochen schauen wir zurück zu unserem Glückschor. Die Hälfte der Probezeit ist nämlich schon vorbei.
Und die Probe hört sich schon ganz anders an als beim ersten Mal. Der Chor klingt viel lauter und sicherer als davor. Statt zu sitzen, stehen sie jetzt auch ab und zu. Den Zettel mit dem Text brauchen sie nicht mehr. So haben sie jetzt die Hände frei zum Klatschen. Heute kommt Professor Kreuz wieder in die Klasse, denn er hat ein weiteres kleines Experiment mit den Kindern vor.
In kleinen Gruppen sollen sie Karten spielen und, wie beim Singen auch, davor und danach in Fragebögen angeben, wie sie sich fühlen. So kann Professor Kreuz später herausfinden, Liegt die bessere Stimmung wirklich am Singen oder macht vielleicht jede angenehme gemeinsame Aktivität glücklich? Und was ist der erste Eindruck der Jungs? Wie hat sich das Kartenspielen im Vergleich zum Singen angefühlt? Also beim Singen habe ich mich gut gefühlt, beim Kartenspielen so auch, aber beim Singen etwas mehr.
Also das Singen, das hat mehr Spaß gemacht. Beim Singen konnte man es einfach rauslassen. rauslassen, wie wenn es wegfliegt. Und beim Kartenspielen hat man halt Karten abgeworfen. Ob sich das auch in den Fragebögen so widerspiegelt, das finden wir später raus. Jetzt wird erstmal noch weiter geprobt. Super!
Sechs Wochen sind vergangen und die Probezeit des Pur-Plus-Glückschors ist fast vorbei. Heute steht die allerletzte Gesangsprobe an und Professor Kreutz ist zurück. Er hat die Ergebnisse ausgewertet und stellt sie den Schülern in einer Grafik vor. Ein blauer Balken zeigt, wie glücklich sich die Jungs vor den Chorstunden gefühlt haben. Ein rosa Balken zeigt die Angaben danach.
Und was denkt ihr, welcher Balken ist höher? Genau, der rosa Balken. Die Jungs waren also nach dem Singen glücklicher als davor. Und dann gibt es ja noch den Vergleich mit dem Kartenspiel. Auch hier ist die Stimmung nach dem Spielen besser. Aber der Balken ist nicht so hoch wie der nach dem Singen. Das heißt, dass Singen irgendwas mit euch gemacht hat, was das Kartenspiel nicht gemacht hat.
Unser Chor kann sich also zu Recht Purplus Glückschor nennen. Aber wieso macht Singen denn so glücklich? Dafür gibt es mehrere Gründe. Beim Singen atmen wir oft ruhiger und gleichmäßiger, was entspannend wirkt. Auch der Klang der Musik kann unsere Stimmung verbessern. Das habe ich ja auch bei meinem Test gemerkt.
Während ich mein Lieblingslied auf den Ohren hatte, habe ich mich wohler gefühlt als davor. Dazu kommt, wenn wir mit anderen zusammen singen, fühlen wir uns als Teil einer Gruppe, erleben gemeinsam etwas Schönes, können die Freude der anderen spüren und werden alle zusammen immer besser in dem, was wir tun. Ein Erfolgserlebnis.
Und was nehmen die Schüler aus dem Experiment mit? Ich fand das Projekt gut, weil das hat mir die Chance zu geben, einmal im Chor zu singen. Es hat auch sehr glücklich gemacht, wie man auch an den Balken dort vorne gesehen hat. Mir hat das Singen gut gefallen, weil es nur so mit Jungs war. Ich wusste schon, dass es Spaß macht, aber dass es so viel Spaß macht, habe ich nicht gesagt.
Die Jungs sind zu ihrer eigenen Überraschung also richtige Gesangsfans geworden. Das zeigt, manchmal lohnt es sich, Dinge einfach mal auszuprobieren. Auch wenn wir zuerst keine Lust darauf haben oder uns nicht ganz sicher sind, ob wir das schaffen. Denn neue Erfahrungen können uns auch langfristig glücklicher machen.
Wenn wir Neues lernen, dann lernen wir auch, wirksam zu sein. Beim Chor, wenn ich im Chor singe, ist natürlich so mein Beitrag auch wichtig, dass das gemeinsame Singen auch tatsächlich funktioniert. Das ist Glücksforscherin Ulrike Lichtinger. Sie ist Professorin für Sozialwissenschaften und erforscht Glücklichsein bzw.
Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Und das steigt, wenn sie spüren, dass sie etwas zum Positiven verändern. Selbstwirksamkeit nennt sich das, kostet aber eben erstmal Überwindung, sagt sie. Die meisten Menschen sind nämlich Gewohnheitstiere. Unser Gehirn mag eigentlich am liebsten Dinge, die es schon kennt, die vorhersehbar sind, die sicher sind. Da muss man sich nicht anstrengen, das ist so eine Wiederholung des Bekannten.
Und bei etwas Neuem ist das natürlich anders. Da weiß ich ja erstmal nicht, gerade beim Singen auch, kann ich das, blamiere ich mich vielleicht. Und das kann erstmal ein unangenehmes Gefühl hervorrufen. Das ist aber auch vollkommen normal. Um sich neuen Herausforderungen zu stellen, braucht es erstmal Mut und natürlich den Willen.
Aber was ist, wenn ich mich nicht traue? Was ganz wichtig ist, ist, dass ich natürlich darauf achte, dass der Lerntritt nicht zu groß ist. Also ich soll mich nicht überfordern, aber ich darf mich anstrengen. Und was ganz gut helfen kann, ist eben, wenn ich es nicht alleine tue. Also wenn ich andere an meiner Seite habe, die mit mir gemeinsam was Neues lernen und die mich dann auch unterstützen können.
Sich aus der Komfortzone zu bewegen, heißt außerdem nicht automatisch, dass ihr jetzt etwas ganz Neues oder Verrücktes machen müsst. Achtet da auf euer Bauchgefühl und womit ihr euch wohlfühlt. Oft reichen schon kleine Dinge, um das Selbstbewusstsein zu stärken und einen glücklicher zu machen. Probiert doch vielleicht in den nächsten Tagen mal etwas Kleines aus.
Zum Beispiel jemand Neuen fragen, ob er oder sie mitspielen will. Oder nehmt nach der Schule einen anderen Weg nach Hause. Unsere Sänger des Purplus-Glückschors waren auf jeden Fall so mutig, sich unserem Experiment zu stellen und etwas Neues auszuprobieren. Und dafür gibt es jetzt von Chorleiterin Frau Sattler noch eine kleine Überraschung.
Total super habt ihr das gemacht. Und ich finde es war so toll, dass ich euch vorschlagen wollte, ob ihr Lust habt, am Montagabend bei unserem Konzert in der Kirche hier in der Schule zu singen. Das Spielkonzert. Ja! Oh mein Gott! Wow, die Kinder sind begeistert. Jetzt können sie auch ihren Eltern und Freunden zeigen, was sie in den letzten sechs Wochen einstudiert haben.
Und mit ihren Liedern auch andere glücklich machen. Am Tag der Aufführung laufen unsere Sänger in roten Shirts auf die Bühne. Sie stellen sich in mehreren Reihen auf ein Podest und lächeln in die Menge. Und dann geht's los. Alles klappt wie geprobt. Sie singen, klatschen und haben einfach Spaß. Am Ende gibt es großen Applaus und alle sind glücklich.
Also, fassen wir nochmal zusammen. Was uns glücklich macht, ist ziemlich individuell. Es gibt aber ein paar Dinge, die vielen Menschen schnell ein gutes Gefühl geben. Zum Beispiel Sport machen, singen oder das Lieblingslied hören. Diese Glücksgefühle halten aber oft gar nicht so lange an. Wenn wir uns langfristig wohler fühlen wollen, hilft es deshalb, solche Dinge regelmäßig zu machen.
Und manchmal lohnt es sich auch, etwas Neues auszuprobieren. Das kostet am Anfang Überwindung. Aber wenn ihr euch in kleinen Schritten an etwas Neues herantraut und dranbleibt, stellt ihr vielleicht fest, hey, das macht ja richtig Spaß. Und ganz nebenbei stärkt ihr auch noch euer Selbstbewusstsein. Und was mich angeht, ich sage nur Trampolin springen, mein Lieblingslied hören und ab und zu an Caramello denken.
Das mache ich ja eh schon ziemlich oft. Apropos Karamello, Grüße gehen diesmal raus an einen Hörer oder eine Hörerin namens Hund. Und wo wir schon bei Tieren sind, auch an Löwe sowie an Smilla, die wiederum ein großer Hühnerfan ist. So sehr, dass sie darüber gerne mal eine Folge hören würde. In der nächsten Folge geht es aber erstmal um ein anderes Thema, das immerhin indirekt mit Tieren zu tun hat. Nämlich Essen ohne Fleisch.
Abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Oder schaut doch mal auf zdf-tv.de vorbei. Den Link findet ihr in den Shownotes. Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere. Im Auftrag des ZDF und der Redaktion Purplus.