PUR+ Wissendrin mit Eric

38| Steinzeit: Eric reist hin und erlebt, wie sie (wirklich) war

Freitag, 14. August 2026 · 25 min

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Shownotes

Wie lebten die Menschen in der Steinzeit? Klar, sie hatten kein warmes Bett, keinen Kühlschrank mit leckerem Essen, kein Bad und keine Toilette – noch nicht mal ein festes Dach über dem Kopf, welches vor Regen, Wind und Kälte schützte. Aber: waren sie deswegen ständig hungrig, froren sie die ganze Zeit und hatten ein hartes Leben? Eric macht den Selbsttest und reist für zwei Tage 300.000 Jahre zurück in die Vergangenheit!
Gemeinsam mit dem Experimentalarchäologen Rudi Walter sammelt er essbare Pflanzen, baut Werkzeuge aus Stein, macht Feuer ohne Streichhölzer und übernachtet in einem steinzeitlichen Lager. Dabei erlebt er hautnah, wie sich das Leben der Jäger und Sammler in der Altsteinzeit angefühlt haben könnte. Und findet heraus: war es wirklich so hart? Doch dann kommt der große Umbruch in der Jungsteinzeit: Die Menschen wurden sesshaft, bauten Getreide auf Feldern an, gründeten die ersten Dörfer und hatten endlich ein festes Dach über dem Kopf. Klingt erst mal gut, aber war das wirklich ein Fortschritt?
Außerdem geht Eric einer spannenden Frage nach: Warum steckt auch heute noch so viel Steinzeitmensch in uns? Was haben unsere Ängste, unser Bewegungsdrang und sogar der Stress in der Schule mit unseren Vorfahren zu tun?
Eine Zeitreise voller überraschender Entdeckungen, spannender Experimente und verblüffender Antworten. Komm mit in die Steinzeit und finde heraus, warum sie viel mehr mit deinem eigenen Leben zu tun hat, als du vielleicht denkst!

Moderation: Eric Mayer
Experten: Prof. Martin Brüne, Rudolf Walter
Fachberatung: Dr. Luise Loges
Autor/innen dieser Folge: Dirk Beppler, Susanne Dittebrand, Lena Kohlwes
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung und Redaktion Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Hi Leute, hier ist Erik. Denkt doch mal an euer Zuhause. Vielleicht seid ihr da ja auch gerade. Da gibt es ein gemütliches Bett zum Reinkuscheln, viele coole Sachen, um sich die Zeit zu vertreiben, einen Kühlschrank mit leckerem Essen und ein Badezimmer, um sich zu waschen und auf Toilette zu gehen. Und ach ja, das Wichtigste, ein Dach über dem Kopf, was vor Regen, Wind und Kälte Jetzt stellt euch mal vor, all das wäre einfach weg.

Kein Bett, kein Kühlschrank, kein Dach. Ganz schön krasse Vorstellung, oder? Genau so haben die Menschen vor ca. 300.000 Jahren in der Altsteinzeit gelebt. In der ältesten Epoche unserer Menschheit. Sie mussten sich ihr Essen jagen, hatten kein festes Zuhause und sind ihr ganzes Leben lang durch die Natur gestreift.

Aber war das wirklich so schlimm? Und was haben die Steinzeitmenschen eigentlich noch mit uns heute zu tun? Genau das will ich für euch rausfinden. Und dafür werde ich selbst wie ein Steinzeitmensch leben. Ihr hört Wissen drin, den Podcast von Purplus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren oder genaues Zuhören finden lassen.

Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Gesagt, getan. Zwei Tage geht's jetzt für mich in die Steinzeit. Zuerst in die Altsteinzeit und dann in die Jungsteinzeit. Und das mache ich nicht alleine, sondern zusammen mit einem echten Profi. Und der hat ganz schön viel für unser erstes Altsteinzeitexperiment dabei.

Kleine Waffen, Steine, Klamotten, Planen und so weiter. Ja, lauter steinzeitliche Sachen, die wir brauchen für unsere Reise. Rudi Walter ist Experimentalarchäologe. Archäologe. Das bedeutet, er baut Waffen, Zelte und einfach alles aus der Steinzeit nach und probiert dann aus, wie diese Dinge früher wahrscheinlich benutzt wurden.

Die experimentelle Archäologie ist eine von vielen Fachrichtungen, die uns dabei helfen, die Steinzeit zu erforschen und besser zu verstehen. Wir wollen in die Steinzeit reisen und wir sind hier an einem ganz besonderen Ort am Rande der Schwäbischen Alb im Hegau, so heißt hier dieses Gebiet. Rudi und ich stehen mitten in einem Tal, auf einer großen, wilden Wiese.

Um uns herum sind Berge mit Höhlen und Kletterpfaden, kleine Wälder, ganz viele Pflanzen. Keine Zivilisation weit und breit. Genau hinter uns haben wir die Fundstelle Petersfeld und da haben die gewohnt. Fundstelle Petersfeld bedeutet, da haben Archäologen viele Überreste aus der Vergangenheit entdeckt und vieles daraus gelernt.

Es gibt also kaum einen besseren Ort für unser Purplus-Wissen-Drinn-Experiment. An Tag 1 will ich rausfinden, wie die Menschen in der Altsteinzeit hier gelebt haben. Und Rudis und mein Experiment startet jetzt. Jetzt. Ich bekomme von Rudi Klamotten, wie sie auch früher in der Altsteinzeit getragen wurden.

Schuhe aus Rentierfell, dazu eine dunkle Hose und ein Hemd aus Leder. Ich muss sagen, das ist gar nicht so unbequem. Und das ist auch gut so, denn heute werde ich mich viel bewegen. Als erstes steht auf dem Plan, Beeren und Kräuter sammeln. Wir ziehen los und finden einen großen Strauch, an dem kleine, runde, orangene Beeren wachsen.

Das ist Sanddorn. Sanddorn? Sehr Vitamin C-haltig. Guck mal, habe ich so noch nie gesehen. Rudi pflückt ein paar Beeren und isst sie direkt. Ich probiere den Sanddorn auch mal. Die Beeren schmecken sauer, ein bisschen wie Zitronen oder Orangen, aber lecker. Aber mal ehrlich, es gibt auch Beeren, die sind giftig. Also jetzt bloß nicht zu Hause in den Garten gehen und Beeren essen.

Sehr giftige Beeren. Das sollte man wirklich kennen. In der Steinzeit gab es viele wilde, essbare Beeren und Pflanzen, die wir heute kaum noch kennen oder nutzen. Unsere Vorfahren kannten sich sehr gut aus und wussten genau, welche Pflanzen essbar waren und welche giftig. Neben dem Sanddorn sammeln wir auch etwas wilden Majoran. Der wird auch heute noch als Gewürz genutzt, zum Beispiel für Pizza.

Jetzt, wo Rudi und ich schon ein bisschen was gesammelt haben, steht eine weitere wichtige Aktivität der Altsteinzeit an. Jagen gehen. Dafür müssen wir aber noch unsere Waffe bauen. Rudi zeigt mir, wie das geht. Und ich verstehe langsam, warum die Steinzeit Steinzeit heißt. In der einen Hand hat er einen großen, unförmigen Stein und in der anderen einen flachen Stein, ohne Ecken und Kanten.

Den nimmt er jetzt und schlagt dann genau an der richtigen Stelle. Einen kurzen Schlag. Schon habe ich das nächste Messer. Tatsächlich, von dem großen, unförmigen Stein ist ein Stück abgebrochen. Ich schaue mir das genauer an. Das abgebrochene Stück sieht tatsächlich ein bisschen aus wie eine Messerklinge.

Und das ist ja sogar schon scharf. Wir probieren sofort aus, ob es funktioniert. Rudi gibt mir dafür ein Stück Leder. Das ist ein Hirschleder, wenn du dann mal mit der Kante einlangfährst. Wie so früh schneiden oder was? Schneid einfach mal ran. Boah, krass, guck mal. Nur mit so einem Stein. Wow, okay.

Unsere Vorfahren in der Steinzeit haben sich genauso, also aus Steinen, Waffen und Werkzeuge gebaut. Die finden wir häufig und daher hat die Steinzeit den Namen. Die Steinklingen haben unsere Vorfahren zum Beispiel an geschnitzten Stöcken festgebunden. So hatten sie dann Speere. Damit konnten sie dann Tiere wie Mammuts oder Bisons jagen.

Lange dachte man übrigens, Jagen in der Steinzeit sei nur Männersache gewesen. Eure Eltern und vielleicht sogar eure großen Geschwister haben das noch in der Schule gelernt. Neueste Forschung zeigt aber, das stimmt gar nicht. Im Besserwissen drin erfahrt ihr, wie es wirklich war. Besser Wissen drin. Heute geht man davon aus, in der Steinzeit gab es keine Aufgaben, die nur Männer oder nur Frauen gemacht haben.

Frauen waren an der Jagd beteiligt und Männer haben auch Bären gesammelt. Doch woher wissen wir das eigentlich? Um unsere Vergangenheit zu verstehen, hilft es manchmal, einen genaueren Blick auf die Gegenwart zu werfen. Forscherinnen haben sich die Arbeitsteilung bei Menschengruppen angeschaut, die noch heute jagen und sammeln.

Solche Stämme leben abgeschottet von unserer Zivilisation. Ohne Technik, Medizin und Häuser. Also fast noch wie in der Altsteinzeit. In diesen Kulturen sind Frauen fast immer an der Jagd beteiligt. Und die Aufgaben nicht nach Geschlecht, sondern eher nach Alter, individuellen Fähigkeiten oder auch schlicht nach Tagesform verteilt.

Deswegen gehen die Forscherinnen davon aus, dass auch früher in der Altsteinzeit Frauen Teil der Jagd waren. Neuste DNA-Analysen von menschlichen Skeletten konnten außerdem zeigen, dass die Personen, die mit ihren Waffen begraben wurden, auch Frauen waren. Was darauf hindeutet, dass auch Frauen gejagt haben.

Und Knochenfunde belegen, dass Frauen auch stärkere Muskeln an einem Arm hatten. Was dafür spricht, dass sie oft Speere geworfen haben, die bei der Jagd eingesetzt wurden. Alles wichtige Hinweise darauf, dass Frauen sehr wahrscheinlich bei der Jagd eine entscheidende Rolle gespielt haben. Aha! Egal ob Mann oder Frau, die Jagd war nicht immer erfolgreich.

Und so ist es auch bei Rudi und mir. Wir streifen zwar durch die Landschaft, aber stoßen auf keine Tiere. Und so langsam wird es auch schon dunkel. Es wird Zeit, unser Abendlager aufzuschlagen. Damit wir in der Nacht geschützt sind, bauen Rudi und ich ein Zelt aus Stöcken und Leder planen. Das ist ganz schön anstrengend, aber es lohnt sich. Denn die Menschen blieben damals auch mal ein paar Tage am selben Ort.

Zumindest so lange, bis sie keine Beeren und keine Beutetiere mehr gefunden haben. Also, unser Zelt steht. Jetzt hab ich Hunger. Nur gejagt haben wir ja nichts. Wir haben nur noch ein paar Beeren und Kräuter von unserer Sammelaktion. Zum Glück hat Rudi vorgesorgt mit einem Steinzeitkühlschrank. Kein Scherz.

Rudi hat an der Stelle, wo wir das Lager aufgeschlagen haben, schon etwas vorbereitet. Ein kleines Loch im Boden, das mit Steinen zugedeckt ist. So wird das, was im Loch liegt, vom Boden und den Steinen gekühlt. Ui, was haben wir denn da? Schau mal. Das ist doch Grünzeug, oder was? Ja, schau mal, was da drin ist. Vom letzten Bisum, der Braten.

Das ist natürlich super. Rudi hat in seinem Steinzeitkühlschrank Fleisch gekühlt und auch ein paar Eier. Auch die hätten wir theoretisch auf unserer Sammeltour finden können. Um jetzt das Essen aber zuzubereiten, fehlt uns noch eine ganz wichtige Sache. Feuer! Dafür hat Rudi zwei Gegenstände mitgebracht, die unsere Vorfahren in der Allsteinzeit so in der Natur finden konnten.

Einen Feuerstein und ein Stück Pürit. Das ist ein Material, was hauptsächlich aus Eisen und Schwefel besteht. Rudi hält das Stück Pürit in der Hand und schlägt mit dem Feuerstein fest drauf. Und tatsächlich, dabei entstehen ein paar Funken. Jetzt bin ich dran. Ich probiere und probiere und nach ein paar Anläufen...

Jawoll! Hab ich den Dreh raus. Ein paar Funken entstehen, mit denen wir dann ein Feuer entzünden können. Und über dem Feuer können Rudi und ich jetzt unser Fleisch aus Rudis Steinzeitkühlschrank zusammen mit dem wilden Majoran grillen. Das ist echt lecker. Nach so einem langen Steinzeittag genau das Richtige, jetzt mal was zwischen die Zähne zu kriegen.

Ist eigentlich echt schön, so gemeinsam am Lagerfeuer zu sitzen. Ich denke noch mal über den Tag nach. Also man könnte doch schon sagen, dass unsere Vorfahren eigentlich ein ganz gutes Leben hatten. Die hatten genug zu essen, die hatten Wärme durch Feuer, die hatten Schutz durch die Zelte zum Beispiel.

Im Endeffekt ein ganz gutes Leben eigentlich. Die haben auch unheimlich lange als Jäger und Sammler gelebt. Und die haben nicht, wenn du weißt wie, dann ist es auch nicht sonderlich anstrengend. Vor etwa 7.500 Jahren haben sie dann aber bei uns begonnen, Ackerbau zu betreiben. Und mit dem Ackerbau hat sich grundlegend etwas verändert. Eine neue Epoche bricht an. Die Jungsteinzeit.

Bevor wir aber in diese Epoche reisen, treibt mich ja schon die ganze Zeit eine grundsätzliche Frage um. Was hat das eigentlich alles, also die Steinzeit, mit uns heute noch zu tun? Dafür spreche ich mit Martin Brüne. Er ist Arzt und hat ein Buch geschrieben, in dem er sich mal genauer angeschaut hat, wie die Steinzeit immer noch Einfluss auf unser heutiges Leben hat.

Denn was ihr wissen müsst. Also es steckt noch ganz viel Steinzeitmensch in uns. Zum Beispiel sieht unser Körper noch fast genauso aus wie in der Steinzeit. Und auch unser Gehirn ist eigentlich noch sowas wie ein Steinzeitgehirn und hat sich bis heute kaum verändert. Ein Problem für uns. Weil unsere Steinzeitgehirne eben in mancherlei Hinsicht viel kurzfristiger denken, als wir das tun sollten.

Wir müssen ja auch an langfristige Folgen unseres Verhaltens denken und das war früher in diesem Ausmaß nicht so nötig und auch nicht möglich. Früher mussten die Menschen nicht so weit in die Zukunft planen. Sie lebten viel mehr im Moment. Heute müssen wir an ganz viele Dinge gleichzeitig denken. Wir müssen im Unterricht aufpassen und schon heute daran denken, dass wir am Ende des Schuljahres ein gutes Zeugnis und am Ende der Schulzeit einen guten Schulabschluss haben wollen.

Das kann ganz schön anstrengend und auch überfordernd sein, weil unser Gehirn immer noch wie in der Steinzeit arbeitet und für langfristige Planungen überhaupt nicht gemacht ist. Stellt euch mal vor, ein Steinzeitkind würde mit einer Zeitmaschine in unsere Zeit reisen. Martin Brühne kann sich ausmalen, was dann passieren würde. Dann wird es wahrscheinlich mit dem Kopf schütteln, was es hier vorfinden würde.

Steinzeitkinder mussten sicherlich nicht stundenlang in der Schule still auf einem Platz sitzen. Das Lernen war ein ganz anderes und wurde auch mit Sicherheit nicht überwiegend von Erwachsenen vermittelt, sondern von anderen Kindern. Die Möglichkeiten, die Umwelt auszukundschaften, die waren früher viel anders, als das heute Kindern gestattet wird.

Auch, dass wir in unserem Alltag so vielen fremden Menschen begegnen, im Supermarkt, im Bus oder auf dem Schulhof, wäre nicht nur für ein Steinzeitkind zu stressig, sondern kann auch uns überfordern. An diese Situation ist unser Steinzeitgehirn nicht so gut angepasst. Das heißt, die Begegnung mit fremden Menschen, also intensive Begegnung mit Fremden, die macht uns Stress und das kann man sogar messen.

Menschen, die in der Stadt leben und viel mehr fremde Menschen pro Tag sehen, sind zum Beispiel oft gestresster als Menschen auf dem Land. Es gibt noch viele weitere Bereiche, in denen wir merken, dass sich unser Steinzeitgehirn noch nicht an das moderne Leben angepasst hat. Zum Beispiel, wenn wir uns anschauen, wovor viele Menschen immer noch Angst haben. Höhe, Dunkelheit oder auch vor Tieren wie Spinnen oder Schlangen.

Das sind Ängste vor Gefahren, die wir aus der Steinzeit geerbt haben, die heute aber selten noch lebensbedrohlich sind. Vielleicht fragt ihr euch, warum sich unser Gehirn nicht einfach den neuen Umständen anpasst? Schließlich ist die Steinzeit doch schon so lange her. Erstens, Evolution ist manchmal gar nicht so schnell.

Und unsere moderne Zeit ist vor so kurzer Zeit erst entstanden, dass die Evolution, also die biologische Anpassung, die konnte gar nicht Schritt halten mit diesem Tempo. Das bedeutet, uns Menschen, den Homo Sapiens, so wie wir heute sind, gibt es seit etwa 300.000 Jahren. Aber erst seit ungefähr 10.000 Jahren leben wir sesshaft, also in Häusern, Städten und Dörfern.

Um zu verstehen, warum das für die Evolution echt zu kurz ist, stell dir die Menschheitsgeschichte wie einen einzigen Tag vor. Von morgens bis spätabends lebten die Menschen als Jäger und Sammler und daran waren sie angepasst. Erst kurz vor Mitternacht, etwa um 23.15 Uhr, wurden sie sesshaft. Das bedeutet, die Evolution, also die langsame Entwicklung und Anpassung von Lebewesen, hatte nur sehr wenig Zeit, uns Menschen an das moderne, sesshafte Leben anzupassen.

Deshalb reagieren unser Körper und unser Gehirn manchmal noch wie bei unseren Vorfahren aus der Steinzeit. Zum Beispiel mit Angst oder Stress, obwohl eigentlich keine echte Gefahr da ist. Und wegen all dieser Gründe haben wir auch heute noch ganz viel Steinzeit-Ich in uns. Und uns fallen manche Dinge schwer, wie lange ruhig sitzen.

Oder wir reagieren in bedrohlichen, angsteinflößenden Situationen immer noch so, als würde ein wildes Tier vor uns stehen und wir in Lebensgefahr schweben. Und wir müssten uns entscheiden, ob wir uns verteidigen oder flüchten, obwohl wir ja nur in der Schule sitzen und eine Arbeit schreiben sollen. Unser Altsteinzeit-Programm im Gehirn übertreibt dann gerne mal.

Und wenn Forschende das nicht rausgefunden hätten, wüssten wir nicht, warum das so ist und dass das aus der Steinzeit stammt. Meine Fragen sind also beantwortet. Und deswegen geht's zurück zu meinen Steinzeit-Experimenten. Die Altsteinzeit habe ich ja schon erleben dürfen. Und wie sich das Leben in der Jungsteinzeit angefühlt haben könnte, das finde ich an Tag 2 unseres Purplus-Wissen-Drinn-Experiments heraus.

Ich treffe mich gleich morgens wieder mit Rudi. Und eine Sache, die anders war in der Jungsteinzeit, ist schon mal die Klamotte. In der Altsteinzeit war es Leder, jetzt haben wir sogar richtigen Stoff. Auch dieses Mal habe ich von Rudi ein passendes Outfit bekommen. Ein Hemd aus hellem Stoff, dazu eine passende Hose.

Aber noch etwas ist anders. Rudi und ich stehen nicht mehr wie in der Altsteinzeit mitten in der Natur, sondern auf einem Acker. Und was auch ein großer Unterschied war, du hast ja schon angedeutet, dass jetzt Sachen angebaut wurden. Ja, natürlich. Die haben Getreide angebaut. Immer Weizen, Eigenkorn, später auch Dinkel.

Und da mussten sie den Boden urbar machen. Das bedeutet, die Menschen in der Jungsteinzeit haben Felder angelegt. Dafür mussten sie Wiesen und Steine entfernen und ganze Wälder roden. Das war aber noch nicht alles. Damit die Pflanzen auch gut wachsen konnten, mussten die Menschen den Boden noch vorbereiten.

Diesen wichtigen Schritt probiere ich jetzt selbst aus. In gebückter Haltung haue ich immer wieder mit einer Spitzhacke in den Boden, um die Erde aufzulockern. Zentimeter für Zentimeter lockere ich den Boden auf. Das ist ziemlich mühselig und dauert auch echt lang. Rudi schaut drauf, ob ich das auch richtig mache. Mensch, das sieht ja schon ganz gut aus.

Das sieht gut aus, das fühlt sich aber ehrlich gesagt nicht gut an. Das ist so ein Rückengift. Ihr hört es, ich bin ganz schön außer Puste. Ackerbau ist super anstrengend, vor allem ohne moderne Maschinen und Techniken. Auf dem von mir vorbereiteten Acker könnten jetzt Getreidesamen gepflanzt werden.

Doch bis das Getreide gewachsen und geerntet werden könnte, würde es je nach Sorte mindestens ein halbes Jahr dauern. Zum Glück müssen wir nicht so lange warten, bis wir etwas zu essen bekommen. Rudi hat mal wieder etwas vorbereitet. Eine Schüssel mit einem lauwarmen Brei. Das ist jetzt Getreidebrei. Das sind diese Emmerkornchen und Linsen, die haben die auch angebaut.

Und dann noch verschiedene Wurzeln und Wildgemüse, was sie so gefunden haben. Jetzt mal unter uns. Wirklich lecker sieht das nicht aus. So brauner Brei mit Linsen. Aber ich probiere es natürlich trotzdem mal. Okay, ja, also man kann es essen. Es ist jetzt nicht so super spitze, aber ein bisschen fad.

Aber dir fehlt vielleicht das Salz. Die hatten ja kein Salz hier. Siehst du, das ist ein bisschen Fahrt, auf jeden Fall. Für dieses Essen war das natürlich eine Riesenanstrengung. Die mussten sich um ihr Land kümmern. Die durften das nie aus den Augen lassen. Die mussten tagtäglich hier aufpassen auf die Sachen. Und haben dann hier Häuser gebaut.

Mit dem Ackerbau sind die Menschen also sesshaft geworden, denn sie mussten den Acker nicht nur pflegen, sondern auch beschützen. Vor großen Tieren, die auf dem Feld alles auffraßen oder zerstörten, kleinen Schädlingen, die die Vorräte vernichteten und oft vor anderen Menschen, die stehlen oder angreifen konnten.

Ohne ihre Ernte drohte Hunger. Statt umherzuziehen und Beeren zu sammeln oder zu jagen, lebten sie in Dörfern und ernährten sich nun vor allem von dem, was sie selbst anbauten. Getreide. Daraus machten die Menschen Haferbrei, Eintopf und am häufigsten Fladenbrot. Später haben die Menschen auch angefangen, Tiere zu halten, zum Beispiel Schweine oder Ziegen.

Dann gab es auch ab und zu Fleisch. Die vielen neuen Aufgaben wurden untereinander aufgeteilt. Manche waren für die Ernte zuständig, andere für Kleidung und wieder andere haben Werkzeuge hergestellt. Und auch die Kinder mussten schon früh mitarbeiten. Die Menschen wurden auch erfinderisch, begannen zum Beispiel zu Töpfern, zu Weben und haben das Rad erfunden.

So entwickelten sich die ersten Berufe. Was sich aber vor allem verändert hat, im Vergleich zur Altsteinzeit brauchten die Menschen in der Jungsteinzeit viel mehr Kraft und Energie, um Essen herzustellen. Das Essen machte zwar viele satt, doch das ständige Fladenbrot war nicht so gesund wie die Fleisch- und Pflanzennahrung der Jäger und Sammler.

Deswegen interessante Info zum Merken. Seit wir Menschen sesshaft sind und Landwirtschaft betreiben, ernähren wir uns insgesamt ungesünder. Und durch das enge Zusammenleben von Menschen und Tieren verbreiteten sich Erreger viel schneller und es entstanden leider auch Krankheiten, wie die Masern zum Beispiel.

Das Sesshaftwerden hatte also nicht nur Vorteile für die Menschen. Also im Vergleich zu den Jägern und Sammlern in der alten Steinzeit, Kann man ja schon sagen, ging es den Leuten in der Jungsteinzeit nicht unbedingt besser. Es war sehr anstrengend, die hatten auch Probleme. Was glaubst du, warum haben die sich trotzdem dafür entschieden, sesshaft zu werden? Ich glaube, das ist einfach eine Faszination.

Um Reichtümer anhäufen zu können. Du kannst alles, was dir gefällt, behalten. Als Jäger und Sammler musst du das mittragen. Gleichzeitig kannst du deine Nahrung wachsen lassen. Du kannst es bestimmen. Wenn ich faul bin, habe ich weniger. Wenn ich fleißig bin, habe ich mehr. Das macht über Tiere. Ich glaube, das ist schon was, was dir heute gefallen hat.

Dazu kommt, auch wenn der Ackerbau mühselig war und neue Herausforderungen mit sich brachte, er machte das Leben planbarer. Die Menschen waren nicht mehr davon abhängig, ob sie bei der Jagd Tiere erlegen. Sie konnten planen, wie viel Getreide sie brauchen, Vorräte ansammeln und sich so auch auf schwierige Zeiten vorbereiten.

Die Häuser schützen die Menschen vor dem Wetter, aber auch vor Wildtieren. Und auch die Rollen von Männern und Frauen haben sich verändert. Frauen waren oft an Haus, Kinder und Felder gebunden. Männer waren mehr mit der Jagd, der Verteidigung und Führung des Dorfes beschäftigt. Dadurch entstanden neue Machtverhältnisse.

In vielen Gesellschaften entwickelte sich daraus über lange Zeit ein System, in dem Männer mehr Einfluss hatten und bis heute noch haben. Das nennt man Patriarchat. Kurz gesagt, Sesshaftwerden hat den Menschen viele Vorteile und Sicherheit gebracht, aber auch Streitigkeiten um ihr Land, soziale Ungleichheiten und mehr Krankheitsrisiken.

Alles Dinge, die wir heute noch genauso haben. Ich muss ja sagen, auch wenn es richtig cool war, zwei Tage in der Steinzeit zu leben, ich bin froh, wieder zurück im Hier und Jetzt zu sein. Das Leben in der Steinzeit scheint zwar nicht so schwer und mühselig gewesen zu sein, wie wir uns das heute vorstellen.

Vor allem das Leben als Jäger und Sammler hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Was ich aber jetzt weiß, wir können von unseren Steinzeitvorfahren eine Menge lernen. Martin Brühne empfiehlt, channelt doch mal euer Steinzeit-Ich. Wir sollten mehr Zeit in der Natur verbringen zum Beispiel als am Handy.

Das tut uns auf jeden Fall gut. Wir sollten uns mehr bewegen als still zu sitzen vor dem Bildschirm. Wir sollten mehr verschiedenartige Eindrücke sammeln, also mit allen Sinnen und nicht so einseitig nur sozusagen uns berieseln lassen. Dafür ist unser Gehirn nicht so gemacht. Und deshalb mache ich heute erstmal einen großen Spaziergang durch die Natur, um mit allen Sinnen ein paar Eindrücke zu sammeln.

Schreibt mir doch mal in die Kommentare, ob ihr nach dieser Folge was unternommen habt, was eurem Steinzeit-Ich auch Spaß gemacht hat. Wie am Ende jeder Folge gibt es jetzt noch Grüße. Und zwar grüße ich heute zweimal Mats. Einmal Mats Wolf und einmal nur Mats. Schön, dass ihr Purplus Wissen drin hört.

Wenn ich euch auch mal grüßen soll, schreibt mir einfach einen Kommentar. Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere im Auftrag des ZDF und der Redaktion Purplus.

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