
37| Stars und Fans: Darum ist diese Beziehung (fast) normal
Freitag, 17. Juli 2026 · 25 min
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Shownotes
Viele Menschen sind Fan von etwas oder meist jemandem. Aber was genau ist das, dieses „Fantum“? Warum haben wir Idole – und was wiederum macht das mit den Stars, die von uns bewundert werden? Um das herauszufinden, spricht Eric mit der Sängerin und Schauspielerin Lina Larissa Strahl, die einst die Show „Dein Song“ gewann und spätestens seit ihrer Rolle in „Bibi und Tina“ viele Fans hat – was ganz schön Druck machen kann. Gleichzeitig, sagt sie, ist sie dankbar für die vielen tollen Erfahrungen, die der Ruhm ihr ermöglicht hat – nicht zuletzt deshalb träumen ja so viele Menschen davon, selbst ein Star zu sein oder wenigstens ihrem Idol möglichst nahe zu kommen. So ist Lina übrigens selbst Fan, von der Boyband „One Direction“ und deren Sänger Harry Styles, und auch unser Experte in dieser Folge, der Fanforscher Prof. Jörn Glasenapp von der Uni Bamberg, outet sich als Fan: von Taylor Swift. Beide kennen ihre Idole nicht persönlich und weder Taylor noch Harry wissen irgendetwas über Jörn oder Lina, und genau das ist das Besondere an dem Verhältnis zwischen Stars und Fans: Es handelt sich dabei um eine „parasoziale Beziehung“, was mit „Fast-Beziehung“ übersetzt werden kann. Wie intensiv diese Beziehung trotz der Einseitigkeit von den Fans erlebt wird, dafür gibt es ein wissenschaftliches Instrument, die „Celebrity Attitude Scale“. Mit dieser Skala lässt sich die Stärke des Fantums messen und genau das macht Eric in dieser Folge mit jungen Fans von der Liebigschule in Frankfurt. Klar ist: Bis zu einem gewissen Grad ist Fantum etwas vollkommen Normales und hat wichtige Funktionen: Es bietet Orientierung und hilft bei der Identitätsfindung, kann eine emotionale Stütze sein und ein Gefühl von Zugehörigkeit geben.
Moderation: Eric Mayer
Experte: Prof. Jörn Glasenapp, Franziska Lauter
Autor/innen dieser Folge: Brigitte Böttcher, Eva Knäusl, Lena Kohlwes
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung und Redaktion Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
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Hi, hier ist Erik. Sag mal, bist du eigentlich Fan? Vielleicht von einer Sängerin oder einer Band, einem Influencer oder einem Fußballverein? Oder es gibt diese eine Serie oder Buchreihe, über die du einfach stundenlang sprechen könntest? Also ich habe mal zufällig jemanden getroffen, von dem ich total Fan war.
Eine Schauspielerin, super bekannt aus vielen deutschen Filmen. Fuck you, Goethe zum Beispiel. Naja, ich sag jetzt mal lieber nicht, wer das ist. Am Ende hört Caroline Herfurt noch zu. Jedenfalls, ich war damals in einem Restaurant in Berlin und merke plötzlich, am Nebentisch sitzt sie. Ich hatte vor kurzem einen Film mit ihr gesehen und dachte in dem Moment, das gibt's doch nicht. Ich muss ihr sagen, wie toll ich den fand und wie super ich sie finde.
Ich, also rüber zu ihr, stehe vor ihr und... Als sie mich anschaut, bekomme ich einen richtigen Blackout. Ich stammle irgendwas von toller Film, aber mir fällt der Titel nicht mehr ein. Mein Kopf ist mal eben im Standby-Modus und ich merke schon, wie sie irritiert zu ihrem Sitznachbarn schaut. Mir hat's einfach die Sprache verschlagen.
Mann, war mir das peinlich. Das passiert mir sonst nie. Da sieht man mal, was für eine Wirkung unsere Idole auf uns haben können. Einem Star so nahe zu kommen, ist aber ja auch eine besondere Situation. Denn normalerweise erleben wir unsere Idole nur aus der Ferne, in den Medien oder vielleicht noch mit etwas Abstand auf einer Bühne.
Als Fans streamen, kommentieren, kaufen und lieben wir trotzdem fast alles, was mit unserem Star zusammenhängt. Aber ich frage mich da schon, warum machen wir das eigentlich? Und kann das auch kippen? Also an irgendeinem Punkt zu viel werden? Und wie ist das für die andere Seite? Wie fühlt es sich an, von so vielen fremden Menschen angehimmelt zu werden?
Heute geht es um Stars und Fans und ihre ganz besondere Beziehung zueinander. Ihr hört Wissen Drinnen, den Podcast von PUR Plus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren oder genaues Zuhören finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben.
Für diese Folge treffe ich, logisch, einen echten Star. Wow! Und auch ihre Fans. Ich bin mit ihr aufgewachsen. Also ich habe Bibi und Tina geguckt. Ich habe sie bei Kika gesehen. Na, habt ihr eine Idee, wer hier gemeint sein könnte? Na klar, Lina Larissa Strahl. Sie ist Sängerin und Schauspielerin. Bekannt wird Lina 2013 durch die Kika-Talentshow Dein Song, bei der sie zur Songwriterin des Jahres gekürt wird.
Vielleicht kennt ihr Lina aber auch aus den Bibi und Tina Kinofilmen. Da spielt sie die Bibi. Ich treffe Lina heute bei einem kleinen Konzert, das sie exklusiv für ihre treuesten Fans gibt. Während die sich nach und nach vorne in der Halle einfinden, macht Lina sich Backstage fertig für den Auftritt und nimmt sich extra noch ein bisschen Zeit, um mit mir über ihr Stasein zu sprechen.
Ich will von ihr wissen, wie es sich anfühlt, für so viele Menschen ein Vorbild zu sein. Deswegen schauen wir uns als erstes Aufnahmen von Linas Konzerten an. Mehr als 150.000 Menschen haben sie in den letzten Jahren schon live erlebt. Auf dem Screen sehen wir Lina jetzt auf einer großen Bühne stehen, vor ihr hunderte Fans, die jubeln, mitsingen und laut applaudieren.
Was für ein Moment, da steht man da, wird von so vielen Menschen angeguckt. Wie fühlt sich das an? Wie ist das, da ein Star zu sein in so einem Moment? Ich denke, mein Herz hat wahrscheinlich sehr, sehr doll geschlagen. Und so die Freude in den Gesichtern zu sehen, vor allen Dingen von den Leuten, die zugucken, das bereitet einem sehr viel Glück im Herzen.
Lina sieht schon auch ein bisschen stolz aus, wenn sie sich diese Videos anguckt. Aber sie wirkt auch ein bisschen nachdenklich. Gleichzeitig schwingt eine große Verantwortung mit. Also ich weiß natürlich irgendwie, ich stehe da und wenn die Show anfängt, muss ich hier liefern. Die sind wegen mir da.
Lina wurde quasi über Nacht zum Star. Und damit hat sich ihr gesamtes Leben von einem Moment auf den anderen verändert. Diese große Prominenz plötzlich, ist das geil oder ist das scheiße? Es ist spannend, würde ich jetzt mal sagen. Diplomatische Antwort. Ja, sehr diplomatisch gelöste Antwort, weil es ist natürlich auch toll, dass ich für eine gesamte Generation und eigentlich sogar auch die Generation, die jetzt gerade heranwächst, weil die Filme ja überall auch noch laufen, immer so eine Art Idol bin irgendwie.
Finde ich verrückt und das ist was ganz Tolles, was mir sehr nahe geht. Gleichzeitig so einmal wieder einfach unbeobachtet sein und einfach eine x-beliebige Person zu sein, die am Bahnsteig steht und auf den ICE wartet, ist auch nochmal eine Erfahrung. Denn klar, so bekannt zu sein hat nicht nur Vorteile.
Von Fans erkannt und angesprochen zu werden, fühlt sich bestimmt manchmal total gut an. Aber es gibt auch Momente, da will man einfach nur seine Ruhe und mal für sich sein. Für manche Stars ist das so belastend, dass sie sich Unterstützung holen. Zum Beispiel von jemandem wie Franziska Lauter. Sie ist Diplom-Psychologin und hilft berühmt Menschen dabei, mit dem Druck der Öffentlichkeit klarzukommen.
Sie hat mir vor meiner Verabredung mit Lina schon ein bisschen was darüber erzählt, wie das ist, als Star einerseits von der Allgemeinheit auf eine bestimmte Art gesehen zu werden, andererseits privat, aber vielleicht ganz anders zu sein. Wir hören da mal kurz rein. Ich fand das ganz spannend. Man spricht da in der Psychologie von der Persona. Das ist die Person, die inszeniert wird, die auch alle sehen. Die hat sehr viel Prestige, sehr viel Status und so weiter. Und die ist auch oft idealisiert und wird auch idealisiert dargestellt. Und dann gibt es die Privatperson.
Das sind auch nicht zwei unterschiedliche Persönlichkeiten. Wir haben schon nur eine Persönlichkeit mit verschiedenen Facetten. Denkt doch zum Beispiel mal an Rapper oder Rapperinnen. Die wirken ja meistens ziemlich tough, selbstbewusst und cool. Das ist wie so eine Art Rolle, die sie spielen. Eben die Persona, also das, was wir als Fans von der Person wahrnehmen.
Privat sind aber genau diese Menschen, die wir so cool finden, auch mal unsicher, überfordert oder traurig. Und diese zwei Seiten, die private Persönlichkeit und die öffentliche Persona zusammenzubringen, ist für viele Stars eine große Herausforderung. Auch Lina hat damit gekämpft. Das, was du erreicht hast und das, was du bist, also eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, also hast du einen Druck, eigentlich diese Person bleiben zu müssen?
Also ich habe viele Gedanken logischerweise auch dahingehend. Ich glaube, ich komme gerade aus mehreren Jahren, in denen ich sehr unglücklich war. Also irgendwann habe ich einen Punkt gefunden, wo ich gemerkt habe, ich muss alles ändern. Sonst wandere ich aus und werde Lehrerin. Als Star kriegt Lina zwar viele Komplimente, aber auch mindestens genauso viele negative Kommentare.
Wenn man dann Interviews gibt und dann in den Kommentaren liest, ja, Lina sieht so aus, als hätte sie gar keinen Bock. Oder Lisa finde ich nett, aber Lina nicht. Das kriegt einen einfach. Und so sehr man sich auch einreden möchte, das kriegt mich nicht. Es kriegt einen. Du kannst nichts dagegen machen. Oder auch Dinge von ja, wenn du so tief sprichst, dann klingt das irgendwie, klingt es so lustlos und dann habe ich mir irgendwann angewöhnt einfach heller zu sprechen.
Also jetzt gerade mache ich es glaube ich nicht. Aber ich habe dann theoretisch gesehen, kann ich so eine Art und Weise in mir hervorrufen, bei der ich dann mehr das Gefühl habe, hiermit fliege ich sozial sicherer und das stresst irgendwie als Kind oder als Jugendlicher, als Heranwachsende. Ich könnte mir vorstellen, ich wollte gerade sagen, es stresst eigentlich wahrscheinlich immer noch, oder? Also ist das nicht unglaublich schwierig, diese Wellen von Beurteilung immer auszuhalten? Ähm.
Wenn ich mit Lina über ihren Erfolg spreche, merke ich, wie belastend ihr Leben als Star zum Teil ist. Ich bin vielleicht tendenziell dann doch auch irgendwo eine schüchternde Person. Es kommen super viele Leute. Man hat irgendwie schnell das Gefühl, so auch so einen gewissen Kontrollverlust zu haben. Und dann habe ich mir, glaube ich, versucht, auf andere Art und Weise so ein bisschen Kontrolle zurückzugeben.
Auch auf ungesunde Art und Weise dann. Lina entwickelt als Teenagerin eine Essstörung und hat Panikattacken. Ihr ist alles zu viel. Ihre Fans bekommen davon aber nichts mit. Wie auch? Sie kennen ja nur die öffentliche Lina von Social Media, Interviews oder auch ihre Musik. Trotzdem, also obwohl wir Stars nie so nahe kommen wie einer echten Freundin und auch nur ihre öffentliche Persona erleben, haben wir oft das Gefühl, dass wir sie richtig gut kennen.
Das merke ich auch, als ich mich vor dem Konzert mal ein bisschen unter Linas Fans mische. Warum findet Elina gut? Boah, da gibt es so viele Gründe. Sie ist unerblich bodenständig geblieben durch all die Jahre jetzt auch. Sie hat ja super viel erreicht schon, aber sie ist so ein untermusliebenswürdiger Mensch.
Und natürlich auch ihre Stimme und ihre Songs sind einfach toll. Man kann sie einfach als Idol haben, weil sie total für gute Werte vertritt. Sie ist wie so eine große Schwester, kann man sagen. Die haben mir schon durch viele schwere Zeiten geholfen, also generell zu den Lyrics. Ich merke, Lina ist ihren Fans total wichtig.
Sie sehen in ihr ein Vorbild, eine große Schwester. Sie mögen sie einfach sehr. Während Lina sie im Gegenzug ja gar nicht kennt. Das hat auch einen Namen. Parasoziale Beziehung. Mehr dazu in unserem Besserwissen drin. Para kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie neben oder fast. Sozial bedeutet mit anderen Menschen zusammen.
Parasoziale Beziehung lässt sich also grob mit Fastbeziehung übersetzen. Gemeint ist damit die einseitige Beziehung von einem Fan zu seinem Idol. Einseitig beschreibt es eigentlich genau. Ihr kennt euren Star gut, wisst, was er oder sie mag und nicht mag, kennt vielleicht besondere Momente aus dem Leben dieser Person oder wisst, ob sie gerade Liebeskummer hat oder glücklich in Love ist.
Wie bei einer normalen freundschaftlichen Beziehung. Nur, dass die andere Person all diese Dinge nicht über euch weiß. Wichtig ist, parasoziale Beziehungen sind meist nicht crazy, sondern völlig normal. Denn für beide Seiten hat das Ganze Vorteile. Für die Stars, weil sie dadurch Erfolg haben und Geld verdienen.
Und für die Fans, weil sie sozusagen eine Freundschaft ohne Risiko erleben können. Unser Star kann ja beispielsweise eher nicht gemein zu uns sein oder die Freundschaft kündigen. Parasoziale Beziehungen sind damit besonders für junge Menschen so eine Art Übungsparcours für echte Beziehungen. Aber auch Erwachsene finden oft noch Halt und Orientierung in ihrem Fansein.
Für alle gilt, Fans identifizieren sich mit ihren Stars, drücken also durch ihr Fan-Sein aus, was sie gut finden und wie sie vielleicht selbst gerne sein wollen. Besser Wissen drin. Jetzt wollen wir verstehen, wie stark parasoziale Beziehungen sein können und wie viel Fantum noch normal ist. Dazu machen wir einen kleinen Versuch.
Und zwar mit Schülerinnen und Schülern der Liebig-Schule in Frankfurt. Hier treffen wir Fans aus verschiedenen Klassen und Stufen. Und die bewundern ganz unterschiedliche Leute und Dinge. Musik. Ich bin ein BTS-Fan und BTS ist eine K-Pop-Gruppe. YouTuber. Vom Fritz Meinecke. Das ist ein Outdoor-YouTuber. Oder Schauspielerinnen wie Scarlett Johansson.
Ich finde sie einfach inspirierend, dass sie alle ihre Träume verwirklicht und auch nicht aufgibt. Auch Fußballfans, Buchfans und Filmfans sind dabei. Insgesamt haben wir 16 Fans. Wir treffen uns alle zusammen in der Schulaula. Ich möchte jetzt gerne ein bisschen mehr darüber erfahren, wie stark euer Fantum eigentlich ist.
Dazu testen wir, wo die Fans auf der Celebrity Attitude Scale liegen. Diese Skala wurde von Forschenden entwickelt, um zu messen, wie stark die parasoziale Beziehung zwischen Fans und ihren Stars ist. Und das funktioniert so. Mein Team und ich haben die Aula schon vorbereitet und alle Stühle weggetragen.
Auf dem Boden sind jetzt mit Klebeband drei große quadratische Felder aufgezeichnet. Ich werde den Fans gleich Aussagen vorlesen und sie müssen dann entscheiden, wie sehr sie dieser Aussage zustimmen. Dieses Feld hier ist das Ich-Stimme-Total-Zufeld. Wenn ihr sagt, das passt nicht so auf mich oder ich bin nicht sicher oder es ist mal so, mal so, könnt ihr hier in die Mitte gehen.
Und wenn ihr sagt, nee, da stimme ich überhaupt nicht zu, dann wäre das Feld hier außen. Dann geht ihr bitte hier rein. Also los geht unser Test. Es macht mir Spaß, etwas über das Leben meines Stars zu lesen oder anzuschauen und mich darüber sehr oft zu informieren. Die Schülerinnen und Schüler verteilen sich jetzt auf den drei Feldern.
Und das Ergebnis ist relativ eindeutig. Fünf Fans stimmen zumindest teilweise zu. Und zehn Fans, also die große Mehrheit, stimmen der Aussage total zu. Täglich gehe ich eigentlich auf Social Media und gucke, ob es neue Posts oder so gibt. Mal sehen, ob die Fans sich bei der nächsten Aussage auch so einig sind.
Ich betrachte meinen Star als eine Art Seelenverwandten. Bitte stellt euch jetzt auf die Felder. Ein paar SchülerInnen zögern und müssen erst überlegen. Am Ende verteilen sich alle relativ gleich. Die meisten stehen in der Mitte, stimmen also teilweise zu. Einige stimmen aber auch komplett und wieder andere gar nicht zu.
Ich höre mich mal bei den Fans in der Mitte um. warum sie denn zumindest teilweise zustimmen. Also ich finde, Seelenverwandtschaft ist einmal irgendwas Romantisches und ich und Taylor Sutton haben nichts Romantisches zwischen uns. Aber ich finde, wir haben schon so eine kleine Verbindung, weil ich kann zu ihren Liedern schon sehr relaten.
Relaten können, das heißt, sich mit dem Star identifizieren oder das Gefühl haben, genau zu wissen, wie es der Person geht. Ich frage mich nur, ob diese gefühlte Seelenverwandtschaft nicht auch zu weit gehen kann. An die Beantwortung dieser Frage möchte ich mich im Laufe dieser Folge nicht nur mithilfe der Fantom-Skala, sondern auch zusammen mit unserem Experten Professor Jörn Glasenab herantasten.
Er ist Medien- und Kulturwissenschaftler an der Uni Bamberg. Und er ist selbst Fan, und zwar auch von Taylor Swift. Deshalb möchte ich von ihm zuerst wissen, was er anhand seines eigenen Fanseins über das Fantom gelernt hat. Was macht die Faszination gerade von Taylor Swift eigentlich aus? Weil das ist ja mit das größte Fantum, was wir im Moment so haben.
Ein Faktor ist, glaube ich, schon das, was hier gesagt wird, dieses Relaten können. Das, glaube ich, ist die Kunst des Songwritings von Taylor Swift. Dass es auf der einen Seite so subjektiv ist, aus Taylors Perspektive gleichzeitig, sich eine unglaublich breite Range von Fans irgendwie in diese Songs hineinbegeben können.
Ja, es ist eine wahnsinnig breite Range. Ich meine, guck mal, wir haben hier eine Teenagerin. Du bist jetzt nicht mehr so ganz Teenager. Und ihr habt aber diese Gemeinsamkeit. Wenn ich All Too Well von Taylor Swift lese oder die Lyrics mir vergegenwärtige, natürlich kann ich da auch relaten. Egal ob Musiker, Sportlerin oder Streamer, sehr wahrscheinlich könnt ihr euch auf die ein oder andere Art mit eurem Star identifizieren.
Kommen wir zurück zu unserem Versuch mit den Fans der Liebig-Schule in Frankfurt. Sie müssen wieder entscheiden, wie sehr sie einer Aussage zustimmen. Und die Aussagen haben es so langsam echt in sich. Wenn ich das Glück hätte, meinen Lieblingsstar zu treffen und er, sie mich bitten würde, mir einen Gefallen zu tun und etwas Illegales zu tun, dann würde ich das wahrscheinlich auch machen.
Jetzt bin ich gespannt. Würden die Fans wirklich etwas Verbotenes für ihre Stars machen? Die Schülerinnen und Schüler verteilen sich. Ah, okay. Sagt schon mal keiner. Auf jeden Fall würde ich machen. Die allermeisten stimmen dieser Aussage überhaupt nicht zu. So weit reicht ihr Fan sein dann doch nicht. Und das ist ja auch besser so.
Aber vier Fans stimmen der Aussage zumindest in Teilen zu. Sowas wie zum Beispiel im Stadion mit Pyro oder so zu spielen, weil die es als Anfeuerung brauchen. Okay, Pyro ist natürlich ein schwieriges Thema. Da gehen wir jetzt lieber nicht in die Tiefe. Okay, die meisten ziehen also die Grenze dabei, etwas Illegales für ihren Star zu tun.
Die nächste Aussage soll testen, wie viel den Fans eine enge Bindung zu ihren Stars wert ist. Die nächste Aussage. Ich würde tausende Euro für einen Gegenstand ausgeben, den mein Star mal angefasst hat. Hier ist das Ergebnis ganz eindeutig. Alle Fans stellen sich auf das Feld, mit dem sie der Aussage gar nicht zustimmen.
Wobei... Hier wird es spannend. Ich sehe nämlich, dass ihr diskutiert. Okay, also wir halten fest, niemand würde tausende Euro ausgeben, noch niemals ein bisschen. Aber so ein bisschen, bisschen, bisschen habt ihr diskutiert, habe ich gerade hier bei euch gesehen. Also tausend Euro ist ja schon eine hohe Summe, aber etwas zu haben, was mein Idle angefasst hat, ist ja schon so eine coole Experience.
Wir können ja mal verhandeln miteinander, was würdest du sagen? Also wenn ich jetzt sage, ich habe was, was jemand von BTS angefasst hat. Sagen wir mal 800 Euro. Nein. 300? Ich weiß ja nicht. Ich bin leid. Würdest du bis zu 300 Euro gehen? Ich weiß nicht. Es kommt auf dem Gegenstand an. Na gut, ist ja jetzt auch nur ein Gedankenspiel.
Aber schon interessant, dass wir bereit sind, sehr viel Geld auszugeben, nur um unserem Star noch ein Stück näher zu kommen. Ich frage mich da schon, wann Fan-Sein zu weit geht und frage das Medienpsychologe Jörn Glasen ab. Aber wann würde man denn sagen, Fan-Sein wird problematisch und man muss vielleicht genauer drauf gucken?
Ja, es gibt da natürlich verschiedene Dinge. Was weiß ich, wenn ich einen Verteidigungsreflex, meinem Star gegenüber habe, also wenn Kritik geäußert wird, dass ich zum Cybermobber werde und diejenigen, die meinen Star nicht wunderbar finden, dann im Netz fertig mache. Das ist ja durchaus etwas, was passiert.
Wenn ich mich total isoliere, weil ich nur noch in der Bubble bin oder wenn ich mein ganzes Geld für Merchartikel ausgebe, das sind natürlich Dinge, die dann problematisch sind, würde ich sagen. Wie oft kommt es vor, dass das tatsächlich auch eine ungesunde Form annimmt? Ich meine klar, das Wort Fan, Fanatic und so weiter, da denkt man, fanatische Menschen sind irgendwie schon problematisch zu betrachten.
Aber es ist sehr, sehr selten natürlich so Stalking-Nummern und so weiter, die passieren Gott sei Dank nur sehr selten. So sehr into it, dass es ungesund wird, ist also zum Glück keiner von unseren Fans. Sie ziehen vielmehr etwas Positives aus ihrem Fan-Sein. Das zeigt sich auch, als ich zum Schluss noch wissen will, wie sie überhaupt Fans geworden sind.
Und da kommen ganz unterschiedliche Antworten bei raus. Meine Schwester und ihre Freundin waren früher riesige Billie Eilish-Fans. Und natürlich, ich bin auch Fan, weil ich einfach ihre Persönlichkeit mag, ihre Musik mag. Und sonst wäre ich auch kein Fan. Aber ich habe sie durch meine Schwester mehr so kennengelernt.
Einmal durch meinen Vater und auch noch durch die Fans, weil immer, wenn man im Stadion ist, Dann hat man auch Fans um sich und dann versteht man sich halt gut mit den Fans. Also Community, weil es verbindet halt irgendwie alle Harry Potter Fans. Unterhält man sich dann nur über Harry Potter oder kann man auch über andere Sachen miteinander reden? Also meistens nur über Harry Potter, aber da gab es auch manchmal so Fälle, bei dem man auch über persönliche Sachen geredet hat. Community.
Dieses Wort höre ich immer wieder. Und es stimmt, ein großer Teil von Fan sein ist, dass man nicht alleine Fan ist. Man tauscht sich mit anderen Fans aus, schließt neue Freundschaften und hat eine große Gemeinsamkeit. Glaubst du, dass jeder BTS-Fan eigentlich jemand ist, mit dem du klarkommen würdest?
Ich glaube ja, mit den meisten schon, ja. Zurück zu linas konzert die halle hat sich inzwischen schon richtig gefüllt die fans warten gespannt wann lina endlich auf die bühne kommt, bis dahin wird aber noch viel gequatsch gelacht und es werden selfies gemacht, ich merke auch das hier ist eine richtige community und ich höre mich mal ein bisschen um, und habt ihr euch über lina kennengelernt oder? Ja, durch Lina. Echt?
Wir haben uns heute vor sechs Jahren durch Lina kennengelernt. Genau heute. Ach, das ist ja der Hammer. Also ist das so ein Community-Feeling, was ihr unter den Fans auch zusammen habt? Ja. Man hat durch Lina auf den Kreifen die Freundschaften durchs Leben gestoßen. Also mit manchen habe ich schon sehr viel Kontakt. Boah, das finde ich krass, zu sagen, Freundschaften fürs Leben durch Lina.
Übrigens, auch Stars können selbst Fan sein. Das verrät mir Lina im Backstage kurz vor ihrem Konzert. Als Teenagerin war sie großer Fan von der Boyband One Direction. Und sie war vielleicht noch krasser Fan als die Schülerinnen und Schüler in unserem Test. Warst du so richtig krass Fan? Mit Pappfigur im Bett schlafen ungefähr. Mit Pappfigur im Bett schlafen?
Ja, also auf jeden Fall Pappfigur. Hast du das damals gedacht bei One Direction? Dass deine Seelen verwandten sind? Ich denke das ja immer noch. Hättest du damals was Kriminelles gemacht, wenn One Direction gesagt hätte, Komm, klau uns bitte in der Parfümerie, jedem ein Parfum. Hättest du es gemacht.
Okay, zu lange überlegt. Wahrscheinlich, ja. Aber ich muss ja sagen, das hätten die mir jetzt niemals verlangt. Da werde ich direkt verteidigen. Okay, das ist schon Next Level. Also, Fan sein, das ist etwas ganz Besonderes. Und etwas, das man gar nicht so einfach greifen kann. Das wird zum Schluss auch nochmal im Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Jörn Glasenab ganz deutlich.
Es ist etwas, was man nicht wirklich 100% erklären kann. Es ist die Mischung von allem, die Person und die Kunst. Und dann auch die Fans selber. Die sind meistens oder sehr häufig auch eine Attraktion, weil die Fans in der Interaktion mit dem Star, aber auch untereinander natürlich dann diese Situation dann besonders aufwerten.
Fan zu sein macht nicht nur Spaß, sondern kann einem auch Halt geben oder der Weg zu neuen Freundschaften sein. Es gibt zwar auch Fans, die sich zu sehr reinsteigern oder sogar Straftaten wie Stalking begehen. Das ist aber zum Glück die absolute Ausnahme. Für die meisten ist Fansein einfach etwas Schönes.
Ein Ort, an dem sie sich gut fühlen. Übrigens, wenn ihr nicht Fan von jemandem seid, ist es auch total okay. Niemand muss Fan sein. Manche finden auch in Freundschaften oder Familienmitgliedern Vorbilder und Halt. Und das ist genauso viel wert. Schreibt mir gerne mal in die Kommentare, wer euer Idol ist.
Egal, ob berühmte Person oder jemand aus eurem Umfeld. Kommentare hinterlassen haben übrigens auch Paul und Mr. Moon123 und sich einen Gruß gewünscht. Paul sogar schon mehrfach. Grüße gehen also diesmal raus an euch beide. Abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Oder schaut doch mal auf ztftv.de vorbei.
Den Link findet ihr in den Shownotes. PURPLUS Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere. Im Auftrag des ZDF und der Redaktion PURPLUS.