
34| Kälte & Hitze: So kommt dein Körper (nicht) damit klar
Freitag, 10. April 2026 · 25 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Egal, ob wir uns extremer Kälte oder extremer Hitze aussetzen – unser Körper versucht immer, unsere Körperkerntemperatur auf ca. 37 Grad Celsius zu halten. Und das schafft er mit ausgeklügelten Schutzmechanismen, die ganz automatisch ablaufen, wenn wir frieren oder schwitzen – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt! Irgendwann geht das nicht mehr und es kann gefährlich werden. Wird es zu kalt oder zu heiß, kommt es also zu einer Unterkühlung oder Überhitzung, dann funktionieren die Schutzmechanismen des Körpers schlechter, irgendwann kommen sie an ihre Grenzen - und am Ende kann das sogar tödlich enden.
Um herauszufinden, wann unser Körper an diese Grenzen kommt und welche Gefahren dann lauern, macht Eric in dieser Folge ein ganz besonderes Kälte- und Hitzeexperiment: minus 110 Grad Celsius – kälter als in der Antarktis und (fast) ohne Kleidung! Und: Fahrradfahren in der Wüste – und das ohne zu trinken! Hält Eric das aus? Hört rein und erfahrt es!
Und hier unser Hör-Tipp zur Folge: Warum unser Schweiß leider oft auch stinkt, dazu erfahrt ihr mehr in unserer Folge “Stinke ich?” - hört da doch gerne mal rein.
Moderation: Eric Mayer
Expert/innen: Dr. med. Monika Klass, Prof. Dr. Jürgen M. Steinacker
Autor/innen dieser Folge: Susanne Dittebrand, Lena Kohlwes, Sandra Palm
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung und Redaktion Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/ (eur01.safelinks.protection.outlook.com/?url=ht…)
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
ZDF Hi Leute, hier ist Erik. Macht mal bitte die Augen zu. So, und jetzt stellt euch vor, ihr geht im Winter, wenn es draußen so richtig schön kalt ist, raus. Und zwar ohne dicke Winterkleidung, sondern einfach nur in Unterhose und Unterhemd. Das wäre ganz schön krass, oder? Ihr würdet schnell anfangen zu zittern. Und alles in euch würde sich zusammenziehen.
Vielleicht tut die Kälte auch der Haut sogar ein bisschen weh. So wie tausend kleine Nadelstiche. Alles in eurem Körper sagt euch, ihr müsst schnell ins Warme. Na, dann machen wir das doch. Lasst die Augen noch einen Moment zu und stellt euch vor, dass es plötzlich ganz warm ist. Wie wenn ihr im Sommer im Freibad liegt und die heiße Mittagssonne lange genau auf euch drauf brutzelt.
Eure Haut wird immer heißer und beginnt zu kribbeln und wird langsam rot. Ihr beginnt zu schwitzen, erst unter den Armen, dann auf der Stirn. Eure Kehle wird trocken und ihr merkt, dass ihr dringend etwas trinken solltet. Und langsam wird euch auch ein bisschen schwindelig. Okay, Augen auf. Das war ganz schön intensiv, oder? Die Temperatur um uns herum hat super viel Einfluss darauf, wie wir uns fühlen und was in unserem Körper passiert.
Denn unser Körper versucht immer, unsere Körperkerntemperatur von 37 Grad Celsius zu halten. Das ist unsere normale Temperatur, bei der wir uns wohlfühlen und es uns gut geht. Aber je kälter oder heißer es um uns herum ist, desto drastischer sind die Maßnahmen, die unser Körper ergreifen muss, um diese 37 Grad Celsius zu halten.
Ich will deswegen rausfinden, wie schafft der Körper es, mit extremer Kälte und extremer Hitze zurechtzukommen? Und was passiert, wenn er es nicht mehr schafft? Dafür mache ich das, was ihr euch gerade vorgestellt habt, nur in echt. Ich setze mich extremer Kälte und extremer Wärme aus und gehe dabei an meine Grenzen.
Ihr hört Wissen drin, den Podcast von PUR Plus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren oder genaues Zuhören finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Los geht es mit meinem Purplus-Wissen-Drin-Kälte-Experiment in Duisburg. What?
Okay, das ist jetzt kein Ort, der für seine übermäßige Kälte bekannt ist. Aber hier in der Helios St. Johannes Klinik gibt es etwas, das für mein Selbstexperiment ziemlich nützlich ist. Und zwar Kältekammern. Die werden hier im Krankenhaus zur Therapie von Krankheiten benutzt, weil die Kälte zum Beispiel Schmerzen lindern soll.
Insgesamt gibt es hier drei Kältekammern. In der ersten sind es minus 10 Grad, das ist schon sehr kalt. Aber es wird noch doller und es ist auch nicht ganz ungefährlich. Deswegen bekomme ich Unterstützung und zwar von Ärztin Dr. Monika Klaas. Sie müssen mir ein bisschen helfen bei der Vorbereitung, Frau Dr. Klaas.
Sie überwachen das heute alles. Wie kalt wird es heute? Die zweite Kammer hat minus 60 Grad und die dritte Kammer hat minus 110 Grad. Oh nee, minus 110 Grad, das kann ich mir noch nicht mal vorstellen. Minus 110 Grad. What? So kalt wird's noch nicht mal in der Arktis. Was das wohl mit meinem Körper machen wird?
Bevor es losgeht, muss ich aber erstmal meine Klamotten ausziehen. Denn in die Kältekammer geht man mit möglichst wenig an. Ich trage also nur noch eine Unterhose und ein Tanktop. Hände, Füße und meinen Kopf soll ich aber schützen, weil sie besonders kälteempfindlich sind. Deswegen darf ich Socken und Schuhe anlassen und ziehe noch Handschuhe und eine Mütze an.
Jetzt macht Dr. Klaas noch ein Foto mit einer speziellen Wärmebildkamera. Diese Kamera kann die Wärmestrahlen, auch Infrarotstrahlen genannt, die unser Körper abgibt, messen. Viel Strahlung bedeutet, der Körper ist warm. Wenig Strahlung bedeutet, er ist kalt. Und so ein Bild von einer Wärmebildkamera sieht deswegen ganz anders aus als zum Beispiel ein Handyfoto.
Mein Kopf und meine Arme sind rot eingefärbt, meine Nase sticht gelb heraus und meine Hände, die sind ganz blau. Was bedeuten diese verschiedenen Farben hier? Das Rote sind die warmen Bereiche des Körpers. Das sieht man auch hier in der Temperaturskala. Rechts auf der Aufnahme sieht man eine kleine Skala. Dort steht, welche Farben für welche Temperaturen stehen.
Das wärmste war 36,9 Grad. Die kühlsten Bereiche des Körpers sind jetzt bei 20,7 Grad. Wo bin ich denn so kalt, 20,7 Grad? Wie man sieht, wo die blauen Bereiche sind, das sind die Fingerspitze. Das erkenne ich an den Farben, genau. Wie praktisch. Mit der Wärmebildkamera können wir also genau sehen, welche Bereiche meines Körpers wie kalt oder warm sind.
Und wir können sehen, wie sich die Kälte gleich auf meinen Körper auswirkt. Na, dann ist ja jetzt alles bereit. Wir starten das Purplus-Kälte-Experiment. Los geht's mit minus 10 Grad. Die Kältekammer könnt ihr euch vorstellen wie einen ganz kleinen Raum, in dem man gerade so zwei, drei Schritte machen kann.
Mit einer Tür und einem kleinen Fenster. Und es ist kalt. Drei Minuten soll ich hier drin bleiben. Und am Anfang fühlen sich die minus 10 Grad gar nicht so schlimm an. Minus 10. Okay, geht noch. Es ist so ein bisschen, wie wenn ich das Fenster aufmache im Winter. Morgens nach dem Aufstehen, das geht. Doch schon nach kurzer Zeit merke ich...
Die Kälte kriecht in mich rein. Jetzt geht es nämlich los. Die Kälte geht schon langsam durch die Handschuhe durch. Das ist echt kalt. Es wird immer kälter. Ich halte es gleich nicht mehr aus. Und ich bekomme jetzt Gänsehaut. Das kennt ihr ja, Gänsehaut, das kennt jeder. Und das ist ein Schutzmechanismus unserer Haut.
Und dieser Schutzmechanismus funktioniert so. Die Haare auf unserem Körper sind mit winzigen Muskeln verbunden. Wenn uns kalt ist, ziehen sich diese Muskeln zusammen. Und die Haare stellen sich auf. Wir haben Gänsehaut. Das war vor allem früher für uns wichtig, als unsere Vorfahren noch viel beharrter waren und schon fast so etwas wie ein Fell hatten.
Haben sich dann nämlich die Haare aufgestellt, konnte die Wärme zwischen den Haaren besser gespeichert werden. Für unsere Vorfahren konnte das überlebenswichtig sein. Schließlich gab es damals noch keine Heizung oder Thermounterwäsche. Unser Körper hat sich diesen alten Mechanismus gemerkt und wir bekommen immer noch Gänsehaut.
Auch wenn das uns heute mit viel weniger Behaarung nicht mehr wärmt. Übrigens, im Gesicht und auf dem Kopf sind unsere Haare nicht mit Muskeln verbunden. Aus diesem Grund kriegen wir hier auch keine Gänsehaut. Aha. Sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, raus. Der kann es rauskommen, er ist. Endlich zurück ins Warme. Bevor ich aber ganz auftaue, macht Dr.
Klaas erstmal noch eine Aufnahme mit der Wärmebildkamera. Das sieht völlig anders aus als vorhin. Die Nase ist schon kälter geworden. Ja. Die ist blau. Zur Erinnerung, die Farben zeigen, ob der Bereich warm oder kalt ist. In diesem Fall ist meine Nase also ziemlich kalt geworden. Auch der Mundbereich ist schon etwas kälter geworden. Die Finger sind dunkelblau geworden, die Fingerspitzen.
Und wir sehen auch hier auf der Skala, 19 Grad ist die kälteste Stelle. Die Aufzeichnungen der Wärmebildkamera zeigen, mein Körper kühlt runter. Ich will mich aber noch mehr herausfordern. Zweite Runde, minus 60 Grad in die nächste Kammer. Wie lange muss ich jetzt drinbleiben? Zwei Minuten. Minus 60 Grad. Wow.
So kalt wird es auch schon mal in der Arktis. Aber ich stelle mich diesen Temperaturen ohne dicke Klamotten, sondern wieder nur in Unterhose und Tanktop. Und okay, ich habe Handschuhe und eine Mütze an. Los geht's! Ich betrete die zweite Kältekammer und merke sofort, dass das hier nochmal eine ganz andere Hausnummer ist.
Oh Gott! Das ist wesentlich kälter als eben noch da drüben. Oh, krass! Das fühlt sich jetzt an wie tausend kleine Nadelstiche auf der Haut. Und ich fange an zu zittern. Und ich kann nichts dagegen machen. Denn mein Körper weiß, dieses Zittern hier, das ist ein Schutzmechanismus, das hilft. Beim Zittern ziehen sich unsere Muskeln im Körper zusammen und entspannen sich.
Immer und immer wieder. Diese Bewegung erzeugt Wärme. Je stärker man zittert, desto schneller und heftiger bewegen sich unsere Muskeln. Und desto mehr Wärme wird erzeugt. Ihr kennt das vielleicht auch vom Zähneklappern. Auch das entsteht durch unsere Muskeln. Hier spannen und entspannen sich unsere Kiefermuskeln immer wieder, wodurch unsere Zähne aufeinander klappern und, genau, wieder Wärme entsteht.
Bei den minus 60 Grad in der Kältekammer hilft das Zittern aber nur bedingt. Mir ist immer noch eiskalt. Frau Dr. Klaas, wie lang noch? Ganz bald, Herr Erich. Alles klar, Dixie raus. Auch jetzt machen wir wieder direkt ein Bild mit der Wärmebildkamera. Und das fällt deutlich blauer aus. Sowohl im Gesicht als auch an den Armen und am Oberkörper ist meine Temperatur runtergegangen.
Alles ist viel blauer als bei der letzten Aufnahme. Also die Kälte kriecht so langsam von den äußeren Extremitäten rein in den Körper. Extremitäten, das sind Arme und Beine. Und was am weitesten weg vom Herzen ist, also Finger und Zehen, wird als erstes kalt. Okay, aber wir haben die dritte Runde, minus 110 Grad. Wie lange bleibe ich jetzt drin? Eine Minute.
Also nur halb so lang wie in der zweiten Kammer. Das ist aber auch gut so, denn solche Kälte kommt in unserer Natur auf der Erde eigentlich nicht vor. Und sie ist auch ein bisschen gefährlich. Denn die kalte Luft kann unsere Schleimhäute im Mund und Rachen und sogar meine Lunge reizen. Deswegen trage ich einen Mundschutz, damit ich nicht zu viel von der eiskalten Luft einatme. Jetzt geht's los.
Oh Gott! Minus 110 Achtung! Oh krass, nirgends auf der Welt ist so kalt. Ich spüre ja überhaupt gar nichts mehr. Meine Hände werden richtig weiß und das dann auch im Grund. Dass wir bei großer Kälte weiße Hände und taube Füße bekommen, liegt daran, dass sich dort die Blutgefäße in der Hautoberfläche zusammenziehen.
So fließt weniger Blut durch die äußeren Hautschichten. Hände und Füße werden nicht mehr richtig durchblutet. Unser Körper kann so Wärme sparen, die er dringend braucht, um die allerwichtigsten Körperbereiche vor der Kälte zu schützen. Zum Beispiel das Gehirn oder auch das Herz. Also auch wieder ein toller Schutzmechanismus unseres Körpers.
Aber wenn wir zu lange extremer Kälte ausgesetzt sind, können sogar einzelne Körperteile wie Finger oder Zehen erfrieren. In diesem Fall werden zum Beispiel die Zähne nicht mehr ausreichend durchblutet und werden so kalt, dass das Wasser in den Zellen gefriert. Die dabei entstehenden Eiskristalle verletzen dann das Gewebe.
Im schlimmsten Fall sterben deswegen die Zähne ab. Das passiert aber wirklich nur in Extremsituationen und nicht, wenn wir dick eingepackt im Schnee spielen. Mal gucken, ob meine Arme überhaupt noch da sind. Ich spüre nichts mehr. Ich darf raus! Schnell in Position stellen fürs letzte Wärmebild, das inzwischen aber wohl eher ein Kältebild ist.
Fast alle meine Körperteile sind auf der Kamera blau, bis auf mein Gesicht. Und deswegen ist mein Experiment hier auch beendet. Noch länger in der Kältekammer und mein Körper könnte seine Körperkerntemperatur von 37 Grad Celsius trotz aller Tricks nicht mehr halten. Gänsehaut, Zittern und weniger Durchblutung der Füße und Hände bringt dann nichts mehr. Wenn der Körper so unterkühlt ist, dass die Körperkerntemperatur auf unter 28 Grad sinkt, dann könnte das ohne Hilfe tödlich enden.
Deswegen heißt es jetzt für mich aufwärmen. Am besten mit einem schönen heißen Tee. Aber bringt er wirklich etwas? Wie halte ich mich bei Kälte am besten warm? Das erfahrt ihr in unserem Besserwissen drin. Es gibt verschiedene Tipps, wie ihr euren Körper beim Warmhalten unterstützen könnt. Erstens. Heißer Tee oder heiße Schokolade erzeugen zwar ein kurzes Wärmegefühl.
Zum einen im Bauch und auch die warme Tasse in der Hand fühlt sich gut an. Diese Effekte halten aber leider nicht lange an. Eine bessere Wirkung haben nährstoffreiche und kalorienreiche Lebensmittel wie herzhafte Eintöpfe und Suppen. Wenn diese über einen langen Zeitraum gegart oder gekocht werden, speichern sie besonders viel Wärme in sich, die wir beim Essen dann in uns aufnehmen.
2. Auch das richtige Outfit hilft. Am besten ist der Zwiebellook, also mehrere Schichten übereinander wie bei einer Zwiebel. Zwischen den Kleidungsstücken können sich so kleine Luftpolster bilden, die die Wärme speichern. Besonders schnell kühlen, wie ihr ja jetzt schon wisst, außerdem Hände und Füße aus.
Achtet hier deswegen auf gute Handschuhe und Stiefel mit dicker Sohle, damit die Kälte vom Boden nicht so schnell an eure Füße drankommt. Auch eine Mütze hilft, allerdings stimmt es nicht, dass wir über den Kopf die meiste Wärme verlieren. Außer bei Babys und Kleinkindern. Und deswegen eine Mütze das Wichtigste ist.
Drittens. Wer sich nicht bewegt, sondern still sitzt, friert schneller. Denn Muskelarbeit setzt im Körper Wärme frei. Also immer schön in Bewegung bleiben. Für Hände und Füße helfen kleine Gymnastikübungen. Die Hände zur Faust ballen, mit den Zehen wippen, Füße abrollen oder kreisen lassen. Wir wissen jetzt also, dass Kälte eine große Belastung für unseren Körper sein kann.
Zum Glück hat der Körper ja einige Tricks auf Lager, wie er uns warm hält. Ich frage mich jetzt nur, funktioniert das auch andersrum? Was ist, wenn der Körper extremer Hitze ausgesetzt wird? Genau das will ich jetzt rausfinden in unserem Purplus-Wissen-Drinn-Hitze-Experiment. Und dafür muss ich dahin, wo es heiß ist.
Das Gute ist, auch dieses Mal kann ich dafür in Deutschland bleiben. Ich besuche nämlich das Klimahaus in Bremerhaven. Dort gibt es Räume mit verschiedenen Klimazonen, also wo es unterschiedlich warm ist. Hier bin ich verabredet mit dem Sportmediziner Prof. Dr. Steinacker. Hallo Erich. Ich treffe Professor Steinacker passenderweise im Wüstenraum.
Hier sieht es nicht nur ein wenig so aus wie in der Wüste, also mit rotem Sand und einem einzelnen vertrockneten Baum, sondern es ist vor allem auch ungefähr so heiß, wie ich es mir in der Wüste vorstelle. 33 Grad. Meine erste Frage, was passiert dann oder was ist so gefährlich für den Körper, wenn von außen so eine richtig starke Hitze kommt?
Der Körper produziert immer dauernd Wärme und diese Wärme muss er loswerden. Und wenn er in der Hitze ist, in der Wüste, kann diese Wärme nicht mehr wegkommen, Sondern die Wüste strahlt auf uns ein. Okay, verstehe. Wenn es um uns herum heiß ist, dann kann unser Körper die eigene Wärme, die er ständig produziert und auch wieder abgeben muss, damit wir nicht überhitzen, nicht mehr loswerden. Und uns wird immer wärmer.
Zum Glück hat unser Körper auch hier einen Trick auf Lager, wie er sich abkühlen kann. Der Körper macht das ganz einfach. Er fängt an zu schwitzen. Und über das Schwitzen reguliert er seine Temperatur. Das Schwitzen ist unsere körpereigene Klimaanlage. Der Trick, wenn uns zu warm ist, leitet der Körper Schweiß durch die Schweißdrüsen auf unsere Haut. Die Schweißtropfen verdunsten dann.
Das kühlt uns ab und senkt so unsere Körperkerntemperatur. Diesen Verdunstungseffekt merkt ihr zum Beispiel auch im Schwimmbad. Wenn ihr aus dem Wasser kommt und noch nass seid, verdunstet das Wasser auf eure Haut und gibt dabei Wärme ab. Ihr friert viel schneller, als wenn ihr abgetrocknet seid. Ein super System, aber wie lange geht das so? Wie lange können wir das so durchhalten?
Ja, acht bis zwölf Stunden kann der Körper gut durchhalten, aber er muss dabei die ganze Zeit trinken, damit genügend Wasser verdunsten kann. Das heißt, ich brauche Flüssigkeit, wenn ich in der Wüste dann acht bis zwölf Stunden durchhalten will. Wasser ist also besonders bei heißen Temperaturen überlebenswichtig für uns.
Jetzt stellt euch mal vor, ihr seid in der Wüste und habt aber kein Wasser dabei. Was tun? Ihr kennt das vielleicht. In vielen Filmen und Geschichten laufen Menschen in der Wüste auf der Suche nach Wasser einfach los. Zum Beispiel, weil ihr Flugzeug notlanden musste, weil sie auf Schatzsuche oder in geheimer Mission unterwegs sind.
Aber ist das eine gute Idee? Ja, das ist eine gute Taktik. Nur wenn ich loslaufe, produziere ich zusätzliche Wärme. Und diese Wärme braucht zusätzliches Wasser. Und das ist nicht gut für den Körper. Was da genau passiert, wenn wir uns bewegen bei so einer extremen Hitze, das finde ich jetzt raus. Ich habe nämlich ein Trainingsfahrrad dabei und da setze ich mich jetzt drauf.
Statt auf der Suche nach Wasser durch die Wüste zu laufen, werde ich in unserem Experiment radeln. Und zwar mit so einem Hometrainer-Fahrrad wie im Fitnessstudio. Denn Fahrradfahren ist in etwa die gleiche Anstrengung wie zu Fuß laufen. Deswegen passt der Vergleich für unser Experiment gut. Zur Erinnerung, im Wüstenraum von Professor Steinacker herrscht eine trockene Hitze, 33 Grad Celsius, sehr ähnlich, wie es auch in der echten Wüste vorkommt.
Bevor es losgeht, wollen wir aber noch ein paar Messwerte festhalten. Zum einen muss ich auf die Waage. So können wir am Ende genau ermitteln, wie viel wertvolle Flüssigkeit ich durch das Schwitzen verloren habe. Im Moment wiege ich genau 74,9 Kilogramm. Und auch noch wichtig für unser Experiment, meine Körpertemperatur.
Die liegt aktuell bei 36,7 Grad Celsius. Also wissen wir jetzt, wie schwer ich bin, wir wissen, wie heiß ich bin. Und wir haben noch was, eine Spezialkamera, eine Wärmebildkamera. Und die macht gleich Bilder von mir und zeigt, wie die Temperatur auf meiner Körperoberfläche ist. Also sehen wir dann, wo es am heißesten ist.
Also genau so eine Kamera wie beim Kälteexperiment auch. Wir haben jetzt also alle Vorbereitungen getroffen. So, und jetzt rauf aufs Rad. Ich steige aufs Fahrrad und beginne zu treten. Die Hitze macht mir dabei ganz schön zu schaffen. Schon nach wenigen Minuten fange ich ordentlich an zu schwitzen. Das Wärmebild zeigt, vor allem mein Kopf wird warm. Mit 37,6 Grad ist das schon ein halbes Grad wärmer als normal.
Fahrradfahren in der Wüste, sag ich euch, ist eine harte Nummer. Wir sind jetzt bei Minute 11 und mir läuft schon alles aus dem Gesicht hier. Die Suppe rinnt. Aber da geht noch mehr. Je länger ich fahre, desto stärker schwitze ich. Und das am ganzen Körper, nicht nur unter den Armen, sondern auch stark am Rücken, an der Stirn, sogar an den Armen und den Händen.
Mein Körper gibt alles, um sich abzukühlen. Übrigens, warum unser Schweiß leider oft auch stinkt, dazu erfahrt ihr mehr in unserer Folge Stinke ich? Hört doch da gern mal rein. Ob das ganze Schwitzen hilft, um mich abzukühlen, will Dr. Steinacker jetzt herausfinden und misst meine Körpertemperatur, während ich weiter strampele.
37,6 Grad, das ist eine ganz schöne Temperatur. Das ist fast ein Grad mehr als vorhin? Ja, das ist der Effekt dieser Arbeit. Das heißt, mein Körper schafft es trotz Schwitzen nicht, die Temperatur zu halten? Genau. Und ich habe viel Wasser verloren? Sehr stark. Und jetzt messen wir mal, wie viel Wasser du verloren hast. Und das kann man am besten messen auf der Waage.
Ich darf endlich vom Fahrrad absteigen. Und ganz ehrlich, ich merke, dass ich ein bisschen wackelig auf den Beinen bin. Das Fahrradfahren bei der Wüstenhitze hat mich total ausgepowert. Wie viel Wasser ich dabei wohl verloren habe? Was sagt die Waage? 74,3. Das vorhin, was hatten wir? 74,9. Ja, das sind 600 Gramm.
600 Gramm, das bedeutet in der Stunde 1,2 Liter Flüssigkeit. Rechnen wir mal mit einer glatten Summe, 1 Liter pro Stunde. Wenn ich jetzt 10 Stunden durch die Wüste, wären 10 Liter, die ich am Tag verliere. Ja, und dieses Wasser kann man teilweise ja nicht mitschleppen. Ich kann ja nicht 10 Kilo schleppen. Sonst kommt man nicht weg.
Loslaufen, um Wasser zu suchen, ist in der Wüste also keine gute Idee. Wie gesagt, unser Körper verliert dabei pro Stunde rund einen Liter Wasser. Nach etwa sieben Stunden wäre so ein Wasserverlust tödlich. Und bis dahin habe ich ja vielleicht auch noch kein Wasser in der Wüste gefunden. Aber der Wasserverlust ist nicht das einzige Problem. Was wäre, wenn ich jetzt immer weitergefahren wäre?
Was wäre mit meiner Temperatur passiert? Ja, die Temperatur steigt jetzt praktisch linear an mit der Zeit und bis irgendwann 40 Grad erreicht werden und dann kommen ernsthafte Probleme. Steigt die Körperkerntemperatur auf über 40 Grad Celsius an, kann unser Herz-Kreislauf-System zusammenbrechen. Dann werden die Organe nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt und auch unser Gehirn funktioniert nicht mehr richtig.
Das Gehirn verliert dann die Kontrolle über unseren Körper. Die Folgen sind zum Beispiel ein schneller Puls, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit. Das nennt man dann auch Hitzschlag. Im schlimmsten Fall endet ein Hitzschlag tödlich. Übrigens, ein Hitzschlag ist etwas anderes als Fieber.
Auch bei Fieber steigt zwar die Körpertemperatur an und es kann auch zu Verwirrtheit und Herz-Kreislauf-Problemen führen. Aber Fieber ist eine gewollte Reaktion des Immunsystems und hat nichts mit den Außentemperaturen zu tun. Ich will jetzt aber noch von Professor Steinacker wissen, wie wir uns vor der Hitze schützen können, damit sowas wie ein Hitzschlag gar nicht erst passieren kann.
Ja, der Sonnenschirm ist eine ganz wichtige Sache. Denn der Schatten ist wichtig. Die Sonne strahlt sechsmal so stark auf den Körper, wenn der Himmel klar ist, als wenn der Himmel bedeckt ist. Das ist ja ein Riesenunterschied. Das ist ein Riesenunterschied. Also ist man gut aufgehoben unter dem Schirm und Sie haben noch einen Tipp hier unten? Ja, die Füße im Wasser.
Kühlen mit kaltem Wasser ist immer gut. Da schwitzt man nicht so und kann die Temperatur halten. Also möglichst viel Zeit im Schatten verbringen und die Füße gerne mal abkühlen. Auch mit der Ernährung kann man seinem Körper beim Abkühlen helfen. Statt schweren, kalorienreichen Mahlzeiten sollte man im Sommer möglichst leicht essen.
Zum Beispiel Salate, Obst und Gemüse oder kalte Suppen. Der Magen braucht dann weniger Energie für die Verdauung und produziert so weniger Wärme. Und noch ein Tipp für die Klamotten. Lieber weite, luftige Klamotten anziehen. Denn bei engen Klamotten kommt wenig oder keine Luft an die Haut und vermindert so den Kühleffekt beim Schwitzen.
Also egal ob heiß oder kalt, der Körper hat super ausgeklügelte Mechanismen, um sich vor extremen Temperaturen zu schützen und unsere Körperkerntemperatur auf ca. 37 Grad Celsius zu halten. Das geht allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ist uns zu lange zu kalt oder zu heiß, kann es gefährlich für uns werden.
Deswegen müssen wir dann unseren Körper zusätzlich unterstützen. So, und am Ende dieser Folge gibt es jetzt wieder Grüße von mir, denn es schreiben immer wieder mal Leute, dass sie gerne von mir gegrüßt werden wollen. Und diesmal geht mein Gruß an Peppi und Leonie und ihre Schwester Mia. Vielen Dank für eure Nachricht. Abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Oder schaut doch mal auf ztftv.de vorbei.
Den Link findet ihr in den Shownotes. Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere. Im Auftrag des ZDF und der Redaktion PUR+.