
33| Stress: So macht er dich (nicht) krank
Freitag, 13. März 2026 · 25 min
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Shownotes
Eric erzählt von einer Situation, die ihm (und so ähnlich sicher auch euch) ziemlich vertraut ist: Er hat einen wichtigen Termin, stellt sich extra pünktlich den Wecker – aber dann geht einfach alles schief. Er vergisst seinen Schlüssel, muss nochmal zurück, und als er schließlich doch an der Bahn steht, fällt die aus. Spätestens jetzt ist er total gestresst. Aber was genau ist Stress eigentlich, was macht er mit unserem Kopf und Körper – und wie können wir gut mit ihm umgehen? Das will Eric in dieser Folge rauskriegen und lässt sich dafür so richtig schön stressen, unter wissenschaftlicher Beobachtung – von der Psychologin Sandra Schönfelder. Dabei lernt er: ein schnellerer Herzschlag ist ein ziemlich guter Stress-Indikator. Und er findet raus, dass Stress am klaren Denken hindert und schmerzempfindlicher macht. Außerdem weiß Eric jetzt: Nicht nur Zeitdruck, sondern auch bestimmte soziale Situationen und sogar Langeweile und Unterforderung können Stress auslösen. Um mit diesem Stress wiederum besser klarzukommen, sind Pausen superwichtig. Sonst baut sich der Stress auf wie eine Mauer und kann uns schließlich sogar richtig krank machen. Wie wir das verhindern können – auch darum geht’s in dieser Folge. Dafür gibt’s am Schluss noch eine kleine Achtsamkeitsübung – und ein paar Tipps zum Merken und Ausprobieren für einen stressfreien Alltag.
Moderation: Eric Mayer
Expertin: Sandra Schönfelder
Autor/innen dieser Folge: Brigitte Böttcher, Lena Kohlwes, Wolfgang Pruss
Sounddesign: Joscha Grunewald
Produktionsleitung und Redaktion Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/ (eur01.safelinks.protection.outlook.com/?url=ht…)
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Hi Leute, hier ist Erik. Ich nehme euch jetzt mal mit in eine Situation, die ich so oder so ähnlich ziemlich oft erlebe und die sicher auch einigen von euch bekannt vorkommt. Also, wenn ich zu einem Termin muss, sagen wir mal zur Podcastaufnahme heute oder zu einem Dreh, dann versuche ich natürlich, mich immer rechtzeitig auf den Weg zu machen, damit ich pünktlich bin, klar.
Aber manchmal, da läuft halt alles einfach schief. Beim Frühstück bekleckere ich mich und muss mich nochmal umziehen. Vor der Haustür merke ich, dass ich meine Tasche drin habe liegen lassen. Also nochmal zurück. Und dann fällt auch noch die Bahn aus. Da warten jetzt super viele Leute nur auf mich und werden vielleicht sauer, wenn ich zu spät komme.
Vielleicht schaffe ich es ja überhaupt nicht mehr rechtzeitig. Ja, dann müssen wir ja alles abblasen. Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf. Mist, warum bin ich nicht noch früher aufgestanden? Ja, und was, wenn jetzt die Bahn gar nicht kommt? Ob die Anzeige überhaupt stimmt? Und? Soll ich vielleicht nochmal schauen, ob um die Ecke noch ein Bus fährt?
Aber was, wenn in der Zeit genau dann die Bahn kommt? Ah Mist, ich kann nicht mehr klar denken und muss trotzdem irgendwie entscheiden, was ich jetzt mache. Ich bin total gestresst. Das Gefühl kennt ihr sicher auch. Und darum reden wir jetzt darüber. Was genau ist Stress eigentlich? Was passiert da in meinem Kopf und Körper? Und was hilft dagegen?
Ihr hört Wissen drin, den Podcast von PUR Plus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren oder genaues Zuhören finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Zuerst will ich wissen, wie sich Stress auf unseren Körper auswirkt.
Und das will ich, na klar, selbst erleben. Nicht an der Bahnhaltestelle, sondern unter kontrollierten Bedingungen und unter wissenschaftlicher Aufsicht. Dafür stelle ich mich dem Purplus Wissen drin Stresstest. Den mache ich bei Psychologin Sandra Schönfelder. So, wir sind hier an der Uni Mainz und du wirst mich heute so richtig stressen.
Genau, also ich habe vor, heute richtig Stress in deinem Körper auszulösen. Dafür brauchen wir dieses eiskalte Wasser, was hoffentlich richtig schönen Schmerz in deiner Hand verursacht. Na, das geht ja gut los. Vor Sandra steht eine Schüssel mit Wasser und lauter Eiswürfeln. Da rein soll ich meine Hand stecken und aus Erfahrung weiß ich, das wird wehtun.
Denn für die Folge übers Aussehen habe ich mich schon mal in eine ganze Badewanne voller Eiswürfel gelegt. Hört gerne mal rein, ist Podcast-Folge Nummer 9. Das ist, glaube ich, das Härteste, was ich je gemacht habe. Worüber ich damals nicht nachgedacht habe, Schmerz ist für meinen Körper quasi gleichbedeutend mit, genau, Stress.
Und der zeigt sich unter anderem durch Herzklopfen, sagt Sandra Schönfelder. Darum verkabelt sie mich. So kann sie mein Stresslevel ab jetzt ziemlich gut auf ihren Geräten ablesen. Denn je gestresster wir sind, desto schneller schlägt unser Herz. Aktuell ist mein Puls bei 80 Herzschlägen pro Minute. Und noch fühle ich mich voll entspannt.
Okay, Erik, also jetzt kann es losgehen. Ich würde dich bitten, dass du jetzt deine Hand in das Eiswasser hineintauchst und so lange drin lässt, bis du es nicht mehr aushaltest. Alles klar. Bist du bereit? Jo. Dann geht es jetzt los. Ich stecke meine Hand ins Eiswasser. Okay, das ist sehr geil. Ich kann es nicht anders sagen. Das kalte Wasser tut richtig weh an meiner Hand.
Deswegen konzentriere ich mich so gut es geht auf meine Atmung. Das hilft mir dabei, ruhig zu bleiben und den stechenden Kälteschmerz ein Stück weit zu unterdrücken, ihn nicht so an mich ranzulassen. Okay, Eric, drei Minuten sind vorbei. Die Hand geht wieder aus. Ich war aber auch kurz davor, selber rauszuziehen.
Geschafft. Meine Hand ist schon ganz rot vor Kälte. Das war sehr kalt, muss man sagen. Also wirklich sehr kalt. Aber ich bin beeindruckt, du bist echt cool geblieben. Wir haben kaum mehr Herzschläge beobachtet. Nur 10 Herzschläge mehr pro Minute. Ey, super, dann hat meine Beruhigungstechnik wohl funktioniert. Ah, okay.
Das heißt, du hast jetzt an den Daten gar nicht gesehen, dass ich irgendwie innerlich Stress entwickelt habe? Überhaupt nicht. Du hattest auch ein ziemliches Pokerface aufgesetzt. Also Stresstest bestanden, kann man sagen. Stresstest bestanden, aber wir haben ja noch mehr vor. Das war es natürlich noch nicht. Es geht sofort weiter. Und hinter dieser Tür wartet der nächste Stresstest auf dich. Okay, was ist hier los?
Sandra führt mich in einen Raum mit nur zwei Gegenständen. Einem Stuhl und einer langen Rolle mit Luftpolsterfolie. Ihr wisst schon, diese Folie, die oft in Paketen mit leicht zerbrechlichen Gegenständen verwendet wird. Die Folie ist durchsichtig und übersät mit kleinen Noppen, die mit Luft gefüllt sind.
Und deine Aufgabe besteht darin? Nein, ich weiß, was du jetzt sagen willst. Ich muss das knacken hier. Ja, genau. Und zwar alle 20 Meter. Nein! Und danach sehen wir uns wieder. Da sitze ich doch in einer Woche noch hier. Und ich würde dich bitten, dass du möglichst schön von rechts nach links froh gehst und da auch keine Fehler dabei machst. Okay, na dann, jetzt los.
Sandra verlässt den Raum. Jetzt bin da nur noch ich und die meterlange Luftpolsterfolie. Na toll, aber es hilft ja nichts. Ich fange an, ein Luftpolsterchen nach dem anderen aufzuploppen. Dabei wird weiter mein Herzschlag gemessen. Gestresst fühle ich mich dabei jetzt nicht so richtig, eher gelangweilt.
Naja, wobei, schon auch ziemlich genervt, wenn ich ehrlich bin. Diese Aufgabe nervt und macht überhaupt keinen Spaß und ist ja auch total überflüssig. Nach knapp einer Stunde werde ich endlich erlöst. Na, wie geht's dir? Das ist der absolute Horror. Das ist wirklich eine Folteraufgabe. Deine Herzfrequenz ist gut nach oben gegangen.
Tatsächlich, das Experiment zeigt, auch sinnlose, monotone Aufgaben können Stress verursachen. Denn Unterforderung ist auch eine Form von Stress. Und das sehen wir auch an den Messwerten. Mein Puls ist während des Luftpölsterchen-Knackens auf 90 Herzschläge pro Minute angestiegen. Wir hatten eigentlich geplant, dass du das die ganze Nacht weitermachst.
Echt denn? Nein, wir erlösen dich, aber eine schöne Nacht wirst du trotzdem nicht haben. Oh oh, ich ahne Schlimmes. Als ich abends in mein Hotelzimmer komme, liegen da aber erst mal nur ein Comic-Buch und... Oha, ein Wecker. Was das wohl zu bedeuten hat? Ein Brief von Sandra erklärt mir alles. Lieber Erik, willkommen in deinem Stresszimmer. Und das erwartet dich.
Immer wenn der Wecker klingelt um 0, 1, 2, 3 und 4 Uhr. Was? Dann musst du das Comicbuch aufschlagen. Und auf bestimmten Seiten Buchstaben durchstreichen. Vermutlich wirst du nicht viel schlafen. Es wird sehr stressig für dich. Bis morgen, Sandra. Boah, krass. Ich werde die Nacht also immer wieder geweckt und muss dann kleine, ehrlich gesagt, wieder ziemlich sinnlose Aufgaben machen.
Auch dabei trage ich ein Gerät, um meinen Herzschlag zu messen. Und ihr könnt euch denken, das ist eine ganz schön harte Nacht für mich. Na dann, erste Runde. Ach so, was soll ich jetzt machen? 0 Uhr, Seite 6 bis 17. Als ich Sandra am nächsten Tag wiedersehe, bin ich total erledigt. Guten Morgen. Guten Morgen, komm rein. Gut, dass das hier ein Podcast ist.
Sonst könntet ihr meine gigantischen Augenringe sehen. Also ich habe bis, ich denke mal halb fünf, habe ich eigentlich gar nicht geschlafen. Weil ich habe immer gewusst, es wird wieder klingeln, ich muss wieder was machen. Und das hat mich irgendwie sofort gestresst. Das ist super. Hat es sich auch körperlich niedergeschlagen?
Hast du immer mal auf die Pulsuhr geguckt? Ja, also immer wenn es geklingelt hat, war es über 90, manchmal sogar über 100. Und jetzt können wir mal gucken, Pulsuhr sagt wieder knapp über 90. Wir lernen, wenig Schlaf ist ein krasser Stressfaktor für unseren Körper und begleitet uns im schlimmsten Fall den ganzen Tag.
Jetzt wollen wir mal schauen, welche Auswirkungen das erhöhte Stresslevel auf mich hat. Also mal abgesehen vom schnellen Puls und den Augenring. Dafür soll ich meine Hand nochmal in den Pott mit den Eiswürfeln stecken. Okay, ich weiß ja jetzt, wie ich den Schmerz mit ruhig atmen eine Weile unterdrücken kann.
Wenn du soweit bist, kannst du deine Hand in das Eiswasser hineintauchen. Es geht los. Krass, damit habe ich nicht gerechnet. Dieses Mal fällt es mir viel schwerer, ruhig zu bleiben und mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Und auch das kalte Wasser tut irgendwie mehr weh als gestern? Oder bilde ich mir das bloß ein?
Ich beiße die Zähne zusammen und lasse meine Hand natürlich trotzdem im Wasser, solange es geht. Nee, mehr geht nicht. Jetzt muss es raus. Ich habe die Sekunden nicht mitgezählt, aber es kam mir in jedem Fall ziemlich lang vor. Aber heute hast du deutlich kürzer ausgehalten als gestern. Wir sind jetzt bei 1,17.
Und gestern hast du drei Minuten durchgehalten. Das kann nicht sein. Das ist mehr als die Hälfte weniger. Das ist aber ganz typisch. Das heißt, das, was du beobachtet hast, ist sehr wahrscheinlich auf deine letzte Nacht zurückzuführen. Ja, aber länger konnte ich einfach nicht drinbleiben. Also Schmerzempfinden heute viel stärker als gestern.
Die zweite Runde zeigt, wer ausgeruht und entspannt in eine Stresssituation gerät, kann viel souveräner damit umgehen. Stehen wir aber schon unter Stress, überfordert uns neuer Stress viel schneller. Jetzt steht der letzte und vielleicht auch härteste Stresstest für mich an. Sandra führt mich in einen Raum, in dem schon eine Kollegin und ein Kollege von ihr an einem Tisch sitzen.
Die zwei tragen weiße Kittel und schauen ziemlich streng. Und dann stehen in dem Raum noch eine Kamera und ein Mikrofon. Ich soll mich jetzt auf ein Vorstellungsgespräch bei den beiden vorbereiten und erklären, warum ich die geeignetste Person für einen ausgedachten Job bin. Okay, jetzt heißt es improvisieren und das vor Publikum.
Gut, eigentlich etwas, das ich als Moderator ganz gut kann. Aber obwohl ich weiß, dass es nur ein Test ist, steigt meine Aufregung sofort. Ich trete vors Mikro und die beiden WissenschaftlerInnen schauen mich skeptisch an. Ich würde gerne mich bei Ihnen vorstellen, um meinen Traumjob des Piloten, des Flugzeugkapitäns zu verwirklichen.
Ich glaube, dass ich dafür sehr gut geeignet bin aus sehr vielen verschiedenen Gründen. Ihr hört es vielleicht, ich bin da schon ziemlich verunsichert und gar nicht mal so souverän. Das liegt vor allem auch an den Zweien, die mir gegenüber sitzen, denn die zeigen überhaupt keine Reaktion. Kein Lächeln, kein Nicken, nix. Das ist schon ein komisches Gefühl.
Und dann machen sie sich auch noch an total random Stellen Notizen. Die schreiben mit. Eigentlich dachte ich ja, im Präsentieren bin ich ganz gut. Aber ich kann es nicht anders sagen. Die Situation stresst mich. Zum Glück ist der Vortrag schnell geschafft. Doch dann? Okay. In den kommenden 5 Minuten möchten wir noch Ihre mathematischen Fähigkeiten erproben.
Mathematische Fähigkeiten? Ey, davon hat mir keiner was gesagt. Aber okay. Wie schwer kann das schon werden? Dazu zählen Sie bitte von 2043 in 17er-Schritten rückwärts. Und ich denk nur so, Hilfe! Wie soll ich das denn im Kopf rechnen? Und dann auch noch, während die beiden in den weißen Kitteln mich mit prüfendem Blick mustern. 2043.
2026, 2045, Boah, das ist ja total schön. Mir wird ganz warm und ich bin mir ziemlich sicher, dass der Pulsmesser an meinem Handgelenk jetzt nach oben schießt. Ich spüre puren Stress. Jetzt hab ich einen Blackout. Und das heißt, ich vergesse komplett, wo ich gerade war, wie viel ich nochmal abziehen sollte und wie man überhaupt Minus rechnet.
Zum Glück erlöst mich Sandra und das Stressexperiment ist geschafft. Boah. Wir schauen uns jetzt noch gemeinsam die Videoaufnahmen an, die sie während des Rechentests von mir gemacht hat. Hier sieht man schön, wie du mit deinen Fingern die ganze Zeit nervös die bewegst. Das heißt, du warst wahrscheinlich innerlich ziemlich unruhig.
Tatsächlich, ich habe die ganze Zeit mit meinen Fingern gespielt. Das habe ich gar nicht gemerkt. Aber der Stress hat sich auch noch anders gezeigt. Also was mir persönlich vor allem aufgefallen ist, war ein trockener Mund. Ich musste mich dann auch zwingen, so mal zu schlucken und habe einfach einen sehr trockenen Mund gehabt.
Und auch mein Puls hat ziemlich Alarm geschlagen. Aber hallo, also Durchschnittspuls war 104. Guck mal, verglichen mit gestern, als ich bei dir angekommen bin, hat ja um die 80 104. Und jetzt Höchstwert 113. Das war der höchste Pulswert. Also war ich einfach sehr gestresst. Das Interessante ist, in der Situation vom Bewerbungsgespräch war mein Körper ja gar nicht belastet.
Kein kaltes Wasser, kein Schmerz, kein lauter Wecker. Nicht mal Zeitdruck hatte ich, wie in der Situation, von der ich euch am Anfang erzählt habe. Ihr wisst schon, als die Bahn nicht kam. Nichts von alledem lag jetzt vor. Und trotzdem stand ich total unter Stress. Was wir ja hier jetzt für eine Besonderheit hatten, wir hatten jetzt einen sozialen Stress. Du warst in einer Bewertungssituation.
Aber so ein Stress löst genauso die gleichen körperlichen Reaktionen hervor wie zum Beispiel dieser Eiswassertest. Soziale Situationen, also Erlebnisse mit anderen Menschen, können also auch ziemlichen Stress bei uns auslösen. Vielleicht kennt ihr das, wenn ihr ein Referat halten müsst zum Beispiel. Oder wenn ihr einen Witz macht und niemand in der Runde lacht.
Ich will jetzt aber noch wissen, wieso ich am Ende vom Rechentest diesen Blackout hatte. In dem Moment hat mein logisches Denken ja völlig ausgesetzt. Wir haben dich ja kontinuierlich immer mehr gestresst. Du hast die ganze Nacht wachgelegen, musstest monotone Aufgaben machen, dann hatten wir heute noch den Eiswassertest.
D.h. es ist immer mehr an Stress dazugekommen und irgendwann ist so eine Schwelle überschritten. Und dann gibt es so was, wie du am Ende von dem sozialen Stresstest hattest, nämlich totalen Blackout, dass gar nichts mehr geht. Ich fasse nochmal zusammen. Stress ist eine Reaktion auf Situationen, die sich unbequem, belastend oder schwer kontrollierbar anfühlen.
Dabei schlägt dann unser Herz schneller und wir werden unruhig. Stress kann von ganz verschiedenen Dingen ausgelöst werden. Schmerzen stressen den Körper, genau wie zu wenig Schlaf. Auch monotone Aufgaben bzw. Unterforderungen können uns stressen. Soziale Situationen, die sich für uns unangenehm oder peinlich anfühlen, sind für unseren Körper ebenfalls purer Stress.
Wichtig ist, mit einer einzelnen Stresssituation kann unser Körper gut umgehen. Hat man ja beim ersten Durchgang vom Eiswasserversuch gesehen. Aber wenn Stress auf Stress folgt, ohne Erholungsphase dazwischen, dann baut sich der Stress auf. Wie eine Mauer. Und es wird zu viel, um damit klar zu kommen. Das könnt ihr euch wie bei der Feuerwehr vorstellen.
Wenn es einen Brand gibt, rückt das Team aus und löscht den Brand. Danach geht's zurück in die Wache. Die Feuerwehrleute können sich ausruhen und die Löschtanks auffüllen. Das ist wichtig, damit sie beim nächsten Job wieder genauso gute Arbeit machen können. Wenn es aber jetzt ganz viele Brände gibt und die Feuerwehrleute von Brand zu Brand hetzen, ohne zwischendurch Pausen zu machen, na klar, dann werden sie müde, machen Fehler und haben nicht mehr genug Wasser zum Löschen.
Und genau so ist das auch beim Stress. Wir brauchen Pausen, um uns von ihm zu erholen. Sonst sinkt unsere Leistungsfähigkeit und der Stress steigt uns zu Kopf. Was dann passiert, das hört ihr in unserer Rubrik Besser Wissen drin. Wenn du über längere Zeit gestresst bist, egal ob durch Schule, Familie, Freunde oder Social Media, schüttet dein Körper ständig das Stresshormon Cortisol aus.
Das belastet den Körper und die Psyche. Und zwar so. Erstens, du wirst öfter krank, weil dann fürs Immunsystem nicht mehr genug Energie übrig bleibt, um Viren und Bakterien abzuwehren. Zweitens, das Cortisol hält dich wachsam, leider auch nachts. Dadurch wird dein Schlaf schlechter, du bist ständig übermüdet und dein Stresslevel steigt noch weiter an.
Drittens, dein Gehirn gerät aus dem Takt. Du kannst dich schlechter konzentrieren, wirst vergesslich, gereizt und fühlst dich schnell überfordert. Viertens, deine Gefühle spielen verrückt. Du wirst leichter ängstlich, traurig, nervös oder wütend. Fünftens, dein Körper reagiert mit Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen.
Vielleicht auch mit Zittern und Herzklopfen. Das alles kommt daher, dass dein Körper im Alarmmodus bleibt, obwohl gar keine echte Gefahr da ist. Er kämpft die ganze Zeit und irgendwann kann er nicht mehr. Im schlimmsten Fall kann langanhaltender Stress einen dann ernsthaft krank machen. Er kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen oder Depressionen auslösen.
Das heißt, wenn sich Stress schon körperlich bemerkbar macht, also wenn du nicht mehr schlafen kannst, Bauchweh hast oder dich durchgehend gereizt fühlst, sind das wichtige Warnsignale deines Körpers. In so einem Fall solltest du dich dringend einer erwachsenen Person anvertrauen. Das bedeutet übrigens nicht, dass Stress an sich immer automatisch schlecht sein muss.
Bestimmter Stress in ganz bestimmten Situationen kann sogar erstmal ganz gut sein. Zum Beispiel beim Sport. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt und wir beginnen zu schwitzen. Das kennen wir alle. Und das tut unserem Körper in diesem Fall gut. Auch verliebt sein ist rein körperlich gesehen purer Stress.
Das Herz schlägt bis zum Hals und der Blutdruck steigt. Gleichzeitig werden aber auch viele Glückshormone ausgeschüttet. Und deswegen ist auch das positiver Stress. Hört doch dazu mal in unsere Folge Nummer 12 übers Verliebtsein. Aber zurück zum negativen Stress, denn wir wollen ja noch klären, was dagegen hilft.
Also es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Stress klarzukommen. Und die schauen wir uns jetzt an. Und zwar zusammen mit SchülerInnen einer 6. Klasse der Elisabetenschule in Frankfurt. Die machen morgens zusammen mit ihrer Lehrerin Frau Hoffmann erstmal eine Achtsamkeitsübung. Und das klingt dann so. Wir wollen uns auslockern, so wie immer.
Die Klasse fängt an zu zappeln. Sie schütteln ihre Arme und Beine, hüpfen auf der Stelle, drehen ihre Hüften. Und wenn ihr wollt, macht doch einfach mal mit. Einfach hinstellen und loslegen. Alle Energie darf raus. Ganze Anspannung und Aufregung loswerden, Energie freisetzen. Weiter geht's mit Abklopfen.
Erst die Arme, dann die Beine. Auch das löst Anspannungen im Körper. Fühlt sich ganz gut an, oder? Jetzt schließen wir die Augen. Die Füße stehen fest verankert im Boden. Die Arme hängen schwer. Und wir wollen eine Minute auf unseren Atem achten. Jetzt sind alle ganz ruhig und versuchen, sich nur auf die Atmung zu konzentrieren. Einatmen.
Und wenn ihr merkt, dass eure Gedanken abschweifen, dann holt sie bitte wieder zurück zu eurem Atem. Solche kurzen Pausen, in denen wir ganz bewusst atmen und kurz die Augen schließen, tun richtig gut. Zusätzlich könnt ihr bei jedem Atemzug mit dem Zeigefinger der einen Hand die Finger der anderen Hand entlang streichen.
Solche Berührungen haben ebenfalls einen beruhigenden Effekt. Das alles könnt ihr zum Beispiel gut vor einer Klassenarbeit machen. Durch die Übung beruhigt sich der Puls. Die Nervosität wird weniger und ihr seid konzentrierter. Hände langsam aktiviert, die könnt ihr drehen, ihr macht die Augen auf. Langsam öffnet die Klasse die Augen und blinzelt erstmal im Licht.
Die Stimmung im Klassenzimmer hat sich verändert. Ruhe ist eingekehrt. In der Klasse und vielleicht ja auch bei euch zu Hause. Diese innere Ruhe ist total gut und wirkt wie ein Schutzschild gegen Stress. Das merken auch die Schülerinnen und Schüler. Also wenn man vor einer Arbeit lernen möchte und dann Geschwister reinkommen oder man sich ablenken möchte, dann ist es gut mal durchzuatmen und sich wirklich auf das Lernen zu konzentrieren.
Dass wir uns nur auf die Arbeit konzentrieren und jetzt nicht daran denken, oh das schaffe ich nicht, ich schaffe das nie im Leben. Achtsamkeitsübungen sind aber nicht das Einzige, das super gegen Stress hilft. Hier kommen noch vier weitere gute Tipps gegen Stress. Tipp Nummer 1 Sport hilft dabei, das Stresshormon Cortisol abzubauen.
Auch wenn ihr nach einem stressigen Schultag eigentlich total kaputt seid, lohnt es sich deshalb oft, sich nochmal aufzuraffen. Und dann ist eigentlich egal, was ihr macht. Ob Fußballspielen mit euren Freunden, durchs Zimmer, Tanzen oder einfach spazieren gehen, danach werdet ihr euch in jedem Fall entspannter fühlen. Tipp Nummer 2, Mein Stressexperiment hat ja gezeigt, zu wenig Schlaf ist ein zusätzlicher Stressfaktor für den Körper.
Deshalb ist es gerade in einer Woche mit vielen Klassenarbeiten wichtig, genug Schlaf zu bekommen. Ihr seid dann tagsüber konzentrierter und lasst euch nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Tipp Nummer 3. Auch unsere Smartphones können Stress auslösen. Ich kenne das von mir selbst. Wenn mein Handy die ganze Zeit klingelt oder ich x ungelesene Nachrichten habe, dann habe ich Stress und auch das Gefühl, etwas zu verpassen.
Deswegen hilft es, das Smartphone zwischendurch bewusst wegzulegen oder in den Flugmodus zu stellen. Tipp Nummer 4, und darauf schwöre ich ja total, To-Do-Listen. Das klingt zwar simpel, ist aber für mich ein absoluter Gamechanger. Wenn ich viel zu tun habe und davon gestresst bin, dann schreibe ich einfach alles auf, was ich noch machen muss.
Zum Beispiel mich auf die Podcast-Aufnahme vorbereiten, einkaufen gehen, den Zahnarzt nicht vergessen. oh, und meine Mutter, die wollte ich ja auch noch anrufen, das kommt auch noch auf die Liste und so weiter. Also wenn ich all die Dinge, die mir im Kopf rumschwirren, schon mal aufgeschrieben habe, dann ist das Gedankenchaos und damit auch der Stress gleich viel weniger.
Und dann muss ich nur noch die Liste abarbeiten und sehe sogar, was ich alles geschafft habe an einem Tag. Ist ein super Gefühl, wenn man was abhacken kann. Ich habe in dieser Folge gelernt, Stress ist erstmal eine ganz normale Reaktion des Körpers auf herausfordernde Situationen. Kritisch wird's, wenn wir im Dauerstress sind.
Dann wird der Stress immer größer, bis wir irgendwann nicht mehr können. Und dann kann Stress sogar krank machen. Deswegen sollten wir Stress ernst nehmen und genug Pausen in unseren Alltag einplanen. Wenn ihr das Gefühl habt, euch wird alles zu viel, Schule, Sport, Hobbys und Freunde, dann ist das nichts, für das ihr euch schämen müsst.
Ganz im Gegenteil, es ist wichtig, mit anderen über diese Gefühle zu sprechen. Egal ob mit euren Freundinnen oder Freunden, euren Eltern oder anderen Menschen, denen ihr vertraut. Gemeinsam könnt ihr eine Lösung finden, wie ihr euren Stress reduziert, wenn Achtsamkeitsübungen und Co. nicht mehr ausreichen.
Und genau das mache ich jetzt auch. Ich gönne mir jetzt erstmal einen schönen Spaziergang. Ach Moment, fast hätte ich es vergessen. Ich wollte ja noch jemanden grüßen. Und zwar habe ich mir dafür dieses Mal unseren Hörer Kakashi Hatake ausgesucht. Denn der hat mir geschrieben, dass ich ihn grüße, das Coolste sei, was ihm je passieren könnte. Okay, kommt mir zwar ein bisschen übertrieben vor, aber was soll ich sagen?
Auch wenn das nur zu 10% wahr ist, fühle ich mich schon so ein bisschen geschmeichelt. Darum kommt hier dein Gruß, lieber Kakashi. Und für alle anderen gilt, abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Oder schaut doch mal auf ztftv.de vorbei. Den Link findet ihr in den Shownotes. Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere.
Im Auftrag des ZDF und der Redaktion Purplus.