
31| Kuscheln mit Kühen: Darum macht es sie (und Eric) glücklich
Freitag, 16. Januar 2026 · 20 min
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Shownotes
Wenn wir Menschen Kühe als Nutztiere halten, um ihre Milch trinken oder ihr Fleisch essen zu können, spielt es meist keine große Rolle, wie es den Kühen dabei geht. Wir behandeln sie also ganz anders als etwa unsere Haustiere. Was passiert, wenn wir Kühe mal mit anderen Augen sehen und sie als das kennenlernen, was sie sind: Wesen, für die es einen Unterschied macht, wie sie leben? Eric probiert’s aus und merkt: Kühe sind total sozial und familiär, sie verbringen gerne Zeit mit anderen Kühen, die sie mögen, und übrigens auch mit Menschen – wenn diese wissen, wie Kühe ticken. Einen, der das weiß, trifft Eric in dieser Folge: Joar Berge. Auf dessen „Lebenshof“ kommt Eric einer Kuh so nah wie nie zuvor und merkt: das gefällt nicht nur ihm überraschend gut, sondern offenbar auch der Kuh. Außerdem erfährt er, dass die Kälber in der Massentierhaltung gleich nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden und ohne sie aufwachsen – damit in unseren Supermärkten die Milchregale stets gut gefüllt sind. Wie es auch anders geht, erlebt Eric auf einem weiteren Hof, den er in dieser Folge besucht: dem der Familie Scherhorn. Hier gibt’s „geteilte Milch“ – das heißt, die Scherhorns verkaufen nur einen Teil der Milch. Der Rest bleibt für die Kälber, und die, genau, bleiben hier bei ihren Müttern - und machen auf Eric einen ziemlich zufriedenen Eindruck...
Moderation: Eric Mayer
Expert/innen: Joar Berge, Björn und Johanna Scherhorn
Autor/innen dieser Folge: Marcus Richter, Eva Werdich
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung und Redaktion Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
ZDF Hi Leute, hier ist Erik und ich trinke jetzt erstmal, ein Glas Milch. Aber nicht irgendein Glas Milch, sondern geteilte Milch. Das klingt ein bisschen seltsam, oder? Also die heißt so, weil ich sie mir quasi teile mit einem Kalb. Ja, also besser gesagt das Kalb mit mir. Wie das geht, das erzähle ich euch heute. Aber das ist ja hier bekanntlich kein Laber-Podcast.
Und darum mache ich auch was. Und zwar mal wieder etwas, das ich davor noch nie gemacht habe. Jedenfalls nicht mit einer Kuh. Und jetzt gibt sie sich eigentlich völlig hin. Jetzt traue ich mich aber auch mal gucken. Du wirst mal gekraut von uns hier so. Oh ja, guck doch mal. Was ich schon mal verraten kann, diese Begegnung war wirklich besonders und hat mich total geflasht. Denn die Kuh, die kennen wir ja eigentlich nicht als Haustier, mit dem wir spielen und kuscheln, sondern eben als Nutztier.
Also mehr als so eine Art Ding, das im Stall steht und uns Nahrungsmittel liefert. Was passiert, wenn wir das mal hinterfragen und die Kuh als das sehen, was sie ist? Ein Lebewesen, für das es einen Unterschied macht, wie es lebt. Ich möchte wissen, wie können wir mit Kühen so umgehen, dass es ihnen gut geht?
Klären wir in dieser Folge. Ihr hört Wissen drin, den Podcast von PUR+. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Um Kühe hautnah zu erleben, treffe ich mich erst mal mit einem Menschen.
Einem ziemlich netten sogar. Joa. Ich bin Joa Berge und ich führe gemeinsam mit einem Team einen Lebenshof für sogenannte Nutztiere. Das heißt, das sind Tiere, die ansonsten nicht so viel Glück gehabt hätten und die finden bei uns ihren Lebensplatz für immer. Und das ist nicht nur so dahergesagt. Der Lebenshof Odenwald von Joa Berge, wo ich ihn treffe, ist tatsächlich sowas wie ein Paradies auf Erden für Bauernhoftiere.
Nicht nur Kühe, auch Ziegen, Schweine, Puten, Hühner, überall Grunst, Mut und Kikerikitis. Einfach toll dort. Gemeinsam haben die meisten der 50 Bewohner hier allerdings eine weniger schöne Vergangenheit. In der Massentierhaltung. Joa hat sie vor dem Schlachthof gerettet. Fast alle wurden anderswo großgezogen als Nutztiere, um Milch, Eier oder Fleisch zu liefern.
Jetzt können sie einfach leben, ohne uns Menschen zu nützen. Joa will nichts von ihnen. Sie sollen einfach eine schöne Zeit haben, erklärt er mir. Und auch, wie das im Fall der Kühe aussieht. Das heißt, das fängt von der Art gerechten Ernährung an. Das geht weiter über das Sozialleben in der Herde. Also es ist auf jeden Fall ein Herdentier.
Und da findet natürlich sehr viel soziale Interaktion statt, die auf jeden Fall gegeben sein sollte. Dann geht es um die Umgebung. Das heißt, sie brauchen ausreichend Platz, aber natürlich auch ein artgerechtes Ambiente, sage ich mal. Also Wald und Wiesen natürlich und alles, was dazu gehört. Und das haben die Kühe bei Joa.
Das geht, weil er kein Geld mit ihnen verdienen muss. Der Hof wird über Spenden finanziert. Und deswegen kann ich hier erleben, wie sozial und näherbedürftig diese riesigen Tiere eigentlich sind. Wie nah genau ich ihnen komme, hört ihr später. Und ich erlebe auch, wie familiär sie sind. Und damit sind wir auch schon bei der Sache mit der Milch. Um zu verstehen, was geteilte Milch ist, also die, die ich eben am Anfang getrunken habe, schauen wir uns erstmal an, wie das normalerweise so läuft in einer Kuhfamilie.
Am Beispiel von Kalb Fritz, seinem großen Bruder und ihrer Kuhmama, die Joa mir jetzt vorstellt. Die Mama ist tatsächlich nur mit dem großen Sohn hier angekommen und war schon trächtig. Und der Kleine ist hier auf dem Lebenshof geboren. Die ganze Familie darf hier zusammenbleiben. Warum das was Besonderes ist, wird gleich ein bisschen klarer.
Zuerst gehe ich mit Joa in den Stall. Da ist viel Platz und sauberes Stroh auf dem Boden. Da stehen sie nun beide und trinken. Guck dir das an, die trinken beide parallel. Und klar, das sind nach wie vor Tiere. Aber eben eine Tierfamilie, die hier ein trautes Familienleben hat. Und falls ihr euch jetzt fragt, ist das nicht immer so? Ist bei Säugetieren doch normal, dass die Milch der Mütter zum Großziehen der Kinder da ist.
Ja, schon, sagt Joa. Genau, das wäre das Natürliche. Aber in den meisten Fällen, gerade in der Milchindustrie, ist es eben nicht so. Da werden die Kälber direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt und wachsen dann getrennt voneinander auf. Warum, wieso und wie? Hier kommt unser Besserwissen drin.
Besserwissen drin. Besserwissen drin. Es ist so, eine Kuh gibt nur dann Milch, wenn sie ein Kälbchen zur Welt gebracht hat. Sobald die Geburt vorbei ist, steht die Milch im Euter bereit und wird ab jetzt munter weiterproduziert, wenn die Milch täglich vom Kalb rausgesaugt oder die Kuh gemolken wird. Das heißt, das ist zumindest für die quasi automatische Milchproduktion im Kuhkörper, egal ob das Kälbchen nach der Geburt noch da ist oder nicht.
In großen Milchbetrieben ist das Kälbchen meist nicht mehr da. Da gibt es stattdessen Melkmaschinen. Die Kälbchen leben dann nicht bei der Mutter, sondern erstmal in sogenannten Kälber-Iglos. Das sind so Plastikzelte, wo Kälber zwar reinpassen, aber für ausgewachsene Kühe wären die zu klein. Dort werden sie mit einer speziellen Ersatzmilch aus der Flasche oder dem Saugeimer aufgezogen.
Die gesamte Milch der Mutterkuh kann so gemolken werden und bleibt für den Menschen. Damit ihr Körper immer weiter Milch herstellt, muss die Kuh jedes Jahr ein neues Kälbchen zur Welt bringen. Und auch das wächst dann wieder auf, ohne die Mutter jemals kennenzulernen oder Milch von ihr zu bekommen. Denn nur so erreichen die Milchbauern, dass die Kuh maximal viel Milch für sie, also am Ende für uns, herstellt und wir im Supermarkt nie vor leeren Milchregalen stehen.
Bei Joa ist es aber eben ganz anders und das berührt mich total. Als ich da so neben dem Riesenbaby Fritz und seiner Mama stehe, da frage ich mich, ob das vielleicht einfach daran liegt, dass ich sowas zum ersten Mal sehe und weil junge Tiere halt irgendwie immer süß sind. Aber auch für Joa, und der ist ja Profi, ist das immer noch so.
Zusammen aufwachsen und diese Interaktion, diese Liebe, die da einfach herrscht zwischen Mutter und Kind, das ist für mich eine absolute Herzensangelegenheit. Das ist der Moment, wo ich mich frage, ist es überhaupt fair, den Kuhfamilien das zu nehmen, also Kälber und ihre Mütter zu trennen? Und wenn ich zu dem Ergebnis komme, dass das nicht fair ist, kann ich dann überhaupt noch guten Gewissens Milch trinken?
Oder muss ich dann darauf verzichten und beispielsweise auf Hafer- oder Sojamilch umsteigen? Kann man machen. Aber es gibt da tatsächlich noch eine andere Möglichkeit. Und das bringt uns jetzt zur geteilten Milch, die ich am Anfang dieser Folge getrunken habe. Diese Milch kommt vom Biohof der Familie Scherhorn. Und da nehme ich euch jetzt mal mit hin.
Björn Scherhorn ist gerade auf dem Weg auf die Weide, um nach der Herde zu schauen. Und er erzählt mir unterwegs, wie es zur geteilten Milch kam. Früher war Björn nämlich klassischer Nutztierlandwirt. Ziel war möglichst hohe Milchproduktion. Und das heißt, wie ihr jetzt wisst, frühzeitige Trennung von Kalb und Kuh. Aber dann ...
Dann war die Situation, da hat morgens eine Kuh gekalbt. Und das Kalb, das wollte die Milch nicht aus der Flasche trinken. So wie wir es eigentlich gelernt haben. Ins Kälberiglo und dann mit der Flasche versorgen. Wollte es nicht. Und das Kalb ist dann einfach drüber hergesprungen. Unter 2 Gittern her in den Stall stand an der Kuh Milch getrunken.
Das tun wir mal. Und seitdem können wir das nicht mehr. Wir denken, es funktioniert auch anders. Das war der emotionale Wendepunkt für die Scherhorns. Nur als Bauernhof muss man ja von irgendwas leben. Und da spielen Kühe tatsächlich eine wichtige Rolle. Die verwandeln nämlich Gras, das auf der Wiese wächst, quasi in Geld.
Indem sie es fressen und mit der Energie unter anderem Milch herstellen. Und die kann dann verkauft werden. Die Scherhorns wollten es aber trotzdem versuchen. Also den Kälbern ihre Mamas samt Milch lassen und auch Milch verkaufen. Warum sollen die Kälber nicht bei der Kuh aufwachsen? Also höchst emotional.
Und es funktioniert. Und wie es funktioniert, kann ich mir auch gleich anschauen. Denn jetzt geht es zum Melken. Und das wissen auch die Kühe, so wirkt es zumindest auf mich. Denn noch während Björn losgeht und die Kühe zusammenholt, trinkt ein Kalb bei seiner Mutter. Oh, da ist eins was trinkt, oder? Ja, also jetzt zum Kühe holen fangen die das immer an, dass erst die Kälber noch was trinken. Kühe haben ja eine innere Uhr.
Sagen so, komm her, mein Kalb. Du trinkst jetzt deine Milch, wird gleich gemolken. und da gebe ich erst den Rest ab. Und das ist das, wovon wir von Milchteilen sprechen. Weil danach ist das für Menschen. Zum Melken geht es in den Stall. Hier gibt es Milchpumpen, genug Platz für die Kühe und eine Katze, die auf einem Geländer sitzt und rumdöst.
Und hier ist auch Björns Frau Johanna Scherhorn, die mir sagt, dass nicht die maximale Milchmenge abgenommen wird, sondern eben nur das, was übrig bleibt, nachdem die Kälber getrunken haben. Und während sie mir das erklärt, stellt sie mir die Kuh Lore vor. Also das ist ja Lone. Die hat vor ein paar Tagen gekalt. Und schau mal.
Die hat ein frisches Kalb, ja? Die hat ein frisches Kalb, ja. Okay, das heißt, da ist wahrscheinlich ordentlich Milch am Start, oder? Ja. Läuft hinten auch schon ein bisschen hoch aus der Zitze. Das kommt schon. Ist das normal? Bei einer frischgekalten kommt das auch schon mal häufiger vor. Weil die Kälber sind ja noch viel kleiner und trinken einfach noch nicht so viel Milch. Bleibt mehr Milch für euch natürlich zum Melken, oder?
Genau, in der Anfangszeit haben wir dann etwas mehr Milch und später dreht sich das dann. Dann werden die Kälber größer und dann können die Fass nicht genug mehr kriegen, dann bleibt da nicht mehr ganz viel drüber. Übrigens sind nicht nur die Kühe aufs Melken eingestellt. Auch die Katze weiß Bescheid, denn während wir Lore melken, erwacht sie aus ihrem Schläfchen und kommt gucken, ob es was zu holen gibt.
Zufälligerweise in dem Moment, in dem ich eine Tasse frische Milch in den Händen habe. Das ist jetzt geteilte Milch. Wir teilen mit den Katzen und jetzt mit mir. Aber es ist sehr lecker. Sehr lecker. Vielen Dank fürs Teilen. Während des Melkens hat Loris Kälbchen geduldig gewartet und sah ganz zufrieden aus. Es hat ja schon getrunken.
So geteilte Milch klingt eigentlich ganz gut, oder? Könnten das nicht dann alle so machen? Naja, ganz so einfach ist es leider nicht, erklärt Johanna. Denn es gibt natürlich einen nicht ganz unwichtigen Unterschied zu herkömmlichen Milchbetrieben. Wir verkaufen weniger Milch an die Molkerei, das ist so.
Das Geld fehlt dann natürlich. Und um das wieder wettzumachen, also trotzdem von ihrem Hof leben zu können, haben sich die Scherhorns zusätzlich entschieden, einen Teil der Milch selbst weiterzuverarbeiten. Um damit etwas Gewinn zu erwirtschaften. Und die Tiere auch sonst, das ist jetzt vielleicht ein hartes Wort, zu verwerten, also eben zu nutzen.
Deshalb haben wir ja auch eigenen Käse und die Tiere, die wir auch kriegen, werden ja auch geschlachtet. Und dann verkaufen wir das Fleisch. Natürlich nicht zu dem gleichen Preis, wie andere es können, weil wir halt einfach auch die Milch da drin haben. Das ist halt einfach eine Herzenssache. Und dadurch schafft man einfach wahnsinnig viel Lebensqualität.
Das heißt, bei euch ist das ein bisschen teurer? Ja. Aber dafür kann man sagen, die Lebensqualität der Tiere ist besser? Auf jeden Fall. Allerdings gibt es erst sehr wenige Höfe, die das so machen. Schade eigentlich. Denn was Lebensqualität für die Tiere heißt, das sehe ich hier mit meinen eigenen Augen.
Kühe sind sehr soziale Tiere. Und das schon von Anfang an, erklärt mir Björn, als ich ein kleines Kalb und seine Mutter beobachte, die zusammen über die Weide spazieren. Sind die denn, wenn die hier auf der Weide rumlaufen, bleiben die immer so bei ihren Müttern dran? Ja, aber nur in den ersten drei Wochen.
Und dann geht das los, dann bilden sich so Grüppchen, so kleine Gangs. So kleine Gangs. Dann ziehen die als Grundschulgruppe durch die Gegend. Ja, das ist ja hier schon so ein bisschen so. Guck mal, die hängen da zusammen rum. Ja, ja. Und dieses Zusammenrumhängen, diese engen Beziehungen, die Kühe untereinander pflegen, das bringt uns zurück auf den Lebenshof von Joa Berge.
Und ja, jetzt geht es, wie versprochen, endlich um eine ganz besondere Begegnung mit einer Kuh. Und zwar mit Dagi. Joa betreibt nämlich nicht nur den Lebenshof, mit dem er dank der Spenden ja keinen Gewinn erwirtschaften muss. Joa ist auch Influencer und stellt Videos von sich und den Kühen ins Netz.
Aber erstmal bestätigt er mir, was ich schon bei den Scherhorns gesehen habe. Kühe sind voll die sozialen Tiere und hängen nicht nur gerne mit ihren Müttern, sondern später auch mit ihren Geschwistern und ihren Freundinnen und Freunden ab. Also die haben sehr enge Freundschaften, also familiäre Bindungen, aber auch die anderen Rinder untereinander haben Rinder, die sie mögen oder die sie eben nicht so gerne mögen.
Echt? Und dann gehen die sich auch aus dem Weg, wenn die sich nicht mögen? Genau, dann gehen sie sich aus dem Weg oder sie lecken sich eben gegenseitig und signalisieren die Spargel. Soziales Lecken nennt man das. Keine Angst, das spielt zwischen Mensch und Kuh nur im übertragenen Sinn eine Rolle. Aber Kühe mögen Menschen.
Also zumindest mögen sie Joa. Das habe ich auf seinen geposteten Videos schon gesehen. Da wirkt es für mich so, als ob die Kühe seine Gegenwart auch genießen. Ist Joa quasi ein Teil der Herde? Ja, kann man schon so sagen. Denen ist schon sehr bewusst, dass ich keine Kuh bin. Aber die lieben einfach die Gesellschaft von uns Menschen. Wenn sie uns vertrauen und offen dafür sind, dann schätzen sie die Gesellschaft sehr.
Ja, ich fände es natürlich toll, wenn ich das auch schaffen könnte. Wenn ich vielleicht so nah an deine Kühe komme, was muss man dafür beachten? Wie kann man das Vertrauen einer Kuh gewinnen? Wir gehen einfach langsam an die Sache ran und lernen sie zu lesen. Und dabei helfe ich dir gerne. Und ja, dann am Ende auch hoffentlich kommst du genauso nah dran. Und mit nah rankommen ist ganz nah gemeint.
Kuschelnah. Denn das ist genau das, was Joa in seinen Videos macht. Er kuschelt ganz eng mit seinen Kühen. Und das ist heute auch mein Ziel. Aber wie macht man das mit so einem Riesentier? Als erstes muss natürlich klar sein, ob die Kuh das auch will. Machen wir Menschen untereinander ja auch so. Nur die Regeln sehen hier ein bisschen anders aus und deshalb lerne ich die jetzt.
Vor allem geht es dabei um den persönlichen Raum von Kühen. Das ist der Bereich, wo man nicht hinein darf. Wisst ihr, wo der ist? Vielleicht am Po oder am Euter? Also ich löse mal auf. Das ist der Bereich um den Kopf und die Hörner. Also hier unbedingt erstmal Abstand halten. Man kann an der Kopfhaltung sehen, wann es okay ist, erklärt mir Joa an Margot.
Einer Kuh, die, wenn sie so direkt neben mir steht, echt ganz schön groß ist. Aber auch irgendwie zutraulich. Diese Riesenhörner, die sind ja auch dafür da, um Respekt einzuflößen. Sie ist jetzt natürlich schon so an uns Menschen gewohnt, dass sie die gar nicht eingesetzt hat, um jetzt quasi zu warnen, sondern sie hat sie wirklich weggedreht von uns, um uns zu signalisieren, wir dürfen ran.
Übrigens, von Natur aus haben eigentlich alle Kühe Hörner, egal welchen Geschlechts. Das kennen wir nur nicht so, weil den meisten Kühen in den Nutztierbetrieben die Hörner kurz nach der Geburt abgeschnitten werden. Oder sie wurden weggezüchtet. Der Grund, Kühe mit Hörnern brauchen mehr Platz und den gibt es in der Massentierhaltung nicht.
Aber wie gesagt, bei Joa ist das anders. In einem geräumigen, überdachten Unterstand mit viel Stroh auf dem Boden liegen hier ein paar Kühe und dösen gerade entspannt rum. Ein perfekter Moment, um sich dazuzulegen. Hier treffe ich Dagi. Dagi hat keine Hörner, sie kam von einem Nutztierbetrieb, aber sie hat ein sehr flauschiges Fell.
Eigentlich sieht sie aus wie so ein großes Kuscheltier und sie liegt da ganz entspannt mit ihren Kuhfreunden rum, als Joa sich dazusetzt und mich ranwinkt. Aber genau in dem Moment überlegt es sich Dagi anders und steht plötzlich wieder auf. Ja, es kann gut sein, dass sie jetzt aufgestanden ist, um mich aufzufordern, dass ich den Bauch kraule. Okay, wirklich?
Vielleicht sehen wir das jetzt gleich. Bauch muss gekraut werden. Genau, die zeigt jetzt auch mit dem Kopf so nach hinten. Jetzt schart sie nochmal. Das heißt, komm, leg los endlich. Und das soll ich übernehmen. Ich habe ehrlich gesagt einen Riesenrespekt. Denn wenn Dagi steht, ist sie fast so groß wie ich.
Und ich bin froh, dass mir Joa alles genau erklärt. So eine Kuh will ich lieber nicht verärgern. Aber mit Joas Anleitung traue ich mich. Genau, wenn du jetzt erstmal so streichelst. und dann gerne so Richtung Bauch und dann richtig, richtig kraulen. Das kann man schon auch richtig festmachen. Genau, das kann man richtig festmachen.
Ich glaube, dann hast du eine neue Freundin. Guck mal, Dagi, wenn du das magst, bin ich am Start. Ja, und was soll ich sagen? Dagi mag es. Und ich auch. Soll ich weitermachen? Sieht so aus. Okay. Das ist ja cool. Also ich meine, man merkt, dass sie es gut findet, aber es macht einen selbst auch sehr glücklich, oder? Ich krieg das Grinsen überhaupt nicht aus dem Gesicht raus.
Und dann legt sich Dagi wieder hin und ich kuschel mich an sie. Du kannst dich ruhig ganz hinsetzen und dann einfach mit dem Rücken anlehnen. Genau, jetzt mach ich's mir mal richtig gemütlich an dir. Ich bin richtig nah dran an dir. Also, dass man an diese großen Tiere so nah dran kommt, das hätte ich echt nicht gedacht.
Oh Gott, ist das schön. Hallo. Aber es hat mir auch gezeigt, wie groß der Unterschied zwischen Nutztierhaltung und der artgerechten Haltung von Kühen ist. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hätte natürlich am liebsten, dass es allen Tieren so gut geht, wie Dagi, Bajoa oder Lore auf dem Hof der Scherhorns.
Nur klar ist auch, viel Platz, keine Trennung von Kuh und Kalb, weniger Milch und Fleischproduktion. Das wäre für die Höfe eine riesige Umstellung und vor allem wäre es teuer. Für die Bauern und damit am Ende auch für uns. Es hieße letztlich, weniger Milch zu einem höheren Preis. Jetzt bin ich erstmal sehr froh, dass ich mit einer Kuh kuscheln konnte.
Und ich denke, ich werde Milch in Zukunft auf jeden Fall sehr viel bewusster trinken. Oder auch einfach noch öfter auf Hafer- oder Mandelmilch umsteigen. Die finde ich nämlich auch total lecker. Das war Purplus Wissen Drinn mit mir, Erik. Schreibt mir gerne, wie euch die Folge gefallen hat an wissendrinn.rzdf.de oder in die Kommentare auf der Podcastseite.
Auch andere Sachen könnt ihr da natürlich schreiben. Und das hat zum Beispiel Emilia gemacht. Die möchte ich jetzt noch schnell grüßen und ihr antworten, denn ja, wir lesen wirklich alles. Emilia jedenfalls hat gefragt, ob wir mal eine Podcastfolge zu ADHS und ADS machen können, weil sie mitbekommen hat, dass sich manche Menschen darüber lustig machen und das findet sie nicht okay.
Also Emilia, ich kann es noch nicht versprechen, aber ja, wir arbeiten tatsächlich gerade an diesem Thema. Also ich sag mal, es sieht nicht ganz so schlecht aus. Du müsstest aber noch ein bisschen Geduld haben. Für dich und alle anderen gilt, abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst.
Oder schaut doch mal auf zdfdv.de vorbei. Da könnt ihr auch nochmal sehen, wie ich mit Dagi kuschle. Den Link findet ihr in den Shownotes. Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere im Auftrag des ZDF und der Redaktion Purplus.