
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast· Folge 237
Die Frage verfolgt Merz bis ans andere Ende der Welt
Donnerstag, 29. Oktober 2026 · 23 min
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Shownotes
Friedrich Merz ist dann mal weg: Vier Tage Asien, drei Länder, zwei Zeitzonen. Julia begleitet den Kanzler auf seiner Reise nach Singapur, Japan und Südkorea - und schaltet sich deswegen diesmal aus Tokio zu. Im Gespräch mit FUNKE-Chefredakteur Jörg Quoos erzählt sie, warum Merz gerade jetzt auf die drei asiatischen Länder setzt - und warum er auf der anderen Seite der Erdkugel doch wieder von einer innenpolitischen Frage eingeholt wurde: Wen schlägt der Kanzler als Kandidat oder Kandidatin für die Nachfolge des Bundespräsidenten vor? Jörg und Julia sprechen über neue Namen und alte Regeln - und teilen eine Sorge: Dass das Amt am Ende Schaden nehmen könnte, wenn die Debatte darüber aus dem Ruder läuft.
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Im Grunde so die Botschaft, da draußen in der Welt zählen mir noch was. Da sind wir ein stabiler Partner, da sind wir auch ein Investitionsland. Also eins, auf das man kommt, wenn man sich fragt, wo will ich mein Geld hinbringen? Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler.
Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit Carlotta Richter und Julia Emmerich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambuzambo, dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über Friedrich Merz sprechen und seine Regierung.
Dies ist eine besondere Folge von Rambuzambo aus verschiedenen Gründen. Carlotta ist leider heute nicht dabei und deshalb bin ich besonders froh, Jörg, dass du heute an meiner Seite bist. Jörg Quoß, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion. Und vielen, vielen Dank, dass du eingesprungen bist, Jörg, und mit mir durch diese Folge gehst. Weh mal gerne, liebe Julia.
So, der andere Grund, warum das eine sehr besondere Folge ist, ist, dass Jörg zwar im Berliner Studio sitzt, wo wir normalerweise aufnehmen, das kennt ihr auch, ich dagegen aber auf der anderen Seite der Erdkugel bin, in Tokio, also wirklich genau am anderen Ende der Welt. Der Grund ist, ich bin mit Friedrich Merz unterwegs, er ist in Asien gerade auf Reisen. Und das ist auch der Grund, warum ich jetzt a. nicht in Berlin sein kann und b.
Sehr froh bin, dass ich mit Jörg einmal über all das sprechen kann, was sowohl in Asien passiert, als aber auch in Deutschland gerade passiert und was das eine mit dem anderen zu tun hat. Also nochmal herzlich willkommen, dass ihr dabei seid. Eine besondere Folge, zwei Standorte, zwei Zeitzonen. Bei Jörg ist es jetzt, während wir aufnehmen, Mittwochnachmittag halb drei.
Bei mir ist es schon Mittwochnacht, also es ist jetzt gleich hier schon Donnerstag. Auch das gehört mir mal dazu. Schön, dass ihr dabei seid. Vielen Dank, Jürgen, dass du da bist. Funk ist überall. Funk ist überall, genau. Funk ist überall, so muss das sein. Und erzähl uns doch jetzt gleich mal, wie die Reise bis jetzt war.
Wir haben ja aus der Distanz natürlich mitbekommen, es gibt jetzt eine Orchidee, die nach ihm benannt ist. Und wir haben den Eindruck, dass der Außenkanzler ganz viel Innenpolitik mit im Gepäck dabei hatte, mehr als ihm lieb war. Ganz genau. Es ging doch ganz gut los, Merz war in seinem Element, denn du hast es gesagt, der Außenkanzler, das war ja mal eine Zeit lang fast sowas, was mancher sogar schon als Schimpfwort benutzt hat, nach dem Motto, der kümmert sich nicht um die Innenpolitik, der macht nur Außen, aber, an sich ist das eine Rolle, die Merz positiv besetzt und er fühlt sich wohl.
Er fühlt sich wohl, wenn er über internationale Sicherheit sprechen kann, wenn er über Handelsabkommen sprechen kann, wenn er mit internationalen Partnern, reden kann. Wir waren gestern in Singapur, wir sind heute in Japan, wir werden morgen nach Korea fliegen. Also auch Länder, die hoch relevant sind, gerade für Deutschland, nämlich genau deshalb, weil, darüber haben wir ja auch schon häufiger gesprochen, man ja im Moment ein bisschen das Gefühl hat, dass sich die drei Großen, also Donald Trump.
Wladimir Putin und Xi Jinping, der chinesische Staatspräsident, die Welt untereinander aufteilen. Was macht man in so einer Lage? Man versucht, Bündnispartner zu finden, die gleichgesinnt sind, die eine gleiche Grundeinstellung zu Demokratie, zu freiem Handel, zu einer internationalen Werteordnung haben.
Und das ist Friedrich Merz' Interesse. Er sucht Partner, er sucht Gleichgesinnte. Und diese drei Länder, in denen wir jetzt sind, Singapur, Südkorea, Japan, das sind solche Partnern. Trifft das im Wesentlichen zu. Deshalb geht es ihm gut. Julia, es war ja durchaus so, dass Friedrich Merz auch China im Visier hatte.
Das liegt noch gar nicht so lange zurück. Und hat sich aber an der Stelle jetzt ein Stück weit anders positioniert. Wie nimmst du wahr den Kanzler und seine China-Politik? Und wie äußert er sich jetzt gerade in Asien zu China, würde mich interessieren. Also China ist nicht mal der Elefant im Raum. Das würde ja bedeuten, man redet nicht über ihn, sondern er adressiert sehr klar.
Wir sind heute in Tokio gelandet. Er hat heute mit der japanischen Premierministerin darüber gesprochen, wie Länder wie Japan versuchen, sich von China immer weiter zu lösen. Und das ist natürlich eine Bewegung, die Deutschland genauso machen will. Mit dem Unterschied, dass Japan das schon viel länger macht.
Weil Japan natürlich a. viel näher dran ist an China, b. auch eine viel heiklere Beziehung noch zu China hat. Stichwort Taiwan, Stichwort möglicherweise kriegerische Handlungen in dieser Region. Die Chinesen haben natürlich immer versucht, Länder sehr eng an sich zu binden, eben über Partnerschaften im Handel und so weiter.
Japan bewegt sich raus aus dieser Einkesselung und Merz ist hochinteressiert daran, wie macht ihr das? Wie werdet ihr unabhängig von kritischen Rohstoffen, von all diesen Dingen, die uns im Moment noch sehr fesseln? Und um das zu thematisieren, nennt er natürlich permanent auch China klar als denjenigen, von dem man sich befreien muss.
Aber es geht nicht nur um China, es geht auch um Russland, also um den Angriffskrieg in der Ukraine. Japan ist ein Land, das in der Ukraine-Unterstützung klar an Deutschlands Seite steht. Also die Japaner und die Deutschen gehen da wirklich in eine Richtung. Japan will die Ukraine weiter unterstützen. Das ist für Merz gerade sehr, sehr wichtig, weil die Unterstützung bröckelt ja zusehends.
Auch das ist also ein großes Thema. Du hast eben wenig zutreffend gesagt, wird schon fast als Schimpfwort benutzt, der Begriff Außenkanzler. Da würde ich gerne nochmal zu sprechen, kommt darauf, weil ich finde, das ist ein Stück weit ungerecht. Ich finde, ein deutscher Kanzler muss immer auch Außenkanzler sein.
Die starke Kanzlerin in Deutschland war ein Außenkanzler. Denken wir mal an Helmut Schmidt, an Helmut Kohl. Wenn der nicht Außenkanzler gewesen wäre, hätte es die deutsche Einheit nicht gegeben. Und deswegen finde ich, und das ist jetzt mal meine subjektive Meinung dazu, ist, dass dieser Anspruch absolut korrekt ist und dass wir alle froh sein können, dass Friedrich Merz diese Rolle, wie ich finde, überzeugender ausfüllt.
Es wird ja genug an ihm herum kritisiert, auch von uns, aber einen Bundeskanzler zu haben, der überzeugend im Ausland auftritt und der sich für die großen strategischen Zusammenhänge interessiert und einen bringt, das ist eigentlich ein Pfund, oder nicht? Total. Ich bin bei dir. Und gestern gab es einen kurzen Moment, wo ich sogar dachte, ich verstehe wirklich auch gerade, was ihn umtreibt und was er meint.
Das war nach dem Gespräch mit dem Staats- und Regierungschef in Singapur. Und da sagte er, er habe das Gefühl, dass Deutschland von außen im Moment viel mehr Vertrauen entgegengebracht wird, als wir in unser eigenes Land haben. Also er hatte im Grunde so die Botschaft, da draußen in der Welt zählen wir noch was. Da sind wir ein stabiler Partner, da sind wir auch ein Investitionsland.
Also eins, auf das man kommt, wenn man sich fragt, wo will ich mein Geld hinbringen und so weiter. Von dem kann man ein bisschen was lernen von diesem Blick. Und das fand ich ganz interessant. Also wenn du mal wieder draußen bist und wieder zurückguckst auf dieses Land, hast du doch vielleicht eine etwas andere Sicht darauf, als wenn du sehr in diesem Innen bist.
Aber, du hast es eben schon erwähnt, Jörg, das Innen hat ihn eingeholt. Und mitten über dem Pazifischen Ozean, 12.000 Meter über dem Wasser, hat der Kanzler irgendwann entschieden, ich muss mich jetzt äußern zu einer Sache, die eigentlich mit der Innenpolitik zu tun hat. Und wir beide wissen es sehr gut, es gibt so eine ungeschriebene Regel und die heißt, äußere dich im Ausland nicht zur Innenpolitik. Das gilt auch für Journalisten, frag den Kanzler auf einer Auslandsreise nicht nach innenpolitischen Dingen.
Aber die Lage ist so, dass er da mal einen Flock einrahmen musste. Aber es liegt doch nur daran, dass jemand das seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Und sowas holt dann immer ein zu uns Zeit. Das haben wir schon in der Schule gelernt. Du meinst sie jetzt selber. Es geht um die Bundespräsidentenwahl im Januar. Wir haben hier schon oft drüber gesprochen.
Es ist ja im Moment die große Frage, wen schlägt die Union vor? Und da die Union im Moment sehr gerne einen gemeinsamen Kandidaten oder eine Kandidatin mit der SPD vorschlagen will, muss man sagen, wen schlägt diese Koalition vor? Aber Ilse Aigner ist die große Favoritin der CSU, vor allem Markus Söder.
Das ist bekannt, das steht fest. Die CDU hat aber ein Problem damit. Sie ist die größte Fraktion. Sie hat seit 15 Jahren keinen Bundespräsidenten gestellt. Und sie sind irgendwie dran im Gefühl. So, was passiert jetzt? Man könnte natürlich sagen, Ilse Aigner ist eine tolle Frau. Die können wir nehmen. Die SPD sagt das zum Beispiel so.
Da geht es ja nicht um Parteipolitik. Aber die CDU ist im Moment ein, wie soll man sagen, ein bisschen angeschossenes Reh. Das heißt, die haben schlechte Umfragen, deren Identität ist gerade so ein bisschen unklar. Wer sind wir? Wo wollen wir hin? Wieso geht das eigentlich immer alles bergab mit uns? Endet unsere Zeit als Volkspartei?
Wie und jetzt sollen wir auch noch der CSU den Vortritt lassen? Da ist so eine wirklich ungute Stimmung und aus dieser Stimmung heraus kommen jetzt permanent Namen. Wer es denn stattdessen werden könnte aus der CDU? Der jüngste Vorschlag kam übers Wochenende, Ines Klaus. Und wenn jetzt ihr denkt, Ines Klaus nie gehört, ja, so geht es eben vielen.
Ines Klaus ist eine tolle Politikerin, Fraktionschefin in Hessen, aber Tatsache nicht so wahnsinnig bekannt. Eine Juristin und sicherlich auch jemand, der kann. Nicht nur nicht bekannt, Julia, wenn wir jetzt über das Amt der Bundespräsidenten sprechen, müssen wir doch eigentlich über eine Persönlichkeit sprechen, die schon gesellschaftliche Debatten angestoßen hat, die schon, für eine gewisse Haltung steht.
Die vielleicht nicht einen riesen Bekanntheitsgrad haben muss, aber man sollte sie schon mal gehört haben. Und bei Ines Klaus, glaube ich, ging jetzt gestern das riesige Google los. Es war ein riesen Suchinteresse, wie es ja immer so schön heißt, auf diesem Namen, weil kein Schwein wusste, wer ist das eigentlich?
Und da frage ich mich jetzt, ich bin ja schon einigermaßen erfahren in der schwierigen Kür von Bundespräsidenten und Bundespräsidentinnen. Das war ja nicht immer mit Glück behaftet bei der Union. Wir erinnern uns an Horst Köhler und an Christian Wulff. Da frage ich mich jetzt, ist es ein Testballon, den Friedrich Merz jetzt mal so hochflattern lässt und der wieder eingesammelt wird?
Oder ist es ernsthaft sein Vorschlag? Denn ich frage mich gerade, was hat eine Ines Klaus als Fraktionschefin der CDU in Hessen, Für einen Vorteil gegenüber einer Landtagspräsidentin, die ja schon qua Amt über den Parteien schwebt und das Staatstragende schon in ihrer Amts-DNA sozusagen hat. Also mit welchen Argumenten kann man einem Markus Söder, der auch kein so leichter Verhandlungspartner ist, mit welchen Argumenten kann ich ihm eine Ilse Aigner ausreden und eine Ines Klaus einschwätzen?
Zwei Dinge dazu. Ich bin mir so gar nicht sicher, ob das überhaupt eine Idee von Friedrich Merz ist. Was ich höre, ist, dass es eine Idee aus Hessen ist, die da gerade lanciert wird. Und das ist das, was ich ganz am Anfang eben meinte. Friedrich Merz hat sich genötigt gesehen, mal klarzustellen oder eben klarstellen zu lassen. Es gibt dann Wege, wie man das lancieren kann, dass der Kanzler diese Ansicht ist.
Er hat klarstellen lassen, dass er A, noch keinen Vorschlag gemacht hat und B, sich vor allem auch noch nicht entschieden hat. Das heißt, er ist, sollte da irgendetwas an dieser Ines-Klaus-Personalie sagen, er ist davon abgerückt. Ganz klar, heute. Hast du den Eindruck, der Kanzler hat überhaupt eine Idee, wer es denn sein könnte?
Denn zu sagen, das Vorschlagsrecht liegt bei uns, das ist ja relativ einfach, aber am Ende muss man ja auch mit überzeugenden Personalvorschlägen kommen. Und da ist ja im Augenblick großes Nirwana in der politischen Debatte. Also entweder er hat eine Idee und hält die gerade extrem eng vor der Brust.
Oder aber, auch die Deutung ist, stand jetzt glaube ich noch zulässig, er findet Ilse Eigner gut. Er weiß nur noch nicht, wie er es seinen eigenen Leuten erklären soll. Im Grunde könnte er nämlich sagen, das ist eine gute Frau, die nehmen wir jetzt. Aber er muss noch Gespräche führen. Ich würde nicht mal ausschließen, dass Friedrich Merz sagen würde, die Ilse, warum nicht? Die sind befreundet, die mögen sich.
Also menschlich gibt es da kein Problem. Da gebe ich dir recht. Ich glaube tatsächlich, dass der Kanzler im Augenblick in einer Lage ist. Wir sehen auch die Umfragen. Wir können ungefähr hochrechnen, wie viele von den Mandaten am Ende einer der nächsten Wahl noch übrig bleiben werden. Wie brutal die CDU zusammenschrumpfen wird in einer nächsten Legislatur.
Und das heißt, er muss, um Punkte zu machen, im eigenen Laden jetzt Beute machen. Das heißt, für die CDU was rausholen. Das spricht sehr für die These, dass er am Ende vielleicht doch versucht. Die eigene Kandidatin durchzusetzen. Aber er muss eine haben. Das ist genau der Punkt. Und wir sind auch in diesem Podcast ja schon häufig Namen durchgegangen und haben uns das für und wieder einzelner Kandidatinnen überlegt.
Die einzige Sache, die für mich langsam klarer wird und wir haben ihn ja nun auch ein paar Tage beobachtet und uns auch hier in Runden sehr viel ausgetauscht dazu. Mein Gefühl ist, dass er schon sehr gerne eine Frau nehmen möchte. Und ich glaube, dass... Es auch am Ende eine Frau wird. Denn es gibt ein ganz hartes Argument.
Die Union braucht die SPD, um einen Kandidaten, eine Kandidatin durchzusetzen. Und die SPD hat sie im Grunde festgelegt. Ich glaube nicht, dass die SPD runterkommt von ihrer Aussage, wir wählen eine Frau. Das heißt, es wird eine Frau. Ich glaube, es wird eine Frau. Das kann man jetzt schon sagen. Welches wird, ob die am Ende Ilse Aigner heißt, Ines Klaus oder auch das kann ja sein, es gibt noch eine dritte.
Die vielleicht noch gar nicht genannt worden ist. Weil vielleicht doch irgendjemand klug war und einen Namen nicht verbrennen wollte, denn das ist ja das. Du meinst so ein Joker, so ein weiblicher Joker, der irgendwann noch so aus dem Handgelenk dann gezogen wird. Bam. Wenn mir irgendwann diese Folge nochmal nachhört und mich hier reden hört, da kommt der weibliche Joker und wir wissen irgendwie, wie es gelaufen ist.
Die hat noch an den weiblichen Joker geglaubt. Klar, kann ganz, sowas altert schlecht. Das ist mir klar. Aber vielleicht ist auch meine Hoffnung, dass es noch irgendjemanden gibt, der uns so umhaut, wo wir alle sagen, okay, wow. Aber hat Friedrich Merz nicht allein deshalb schon ein Problem, weil ein maßgeblicher Teil der SPD schon auf CSU-Linie ist?
Der Fraktionschef der SPD, der ja einflussreich ist und auch Meinungen vorgeben kann in der Partei, hat ja schon nach München signalisiert, Ilse Aigner ist für uns wählbar und ein guter Personalvorschlag. Also mir ist noch gar nicht so klar, wenn es denn der gemeinsame Vorschlag sein soll, wie man, wie Friedrich Merz jetzt quasi die SPD wieder umpolen will, auf einen reinen CDU-Vorschlag, ob der jetzt Ines Klaus heißt oder nicht. Exakt.
Und deshalb hat er heute auch nochmal signalisieren lassen, wie der Zeitplan ist, den er jetzt für die nächsten Tage vorsieht. Also wir sind noch bis zum Wochenende auf der Asienreise, dann kommt er zurück, dann will er Gespräche führen mit den CDU-Ministerpräsidenten, mit den Landeschefs, so die nicht jeweils selbe Personen sind, und mit der CSU.
Dann kommt der 9. November, ist ja in Deutschland ein historisch relevantes Datum, und am 9. November kommt das CDU-Präsidium, also wichtigste Runde in der CDU zusammen. Und dort wollen sie drüber reden. Ich sage dir, und das weiß jeder, der sich so ein bisschen mit solchen politischen Abläufen auskennt, danach sind alle Namen auf dem Markt. Die Runde ist zu groß, als dass das.
Im geschlossenen Raum bleibt, welchen Namen auch immer er dann mit diesem Präsidium bespricht, ein paar Stunden später werden alle in Deutschland drüber reden. Das heißt, er wäre gut beraten, vorher einen Namen zu haben, bei dem im Grunde die SPD signalisiert, okay, bei dem die CSU signalisiert, okay.
Bevor der Name auf den Markt getragen wird, sollte man schon einigermaßen sicher sein, dass er dann am Ende auch durchsetzbar ist, denn sonst leidet die politische Debatte, sonst leidet das Amt des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin, Ganz besonders der genannte oder die genannte Kandidatin. Das ist so die Erfahrung, die wir bei den letzten Wahlen gemacht haben.
Und übrigens gab es die alte Regel, wer zuerst genannt wird, wird es nicht. Was jetzt wiederum eine schlechte Nachricht für Ilse Aigner wäre. Das wäre aber auch eine sehr schlechte Nachricht für Karin Prien, für Julia Klöckner, für Annegret Kramp-Karrenbauer, für viele andere, die schon genannt worden sind.
Also ich glaube, dass die Regel gilt, da gebe ich dir recht. Wer genannt ist, ist damit in der Regel nicht gestärkt. Aber dieser ganze Prozess inzwischen so verfahren, dass es darauf jetzt glaube ich auch schon nicht mehr ankommt. Ich stelle mir in dem Zusammenhang zwei Fragen. Erstens, warum wird eigentlich nicht ernsthaft diskutiert über die Frage, braucht es jetzt nach sechs westdeutschen Bundespräsidenten seit der Deutschen Halle nicht wieder eine Stimme aus dem Osten?
Wir hatten nur Joachim Gauck als Vertreter der neuen Bundesländer seit der Einheit im Schloss Bellevue. Und die andere Frage, die ich mir stelle ist, muss es denn immer jemand aus dem klassischen Parteiapparat sein? Warum nicht eine starke Stimme aus der Wissenschaft? Warum nicht eine starke Stimme aus der Wirtschaft?
Denn wir erleben ja gerade eine strukturelle, tiefe Krise der Parteien. Und vielleicht wäre das genau der richtige Zeitpunkt, mal zu sagen, so und jetzt kommt ins Schloss Pervue oder in das Übergangsamt, darüber reden wir ja, ein Mensch, der eben nicht aus diesem Parteiapparat kommt und der nicht wie Ines Klaus ausschließlich über die Parteipolitik sozialisiert wurde in seiner politischen Karriere.
Jetzt muss ich fragen, hast du denn eine Idee? Ich weiß, dass es eine gemeine Frage ist, aber... Ja, also sag mal so, wenn du auf den Osten blickst, wir haben im Osten natürlich auch starke Frauen. Also jetzt zu sagen, da gibt es niemanden, das wäre ja, glaube ich, ziemlich denkfaul. Und es gibt natürlich auch Frauen im Osten.
Ich denke da an die einzige Rektorin einer deutschen Universität oder die Chefin der Behörde, die sich um die Aufarbeitung der SED-Diktatur kümmert. Es gibt hochpolitische, kluge Frauen natürlich auch im Osten. Ich möchte jetzt nicht irgendwie weitere Namen hier fallen lassen, weil das ist immer sehr undankbar, wenn man da so mal aus dem Handgelenk Menschen ins Spiel bringt. Aber ich glaube, es ist am Ende ein Ergebnis einer Denkfaulheit, wenn man behauptet, da ist niemand. Sondern man muss sich intensiv damit befassen.
Und das ist in meiner Wahrnehmung überhaupt nicht passiert. Wir wissen ja seit fünf Jahren, dass Frank-Walter Steinmeier im Januar aufhört. Mir kommt der Kanzler so ein bisschen vor wie jemand, der am 24. Dezember davon überrumpelt wird, dass Weihnachten ist und ohne Geschenke dasteht. Also da hätte Friedrich Merz ja schon mal etwas früher sich Gedanken machen können zu dieser wichtigen Frage.
Und dass es heikl ist und dass sowas immer auch politisch gefährlich werden kann, das durfte er schon beobachten. Bei den jüngsten Debatten um Bundespräsidenten, Angela Merkel hat es erlebt, die hätte ihm ein Lied davon singen können. Wenn sie ein Draht zu ihm hätte, ein Belastband, hätte sie doch wirklich mal gesagt, Friedrich, kümmere dich rechtzeitig um deinen Bundespräsidenten oder deine Bundespräsidentin.
Irgendwie ist dieses Thema in meiner Wahrnehmung hinten runtergefallen und jetzt sind alle furchtbar erschrocken. Und es läuft, wenn du mich fragst, auf ein ziemliches Chaos zu. Leider kann ich nur sagen, ich stimme dir zu. Und das Bittere daran ist ja... Jetzt weniger, dass Friedrich Merz da offenbar rein technisch Dinge vielleicht nicht optimal gelöst hat, sondern dass ein weiteres Amt, das wir ja in der allgemeinen Wahrnehmung immer noch als für eins halten, das ein sehr hohes Ansehen hat und das wirklich in der Demokratie relevant ist.
Und lass uns nur vorstellen, wie die nächsten Bundestagswahlen ablaufen, wie das weitergeht, wie wichtig so eine gute, integrierende Figur ist. Und wenn das jetzt durch so einen Prozess torpediert wird, leiden wir am Ende alle. Und das ist eben das wirklich Bittere daran. Ich würde fast sagen, wir haben noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.
Einen Bundespräsidenten oder eine Bundespräsidentin so stark gebraucht wie jetzt. Wir erleben ja, wie die Fliehkräfte in der Politik, wie die auseinander gehen, wie die extremen Ränder gestärkt werden, wie die Gesellschaft auseinander fliegt, wie. Die Debattenkultur in der Gesellschaft, wir erleben es ja auch durch Social Media Auswüchse, in weiten Teilen vor die Hunde geht.
Und deswegen ist, ich finde dieses Amt jetzt ganz besonders wichtig und bin so ein bisschen erschrocken über die Art und Weise, wie es jetzt da zu einer Benennung kommen soll. Damit dieser Podcast nicht mit totalem Trübsel endet, denn da sind wir jetzt gerade ein bisschen gelandet. Erzähle ich schnell noch die Geschichte von der Orchidee, die du gleich ganz am Anfang erwähnt hast. Also in Singapur ist es üblich.
Die Staatsgästen, die man sehr mag und die man sehr umgeahnen möchte, nicht nur eine Orchidee zu schenken, sondern eine neue Züchtung nach dem Staatsgast zu benennen. Es gibt jetzt also eine Orchidee, die heißt Friedrich Merz. Die kommt jetzt in den Nationalpark, da wachsen aber schon zwei. Die eine heißt Olaf Scholz und die andere heißt Angela Merkel.
Ich bin nicht sicher, ob die drei sich da so richtig gut vertragen. Vor allem, weil die von Friedrich Merz schon so braune Blätter hat. Wir sind dann hingegangen und gesagt, das kann doch nicht sein. Oder dass man irgendwie so einem Kanzler eine schon halb vertrocknete. Nein, nein. Das ist eine Züchtung. Das heißt Zittfarben.
Ich fand ja auch, dass sie ein bisschen seltsam aussah, dass die Blüten recht klein waren und die Blätter recht groß. Und ich habe mich mit der Botanik in diesem Zusammenhang auch ein bisschen befasst. Wusstest du, dass Orchideen extreme Kurzblüher sind und manchmal nur wenige Tage blühen und dann den Rest des Jahres nicht mehr. Ich hoffe, es ist kein schlechtes Oben für den Kanzler. Was soll ich dazu sagen?
Ich weiß auch nicht, ob er so richtig glücklich damit ist. Ich glaube, er hat die Geste verstanden und das ist ja auch eine schöne Geste. Aber vielleicht wäre ihm eine tiefwurzellere Eiche am Ende lieber gewesen. Aber sie duftet intensiv und gut, habe ich gelesen. Na dann. Durftest du mal dran schnuppern? Ich habe es vergessen, tatsächlich.
Ich habe mir diese Blätter angeguckt, aber den Rest nicht. Wir schweifen ab. Ihr Lieben, vielen Dank, dass ihr zugehört habt. Wir werden euch auf dem Laufenden halten, wie es weitergeht. Vielleicht haben wir ja in der nächsten Folge schon eine Bundespräsidentenkandidatin, auf die sich alle geeinigt haben. Man darf ja noch träumen in diesem Land.
Vielen Dank, lieber Jörg, dass du dabei warst. Komme sehr, sehr gerne wieder. Es ist ein großes Vergnügen mit dir und euch allen. Ja, eine gute Woche. Wir hören und sehen uns. Ich danke dir und viel Spaß noch in Japan und in Südkorea. Vielen Dank. Ein Podcast von Funke.