
Science Busters Podcast· Folge 121
Wie Hertzsprung & Russel nach der Reise von den Roten Riesen zu den Weißen Zwergen einen Riesenast hatten - SBP121
Montag, 5. Januar 2026 · 1 h 04
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Shownotes
Über Hauptsatzreihen, asymptotische Riesenäste, weiße Zwerge, Überriesen & was wir Williamina Fleming & Antonia Maury zu verdanken haben
In Ausgane 121 geht es ums Hertzsprung-Russel-Diagramm, Hautpreihen, weiße Zerge, Rote Riese und die AGB für Sterne.
Über die Geschichte des HRD (astronomy.com/science/putting-stars-in-their-p…)
HR for Astronomers: (strudel.org.uk/blog/astro/000943.shtml)
Antonia Maury, die Nichte von Henry Draper: (de.wikipedia.org/wiki/Antonia_Maury)
Über weibliche Computer: (cosmiclatte.podigee.io/52-cl052-lady-computers…)
Science Busters Podcast 108 u.a. über Henrietta Leavitt - Wie man die erste Sprosse der Extragalaktischen Distanzleiter erklimmt (sciencebusterspodcast.podigee.io/108-wie-man-d…)
Science Busters Zotter-Schokolade online: Big Rip (zotter.at/online-shop/marken/handgeschoepft/sc…) und Big Crunch (zotter.at/online-shop/marken/handgeschoepft/sc…)
Lektüre
Das neue Buch der Science Busters ist da!!! "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" (hanser-literaturverlage.de/buch/science-buster…) erschienen im Hanser Verlag.
Zeitgleich gibt es im Hörverlag auch ein neues Hörbuch selben Namens, gelesen von Ralph Caspers (penguin.de/buecher/science-busters-aus-/hoerbu…).
Unser Jubel-Buch, erschienen vor drei Jahren anlässlich 15 Jahre Sience Busters giltet noch immer: "Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt: Das große Jubelbuch der Science Busters" (amzn.to/3q8ZzWz). Erschienen bei Hanser (hanser-literaturverlage.de/buch/wissenschaft-i…).
Auftritte
Seit 16.Oktober gibt es “Weltuntergang für Fortgeschrittene” (sciencebusters.at/buehnenprogramme/weltuntergang), unsere neue Live- Show mit Martin Moder, Florian Freistetter und Martin Puntigam.
Weitere Shows im Stadtsaal Wien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters) am 22.1. + 7.3. + 5.4.2026
2025 gehtdie Welttournée weiter:
15.1.26. Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-weltuntergang…)
16.1.26 Redoute Passau (aktiv.reservix.de/p/reservix/event/2328440)
21.2.26 VHS Kulturgarage Seestadt (oeticket.com/event/science-busters-weltunterga…)
24.1.26 Theaterforum Schwechat (forumschwechat.com/index.php/satirefestival-24…)
10.4.26 Helmut List Halle Graz (helmut-list-halle.com/event/science-busters-we…)
13.4.26 Stadtsaal Vöcklabruck (eventim-light.com/at/a/67b5b780943465575771f07…)
25.1. + 3.1.+ 28.4.26 Orpheum Wien (orpheum.at/produkt/science-busters-weltunterga…)
22.2.26 + 30.4. + 24.10.26 Kulisse Wien (kulisse.at/programm/?p=Weltuntergang-f%C3%BCr-…)
20.5.26 Rathaussaal Telfs (telfslebt.at/event/science-busters-weltunterga…)
22.05.26 Spielboden Dornbirn (spielboden.at/veranstaltungen/2026/05_mai/scie…)
23. + 24.5. Lustspielhaus München (lustspielhaus.de/event/18818) München Premiere
27.5.26 Bruckmühle Pregarten (lustspielhaus.de/kuenstler/programm/5233)
**28.5.26
** Oval Salzburg (oval.at/de/events/2026-05-28-193000-weltunterg…)
Im Frühjahr touren wir mit dem Weltuntergang wieder einmal in Deutschland, und zwar
am 23.03.2026 Wühlmäusen Berlin (wuehlmaeuse.de/veranstaltung/science-busters-w…)
26.03.2026 Filmtheater Schauburg Dresden (agentour.org/veranstaltung/science-busters_neu…)
27.03.2026 Kupfersaal Leipzig (agentour.org/programm/science-busters_neues-pr…)
28.03.2026 Puffbohne Erfurt (agentour.org/programm/science-busters_neues-pr…)
SB4Kids aktuell digital in der ORF-Kids App, jede Folge zirka 10 Minuten. Analog gibt es die Show mit Martin Moder & Martin Puntigam am
22.2.26 + 30.4.26 Kulisse (kulisse.at/programm/?p=Science-Busters-for-Kids)
am ** 30.12. + 7.3. + 4.4. + 5.4. 26** im Stadtsaal Wien (sciencebusters.at/buehnenprogramme/science-bus…)
15.1.26 Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-for-kids-2) 14.30 Uhr
25.1. + 1.3.26 Orpheum Wien (orpheum.at/produkt/science-busters-science-bus…)
21.2.26 VHS Kulturgarage Seestadt (oeticket.com/event/science-busters-for-kids-we…)
*10.4.26 Helmut List Halle (helmut-list-halle.com/event/science-busters-fo…) 16.00 Uhr
24.5.26 Lustspielhaus (lustspielhaus.de/kuenstler/programm/5233)
Sternengeschichten Live (sternengeschichten.live) mit Florian Freistetter:
29.1. Kulisse Wien
30.1 Oval Salzburg
20.2 Wörgl Komma
26.2 Oberwaltersdorf
28.2 Linz, Posthof,
Weitere Termine in Deutschland im Herbst
Glückskatze – das Solo v. & m. Martin Puntigam schnurrt auch 2025 wieder, am
4. + 5.1.2026 in Wien im Kabarett Niedermair (niedermair.at/kuenstler/martin-puntigam) Uhr
und
9. + 10.1.2026 Theatercafé Graz (hinwider.com/calendar) 20.00 Uhr
Und wer schon für Herbst 2026 planen möchte, da kommt ab 10.11.2026 die Premiere im Theatercafé Graz, da gibt es Martin Puntigams neues Solo mit dem schönen Titel „Der Heilige Puntigam“
Und Florian Freistetter geht mit “Sternengeschichten LIVE” auf Tour, das nächste Mal im Dezember in Essen, Düsseldorf, Dortmund und Berlin und 2026 dann auch im Norden und Osten von Deutschland und erstmals auch in Österreich; Premiere dort ist am 29. Jänner in der Kulisse in Wien und danach kommen Salzburg, Linz, Wörgl und Oberwaltersdorf. Infos und Tickets (sternengeschichten.live)
Alle Infos zu den Terminen unter sciencebusters.at und puntigam.at
Funk und Fernsehen
Die aktuelle Staffel ist seit Ende April fertig ausgestrahlt, jedoch noch ein halbes Jahr weltweit (!) abrufbar auf ORFON (on.orf.at/sendereihe/13886769/science-busters).
Die Science-Busters-Sendungen auf Radio FM4 findet man hier (radiothek.orf.at/podcasts/fm4/fm4-science-bust…).
Alle bisherigen TV-Folgen kann man hier auf DVD kaufen (shop.orf.at/orf/de/dvd/comedy/2482/science-bus…) oder bei Amazon (bit.ly/science_busters_amazon).
Kontakt und weitere Infos
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Fragen zur heutigen Folge und andere Fragen, die wir beantworten sollen, und hoffentlich können, an podcast@sciencebusters.at oder über Instagram oder Facebook. Gern als Audiofile
Dank
Der Podcast wird produziert mit Unterstützung der TU Wien (tuwien.at) und der Universität Graz (uni-graz.at)
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Martin Puntigam Ausgabe 121 des Science-Busters-Podcasts, die erste im Kalenderjahr 2026, heute Teil 3 der Sternstunden der Science-Busters und heute heißt einer Herzsprung und der andere Russell.
Florian Freistetter Stimmt zwar, aber trotzdem muss man solche Witze nicht machen, wenn es nicht sein muss.
Martin Puntigam Muss aber sein. Herzlich Willkommen zur Ausgabe 121 des Science Wars, das Podcast wie immer produziert mit Unterstützung der Uni Graz und der TU Wien. Mein Name ist Martin Puntigam, das ist auch 2026 noch so und mir gegenüber sitzt auch 2026 wieder Florian Freistädter, Astronom. Hallo.
Florian Freistetter Hallo.
Martin Puntigam In der letzten Ausgabe 120 haben wir beide in der zweiten von mehreren Ausgaben über Sterne gesprochen, über Sternengeschichten als Podcast und live, was man mit den Friedmann-Gleichungen berechnet, warum das Universum kein aufgeblasener Luftballon ist, wie Friedman, Einstein zeigen hat können, was der eigentlich entdeckt hatte, warum die Urwolke urspannend ist, weil man sie trotzdem verkleinern muss, ob JetGPT Immanuel Kant richtig versteht, wer das Runge-Kutter-Verfahren braucht und vor allem natürlich, ob Florian Freistetter mit Kaspar, Melchior und Palteser verwandt ist.
Martin Puntigam Heute geht es um die Herren Herzsprung und Russell und was die Sterne den beiden zu verdanken haben oder vielleicht oder vermutlich sogar eher umgekehrt. Lorraine, in Folge 6 deiner Sternengeschichten, das ist schon lange her, 2013, also 13 Jahre, und sie klingt noch ein bisschen so, als hättest du beim Sprechen damals extra einen Eimer über den Kopf gegeben.
Martin Puntigam Das hat aber natürlich Gründe, oder?
Florian Freistetter Ja, ich hatte einen Eimer im Kopf. Also nein, aber 13 Jahre sind vor allem, was Technik und Internet angeht, eine sehr, sehr lange Zeit. Also braucht man schauen, was es vor 13 Jahren alles an Dingen, die heute selbstverständlich sind, gibt und nicht gibt. Also sowas wie YouTube oder soziale Netzwerke und so weiter.
Florian Freistetter Aber 13 Jahre ist lang und damals gab es ganz viele Software nicht, die man heute problemlos verwenden kann für die Podcast-Herstellung. Die ganze Audio-Nachbearbeitung, die heute weitestgehend automatisiert erfolgen kann und dafür sorgt, dass die Podcasts alle mehr oder weniger hervorragend klingen, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt.
Florian Freistetter Die gab es damals nicht. Da hat man händisch arbeiten müssen und die Software war entsprechend kompliziert. Und wenn man keine Ahnung von Tonbearbeitung gehabt hat, dann war es halt nicht so toll, wie es werden hätte können. Ich habe natürlich damals bei Folge 6 von meinen mittlerweile fast 700 Folgen Sterling-Geschichten noch weit, weit weniger Erfahrungen gehabt im Podcast, wie man in ein Mikrofon spricht, wie das Mikrofon richtig verwendet wird, wie es richtig eingestellt wird.
Florian Freistetter Ich habe, das habe ich glaube ich auch schon mal erzählt, eine Zeit lang das Mikrofon komplett falsch herumstehen gehabt, also quasi von der falschen Seite ins Mikrofon reingesprochen. Also natürlich hat sich im Laufe der Zeit was geändert und die ersten Folgen klingen dementsprechend anders.
Martin Puntigam Aber inhaltlich war es schon sattelfest und es ist um Herzsprung und Russell gegangen und um die Entstehung von Sternen, beziehungsweise die Beschreibung, wie man Sterne überhaupt klassifizieren und beschreiben kann. Was war denn da das Problem? Weil Sterne kennt man seit immer. Noch bevor es Astronomie gegeben hat, hat man schon den Lauf der Sterne beschreiben können und der Himmelskörper.
Martin Puntigam Was genau haben denn die beiden herausgefunden?
Florian Freistetter Also Herzsprung und Russell haben erstmal nicht gemeinsam gearbeitet. Da kommen wir später noch dazu. Aber jede Person, die auch nur ein bisschen tiefer in die Astronomie einsteigt und mehr macht als jetzt nur, selbst wenn man sich eine Astronomiezeitschrift kauft, eine populärwissenschaftliche, wird man das Herzsprung-Rassel-Diagramm finden.
Florian Freistetter Also jedes Mal, wenn man sich irgendwie ein bisschen tiefer mit Astronomie beschäftigt und natürlich auch im Studium, kommt man zum Herzsprung-Rassel-Diagramm. Also das ist wirklich eines der zentralsten Dinge in der Astronomie, zumindest in dem Teil der Astronomie, der sich mit Sternen beschäftigt. Und man kann sagen, man kann eigentlich fast die gesamte Astronomie der Sterne anhand des Herzsprung-Rassel-Diagramms erklären, ableiten, verstehen.
Florian Freistetter Das ist wirklich ein Ausbild. Absolut zentrales Ding in der Astronomie. Also ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen, das ist für die Astronomie so zentral, wie es die Evolutionstheorie für die Biologie ist, weil so zentral ist es dann doch nicht. Aber insofern es überhaupt irgendwas so zentrales in der Astronomie gibt, dann kann man es vergleichen mit der Evolutionstheorie.
Florian Freistetter Also Herzsprung-Rassel-Diagramm ist extrem wichtig und die Geschichte dahinter zeigt, warum es wichtig ist.
Martin Puntigam Also man lernt es gleich am Anfang des Studiums, oder?
Florian Freistetter Nicht gleich ganz am Anfang, aber schon im ersten Semester kommt es schon vor. Das ist schon wichtig. Also das hört man, weil es, wie gesagt, ohne das geht vieles nicht in der Astronomie. Das Problem war, kannst du vielleicht so probieren, die Astronomie hat generell viele Probleme, die sie bewältigen muss, um ihre Forschung zu treiben.
Florian Freistetter Und eins davon ist, dass man Sterne halt insofern sehr schlecht erforschen kann oder das Sternenleben, wenn man so will, schlecht erforschen kann, weil die Dinge halt einfach absurd lang leben. Also so ein Stern lebt, wenn er kurz lebt, ein paar Dutzend Millionen Jahre, aber das sind wirklich nur eine Handvoll der Sterne, die am kürzesten leben.
Florian Freistetter Und normalerweise lebt so ein Stern Milliarden Jahre. Das heißt, wir können die Dinger noch so lange anschauen. Wir sehen nicht, was sich da verändert. Wir wollen aber, wenn wir die Sterne verstehen wollen, dann müssen wir halt wissen, wie entsteht ein Stern, wie entwickelt sich ein Stern, wie ändert ein Stern in deinem Leben.
Florian Freistetter Und das müssen wir irgendwie rauskriegen. Aber wir können halt in der Zeit, wo wir, beobachten. Ja, wir sehen halt nur einen winzigen Ausschnitt. Ich habe in einem Artikel über die Geschichte des Herzsprung-Rassel-Diagramms einen schönen Vergleich gesehen. Das ist so, wie wenn du die Aufgabe bekommst, einen Wald zu erforschen.
Florian Freistetter Du sollst einen Wald erforschen, verstehen, also alles, die Ökologie, die Bäume, wie verhält sich ein Baum, wie entwickelt sich ein Baum und wie stirbt ein Baum. Das sollst du alles verstehen. Du hast auch alle Instrumente, die du für diese Aufgaben brauchst. Kriegst du auch alle. Du kannst alles machen, aber du hast dafür nur fünf Minuten Zeit. In diesen fünf Minuten kannst du Daten sammeln, so viel du Bock hast und danach ist aus.
Florian Freistetter Und so ungefähr ist das Problem, das die Astronomie hat, wenn sie Sterne verstehen will.
Martin Puntigam Das heißt, wenn man Sterne anschaut, blinzelt man immer als Erster.
Florian Freistetter Ganz genau. Und das ist das Problem. Man hat natürlich gesehen dann, wir sind jetzt so spät des 18., frühen 19. Jahrhundert, da hat man natürlich schon mit entsprechenden Teleskopen festgestellt, dass es unterschiedliche Arten von Sternen gibt. Kann man auch ganz ohne Teleskope feststellen. Man sieht ja, es gibt Zwischenstände, die leuchten rot. Sterne leuchten eher blau-weißlich und Sterne leuchten ein bisschen gelblich.
Florian Freistetter Manche sind heller, manche sind weniger hell. Also das kann man feststellen. Sterne sind unterschiedlich, aber die Frage war, warum ist das so? Das ist mal eine ganz grundlegende Frage. Und einer der Ersten, der sich da wirklich wissenschaftlich intensiv damit beschäftigt hat, war der italienische Astronom Angelo Secchi.
Florian Freistetter Der hat das so in den späten 1800, also 1860 rum untersucht. Da hatte man schon Spektroskopie. Also man hatte schon die Möglichkeit, das Licht, das von den Sternen kommt, in seine Spektralfarben aufzuspalten und mit den Spektrallinien rauszufinden, ein bisschen grob herauszufinden, woraus die bestehen könnten. Also ein bisschen...
Florian Freistetter Chemische Zusammensetzung herausfinden können. Und das wäre auch wieder die Geschichte der Spektroskopie und die Erklärung der Spektroskopie, die auch wieder mindestens eine eigene Folge wert.
Martin Puntigam Das haben wir, glaube ich, in Seh schon als Ausübung gestellt.
Florian Freistetter Ah, stimmt. Okay, gut. Ja, weil die Spektroskopie halt wichtig ist. Aber das hat Seki damals gemacht, 4.000 Sterne ungefähr, hat sich da angestaut und hat festgestellt, okay, ja, da gibt es zum Beispiel viele, die sind hell und eher weißlich leuchtend. Da hat er viel Wasserstoff nachweisen können. Dann hat er die schwach-rötlich-leuchtenden gesehen. Da war mehr Kohlenstoff drin als bei den anderen und so.
Florian Freistetter Also er hat da so ein bisschen was rumklassifiziert. Und seine Idee war, dass das halt vor allem mit der Temperatur zu tun hat, der Stern, die Unterschiede. Andere Astronomen haben aber gesagt, nee, das ist was anderes. Also es gab jetzt sehr vereinfacht gesagt zwei Gruppen in der Astronomie. Der eine hat gesagt, die Sterne sind deswegen unterschiedlich, weil sie tatsächlich unterschiedlich chemisch zusammengesetzt sind.
Florian Freistetter Also deutlich unterschiedlich chemisch zusammengesetzt sind. Also es gibt Sterne, die bestehen aus den Elementen und Sterne, die bestehen aus komplett anderen chemischen Elementen und deswegen sind die unterschiedlich und haben unterschiedliche Farben und so weiter. Und die andere Gruppe hat gesagt, ja, Sterne haben natürlich nicht alle exakt dieselbe chemische Zusammensetzung, aber sie sind vor allem deswegen unterschiedlich, weil sie sich im Laufe ihres Lebens unterschiedlich entwickeln.
Florian Freistetter Das waren die beiden Denkschulen damals. Und das Problem war, dass man sehr, sehr viel damals, so Ende des 19. Jahrhunderts, noch nicht verstanden hat, wie Licht funktioniert zum Beispiel. Das haben wir jetzt vor kurzem erst ausführlich in unseren Bauern-Silvester-Shows in unserer Quantenmechanik-Abhandlung diskutiert, dass es erstaunlich schwer war und immer noch erstaunlich schwer ist, zu verstehen, was ist Licht und wie...
Martin Puntigam Also man weiß es ja noch immer nicht im Detail.
Florian Freistetter Genau. Aber damals hat man noch nicht gewusst, wie Atome Licht aussinden. Warum Atome Licht aussenden. Die Sache mit den Atomen war im Wesentlichen klar damals Ende des 19. Jahrhunderts. Also da hat man sehr, sehr viel noch nicht verstanden und das muss man halt am Ende verstehen, wenn man wissen will, was in den Sternen abgeht.
Florian Freistetter Aber damals hat man es nicht verstanden. Bisschen mehr kam dann, so in den 1880er Jahren, da ist die Spektroskopie im Wesentlichen in die Astronomie gekommen worden. In Form von sinnvoller Wissenschaft, wenn man so sagen will. Das Ganze ist auch eine Geschichte. Ich muss jetzt sehr viele Geschichten nur kurz ansprechen, weil die alle eigentlich spannend genug wären für mindestens eine eigene Folge.
Florian Freistetter Das, was in den 1880er Jahren am Harvard College, an der Sternwarte des Harvard College stattgefunden hat, das ist auch in vielen Büchern schon erzählt worden. Da haben nämlich die sogenannten Computer gearbeitet.
Martin Puntigam Das waren Frauen, die gerechnet haben für die Männer, die dann publiziert haben.
Florian Freistetter So ungefähr. Also in dem Fall waren die Harvard-Computer wirklich berühmt. Also da gibt es jede Menge Bücher, jede Menge eigene Podcast-Folgen, alles Mögliche gibt es zu dem Thema. Und sollten wir auch mal eine machen, aber ich kann jetzt wirklich nur die Kurzversion machen. Also im Wesentlichen war es so, man hat auch da probiert, Sterne zu klassifizieren und Sterne irgendwie zu ordnen.
Florian Freistetter Und hat dafür die Spektren verwendet, also das, was man eben aus dem Licht über die Zusammensetzung und so weiter der Sterne rauskriegen kann. Also man hat jede Menge Daten gehabt und dann hat man die Daten irgendwie sortieren müssen. Und Edward Pickering, das war der Chef der Sternwarte, der hatte eine Haushälterin, die hieß Williamina Fleming.
Florian Freistetter Und die war, ich weiß gar nicht, ob sie Haushälterin war, sie war auf jeden Fall in seinem Haus angestellt und hat da Sachen gemacht. Also ja, wird schon sowas gewesen sein. Aber Pickering hat festgestellt, dass die eigentlich recht schlau ist und weil er mit seinen männlichen Assistenten sehr unzufrieden war, die wird immer wieder erzählt, ich habe noch keine eindeutige Quelle gefunden für diese Geschichte, aber es wird sie geben, weil so oft wie es erzählt wird, wird es vermutlich stimmen.
Florian Freistetter Also er war unzufrieden mit seinen männlichen Assistenten und hat dann so gesagt, selbst bei der Haushälterin kannte es besser als ihr, hat sie dann eingestellt und die konnte das besser als die Männer. Und ein Punkt, der dann meistens eher, weil deshalb eine sehr lustige Anekdote ist, der dann nicht mehr so oft erzählt wird.
Florian Freistetter Aber vermutlich näher an der Wahrheit ist, der hat die Frauen natürlich deutlich schlechter bezahlen können. Also Frauen haben halt, wenn sie in der Wissenschaft arbeiten durften, was auch nicht selbstverständlich war, aber sie haben halt weniger Geld bekommen und natürlich, wenn ich direkt davon der Sterbwarte bin und sehe, ach, da gibt es einen Haufen schleue Frauen, die das auch können, aber denen muss ich nur die Hälfte des Geldes geben. Naja, dann habe ich mehr Geld für anderes.
Florian Freistetter Also hat er dann diverse andere Frauen auch noch eingestellt, eine, die wichtig werden wird. Da gibt es ganz viele davon. Wie gesagt, da gibt es jede Menge zu dem Thema.
Martin Puntigam Ich glaube, die Ruth und ich haben einmal über die Henrietta Spond-Levitt gesprochen.
Florian Freistetter Ja, die war da auch mit dabei. Die ist zwar für andere Sachen berühmt geworden, die hat jetzt mit der Spektral-Klassifikation, auf die jetzt ich kommen möchte, eher weniger zu tun gehabt. Aber eine, die für uns dann wichtig wird, oder für den Teil der Geschichte, war Antonia Maui. Das war die Nichte von Pickering. Das weiß ich gerade nicht.
Florian Freistetter Ich habe nur gemerkt, sie war die Nichte von irgendwem. Aber ja, bitte.
Martin Puntigam Wir schreiben das in die Show. mit wem sie wie verwandt war und wem sie was in welcher Größenordnung schenken hat müssen zum Geburtstag.
Florian Freistetter Jedenfalls, also die hat dann probiert, irgendwie Sinn in diese Daten zu bringen. Also das haben die meisten Frauen gemacht, aber die waren dann am Ende verantwortlich dafür und hat probiert, irgendwie Sinn da reinzukriegen in diese Daten, die bei den Sternen existiert haben. Und sie hat dann ein System entwickelt, das im Wesentlichen heute noch existiert.
Florian Freistetter Es existiert nicht mehr in der Form, die heute existiert, aber es existiert in einer abgewandelt. Und vor allem, wer schon mal was von der Klassifikation der Sterne, der Spektralklassifikation der Sterne gehört hat, der wird sich wundern, warum die Astronomie das so komisch macht. Also ich kann das kurz mal aufzählen.
Florian Freistetter Man teilt die Sterne in unterschiedliche Spektralklassen und die heißen OBA. F-G-K-
Martin Puntigam Klingt ein bisschen, wie wenn man singen lernt.
Florian Freistetter Ja, also sortiert sind sie in dem Fall ganz, ganz einfach gesagt, blauisch, also die O-Sterne sind heiß, die M-Sterne sind kühl und dazwischen ändert sich die Temperatur entsprechend. Also diese Klassifikation O-B-A-F-G-K-M geht von heißen zu kühlen Sternen. Und irgendwie muss man die ja nennen, kann man 1, 2, 3, 4, 5 nennen oder halt A, B, C, D, E.
Florian Freistetter Und das hat Mauri auch gemacht, also die hat sie quasi alphabetisch benannt, Aber er hat sie noch auf eine andere Art klassifiziert, also er hat die anders sortiert gehabt. In ihrer Sortierung war das alphabetisch, aber später hat man gemerkt, na, das ist doch ein bisschen anders und man muss das umsortieren und ein paar von den ganzen Klassen kann man wegschmeißen und so.
Florian Freistetter Also da war viel, viel Arbeit noch dahinter und am Ende ist man halt mit dem System übrig geblieben, wo man gemerkt hat, aha, okay, wir können die am besten nach Temperatur ordnen, da funktioniert es am besten. Und dann hat man halt diese Reihenfolge OBAFGKM gehabt, die wie so oft in der Astronomie halt einfach geblieben ist, auch wenn es jetzt überhaupt keinen Zimmer macht und es sehr, sehr mühsam ist, wenn man das das erste Mal in der Fäuser gehört, sich das zu merken, die Reihenfolge.
Martin Puntigam Aber gibt es da Eselsbrücke, wie es es im Lateinischen oft gibt?
Florian Freistetter Ja, ja, es gibt jede Menge Eselsbrücken. Also die berühmteste ist auch noch von damals. Die ursprüngliche Version sagt man heute eher nicht mehr, weil die da ja, die lautet, also auf Englisch, oh, be a fine girl, kiss me. Also, sei ein liebes Mädel, küss mich.
Martin Puntigam Sagt man heute schon auch noch, aber es kommt anders an.
Florian Freistetter Manche ändern das Girl auch zu Guy, kann man auch machen. Einer, die habe ich mir tatsächlich mal ausgedacht, oder ich und ein Kollege, Matthias, der das hier vielleicht auch hört, mit dem ich gemeinsam studiert habe. Wir sind damals, das muss 1995 gewesen sein, und da dürften nämlich Wahlen gewesen sein oder irgendwie sowas. Wir sind da zur Sternwarte marschiert, gerade als wir das gelernt haben im ersten Semester.
Florian Freistetter Und da war irgendein Wahlplakat von irgendeinem Bauernbund oder von der ÖVP. Die haben betont, wie wichtig die Landwirtschaft ist.
Martin Puntigam Aber es ja stimmt.
Florian Freistetter Ja, eben. Und wir haben dann gesagt, man kann diese Klassen auch merken, ohne Bauern am Feld gibt es keine Milch.
Martin Puntigam Das stimmt wiederum. Den Zusammenhang gibt es ja wiederum nicht.
Florian Freistetter Ja, aber man merkt es sich. Man kann sich das merken. Also es gibt vermutlich auch jede Menge andere Versionen. Eine Version, die ich noch kenne, lautet Offenbar benutzen Astronomen furchtbar gerne komische Merksätze. Aber wenn man da im Internet sucht, findet man Dutzende Versionen von dem Ganzen.
Martin Puntigam Also das heißt, allein indem man sucht, kann man sich dann schon merken und braucht die Eselsbrücke dann irgendwann immer.
Florian Freistetter Ja, und irgendwann sind es auch nur sieben Stück. Also das kann man sich auch nur noch so merken. Aber ja, das war jetzt die sehr, sehr kurze Version, wie diese Spektalklassen entstanden sind. Und das war halt eine sehr, sehr frühe Version. Also das war so Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts hat man so ein bisschen die Sterne anhand ihrer Spektralklassen sortiert gehabt und dann kam einer Herzsprung.
Florian Freistetter Das war ein dänischer Astronom, der, wann ist der geboren? 1870 rum ist er geboren, glaube ich. Und der hat halt auch gedacht, okay, er möchte das auch gern verstehen, wie das mit den Spektren ist und so weiter. Und hat festgestellt, ja, die Temperatur, die ist zwar wichtig, die Temperatur, die sagt uns schon was über den Stern.
Florian Freistetter Aber die Temperatur sagt uns nicht alles. Denn es hat damals, Moment, das habe ich vorhin vergessen zu sagen, dass der Angelo Secchio, der hat damals die Sterne eingeteilt in Riesen und Zwerge. Also es gibt große Sterne, kleine Zwerge und so weiter. Aber, und jetzt sind wir fast 100 Jahre später. Nein, gar nicht mal 100 Jahre später. Es sind ein paar Jahrzehnte später.
Florian Freistetter Da hat sich Herr Herzsprung mit den Beschäftigten festgestellt, ja, die Temperatur ist zwar wichtig, Temperatur spielt eine Rolle, aber die Temperatur, die kann uns nicht alles sagen. Weil er hat festgestellt, und das war das, was damals in der Klassifikation aus Harvard noch nicht inkludiert war. Die haben einfach nur gesagt, okay, wir haben rote Sterne. Das war die ursprüngliche Version.
Florian Freistetter Da hat die Antonia Maui, die Lichte von irgendjemandem, festgestellt, dass es eben rote Sterne gibt. Und es gibt helle rote Sterne und es gibt schwach leuchtende rote Sterne. Und Herzsprung hat sich das Ganze... Ich habe ihn entsprechend ein bisschen genauer angeschaut und festgestellt, ja, ist okay.
Florian Freistetter Aber das Problem ist, wenn ich jetzt einfach nur die Temperatur nehme, also sag mal Rot, die Farbe ist ja ein Wert für die Temperatur. Das hat man damals schon gewusst. Was Rot leuchtet, muss kühler sein als das, was zum Beispiel Blau leuchtet. Die Temperatur, die Farbe allein hilft uns nicht, weil er hat festgestellt, okay, es gibt einerseits rote Sterne, die klein sind und andererseits rote Sterne, die sehr groß sind.
Florian Freistetter Und wie er da drauf gekommen ist, das ist aber auch wieder ein Thema für sich, weil das ist gar nicht so einfach, da drauf zu kommen. Aber er hat sich halt Sterne angeschaut in Gruppen, wo er davon ausgehen hat können, die Sterne sind alle mehr oder weniger gleich weit von der Erde entfernt. Und dann ist tatsächlich die Helligkeit, die man beobachtet, die man sieht von der Erde aus, ein Maß dafür, wie hell sie wirklich sind.
Florian Freistetter Weil ansonsten, wenn ich weiß, wie weit die weg sind, dann kann das ja irgendein Grund sein. Dann kann der extrem hell sein, aber wir sehen ihn nur ganz schwach, weil er so weit weg ist. Oder er kann halt extrem hell sein, weil er uns extrem nahe ist. Also ich muss die Entfernung kennen und wenn ich die nicht kenne, was quasi der Standard ist in der Astronomie, dass man nicht weiß, wie weit was weg ist, dann ist es schwierig, aus der Helligkeit irgendwas zu schließen über die wahre Helligkeit.
Florian Freistetter Aber Herzsprung, der hat sich eben Sterne angeschaut, so Sternhaufen, Sterngruppen, wo man gesagt hat, okay, die sind jetzt alle mehr oder weniger gleich weit weg von uns. Und wenn das so ist, dann müssen die Hellen wirklich größer sein, heller sein als die, die schwach leuchten. Und da hat er halt festgestellt, okay, wir haben rote Sterne, die sehr hell sind und rote Sterne, die sehr nicht so hell sind.
Florian Freistetter Und die sind aber alle gleich weit weg von uns. und das bedeutet, die hellen Roten müssen deutlich größer sein als die nicht so hellen Roten. Das klingt jetzt alles sehr, sehr trivial, aber es ist sehr, sehr wichtig, weil das bedeutet, dass die Temperatur allein uns nichts über die Natur des Sterns sagen kann.
Florian Freistetter Also wir wissen dann immer noch nicht, ist der groß, ist der klein, weil wir wissen auch noch nicht, damals habe ich noch nicht gewusst, was geht da genau ab im Stern, warum ist ein Stern groß, warum ist ein Stern klein und so weiter. Und das hat Herzsprung jetzt mal auf wissenschaftliche Weise geklärt.
Florian Freistetter Er hat gesagt, okay, wir brauchen mehr als nur die Temperatur, wenn wir Sterne verstehen wollen. Das Ganze hat er 1905 veröffentlicht und zwar in der Zeitschrift für wissenschaftliche Fotografie. Das war ein bisschen so ein obskures Journal. Also obskur jetzt nicht im Sinne von, da stand Schwachsinn drin, sondern obskur im Sinne von, das hat kaum wer gekannt. Und damals gab es ja auch noch kein Internet, wo ich einfach was gesucht habe.
Florian Freistetter Heutzutage ist es fast wurscht, wo ich was publiziere, weil solange es irgendwo entsprechend indiziert ist in den Datenbanken, dann kommt das raus bei der Suche. Aber damals hat man halt das gelesen, was in der wissenschaftlichen Bibliothek, in der Institutsbibliothek, in der Bibliothek rumgelegen ist. Und wenn das eine Zeitschrift war, die halt so obskur war, dass sie kaum ein Institut abonniert hat, dann hat das halt keiner gelesen.
Florian Freistetter Das heißt, er hat das zwar veröffentlicht, aber es hat nicht wirklich mehr gewusst, dass er es getan hat.
Martin Puntigam Aber warum hat er die Zeitschrift genommen oder hat er keine Wahl gehabt?
Florian Freistetter Weiß man nicht, warum er es genommen hat. Vielleicht weiß man es, aber ich weiß es jetzt gerade nicht. Es wird schon einen Grund gehabt haben. Vielleicht war es ihm auch einfach wurscht. Also er hat es halt einfach, dachte ich, veröffentlicht es jetzt und dann habe ich es veröffentlicht. Also damals war ja auch noch nicht dieser Publikationsdruck in der Wissenschaft, wie er heute ist. Ja, da hat man einen Job gehabt und dann hast du einen Job gehabt.
Florian Freistetter Also das war jetzt nicht so wie heute, wo du ständig was publizieren musst. Also er hat es halt publiziert, damit es irgendwer weiß. Aber dann hat zeitgleich und unabhängig der amerikanische Astronom Henry Norris Russell sich im Prinzip mit dem gleichen Thema beschäftigt. Er hat auch gesagt, er schaut sich jetzt mal genauer an, wie man Sterne klassifizieren kann, was wichtig ist und so weiter und hat tatsächlich auch festgestellt, dass es eben diese zwei Arten von Sternen gibt, nämlich die Zwergsterne und die Riesensterne und hat festgestellt, ja, wir brauchen da wirklich eben nicht nur die Temperatur, sondern wir brauchen da noch einen anderen Parameter, um das feststellen zu können, klassifizieren zu können und hat das dann 1913 auf einer Konferenz vorgestellt
Florian Freistetter und dann später veröffentlicht. Und wir werden dann gleich später reden, was dann jetzt wirklich genau das Resultat ist. Das ist nur die Geschichte bis dahin. Aber das, was er da veröffentlicht hat, das hat man dann wirklich ziemlich schnell als das erkannt, was es auch ist, nämlich extrem wichtig. Und wenn wichtige Dinge sich verbreiten, dann kriegen sie einen Namen.
Florian Freistetter Und dann ist es oft der Name von der Person, die es veröffentlicht hat oder entdeckt hat. Und dieses Diagramm, es geht um ein Diagramm, das ist dann ab da als Rassel-Diagramm bezeichnet worden, weil niemand gewusst hat, dass Herzsprung das eh auch gemacht hat. Aber später hat dann, ich glaube es war ein anderer dienischer Astronom oder ein schwedischer Astronom.
Florian Freistetter Bernd Strömgren, glaube ich, ich weiß gerade, irgendwo aus Kandinavien kam der, aber der hat die Arbeit von Herzsprung 1933 wieder ausgebuddelt und seit damals ist jetzt dieses Diagramm als Herzsprung-Rassel-Diagramm bekannt, weil das beide quasi gleichermaßen beigetragen haben dazu. Also die haben jetzt nicht kollaboriert, um das zu machen, sondern beide haben es gemacht und deswegen ist es nach beiden benannt.
Martin Puntigam Haben Sie jemals kennengelernt eigentlich?
Florian Freistetter Das ist eine gute Frage, die ich probiert habe herauszufinden für das Buch von mir, was jetzt demnächst rauskommt, die Farben der Astronomie. Da geht es ja auch sehr, sehr intensiv um unter anderem dieses Thema, weil die Farbe eine wichtige Rolle spielt für die Sterne und für das Herzsprung-Rassel-Diagramm.
Florian Freistetter Ich habe jetzt nicht beliebig viel Zeit gehabt für die Recherche in der Zeit, die ich hatte, habe ich jetzt nicht herausgefunden, dass die beiden sich getroffen hätten. Die werden schon voneinander gewusst haben, weil... Wir haben schon gewusst, was die anderen so forschen, aber ob sie sich getroffen haben und darüber diskutiert haben, konnte ich tatsächlich nicht herausfinden.
Florian Freistetter Vielleicht hört eine Person zu, die wissenschaftshistorische Expertise hat und kann das für mich klären, aber ich hätte jetzt nicht gewusst, dass die sich getroffen hätten.
Martin Puntigam Aber waren sie im Briefkontakt oder so? Weil wir waren ja Zeitgenossen.
Florian Freistetter Ja, ja, weiß ich jetzt auch nicht. Das hätte ich jetzt auch nicht gefunden, dass die jetzt kommuniziert hätten. Aber wie gesagt, ich habe auch nicht so genau nachgeschaut, wie ich nachschauen hätte müssen, um das herauszufinden. Das ist eine Frage, die kann man jetzt hier nicht beantworten. Aber was wir beantworten können ist, was dieses Diagramm eigentlich ist und warum es so bedeutend ist.
Florian Freistetter Weil bis jetzt habe ich immer nur gesagt, man hat sich die Temperatur der Sterne angeschaut und festgestellt, da gibt es heiße und kühle und rote und blaue und große und kleine. Das ist jetzt nicht überraschend, aber das Herzsprung-Rassel-Diagramm ist auf den ersten Blick sehr überraschend.
Martin Puntigam Ganz kurz noch dazwischen, warum gibt es nur große und kleine Sterne? Weil es gibt ja wahrscheinlich auch mittlere Sterne.
Florian Freistetter Die waren egal. Genau. Die waren nicht egal, aber die kommen jetzt nicht. Natürlich gibt es auch mittler- und mittelgroße Sterne, aber um genau das geht es. Also was man jetzt gemacht hat, ist, okay, wir machen jetzt ein Diagramm. Und auf die eine Seite des Diagramms, also auf die, ist ein bisschen blöd immer, ein Diagramm im Podcast zu beschreiben, aber in dem Fall führt kein Weg dran vorbei und wir reden eh so ausführlich drüber, dass am Ende alle verstehen, was es ist, beziehungsweise braucht man es einfach nur im Internet eingeben und bekommt sofort ein entsprechendes Bild.
Florian Freistetter Aber ich erkläre es jetzt eh. Also wir haben ein Diagramm, wo man auf der einen Achse, nämlich der X-Achse, die Spektralklasse aufträgt. Also genau das, was ich gerade erzählt habe. O, B, A, F, G, K, M. Oder das ist äquivalent die Temperatur. Habe ich auch vorhin gesagt. O-Sterne sind die heißesten, M-Sterne sind die kühlsten. Also ob ich jetzt die Spektralklasse oder die Temperatur auftrage, ist im Wesentlichen egal.
Florian Freistetter Aber üblicherweise trägt man die Spektralklasse auf. Und zwar so, dass von rechts nach links die Temperatur niedriger wird. Wenn ein Stern eine niedrige Temperatur hat, dann ist er irgendwo rechts auf dieser Achse. Wenn er heiß ist, ist er irgendwo links auf dieser Achse. Das ist die eine Achse. Aber das haben ja Herzsprung und Rassel beide festgestellt. Die Temperatur allein reicht nicht, um das zu klassifizieren.
Florian Freistetter Wir brauchen eine zweite Größe und die zweite Größe, das ist die absolute Helligkeit. Also die Helligkeit, wie hell ist dieser Stern wirklich? Gehen wir jetzt auch nicht darauf ein, wie man das genau misst und wie man das rauskriegt, aber wir sagen mal, wir kriegen es raus. Wir wissen, wie ist die absolute Helligkeit des Sterns, wie ist seine Leuchtkraft, wie hell leuchtet der und die trage ich auf der anderen Achse auf und zwar so, dass die, die schwach leuchten, in dem Fall jetzt unten sind, weil wir sind ja bei der y-Achse, sind unten und die hell leuchten sind oben. So, das sind unsere Achsen und jetzt, Da kann man sich denken, was passiert? Wir nehmen jetzt, keine Ahnung, 5000 Sterne, für die wir sowohl die Temperaturspektralklasse als auch die Helligkeit
Florian Freistetter kennen und wir tragen die in diesem Diagramm ein. Was würde man erwarten, dass rauskommt? Hast du eine Erwartung, was rauskommt? Also die Frage ist, soll überhaupt irgendwas passieren? Weil, wie gesagt, es gibt große Sterne, kleine Sterne, heiße Sterne, kühle Sterne und so weiter.
Martin Puntigam Ja, dass die Verteilung ungefähr gleich sein wird, das wäre die Erwartung.
Florian Freistetter Ja, also man könnte sich mal denken, okay, wenn ich die eintruche, dann habe ich halt einfach überall, die Punkte sind dann überall im Diagramm. Weil ich habe halt große Sterne, kleine Sterne mit allen möglichen Temperaturen. Das heißt, ich kriege je nachdem, wie der Sterne gerade drauf ist, irgendwo in dem Diagramm Punkte.
Florian Freistetter Ja, ist aber nicht so. Wenn man das macht, dann kriegt man eine Linie, mehr oder weniger. Also die Punkte ordnen sich entlang einer Linie, um eine Linie herum an, die von oben links nach unten rechts führt. Also es gibt Sterne, die sind sehr heiß und hell, die sind oben links und es gibt Sterne, die sind sehr kühl und leuchtschwach, die sind unten rechts und die anderen liegen dazwischen.
Florian Freistetter Das heißt, du kriegst eine Linie aus Sternen, wenn du sie einträgst im Diagramm, die von schräg einmal durch von oben nach unten läuft. Das war das, was man da findet, wenn man das Diagramm macht. Und das ist einerseits ein bisschen überraschend und andererseits der Schlüssel zum Verständnis des Lebens und der Entwicklung eines Sterns.
Florian Freistetter Weil diese Linie, die heißt Hauptreihe. Das ist ein bisschen unkreativ genannt in der Astronomie, aber es ist halt der Main Sequence, sagt man, wenn man auf Englisch redet. Da klingt es ein bisschen besser, weil Hauptreihe, das klingt fast schon wie das, wo man sich da irgendwie so eine Dirnreihe oder sowas im Turnunterricht oder so.
Martin Puntigam Oder wie eine Hauptsatzreihe. Genau. So wie man sprechen soll, aber was beim Schreiben ein bisschen uneleganter wirkt.
Florian Freistetter Aber Main Sequence, das definiert besser, was es eigentlich ist. Es ist wirklich so, die hauptsächliche, die hauptsächliche, kann es schwer übersetzen. Also es ist wirklich das, was für das Sternleben wichtig ist. Und jetzt können wir schauen, was, wir müssen jetzt mal ignorieren, wie ein Stern entsteht. Das müssen wir uns später anschauen.
Florian Freistetter Aber jeder Stern, der mal entstanden ist, hat eine gewisse Helligkeit und eine gewisse Temperatur. Und die Temperatur und die Helligkeit, die bekommt der Stern über seine Masse. Je mehr Masse ein Stern hat, desto mehr Druck kann er in seinem Inneren aufbauen, desto härter sind die Temperaturen und Bedingungen im Zentrum des Sterns, desto mehr Kernfusion kann dort ablaufen, desto heißer kann er brennen quasi.
Florian Freistetter Also je mehr Masse, desto mehr Helligkeit und Temperatur kann so ein Stern aufbauen. Und deswegen kann so ein Stern eben nicht beliebig existieren, sondern er muss da entlang dieser Linie liegen, wo er sich einordnet, je nach seiner Masse, die er bei der Entstehung gehabt hat. Sterne, die aus wenig Masse entstehen, die können halt nur schwach leuchten.
Florian Freistetter Nur weil sie schwach leuchten, haben sie eine geringe Temperatur. Und Sterne, die viel Masse haben, die leuchten hell und sind heiß. Und in diesem Diagramm müssen sie dann halt diese Diagonale besetzen. Das heißt, je nach Ursprung, Entstehungsmasse des Sterns, liegt er dann entweder am Anfang dieser Linie, also bei den heißen, hellen Sternen oder am Ende bei den roten, schwachleuchtenden Sternen oder irgendwo dazwischen.
Florian Freistetter Und da bleibt er auch. Also die Sonne zum Beispiel, die ist genau in der Mitte zwischen den Riesen und den Zwergen. Solange der Stern ein Stern ist, bleibt er auf dieser Hauptreihe. Der bewegt sich da nicht wirklich weg. Das heißt, alle Sterne, die wir so landläufig als normale Sterne bezeichnen, müssen sich irgendwo auf dieser Hauptreihe befinden.
Martin Puntigam Aber gibt es da leichte Bewegungen, weil Sterne strahlen ja ununterbrochen Energie ab?
Florian Freistetter Natürlich gibt es leichte Bewegungen, aber die sind jetzt so gering verglichen mit dem, was danach kommt, dass es da keine große Relevanz hat. Was danach kommt, das sieht man, wenn man sich so ein typisches Herzsprung-Rassel-Diagramm anschaut. Denn wenn ich wirklich so eine normale, wie sagt man bei Umfragen, eine repräsentative Auswahl an Sternen nehme vom Himmel und die alle eintracht, dann sehe ich halt vor allem mal diese Hauptreihe.
Florian Freistetter Ich werde aber auch sehen, dass in dem Bereich rechts über der Hauptreihe auch Punkte sind und auch links unten. Also da ist auch ein bisschen was. Auch nicht wahllos verteilt, aber ein bisschen was ist da. Und was da zum Beispiel ist, das sind die, die ich vorhin erwähnt habe, als Herzsprung festgestellt hat, dass es nicht nur rote Sterne gibt, die schwach leuchten, sondern auch rote Sterne gibt, die sehr hell leuchten.
Florian Freistetter Es gibt auch rote, helle Sterne. Das heißt, die sind sehr hell. Das heißt, die müssen oben liegen im Diagramm. Aber sie sind rot und sehr kühl, müssen also rechts liegen im Diagramm. Das heißt, ich habe auch oben rechts eine Gruppe, wo dann Sterne sind, die aus irgendeinem Grund rot und hell sind. Da oben habe ich auch Sterne, die sind gelb und hell und blau und hell.
Florian Freistetter Das heißt, ich habe irgendwie so eine Riesengruppe. Das nennt man auch so. Man nennt das den Riesenast.
Martin Puntigam Wie nach einer ausgiebigen sportlichen Betätigung.
Florian Freistetter Ja, so ungefähr. Also heißt es halt auf Deutsch, also auf Englisch haben die, das ist der Red Giant Branch und so weiter, aber der Riesenast, weil das ist das, was ein Stern tut, wenn er die Hauptreihe verlässt. Also wenn ein Stern aufhört, ein normaler Stern zu sein, dann passieren auch viele, viele komplizierte Dinge, aber im Wesentlichen führt das dazu, das kann man anhand unserer Sonne erklären.
Florian Freistetter Dass der Stern zuerst innen drin ein bisschen heißer wird und dadurch ein bisschen mehr Strahlung erzeugt, dadurch. Die Temperatur auch außen sich erhöht, der Stern sich ein bisschen ausdehnt. Also der Stern wird größer, während er sich ausdehnt und innen drin zwar heißer ist als vorher. Die äußeren Schichten, die müssen kühler werden, weil die dehnen sich ja aus.
Florian Freistetter Ich habe dann quasi mehr Fläche, die von der gleichen Energie bestrahlt wird. Und deswegen verteilt sich die Energie über den größeren Bereich und der Stern insgesamt wird kühler außen. Und darum habe ich dann eben Sterne, die zwar sehr groß sind und sehr hell sind, weil sie sehr groß sind, aber trotzdem außen kühl sind und deswegen rot leuchten.
Florian Freistetter Das heißt, die Sonne wird sich am Ende ihres Lebens genau zu so einem großen roten Stern entwickeln und das ist ein roter Riese und die finden wir dann halt eben oben rechts im Diagramm. Und andere Sterne, die noch mehr Masse haben, die sind dann halt irgendwie groß und gelb und groß und orange und groß und blau und so weiter.
Florian Freistetter Das heißt, wenn ein Stern sich am Ende seines Lebens befindet, dann landet er irgendwo da oben in dieser Riesengruppe, am Riesenast und dann wieder Beispiel unsere Sonne. Unsere Sonne wird dann, wenn sie dann die rote Riesenphase hinter sich hat, am Ende so heiß werden, dass die äußeren Atmosphärenschichten, diese kühlen roten Schichten, wo sie komplett abgestoßen werden, die verflüchtigen sich irgendwo im Weltall und übrig bleibt nur noch der heiße innerste Kern, der dann wirklich so groß ist wie die Erde ungefähr.
Florian Freistetter Also zwar heiß ist, aber halt sehr klein ist und deswegen auch schwach leuchtet. Das heißt, wir haben jetzt Objekte, die im Diagramm, im Herzsprung-Rassel-Diagramm unten links sind, weil links ist das heiße und unten ist das dunkle und das sind die weißen Zwerge. Also wir sehen da in diesem Herzsprung-Rassel-Diagramm so die klassischen Stadien der Sternentwicklung.
Florian Freistetter Wir sehen den Normalzustand, da ist der Stern auf der Hauptreihe. Wir sehen den Stern, wie es anfängt, sein Leben zu beenden. Dann wandert er nach oben in diese Riesengruppe und dann ganz am Schluss schräg einmal durch nach unten zu den weißen Zwergen. Und das macht er unterschiedlich auf unterschiedlichen Wegen. Da gibt es ja ganze...
Florian Freistetter Ganze Wissenschaften, die sich nur damit beschäftigen, welche Wege die Sterne durchs Herzsprung-Rassel-Diagramm machen. Es gibt den asymptotischen Riesenass zum Beispiel. Das ist wieder so AGB-Sterne. Asymptotic Giant Branch heißt das auf Englisch. Und deswegen heißen die Sterne, die sich auf diesem asymptotischen Riesenass befinden, eben AGB-Sterne.
Florian Freistetter Also ich kann mich erinnern, auf der Sternwarte in Wien, wie ich dort war, war AGB-Sterne, das war eine eigene Arbeitsgruppe. Die haben nichts anderes gemacht, als sich mit den Dingen zu beschäftigen.
Martin Puntigam Das klingt ein bisschen nach Konsumentenschutz und Rechtswissenschaft, AGBs lesen.
Florian Freistetter Ja, aber in dem Fall ist es eben der asymptotische Riesenast und das ist eben auch ein Teil dieses Endstadiums in den Sternenlebens und diese ganzen Entwicklungspfade, die man da hat, die sind halt einerseits wichtig, wenn man verstehen will, wie ein Stern sich entwickelt und dann eben, wenn man das mal theoretisch untersucht hat, Weil man kann ja mittlerweile mit entsprechenden Sternmodellen auch so quasi sagen, was wäre jetzt, wenn wir jetzt einen Stern haben, der dieses und jenes macht, dann kann ich den Weg des Sterns durch dieses Herzsprung-Rassel-Diagramm aufzeichnen und dann kann ich schauen, wenn ich einen realen Stern beobachte.
Florian Freistetter Den eintragen im Herzsprung-Rassel-Diagramm und kann schauen, okay, auf welchem Weg ist der genau? Wenn er auf der Hauptreihe ist, ist er auf der Hauptreihe, das ist klar. Aber wenn er nicht auf der Hauptreihe liegt, dann kann ich schauen, okay, ich habe vorhin gesagt, der ist irgendwo oben rechts oder unten links.
Florian Freistetter Das ist eine sehr grobe Einteilung. Man kann das sehr, sehr viel feiner machen. Und dann kann ich genau schauen, okay, wo ist der jetzt genau? Ist er jetzt auf dem Weg, wo er ein blauer Überriese wird? Ist er auf dem Weg, wo er ein asymptotischer Riesenstern wird? Ist er auf dem Weg, wo er ein leuchtkräftiger, blauer, veränderlicher Stern wird?
Florian Freistetter Das sind alles unterschiedliche Typen von Sternen in der Endphase ihres Lebens und das kann ich eben alles mit diesem Diagramm machen und schauen, wo auf welchem Wanderweg ist er jetzt quasi gerade genau dann weiß ich nämlich auch, wo er herkommt und wo er hingeht und kann so halt aus diesem Schnappschuss, den ich habe, von dem Stern, wie er jetzt ist, mithilfe des Herzsprung-Rassel-Diagramms das ganze Sternenleben auch in die Vergangenheit und in die Zukunft ablesen.
Florian Freistetter Und deswegen ist es so enorm wichtig für die Astronomie, weil wir dieses Problem, das ich am Anfang angesprochen habe, dadurch zum Teil lösen können. Wir sehen nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Leben eines Sterns, aber mit dem Werkzeug des Herzsprung-Rassel-Diagramms können wir trotzdem das ganze Sternenleben verstehen. Bis zum nächsten Mal.
Martin Puntigam Und im Werkzeugkasten hat es sofort einen fixen Platz gehabt in der Astronomie?
Florian Freistetter Also nicht in der Form, wie es heute existiert natürlich, weil seit damals ist natürlich sehr viel Forschung passiert. Aber es war schon von Anfang an klar, dass es wichtig ist, was Herzsprung und Rassel da rausgefunden haben. Und dass es wichtig ist, die Sterne auf diese Art zu betrachten und es wichtig ist, sich damit zu beschäftigen.
Florian Freistetter Und das haben die Menschen in der Astronomie seitdem natürlich auch gemacht und sich damit beschäftigt und deswegen all das gemacht, was heute mit dem Thema gemacht wird. Also ich habe jetzt ganz viel noch nicht angesprochen. Es gibt auch Variationen des Herzsprung-Rassel-Diagramms. Das sind Farben-Helligkeits-Diagramme, die funktionieren ein bisschen anders.
Florian Freistetter Und man kann zum Beispiel auch so ein Herzsprung-Rassel-Diagramm oder ein Farben-Helligkeits-Diagramm in dem Fall verwenden, um herauszufinden, wie weit ein Stern weg ist oder eine Sterngruppe weg ist. Weil das könnte man vielleicht noch erzählen, dass man wirklich mal weiß, wie man das in der Praxis anwendet, so ein Herzsprung-Rassel-Diagramm, das Werkzeug.
Florian Freistetter Das habe ich damals sogar gemacht, in einem astronomischen fortgeschrittenen Praktikum haben wir das machen müssen. Du hast zum Beispiel einen Sternhaufen, so wirklich ein Sternhaufen. Haufen Sterne und du sollst herausfinden, wie weit ist der weg. Ist jetzt in der Astronomie nicht trivial herauszufinden, wie weit was weg ist, aber in dem Fall fängst du damit an und machst einfach für alle Sterne oder so viele Sterne wie möglich in dem Sternhaufen, machst du ein Herzsprung-Rassel-Diagramm.
Florian Freistetter Also nicht von beliebigen Sternen, sondern nur Sterne in diesem Haufen, die trägst du ins Herzsprung-Rassel-Diagramm ein. Und dann wirst du natürlich auch rauskriegen, okay, ja, du hast die Hauptreihe, weil da sind die Sterne halt, Aber in dem Fall wirst du feststellen, dass nicht die komplette Hauptreihe besetzt ist.
Florian Freistetter Diese Linie geht nicht einmal von ganz oben nach unten rechts durch, sondern oben fehlt was. Und es fehlt deswegen was, weil, das weiß man auch, Sterne umso kürzer leben, je mehr Masse sie haben. Das liegt wieder daran, je mehr Masse, desto heißer sind sie, desto schneller haben sie ihren Brennstoff verbraucht.
Florian Freistetter Und irgendwann gehen sie von der Hauptreihe runter und werden dann halt so ein roter Riese, weißer Zwerg, Supernova, schwarzes Loch, was auch immer. Also irgendwann, je mehr Masse sie haben, desto weniger Zeit verbringen sie auf der Hauptreihe. Und jetzt gehen wir davon aus, dass alle Sterne im Sternhaufen mehr oder weniger zur selben Zeit entstanden sind.
Florian Freistetter Das ist so bei Sternhaufen. Das heißt, die sind alle mehr oder weniger gleich alt, also mehr oder weniger zur selben Zeit entstanden. Aber die Großen, die damals entstanden sind, und da sind natürlich Sterne aller möglichen Massen entstanden, große, mittlere, kleine, aber die Großen, die sind schon weg, die ganz Großen.
Florian Freistetter Und wenn der Haufen schon ein bisschen älter ist, dann sind auch die weniger Großen weg. Und wenn der Haufen noch älter ist, dann sind vielleicht auch schon ein paar von dem mittleren weg. Also je nachdem, wie alt der Haufen ist, sind... Die großen Sterne schon weg und ist die Hauptreihe weniger stark besetzt.
Florian Freistetter Und jetzt kann ich mal anschauen, wann die Sterne da, man sieht das ziemlich deutlich, wenn man ausreichend viele Sterne hat, man sieht dann eben nicht nur die Hauptreihe, diese Linie, sondern man sieht dann, dass es irgendwo einen Punkt gibt, wo sich diese Linie so nach rechts oben rüberbiegt. Nämlich dahin, wo die ganzen roten Riesen und so weiter Sterne sind, da wo sie halt hingehen, wenn sie nicht mehr auf der Hauptreihe sind.
Florian Freistetter Und je nachdem wie früh diese Hauptreihe abknickt in Richtung rote Riesen, desto jünger oder älter muss der Haufen sein. Also ich muss im Herzsprung-Rassel-Diagramm diesen Abknickpunkt der Hauptreihe bestimmen. Und wenn ich den bestimmt habe, kann ich mit noch mehr Mathematik und allem daraus das Alter des Sternhaufens bestimmen, weil ich dann weiß, okay, die sind alle schon abgeknickt, die sind schon alle darüber gegangen in dem Diagramm, die anderen noch nicht.
Florian Freistetter Das heißt, der Haufen muss so alt sein. Das ist so ein klassisches Anwendungsbeispiel für das Werkzeug Herzsprung-Rassel-Diagramm.
Martin Puntigam Es gibt ja verschiedenfärbige Riesen und Zwerge. Es gibt ja nicht nur rote Riesen und weiße Zwerge. Ich glaube, braun gibt es ja auch, gelb und so weiter. Wie kommt man denn auf diese Farben?
Florian Freistetter Ja, das ist wieder eine eigene Folge. Da müssen wir jetzt nämlich nicht nur mit der Spektralklassifikation uns beschäftigen, sondern wir müssten auch die Leuchtkraftklassen noch mit einbauen. Also Leuchtkraftklasse, das ist auch selbsterklärend. Leuchtkraftklassen, das ist halt, wie hell sind die Dinger?
Florian Freistetter Leuchtkraftklassen gibt es eben, die reichen von Leuchtkraftklasse 5, das ist ein Zwerg. Und über den Zwergen kommen dann schon gleich die Riesen. Also Leuchtkraft ist ein 4, ist ein Unterriese, 3 ist eine normale Riese, 2 ist ein heller Riese, 1 ist ein Überriese und 0 gibt es dann glaube ich noch als Hyperriese.
Florian Freistetter Und tatsächlich, du hast vorhin gelber Zwerg gesagt, die Sonne ist ein gelber Zwerg.
Martin Puntigam Also nicht für uns und ihre Bedeutung, aber insgesamt in der Sternenwelt.
Florian Freistetter Alle Sterne auf der Hauptreihe sind Zwerge. Also die Riesen werden sie erst, wenn sie sich dann eben von der Hauptreihe entwickeln und sich dann eben nochmal weiter aufblähen, dann nennt man sie Riesen. Davor auf der Hauptreihe sind sie alle Zwerge und da halt, wenn sie kühl sind.
Martin Puntigam Aber wenn sie ganz groß sind, links oben und größer als die Sonne, als roter Riese, sind sie trotzdem Zwerge?
Florian Freistetter Dann sind sie immer noch Zwerge, es sind halt große Zwerge, aber noch keine Riesen, weil das Riesenstadium, das kommt eben erst, wenn sie sich von der Hauptreihe wegentwickeln, weil sie sich gegen Ende ihres Lebens aufblähen. Und dann, wie gesagt, darum hat man halt diese ganzen unterschiedlichen Riesen, weil, das habe ich ja vorhin gesagt, je nachdem wie viel Masse der Stern auf der Hauptreihe hat, desto unterschiedlich kann er halt ein Riese werden, also die Sonne wird halt ein normaler Riese werden, aber die großen, die werden dann eben überriesen oder hyperriesen und darum gibt es halt, weil sie halt unterschiedlich groß werden, also die Sonne als roter Riese wird sich grob bis zur Erdbahn ausdehnen ungefähr,
Florian Freistetter was eh groß ist, aber es gibt halt auch Sterne, die weit, weit, weit, weit drüber hinaus, Die würden sich da, keine Ahnung, bis zur Jupiterbahn oder Saturmbahn irgendwie ausdehnen. Und das sind halt dann die Überriesen oder die Hyperriesen. Und weil die halt dann so oder so alle nach ihrer Hauptreinphase größer werden, sind das halt die Riesen und davor sind es die Zwerge.
Martin Puntigam Wenn man von einem Stern spricht, während seiner normalen Lebenszeit ist er immer Zwerg?
Florian Freistetter Ja, ja.
Martin Puntigam Und erst danach? Also wenn er in Pension geht, wird er Riese?
Florian Freistetter Ja, zuerst wird er Riese und dann, je nachdem, was mit ihm dann passiert, wie gesagt, die Sonne nach dem roten Riesen wird sie zum weißen Zwerg. Größere wären halt zu einem Neutronenstern oder schwarzen Loch, aber da macht es keinen Sinn mehr, die Dinger ins Herzsprung-Rassel-Diagramm einzutragen. Das sind dann schon so andersartig als Sterne.
Florian Freistetter Selbst ein weißer Zwerg hat eigentlich mit dem klassischen Stern nichts mehr zu tun, aber die kann man halt noch halbwegs sinnvoll ins Herzsprung-Rassel-Diagramm eintragen. Darum sind die halt noch da. Aber ja, die Sonne wird erst in der Pension oder gegen Ende ihres Lebens ein Riese und danach wird sie nochmal eine andere Art von Zwerg.
Florian Freistetter Also es ist ein bisschen unglücklich, dass die weißen Zwerge auch so heißen wie die roten Zwerge oder die gelben Zwerge, weil die eigentlich fundamental unterschiedliche Objekte sind. Also ein roter Zwerg, ein gelber Zwerg, das sind noch wie die Sonne, das sind noch normale Sterne. Ein weißer Zwerg, das ist kein Stern mehr, das ist ein Endstadium der Sternentwicklung, heißt es offiziell.
Florian Freistetter Also das heißt eben deswegen, es ist kompliziert, weil es kein Stern mehr ist, sondern das, was übrig bleibt, wenn ein Stern aufhört, ein Stern zu sein.
Martin Puntigam Aber wenn der Stern ein weißer Zwerg geworden ist, dann fliegt er irgendwann von diesem Diagramm auch wieder raus?
Florian Freistetter Nein, also weiße Zwerge, die, ich meine, irgendwann, irgendwann, irgendwann ist es, Immer, ja, weil das Universum halt lang existieren wird. Aber ein weißer Zwerg bleibt ein weißer Zwerg. Da tut sich nicht mehr viel. Also der weiße Zwerg kühlt vereinfacht gesagt einfach nur noch aus. Das heißt, der würde in dem Diagramm, da wo er halt ist, irgendwo da unten links unter der Hauptreihe, der würde einfach immer kühler und kühler werden und würde langsam nach rechts rüber wandern.
Florian Freistetter Ja, aber bis ein weißer Zwerg ausgekühlt ist, das dauert ein paar Billionen Jahre. Also den Fall haben wir tatsächlich noch nicht gehabt in unserem Universum. Und so alt ist es noch gar nicht, dass das passiert sein könnte, dass der auskühlt. Das wäre dann ein schwarzer Zwerg, aber die gibt es noch nicht im Universum.
Florian Freistetter Das ist im Universum noch nicht alt genug dafür.
Martin Puntigam Aber die wird es sicher geben oder das ist nur hypothetisch, das vermutet man?
Florian Freistetter Wenn all das stimmt, was wir bis jetzt wissen über Sterne, dann muss es die geben. Weil wie gesagt, in einem weißen Zwerg, da passiert nichts mehr. Ein weißer Zwerg ist der Kern des ursprünglichen Sterns, der seine äußeren Schichten abgestoßen hat. Da findet keine Fusion mehr im Inneren statt, weil da nichts mehr ist, was fusioniert werden kann.
Florian Freistetter Da fehlt die Energie, um da was zu fusionieren. Das heißt, das ist eine Kugel, so groß wie die Erde und die kühlt aus. Und was soll da, ja, kann schon was passieren. Es können zwei weiße Zwerge kollidieren zum Beispiel, das kann passieren. Dann kann da quasi wieder ein neuer Stern draus entstehen. Das geht schon, aber ist jetzt nicht wahnsinnig häufig. Aber ansonsten, ja, was soll passieren? Der kühlt halt aus.
Florian Freistetter Dann ist er irgendwann kühl und dann leuchtet er nicht mehr und dann ist er ein schwarzer Zwerg. Also es ist immer noch das selbe Ding wie vorher, nur halt jetzt kühl. Also da muss man jetzt nicht so spektakuläre Annahmen treffen, dass es unwahrscheinlich ist, dass das passiert, weil das Ding ja auskühlen, das ist relativ normal im Universum.
Martin Puntigam Aber niemand, der heute lebt, wird das erleben.
Florian Freistetter Nein, also wie gesagt, es dauert noch ewig, bis das passiert. Braune Zwerge hast du noch angesprochen, die sind wieder was ganz anderes. Das sind auch keine echten Sterne, das sind auch keine echten Planeten, das ist so ein Mittelding zwischen Stern und Planet, also hat zu wenig Masse ein brauner Zwerg, um auf der Hauptreihe zu landen.
Florian Freistetter Also der kommt nicht auf die Hauptreihe, weil er sogar noch weniger Masse hat und noch schwächer leuchtet als die roten Zwerge, die eh schon ganz rechts unten sind. Noch weiter drunter, da wären halt die braunen Zwerge, kann man auch ab und zu eintragen, in manchen Diagrammen sind sie drin, aber die sind auch quasi keine echten Sterne, sondern die fangen erst mit den roten Zwergen an.
Martin Puntigam Und die sind von Anfang an zu klein als Zwerge und sind dann deshalb nur braune Zwerge, weil sie so leicht schwach und klein sind?
Florian Freistetter Das ist halt das Ding, also der Stern entwickelt sich schon, aber wie gesagt, der rutscht. Und das, was halbwegs fix bleibt in der normalen Lebensphase eines Sterns, ist die Masse. Die Masse ergibt sich halt auf die Art und Weise, wie der Stern entsteht, woraus der Stern entsteht und so weiter, in welcher Umgebung der Stern entsteht.
Florian Freistetter Und dann hat er eine Masse, mit der er entstanden ist. Und die Masse legt fest, wie viel Druck er im Inneren aufbauen kann und welche Fusion deswegen im Inneren laufen kann und wie lang sie laufen kann. Also die Masse legt die Temperatur fest und ein brauner Zwerg ist halt ein Objekt, das zu wenig Masse hat, um normale Kernfusionen zu machen.
Florian Freistetter Das kann man auch theoretisch leicht ableiten. Man braucht ungefähr so 70 mal die Masse vom Jupiter, grob gesagt, 75, ich weiß gar nicht, aber irgendwas um die 70, 70 mal die Masse von Jupiter, damit du im Inneren, dieses Objekts ausreichend viel Temperatur zusammenkriegst, dass dort Wasserstoff zu Helium fusioniert werden kann.
Florian Freistetter Also ab 70 Jupitermassen fängt das an, was wir Sterne nennen. Also die roten Zwerge fangen bei 70 Jupitermassen an und darunter funktioniert es nicht. Was darunter funktioniert und weswegen wir braune Zwerge als eigene Kategorie haben, darunter kannst du keinen Wasserstoff oder keinen normalen Wasserstoff fusionieren.
Florian Freistetter Darunter reicht die Temperatur gerade so, um Deuterium zu fusionieren. Deuterium ist schwerer Wasserstoff, also Wasserstoffisotop. Das kann man bei ein bisschen geringeren Temperaturen fusionieren. Und das machen die braunen Zwerge. Da braucht man 13 Jupitermassen. Also ab 13 Jupitermassen kannst du Deuterium fusionieren.
Florian Freistetter Aber Deuterium ist halt im Vergleich zu Wasserstoff extrem selten. Also diese ganzen Wolken da draußen, aus denen Sterne und andere Dinge entstehen, die sind ja fast ausschließlich Wasserstoff mit ein bisschen Helium drin. Das heißt, die roten Zwerge, alle anderen entstehen aus Wasserstoffwolken und in diesen Wasserstoffwolken ist halt ein bisschen was anderes drin und ein bisschen Deuterium drin und der braune Zwerg schafft halt nur ausreichend Temperatur, um das Deuterium zu fusionieren.
Florian Freistetter Es ist wenig da, deswegen leuchtet er schwach. Und weil wenig da ist, hört er auch bald schon wieder zum Leuchten auf, einfach gesagt. Das heißt, der glimmt halt so ein bisschen vor sich hin. Und deswegen sind die noch kühler, noch weniger rot als die roten Zwerge. Und darum haben wir sie halt braune Zwerge genannt.
Florian Freistetter Aber kein echter Stern, weil ein echter Stern muss ausreichend lange Wasserstoff fusionieren können, um ein stabiles Gleichgewicht zwischen Strahlungsdruck und Gravitation herzustellen. Dann ist es ein roter Zwerg oder ein anderer Stern auf der Hauptreihe und der braune Zwerg schafft es halt nicht. Der ist nicht langzeitstabil und darum zählen wir ihn nicht zu den Sternen.
Martin Puntigam Es ist ja in der folkloristischen Erzählung rund um rote Riesen und braune Zwerge und so weiter, das wird auch sehr gern mit einem Augenzwinkern politisch interpretiert. Ist das auch etwas, was ein Thema ist, wenn man Astronomie studiert, dass da sofort die Witze aufkommen?
Florian Freistetter Nein, nein. Also das ist überhaupt nicht, weil ich meine, dass Dinge rot oder blau oder grün oder irgendwie genannt werden, das heißt in jeder Wissenschaft, damit hast du gerade in der Astronomie so viel zu tun, dass du irgendwann, vielleicht im ersten Semester, wenn du es lernst, machst du nochmal einen Witz drüber, aber irgendwann wird es dann langweilig, da jetzt immer denselben Witz zu machen.
Florian Freistetter Dann immer wieder, wenn irgendwo irgendwer was von dem roten Zwerg sagt, dann wieder einen Witz über die SPÖ oder irgendwelche Kommunisten, aber es nicht zu machen. Nein, das wird langweilig. Also ich habe bis in meiner wissenschaftlichen Karriere wenig Witze zu dem Thema gehört. Also nicht, dass man keine Witze macht in der Wissenschaft, aber das ist jetzt diese politische Zuordnung, die auch nicht überall gleich ist.
Florian Freistetter Also in den USA ist Rot und Blau anders zugeordnet als zum Beispiel bei uns in Österreich. Das, ja, dann hat man das, nee, nee, nee, also wüsste ich jetzt nicht, dass da was Witze gemacht wird.
Martin Puntigam Also da ist man schnell durch.
Florian Freistetter Ja, wir machen lieber, in den USA machen wir lieber Witze über Uranus. Also da geht viel mehr. Das gibt es wirklich extrem viel und da hört es auch nicht auf. Also Uranus-Witze im englischsprachigen Raum, die sind anscheinend immer noch sehr beliebt.
Martin Puntigam Also man kann aus der Hauptreihe herausfallen oder so ganz rechts unten irgendwo sein als Brauner Zwerg, dass man gar nicht eingetragen wird, aber wie schafft man es denn als Stern auf die Hauptreihe?
Florian Freistetter Ja, da muss man sich mit der Frage der Sternentstehung beschäftigen und das ist wieder ein eigenes Thema. Das haben wir auch schon vor ein paar Folgen angekündigt, dass man das normale Bild, eine Gaswolke kollabiert und dann gibt es einen Stern, dass das in Wahrheit natürlich deutlich komplizierter ist und tatsächlich ist es so kompliziert, dass man da mindestens eine eigene Folge braucht, Aber ich habe es auch in der Folge kurz schon angeteasert, auf die Hauptreihe kommt der Stern über die Hayashi-Linie.
Florian Freistetter Und die Hayashi-Linie, das ist das Thema dann vielleicht der nächsten Folge. Die Hayashi-Linie, die sagt uns genau, auf welchem Ort der Hauptreihe ein Stern landet und wie er dort landet. Aber dazu muss man sich wirklich genau anschauen, wie so ein Stern entsteht.
Martin Puntigam Also da setzen sie sich in den Zug, die Sterne, und fahren mit der Hayashi-Linie auf die Hauptreihe. Und damit beschäftigen wir uns in Ausgabe 122. Unser Thema war heute das Herzsprung-Russell-Diagramm und die Sternenhauptreihe. Und du hast aber auch noch angedeutet, dass es das Herzsprung-Russell-Diagramm nicht nur für Sterne gibt, sondern dass man das auch im übertragenen Sinn verwendet.
Martin Puntigam Was kann man dir darunter vorstellen?
Florian Freistetter Ich habe das damals, als ich angefangen habe zu bloggen, also im Internet über Wissenschaft zu schreiben. Das war so 2008 rum und natürlich habe ich irgendwann auch mal das Herzsprung-Russell-Diagramm vorgestellt. und habe dann bei meiner Recherche, das war im Jahr 2010, ich habe das vorhin nochmal ausgegraben, im Jahr 2010 einen englischsprachigen, sehr, sehr schönen Artikel gefunden.
Florian Freistetter Damals gab es sehr viel mehr Internetblogs als heute. Heute gibt es es ja nicht mehr. Heute heißen die Newsletter und man muss die per E-Mail abonnieren, anstatt sie so zu lesen wie früher. Aber da hat ein… Echt.
Martin Puntigam Das ist die Genesis des Blogs?
Florian Freistetter Ja, also ich glaube schon, das ist wieder ein ganz anderes Thema, aber es gibt heutzutage Unmengen Newslettern. Alle möglichen Leute machen Newsletter, die man abonnieren kann und im Wesentlichen stehen da halt Artikel drin, die ich genauso früher geschrieben hätte. Ich habe es halt im Blog veröffentlicht und die Leute haben drauf geschaut.
Florian Freistetter Jetzt muss man halt ein Newsletter abonnieren und den Leuten den Artikel per E-Mail zuschicken. Aber ja, ebenfalls damals gab es ein sehr schönes Astronomie-Blog. Es hieß, glaube ich, sogar unoriginellerweise Astronomie-Blog oder irgendwie sowas. Aber ja, Astronomie-Blog heißt es. Und dort hat ein gewisser Steward eine scherzhafte Arbeit geschrieben und zwar ein Herzsprung-Rassel-Diagramm für Astronominnen.
Florian Freistetter Also da trägt man jetzt nicht irgendwie Helligkeit und Temperatur der Menschen ein, das macht wenig Sinn, also ist jetzt kein medizinisches Diagramm, sondern er hat gedacht, okay, wie wäre es denn, wenn wir uns anschauen, die einerseits wissenschaftliche Bedeutung, also wie viele wissenschaftliche Artikel hast du veröffentlicht und andererseits so die Berühmtheit, die öffentliche Bedeutung.
Florian Freistetter Und das hat er damals genährt über Suchresultate bei Google. Also wie viel kommt raus bei Google? Und hat dann eben das für ein paar Leute eingetragen. Also das, wie gesagt, war nicht ganz ernst gemeint, aber es waren noch nicht genug Daten drin, um wirklich schauen zu können, gibt es da wirklich eine Hauptreihe?
Florian Freistetter Aber er hat es so angedeutet, dass es da quasi ganz unten rechts, die Leute, die noch nichts publiziert haben und kaum Google-Resultate haben, das sind die Proto-Astronomers, also noch keine echten Astronomen, sondern die müssen erst welche werden. Und dann, das ist jetzt gar nicht so unplausibel, je mehr du veröffentlichst, desto mehr Suchresultate gibt es auch über dich, weil du wirst da noch mehr gefunden.
Florian Freistetter Das heißt, theoretisch solltest du dann, wenn in dem Diagramm eben hier die. Suchresultate auf der y-Achse sind und die Publikationen auf der x-Achse, dann müsstest du halt auch wieder, er hat das ein bisschen umgedreht, also der In dem Fall sind wenig Publikationen rechts und wenig Google-Resultate unten.
Florian Freistetter Also von rechts unten nach links oben kommst du halt mit mehr Publikationen, kommen mehr Google-Resultate. Das heißt, du hast da die meisten Astronomen, hat er gesagt, sollten sich entlang dieser Linie anordnen, die halt da von rechts unten nach links oben geht. Das hat er die Main-Career-Sequence, also die Haupt-Karriere-Reihe quasi genannt und dann eben auch probiert, die anderen Gruppen einzuteilen.
Florian Freistetter Also was ist zum Beispiel mit Leuten, die halt wahnsinnig viel publiziert haben und auch wahnsinnig bekannt sind. So Leute wie Carl Sagan oder Stephen Hawking. Das sind Leute, die sind wirklich bekannt und haben auch viel publiziert. Beziehungsweise noch drunter die Leute, die halt so ein bisschen, vielleicht noch nicht ganz so bekannt sind, die in der Wissenschaft wichtig sind, weil sie viel publiziert haben, aber noch nicht ganz so bekannt sind.
Florian Freistetter Das sind die akademischen Riesen, die Academic Giants. Und wenn du dann ganz nach oben kommst, wo du halt dann so Eben Hawking oder Sagan, ja, das sind dann schon die akademischen Überriesen quasi. Und dann gibt es aber auch halt so Leute, das sind dann so die meisten wissenschaftskommunikatorisch tätigen Menschen wahrscheinlich, die haben halt vielleicht nicht ganz so viel publiziert, sind aber trotzdem sehr bekannt.
Florian Freistetter Und in seinem Diagramm war zum Beispiel Brian Cox, hat er da eingetragen. Oder Neil Tyson. Die haben jetzt deutlich weniger publiziert als Leute wie Hawking oder Sagan oder andere. Aber sind halt sehr, sehr bekannt. Und die sind auch da rechts oben im Diagramm, wo halt dann so die Riesensterne sind. Das sind die Media Stars. Hat sie ja genannt, also die Mediensterne, die halt medial bekannt sind, aber wissenschaftlich nicht ganz so.
Florian Freistetter Und da gibt es auch einen New Media Branch. Also das wird man heute vielleicht weglassen, weil neue Medien ist das ja alles nicht mehr. Und sehr spannend fand ich auch den Bereich der dunklen Astronomen, Dark Astronomers. Das sind die, die zwar viel publiziert haben, die aber trotzdem keine Sorge kennt.
Florian Freistetter Und das fand ich halt eine witzige Idee. Ich habe damals geschaut in dem Artikel, den ich damals darüber geschrieben habe, wo ich da einzuordnen wäre. Damals habe ich glaube ich so um die 20 Veröffentlichungen gehabt und ich glaube irgendwie 100.000 Google-Einträge. Da wäre ich noch so ein bisschen über der Haupt-Main-Career-Sequence gelandet.
Florian Freistetter Da ist es in dem Diagramm im Niemandsland, da war jetzt nichts, aber mittlerweile von 2010 bis jetzt gibt es mehr Google-Ergebnisse über mich als damals, weil ich ja doch mehr gemacht habe und geschrieben habe und so weiter. Mehr Wissenschaft publiziert habe ich nicht, da kam kaum was dazu. Aber jetzt bin ich tatsächlich auch in diesem Bereich der Leute, die so mittelmäßig geforscht, aber sehr bekannt sind, also im Bereich der Mediastars, da wo so Tyson und Brian Cox sich rumtreiben.
Florian Freistetter Und da ungefähr würde ich jetzt auch eingeordnet werden in diesem Herzsprung-Rassel-Diagramm der Astronominnen.
Martin Puntigam Und wo wäre ich ungefähr einzuordnen?
Florian Freistetter Du wärst ungefähr bei den Protoastronomen vermutlich, ja. Weil du hast doch kaum was publiziert in der Astronomie, aber vermutlich ein paar Google-Treff. Also du wärst da ja so ein bisschen in der Ecke von den braunen Zwergen, da würdest du dich rumtreiben ungefähr.
Martin Puntigam Na gut, bin ich zufrieden damit. Kaum was publiziert, ist ja eigentlich geschön.
Florian Freistetter Nicht in wissenschaftlichen Artikeln.
Martin Puntigam Publizierst schon, aber kein einziger Fachaufsatz. Und um dein Ranking im Herzsprung-Russell-Diagramm für Astronominnen noch weiter aufzufetten, hast du jetzt deine, wie wir es in der letzten Folge besprochen haben, Sternengeschichten-Live-Show am Start, mit der du schon eine Zeit lang unterwegs bist und es gibt auch weitere Termine Und damit sind wir quasi bei der Präambel der Parteienverkehre, nämlich gibt es ab Ende Jänner, 29.
Martin Puntigam Jänner, die Österreich-Premiere deines Sternengeschichten-Live-Programms in der Kulisse Wien. Das ist einerseits schön, andererseits nicht so schön für die, die das noch anschauen wollen, weil es gibt wahrscheinlich bestenfalls noch Warteliste, es ist schon ausverkauft. Tags drauf genießt du nicht deinen Erfolg nach der Wien-Premiere, sondern nach der Österreich-Premiere, sondern fährst gleich weiter nach Salzburg.
Martin Puntigam Du bist dort im Oval, um dann einen Monat damit zu pausieren und am 20.02. In Wörgl weiterzumachen, im Kommer. Am 26.02. in Oberwaltersdorf. Dort, haben wir schon das letzte Mal gesagt, können alle hinfahren, die in Wien keine Karten bekommen haben. Das ist unweit von Wien in der Bettfedernfabrik und am 28.
Martin Puntigam Februar, dem letzten Tag im Februar heuer, finden die Sternengeschichten im Posthof Linz statt. Und dann geht es im Herbst wieder in Deutschland weiter. Wer alle Termine sich anschauen möchte oder schon rechtzeitig Karten reservieren, das findet man unter sternen-geschichten.live.
Florian Freistetter Genau, man kann übrigens auch am 19. November nach Baden kommen, da habe ich den kürzesten Anreiseweg und für alle, die aus Wien kommen und in den Oberwaltersdorf zu weit weg ist, die können am 19. November nach Baden fahren, da ist man ein bisschen schneller da.
Martin Puntigam Da kommst du dann relativ spät und zu Fuß.
Florian Freistetter Genau. Das neue Buch der Science Buster existiert immer noch, nachdem er schon im letzten Jahr erschienen ist. Aus, heißt es, die Wissenschaft vom Ende, im Hansa Verlag erschienen. Kann man überall dort kaufen, wo es Bücher gibt. Genauso das Hörbuch, das überall dort erhältlich ist, wo es Hörbücher gibt.
Florian Freistetter Und das bekommt man gelesen von Ralf Kaspers, den viele kennen von der Sendung mit der Maus. Und wer ihn nicht kennt, soll sich das Hörbuch anhören, dann werdet ihr ihn kennenlernen.
Martin Puntigam Zum Buch erschienen ist natürlich, wie wir es immer haben, eine neue Live-Show, Weltuntergang für Fortgeschrittene. Da haben wir jetzt eine Zeit lang nicht gespielt, weil wir Bauern Silvester und Silvester dazwischen geschoben haben, was auch sehr vergnüglich war. Aber Weltuntergang für Fortgeschrittene gibt es ab demnächst wieder.
Martin Puntigam Und das Besondere daran ist natürlich immer die Aftershow-Party am Büchertisch. Man kann da das Buch kaufen, wenn man das möchte, oder drinnen am Blättern. Und wenn man es gekauft hat, kann man es sich von uns signieren lassen oder Sachen reinzeichnen lassen und während der Show stellst du diesmal Bananenbrot her, sehr köstliches Bananenbrot her.
Martin Puntigam Und sie beweisen, dass Bananenbrot nicht irgendwie schmecken muss, sondern dass es auch tatsächlich köstlich sein kann. Und das wird auch verteilt aus gutem Grund, weil die Apokalypse im Bananenbrot wohnt unter anderem. Aber auch das Ende des Universums kann man sich versüßen. Und das haben wir auch gemacht gemeinsam mit der Firma Zotter.
Martin Puntigam Da gibt es zwei Universumsuntergang Schokoladen, beide sehr köstlich. Big Rip oder Big Crunch. Zwei Möglichkeiten, wie das Universum zu Ende gehen könnte, aber vermutlich nicht wird. Auch das gibt es am Ende beim Büchertisch zu kosten und die Schokoladen kann man auch online erwerben.
Florian Freistetter Genau und die Büchertische, wo das stattfindet, die stehen unter anderem am 15. Januar im Posthof Linz, am 16. Januar in Passau in der Redout, am 22. Januar im Stadtsaal Wien und dort auch noch am 7. März und am 5. April im Stadtsaal Wien. Am 24. Januar im Theaterforum Schwächert, am 25. Januar im Orpheum in Wien, im Februar geht es weiter in die VHS-Kulturgarage der Seestadt, am 22. Februar in die Kulisse in Wien, am 17.
Florian Freistetter März in die Burg Perchtholzdorf, am 9. April nach Weidhofen an der Yps und am 10. April nach Graz.
Martin Puntigam Und weitere Termine gibt es natürlich auch noch auf unserer Website sciencebusters.at slash Termine, wo auch zu sehen ist, dass wir im März wieder mal in Deutschland unterwegs sind und zwar am 23. März in den Wühlmäßen in Berlin. Am 26. März arbeiten wir im Filmtheater Schauburg in Dresden, tags drauf im Kupfersaal Leipzig und am 28.
Martin Puntigam Dritten in der Puffbohne Erfurt und dann beginnt auch schon die Karwoche. Sehr oft gibt es, wenn wir unterwegs sind, nicht nur abends Weltuntergangs-Show, sondern schon tagsüber ScienceBusters4Kids, unsere Show für alle Abenteuer. 4, 5, 6 bis 193, wenn die Lebenserwartung so lange reichen sollte und man dann noch ins Theater gehen kann.
Martin Puntigam Die Show gibt es digital in der ORF Kids App, aber analog und in voller Länge mit Martin Modo und mir auf der Bühne und zwar das nächste Mal im Posthof Linz am 15. Jänner, am 25. Jänner im Orpheum Wien, da ist glaube ich schon ausverkauft, am 21. Februar in der VHS Kulturgarage Seestadt, ebenfalls Wien, am 22.
Martin Puntigam Februar in der Kulisse Wien, auch da ist glaube ich schon voll, dann am 7. Februar Das nächste Mal im Stadtsaal, Wien am 22.03. In Bruno, im Bruno am Gebirge, am 9.04. in den Hofmann der Ips und am 10.04. In Graz in der Listhalle im schönen Detroit. Aber auch da sind, glaube ich, schon alle Karten vergriffen.
Florian Freistetter Was es auch noch gibt und zwar in Wien, genau heute am Tag der Veröffentlichung dieser Folge, am 5. Januar, Glückskatze von Martin Puntigam, das Soloprogramm von dir, das du jetzt aufhörst aufzuführen und es heute noch einmal in Wien stattfindet, 5. Januar, im Kabarett Niedermeier und dann gibt es das noch am 9.
Florian Freistetter Und 10. Januar im Theater Café Graz und dann ist es aus mit der Katze. Und wer dich alleine sehen will, muss bis zum Herbst 2026 warten. Am 10. November 2026 gibt es die Uraufführung des neuen Soloprogramms im Theatercafé Graz mit dem Titel Der heilige Puntigam. Und am 17.
Martin Puntigam November gibt es dann die Premiere dazu in Wien und dann gibt es weitere Termine, jetzt nicht auf der ganzen Welt oder auf allen Sternen, die auf der Hauptreihe sitzen, aber doch im ganzen deutschsprachigen Raum da und dort.
Florian Freistetter Ihr alle Infos und Tickets unter sciencebusters.at oder puntigam.at.
Martin Puntigam Oder im sternengeschichten.live. Und am 20. Februar gibt es noch einmal das Duo-Programmformat im Modo und Florian Aigner zu sehen. Der Urknall war ein Irrtum und zwar in der Kulisse Wien. Danke an die TU Wien und die Uni Graz, die die Produktion des Podcasts unterstützen. Danke an Florian Freistädter. Danke an alle fürs Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen, Konzipieren, Herzen, Sprengen, Rasseln, Hauptreihen, Tracken und was man sonst noch alles mit einem Podcast anstellen kann.
Martin Puntigam Bis zur nächsten Sternenstunde, das 1 passt, das Nummer 4, wo es um die Geburt der Sterne geht und wie man auf die Hauptreihe kommt. Bis zum nächsten Mal, tschüss und habe die Ehre.
Florian Freistetter Tschüss.