Science Busters Podcast· Folge 119

Von der nackten Wolke bis zum lebendigen Stern - Sternstunden der Science Busters Teil 1 - SBP119

Montag, 8. Dezember 2025 · 1 h 02

MP3

Shownotes

Was ist ein Stern, wo kommt er her, wieso ist er heiß, warum ist er kein Planet und wieso war der Stern von Bethlehem gar kein Stern
In Ausgabe 119 geht es um Sterne, wo sie herkommen, was sie tagsber so machen, womit sie ihren Lebernunterhalt verdienen plus: Der Stern v. Bethlehem als Eater Egg

[Saha-Gleichung[(de.wikipedia.org/wiki/Saha-Gleichung)

de.wikipedia.org/wiki/CNO-Zyklus

Sternengeschichten 248 - Cecilia Payne-Gaposchkin (sternengeschichten.podigee.io/248-sternengesch…)

Science Busters Zotter-Schokolade online: Big Rip (zotter.at/online-shop/marken/handgeschoepft/sc…) und Big Crunch (zotter.at/online-shop/marken/handgeschoepft/sc…)

Lektüre

Das neue Buch der Science Busters ist da!!! "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" (hanser-literaturverlage.de/buch/science-buster…) erschienen im Hanser Verlag.

Zeitgleich gibt es im Hörverlag auch ein neues Hörbuch selben Namens, gelesen von Ralph Caspers (penguin.de/buecher/science-busters-aus-/hoerbu…).

Unser Jubel-Buch, erschienen vor drei Jahren anlässlich 15 Jahre Sience Busters giltet noch immer: "Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt: Das große Jubelbuch der Science Busters" (amzn.to/3q8ZzWz). Erschienen bei Hanser (hanser-literaturverlage.de/buch/wissenschaft-i…).

Auftritte

Seit 16.Oktober gibt es “Weltuntergang für Fortgeschrittene” (sciencebusters.at/buehnenprogramme/weltuntergang), unsere neue Live- Show mit Martin Moder, Florian Freistetter und Martin Puntigam.

Weitere Shows im Stadtsaal Wien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters) am 22.1. + 7.3. + 5.4.2026

2025 gehtdie Welttournée weiter:

15.1.26. Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-weltuntergang…)

16.1.26 Redoute Passau (aktiv.reservix.de/p/reservix/event/2328440)

21.2.26 VHS Kulturgarage Seestadt (oeticket.com/event/science-busters-weltunterga…)

24.1.26 Theaterforum Schwechat (forumschwechat.com/index.php/satirefestival-24…)

10.4.26 Helmut List Halle Graz (helmut-list-halle.com/event/science-busters-we…)

13.4.26 Stadtsaal Vöcklabruck (eventim-light.com/at/a/67b5b780943465575771f07…)

25.1. + 3.1.+ 28.4.26 Orpheum Wien (orpheum.at/produkt/science-busters-weltunterga…)

22.2.26 + 30.4. + 24.10.26 Kulisse Wien (kulisse.at/programm/?p=Weltuntergang-f%C3%BCr-…)

20.5.26 [Rathaussaal Telf](am 5.12. im Rahmen des [Kabarett & Comedy Festivals in Krems}(kabarettundcomedyfestival.at/kabarettundcomedy…).)

Ende des Jahres gibt es wieder neue Shows des Bauernsilvester (sciencebusters.at/buehnenprogramme/bauernsilve…) mit Ruth Grützbauch, Florian Freistetter und Martin Puntigam in Graz, Linz und Wien & am 31.12. die Silvestershow (schauspielhaus.at/sciencebusters2025) mit Florian Freistetter, Martin Moder und Martin Puntigam im Schauspielhaus Wien

Im Frühjahr touren wir mit dem Weltuntergang wieder einmal in Deutschland, und zwar
am 23.03.2026 Wühlmäusen Berlin (wuehlmaeuse.de/veranstaltung/science-busters-w…)

26.03.2026 Filmtheater Schauburg Dresden (agentour.org/veranstaltung/science-busters_neu…)

27.03.2026 Kupfersaal Leipzig (agentour.org/programm/science-busters_neues-pr…)

28.03.2026 Puffbohne Erfurt (agentour.org/programm/science-busters_neues-pr…)

SB4Kids aktuell digital in der ORF-Kids App, jede Folge zirka 10 Minuten. Analog gibt es die Show mit Martin Moder & Martin Puntigam am

22.2.26 + 30.4.26 Kulisse (kulisse.at/programm/?p=Science-Busters-for-Kids)

am ** 30.12. + 7.3. + 4.4. + 5.4. 26** im Stadtsaal Wien (sciencebusters.at/buehnenprogramme/science-bus…)

15.1.26 Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-for-kids-2) 14.30 Uhr

25.1. + 1.3.26 Orpheum Wien (orpheum.at/produkt/science-busters-science-bus…)

21.2.26 VHS Kulturgarage Seestadt (oeticket.com/event/science-busters-for-kids-we…)

*10.4.26 Helmut List Halle (helmut-list-halle.com/event/science-busters-fo…) 16.00 Uhr

Glückskatze – das Solo v. & m. Martin Puntigam schnurrt auch 2025 wieder, am

4. + 5.1.2026 in Wien im Kabarett Niedermair (niedermair.at/kuenstler/martin-puntigam) Uhr

und

9. + 10.1.2026 Theatercafé Graz (hinwider.com/calendar) 20.00 Uhr

Und wer schon für Herbst 2026 planen möchte, da kommt ab 10.11.2026 die Premiere im Theatercafé Graz, da gibt es Martin Puntigams neues Solo mit dem schönen Titel „Der Heilige Puntigam“

Und Florian Freistetter geht mit “Sternengeschichten LIVE” auf Tour, das nächste Mal im Dezember in Essen, Düsseldorf, Dortmund und Berlin und 2026 dann auch im Norden und Osten von Deutschland und erstmals auch in Österreich; Premiere dort ist am 29. Jänner in der Kulisse in Wien und danach kommen Salzburg, Linz, Wörgl und Oberwaltersdorf. Infos und Tickets (sternengeschichten.live)

Alle Infos zu den Terminen unter sciencebusters.at und puntigam.at

Funk und Fernsehen

Die aktuelle Staffel ist seit Ende April fertig ausgestrahlt, jedoch noch ein halbes Jahr weltweit (!) abrufbar auf ORFON (on.orf.at/sendereihe/13886769/science-busters).

Die Science-Busters-Sendungen auf Radio FM4 findet man hier (radiothek.orf.at/podcasts/fm4/fm4-science-bust…).

Alle bisherigen TV-Folgen kann man hier auf DVD kaufen (shop.orf.at/orf/de/dvd/comedy/2482/science-bus…) oder bei Amazon (bit.ly/science_busters_amazon).

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Fragen zur heutigen Folge und andere Fragen, die wir beantworten sollen, und hoffentlich können, an podcast@sciencebusters.at oder über Instagram oder Facebook. Gern als Audiofile

Dank

Der Podcast wird produziert mit Unterstützung der TU Wien (tuwien.at) und der Universität Graz (uni-graz.at)

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Martin Puntigam Ausgabe 119 des ScienceBusters Podcasts und heute wird es schon weihnachtlich. Der Stern von Bethlehem kommt zu Besuch.

Florian Freistetter Nein, denn es geht um Sterne und selbst wenn der Stern von Bethlehem existiert hat, war er keiner.

Martin Puntigam Herzlich willkommen zur Ausgabe 119 des Science-Busters-Podcasts, wie immer produziert mit Unterstützung der Uni Graz und der TU Wien. Mein Name ist Martin Puntigam und mir gegenüber sitzt heute wieder Florian Freistädter, Astronom. Hallo.

Florian Freistetter Hallo.

Martin Puntigam In Ausgabe 118, in der letzten Ausgabe, haben wir beide unter anderem gesprochen über wissenschaftliche Papers, wie man sie erstellt, was man dazu braucht, wie lange es braucht, was das kostet, wer was kontrolliert, wer dran was verdient und wie viel, was an Open Access gut ist und was dabei trotzdem schief gehen könnte.

Martin Puntigam Heute geht es um die beliebtesten Himmelskörper der Welt, nicht nur in der Astrologie, nämlich die Sterne. Man kann sie bei klarem Himmel gut sehen, sie ermöglichen unser Leben auf der Erde, sie können gut leuchten, Aber, wenn sie wollen, können sie auch alles auslöschen. Nur, was ist eigentlich ein Stern, der so schön leuchten kann am Nachthimmel?

Martin Puntigam Wo kommt er her? Wie viele gibt es? Und sind eigentlich alle gleich?

Florian Freistetter Nein.

Martin Puntigam Gut, danke vielmals. Das war es für diesmal.

Florian Freistetter Die Frage nach der Natur eines Sterns, die ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Weil, wenn man jetzt Leute fragt, die nicht Astronomie studiert haben. Wenn ich jetzt dich frage, was ist ein Stern, was sagst du da?

Martin Puntigam Naja, ich habe ja schon ein bisschen Stundenwiederholungen bei den Science-Fasters.

Florian Freistetter Ja, ja, aber trotzdem.

Martin Puntigam Ein Stern ist ein Himmelskörper, deutlich größer als ein Planet und er leuchtet von sich selber aus. Er ist entstanden vor vielen Milliarden Jahren. Er fängt an zu leuchten, wenn die Kernfusion in die Gänge kommt und da produziert er hauptsächlich Wasserstoff, ganz wenig Helium. Am Ende seines Lebens, wenn der Wasserstoff aus ist, dann fängt das Helium an zu fusionieren und irgendwann einmal bläht er sich auf und wenn er sehr groß ist, kann er explodieren.

Florian Freistetter Gut, ich würde sagen, drei plus, da waren ein paar Fehler mit dabei. Nicht alles war richtig und es war ein bisschen durcheinander. Aber tatsächlich ist das eine Frage, die jetzt natürlich du besser beantworten kannst, weil du dich schon öfter mit Leuten aus der Astronomie abgegeben hast. Aber wenn du normale, nicht unbedingt dumme, normal heißt ja nicht dumm, aber einfach Leute, die halt nicht Astronomie studiert haben, die fragst, was ist ein Stern, dann ist das oft schwierig zu beantworten.

Florian Freistetter Weil im Gegensatz zu der Frage, was ist ein Tier, was ist eine Pflanze, das kann man vielleicht auch nicht wissenschaftlich exakt beantworten, sollte man nicht zufällig Biologie studiert haben. Aber wir alle wissen, was ein Tier ist, intuitiv. Wir haben eine Forschung von einem Tier. Wir wissen auch wieder intuitiv, was der Unterschied zwischen einem Tier und einer Pflanze ist.

Florian Freistetter Also das fällt uns leicht. Aber fragt die Leute nach dem Unterschied zwischen Stern und Planet. Das ist etwas, was ganz, ganz viele Menschen nicht wissen. Der Unterschied zwischen Sonne, Mond, Planeten, das ist kein Allgemeinwissen.

Martin Puntigam Ja, das haben der Heinz und ich seinerzeit schon erstaunt festgestellt, dass man nicht davon ausgehen kann, dass die Leute den Himmelskörper unterscheiden können. Und bevor die Science Bastards begonnen haben, habe ich das selber insofern nicht gekonnt, weil ich mir nie Gedanken darüber gemacht habe.

Florian Freistetter Das ist genau der Grund oder einer der Gründe, weil in unserem Alltag spielen Sterne keine Rolle. Also natürlich spielen sie indirekt eine Rolle, weil wir brauchen sie zum Leben, aber die Sonne ist halt die Sonne und die Schein und die Sterne in der Nacht sind halt Punkte im Himmel, aber wir begegnen keinen Sternen im Alltag.

Martin Puntigam Naja, auf den Zuckerverpackungen sind die ganze Zeit Sternzeichen oben.

Florian Freistetter Ja, aber das ist wieder was anderes. Wir begegnen ständig Tieren und Pflanzen in unserem Alltag. Das heißt, da haben wir ein Gefühl dafür und wir lernen auch in der Schule Biologie. Wir lernen aber bis vielleicht auf die ein oder andere Ausnahmestunde in der Physik. Wir lernen keine Astronomie. Das heißt, es ist einerseits Wissen, das in unserem Alltag nicht auftaucht und Wissen, in dem wir auch nicht ausgebildet werden.

Florian Freistetter Und insofern kann man es den Leuten nicht vorwerfen, dass sie nicht sofort sagen können, was ein Stern ist. Vielen Dank. Das können wir jetzt hier ändern, weil jetzt können wir es hier ausführlich sagen und wer das gehört hat, weiß danach vielleicht ein bisschen besser, was ein Stern ist. Im Detail ist es schwierig zu definieren.

Martin Puntigam Also quasi eine Sternstunde der Wissenschaft.

Florian Freistetter Ja, genau. Nein, das Problem ist, dass es in der Wissenschaft deutlich weniger offizielle Definitionen gibt, als man denkt. Da hat die Astronomie immer das Problem, dass sie noch nachhängt seit dieser Pluto-Geschichte aus dem Jahr 2006, weil da ja die Internationale Astronomische Union ausnahmsweise mal eine offizielle Definition von etwas veröffentlicht hat.

Florian Freistetter Er hat gesagt, ein Planet ist das und nach dieser Definition war dann Pluto kein Planet mehr. Und deswegen glauben jetzt alle immer, es gibt für alles eine offizielle Definition, aber es gibt zum Beispiel keine offizielle Definition, was ein Stern ist. Es ist jetzt nicht so, dass irgendwo mal die Weltastronomie gesagt hat, das ist ein Stern.

Florian Freistetter Und jetzt bleiben wir dabei. Also wir wissen in der Astronomie, was Sterne sind, aber die Abgrenzungen sind immer schwierig. Ich habe geschaut, jetzt kurz vor der Aufnahme auf der Homepage der NASA. Da steht, Sterne sind große Bälle aus heißem Gas. Also das ist ein bisschen mehr da, aber das ist der Einleitungssatz.

Florian Freistetter Und auf der Seite der ESA steht... Ein Stern ist ein ungefähr sphärischer Körper aus Plasma, der durch seine eigene Gravitation zusammengehalten wird und der am Kollaps gehindert wird durch die Energie, die er in seinem Inneren durch die Fusion von Wasserstoff zu Helium produziert. Die ESA macht es ein bisschen ausführlicher, aber im Prinzip stimmt das in beiden Fällen.

Florian Freistetter Ein Stern ist eine große Kugel aus sehr heißem Gas, vor allem aus Wasserstoff. Und diese Kugel ist so heiß, dass sie in ihrem Inneren Kernfusion stattfinden lassen kann. Wasserstoff wird zu Helium fusioniert, dabei entsteht Energie. Diese Energie, die strahlt nach außen und wirkt der Gravitationskraft der gesamten Sternmasse entgegen. und deswegen bleibt der Stern stabil.

Florian Freistetter Wenn eins wegfallen würde, dann hätten wir keinen Stern. Also wenn im Inneren keine Kernfusion stattfindet, dann wird diese ganze Masse und ihrem eigenen Gewicht in sich kollabieren. Und wenn die Gravitationskraft zu schwach wäre, dann hätte man irgendeine komische Wolke, die rumschwebt, aber nichts, was irgendwie leuchtet.

Florian Freistetter Also ein Stern muss ausreichend groß sein, damit in seinem Inneren Kernfusion stattfinden kann. Und da haben wir schon das erste Problem, weil was heißt Kernfusion und was heißt ausreichend groß?

Martin Puntigam Was heißt Kernfusion und was heißt ausreichend groß beantworten wir gleich, aber kann man es historisch sagen, seit wann wissen wir überhaupt, was in einem Stern vorgeht?

Florian Freistetter Was in einem Stern vorgeht, ist schwierig zu sagen, wann man das jetzt historisch genau weiß. Natürlich haben wir immer schon Sterne gesehen, wir haben uns immer schon Gedanken darüber gemacht, aber so die ersten Vermutungen, dass Sterne, die Sterne am Nachthimmel, was damit zu tun haben, was die Sonne ist.

Florian Freistetter Die ersten konkreten Vermutungen, die kommen so aus der frühen Neuzeit, 17. Jahrhundert. Da haben die Leute angefangen zu sich denken, okay, vielleicht sind die Lichtpunkte danach genau dasselbe Ding wie das große Lichtding, sie am Tag, nur halt weiter weg. Aber man konnte halt keine Entfernungen messen von Sternen. Das hat erst sehr viel später funktioniert.

Florian Freistetter Das hat so im 19. Jahrhundert, wenn ich mich richtig erinnere, hat man das erste Mal eine konkrete Sternentfernung gemessen und festgestellt, dass die wirklich weit weg sind. Aber die Vermutungen gab es vorher und nachgedacht darüber, was im Inneren von Sternen passiert oder warum die Sonne leuchtet, sagen wir es mal so.

Florian Freistetter Das hat man in der Antike schon. Also da hat man mal das gedacht, was offensichtlich ist, wenn die Sonne ist hell, die Sonne ist leuchtend, denn die Sonne ist warm, also wird da wohl ein Feuer brennen. Das war so die Idee, dass einfach ein großes Feuer am Himmel ist. Einer von diesen vielen griechischen Leuten mit A am Anfang, ich glaube es war Anaxagoras, ich glaube es war Anaxagoras, ich weiß es nicht genau, korrigiert mich gerne in den Shownotes, in den Kommentaren.

Florian Freistetter Der hat gesagt, ja, die Sonne ist ein glühender Stein am Himmel. Das ist jetzt, klingt ein bisschen lächerlich, aber andererseits war das für die damalige Zeiten ein sehr, sehr beeindruckender Gedanke, weil glühende Steine, die leuchten, das kennt man aus dem Alltag, das weiß man, sowas gibt es. Etwas am Himmel mit etwas aus dem Alltag zu erklären, das war neu, weil davor hat man gesagt, wir sollten Licht am Himmel, irgendwie Zeus oder irgendeine andere Gottheit und fertig.

Florian Freistetter Also dass man da das Himmlische mit Alltagswissen, mit objektivem Wissen zu erklären probiert, das war neu. Also das hat angefangen in der Antike und im Wesentlichen Wissen, wie die Sonne funktioniert im Detail, tun wir heute immer noch nicht. Aber wir haben so die letzten großen offenen Fragen in den 1960ern geklärt.

Florian Freistetter Das hat ein bisschen gedauert.

Martin Puntigam In den 1960ern erst? Also das ist ja wirklich, da sind die Fragen geklärt worden und kurz danach sind wir auf die Welt gekommen. Zuerst nicht dann du, aber vorher haben die Sternenfragen geklärt werden müssen.

Florian Freistetter Genau, man hat zuerst sich überlegt, okay, wie kann, das war jetzt noch so spätes 19. Jahrhundert, da hat man sich überlegt, okay, was kann überhaupt dazu führen, dass die Sonne leuchtet? Da hat man jetzt irgendwie mal schon weg argumentiert von dieser himmlischen Materie, die halt einfach so leuchtet, weil sie halt himmlisch ist, sondern hat gesagt, okay, irgendwas muss da passieren. Vielleicht ist die Sonne einfach eine große Kugel aus Kohle und die brennt.

Florian Freistetter Man hat durchaus abschätzen können, wie groß die Sonne ist. Und wenn man das gemacht hat, so mit einer Kohlekugel, so groß wie die Sonne, kommst du eine Zeit lang weit, aber halt auch nur ein paar Jahrtausende weit. Das hätte zu der biblischen Vorstellung gepasst, der Schöpfung, wo die Welt ja nur ein paar Jahrtausende alt ist, aber man hat damals auch schon genug gewusst, um sich einigermaßen sicher sein zu können, dass die Welt vermutlich nicht nur ein paar Jahrtausende alt ist, sondern älter.

Florian Freistetter Das heißt, das hat nicht funktioniert. Dann hat man sich überlegt, okay, gut, was könnte es noch sein? Es könnte sein, dass die Energie der Sonne einfach aus ihrer Gravitationskraft kommt. Wenn einfach eine große Kugel aus Gas in dem Fall in sich zusammenfällt, immer weiter komprimiert, wird dadurch Bewegungsenergie, die Bewegung des Kollapses, in Wärmeenergie umgewandelt.

Florian Freistetter Und auch das kann man ausrechnen, wie lange das reicht. Das würde auch reichen, aber auch nicht so lange, wie es nötig wäre. Also man hat sich überlegt, was könnte da brennen? Das Problem war. Um herauszufinden, was da brennen könnte, hat man erstmal die Atome verstehen müssen. Man hat erstmal herausfinden müssen, dass es sowas wie Atome gibt, dass es Atomkernbausteine gibt, Protonen gibt, Neutronen gibt, dass die miteinander fusionieren können, dass die gespaltet werden können.

Florian Freistetter Radioaktivität, also all diese Phänomene und die haben wir im Wesentlichen erst mit den 1890er, frühes 20. Jahrhundert klären können und wirklich verstanden, dass es sowas wie Kernfusion gibt, haben wir mit Albert Einstein. Ich meine, da kommt das E ist MC Quadrat ins Spiel. Also Einstein hat uns gezeigt, dass es da noch eine andere Art von Feuer gibt, die deutlich effektiver und länger brennen kann als normales Feuer.

Florian Freistetter Und dann nach Einstein haben halt dann diverse Leute sich überlegt, wie das mit der Fusion konkret funktionieren kann. Man hat erstmal herausfinden müssen, dass Sterne hauptsächlich aus Wasserstoff bestehen. Auch das war lange nicht klar. Das hat man auch erst so in den 1920ern, 1930ern herausgefunden.

Florian Freistetter Cecilia Payne-Kaposchkin war das, die das nachgewiesen entdeckt hat, dass Sterne vor allem aus Wasserstoff bestehen. Davor hat man gedacht, ein Stern ist im Wesentlichen zusammengesetzt wie die Erde, nur halt heißer. Und Payne-Kaposchkin hat gezeigt, nein, das ist alles Wasserstoff mit ein bisschen anderem Zeug drin.

Martin Puntigam Aber so lange ist man davon ausgegangen, weil man es nur anschauen hat können. Mit Teleskopen kann man mit Filtern zwar in Richtung Sonne schauen, aber halt nicht lange und genau, oder?

Florian Freistetter Das Problem war, dass es da wirklich knifflig ist. Du kannst die Sonne mit dem Teleskop so lange anschauen, wie du willst. Das Problem ist nur, du siehst ja die Atome nicht einzeln. Also du musst irgendwie rauskriegen, was da für Atome drin sind, das kann man machen mit Spektralanalyse und das müsste man in der eigenen Folge machen, wie diese Spektralanalyse funktioniert, aber man kann aus der Analyse des Lichts, wenn man das im Detail anschaut, rauskriegen, welche chemischen Elemente, da das Licht durchquert hat. Und das Problem ist, dass da jetzt nicht einfach so ein eindeutiger Barcode steht wie im Supermarkt, wo jedes Drum einen eigenen Barcode hat.

Florian Freistetter Das ist zwar auch so, du kriegst unterschiedliche Linienmuster, je nachdem ob das Licht durch Wasserstoff durchgeht, durch Helium durchgeht, durch Eisen durchgeht, was auch immer. Das Problem ist, dass das genaue Muster davon abhängt, wie viele Elektronen außen dran hängen an dem Atom, in der Atomhülle.

Florian Freistetter Und das ist beim Wasserstoff simpel. Der Wasserstoff kann ein Elektron außen in der Hülle haben oder keines und das Helium kann zwei draußen haben oder eins oder keins und dann halt immer mehr. Ich glaube, Eisen hat 26 Elektronen und wenn du genug Energie in den Eisenatom steckst, dann kannst du halt 1, 2, 3, 4, 5 bis zu 26 von diesen Elektronen aus der Hülle rauslösen.

Florian Freistetter Ionisierung nennt man das und Energie gibt es ja in der Sonne genug. Das heißt, du kannst im Prinzip 26 unterschiedliche Linienmuster vom Eisen kriegen. Dementsprechend viele von anderen Atomen, die unterschiedliche Elektronen haben auch. Und das Problem war, man hat damals noch nicht genau gewusst, wie das geht, beziehungsweise hat das nicht berücksichtigt in der Interpretation der Spektrallinien.

Florian Freistetter Man hat gesehen, in der Sonne ist Eisen drin, in der Sonne ist Sauerstoff drin, in der Sonne ist Stickstoff drin, da ist auch Wasserstoff drin und Helium drin. Das hat man alles gesehen, aber man war sich über die Mengen nicht wirklich bewusst, weil man diese Linien nicht auftröseln konnte. Und da hat zuerst ein indischer Mathematiker, Astronom war es, glaube ich, Sahar hieß der, zumindest heißt die entsprechende Formel, die Sahar-Gleichung.

Florian Freistetter Der hat erklärt, wie man diese ganzen unterschiedlichen Zustände der Atome im Inneren der Sonne mathematisch behandeln kann. Und Cecilia Payne-Geposchkin, die hat dann... Das benutzt, um mit den Daten in ihrer Dissertation genau nochmal neu aufzudröseln, wie viele Elemente, welche Art gibt es in der Sonne und hat rausbekommen, es ist im Wesentlichen alles Wasserstoff.

Florian Freistetter Die anderen Elemente sind auch da, aber halt in geringeren Mengen. Man hat mir gesagt, das ist ein Quatsch, veröffentliche ich das nicht. Wir müssen in der Dissertation das sind die Ergebnisse, aber wahrscheinlich sind sie falsch. Dann hat später ihr Betreuer nochmal neu...

Martin Puntigam So wird es ihr geraten worden, weil das so unwahrscheinlich war oder weil sie nur eine Frau war oder weil man gedacht hat, das könnte stimmen und das sollte ein anderer publizieren.

Florian Freistetter Das Letztere wahrscheinlich eher nicht, sondern vermutlich eine Mischung aus den Ersteren beiden. Aber ja, sie hat es dann entsprechend veröffentlicht. Ihr Betreuer hat es dann nochmal selbst nachanalysiert, nachgerechnet, ist zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie sie, hat es dann nochmal selbst neu veröffentlicht und hat sie auch dabei erwähnt.

Florian Freistetter Also das hat er jetzt nicht so sehr unterschlagen, aber vielleicht jetzt nicht so explizit erwähnt, wie es wirklich gewesen wäre. Deswegen ist dann lange auch so in der Wissenschaft so die vorherrschende Meinung war, ja, das hat eh der entdeckt und nicht sie. Mittlerweile weiß man das. Cecilia Peinke-Poschkin. Müsste mal eine eigene Folge über sie machen.

Florian Freistetter Die hat auch ein ausreichend interessantes Leben gehabt. Aber seitdem wissen wir, dass die Sonne eben hauptsächlich aus Wasserstoff besteht. Und dann hat man sich überlegen müssen, okay, wie kriege ich jetzt aus dem Wasserstoff die Energie raus? Das bei Einstein, der hat gezeigt, okay, Atome können fusionieren. Da kommt Energie raus.

Florian Freistetter Aber es reicht dir zu sagen, ich nehme zwei Wasserstoffatome, schmeiße die zusammen, da kommt ein Helium raus. Ich muss mir genau überlegen, wie funktioniert das? Wie ist die Dichte im Inneren? Passt das? Dann kommt man drauf, nein, das passt eigentlich nicht. Da ist die Temperatur zu niedrig. Da würden sich nicht oft genug begegnen, damit die Sonne so leuchten kann, wie sie leuchtet durch die Wasserstofffunktion.

Florian Freistetter Dann muss man sich überlegen, wie es doch gehen kann. Dann kommt die Quantenmechanik rein. Da braucht man den Tunneleffekt. Den muss man erklären, weil der ist der Grund dafür, warum sich dann doch öfter begegnen können, die Atome und fusionieren, als sie es eigentlich tun können. Also um verstehen zu können, wie die Sonne funktioniert, haben wir.

Florian Freistetter Relativitätstheorie entwickeln müssen, wir haben die Quantenmechanik entwickeln müssen und dann kann es ja unterschiedliche Fusionsreaktionen auch geben. Es kann ja nicht einfach nur Wasserstoff zu Helium fusionieren, das ist eine Möglichkeit. Dann gibt es noch etwas, das nennt sich CNO-Zyklus, da wird auch Wasserstoff zu Helium, aber du brauchst noch Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff mit dabei.

Florian Freistetter Die Details lasse ich jetzt aus, aber die halt ein bisschen so sind. Chemisch und kernphysikalisch falsch bezeichnet, wie ein Katalysator wirken. Und auch dieser Prozess kann Energie erzeugen. Man hat nur nicht gewusst, läuft jetzt in der Sonne der CNO-Zyklus ab oder läuft da dieser Proton-Proton-Zyklus, also Wasserstofffusion zu Helium ab.

Florian Freistetter Das hat man nicht sagen können aus den Daten. Man hätte diese beiden Zyklen aber unterscheiden können, wenn man die Neutrinos beobachtet, die dabei frei werden, weil die erzeugen unterschiedliche Neutrino-Arten, Mengen. Aber Neutrinos hat man zwar so in den 30er theoretisch vorhergesagt, man hat sie in den 50ern erstmal experimentell nachgewiesen, aber dass man Neutrinos von der Sonne beobachtet, also diese Elementarteilchen, die wirklich mit so gut wie gar nichts interagieren, die aber bei ganz vielen Kernreaktionen frei werden, dass man diese Teilchen von der Sonne aus beobachtet, das war tatsächlich etwas, was lange Zeit nicht funktioniert hat.

Florian Freistetter Dann haben wir auch das irgendwann hinbekommen und dann haben wir irgendwann festgestellt, okay, wir können Neutrinos messen, aber es kommen jetzt nicht genau die Neutrinos raus, die wir erwartet haben. Dann hat man die Neutrinotheorie wieder ein bisschen umgestellt und hat gesagt, okay, es gibt drei unterschiedliche Arten von Neutrinos, die können ihre Art ändern, während sie von der Sonne zur Erde fliegen und so.

Martin Puntigam Ja, aber das ist ja alles ziemlich speziell, wenn ich mich da richtig dran erinnere.

Florian Freistetter Eher, aber das ist alles sehr, sehr speziell. Aber all das hat man rausfinden müssen, um dann am Ende sagen zu können, ja, in der Sonne findet eben nicht dieser CNO-Zyklus statt, sondern eben die direkte Fusion Wasserstoff zu Helium und so weiter. Und das war eben wirklich erst in den 60ern. Also da haben wir dann auch im Detail gewusst, was in der Sonne abgeht mit der Fusion.

Florian Freistetter Davor haben wir gewusst, da wird Wasserstoff fusioniert zu Helium, aber wir haben nicht genau gewusst, wie. Also wir haben wirklich erst die komplette Quantenmechanik, entwickeln müssen und die Relativitätstheorie und dann darauf aufbauen, haben natürlich Unmengen Menschen alle möglichen Sternmodelle entwickelt und jetzt haben wir eine halbwegs gute Vorstellung, aber das war ein Prozess, der hat angefangen zu Beginn des 20.

Florian Freistetter Jahrhunderts und hat bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hineingedauert.

Martin Puntigam Und bis dahin, was hat man bis Beginn des 20. Jahrhunderts gedacht? Weil wenn dann was herausgefunden wird, die Quantenmechanik, wir haben ja Erfolge vor einigen Ausgaben gemacht, das hat sich auch nicht sofort durchgesetzt. Ich glaube, es gibt ja von, wer war das? Planck hat, glaube ich, gesagt, da gibt es so ein folgstümliches Zitat, wenn ich es ihm nicht falsch zuordne, dass Max Planck auf die Frage, wie er denn die älteren und starkköpfigeren Kollegen, Kolleginnen überzeugen würde von seiner Theorie der Quantenmechanik, hat er gesagt, er überzeugt sich nicht, er wartet, bis sie sterben.

Florian Freistetter Ja, das ist eh ein üblicher Vorgang.

Martin Puntigam Also jetzt hat es sicher Modelle gegeben und Karrieren gegeben, die auf Vorhersagen oder Theorien oder Hypothesen des Sternenaufbaus gegründet waren. Die Leute waren ja entweder nur neugierig, wie es weitergeht oder waren die wie üblich teilweise auch nicht einverstanden, dass da jetzt was daherkommt, was man noch nicht beweisen hat können.

Florian Freistetter Das war gar nicht so sehr, sondern in dem Fall war es wirklich so, dass sich da eine, wenn man jetzt so sagen will, neue Wissenschaft entwickelt hat. Weil davor, vor dem 20. Jahrhundert, war die Astronomie eigentlich eine ganz andere Wissenschaft, als wir sie heute kennen. Heute, wenn wir an Astronomie denken, dann denken wir an diese ganzen irgendwie tollen Dinge, schwarze Löcher, Galaxien, Urknall, Universum, Innere von Sternen, das ganze Zeug. Aber.

Florian Freistetter Sich im Wesentlichen erst zu Beginn des 20. Nulles entwickelt. Das, was man jetzt auch unter dem Begriff Astrophysik entsprechend zusammenfasst, das konnte man erst dann entwickeln, als man eben verstanden hat, wie so ein Stern überhaupt innen funktionieren kann. Also erst mit Einstein, mit E gleich mc², mit der fast zeitgleich, nicht ganz zeitgleich, aber fast zeitgleich entwickelten Astrophotografie auch.

Florian Freistetter Also das sind alles Dinge, die gab es schlicht und einfach vorher nicht. Da gab es auch keine Leute, die da irgendwo was entwickelt haben, hätten können, was dann ersetzt wird, weil davor hat die Astronomie, wieder vereinfacht gesagt, im Wesentlichen daraus bestanden, dass man Sternkataloge gemacht hat, Position von Sternen vermessen hat, Helligkeit von Sternen vermessen hat, dass man sich mit der Himmelsmechanik beschäftigt hat, der Bewegung der Planeten und der Asteroiden und so weiter.

Florian Freistetter Also davor war die Astronomie eine sehr, sehr stark formale mathematische Wissenschaft. Und erst danach ist sie eben zu der modernen, auch physikalischen Astronomie geworden, die wir jetzt haben. Also da war jetzt niemand, der sich irgendwie düppiert gefühlt hätte können, dass da jetzt wer kommt und sagt, ja der Stern funktioniert so, weil davor hat man sich halt irgendwie, natürlich haben sich Menschen Gedanken gemacht, wie Sterne funktionieren, aber man hat gewusst, wir können sie eh nicht rausfinden, was sollen wir da machen.

Florian Freistetter Also das war halt einfach kein Teil der Astronomie.

Martin Puntigam Die Astronomie war innerhalb der Naturwissenschaften quasi eine Art Orchideenfach, weil man eh nicht weitergekommen ist?

Florian Freistetter Ja, man ist schon weitergekommen, aber man hat halt ganz andere Zielsetzungen gehabt. Man hat halt gewusst, okay, da sind jetzt die Sterne, aber die sind alles so weit weg. Das haben wir schon gewusst im 19. Jahrhundert. Wir haben keine Chance, da was rauszufinden. Wir haben keine Chance rauszufinden, aus was die bestehen. Wir haben keine Chance rauszufinden, was da abgeht und so weiter.

Florian Freistetter Braucht man nicht erforschen. Das ist genauso, wie wenn ich jetzt, keine Ahnung, ich brauche jetzt auch keine Biologie von Aliens entwickeln, weil, naja, vielleicht gibt sie, vielleicht gibt es das nicht, wissen wir nicht. Man kann sich schon Gedanken darüber machen, aber richtig angehen können wir diese Wissenschaft erst, wenn wir mal irgendwo ein Alien am Seziertisch liegen haben.

Martin Puntigam Ja, das ist eh passiert. Area 51, Entschuldigung, weiß man ja schon, nur die Systemmedien verschweigen es.

Florian Freistetter Okay, gut, ja, dann tun die das. Aber in der Astronomie, und das ist jetzt alles natürlich historisch sehr stark vereinfacht, aber in der Astronomie war es auch so. Man hat gewusst, okay, unser Job ist es, zu schauen, was wir schauen können. Wir sehen Dinge. Die Punkte am Himmel, das vermessen wir so gut, wie wir es können.

Florian Freistetter Wir machen die Positionen so gut, wie wir sie können. Wir vermessen die Helligkeit so gut, wie wir sie können. Und natürlich beschäftigen wir uns dann eben auch mit der Mathematik der Bewegung. Wie bewegen sich Planeten um Sterne? Wie bewegen sich Asteroiden? Kometen und so weiter, die beobachten wir. Aber herauszufinden, aus was die bestehen, das war halt was, da hat man gewusst, okay, da haben wir keine Chance, das zu machen.

Florian Freistetter Das hat dann erst so mit der Entwicklung der Spektralanalyse durch Bunsen und Kirchhoff hat man dann einen Weg gefunden, wie man es doch rauskriegen kann. Und da hat es dann angefangen, dass Leute sich Gedanken gemacht haben, okay, wenn wir wissen, das und das ist im Stern drin, das hat die und die Eigenschaften, dann können wir auf die Temperatur schließen, dann können wir die Temperatur haben, dann können wir auf die Masse schließen und so weiter.

Florian Freistetter Da hat man angefangen zu entdecken, dass man auch physikalische Eigenschaften von Sternen aus der Ferne bestimmen kann. Und wenn ich physikalische Eigenschaften habe, dann kann ich anfangen, mir zu überlegen, wie die zustande kommen. Und das war halt dann so, wie sich die moderne Astronomie entwickelt hat.

Martin Puntigam Wenn man relativ spät herausgefunden hat, wie Sterne funktionieren, wo kommen die denn überhaupt her? Also wie entsteht denn ein Stern?

Florian Freistetter Auch das ist eine Geschichte, die man auf unterschiedliche Arten erzählen kann. Jetzt in dem Fall werden wir uns auf die kurze Geschichte schränken müssen, weil auch die Sternentstehung, das ist ein eigenes Forschungsgebiet. Aber man sagt meistens, und das mache ich auch, wenn nicht gefragt wird, wie das geht, wenn es kurz ist, dass man eine große Wolke hat im Weltall.

Florian Freistetter Wir wissen ja, dass Wasserstoff und Helium die beiden chemischen Elemente sind, die direkt beim Urknall entstanden sind. Und das ganze Zeug hat sich halt dann so in großen Wolken überall im Universum verteilt. Und wenn so eine Wolke irgendwie von außen gestört wird durch, keine Ahnung, was auch immer, irgendeine gravitative Störung, weil irgendwas vorbeifliegt, was auch so immer da sein mag, dann kann diese Wolke kollabieren.

Florian Freistetter Und Wolke heißt in dem Fall, das ist ein paar hundert Lichtjahre groß, das Ding. Und besteht halt vor allem aus Wasserstoff und Wasserstoff. Ein bisschen Helium wird dabei sein, ein paar andere chemische Elemente vielleicht auch. Und diese Wolke kollabiert dann. Das heißt, die wird immer dichter und dichter und dichter. Im Inneren der Wolke wird es immer wärmer, der Druck steigt an und irgendwann ist der Punkt erreicht, wo der Druck so hoch ist und die Temperatur so hoch ist, dass Kernfusion stattfinden kann.

Florian Freistetter Dann fängt der Stern an zu leuchten. Davor war es kein Stern, aber in dem Moment ist es ein Stern geworden, weil er in seinem Inneren Energie erzeugt. Und dieser Druck, der durch die Kernfusion dann, der Strahlungsdruck, der durch die Kernfusion dann nach außen dringt, der verhindert den weiteren Kollaps der Wolke und der Stern bleibt stabil. Das ist wie gesagt die sehr kurze Version.

Florian Freistetter Die längere Version ist naturgemäß länger. Da gibt es noch ganz viele unterschiedliche Stadien dazwischen, weil zuerst der Kollaps wird noch ein paar Mal unterwegs aufgehalten, weil einmal die thermische Bewegung reicht, um das aufzuhalten. Also da gibt es ganz viele unterschiedliche Phasen, da müsste man auch fast eine eigene Folge machen, wenn man das wirklich sauber und ausreichend detailliert erklären will, dann dauert es sicherlich und verständlich erklären will, dann dauert es locker auch eine Stunde, wenn man das ganze Sternentstehungsphänomen einmal ordentlich durch erklären will oder man liest die Bücher, die ich geschrieben habe, da steht es auch drin.

Martin Puntigam Gut, dann lesen wir entweder die Bücher vor oder einfacher, wir machen eine eigene Folge. Es sind schon zwei Hausaufgaben, die wir uns selber gegeben haben und das wäre nämlich eben eine Frage gewesen. Das ist ja nicht wie ein Stichtag, ab heute bist du Stern, sondern was sind denn das für Zeiträume zwischen du bist noch eine Wolke und ab jetzt sagen wir Stern dazu und geben dir einen Namen.

Florian Freistetter Ja, das ist schwierig zu sagen. Also das sind so ein paar Dutzend Millionen Jahre, würde ich sagen. Kann das schon dauern. Aber der Anfang geht halt naturgemäß langsam und am Ende wird es dann immer schneller und schneller. Hängt auch davon ab, was für ein Stern da genau entsteht, wie die Bedingungen sind von den ganzen Umgebungen und so weiter. Also sagen wir mal.

Florian Freistetter Millionen Jahre, sage ich jetzt mal. Es sind keine Milliarden Jahre, aber Millionen Jahre kann man schon sagen, kann schneller gehen. Aber so ungefähr von der wirklich der nackten Wolke bis zum fixfertigen Stern dauert schon ein bisschen.

Martin Puntigam Aber wenn man mit dem Teleskop auf einem Bild einen Stern entdeckt, sagt man halt, der ist jetzt noch eine Wolke, aber wenn wir in drei Jahren schauen, dann wird er ein Stern sein.

Florian Freistetter Nein, das ist eher nicht so. Wir können schon natürlich unterschiedlichste Entstehungsphasen von Sternen sehen. Wir sehen die Wolken, die da existieren. Wir sehen, wo noch keine Sterne entstanden sind. Wir sehen schon die verdichteten Teile von Wolken in vielen solchen Sternentstehungsgebieten. Wir sehen so Protosterne, wir sehen die entsprechenden, ich weiß gar nicht, ich habe es gerade im Kopf nicht, wie die ganzen anderen Detailsternentstehungsphasen heißen, aber wir sehen diese ganzen unterschiedlichen Phasen der Sternentstehung anderswo im Universum, aber das dauert halt lange.

Florian Freistetter Das heißt, wir können jetzt dann nicht irgendwie einen Livestream machen und schauen, jetzt macht es Bumm und jetzt ist er da. Das geht nicht.

Martin Puntigam Aber man kann es gut nachvollziehen mittlerweile, weil man eben in ganz vielen Gegenden des Universums, die man sich schon angeschaut hat oder anschauen kann, verschiedene Stadien entdeckt hat.

Florian Freistetter Ja, also die Gegend ist halt unsere Ecke der Milchstraße. So weit kann man jetzt nicht schauen, dass es anderswo sieht. Aber wir haben ja genug Sterne und es entstehen auch genug. Das heißt, wir können das bei uns in der Nähe beobachten und sehen halt auch das, was wir uns theoretisch überlegt haben.

Florian Freistetter Wie so ein Stern entsteht, das beobachten wir da draußen auch.

Martin Puntigam Es gibt unterschiedliche Städte. Und Auskünfte, wie viele Sterne es denn gibt, das variiert natürlich sehr stark. Man kann das ja irgendwie zählen, aber in unserer Gegend, die wir uns anschauen können, die du gerade beschrieben hast, da geht es jetzt um Millionen, Milliarden, Billionen, Billiarden oder noch viel mehr?

Florian Freistetter Naja, noch viel mehr. Also natürlich, man kann alles zählen, was existiert. Die Frage ist, ob es praktisch machbar ist. Ich könnte auch alle Sandkörner zählen, aber es ist praktisch auch nicht machbar. Ich kann Sterne zählen. Ich habe gerade gesagt, das war jetzt vereinfacht gesagt, jahrhundertelang die Hauptaufgabe der Astronomie, Kataloge anlegen.

Florian Freistetter Und ein Katalog ist ja nichts anderes als eine sehr, sehr komplexe Art der Sternenzählung. Und natürlich kann ich das machen. Das Problem ist halt, dass allein unsere Milchstraße um die 200 Milliarden Sterne hat. Und das zählt sich nicht so einfach. Das dauert schon eine Zeit lang, bis man das durchgezählt hat.

Florian Freistetter Die einzelnen Sterne in anderen Galaxien, die können wir nicht zählen, weil die können wir nicht einzeln sehen. Aber wir können Galaxien zählen. Dann können wir aus den Galaxien hochrechnen, wie viel es es gibt. Also wenn wir das jetzt mal simpel sagen, dann haben wir. In einer großen Galaxie um die 200 Milliarden Sterne.

Florian Freistetter Und wir haben im beobachtbaren Universum ungefähr eine Billion Galaxien. Du kannst beide Zahlen multiplizieren, wenn du spielst, dann kommt eine große Zahl raus. Also das sind die Sterne, die es gibt. Aber die Sterne, die man jetzt so, wenn man nachts zum Himmel schaut, sehen kann, das sind ja bei weitem nicht alle Sterne, die es gibt.

Florian Freistetter Also mit freiem Auge kann man nur Sterne sehen, die wirklich hell am Himmel erscheinen. Und das sind die meisten nicht. Von den paar hundert Milliarden, 200 Milliarden Sternen in der Milchstraße kann man so um die 9000 Sterne theoretisch sehen. Aber halt auch nur pro Hemisphäre, wenn man so will. Also dann in den lichtverschmutzten Gegenden, wo wir sind, noch weniger.

Florian Freistetter Also wenn du jetzt für dich persönlich fragst, so in typischer Wiener Nachthimmel würde ich sagen 10, 15 vielleicht.

Martin Puntigam Sterne?

Florian Freistetter Aber ja, so ein paar Dutzend vielleicht, die man auf so einem typischen Großstadt-Nachthimmel sehen kann. im sehr dunklen Landhimmel kann man ein paar tausend Sterne sehen. In Wahrheit wären da in unserer Milchstraße ein paar hundert Milliarden Sterne.

Martin Puntigam Sind die eigentlich alle gleich oder gibt es unterschiedliche Arten von Sternen?

Florian Freistetter Da gibt es unterschiedliche Arten und, Könnten wir jetzt, wenn wir eine Vorlesung wären, das Ding zeigen, dass alle, die Astronomie studieren, früher oder später, meistens sehr viel früher, sehen, verstehen und lernen müssen. Nämlich das eine Diagramm, das im Wesentlichen die gesamte Wissenschaft der Sterne oder die Astrophysik der Sterne zusammenfasst.

Florian Freistetter Das ist das berühmte Herzsprung-Rassel-Diagramm. Ich weiß nicht, ob mir das schon mal untergekommen ist.

Martin Puntigam Ja, vom Namen her schon, weil es ein schöner Name ist. Also Herzsprung und Rassel, das kann man ja auch von der Bewegung her und von der Akustik her interpretieren. Das ist ein schönes Wort, das aber, glaube ich, zwei Nachnamen sind.

Florian Freistetter Genau, der eine war Einer Herzsprung, ein dänischer Astronom, und der andere war Henry Norris Rassel, ein amerikanischer Astronom. Und das war übrigens der Doktorvater, also der Betreuer von Cecilia Penker-Poschkin, der das angezweifelt hat mit den Sternen. Also der habe ich vorher den Namen nicht gesagt, aber jetzt taucht er doch mal auf.

Florian Freistetter Und die beiden, auch da die Geschichte des Herzsprung-Rassel-Diagramms ist auch wieder ein eigenes Thema, aber im Wesentlichen haben die beiden eine Idee gehabt. Sie haben gesagt, okay, wir könnten jetzt mal einfach schauen, wie heiß sind die Sterne und wie hell sind die Sterne. Weil das sind ja zwei grundlegende Eigenschaften.

Florian Freistetter Beziehungsweise statt der Temperatur haben sie die Spektralklasse genommen, aber die Spektralklassifikation von Sternen, die müssen wir auch auslassen. Wie gesagt, Sterne sind ein weites Thema, da könnten wir zehn Folgen machen und wären noch nicht durch. Und Spektralklassifikation wäre eine dieser Folgen, aber die Spektralklasse korreliert im Wesentlichen eben mit der Temperatur. Das heißt, man kann auch sagen, wir machen Temperatur und wir machen die Helligkeit.

Florian Freistetter Und jetzt haben sie gedacht, okay, wir nehmen jetzt einfach mal alle möglichen Sterndaten, die wir haben. Und dann tragen wir die in dieses Diagramm ein. Auf der einen Achse ist die Temperatur, auf der anderen Achse ist die Helligkeit. Und jetzt war die Frage, gibt es einen Grund, warum man in diesem Diagramm etwas anderes sehen sollte, als einen Haufen Punkte bildverteilt?

Florian Freistetter Und das haben die jetzt geprüft und haben festgestellt, ja, die Sterne sind nicht einfach irgendwie verteilt, sondern die bilden eine Linie, die von oben links nach unten rechts verläuft. Und oben links heißt heiß und hell und unten rechts heißt kühl und dunkel. Und in diesem Diagramm, da kann man eben die unterschiedlichen Sterntypen unterscheiden.

Florian Freistetter Mit diesem Diagramm kann man die Sternentstehung nachvollziehen, kann man den Stern tot nachvollziehen. Also in dem Diagramm steckt die gesamte stellare Astronomie drinnen. Und diese Linie, die sich da durchzieht, auf der sich die meisten Sterne befinden, das nennt man die Hauptreihe. Darum spricht man auch in der Astronomie oft von Hauptreihensternen oder Main-Sequence-Stars.

Florian Freistetter Das klingt ein bisschen komisch, so Hauptreihe, so wie Stirnreihe ein bisschen, aber es ist was anderes. Es zeigt, dass eben. Die beiden grundlegenden Eigenschaften in Helligkeit und Temperatur stark zusammenhängen und damit auch die ganzen anderen entsprechenden Eigenschaften. Weil ich habe vorhin gesagt, damit ein Stern leuchten kann, muss es in dem Inneren heiß genug sein.

Florian Freistetter Wie wird es heiß? Du brauchst ausreichend viel Masse, die von außen aufs Zentrum drückt. Je höher die Masse ist, desto stärker wird der Druck im Inneren, desto stärker wird die Temperatur im Inneren. Und je mehr Temperatur der Stern hat, desto heftiger kann die Kernfusion ablaufen, desto mehr Strahlung kommt raus am Ende, ganz vereinfacht gesagt.

Florian Freistetter Das heißt, Sterne, die sehr viel Masse haben, sind tendenziell auch sehr heiß, weil viel Masse heißt hoher Druck, hohe Temperatur. Und Sterne, die heiß sind, machen sehr viel Kernfusion und leuchten deswegen auch sehr stark. Das heißt, heiße Sterne müssen groß sein. Und andersrum gilt dasselbe. Kleine Sterne, die kriegen weniger Temperatur zusammen.

Florian Freistetter Da läuft die Kernfusion langsamer ab. Die sind weniger hell. Das heißt, kleine Sterne müssen kühl sein und deswegen kriegst du da halt so eine Linie, die sich da auf diesem Helligkeitstemperaturdiagramm einmal so quer rüber zieht und kannst halt wunderbar schauen, wo die Sterne sind. Du kannst sie dann auch nach Farbe einteilen, weil da sind wir wieder an der Quantenmechanik.

Florian Freistetter Temperatur bestimmt dir zumindest in den Fall eines Sterns. Die Temperatur bestimmt auch die Farbe bzw. Die Wellenlänge, wo das Maximum abgegeben wird. heiße Sterne leuchten tendenziell weißlich-blau, kühle Sterne leuchten tendenziell rötlich-orange und dazwischen sind die gelb-weißlichen Sterne, so wie unsere Sonne.

Florian Freistetter Also wir sitzen auf dieser Hauptreihe ziemlich genau in der Mitte, da wo die kleinen gelben Sterne sitzen. Und dann, wenn man mehr Sterne einträgt, dann sieht man eben auch, dass nicht alle Sterne auf dieser Hauptreihe sind, sondern eben auch ein paar sich so links und rechts davon verteilen, weil...

Florian Freistetter Der Stern, wenn er mal auf der Hauptreihe angekommen ist, stabil ist. Also da ändert sich, wie ich gerade gesagt habe, die Temperatur nicht mehr wesentlich über die meiste Lebenszeit.

Martin Puntigam Ganz kurz, bevor wir zur Hauptreihenreise der instabilen Sterne kommen, wenn du redest von warm und kühl, also unter kühl versteht man im Alltag was anderes, was ist denn eine Temperatur und von welcher Temperatur sprechen wir denn oder sprichst du denn, wenn es heißt, ein Stern ist kühl?

Florian Freistetter Also in dem Fall reden wir von den effektiven Temperaturen. Das ist die Temperatur in den äußeren Schichten oder auf der Oberfläche. Und ich weiß, Stern hat keine Oberfläche, ist Gas, aber wir sagen Oberfläche dazu. Also die Oberflächentemperatur eines Sterns, innen drin ist es natürlich wieder ganz anders.

Florian Freistetter Aber das, was wir sehen können, ist die Oberflächentemperatur. Und da hat so ein Stern wie unsere Sonne so eine Oberflächentemperatur, die irgendwo bei 5000 Grad liegt. Ein kühler Stern, so wie ein roter Zwerg, da sind wir so bei, keine Ahnung, 3000, vielleicht ein bisschen darunter Grad. Und die heißen Sterne, die großen, riesen, blauen Riesensterne, weißen Riesensterne, da sind wir so, ja, kann ein paar 10.000 Grad sein.

Florian Freistetter Also das ist so das Intervall, was wir außen am Stern haben, innen drin natürlich, sind wir bei Millionen Grad im Kern, da wo die Kernfusion stattfindet.

Martin Puntigam Aber dieses Diagramm berücksichtigt, wenn es um Temperatur geht, die sogenannte Oberflächentemperatur.

Florian Freistetter Ja, genau, weil das ist das, was wir sehen. Das Diagramm ist Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Da war noch nicht so viel mit Kernfusionenwissen im Inneren. Wir haben beobachtet oder wir haben eingetragen. Und wir reden eigentlich dann, das wäre jetzt die Antwort gewesen, die wissenschaftlich korrekte Antwort ganz vom Anfang. Wir sagen...

Florian Freistetter Objekt ist dann ein Stern, wenn es seinen Platz auf der Hauptreihe eingenommen hat. Davor kann ich natürlich auch eine Position zuweisen in diesem Herzsprung-Rassel-Diagramm, weil diese Wolke in ihren unterschiedlichen Stadien hat ja auch eine Helligkeit, hat auch eine Temperatur, aber die ändert sich eben dauernd.

Florian Freistetter Und deswegen würde, wenn ich diese Wolke da eintrage, die würde so eine Linie machen durch dieses Diagramm. Am Anfang ist die Temperatur der Wolke extrem gering, die Helligkeit ist gering, Aber dann während die Wolke kollabiert, wird sie immer ein bisschen dichter, wird wärmer. Das heißt, dann wandert die so zu höheren Temperaturen und zu höheren Helligkeiten.

Florian Freistetter Also die macht so eine eigene Linie. Die haben dann auch eigene Namen, diese Linien und da gibt es eigene Forschung. Hayashi-Linien zum Beispiel ist ein so ein Name. Aber das führt auch alles zu weit. Aber da wandert der Stern in Entstehung noch so kreuz und quer vereinfacht gesagt über dieses Herzsprung-Rassel-Diagramm.

Florian Freistetter Erst in dem Moment, wo er dann ein Stern geworden ist, hat er entsprechend seiner Entstehungsmasse eine bestimmte Temperatur und eine bestimmte Helligkeit und dann ist er im Gleichgewicht, weil sich eben Fusion, Kernfusion und der dadurch entstandene Strahlungsdruck und die Gravitation das Gleichgewicht halten.

Florian Freistetter Das heißt, in dem Moment nimmt der Stern eben seine Position auf der Hauptreihe ein und dann bleibt er dort, bis irgendwann die Kernfusion aufhört und er dann eben zu etwas anderem wird. Dann verlässt er die Hauptreihe wieder und fängt wieder an zu wandern.

Martin Puntigam Wie Karriere des menschlichen Lebens. Eine Wolke muss erst ihren Platz im Leben finden. Dann hat sie eine zeitlange Steuernummer und wird abgabenpflichtig. Und wenn sie in Pension geht, dann ändert sie das wieder.

Florian Freistetter Wenn man es so interpretieren will. Aber wie gesagt, das ist die Hauptreihe. Das ist der Bereich, In der Existenz eines Sterns, wo der Stern stabil bleibt, da ändert sich nicht viel, zumindest nichts, was diese grundlegenden Parameter angeht. Davor, bevor der Stern zum Stern wird, in der Entstehungsphase ändert sich ständig was. Leuchtkraft, Helligkeit, Temperatur und so weiter, Größe, Masse.

Florian Freistetter Und danach, wenn der Stern aufhört, ein Stern zu sein, dann ändert sich auch ständig was. Ein Stern im eigentlichen Sinn ist ein Objekt eigentlich nur, wenn es auf der Hauptreihe ist. Davor ist es halt irgendwie irgendwas anderes, Protosterne. Danach ist es irgendwas so Spätstadium der Sternentwicklung.

Florian Freistetter Also das, was man dann irgendwie so Riesensterne, so rote Riesen, rote Überriesen, weiße Zwerge und so weiter, die gibt es auch alle im Herzsprung-Rassel-Diagramm, aber das sind eben nicht die Hauptreihensterne, nicht die lebendigen Sterne, wenn man so will.

Martin Puntigam Wie ist es denn zu deren Nomenklatur gekommen? weil rote Riesen, Zwergsterne, braune Zwerge und so weiter, es klingt ja alles nach Märchenstunde.

Florian Freistetter Ja, weiß ich jetzt nicht unbedingt, ob das der Hintergrund ist. Es ist, glaube ich, einfach das, was man sich ja sagt. Wenn wir haben einen großen Stern und wir haben einen kleinen Stern, dann sage ich, das eine ist ein Riesenstern, das andere ist ein Zwergstern. Und wenn der Zwergstern rot leuchtet, dann ist es ein roter Zwergstern.

Florian Freistetter Und wenn der Riesenstern rot leuchtet, ist es ein roter Riesenstern. Das ist, glaube ich, einfach so. Wir sagen das, was wir sehen, glaube ich, ist der Hintergrund. Und ohne großartig irgendwie erzählerischen Überbau bei dem Ganzen.

Martin Puntigam Wenn man einfach im Alltag darüber reden können muss, verwendet man Begriffe, die den meisten Menschen geläufig sein könnten.

Florian Freistetter Genau. Ganz genau, also das ist so, glaube ich, der Hintergrund. Und es ist ja auch da klar, weil wenn ich mir jetzt irgendwie, ich könnte auch sagen, statt roter Zwerg, ich kann schon auch sagen, es ist irgendwie ein M-Stern von der Leuchtkraftklasse so und so, kann ich alles sagen, also diese Klassifikationen gibt es, aber dann kennt man sie natürlich aus.

Florian Freistetter Es ist, wenn ich die Sonne einen gelben Zwergstern nenne, kann man sie eher was vorstellen, als wenn ich sage, sie ist ein Stern vom Typ G24 oder G25. Also dann wissen zwar die, die sie auskennen, was gemeint ist, aber wenn ich sage, es ist ein gelber Zwergstern, dann weiß man schneller, was gemeint ist.

Martin Puntigam Aber das war schon der Hintergrund, dass man das besser kommunizieren kann? Oder das war von Anfang an die Nomenklatur in der Astronomie?

Florian Freistetter Du interpretierst immer so viel in die Wissenschaft hinein. Du wärst der geborene Verschwörungstheoretiker. Nicht alles hat der Hintergrund. Man macht die Dinge einfach und man redet drüber und dann irgendwann ist das normal. Da ist gar kein Vorsatz dahinter. Also ich denke, wir setzen uns jetzt hin und überlegen uns, wie wir die Dinge nennen, dass sie leicht kommunizierbar sind.

Florian Freistetter So funktioniert die Wissenschaft auch nicht. Es ist ja nicht so, dass wir da ein Parlament haben, wo wir uns einmal die Woche treffen und die aktuellen Fragen diskutieren, sondern die Wissenschaft macht halt einfach und das, was funktioniert, setzt sich durch. Und wenn ausreichend viele Menschen kleine Sterne mit geringer Leuchtkraft und geringer Temperatur rote Zwerge nennen, dann heißen die halt irgendwann so.

Martin Puntigam Also eh wie in der Evolution, Dinge, die funktionieren, bleiben so. Oder wie wenn man umzieht und die Wohnung einrichtet, hat man viele Pläne, aber manche Dinge bleiben ewig unerledigt, weil sie funktionieren eh auch so und wenn man darauf verweist, hat das irgendwann einmal einen Namen, den man ursprünglich gar nicht vorgehabt hat.

Florian Freistetter Wenn man das alles von Grund auf sinnvoll aufbauen würde, dann wird die Wissenschaft und die Astronomie auch anders ausschauen. Wir haben immer noch, weil sie das eben damals in der Antike noch eingebürgert hat, wir haben immer noch die Helligkeitsskala, wo man in Magnituden misst und wo etwas, das sehr hell ist, eine kleinere Magnitude hat als etwas, das dunkel ist.

Florian Freistetter Das hat sich in der Antike mal eingebürgert, das so zu machen. Und wir machen es halt immer noch. Also wenn wir sagen, ein Stern ist von Magnitude 10 und ein Stern hat Magnitude 1, wird man erst mal denken, okay, der hat 10, der andere 1. Das heißt, der 10er muss heller sein als der 1er, ist aber genau umgekehrt.

Florian Freistetter Und auch das macht keinen Sinn, aber hat sich so eingebürgert.

Martin Puntigam Wenn schon genug Leute gewusst haben, was damit gemeint ist, wäre der Aufwand größer gewesen, es zu ändern, als es bleiben zu lassen?

Florian Freistetter Naja, aber auch da wieder, auch da müsste es wieder eine dahinterstehende Organisation geben, die das organisiert. Die sagt, okay, Leute, das ist jetzt zu kompliziert geworden, wir setzen uns alle zusammen, wir machen das nicht. Das ist halt einfach, man hat das so gemacht und dann macht man so. Und die, die es, wenn ich jetzt Astronomie studiere, dann lerne ich, das ist die Magnitudenskala, die bestimmt sich so, fertig.

Florian Freistetter Und dann weiß ich auch, okay, Magnitude 1 ist heller als Magnitude 10. Und dann weiß ich das und dann mache ich das so. Und da gibt es jetzt nicht so einen Punkt, wo dann man sagt, wir müssen das jetzt anders machen. Die Wissenschaft steckt keine Organisation dahinter. Wenn du Verschwörungstheoretiker wärst, dann vermutet man ja hinter allem irgendwelche steuernden Kräfte, aber in der Wissenschaft gibt es sowas nicht.

Martin Puntigam Naja, nur weil er die Genauigkeit einen großen Wert hat, aber ich kann das schon nachvollziehen.

Florian Freistetter Genau ist es ja trotzdem. Es ist ja trotzdem genau die Helligkeitsmessung.

Martin Puntigam Mir macht ja das Schreiben und Entwerfen von Dingen auch mehr Spaß als die Verwaltungsarbeit rundherum. Also das kann ich schon nachvollziehen, dass man sich lieber mit dem einen beschäftigt, bevor man das andere sortiert.

Florian Freistetter Aber Wissenschaft wird nicht verwaltet, das ist ja das Ding. Da gibt es keine Verwaltung der Wissenschaft, die da jetzt in der Zentrale sich überlegt ist.

Martin Puntigam Wie du am Anfang erzählt hast, die Internationale Astronomische Union sagt dann schon irgendwann einmal, das ist ein Planet und das ist ein Zwergplanet. Also ab und zu gibt es das ja schon.

Florian Freistetter Ja, ich sage es ab und zu. Es gibt es quasi einmal im Fall von Pluto. Also das ist, diese Pluto-Geschichte, die hängt der Astronomie so sehr nach. Ja, die IHU macht durchaus auch andere Sachen, aber das war ein so außergewöhnlicher Fall, dass man sich jetzt hingestellt hat, das ist ein Planet, sowas gibt es eigentlich sonst nicht.

Florian Freistetter So funktioniert die Wissenschaft sonst auch nicht, dass man jetzt irgendwie das so macht. Und die Definition, die Sie da gemacht haben, die war ja auch ein Schaß. Die hat ja auch nichts gebracht, was sinnvoll ist. Das hätte man ja auch bleiben lassen können. Aber hat man halt nicht. Und darum müssen wir uns jetzt da mit sowas herumschlagen.

Martin Puntigam Jetzt haben wir eine Zeit lang über Sterne gesprochen, wo sie herkommen können, wie man sie benennt, wie sie funktionieren, seit wann man das weiß. Diese großen Sterne am Ende ihres Lebens, die werden ja nicht nur größer und heißer, sondern... Die werden ja auch bedrohlicher. Was kann denn ein Stern außer Leichten auch noch alles anrichten?

Florian Freistetter Bedrohlich ist vielleicht eher ein menschliches Wort. Der Stern macht halt das, was er macht. Am Ende seines Lebens, da müsste man jetzt eigentlich auch schon wieder eine neue Folge anfangen, genauso wie für die Sternentstehung. Am Ende seines Lebens verändern sich die Kernreaktionen im Inneren des Sterns, wodurch er eine Zeit lang heißer leuchtet als vorher.

Florian Freistetter Heißer heißt höhere Temperatur, mehr Strahlung, die nach außen drückt, der Stern wird größer und größer, dehnt sich aus und dann wird er zu einem Riesenstern oder zu einem Überriesenstern, je nachdem und dann hängt es wieder von der Masse ab, was am Ende passiert, ob der Stern einfach irgendwann seine äußeren Schichten abstößt und nur noch der Kern, der komprimierte Kern übrig bleibt, wo keine Fusion mehr stattfindet.

Florian Freistetter Dann wird ein Zwergstern, ein weißer Zwergstern, ob er bei einer Supernova explodiert und dann ein noch stärker verdichtetes Restobjekt übrig bleibt, das man dann Neutronenstern oder Schwarzes Loch nennt. Und ja, das sind alles normale physikalische Vorgänge und gefährlich oder bedrohlich sind sie halt nur, wenn sie in unserer unmittelbaren Umgebung stattfinden.

Florian Freistetter Und der einzige Stern in unserer unmittelbaren Umgebung, der uns bedrohlich werden könnte, wäre halt die Sonne. Aber auch da wissen wir, ein Stern wie unsere Sonne hat eine Lebensdauer von knapp um die 10 Milliarden Jahre. Viereinhalb bis fünf sind um davon. Das heißt, was auch immer die Sonne macht, um uns bedrohen zu können, wird sie erst in ein paar Milliarden Jahren machen.

Florian Freistetter Die anderen Sterne sind so weit weg, dass es da schon sehr blöd laufen müsste, dass sie uns bedrohlich werden. Also wenn da eine gewaltige Explosion stattfinden würde bei einem anderen Stern, dann schaut das gut aus und ist für die Wissenschaft sehr interessant, aber bedrohen kann uns das in der Hinsicht nicht, beziehungsweise bedrohen.

Florian Freistetter Passiert sowas so extrem selten, dass man es vielleicht auf die gleiche Art als Bedrohung auffassen könnte, wie man Massenaussterben durch Asteroideneinschläge als Bedrohung auffassen kann, wobei das noch wesentlich wahrscheinlicher ist als das, was passiert, wenn irgendwo ein Stern explodieren würde, weil es wirklich so selten vorkommt in einem Abstand, der uns gefährlich werden würde.

Florian Freistetter Also die Bedrohung für uns Menschen von den Sternen ist gering, sage ich mal. Wissenschaftlich wäre es durchaus praktisch, wenn wir den einen oder anderen Stern explodieren sehen würden in näherem Abstand, als wir es in den letzten Jahrzehnten gesehen haben, weil dann wüssten wir ein bisschen mehr, wie das alles funktioniert.

Martin Puntigam Aber dass es nicht gefährlich ist, da bin ich dann doch beruhigt. Und was das genau bedeutet für die Welt, wenn die Sonne sich aufbläht und am Ende ihres Lebens nach circa 10 Milliarden Jahren sich aufmahnt, kann man unter anderem erfahren, wenn man sich unsere aktuelle Bühnenschau Weltuntergang für Fortgeschrittene anschaut, wo wir ausführlich über den Weltuntergang referieren, aber auch übers Ende des Universums.

Martin Puntigam Damit sind wir ein Ende von Teil 1 unserer Podcasts über Sterne, weil wenn wir jetzt noch neue Themen anreißen würden, dann wird das den üblichen Podcast-Rahmen bei weitem sprengen. Deshalb in Teil 2 sprechen wir dann, was ist eigentlich Kernfusion genau und was passiert wirklich am Ende eines Lebens mit einem Stern und wie geht es da weiter, weil nur wenn er sie aufgebläht hat oder gegebenenfalls explodiert hat, da geht es ja noch lange, lange weiter.

Martin Puntigam Und über Cecilia Payne-Kaboschkin haben wir auch eine eigene Folge aus Hausübung eingetragen und das Diagramm, das Herzsprung-Russell-Diagramm, das schreiben wir selbstverständlich auch in die Shownotes. Bevor wir jetzt am Ende noch erklären, was wir am Anfang angerissen haben oder was ich in der Einleitung kurz erwähnt habe, aber du abgeschmettert hast, nämlich was es mit dem Stern von Bethlehem auf sich hat, der ja traditionell immer wie Weihnachten am Ende des Jahres am Programm steht und eigentlich fast jedes Jahr aus der Mottenkiste hervorgekramt wird.

Martin Puntigam Das haben wir einmal für Radio FM4 zusammengefasst und das hängen wir ganz am Ende an, aber davor noch unsere kommenden Arbeitszeiten als Sciencebusters und als Solisten.

Florian Freistetter Es gibt ein neues Sciencebuster-Buch. Das ist jetzt schon ein gutes Monat alt, aber immer noch frisch genug, um gelesen zu werden. Es heißt Aus, Rufezeichen, Aus, die Wissenschaft vom Ende. Im Hansa Verlag kann man es bekommen oder überall dort, wo es Bücher gibt, genauso wie das Hörbuch. Überall erhältlich ist, wo Hörbücher existieren. Gelesen hat es Ralf Kaspers und die wunderbaren Illustrationen des Buches, die man im Hörbuch eher nicht sieht, die stammen vom Büro Alba.

Martin Puntigam Unsere neue Show Weltuntergang für Fortgeschrittene, die ich schon erwähnt habe. Ist auch eineinhalb Monate ungefähr auf der Welt und wir spielen sie nach wie vor überall dort, wo wir entweder eingeladen werden oder uns selber aufgedrängt haben. Premiere war, wie gesagt, Mitte Oktober. Martin Moda, du, Florian Freistädter und ich stehen auf der Bühne und reden einen ganzen Abend über Weltuntergang, Universumsuntergang und wie Dinge nicht enden und wie man sie überleben kann.

Martin Puntigam Am Ende gibt es natürlich wieder Geschenke von uns, um die Leute an den Büchertisch zu locken, aber nicht nur, um das wunderbare Ausbuch zu erschwingen und signiert zu bekommen, sondern auch einfach, um Fragen zu stellen, wenn noch welche offen geblieben sind. Das letzte Mal haben wir Science Pastors Gin ausgeschenkt, diesmal gibt es Weltuntergangs- bzw.

Martin Puntigam Sogar Universumsuntergangsschokolade Big Rip, Big Crunch, die wir gemeinsam mit der Schokoladenfirma Zotter entwickelt haben und die die Firma Zotter für uns herstellt und die wirklich sehr köstlich gelungen ist, kann ich sagen, weil ich fast die ganze Show währenddessen naschen kann. Und es gibt noch Bananenbrot, das aus gutem Grund während der Show gebacken wird und duftet und am Ende auch verkrustet werden kann.

Martin Puntigam Und dann weiß man, wie der Untergang des Universums schmeckt.

Florian Freistetter Ja, und das kann man auf vielen verschiedenen Showbühnen miterleben, wenn man möchte. Am 15. Januar 2026 spielen wir das alles im Posthof Linz. Am 16. Januar in Passau in der Redout. Und ganz oft im Stadtsaal Wien am 22.01., am 7.03., am 4. und 5.04. Überall im Stadtsaal Wien. Am 24.01. sind wir mit der Show im Theaterforum Schwächheit, am 25.01.

Florian Freistetter Im Orpheum Wien, am 21. Februar in der Kulturgarage Seestadt, am 22. Februar in der Kulisse Wien, am 17. März in der Burg Pertholzdorf und am 9. April in Weidhofen an der Yps.

Martin Puntigam Wer nicht vorbeikommen kann zu einer unserer Shows, aber trotzdem Lust auf die Schokolade hat, der findet sie übrigens auch auf Zotter.at im Online-Shop, solange der Vorrat reicht. Ende des Jahres spielen wir immer Spezialshows. Ende des Jahres ist speziell in unserem Jahreskreis, in unserem Kulturkreis und dem passen wir uns natürlich naturwissenschaftlich auch an.

Martin Puntigam Es gibt jedes Jahr am Ende neue Bauern-Silvester-Shows. Am 27. Dezember werden wir sie in der Helmut-Listhalle in Graz vorspielen. Am 29. Dezember machen wir dasselbe im Arbeiterkammer-Saal in Linz, um am 30. Dezember im Stadtsaal Wien den Bauern-Silvester-Reigen abzuschließen, nur um dann innerhalb von Wien den Bezirk zu wechseln, um im Schauspielhaus Wien den traditionellen naturwissenschaftlichen Jahresrückblick der Science Busters zu feiern.

Martin Puntigam Zwei Vorstellungen im Schauspielhaus Wien mit unserer Silvestershow.

Florian Freistetter Und danach geht's nach Deutschland. Im Frühjahr sind wir mit unserer Show am 23. März in Berlin unterwegs, in den Wühlmäusen am 26. März, im Filmtheater Schauburg in Dresden am 27. März, im Kupfersaal Leipzig und am 28. März 2026. In der Puffbohne in Erfurt.

Martin Puntigam Science Passers for Kids gibt es in der ORF-App überall zugänglich, wenn man Internetzugang hat, aber man kann auch zu uns kommen und uns zuschauen, wie wir die ganze Show in voller Länge live spielen. Martin Moda und ich machen das regelmäßig am 30.12. und am 7. März 2026 dann schon im Staatssaal Wien.

Martin Puntigam Dazwischen am 15. Jänner im Posthof Linz, am 25. Jänner im Orpheum in Wien, am 21. Februar in der Kulturgarage in Seestadt, am 22. Februar in der Kulisse Wien, Seestadt ist auch in Wien. Am 20. März, glaube ich, astronomischen Frühlingsbeginn, aber einen Tag vor dem folkloristischen Frühlingsbeginn sind wir wieder in Bruno, im Bruno am Gebirge mit unserer Kinderschuhe und am 9.

Martin Puntigam April in Weidhofen an der Ips oder wie manche gerne sagen, Ups.

Florian Freistetter Und wer ganz viel mehr über Sterne von mir persönlich hören will, kann zu den Sternengeschichten-Liveshows kommen, die ich auch noch mache. Die nächste davon ist jetzt gleich am 10. Dezember in Essen. Danach gibt es eine am 11. Dezember in Dortmund, 13. Dezember in Düsseldorf und 14. Dezember in Berlin. Das sind die letzten Sternengeschichten-Live-Shows in diesem Jahr und im Jahr darauf, 2026, geht es dann in Österreich weiter.

Florian Freistetter Premiere österreichweit, 29. Januar in der Kulisse in Wien und dann kommen ganz viele andere Termine, die man sich alle unter sternengeschichten.live anschauen kann.

Martin Puntigam Wer genug von Sternen gehört hat, was ja faszinierend genug ist, wir haben ja noch einige Folgen vor, kann sich naturwissenschaftliches Wissen, soweit mein Wissen reicht, vermanscht zur Verschwörungserzählung auch gerne in Form eines Soloprogramms anschauen. Ein solches habe ich nämlich schon länger auf der Pfanne, es heißt Glückskatze und wird Anfang des kommenden Jahres fast so traditionell wie die Bauern-Silvester- und Silvester-Shows im Kabarett Niedermeyer kurz vor Drei König gegeben.

Martin Puntigam Am 4. und 5. Jänner 2026 spiele ich das nächste Mal mein Solo Glückskatze und in der Woche darauf am 9. Und 10. Jänner im Theatercafé in Graz. Wo Ende des Jahres oder nahezu Ende des Jahres am Vorabend des Laternenfests und auch des Martinsfests, und das ist natürlich kein Zufall, die Premiere oder sogar Uraufführung meines neuen Solos stattfinden wird.

Martin Puntigam Bis dahin arbeite ich an meiner Heilig-Sprechung, denn das neue Solo wird den Titel tragen, der heilige Puntigam. Infos, Tickets für alle beschriebenen Programme und Produkte unter sciencebusters.at, unter sternengeschichten.live oder puntigam.at. Danke an die TU Wien und die Uni Graz, der die Produktion des Podcasts unterstützen.

Martin Puntigam Danke Florian Freistädter für die Auskünfte. Danke fürs Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen, Leuchten, Fusionieren, Erwärmen, Umkreisen, Aufblähen, Explodieren und was man sonst noch alles mit einem Podcast anstellen kann. Bis zum nächsten Mal. Tschüss und habe die Ehre.

Florian Freistetter Tschüss.

Stern von Bethlehem - FM4 FM Fair Science Busters, Martin Puntigam, Dr. Florian Freistetter und die Welt der Naturwissenschaft, Der Freistetter, vor 2000 Jahren hat es ja noch kein Navi gegeben. Stimmt. Nicht nur, weil es kein GPS gegeben hat. Ich bin gespannt, worauf Sie hinaus wollen. Damals haben sich die Menschen vielfach nach den Gestirnen gerichtet, um sich zu orientieren.

Stern von Bethlehem - FM4 Und auch die sogenannten Weisen aus dem Morgenland haben sich bei der Messias-Suche auf einen Stern verlassen. Aha, daher weht der Wind. Weiß man eigentlich aus naturwissenschaftlicher Sicht, was es gewesen sein könnte? Oder ist der Stern von Bethlehem genauso Märchenhaft für die Geschichte, in der hervorkommt?

Stern von Bethlehem - FM4 Wissen tun wir es nicht, aber es gibt Theorien. Die astronomischen Informationen, die das Matthäus-Evangelium anbietet, die sind mehr als dürftig. Also keine Chance auf Publikation? Nein, als wissenschaftlicher Fachaufsatz wäre das sofort abgelehnt worden. Trotzdem haben sich aber im Laufe der Zeit erstaunlich viele Menschen damit beschäftigt, dass diese paar Zeilen tatsächlich ernsthafte astronomische Theorien zur Erklärung des Sterns von Bethlehem zu entwickeln.

Stern von Bethlehem - FM4 Seltsam, doch so steht es geschrieben, heißt es in anderen zusammen passender Weise. Was wird denn vermutet als Ursache für den Stern? Ich kann Ihnen die drei plausibelsten Theorien anbieten. Bitte. Erstens, es war ein Komet. Warum? Man kennt Gemälde, auf denen der Stern als Komet dargestellt ist. Welche zum Beispiel? Vom italienischen Maler Giotto di Bodone.

Stern von Bethlehem - FM4 Weil der hat es ja im berühmten Giotto-Protokoll festgehalten. Ja, Giotto hat ein paar Jahre bevor er das Bild gemalt hat, den hellischen Kometen beobachtet. Und? Der kommt alle 76 Jahre an der Erde vorbei. Und der könnte es vor 2000 Jahren gewesen sein? Nein. Weil? Der hellische Komet war zwar im Jahr 12 oder 11 vor Christus zu sehen, aber selbst wenn man davon ausgeht, dass Null nicht das Geburtsjahr war, ist es zu früh.

Stern von Bethlehem - FM4 Können wir streichen. Genau. Zweite Hypothese? Eine Supernova. Es wäre immerhin denkbar, hell genug wäre sowas. Was ist eigentlich eine Supernova? Zu einer Supernova kommt es, wenn schwere Sterne am Ende ihres Lebens explodieren. Wie schaut das dann aus von der Erde aus? Es erscheint plötzlich am Himmel eine Leuchterscheidung wie ein neuer Stern, die auch am Tag so stark leuchtet, dass man sie mit freiem Auge sehen kann.

Stern von Bethlehem - FM4 Und wer hat den Stern von Bethlehem mit einer Supernova in Verbindung gebracht? Das war der große Astronom Johannes Kepler. der ist der Meinung gewesen, der Stern von Bethlehem wäre eine Supernova. Aber? Eine derart gewaltige Explosion hinterlässt im Weltall Spuren. Die man nachweisen kann? Ja, auch Jahrtausende später noch. Und?

Stern von Bethlehem - FM4 Man hat keinerlei Spuren oder Rückstände auf so einer Supernova für den fraglichen Zeitraum finden können. Also auch Fehlanzeige. Hypothese 3? Eine sogenannte Planetenkonjunktion. Ist das was Ordinäres oder klingt so wie eine besondere Stellung? Ordinär, nein, besondere Stellung. Heißt was? Bei ihrem Umlauf um die Sonne sind die Planeten in der Regel nicht gemeinsam nebeneinander unterwegs und tratschen.

Stern von Bethlehem - FM4 Sondern? Meistens weit voneinander entfernt. Aber? Es kommt hin und wieder vor, dass Jupiter und Saturn und die Erde alle fast auf einer Geraden stehen. Und dann sieht man diese Planeten von der Erde aus sehr nah beieinander. Und das war damals, wie die Himmelskönigin gekreist hat? Definitiv stattgefunden hat so eine Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn im Jahr 7 vor Christus. Und der Wiener Astronom Konradin Ferrari do Kiepo hat im Jahr 1964 eine Theorie aufgestellt, bei der genau dieses Ereignis die Rolle des Sterns von Bethlehem gespielt hat.

Stern von Bethlehem - FM4 Inwiefern? Die Planeten Jupiter und Saturn haben sich im Jahr 7 vor Christus im Sternbild der Fische getroffen. Ah, ich tüße, schon einmal gut. Und interpretiert man dieses Ereignis anhand der damals herrschenden astrologischen Vorstellungen, dann hätten die babylonischen Astronomen das tatsächlich im Sinn der Bibel verstehen können.

Stern von Bethlehem - FM4 Wieso genau? Der Planet Jupiter hat den Herrscher symbolisiert und der Saturn unter anderem das jüdische Volk. Und Jesus? Fisch? Damals noch nicht. Das Sternbild der Fische ist für Palästina gestanden. Und wenn alles drei zusammenkommt, dann hat man einen König der Juden, der in Palästina geboren wird.

Stern von Bethlehem - FM4 Spitze, dann passt ja eh alles. Natürlich kann man daraus nicht schließen, dass die Bewegung der Himmelskörper tatsächlich die Geburt von Jesus vorhergesagt haben soll. Ja, aber das Gegenteil auch nicht. Das nicht, aber die Bibel ist erst lange nach dem Tod von Jesus geschrieben worden. und man wird die Himmelsereignisse erst nachträglich entsprechend interpretiert haben.

Stern von Bethlehem - FM4 Auch Planetenkonjunktion scheidet somit als Erklärungsmodell für den Bethlehem-Stern aus. Was bleibt denn für Sie als Erklärung noch über? Es hat nie einen Stern von Bethlehem gegeben. Hört, hört, Matthäus, ein Lügner? Die Bibel ist eine belletristische Arbeit und kein wissenschaftliches Werk. Und Sie sagen, Matthäus hat sein Evangelium mit ein bisschen Action gepimpt? Warum nicht?

Stern von Bethlehem - FM4 Nachdem wir keine sinnvolle Erklärung finden, ist es gut möglich, dass Matthäus die Geschichte vom Stern von Bethlehem eingefügt hat, um zu zeigen, wie bedeutend Jesus war. Mhm, gesehen, muss man sagen, haben den Stern ja dem Vernehmen auch nur die heiligen drei Könige selber. Genau, und sonst niemand auf der gesamten Welt, was für derart spektakuläre astronomische Phänomene wie einen leuchtenden Stern, der den Weg zum Heiland beißt, unwahrscheinlich ist. Das heißt, man sollte auf die Türstöcke vielleicht eher nicht schreiben C plus M plus B, sondern eher L plus S plus D. Möglicherweise, ja.

Stern von Bethlehem - FM4 Science Busters Wer nichts weiß, muss alles glauben.

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