
Science Busters Podcast· Folge 118
Warum man in der Wissenschaft von Publikation zu Publikation hirscht - SBP118
Montag, 24. November 2025 · 1 h 26
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Shownotes
Über Pre-Prints, Peer-Reviews, Hirsch-Faktoren, grüne & goldene Wege des Publizierens, Predatory-Journals und Stellenangebote von Spiderman
In Ausgabe 118 geht es ums Publizieren von wissenschaftlichen Papers, wie man es gut macht, wie man es schlecht macht und wer dafür bezahlen sollte.
Link zum Paper Planets of β Pictoris revisited (aanda.org/articles/aa/abs/2007/16/aa6746-06/aa…) von Florian Freistetter
Blogartikel Astrodicticum Simplex: Wo kann ich meine wissenschaftliche Entdeckung veröffentlichen? (astrodicticum-simplex.at/2016/09/wo-kann-ich-m…)
Der h-index (en.wikipedia.org/wiki/H-index) von Jorge E. Hirsch (en.wikipedia.org/wiki/Jorge_E._Hirsch)
Science Busters Podcastfolgen über das Patentieren von Diensterfindungen:
Chemische Diensterfindungen und Mikrofluidik für die Energiewende - SBP057 (sciencebusterspodcast.podigee.io/57-chemische-…)
Warum der 3D-Drucker der Zukunft nichts für Wuerschtl ist - SBP114](sciencebusterspodcast.podigee.io/114-warum-der…) (sciencebusterspodcast.podigee.io/114-warum-der…))
Science Busters Zotter-Schokolade online: Big Rip (zotter.at/online-shop/marken/handgeschoepft/sc…) und Big Crunch (zotter.at/online-shop/marken/handgeschoepft/sc…)
Lektüre
Das neue Buch der Science Busters ist da!!! "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" (hanser-literaturverlage.de/buch/science-buster…) erschienen im Hanser Verlag.
Zeitgleich gibt es im Hörverlag auch ein neues Hörbuch selben Namens, gelesen von Ralph Caspers (penguin.de/buecher/science-busters-aus-/hoerbu…).
Unser Jubel-Buch, erschienen vor drei Jahren anlässlich 15 Jahre Sience Busters giltet noch immer: "Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt: Das große Jubelbuch der Science Busters" (amzn.to/3q8ZzWz). Erschienen bei Hanser (hanser-literaturverlage.de/buch/wissenschaft-i…).
Auftritte
Seit 16.Oktober gibt es “Weltuntergang für Fortgeschrittene” (sciencebusters.at/buehnenprogramme/weltuntergang), unsere neue Live- Show mit Martin Moder, Florian Freistetter und Martin Puntigam.
Weitere Shows im Stadtsaal Wien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters) am 22.1. + 7.3. + 5.4.2026
Danach geht es sofort auf Welttournée, beginnend am:
27.11. ARGEkultur Salzburg (argekultur.at/Event/17111/science-busters)
29.11. im Musikklub Lembach (mkcl.at/event/science-busters), OÖ
5.12. im Rahmen des [Kabarett & Comedy Festivals in Krems}(kabarettundcomedyfestival.at/kabarettundcomedy…).
15.1.26. Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-weltuntergang…)
16.1.26 Redoute Passau (aktiv.reservix.de/p/reservix/event/2328440)
21.2.26 VHS Kulturgarage Seestadt (oeticket.com/event/science-busters-weltunterga…)
24.1.26 Theaterforum Schwechat (forumschwechat.com/index.php/satirefestival-24…)
10.4.26 Helmut List Halle Graz (helmut-list-halle.com/event/science-busters-we…)
13.4.26 Stadtsaal Vöcklabruck (eventim-light.com/at/a/67b5b780943465575771f07…)
25.1. + 3.1.+ 28.4.26 Orpheum Wien (orpheum.at/produkt/science-busters-weltunterga…)
22.2.26 + 30.4. + 24.10.26 Kulisse Wien (kulisse.at/programm/?p=Weltuntergang-f%C3%BCr-…)
20.5.26 [Rathaussaal Telf](am 5.12. im Rahmen des [Kabarett & Comedy Festivals in Krems}(kabarettundcomedyfestival.at/kabarettundcomedy…).)
Am 25.11. stellen wir unser neues Buch in München vor auf der Münchner Bücherschau (muenchenticket.de/event/muenchner-buecherschau…) Im Haus der Kunst im Terrassensaal werden Florian Freistetter & Martin Puntigam Unterhaltsames über das Ende der Welt, das Ende des Universums erzählen und dem Auditorium die Zukunft voraussagen. Beginn Uhr
Ende des Jahres gibt es wieder neue Shows des Bauernsilvester (sciencebusters.at/buehnenprogramme/bauernsilve…) mit Ruth Grützbauch, Florian Freistetter und Martin Puntigam in Graz, Linz und Wien & am 31.12. die Silvestershow (schauspielhaus.at/sciencebusters2025) mit Florian Freistetter, Martin Moder und Martin Puntigam im Schauspielhaus Wien
Im Frühjahr touren wir mit dem Weltuntergang wieder einmal in Deutschland, und zwar
am 23.03.2026 Wühlmäusen Berlin (wuehlmaeuse.de/veranstaltung/science-busters-w…)
26.03.2026 Filmtheater Schauburg Dresden (agentour.org/veranstaltung/science-busters_neu…)
27.03.2026 Kupfersaal Leipzig (agentour.org/programm/science-busters_neues-pr…)
28.03.2026 Puffbohne Erfurt (agentour.org/programm/science-busters_neues-pr…)
SB4Kids aktuell digital in der ORF-Kids App, jede Folge zirka 10 Minuten. Analog gibt es die Show mit Martin Moder & Martin Puntigam am
5.12. IMC Krems - Am Campus Krems (kabarettundcomedyfestival.at/Kuenstler-Termine…) AUSVERKAUFT
22.2.26 + 30.4.26 Kulisse (kulisse.at/programm/?p=Science-Busters-for-Kids)
am ** 30.12. + 7.3. + 4.4. + 5.4. 26** im Stadtsaal Wien (sciencebusters.at/buehnenprogramme/science-bus…)
15.1.26 Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-for-kids-2) 14.30 Uhr
25.1. + 1.3.26 Orpheum Wien (orpheum.at/produkt/science-busters-science-bus…)
21.2.26 VHS Kulturgarage Seestadt (oeticket.com/event/science-busters-for-kids-we…)
*10.4.26 Helmut List Halle (helmut-list-halle.com/event/science-busters-fo…) 16.00 Uhr
Glückskatze – das Solo v. & m. Martin Puntigam schnurrt auch 2025 wieder, am
4. + 5.1.2026 in Wien im Kabarett Niedermair (niedermair.at/kuenstler/martin-puntigam) Uhr
und
9. + 10.1.2026 Theatercafé Graz (hinwider.com/calendar) 20.00 Uhr
Und wer schon für Herbst 2026 planen möchte, da kommt ab 10.11.2026 die Premiere im Theatercafé Graz, da gibt es Martin Puntigams neues Solo mit dem schönen Titel „Der Heilige Puntigam“
Und Florian Freistetter geht mit “Sternengeschichten LIVE” auf Tour, das nächste Mal im Dezember in Essen, Düsseldorf, Dortmund und Berlin und 2026 dann auch im Norden und Osten von Deutschland und erstmals auch in Österreich; Premiere dort ist am 29. Jänner in der Kulisse in Wien und danach kommen Salzburg, Linz, Wörgl und Oberwaltersdorf. Infos und Tickets (sternengeschichten.live)
3.12.2025 Schwandorf (schwandorf.de/Startseite/Eine-Geschichte-des-U…)
4.12.2025 Freistadt (kupfticket.com/events/florian-freistetter)
Alle Infos zu den Terminen unter sciencebusters.at und puntigam.at
Funk und Fernsehen
Die aktuelle Staffel ist seit Ende April fertig ausgestrahlt, jedoch noch ein halbes Jahr weltweit (!) abrufbar auf ORFON (on.orf.at/sendereihe/13886769/science-busters).
Die Science-Busters-Sendungen auf Radio FM4 findet man hier (radiothek.orf.at/podcasts/fm4/fm4-science-bust…).
Alle …
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Martin Puntigam Ausgabe 118 des Science Wars Podcasts und heute fragen wir, schnorst man Filter bitte?
Florian Freistetter Nein, weil es geht zwar um Papers, aber um andere.
Martin Puntigam Herzlich willkommen zur Ausgabe 118 des Science Busters Podcasts. Wie immer produziert mit Unterstützung der Uni Graz und der TU Wien. Mein Name ist Martin Puntigam und mir gegenüber sitzt heute wieder Florian Freistetter, Astronom und Bühnenpartner bei den Science Busters seit vielen Jahren. Hallo.
Florian Freistetter Hallo.
Martin Puntigam In Ausgabe 117 haben Alina Meizen und ich unter anderem gesprochen über Luftanhalten, Nanotechnologie für Hochbegabte, Unterwasser-Rugby und ein Problem, das zwar klein klingt, aber gewaltig ist und nicht einmal ansatzweise gelöst, nämlich über Mikroplastik. Heute geht es um Publish or Perish, also um wissenschaftliche Papers.
Martin Puntigam Wie man sie erstellt, was man dazu braucht, wie lange es braucht, was das kostet und welche Fallschräge es dabei gibt. Also wie man Publikationen, Studien und so weiter auf die Welt bringt. Es ist ganz schön kompliziert, wenn man sich zurückerinnert. In der Pandemie sind ununterbrochen neue Studien publiziert worden, aber eigentlich ist es ja ziemlich kompliziert. Wie viele Papers hast du in deinem wissenschaftlichen Leben damals veröffentlicht?
Florian Freistetter Kann ich jetzt spontan gar nicht sagen. Es müssten so um die 30 gewesen sein, schätze ich mal. Es kommt immer darauf an genau, was man jetzt als Veröffentlichung anzieht. In meinen veröffentlicht habe ich viel. Ich habe jetzt gerade mal geschaut. Man kann sowas ja nachschauen. Da sehe ich jetzt nur 14 drin, aber das ist auch die Datenbank, wo nicht alles drin ist.
Florian Freistetter Also ich gehe davon aus, dass es ungefähr irgendwas zwischen 20 und 30, sage ich mal, waren es.
Martin Puntigam Ganz schön ordentlich. Und alles als Hauptautor oder teilweise Nebenautor oder teilweise gar nichts gemacht und nur angeführt?
Florian Freistetter Naja, das macht man nicht. Wenn man nichts macht, dann steht man auch noch nicht drin. Und das mit dem Hauptautor… Das behauptest du jetzt.
Martin Puntigam Aber das ist überhaupt nicht so.
Florian Freistetter Ich will ja jetzt auch heute gar nicht mal gleich wieder anfangen mit irgendwelchen Witzen über Professoren und Studenten machen, denen tun wir es ja alles nicht, sondern wirklich mal den Leuten erklären, was ein Paper ist, wie man es erstellt und wo das große Problem ist. Der Wissenschaft mit den Veröffentlichungen ist, das auch ein Problem für die Öffentlichkeit und die Wissenschaftskommunikation ist.
Florian Freistetter Also ich könnte jetzt nachschauen, wie viele Papers ich veröffentlicht habe. Das können alle anderen auch machen. Diese Datenbanken sind öffentlich, aber das ist ja eigentlich der Endpunkt, um den es geht, wenn irgendwer schauen will, was publiziert ist. Wir wollen ja an dem Punkt anfangen, wo es losgeht, wo man was publizieren möchte.
Florian Freistetter Und das sage ich gleich, ich habe es jetzt aufgemacht, ich stehe hier drinnen in der Astronomie Datenbank der Papers stehe ich mit 36 Veröffentlichungen drin. So wird das vermutlich auch stimmen. Aber wie gesagt, das ist nicht alles, was eine Veröffentlichung ist, ist auch ein Paper. Man unterscheidet zwischen referierten Papers und nicht referierten Papers.
Florian Freistetter Es gibt Buchbeiträge, Doktorarbeiten, Dissertationen und so weiter und das ist auch von Disziplin zu Disziplin unterschiedlich und alles, das Jetzt schicke ich gleich voraus, was ich jetzt hier heute erkläre, gilt für die Naturwissenschaft, für die Astronomie, für die Physik, also da wo ich gearbeitet habe, weil in anderen Disziplinen kann es anders laufen.
Florian Freistetter In der Geisteswissenschaft zum Beispiel, da geht es dann oft, dass man irgendwelche Beiträge für Bücher schreibt oder überhaupt Bücher, Monografien veröffentlicht. Da gibt es diese klassischen Papers wie in der Naturwissenschaft gar nicht. In der Mathematik, da wird überhaupt sehr viel außerhalb von Papers nur online in Datenbanken publiziert.
Florian Freistetter In der Informatik ist es wieder anders. Also bevor sich die Leute aufregen, weil es bei ihnen anders ist, weiß ich, aber ich kann dir das erzählen, was ich erlebt habe, weil nur für das bin ich Experte. Also wir reden jetzt über Astronomie beziehungsweise Naturwissenschaften im weiteren Sinn.
Martin Puntigam Das heißt, wenn man als Laie, so wie ich, hört, eine Studie ist publiziert worden, dann ist das von Disziplin zu Disziplin völlig unterschiedlich?
Florian Freistetter Es ist nicht völlig unterschiedlich, aber die unterschiedlichen Wissenschaften arbeiten unterschiedlich und haben im Laufe der Zeit unterschiedliche Gepflogenheiten entwickelt. und, Darum ist es halt heute auch immer noch unterschiedlich in der Naturwissenschaft, in der Astronomie, wenn man da ein Forschungsergebnis veröffentlichen will, dann erscheint das als Fachartikel in einer Fachzeitschrift.
Florian Freistetter Wenn ich jetzt, keine Ahnung, Philosoph bin, kann ich nicht sagen, weil ich bin ja keiner, dann werde ich jetzt eher wenig Fachartikel schreiben und nicht so wie in der Astronomie, keine Ahnung, vier, fünf Papers im Jahr in Fachzeitschriften rausschmeißen, sondern dann setze ich mir vielleicht hin und schreibe mal irgendwie in zwei Jahren ein Buch und das ist dann eine Publikation.
Florian Freistetter Und Bücher schreibt man in der Astronomie eigentlich sehr, sehr wenige. Kaum, dass das jemals passiert. Wenn, dann vielleicht mal ein Lehrbuch. Aber das probiert man auch zu vermeiden, weil es viel Arbeit ist und man nichts davon hat. Aber in der Mathematik, da finde ich was raus und dann lade ich mein...
Florian Freistetter Erkenntnisse in einer Datenbank hoch, wo die anderen Leute aus der Mathematik wissen, da passiert was und alle draufschauen. Es ist, haben sich unterschiedliche Gepflogenheiten entwickelt.
Martin Puntigam Also wenn man jetzt aus der Pandemie nur kennt, wenn eine Studie herauskommt, publiziert wird, dann gilt es in erster Linie für medizinische, naturwissenschaftliche Disziplinen. Aber ein Fachartikel, das ist auch eine entsprechende Publikation, hat aber ein anderes Format.
Florian Freistetter Nein, also das sind jetzt alles Begriffe, die man nicht durcheinander bringen soll, beziehungsweise durcheinander bringen kann, weil es hängt davon ab, welche Sprache man verwendet. Also in der Wissenschaft, wo ich ja bin, heißt es Paper, weil da redet man Englisch und Paper ist halt das, was man halt veröffentlicht.
Florian Freistetter Ein Paper ist ein Fachartikel, ein Paper ist eine Studie, ein Paper ist eine Forschungsarbeit, also all das ist dasselbe. Es ist halt auch da wieder unterschiedlich in Wirtschaftswissenschaften oder sowas, sagt man gerne Papier, wenn man Paper meint, wenn man es irgendwie eingedeutscht hat zum Beispiel.
Florian Freistetter Also wir reden über das, was man macht in der Wissenschaft, Man erforscht etwas, man hat was rausgefunden und was passiert danach? Weil wenn ich etwas rausgefunden habe und sage, ja, schön, dass ich es weiß, jetzt mache ich das Nächste, dann bringt es relativ wenig für die Forschung, weil man muss ja irgendwie dem Rest der wissenschaftlichen Gemeinde mitteilen, was man so erforscht hat und wie man das macht.
Florian Freistetter Dafür gibt es jede Menge unterschiedliche Wege, aber der klassische Weg ist die Veröffentlichung der Ergebnisse einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift und das ist es, worum es heute gehen soll.
Martin Puntigam Und ganz kurz noch dazwischen gefragt, wenn unser Kollege Helmut Jungwirth von einer Publi spricht, dann ist das sein persönlicher Fachjargon oder das verwendet man in akademischen Kreisen, um eine Publikation, also ein Paper zu beschreiben?
Florian Freistetter Ich habe außerdem Helmut noch niemals das Wort Publi verwenden gehört. Also gehe ich davon aus, dass es eine Eigenkreation ist. Kann natürlich auch sein, dass Helmut in anderen Kreisen verkehrt als ich, aber mir wäre der Begriff Publi noch nie untergekommen.
Martin Puntigam Gut, das wollte ich nur abgeklärt haben. Gehen wir jetzt daran, wie schreibt man eigentlich ein wissenschaftliches Papier oder Paper?
Florian Freistetter Ja, also das ist eigentlich relativ kurz zu erklären, weil da gibt es zumindest wieder, ich rede nur von der Naturwissenschaft, eigentlich Konventionen, an die man sich auch hält. Also natürlich, man muss mal irgendwas rausfinden. Zuerst muss man mal irgendwas rausfinden, wo man sagt, okay, das lohnt sich zu publizieren.
Florian Freistetter Das wäre jetzt, wenn wir das jetzt ausführen wollen würden, was lohnt sich zu publizieren, das wäre wieder mindestens eine eigene Folge, weil auch da gibt es jede Menge Diskussionen und Probleme, die einen sagen, ja, erst wenn das wirklich alles wasserdicht ist, wenn ich alles zu Ende erforscht habe, dann veröffentlicht ist das Ganze.
Florian Freistetter Andere sagen, ja, nein, jedes Zwischenergebnis kann schon publiziert werden. Außerdem habe ich dann statt einem Paper 10 publiziert, was besser ist. Also da kannst du mal mit der Ruth drüber reden. Das war eines der Dinge, die ihr in der Wissenschaft am meisten auf die Nerven gegangen sind. Diese Tendenz der Forschung.
Florian Freistetter Immer weniger in ein Paper zu packen, damit man immer mehr Papers produzieren kann. Aber wir gehen jetzt mal von einem vernünftigen Fall aus. Wir haben irgendwas vernünftig erforscht. Wir haben ein Ergebnis bekommen. Wir sind uns sicher, das Ergebnis ist etwas, was die Welt wissen muss. Und dann schreiben wir eine Publikation.
Florian Freistetter Und das läuft in der Naturwissenschaft eigentlich nach einem ziemlich starren Muster ab. Jedes Paper fängt an mit einer Einleitung. Da schreibe ich mal rein, warum ich das eigentlich mache. Warum das überhaupt sinnvoll ist, das zu erforschen, was ich erforscht habe. Und warum das die Leute interessieren sollte. welches Problem ich damit lösen möchte und was bisher schon geschehen ist.
Florian Freistetter Das kann man relativ kurz machen. Das ist jetzt nicht so, wie wenn man ein Buch schreibt, sondern man geht davon aus, dass die Leute, die das lesen, wissen, worum es geht. Also man muss jetzt nicht großartig erklären, was man macht. Man erwähnt es nur, wir machen das und geht davon aus, dass alle wissen, was das ist.
Florian Freistetter Weil wenn man nicht in dem Gebiet arbeitet und sich auskennt, dann liest man das eh nicht normalerweise. Also wozu sollt ihr was lesen, für das ich kein Experte bin? Also die Einladung.
Martin Puntigam Ja, also ich versuche das zum Beispiel immer wieder und ich kenne auch Leute, die genauso wenig ausgebildet sind wie ich und die versuchen dann immer wieder Studien zu lesen oder auf Social-Media-Kanälen ist es ja trennt eine Studie und dann wird der Screenshot gezeigt. Also es gibt schon viele Leute, die versuchen Studien zu lesen und das ist ja gar nicht so einfach.
Florian Freistetter Ja eben, genau deswegen, weil die Studien, die wissenschaftlichen Fachartikel sind für die wissenschaftliche Fachgemeinschaft gemacht. Das ist so, wie wenn du jetzt irgendwie sagst, ja, es wird wahnsinnig viel auf Chinesisch geschrieben und warum soll man das nicht auch lesen? Kannst du den machen, tust du halt nur schwer, wenn du kein Chinesisch kannst.
Florian Freistetter Also genauso ist es für die Wissenschaft auch. Genauso wie die chinesischen Texte nicht für Leute geschrieben sind, die kein Chinesisch können, sind die wissenschaftlichen Artikel nicht für Leute geschrieben, die keine Expertinnen und Experten sind. Man kann das schon lesen. Da muss man sich halt deutlich mehr anstrengen und wird deutlich weniger verstehen.
Florian Freistetter Aber da muss man sagen, wissenschaftliche Fachartikel sind jetzt nichts, wo... Die Wissenschaftskommunikation oder die externe Wissenschaftskommunikation greift. Da hat man nicht die breite Öffentlichkeit im Kopf, wenn man ein wissenschaftliches Paper schreibt, sondern seine Kolleginnen und Kollegen.
Florian Freistetter Die sind das Publikum und für die schreibt man das und für die brauche ich das alles nicht erklären.
Martin Puntigam Die können diese Kodierung aber auch auflösen, weil da war ja erstaunt, wie man das zum ersten Mal, ich weiß nicht, wer erzählt hat, dass ein Satz, der dort steht und der für mehr Bedeutung hat, im Alltag, in der wissenschaftlichen Publikation, aber andere Bedeutung haben kann.
Florian Freistetter Nein, also das ist jetzt keine Kodierung in dem Sinne. Es ist jetzt nicht so, dass da wie bei den berühmten Empfehlungsschreiben, wenn man den Job wechselt, dass da irgendwie, wenn jemand drinsteht, der hat sich stets bemüht, dann heißt das, es war ein Trottel oder sowas. Nein, solche Sachen schreibt man da nicht rein. Natürlich schreibt man die da nicht rein.
Florian Freistetter Da gibt es jetzt auch keine offizielle Liste oder inoffizielle Listen auch nicht. Ich meine, es gibt Dinge, die schreibt man halt rein, aber nicht jetzt, um irgendwas zu täuschen, zu tarnen, sondern damit es halt irgendwie vernünftig klingt. Ich schreibe halt rein, wenn ich ein Thema nicht zu Ende erforscht habe zum Beispiel.
Florian Freistetter Das ist immer ein gutes Beispiel, weil man erforscht nie was zu Ende. Am Ende, wenn man was rausgekommen hat, gibt es immer noch offene Fragen. Und natürlich schreibt man ins Paper am Ende rein, ja, und das müssen wir dann auch noch erforschen, das ist interessant und da ist noch weitere Arbeit nötig und so weiter.
Florian Freistetter Aber ob man die weitere Arbeit auch macht, keine Ahnung, je nachdem, ob man Bock drauf hat oder nicht. Aber man schreibt auf jeden Fall mal rein, weitere Arbeit ist nötig und das schauen wir uns später an.
Martin Puntigam Aber das bedeutet genau das, weitere Arbeit ist nötig oder steht nur, wir haben das jetzt halt einmal publiziert und man muss noch weiterarbeiten, um wirklich was herauszufinden?
Florian Freistetter Nein, da kommen wir alles noch dazu. Wenn wir jetzt über die Sprache der wissenschaftlichen Papers reden wollen, dann müssen wir zwei extra Folgen machen, weil dann müssen wir wirklich die komplette wissenschaftliche Fachsprache aufdröseln. Weil da ist halt jedes zweite Wort ein Fachbegriff und der hat halt eine Bedeutung, die er in der Realität nicht hat. Aber es ist, Für die Leute, die die Papers lesen, die wissen, was drinsteht und wenn sie es nicht wissen, dann lesen sie es auch nicht, weil man hat so viel zu tun in der Wissenschaft.
Florian Freistetter Ich setze mich nicht hin, irgendwo in den Lähnstuhl, in die Bibliothek und schaue mal, was jetzt so in der Biologie gerade Neues publiziert ist, wenn ich Astronom bin oder sowas. Das mache ich nicht. Ich lese nicht mal alles, was in der Astronomie publiziert ist. Ich lese exakt das, was meine eigene wissenschaftliche Arbeit betrifft.
Florian Freistetter Das lese ich. und sonst lese ich nichts und insofern funktioniert das auch. Also wenn man sich so eine typische Einleitung anschaut, das sind vielleicht, ja, das ist mal eine halbe Seite, mal ist es vielleicht eine Dreiviertelseite, aber viel ist es nicht. Da wird einfach nur ganz kurz gesagt, ja, das hat man gemacht, um das geht es.
Florian Freistetter Zum Beispiel, wenn ich jetzt eine Arbeit von mir aufmache, die ich jetzt gerade hier in der Datenbank gesehen habe, da habe ich mich mit den Planeten eines anderen Sterns beschäftigt, Planeten von Beta Pictoris. Und das fängt an, dass halt im Jahr 1984 hat man das erste Mal was entdeckt, Interessantes bei Peter Pictoris, dann haben die da dringeschaut, die haben das herausgefunden, die haben es untersucht, die haben es untersucht, die haben es untersucht und ich schaue mir das jetzt genauer an. Das ist der erste Absatz, das ist ungefähr eine Viertelseite.
Florian Freistetter Einfach nur, dass die das lesen, wissen, erstens. Ja, der hat sich damit beschäftigt, was vor ihm passiert ist, in meinem Fall jetzt. Und dass man auch irgendwie nachlesen kann, okay, wenn ich jetzt was Spezielles wissen will, dann möchte ich auch wissen, okay, was ist davor schon passiert? Das kann ich dann nämlich auch rückwärts verwenden, wenn ich oft mal bei meiner Suche irgendwo ein altes Paper finde, aus den, weiß nicht, von 1990 zum Beispiel.
Florian Freistetter Ich finde das aber interessant, dann möchte ich gerne wissen, okay, was gibt es da Neues dazu und dann kann ich quasi rückwärts suchen, kann schauen, wer hat dieses Paper à la zitiert und dann werde ich halt in den Einleitungen der neueren Papers sehen, okay, die, die, die haben sich beschäftigt und dann kann ich so sehen, wie der Fortschritt ist von dem alten Paper, das ich da gesehen habe.
Florian Freistetter Also das ist einfach nur so für diejenigen, die nicht hundertprozentig im Thema sind, aber sich trotzdem prinzipiell auskennen. Die lesen die Einleitung, damit man weiß, worum es geht. Und die anderen lesen es halt, dass sie sehen, okay, aus welcher Richtung kommen die auf das Problem. Der zweite Teil, den man macht, das sind dann die Methoden.
Florian Freistetter Das ist so der aufwendigste Teil, der komplizierteste Teil auch zum Lesen, weil da soll ganz genau drinstehen, wie habe ich das gemacht, was ich gemacht habe. Welche Computermodelle habe ich verwendet, welche mathematischen Gleichungen, welche Instrumente, welche Teleskope, wann habe ich beobachtet, mit welchen Filtern habe ich beobachtet, wenn ich beobachtet habe, welche genauen Computerprogramme habe ich verwendet, wenn ich sie selbst geschrieben habe, wie habe ich sie geschrieben, auf welcher Basis habe ich sie geschrieben, also das sollte Im Prinzip alles drinstehen, was man bräuchte, um das selbst nachzuvollziehen, wird nie der Fall sein, weil man kann nicht alles reinschreiben, nicht in der nötigen Genauigkeit.
Florian Freistetter Man will auch nicht immer alles reinschreiben. Also wenn ich jetzt selbst ein Computerprogramm geschrieben habe oder selbst ein Instrument gebaut habe, dann möchte ich zwar, dass sie dann wissen, wie es funktioniert, damit sie es nachvollziehen können, aber ich möchte es vielleicht nicht in mein ganzes Computerprogramm reinstellen, weil da bin ich vielleicht ein Jahr dran gesessen.
Florian Freistetter Und da denke ich mal, von der Arbeit möchte jetzt ich mal profitieren, weil ich muss ja irgendwie meine Arbeit rechtfertigen und wenn ich jetzt da mir durch jahrelange Arbeit einen Vorteil erarbeitet habe mit meiner neuen Methode, dann nutze ich die mal und dann erst später vielleicht gebe ich es den anderen.
Florian Freistetter Kann man auch darüber diskutieren, ob das so sein sollte oder nicht, aber passiert auf jeden Fall. Dann schreibt man die Methoden rein, dann schreibt man rein im nächsten Abschnitt die Ergebnisse, da steht genau drin, das haben wir bekommen, Das sind die Bilder, die wir gemacht haben. Das sind die Messungen, die wir gemacht haben. Das kam da raus.
Florian Freistetter Also da erklärt man ganz genau die Ergebnisse. Dann kommt ein Teil, der heißt Diskussion. Da diskutiert man die Ergebnisse. Also erklärt, was bedeutet das alles? Was sind die Bedeutungen für die Fragestellungen am Anfang? Also was hat das alles zu bedeuten, was ich da an Ergebnissen habe? Und dann kommt noch ein Abschnitt, der heißt, ja, Conclusion, Fazit. Da fasse ich alles nochmal zusammen.
Florian Freistetter Und dann kommt die Literaturliste und dann ist aus. Also diese Struktur, Einleitung, Methoden, Diskussion, Einleitung, Diskussion, Einleitung, Methoden, Ergebnisse, Diskussion und Conclusion, das ist in der Naturwissenschaft eigentlich relativ fix. Man kann davon abweichen, ist nicht vorgeschrieben, das so zu machen, aber das sollte alles drin sein.
Florian Freistetter Und das schreibt man dann auf und dann hat man ein fertiges Paper, theoretisch. Aber es weiß auch niemand was davon.
Martin Puntigam Okay. Das liegt dann irgendwo auf einer Festplatte oder das ist dann schon auf einer Universität online, aber intern?
Florian Freistetter Nein, das ist einfach, das ist alles noch, noch hat das niemand gesehen. Das ist die Arbeit, die ich machen muss als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin, wenn ich was rausgefunden habe, ich möchte es veröffentlichen, dann muss ich mich hinsetzen und muss das schreiben. Das mache ich vielleicht gemeinsam, wenn ich gemeinsam geforscht habe, dann sind da mehr natürlich beteiligt am Schreiben.
Florian Freistetter Man teilt sich die Arbeit ein, man schickt es hin und her und so weiter. Das kann dann auch irgendwo intern schon zirkulieren, aber im Wesentlichen ist das alles noch nicht öffentlich. Das hat noch kein Verlag gesehen, das hat auch keine Öffentlichkeit gesehen. Das ist alles noch genauso intern, wie die Forschung selbst intern war.
Florian Freistetter Und erst wenn sich alle Beteiligten geeinigt haben, das ist jetzt unser Paper, das ist gut so, dann macht man sich dran, das zu veröffentlichen und da wird es dann wirklich interessant und da wird es dann auch wirklich ärgerlich in vielerlei Hinsicht.
Martin Puntigam Inwiefern?
Florian Freistetter Na ja, zuerst muss ich mir mal einen Ort suchen, wo ich es veröffentlichen kann. Also ich muss unter den zehntausenden Fachzeitschriften, die es gibt auf der Welt, mir eine aussuchen, wo ich sage, da muss mein Artikel drin veröffentlicht werden. Und auch da, das wäre noch ein Thema für eine ganz andere Folge, auch da gibt es unterschiedliche unter Anführungszeichen Qualität von Fachzeitschriften.
Florian Freistetter Also es gibt Zeitschriften wie Nature oder Science, die gelten so als die besten Fachzeitschriften. Und wenn man da was veröffentlicht, dann hat man am meisten Ruhm und dieser Ruhm setzt sich dann auch teilweise in konkrete budgetäre Vorteile um, weil wenn Universitäten irgendwie bestimmen müssen, welche Institute das meiste Geld bekommen, dann machen sie das gerne anhand der Publikationen, dann schauen sie, wie viel haben die veröffentlicht, wo haben sie es veröffentlicht.
Florian Freistetter Und wer am meisten in den Besten veröffentlicht hat, der kriegt am meisten Geld. Das Problem ist nur, dass es bis heute unmöglich ist, wirklich zuzuhören. Um zweifelsfrei und gerecht zu messen, was ein gutes Journal ist, was eine schlechte Fachzeitschrift ist. Das geht nicht. Alle Methoden, die man verwendet, sind ungenau. Und das Einzige, was man sinnvollerweise machen müsste, wäre, die fraglichen Fachartikel zu lesen, darüber nachzudenken, sich zu überlegen, ist das gut oder schlecht.
Florian Freistetter Aber das braucht halt Zeit. Viel einfacher ist es, wenn man den Veröffentlichungen irgendwelche Nummern zuordnen kann. und je höher die Nummer ist, desto besser unter Anführungszeichen ist sie. Deswegen gibt es ganz viele Leute, die sich solche Metriken ausgedacht haben, aber wie gesagt, die sind alle Quatsch, behaupte ich und wir können das gerne mal in einer eigenen Folge diskutieren, aber diese Impact-Faktoren, wie das alles heißt, der Hirsch-Faktor und so weiter, ist alles meiner Meinung nach kompletter Humbug, aber leider.
Martin Puntigam Also Hirsch heißt ein Mann, ist eher dein Zugang.
Florian Freistetter Naja, Hirsch heißt tatsächlich ein Manus, dieser Hirschfaktor, das ist ein Maß, der angeblich besser sein soll, dieser H-Index. Also man kann, ich erzähle es vielleicht doch ganz kurz, aber eigentlich möchte ich etwas ganz anderes hinaus. Also wenn man jetzt wissen will, wie erfolgreich ist ein wissenschaftlicher Artikel, dann könnte ich schauen, wie oft ist er zitiert worden.
Florian Freistetter Ja, weil wenn ich was Superes geschrieben habe, dann natürlich reden andere drüber, berufe sich darauf. Wenn ich einen Artikel schreibe, der überhaupt nie zitiert wird, dann hat ihn vielleicht niemand gelesen. Oder wenn Leute es gelesen haben, dann fanden sie es so interessant, dass sie gedacht haben, ja, das brauche ich für nichts und dann zitiere ich es nicht in meiner Einleitung zum Beispiel, wenn ich was schreibe.
Florian Freistetter Wenn es oft zitiert wird, dann dürfte es Wichtiges sein. Ist eine plausible Hypothese. Das Problem ist nur, muss nicht unbedingt stimmen, weil kann auch sein, dass ich den größten Scheiß ever geschrieben habe und dann zitiere mich alle in der Einleitung, ja, und wie wir damals herausgefunden haben. Freistetter 2025, das war alles falsch, aber jetzt machen wir es besser.
Florian Freistetter Ich kann auch quasi sehr oft zitiert werden, wenn ich einen Blödsinn mache, wenn man es jetzt nicht ganz so extrem sieht, wenn ich einfach nur irgendwie zum Beispiel eine Software entwickle, wie ich es gerade vorhin erwähnt habe, ich schreibe ein Computerprogramm, veröffentlich das und das ist ein gutes Computerprogramm und dann wird das von sehr vielen Menschen benutzt.
Florian Freistetter Und die schreiben in ihren Methoden dann natürlich, ich habe das Computerprogramm von Florian Freischütter benutzt und zitiere meine Veröffentlichung dazu. Und jedes Mal, selbst wenn ich schon 100 Jahre tot bin, jedes Mal, wenn jemand dieses Computerprogramm benutzt, habe ich eine Zitierung mehr. Und dann habe ich quasi einmal was gearbeitet und werde sehr oft zitiert.
Florian Freistetter Genauso, wenn ich ein Instrument für ein Teleskop gebaut habe oder sonst irgendwie was. Aber wenn ich jetzt nicht in dieser Disziplin bin, wo ich Programme schreibe oder Instrumente baue, Dann werde ich halt nicht weniger oft zitiert, weil das da halt anders funktioniert. Also es ist sehr, sehr variabel und deswegen hat man diesen H-Index, den Hirsch-Index.
Florian Freistetter Das war ein Physiker, der hieß Jorge Hirsch und der hat sich das ausgedacht. Das ist gar nicht so, man kann es simpel erklären, aber man muss trotzdem darüber nachdenken. Also es ist die größte Zahl h, für die gilt, dass h-Publikationen mindestens h-mal zitiert worden sind. Man muss vermutlich zehnmal darüber nachdenken.
Martin Puntigam Kann man das h rausstreichen oder rauskürzen?
Florian Freistetter Nein, das geht nicht. Aber zum Beispiel, wenn ich jetzt, sagen wir mal, ich hätte zehn Artikel veröffentlicht. Und von diesen zehn Artikeln sind fünf Artikel mindestens fünfmal zitiert worden.
Martin Puntigam Ja.
Florian Freistetter Dann habe ich einen H-Index von 5. Dann nutzt es mir auch nichts, wenn ein anderer Artikel 75 Mal zitiert worden ist. Mein H-Index ist trotzdem 5. Wenn ich einen H-Index von 75 haben will, dann brauche ich 75 Artikel, die mindestens 75 Mal zitiert worden sind. Also das gilt als besserer Index, um herauszufinden, ob jemand gut forscht oder nicht, weil man halt nicht nur ein tolles Paper schreiben muss, das ganz oft zitiert wird, sondern viele Paper schreiben muss, die oft zitiert werden, aber auch das hat jede Menge Probleme.
Florian Freistetter Also wie gesagt, das ist alles Quatsch, behaupte ich. Aber trotzdem ist es in der Wissenschaft immer noch wahnsinnig wichtig. Es geht immer noch sehr, sehr viel darum, in welcher Zeitschrift man publiziert. Viele Artikel werden auch entsprechend beurteilt. Also wenn man jetzt irgendwo ein Paper in Nature oder Science veröffentlicht, dann gibt es immer noch eine große Party auf den Forschungsinstituten.
Florian Freistetter Größer auf jeden Fall, als wenn man irgendwo was anderes veröffentlicht ist.
Martin Puntigam Aber ist das ein bisschen so einzuschätzen, wie man hat, ich schaue ja ganz gern Fußball und man hat dort manchmal den Eindruck, gerade bei internationalen Spielen, dass die Mannschaften, die mächtiger sind, die mehr gewonnen haben, die ein größeres Renommee spazieren führen, dass die ab und zu auch bevorzugt werden. Kann man sich das so vorstellen?
Florian Freistetter Ja, bevorzugt ist vielleicht das falsche Wort. Insofern wird man bevorzugt in einem großen Journal.
Martin Puntigam Wenn man… Nein, das meine ich jetzt gar nicht, sondern dass der Ruf dieser gut angesehenen Journale größer ist, weil es es schon so lange gibt und weil alle sagen, die sind so renommiert.
Florian Freistetter Nein, nein, das hat jetzt mit der Dauer nichts zu tun. Es geht jetzt nicht darum, wie lange es die schon gibt. Also ich habe zum Beispiel in der ältesten noch existierenden astronomischen Fachzeitschrift veröffentlicht, astronomische Nachrichten, die hat einen ganz, ganz geringen Impact-Faktor. Ja, also da bin ich überhaupt nicht berühmt, wenn man da drin veröffentlicht.
Florian Freistetter Aber das geht vor allem darum, ja, wie gesagt, auch das, das, das, das, das, das. Die Prestige eines Journals ergibt sich auch wieder aus den Zitaten. Eine Zeitschrift, deren Artikel sehr, sehr oft zitiert werden, die ist offensichtlich wichtiger als eine Zeitschrift, deren Artikel nicht so oft zitiert werden.
Florian Freistetter Auch das wird regelmäßig gemessen, da wird von allen Journals zusammengezählt, was haben die in dem Jahr veröffentlicht, wie oft sind diese Artikel aus dem Jahr zitiert worden, anderswo und dann wird da auch wieder welche Zahlen berechnet. Und klar, wenn ich dann sage, ich gründe sein Journal, aber da lasse ich nur Nobelpreisträger veröffentlichen und Leute, die mit Nobelpreisträgern zusammenarbeiten, dann klar werde ich vermutlich relevantere Forschung drin haben, als wenn ich sage, ich mache eine Fachzeitschrift über Himmelsmechanik, da tun wir Himmelsmechanik rein.
Florian Freistetter Die ist auch interessant, aber für Himmelsmechanik gibt es keinen Nobelpreis. Und Himmelsmechanik ist nicht die Forschung, die wichtige, oder natürlich macht das auch wichtige Ergebnisse, aber jetzt nicht so. Bei der Himmelsmechanik, das ist halt eher mathematische Disziplin. Da entdeckt man jetzt nicht auf die Schnelle irgendwas, so wie das erste Bild von einem schwarzen Loch oder sowas.
Florian Freistetter Da gibt es wieder andere Sachen dafür. Und so Zeitschriften wie Nature oder Science, die gibt es lange, aber die haben sich halt auch zu Zeitschriften entwickelt, die gesagt haben, erstens, wir schränken uns nicht ein auf eine bestimmte Disziplin, auf einen bestimmten Fachbereich. Dafür nehmen wir aber nur das Beste. Wir nehmen nur das Beste, was es gibt.
Florian Freistetter Und deswegen lehnen sie auch sehr viel ab. Und wenn sie nur das Beste nehmen, dann muss dann als Zirkelschluss logischerweise das, was drin steht, das Beste sein. Und dann muss es wichtig sein. Und dann wird es oft zitiert. Führt auch dazu, dass, wenn man immer auf der Suche nach dem Besten ist, dem Revolutionärsten ist und dem Neuesten ist, dann Und zwangsläufig kriegt man auch viel Zeug, das sich später als falsch herausstellt.
Florian Freistetter Nicht, weil das alles Quatsch ist, sondern wenn ich was erforsche, was wirklich so an der Grenze des Wissens ist, dann kommt auch was raus, wo man nachher weiß, okay, war jetzt doch nicht so. Aber trotzdem, das weiß man auch, Nature und Science zum Beispiel, da müssen deutlich mehr Arbeiten irgendwann später zurückgezogen werden als anderswo.
Florian Freistetter Aber trotzdem gelten es halt die besten Journale. Aber wie gesagt, das ist wieder ein ganz, ganz eigenes Thema, wo man sich lang und breit aufregen kann. Aber irgendwie muss man sich über eine Zeitschrift suchen und sagen, okay, da passt unsere Forschung rein. Und dann schickt man den Fachartikel dorthin.
Florian Freistetter Und bei dieser Zeitschrift sitzen die Editoren, also Leute, die sowas wie Herausgeber, Herausgeberinnen kann man die vielleicht nennen, die schauen sich das einmal an und schauen zuerst mal, ist das kompletter Unsinn? Ja, weil natürlich kriegt man auch komplett einen Unsinn geschickt. Also ist das was, was zumindest ausschaut wie Wissenschaft?
Florian Freistetter Ist da jetzt diese Struktur, Introduction, Methoden, Ergebnisse, Diskussion? Ist das alles plausibel? Ist das überhaupt irgendwas? Ist das Wissenschaft, die für unsere Zeitschrift relevant ist? Wenn ich eine Zeitschrift habe für, weiß ich nicht, jetzt bleiben wir bei der Himmelsmechanik meiner Disziplin und da schickt aber jetzt der Peter, unser Chemiker im Ensemble, seine Arbeit hin, dann wird sich, wenn ich jetzt Gutachter wäre, der Himmelsmechanik Zeitschrift überdenken, naja, nein, der Chemiker soll das Warners hin schicken, was machen wir mit einem Paper über Chemie?
Florian Freistetter Also da wird geschaut, ist das überhaupt etwas, was zu unserer Zeitschrift passt thematisch? Ist es prinzipiell mal auf den ersten Blick plausible Wissenschaft? Und wenn das der Fall ist, dann kommt ein sehr, sehr wichtiger Punkt, weil dann muss das Ganze begutachtet werden. Das ist das, was man Peer Review nennt, Dialog.
Florian Freistetter Das ist Begutachtung durch die Peers, durch die Kolleginnen und Kollegen.
Martin Puntigam So spricht man das aus, nicht Peer Review, wie man es auch hört, sondern Peer Review?
Florian Freistetter Keine Ahnung, ich habe immer Peer Review gesagt, aber vermutlich wird man es anders aussprechen können zumindest, ob man es auch sollte, weiß ich nicht. Da muss jemanden fragen, dessen Muttersprache Englisch ist, ich sage Peer Review und werde es jetzt auch im Rest der Folge tun. Und damit das passiert, dieses Peer Review muss...
Martin Puntigam Weil im Fußball zum Beispiel, wenn da wahr eingreift, dann ist eine Szene auch reviewed, sagen sie auf Englisch.
Florian Freistetter Ja, aber wir sind nicht im Fußball, wir sind in der Wissenschaft. Jedenfalls braucht es jetzt diese Menschen, die die Gutachten durchführen und die wählt die Person aus, die Editor ist. Also Editor schaut sich den Fachartikel an, schaut, okay, da geht es anscheinend um das. Die Person muss jetzt nicht Expertin für alles sein, die muss nur zumindest grob wissen, worum es in dem Paper geht. Also wie gesagt, wenn du Editor von der Fachzeitschrift bist, über Himmelsmechanik, dann solltest du vielleicht auch Ahnung von Himmelsmechanik haben.
Florian Freistetter Musst dich von allem eine Ahnung haben, aber zumindest so weit eine Ahnung haben, um festzustellen, okay, darum geht es. Und dann musst du dir überlegen, welche Personen könnten das denn wirklich vernünftig beurteilen? Wer sind Expertinnen und Experten dafür? Ja, da kann man auch schauen, wer ist da zitiert worden in der Facharbeit?
Florian Freistetter Weil offensichtlich hat das was damit zu tun. Oder sonst irgendwie kommt man auf jeden Fall darauf, okay, diese Facharbeit, Zwei Personen, die sollen das begutachten. Meistens sind zwei, weniger als zwei sind selten. Oft sind es mehr als zwei, aber zwei ist auf jeden Fall mal der Standard. Mindestens zwei Menschen müssen das begutachten. Die bekommen das geschickt zum Begutachten. Und dann wird gesagt, schaust du mal an, das machen die.
Florian Freistetter Und wenn die das machen, dann können die das natürlich auch nicht im Detail prüfen. Also da setzt sich jetzt niemand hin und rechnet alles nach oder führt die Beobachtungen neu aus, die Messungen neu aus usw. Das geht nicht. Das wäre natürlich das Beste, was man machen könnte. Einfach alles nochmal wiederholen, aber das würde nicht funktionieren.
Florian Freistetter So viel Zeit hat die Welt nicht. Das heißt, was die machen ist, sich erstmal anschauen, okay, ist das, was die behaupten, was ihre Forschungsaufgabe ist? Ist das wirklich ein Problem in unserer Disziplin? Ist das wirklich etwas, was sich lohnt zu erforschen? Oder ist das einfach, wissen wir das vielleicht schon? Oder ist das irrelevant?
Florian Freistetter Also ist das tatsächlich ein lohnendes Forschungsproblem? Dann schauen Sie, sind die Methoden, die Sie verwendet haben, die vorgeschlagen wurden, um das zu lösen, sind die auch geeignet, dieses Problem zu lösen? Oder können die Methoden das vielleicht gar nicht? Und wenn die Methoden geeignet sind, dann schauen die, okay, sind die Ergebnisse, die da rauskommen, sind die plausibel?
Florian Freistetter Können diese Ergebnisse aus diesen Methoden überhaupt folgen oder geht das gar nicht? Funktioniert da irgendwas nicht? Und wenn die Ergebnisse passen, dann schaut man, okay, Sind die Schlussfolgerungen, die man gezogen hat in dieser Arbeit, kann man die aus den Ergebnissen überhaupt ziehen oder sind die vielleicht falsch gezogen worden?
Florian Freistetter Also da wird einfach mal so ein grundlegender, umfassender Plausibilitätscheck durchgeführt, wird alles geschaut.
Martin Puntigam Aber eins nach dem anderen, wenn zum Beispiel jemand in einer Medizinfachzeitschrift eine weitere Studie zum Thema Homöopathie einreicht, dann sagt man, das haben wir schon untersucht, da gibt es nichts zu entdecken, das lassen wir bleiben oder dann schaut man automatisch alle Stufen mal weiter?
Florian Freistetter Naja, das war jetzt nicht so ein offizieller To-Do-Plan, den ich jetzt aufgezählt habe, sondern das, was man halt macht. Also natürlich, wenn ich jetzt sehe, okay, das ist ein Homöopathie-Paper, um zu schauen, ob Homöopathie stimmt oder nicht, dann würde ich erstmal sagen, vermutlich ja, eigentlich brauchen wir nicht.
Florian Freistetter Aber dann schaue ich mir natürlich das Paper nochmal, natürlich schaue ich es mir dann auch genauer an und schaue dann, okay, ist da vielleicht irgendwas drin, was doch noch originell ist, was interessant ist. beziehungsweise das wäre eigentlich schon ein Schritt, der vorm Gutachten stattfindet. Das machen die Editoren schon.
Florian Freistetter Die schauen schon mal, ist das halbwegs neu dann. Ich habe ja prinzipiell klar, ich schaue mir schon das ganze Paper an. Wenn ich sowas zum Begutachten bekomme, dann wie der Idealfall sollte ich mir schon einmal alles anschauen und schauen, macht das alles Sinn. Und je nachdem, wie viele Fehler ich quasi entdecke, desto unwilliger werde ich dann sein, mich weiter damit zu beschäftigen und werde das dann irgendwann entsprechend behandeln.
Florian Freistetter Aber wie gesagt, man schaut sich mal alles an und schaut mal, ob das alles passt. Und dann muss man eben sein Gutachten abgeben. Und da gibt es die zwei Extremfälle. Man kann sagen, ja, das passt alles, kann man so veröffentlichen, wie es da steht. Kommt sehr selten vor, ist mir einmal passiert, glaube ich. Also es ist nicht unmöglich, dass ein Gutachten so ausfällt, aber es ist eigentlich sehr selten.
Florian Freistetter Der andere Extremfall wäre, es ist alles kompletter Humbug, das darf auf keinen Fall veröffentlicht werden. Das kommt häufiger vor, ist mir auch passiert. Also es war nicht dasselbe Paper, aber beides kommt vor, aber ist eigentlich der Extremfall. Der Normalfall ist, wenn man halbwegs vernünftig geforscht hat, ist der Normalfall, dass das Gutachten zurückkommt und dann steht da drin.
Florian Freistetter Ja, eh, eh, okay. aber da gehört noch was geändert. Und das können dann entweder kleinere Änderungen sein, dass man sagt, okay, ja, da müsstest du noch ein bisschen was ausführen. Das war jetzt nicht ganz verständlich, was ihr da gemacht habt. Das Diagramm kann man nochmal anders zeichnen, dass man besser sieht, worum es geht. Bei der mathematischen Formel habt ihr einen kleinen Fehler drin, korrigiert den.
Florian Freistetter Oder dass man sagt, ja, ihr habt da noch die drei Arbeiten vergessen, die auch noch relevant sind, zitiert die auch noch und so. Also das sind so minor corrections, also kleinere Sachen, die man eigentlich relativ schnell machen kann. Und dann gibt es aber noch die größeren Änderungen. Das kommt auch vor, dass jemand sagt zum Beispiel, ja, eh alles gut, bis ihr es gemacht habt, aber ihr habt da einen Sonderfall vergessen, einen Spezialfall vergessen.
Florian Freistetter Ihr müsst eure Simulation nochmal mit den Parametern laufen lassen oder ihr müsst es nochmal da beobachten mit dem Filter und schauen, ob das auch noch alles passt. Und das ist natürlich ein bisschen nerviger, weil dann muss ich wirklich mich hinsetzen und nochmal nacharbeiten. Das kann dann auch teilweise länger werden. Also da kann ich dann nochmal ein paar Wochen vielleicht sitzen, um diese ganzen Sachen zu erfüllen.
Florian Freistetter Aber natürlich bemüht man sich, das alles zu machen, alle Änderungsvorschläge entsprechend umzusetzen, dann schickt man das alles wieder zurück und dann…. Liegt es wieder an den Leuten, die die Editoren sind, zu entscheiden, was passiert. Also die entscheiden, okay, wir haben jetzt hier die Gutachten, wir haben jetzt hier die Korrekturen und was machen wir jetzt damit?
Florian Freistetter Die können auch schon vorher entscheiden, wenn die Gutachten kommen, klar. Wenn die Gutachten kommen und beide Gutachten sagen, ist das schaß, dann werden die natürlich sagen, das nehmen wir nicht. Wenn die Gutachten zurückkommen und, keine Ahnung, wir haben drei Gutachten und zwei sagen, das ist ein Blödsinn, und ein Gutachten sagt, ja, ist interessant, muss noch korrigiert werden, dann können die Editoren trotzdem noch entscheiden, naja, es ist zwar die Mehrheit dafür, dass es ein Schaß ist, aber wir schauen uns das trotzdem mal an.
Florian Freistetter Wir nehmen das trotzdem mit rein. Weil wie gesagt, es geht ja immer darum, menschliches Fehlverhalten möglichst auszugleichen, auszuschließen. Also darum können auch die Editoren, die entscheiden, ob was veröffentlicht wird oder nicht. Die Gutachten sollen dabei helfen, aber sind jetzt nicht alleinig relevant.
Florian Freistetter Und auch nach dieser Korrekturrunde schaut sich eben die Editoren das wieder an und sagen, okay, ist das alles zufriedenstellend korrigiert worden, schicken es vielleicht nochmal zurück an die Leute, die die Gutachten machen, damit die auch nochmal sagen, passt euch das so? Und dann sagen die, ja, passt uns so. Oder sagen auch, nein, passt mal immer noch nicht, die müssen es nochmal anders machen.
Florian Freistetter Also dann können die Editoren wieder entscheiden, ja, schicken wir es jetzt nochmal zurück oder lehnen wir es jetzt doch ab. Also das kann hin und her gehen. Und im Idealfall kommt am Ende irgendwann der Punkt, wo man die Nachricht bekommt, ja, jetzt passt es, jetzt wird es veröffentlicht.
Martin Puntigam Dann freut man sich, wenn man so eine Nachricht kriegt, im Gegensatz dazu, wenn man etwas ausbessern muss und dann, wie ist dann der Zeitenverlauf? Dann kann man sich darauf einstellen, nächste Woche ist es soweit oder dann, wenn das so ein Journal ist, das noch alle halben Jahre publiziert wird und man hat gerade einen Termin versäumt, dann muss man ein halbes Jahr warten.
Florian Freistetter Nein, also das war vielleicht früher mal so. Also man freut sich übrigens immer, man freut sich auch schon, wenn es zurückkommt, bitte hier noch korrigieren, weil das heißt, bin quasi schon fast da. Also wenn ich von den Gutachtern zurückbekomme, es muss noch was korrigiert werden, dann weiß ich, okay, in 90% aller Fälle kann ich die Korrekturen machen und da wird es veröffentlicht.
Florian Freistetter Also da weiß man zwar, ich muss noch was arbeiten, aber es ist schon mal ein gutes Zeichen und natürlich freue ich mich dann, wenn es wirklich veröffentlicht wird und dann, naja, mittlerweile haben wir, online überall, auch die Zeitschriften sind immer online, fast alle Zeitschriften sind immer online, es gibt kaum noch wissenschaftliche Fachzeitschriften, die ausschließlich gedruckt erscheinen, wüsste ich jetzt nicht, wo es sowas gibt.
Florian Freistetter Das heißt, wenn es veröffentlicht, also angenommen wird zur Veröffentlichung, dann wird es auch relativ flott dann mittlerweile auch online veröffentlicht. Da steht dann halt, ja, online ist es da und dann wird es irgendwann später mal einer offiziellen Ausgabe zugeordnet. Ob die dann auch noch gedruckt wird, weiß ich gar nicht.
Florian Freistetter Zu meiner Zeit vor 20, 30 Jahren, da ist noch sehr viel gedruckt worden. Da sind alle Zeitschriften noch gedruckt worden. Heutzutage wird es vermutlich jede Menge Fachzeitschriften geben, die gar nicht mehr gedruckt erscheinen, weil, ja, wozu? Die lesen ja auch alle online in der Wissenschaft und Wir recherchieren online in der Wissenschaft, also braucht man das gedruckt, vielleicht gar nicht höchstens für die Archive, Nationalbibliotheken und sowas.
Martin Puntigam Jetzt muss ich noch ganz kurz zwischenfragen, ich weiß schon, wir wollen keine Spezialfälle machen, aber mir ist schon untergekommen, dass ein Fachgebiet so klein ist, dass jemand eine Korrektur in Auftrag gegeben hat, der Begutachter war, Begutachterin, um Zeit zu gewinnen, weil er selber eine ähnliche Forschung hat und die andere Publikation aufhalten wollte.
Martin Puntigam Das kommt vor oder das ist selten?
Florian Freistetter Naja, das kann natürlich vorkommen, weil halt die Leute, die die Gutachten durchführen sollen, die sollen natürlich sich auch so gut wie möglich auskennen mit dem Thema und die Leute, die sich Am allerbesten mit dem auskennen, was ich in meine Arbeit reingeschrieben habe, sind entweder meine Kolleginnen und Kollegen oder es sind andere Forschende, die auf demselben Gebiet arbeiten, die mich natürlich auch dann kennen werden, weil man ist ja die wissenschaftliche Community, ist dann, wenn man auf die wirklich Spezialgebiete runtergeht, gar nicht so groß, da kennt man sich untereinander.
Florian Freistetter Das heißt, die kennen mich und vielleicht sind es dann meine direkten Konkurrenten, wenn es jetzt gerade um was geht, wo es wirklich um was geht. Geht ja ganz oft in der Wissenschaft um nichts, aber oft geht es halt wirklich darum, es geht insofern um nichts, dass das halt jetzt nicht so ist, dass wer findet als erster den ersten extrasolaren Planeten oder wer findet als erster den Impfstoff oder wer macht als erster diese Entdeckung, von der wir wissen, dass sie bald gemacht wird.
Florian Freistetter Das kommt ja jetzt nicht so oft vor, aber kommt vor. Und da hat man halt immer das Problem mit der Befangenheit. Wenn jetzt meine Kolleginnen und Kollegen das begutachten, die vielleicht mit mir im selben Büro sitzen oder ein Büro weitersitzen, dann sind die vielleicht nicht unbedingt so objektiv, wie es sein sollte.
Florian Freistetter Genauso wenig sind aber natürlich die objektiv, die dann im Fall des Falles wissen, okay, der veröffentlicht was, was ich jetzt eigentlich nächste Woche veröffentlichen wollte. Dann schaue ich mal, dass ich zuerst dran bin und verzögere das noch ein bisschen. Also das sind Dinge, die man eigentlich vermeiden sollte.
Florian Freistetter Es gibt unterschiedliche Wege, das zu erreichen. Also ich weiß zum Beispiel, dass man bei verschiedenen Fachzeitschriften Vorschläge machen kann. Da kann man sagen, okay, wenn ihr Leute sucht, denen ihr das zum Begutachten schickt, das wären welche. Okay, kann ich natürlich auch meine Kumpels reinschreiben, aber zumindest ist dann zumindest die Gefahr gebannt, dass es Leute kriegen, die sich überhaupt nicht auskennen. Kommt auch vor.
Florian Freistetter Ich kann aber auch, und auch das habe ich schon gesehen, sagen, wenn ihr das zur Begutachtung schickt, bitte nicht an die, weil die wären unfair. Also ob man sich daran hält oder nicht, dann als Editor ist wieder eine andere Frage, aber man kann solche Vorschläge machen. Noch besser wäre natürlich...
Martin Puntigam Wiederum im Fußball gibt es das auch, dass die Vereine gegen Schiedsrichteransetzungen wehren, weil sie sagen, der hat schon zweimal schlecht gepfiffen, das sind die Emotionen, zu groß, die im Spiel kommen. Abgesehen davon hätte man keinen anderen Schiedsrichter.
Florian Freistetter Ja, mag sein, aber in der Wissenschaft gibt es wenig.
Martin Puntigam Aber das ist vergleichbar, dass man sagt, man möchte von jemandem nicht begutachtet oder geleitet werden oder korrigiert werden, dem man nicht über den Weg traut?
Florian Freistetter Das ist, wie gesagt, das sind alles, ich rede jetzt von Spezialfällen, das ist nicht der Normalfall. Normalerweise schicke ich was hin und dann kriegen es Gutachter und Gutachterinnen und die sind gut und fair und tun ihr Bestes und dann kommt Vernünftiges zurück. Der Fall, dass da irgendwo mein ärgster Konkurrent, mein Gutachter wird, ja sowas kann vorkommen, aber ist nicht, definitiv nicht der Normalfall in der Wissenschaft.
Florian Freistetter Und wie gesagt, man kann dann auch, probieren sich, wenn dieser Spezialfall eintreten sollte, dass ich irgendwie dagegen wehren. Das Problem ist, dass man halt oft nicht weiß, wer begutachtet. Das weiß man eigentlich ganz, ganz selten. Wenn ich Gutachter bin, kann ich meine Anonymität. Abgeben. Also ich kann sagen, ja, dem Editor hier kannst du übrigens gern sagen, dass ich da der Gutachter war. Dann wird das gemacht.
Florian Freistetter Das kann ich machen. Ich kann aber auch, und das wäre der Idealfall, den kompletten Prozess anonym machen. Also idealerweise wissen auch die Leute, die die Gutachten machen, nicht, wer das geschrieben hat. Das ist natürlich in der Wissenschaft schwierig, weil oft kann ich halt am Inhalt schon erkennen, um was es geht, wenn es jetzt wirklich gerade ein Fachbereich ist, wo drei Arbeitsgruppen auf der Welt dran arbeiten. Dann kann ich mir schon denken, wer es war.
Florian Freistetter Aber das ist auch wieder gesagt, es ist wieder ein Spezialfall, diese Anonymität bei den Gutachten, da geht es eher darum, dass man jetzt so klassische diskriminierte Gruppen nicht weiter diskriminiert. Dass man sagt, die Frau, die kann ja nichts, das muss schlecht sein. Kein, ob man das bewusst oder unbewusst denkt. Aber wenn ich nicht weiß, hat es ein Mann oder eine Frau geschrieben, dann fällt dieser Bias weg.
Florian Freistetter Und genau solche Biase gibt es jede Menge und die könnte man durch anonymes Gutachten in den Griff kriegen, aber passiert auch sehr selten. Vielen Dank.
Martin Puntigam Echt, das ist nicht grundsätzlich anonymisiert. Ich habe gedacht, der Peer-Review-Prozess ist an sich anonymisiert und man hat keine Ahnung, von wem man begutachtet wird. Und wenn das Forschungsgebiet groß genug ist, kann man auch nicht dahintersteigen.
Florian Freistetter Du hast keine Ahnung, normalerweise von wem du begutachtet wirst, aber du solltest auch keine Ahnung haben, wen du begutachtest.
Martin Puntigam Darum geht es. Ach so, so indirekt.
Florian Freistetter Das ist der Punkt, um den es geht. Also das wäre das, was notwendig wäre, dass auch die Leute, die die Gutachten machen, nicht wissen, welche Menschen das sind, die sie gerade beurachten. Und die sollen nur die Wissenschaft begutachten, wer das geschrieben hat, wer sie wurscht sind.
Martin Puntigam Das hört man manchmal von Lehrern, Lehrerinnen, die Schularbeiten korrigieren, dass sie die Arbeiten von den Schülern, Schülerinnen, die sie besonders genießen, auf die Seite legen und fürs Ende aufheben. Das sollten wir vermeiden.
Florian Freistetter Genau, das wäre der Idealfall. Aber wie gesagt, so ideal ist die Welt der Wissenschaft meistens leider nicht. Aber jetzt hat man halt sein wissenschaftliches Paper veröffentlicht. Der Prozess kann lange dauern. Also der längste Teil ist vermutlich die Forschung an dem, was man publiziert und das Verfassen des Fachartikels.
Florian Freistetter Das dauert wahrscheinlich am längsten, wenn ich es dann irgendwo hinschicke. Dann kann es aber auch lange dauern. Also es ist jetzt nicht so, dass ich habe was geschrieben, ich reiche es ein und dann eine Woche später kommt mein Gutachten. Das kann auch schon mal einen Monat dauern, das kann auch schon mal ein halbes Jahr dauern, bis die Leute, die die Gutachten schreiben, die auch machen.
Florian Freistetter Also kommt darauf an, wie viel Zeitlust die gerade haben, kommt darauf an, ob die Editoren schnell passende Leute finden oder ob die das erst 100 Leuten schicken müssen, bevor sie wen finden, weil kennt man ja, dann kriegt man eine E-Mail, da steht drin, hier, willst du das begutachten? Ich denke mir, ist jetzt nicht relevant, da antworte ich nächste Woche drauf und dann denke ich nicht dran und dann antworte ich erst in einem Monat drauf und dann kriegt in einem Monat erst die Zeitschrift die Nachricht, nein, der geht nicht als Gutachter.
Florian Freistetter Dann müssen wir jetzt die fragen und dann muss die wieder antworten. Also das kann dauern. Viele Zeitschriften haben glücklicherweise entsprechende Deadlines eingerichtet, wo dann halt gesagt wird, bis dahin bitte müsst ihr es machen, weil ansonsten macht es wer anderer. Aber wie gesagt, zu meiner Zeit, ich habe teilweise ein halbes Jahr, dreiviertel Jahr, ich glaube, das längste, was zwischen Einreichung und Publikation war, das war...
Florian Freistetter Glaube ich zwei Jahre, aber da lag es auch daran, dass wir zwischendurch das Journal gewechselt haben, weil bei dem einen Journal nur Trotteln waren, die nicht gecheckt haben, um was es geht.
Martin Puntigam Aber warum habt ihr es dann dort eingereicht? Weil du hast ja vorher erzählt, man prüft vorher, wo man es einreicht, wo es passen könnte und dann kommt man später darauf, dass es lauter Trotteln.
Florian Freistetter Naja, man kann sich halt irren, beziehungsweise wäre das schon das passende Journal gewesen, aber die haben offensichtlich dann da Editoren gehabt und Gutachtende gehabt, die halt keine Ahnung gehabt haben, beziehungsweise halt ja einen Blödsinn gemacht haben. Kann ja vorkommen, das muss ja nicht immer alles böse Absicht sein, kann ja auch einfach jemand, vielleicht haben die das das erste Mal gemacht dort und haben sich halt geirrt oder so.
Florian Freistetter Also ja, hat halt nicht gepasst und dann haben wir es halt zu einer anderen Zeitschrift nochmal neu eingereicht und da ist es dann entsprechend auch veröffentlicht worden. Also insofern kein Problem, hat nur lange gedauert und war auch jetzt nichts, was zeitkritisch gewesen wäre, aber wie gesagt, kann dauern.
Florian Freistetter Und wenn es dann aber halt mal angenommen ist, in der heutigen Zeit ist es dann auch sehr schnell online, beziehungsweise da sind wir dann jetzt bald schon beim nächsten relevanten Punkt, muss ich theoretisch auch nicht warten, bis mein Artikel, offiziell veröffentlicht ist, um ihn öffentlich zu machen.
Florian Freistetter Ich muss theoretisch nicht mal warten, bis er offiziell angenommen ist, um ihn öffentlich zu machen.
Martin Puntigam Aber warum macht man das jetzt? In der Pandemie hat man das kennengelernt, dass möglichst viele Leute sehr früh von Papers Kenntnis haben, weil halt so viel publiziert worden ist, damit die Forschung schneller weitergeht. Dann habe ich schon gehört, es kann sein, dass man eine Duftmarke hinterlässt, dass man der Erste oder die Erste ist.
Martin Puntigam Oder kann man das auch machen, wenn man sich denkt, Das ist sowieso eine brillante Arbeit, die wird irgendwann mal publiziert, das dauert halt, aber ich möchte inzwischen was anderes machen, dann publiziere ich das und hole mir die öffentliche Anerkennung ab und kann dann was anderes weiterarbeiten oder gibt es da ganz andere Gründe dafür?
Florian Freistetter Es sind alles relevante Gründe. Aber die Pandemie würde ich mal außen vor lassen, die war hoffentlich eine Ausnahmeerscheinung fürs Erste oder wird nicht der Normalzustand werden. Da ging es halt darum, dass man ein großes globales Problem hatte und alle so viel wie möglich wissen wollten. Und da kann man halt jetzt nicht den normalen wissenschaftlichen Publikationsprozess abwarten und dann erst lesen, was rausgefunden ist, wenn irgendwo die Fachzeitschrift in die Bibliothek geliefert wird und man sie aufschlickt und reinschaut.
Florian Freistetter Ja, so jetzt im ganz überzogenen Stil gesagt. Wir müssen einen Schritt zurückgehen, wenn wir das vernünftig klären wollen. Wir müssen uns überlegen, was das alles kostet, was wir bis jetzt gemacht haben. Wir haben geforscht, wir haben geschrieben, wir haben begutachtet, wir haben veröffentlicht. Und das alles ist ja keine Charity, das ist Wissenschaft.
Florian Freistetter Und das kostet alles was. Und das ist ein zentraler Punkt. Denn ich weiß nicht, wie unsere Hörerschaft das sieht. Die wird vermutlich wissenschaftsaffin sein und das mehr oder weniger wissen. Aber es ist mir durchaus oft passiert und auch vielen Bekannten ist es durchaus passiert, dass man gefragt wird, du hast ja jetzt in dieser Fachzeitschrift einen Artikel veröffentlicht, was kriegt man denn da so, wenn man was veröffentlicht?
Florian Freistetter Das ist eine nicht unplausible Frage, weil wenn man ein Buch veröffentlicht, so wie wir als Science Buster das immer wieder tun, auch gerade getan haben, aus die Wissenschaft am Ende, tolles Buch, kauft es. Weil wenn ihr das Buch kauft, dann kriegen wir was dafür. Dann werden wir dafür bezahlt, weil wir haben das Buch geschrieben und wenn es gekauft wird, dann bekommen wir ein Honorar.
Florian Freistetter Genauso, wenn ich einen Artikel in einer Zeitschrift veröffentliche, also jetzt nicht wissenschaftlichen Zeitschriften, jetzt im Standard oder in der Süddeutschen, Habe ich noch nie gemacht, weiß ich nicht. Aber auch da bekomme ich ein Honorar. Das ist ganz normal. Wenn ich einen wissenschaftlichen Fachartikel in einer wissenschaftlichen Fachzeitschaft veröffentliche, bekomme ich kein Honorar. Bekommt man nichts dafür.
Florian Freistetter Was eigentlich kein großes Problem ist. Da störe ich mich nicht dran, da stört sich auch sonst niemand dran, weil wenn man forscht, dann macht man das ja im Allgemeinen als jemand, der an einer Uni angestellt ist oder die für eine Forschungseinrichtung arbeitet. Also man hat einen Job, man wird dafür bezahlt und Teil des Jobs ist es zu forschen und Teil der Forschung ist es zu veröffentlichen.
Florian Freistetter Das heißt, es ist jetzt nicht außergewöhnlich, dass ich dann jetzt nicht auch noch obendrauf was kriege, weil ich meinen Job mache, weil ich kriege eh schon Geld für meinen Job. Es ist so wie in einer vergangenen Folge, wo du mit Peter geredet hast über Patente, die er während seiner Arbeit gemacht hat.
Florian Freistetter Da hat Peter, der Chemiker, etwas... Entdeckt, erfunden während seiner Forschungsarbeit und hat das patentieren lassen, aber er wird trotzdem nicht reich damit, weil diese Entdeckung ist im Rahmen seiner Arbeit für die Uni erfolgt und für die Arbeit an der Uni wird er eh bezahlt und da kriegt er jetzt nicht extra Geld, nur weil er was patentieren kann aus der Arbeit. Das ist noch ganz normal.
Florian Freistetter Und in der Wissenschaft, bei der Publikation ist auch normal, da kriegt man kein Geld dafür. Das wissen vielleicht viele, was weniger Leute wissen ist, die Leute, die die Gutachten machen, die werden auch nicht bezahlt, kriegt man auch nichts dafür. Also das Peer Review ist auch eine Leistung, die die Wissenschaft sich selbst erbringt.
Florian Freistetter Das sind auch keine speziellen Personen. Es gibt jetzt nicht irgendwie den Job, ich bin Gutachter, sondern alle, die irgendwo mal was publiziert haben und damit öffentlich kundgetan haben, ich kenne mich auf irgendeinem Gebiet aus, können theoretisch dann auch gebeten werden, ein Gutachten zu schreiben, nämlich wenn andere Leute auf demselben Gebiet was erforschen und dann man gefragt wird, ja, du kennst dich da doch aus, begutachte das bitte.
Florian Freistetter Also das passiert allen Leuten, die lange genug in der Wissenschaft sind und publizieren. Früher oder später wird man von irgendeiner Fachzeitschrift gefragt, ob man was begutachten kann. Und das macht man dann auch, weil man weiß, das System funktioniert nur so. Ich will, dass meine Fachartikel vernünftig, sorgfältig, seriös begutachtet werden.
Florian Freistetter Wenn ich gefragt werde, was zu begutachten, dann schaue ich auch, dass ich sorgfältig, vernünftig und seriös bin. Das macht man neben der eigenen Arbeit, aber wird auch nicht bezahlt. Die Leute, die die Editoren sind bei den Zeitschriften, die sind meistens... Oder zumindest sehr oft auch nicht extra angestellt oder bezahlt.
Florian Freistetter Das sind auch Leute aus der Wissenschaft, die halt dann gesagt haben, okay, wir machen jetzt hier unsere Himmelsmechanik-Zeitschrift und dann machen halt ein paar Leute von uns, die sie gut auskennen, die sind halt die Editoren und schicken das nicht. Also die werden auch nicht bezahlt. Man wird auch nicht mal bezahlt, zum Beispiel jetzt um so technische Sachen zu machen, wie den Fachartikel dann entsprechend zu setzen oder halt das Layout zu machen, alles anzupassen. Auch das macht man selber.
Florian Freistetter Wenn ich einen wissenschaftlichen Artikel abgebe, dann muss ich den vorher schon so abgeben, dass er genau in dem Format ist, den die Fachzeitschaft haben will. Ich muss den druckfertig abgeben.
Martin Puntigam Dann kann er brillant sein, wie er will. Wenn die den nicht in dem Layout kriegen, das sie gern haben wollen, dann schicken sie ihn schon zurück und sagen, ordentlich machen.
Florian Freistetter Im Prinzip ja. Also da muss ich mich vorher informieren, welche Stilvorgaben habe meine Fachzeitschrift und die muss ich erfüllen, sonst wird es nicht akzeptiert. Also auch da.
Martin Puntigam Das heißt, wenn du noch so brillant schreiben kannst, aber du hast es mit der Hand geschrieben, dann muss das vorher layoutiert werden, weil der Inhalt ist nebensächlich.
Florian Freistetter Das ist nicht nebensächlich, aber es ist halt ein Prozess, der halt immer weiter automatisiert wird. Ich muss das so einreichen, wie es ist. natürlich, wenn ich jetzt sage, ich habe die total tolle Entdeckung gemacht, ja, dann, kann ich, das kann man am Ende noch drüber reden, wenn ich jetzt irgendwie aus dem Nichts heraus der neue Einstein werden will und irgendwo hier alles widerlegt habe und damit bei den Wischzetteln irgendwo hinkomme, klar, das ist schon blöd.
Florian Freistetter Also wenn ich jetzt Teil der wissenschaftlichen Community bin und vielleicht bin ich jetzt irgendwie schon ein bisschen älterer Professor und bin nicht mehr so firm, was die. Elektronische Layout und Sachen angeht, ja, und ich habe aber trotzdem was absolut Geniales veröffentlicht, da wird sich irgendwer finden, der mit mir gemeinsam das macht oder der für mich das macht.
Florian Freistetter Also das ist jetzt nicht das Problem, aber man muss es halt machen. Und auf was ich hinaus will ist, dass auch das keine Leistung ist, die bezahlt wird. Wenn ich jetzt für eine andere normale Zeitschrift was schreibe, dann schicke ich denen mein Manuskript und der Verlag kümmert sich darum, dass das Manuskript dann am Ende so ausschauen soll. Das ist eine Dienstleistung vom Verlag.
Florian Freistetter In dem Fall bei den wissenschaftlichen Verlagen gibt es diese Dienstleistung nicht. Also die einzigen Leute, die wirklich bei so Verlagen arbeiten, das sind dann halt so bürokratisches Personal, die sich um die Abläufe kümmern. Es muss Leute geben, die halt die Homepage entsprechend betreuen und aufsetzen, wo man sich die Papers anschauen kann, Datenbanken.
Florian Freistetter Das muss dann irgendwie an die Bibliotheken verteilt werden. Aber alle die, die den Content produzieren, also die wissenschaftlichen Fachartikel, Die machen das alle, ohne dass sie dafür bezahlt werden. Also der Content wird kostenlos produziert aus Sicht des Verlags. Zahlen tut ja die Öffentlichkeit dadurch, dass sie an der Uni angestellt werden.
Florian Freistetter Aber aus Sicht des Verlags wird der Content kostenlos produziert. Die Qualitätssicherung erfolgt kostenlos durch die Gutachten, die das kostenlos machen. Ein Teil der technischen Arbeit, des Layouts und so weiter erfolgt kostenlos. Das heißt, das ist alles etwas, wofür der Verlag kein Geld ausgeben muss.
Florian Freistetter Aber der Verlag kann natürlich und macht es auch Geld verlangen, dass man es dann lesen kann.
Martin Puntigam Gar nicht wenig. Also manche Artikel, wenn man die online lesen möchte, die sind ja so teuer, dass sich der kurze Blick hinein überhaupt nicht lohnt, weil man vielleicht nur kurz was nachschauen möchte.
Florian Freistetter Ja, weil diese wissenschaftlichen Fachzeitschriften natürlich erstens ein sehr, sehr viel geringeres Publikum haben als normale Zeitschrift. Also eine wissenschaftliche Fachzeitschrift kaufen deutlich weniger Leute als, weiß ich nicht, irgendwie ein Automagazin oder sowas. Also da gibt es eine sehr viel kleinere Zielgruppe und vor allem es gibt eine Zielgruppe, die angewiesen ist, das zu lesen.
Florian Freistetter Die Wissenschaft muss das lesen, was drinsteht, weil ich muss ja wissen, wenn ich was Neues erforsche, was wurde schon gemacht. Ich muss diese Zeitschriften lesen. Ich kann jetzt aber natürlich nicht als Privatperson rumlaufen und aus meiner eigenen Tasche das zahlen. Das heißt, ich bin darauf angewiesen, dass meine Institution, meine Uni, meine Forschungseinrichtung, die entsprechende Bibliothek diese Zeitschriften abonniert und mir zur Verfügung stellt.
Florian Freistetter Das heißt, die Verlage wissen ganz genau, sie haben eine fixe Kundschaft, die muss das bezahlen, deswegen können die dann auch sehr, sehr hohe Beträge verlangen. Also ich weiß jetzt gar nicht, was so ein Abo für eine Bibliothek kostet von so einer klassischen Fachzeitschrift. Die gibt es auch meistens nicht einzeln. Ich kann auch nicht sagen, ich möchte jetzt gerade die Zeitschrift haben, sondern dann sagt der Verlag, ja, du kannst eh die haben, aber das gibt es nur im Bundle mit 500 anderen Zeitschriften.
Florian Freistetter Da muss ich halt das ganze Bundle kaufen und da geht sehr viel Geld drauf. Also das geht dann... Es ist jetzt nicht so, wie wenn ich mir ein, keine Ahnung, ein Abo von der Tageszeitung hole, was dann vielleicht ein paar hundert Euro im Jahr kostet. Da sind wir eher bei der Fachzeitschrift im fünf- oder sechsstelligen Bereich pro Jahr, was die zahlen.
Florian Freistetter Und ja, wenn ich jetzt ein bisschen polemisch formuliere, die Verlage kriegen das, ohne dass sie eine großartige Gegenleistung dafür bringen. Das ist schon was, was die Verlage machen an Arbeit, aber die relevante Arbeit, die erfolgt kostenlos. Das heißt, das ist ein sehr, sehr lukratives Modell, wissenschaftlicher Fachverlag zu sein.
Florian Freistetter Und das ist aber halt dann ein Problem, weil, wie du gerade gesagt hast, wenn man das gern sich anschauen möchte und jetzt so vielleicht wie du nicht Teil einer wissenschaftlichen Einrichtung bist, dann hast du ein Problem, da dran zu kommen. Du könntest dir für, keine Ahnung, 50 Euro, 100 Euro oder je nachdem, was die verlangen da oft, für einen Artikel, einen Artikel, nicht eine Ausgabe oder sowas, sondern einen Artikel, kannst zahlen, klar. aber wenn du jetzt mehr lesen willst...
Florian Freistetter Dann wird es schnell teuer. Das Geld hat man nicht. Das heißt, du kriegst Schwierigkeiten, du kannst natürlich, du kannst irgendwie schauen, du könntest in die nächste Uni-Bibliothek fahren oder Institutsbibliothek und schauen, ob du es da irgendwo bekommst. Vielleicht liegt es da irgendwo als Print rum, beziehungsweise vielleicht gibt es einen Computer, wo du darauf zugreifen kannst.
Florian Freistetter Die Möglichkeit gibt es schon auch, aber ist auch ein Aufwand, weil wenn ich jetzt nicht gerade da wohne, wo eine Uni ist, dann muss ich da vielleicht mit dem Auto hinfahren oder mit dem Zug hinfahren oder was weiß ich. Auch das ist nicht trivial, aber aus Wissenschaftskommunikation Aus wissenschaftspolitischer Sicht wäre es natürlich sehr, sehr gut, wenn das, was aus Steuergeldern finanziert wurde, die Forschung, dann auch von denen, die die Steuergelder zahlen, jederzeit einsehbar wäre.
Florian Freistetter Das müssen nicht alle einsehen. Wir haben am Anfang darüber gesprochen, dass man meistens eh nichts damit anfangen kann mit den Fachartikeln. Aber prinzipiell wäre diese Art der Transparenz gut für das wissenschaftspolitische Klima.
Martin Puntigam Aber das interessiert niemanden und die Verlage schon gar nicht? Oder warum ist es nicht so?
Florian Freistetter Es interessiert sehr viele Menschen. Also das ist ein Thema, wo in der Wissenschaft und in der Wissenschaftspolitik sehr, sehr, sehr viel diskutiert wird. Das ist etwas, was wirklich sehr, sehr viele Menschen beschäftigt, aber es ist schwierig, das zu lösen. Man kann die Absurdität der Situation vielleicht so zusammenfassen.
Florian Freistetter Wenn ich irgendwo ein Forschungsergebnis habe, wenn ich einen Forschungsartikel habe, dann ist der im schlimmsten Fall dreimal bezahlt worden. Denn zuerst sind mal die Forschenden bezahlt worden, um die Forschung zu machen über ihr Gehalt von der Uni, was in den meisten Fällen Steuergelder sind. Und als nächstes kann es sein, dass du als Forscher, wenn du was veröffentlichen willst, dass du vielleicht dafür auch noch zahlen musst.
Florian Freistetter Ich habe gesagt, man bekommt kein Honorar für die Veröffentlichung. In den meisten Fällen ist es aber auch kostenlos für mich zu veröffentlichen. Aber es gibt durchaus Zeitschriften, wo eine Page Charge verlangt wird, wo gesagt wird, okay, bei uns kostet es x Euro, wenn du eine Seite publizieren willst.
Florian Freistetter Und das zahlen die WissenschaftlerInnen natürlich auch nicht aus ihrem eigenen Geld, sondern auch das kommt dann aus dem Unibudget raus. Und dann ist es quasi das zweite Mal bezahlt worden. Und dann, wenn ich es lesen will... Zahlt die Uni und damit die Öffentlichkeit ein drittes Mal dafür, dass das Ganze dann in der Bibliothek stehen kann.
Florian Freistetter Das heißt, in der Forschungsarbeit ist quasi dreimal aus Steuergeld bezahlt worden, im schlimmsten Fall, damit die Öffentlichkeit, die die Forschung aber eh schon bezahlt hat beim ersten Mal, lesen kann. Und das ist etwas, was nicht nur absurd ist, sondern vielen Menschen auch absurd vorkommt. Und deswegen gibt es da halt sehr, sehr viele Ideen und Gedanken, um das zu ändern.
Florian Freistetter Und einer, den wir am Beginn dieses Abschnitts angesprochen haben, ist, dass ich als Forschende einfach sage, okay, ist mir wurscht, dann soll das alles so sein, aber ich veröffentliche mein Paper halt einfach trotzdem so. Das Recht habe ich meistens. Also ich gebe nicht immer alle Rechte ab, sondern ich kann tatsächlich meine Forschungsarbeit selbst auch nochmal zum Beispiel auf meine Homepage stellen.
Florian Freistetter Kann ich machen. Amten zuwege gesagt von den Fachverlagen, ja, aber da musst du das Layout verändern oder sonst was. Ja, kann man alles machen, das ist wurscht. Aber ich kann das bei mir auf die Homepage stellen. Es gibt auch spezielle Datenbanken. Preprint Server heißen die. Archive ist da bekannt, das ist in der Naturwissenschaft.
Florian Freistetter Da wird das Ganze organisiert gemacht. Da kann ich die wirklich hochladen. Das nutzen viele eben einerseits, um ihre Forschungsarbeit dann öffentlich zu machen, auch für die, die kein Abo haben der Fachzeitschrift. Das nutzen aber viele auch, um eben ihre Arbeiten schon vorab zu veröffentlichen. Das kann man auch machen.
Florian Freistetter Ich kann sagen, okay, hier ist diese Arbeit, die habe ich geschrieben. Ich habe sie eingereicht bei der Fachzeitschrift, aber die ist noch nicht begutachtet. Ich möchte aber trotzdem gerne, dass ihr wisst, was ich gemacht habe, weil vielleicht interessiert es euch. Und das wissen dann alle, okay, der hat das schon gemacht. Ich kann dann, wenn es was Relevantes ist, dann kann mir kein anderer mehr den Huben wegnehmen, das als erstes gemacht zu haben und so weiter. Also das kann man auch aus den Gründen machen.
Florian Freistetter Früher war es auch so, dass es halt wirklich lang gedauert hat, oft zwischendurch. Akzeptanz eines Artikels und der Veröffentlichung. Und dann habe ich gesagt, okay, jetzt schmeiße ich das, der ist schon akzeptiert, das Paper, das ist schon reviewed, das ist alles super, aber bis ihr es lesen könnt, offiziell dauert es noch, aber hier habt ihr es jetzt schon vereinfacht gesagt.
Florian Freistetter Also das kann man machen. Da gibt es unterschiedliche Datenbanken, wo man das hochladen kann. Ich kann das Ding einfach in Social Media stellen. Ich kann halt da das veröffentlichen, wie ich will. Dann ist es öffentlich zugänglich für alle, die wollen. Das nennt sich der grüne Weg des Open Access. Wenn wir es jetzt mal offiziell Weil dieser ganze Problemkomplex des freien Zugangs zu wissenschaftlicher Literatur, das ist unter dem Schlagwort Open Access bekannt.
Florian Freistetter Da geht es halt genau darum, wie kriegen wir es hin, dass möglichst viele Menschen einen möglichst freien Zugang zu wissenschaftlichen Daten und wissenschaftlicher Literatur haben. Und ein Weg, das zu erreichen, das war eben das, was ich gerade gesagt habe, wenn ich meine Sachen eigenständig parallel veröffentliche.
Florian Freistetter Das nennt sich grüner Weg. Aber der grüne Weg ist gut, funktioniert gut. Ich habe viel von meinem Zeug auf Archive parallel veröffentlicht. Aber es gäbe noch einen besseren Weg und das ist der, oder ich weiß nicht, ob er besser ist, aber zumindest einen, der ein bisschen organisierter ist, sagen wir es so.
Florian Freistetter Weil da kann man sagen, okay, ich habe jetzt keinen Bock, dass ich das irgendwo hochlage, dann habe ich es halt nicht hochgeladen. Dann hat keiner was davon, der kein Abo hat. Aber es gibt noch was anderes und das ist der goldene Weg.
Martin Puntigam Aha.
Florian Freistetter Ja. Ja. Ich weiß jetzt nicht, wo die Bezeichnungen herkommen, aber das hat sich so etabliert, goldener Weg und grüner Weg. Und der goldene Weg des Open Access, da geht es wirklich an die Struktur des Publikationswesens selbst. Da habe ich alles, so wie ich es bis jetzt erzählt habe, ich schreibe meine Forschungsarbeit, ich mache das Paper fertig und ich reiche es ein, aber ich reiche es dann bei einem Verlag ein, bei einer Zeitschrift ein, die explizit eine Open Access Zeitschrift ist, die auch alles genauso macht, wie ich erzählt habe. Und da gibt es natürlich auch Gutachten.
Florian Freistetter Das läuft alles im Idealfall. Wir kommen dann am Ende vielleicht auf die Nicht-Idealfälle zu sprechen. Aber im Idealfall läuft das alles exakt so, wie ich es gerade gesagt habe. Der einzige Unterschied ist, ich muss, wenn ich das veröffentliche, dem Open Access Journal Geld zahlen. Und zwar nicht wenig Geld, also deutlich höhere Summe als diese Page Charges.
Florian Freistetter Ich zahle denen einen Betrag. Dafür macht das Journal, macht die Zeitschrift meine Arbeit, aber auch allen ohne Einschränkungen zugänglich. Das heißt, diese Open Access Zeitschriften, die gibt es und die kann ich dann im Internet lesen, wie ich will. Das ist alles frei verfügbar. Ich muss mich nicht einloggen. Ich muss nichts registrieren. Ich muss nichts zahlen.
Florian Freistetter Alles, was in Open Access Zeitschriften erscheint, ist für alle frei verfügbar. Aber irgendwie muss das alles bezahlt werden. Das heißt, dafür muss ich vorab zahlen und das muss dann eben auch aus den Forschungsbudgets entsprechend bezahlt werden, womit wir wieder bei der Wissenschaftspolitik sind. Weil wenn wir Open Access machen wollen...
Florian Freistetter Als Wissenschaft und die meiste Wissenschaft will das, dann muss das auch entsprechend finanziert werden, weil dann verdienen halt die Verlage nichts mehr daran, dass sie die Einnahmen haben von denen, die die Zeitschriften kaufen, aber dann muss halt der Verlag vereinfacht gesagt irgendwo anders was verdienen und das ist halt dann die Gebühren, die dann halt die öffentliche Hand übernimmt, die macht dann, vereinfacht gesagt, die kauft die Artikel für die Öffentlichkeit, wenn man es so zusammenfassen will.
Florian Freistetter Also beim goldenen Weg zahlt die Öffentlichkeit, zahlt die Uni, zahlt die, Forschungsministerium, was auch immer, zahlt dafür, dass alle anderen das lesen können.
Martin Puntigam Gibt es eigentlich Verlage, die beides machen?
Florian Freistetter Ja, natürlich, selbstverständlich, gibt es auch.
Martin Puntigam Weil die hätten ja das Know-how und in der Energiewirtschaft ist es ja oft so, dass Innovationen am BV-Markt zum Beispiel, wir haben kleine Firmen angefangen und die sind dann behindert worden und irgendwann einmal war es aber so dringend, dass große Firmen da mit eingestiegen sind und dann das Geschäft als Platz hier weiter betrieben haben. Ist das in der Wissenschaftspublikation ähnlich?
Florian Freistetter Ja, natürlich. Es gibt natürlich auch Verlage, die sowohl Open Access Zeitschriften anbieten, als auch andere Zeitschriften anbieten. Also das gibt es alles natürlich. Und ich fände es jetzt gar nicht so schlecht, weil wenn man jetzt, da zahlen wir zumindest dann nur zweimal und nicht dreimal dafür. Beziehungsweise kann man ja das dann auch in die entsprechenden Forschungsbudgets einplanen.
Florian Freistetter Und es gibt auch entsprechende Initiativen oder auch entsprechende Gesetzesumsetzungen, dass Länder gesagt haben, okay, wenn wir eure Forschung öffentlich fördern, also die klassischen Förderanträge, Forschungsanträge, die man schreibt, wenn ihr Geld von uns bekommt, wenn die Forschung öffentlich gefördert wird, dann muss sie auch öffentlich verfügbar sein.
Florian Freistetter Das heißt, dann dürft ihr alles, was ihr mit diesen Fördermitteln erforscht, ausschließlich in Open Access Zeitschriften veröffentlichen. Das heißt, da ist es von Anfang an bei der Vergabe der Fördermittel schon mit eingepreist, dass es am Ende Open Access veröffentlicht werden muss. Also sowas gibt es, aber hat sich eben, wie gesagt, noch nicht so durchgesetzt, weil in der Wissenschaft dieselben Beharrungskräfte herrschen, die auch anderswo sind, weil sich immer noch dieser Mythos hält, ja, ich muss das aber in Nature veröffentlichen, weil nur dann ist es wirklich cool.
Florian Freistetter Und wenn ich es nicht in Nature veröffentliche, und Nature ist kein Open Access Journal, wenn ich es da nicht veröffentliche, dann gilt es quasi nicht und Open Access, da kommt doch immer wieder der, Scheinvorwand, naja, aber wenn das Open Access ist, dann wird es ja nicht gescheit begutachtet. Aber das ist halt Quatsch, weil ob was gescheit begutachtet wird oder nicht, hängt davon ab, ob was gescheit begutachtet wird.
Florian Freistetter Nicht davon, wer dafür zahlt, wer das Heft dann am Ende lesen darf. Aber was es natürlich gibt und das ist die Kehrseite, sind natürlich Journale, die das Geschäftsmittel ausnutzen. Das hat man in der normalen Verlagseld auch gesehen. Ich kann ja auch, wenn ich ein Buch schreibe, nicht darauf warten, dass irgendwo ein Verlag mein Buch entdeckt und sagt, boah, das ist aber super, hier hast du 100.000 Euro Vorschuss und jetzt drucken wir das.
Florian Freistetter Das passiert selten, aber das ist so das, was man sich denkt, was passiert, wenn man Bücher veröffentlicht. Aber ich kann auch, wenn das nicht passiert, zu einem anderen Verlag gehen, der sagt nicht, hier hast du 100.000 Euro, der sagt zu mir, na, gib mir 1.000 Euro, dann drucke ich das für dich. Also da zahle ich halt dafür, dass es gedruckt wird und dann wird es gedruckt.
Florian Freistetter Und das Geschäftsmodell dieser Verlage ist halt nicht möglichst viele Bücher zu verkaufen, sondern das Geschäftsmodell dieser Verlage ist, möglichst viele Menschen zu finden, die mir Geld geben, dass ich ihre Bücher druck. Was ich dann meistens eh nicht machen muss, weil das meistens nicht unbedingt immer die besten Bücher sind, die eh keiner kaufen will, dann brauche ich nicht so viele Drucken.
Florian Freistetter Also diese Zuschussverlage, wie die heißen, gibt es auch, aber das gibt es eben auch in der Wissenschaftswelt. Da haben sich halt ganz viele Journals gegründet, die gesagt haben, ja, ist doch super. Ich sage denen, wir sind ein Journal und die zahlen uns was, dass wir es veröffentlichen und wir veröffentlichen sie dann.
Florian Freistetter Also die behaupten, sie machen Peer Review, aber in Wahrheit machen es gar keinen. Und da kann man halt einfach alles veröffentlichen, was man gerne veröffentlicht sehen will. Also da kann ich wirklich, auch wenn es überall anders abgelehnt worden ist, schicke ich es in so ein Journal hin. Ich zahle denen Geld und schon ist es veröffentlicht.
Florian Freistetter Die sagen, es wird reviewt, aber sie tun es halt einfach nicht. Und das haben auch ganz viele Leute schon schöne Geschichten ausprobiert, haben die ärgsten, bescheuertsten, blödesten Sachen dahin geschickt. Also von Leuten, deren Name Dr. B. Drüger war zum Beispiel. Also das muss mir, wenn ich einen Blick drauf werfe als Editor, muss mir das auffallen, okay, das ist, der heißt wirklich irgendwie, keine Ahnung, Benjamin Drüger kann ja sein.
Florian Freistetter Dann wäre das halt unangenehm als Wissenschaftler. Aber ja, da würde ich jetzt mal genauer hinschauen. Beziehungsweise ich glaube, wir haben das auch in anderen Sprachen gemacht oder haben halt dann Artikel schreiben lassen von damals noch sehr, sehr schlechten KIs, die es gar nicht gab, so schlechten Sprachmodellen, die halt einfach nur Quatsch geschrieben haben oder einfach nur hundertmal den Satz geschrieben, den selben Satz geschrieben und ist alles durchgegangen, ist alles als wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht worden, weil sich halt keiner anschaut.
Florian Freistetter Das geht halt einfach, du zahlst und es wird gedruckt, fertig. Und wenn man in der Wissenschaft arbeitet oder eine E-Mail-Adresse besitzt, die nach einer wissenschaftlichen Institution klingt oder eine E-Mail-Adresse von einer Institution ist, dann kriegt man auch ständig diese E-Mails. Ständig kriegst du E-Mails, wo drinsteht, nicht das Übliche hier, wie du deinen Penis vergrößern kannst oder was auch immer, sondern da steht drin, sie sind eingeladen im Journal für dieses und jenes zu veröffentlichen.
Martin Puntigam Das kriege ich sogar ich.
Florian Freistetter Ja, du bist halt auch schon mittlerweile in den diversen Mail-Listen gelandet. Und das sind aber halt diese Predatory Journals. Du kannst da was hinschicken. Also wenn du gerne was publizieren willst, Martin, schreib irgendwas und schick es da hin. musst halt zahlen, aber dann ist es eine Arbeit. Wird in der Wissenschaft niemanden beeindrucken, weil man weiß um das Phänomen.
Florian Freistetter Es gibt Listen, wo man nachschauen kann, ob die Zeitschrift so ein betrügerischer Journal ist oder nicht. Aber viele fallen halt unter Anführungszeichen trotzdem drauf rein, weil. Bei den vielen Zeitschriften, die es gibt, ist es oft schwer, jetzt auf die schnell herauszufinden, ist das eine seriöse, ist das keine seriöse, die heißen oft auf gleich und so weiter und dann hat man irgendwas hingeschickt und glaubt, das ist ein seriöses Open Access Journal, ich zahle da Geld hin und dann wird es veröffentlicht und dann hat man es veröffentlicht, klar, weil alles durchgeht und dann irgendwann kommt plötzlich einer und sagt, was hast du da auf der Literaturliste stehen, das ist doch hier ein betrügerisches Journal und dann ist die Reputation dahin.
Florian Freistetter Also das kann aus Versehen passieren. Kann auch passieren, dass ich halt dann, wenn ich was schreibe, was schwer zu publizieren ist, aus welchen Gründen auch immer, muss nicht immer nur deswegen schwer zu publizieren sein, weil es ein Blödsinn ist. Kann auch andere Gründe geben. Und dann habe ich schon dreimal irgendwo eine Ablehnung bekommen.
Florian Freistetter Dann schicke ich es halt ans vierte Journal hin. Und das ist dann vielleicht auch so eins. Also das kann einem auch passieren, dass man sowas veröffentlicht. Aber ganz oft wird es halt ausgenutzt von Leuten, die halt tatsächlich sonst nirgends veröffentlichen können, weil da bin ich am Blödsinn machen, nämlich Pseudowissenschaft oder sonstige mitrührische Wissenschaft, da kann man dann halt sagen, ja, hier ist veröffentlicht und kann das dann auf meine Homepage stellen, wo ich meinen Esoterik-Schlangenöl-Blödsinn verkaufe und sage, ja, hier wissenschaftlich belegt und wenn ich keine Ahnung von all dem habe, was ich jetzt gerade alles erzählt habe, über das Publikationswesen, dann bin ich vielleicht beeindruckend und denke mir, naja, schau,
Florian Freistetter ist sie, wissenschaftlich publiziert, muss sie passen.
Martin Puntigam Also das kann ich so machen, kann ich ganz viele Journalen, bei ganz vielen dieser Journale, verschiedenen Zeitungen, kann ich, Artikel einreichen und mir immer selber zitieren und dann kann ich danach sagen, ich bin der in der Wissenschaftswelt meist zitierte Kabarettist.
Florian Freistetter Kannst eh sagen und in der Kabarettszene werden sie vielleicht auch beeindruckt sein, aber in der Wissenschaftszene, da ist niemand beeindruckt davon, weil die wissen alle, wie das funktioniert. Und kosten tut es dich halt einiges. Aber wie gesagt, da… Aber.
Martin Puntigam Was ist die Größenordnung? Was muss man da zahlen, um in einem dieser unseriösen Journale einen Artikel unterzubringen?
Florian Freistetter Kann ich da tatsächlich nicht sagen, weil ich habe das noch nicht gemacht, aber ich schaue gerade hier, es wird wahrscheinlich jetzt nicht wahnsinnig unterschiedlich sein von dem, was sonst üblich ist und sonst in den seriösen Journalen, naja, da sind es halt so in der Größenordnung von ein paar hundert bis ein paar tausend, sagen wir mal, so Größenordnungsmäßig.
Florian Freistetter Und wenn die Predatory Journals jetzt nicht komplett auffällig sein wollen, dann werden es wahrscheinlich sowas ähnliches sein. Aber du kannst ja wirklich alles hinschicken. Also du kannst auch probieren, diese E-Mails nicht mehr zu bekommen, weil die können sie wirklich überhand nehmen. Bei mir ist es ein bisschen weniger geworden, seit ich nicht mehr in der Wissenschaft aktiv tätig bin.
Florian Freistetter Aber früher waren das sehr, sehr viele. und da gibt es einen Fall, ich weiß gerade den Namen nicht mehr, aber da hat einer einen Artikel geschrieben, der ausschließlich aus dem Satz take me off your fucking mailing list besteht, als Titel, als Autor, als Zusammenfassung, es war nur ein kompletter Artikel in dem Format, in der Struktur, wie ein Artikel ist, aber ausschließlich dieser Satz hat er da hingeschickt, und es ist akzeptiert worden.
Florian Freistetter Also er hat dann nicht bezahlt am Ende, aber er ist akzeptiert worden in dem Journal.
Martin Puntigam Ja, ich bin der Beeindruck, der Peter Parker, also Also der Spider-Mind schreibt mir ab und zu, wenn er etwas publizieren möchte.
Florian Freistetter Ja, ja, dann frage ihn halt mal. Aber man kann das schon machen, aber wie gesagt, in der Wissenschaft kann es da eigentlich niemanden damit beeindrucken, weil ich weiß jetzt in meiner Disziplin, was sind die seriösen Journale, was sind andere Journale, beziehungsweise wenn ich jetzt irgendwas sehe, das ist publiziert worden, in einem Journal von dem habe ich noch nie was gehört und dann schaue ich mir das an und man erkennt die relativ schnell.
Florian Freistetter Wenn man sich anschaut, wenn man mit aufmerksamen Blick hinschaut, sieht man sehr, sehr schnell, ob das jetzt der Blödsinn ist oder nicht.
Martin Puntigam Aber für Öffentlichkeitsarbeit, wenn du ein Buch verkaufen möchtest, wenn du im Workshop Seminare verkaufen möchtest und im Frühstücksfernsehen herumsitzen möchtest und da sage ich, ich habe so und so viel publiziert, dafür kannst du eigentlich schon reichen als Verkaufshilfe.
Florian Freistetter Kommt, wie gesagt, darauf an. Je nachdem, welche Zielgruppe du ansprechen willst, wenn du jetzt nicht gerade die Wissenschaft selbst ansprichst, also da kannst du dann vermutlich schon in einer wissenschaftsferneren Zielgruppe, kannst du damit wahrscheinlich durchaus Eindruck schinden. Also das sieht man auch immer wieder in den sozialen Medien und so weiter, weil die sagen, ja, hier, da, hier habe ich endlich was veröffentlicht und so.
Florian Freistetter Und ich sehe das halt und denke mir, ja, du hast was veröffentlicht, aber ja, das bringt halt nichts. Also zumindest wird es die Wissenschaft nicht beeindrucken, wo du es veröffentlicht hast. Das ist ja in der Welt der Kultur genauso. Also es gibt auch ganz viele Leute, die halt wirklich im Eigenverlag ihre Sachen veröffentlichen, ihre Bücher veröffentlichen, ihre Romane veröffentlichen, weil sie halt wirklich sehr, sehr gerne was veröffentlicht haben wollen.
Florian Freistetter Das kann durchaus vernünftig sein. Ich habe sehr, sehr gute Bücher gelesen, die im Eigenverlag veröffentlicht worden sind, aber die Mehrheit ist halt doch eher Blödsinn und eher Schund und eher Quatsch und eher schlecht gemacht, weil... Ja, das halt nicht das Geschäftsmodell ist, dieser Verlage, die das entsprechend veröffentlichen.
Martin Puntigam Genau, wenn der ganz hervorragende Bücher schreibt, aber halt so unprominent ist, dass es mittlerweile schwierig ist, das Manuskript irgendwo unterzubringen.
Florian Freistetter Ehe, genau. Und wenn das so ist, dann kann man das im Eigenverlag machen oder halt auch in einem Zuschussverlag machen, dann wird das auch entsprechend veröffentlicht. Aber wie gesagt, ganz oft ist es halt wirklich schon, aber man kann halt dann trotzdem durch die einschlägigen, keine Ahnung, Talkshows, Fernseh-, Radiosendungen, Medien gehen und sagen, da hier habe ich gerade mein zehntes Buch veröffentlicht.
Florian Freistetter Und dann wird man halt entsprechend beeindruckt sein, dass man da zehn Bücher veröffentlicht hat und sich nicht sehr darum kümmern, ob das jetzt das zehnte Buch im Zuschussverlag ist oder halt woanders.
Martin Puntigam Jedes Exemplar kann man neu auflageren, dann ist man in der zehnten Auflage, bevor man in einer Talkshow herum sitzt.
Florian Freistetter Kann man alles machen, klar, wenn man möchte, kann man das so machen. Also dieses Phänomen gibt es eben anderswo schon länger und in der Wissenschaft halt auch. Aber eigentlich ist es halt nur ein Auswuchs, ein unangenehmer Auswuchs aus dem durchaus sinnvollen Bemühen, den Zugang zur wissenschaftlichen Literatur frei zu machen.
Florian Freistetter Und damit das funktioniert, muss man halt das so machen, oder zumindest wüsste ich jetzt keinen anderen Weg, muss man es so machen, dass du halt bezahlst fürs Publizieren. Also ich bezahle, damit es nachher nicht bezahlt werden muss. Wenn ich das nicht will, dann muss ich halt nachher bezahlen, um das zu lesen.
Florian Freistetter Und wenn ich aber vorher bezahlen muss, dann lädt das natürlich ein, zu betrügen, weil dann wissen die, wir müssen uns nicht darum kümmern, dass das gelesen wird, wir müssen uns nur darum kümmern, dass uns wer was bezahlt. Und den ganzen Rest, wie dieses ganze Begutachten, lassen wir halt weg. Also es war fast zu erwarten, dass sowas passiert, wenn man diese Open Access Journals startet und so ist es dann auch passiert, aber trotzdem, es ist.
Florian Freistetter Das andere Modell hat eigentlich keine Zukunft mehr. Die Zukunft muss über Open Access laufen, weil diese Verlage, die sich da jetzt wieder polemisch gesagt ihr eigenes Geld drucken können, das kann langfristig oder noch länger dauern. Eigentlich nicht funktionieren. Also irgendwann muss auch die Wissenschaft da diesen Teufelskreis durchbrechen und sich da vernünftig aufstellen.
Florian Freistetter Und wenn es die Wissenschaft selbst nicht schafft, dann muss das halt von oben kommen. Dann muss die Forschungsförderung oder die Forschungspolitik sagen, ja, eh, könnt ihr das machen, aber wenn es euer Geld von uns kriegt, dann müsst ihr da publizieren. Fertig. Und dann werden natürlich auch Verlage wie Nature oder Science entsprechend reagieren müssen drauf.
Florian Freistetter Also die werden ihren Status auch nicht verlieren wollen. Also es wird sich ändern, aber es muss halt eine Änderung sein, die von irgendwo angestoßen wird. Und die Wissenschaft ist, glaube ich, zu sehr in ihrem Publikationsteufelskreis gefangen, weil ich kann auch nicht so einfach aussteigen. Zumindest nicht, wenn ich eine Karriere in der Wissenschaft haben will.
Florian Freistetter Ich kann nicht sagen, okay, mir ist es jetzt wurscht, ich publiziere nichts in Nature, ich publiziere nichts in Science, ich schicke alles zu den seriösen Open-Exer-Journalen, weil wenn mir das dann für meine Reputation nichts bringt, weil es immer noch auf die Depart der Reputation drauf ankommt und auf den Impact-Factor des Journals und so weiter, dass ich Karriere mache, was in der Wissenschaft dann immer noch so oft ist, dann bin ich quasi gezwungen, bei dem blöden Spiel mitzumachen und halt nur in Nature und Science den anderen zu veröffentlichen und dann will ich zwar eh, dass es anders wird, aber kann es nicht. Also es ist ein bisschen wie eine Sucht fast.
Martin Puntigam Oder wie, wenn man am Land lebt und die Kinder müssen zur Erstkommunion gehen, damit sie dazugehören, obwohl man eigentlich schon längst austreten wollen würde, aber aus sozialem Zwang ist es ungünstig, das zu machen.
Florian Freistetter So ungefähr ist das, aber irgendwann wird sich was ändern in der Wissenschaft und dann, ja, man könnte noch viel, viel mehr über das Publikationswesen reden, auch über die Begutachtung, die könnte man auch anders organisieren, das kann auch, es sollte zum Beispiel auch Standard sein, dass die Gutachten mit den Fachartikeln veröffentlicht werden, weil es ist ja durchaus interessant herauszufinden, okay, was haben die Leute, die die Gutachten gemacht haben, was haben die da eigentlich gesagt, weil dann lese ich den Artikel und dann lese ich, okay, die haben das und das angemerkt, die haben das und das kritisiert und die Ist es wirklich in der Arbeit dann korrigiert worden? Weil je mehr Augen hinschauen,
Florian Freistetter desto besser ist es eigentlich in der Wissenschaft. Also es wäre eigentlich wünschenswert, dass zu jedem Fachartikel die entsprechenden Gutachten mitpubliziert werden. Passiert ab und zu, gibt es schon alle, die machen das. Und wäre noch schöner, wenn dann auch die Namen alle dabei stehen werden. Kann ich wieder eine neue Reputation daraus ziehen. Ja, weil wenn ich mich quasi als guter Gutachter etabliere, dann ist das ja auch was, wo man sagen kann, okay, das könnte mir auch helfen für die Karriere. Wenn es nicht nur heißt, der kann nicht nur gut sein.
Florian Freistetter Veröffentlichen und forschen, der ist auch gut, um Dinge zu begutachten. Es wäre auch was theoretisch, was man sagen könnte, okay, weil dann, wenn das so wäre, dann bin ich gleich viel, viel engagierter beim Begutachten dabei und mache das nicht irgendwie so nebenbei, wenn ich gerade irgendwie müde bin oder sonst was. Also das wäre auch dann da wieder gut.
Florian Freistetter Man kann das ganze Prozess, man könnte das überhaupt komplett, wenn man jetzt so in die ganz anarchistische Richtung denken will, man könnte das überhaupt komplett unabhängig von Verlagen organisieren. Ich kann einfach sagen, okay, ich veröffentliche mein Zeug, ich stelle das ins Internet und dann sollen die anderen runterschreiben, was sie davon halten.
Florian Freistetter Nur halt nicht jetzt in der chaotischen Social-Media-Version, sondern schon ein bisschen moderiert, wo halt dann nur die Leute sich beteiligen, die auch Ahnung haben von dem jeweiligen Thema.
Martin Puntigam Aber wie kann man das in der Welt von Sprachmodellen, von KI-Software, wie kann man das begrenzen? Da kann man ja ganz schnell was programmieren, wenn man sie auskennt zu tun, als wären wir Fachkraft, was diese Sprachmodelle, weil sie ja das ganze Internet befladert haben, auch oft sehen, wie kann man denn da, sicher sein, dass da echte Menschen, die ja Interesse haben, begutachten und nicht irgendwelche, Sprachmodelle drüber laufen.
Florian Freistetter Ja, das ist das Problem, das in jedem Bereich existiert, seit es diese Sprachmodelle gibt. Wenn ich jetzt irgendwie so wirklich in irgendeinem wissenschaftlichen, extremen Kontext das Ganze einbetten möchte, dann kann ich das sagen mit persönlicher Registrierung. Dann muss ich halt da irgendwo hingehen mit meinem Ausweis oder sonst was und nachweisen, dass ich ich bin und dann kriege ich einen Zugang und kann mitmachen.
Florian Freistetter Aber klar, kann ich jetzt auch sagen, wenn ich jetzt ein Fauler, wenn ich jetzt irgendwie als Wissenschaftler bin und ich bekomme die Anfrage, kannst du das begutachten? Und ich denke mir, ja, mache ich eh, aber habe dann doch keinen Bock, dann kann ich das ChatGPT machen lassen und das wird schon mal schreiben und dann schicke ich es zurück, kann ich machen.
Florian Freistetter Aber das Problem hat man ja in jedem Bereich mittlerweile. Ich kann auch mein Forschungspaper von ChatGPT schreiben lassen und das irgendwo einreichen. Ich kann es umformulieren lassen, ich kann es besser formulieren lassen, ich kann es auch komplett ausdenken lassen und auch da muss ich erstmal drauf kommen.
Florian Freistetter Aber wie gesagt, das ist kein Problem, dass die Wissenschaft alleine hat, das haben alle. Das haben alle, die irgendwo mit nicht in Face-to-Face Kommunikation quasi zu tun haben. Alle müssen sich auf die eine oder andere Art damit auseinandersetzen, dass das, was passiert, die Hausübung, die Doktorarbeit, der Artikel in der Zeitung, was auch immer, dass das vielleicht kein Mensch gemacht hat, sondern eine KI gemacht hat.
Florian Freistetter Dass die Musik von einer KI gemacht worden ist, dass der Film von einer KI gemacht worden ist. Also das ist, glaube ich, ein Problem, das die Welt irgendwie lösen muss und nicht nur die Wissenschaft alleine. Also da kann ich jetzt tatsächlich nichts sagen, es ist mir zu groß.
Martin Puntigam Und vom Großen zum noch Größeren, nämlich zur Announce unserer Parteienverkehre als Science-Busters oder als Solisten.
Florian Freistetter Ja, das neue Science-Buster-Buch habe ich schon erwähnt. Und das habe ich nicht nur erwähnt, man kann es auch tatsächlich kaufen und dann kriegen wir tatsächlich Geld dafür. Man kann es aber auch kaufen, wenn man uns nicht zwingend Geld zukommen lassen will, sondern man kann es einfach kaufen, weil es super ist.
Florian Freistetter Aus die Wissenschaft vom Ende im Hansa Verlag ist es erschienen. Das Hörbuch gibt es auch, gelesen von Ralf Kaspers. Innen drin im Buch, nicht im Hörbuch, sind die Illustrationen des wunderbaren Büro Alba. Und dieses Buch sollten alle lesen, die wissen wollen, wie Dinge zu Ende gehen, warum Dinge nicht zu Ende gehen, wie unendliche Dinge funktionieren können und wie die Welt wirklich untergehen wird, wenn sie untergehen wird und was man dagegen tun kann, dass sie untergehen wird.
Martin Puntigam Wer das Buch haben möchte, aber nicht kaufen, kann eine Eintrittskarte für unsere neue Show erschwingen. Weltuntergang für Fortgeschrittene. Damit sind wir seit Mitte Oktober, auf den Bühnen und auf Tour, denn es gibt da die Möglichkeit, sich von dir, Florian, die Zukunft vorhersagen zu lassen und anders als in der Astrologie stimmt sie auch und dann kriegt man als kleines Dankeschön das Buch geschenkt.
Florian Freistetter Ja, aber nur, wenn die Zukunft auch passt.
Martin Puntigam Wenn die Zukunft die richtige Zukunft ist, wenn man nicht einmal dividieren und addieren kann, dann wird es schwierig, aber ich helfe natürlich, also wenn man auf die Bühne kommt, hat man Gute Chancen, dass man die Publikation auch mit nach Hause nehmen kann. Martin Moder ist neben uns beiden noch weiter.
Martin Puntigam Auf der Bühne und am Ende gibt es wie immer Geschenke, um die Leute anzulocken. Erstens, damit sie uns aus der Nähe anschauen können. Zweitens, Fragen stellen, aber auch natürlich, um sie zu umschmeicheln. Das letzte Mal, was ScienceBusters Gin, den es nach wie vor online bei The Scientist Gin zu bestellen gibt.
Martin Puntigam Aber es gibt diesmal was zu essen und nicht zu trinken. Und zwar du, Florian, machst ein Bananenbrot auf der Bühne, dessen nicht nur nach Weltuntergang schmeckt, sondern dann auch verteilt wird. Und man kann es selber kosten, wie der Weltuntergang schmeckt und was genau dann nach Weltuntergang schmeckt.
Martin Puntigam Und weil Weltuntergang auch zu klein ist für uns, beschäftigen wir uns auch mit dem Untergang des Universums und haben gemeinsam mit der Firma Zotter zwei wunderbare Universumsuntergangsschokoladen herstellen lassen. Big Rip und Big Crunch. Zwei Hypothesen, wie das Universum zu Ende gehen. Könnte, auch wenn es nach heutiger Sicht nicht danach ausschaut, auch die Schokoladen kann man gern nach der Show am Büchertisch kosten und vielleicht sogar mit nach Hause nehmen, weil ja Weihnachten vor der Tür steht und das ist ja für viele Familien auch eine Art Universumsuntergang jedes Jahr.
Florian Freistetter Wer das alles sehen möchte, live sehen möchte, kann am 27. November in die Arge Kultur in Salzburg kommen, aber nur mit Eintrittskarte, weil da es ausverkauft. Am 5.12. Gibt es aber noch Karten für unseren Auftritt in Krems im Rahmen des Kabarett- und Comedy-Festivals. Am 15.01. Sind wir im Posthof Linz am 16.01., in Passau in der Redout am 22.01., wieder im Stadtsaal Wien am 24.01. gleich nebenan von Wien im Theaterforum Schwächern, am 25.01.
Florian Freistetter Im Orpheum Wien, am 21. Februar in der VHS-Kulturgarage in der Seestadt in Wien und am 22. Februar in der Kulisse in Wien.
Martin Puntigam Davor geht das Jahr zu Ende und das Jahr geht für uns und unser Publikum immer so zu Ende, dass es zuerst Bauernsilvester-Vorstellungen gibt und dann Silvestershoes. Bauernsilvester spielen wir immer in Graz, Linz und Wien. Dieses Jahr am 27. Dezember in der Helmut-Listhalle in Graz, am 29. Dezember im Arbeiterkammer-Saal in Linz und am 30.
Martin Puntigam Dezember im Stadtsaal Wien, bevor das Jahr beendet wird, naturwissenschaftlich von uns, wie schon seit vielen Jahren am 31. Dezember mit zwei Silvester-Schoos im Schauspielhaus, ebenfalls in Wien.
Florian Freistetter Nach Silvester im Frühjahr, 226, sind wir auch wieder in Deutschland. Und zwar am 23. März in den Wühlmäusen Berlin, am 26. März im Filmtheater Schauburg in Dresden, am 27. März im Kupfersaal Leipzig und am 28. März in der Puffbohne in Erfurt.
Martin Puntigam Und wir sind nicht nur als Ensemble der Science Busters zu dritt auf der Bühne, zuzüglich VJ unterwegs und als Solokünstler, sondern auch zu zweit in dem Fall, nämlich Florian, du und ich. Wir sind am 25. November, also morgen, falls man das heute hört, am 24. Wir sind morgen zur Buchvorstellung im Haus der Kunst im Rahmen der Münchner Bücherschau im Terrassensaal in München zu Gast. Und zwar um 19 Uhr.
Martin Puntigam Science Passes for Kids, unsere Show für Kinder, spielen wir immer wieder mal im Tandem mit den Abendshows. Das heißt, wenn man jetzt schon aufgepasst hat, dann gibt es einige Dubletten. In der ORF Kids App gibt es jede Folge digitalisiert zu ca. 10 Minuten und analog und live auf der Bühne die Show mit Martin Muder und mir am 5. Dezember in Krems, am 30.
Martin Puntigam Dezember und am 7. März im Stadtsaal Wien, am 15. Jänner in Posthof Linz, am 25. Jänner im Orpheum in Wien, am 21. Februar in der VHS-Kulturgarage in der Seestadt in Wien und am 22. Februar in der Kulisse in Wien.
Florian Freistetter Und ohne Martin und Martin bin ich unterwegs mit Sternengeschichten live und zwar jetzt im Dezember in Essen, in Düsseldorf, in Dortmund und in Berlin und zwar jeweils am 10., 11., 13. und 14. Dezember. Alle Informationen gibt es unter Sternengeschichten live, genauso wie die Informationen über die Österreich-Aufführungen von Sternengeschichten live. Am 29.
Florian Freistetter Januar 26 geht es da los in der Kulisse in Wien. Danach bin ich in Salzburg, Linz, Wörgl, Oberwaltersdorf und anderswo. Alle Termine für Sternengeschichten live, die gibt es im Internet unter sternengeschichten.live. Kann man sich leicht merken.
Martin Puntigam Und davor? Gibt es in Schwandorf, ich glaube in Bayern, einen Abend, eine Geschichte des Universums in 100 Sternen. Am 3. Dezember findet es statt und am 4. Dezember, noch 2025, also tags drauf, in Freistaat im Mühlviertel, gibt es einen Abend. Wie viel Astronomie steckt im Bier? Prost.
Florian Freistetter Glückskatze heißt das Soloprogramm von Martin Puntigam. Das kann man sich noch am 4. und 5. Januar 26 im Kabarett Niedermeier anschauen. und am 10. Und davor am 9. Januar im Theatercafé in Graz. Dann kommt bis zum Herbst 2026 vermutlich wenig Katze, aber am 10. November sehr viel Religion. Da gibt es nämlich am 10. November 2026 die Premiere des neuen Soloprogramms im Theatercafé Graz und zwar mit dem Titel Der heilige Puntigam.
Martin Puntigam Es gibt dazwischen noch einige Termine, aber die Premiere steht schon fest. Danach geht es nach Wien, Salzburg und so weiter und so fort. Das war es aber für dieses Mal für die Ankündigungen. Und davor hat es noch einen wissenschaftlichen Podcast teilgegeben. Aber das Wichtigste war natürlich die Ankündigung am Ende.
Martin Puntigam Und die Danksage an die TU Wien und die Uni Grazi, die Produktion des Podcasts, unterstützen. Danke an Florian Freistädter für die Auskünfte. Danke fürs Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen, Einreichen, Begutachten, korrigieren, zurückweisen, Zeitschinden, Biassen und was man sonst noch alles mit einem Podcast anstellen kann.
Martin Puntigam Bis zum nächsten Mal. Tschüss und habe die Ehre.
Florian Freistetter Tschüss.