
Situs Inversus – Der Vorklinik-Podcast
SPECIAL: Wie lernt man am besten?
Montag, 19. Mai 2025 · 50 min
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Man kennt es... Vor der Klausur steht man vor einem Berg an Fakten, der unbezwingbar scheint. Wie gehe ich das Lernen an, sodass der Inhalt bestenfalls sogar langfristig in meinem Hirn hängen bleibt?
Um euch den aktuellsten Stand der Lernforschung zu liefern, haben wir Michail aus Hamburg eingeladen! Er ist selbst Medi und beschäftigt sich mit der studentischen Forschungsgruppe ME-Learn mit diversen Lernmethoden.
Wir liefern euch in dieser Folge wertvolle, evidenzbasierte Tipps für eure nächste Klausurenphase. Wir reden auch darüber, wie Dank Effizienz noch viel Zeit für Hobbies bleibt🤗
Euer Tim
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Website: Situs Inversus (dervorklinikpodcast.de) (dervorklinikpodcast.de)
Quellen:
Brown, P. C., L., R. I. H., & McDaniel, M. A. (2014). Make it stick: The science of successful learning.
Donoghue, G. M., & Hattie, J. A. C. (2021). A meta-analysis of ten learning techniques. Frontiers in Education, 6. doi.org/10.3389/feduc.2021.581216
Active Recall:
Karpicke, J. D., & Blunt, J. R. (2011). Retrieval practice produces more learning than elaborative studying with concept mapping. Science (New York, N.Y.), 331(6018), 772–775. doi.org/10.1126/science.1199327
Kornell, N., Hays, M. J., & Bjork, R. A. (2009). Unsuccessful retrieval attempts enhance subsequent learning. Journal of Experimental Psychology. Learning, Memory, and Cognition, 35(4), 989–998. doi.org/10.1037/a0015729
Spaced Repetition:
Carpenter, S. K., Pan, S. C., & Butler, A. C. (2022). The science of effective learning with spacing and retrieval practice. Nature Reviews Psychology, 1(9), 496–511. doi.org/10.1038/s44159-022-00089-1
Latimier, A., Peyre, H., & Ramus, F. (2021). A meta-analytic review of the benefit of spacing out retrieval practice episodes on retention. Educational Psychology Review, 33(3), 959–987. doi.org/10.1007/s10648-020-09572-8
Interleaving:
Rohrer, D. (2012). Interleaving helps students distinguish among similar concepts. Educational Psychology Review, 24(3), 355–367. doi.org/10.1007/s10648-012-9201-3
Firth, J., Rivers, I., & Boyle, J. (2021). A systematic review of interleaving as a concept learning strategy. Review of Education, rev3.3266. doi.org/10.1002/rev3.3266
Brunmair, M., & Richter, T. (2019). Similarity matters: A meta-analysis of interleaved learning and its moderators. Psychological Bulletin, 145(11), 1029. doi.org/10.1037/bul0000209
Variation:
Kerr, R., & Booth, B. (1978). Specific and varied practice of motor skill. Perceptual and Motor Skills, 46(2), 395–401. doi.org/10.1177/003151257804600201
Kantak, S. S., Sullivan, K. J., Fisher, B. E., Knowlton, B. J., & Winstein, C. J. (2010). Neural substrates of motor memory consolidation depend on practice structure. Nature Neuroscience, 13(8), 923–925. doi.org/10.1038/nn.2596
Mannes, S. M., & Kintsch, W. (1987). Knowledge organization and text organization. Cognition and Instruction, 4(2), 91–115. doi.org/10.1207/s1532690xci0402_2
Generationseffekt:
Bertsch, S., Pesta, B. J., Wiscott, R., & McDaniel, M. A. (2007). The generation effect: a meta-analytic review. Memory & Cognition, 35(2), 201–210. doi.org/10.3758/bf03193441
McCurdy, M. P., Viechtbauer, W., Sklenar, A. M., Frankenstein, A. N., & Leshikar, E. D. (2020). Theories of the generation effect and the impact of generation constraint: A meta-analytic review. Psychonomic Bulletin & Review, 27(6), 1139–1165. doi.org/10.3758/s13423-020-01762-3
Für die Inhalte in diesem Podcast übernehmen wir keine Gewähr. Der Podcast kann den Besuch von Vorlesungen nicht ersetzen. Wir empfehlen das Studium von einschlägiger Fachliteratur über den Inhalt des Podcasts hinaus.
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Auch, glaube ich, ein ganz, ganz weit verbreitetes Problem. Und Interleaving gibt es so ein bisschen die Möglichkeit, dagegen vorzugehen. Das heißt, wenn man jetzt zum Beispiel die Anatomie des Fußes lernt, lernt man die so lange, bis man einen Fortschritt gemacht hat und dann, aber man hat vielleicht noch nicht die ganzen Ursprünge und Ansätze raus.
Also ich habe persönlich auch wirklich dann gelernt, okay, ich kann den Ursprungansatz von den Muskeln und weiß wirklich das ganze Detail. Und dann habe ich erst aufgehört mit dem Lernen, aber man sollte viel, viel früher aufhören. Man sollte aufhören, wenn man diesen Fortschritt gemerkt hat.
Herzlich willkommen zurück zu Citrus Inversus, dem ForCleaning Podcast. Heute haben wir zum Start des neuen Sommersemesters eine ganz besondere, special Folge für euch. Heute soll es nämlich um Lernstrategien gehen, und zwar um evidenzbasierte Lernstrategien. Und für viele von euch kriegen wir jetzt natürlich einerseits wieder Prüfungen, aber andererseits auch das Physikum näher.
Und da lohnt es sich natürlich, sich optimale Strategien bereitzulegen, um sich dann für die Prüfung möglichst effizient vorzubereiten, damit man auch irgendwie noch Zeit hat, das Leben zu genießen. Und weil wir selbst uns damit gar nicht so gut auskennen, haben wir jemanden gefunden, der sich extrem gut mit Lernstrategien auskennt.
Deshalb freue ich mich ganz sehr, in dieser Folge Michael als Gast begrüßen zu dürfen. Willkommen bei Istetus Inversus.
Hallo, freut mich sehr, dass ich heute da sein darf.
Genau, mega. Und mega nice, dass wir bei dir sein dürfen, weil wir sind nämlich alle einfach, wir haben das Team eingepackt, sind nach Hamburg gereist, sind hier in einem wunderschönen Studio oberhalb der Speicherstadt. Leo macht gerade auch 100.000 Bilder, sodass ihr das auf Insta bei at der ForClinik Podcast dann sehen könnt.
Und wir starten einfach mal kurz mit einer Vorstellung und dann werden wir hauptsächlich über bewährte Lernstrategien sprechen, darüber, ob die so Sinn ergeben, was besonders effizient ist und was man vielleicht auch noch mitnehmen kann aus beispielsweise Strategien aus dem Profisport, etc. Aber bevor wir damit anfangen, sage ich euch kurz noch was über Michael.
Er ist nämlich Leiter der studentischen Forschungsgruppe MeLearn. Das ist eine Gruppe am UKI in Hamburg, die ist gefördert von Bund und Ländern. Und das Ziel der Gruppe ist die Untersuchung der Effektivität von Lernmethoden. Und dabei beziehen die Studierenden eben verschiedenste Studien ein, haben Interviews mit ganz vielen renommierten Professoren geführt und halten darüber auch regelmäßig Vorträge deutschlandweit, mehr oder weniger jede Woche.
Und Michaels besonderes Augenmerk ist eben, was ich gerade schon kurz erwähnt habe, auch die Anwendbarkeit von Trainingsmethoden aus der Welt des Profisports auf das Medizinstudium. Wir werden also in der Folge viel über Experimente und Studien reden und wir werden alles, was wir da erwähnen, auch nochmal in der Folgenbeschreibung verlinken, sodass ihr das auch nochmal nachlesen könnt.
Aber jetzt erstmal Michaela an dich die Frage, was hat dich denn dazu bewegt, dich überhaupt mit Lernmethoden zu beschäftigen? Ganz kurze Werbung.
Wir haben in diesem Semester einen richtig coolen Werbepartner, Meditrix, und den wollen wir euch jetzt einmal vorstellen.
Einige von euch fragen uns manchmal auf Insta, ob wir irgendwie so Lernstrategien oder Lerntipps haben. Keine Ahnung, warum wir dafür die Autorität haben. Aber es ist ja schon so im Medizinstudium, es gibt so Sachen, die versteht man einmal und dann kann man die. Und dann gibt es so diese vielen Fakten, die man wirklich relativ stumpf auswendig lernen muss.
Und das hilft einfach nichts, die müssen einfach rein. In der Vorklinik erinnere ich mich an die Hirnnerven, die Anatomie oder sonstiges. Manche Sachen muss man sich einfach auswendig merken. Und da ist der Game Changer schlechthin tatsächlich Meditrix. Meditrix, das sind quasi Eselsbrücken als Bilder.
Ihr findet bei Meditrix ganz viele verschiedene Szenen, die jeweils die Themen, die für euch relevant sind, zusammenfassen. Und da gibt es so viele Details, die dann wiederum für die Fakten stehen, die ihr können müsst. Und diese Szenen sind tatsächlich so bunt und wild und lustig, dass ihr gar nicht anders könnt, als sie euch nachhaltig zu merken.
Ja, und das macht dann einfach viel mehr Spaß. Ich glaube, das kann man sich auch schlecht vorstellen, wenn wir jetzt so drüber reden. Deshalb schaut euch mal die Demo auf meditrix.de an. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was euch da erwartet. Ja, genau. Und das lohnt sich auf jeden Fall da mal reinzuschauen, ob das was für euch ist.
Vielleicht hat eure Uni auch eine Campuslizenz für Meditrix. Und falls nicht, haben wir was für euch.
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Das war's schon.
Vielen Dank für die Vorstellung. Also als ich mit dem Studium begonnen habe, war ich voller Vorfreude, weil ich dachte, endlich kann ich Dinge lernen, die wirklich relevant sind. Und meine Eltern haben auch immer zu mir gesagt, dass das Studium die beste Zeit meines Lebens sein würde. Also ich könnte neue Freunde kennenlernen, neue Freunde fürs Leben finden, Hobbys ausprobieren, Sport treiben, Reisen unternehmen.
Und dann war ich fünf Wochen im Studium und saß abends um 22 Uhr vor meinem Computer und musste lernen. Und ich hatte die letzten Wochen die ganze Zeit lernen müssen. Und ich war total frustriert, weil ich auch das Gefühl hatte, dass ich all das, was ich eben gelernt habe, nicht wirklich konnte. Also ich hatte in einer Woche dann die Prüfung und ich habe mich überhaupt nicht gut vorbereitet geführt.
Ich war richtig frustriert mit dem Medizinstudium. Ich dachte mir, was soll das? Also ich würde lieber andere Dinge machen. Und das ging dann einige Semester so weiter und ich war wirklich immer ein bisschen unzufriedener und unzufriedener, bis ich einem guten Freund aus dem höheren Semester das geschildert habe, das Problem, und er gesagt hat, es war bei mir genauso.
Ich hatte genau das gleiche Problem wie du. Dann hat er mir ein Buch in die Hand gedrückt, das heißt Make It Stick und ist von zwei weltweit führenden Lernwissenschaftlern geschrieben worden. Und er meinte, das hat mein Leben diesbezüglich verändert. Das hat mir eben viel mehr Zeit gegeben, um zum Beispiel Kitesurfen zu gehen.
Er war auch nebenbei Judo-Trainer neben dem Studium, also hat viele, viele Sachen gemacht. Und dann dachte ich, okay, das muss ich auch für mich ausprobieren. Und habe dieses Buch gelesen und in diesem Buch haben zwei weltweit führende Lernwissenschaftler einmal den gesamten Stand der Forschung zusammengefasst, sodass Studierende dadurch in weniger Zeit mehr lernen können.
Und dann habe ich eben aus dieser Erfahrung heraus einfach ein gewisses Vertrauen da reingelegt und gesagt, okay, ich lerne nur mit diesen Methoden, versuche mich optimal vorzubereiten und es hat super funktioniert. Ich habe die besten Klausuren geschrieben, die ich bis zu diesem Zeitpunkt hatte und zusätzlich auch vielmehr das Studium genießen können, hatte viel mehr Zeit, viel mehr Freizeit.
Und bis dann auf Surfen gegangen. Genau, also zum Beispiel aufs Surfen können.
Und ihr habt ja darüber dann auch jetzt irgendwie angefangen, viele Vorträge zu halten, wie ich das mitbekommen habe. Ich nehme an, also ich kenne das auch aus meinem Studium. Besonders erstes Semester, wo man irgendwie dann Anatomie hatte und stundenlang durch so einen Atlas geblättert hat und gehofft hat, dass irgendwas hängen bleibt.
Das mit dem Lernen oder dem Problem mit dem Lernen ist auf jeden Fall kein Einzelfall, oder?
Ja, absolut. Also das haben super, super viele Studierende. Und gerade unser Ziel ist es eben auch Erstsemestern wirklich so einen Leitfaden an die Hand zu geben, dass man eben effektiver lernen kann. Denn es ist nachweislich so, dass ein großer Teil der Studierenden mit ineffektiven Methoden lernt. Weil es eben unintuitiv ist, effektiv zu lernen.
Und das ist nicht nur an den durchschnittlichen Universitäten so, das findet sich auch an Job-Elite-Unis, wie in Harvard, wo auch Elite-Studierende größtenteils ineffektive Methoden nutzen.
Was sind denn besonders ineffektive Methoden? Also man hört ja irgendwie oft, dass so dieses mehrmalige Durchlesen von Texten und so gar nicht so viel bringt. In der Schule schreiben ja auch immer alle Zusammenfassungen. Sind das so die Methoden, die alle benutzen, aber die irgendwie schlecht sind?
Genau, also zum Beispiel das mehrmalige Lesen und dazu zählt auch ein Text, einfach zweimal hintereinander zu lesen oder in eine Vorlesung zu gehen und danach ein Buchkapitel darüber zu lesen. Das ist zum Beispiel eine Methode, die ineffektiv ist, aber häufig genutzt wird. Genauso ist es beim Markieren so.
Viele markieren ganz viel. Also wenn man durch die Bibliothek zum Beispiel geht, sieht man super viele bunt markierte Hefte und es gibt keinerlei Evidenz, dass Markieren zu einem größeren Lernerfolg führt. Also alleine mehr Zeit zu investieren, um einen Text zu markieren, führt nicht dazu, dass man diesen Text besser versteht, sondern es kann sogar dazu führen, wenn es komplizierte Dinge sind wie Physiologie oder Biochemie, dass es zu einem Nachteil kommt auf das Verständnis.
Ah, okay, krass. Wie sieht es denn mit Zusammenfassung aus? Weil da muss ich ja das Gelesene irgendwie noch weiter verarbeiten.
Absolut, also Zusammenfassung war tatsächlich, bevor ich mich mit diesen Methoden beschäftigt habe, auch einer meiner Hauptlärmmethoden. Und ich war dann auch ein bisschen geschockt, als ich das gesehen habe, dass es eine ineffektive Methode ist. Das ist zum Beispiel in der Meta-Analyse von Professor Dandosky wird es auch halt mit einer Low-Utility-Ranking bewertet.
Gleichzeitig sagt dieser Professor dann aber auch, dass es sehr schwierig ist, eine Pauschalaussage zur Zusammenfassung zu treffen. Denn es gibt eine große Divergenz in der Qualität von Zusammenfassung. Es gibt Leute, die extrem gute Zusammenfassung schreiben und es gibt Leute, die sehr schlechter drin sind, Zusammenfassung zu schreiben.
Und wenn jemand jetzt besonders gut ist, kann es sein, dass es zu einem größeren Lerneffekt kommt. Also es nicht eine völlig nutzlose Methode ist. Gleichzeitig ist es so, dass für die meisten Studierenden ein gewisses Training empfohlen wird, wenn man Zusammenfassung nutzen möchte. Und selbst wenn man dieses Training durchlaufen hat, gibt es andere Methoden, die effektiver sind.
Also es ergibt eigentlich nicht so viel Sinn, eine Zusammenfassung als Lernmethode zu nutzen.
Und du hast dann auf jeden Fall irgendwas geändert.
Genau, also ich habe die allereffektivste Methode angewendet. Also was ich wirklich für mich dann genutzt habe, ist zu sagen, okay, alles, was ineffektiv ist, also das mehrmalige Lesen, das Markieren und das Schreiben von Zusammenfassung, lasse ich komplett weg, obwohl das für mich auch extrem schwierig war.
Das war das erste Mal, dass ich wirklich ohne Zusammenfassung gelernt habe. Ich habe auch in der Schule mit Zusammenfassung gelernt und nutze nur die allereffektivste Methode. Und diese Methode wird als Active Recall bezeichnet. Und eine Sache, wo wirklich einer der Kernpunkte der Lernwissenschaft ist, dass es beim Lernen nicht darum geht, Informationen von außen aufzunehmen.
Man hat häufig diesen Eindruck, wenn ich etwas lernen will, muss ich aus möglichst vielen Quellen die Informationen bekommen. Ich muss in eine Vorlesung gehen, einen Professor zuhören, dann vielleicht ein Buchkapitel lesen, YouTube-Videos sehen. Aber tatsächlich ist allein dieses Aufnehmen nicht genug fürs Lernen.
Was wirklich auch die Neuronen festigt und den Lernprozess nachhaltig macht und auch gut anwendbar macht, ist, wenn man Informationen aus sich selbst herauszieht. Das heißt, man versucht sich aktiv an das zu erinnern, was man gelernt hat, zum Beispiel das, was in der Vorlesung vorkam, und das dann auch sich zum Beispiel selber zu erklären, eine Mindmap aus dem Kopf herauszumachen oder es einfach aufzuschreiben.
Oder man kann auch im Kopf das einfach durchgehen, die Inhalte. Und nur durch dieses Herausziehen der Information aus sich selber, kommt es wirklich zu einem nachhaltigen und großen Lernerfolg. Ich muss es quasi vorher einmal passiv aufgenommen haben. Genau, genau. Also das einmalige passive Aufnehmen ist auf jeden Fall notwendig.
Aber um es wirklich zu festigen, ist es notwendig, das dann aktiv abzukrucken. Zum Beispiel bei Büchern ist es auch häufig eine Sache, die ich geändert habe. Ich habe viele Sachbücher gelesen und ich habe immer den Eindruck gehabt, man liest ein Sachbuch und irgendwie drei Wochen später hat sich nichts geändert, obwohl man eigentlich so viele Sachen anpassen wollte.
Und wenn man dann aktiv abruft, was ich jetzt gerne mache, nachdem ich das gemacht habe und sich aktiv daran erinnert, dann bleibt es viel, viel länger bestehen und man merkt auch automatisch, dass man es im Leben viel besser anwenden kann, weil es in den Situationen, wo es dann wirklich relevant wird, auch hochkommt.
Wie machst du das mit Büchern? Also nachdem ich ein Buch gelesen habe zum Beispiel, also ich habe jetzt ein Buch über Verhandlungen gelesen vor kurzem, gehe ich einfach einmal in mich, zum Beispiel gehe ich auch gerne mal spazieren und rede mit mir selber. Und dann sage ich, okay, was sind denn die Themen, die da jetzt eben drin waren und versuche das eben alles aktiv mir zu erklären.
Und dann entweder, es ist gut, wenn man eben Feedback bekommt, das ist eine Sache, die diesen Prozess nochmal erhöht. Also ich gucke meistens dann einfach entweder eine Buchzusammenfassung im Internet durch oder lese mir das Buch, also die Kapitel nochmal durch oder nur die Kapiteltitel nochmal durch.
Und was auch wichtig bei diesem Feedback ist, wenn man jetzt auch zum Beispiel zur Vorlesung geht, dieses Feedback sollte bestmöglich leicht verzögert erfolgen. Das heißt, wenn ihr in eine Vorlesung geht und euch den Inhalt anhört und dann vielleicht am Tag darauf Active Recall macht, ist es sinnvoll, nicht direkt nach dem Active Recall die Vorlesungsfolie nochmal durchzugehen, sondern erstmal 10 bis 15 Minuten eine kleine Pause zu machen, zum Beispiel einen Kaffee zu trinken und dann erst das Feedback einzuholen, weil das dann noch besser abgespeichert wird.
Das ist noch eine Methode, wie man Active Recall noch einen Tick besser machen kann.
Also selbst wenn das, woran ich mich erinnert habe, quasi falsch war, warte ich trotzdem lieber, bis ich nachschaue, ob es wirklich falsch war.
Genau, genau, aber nicht zu lange. Also es ist jetzt nicht sinnvoll, dann einen ganzen Tag zu warten, sondern es ist sinnvoll, so einen kleinen Zeitaspekt zu haben. Und dann wird auch das sich besser einbringen. Und interessanterweise ist es auch so, es gab bestimmte Strömungen, die gesagt haben, dass man sich direkt, also nachdem man etwas abgerufen hat, also was gelernt hat, das direkt abruft, damit es zu 100% richtig ist und dass man ein paar Vermutungen, dass es sich dann eben besser einprägt, tatsächlich sogar ganz gut Fehler zu machen.
Also weil diese Strömung nicht so gut funktioniert hat. Also man kann so sagen, die goldene Zahl ist ungefähr 70 Prozent, weil man ungefähr 70 Prozent davon erinnert, was man eben gehört hat, was man einmal passiv aufgenommen hat, dann hat man den richtigen Zeitabstand verwendet.
Genau, also lass uns nochmal quasi konkret werden beim Active Recall. Also wenn ich jetzt Medizinstudent bin und sage, okay, ich also Michael, du hast mich überzeugt von Active Recall. Sagen wir mal, ich bin jetzt Medizinstudent im ersten, beziehungsweise beim zweiten Semester. Wie fange ich denn damit am besten an?
Grundsätzlich ist es recht einfach, Active Recall einzusetzen. Also es ist keine Raketenwissenschaft. Alles, was dazu führt, dass du etwas, was du vorher gelernt hast oder passiv aufgenommen hast, aus dir selbst herausziehst, aktiv daran dich erinnerst, führt zu einer Vergrößerung des Lerneffektes. Gleichzeitig profitieren auch ganz viele Studierende von konkreten Beispielen.
Und was ich zum Beispiel sehr gerne mache, ist mir Dinge selber zu erklären. Das heißt, nachdem ich eine Vorlesung gehört habe, warte ich eine gewisse Zeit, meistens ist es ein Tag und versuche danach einfach alle Inhalte der Vorlesung, an die ich mich erinnere, mir selber einmal zu erklären. Das geht auch im Kopf, also das kann man auch in der Bibliothek machen.
Du setzt dich dann richtig hin und denkst dir so, okay, und jetzt denke ich nochmal drüber nach, was gestern in der Vorlesung drankam.
Genau, genau. Also ich gucke mir dann den Titel der Vorlesung an und versuche alles aktiv durchzugehen, weil es auch sinnvoll ist, einmal so einen großen, also eine große allgemeine Frage zu haben, die man eben nachgeht. Und danach gucke ich mir die Lernziele an und versuche das zu beantworten, weil man ja häufig dann auch ganze Subteile der Vorlesung vergisst.
Genau, und dann gehe ich eben nur noch die Vorlesungsfolien so durch und gucke mir immer die Titel von den einzelnen Folien an, falls ich eine bestimmte Folie vergessen habe, um sie dann eben nochmal abzurufen, wenn ich den Titel sehe und die Folie gab es auch noch, was stand da nochmal drauf? Genau, das ist so der eine Weg dafür.
Aber man kann es zum Beispiel auch mit Mindmaps machen. Also man kann eine Mindmap einfach aus dem Kopf heraus zu der Vorlesung erstellen und das funktioniert auch super. Man kann es auch in Lerngruppen machen, man kann es sich gegenseitig abprüfen. Probeklausuren sind eine großartige Sache. Genau, also das sind einige Möglichkeiten.
Hast du, also wäre Kreuzen an sich dann auch Active-Recall?
Also genau, MC-Klausuren sind auch Active Recall. Gleichzeitig ist es so, und wir sind da auch gerade dabei, eine Studie durchzuführen, dass MC-Klausuren schlechter sind als freie Fragen. Das heißt, wenn ihr jetzt eine MC-Klausur habt, ist es sinnvoll, bevor ihr euch die Antwortmöglichkeiten durchguckt, also auch zum Beispiel, wenn ihr jetzt den Lernplan für das zweite Staatsexamen habt, einfach nur zu überlegen, okay, was ist die Antwort auf die Frage und sich danach erst die Option anzusehen.
Okay, sehr cool. Und dann so ein bisschen auch an Active Fecall angeschlossen, die Frage, gibt es eigentlich bestimmte Zeiten, zu denen man am besten lernen sollte? Oder ich weiß nicht. Also ich hatte zum Beispiel in der Schule hatte man ja immer das Gefühl, es gibt so Fächer. Da lohnt es sich irgendwie einfach am Tag davor alles ins Kurzzeitgedächtnis zu prügeln, was geht, und dann eben diese Klausur zu schreiben.
Vielleicht sogar mehr noch, als wenn man das jetzt irgendwie ewig gestreckt hätte oder so. Ich nehme an, das ist nicht die Idee.
Absolut. Also man muss sagen, dieses Kurz-Math-Practice ist das, was du eben beschrieben hast, dieses kurz vor einer Klausur ganz viel lernen, das funktioniert für die Klausur. Also es ist nicht so, dass man dann in der Klausur schlecht ist. Aber gleichzeitig ist es so, dass man es innerhalb sehr, sehr kurzer Zeit einen großen Teil vergisst.
Und deswegen ist es sinnvoll, Zeit ganz bewusst einzusetzen, indem man die Lerneinheiten über unterschiedliche Zeiteinheiten verteilt.
Okay, das heißt, ich baue dann dadurch quasi dieses Langzeitgedächtnis besser auf, durch diesen Spacing-Effekt.
Genau, genau. Also es wird als Spacing-Effekt bezeichnet. Und das ist auch etwas anderes, wenn man, als es gedankenlos, sozusagen, wenn man direkt von der Prüfung lernt, immer wieder zu repetitiv aus dem eigenen Gedächtnis auszukraben, sondern es erfordert nach diesem Zeitintervall die ganzen Informationen wieder neu aus dem Gedächtnis heraus zusammenzusetzen.
Und dadurch werden dann die Routen zu diesen Informationen gestärkt und es bleibt auch langfristiger dann eben haften.
Und wie groß sollten so die Spaces, also die Zeitabschnitte sein zwischen den einzelnen Abrufeinheiten?
Also die sollten, je nachdem, wie lange du es behalten möchtest, sein. Also es ist schon sinnvoll, wenn man es eben kürzer behalten möchte, die kürzer zu machen. Also wenn man es jetzt zum Beispiel einen Monat nur haben möchte und danach vergessen möchte, dann sollten die Intervalle etwas kürzer sein und wenn man es langfristig behalten soll, dann sollten die etwas länger sein.
Und grundsätzlich ist sehr, sehr wichtig, dass man bereits etwas vergessen hat. Also dass man, wenn man Act-Recall hat, auch das Gefühl hat, okay, ich kann nicht alles und es auch um bestimmte Anstrengungen, das alles aus meinem Gedächtnis hervorzukramen. Und wenn man dieses Gefühl hat, dann fühlt sich das schwierig an und es kann auch wirklich so sein, dass man sich denkt, ah, ich hab's gleich, ich weiß es noch, ich weiß es noch.
Und dann überlegt man so ein bisschen herum und überlegt wirklich lange und kommt dann irgendwann dann drauf. Wenn man es dann eben kann, führt das zu einem viel besseren Lerneffekt, als wenn es eben ein kürzerer Intervall gewesen wäre.
Ja, klingt sehr gut, klingt auch so ein bisschen nach dem, was allen oder mir zumindest Eltern auch oft gesagt haben, ja, irgendwie, ja, setz dich früh genug hin, wiederhol die Sachen in irgendwelchen Abständen und so. Ehrlich gesagt, als ich fürs Physikum gelernt habe, hatte ich mir das auch vorgenommen.
Und ich habe gemerkt, es ist einfach so gar nicht möglich. Es ist aber so viel Stoff, wenn ich den jetzt immer nochmal wiederhole, dann komme ich überhaupt gar nicht durch. Kann ich irgendwie, wenn jetzt auch zum Beispiel wenig Zeit bis zur Klausur ist, trotzdem irgendwas von diesem Spacing-Effekt mitnehmen?
Absolut.
Also man kann es auch nutzen, wenn man jetzt nur drei, vier Tage Zeit vor der Klausur hat, indem man in Study-Session-Spacing einsetzt. Was bedeutet dieser Begriff? Das heißt, du hast einen einzigen Tag, wo du eben lernst und du kannst die sozusagen, du hast vier Stunden beispielsweise, wo du Biochemie lernst.
Und viele würden dann diese vier Stunden zum Beispiel am Vormittag einmal weglernen und dann mit dem nächsten Fach weitermachen zum Beispiel. Und es ist sinnvoll, dann das aufzuteilen und zu sagen, okay, ich lerne zwei Stunden morgens Biochemie und zwei Stunden abends. Weil alleine dadurch, dass man es am Tag gespaced hat, dann muss man abends nochmal einige Informationen herauskramen, sich an etwas erinnern.
Dadurch bleibt es alleine schon länger haften. Also das ist auch eine Sache, die ich sehr, sehr gerne einsetze und die auch sehr, sehr einfach ist einzusetzen.
Okay, sehr cool. Also dann haben wir jetzt geredet über Active Recall, über Spaced Repetition. Zugegebenermaßen auch was, was diese, kennst du diese Produktivitäts-YouTuber?
Ja.
Aber da wird dir das ja auch immer so um die Ohren gehauen. Aber ihr beschäftigt euch ja auch noch mit etwas ausgefalleneren Lernstrategien. Hast du dafür Beispiele?
Genau, also was muss wirklich sagen, dass auch Active Recall und Spacing Dinge sind, die total großen Einzug in die allgemeine Studierendenwahrnehmung erhalten haben, auch zum Beispiel durch Anki. Und diese anderen Lernmethoden, die wir auch vorstellen in unseren Vorträgen, die auch zum Teil aus dem Profisport kommen, das sind Dinge, die jetzt aus der neueren Forschung wirklich herauskommen und die ich persönlich auch besonders interessant halte.
Also, das ist auch das, was ich gerne, wenn wir unsere Vorträge halten und wir unsere Teile uns eben zu losen, dann sage ich immer, ich will unbedingt Interleaving machen, ich will nicht losen, weil das eben mein absoluter Lieblingsteil ist. Und man kann Interleaving wirklich mit einer Geschichte anfangen zum Erklären und diese Geschichte ist aus dem Buch Make It Stick, und da wird ein Eishockey-Spieler interviewt, und der hat jetzt einen neuen renommierten Trainer bekommen, aber er hält ehrlicherweise nicht so ganz viel von ihm.
Er sagt, dieser neue Trainer, der ist total dilettantisch unterwegs, der weiß gar nicht, was er macht. Er lässt uns eine bestimmte Fähigkeit, zum Beispiel das Schießen eines Puckes, nicht so lange trainieren, bis wir den Dreh raus haben, sondern wechselt dann zu einer anderen Fähigkeit. Und wieder machen wir die ein bisschen, trainieren die kurz und dann wechseln wir schon wieder.
Ich habe nie das Gefühl, die Sachen wirklich zu beherrschen. Ich habe nie das Gefühl, dass ich etwas zu Ende trainiert habe, dass ich etwas kann nach der Trainingseinheit. Und diese Mannschaft hat dann einen großen Preis gewonnen, eine große Trophäe gewonnen und dann waren natürlich alle glücklich mit dem Trainer, denn er hat eine Lernmethode angewendet, nämlich die Lernmethode des Interleavings.
Und was ich total faszinierend finde, ist, dass die Dinge, die für Sport gelten, genauso auch für kognitives Lernen gelten. Also da gibt es echt viel Überlappung und das finde ich persönlich sehr, sehr spannend. Und Interleaving kann man eben auch genauso im Studium anwenden. Was heißt das konkret? Also, wenn wir jetzt die Trainingseinheiten des Eishockeyspielers nehmen und das in Fächer übertragen, dann können wir sagen, okay, man lernt ein bestimmtes Fach, zum Beispiel Anatomie, ein bestimmtes Thema aus der Anatomie.
So lange, bis man gemerkt hat, okay, ich bin besser geworden. Ich habe eine gewisse Verbesserung, aber ich bin noch nicht wirklich gut. Also die meisten Studierenden lernen wirklich so, dass sie ja ein Thema so lernen, bis sie denken, okay, ich hab's raus.
Ich bin wirklich komplett.
Und ich glaube, es gibt auch ganz viele Perfektionisten im Medizinstudien und so einer bin ich auch. Und habe am Anfang auch wirklich immer alles perfektionistisch lernen wollen und sagen, okay, ich will jedes kleinste Detail am Ende einer Lernzeit.
Genau, das habe ich auch im Physikum immer noch gemacht und das war, glaube ich, wirklich nicht clever. Ja, also ich hatte einfach, ich hatte auch so eine Notion-Seite mit einem Freund, wo wir dann immer so alle Fragen, die wir noch zu irgendwelchen blöden Details hatten, aufgeschrieben haben, die dann auf den Grund gegangen sind.
Aber am Ende hast du dich an so eine Basic-Sache nicht mehr erinnert in der Prüfung.
Absolut, absolut, genau. Und das ist wirklich so ein auch, glaube ich, ein ganz, ganz weitverbreitetes Problem. Und in der Diving gibt es so ein bisschen die Möglichkeit, dagegen vorzugehen. Das heißt, wenn man jetzt zum Beispiel die Anatomie des Fußes lernt, lernt man die so lange, bis man einen Fortschritt gemacht hat und gemerkt hat, okay, zum Beispiel, ich kann jetzt alles benennen, ich weiß ungefähr die wen, wo die verlaufen und die Arterien.
Und dann, aber man hat vielleicht noch nicht die ganzen Ursprünge und Ansätze raus. Also ich habe persönlich auch wirklich dann gelernt, okay, ich kann den Ursprungsansatz von den Muskeln und weiß wirklich das ganze Detail und dann habe ich erst aufgehört mit dem Lernen, aber man sollte viel, viel früher aufhören.
Man sollte aufhören, wenn man diesen Fortschritt gemerkt hat. Und dann wechselt man eben zum nächsten Thema. Und das kann auch nicht unbedingt ein anatomisches Thema, das kann auch ein biochemisches Thema sein. Also es kann zum Beispiel dann der Zitratzyklus sein. Dann geht man den wieder so lange durch, bis man vielleicht nicht die ganzen Moleküle kann vom Namen her.
Aber man hat einen Fortschritt gemerkt und dann wechselt man schon wieder. Und man sollte das nicht zu viel machen, das ist ganz, ganz wichtig, weil es dann auch schnell in dieses Multitasking kommen kann. Das ist dann hinderlich für den Lernprozess. Aber man kann es über zum Beispiel eine halbe Stunde machen.
Also wenn jetzt jemand von euch die Pomodore-Methode nimmt fürs Lernen, dann kann man eben danach, nach eben dieser fünfminütigen Pause, noch einmal wechseln und so dazu übergehen, dass man Dinge immer so lange lernt, dass man besser geworden ist, aber nicht perfekt konnte.
Okay, super. Und wenn ich jetzt, also wenn ich jetzt auch nur ein Fach habe, kann ich dann quasi auch in einem Thema hin und her springen?
Genau, also man kann Interleaving auch so anwenden, dass man zum Beispiel die Anatomie des Fußes hat und danach geht man auf die Anatomie des Oberarmes und wechselt das so durch. Eine häufige Sache, die uns auch oder die gefragt wird und auch häufiger Einwand ist, aber nach Interleaving kann man die Sachen ja nicht.
Also man ist ja nur besser geworden, aber man kann sie nicht perfekt am Ende. Gleichzeitig ist es aber so, dass man, wenn man mit Interleaving lernt, viel weniger Zeit braucht. Und die Zeit, die man dann herausholt, kann man dann nutzen, um in einer nächsten Lernsession nochmal Interleaving zu machen.
Also zum Beispiel eine Woche später nochmal auf die Anatomie des Fußes gehen und wieder die zu lernen, bis man besser geworden ist. Und dieses anfängliche Besserung, die geht ganz schnell. Also dann ist es zum Beispiel nur ein Viertel der Lernzeit, die man für die Perfektion des Themas gebraucht hätte.
Und dann kann man eben das über mehrere Sessions machen. Und dann hast du auch wieder dieses Zeitversetzte. Genau, genau. Also dann ist Spacing auch noch mit dabei. Und das führt dann eben dazu, dass man, wenn man auch dann vier Stunden in die Anatomie des Fußes investiert hat, ist man am Ende der letzten Session vielleicht ähnlich gut, vielleicht einen Tick schlechter, als wenn man es nur einmal sehr intensiv gelernt hat, aber zwei, drei Tage danach ist man schon bedeutend besser, weil man es in der Session, wo man ganz intensiv gelernt hat, auch ganz, ganz schnell wieder vergisst.
Und man schafft es einfach nicht, Dinge zu 100% alles zu beherrschen. Und das ist auch ein wichtiger Punkt, den man sich bewusst machen sollte beim Lernen.
Okay, ja, richtig spannend. Und dann gibt es ja was, was für mich erstmal ein bisschen ähnlich klingt bei den Lernstrategien, nämlich Variationen. Also mit Interleaving klingt ja auch so, als bringst du ein bisschen Variation rein, aber es geht noch drüber hinaus, oder?
Genau, also Variation ist auch eine Sache, die im Sport eingesetzt wird. Also es gibt auch Profi-Fußball-Teams zum Beispiel, die Bälle variieren, mit denen sie spielen. Also das heißt, man schießt zum Beispiel auch mit dem Volleyball oder Dribb, einen Tennisball. Und man kann sagen, dass eine der frühen Studien, und das ist von allen Lernstudien meine absolute Lieblingsstudie.
Also ich habe wirklich ganz, ganz viele dazu gelesen und ich finde die einfach genial. Also ich sehe wirklich, wie die Professoren, nachdem sie dann das Ergebnis hatten, sich total gefreut haben und dachten, wow, also wirklich diesen wissenschaftlichen Geist da total gelebt haben. Und die Studie war extrem einfach.
Also von der Planung hätte jeder von uns diese Studie planen können. Man hatte Kinder, die auf einen Eimer Bohnensäcke werfen sollten. Das einmal in 90 Zentimeter Abstand war der Eimer und einmal 60 Zentimeter und 120 Zentimeter Abstand. Und das haben die dann über mehrere Wochen so gemacht. Und dann wurden beide auf die 90 cm geprüft.
Das heißt, die eine Gruppe hat nur auf 90 cm Abstand geworfen, das nur trainiert und wurde darauf geprüft und die andere Gruppe hat nie auf 90 Zentimeter geübt. Also die haben nur auf 60 und 120 cm geübt und wurden dann trotzdem auf 90 Zentimeter geprüft. Und was total faszinierend ist, ist, dass die untere Gruppe viel besser war.
Also die haben die Obergruppe, die das die ganze Zeit geübt hat, total outperformed. Und das ist natürlich total faszinierend. Also als ich das gelesen habe, habe ich das nochmal gelesen, weil ich dachte, irgendwas hatte ich doch falsch verstanden. Aber das ist wirklich dieser Effekt der Variation. Dadurch, dass er dann etwas variiert lernt, wird man besser, als wenn jemand die gleiche Kondition gelernt hat, was total irre ist.
Die würden ja auch alle anderen Distanzen viel, viel besser machen. Und genauso wie beim Interleaving ist es jetzt wieder so, dass das, was im Sport herausgefunden wurde, auch für kognitives Lernen gilt. Und das kann man auch auf ganz, ganz viele verschiedene Art und Weise im Medizinstudium einwenden.
Also ich würde es auch gerne mit chirurgischer Forschung verknüpfen, um die chirurgische Ausbildung mit Variation eben etwas besser zu machen und noch effektiver zu machen. Beim Medizinstudium kann man es auch für sich selber einwenden. Grundsätzlich kann man sagen, das Prinzip ist, dass wechselnde Anforderungen es uns erleichtern, Erlerntes, erfolgreicher auf eine andere Situation zu übertragen.
Es geht quasi um den Transfer am Ende, ne? Genau, genau. Also dadurch wird auch die Transferfähigkeit verbessert. Und diese wechselnden Anforderungen können zum Beispiel sein, dass wir Active Recall variieren. Das heißt, dadurch, dass wir Active Recall variieren, wird die Transferfähigkeit besser und im optimalen Fall kann man dann auch Patienten besser behandeln.
Gehen wir, soll ich ein paar Beispiele dazu geben? Gerne.
Aber ich habe noch kurz zwei Fragen zu der Studie. Also, einmal, was sind Bodensächchen? Kennt man das? Ist das ein Ding?
Ich kann das vorher ehrlicherweise auch nicht. Also ich habe es dann auch recherchiert. Also das sind glaube ich diese, ich weiß ehrlicherweise auch nicht sicher, aber es sind so einfach nur Bälle, die dann mit Sand gefüllt sind oder mit so grobkörnigen Körnern, glaube ich zumindest.
Ah, okay. Und Zeitfrage, also ich weiß nicht, vielleicht geht es auch zu weit, aber hast du irgendeine Erklärung dafür, dass die, die quasi diese Variationen drin hatten und nie, also eigentlich gibt es doch auch in was jetzt medizinische Ausbildung oder so angeht, ich war da auch in ein paar Arbeitskreisen, da geht es immer irgendwie um Constructive Alignment und darum, dass irgendwie das gelehrt werden soll, was am Ende auch geprüft wird und so weiter.
Und das ist ja jetzt irgendwie genau das Gegenteil. Gibt es dafür irgendeine Erklärung, wie dieser Zusammenhang zustande kommt, oder ist es einfach nur empirisch, eben, dass es so war?
Ja, also es gibt eine ganz interessante Publikation, ich glaube, es war Nature Reviews Neuroscience oder Nature Neuroscience und da hat man eben sich angeguckt, wie dieses Variationstraining, was das auf motorischem Cortex-Ebene macht, und es scheint verschiedene Areale zu geben, in denen Inhalte konsolidiert werden.
Das heißt, wenn etwas einfach, repetitiv eingelernt wurde, wird es in anderen Arealen, die so ein bisschen weniger kompliziert sind, abgespeichert. Und wenn etwas variabel erlernt wurde, wird es in höheren motorischen Arealen abgespeichert. Das heißt, es ist dann auch eine Fähigkeit, die viel, viel komplizierter und aber auch dadurch besser anwendbar abgespeichert wird.
Ah, spannend. Okay, cool, danke. Und dann wolltest du noch auf Chirurgie eingehen, richtig?
Gerne, also wo ich glaube, Chirurgie, also ich könnte die Studie vorstellen, die da im Kopf steht, aber ich weiß nicht, wie interessant das ist.
Ja, super gern. Ich glaube, diese Beispiele sind super.
Okay, ja, gerne. Also in der Chirurgie gibt es unterschiedliche, also wie aktuell die chirurgische Ausbildung läuft, ist eben, dass man auf der Ebene, also man operiert erstmal an Tieren und geht dann sozusagen in den Mensch. Und was ich denke, ist, dass es eben auch jetzt gibt es dieses Phänomen, dass andere Modelle eben hochkommen.
Hans-Christian Schmidt, der bei uns eben in Hamburg auch ist, der hat auch so ein 3D-Laborgrün, wo sie eben so 3D-Druck machen und üben auch damit. Und ich denke, dass wenn man diese beiden Dinge nicht gegeneinander aufwägen würde, also zu gucken, was funktioniert besser, 3D-Modelle oder Tiermodelle, sondern man vergleichen würde, okay, beide zusammen, dann würden beide zusammen durch diesen Variationseffekt besser funktionieren.
Und ich denke, dass man Variationen auch auf ganz vielen anderen Ebenen Chirurgie einsetzen kann. Ich glaube, auch etwas ganz, ganz einfaches, wenn man die laparoskopischen Stäbe, obwohl, nee, das nicht. Okay, okay. Also ich will jetzt nicht in diese Chirurgie, nicht, dass mir dann irgendein Chirurg da reingrät und sagt, ey, das geht gar nicht.
Nein, dann. Vielleicht können wir es auch, ich will da nicht irgendwie so eine, also ich kenne mich mit Chirurgie halt nicht so gut aus. Also nicht, dass dann irgendein Chirurg sagt so, ey. Nein, nein, nein. Ich weiß nur, was bei uns so gemacht wird in Hamburg.
Dann lass uns mal die Chirurgie kurz verlassen. Du hattest auch schon mal erzählt, dass quasi die Variation des Lernortes auch sinnvoll ist und gibt es noch was anderes, was man variieren sollte oder könnte?
Genau, also man kann Active Recall variieren. Also das heißt, dass man zum Beispiel die Person und die Idee wurde uns auch von Professor Rüdiger, dem Autor von Make It Stick, empfohlen, dass man die Person, für die man Active Recall macht, variiert. Also das heißt, man stellt sich eben jemand vor, für den man etwas erklärt.
Und die Person, die man sich vorstellt, variiert man. Das heißt, einmal zum Beispiel erklärt man es einem Professor und erklärt es genauso, wie man es in einer Prüfung erklären würde. Das ist persönlich das, was ich früher mal als Standard gemacht habe. Aber dann stellt man sich zum Beispiel vor, man erklärt es einem Kommiliton und muss es einfacher machen und ein bisschen genauer erklären und vielleicht auch die ganzen Details weglassen.
Dann kann man es sogar noch einfacher machen. Also man kann zum Beispiel sich vorstellen, dass man es einem Nicht-Mediziner erklärt. Und eine fantastische Technik dafür ist es auch vorzustellen, dass man so einen medizinischen Sachverhalt einem Patienten erklärt. Weil man dadurch immer wieder auf unterschiedliche Art oder Weisen durch ein Thema geht und sich dadurch das Thema auch besser einprägt.
Und zeitgleich übt man eben auch Patientendinge zu erklären, was ja auch eine wichtige Fähigkeit ist. Und man kann auch zum Beispiel den Lernort variieren. Das ist auch eine Methode, die super funktioniert.
Also es ist gar nicht so, dass man am besten irgendwie einen festen Ort hat, wo man dann ja irgendwie den Schreibtisch als den Ausgangspunkt allen Lernens ist gar nicht so sinnvoll. Also ich darf ins Café gehen.
Genau, also das ist auch so eine Sache, man wird ja auch häufig mit LernyTubern konfrontiert, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Und da gibt es ja auch ganz viele Leute, die das so ein bisschen als Küchenpsychologie betreiben. Und dann immer erzählen zum Beispiel, und das ist auch eine Sache, die ich sehr häufig gehört habe von unterschiedlichen LernyTubern, die sagen, okay, lernt immer am selben Ort, dann seid ihr habituiert dazu und ihr wisst immer, dass ihr da eben gut lernen könnt.
Aber es gibt Studien, die gemacht wurden und diese Studien haben gezeigt, wenn man ein Thema an unterschiedlichen Orten lernt, dann prägt sich das Thema besser ein, als wenn man es immer nur am selben Ort lernt. Und was auch interessant ist an diesen Studien ist, es ist sogar am besten, wenn einer dieser Orte der Ort ist, wo man am Ende die Prüfung aufschreibt.
Also da gibt es auch einen Zusammenhang.
Okay, spannend. Also ist auch unendlich, also man kann ja immer weiter ins Detail gehen. Absolut, ja. Gibt es denn was, was man nicht variieren sollte?
Genau, also das ist auch ein Punkt, der häufig von diesen YouTubern auch empfohlen wird, dass man passive Lernstrategien variiert. Also dass man zum Beispiel einmal etwas hört, danach etwas liest. Und das würde ich nicht empfehlen. Also das ist nicht etwas, was sinnvoll ist, sondern es ist sinnvoll, Active Recalls zu machen und danach das Feedback zu variieren.
Das heißt, dass man zum Beispiel das Feedback einmal als Video einholt oder einmal als Text aus dem Buch oder ähnliches.
Oder als Podcast.
Ja, absolut.
Das ist auch optimal. Ich habe auch gehört, dass man ja, man soll doch Pausen machen, oder? Wie viele Pausen machst du so beim Lernen? Wann machst du Pausen?
Also es gibt für Pausen auch unterschiedliche Methoden. Und eines hatte ich ja schon angeklungen, die Pomodoro-Methode, die besagt eben, dass man 25 Minuten lernt und dann fünf Minuten Pause macht, danach kommt noch so ein anderes Regime, aber halten wir es mal einfach. Und grundsätzlich ist der Gedanke dahinter, dass wir nur eine gewisse Aufmerksamkeitsspanne haben.
Also wir lernen, eben brauchen am Anfang so ein bisschen Zeit, um in das Thema hineinzukommen. Da ist unsere Lerneffizienz noch nicht so hoch und dann steigt sie eben an und bleibt über eine gewisse Zeit auf einem hohen Niveau. Und dann gibt es eben Punkte und die sind unterschiedlich zwischen Menschen, wo unsere Aufmerksamkeitsspanne abfällt.
Und sinnvoll ist es eben dann, eine Pause zu machen, weil man dadurch die wieder sozusagen rechargen kann und wieder eine höhere Aufmerksamkeitsspanne und dadurch auch eine höhere Lerneffizienz erreichen kann. Nun sagt die Pomodoro-Methode eben, dass es nach 25 Minuten diese Pause gibt und das ist auch für manche sicherlich förderlich.
Aber es gibt auch eine gewisse Variation, wie lange man eben diese Aufmerksamkeitsspanne halten kann. Und für mich persönlich, ich habe mit vielen Dingen herumexperimentiert, war es am besten 50 Minuten zu lernen und 10 Minuten Pause zu machen. Aber es gibt auch Daten, dass es eben 90 Minuten sinnvoll sein kann zu lernen und danach eine Pause zu machen.
Also ich würde empfehlen, das für sich selber auszuprobieren.
Das finde ich interessant, weil ich hatte auch genau mir darüber Gedanken gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, wenn ich so diese 25-5-Methode anwende, ich mache immer eine Pause an Stellen, wo ich eigentlich gerade richtig drin bin im Lernen und mir wurde dann irgendwie mal gesagt, ja, aber das ist besser, wenn du dann da eine Pause machst, als wenn du quasi lernst, bis du nicht mehr kannst und dann die Pause machst.
Also wie finde ich da so mein Optimum raus?
Also eine Sache, die da auch ganz gut funktioniert hat und auch für mich gut funktioniert hat, ist eine Zeit lang einfach eine Stoppuhr zu stellen und dann zu gucken, wie lange sozusagen habe ich das Gefühl, dass meine Aufmerksamkeitspanne noch gut ist. Und häufig merkt man das ja auch irgendwie, ja gerade kriege ich da irgendwie die neuen Informationen nicht rein.
Und dann wechselt man oder macht man so einen Cut und macht eben eine Pause und die ist dann zum Beispiel ein Fünftel der Länge dessen, wie man eben auf der Stoppuhr die Zeit hat. Aber das ist jetzt nicht etwas, was wissenschaftlich validiert wurde. Das ist einfach so ein praktischer Tipp, der gut hilft.
Und was machst du dann in den Pausen? In den Pausen gibt es auch eine Studie, die hat Aurelius entdeckt aus unserer Gruppe und die hat mir sehr, sehr gut gefallen, weil es sinnvoll ist, in Pausen eben nicht die Fähigkeiten, also die Tätigkeiten, die man dann macht, abzuwechseln, sondern es ist am besten eine Pause zu machen mit nur einer Tätigkeit.
Und am besten ist es auch nicht irgendwie ans Handy gehen oder andere Dinge, sondern es ist sinnvoll, zum Beispiel sich hinzulegen und einfach so ein bisschen zehn Minuten zum Beispiel, das sind meine Pausen, einfach so ein bisschen sich zu entspannen. Oder man geht kurz umher, trinkt einen Kaffee oder ähnliches.
Aber es ist auch so, dass wenn man sich jetzt zum Beispiel dehnt und hinlegt, jetzt nur als ganz konkret, das sind jetzt nicht Dinge, die sozusagen untersucht wurden in der Studie, aber die hinter diesem Konzept stehen, dann ist es eben sinnvoll, in einer Pause sich zu dehnen und in den anderen Pausen sich hinzulegen und nicht in einer Pause sich fünf Minuten zu dehnen und danach fünf Minuten hinzulegen, weil das eben ein Wechsel der Aktivität ist.
Ah, spannend.
Gut, und jetzt nochmal, ja, genau, also ich kenne das immer, wenn man sich auch über Lernstrategien oder so irgendwas anhört, ist man danach immer super motiviert. Aber irgendwie prokrastiniert man am Ende dann doch oft. Achso, auch gegen Prokrastination irgendwelche Tipps.
Ja, da gibt es auch einiges an Literatur zu. Und eine Methode, die eben da häufig empfohlen wird, ist die Zwei-Minuten-Regel. Also es gibt auch unterschiedliche Namen dafür, aber ein Name ist eben die Zwei-Minuten-Regel und das besagt, dass man eben einen Timer oder eine Sanduhr auf zwei Minuten stellt und dann wirklich sagt, okay, ich lerne jetzt nur für zwei Minuten.
Und das ist sozusagen nur um diesen Anfangswiderstand zu gewinnen und zu überwinden und dass man dann eben sagt, okay, wenn ich keine Lust mehr habe, weiterzulernen oder keine Lust mehr habe, die Aufgabe weiter durchzuführen, dann höre ich auch auf. Dann gönne ich mir die Pause. Aber ich versuche es einfach nur für zwei Minuten.
Und das setzt eben diese Schwelle für das Beginn herab und häufig ist man danach schon so in Fahrt gekommen, dass man gar nicht aufhören möchte. Und das ist auf jeden Fall etwas, wo es einiges an Daten zu gibt. Bisschen wie so Aktivierungsenergie.
Genau, genau, ja. Okay. Und jetzt nochmal vielleicht kurz eine persönliche Frage auch, wie viel Zeit nimmst du dir dann am Tag so fürs Lernen? Also wie hast du es beim Physikum gemacht?
Beim Physikum, da war ich noch nicht so tief in der Literatur drin, wie ich jetzt bin. Da hätte ich es, also würde ich eher sagen, wie ich es eher gemacht hätte. Also ich würde empfehlen, nicht zu viel Zeit zu lernen. Also für mich persönlich habe ich so ein Maximum von acht Stunden am Tag, die ich mir gesetzt habe.
Auch acht sozusagen reine Stunden. Also ich zähle die Pause jetzt nicht mit dazu. Und ich würde das für mich einfach so der Punkt, wo ich gemerkt habe, sonst funktioniert ich nicht langfristig gut. Und ich habe nicht das Gefühl, dass ich danach noch neue Sachen aufnehmen kann. Aber es ist auch nicht etwas, was jetzt wissenschaftlich validiert ist.
Das ist meine persönliche Wahrnehmung davon. Und das ist eben etwas, das man auch für sich selber herausfinden muss. Aber ich würde maximal acht Stunden lernen und dann eben auch das über den Tag aufteilen. Also dann vorm Schlafen gehen ein bisschen lernen, morgens ein bisschen lernen und zwischendurch eben die Pausen ansetzen.
Und Thema Länge, es gibt ja so dieses Parkensonche-Gesetz. Erstmal, was besagt das und gibt es das wirklich?
Stimmt das? Also das ist ein absolut interessantes Gesetz und auch eins deiner Lieblingsgesetze, die nicht nur für Lernen, sondern auch für jegliche Form von Arbeit gilt. Und das Gesetz besagt einfach gesagt, dass sich Arbeit so weit ausdehnt, wie viel Zeit man eben der Arbeit zur Verfügung stellt. Also wenn man jetzt zum Beispiel einen Text schreiben muss, dann, sei es zum Beispiel ein Draft für die Doktorarbeit, und man sagt, okay, ich habe eine Stunde Zeit oder ich habe fünf Stunden Zeit, wird man in beiden Fällen schaffen, die gesamte Zeit zu arbeiten, bis man eben fertig ist.
Also wenn man fünf Stunden Zeit hat, wird einem noch viel mehr auffallen, was man eben noch machen könnte. Was vielleicht irgendwie, da soll ich das nochmal nachgucken, soll ich vielleicht nochmal hier die Kommersetzung korrigieren? Wenn man sich wirklich so ein Limit setzt, dann führt es dazu, dass man sich die allerwichtigsten Dinge herauspickt und die auch macht.
Und es wird auch viel mit diesen künstlichen Deadlines gearbeitet aus dieser eben Arbeitsliteratur. Und das kann man eben auch fürs Lernen nutzen, indem man sagt, okay, ich lerne dieses Thema nur für so und so viel Zeit. Und dann lerne ich halt wirklich die allerwesentlichsten Dinge und mache nicht irgendwelche unnötigen Aspekte davon.
Ja, ganz kurze Anekdote dazu, genau das ist mir letztens passiert. Wir mussten so eine Hausarbeit schreiben, Geschichte und Ethik der Medizin. Wir mussten so Essays schreiben. Oh Gott. Und mir ist aufgefallen, dass die Deadline in 20 Minuten ist. Und ich musste aber noch vier davon schreiben. Und also keine Ahnung, ich hatte normalerweise gedacht, ja, ich brauche mindestens so eine Stunde für einen.
Aber das hat dann funktioniert. Also ich glaube an dieses Gesetz. Ich weiß nicht, ob das jemals irgendwie tatsächlich validiert wurde, dass es das gibt.
Ja, da gibt es einige Studien. Ja, also das ist auch assoziiert eben mit diesem anderen Gesetz, das eben 2080 regelt, dass man in 20% 80 Prozent des Effektes hat und dass man sich dann eben durch dieses parkonsische Gesetz mehr auf diese 20 wesentlichen Prozent fokussiert. Und das ist auch eine Sache, die ich so gut wie alles, was ich mache, anwende, um eben auch zu sagen, okay, dann versuche ich mir so ein bisschen die Zeit einfach zu cutten und zu sagen, okay, du hast nur so und so viel Zeit, wenn man dadurch dann wirklich die wesentlichsten Aspekte fokussiert hat.
Also du hast dann auch diesen, du hast es quasi geschafft, diesen Perfektionismus loszuwerden.
Genau, absolut. Also das ist auch etwas, worum dich sehr viel struggle und was wirklich das gesamte Medizinstudium immer begleitet hat. Und teilweise ist es immer noch so, dass ich mich in so perfektionistischen Sachen verliere, dann irgendwie eine PowerPoint-Folie nochmal richtig schön designen möchte.
Dann ist es immer so, nee, Michael, du hast jetzt fünf Minuten Zeit, die fertig zu machen und dann ist es vorbei. Und das funktioniert für mich sehr, sehr gut. Und vielleicht für den ein oder anderen Perfektionisten da draußen auch.
Ja, fühle ich. Und wenn, jetzt aber nochmal das Thema Medizinstudium, wie identifiziere ich denn das Wichtigste? Weil normalerweise gibt es ja so einen großen Haufen an ganz, ganz vielen Informationen, die oft auch gar nicht so krass hierarchisch strukturiert sind, sondern die dir einfach so dargeboten werden im Sinne von, hier sind 800 Seiten Anatomieatlas, lern das.
Absolut. Also da ist es wirklich sehr sinnvoll, sich so eine Beschränkung zu stellen und zu sagen, okay, wenn morgen Klausur wäre zum Beispiel, was müsste ich lernen? Und das ist dann einfach eben so ein Mindset dazu oder eine Art und Weise, wie man darüber nachdenkt. Und dann liest man das eben durch und sagt, okay, das sind wirklich die Informationen, ich glaube, die brauche ich für die Prüfung.
Und das, ja, okay, wenn ich jetzt mehr Zeit hätte, würde ich das lernen, aber dann muss ich das wohl erstmal übergehen. Und durch diese Priorisierung kann man dann schon eher das Wesentliche eben herausnehmen. Aber grundsätzlich ist es auch sehr, sehr sinnvoll, sich da auch an Haltklausuren zu orientieren.
Das war jetzt schon alles echt super spannend. Vielleicht zum Abschluss, hast du noch irgendwie ein, zwei Tricks, wie man doch irgendwie noch mehr rausholen kann beim Lernen?
Absolut. Also, als wir unsere Vorträge ausgearbeitet hatten, ging das schon eine Weile und dann hatte einer aus unserem Team, Linus, ein Video in unsere WhatsApp-Gruppe gesendet. Und in diesem Video ist ein älterer Herr ins TV-Studio gekommen, und ich fand, der sah sehr exzentrisch aus. Also der hat auch exzentrisch gekleidet.
Und ich habe mich auch ein bisschen gewundert, weil er sich auch exzentrisch verhalten hat. Denn er ist dann zu den ganzen zuschauenden Personen hingegangen und hat sich bei jedem einmal vorgestellt. Also mit Hand geben und auch, also das hat auch lange gedauert. Das waren so die ersten 30 Minuten dieses Videos.
Und ich habe ja schon gedacht, was will Linus mir damit sagen? Also, was ist das für ein Video? Geht es irgendwie um Demenz oder was hat das jetzt mit Lehren zu tun? Oder hat er sich irgendwie verklegt und das in die falsche Gruppe gesendet? Und dann setzt sich dieser Mann eben zum Host und stellt sich da auch nochmal vor, nachdem er eben durch all die 30 bis 40 Zuschauer durchgekommen ist.
Und was er dann gemacht hat, ist, er hat einmal nach ganz hinten links gezeigt im Raum und gesagt, sie heißen so und so. Und dann sind alle Zuschauenden durchgegangen und hat gesagt, sie heißen so und so. Vor- und Nachname von jeder einzelnen Person. Und das hat er sich gemerkt, einfach dadurch, dass er das einmal gehört hat.
Quasi während er durchgelaufen ist und sich bei allen vorgestellt hat. Genau, genau. Das war der Grund, warum er durchgelaufen ist und sich bei allen vorgestellt hat. Und das hat mich total beeindruckt, als ich das gesehen habe. Ich habe gesagt, wie kann das sein? Also vor allem auch, weil es ihm dann so aufgezogen wurde.
Und dann hat er ihm erzählt von unterschiedlichen Möglichkeiten, wie man das lernen kann. Und eins ist The Memory Book von Harry Lorraine und Jerry Lucas. Und das sind eben einfach Gedächtniskünstler, die ihre Zeit und ihre Arbeit daran investiert haben, so Tricks auszuarbeiten, wie man sich Dinge extrem gut einprägen kann.
Also man muss sagen, man kann sich damit extrem gut Sachen merken, es ist aber jetzt nicht unbedingt sehr geeignet, um auch Dinge zu verstehen. Und mit diesen Tricks kann man zum Beispiel Zahlen sehr gut merken, man kann auch Spielkarten auswendig lernen, man kann sich Namen super gut merken, aber es ist auch möglich, dadurch dann auch zum Beispiel Vorlesungen oder Buchkapitel oder auch Arzneistoffnebenwirkung auswendig zu lernen.
Ich habe sehr gerne für Arzneistoffe genutzt und die Basis, also das würde jetzt im Detail das zu erklären, würde den Rahmen des Podcasts sprengen, aber also für diejenigen von euch, die sich dafür interessieren, würde ich auch wirklich dieses Buch empfehlen. Aber grundsätzlich ist es einfach so, dass man verrückte Bilder aneinander kettet.
Also wir sind eben evolutionsbiologisch nicht dazu ausgelegt, irgendwelchkapitel oder Buchseiten auswendig zu lernen, sondern wir sind eben ausgelegt, um es Bilder zu merken. Und wenn man jetzt verrückte Bilder hat, kann man die, wenn man sie kurz vor seinem inneren Auge sieht, dann später viel, viel besser abrufen, als wenn man nur rein theoretische Informationen hat.
Also es ist so ein bisschen wie Meditricks, aber so, dass man es persönlich selber für fast alles anwenden kann.
Okay, mega spannend. Ja, Michael, erstmal vielen, vielen Dank für den ganzen Einblick. Vielleicht können wir nochmal ganz kurz so die wichtigsten Take-Home-Messages zusammenfassen.
Gerne. Also am allerwichtigsten, und das ist auch häufig, dass die meisten von euch, die diesen Podcast eben gehört haben heute, dass mitnehmen, dass Output beim Lernen viel wichtiger ist als Input. Also ihr müsst viel mehr Output betreiben, wenn ihr etwas lernen müsst, ihr müsst Dinge aus euch herausziehen, ihr müsst versuchen, euch an Dinge zu ändern, um wirklich einen langfristigen Lernprozess zu haben.
Dann ist es sinnvoll, diesen Output zu spacen, das heißt zeitliche Intervalle dazwischen zu packen, weil ihr euch dadurch nur Dinge langfristig einprägen könnt. Und eine Sache, die ich auch gerne nutze und auch wirklich ihm empfehlen würde, ist Variation. Das führt nicht nur zu mehr Spaß, sondern auch zu mehr Erfolg.
Also variiert die Art und Weise, wie ihr lernt, variiert die Orte, wo ihr lernt, denn dadurch werdet ihr die Sachen besser meistern und sie auch besser für Patienten anwenden können.
Mega. Vielen, vielen Dank, dass du dabei warst, beziehungsweise dass wir bei dir sein durften. Super spannende Einblicke. Ich hoffe, ihr konntet irgendwie alle viel mitnehmen für die nächsten Prüfungen und fürs Physikum etc. Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt uns gerne und dann leiten wir das sicher weiter.
Wir werden auch viel nochmal in der Podcast-Beschreibung verlinken. Und ansonsten war es das mit diesem Podcast. Ihr wisst, bei uns kommen alle zwei Wochen am Montag eine neue Folge, Citrus Inversus. Normalerweise natürlich mit den inhaltlichen Themen. Ansonsten muss ich auf jeden Fall für unser Social Media Team noch auf Instagram hinweisen.
Da wird es mit Sicherheit auch sehr coole Bilder aus Hamburg geben. Deshalb schaut unbedingt mal bei at der VorClinik-Podcast vorbei. Dort gibt es dann auch MC-Fragen, Merksprüche und eben Bilder. Und ansonsten, wenn ihr uns loben oder beschimpfen wollt, geht das immer sehr gut auf Apple Podcasts, aber auch auf Spotify.
Wir freuen uns immer sehr über Sternchen, Abos etc. Ansonsten, wenn ihr irgendwie mit uns in Kontakt treten wollt, schreibt uns auf Insta oder geht auf unsere Website, das ist auch alles verlinkt. Jetzt habe ich, glaube ich, alles gesagt, was mir aufgetragen wurde. Deshalb Michael nochmal vielen, vielen Dank, dass du da warst.
Und für euch alle bis zum nächsten Mal.
Vielen Dank, bis zum nächsten Mal.
Ciao. Für die Inhalte in diesem Podcast übernehmen wir keine Gewäre. Der Podcast kann den Besuch von Vorlesungen nicht ersetzen. Wir empfehlen das Studium von einschlägiger Fachliteratur über den Inhalt des Podcasts hinaus.