Situs Inversus – Der Vorklinik-Podcast

VOR X KLINIK | Prof. Schmidt, wie behandelt man Vorhofflimmern?

Montag, 24. Juni 2024 · 47 min

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Shownotes

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Prof. Constanze Schmidt ist Oberärztin für Kardiologie und Rhythmologie am Uniklinikum Heidelberg und leitet die Forschungsgruppe für atriale Elektrophysiologie. Vorhofflimmern als die häufigste Herzrhythmusstörung ist heutzutage schwer zu behandeln, beruht aber letztlich nur Veränderungen in den physiologischen Abläufen, welche wir in den letzten Folgen durchgegangen sind. In dieser Folge werden wir den aktuellen Stand der Forschung mit den vorklinischen Inhalten verknüpfen. Außerdem berichtet uns Prof. Schmidt über ihre Assistenzarztzeit und wie es war nur unter männlichen Oberärzten zu arbeiten und aufzusteigen.

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Also, ich habe ja die Geschichte berichtet, ein Kommilitone, der eine schwere Herzrhythmusstörung hat, einfach mein Leben verändert. Und dass man sich auch darauf unter Umständen einlassen muss. Und dass auch nicht alles geplant werden kann im Leben. Aber wenn man an etwas Interesse findet und von irgendetwas fasziniert ist, dann muss man das unbedingt machen.

Situs Inverse. Der Vorklinik-Pcast. So, hallo und herzlich willkommen zurück bei Situs Inversus, der Vorklinik-Podcast. Heute mit der nächsten Folge aus unserer Gastfolgenreihe 4xKlinik. Was zur Hölle bringen wir die vorklinischen Inhalte später für den ärztlichen Beruf? Und heute soll es, wie es zu den letzten Folgen auch passt, um das Herz gehen.

Mehr um die atriale Elektrophysiologie. Und dafür haben wir uns einen Gast eingeladen, und zwar Professor Konstanze Schmid. Wer die letzte EKG-Special-Folge schon gehört hat, der kennt ihre Stimme schon. Herzlich willkommen erneut bei uns im Podcast.

Ganz herzlichen Dank für die Einladung.

Genau, so jetzt bin ich euch auch noch die Vorstellung von ihr schuldig, die wir jetzt in dem Rahmen noch vornehmen. Sie hat studiert im schönen Göttingen in Niedersachsen, ist danach für die Facharztweiterbildung nach Heidelberg gekommen, ist dann 2021 hier an der Uniklinik auch Oberärztin geworden und ist aktuell neben ihrer W3-Professur auch Arbeitsgruppenleiterin und meine wunderbare Doktormutter.

Deswegen, falls ihr euch gewundert habt, warum wir uns duzen, weil wir jetzt halt eben schon, oder weil ich jetzt schon seit mehr als zwei Jahren bei ihr in der Arbeitsgruppe tätig bin. Sie hat auf ihrem Weg sehr, sehr viele Preise abgeräumt, die wir jetzt, glaube ich, gar nicht alle aufzählen können.

Aber als kleinen Opener habe ich mir einen rausgesucht, der für mich ein bisschen aus dem Raster gefallen ist. Und zwar 2001 hast du ein Patent angemeldet für Verfahren und Apparatur einer programmierten Fusionstherapie, was, glaube ich, was mit Auge zu tun hat, ist das richtig? Exakt. Ja, und jetzt ist meine große Frage, wie bist du denn vom Auge dann jetzt zur Kardiologie gekommen?

Und wie, wie, was hat es mit diesem Patent auf sich? Ganz kurze Werbung.

Wir haben in diesem Semester einen richtig coolen Werbepartner, Meditrix, und den wollen wir euch jetzt einmal vorstellen.

Einige von euch fragen uns manchmal auf Insta, ob wir irgendwie so Lernstrategien oder Lernchips haben. Keine Ahnung, warum wir dafür die Autorität haben. Aber es ist ja schon so im Medizinstudium, es gibt so Sachen, die versteht man einmal und dann kann man die. Und dann gibt es so diese vielen Fakten, die man wirklich relativ stumpf auswendig lernen muss.

Und das hilft einfach nichts, die müssen einfach rein. In der Vorklinik erinnere ich mich an die Hirnnerven, die Anatomie oder sonstiges. Manche Sachen muss man sich einfach auswendig merken. Und da ist der Game Changer schlechthin tatsächlich Meditrix. Meditrix, das sind quasi Eselsbrücken als Bilder.

Ihr findet bei Meditrix ganz viele verschiedene Szenen, die jeweils die Themen, die für euch relevant sind, zusammenfassen. Und da gibt es so viele Details, die dann wiederum für die Fakten stehen, die ihr können müsst. Und diese Szenen sind tatsächlich so bunt und wild und lustig, dass ihr gar nicht anders könnt, als sie euch nachhaltig zu merken.

Ja, und das macht dann einfach viel mehr Spaß. Ich glaube, das kann man sich auch schlecht vorstellen, wenn wir jetzt so drüber reden. Deshalb schaut euch mal die Demo auf meditrix.de an. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was euch da erwartet. Ja, genau. Und das lohnt sich auf jeden Fall da mal reinzuschauen, ob das was für euch ist.

Vielleicht hat eure Uni auch eine Campuslizenz für Meditrix. Und falls nicht, haben wir was für euch.

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Das war's schon.

Ja, also vielen Dank für die Frage. Als Schülerin habe ich häufiger beim Wettbewerb Jugend forscht mitgemacht und hatte dann in diesem Kontext auch einen Mitschüler getroffen, mit dem wir zusammen uns ein Projekt überlegt haben, was auf der Basis entstanden ist, dass er eine Bekannte hatte, die an einer Schielerkrankung litt, also einer Abweichung der Seeachsen.

Und wir hatten uns überlegt, dass wir eine Apparatur entwickeln könnten, die ihr den Sehindruck eines Normalsichtigen verleiht, also dass sie keine Doppelbilder mehr sieht aufgrund der abweichenden See-Achsen und haben dann praktisch ein kleines Computer-Tracking-Verfahren gebaut, was sozusagen die Fixationspunkte der abweichenden See-Achsen durch zwei unterschiedliche Webcams sozusagen erfassen konnte und dann an die unterschiedlichen Fixationspunkte zwei identische Abbildungen gelegt hat auf einen Computermonitor und ihr damit das Arbeiten eines normalsichtigen praktisch in einem Fusionspunkt kumuliert ermöglicht hat.

Und dieses Verfahren haben wir damals beim Wettbewerb Jugendforsched vorgestellt und uns wurde damals geraten, das halt als Patent anzumelden, weil es ein neues Medizinprodukt ist, was also in sogenannten Seeschulen zum Einsatz kommt, um halt Kindern mit Schienen, aber auch Erwachsenen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, den Seeeindruck eines Normalsichtigen erlaubt, zu vermitteln und auch eine Trainingskomponente haben kann.

Das heißt, man kann praktisch auch die abweichenden See-Achsen wieder durch ein muskuläres Training mit zusammenführender Bilder ausgleichen.

Okay, und wie hat sich jetzt der Bogen geschlagen vom Schielen zum Herzen?

Ja, vielen Dank für die Frage. Also ich hatte immer mal überlegt, im Bereich Medizintechnik oder Biophysik mal später zu arbeiten und das hat mich auch zum Studium an die Universität Göttingen geführt, wo ich dann praktisch Medizin und Physik parallel angefangen habe zu studieren. Und während des Medizinstudiums kam es dazu, dass ein Kommilitone von mir eine ganz schwere Herzrhythmusstörung, nämlich Kammerflimmern, entwickelt hat während eines Praktikums.

Und es stellte sich dann heraus, dass derjenige eine zusätzliche elektrische Leitungsbahn im Herzen hat, ein sogenanntes Wolf-Parkinson-Weite-Syndrom. Das heißt, da wird mit einer zusätzlichen Leitungfaser im Herzen praktisch der RV-Knoten als Frequenzfilter einfach umgangen und kann einfach unselektiv eine Erregung direkt vom Atrium auf den Ventrikel, also auf die Hauptkammer, überleiten.

Und derjenige hatte kurz vor Hochflimmern und das hat dann zum direkten Kammerflimmern geführt, ein klassisches Phänomen beim sogenannten Wolf-Parkinson-Weit-Syndrom. Und die gute Nachricht ist aber, dass man das perfekt therapieren kann durch eine Applationsbehandlung. Das heißt, man unterbricht einfach die zusätzliche Leitungsbahn durch eine Verödungsprozedur.

Man kapt diese Leitungsbahn und es hatte mich damals so beeindruckt, dass ich entschieden habe, mich der Kardiologie anzunehmen. Und damit es aber trotzdem eine elektrische Komponente behält, bin ich dann in die Elektrophysiologie.

Ich verstehe. Okay. Das ist ja eigentlich die perfekte Überleitung zum Thema heute. Wir haben in der letzten, ne, in der vorletzten Herzfolge, in der ersten, haben wir über Elektrophysiologie gesprochen und ferner über das ventrikuläre Aktionspotential, was ja an Pathologien auch beteiligt ist. Nochmals kurze Wiederholung.

Das beginnt nach einer Schwellenüberschreitung mit einem Natrium-Einstrom. Auf diesen Natrium-Einstrom und den Overshoot folgt dann ein Kalziumstrom, der durch einen Kaliumstrom ausbalanciert wird, was dann in einem Plateau endet. Durch einen sich zurückbildenden Calciumstrom wird dann die Zelle wieder auf minus 90 polarisiert und wir sind wieder da, wo wir quasi angefangen haben.

So, jetzt hast du vorhin schon über Vorflimmern gesprochen. Das schon mal als kleinen Teaser. Konstanze ist Vorhof-Spezialistin und kennt sich halt eben mit diesem Vorhofflimmern sehr, sehr gut aus. Und deswegen ist jetzt die Frage, Vorhof und Kammer müsste ja eigentlich genauso aussehen.

Ja, vielen Dank für die Frage. Das ist es eben nicht. Es ist so, dass das Herz halt sich evolutionstechnisch so aufgestellt hat, dass die Kardymyozyten aus dem Vorhof und dem Ventrikel unterschiedliche sogenannte Ionenkanalausstattungen haben, also die kleinste elektrische Einheit einer Zelle letzten Endes.

Und das hat auch einen Hintergrund hinsichtlich der myokardialen Leitungseigenschaften. Es ist also sozusagen auch entwicklungsbiologisch gut zu verstehen, warum es da einfach unterschiedliche Ionenkanalkomponenten gibt. Und jetzt ist es so, dass sich eine ventrikuläre Kardimyozyte von einer Atrialen nicht nur durch die Ausstattung der Ionenkanäle unterscheidet, sondern auch durch deren Funktion.

Das heißt, die atrialen Kardymyozyten haben ganz, ganz viele Kalium-Ionenstrom-Komponenten, die in einem sehr distinkten Zusammenspiel eine sogenannte Repolarisation der Zelle, die du erwähnt hast, um wieder ins Ruhmembranpotenzial zurückzukehren, ausüben können. Und das ist der Grund, warum die Morphologie des atrialen Aktionspotentials deutlich anders ist als die vom ventrikulären Aktionspotential.

Und das kann dann genauso wie auch in den ventrikulären Kardimyzyten natürlich zu pathophysiologischen Veränderungen führen, in der Gesamtdauer des Aktionspotentials, aber auch in der Morphologie. Und jetzt gibt es zum Beispiel A-klassische sogenannte Cannelopathien, die man häufig ja auch im Studium lernt, das sogenannte Brogada-Syndrom.

Das umfasst eine Gruppe von Ionenkanälen, die praktisch Funktionsveränderungen haben, oft im Natriumkanal, kann aber auch im Calciumkanal vorhanden sein. Und das führt dann halt zu einer morphologischen Veränderung des Aktionspotentials und kann darüber hinaus ein proorotomogenes Potenzial induzieren.

Und beim Foho-Flimmern ist es jetzt so, dass wir über die letzten 20 Jahre herausgefunden haben, dass es da zu einem sehr distinkten Remodeling von im besonderen Kalium-Ionen-Komponenten kommt. Und hier haben wir einen neuen atrial-selektiven Kaliumkanal neu identifiziert. Der zu der zuletzt entdeckten Gruppe von Kaliumkanälen gehört, den sogenannten Zweiporendomänen-Kaliumkanälen.

Und dieser ist ein ganz starker Regulator der Repolarisationsphase, weil er praktisch die Rückkehr zum Ruhemembranpotenzial im Wesentlichen sozusagen in Kardymyzyten von Patienten mit Foruflimmern reguliert, weil die Karimiozyten von Patienten mit Vorflimmern viel mehr von dem Protein dieses Kanals exprimieren und damit auch die funktionelle Komponente stärker ins Gewicht fällt.

Okay, das bedeutet, wenn es mehr dieses Kaliumstroms gibt, dann repolarisiert die Zelle einfach schneller.

Genau, sozusagen.

Und wieso ist das ein Problem?

Genau, weil dadurch sozusagen auch die Zeit, bis ein neues Aktionspotenzial wieder ausgelöst werden kann, die wird reduziert. Und das wiederum sozusagen senkt auch die Refraktärzeit der Kardiomyzyte und kann damit zur Induktion von schnelleren oder repetitiveren Aktionspotential Induktionen führen und damit der Prorythmogenität.

Aber beim Foflimmern ist nicht nur das der alleinige Trigger, das verkürzte arteriale Aktionspotential, sondern das fällt zusammen mit der Induktion einer sogenannten Heterozellularität. Das heißt, in einem Vorhof von einem Menschen mit Fohoflimmern gibt es nicht sozusagen eine ausbalancierte Anzahl von Kardimyzyten, Fibroblasten, Endothelzellen und anderen Zellen, sondern diese Balance hat sich sehr stark verschoben, zum Beispiel hin zum Anteil von Fibroblasten, wodurch die Leitungseigenschaften im Myokard sehr inhomogen werden.

Das heißt, wir haben Bereiche, in denen das Myokat des Atriums sehr schnell leitet, weil da bestimmte Zellen sind, oder auch sehr langsam. Und wenn das zusammentrifft, jetzt mit den verkürzten atrialen Aktionspotentialen, sowohl repetitiv schnelle Erregungen entstehen können, kann das zu der Situation führen, dass es zur Induktion von chaotischen elektrischen Re-Entry-Mechanismen kommt.

Und das ist das klassische Vorhoflimmern letzten Endes.

Okay. Also quasi reicht nicht nur ein Faktor, also es reicht jetzt nicht nur, dass jetzt zum Beispiel dieser eine Kaliumkanal stark erhöht ist, sondern es muss ein Zusammenspiel aus verschiedenen Dingen passieren, dass der Vorhof so anfällig ist, dass er nicht mehr das tut, was er soll.

Definitiv, genau. Und genau das ist so ein bisschen das Mysterium der letzten 20 Jahre Vorhoflimmer-Forschung. Also man hat verschiedene Komponenten versucht zu identifizieren und hat diese oftmals so als Haupttrigermechanismen ja in den Fokus der Forschung gestellt, hat aber mehr und mehr herausgefunden, dass es ein gewisses Zusammenspiel von pathophysiologischen Komponenten im Vorhof braucht, damit dieses Vorhofflimmern auch in Gang kommt.

Und das führt auch dazu, dass wir heute glauben, dass es einfach sehr unterschiedliche Arten von Fohoflimmern gibt. Das heißt, Fohoflimmern ist nicht gleich Vorflimmern, sondern dahinter steckt ein erkrankter Herzvorhof. Und genauso wie wir das von den Ventrikeln kennen, die ventrikulären Kardymyopathietypen, glauben wir auch, dass es dies in den Vorhöfen gibt und dass es Vorflimmern letzten Endes nur ein Phänotyp ist einer veränderten Elektrik in den Artien.

Okay. Jetzt Vorflimmern ist die häufigste kardiale Arrhythmie, mit so 3-4% der Bevölkerung sind betroffen. Jetzt ist die Frage: Vorflimmern, wie erkenne ich überhaupt, ob ein Patient Vorflimmern hat klinisch, ohne dass ich ein EKG geschrieben habe. Wie äußert sich Vorflimmern bei Patienten?

Ja, sehr spannende und sehr gute Frage. Die Antwort ist, auch hier gibt es eine sehr große Spannbreite an Symptomen oder auch Nicht-Symptomen. Es gibt viele Menschen, die merken Vorhochflimmern überhaupt gar nicht. Da sprechen wir dann meist von stillen Vorflimmer-Episoden oder sogenannten stillen Paroxysmen, die sich im Vorhof etabliert haben.

Und es gibt Menschen, die sind darunter hochsymptomatisch und leiden unter einer starken Leistungseinschränkung. Und wir haben noch nicht herausgefunden, was erfüllt sein muss, damit ein Patient das auch wirklich merkt, dass er zum Beispiel einen unregelmäßigen Herzschlag spürt oder eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit oder eben auch nichts.

Das heißt, das ist sicherlich was, was wir in den nächsten Jahren noch besser versuchen müssen zu verstehen und was unter Umständen mit der zugrunde liegenden atrialen Kardiomyopathie, also den Umbauvorgängen der Artien, zu tun haben könnte. Aber das ist noch eine offene Frage.

Okay. Jetzt haben wir einen Patienten mit Vorhoflimmern. Wenn der ja asymptomatisch ist, muss man ja eigentlich nichts machen, oder? Dann geht es ihm ja gut.

Könnte man annehmen. Allerdings ist die Vorhochflimmern zwar eine gutartige Herzrhythmusstörung, wie wir prinzipiell sagen und wie auch viele Bücher schreiben. Allerdings geht von Vorflimmern natürlich eine gewisse Gefahr aus, nämlich die von Tromp-embolischen Ereignissen. Was genau meint, dass sozusagen die Hämodynamik in den Vorhöfen, also der Blutfluss, funktioniert nicht genauso wie in einem Sinusrhythmus.

Das heißt, das Blut kommt in bestimmten Bereichen durch diese schnellen Herzaktionen mit 600 Schlägen pro Minute in den Vorhöfen, auch unter Umständen zum Stillstand, weil das Blut gar nicht so schnell dann bewegt werden kann in dem atrialen Karum und im besonderen auch in den Herzohren, zum Beispiel im linken Herzohr.

Das heißt, weil das Herzschutz so schnell schlägt, kann das Blut nicht so gut bewegt werden und das führt dann zur Entstehung von Trompen. Und diese Trompen können dann natürlich ihren Weg ins Gehirn oder den Körperkreislauf finden und dann einen Schlaganfall machen oder sogenannte trombembolische Ereignisse, wie wir nennen.

Und dafür hat sich bei uns in der Medizin ein sogenannter Risikoscore zur Berechnung des Risikos solcher Ereignisse etabliert. Das ist der sogenannte JetZWAS-Score. Das ist also ein Score, der aus klinischen Informationen besteht, die mal an einem großen Patientenkollektiv untersucht wurden und mit denen man berechnen kann, wie groß das individuelle Risiko scheint.

Und deshalb raten wir unseren Patienten mit Fohflimmern auch, dass sie eine blutverdünnende Therapie einnehmen sollen, damit sie geschützt sind. Aber auch hier gibt es einen gewissen Cut-Off bei diesem Risikoscore, ab wann wir das den Patienten empfehlen. Und es gibt nun Menschen, die haben auch nur ganz, ganz kurze, wir nennen das atriale Paroxysmen.

Das heißt ein paar Sekunden lang. Und da gab es jetzt kürzlich eine große internationale Studie, die im New England Journal auch publiziert wurde, von Herrn Professor Paulus Kirchhoff über das sogenannte Fo-Flimmer-Netzwerk Deutschland initiiert. Und die hat gezeigt, dass bei ganz, ganz kurzen Fo-Flimmer-Episoden man unter Umständen keine blutverdünnende Therapie braucht, um sich vor Schlaganfällen oder anderen thrombembolischen Ereignissen zu schützen.

Aber das ist sicherlich, was wir auch in den nächsten Jahren noch besser aufarbeiten müssen.

Okay, jetzt ist es die Senkung des Schlagerfallrisikos sicherlich sehr wichtig für den Patienten selbst, aber das Fo-Flimmer bleibt ja bestehen. Was gibt es denn für Optionen, überhaupt was grundsätzlich gegen das Vorflimmern zu tun und den Patienten wieder zurück in den Sinusrhythmus zu bringen?

Ja, sehr wichtige und sehr gute Frage. Also zum einen können wir jetzt einmal akut den Patienten in den Sinusrhythmus zurückholen. Und da wissen wir von Studien, dass das auch ganz wichtig ist für die Herzvorhöfe. Je länger die im Herzvorflimmern sind, umso eher bauen sie sich auch um. Das heißt, das erste Ziel unserer Behandlung von Patienten mit Vorflimmern sollte sein, sie wieder in den Sinusrhythmus zurückzuholen.

Und da können wir die sogenannte Kardioversionsbehandlung anwenden, also eine akute Konversion vom Vorflimmern in den Sinusrhythmus. Das können wir einmal durch einen Elektrostromstoß durchs Herz machen. Da versetzen wir unseren Patienten gerne kurz in eine Kurznarkose. Oder auch durch Anti-Arrhythmika, die es auch schaffen können, mit einer sogenannten pharmakologischen Kardiversion das Herz in den Sinusrhythmus zu holen.

Und dann als eine längerfristige elektrische Stabilisierung ist es so, dass wir heute eigentlich herausgefunden haben, dass eine sogenannte Pulmonalvenisolation, das ist ein Applationsverfahren, was eine elektrische Isolation zwischen dem linken Vorhof und den aus der Lunge in den linken Hof einmündenden, in der Regel vier Pulmonalven vornimmt.

Und der Gedanke ist der, dass vor vielen Jahren ein berühmter französischer Kardiologe herausgefunden hat, dass es einzelne Kardiomyozyten gibt, die praktisch versprengt aus dem linken Vorhof, wahrscheinlich entwicklungsbiologisch, in die Pulmonalven einwandern und von dort kleine elektrische Trigger abgeben.

Und wenn man die praktisch als Trigger schon mal vom Vorhof weg isoliert, dann ist das Risiko größer, dass man im Sinusrhythmus bleibt. Allerdings ist das nur einer der möglichen Triggermechanismen und ist unabhängig natürlich von den Umbauvorgängen in den Vorhöfen selbst. Und da haben wir dann im Weiteren noch die Option, unsere Patienten zum Beispiel mit speziellen Antiarrhythmika zu behandeln.

Und da schlagen wir dir den Bogen zu dem, was du mich initial gefragt hast, nämlich die Ionenkanäle. Das heißt, diese Antiarrhythmika greifen genau bei nun der veränderten Aktionspotential-Morphologie, nämlich dem verkürzten Aktionspotenzial an und versuchen, diese Variation wieder eher auszugleichen, hin zu einem Aktionspotential, was wir in einer Sinusrhythmus-Kardimiozyte finden.

Und diese Antiarrhythmika muss man dann natürlich mit dem Patienten auch gut besprechen in der Einnahmesequenz und auch in der Kontrolle natürlich von potenziellen pharmakologischen Nebenwirkungen.

Okay. Wie ist das jetzt? Du hattest angesprochen, dass es Ionenkanäle gibt, die nur im Vorwurf exprimiert sind, jetzt im Vergleich zum Ventrikel. Wie ist denn so die Erfolgsrate bei Vorflimmern auf medikamentöser Ebene? Weil es klingt ja eigentlich sehr vielversprechend. Nun nehmen wir mal ein paar Ionenkanalblocker und dann funktioniert das.

Und ist es denn, wenn ich jetzt Medikamente für den Vorwurf nehme, dann müssten die eigentlich auch auf den Ventrikel wirken. Ist es einfach, Vorflimmer zu therapieren, Stand heute?

Genau, sehr wichtige und allerdings auch leider sehr komplexe Frage. Also die Antwort ist genau, dass die klassischen Ionenkanalblocker leider nicht nur auf die Ionenkanäle in den Vorfardimyzyten, sondern auch in den ventrikulären Kardimyzyten wirkt. Und daraus erwachsen eben Nebeneffekte, auch für die Herzelektrik in den Hauptkammern.

Und das sehen wir dann auch im Oberflächen-EKG, zum Beispiel in einer sogenannten QT-Zeitverlängerung. Also das heißt, wir haben Probleme in der Repolarisationsphase. Und das kann wirklich auch dann zu schweren ventrikulären Rhythmusstörungen führen, weil wir dort wirklich in die Herzelektrik eingreifen, aktiv.

Und das am meisten eingesetzte Antiarrhythmikum, was man so kennt, ist das sogenannte Amyodaron. Das ist primär schon ein Klasse 3 Antiarrhythmikum, also was primär an Kaliumkanälen wirkt. Allerdings ist es von seinen pharmakologischen Eigenschaften so aufgestellt, dass es ein sogenanntes Dirty Drug ist.

Das heißt, dass es sich über ganz viele Ionenkanalen poren dummerweise drüber legt und damit sowohl an den Natrium, Kalzium, aber auch Chloridkanälen zum Beispiel einfach eine Wirkung zeigt und damit in einer gewissen Dosis auch pro-arhythmogene Effekte haben kann. Und das hat dazu geführt, dass so in den 60er Jahren sich die großen pharmakologischen Firmen damit beschäftigt haben, ein Target zu finden auf Ionenkanal-Ebene, was praktisch nur spezifisch für arteriale Kardimiozyten da ist, also einen arterialen selektiven Ionenkanal gesucht haben.

Und damals hatte man den Task-I-Kanal leider noch nicht entdeckt, weil wir das später getan haben. Aber das heißt, da hat man schon versucht, praktisch wirklich selektiv nur einen arterial-selektiven Ionenkanal zu modulieren, um das Vorhochflimmern sehr fokussiert pharmakologisch anzugehen. Aber alle Antierhythmika, die wir aktuell haben und die wir weiter.

Sehr tradiert nach dem britischen Pharmakologen Warn Williams in vier Klassen einteilen, nämlich die Klasse 1 Antiarrhythmiker, die die Natriumkanäle im schnellen Upstroke sozusagen hemmen, also dem Aktionspotential Induktion letzten Endes, die Klasse 2 die Beta-Rezeptoren, die letzten Endes die Induzierbarkeit reduzieren.

Und die Klasse 3 die Kaliumkanal-Inhibitoren, wie das Amiodaron als Vertreter, und auch zum Beispiel die Calciumkanal-Inhibitoren, die Klasse 4. Das heißt, das sind so Antiarrhythmiker, die wir zur Verfügung haben. Und ein Beispiel dafür, was pharmakologische Unternehmen zum Beispiel gemacht haben, die haben sich die sehr schöne Struktur von Amiodaron in den 60er Jahren vorgenommen, haben gesagt, tolles Antiaurhythmikum, hat dummerweise auch Nebeneffekte natürlich auf die Ventrikel.

Aber wir wissen, dass ja gerade die Kaliumkanäle so wichtig sind zu adressieren in den Fofkardimiozyten und haben dann einfach, weil die zwei Jodatome, die im Amiodaron in Begriffen sind, so ganz viele Nebeneffekte machen, haben die einfach abgespalten und das Drohne-Daron gleicht, deshalb dem Amiodaron bis auf zwei Jodatome.

Dummerweise war die Effektivität auch deutlich reduziert, was ein Beispiel dafür ist, dass nicht unbedingt eine chemische Modifikation bestehender Strukturen die Lösung ist, sondern dass es unter Umständen halt einfach neue Targets braucht, an denen man sehr elegant, selektiv angreifen kann. Okay.

Woher weiß ich denn jetzt, welchen Ionenkanal ich hemmen soll im Patienten? Woher weiß ich, soll ich dem Patienten jetzt den Calciumkanal blocken? Soll ich in den Natriumkanal blocken? Weil ich meine, man macht ja nicht bei jedem Patienten Untersuchung, welcher Kanal wie stark exprimiert ist.

Ja, das ist eine exzellente Frage. Und genau daran arbeiten wir aktuell letzten Endes in der Forhoflimmer-Forschung, dass wir versuchen herauszubekommen, wie können wir jetzt nun, wenn ein Patient klinisch bei uns ist, wissen, was sozusagen das potenteste Target für ihn ist. Also welche Art von Ionenkanalmodulation für ihn auch ein Benefit bringen würde unter dem Gesamtgesichtspunkt seiner atrialen Umbauprozesse.

Und da besteht halt einfach die Schwierigkeit, dass wir natürlich nicht von einem Patienten einfach jetzt mal eine Vorhofkardiomyozyte untersuchen können. Die müssten wir mit einer Biopsie bergen. Das heißt, da haben wir einfach nicht die Information, sodass wir aktuell daran arbeiten auf Basis von sehr großen Kohortenstudien von Patienten, die sich herzchirurgischen Operationen unterziehen, bei denen wir die Möglichkeit haben, Vorhofkardiomyozyten praktisch aus einer herzchirurgischen OP zu gewinnen, dass wir diese Information sozusagen konnektieren mit klinischen Informationen, um letzten Endes dadurch auch später Patienten kategorisieren zu können, um zu wissen, welcher Patient am ehesten von

welchem Antiarrhythmikum und welchem Ionenkanal-Target profitieren könnte.

Okay. Bedeutet, dass dann die Kombination aus dem vorklinischen oder auch grundlagenforschungsbasierten Wissen mit der Klinik am Ende der Weg sein wird, der vielleicht dann irgendwann mal vor Flimmern zu einer therapierbaren oder zu einer therapierbareren Herzrhythmusstörung macht. Jetzt sind Herzrhythmusstörungen oft auch Notfälle und man muss schnell reagieren.

Und deswegen würde ich jetzt mit dir, so wie in allen unseren Folgen, ein Spiel Think Fast and Slow spielen, was aus dem Podcast Alles gesagt von der Zeit adaptiert is, um halt eben dieses schnelle, instinktive Denken auch mal abzutesten, was man ja sicherlich auch haben muss als Rhythmologin. Und deswegen würde ich dir jetzt zwei Alternativen geben, zum Beispiel Kaffee oder Tee, und du sagst mir dann, welche Alternative aus dem Bau raus ganz schnell entschieden besser zu dir passt.

Kaffee.

Kaffee, okay, fair. Ich glaube, dass wenn man auf Konferenzen geht, dann hat man auch nicht groß die Wahl. Ich glaube, da muss man Kaffee mögen fast. Gut, dann fangen wir mal an. Frühaufsteher oder Nachtschicht?

Frühaufsteher.

Vorklinik oder Klinik? Klinik. Grundlagenforschung oder klinische Studien? Grundlagenforschung. Forschung oder Klinik? Beides. Okay. OP oder Station, also OP. Okay. Schrittmacher oder Applation? Beides. Okay. Titel oder Kazak? Titel. Hierarchie oder keine Hierarchie?

Ein gesundes Gemisch von beiden.

Optimistin oder Pessimistin? Optimistin. Ja oder vielleicht?

Ja.

Daten oder Intuition?

Ein gesundes Gemisch aus beiden.

Forschung oder Tradition? Forschung. Sorry, Fortschritt oder Tradition.

Unbedingt Fortschritt trotzdem.

Work oder live? Work. Okay. Sehr, sehr spannend. Fiel auch wieder ein Mix von deinen Antworten. Also quasi es gibt nie, immer schwarz oder weiß. Auch Work ist ja was, was man aus deiner Vita rauslesen kann, dass du immer sehr gerne an großen Problemen und Zielen gearbeitet hast, auch langfristig. Als ich jetzt angefangen habe, bei dir in der Arbeitsgruppe zu arbeiten, warst du die einzige weibliche Oberärztin in der Kardiologie.

Man hört ja auch immer, dass die Kardiologie immer noch relativ konservativ eingestellt ist. Wie war das für dich, dich da rein zu kämpfen? Und wie war dein Weg, das zu schaffen, bevor du 40 geworden bist, eine Professur zu haben und Oberärztin zu sein?

Ja, also vielen Dank für die sehr spannende Frage. Aus meiner Perspektive ist Kardiologie ein Fach, was einfach dadurch, dass wir eben röntgenbasierte Interventionen machen, tatsächlich ab einem gewissen Alterslevel, was einfach biologisch bedingt ist, weil viele Frauen natürlich eine Familie gründen möchten, was da einfach Frauen weniger bevorteilt, natürlich interventionelle Kardiologie zu machen.

Und die interventionelle Kardiologie ist natürlich das Herzstück auch in gewisser Weise der Kardiologie, also zum Beispiel Therapie von Herzinfarkten, aber auch Applation, Herzschrittmacher und alles machen wir natürlich unter Röntgenkontrolle. Und das heißt, das ist aus meiner persönlichen Perspektive ein ganz wichtiger Aspekt, der es unter Umständen Frauen eben nicht gleichberechtigt ermöglicht, ihren Weg in der Kardiologie so zu beschreiten, wie das vielleicht in nicht-interventionellen Fächern.

Ich nenne jetzt als Beispiel mal die Onkologie der Fall ist. Das heißt, in anderen internistischen Fächern sehen wir da durchaus auf den unterschiedlichen Qualifikationsleveln doch eher eine Balance zwischen den Geschlechtern. Die Chirurgie ist auch ein Beispiel, wo es eher eine Disbalance gibt, eher zum männlichen Geschlecht hin.

Und diese Disbalance kann man in der Kardiologie natürlich unbedingt sehen. Und es ist auch so, dass es aktuell in der Kardiologie keine weiblichen Ordinarier gibt in Deutschland, was also stellvertretend dafür steht, dass es eben natürlich für Frauen viel, viel schwieriger ist, in Anbetracht natürlich von klassischen familiären Gründungssituationen in solche Positionen zu kommen.

Ich persönlich habe trotzdem mich in der Abteilung einfach, es ging mir immer um die Inhalte. Es ist natürlich auch nicht immer ganz einfach, in einem doch eher männlich dominierten Umfeld seine Interessen durchzusetzen. Aber ich würde an alle motivieren, das trotzdem zu tun und immer seine Ziele zu verfolgen.

Also ich stehe jeden Morgen sehr gerne auf. Es gibt eigentlich keinen Tag, wo ich nicht gerne aufstehe, einfach weil mich die Inhalte sehr, sehr motivieren und vielleicht auch das initiale Ereignis, was mich zur Kardiologie gebracht hat, ist vielleicht auch ein sehr starker Motivator gewesen. Also vor dem Hintergrund würde ich trotzdem einfach jedem empfehlen, dass er an den Dingen festhält.

Und auch für Frauen, die natürlich eine Familie gründen wollen und natürlich vor der Frage stehen, kann ich jetzt unter Röntgenexposition kathetern, gibt es auch heute sehr gute Möglichkeiten, das eigentlich praktisch umzusetzen. Und da ist natürlich am Ende des Tages aber auch der Leiter der Abteilung gefragt oder hoffentlich perspektivisch die Leiterin, um das mit derjenigen so zu besprechen, dass sie beides trotzdem umsetzen kann.

Wie ist das? Wie sollte man während der ganzen Schwangerschaft nicht im OP sein oder ab einem gewissen Zeitpunkt? Wie ist das denn?

Ja, dazu gibt es tatsächlich auch Positionspaper. Prinzipiell gibt es natürlich in der Organogenese der Entwicklung eine sensible Phase. Also prinzipiell ist es so, dass man bei uns an der Universitätsklinik eher freigestellt wird von jeglicher Röntgenexposition. Es kann aber auch individuelle Arbeitsplatzberechtigungen ausgestellt werden von dem Betriebsarzt.

Letzten Endes ist es natürlich so, dass man nicht immer sagen kann bei einer Katheterintervention, wie viel Röntgenstrahlung man auch braucht und in welchem Ausmaß das sozusagen am Ende kumulieren wird. Und vor dem Hintergrund ist es aktuell eher so gehandhabt, dass man während der gesamten Schwangerschaft nicht interventionell tätig ist.

Aber das kann individuell auch anders ausgelegt werden.

Okay. Bedeutet, dass man dann für jetzt, wenn man jetzt sagt, man ist die ganzen neun Monate freigestellt, wenn man sagt, man bekommt ein bis zwei Kinder, dann müsste man quasi neun bis achtzehn Monate aus dem Kathetasaal rausbleiben. Das wäre quasi die Konsequenz.

Ganz genau. Und damit sprichst du natürlich auch ein ganz wichtiges Gebiet an. Das heißt, praktische Arbeit ist natürlich auch Übung in gewisser Weise. Das heißt, je mehr Übung man hat, umso besser kann man unter Umständen vielleicht auch was. Und deshalb sieht man da, dass natürlich Frauen da vielleicht nicht unbedingt bevorteilt sind in einer kardiologischen, interventionellen Facharztausbildung.

Aber ich bin da sehr optimistisch, und das wäre auch mein ganz persönliches Ziel, da perspektivisch das unbedingt für Frauen zu ermöglichen, dass trotzdem beides geht, um auch Frauen in Führungsposition in der Kardiologie zu bringen.

Ja, weil ich meine, wenn man so bei uns in den Hörsaal schaut, sind wir zu zwei Dritteln weiblich. Genau. Ich denke, dass das System dann von den Herrenerschöpfungen nicht ewig getragen werden kann. Okay, also quasi wie würde das dann aussehen? Würde man dann mehr versuchen, also diese Ausnahmegenehmigungen zu bekommen, dass die Frauen in den Kathetasaal dürfen oder gibt es irgendwie andere Optionen, dass man irgendwie die Rotationen verschiebt?

Weil ich meine, grundsätzlich ist es ja oft so, dass Frauen ihre Kinder in relativ nahen Zeitabständen bekommen, also dass dann nach fünf Jahren irgendwie quasi die Schwangerschaftsplanung abgeschlossen ist. Kann man dann einfach sagen, dann schickt man die Leute halt erst mit 35 oder 40 in den Katheter?

Prinzipiell wäre das eine Option und dass man dann eben eine fussierte interventionelle Ausbildung Frauen zukommen lässt. Das heißt, dass man eben, dass sie eine viel steilere Lernkurve haben, weil man genau weiß, dass man das in einem kürzeren Zeitintervall umsetzen muss, als vielleicht bei Männern.

Das heißt, das wäre eine mögliche Lösung, dass man da wirklich fuscierte Interventionsausbildungen anbietet.

Okay, also dass man quasi dann Stellen oder Programme schafft, wo explizit Frauen gefördert werden, möglichst viel Zeit in den Katheter zu verbringen, um halt eben dann das Wissen vielleicht in schnellerer Zeit zu erlernen. Ja gut, ich meine, das wäre eine ganz gute Lösung. Also wie ist das in der Kardiologie, jetzt hier von den Oberärzten und Oberärztinnen, sind da alle interventionell tätig?

Auch ein sehr wichtiger Punkt, also man kann auch nicht interventioneller Kardiologe sein, also das finden wir häufig so in den Bereichen von klassischer Herzinsuffizienz, Schwerpunktakzentuierung, dass diejenigen dann keine Intervention machen. Natürlich gibt es auch die Option, gar keine Frage. Aber prinzipiell, wenn du mich fragst, natürlich nach einem sozusagen breiten Portfolio ist es natürlich schon so, dass Interventionen eigentlich dazugehören, aber es gibt auch nicht interventionelle Kardiologen.

Okay, das heißt, zum Beispiel könnte man auch dann Frauen ermutigen, in die Richtung zu.

Genau, das ist sicherlich auch der Fall. Und wir haben auch sehr viele niedergelassene Kardiologinnen. Ein Aspekt, den man vielleicht noch so prinzipiell hinzufügen könnte, ist, dass wir schon sehen, dass insgesamt bei der Spartenwahl, also für Kardiologie oder Pädiatrie oder so, insgesamt sich eher doch Männer vielleicht für die Kardiologie interessieren?

Könnte man jetzt spekulieren, ist vielleicht auch mal manchmal so ein bisschen physikalisches Fach unter Umständen, dass das schon mal so ein bisschen auch Akzentuierungen setzt, wohingegen wir zum Beispiel in der Pädiatrie viele Frauen finden. Aber da gibt es sicherlich auch eine Variante.

Aber denkst du, das liegt am Inhaltlichen oder liegt es daran, dass die Kardiologie vielleicht ein sehr männerdominiertes Fach ist und dann Frauen sagen, ich möchte lieber in einem Umfeld arbeiten, wo ich nicht doppelt so viel schaffen muss, um das Gleiche zu erreichen wie ein Mann?

Ja, ich glaube persönlich, dass es wahrscheinlich die Kombination aus beiden ist. Und am ehest kann man das durch eine Befragung mal wieder als Spiegel von Generationen abfragen. Ich glaube, das lohnt sich unbedingt mal, so eine Studie zu machen, dass man sozusagen am Studienende einfach mal in den Semestern fragt, für welche Fächer sie sich entschieden haben und warum.

Ich glaube, das könnte da auf jeden Fall so ein bisschen mehr Antworten liefern auf diese Frage. Aber aus meiner Perspektive ist es eher eine Kombination eben aus beiden Dingen, dass es prinzipiell da schon mal eher einen Interessenschwerpunkt vielleicht bei Männern gibt und dass sich das dann aber noch deutlicher verstärkt, eben durch die Röntgenexpositionsschwierigkeiten.

Okay, verstehe. Also, also dass es quasi nicht so einfach ist, eine Gleichberechtigung zu schaffen, wie in anderen Fachbereichen vielleicht, weil eben dieses Röntgenthema da halt im Raum steht, wofür man eine Lösung finden muss, wenn man halt eben sagt, ich möchte mein Kind nicht gefährden, sondern möchte oder muss halt eben dann da pausieren.

Okay, verstehe. Das heißt, diese Systeme, das wäre was, was so die Uniklinik in Zukunft für dich bringen muss. Was sind denn noch Punkte, wo du sagst, da müsste eine Uniklinik im Allgemeinen dran arbeiten, um zukunftsfähiger zu werden? So ganz allgemein.

Ja, also ich glaube, dass prinzipiell die natürlich die Ausbildungskurricula schon verbessert werden sollten. In den Universitätskliniken ist natürlich so, dass es eine bestimmte Anzahl von Mitarbeitern gibt und alle müssen natürlich ausgebildet werden. Aber dass man da ein sehr strukturiertes Rotationssystem schaffen sollte, damit jeder sozusagen die gleichen Ausbildungsschritte absolvieren kann.

Ich glaube, das ist sehr, sehr wichtig und dass man sich auch daran hält, dass man nicht praktisch ein zu dynamisches System entstehen lässt, wo der eine unter Umständen gar nicht die Ausbildung in einem Sektor bekommt, der andere aber eine verhältnismäßig zu ausgedehnte Ausbildung dann für einen Schwerpunkt bekommt.

Dass man das strukturiert macht und dass man dann später natürlich guckt, welche Schwerpunktakzentuierungen wollen Leute ausfüllen. Möchte jemand wirklich in die Richtung nur Herzensuffizienzmedizin gehen oder vielleicht nur Elektrophysiologie? Oder gibt es halt auch einfach Leute, die gerne ein breites Spektrum abdecken wollen?

Das heißt, dass man einfach die curriculare Ausbildung mehr standardisiert bis zu einem gewissen Level und dann ihnen den Menschen natürlich ermöglicht, dass sie dann ihre Nischen auch finden.

Okay. Jetzt bist du ja, wie gesagt, auch Vollblutforschin. Wie hat sich das für dich vereinlassen, in der Klinik eine gewisse Exzellenz zu erreichen und da die Procedere durch viel Wiederholung, durch viel Übung zu verinnerlichen, aber gleichzeitig auch eben diese Herzensprojekte weiter zu betreiben?

Ja, das ist die schwierigste Frage des Tages heute. Also die Antwort ist tatsächlich, dass man schon wahrscheinlich an beiden Feldern so großes Interesse haben muss, was einen auch natürlich auch nach 17 Uhr und am Wochenende arbeiten lässt. Das heißt, einfach die Arbeitszeit, die man investiert und die man aufbringt, ist deutlich über der, die eigentlich so vorgesehen ist.

Das ist meine ehrliche Antwort. Und natürlich gibt es heutzutage schon sogenannte Clinischen Scientist-Programme, die genau diese Konnektion von Wissenschaft und Klinik in einem guten Maße erlauben sollen. Aber auch hier wäre meine ehrliche Antwort, dass es eigentlich unbedingt immer noch ein bisschen mehr braucht an Investition von Ressourcen, um sozusagen dann auch in beiden Gebieten diese Exzellenz zu erreichen.

Und ich denke, dass es aber trotzdem unendlich wichtig ist, dass man diese Verknüpfung von Forschung und Klinik umsetzt, gerade an der Universitätsklinik, weil wir lernen von unseren Patienten täglich so viel. Das heißt, ich persönlich bin jeden Tag wirklich von jedem Patienten inspiriert mit neuen Fragen, die auf einen zukommen, die man eben nicht beantworten kann.

Auch Fragen, die du mir gestellt hast zu Forhoflimmern, sodass man dann natürlich wieder in sein Grundlagenlabor geht und sagt, Mensch, das müssen wir doch jetzt mal vielleicht so und so mit dem und dem Experiment oder der und der translationalen Studie adressieren. Das heißt, das Ziel ist natürlich, an einer Universitätsklinik nicht nur medizinische Leitlinien, die wir festgeschrieben haben, anzuwenden, sondern sie weiterzuentwickeln.

Und das geht nur mit Forschung. Medizin kann nur mit Forschung weiterentwickelt werden, weil nur Forschung neues Wissen generieren kann und die ganzen Fragen, die immer aufkommen, beantworten kann.

Okay. Das heißt quasi, da muss das Hobby zum Beruf werden und der Beruf dann wieder ein bisschen zum Hobby, dass man.

Ja, ist immer eine schwierige Sache mit dem Hobby. Also manche sagen, Forschung darf auf keinen Fall Hobby sein. Ich denke, letzten Endes ist es natürlich eine Definitionssache, was man als Hobby einschätzt. Aber letzten Endes ist es sozusagen einfach auch, sich damit selbst identifizieren, dass man Spaß hat an den Dingen.

Und ich glaube, das ist so ein natürlicher Antreibmechanismus, dass man dann auch beides sozusagen sehr intensiviert betreibt.

Ja, verstehe. Was mich noch interessieren würde, wenn man, wenn man deinen Lebenslauf durchgeht, hast du sehr viele Preise abgeräumt, aber die alle aus Heidelberg raus, also quasi Heidelberg-based. Wenn man jetzt so auch vielleicht auf andere Gesprächspekte anschaut, die wir hatten, die haben sehr viele Stationen abgelaufen, bevor sie ihren finalen Ort gefunden haben, von dem sie dann aus agiert haben, auch oft aus dem Ausland.

Nichtsdestotrotz bist du vor 40 Professorin geworden, Arbeitsgruppenleiterin und Oberärztin. Das heißt, du hast quasi schon sehr früh sehr viel erreicht. Wie würdest du das einordnen, dass du halt eben nicht ins Ausland gegangen bist für Forschung oder Klinik?

Ja, ich habe die Frage schon mal bekommen und verwende dann immer das Synonym eines immer schneller fahrenden Zuges, auf den man aufgesprungen ist. Das heißt, als ich hier angefangen habe unter Herrn Professor Hugo Catus, habe ich auch angefangen, natürlich Ionenkanalforschung zu machen und so weiter.

Und dann haben sich immer so interessante Aspekte ergeben, dass man einfach immer weitermachen musste. Und das in Kombination natürlich mit der klinischen Ausbildung, dass man einfach gar keine Zeit hatte oder ich persönlich keine Zeit hatte, mir darüber Gedanken zu machen, irgendwo anders hinzugehen.

Und der Zug sozusagen der interessanten Projekte und der Vorhaben wurde immer schneller und immer schneller. Und deshalb ist es mir gar nicht gelungen, von diesem schnellen Zug sozusagen abzuspringen bisher. Einfach weil ich so beschäftigt war mit den Dingen. Und das hat dann letzten Endes natürlich auch zu den Ergebnissen geführt.

Aber es war einfach die Fokussierung sozusagen auf diese spannenden Fragen, die sich immer weiterentwickelt haben.

Also ging es dir nicht darum, einen Weg zu gehen, um möglichst schnell, möglichst hoch hinauszusteigen, sondern es einfach darum ging, dass bevor es die Möglichkeit gab, sich irgendwie anders zu orientieren, jetzt geografisch war schon die nächste Frage da, die man nicht liegen lassen konnte.

So ist es ganz genau. Und letzten Endes hat ja alles angefangen, auch so ein bisschen mit der Entdeckung des sogenannten Task I Kalium-Ionen-Kanal, den ich angesprochen hatte. Und wenn man so ein Target entdeckt, finde ich, hat man auch eine gewisse Verpflichtung natürlich, da die Natur weiter zu verstehen in diesem Gebiet.

Und das habe ich auch als Aufgabe verstanden. Und es hat ja auch zu einer First-and-Man-Studie mit einem neuen Antiarhythmikum geführt und so weiter. Und letzten Endes hat das einfach gar keinen Raum gelassen, um darüber nachzudenken, dass man vielleicht nochmal woanders was machen könnte, wovon ich nicht abgeneigt wäre.

Und wenn jemand natürlich in so eine Situation kommt, dass er an andere Orte gehen kann, würde ich das auch absolut befürworten. Ich kann nur den Wechsel von Göttingen nach Heidelberg, also vom Studienort nach hier, davon berichten. Und das war also auf jeden Fall eine Bereicherung meines Horizontes, dass man einfach nochmal eine ganz andere Perspektive gewinnt in einer anderen Abteilung, mit einem anderen Umfeld.

Das heißt, ich würde unbedingt natürlich zu Ortswechseln auch raten. Aber wenn du mich jetzt so fragst, also Heidelberg war so spannend, dass ich einfach nicht weggekommen bin.

Okay, aber also würdest du quasi sagen, dass der Inhalt wichtiger ist als Stationen zu sammeln?

Aus meiner Perspektive ganz klar ja. Und wenn man irgendeine interessante Fragestellung hat oder irgendwo dran ist, dann glaube ich, ist es unendlich wichtig, dran zu bleiben. Weil es geht eben darum, all die Fragen, die du mir gestellt hast, medizinisch auch den Patienten gegenüber zu beantworten mit neuen Therapien unter Umständen.

Und wenn man da schon auf der Spur ist, einer interessanten, einer interessanten Neuentdeckung oder so, dann ist das unendlich mehr viel wert als jetzt eine andere Station.

Okay, sehr, sehr, sehr spannender Input, was ja auch in gewisser Weise schon einen Vorgriff auf das ist, was unsere letzte Frage heute sein soll. Und zwar bitten wir jeden und jede, vielleicht so ein, zwei Tipps noch zu geben an unsere Hörerinnen und Hörer, die ja alle oft noch am Anfang ihres Studiums wie auch an ihrer Karriere stehen.

Und was hättest du gerne schon gewusst als Studentin der Vorklinik, was du jetzt weißt und was du gerne unseren Hörerinnen und Hörern mit auf den Weg geben möchtest.

Ich glaube, ich hätte als Studentin der Vorklinik gerne genauso wenig gewusst, wie ich damals gewusst habe, weil es auch unendlich spannend ist, neue Dinge einfach zu erleben, zu entdecken. Und das Leben spielt manchmal, also ich habe ja die Geschichte berichtet, ein Kommilitone, der eine schwere Herzrhythmusstörung hat, einfach mein Leben verändert.

Und dass man sich auch darauf unter Umständen einlassen muss und dass auch nicht alles geplant werden kann im Leben. Aber wenn man an etwas Interesse findet und von irgendetwas fasziniert ist, dann muss man das unbedingt machen. Und ich glaube, es ist ganz, ganz wichtig, dass man jeden Morgen gerne aufsteht und sich unendlich freut, das zu tun, was man eigentlich auch macht.

Okay, also einfach seinem Herz zu folgen, wortwörtlich. So ist es. Vielleicht auch seinem.

Deshalb habe ich die Frage mit den Daten und der Intuition eben auch mit beides beantwortet.

Okay, okay, ja. Ah, verstehe. Ja. Vielen, vielen Dank für deine Zeit. Vielen, vielen Dank, dass du uns berichtet hast. Sehr, sehr viele spannende Themen. Falls ihr auch einen Professorin, eine Professorin oder einen Dozenten, Dozentin habt, die ihr denkt, die sehr, sehr spannend sind und mit denen wir auch mal reden sollten, dann schreibt uns gerne über Insta at der Vorklink Podcast.

Auch sonstige Fragen gerne. Wir würden uns auch über eine Bewertung sehr freuen. Das wird uns sehr viel helfen. Und ansonsten vielen Dank fürs Zuhören. Als nächstes geht's in Richtung Niere. Das ist auch ein Organ, was vom Herzen gar nicht so weit weg ist, wie man denkt. Und vielen Dank fürs Zuhören und wir hören uns beim nächsten Mal.

Tschüss.

Dankeschön.

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