
Tatort Niedersachsen - der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung· Folge 100
Tatort Niedersachsen: Mörder auf der Flucht: Der Fall Melanie R. und Benjamin F.
Freitag, 3. Juli 2026 · 57 min
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Shownotes
Für viele Menschen im Landkreis Peine reißt diese Nachricht eine alte Wunde auf. Denn Benjamin F. ist kein Unbekannter. Er ist der Mann, der im Oktober 2010 die 23-jährige Melanie R. aus Dungelbeck tötete – eine lebensfrohe, kontaktfreudige junge Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit stand. Benjamin F. hatte sich im Internetchat als 18-jährige „Sarah" ausgegeben und Melanie R. so in seine Wohnung gelockt. Als sie die Täuschung bemerkte und gehen wollte, griff er zum Messer. Er wollte sie vergewaltigen – doch ihre Schreie brachten ihn in Panik, die Nachbarn könnten die Polizei rufen. Deshalb tötete er sein Opfer, um die Tat zu verdecken. Und mehr noch: Er verging sich an der Leiche. Die Details dieses Mordfalls sprengen in ihrer Brutalität und Perversion die Vorstellungskraft. Dem Fund der Leiche war eine großangelegte Suchaktion der Polizei vorausgegangen – mit Mantrailer-Hunden, Tauchern und Sonarbooten. Eine SMS auf Melanie R.s Handy führte die Ermittler schließlich auf die Spur von Benjamin F.
Das Landgericht Hildesheim verurteilte Benjamin F. 2011 zu lebenslanger Haft wegen Mordes und versuchter besonders schwerer Vergewaltigung. Die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. Der psychiatrische Sachverständige prognostizierte: Sobald er frei ist, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut gefährlich. Trotzdem durfte Benjamin F. die JVA 38 Mal verlassen. Beim 38. Ausgang floh er.
In der neuen Folge von Tatort Niedersachsen spricht Polizei- und Gerichtsreporter Hendrik Rasehorn mit Redakteurskollegin Katja Dartsch - sie hatte 2010 über die Suche nach Melanie R. und 2011 über den Prozess gegen Benjamin F. berichtet. Zweiter Gesprächspartner ist Harald Likus, der landespolitische Korrespondent unserer Zeitung. Er erklärt, wie die Justiz einen gefährlichen Mann laufen ließ und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.
Live-Crime-Talk: Karten für den nächsten Crime-Talk im Medienhaus mit Holger Kunkel gibt es im Vorverkauf hier (eventim.de/eventseries/9-live-crime-talk-holge…).
Hinweis: Ihr selbst habt Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken – oder kennt jemanden, den oder die eine psychische Erkrankung beschäftigt? Es gibt Hilfe. Professionelle Beratung – rund um die Uhr und kostenfrei – bietet etwa die Telefonseelsorge unter den Rufnummern (0800) 1110111, (0800) 1110222 und 116 123 oder per Mail und Chat (online.telefonseelsorge.de) an.
Hier finden Opfer von Gewalt Hilfe:
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Sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Fragen der Opferhilfe und des Opferschutzes. Onlineberatung: weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer/onlineberatung Telefon: 116 006
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Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“. Telefon: 116 111
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Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) polizei-beratung.dehttps://www.polizeifuerdich…
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Das Landeskriminalamt Niedersachsen fahndet seit gestern Nachmittag, 16. Juni 2026, nach dem 42-Jährigen Benjamin F. Er flüchtete während eines begleiteten Freigangs im Bereich Peine in unbekannte Richtung. Benjamin F. hielt sich gegen 15 Uhr in Begleitung eines JVA-Mitarbeiters im Peine-Förum auf. Im weiteren Verlauf gelang es ihm, das auf ihn zugelassene Motorrad KTM Duke 200 in den Farben schwarz und orange zu starten und sich der Begleitung zu entziehen.
Der Gesuchte ist 1,92 Meter groß und ca. 130 Kilo schwer und von kräftiger Statur. Er hat einen kurzer Schnitt sowie einen sogenannten Ducktail-Bart. Bekleidet war er mit einer schwarzen Motorradjacke, einem schwarzen T-Shirt mit dem Schriftaufdruck Metallica, in silbergrüner Schrift, einer schwarzen Cargo-Hose und schwarzen Schuhen.
Die Fahndungsfotos wurden an seinem Fluchttag aufgenommen und sind somit aktuell. Es besteht die Möglichkeit, dass sich der Gesuchte bevorzugt in den Städten Peine und Kassel aufhält. Das LKA Niedersachsen fahndet nunmehr öffentlich nach Benjamin F., da die bisherigen Fahndungsmaßnahmen bislang nicht zum Ergreifen des Gesuchten geführt haben.
Gefahrenhinweis. Von dem wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilten Benjamin F. Kann eine Gefahr für Dritte ausgehen. Das LKA Niedersachsen bittet Zeuginnen und Zeugen daher ausdrücklich, sich dem Gesuchten nicht anzunähern und ihn nicht anzusprechen. Tatort Niedersachsen, der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung.
Alles rund um spannende Kriminalfälle in der Region. Wir blicken gemeinsam mit unseren Redakteuren auf die Hintergründe der spektakulärsten Verbrechen zwischen Harz und Heide. Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, herzlich willkommen bei Tatort Niedersachsen, dem Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung.
Mein Name ist Henrik Rason und ich begrüße heute im Studio meine Kollegen Katja Daratsch und Harald Dikus. Schönen guten Tag. Hallo. Ja, aus aktuellem Anlass. Ich habe gerade eben eine Öffentlichkeitsfahndung vorgelesen, die vor wenigen Tagen veröffentlicht worden ist, nach einem gesuchten Mörder. Nehmen wir diesen Podcast auf. Hintergrund ist ein Fall mit Details, die in ihrer Brutalität und man muss auch sagen in ihrer Perversion wirklich jegliche Vorstellungskraft sprengen.
Es ist der Fall Melanie und ihr Mörder Benjamin F. Und über diesen Fall wollen wir heute sprechen, über die Tat und auch über die Flucht und letzten Endes auch über die Folgen und Konsequenzen daraus. Katja, fangen wir mit dir mal an. Du hast ja 2010 und 2011 intensiv über den Fall berichtet und auch über den Prozess.
Und wie war denn dieser Moment, als du jetzt vor wenigen Tagen gehört hast, dass der Täter Benjamin F. auf der Flucht ist und gesucht wird? Also ich habe das Fahndungsfoto online gesehen, da hat es bei mir noch nicht geklickt, weil er ganz anders aussieht, heute als vor 15, 16 Jahren. Erst als ich dann die Meldung überflogen habe und gelesen habe, es geht um den Mordfall Melanie, da war ich sofort wieder im Thema, obwohl es schon so viele Jahre her ist.
Und es kamen diese ganzen Bilder von damals auch einfach wieder hoch. Was heißt anders aussehen? Also gealtert, wie wir alle? Nun, er hatte, als er damals vor Gericht stand, da war er ja 27 Jahre alt. Er hatte eigentlich noch eine ziemlich jungenhafte Gesichtszüge. War zwar schon groß und schwer, im Prozess habe ich jetzt sein Gesicht oft nicht gesehen, weil er da auch oft eine Kapuze getragen hatte und so ein bisschen abgewendet saß, nach unten geguckt hat.
Aber er hatte halt keinen Bart und sah halt einfach deutlich jünger und damit auch ganz anders noch aus. Auf dem Fahndungsfoto hat man ja einen Mann gesehen im mittleren Alter und der ganz entspannt Hände in der Hosentasche hat und lächelt. Was hat das bei dir ausgelöst? Also als ich dann wusste, um wen es ging, habe ich mich schon gefragt, wo so ein aktuelles Foto überhaupt entstanden ist, also wer das gemacht hat und in welcher Situation.
Ja, auch so ein bisschen Bitterkeit vielleicht, weil ich in dem Moment gedacht habe, wie mag es jetzt der Familie gehen, also den Angehörigen und auch ihrem damaligen Verlobten, den ganzen Freunden von Melanie. Das Foto wurde am Tag des Freigangs oder des Ausgangs aufgenommen. Das ist üblicherweise so, bevor einer halt rausgeht, damit man, falls es zu einer Situation, zu so einer Flucht kommt, halt weiß, das hat er getragen, so sieht er aus und damit könnte man dann in die Öffentlichkeitsverhandlung gehen.
Harald, Frage an dich. Du hast ja über die Flucht geschrieben und das war natürlich bei uns auch in der Zeitungsredaktion natürlich ein ganz großes Thema. Nehmen wir uns mal mit, was ist denn dahinter in den Kulissen passiert? Ja, also ich will ja ganz offen sein hier, rückhaltlos sozusagen. Ich saß also vorm Fernseher am 17. Juni, das war ja dann der Mittwoch und ich guckte Fußball. Weil ich muss es gestehen, es war an sich auch noch ein langweiliges Spiel, Portugal gegen Kongo.
Und vielleicht deshalb, und obwohl man das ja auch gar nicht tun soll, habe ich dann doch zwischendurch mal aufs Smartphone geguckt. Und da kam wirklich, um 19 Uhr fing glaube ich das Spiel an und kurz nach sieben gab es dann so eine E-Mail vom niedersächsischen Justizministerium. Entweichung, wie die das nennen, Entweichung, da stand jetzt nichts von Benjamin F., sondern da stand nur, dass ein Strafgefangener also entwichen sei.
Nun ja, das kommt, darüber sprechen wir vielleicht später noch, zum Glück sehr selten vor. Aber ist natürlich, und das Wort Mörder, verurteilter Mörder stand da auch. Und das ist natürlich dann das, was man journalistisch also nicht übersehen kann, egal was gerade los ist. Und deswegen habe ich mich also an die Strippe gehängt, wie man so sagt, und habe dann gleich festgestellt, oh, der Kollege ist schon dran.
Erik Westermann, unser, neben Henry Kasehorn, anderer Spezial-Crime-Reporter, war schon dabei. Und wusste auch, im Gegensatz zu mir, der ich das nicht sofort geschnallt hatte, dass es sich also um den Verurteilten in dem Fall Melanie handelt. Insofern um eine Hauptfigur hier, eines traumatischen Verbrechens.
Und ja, kurze Zeit später waren wir dann schon online Und was man dann schon ahnte, war, davon würde also auch. Justizpolitisch und überhaupt in Hannover dann am Tag drauf und an den Tagen darauf noch reichlich die Rede sein, was sich dann bewahrheitete. Nehmen wir uns mal den Fall und zwar über die Person des Täters.
Katja, was ist denn über Benjamin F. bekannt? Ich habe ihn ja schon beschrieben in dem Fahndungsanruf, also ein sehr großer, kräftiger Mann, 1,92, bringt ordentlich Gewicht aufs Parkett. Aber erzähl mal so vom Mensch her, was ist denn das für ein Typ, was ist denn so bekannt geworden, zum Zeitpunkt oder vor der Tat?
Also vor Gericht ist ja eine ganze Menge erzählt worden, über seine Persönlichkeit, über sein Leben. Jetzt was die Kindheit angeht, wurde da zum Beispiel gesagt, dass er es nicht so ganz leicht hatte. Er war wohl schon als Kind ein bisschen, stämmiger, wurde auch gehänselt, hat es wohl sehr schwer gehabt, Freunde zu finden.
Ist erst bei seinen Eltern, dann nach der Trennung bei seiner Mutter aufgewachsen. Ist dann mit 18 ausgezogen. Hatte einen Hauptschulabschluss gemacht. Einen erweiterten Hauptschulabschluss, soweit ich das noch in Erinnerung habe. Und hat auch eine Lehre angefangen. Die hat er dann aber abgebrochen. Und von da an ging das wohl immer so hin und her. Er hatte mal Gelegenheitsjobs, hat hier und da mal gearbeitet. Aber auch insbesondere von Sozialleistungen gelebt. In einer kleinen Einzimmerwohnung.
Und alleine, was ist noch über ihn bekannt? Zur Persönlichkeit vielleicht so ein bisschen. Also es kam dann im Gerichtsprozess auch auf, dass er mehrere Beziehungen gehabt hatte, die hielten ihn aber nie lang. Und dass er wohl auch, wenn er angegriffen oder gekränkt wurde, also verbal angegriffen wurde, dass er dann sehr schnell auch hochgehen konnte oder auch ziemlich fies werden konnte.
Ja, du hast schon den Prozess angesprochen, da ist ja vieles bekannt geworden über seine Lebensgeschichte. Im Urteil, das uns vorliegt, wird auch darüber besprochen, dass er von klein auf einzelgängerisch war, dass er auffällig oft Lügengeschichten erzählt hat und damit so durch sein Leben gekommen ist.
Auffällig ist, dass er fahnflüchtig war beim Bund, dass er ständig Autos gefahren hat, obwohl er gar keinen Führerschein gehabt hat, auch Autos seiner Lebensgefährtin. Es zieht sich so ein bisschen so durch sein Leben, so wie so ein roter Fahnen, dass er eigentlich sich nicht an Regeln gehalten hat, sich so seine eigenen gemacht hat und auch einen, ich möchte mal so sagen, einen parasitären Lebensstil so ein bisschen gepflegt hat.
Also er hat Frauen kennengelernt und hat sich dann gleich am ersten Tag bei denen dann einquartiert beispielsweise. Auffällig ist auch, und das spielt in diesem Verfahren ja auch eine Rolle, dass er schon eine gewisse Sexsucht hatte, so möchte ich es mal bezeichnen. Nicht nur, dass bei ihm auf dem Rechner Kinderpornografie gefunden wurde, sondern was für diesen Fall entscheidender ist, er hat immer wieder Kontakte zu Frauen gesucht.
Und erzähl vielleicht mal, wie dieses Verhältnis zu Frauen war, weil das ist ja schon außergewöhnlich. Also es hat sich tatsächlich so eine Art Muster gezeigt, also dass er sozusagen, er war immer auf der Suche nach Kontakt zu Frauen, also er hatte unzählige, Chatverläufe mit Frauen, es war immer wohl sein Ziel, die Frauen zu treffen und zwar aus sexuellen Gründen, also um mit ihnen Sex zu haben, um mit ihnen zu schlafen.
Und auch die Beziehung, die er hatte, da haben die Frauen geschildert, dass er sozusagen nimmersatt war, also dass er ständig nur das eine wollte und aus dem Grund auch zum Teil Beziehungen dann auch ziemlich schnell auseinandergegangen sind. Und eine Frau hat ihn auch dabei als sehr empathielos bezeichnet.
Also auch wenn sie krank war, hat er keinerlei Rücksicht genommen, sondern wollte sich sozusagen das nehmen, was er halt wollte. Tatsächlich gab es ja in einer Beziehung dann auch ein Kind, von dem er erst gar nichts wusste und dann später erfahren hat. Wie war denn diese Beziehung? Ist da irgendwas Besonderes zu erwähnen?
Soweit ich weiß, war das eine Frau, die in der Pflege gearbeitet hat, die er auch online kennengelernt hat, auch über ein Portal, bei der er nach sehr kurzer Zeit eingezogen ist. Auch da war dieses ständige Verlangen bei ihm offenbar und was ihr dann auch schnell zu viel wurde. Das Ganze endete dann damit, dass sie sich trennen wollte und er einfach nicht ausgezogen ist aus ihrer Wohnung, bis die Polizei ihn sozusagen in der Wohnung verwiesen hat.
Und im Nachgang oder bei Prozess wurde dann auch erwähnt, dass er noch so, ich sag mal, nachgetreten hat, in Anführungsstrichen. Also er soll die Fische getötet haben von der Frau, also die Toilette runtergespült haben. Er hatte offenbar auch ihr Auto beschädigt, ihre Kleidung. Also das, was ich eben schon erwähnte. Also wenn er gekränkt oder zurückgewiesen wird, dass er dann gewalttätig auch wurde, genau, gegen Sachen.
Ja, es gibt weitere Beispiele. Beispielsweise bei einer anderen Lebensgefährtin hat er den Hund, der Frau Corregataps, in den Mund reingepackt und das Tier natürlich schwerste Verätzungen gehabt. Ein Sachverständiger hat ihn ja für den Prozess dann analysiert und hat dann ihn als Narzissten emotional instabil, Paronide und dissoziale Züge festgestellt, was natürlich zeigt, dass das eine sehr, sehr auffällige und schwierige Person ist und natürlich auch eine gewisse Gefahr für sein Umfeld davon ausgeht.
Es wurde auch festgestellt, dass er so vom Typ her, dass er in Zeit des Erwachsenwerdens nicht genutzt hat, um wirklich auch geistig reif zu werden, sondern eigentlich als Typ so auf dem Niveau eines Dreijährigen fast stehen geblieben ist. Also in Situationen, beispielsweise wenn er was kaufen wollte, was seine Lebenspartnerin nicht wollte, hat er sich dann wie ein kleines Kind bockig verhalten, hat sich in ihr Auto gesetzt, ist weggefahren, hat sie stehen lassen und sich gar keine Gedanken gemacht, was mit ihr dann ist.
Ich kenne das von meiner kleinen Tochter beispielsweise so ein Verhalten, aber nicht von einem erwachsenen Menschen. Genau, das wurde im Prozess auch gesagt, dass er da sich manchmal verhalten würde wie ein trotziges Kind. Vielleicht erzähl nochmal, du hast es ja so ein bisschen angedeutet, diese Situation in seiner Wohnung. Er hat ja in einem Mehrfamilienhaus gewohnt, eine relativ kleine Einzimmerwohnung.
Wie muss man sich das da vorstellen? Also es war wohl eine Einzimmerwohnung mit Küche und Bad. Er hatte kein Licht, weil ihm der Strom abgestellt worden war zu der damaligen Zeit, als der Mord passierte. Das heißt, er saß im Dunkeln und hatte seine Wohnung nur mit Teelichten erhellt. Und er hatte sich dann eine Computerecke wohl im Keller eingerichtet und zapfte dort sozusagen illegal den Strom ab, um online sein zu können.
Ja, jetzt haben wir was über Benjamin gehört. Jetzt sprechen wir mal über Melanie. Sie war zur Tatzeit 23 Jahre alt. Das Erscheinungsbild ganz anders als Benjamin, nur 1,62 Meter groß, nur 49 Kilo schwer. Also ein enormer Unterschied zwischen diesen beiden Personen. Was wissen wir denn über ihr Leben?
Über sie wissen wir, sie war damals 23 Jahre alt. Sie hatte als Floristin gearbeitet in einem Blumenladen. Sie galt im Freundeskreis und in der Familie als äußerst zuverlässig, sehr lebensfroh und lebensbejahend, hatte ganz viele Freunde, Kontakte. Also so ein bisschen kann man vielleicht sagen, das Gegenbild zu Benjamin.
Die Chefin von ihrem Laden hat gemeint, als sie von unserer Zeitung damals befragt worden ist, was ist denn das für ein Mensch, hat sie gesagt. Melanie ist eine Seele von Mensch, ein ganz liebes Mädchen. Spricht da so ein bisschen raus, dass sie vielleicht auch naiv war? Also, dass sie naiver das hatten eigentlich, also sowohl Familie als auch Bekannte vor Gericht verneint. Sie haben gesagt, lebensfroh und sie habe immer das Gute im Menschen gesehen.
Und das würde ich jetzt nicht unbedingt als naiv bezeichnen. Und sicherlich hat sie einen Fehler gemacht, als sie in diese Wohnung ging, wobei ich jetzt gar nicht Täter-Opfer-Umkehr betreiben will und ihr da keineswegs eine Mitschuld oder so geben möchte. Aber das hat sie vielleicht getan, könnte ich mir vorstellen, weil sie einfach gar nicht davon ausgegangen ist, dass ihr was passieren könnte.
Also sie hatte ja in dem Chatverkehr, das muss man dazu sagen, als es darum ging, dass die beiden sich treffen wollten. Zu dem Zeitpunkt war sie ja davon ausgegangen, dass sie sich mit einer Frau treffen wird und hatte trotzdem alles versucht am Anfang, um dieses Treffen an einem möglichst öffentlichen Platz stattfinden zu lassen.
Also hatte vorgeschlagen einen McDonalds-Parkplatz, hatte vorgeschlagen einen Supermarkt, eine Schule, also alles öffentliche Plätze anscheinend schon aus Vorsicht. Und erst als dann die Chat-Partnerin, war ja am Ende dann ihr Mörder, alles abgeblockt hatte und immer wieder neue Ausflüchte fand, ist sie dann halt doch hingefahren.
Lass uns das mal von Anfang an aufdröseln. Wir hatten ja über Benjamin gesprochen. In diesen zwei Wochen vor der Tat hat er mit wahrscheinlich 200 Frauen Kontakt gesucht übers Internet. Hat sich über sein eigenes Profil dort angemeldet. Aber er hat dann auch einen Fake-Account bei einem ganz bestimmten Netzwerk. Das heißt GoLive, das ist so ein soziales Netzwerk, das vor allen Dingen in der Region Hannover aktiv ist und da seine Community hat.
Dort hat er sich angemeldet und zwar mit dem Benutzernamen Sweet Teen. Und dann hatte er dort Melanie getroffen, die dort auch angemeldet war, die wohl auch einen relativ großen Freundeskreis über diese Community dann halt gefunden hatte. Und er hat dann unter ein Bild von ihr was geschrieben, was anzüglich ist.
Könnte man jetzt so im Nachhinein sagen, aber vielleicht für die damalige Zeit jetzt auch gar nicht so, vielleicht so ungewöhnlich. Wie hast du das empfunden? Naja, also er hatte sie angeschrieben oder hatte den Kommentar unter ihr Foto, geschrieben, darf ich dich vernaschen? Also sie hatte sich da Mellow genannt, das heißt ja auf Englisch sowas wie weich oder, weiß nicht, niedlich.
Und sie hatte dann so relativ flapsig ein paar Stunden später geantwortet, na klar. Also ich glaube, das war eher so ein Frotzeln und nicht ganz ernst gemeint. Er hatte, wie du schon gesagt hast, ein Profil, das hieß Sweet Teen und nannte sich selbst Sarah. Also er gab sich als Frau aus, als 18-Jährige.
Es hat so ein bisschen den Anschein, weil er als Mann nicht weitergekommen ist, dass er jetzt versucht hat, unter der Identität als Frau sozusagen dann Kontakte zu knüpfen. Offenbar. Es hatte sich auch rausgestellt im Gericht, Er hatte zuerst sich ein weibliches Profil angelegt, um so ein bisschen seiner Ex-Freundin wohl hinterher zu spionieren, um rauszufinden, was macht die eigentlich, ist die jetzt in der Beziehung und so weiter.
Und so kam das dann offenbar, dass er da als Frau getarnt unterwegs war. Am 24. Oktober hat er dieses falsche Profil eingerichtet, hat dann auch spätnachts Melanie geschrieben, die dann allerdings erst zwei Tage später diese Nachricht dann gelesen hat, am 26. Und dann hat sich dann ein Gespräch entwickelt. Hast du ja schon ein bisschen geschildert.
Aus diesem Bildkommentar, ging es dann hin und her, dann ging es darum, dass man sich kennenlernen möchte, treffen möchte. Melanie hat die ganze Zeit drauf bestanden oder vorgeschlagen, einen neutralen Ort zu wählen. Sarah oder Benjamin tatsächlich hat immer wieder drauf gedrungen, dass sie zu ihm in die Wohnung kommen soll.
Parallel gab es wohl die Situation, während die sich geschrieben haben, hat Benjamin auch mit seiner Ex-Freundin auch geschrieben. Da ging es wohl um das Kind und um das Sorgericht. Was ist denn darüber bekannt geworden? Warum ist das vielleicht auch für den Prozess und für das Urteil später ganz wichtig?
Also Benjamin hatte aus der Beziehung, kurzer Beziehung mit der Pflegekraft ein Kind. Und er hatte aber selbst, also er war nicht überzeugt davon, dass es sein Kind ist, sagen wir so. Und sie hatte dann einen Vaterschaftstest machen lassen. Und an dem Tag, als er Mord passierte, also als er Melanie auch traf das erste Mal, da hatte er in diesem Chat erfahren von seiner Ex-Freundin, dass er tatsächlich der Vater war.
Und das war natürlich insofern hinterher interessant, weil es sich dann ja schon die Frage stellt, in welchem Gemütszustand war er. Weil er später gesagt hat, in diesem Moment sei alles aus ihm herausgebrochen und da hat er auch diese Sache erwähnt. Er sei in Rage gewesen. Er sei in Rage gewesen. Was für eine mögliche Affekt sprechen könnte, möglicherweise.
Ja, möglicherweise. 26. Oktober, Melanie ist noch bei ihrem Freund, schreibt dort schon mit Sarah-Benjamin hin und her und sie verabreden sich und er schafft es tatsächlich das Mädchen zu sich zu lotsen. Sie kommt am 26. Oktober um 21.53 Uhr bei diesem Mehrfamilienhaus an und klingelt an der Tür. Und was passiert dann?
Niemand machte auf. Also sie hatten sich eigentlich für 21.30 Uhr verabredet. Also sie war deutlich zu spät. Und er hatte wohl gar nicht mehr damit gerechnet, dass sie noch kommt. Und hatte sich schon wieder auf dem Weg in den Keller gemacht. Also er hatte um 21.30 Uhr ein paar Minuten gewartet. Als sie nicht kam, ist er wieder in den Keller gegangen, um sich an seinen Rechner zu setzen, wo er Strom hatte.
Und wo er wahrscheinlich wieder mit anderen Frauen dann budgettet hat. Sie ist dann wieder zu ihrem Auto zurück und hat dann wohl von unterwegs noch geschrieben per SMS an ihn, hat keiner aufgemacht, wo bist du denn? Und daraufhin sah er die Nachricht sofort und hat sofort geschrieben, ich bin da, war gerade nur kurz nicht in der Wohnung, komm nochmal zurück.
Wenn man das so im Nachhinein, wir haben da auch im Vorgespräch einmal drüber gesprochen, sich diese Situation vergegenwärtigt. Es ist ja wirklich, sag ich mal, wäre sie jetzt weggefahren, wäre nichts passiert. Richtig. Und da kippt diese Geschichte. Also das war damals, dass ich an dieser Stelle, als das so thematisiert wurde bei Gericht, auch gedacht habe, wie schnell das gehen kann.
Also wenn sie in dem Moment diese Nachricht nicht mehr geschrieben hätte, wenn er die nicht sofort gelesen hätte, wenn sie nicht nochmal umgekehrt wäre, dann wäre der Abend ganz normal verlaufen und dann wäre diese Tat nie passiert. Er lockt sie zurück zur Tür, eröffnet und gibt sich auch erstmal als der Nachbar von Sarah aus. Richtig, genau.
Wie entwickelt sich das Geschehen in dieser Wohnung jetzt weiter? Ja, er hat sie hineingebeten in die Wohnung und hat gesagt, Sarah kommt gleich, kannst hier auf sie warten. Und dann haben die beiden wohl ein Gespräch geführt. Er hatte ihr damals wohl dann auch von seiner Ex-Freundin erzählt. Und sie hat aber wohl immer wieder nachgefragt, was ist mit Sarah, wann kommt Sarah.
Man muss mal diese Situation vorstellen. Diese Einzimmerwohnung, Teelicht da überall, kein vernünftiges Licht. Sie sitzen auf dem Sofa, da ist dieser riesige Mann, der von seiner Ex-Freundin erzählt. Und sie sagt halt, ja, schön gut, aber wo ist denn jetzt die Sarah eigentlich? Und er vertröstet sie die ganze Zeit.
Wir wissen natürlich heute nicht, weil sie dazu natürlich nichts mehr sagen konnte, wie es ihr in dem Moment ging, ob sie da irgendwie ein komisches Gefühl hatte mit diesem fremden Mann allein in der Wohnung oder ob sie da ganz sorglos war, wissen wir nicht. Auf jeden Fall fragte sie immer wieder nach Sarah und irgendwann hat er ihr dann gestanden, dass es Sarah gar nicht gibt, sondern dass sie die ganze Zeit mit ihm gechattet habe. Und da ist sie wohl mächtig sauer geworden.
Hat ihn wohl beschimpft. Woher wissen wir das? Wie das so genau ablief? Ist das Teil seines Geständnisses gewesen? Genau, also er hat ja große Teile der Tat gestanden und hatte das so geschildert. Ja und im Zusammenhang mit dem Prozess ist dann auch bekannt geworden, was sich dann dort in der Wohnung ereignet hat.
Es kommt wohl zu einem Streit. Er verlangt von ihr Sex. Sie wehrt sich dagegen. Es bleibt unklar, er behauptet zumindest, sie habe ihn geschlagen. Glaubt aber keiner vor Gericht, dass diese erziehrliche Person sich mit diesem Riesen da anlegt. Ja, und dann liegt da ein Steakmesser. Was passiert? Also dieses Messer lag wohl auch in dieser Einzimmerwohnung auf der Fensterbank oder in Nähe auf jeden Fall auch der Couch.
Und als er Sex forderte und sie das nicht wollte, also er hat sie wohl explizit aufgefordert, sich auszuziehen und so, da hat er sozusagen das Messer ergriffen und wollte Sex erzwingen. Sie hat sich aber wohl massiv auch gewehrt, wenn er sagt, dass sie ihn geschlagen habe. Also vor Gericht fiel mal das Wort Ohrfeige.
Aber wie du schon sagst, sie hat ja weniger als halb so viel wie er gewogen. Also sie war ihm ja körperlich absolut unterlegen. Sie hat dann auch, als er anfing, sie zu verletzen, hat sie wohl auch sehr laut geschrien, um Hilfe geschrien. Es ist bezeichnend in dem Zusammenhang, dass Nachbarn davon mitbekommen haben.
Die haben auch Zeugen ausgesagt im Prozess, dass sie gehört haben, dass es einen Streik gab, dass eine Frauenstimme gesagt hat, was machst du, was machst du, lass mich los. Und dass anschließend ein Wimmern zu hören war. Aber niemand hat sich da großartig einen Kopf gemacht, weil in diesem Haus es wohl immer laut zur Sache gegangen ist.
Ganz genau. Also daher wissen wir heute auch, es ist verifiziert, dass sie geschrien hat, um Hilfe geschrien hat. Die Details, was er ihr angetan hat, lassen wir mal aus an dieser Stelle. Man kann halt sagen, Multipleversetzung im Gesicht, Oberkörper. Sie ist schwer verletzt, lebt aber noch. Er bringt sie vom Wohnzimmer ins Bad, damit der Boden nicht so sehr von Blut kommt.
Bedeckt ist, was passiert im Badezimmer? Da beschließt er offenbar, sie zu töten. Und zwar um das, was er vorher getan hat, nämlich er versuchte, schwere Vergewaltigung zu verdecken. Er gibt sich dann große Mühe, dann tatsächlich auch um diese Tat zu verdecken in der Wohnung. Mit Reinigungsmitteln macht er alles sauber.
Allerdings nicht so gewissenhaft, wie er glaubt, weil später mit Luminol, das kann unter UV-Licht Blutflecken sichtbar machen, werden dann Blutspritze an der Heizung unter anderem entdeckt und kann dieses Zimmer auch als Tatort dann identifiziert werden. Er versucht dann, die Leiche zu entsorgen. Und das ist vielleicht die Stelle, was diesen Fall auch außergewöhnlich macht, weil dabei kommt es zu einer Sache, die auch für die Beurteilung dieser Tat eine Bedeutung hat.
Du kannst es vielleicht mal andeuten, was passiert. Ja, er ist ja wegen versuchter, schwerer Vergewaltigung verurteilt worden. Man kann sagen, Melanie hat nicht mehr gelebt und dann nennt man es nicht mehr Vergewaltigung, sondern dann nennt man das Leichenschändung. Er hat die Leiche dann Teppich eingewickelt oder versucht den Teppich einzuwickeln, hat dann die menschlichen Überreste, so muss man es fast sagen, dann in eine Mülltonne reingezwängt, hat die dann zum Auto gebracht, von Melanie glaube ich sogar, ist damit dann mit Socken an den Händen, damit man keine Spuren findet, dann das Auto gesteuert in Richtung Hillersee, Röttgesbüttel, dort in einem Waldstück hat er dann den Leichnam. dann versteckt.
Genau, man kann sagen, er ist sehr planvoll auf jeden Fall vorgegangen. Also nicht so dieses Kopflose, was man manchmal vor Gericht hat, dass da einer auch in großer Bestürzung über sein Handeln dann, möglicherweise mit Blackout oder was auch immer dann da steht, vielleicht Stunden oder Tage später dann entdeckt wird, sondern schon, er wusste genau, was er getan hat, er hat in der Situation dann auch zwischendurch mal Zigarette geraucht, sauber gemacht und hat die Zeit tatsächlich auch genutzt, wieder mit anderen Frauen zu checken.
Hast du eine Idee, wie sich diese menschliche Kälte erklärt oder was das mit dir macht, wenn du das so hörst? Also wenn ich das höre, dann gruselt es mir, weil das ja absolut empathielos und kalt einfach wirkt, wie jemand dazu in der Lage ist, in diesem Moment zum einen, man hat jemanden gerade getötet, dann sexuelles Verlangen zu verspüren und auch dann noch weitere Kontakte zu Frauen online zu suchen, kurz nach so einer Tat.
Geht das nicht in meinen Kopf? Verstehe ich nicht. Die Polizei geht in die Öffentlichkeitsfahndung, nachdem am nächsten Morgen Melanie nicht den Blumenladen aufgeschlossen hat. Das war absolut untypisch für sie. Sie wurde immer als Zuverlässigkeit in Person beschrieben. Und die Ladenbesitzer hatten gleich das dumpe Gefühl, dass irgendwas passiert ist. Da war erst mal von einem Unfall ausgegangen.
Zeitgleich, wo sie versuchen wollten, die Verwandten bzw. Lebensgefährten anzurufen, hatten die sich schon dort gemeldet, weil sie sich auch Gedanken gemacht haben, wo ist Melanie. Und dann geht eine große Suchaktion in Peine los. Du warst damals in der Redaktion in Peine. Nimm uns doch mal mit an die Hand, wie muss man sich das vorstellen? Was war da los?
Innerhalb kürzester Zeit gab es ein großes Medienaufkommen in Peine. Es ging so los, wir haben dieses Fahndungsfoto bekommen, wir haben diese Meldung bearbeitet. Und ich muss sagen, dass man von Anfang an, Ich glaube, das ging allen, sowohl den Ermittlern als auch den Journalisten. Man das Gefühl hatte, da könnte wirklich was passiert sein. Warum?
Diese Kombination, eine junge Frau wurde vermisst, die als absolut zuverlässig galt. Was Pünktlichkeit und so weiter anging, taucht plötzlich nicht zu Hause auf nachts bei den Eltern. Kommt nicht morgens zur Arbeit. Kurz darauf wurde ja auch ihr Fahrzeug gefunden, ihr Handy in der Nähe in einem Gebüsch.
Und spätestens da war allen klar, da muss was passiert sein. Eine Riesensuchaktion auf Land, auf dem Wasser, auf dem Mittellandkanal. So Nahboote, Taucher, am Land Man-Trailer, Hunde. Medienaufkommen enorm, hast du schon geschrieben. Und dadurch, dass das Handy gefunden wird von Melanie und dass die Ermittler auslesen können, stoßen sie auf eine SMS.
Und das ist die SMS von Benjamin, in der er Melanie beschrieben hat, wie sie zu seiner Wohnung kommen soll. Sie nehmen dann Benjamin daraufhin fest, er wird erst mal als Verdächtiger verhört, was er dazu beibragen kann, beziehungsweise als Zeuge, als Verdächtiger. Und schließlich verwickelt er sich in diesen Gesprächen immer mehr in Widersprüche und wird natürlich beschuldigter.
Und schließlich knickt er ein, gesteht die Tat und führt die Ermittler mitten in der Nacht dann auch zum Tatort, beziehungsweise nicht zum Tatort, sondern zum Ort, wo er die Leiche abgelegt hat. Vielleicht da nochmal die Frage, als die Nachricht gekommen ist, dass Melanie tot ist, was war das für ein Gefühl in Wuppeine?
Na die Tage davor, man kann ja diese Suche nach ihr als fieberhaft vielleicht beschreiben. Also sowohl die Ermittler haben ja alles drangesetzt, die haben Tag und Nacht nach ihr gesucht, weil ja die Hoffnung bestand, dass sie noch lebt. Und auch bei den Journalisten war eine große Anspannung, aber ich glaube, es war im gesamten Landkreis so eine gewisse, tatsächlich so eine Anspannung, so ein Fieber da.
Es war einfach das Gesprächsthema Nummer eins. Haben sich in An- und Abführungen normale Menschen an der Suche beteiligt? Das gibt es ja manchmal. Ja, also hinterher war das tatsächlich im Prozess mal erwähnt worden, dass zum Beispiel Bekannte und Freunde, sogar Bekannte von dem Täter selbst, online dann dazu aufgerufen haben, das Fahndungsfoto verbreitet haben, um sozusagen die Suche anzukurbeln, mehr Leute darüber zu informieren, in der Tat, ja.
Es gibt sogar einen Trauergottesdienst für Melanie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Und in diesem Trauergottesdienst werden Fürbitten gehalten und auch für den Täter, Benjamin. Es wird gesagt, hilf ihm zu erkennen, was er Melanie und seiner Familie angetan hat. Die Justiz arbeitet relativ schnell, denn schon vier Monate nach der Tat kommt zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Hildesheim.
Da warst du auch bei einigen Prozesstagen. Beschreib uns mal die Stimmung in diesem Verfahren. Was war da los? Also ich muss dazu sagen, ich habe die Berichterstattung damals nicht alleine gemacht, sondern zum einen gemeinsam mit unserer Redaktionsleiterin damals in Peine, Kerstin Löhr. Und von einigen Prozesstagen hatte auch eine freie Mitarbeiterin berichtet.
Also ich war nicht an allen Tagen da im Gericht, aber zum Auftakt schon. Es war sehr voll. Natürlich waren auch viele Medienvertreter da. Es waren auch die Angehörigen da, also Vater und Mutter und der Verlobte von Melanie. Und viele Interessierte. Also es war eine Menge los vor dem Landgericht. Die Stimmung, wie würdest du das beschreiben? Neugierig oder?
Bedrückt am ehesten. Wie wirkte Benjamin F. auf dich? Du hast ihn ja auch dann zum ersten Mal gesehen. Ich habe ihn da zum ersten Mal dann gesehen. Er war komplett in schwarz gekleidet. Er trug eine Kapuze, tief ins Gesicht gezogen. Also er wollte offenbar auch nicht erkannt werden unbedingt oder seine Gesichtszüge zeigen.
Er hat viel nach unten geguckt. Er hat wenig geredet. Man hatte den Eindruck, er sei ziemlich emotionslos und kühl. Was man aber sehen konnte, war, dass er seine Hände ständig geknetet hat. Also es schien da schon auch aufgewühlt zu sein, auch wenn man ihm das ansonsten nicht so anmerken konnte. Es gab auch Situationen, dass er tatsächlich im Prozess eingeschlafen ist und der Richter ihn ermahnen musste an verschiedenen Stellen. Oh, daran erinnere ich mich nicht.
Du hast erzählt, die Familie war auch da. Wie sind die damit umgegangen? Das muss ja eine übermenschliche Stärke sein, sich in so ein Verfahren da reinzusetzen. Also an den Vater erinnere ich mich, den habe ich damals für seine Stärke auch bewundert. Der ist dann bei, mindestens einmal ist er rausgegangen, aber sonst hat er das sehr tapfer durchgezogen. Die beiden haben ja auch ausgesagt.
Ich weiß, dass die Mutter geweint hat bei ihrer Aussage. Ich erinnere mich auch noch daran, dass der Verlobte von Melanie direkt an Benjamin gewandt, auch gesagt hat, sowas in der Art wie, du hast mein Leben zerstört. Nach der Festnahme wurde Benjamin F. Dem Ermittlungsrichter vorgeführt, hat dort auch ein Geständnis abgelegt, hat dann aber im Prozess dieses Geständnis teilweise zurückgezogen.
Er hat dann behauptet, naja, in dieser Situation habe er Macht ausüben wollen, es sei im Moment alles hochgekommen, dieser Sorgerechtsstreit mit seiner, Ex-Freundin, die allgemeine Lebenssituation, die Arbeitslosigkeit, Frust, dass ihn Melanie angeblich dann in dieser Situation attackiert hätte. Was steckt da hinter dieser Strategie? Da kann man ja nur spekulieren.
Ich weiß nicht, ob er gehofft hat, vielleicht auf eine Tat, dass es am Ende auf eine Tat im Affekt, also sozusagen, dass es aus ihm herausgebrochen ist. Totschlag, ja. Totschlag hinausläuft, nicht Mord. Könnte man sich vorstellen. Auch auf Notwehr, also das hat tatsächlich der Richter dann etwas süffisant auch gesagt, ob er denn jetzt behaupten wolle, es sei Notwehr gewesen, auch angesichts dieser ungleichen Kräfteverhältnisse.
Kann man nur spekulieren, warum er da in diese Richtung gegangen ist, sich ja zum Teil dann auch selber widersprochen hat. Entscheidend in solchen Prozessen ist ja dann immer auch, was ein psychiatrischer Sachverständiger dann über einen Angeklagten sagt. Und der hat dann ihm eine schwere Persönlichkeitsstörung attestiert, aber gleichzeitig die volle Schuldfähigkeit.
Wir hatten gerade eben schon an einer Stelle darüber gesprochen, aber vielleicht nochmal auf den Punkt. Irgendwie hat man das Gefühl, das passt nicht zusammen. Also da ist einer, der irgendwie schwer gestört ist, aber gleichzeitig voll schuldfähig sein soll. Wie passt das? Also voll schuldfähig habe ich damals so verstanden, in dem Sinne, zum einen hatte er weder Alkohol getrunken noch Drogen genommen.
Also er war nicht berauscht im Moment der Tat. Ihm war wohl auch voll bewusst, also man könnte sagen eiskalt, hat er sich gedacht, ich habe jetzt diesem Mädchen hier was angetan, bevor jetzt jemand hier von den Nachbarn die Polizei ruft, weil sie so laut schreit, bringe ich sie halt um. Bringe ich das zu Ende?
Bringe ich das zu Ende? Also das ist ja... Wirkt zumindest sehr kaltblütig und sehr berechnend. Und auch das Nachttatverhalten, sich Gedanken zu machen, wie man die Leiche aus dem Haus rausbekommt, ohne dass jemand sieht. Wie man Auto fährt, ohne Spuren zu hinterlassen. Wie man den Tatort sauber macht.
Wie man die Wohnung, also er hat ja stundenlang offenbar das Badezimmer und seine Wohnung geschrubbt. Dann ist es ihm ja trotzdem passiert, dass das Handy in den Busch gefallen ist. Und da ist natürlich jetzt das Thema berechnend und planvoll doch auch dann wieder nur eingeschränkt gültig, denn nach allem, was ich mir so überlege, wäre das doch auch aus seiner Sicht schon die größte Katastrophe in dem Zusammenhang gewesen, weil er doch wusste, dass er geschrieben hat.
Naja, er hat das Handy 1000 Meter vom Abstellort des Autos im Busch entsorgt. Ich gehe mal fast davon aus, er hat nicht damit gerechnet, dass das dort entdeckt wird. Gehe ich davon aus. Vielleicht ist es auch rausgefallen beim Umladen oder so. Das könnte ich mir auch vorstellen, dass er das gar nicht gemerkt hat, dass es vielleicht rausgefallen ist. Das weiß man nicht. Trotzdem wirkt es sehr.
Plump, das da liegen zu lassen und sich wieder an den Computer zu setzen. Es war wahrscheinlich auch Zufall, dass es am nächsten Tag dann schon gefunden wurde und dann ja auch ziemlich schnell zu ihm geführt hat. Aber wenn es dieses Handy nicht gegeben hätte, da hast du recht, hätte man so schnell vielleicht auch gar nicht diese Spur zum Täter gehabt.
Ja, es ist ein Mord, ohne Frage ein Mord. Die Frage ist, welche Merkmale da eine Rolle spielen. Das könnte sein wegen Verdeckungsabsicht oder wegen niedrigen Beweggründen. Da hat das Gericht ja was zu gesagt. Kannst du uns dazu was sagen? Also ich kann mich erinnern, dass es Verdeckung auf jeden Fall war.
Also um sozusagen die versuchte schwere Vergewaltigung mit dem Messer in der Hand zu verdecken und auch die Verletzungen, die er da Melanie schon zugefügt hatte. An den anderen Tatvorwurf muss ich passen. Das weiß ich nicht mehr, wie es ausgegangen ist. Das Urteil, das das Landgericht Hildesheim dann verkündet, läuft darauf hinaus.
Auf Vortrag wegen Mordes, wegen Versuch der Schwerer Vergewaltigung. Uns wird die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Das ist ja ein ordentliches Bündel, was ihm auf die Schulter geschnallt wird. Das bedeutet nämlich, nach 15 Jahren wird nicht geprüft, ob er in Freiheit kommen kann, sondern er wird deutlich länger als diese 15 Jahre in Haft sitzen.
Der Sachverständige hat in diesem Verfahren darauf hingewiesen, wenn Benjamin F. jemals wieder frei kommt, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut wieder fremdaggressiv werden. Und das Gericht konnte ihn aber damals trotzdem nicht in der Psychiatrie unterbringen, weil seine Schuldfähigkeit vollerhalten war.
Wir haben ja jetzt viel über diese Tat gesprochen und jetzt diese Feststellung. Ist das möglicherweise eine Lücke im Gesetz? Was würdet ihr sagen? Schwierig? Also ich bin keine Juristin, darum kann ich das schwer beurteilen. Ich kann nur als Laie sozusagen sagen, dass man sich schon sehr wundert. dass das möglich ist.
Das Urteil wurde am 28. März 2011 verkündet und danach war Ruhe. Für 15 Jahre, zwei Monate und 20 Tage. Und dann kommt dieser Fahndungsanruf vom LKA, dass am 16. Juni 2026 Benjamin F. Aus der Haft entflohen ist. Und wenn man das jetzt alles weiß, wenn wir jetzt darüber gesprochen haben, was das für eine Tat war, kann man sich auch vorstellen, natürlich, sag ich mal, wie alarmiert die Sicherheitsbehörden gewesen sein müssen, dass so ein Mensch auf freiem Fuß ist, auf der Flucht mit einem Motorrad und niemand weiß, wo er hinfährt.
Möglicherweise vielleicht zu einer Ex-Freundin, die Mutter seines Kindes, um der was anzutun. Möglicherweise er ist das beste Opfer, was er an der Straße sieht oder er fährt einfach Richtung Süden, um sich abzusetzen. Lieber Harald, da wollen wir jetzt drüber reden. Ja. Es ist sein 38. Begleiteter Ausgang gewesen. Kein Freigang, ein Ausgang.
Erzähl vielleicht mal, wo dieser Unterschied ist, beziehungsweise wozu das Ganze gut war eigentlich. Da muss man sich wirklich langsam rantasten. Begleiteter Ausgang ist nichts, was man sich bewacht vorstellen soll, sondern wirklich begleitet nur in dem Sinne, dass also jemand von der JVA, es kann aber sogar auch jemand, aus der Familie oder jemand anders sein, sozusagen lose dabei ist.
Du hast vorhin schon erzählt, es wird dann am Anfang so ein Foto gemacht, deswegen haben wir ja dann auch dieses ganz Aktuelle gehabt mit dem makabererweise, grinsenden Benjamin F.. Und wir haben dann auch so eine Zeit, 9 bis 17 Uhr oder so, dann wird das da so festgelegt. Die Diskussion ist also wirklich schwierig. Zum einen ist das in diesem Fall und angesichts der Vorgeschichte grundsätzlich natürlich harter Tobak, wie man so sagt, oder starker Tobak, sich, so jemanden halt als begleiteten Ausgänger vorzustellen.
Und andererseits gibt es natürlich Resozialisierungsgesichtspunkte, die nicht nur Rechtslage sind, sondern die ja auch nachvollziehbar sind. Also die zuständige Justizministerin Katrin Wahlmann von der SPD hat in dem Zusammenhang jetzt mehrfach so einen Satz zitiert, den wohl ein ehemaliger JVA-Leiter aus Oldenburg immer gesagt habe, sie werden irgendwann wieder unsere Nachbarn sein.
Und diese begleiteten Ausgänge oder eben auch Freigänge, je nachdem wie das dann entschieden wird, haben natürlich die Aufgabe, diese Menschen, die nun in der JVA sitzen und aus allen normalen Umständen sozusagen herausgerissen sind, wieder daran zu gewöhnen, wie das so ist, bei der Mutter am Küchentisch zu sitzen oder auch vielleicht mal in einen Kaffee zu gehen.
Die Theorie, dann können sie das, wenn sie in ein paar Jahren entlassen werden. Auch wieder schaffen oder besser schaffen, sich einzugliedern und nicht wieder straffällig zu werden. Und jetzt gibt es aber in diesem Zusammenhang natürlich jetzt nochmal das besondere Problem, dass bei den Ausschusssitzungen und so viele der Umstände halt trotzdem, sagen wir mal, ein schummriges Licht werfen auf die Abläufe.
Also wenn das. Gutachten, das in Wolfenbüttel entstanden ist, doch sagt, dass er als gefährlich nach wie vor einzustufen ist, auch wenn es zugleich sagt, dass da keine besondere Fluchtgefahr besteht, warum dann diese lockere Regel mit dem nur als Begleiter fungierenden J.V.A. Mann, der also keine entsprechende Wächterfunktion gehabt hat, Warum keine Fußfessel etc.?
Das ist das eine. Das andere, da würdest du bestimmt jetzt auch gleich drauf kommen, was ist das für ein Wahnsinn mit diesem Motorrad? Wie kann jemand, abgesehen davon, dass er keinen Führerschein hat, aus der Haft heraus so ein Hochleistungsmotorrad mit dem übrigens, das finde ich auch so irre und ein bisschen makaber, mit dem Kennzeichen BS XY 46, also Wahnsinn.
Wie kann jemand so ein Motorrad zulassen lassen und dann da gelegentlich dran rumspielen? Ist das jetzt sinnvolle Resozialisierung, weil er ein schönes Hobby hat oder ist das nicht vielleicht doch auch ein bisschen verdächtig, dass er damit dann eines Tages vielleicht mal wegbrausen würde? Fragen über Fragen.
Erzähl mal diese Situation in dieser Wohnung bzw. in der Garage, wo er geschraubt hat. Also er besucht seine Mutter in ihrer Wohnung, die wohnt auch mal noch da in Peine. Ja, und er hat wohl schon vorher immer mal an diesem Motorrad da rumgeschraubt. Aber irgendwann ist er weg. Das Motorrad ist wohl offensichtlich, so habe ich das jetzt den Berichten entnommen, ich war da nie, ist wohl so ein bisschen um die Ecke.
Also das steht da nicht vor der Tür und das hatte er schon so verschiedentlich gemacht und das habe ich ja eben auch schon gesagt, das ist ja auch eine denkbare Tätigkeit, für einen Menschen, so ein bisschen zu schrauben und so und dann war er eben dort, nachdem er vorher schon mal da gewesen war, nochmal hingegangen.
Und diesmal war im Gegensatz zu der ersten Runde der JVA-Begleiter wohl in der Wohnung oder in dem Haus der Mutter geblieben, sodass er eben allein unterwegs war. Ob er jetzt das alles von langer Hand geplant hatte oder ob dann die Gelegenheit gerade so günstig und das Ganze irgendwie ein spontaner Entschluss war, weiß ich nicht.
Ich finde es auch ungehörig, so zu tun, als wäre da die eine Variante wahrscheinlicher als die andere. Ich weiß auch nicht, ob man das jemals erfahren wird, aber da traue ich mir jetzt kein Urteil zu. Aber bemerkenswert ist ja trotzdem, das Motorrad ist vollgetankt, und irgendwo liegt da der Schlüssel rum.
Ja. Und angemeldet. Und angemeldet ist es auch noch. Zugelassen. Ja, ja. Das sind also Argumente, die es jetzt nicht ganz unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass er die Idee mal hatte. Ideengeber, Komplizen. Mittäter, Ideengeber, das wissen wir nicht. Was wir wissen, weil da später im Justizausschuss davon die Rede war, das ist auch wieder etwas aus der Abteilung nicht gut gelaufen.
Dass, wenn es um 15 Uhr und ein paar zerquetschte, bekannt gewesen ist, so, der J.V. Amann hat sich gemeldet, so, der ist abgehauen, dass es dann bis 22.30 Uhr gedauert haben soll, bis also die Polizei in Kassel bei der Ex-Partnerin und dem Sohn vorstellig geworden ist. Da muss dann jetzt im Nachhinein doch, wurde selbstkritisch eingeräumt, das hat viel zu lange gedauert. In der Zeit hätte alles Mögliche geschehen können, ist nun aber nicht.
Er ist offenbar nicht nach Kassel gefahren, sondern, naja, schon in der Richtung, also über Bayern, Italien. Aber in Kassel vorbei ist er gefahren, Richtung Süden. Wo ist er denn hin? Er ist über Bayern und Tirol nach Norditalien und in der Nähe von Verona verunfallt. Also keine anderen Unfallbeteiligten, sondern einfach Bruchlandung mit seiner, einmal sagen wir es noch, ohne Schleichwerbung zu betreiben, KTM Duke.
Das ist also so ein Motorrad, kein rasend schnelle Maschine, habe ich mir angelesen, dieses Spezialwissen, sondern eher so ein Angebermotorrad, kann man das sagen? Kennst du dich aus? Nein, ich kenne mich nicht. Also dann nehme ich das zurück. Es ist jedenfalls, also 120 oder 130 könne man damit fahren, habe ich gelesen jetzt mit diesem Modell.
Sodass er da eine Weile unterwegs gewesen sein muss. Er muss mit Vollgas durch die Nacht gefahren sein wahrscheinlich. Bis er dann nach Venezien kommt, dort ein Unfall verwickelt wird, sich die Knochen bricht. Aktuell liegt er, glaube ich, immer noch im Krankenhaus in Italien. Auslieferung wird wahrscheinlich vorbereitet. Weiß man dazu irgendwas?
Nein, habe ich versucht nachzugucken. Ich habe sogar versucht, in italienischen Medien irgendwas darüber zu finden, was frisch ist. Ich weiß es nicht. Die Rechtslage ist, dass wenn jemand dem Auslieferungsantrag, den es ja gibt, widerspricht, dass es dann bis zu 60 Tage dauern kann. Insofern läuft das wohl noch, aber nicht am St. Nimmerleins-Tag, dass er dann zurück nach Niedersachsen gebracht wird.
Auf die Frage, kommt er dann wieder nach Zelle, hat die Sprecherin des Justizministeriums. Zwar mit den Schultern gezuckt, aber eher so angedeutet, dass sie das nicht glaubt, dass er nun genau in dieselbe JVA zurückgeführt wird, wenn der Oberschenkel wieder heil ist. Ist aber vielleicht letztendlich auch nicht entscheidend. Ist nicht entscheidend, ist dann nicht mehr unser Thema.
Wie es ja überhaupt, das habe ich ja eben schon angedeutet, so eine Art Balanceakt ist. Eigentlich ist das mit der Resozialisierung einsichtig, vernünftig und man darf auch den Leuten, die sich darum kümmern, zugutehalten, dass diese sogenannten Entweichungen sehr selten vorkommen. Es war jetzt in Niedersachsen die erste dieses Jahres und das ist deutlich weniger als zum Beispiel vor zehn oder zwanzig Jahren.
Da war das auch schon mal im zweistelligen Bereich. Und trotzdem gilt natürlich der Standardsatz, jede ist eine zu viel und trotzdem gilt natürlich, dass es in diesem Fall auch angesichts dessen, was du Katja erzählt hast, dann irgendwie kaum zu ertragen ist, sich das so vorzustellen, wie easy das dann ging und dass die Regeln doch sehr fragwürdig sind.
Also 37 begleitete Ausgänge vorher. Das Ganze gilt ja erst, wenn man acht Jahre einsaß. Das heißt also in seinem Fall hat das erst vor drei, vier Jahren begonnen. Das heißt, er war fast jeden Monat einmal auf Tour. Das ist erstaunlich viel. Das sagen auch die Insider so im Justizministerium. Oh, das ist aber viel. Zumal im Peine, wo ihn natürlich auch viele Leute wahrscheinlich kennen, wiedererkennen und möglicherweise auch noch Angehörige des Opfers wohnen.
Wie muss das für so jemand sein, wenn man den plötzlich da beim Schrauben seines Motorrads dann sieht? Das sind die Schmerzpunkte. Oh, das ist aber viel. Oh, was ist denn mit diesem Motorrad los? Oh, warum haben wir erst um 22.30 Uhr da in Kassel die gefährdeten Leute irgendwie besucht bzw. geschützt?
Und dann kommt natürlich noch überhaupt die Frage nach den Gutachten dazu, die Hendrik ja auch schon angeschnitten hat. Also es gab da nun mal eine Expertise oder eine Prognose, die sehr ungünstig für ihn war. Und warum in diesem Fall dann so locker die Regeln waren, dazu muss ich natürlich auch die Leiterin der JVA in Celle erklären. Hat sie ja auch schon angefangen.
Die politische Verantwortung ist natürlich Würdest du von einem Skandal sprechen? Die nächste Frage, Ich würde das nicht Skandal nennen, ich würde das also ein. Eine Fehlerkette nennen und auch ein großes Problem. Das politische Problem für die Justizministerin ist einerseits nicht zu leugnen, und da kommt ja auch noch hinzu, dass sie ohnehin, sagen wir mal, so ein bisschen im Fadenkreuz der Opposition steht.
Da geht es um ganz andere Themen, also um teure Dienstreisen und korrupte oder mutmaßlich korrupte Staatsanwälte und sowas, was damit jetzt nichts direkt zu tun hat. Trotzdem ist natürlich ein entwichender Mörder in einem Justizministerium. Mein Schwiegervater hat mal im Justizministerium gearbeitet und so, das weiß ich also schon vor 10, 20 Jahren, da war immer die Rede davon.
Das ist also für so ein Haus das Schlimmste. Wenn das passiert, dann wackelt auch der Stuhl jedes Ministers und jeder Ministerin. Selbst wenn sie aus meiner Sicht in diesem Fall jetzt bislang geschickt damit umgegangen sind, also transparent, wie man so schön sagt und natürlich auch mit Recht darauf hinweisen, dass die Verantwortung dann in der Justizvollzugsanstalt selbst im Wesentlichen zu finden ist.
Also das Ministerium macht nicht die Regel für A oder B, sondern das wird dann schon Einzelfall entschieden. Wie lange hätte denn Benjamin F. noch einsetzen müssen? Also wann wäre er frühestens rausgekommen? Bis mindestens 29. Das wäre ja gar nicht mehr so ganz lange gewesen. Das wäre nicht mehr ganz lange gewesen.
Das spricht ja auch wieder für diese grundsätzliche Idee, dass so jemand auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden muss. Die andere Zahl ist natürlich so erstaunlich, zum dritten Mal, 37 Mal hat das geklappt. Also wir haben eben gesagt, oh, das ist ja oft nach dem Motto, dem ging es ganz gut. Aber die Zahl ist natürlich auch erstaunlich hoch in der Hinsicht, dass man vielleicht die gewisse Lässigkeit an dem Tag X hat.
Ein bisschen besser versteht, wenn das so oft dann anders abgelaufen ist und er dann in An- und Abführung brav, wieder zurückgekehrt ist und sich da eingefunden hat, wo er sein musste. Ja, wir sind fast durch. Nochmal zwei Abschlussfragen an euch beide, vielleicht erst mal an dich, Katja. Ja, wir haben über die Tat gesprochen, über den Prozess, jetzt die Flucht.
Zwei Tage, dann wurde er erwischt, zum Glück relativ schnell. Aber was macht das mit Menschen, gerade in Peine? Was glaubst du, ist dort bei denen vorgegangen? Da kann man ja nur spekulieren. Aber ich glaube, wenn man versucht, sich in Leute reinzuversetzen, die Melanie kannten, die sie geschätzt haben, die sie geliebt haben, kann man sich vorstellen, wie groß das Entsetzen gewesen sein muss.
Und vor allen Dingen auch, denke ich mal, die Ungewissheit, weil man ja erst nicht wusste stundenlang, wo ist er? Taucht er jetzt hier vielleicht irgendwo auf? Was macht er? Passiert nochmal irgendwas? Ja, Harald, was muss man für Konsequenzen daraus ziehen? Hast du Ideen? Hast du Vorschläge? Also die Frage nach dem begleiteten Ausgang, nach dem also noch einmal nicht bewachten, sondern wirklich nur begleiteten Ausgang bei Straftätern dieses Kalibers muss unbedingt neu überdacht werden.
Also das kann ich mir anders nicht vorstellen und ich habe auch die bisherigen Einlassungen auch im Ausschuss und so verstanden, dass das getan werden wird. Jetzt grundsätzlich nun alle Resozialisierungskonzepte über die Wupper zu schicken und so, es wäre genauso falsch und das will auch keiner, das fordert auch keine Opposition.
Da sind wir uns einig. Es macht ja auch keinen Sinn, wenn da einer nach so langer Zeit in Freiheit kommt und nie irgendwelche Anknüpfungspunkte hatte und plötzlich auf sich allein gestellt ist. Möglicherweise natürlich mit Bewährungshilfe oder Führungsaufsicht, aber trotzdem plötzlich in eine ganz andere Welt hineinkommt.
Wenn wir uns mal zurückdenken vor 15 Jahren, wie da Deutschland ausgesehen hat und im Vergleich zu heute, das wäre ja ein Schock. Wenn jemand nicht diese Möglichkeit hätte, da am richtigen Leben noch ein bisschen teilzunehmen und vorbereitet zu werden. Ja, das ist nicht nur human, sondern auch vernünftig in diesem Sinne und da gibt es auch große Einigkeit, also dass...
Da wird jetzt kein Erdrutsch stattfinden, dass man noch eine Weile über diesen Fall sprechen wird und dass von den Einzelheiten und vor allen Dingen auch von den Lockerungsbedingungen auch noch detailliert die Rede sein wird, das glaube ich aber ganz sicher. Was hat denn diese Flucht für Benjamin F. Für Konsequenzen? Wird die Konsequenzen haben, möglicherweise mit Blick auf seine Entlassung? Oder steht das auf einem ganz anderen Stück Papier?
Das Erstaunliche, das Bemerkenswerte, im Grunde auch wieder sympathischer an unserer Rechtslage ist, Also das Freiheitsbedürfnis eines Menschen wird als natürlicher Drang sozusagen vorausgesetzt und das kommt nicht strafverschärfend jetzt hinzu. Er wird sich zwar seine Lockerungsregelungen und alles das, das wird er sich jetzt, versemmelt haben, aber er wird jetzt nicht zusätzlich, wegen illegalen Motorradfahrens oder Gefährdung von irgendwem oder so jetzt noch eine Strafe aufgebrummt bekommen oder überhaupt wegen Flucht.
Also Flucht ist nicht strafbar. Zumindest nicht in Deutschland, in den USA wäre es anders. Liebe Katja, lieber Harald, vielen lieben Dank, dass ihr euch hier heute als Gäste bei uns zu Tatort Niedersachsen ins Studio begeben habt. Und dass wir über diesen Fall sprechen konnten, der nun wirklich viele Aspekte hat.
Wir hatten einmal vor ein paar Monaten mal überlegt, ob wir diesen Fall mal aufarbeiten wollen. Da haben wir noch gar nicht dran gedacht, was daraus werden könnte. Harald, du bleibst wahrscheinlich... Schon vor dieser Fluchtgeschichte habt ihr darüber nachgedacht? Wir hatten überlegt, den Fall hier mal aufzuarbeiten, ja.
Aber Harald, du wirst wahrscheinlich weiter dranbleiben, was sich da an noch Geschichten und Ereignissen und bei der Politik tun wird. Meinst du, da wird sich noch viel tun? Ja, also als nächstes wird es ja, das wird eher so eine nackte, kahle Information sein, wird es um diesen Auslieferungsantrag gehen und wie das eigentlich weitergeht.
Und dann stellen sich die erwähnten justizpolitischen Fragen. Da mahlen die Mühlen natürlich eher langsam. Also da können wir jetzt nicht innerhalb von vier Wochen mit sensationellen Änderungen rechnen. Aber es wird schon noch die Rede sein von Benjamin F. Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, das war es mit der neuesten Folge von Tatort Niedersachsen im Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Bis zum nächsten Mal.