
Tatort Niedersachsen - der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung· Folge 99
Tatort Niedersachsen: Der Rentner, die Demenz und die Frage nach dem Motiv
Montag, 29. Juni 2026 · 40 min
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Shownotes
4. Dezember 2025. Eine Nachricht an diesem Morgen verändert alles. "Guten Morgen – Mutti ist tot. 110, 112." Als der Sohn diese Worte von seinem Vater auf seinem Handy liest, ruft er sofort den Notruf und fährt los.
Wenig später finden Rettungskräfte in einer Braunschweiger Wohnung ein erschütterndes Bild vor: Eine 78-jährige Frau ist tot, ihr Ehemann liegt schwer verletzt neben ihr.
Vor Gericht gesteht der 79-Jährige die Tat. Doch die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob er seine Frau getötet hat – sondern warum. War es heimtückischer Mord? Oder die Verzweiflungstat eines Mannes, der unter Depressionen litt und glaubte, seine demenzkranke Frau erlösen zu müssen?
In dieser Folge von Tatort Niedersachsen rekonstruiert Polizei- und Gerichtsreporter Hendrik Rasehorn mit Redakteurin Stine Hasenforther die Ereignisse der Tatnacht, erzählt die bewegende Geschichte einer über 50 Jahre währenden Ehe und begleitet einen Prozess, in dem es um Schuld, Krankheit, Liebe und die Grenzen menschlicher Verzweiflung geht.
Live-Crime-Talk: Karten für den nächsten Crime-Talk im Medienhaus mit Holger Kunkel gibt es im Vorverkauf hier (eventim.de/eventseries/9-live-crime-talk-holge…).
Hinweis: Ihr selbst habt Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken – oder kennt jemanden, den oder die eine psychische Erkrankung beschäftigt? Es gibt Hilfe. Professionelle Beratung – rund um die Uhr und kostenfrei – bietet etwa die Telefonseelsorge unter den Rufnummern (0800) 1110111, (0800) 1110222 und 116 123 oder per Mail und Chat (online.telefonseelsorge.de) an.
Hier finden Opfer von Gewalt Hilfe:
Weisser Ring e.V.
Schnelle und direkte Hilfe für Opfer von Kriminalität. Sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Fragen der Opferhilfe und des Opferschutzes.
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Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“
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Hilfetelefon bei sexualisierter Gewalt
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Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK)
polizei-beratung.de
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Eine Nachricht an diesem Morgen verändert alles. Guten Morgen. Mutti ist tot. 110 112. Als der Sohn diese Worte von seinem Vater auf seinem Handy liest, ruft er sofort den Notruf und fährt zur Wohnung seiner Eltern. Wenige Minuten später betreten Rettungskräfte das Zuhause und stoßen auf einen Tatort, den die Einsatzkräfte nicht vergessen werden.
Tatort Niedersachsen. Der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Alles rund um spannende Kriminalfälle in der Region. Wir blicken gemeinsam mit unseren Redakteuren auf die Hintergründe der spektakulärsten Verbrechen zwischen Harz und Heide. Hallo und herzlich willkommen zu Tatort Niedersachsen, dem Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung.
Mein Name ist Dina Hasenforter, bei mir heute Hendrik Grasehorn, unser Gerichts- und Polizeireporter der Braunschweiger Zeitung. Hi, Hendrik. Heute haben wir mal einen sehr aktuellen Fall für euch, bei dem erst vor kurzem das Urteil gefallen ist. Hendrik hat den Fall begleitet. Wie eingangs schon erzählt, beginnt dieser Fall mit einer Nachricht von einem Vater an seinen Sohn.
Wir haben für diese Podcast-Folge die Namen wieder geändert. Den Vater nennen wir in der Folge Frank. Er ist 79 Jahre alt. Seine Frau heißt Annette, 78 Jahre alt und der Sohn der beiden ist 53 und den nennen wir in dieser Folge Thomas. Es ist der 4. Dezember 2025, ein Donnerstagmorgen, als Thomas diese Worte liest.
Er ruft, wie eben schon gesagt, direkt den Notruf und macht sich auf in das östliche Ringgebiet von Braunschweig, wo seine Eltern leben. Dort angekommen, was erwartet ihn dort, Hendrik? Thomas hatte seiner Mutter immer per Handy jeden Tag einen Morgengruß geschrieben. Hallo, wie geht's dir? Das hat er auch in diesem Morgen gemacht und hat dann lange Zeit keine Antwort bekommen.
Und dann kam diese Nachricht, die du gerade vorgelesen hast. Er hat dann zurückgerufen, natürlich war er aufgeregt, panisch. Und hat auch erst den Vater nicht erreicht. Aber dann hat der Vater ihn zurückgerufen. Es kam ein ganz kurzes Gespräch und der Vater wirkte so, als hätte er einen Schlaganfall. Also ein bisschen so neben sich stehend verwirrt, dass der Sohn daraus geschlossen hat.
Also es muss irgendwas Schlimmes mit Mutter passiert sein und mein Vater hat darüber hinaus auch irgendwas erlitten in dieser Situation. Steht unter Schock oder möglicherweise was Schlimmeres, vielleicht sogar einen Schlaganfall erlitten. Er hat dann den Notruf alarmiert, ist ein Krankenwagen dort hingekommen mit dem Hintergedanken, es könnte sich um einen internistischen Notfall mit zwei beteiligten Personen halten.
Der Sohn ist zu Fuß losgelaufen zu der Wohnung hin. Er ist dann eingetroffen, da waren die Retter schon da. Die haben dann versucht mit dem Draht da irgendwie die Tür aufzubekommen. Er hatte den Schlüssel, hat den dann aufgemacht und wollte gleich mit den Rettern da rein in die Wohnung. Die haben natürlich aus Erfahrung gesagt, jetzt bleiben Sie erstmal vor der Haustür stehen, wir gehen erstmal rein, wir schauen erstmal, was hier los ist.
Und dann sind sie halt durch diese Wohnung gegangen, relativ großzügig geschnitten, alles ruhig, dunkel, und auffällig war, das hat ein Polizist dann geschildert, dass so ein wie Eisen, wie so ein eisenhaltiger Geruch in der Luft war. Sehr auffällig, sehr markant muss das gewesen sein. Ja und dann sind sie halt von Raum zu Raum gegangen, haben da geguckt, haben gerufen, Stille, nichts gehört.
Und dann haben sie irgendwann das Schlafzimmer erreicht und da nicht das vorgefunden, was sie gedacht haben, sondern einen richtigen Tatort vorgefunden. Und waren auch zu dem Zeitpunkt noch recht unvorbereitet, weil die Polizei auch noch gar nicht dabei war, richtig? Also die haben damit gar nicht gerechnet.
Die waren die allerersten, die diese Wohnung getreten haben. Vielleicht jetzt ein Warnhinweis an dieser Stelle, jetzt wird es vielleicht dann doch ein bisschen heftiger. Im Prozess wurde das natürlich alles sehr viel detailreicher geschildert, als das, was dann letztendlich in der Berichterstattung von mir dann aufgegriffen wurde.
Vielleicht hier im Podcast, dann kann man doch ein bisschen mehr erzählen. Also man muss sich das so vorstellen, diese Retter gehen von Raum zu Raum, reichen an das Schlafzimmer, es ist dunkel, Jalousien sind unten, machen das Licht an und dort sehen sie dann zwei Menschen im Bett liegen, Frau und Mann.
Die Bettdecke ist blutdurchtränkt. Neben dem Bett liegt ein Messer und ein Pflasterstein, auch blutig. Die Frau augenscheinlich tot, mit aufgerissenen Augen, mit einer wirklich üblen, Halsverletzung, die bis zur Wirbelsäule gereicht hat. Leichten Verletzungen an den Händen gehabt, aber es war klar, die Frau war tot. Und der Mann auf Ansprache hat dann plötzlich reagiert.
Hatte ebenfalls eine Halsverletzung, konnte sich nicht mehr artikulieren, hat dann aber Bewegungen gemacht, hat auf seine Frau gezeigt und hat dann die, Halsdurchgeste gemacht. Also eine ganz schlimmere Szenerie muss das gewesen sein, jetzt muss man sich mal vergewertigen, dass Notärzte, Feuerwehrleute, die sind ja einiges gewohnt.
Wenn ich im Gericht, manchmal wird ja im Gericht gefragt, wie hältst du das aus? Ich muss überhaupt nichts aushalten. Aber was die Retter in so einem ersten Angriff sehen, das ist manchmal echt hart. Und die Notärztin, die als Zeugin vernommen wurde im Prozess, die es auch an dieser Stelle, wo sie das alles noch mal dem Richtern erzählen musste, ist sie auch innerlich zusammengebrochen für den Moment.
Das war so ganz schlimm für sie, hat geweint und musste nicht auch erst mal sammeln und alles. Die hatte auch gerade erst ihren Dienst als Notärztin überhaupt begonnen, hattest du geschrieben, oder? Nicht gerade erst, schon ein paar Monate hat sie das gemacht. Aber das war trotzdem, sie hat vor Griech gesagt, also sowas hat ja nun auch schon ein bisschen länger jetzt diesen Dienst dann gemacht und hat gesagt, also so eine Szenerie wie dort, das hat sich natürlich auch mit anderen unterhalten.
Dass so eine Szenerie, das gibt es ganz selten. Ganz schlimm muss das gewesen sein. Kriegt man im besten Fall gar nicht zu Gesicht. Also die beiden Menschen, die liegen da, ist klar, also ein Mensch ist tot, einer ist noch so, gerade noch so anscheinend zu retten. Dann läuft halt dieser ganze Apparat da an, mit lebenserhaltenden Maßnahmen, mit Transport in die Klinik, Polizei dann schon vor Ort, weil klar war, dass hier ein Verbrechen vorliegt, wurde dann der Mann mit Polizeibegleitung in die Klinik gebracht, in den Schockraum, also da, wo dann wirklich die Schwerstverletzten dann hinkommen, konnte dann tatsächlich mit ärztlicher Kunst gerettet werden, aber war natürlich sehr schwer auch verletzt.
Ich habe ihn ja vor dem Prozess erlebt und da hat man dann deutlich diese Spuren gesehen. Dann kommen wir später vielleicht nochmal dazu. Also eine ganz schreckliche Szenerie, die die Retter dort vorgefunden haben, während draußen halt der Sohn wartet und man noch nicht weiß, was ist denn jetzt eigentlich? Der geht davon aus, Mutter möglicherweise halt irgendwas danach passiert und Vater halt einen Schlaganfall.
Und er will dann, als die Retter dann rauskommen, will er eigentlich reingehen und die sagen, nee, nee, darfst nicht, das ist ein Tatort. Hendrik, wann findet denn unser nächster Crime Talk im Medienhaus statt? Ja, wir bemühen uns ja immer darum, interessante Gäste einzuladen, die mit uns über Verbrechen reden.
Wir hatten Rechtsmediziner zu Gast, Gefängnisärzte, Profiler. Und jetzt haben wir Holger Kunkel zu Gast am 7. Oktober im Medienhaus. Holger Kunkke war derjenige, der als erster sich um die Cold Cases bei der Polizei in Braunschweig gekümmert hat. Tatort Niedersachsen-Fans kennen ihn auch aus älteren Folgen schon?
Mehreren Folgen jetzt hier auch schon aufgetreten. Kann super viel Geschichten von damals erzählen, anschauliche berichten und halt auch über die Hintergründe der Ermittlungen berichten. Und wir werden uns am 7. Oktober einen alten Kriminalfall aus Braunschweig oder der Region, da sind wir uns noch nicht einig, vornehmen und da mal hinter die Kulissen schauen, wie damals die Mordermittler ermittelt haben und den Täter überführt haben.
Ja, merkt euch das unbedingt, 7. Oktober im Medienhaus in Braunschweig live. Die Tickets findet ihr unter konzertkasse.de und den Link findet ihr auch unten in der Folgenbeschreibung. Also Frank, also der Vater, wird am Krankenbett dann auch vernommen und gesteht vollumfänglich, dass er seine Frau getötet hat und dass er auch versucht hat, sich selbst danach das Leben zu nehmen.
Und er willigt auch einen zum eigenen Schutz freiwillig in die Psychiatrie zu gehen. Das ist alles so unbegreiflich, wenn man hört, was die beiden für eine Beziehung geführt haben und was die für eine Ehe geführt haben, was dann alles später im Prozess und so auch herauskam. Was wissen wir denn über die beiden? Ja, wir haben ja hier auch Folgen, wo sich das Drama, wirklich ankündigt, über Monate, manchmal über Jahre, wo da Persönlichkeiten aufeinandertreffen und wo dann in den meisten Fällen halt eine Frau dann Opfer von Gewalt wird, weil es eine Trennungskonstellation jetzt beispielsweise gibt.
Und das ist ja ein ganz besonders außergewöhnlicher Fall, weil das gab es alles gar nicht das war eine Ehe die über fünf Jahrzehnte gehalten hat ohne Auffälligkeiten, harmonisch berichten die, berichten, berichtet der Sohn berichten Leute die sie kannten gutes Verhältnis zueinander keine Gewalt, keine Konflikte Geld war vorhanden, gutes Leben eigentlich Rentnerleben jetzt perfektes Runterleben, die beiden hatten ein Haus im Süden von Braunschweig Also von daher eigentlich.
Das Grauen in diesen Alltag da eingebrochen. Es wurde halt deutlich, dass der Sohn, der für das Gericht natürlich sehr wichtiger Zeuge war, weil der halt am nächsten an seinen Eltern halt dran war. Er war auch am Abend vor der Tat, war auch bei den Eltern zu Besuch. War auch das einzige Kind. War das einzige Kind und er war halt am Abend vorher zu Besuch und hat gesagt, Also es gab kein Anzeichen. Und die hatten sich eigentlich auch schon verabredet dann, dass sie sich dann auch bald wiedersehen.
Der Sohn, es wurde deutlich im Prozess, ein ganz enges Verhältnis zu dieser Mutter gehabt, hat sie dann im Prozess als eine... Ich will jetzt nicht sagen Übermama, aber er hat da Begriffe gefällt, sag ich mal, eigentlich fast für einen älteren Mann, fast untypisch, also Strahlefrau hat er gesagt, aber auch Kämpfernatur, weil sie hat, da kommen wir auch gleich zu, sag ich mal, einige gesundheitliche Probleme mitgebracht und hat es trotzdem halt durchgestanden, hat gesagt, herzenslieb, nie gehässig, hilfsbereit gewesen, also in höchsten Tönen hat diese Frau halt gelobt.
Und da im Gegensatz dazu, also er hat jetzt nicht seinen Vater schlecht gemacht, das überhaupt nicht, aber er hat gesagt, in dieser Beziehung. Könnte man so sagen, war so der Vater eher so diese dunkle Seite, weil er sich sehr viel Sorgen gemacht hat. Der war sehr leicht gestresst, er war ein Hippokunder, kann man wohl sagen.
Eine Zeugin, die die Familie gut kannte, hat dann gesagt, er hat dann auch immer, sag ich mal so, das Problem um die Ecke herum gesehen, wo andere gar nicht draufgekommen sind. Da hat er sich Gedanken gemacht, irgendwie, oh, könnte irgendwas passieren. Bisschen übervorsichtig. Ja, ja, aber auch so irgendwie, ach Gott, wie soll das alles werden?
Also im Grunde genommen, eigentlich. Ich habe ja beide nicht kennengelernt. Ich kenne sie ja nur aus Erzählungen. Ein paar, auf der einen Seite wird halt geschildert, das super harmoniert haben, auf der anderen Seite dann doch sehr unterschiedlich eigentlich von ihren Anlagen her. Gegensätze ziehen sich an. Ja, möglicherweise.
Und vielleicht nochmal diese eine Zeugin, die ich gerade erwähnt habe, die hat halt gesagt, dass der Mann, der Frank, für sie, für Annette, der Fels in der Brandung war. Und als dieser Felsener Brandung nicht mehr funktioniert, sie hat auch so das Soziale für die Familie organisiert, sodass sie sich mit irgendwelchen Leuten treffen oder mal rausgehen. Das war alles nicht so richtig seins eigentlich.
Und als dieser Felsener Brandung, als das nicht mehr so funktioniert hat, da ist alles den Bach runtergegangen, hat sie gesagt. Und dann sind irrationale Ängste plötzlich entstanden. Ein Wendepunkt in der Beziehung war dann, du hast es eben schon angedeutet, Annettes Gesundheitszustand. Sie ist dann an Demenz erkrankt, aber nicht nur. Was hat sich denn dann verändert bei denen?
Ja, zu Zeitpunkt der Tat war sie 78, hatten wir ja gesagt. Sommer 2024, also ein Jahr davor, hatte sie einen Schlaganfall erlitten. Einen leichten Schlaganfall. Ich kenne das von meiner Mutter. Jetzt hat sie ihren zweiten Schlaganfall, so beim ersten auch relativ leicht gewesen. Manchmal hat man da Glück und steckt das relativ leicht noch weg.
Aber auch, deswegen sehe ich da auch so die Parallelen, aber auch bei ihr dann im Krankenhaushalt auch festgestellt, dass da eine beginnende Demenz dann halt ist. Also Vergesslichkeit, Verwirrung, Alltag funktioniert nicht mehr ganz so. Und das hat halt auch den Mann natürlich so belastet, weil er Hippokunder, wie ich schon erwähnt habe, er hat sie dann, wenn sie beispielsweise aus dem Haus rausgegangen ist, ist er rausgegangen, hat sie verfolgt.
Ob sie diese Wege, die sie einschlagen wollte, ob das auch wirklich funktioniert oder ob er sie irgendwo einsammeln muss, hat sie alles perfekt hinbekommen. Aber er hat sich halt Ängste gemacht. Der Vater und der Sohn sind beide erst mal übereingekommen, dass sie ihrer Mutter nichts, oder dass sie Annette nichts sagen werden.
Was ihre Demenz betrifft. Was ihre Demenz betrifft, weil sie selbst ihre Mutter pflegen musste, die an Demenz erkrankt war. Und sie haben halt befürchtet, wenn man ihr das jetzt sagt, bricht ihr möglicherweise der Boden weg. Also sagt man ihr das nicht. Versucht aber diesen Alltag, so gut es geht, halt dann zu meistern halt gemeinsam.
Das funktionierte dann halt auch einigermaßen. Haben auch dann Urlaub gemacht zusammen wieder. das Paar, sind nach Italien gefahren und dort hat sie dann eine Meningitis, also eine Hirnhautentzündung erwischt. Das kann lebensbedrohlich sein, also ganz schlimm. Und das hat ihr eine richtige Breitzeit verpasst. Der Urlaub musste abgebrochen werden, sie musste zurück nach Braunschweig gebracht werden.
Sie wurde dann erstmal in eine Kurzzeitpflege ins Pflegeheim gebracht. Das war jetzt nicht so das Pralle, was man so im Prozess gehört hat. Also es ist ihr da überhaupt nicht gut gegangen. Sie hat da wohl relativ stark abgebaut, geistig, körperlich, das alles schon, sage ich mal. Nicht mit dem Schlimmsten gerechnet haben, aber alle damit gerechnet haben, die erholt sich nicht mehr davon.
Auch Pflegestufe 5. Pflegestufe 5, also wer sich damit auskennt, das ist schon ein sehr hoher Pflegegrad. Aber so in dieser Situation, der Thomas hat sich da eingesetzt, hat die Mutter jeden Tag besucht, stundenlang besucht. Also der hat seinen eigenen Beruf natürlich gehabt. Und trotz dieses Berufs hat er Zeit gefunden, da hinzufahren.
Jetzt haben sie stundenlang sich da hingesetzt, mit ihr geredet, mit ihr gemacht. Und sie hat es tatsächlich dann geschafft, neue Lebensenergie zu finden und hat sich von Pflegestufe 5 auf 2 zurückgekämpft. Das ist ein Wahnsinn. Was wirklich außergewöhnlich ist. Wahnsinn, das hat auch der Richter ausdrücklich dann erwähnt, dass das nicht viele schaffen.
Also dieser Sohn war immer für seine Mutter da. Und der wäre auch immer für seine Mutter da gewesen in jeder Situation. Er hat auch vor Gericht gesagt, er wäre sogar bereit gewesen, seinen Job zu kündigen, wenn es geholfen hätte, dass es seiner Mutter besser geht. Die beiden sind dann ja ausgezogen aus dem Pflegeheim.
Es stand kurzzeitig zur Debatte, ob sie ins Haus zurückkehren. Dann wurde aber entschlossen, das funktioniert nicht mehr. Und sie sind dann, nicht in ein betreutes Wohnen, aber in eine Wohnung, die in einem betreuten Wohnen angeschlossen ist. Relativ großzügig, fast zu groß für ein Ehepaar. So war die Lage dort. Also dass sie eigenständig leben konnten, aber sie konnten auch Unterstützung. Sie haben dort Verpflegung bekommen und sicherlich hat auch jemand nach dem Rechten geguckt, aber alles so auf einem niedrigen Level.
Aber trotzdem hat das dann halt schon ausgereicht, bei dem Mann, sage ich mal, ein ungutes Gefühl zu wecken. Also schon diese Situation im Pflegeheim, das war ihm nicht geheuer. Er hat dann die Frau auch zeitweise gar nicht mehr besucht, weil ihm das alles so irgendwie so belastet hat. Vielen Dank. Und auch dieser Auszug aus dem Familienhaus in diese Wohnung hat ihn auch schwer belastet.
Er hat sich da eingeengt gefühlt, jedenfalls wurde das so vor Gericht berichtet, dass er mit dieser Situation ist, überhaupt nicht klargekommen. Und immer stand da im Raum die Krankheit der Frau, der Zustand der Frau. Und oh Gott, oh Gott, er hat sich überfordert gefühlt. Gab aber real eigentlich dafür überhaupt gar keinen Anlass, weil der Sohn die ganze Zeit gesagt hat, beruhige dich, ich bin da.
Er hat vorgelegt gesagt, ich wäre eingezogen. Ich hätte meinen Job gekündigt, ich wäre eingezogen, hätte dir geholfen. Und sie ja auch wirklich sich wieder sehr gefangen hat und hattest du, glaube ich, auch geschrieben, wie da richtig Zukunftspläne hatte und Reisepläne und echt nochmal neue Energie geschöpft hat. Ja, das ist, sag ich mal so, Demenz.
Das bringt natürlich mit sich, dass da Leute halt oft auch passiv werden. Bei ihr war das halt ins Gegenteil verkehrt. Die war unternehmenslustig, wollte sich Deutschlandkart kaufen und nochmal mit der Bahn Deutschland entdecken. Halt so Pläne, was man dann halt so im Alter macht. Das war die Weihnachtszeit. Sie wollten den Weihnachtsmarkt unbedingt besuchen.
Da ist sie mit ihrem Mann dann hingefahren und für ihn war das schon enorme Belastung, weil er anscheinend das Gefühl hatte, er muss jetzt auf sie aufpassen und das war, die Wohnung war gar nicht weit entfernt vom Weihnachtsmarkt und trotzdem, war wohl danach fix und fertig, hat er dann gesagt, nach diesem kurzen Besuch am Weihnachtsmarkt.
Also das hat ihn schon so gelaugt, dass er halt nicht mehr konnte und das beschreibt so ein bisschen diese Situation, die sich da zugespitzt hat in dieser Wohnung. Also die Frau, lebenslustig, will was machen und er versinkt da immer mehr in dunklen Gedanken. Jetzt muss man noch dazu erwähnen, dass bei ihm eine Herzoperation anstand, zehn Tage.
Genau, das wurde dann Ende November 2025 festgestellt. Genau, festgestellt. Eigentlich ein relativ einfacher Eingriff am Herzen sollte das sein. Routine-Eingriff. Wo so ein paar Stents dann gelegt werden. Das wäre nichts Tolles geworden. Aber in seiner Welt, in seiner Gedankenwelt hat er sich erstens, Sorgen gemacht, oh Gott, überlebe ich das? Und zweitens, was ist, wenn ich jetzt ausfalle?
Was ist mit meiner Frau? Wer kümmert sich dann? Total irrational. Der Sohn wäre halt da gewesen und hätte sich gekümmert. Es gab diese Situation mit dem betreuten Wohnen, wo man sicherlich auch eine Lösung gefunden hätte, die engmaschiger zu betreuen oder wie man es nennen möchte. Aber er hat sich da immer mehr reingesteigert halt. Also überhaupt keine akute Notsituation, die irgendwie vorlag, aber für ihn hat es sich so angefühlt?
Dann hattest du eben schon erwähnt, Thomas hat seine Eltern auch kurz vor dieser Tat, vor diesem schrecklichen Tag dann auch nochmal gesehen. Die waren noch zusammen auf dem Weihnachtsmarkt, glaube ich, hattest du geschrieben. Genau, ja. Also am Abend vorher haben sie nochmal gesehen. Gab halt keine Anzeichen, dass da jetzt irgendwas droht, dass der Schrecken halt einbricht.
Die Mutter und der Sohn, die hatten schon mal drüber gesprochen, dass die Mutter den Eindruck hatte, dass so der Vater eine Depression entwickelt hätte. Da haben sie sich mal drüber ausgetauscht. Er war wohl auch so, wie sich in der Wohnung verhalten hat, also auch gerade so mit Blick, als er wusste, dass jetzt die Operation ansteht, hat er versucht, sich so wenig wie möglich da irgendwie zu bewegen.
Er saß nur noch im Sessel und ist immer passiver geworden. Das war wohl schon auffällig, aber dass jetzt eine Gewalttat sich ankündigt, das war absolut nicht abzusehen. Im Mai 2026, also vor kurzem, noch nicht lange her, begann dann der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig. Wie lautete denn die Anklage gegen Frank, gegen den Vater?
Ja, heimtückischer Mord, Zustand nicht ausschließbarer vermindeter Schuldfähigkeit. Ich habe ja so ein bisschen was zum Verletzungsbild erzählt. Ich hatte ja erst mal nur vom Hals erzählt. Es wurde ja auch ein Pflasterstein gefunden. Und die Reihenfolge war, dass der Frau im Schlaf zunächst der Kopf mehrmals mit dem Pflasterschein eingeschlagen worden ist.
Und danach dann der Angreifer ein Messer geholt hat, wurde ja auch sicherstellt, ein Ikea-Messer, und damit dann den Hals attackiert hat. Ja, und das ist auch so eine klassische Heimtücke-Situation. Wenn jemand schläft, da rechnest du nicht damit, dass ein Mörder neben dir liegen könnte. Also ein Mordmerkmal verwirklicht.
Und vor allem dein eigener Ehemann. Mhm. Du warst dann beim Prozess dabei. Wie hast du den Angeklagten, wie hast du Frank wahrgenommen? Ich habe selten einen Angeklagten erlebt, der so körperlich schon mal, so körperlich in so einem schlechten Zustand war. Er hat eine Magensonde gehabt, konnte seinen Speichel kaum halten, hat ein Handtuch auf dem Oberkörper gelegen, mit dem er sich ständig den Speichel halt wegwischen musste.
Konnte sich, also ich habe es kaum verstanden, wie er sich artikuliert hat. Ich saß ja mit ein bisschen Abstand hinten im Raum, also war sehr schwer zu verstehen. Und selbst seine Anwältin, die direkt neben ihm saß, selbst die musste fast jeden zweiten Satz nachfangen, weil er kaum zu verstehen war. Körperlich schwer geschädigt, war sicherlich auch fraglich, ob es überhaupt zum Prozess kommen wird, weil er in der Zeit, nachdem er verachtet worden ist, er ist dann im Justizkrankenhaus gewesen.
Er hat dann versucht, und Nahrung zu verweigern und eigentlich haben alle Beteiligten damit gerechnet, dass es gar nicht mehr zum Prozess kommt. Der war jetzt sich dann gefangen und war dann auch soweit stabilisiert, dass dieser Prozess halt stattfinden konnte. Er hat sich auch an vielen Stellen seine Aussage halt eingebracht, wollte halt immer wieder erklären, was jetzt aus seiner Sicht richtig ist und was aus seiner Sicht auch falsch ist, wenn es jetzt um Anklagepunkte oder Vorwürfe geht oder wie sich da Sachen entwickelt haben.
Er hat halt über seinen Verteidiger erklären lassen, dass er nicht übrig bleiben wollte, dass es ihm missblückt ist und dass er sehr traurig ist. Das war schon eigentlich sehr tragisch. Und mein Eindruck ist, ich kann ja nicht bei allen in die Köpfe gucken, aber ich glaube, dass dieses Verfahren bei allen, die da im Prozess beteiligt waren, also Richter, bei denen das tagtäglich solche Fälle auf dem Tisch liegen, Staatsanwälte, Gutachter, Verteidiger, Anwälte, dass alle wirklich dieses Verfahren.
Dass das schon ein besonderes Verfahren war. Besonders inwiefern? Weil da eigentlich kein klassischer Mörder da saß. Also einer, der, wie wir so oft berichten, Trennungssituationen, üble Absichten der Frau, die die Frau schädigen wollen und so. Darum ging es nicht. Er hatte, das war die eindrucksvollste Stelle in seinem Vortrag, den sein Anwalt dann für ihn natürlich, weil er es nicht mehr konnte, also sein Anwalt vorgetragen hat.
Er hat halt gesagt, er ist nachts aufgewacht, hat seine Frau da liegen sehen, hatte den Eindruck, sie wirkt wie ein Engel und dass er sie erlösen müsse. Also eigentlich in guter Absicht sie getötet. Das ist außergewöhnlich in solchen Prozessen. Also ein Mord, wo jemand meint, in guter Absicht, sag ich mal, sowas zu begehen, ich glaube, das hatte ich noch nie.
Was dem, finde ich, aber sehr widerspricht, ist dieses Bild Engel erlösen. Dann hat man so wie aus Filmen dieses Bild vor Augen. Da wird dann das Kissen aufs Gesicht gedrückt, dass die Person nicht mehr atmet und irgendwie friedlich einschläft. So war das ja aber ganz und gar nicht. Sondern das war ja eine sehr gewaltvolle, brutale Art und Weise, wie er ihr dann das Leben genommen hat.
Eigentlich muss man sagen, dass die Frau zweimal gestorben ist oder zweimal getötet worden ist. Mit diesem Stein, mit dem zugeschlagen wurde, Das allein hätte schon gereicht, um sie zu töten. Aber er hat trotzdem nicht aufgehört, sondern steht dann nochmal auf, geht zur Küche, holt das Messer, geht zurück und gibt dir dann noch den letzten Rest.
Und der Richter hat dann auch in der Urteilsbegründung gesagt, also wenn man sagt, das ist ein Mensch, den man liebt, liegt da wie ein Engel, so möchte man nicht eigentlich, dass ein Engel, dass ein Opfer so zugerichtet wird. Es war äußerst brutal. Ich habe ja geschildert, wie die Rettungskräfte, als sie da reingekommen sind, was das für ein Bild gewesen sein muss.
Wir haben zum Glück nicht die Bilder im Verfahren gesehen. Aber man kann sich aus dem allen, was bekannt geworden ist und natürlich auch, was der Rechtsmediziner da vorgetragen hat, das war schon fast eine Übertötung, könnte man so sagen. Das macht es, finde ich, schwer, nämlich so diesen Gedanken zu greifen mit, das ist so aus Liebe und Güte irgendwie passiert.
Und er hat es gut gemeint, wenn dann so eine gewaltvolle, schreckliche Tat da stattgefunden hat. Es kam ja auch zur Sprache im Gericht, dass vor zehn oder 15 Jahren, glaube ich, die wohl mal darüber gesprochen hätten, was wäre, wenn einer von uns stirbt und dann zu dem Schluss gekommen sind, dann zusammen.
Welche Rolle hat das denn gespielt? Es wurde versucht halt aufzuklären. Es gab sicherlich mal Gespräche zwischen den Eheleuten und das ist vielleicht auch natürlich, wenn ein Altersunterschied da ist und der eine vielleicht kränklicher und. Dass man sich Gedanken über die Zukunft macht und wie geht es dann weiter, wenn der eine verstirbt.
Vielleicht wurde dann nicht aus spaß aber dann so eher locker dann gesagt naja dann wäre schon schön schöner wenn der eine der zurück bleibt nicht lange alleine bleibt es wird solche gespräche gegeben haben aber, dass es sag ich mal eine absprache untereinander gab wenn der eine geht dass der andere dann hinterher geht die gab es mit sicherheit nicht davon hätte auch der sohn gewusst und der hat gesagt da habe ich nie was von gehört.
Wenn es diese Absprache gegeben hätte, das noch mal als Einschub, dann wäre man natürlich beim anderen Vorwurf gelandet. Dann wäre es kein Mord, sondern wäre es Tötung auf Verlangen und dann wäre auch ein ganz anderes Strafmaß damit verbunden gewesen. Deswegen musste das Gericht das natürlich prüfen, hat aber festgestellt, es gab nicht so eine Absprache. Und der Angeklagte selbst hat jetzt auch nicht so richtig drauf bestanden, dass er das gemacht hat. Er hat es angedeutet, dass sie schon mal drüber gesprochen hätten.
Aber es war sicherlich keine Übereinkunft, wenn du gehst, gehe ich hinterher. Der Sohn Thomas hat ja auch gesagt, dass er eher davon überzeugt war, dass seine Mutter auch davon überzeugt war, den Vater zu überleben. Und dass er von ihr auch den Eindruck hätte, dass sie das auch geschafft hätte, also dass sie ihr Leben dann auch in den Griff bekommen hätte, wenn ihr Mann verstorben wäre. Ja.
Ich habe die Mutter ja nur kennengelernt über die Schilderung im Gericht, aber das Bild, das mir vermittelt worden ist, trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen, war sie doch anscheinend so lebensmustig, die hätte weitergelebt. Und sie hatte ja vor allen Dingen auch ihren Sohn, der sich wirklich um sie gekümmert hat. Und wenn der Vater nicht mehr da gewesen wäre, hätten die beiden zusammen sicherlich noch ein tolles Leben geführt und hätten mit der Bahncard wahrscheinlich Deutschland entdeckt. Ich weiß es nicht.
Das klingt alles nicht so, als hätte da irgendwie ein aktiver Sterbewunsch. Nein, ganz so gar nicht. Wäre das da gewesen. Wie ist denn das Urteil ausgefallen? Was hat der Prozess ergeben? Ja, also wir haben ja festgestellt, diese Prüfung, Tötung auf Verlangen, ist zum Ergebnis gekommen, nein, hat nicht stattgefunden.
Dann war die Frage, war diese Tat jetzt spontan oder geplant? Und da geht es dann darum, wo kommt dieser Stein her? Und was macht der da plötzlich in der Wohnung? Der Angeklagte hat behauptet, das wäre ein Türstopper in der Wohnung gewesen. Er hätte den mal irgendwann mitgenommen. Und dann, der hätte wohl immer da irgendwo gelegen. Und in der Nacht, als er sie dann so liegen gesehen hat, hätte er sich denen halt zu völlig gegriffen.
Ich fand das auch bemerkenswert, dass der Sohn im Verfahren dann auch tatsächlich ausgesagt hat und auch gegen seinen Vater ausgesagt hat. Das ist auch nicht so üblich. Hätte er auch nicht machen müssen. Hätte er nicht machen müssen. Und er hat gesagt, nee, er hat in dieser Wohnung noch nie einen Stein und schon gar nicht als Türstopper gesehen.
Also liegt der Verdacht nahe, dass der Vater diesen Stein mit in die Wohnung genommen hat. Und warum nimmt man so einen Stein halt in die Wohnung? Möglicherweise hat er da was geplant. War letztendlich für das Urteil dann aber auch nicht entscheidend, weil ja vorher schon festgestellt wurde, dass der Angriff heimtückisch war.
Also ob der Stein jetzt da war oder nicht, das hat jetzt für die Verurteilung dann keine Rolle mehr gespielt. Also der Stein war da, mit dem Stein wurde zugeschlagen, der Vater war der Täter und die Tat war heimtückisch, so das hat man alles festgestellt. Ja, dann natürlich die Frage, die sich dann immer sowas stellt, was für eine Geistchenkonstellation war der Angeklagte dann in dieser Situation.
Es wird immer dann einem psychiatrischen Sachverständigen hinzugezogen, der aufgrund seiner Expertise und mit Gesprächen mit dem Angeklagten dann sozusagen ergründet, was ist so diese Geschichte davor, Jahre davor, Jahrzehnte davor, was ist in Monaten, Wochen, Tagen davor passiert und was während der Tat halt geschehen.
Ich habe ja erzählt, diese Depression, wo die Angehörigen, Mutter und Sohn, schon den Eindruck hatten, da ist irgendwas. Der hat seine dunklen Gedanken. Zu dem gleichen Eindruck ist dann auch der Gutachter gekommen. Er hat eine mittelschwere Depression attestiert und dadurch zur Tatzeit eine verminderte Steuerungsfähigkeit, aber nicht eine aufgehobene Steuerungsfähigkeit.
Weil er hat ja auch schon wieder relativ planvoll da gehandelt, das Messer geholt. Nach dem ersten Angriff noch einen zweiten Angriff durchgeführt, dann versucht sich selbst zu töten, hat versucht sich ins Messer reinzulegen, hat dann irgendwie ein bisschen rumgestochen und dann irgendwann tatsächlich, sich dann mit dem Messer dann selbst den Hals durchgeschnitten.
Und dann aber ja irgendwo auch noch die letzte Kraft hergenommen, diese Nachricht an den Sohn zu schreiben. Oder war das vorher? Das ist etwas, was ich mich die ganze Zeit im Prozess tatsächlich gefragt habe. Aber es war eine sehr blutige Angelegenheit. Und auch der Vater muss relativ viel Blut verloren haben. Und dann war er auch nicht mehr der Jüngste.
Dass der das überhaupt überlebt hat, dann noch diese Kraft dann besessen hat, zu tippen, beziehungsweise auf einen Anruf zu reagieren. Wahrscheinlich hat er sehr, sehr, sehr viel Glück gehabt. Ob man das als Glück bezeichnen kann, ist vielleicht eine andere Frage. Aber er hat zumindest überlebt. Wie ist das Urteil dann ausgefallen?
Ja, also er hat ja die Tat gestanden, Reue gezeigt, das hat natürlich für ihn gesprochen, dann aber natürlich gegen ihn gesprochen, diese wirklich brutale Art und Weise, wie er seine Frau da getötet hat, hinterrücks getötet hat, dass er es nicht sehen konnte. Auch, dass der Sohn unter dem Ganzen natürlich extrem gelitten hat.
Die Aussage, das war auch sehr bewegend, weil dieser Sohn, ich hatte den Eindruck, die ganze Zeit, wie der da vor Gericht aussagt, Mensch, was muss der für eine Kraft haben? Hat da ganz genau erzählt, wie sich alles ereignet hat, wie sich das zugetragen hat. Und dann kam die Stelle, wo der Richter ihn mal persönlich angesprochen hat und gefragt hat, wie geht es Ihnen denn so mit dieser ganzen Sache?
Und da ist er zusammengebrochen. Und da hat man gemerkt, diese ganze Maskerade, hat sich eine Maskerade aufgebaut und das alles in dem Moment ist, das alles zusammengebrochen. Das war sehr eindrucksvoll und sehr bewegend, muss ich schon sagen. Der hat ja auch in einer Nacht im Grunde beide Eltern. Da ist man als Gerichtsreporter auch tatsächlich auch mal, erwischt man sich dabei, dass man sich auch eine Träne wegdrückt, wenn man sowas erlebt.
Ja, das Strafmaß, dadurch, dass die Steuerungsfähigkeit vermindert war, Strafrahmenverschiebung, keine Verurteilung wegen Mordes, sondern Strafmaß zwischen drei und 15 Jahren. und in seinem Fall sechs Jahre, sechs Monate weiter. Könnte man jetzt sagen, ist das denn angemessen? In dem Fall. Ich will jetzt sagen, dass das ein Urteil für die Galerie ist.
Also ich glaube nicht, dass dieser Mann, dieser Angeklagte wirklich diese Strafe bis zu seinem letzten Tag absetzen wird, sondern allein durch seine gesundheitlichen Umstände wird er wahrscheinlich sterben, bevor er diese Strafe abgesetzt hat. Es klingt für mich ja auch ein bisschen danach, als würde gar nicht mehr so ein großer Lebenswille bestehen. Er wollte sich ja nach der Tat schon das Leben nehmen.
Dann mit dem Verweigern von Nahrungsaufnahme später. Man muss dazu noch erwähnen, er hatte nach seiner Verhaftung und im Krankenhaus die ganze Zeit versucht, Kontakt zu seinem Sohn aufzunehmen, der dazu einfach nicht in der Lage war. Der wollte das nicht. Es gab eine Situation auch im Gericht, da wurde ein Brief vorgelesen, wo er versucht hat, aus seiner Sicht dem Sohn halt zu schildern, was da halt war, aber gleichzeitig ihm dann auch so erklärt, wie der Nachlass zu regeln ist, was zu regeln sein sollte.
Irgendwie also du hast gemerkt, er wollte sich erklären und noch vieles halt mitgeben und er wollte ordentlich alles zurücklassen, aber der Sohn war halt nicht in der Lage da halt mit dem Vater zu sprechen. Es kam dann am Ende eines Prozestages, nachdem der Sohn ausgesagt hat, haben die sich dann aber für einen kurzen Moment ausgesprochen.
Ich bin dann Aus Anstandsgründen bin ich dann aber auch rausgegangen aus dem Gerichtssaal, damit die halt allein sind. Also sie haben es nochmal hinbekommen, sich auszusprechen. Das ist sicherlich eine gute Sache, dass das nicht so zurückbleibt. Und vielleicht werden die jetzt ja auch darüber hinaus weiter Kontakt haben, sehr zu wünschen.
Aber letztendlich dieser... Ja, dieser Sohn hat jetzt die Mutter verloren und hat natürlich auch mehr oder minder den Vater verloren. Das ist schon eine schlimme Sache. Den Eindruck könnte man ja auch bekommen, dass der Vater versucht hat, seine letzte Kraft irgendwie nochmal zu bündeln, um auch ein bisschen Abbitte gegenüber seinem Sohn zu schaffen und sich zu erklären und, vielleicht auch getrieben von Schuldgefühlen, weil er natürlich weiß, was er jetzt angerichtet hat mit dieser Tat.
Ich finde, du hast das in einem Bericht sehr, sehr gut auf den Punkt getroffen. Da hast du geschrieben, ein Fall, der in die Grenzbereiche der menschlichen Psyche führt. Den Eindruck habe ich nämlich auf jeden Fall auch. Auch was du jetzt alles geschildert hast, dass das Urteil ja auch nicht leicht gefallen ist, weil was für ein Strafmaß.
Was ist da gerecht? Genau, was macht man mit so einem gebrochenen Menschen, der meint, aus Liebe gehandelt zu haben? Was sagst du zu dem Fall, zu dem Prozess? So abschließend, wie hast du das alles empfunden? Bewegend auf jeden Fall, das habe ich ja schon versucht deutlich zu machen. Auch, dass da keine bösen Absichten hinterstecken.
Aber es durchaus, wie wir es beschreiben, eine verzerrte Form der Liebe ist. Es geht um Ängste, die Depression, Kontrollverlust, die alles damit reinspielen, dass dieser Mann in dieser Situation, man muss sich das nochmal vergewertigen, der wacht nachts auf, sieht seine Frau da liegen, hat einen Eindruck, die liegt da wie ein Engel.
Und in dieser Situation auf die Idee zu kommen, weil sie so ruhig und friedlich da liegt, um sie davor zu bewahren, sage ich mal, jetzt ist sie in einem schönen Zustand, hat noch ein schönes Leben und er will sie davor bewahren, in einen schlechteren Lebenszustand zu kommen. Dass er sich entscheidet, in dieser Situation seine Frau zu töten und dann diese Art und Weise mit dieser Brutalität dann auch noch zuzulangen, das ist schon außergewöhnlich gewesen. Das ist ein außergewöhnliches und auch noch ein verstörender Fall.
Ich fand das ganz spannend. Ich arbeite ja bei uns in der Social-Media-Redaktion und wir haben diesen Fall aus deinen Berichten heraus auch schon für Social Media aufgearbeitet und bei Braunschweiger Zeitung, schaut gerne mal vorbei, gepostet. Und darunter ist auch eine Debatte ausgebrochen, beziehungsweise ist da ganz oft der Begriff Sterbehilfe gefallen.
Von wegen, dass dieser Fall ja überhaupt nicht passiert wäre, wenn es eine aktive Sterbehilfe geben würde. Und das fand ich, das ist natürlich eine super wichtige Debatte, keine Frage, aber ich fand für diesen Fall das überhaupt nicht passend, weil ... Eine Sterbehilfe hätte das nicht verhindert. Es gab keinen Sterbewunsch.
Das fand ich zu einfach. Die Frau wollte ganz sicher, vielleicht Sterbehilfe für ihn. Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Das hätte gepasst. Aber ganz sicher nicht für die Frau. Die hatte halt Pläne. Die wollte was machen. War positiv gestimmt. Bei der war das Glas mindestens halb voll. Nee, das würde ich nicht sagen. Das passt nicht. Ich finde den Fall wirklich ganz tragisch, weil man ist so hin- und hergerissen. Weil genau das, was du eben meintest, einerseits kann man sich so ein bisschen reinfühlen in diese Verzweiflungstat.
Er auch, ich kann mich in jemanden reinversetzen, der eine Depression hat, das will ich gar nicht sagen. Aber mit einer gewissen Empathie kann man sich vorstellen, er war überfordert mit dieser Situation. Er hat gesehen, wie seine Frau irgendwie krank geworden ist. Aber aus irrationellen Gründen überfordert.
Total irrational, das wollte ich nämlich auch noch sagen. Das finde ich so erschreckend, weil es gibt ja auch Fälle, wo dann keine Hilfe besteht, wo es keine Angehörigen gibt, die sich so aufopferungsvoll kümmern. Aber hier gab es ja diesen Sohn, der das immer wieder auch betont hat. Und auch Freunde, die sich um die Familie gekümmert haben.
Und das ist schon wirklich außergewöhnlich. Man erlebt ja viel Mordprozesse, vor Gerichten. Und man erlebt Täter und man erlebt Taten. Und wie es dazu kommt. Und das will ja alles irgendwie nicht so richtig über Nein kommen. Das passt irgendwie nicht. Das ist kein typischer Mordfall. Das ist ein ganz außergewöhnlicher Fall.
Gut, wir interessieren uns natürlich auch sehr dafür, was ihr, Hörerinnen und Hörer von dem Fall, denkt. Schreibt es uns sehr gerne in die Kommentare. Wir schreiben euch auch noch mal, falls ihr selber betroffen seid oder falls ihr Menschen in eurem Umfeld habt, die an Depressionen erkrankt sind oder sich mit Suizidgedanken quälen, schreiben wir Anlaufstellen, wo man Hilfe kriegt, auch mit in die Folgenbeschreibung.
Absolut kein leichter Fall, wie wir festgestellt haben. Man ist sehr hin- und hergerissen. Interessieren euch so aktuelle Fälle wie der jetzt, der, wo ja wirklich vor kurzem erst das Urteil gefallen ist, dann schreibt sehr gerne in die Kommentare. Oder historische Fälle. Oder historische Fälle, wenn die euch lieber sind.
Schreibt es auch sehr gerne in die Kommentare. Ansonsten könnt ihr natürlich auch die ganzen Berichte von Hendrik zu dem Fall nochmal auf Braunschweiger Zeitung.de nachlesen. Schaut gerne auch beim Instagram-Account von Braunschweiger Zeitung vorbei. Da verpasst ihr dann auch keine Folge. Da teasern wir euch immer an, was die nächste Folge ist und bereiten die Fälle dann nochmal für euch auf.
Macht auch gerne die Glocke an, damit ihr keinen Fall mehr verpasst. Und wenn eine neue Folge rauskommt, kriegt ihr direkt so eine Push-Benachrichtigung. Das kann auch helfen. Ansonsten würde ich sagen, danke, dass du den Fall vorgetragen hast. Dass du das alles so beschrieben hast. Und bis zum nächsten Mal, Hendrik. Bis zum nächsten Mal bei Tartoy Niedersachsen.