
Tatort Niedersachsen - der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung· Folge 98
Tatort Niedersachsen: „Dein Vater war es“ – Der Brand-Mord von Goslar
Sonntag, 14. Juni 2026 · 33 min
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Shownotes
Eine Frau steht mitten in der Nacht vor einem Mehrfamilienhaus in Goslar in Flammen. Mit letzter Kraft nennt sie ihrem Sohn noch den Namen ihres mutmaßlichen Mörders: „Dein Vater.“ Mehr als 90 Prozent ihres Körpers werden verbrannt. Wenige Stunden später ist die 40-jährige Mutter tot. Die Ermittler sind überzeugt: Ihr Ehemann hat sie im Schlaf mit Benzin übergossen und angezündet.
Doch was bewegte den vierfachen Familienvater zu solch einer brutalen Tat?
In dieser Folge von Tatort Niedersachsen spricht Kriminalreporter Erik Westermann mit Redakteurin Stine Hasenforther über einen Fall, der die Region erschüttert hat: Was geschah in den frühen Morgenstunden des 5. Mai 2025? Welche Rolle spielten die Familienmitglieder? Und welche Vorgeschichte verbarg sich hinter den Türen der Wohnung?
Reporter Erik Westermann hat den Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begleitet und berichtet von bewegenden Zeugenaussagen, widersprüchlichen Darstellungen und den Erkenntnissen der Ermittler.
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Es ist kurz nach 4 Uhr, am Morgen des 5. Mai 2025. Die meisten Menschen in der niedersächsischen Stadt Goslar schlafen noch. Plötzlich zerreißen schmerzerfüllte Schreie die ruhige Nacht. Eine Frau stürzt aus dem Fenster ihrer Wohnung vier Meter in die Tiefe. Sie steht in Flammen, kämpft um ihr Leben.
Einer ihrer Söhne eilt ihr zu Hilfe, reißt sich sein Shirt herunter und versucht verzweifelt damit die Flammen zu löschen. Er fragt noch, wer hat dir das angetan? und mit letzter Kraft nennt seine Mutter ihm den Namen ihres Peinigers. Dein Vater. Zwölf Stunden später ist sie tot. Tatort Niedersachsen, der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung.
Alles rund um spannende Kriminalfälle in der Region. Wir blicken gemeinsam mit unseren Redakteuren auf die Hintergründe der spektakulärsten Verbrechen zwischen Harz und Heide. Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, bei Tatort Niedersachsen, dem Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Mein Name ist Stine Hasenforter und mir gegenüber sitzt mein Kollege und Kriminalreporter unserer Zeitung, Erik Westermann. Hallo Erik. Hallo Stine.
Heute sprechen wir über einen besonders grausamen Femizid in Niedersachsen. Wir sprechen über einen Mordprozess, der vor allem deshalb so erschütternd war, weil er nicht bloß zeigte, wie eine Frau furchtbares Leid angetan wurde, sondern auch, weil die Kinder in dem Prozess gegen ihren eigenen Vater ausgesagt haben.
Das Urteil in dem Fall ist noch nicht rechtskräftig. Was genau bedeutet das für uns? Das bedeutet, dass die Unschuldsvermutung gilt. Das Landgericht hat ein Urteil gesprochen, aber solange noch nicht über das Rechtsmittel entschieden wurde, müssen wir ihn als unschuldigen Menschen behandeln. Das schon mal vorweg.
In der Folge heute geht es um den Brandmord von Goslar. So haben wir ihn oder so hast du ihn in der Berichterstattung betitelt. Wir steigen direkt mal ein und begeben uns in die Tatnacht vom 5. Mai 2025. Wir befinden uns in Goslar am Nordrand des Harzes im Stadtteil Oka. Es ist sehr spät am Abend, gegen 1 Uhr ungefähr, da kommt der älteste Sohn von vier Kindern nach Hause in die Wohnung.
Und der 22-Jährige sagt auch später aus, dass er im Flur Diesel- und Grillanzünder hat stehen sehen. Und sein Vater habe ihn außerdem auch gefragt, wann er denn ins Bett gehen würde, aber da hat er sich eigentlich zu dem Zeitpunkt noch nicht viel bei gedacht. Wenige Stunden später, gegen 4.15 Uhr, werden er und seine Geschwister vom Vater geweckt mit den Worten, es gibt Feuer.
Erik, was ist in diesen drei Stunden passiert in der Wohnung? Also es ist Folgendes passiert, so hat das Gericht es zumindest rekonstruiert, in seinem Urteil, dass der Vater geschlafen hat auf einer Matratze vor der Tür des Zimmers, in dem seine Frau war. Hat er sich da hingelegt. Man könnte jetzt sagen, er hat den Eingang kontrolliert.
Und er soll dann irgendwann des Nachts in das Schlafzimmer gegangen sein mit einem Benzinkanister in der Hand. Und er soll seine geistig beeinträchtigte Tochter, die eigentlich immer bei der Mutter war, aus dem Zimmer gebracht haben. Soll seine Frau mit Benzin übergossen haben und dann eine Spur zur Tür gelegt haben und von dort aus das Feuer gelegt.
Die Frau stand dann sofort in Flammen, lichterloh und ist offenbar rasend vor Schmerzen aus dem Fenster gesprungen. Weil sie sich nicht anders zu helfen wusste. Danach ist das Zimmer offensichtlich, danach ist das Fenster offensichtlich geschlossen worden nochmal. Der Vater soll rausgegangen sein zu seinen drei Söhnen und die dann geweckt haben und mit ihnen das Haus verlassen haben.
Genau, vier Kinder hatte das Paar. Und die Söhne hat er dann geweckt, eben mit diesen Worten. es gibt Feuer, die wussten, die haben zu dem Zeitpunkt ja auch noch nichts davon mitbekommen. Und hat sie dann aus der Wohnung rausgeführt und da hat der älteste Sohn, der 22-Jährige, dann die Rufe seiner Mutter gehört, richtig?
Ja, genau. Es ist so gewesen, haben Zeugen ausgesagt, dass der Sohn etwas im Garten liegen sehen hat schon. Also er dachte, das wäre ein brennendes Stück Holz. Und dann hat er eben diese Rufe seiner Mutter gehört, hat die Stimme erkannt, ist über den Zaun gesprungen, hat sich das T-Shirt vom Leib gerissen und versucht damit die Flammen auszuschlagen.
Ein Nachbar hat dabei dann noch geholfen und dann soll sie eben tatsächlich mit letzter Kraft dreimal auf die Frage, wer das denn war, gesagt haben. Abuk, das arabische Wort, was übersetzt wurde mit dein Vater. Und ja, das ist die schwer vorstellbare Situation gewesen da. Also man mag sich nicht ausmalen, was für eine Situation das ist, für einen Sohn, seine Mutter da so liegen zu sehen.
Und der Vater hat sich in dem Zusammenhang dann auch schon recht auffällig verhalten. Ein Polizist hat auch später gesagt, dass die Situation, als die Polizei dann auch eintraf, sehr unübersichtlich war, also auch viele Menschen vor Ort waren, das heißt auch die Nachbarn haben das dann mitbekommen. Der mittlere Sohn, der 17-Jährige, hat dann wohl auch auf seinen Vater gezeigt, dass die Beamten das sehen und der wurde daraufhin festgenommen.
In seinem Kofferraum haben sie dann auch noch ein Tresor gefunden und eine Tasche. Das wirkte dann ja auch im Nachhinein so, als hätte sich der Vater irgendwie mit den Kindern aus dem Staub machen wollen. Kann man so interpretieren, ja. Ist nicht ganz geklärt worden, warum das so war. Aber es wirkte fast so, als wenn er bereit gewesen wäre, schnell wegzufahren.
Hatte vorher zum Beispiel auch die Gartenlaube, die er hatte verkauft. Das Geld hatte er dabei in Bar, es waren mehrere tausend Euro. Also das war schon so eine bemerkenswerte Situation, aber aus der ist man nicht ganz schlau geworden am Ende. Und einer der Söhne hat auch ausgesagt, dass er auch voll bekleidet war, also alle anderen waren natürlich im Schlafanzug irgendwie.
Genau, in Unterhose oder nur im T-Shirt, wie man halt schläft und er war als einziger komplett angezogen von der ersten Sekunde an quasi. Die Rettungskräfte haben die Mutter, die zu dem Tatzeitpunkt 40 Jahre alt war, dann in eine Spezialklinik gebracht. Doch die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen. Noch am gleichen Tag ist sie ihren Verletzungen erlegen und an einem Verbrennungsschock gestorben.
So hat es dann auch der Rechtsmediziner der Hochschule Hannover erklärt. Mehr als 90 Prozent der Oberfläche ihres Körpers sind durch das Feuer verbrannt worden. Hinzu kamen Verletzungen der Lunge durch die Rauchgase und auch Frakturen durch den Sturz aus dem Fenster. Da ist bis heute ja nicht ganz klar, ob sie sich selber aus dem Fenster gestürzt hat oder ob sie vielleicht geschubst wurde von ihm, richtig?
Also es gab diesen Verdacht, dass sie vielleicht gestoßen worden sein könnte. Im Prozess hat sich das am Ende nicht hundertprozentig aufklären lassen. Aber das Gericht ist letztendlich davon ausgegangen, dass sie gesprungen ist. Er allerdings das Fenster nach ihr dann noch quasi geschlossen hat, als sie aus dem Fenster raus ist.
Dafür sprechen zum Beispiel Brandspuren an seinen Füßen. Er soll also barfuß durch dieses Zimmer gegangen sein. Er hat Brandblasen an den Füßen entwickelt. Die hat man hinterher gefunden. Einer der Feuerwehrleute, das hattest du auch in einem deiner Berichte geschrieben, hat später auch gesagt, dass er diesen Anblick des qualmenden Körpers der Frau und diesen Geruch von dem verbrannten Fleisch auch niemals wieder vergessen wird.
Wie ging es denn dir damals, als du von dem Fall mitbekommen hast? Also es ist schon eine außergewöhnlich brutale Tat. was da passiert ist, ist auch wenn man das häufiger hört dass Menschen zu Tode kommen getötet werden schon ragt da heraus, es war auch die Atmosphäre im Prozess dadurch geprägt dass alle wahnsinnig beeindruckt waren auf so eine negative Art und Weise schlucken mussten, und Diese Bilder sollen für die Berufsrichter auch quasi nicht zu ertragen gewesen sein, sich das anzugucken.
Also selbst für die, für die das Gewaltalltag schon fast ist, selbst die waren beeindruckt von diesen Bildern. Der Frau von diesem verbrannten Körper, der da in so einer gekrümmten Position dann irgendwie lag. Und man merkte auch, wie die Söhne darunter litten, wie schwer das für alle Beteiligten war.
Ja, also das geht dann auch nicht ganz an einem vorbei, muss ich auch sagen. Jetzt steht ja die große Frage im Raum, wie kann ein Mensch jemandem sowas überhaupt antun? Wie kann ein Ehemann, was bringt einen Ehemann dazu, seine eigene Ehefrau in Brand zu setzen? Zu den Beweggründen kam dann ja auch später im Prozess ein bisschen was hervor, auch durch die Aussagen des ältesten Sohns.
Gehen wir erst mal nochmal einen Schritt zurück. Was kannst du uns denn über die Familie erzählen? Sie sind 2016 von Syrien nach Deutschland gekommen und nach Goslar gezogen, richtig? Genau, sie sind über Istanbul alle zusammen nach Deutschland gegangen und haben sich in Goslar niedergelassen. Und es lief am Anfang wohl alles auch sehr gut für die Familie.
Der Vater hat Arbeit gefunden, hat in einem Gartenbaubetrieb gearbeitet und, die Sohne sind zur Schule gegangen. Es lief wohl alles verhältnismäßig gut. Wir haben sich zurechtgefunden und bis irgendwann kam so eine Art Bruch. Und das war, als der Vater seine Arbeit verloren hat. Damit ging es dann bergab, muss man sagen. Das war so der, da sagte einer der Söhne am Ende auch, da fing alles an.
Nämlich die krankhafte Eifersucht des Vaters wurde wesentlich schlimmer. Also vorher war sie offensichtlich schon vorhanden, dass er seine Frau latent so ein bisschen überwacht hat, weil er immer davon ausging, sie ginge fremd. Völlig grundlos offensichtlich. Und mit dem Verlust seiner Arbeit hat sich das ganz stark gesteigert, so berichten, dass die Söhne.
Seine Arbeit hat er verloren wegen eines Bandscheibenvorfalls, richtig? Genau, das war also körperliche Arbeit, die konnte er einfach nicht mehr ausüben, hat dann seine Arbeit verloren auch. Und mit dem Verlust der Arbeit hat er offensichtlich auch so seine Rolle verloren in der Familie, so wie er sie sah jedenfalls, als Ernährer, als Beschützer, als Oberhaupt der Familie.
Und das war, ging damit verloren. Also er konnte das nicht mehr ausfüllen und, hat das offensichtlich kompensiert dadurch, dass diese Eifersucht sich dann wahnsinnig gesteigert hat. Die Söhne wurden auch immer selbstständiger, die konnten sprechen dann auch die Sprache ja schnell besser als die Eltern.
Die haben sich so ein bisschen verselbstständigt und er hat so seine Autorität verloren. Ja, und vielleicht so eine Art Überkompensation dessen war dann, dass er seine Frau immer stärker kontrolliert hat. Und in den Wochen, Monaten vor der Tat soll das dann nochmal eine neue Dimension angenommen haben mit Kameras, die in der Wohnung installiert waren.
So schildert er nicht die Söhne, er soll quasi bei jeder Gelegenheit behauptet haben, sie gehe fremd. Er ist sogar. Zu einer Behörde gegangen, zum Amtsgericht in Kostler und hat da gemeldet, meine Frau geht fremd. Er hatte eine Plastiktüte dabei, in der Taschentücher waren, die angeblich als Spuren quasi dienen könnten, als Beweise für seine Behauptung.
Und gesagt, die müssten da jetzt doch eingreifen irgendwie. Und im Gericht war man völlig irritiert über diesen Auftritt und hat dann später aber auch die betroffenen Mitarbeiter da vor Gericht gehört. Also ja, man kann schon von so einer Art Wahn sprechen, aber ein Wahn, der nicht dazu führte, dass er nicht wusste, was er tat.
So hat es eine Psychiaterin dann im Prozess auch nochmal ausgesagt, die ihn untersucht hat. Die hat gesagt, das ist eine sehr ausgeprägte Eifersucht, aber nichts Krankhaftes im psychiatrischen Sinne, was jetzt die Schuldfähigkeit beeinträchtigen würde. Da stelle ich mir jetzt natürlich die Frage, wie ging es der Frau damit und warum hat die ihren Mann denn nicht verlassen?
Ja, das ist eine gute Frage, die im Prozess auch gestellt worden ist. Es ist wohl so gewesen, dass sie Angst hatte, davor ihre Kinder zu verlieren. Gar nicht unbedingt begründet, aber sie hatte Angst, dass man die Kinder ihr wegnehmen würde, wenn sie sich von ihrem Mann trennt. Und aus dieser Motivation heraus soll sie bei ihm geblieben sein obwohl sie, wohl mal überlegt hatte wegzugehen aber, sie hat es dann nicht getan es ist natürlich auch ein Phänomen was man auch aus anderen Zusammenhängen kennt, häusliche Gewalt hat man das ja auch so, dass oft, den Opfern es nicht schaffen sich zu lösen oder wieder zurückgehen und eine ähnliche.
Lage scheint es hier zu sein, Und die Familie kam nicht aus Deutschland, hatten Schwierigkeiten mit der Sprache, da gab es Barrieren, wussten nicht, wie hier die Strukturen sind, was gibt es für Möglichkeiten. Genau das wird, genau so ist es auch gewesen, dass sie, ja, der Sprache nicht wirklich mächtig war, nicht wusste, wo gibt es Hilfe, wohin kann ich mich wenden, ja, und dann ist vielleicht auch so eine irrationale Angst am Ende dann da, das Amt könnte mir die Kinder wegnehmen, obwohl es dafür ja gar keinen Grund gegeben hätte.
Du warst beim Gerichtsprozess dann auch dabei. Der ist am 4. November 2025 in Braunschweig gestartet. Du hast ja schon viele Prozesse auch erlebt. Aber der Fall hat auch im Gerichtssaal ja für Entsetzen gesorgt, wie du eingangs auch schon erzählt hast. Nimm uns mal ein bisschen mit, wie ist dieser Prozess verlaufen?
Es handelte sich ja um einen Indizienprozess. Ja, ein reiner Indizienprozess, der sich über 13 Tage gezogen hat. Kannst du kurz erklären, was bedeutet Indiz? Also ein Indiz ist ja nicht so klar wie ein Beweis, sondern ein Hinweis dafür, dass etwas so sein könnte. Und wenn man mehrere Indizien sammelt, steigt der Typ mit natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass.
Ein Sachverhalt so ist, wie man das annimmt. Also als Beispiel, ein Indiz ist zum Beispiel, dass er Brandspuren hatte und ein Beweis wäre gewesen, wenn es davon jetzt eine Videoaufnahme gegeben hätte, wie man sieht, wie er das gemacht hat. Zum Beispiel, genau. Das ist ein Beispiel, ja. Und in diesem Fall gab es einfach wahnsinnig viele Indizien, so kleine Dinge, die man ein bisschen wie ein Puzzle dann am Ende zusammengesetzt hat und gesagt hat, okay, das Bild, was sich daraus ergibt, das ist so klar, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass dieser Mann, ihr Ehemann, der Täter ist.
Es soll sich ja bei der Tat nicht um einen spontanen Entschluss gehandelt haben, sondern eher um einen perfiden Plan. Wie lautet denn die Anklage? Also die Anklage lautete auf Mord und zwar auf Mord mit mehreren Mordmerkmalen. Das ist ja so, dass nicht jeder gewaltsame Tod eines Menschen automatischen Mord darstellt, sondern es müssen bestimmte Merkmale erfüllt sein.
Wie zum Beispiel Heimtücke, das Opfer arg und wehrlos ist. Das zum Beispiel wurde hier angenommen. Dann das an der Tat kann auch gemeingefährlich sein. Auch das ist hier zur Grundlage gewesen. Und besonders grausam ist diese Tat aus Sicht der Beteiligten dann auch gewesen. Also das waren so die drei Merkmale, zu denen man am Ende gekommen ist.
Die Staatsanwaltschaft hat sogar noch gesehen, dass das eine Tat aus niedrigen Beweggründen war, aber weil man nicht am Ende wirklich erklären können, was das einzelne Motiv war, sondern man ist eher von so einem Bündel von Motiven ausgegangen. Hat das Gericht das dann nicht ausgeurteilt. Aber drei Wortmärkmale, das ist schon sehr, sehr viel.
Also das ist, deswegen kann man am Ende auch zur besonderen Schwere der Schuld, so nennt sich das, das ist quasi nochmal eine Steigerung auf den Schuldspruch obendrauf, der dann dafür sorgt, dass jemand auch nach 15 Jahren nicht auf Bewährung freikommt, sondern länger einsetzt. Wie lange, zeigt sich dann immer, das muss jährlich geprüft werden, aber das ist nochmal so eine Steigerungsform.
In Deutschland auch die Höchststrafe, oder? Genau, lebenslang ist ja die Höchststrafe und eine besondere Sperre der Schuld ist dann noch mal fast das Maximum, was ausgeurteilt werden kann. Es gibt noch die Sicherungsverwahrung obendrauf. Das ist dann keine Strafe, sondern, das wird es ein bisschen technisch, nennt sich eine Maßregel der Sicherung und Besserung.
Die wird verhängt bei Tätern, wo ein hohes Rückfallrisiko gesehen wird für wirklich gewichtige Straftaten. Also dass jemand wieder zum Mörder wird oder wieder eine Vergewaltigung begeht oder sowas. Und da müssen dann auch schon Vorstrafen entsprechende da sein. Dann kann man das noch... Noch dazugeben und dann ist wirklich gar nicht mehr klar, wann jemand rauskommt und ob überhaupt. Aber der sitzt dann nicht mehr im Gefängnis, sondern das sind gesonderte Einrichtungen.
Vorstrafen gab es ja in diesem Fall keine. Nein, das war im Prinzip unbescheutener Bürger. Und das ist auch, weil du vorhin fragtest, wie ist der Prozess verlaufen, was waren so die Eindrücke? Wenn man da nochmal zurückkommt, man sieht diesen Mann, ja, nicht besonders groß, 50 Jahre alt, glatt rasiert, ganz unscheinbar und ganz freundlich.
Und so ist der auch im Prozess aufgetreten, ganz zurückhaltend. Der hat ein bisschen was erzählt zu seinem Leben, aber sonst nicht viel Reaktion gezeigt. Aber wenn man den auf der Straße sehen würde, würde man denken, ein freundlicher Mann mittleren Alters. Und niemand, von dem man ausgeht, dass der das vielleicht sogar schon über längere Zeit geplant hat. So eine brutale Tat.
Beim ersten Prozesstag waren die Söhne nicht dabei. Ich muss gestehen, dass ich das nicht mehr genau weiß, ob die am ersten Tag da waren oder nicht. Das stand, glaube ich, in einem deiner Artikel. Das kann gut sein, es tut mir leid, aber das ist ein Detail, das habe ich einfach nicht mehr vorgenommen. Ja, kein Problem, aber später waren sie ja noch mit im Gericht dabei.
Wie hast du die Söhne empfunden, die Familie, die Angehörigen des Opfers? Also kennengelernt haben wir die beiden älteren Söhne. Die waren der eine Anfang 20, der andere war so im fortgeschrittenen Teenager-Alter. Ja, die waren auch unterschiedlich, der eine ein bisschen ruhiger, der andere sehr aufbrausend und man merkte, dass er, dass diese Tat, die sind damit unterschiedlich umgegangen.
Der eine hat das eher so in sich rein vielleicht gefressen und der andere hat das in Wut kanalisiert. Ja, der war wütend auf seinen Vater, der war verzweifelt vielleicht auch. Ich glaube, das waren sie beide und schwer beeindruckt durch diese Tat und auch, dass ihr Vater das nicht gesteht, sondern dass er auch noch Dinge behauptet, die.
Das Gericht hat es festgestellt, so nicht stimmen. Zum Beispiel? Zum Beispiel hat der Vater wohl schon von relativ früh gesagt, dass es die geistig beeinträchtigte Tochter gewesen sein könnte. Die mit im Schlafzimmer war. Die mit im Schlafzimmer war und die Spiele mit Feuerzeugen. Und die könnte das ja auch gewesen sein.
Und das hat so deren Verzweiflung nochmal gesteigert. Der leugnet es noch und der beschuldigt jetzt unsere Schwester. Wobei das Gericht festgestellt hat, dieses Mädchen ist auf dem Stand einer Zweijährigen. Die kann einen so ausgeklügelten Plan gar nicht umsetzen. Erst Benzin verschütten, mit dem Feuerzeug von der Tür aus anzünden.
Und es gab keinerlei, das ist wirklich ganz genau geprüft worden, auch im Prozess, ob das möglich wäre als Tatalternative. Aber das ließ sich ausschließen. Und der ist aber dabei geblieben, verschiedene Varianten da ins Spiel zu bringen, aber seinen eigenen mutmaßlichen Tatbeitrag hat er eben geleugnet.
Und beide älteren Söhne haben auch ausgesagt im Prozess? Beide haben ausgesagt, ja. Beide haben auch im Prinzip gegen ihren Vater ausgesagt. Ich glaube, die haben berichtet, was war. Also insofern blieb ihnen da gar nichts anderes über. Sie haben ihn jetzt auch nicht übermäßig belastet, sondern das trotzdem schon auch differenziert dargestellt. Haben aber geschildert, wie das in den Wochen und Monaten vor der Tat immer schlimmer geworden ist mit ihm und seinem Kontrollwahn.
Die haben ein Handy auf dem Klo entdeckt, wo so Audioaufnahmen gemacht wurden, eben diese Kameras. Der Vater soll dann sogar Stacheldraht auf so einer Art Balkon da gespannt haben, damit die angeblichen Liebhaber seiner Frau darüber nicht in die Wohnung kommen. Das hat er aber alles kurz vor der Tat wieder abgebaut.
Das ist alles verschwunden. Keine Kameras, kein Stacheldraht. Das ist zum Beispiel dann auch nochmal so ein Indiz gewesen, wo das Gericht gesagt hat, okay, warum nicht? Warum die Kameras nicht? Zum Beispiel im Flur. Damit man möglicherweise nicht sieht, wie er die Tat begeht, damit es diese Art von Beweis dann nicht gibt.
So hat man das interpretiert. Er hat auch, glaube ich, wenn ich das jetzt richtig rekonstruiere, das hattest du geschrieben, einmal auch behauptet, dass die Eifersucht nur vorgespielt war, um, ich glaube, den Onkel der Kinder oder ihren Bruder irgendwie aus der Wohnung zu kriegen, weil er da zeitweise, glaube ich, bei denen gewohnt hat.
Also es ist so gewesen, dass ein Zeuge ausgesagt hat, dass der Angeklagte geäußert haben soll. Genau, das ist nur vorgespielt. Die Motivation ist am Ende, das müssen wir jetzt weit ausholen, das zu erklären, aber es ist ziemlich offenkundig gewesen, dass das Quatsch war, dass es diese Eifersucht wirklich gab.
Es gab auch jemanden, der gesagt hat, der tut nur so, als wenn er quasi krankhaft eifersüchtig wäre, weil er weiß, damit könnte er einer möglichen Strafe vielleicht irgendwie entgehen und das schuldunfähig eingestuft werden. Aber das ist alles, das hat man alles über Bord gekippt und da hat man gesagt, das kann so nicht, kann nicht stimmen.
Also, ja, aber man sieht, da ist jemand, der versucht mutmaßlich, ich sage es an dieser Stelle nochmal, Verweis auf die Unschutzvermutung, ja, da schon vielleicht irgendwie einen Plan entwickelt hat, wie genau der aussah und was vielleicht noch alles dazu gehörte, das ließ sich dann am Ende nicht mehr aufklären, aber, diese Gartenlorbe und der Verkauf ist auch schon nochmal so ein Punkt.
Warum verkauft er dieses Ding vorher? Hat denn das Bargeld dabei? Was nimmt er mit aus der Gartenlaube? Einen großen Kanister für Benzin, der dann im Flur gestanden haben soll. Also da kann man schon so ein paar Linien erkennen. Du sagtest auch, da war sehr viel Wut auch im Gerichtssaal, gerade von den älteren Söhnen.
Du hattest, glaube ich, auch geschrieben, der eine Sohn hat sogar am Tatort noch den Vater angegriffen. Ja. Also für die Söhne schien auch da schon klar gewesen zu sein, was vorgefallen sein muss. Wie war so generell die Stimmung im Gerichtssaal? Auch wie waren die Richter, dem Angeklagten gegenüber?
Der Angeklagte hat wirklich überhaupt gar nichts, also der hat ja nichts gestanden bis heute. Wie hast du das empfunden? Also dass er nicht gestillt ist, ist ein gutes Recht. Das muss ja nicht so sein. Und so behandeln ihn dann auch die Richter. Also dass vor allem diese Kammer, Spurgerichtskammer, Das ist die im Landgericht Braunschweig, wo solche Fälle immer verhandelt werden.
Der Vorsitzende macht das seit 20 Jahren, meine ich. Die behandeln immer alle Leute gleich. Das ist was, was ich mal positiv hervorheben muss. Die sind freundlich auch zu Leuten, denen man schlimmste Taten vorwirft. Und so sind die auch mit dem umgegangen. Aber natürlich ist es so gewesen, dass diese Spannungen der Familie auch in diesen Prozess reingespielt haben.
Als die Söhne befragt wurden, hat der Verteidiger sie relativ stark angegangen. Man könnte ein bisschen sagen, der hat die gegrillt, um vielleicht auch Widersprüche rauszukitzeln, was am Ende aus Sicht des Gerichts nicht gelungen ist. Aber es gab dann eine Szene da hat der ältere Sohn in der Verhandlungspause nachdem er da so befragt worden ist vor Wut gegen die Wand geschlagen kam dann mit Verband wieder rein also es ging sehr hitzig dann auch zu am Rande, einfach durch diese emotionale Betroffenheit würde ich sagen der Söhne vor allem der eine der wütende, Der Ältere. Der Ältere, ja. Der auch versucht hat, das Feuer, oder es auch geschafft hat, das Feuer zu löschen. Genau, der versucht hat,
das Feuer zu löschen, ja. Und dann diese letzten Worte gehört haben will von seiner Mutter. Du hast nach der Stimmung im Gerichtssaal gefragt. Also gerade zum Ende hat man das auch nochmal gesehen. Das war bei der Urteilsverkündung, war auch der Bruder der Toten zum Beispiel im Saal. Und der hat dann noch etwas gerufen, als der Schulspruch da begründet wurde.
Und ich habe den Dolmetscher gefragt, was. Und er soll gesagt haben, ich wünschte, man würde dich hinrichten zum Angeklagten. Ja, das zeigt nochmal ein bisschen, wie so die emotionale Lage bei den Angehörigen war. Das ist ja auch ein Bild, was man als Kind niemals wieder vergessen wird. Die eigene Mutter in Flammen.
Ja, genau das ist es. Ich glaube, ich habe dir einen Artikel dazu überschrieben mit der Junge, der seine Mutter verbrennen sah. Das sind dann auch Sachen, da steht einem so als Bild vor Augen, dass man dann schon doch auch einfach ein bisschen schlucken muss und nachvollziehen kann, dass jemand dann möglicherweise wütend ist.
Auch so wütend, dass die Kinder sich auch sehr vom Vater distanzieren. Also der wurde nicht mit Vater oder Papa oder so angesprochen, sondern mit Vor- und Nachnamen hast du geschrieben. Genau, das ist, also das hat man gemerkt, dass in der Sprache so eine Art Distanzierung stattfindet. Ja, also dass nicht Papa oder sonst irgendwas gesagt wurde.
Vielleicht in dem Alter auch eh schon seltener, aber trotzdem merkte man das, dass diese Distanzierung da war. Und zum Ende ist es einfach auch so gewesen, Das habe ich am Rande dann mitbekommen, die wollten nichts mehr, die haben sich losgesagt von ihm. Der eine wollte den Namen ablegen, der andere hat jeden Kontakt verweigert.
Der Ältere hat ihn dann nochmal im Gefängnis besucht in der Untersuchungshaft und das lief aber nicht gut. Weißt du, was mit den Kindern jetzt passiert ist? Also der Älteste Anfang 20, sagtest du, Jugendalter noch und der Jüngste ja im Grundschulalter zum Tatzeitpunkt und dann noch die Tochter, die eben so stark geistig beeinträchtigt ist, aber auch junge, erwachsene Frau. Ja, genau, eine junge Erwachsene.
Also es ist so, das hat der Richter ganz am Ende auch festgestellt, dass diese Familie, also eine Nebenfolge dessen, was da passiert ist, ist, dass die Familie natürlich zerstört ist. Die Kinder haben sowohl ihre Mutter verloren, als auch im Prinzip ihren Vater, der jetzt im Gefängnis sitzt und sollte das rechtskräftig werden, so schnell nicht mehr rauskommt.
Wir haben also ein Kind im Grundschulalter. Wir haben einen Jugendlichen und einen jungen Erwachsenen, die auf sich selbst gestellt sind. Wir haben eine geistig beeinträchtigte Tochter, die jetzt in der Psychiatrie untergebracht ist. Vorher hat sich quasi Tag und Nacht die Mutter um sie gekümmert. Aber die ist alleine, kommt ihr nicht zurecht. Wie ich gesagt habe, die ist auf dem Stand einer Zweijährigen in etwa.
Aber diese Familie ist zerrissen, gespalten. Und das ist so eine der Folgen dieser Tat, die noch mal besonders tragisch sind, muss man sagen. Da kann man im Nachhinein nur hoffen, dass die Geschwister sich da vielleicht gegenseitig eine Stütze sind im Leben. Du hast es, ich lese es noch mal vor, in einem Bericht so geschrieben.
Als Richter Polomsky den Schuldspruch verkündet, lauscht der Angeklagte den Worten seines Dolmetschers. Zitat, Mord und die besondere Schwere der Schuld. Sein Gesicht zeigt keine Regung. Dabei dürfte er, sollte das Urteil rechtskräftig werden, frühestens in etwa 20 Jahren wieder aus dem Gefängnis kommen.
Zitat, diese Tat hat alles zerstört, sagt Richter Polomsky zum Ende. Das Leben einer, Zitat, guten und ehrlichen Frau, wie ein Zeuge sie beschrieb, und das der gesamten Familie. Das trifft es, glaube ich, ganz gut für diesen Fall. Genau, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es wurden auch Rechtsmittel eingelegt, sagtest du im Vorgespräch. Ja, genau. Also es war auch absehbar.
Ich habe ja gesagt, 13 Tage gegen dieser Prozess. Die Verteidigung war sehr konfliktreich, möchte ich sagen. Es gibt ja unterschiedliche Arten und Weisen, wie man jemanden verteidigen kann. Aber in diesem Fall. Ist man sehr auf Konfrontation gegangen. und da hat der Richter am Ende auch noch mal ein paar Worte für übergehabt.
Die Frage gestellt, ob das so im Sinne des Mandanten gewesen ist. Es gibt Fälle, wo jemand mit einem frühen Geständnis angesichts einer recht deutlichen Indizienlage dann vielleicht sogar auch so etwas abgewendet hat wie drei Mordmerkmale und die besondere Schwere der Schuld. Aber hier war das anders. Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, das war der Brandmord aus Goslar.
Schreibt uns gerne in die Kommentare, wie ihr die Folge fandet. Eure Gedanken zum Fall, Lob und Kritik an uns lesen wir uns sehr gerne durch und wir hören uns beim nächsten Mal wieder bei Tatort Niedersachsen in der nächsten Folge und danke dir, Erik, dass du da warst. Danke, Stine.