Anmelden

Tatort Niedersachsen - der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung· Folge 97

Tatort Niedersachsen: Verliebt, erpresst und ruiniert – die Falle der Escort-Dame

Sonntag, 24. Mai 2026 · 53 min

MP3

Shownotes

Die junge Frau wirkt freundlich, aufmerksam und interessiert. Ein 30-Jähriger aus Braunschweig glaubte, in der Sexarbeiterin die große Liebe gefunden zu haben. Statt Zuneigung und Nähe erwartet ihn jedoch eine perfide Falle: Was mit gekauften Intimfotos und scheinbar harmlosen Treffen beginnt, endet in einer Spirale aus Angst, Drohungen und immer neuen Geldforderungen.

Die Geschichte führt von Braunschweig nach Berlin und weiter nach Nordrhein-Westfalen. Immer wieder tauchen neue Menschen auf, neue Erklärungen, neue Drohungen. Der Mann beginnt Geld zu zahlen, nimmt Kredite auf und trifft Entscheidungen, die Außenstehende kaum nachvollziehen können. Doch was steckt wirklich hinter der angeblichen Notlage der jungen Frau? Und warum gelingt es den Verfolgten so lange, ihr Opfer unter Druck zu setzen?

Vor dem Landgericht Braunschweig steht schließlich eine 24-Jährige, die ihre Rolle in dem Fall einräumt. Sie spricht über ihr früheres Leben im Rotlichtmilieu, schwierige familiäre Verhältnisse und Begegnungen, die sie selbst in gefährliche Abhängigkeiten gebracht haben sollen. Doch wie viel davon ist Erklärung – und wie viel vielleicht auch Inszenierung?

In dieser Folge von Tatort Niedersachsen rekonstruiert Polizei- und Gerichtsreporter Hendrik Rasehorn im Gespräch mit Redakteurin Stine Hasenforther einen Fall über Einsamkeit, Manipulation und emotionale Abhängigkeit. Ein Fall, der zeigt, wie schnell Menschen in eine Situation geraten können, aus der sie keinen Ausweg mehr sehen.

Hinweis: Wenn ihr selbst von Zwangsprostitution, Gewalt oder Ausbeutung betroffen seid oder Hinweise auf betroffene Frauen habt, könnt ihr euch an verschiedene Beratungsstellen wenden. Hilfe gibt es anonym, vertraulich und in vielen Fällen auch mehrsprachig.
Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr erreichbar – kostenlos und anonym: Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, Telefon: 116 016
Unterstützung speziell für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsprostitution bietet außerdem der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel: KOK – Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel Auch die Polizei nimmt vertrauliche Hinweise entgegen – in akuten Gefahrensituationen über den Notruf 110.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Er denkt, er fährt zu einem Date. 260 Kilometer von Braunschweig nach Berlin. Er hat Geld dabei, er hat Erwartungen und vielleicht auch Gefühle. Denn der 30-Jährige glaubt, eine Frau gefunden zu haben, die ihn wirklich mag. Was er nicht weiß, dieses Treffen ist geplant. Jede Nachricht, jede Geste, jeder Schritt.

Und als er schließlich mit ihr im Bett liegt, passiert genau das, was von Anfang an vorgesehen war. Eine Nachricht geht raus, geht jetzt los. Wenige Sekunden später stürmt ein Mann ins Zimmer mit einem Messer. Tatort Niedersachsen, der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Alles rund um spannende Kriminalfälle in der Region.

Wir blicken gemeinsam mit unseren Redakteuren auf die Hintergründe der spektakulärsten Verbrechen zwischen Harz und Heide. Herzlich willkommen zurück bei Tatort Niedersachsen, dem Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Mein Name ist Dine Hasenvorter und bei mir sitzt mein Kollege, Polizei- und Gerichtsreporter Hendrik Raserhorn. Hallo Hendrik. Hallo.

Heute bist du mal nicht in der Position des Interviewers. Kann ich mich zurücklehnen. Du kannst dich zurücklehnen und wirst heute mit Fragen bombardiert. Zu einem Fall, der kürzlich vor dem Landgericht Braunschweig verhandelt wurde. Du warst beim Prozess dabei, aber wir fangen erst mal von vorne an. Alle Namen haben wir in diesem Fall geändert.

Ein Mann aus Braunschweig, wir nennen ihn jetzt mal Fabian, 30 Jahre alt, lernt online eine junge Frau kennen. In welchem Zeitraum war das? Das war im Frühjahr 2021. Frühjahr 2021. Die haben Kontakt online, er kauft intime Fotos von ihr, er kauft später auch getragene Unterwäsche von ihr. Und im Artikel schreibst du, dass die junge Frau, wir nennen sie jetzt mal Fatima, 24 Jahre alt, gebürtige Salzgitteranerin, Die merkt dann irgendwann, dass Fabian vielleicht auch Gefühle für sie entwickelt hat. Ganz sicher Gefühle entwickelt hat.

Und sie beschreibt ihn als leichtgläubig oder sie empfindet ihn als leichtgläubig. Und dann verabreden sich die beiden. Und was sind dann die Bedingungen für dieses Treffen? Ja, also dieses Pärchen hat sich über eine Internet-Dating-Plattform kennengelernt. Ich habe heute noch mal nachgeguckt, wie die sich selbst beschreibt.

Eine Plattform für spontane Singles, die offen sind für lockere Flirts und spontane Treffen. Also ist schon klar, sage ich mal, um was es da geht. Ja, da haben sie sich kennengelernt. Sie hatte eine Anzeige geschaltet, auf die er dann gestoßen ist. Sie haben sich gegenseitig geschrieben. Das war wohl, er hat später gesagt, ja, so über Gott und die Welt hat man da geschrieben. Aber er hat sich ein bisschen in sie verguckt.

Und ja, du hast ja schon gesagt anfangs, intime Fotos hat er ihr abgekauft, dann getragene Unterwäsche für mehrere hundert Euro. Und dann sind sie übereingekommen, dass er sie besuchen soll und für Sex Geld zahlen will. Und die Verabredung war dann 1000 Euro, wenn man so vergleichbar ist, relativ viel Geld, sage ich mal, für ein solches Treffen.

Aber er war durchaus bereit, das auszugeben und er war auch bereit, sich ins Auto zu setzen, 260 Kilometer von Braunschweig aus nach Berlin-Weißensee zu fahren. Er fährt dann nach Berlin, ist dann in dieser Wohnung und da läuft dann auch erstmal alles so, wie er sich das vorgestellt hat, wie das erwartet war.

Er übergibt ihr auch das Geld, die 1000 Euro, dann liegen die zusammen im Bett, machen ihr Ding. Und dann passiert aber etwas, was Fabian wahrscheinlich nicht hat kommen sehen. Ich muss vielleicht auch dazu sagen, ich sitze in so einem Prozess und da kommen plötzlich Dinge, die ich auch nicht kommen sehe, weil sich dieser Prozess und alles, was dort berichtet wird, sich entwickelt.

Zwischenzeitlich habe ich gedacht, das ist wie ein Drehbuch für einen Film. Das kann nicht wahr sein. Wobei da am Anfang eigentlich eher ist es eine schlechte Kriminalgeschichte. Ja, es geht los, hast du ja schon gesagt. Sie schreibt, also sie liegen beide auf dem Bett. Sie schreibt einem Mittäter, der in einem Nebenraum hockt, eine Nachricht mit dem Handy.

Der stürmt ins Zimmer rein, hat einen Küchenmesser dabei und fängt an, Drogen auszustoßen. Dass die Fatima angeblich ihrem Onkel, der ihr Zuhälter sein soll, Geld schulden würde, 3.500 Euro heißt es. Und das müsste sie jetzt sofort zahlen. Der Onkel sei total sauer, Geld muss jetzt her. Und der Fabian, der sitzt da, total verängstigt.

Und dieser Mann, der da ins Zimmer reingestimmt ist, sagt zu ihm, du bist jetzt mit bei der Sache der Welt, einfach hier bist. Du musst jetzt hier mitzahlen. Ja, und so entwickelt sich diese ganze Nummer. Er wird halt bedroht, hat halt Angst, muss seinen Personalausweis sogar zeigen, der abfotografiert wird und ist plötzlich in so einer Situation gefangen, mit der er überhaupt nicht gerechnet hat.

Da dachte er, er ist da im siebten Himmel und jetzt ist er plötzlich in so einer Hölle gelandet. Und wie verhält sich Fatima? Die verhält sich, sage ich mal, so auf den ersten Blick, sage ich mal, schon erschreckt. Tatsächlich weiß man dann später, dass sie halt mitgespielt hat bei dieser ganzen Nummer.

Aber erst mal für unseren jungen Mann aus Braunschweig, der dachte, irgendwie sind beide in so eine Falle geraten und da geht es jetzt um Leben und Tod. Genau, sie tut so, als sei sie verängstigt, als wüsste sie von nichts. Aber eigentlich war da ja ein kompletter Plan, der dahinter steckte. Sie gibt die 1.000 Euro, die sie von ihrem Frei erhalten hat, diesem Mann, der da reingestürmt ist. An ihren Mittäter?

Ja, reicht erst mal weiter an ihren Mittäter, genau. Bullen wir mal ein bisschen zurück. Fatima war 16 Jahre alt, da ist sie aus ihrem Elternhaus ausgezogen. Kannst du was dazu sagen, warum sie ihr Elternhaus so früh verlassen hat? Ja, das war natürlich Thema im Prozess. Die Persönlichkeit eines Angeklagten fließt natürlich auch immer in ein Urteil, in einen Schuldspruch mit ein.

Diese Angaben beruhen alle auf ihren Angaben. Man muss es sicherlich mit ein bisschen Vorsicht das Ganze behandeln. Wir gehen jetzt mal davon aus, dass wirklich alles so ist, wie sie gesagt hat. Also sie stammt aus einem Elternhaus. Die Eltern kommen aus Albanien, Deutschland geflüchtet, mehrere Geschwister auf engstem Raum gelebt.

Sie war dafür verantwortlich, auf die jungen Geschwister aufzupassen, für die Familie zu kochen, um den Haushalt zu sorgen. Sie hat im Prozess gesagt, sie musste sich aus der Wohnung rausstehlen, um überhaupt zur Schule gehen zu können. Die Eltern wollten überhaupt nicht, dass sie zur Schule geht. Sie sollte zu Hause bleiben.

Und sie hat das Ganze beschrieben, dass sie sich gefühlt hat wie eine Gefangene. Und ist dann tatsächlich dann, als sie dann 60 Jahre alt geworden ist, hat sie sich von dem Elternhaus getrennt und hat die Hilfe von Behörden aufgesucht. Und hat dann erst mal zwei Jahre lang bis zur Volljährigkeit in einer Jugendhilfeeinrichtung gelebt. In Salzgitter?

Nee, in Braunschweig. Und ist dann weiter in dieser Jugendeinrichtung, als sie dann volljährig geworden ist, hat sich dann aus eigenem Antrieb dann abgemeldet. Sie ist dann zur Berufsschule gegangen. Sie hatte so ein paar Vorstellungen, hätte gern was mit Mode gemacht oder mit Kindern. Hat dann allerdings nach relativ kurzer Zeit auch diese Berufsschule dann abgebrochen und hat sich dann entschieden, Sexarbeiterin zu werden.

Sie hat ja vor dem Landgericht gesagt, aus eigenem Antrieb ist sie in die Sexarbeit eingestiegen. Sie hat tatsächlich selbst sich informiert übers Handy, hat geguckt, hat Kontakt zu Zuhältern aufgenommen. Die haben sie eingeladen, ja, komm zu uns, wir bringen dir das Geschäft bei. Also ich wusste gar nicht, dass sowas möglich ist.

Ich würde an der Stelle gerne ein paar Fakten einfließen lassen, weil das ist natürlich sehr kontrovers diskutiert, ob es überhaupt freiwillige Sexarbeit gibt. Da wird teilweise die Position vertreten, dass Prostitution nie freiwillig ist. So nach dem Motto, wenn für sexuelle Handlungen Geld gezahlt wird, dann ist die so oder so erzwungen.

Hauptgründe für eine Tätigkeit in der Prostitution sind oftmals tatsächlich auch strukturelle Zwänge, also Menschenhandel, Zwangsprostitution. Oft entsteht das auch aus Notlagen heraus, wie Armut oder Drogenabhängigkeit, Dass Menschen in die Sexarbeit abrutschen, nenne ich es jetzt mal in Anführungszeichen.

Oder auch durch emotionale Manipulation. Da ist jetzt die Loverboy-Masche, die Loverboy-Methode zum Beispiel ein Stichwort, wo die Opfer denken, sie gehen eine Beziehung ein. Wo sie manipuliert werden. Ja genau, sie werden manipuliert. Was Argumente für eine freiwillige Sexarbeit sind, die tatsächlich auch Sexarbeitende selber so erklärt haben, sind aber eben auch vermeintliche oder auch dann tatsächlich die guten Verdienstmöglichkeiten, die für Fatima ja wahrscheinlich auch auf jeden Fall ein Argument waren.

Und auch so Faktoren wie Zeit, Flexibilität, Selbstständigkeit und dass auch keine Ausbildungs- und Qualifikationsnachweise gebraucht werden. Und natürlich auch sagen manche, sie haben einfach Freude an der Tätigkeit oder bekommen dadurch auch psychische, soziale oder auch eine sexuelle Bestätigung. Alles Gründe, die auch für eine freiwillige Sexarbeit sprechen können.

Trotzdem ist es natürlich ein sehr kontroverses Thema. Fatima sagt aber, sie hat das alles freiwillig gemacht. Sie hat einerseits als Prostituierte gearbeitet, andererseits sagt sie als Escort, also dann als Begleiterin, wo Sex sein kann, aber kein Muss ist. Sie hat sich da schon bewusst was gewählt.

Und dann kam aber im zweiten Corona-Lockdown jemand in ihr Leben, wo sich das dann vielleicht ein bisschen geändert hat. Da hat sie dann ihren späteren Mittäter kennengelernt, den nennen wir jetzt in dem Fall mal Mustafa. Was wissen wir denn über den? Na, Mustafa. Mustafa war ein Schlosser aus Siegen.

Siegen in NRW. In NRW, genau. Er wurde dann als Leiharbeiter zu einer Firma nach Berlin-Weißensee, ja verliehen. Und hat dort gearbeitet, hat in einer Monteurswohnung gelebt. Nochmal zur Erinnerung, Frühjahr 2021, Lockdown-Zeit. Wir erinnern uns alle, war relativ langweilig. Da durfte man nicht auf die Straße gehen.

Und so muss es auch gewesen sein für ihn. Er ist in einer Stadt, die er nicht kennt. Außer Arbeiten war da nicht viel und ihm wurde langweilig. Und dann hat er angefangen, auch über dieses Portal dann Bekanntschaften zu suchen, uns dort auf Fatima dann getroffen. Und so haben sie sich dann kennengelernt. Ja, ihm war langweilig.

Sie hat ihm Offerten gemacht. Die kamen beide ins Gespräch. Und er hat ihr dann angeboten, weil sie gesagt hat, sie sei von Obdachlosigkeit bedroht. Sie können ja zu ihm kommen. Dann stand sie eines Tages mit ein paar Koffern bei ihm vor der Haustür von der Montours-Wohnung und ist eingezogen. Und das ging anscheinend eine Zeit lang gut. Aber irgendwann hat er gemerkt, irgendwas stimmt hier nicht so richtig. Und dann ist er ihr tatsächlich auf die Schliche gekommen.

Heißt es, dass das Ganze eine Masche von ihr war. sich von Männern halt auch aushalten zu lassen. Aber weißt du, ob die in einer Beziehung waren zu der Zeit? Schwierig zu sagen, ob es tatsächlich eine Beziehung war. Wenn es eine Beziehung war, ob die auf Augenhöhe war, das weiß ich nicht. Aber er wurde dann auf jeden Fall ihr Zuhälter? Er wurde ihr Zuhälter, ja.

Irgendwann wusste er, was ihr Geschäftsmodell ist. Ist er dahinter gekommen? Und dann haben sie anscheinend verabredet in dieser kleinen Monteurswohnung. Ist ja super. dann werde ich dann Zuhälter. Zuhälterei auch an der Stelle ist in Deutschland verboten. Anders als die Prostitution als solche, die ist seit 2002 legal in Deutschland, gilt seitdem nicht mehr als sittenwidrig und ist legalisiert worden mit Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes.

2017 dann, einige Zeit später, wurde das noch ergänzt durch das Prostituierten-Schutzgesetz. Wie der Name schon sagt, soll eben dazu führen, dass Prostituierte besser geschützt werden, unter anderem durch eine Anmeldepflicht für die Prostituierten. Auch dass die damit einhergehend eine verpflichtende gesundheitliche Beratung bekommen.

Und es gilt zum Beispiel auch für Bordelle, dass die eine Erlaubnispflicht erst mal kriegen müssen. Zuhälterei, wie gesagt, ist aber verboten. Und ich habe ein paar Zahlen auch mal mitgebracht, damit man sich das mal vorstellen kann. Also die klassische Zuhälterei ist ja, die Frau geht anschaffen und muss das ganze Geld dem Mann dann auf den Tisch legen.

Und sie kriegt dann vielleicht aus diesem großen Batzen kriegt sie dann ein paar Scheine als Dankeschön. Quasi ein privates Gewerbe daraus machen. Die Frau muss anschaffen gehen. Das Statistische Bundesamt hat Zahlen. Und zwar 2024 waren rund 32.300 angemeldete Prostituierte in Deutschland tätig. In Niedersachsen sind es 2.658.

Es gibt natürlich, und das muss man da einfach immer mit dazu sagen, wahrscheinlich eine riesige, riesige Dunkelziffer. Wir haben regelmäßig Kontrollen, wo dann rauskommt, Menschenhandel, Frauen, die nach Deutschland gebracht worden sind, in der Regel gegen ihren Willen dann auch, um hier anschaffen zu müssen, ein ganz großes Problem.

Da gehe ich später auch auf jeden Fall noch drauf ein, da habe ich noch ein bisschen mehr zu mitgebracht. Täglich kaufen etwa 1,2 Millionen freier Sex in Deutschland. Das sagt das Bundesfamilienministerium. Auch da ist die Zahl vermutlich eigentlich noch mal deutlich höher. Aber was wir auch dazu sagen können, die überwiegende Mehrzahl.

1,2 Millionen? 1,2 Millionen, ja. Das hätte ich nicht gedacht. Aber es sind tatsächlich wahrscheinlich noch mal mehr. Okay. Durch so was wie auch Laufkundschaft in den Bordellen, wo dann mehrere freier ein- und ausgehen. Also die Zahl könnte hier auch deutlich höher sein. Prostituierte, die überwiegende Mehrzahl, ist weiblich in Deutschland.

Und auf Grundlage der bisherigen Daten, die es so gibt, gibt es da auch eine Schätzung, dass rund 80 Prozent der angemeldeten Menschen, die in der Prostitution tätig sind, keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Fatima hatte aber eine deutsche Staatsangehörigkeit, richtig? Ja, war deutsche. Okay, zurück zu Fatima. Dann kam sie in den Kontakt mit Fabian und merkte ja, wie wir eben schon gesagt hatten, dass der irgendwie Gefühle hat.

Sie beschreibt ihn als leichtgläubig. Und dann hat sie da eine Chance gewittert, ihn irgendwie ausnutzen zu können. Und so schreibst du es zumindest auch in deinem Bericht, was dann tatsächlich ihr Vorschlag gegenüber Mustafa war, dass die über Fabian vielleicht an Geld kommen können. Ja, naja gut. Die hat natürlich auch gesehen, was da anscheinend für finanzielle Möglichkeiten sind. Er war Industriearbeiter.

Hat ja, sage ich mal, für getragene Unterwäsche 500 Euro auf den Tisch gelegt. Ich bin jetzt mit den Preisen nicht vertraut. Ich weiß nicht, ob das normal ist, aber es scheint mir dann doch ein bisschen viel zu sein. Da habe ich leider auch keine Zahlen. Und was ich eingangs gesagt habe, für so ein Sextreffen 1000 Euro, das ist schon ordentlich viel Geld.

Die haben halt gesehen, da ist viel Geld zu holen. Und dieser Mann scheint sehr leichtgläubig zu sein, manipulierbar zu sein. Dann sind wir jetzt in dieser Wohnung und Fatima und Fabian sind dazu gegangen und dann stürmt Mustafa da rein mit einem Küchenmesser. Was genau verlangt der dann alles von Fabian? Ja, man muss sich die Situation halt nochmal vorstellen.

Da ist Mustafa kommt reinmarschiert mit diesem Küchenmesser, bedroht da alle beide. Fatima liegt mit Fabian da auf dem Bett halbnackt. Und Druck, Druck, Druck, Geld sofort und her damit. Ja, und in dieser Situation waren sie dann überlegen, wie können wir hier an Geld kommen? Und was macht man heutzutage? Also Paypal war die erste Idee, ob man das irgendwie per Paypal überweisen kann. Und das hat aber nicht funktioniert.

Da gibt es eine Grenze, richtig? Wie viel Geld man überweisen kann, glaube ich auch. Das weiß ich gar nicht. Ich glaube ja. Also auf jeden Fall, es hat nicht funktioniert. Dann sind sie auf die Idee gekommen und haben gesagt, na ja, kannst ja überweisen. Und an der Stelle sieht man schon, wie dilettantisch eigentlich diese ganze Nummer war, dass das jetzt keine ausgefuchsten Verbrecher waren, sondern einfach, die haben ihre Chance gewittert und da versucht, was möglich zu machen.

Ja, er sollte dann das Geld per Überweisung dann transferieren auf das Konto von der Schwester. Natürlich irre zu glauben, das kann man nicht nachverfolgen, aber ja, das hat er dann tatsächlich gemacht. War wirklich das Konto dann der Schwester? Ja, das Konto der Schwester. Die Schwester hat tatsächlich später natürlich auch Probleme dann bekommen, weil gedacht wurde, ermittlerseitig, die steckt auch mit da drin.

Sie war aber keine Mittäter? Nein, die war keine Mitrede, auch ein ganz normaler Job, ganz anständig. Und es hat denen aber immer noch nicht gereicht. Dann haben sie gesagt, ja der Onkel, der will jetzt gleich Geld sehen, die Überweisung, die dauert ja auch, jetzt muss gleich Geld hier auf den Tisch.

Und dann haben sie überlegt, dann gehen sie nochmal zum Geldautomaten. Jetzt war das Limit schon ein bisschen ausgereizt und er hat jetzt nicht die vollen 2.500 dann bekommen, weil immerhin nochmal 500 wurden dann abgehoben, die ihm dann gleich abgezockt wurden. Ja, und dann wurde gesagt, so ja, ist auch geordnbar, kannst du ins Auto setzen und nach Braunschweig wieder fahren.

Da ist die Geschichte aber ja noch nicht zu Ende. Man möchte meinen, jetzt kann Fabian da abhauen, zurück nach Hause, das tut er dann auch, zurück nach Braunschweig. Also vielleicht rein rechtlich mal sagen. Das ist kein Kinderspiel, was sie da veranstaltet haben. Das ist eine schwere räubische Erpressung.

Also nicht nur jemanden mit einem empfindlichen Übel drohen, sondern auch eine Waffe vorzuhalten. Da kann es richtig was setzen. Aber kommen wir später noch zu. Fabian ist jetzt wieder zurück in Braunschweig und hat aber nach wie vor Angst, dass dieser angebliche Onkel noch weiter Bargeld fordern könnte und dass die jetzt auch seine Adresse kennen.

Er liegt die ganze Nacht bei sich im Bett, kann nicht schlafen und die ganze Zeit macht er sich Gedanken. Was passiert jetzt? Steht der Onkel bei mir vor der Haustür? Und am nächsten Morgen geht er dann wieder zur Bank. Was macht er dann? Also das ist so, ich hatte ja gesagt, dieser Fall, wie der sich entwickelt, das ist auch so dieses Verhalten, das ist für den Außenstehenden auch nicht so nachvollziehbar. Aber weil an jeder Stelle irgendwie möchte man meinen und sagen, jetzt geh doch mal zur Polizei.

Aber er macht es einfach nicht, sondern er geht tatsächlich morgens zur Bank, nachdem er sich die ganze Nacht Gedanken gemacht hat und nimmt einen Kredit auf. Und kriegt diesen Kredit dann auch tatsächlich bewilligt, ruft dann bei Fatima an und fragt sie, ihr kann ich mal ein Muster versprechen. Und sie, weiß ich nicht genau, ob der daneben stand oder ob sie die Telefonnummer oder weitergereicht hat. Also auf jeden Fall, er hat die Möglichkeit, mit Mustafa zu sprechen und sagt, du, ich habe jetzt das Geld.

Und Mustafa sitzt da in Berlin-Weißensee und hat gedacht, der meldet sich nie wieder. Wir sind hier rausgekommen aus der Nummer und alles gut. Die dachten, der ist jetzt nach Hause und das war es jetzt. Und wir freuen uns hier. Nee, und der ruft an und bietet an, noch mehr Geld ihm in die Hand zu drücken.

Ja, und in dieser Situation erkennt dann Mustafa so ein bisschen ... Wie soll ich sagen? Also in dieser Situation überlegt er sich, naja, da muss ich ja Fatima nichts von sagen, dass er mir jetzt noch mehr Geld anbietet. Und er sagt, das ist ja super, nachdem wir erst mal ungläubig waren, das Geld bringst du jetzt allerdings nicht nach Berlin-Weißensee, sondern bitte nach Siegen.

Da gibt es einen Müllcontainer und hinter diesem Müllcontainer, da deponierst du das bitte. In Hintergedanken, dass ein Freund von ihm aus Siegen aus seiner Heimatstadt dort vorbeifährt, das Geld abholt und ihm dann später gibt. Siegen jetzt aber auch nicht wieder um die Ecke von Braunschweig. Das ist ja auch wieder ein Stückchen. Nein, das sind ein paar Kilometer, 350 so ungefähr.

Und ja, also dieser Fall, also immer neue Runden dreht er. Ja, er setzt sich ins Auto, fährt von Braunschweig aus los, ist total verwirrt, verängstigt und knallt los über die Autobahn und fährt aber erstmal Richtung Berlin-Weißensee. Also erst mal über 200 Kilometer in die falsche Richtung, bevor kurz vor Berlin-Weißensee dann realisiert, oh, jetzt bin ich ja falsch, dreht um und fährt noch einmal quer durch die Republik und dann nach Siegen, um dort das Geld dann abzugeben.

Man möchte die ganze Zeit eigentlich, möchte man ihn an die Hand nehmen und sagen, jetzt stopp hier, Schnitt und bitte geht zur Polizei. Aber er macht es einfach nicht. Der muss ja unter einem wahnsinnigen Druck gelitten haben. Ja, das ist im Prozess nicht so richtig zur Sprache gekommen. Aber ja, also klar, die eine Dimension ist halt einfach, dass er halt ein Mensch war, der leicht zu manipulieren war.

Aber die beiden haben ihn auch tatsächlich halt in diesem Glauben gelassen, beziehungsweise in dem Fall jetzt, dann war es der Mustafa. Dass der muss die ganze Zeit gedacht haben, dieser Onkel, der setzt sich gleich mit fünf Verwandten ins Auto und fährt bei mir vorbei und dann nimmt er meine Bruder auseinander.

Naja, und es spielte wahrscheinlich ja auch eine Rolle, dass er stand jetzt immer noch dachte, dass Fatima genauso ein Opfer ist wie er und er sich wahrscheinlich auch schützen wird. Genau, dass die auch, sag ich mal, in diese Frau, in die er verliebt war, dass er dachte, die ist ganz konkret in Gefahr.

Und wenn er jetzt hier nicht mitspielt, dann wird dieser, man muss auch sagen, diese Fatima von ihrem. Das war halt eine sehr zarte Person, eher klein, schutzbedürftig, würde ich jetzt mal sagen, so auf den ersten Blick. Die hat jetzt nicht den Eindruck gemacht, dass sie dann knallharte Betrügerin ist, sondern eigentlich, und so hat sie sich ja auch gegeben, hat sie sich als Opfer ihm gegenüber dargestellt.

Bisschen das Unschuldslamm gespielt. Und kam es zur Sprache, warum er nie zur Polizei gegangen ist? Sind das genau diese Gründe auch gewesen? Ich gehe davon aus, ja. Man weiß jetzt zu wenig über den Fall, wie oft die ihn natürlich dann angerufen haben. Man kennt das auch anderen Enkeltrickbetrügereien, wo dann auch so Ältere unter Druck gesetzt werden, auch gebildete Menschen, die dann immer wieder Anrufe bekommen und der Druck immer erhöht wird. und wir sind ja auf dem Fersen.

Ich weiß nicht, ob es in dieser Situation so war oder ob es relativ niedrigschwellig in seinem Fall, aber auf jeden Fall, er hat sich nicht getraut, zur Polizei zu gehen. Wahnsinn. Nee, stattdessen ist er tatsächlich nach Siegen gefahren und hat da das Geld bei dem Müllcontainer deponiert. Und da hat dann ein Freund von Mustafa das abgeholt. Und Fatima wusste aber von nichts. Wie ging es weiter?

Tja, wie ging es weiter? Die beiden sitzen immer noch in dieser Monkteurswohnung und sagen sich, das klappt ja hier eigentlich super mit dem, vielleicht geht da noch was. Fatima und Mustafa. Fatima und Mustafa, ja. Wir überlegen jetzt mal, ob wir den noch weiter ausquetschen können. Und sie jetzt überlegen sich eine neue Geschichte.

Und dafür fahren sie nach Siegen an seinen Heimatort, rufen ihn an, also Mustafa ruft ihn an und sagt, pass auf, ich habe jetzt geschafft, Fatima aus dieser Zwangsprostitution von meinem Onkel zu befreien. Und du bist jetzt derjenige, der uns hier helfen kann. Hol sie ab, hol sie zu dich nach Braunschweig.

Und dann ist sie erst mal sicher. Dann setzt er sich wieder ins Auto und fährt nach Siegen. Und holt sie ab. Beim Straßensrand steht sie, hat gar nicht viel Sachen dabei, nimmt sie mit ins Auto und fährt sie zu sich in die Wohnung. Eine Info auch an der Stelle, ich hatte eingangs gesagt, sie war 24 Jahre alt, jetzt zum Zeitpunkt des Prozesses.

Sie war damals 19. Damals 19 Jahre alt, genau. Okay, dann hat er sie eingesammelt. Also die Idee, sie nach Braunschweig zu bringen, war natürlich ganz klar, dass Fatima bei ihm in der Wohnung sitzt, dass sie ihn weiter manipulieren kann und natürlich auch so ein bisschen gucken kann, was macht er. Geht er zur Polizei oder nicht?

Oder wie viel Geld liegt da beispielsweise noch rum? Die hatten sich das schon gut überlegt. Der ursprüngliche Tagplan war eigentlich, dass Fatima nur ein paar Tage dann da bleiben sollte. Aber das hat sich dann auch ein bisschen in eine Richtung entwickelt. In welche Richtung hat es sich dann entwickelt?

Ja, dass sie da längere Zeit in der Wohnung erstmal gehockt hat. Es gab wohl schon ernste Avancen. Von Fabian, dass er halt versucht hat, mit ihrem Team zu werden. Aber sie hat das gleich abgeblockt und hat dann auf der Wohnzimmercouch übernachtet. Man muss sich das vorstellen, das muss natürlich auch für sie unangenehm gewesen sein.

Sie weiß, sie ist da Mittäterin in so einer Straftat und wartet die ganze Zeit, dass nun ihr Mittäter sie da endlich abholt, rausholt oder dass irgendwas passiert. Und wochenlang passiert überhaupt nichts. Tatsächlich, aber dann nach drei Wochen passiert dann doch was. Und nämlich Moussa vermeldet sich wieder bei ihr, beziehungsweise bei ihm, bei Fabian und sagt so, diese Geschichte wird noch weiter aufgepustet und jetzt wird gesagt, der Onkel hat alles rausbekommen, ist fuchsteufelswild und zwar jetzt auf uns alle drei.

Und jetzt müssen wir drei zusammenhalten und überlegen, wie wir aus dieser Nummer rauskommen. Er fordert jetzt 8000 Euro. Und jetzt sitzen sie zu dritt in dieser kleinen Wohnung in Braunschweig und überlegen, wie man an diese 8000 Euro kommt. Und Fabian dann, der gutmütige Fabian, will ich dann ein, oder es ist glaube ich sogar seine Idee, diesen Kredit nochmal aufzustocken.

Nochmal zur Bank zu gehen, nochmal 8000 Euro dann zu beantragen, die dann auf seinen laufenden Kredit nochmal aufgestockt werden. Mustafa sagt dann, er telefoniert mit seinem Onkel, also hat die ganze Zeit getan, diesen Onkel gab es wahrscheinlich gar nicht. Hat dann so geteilt, ob er mit dem telefoniert und dann gesagt, ja, Onkel ist damit zufrieden, aber er braucht jetzt einen Pfand.

Das dauert ja, bis dieser Kredit bewilligt wird und bis das Geld dann da ist. Er braucht jetzt irgendeinen Pfand. Und tatsächlich hatte Mustafar die ganze Zeit schon ein Auge geworfen auf das Auto von Fabian. Das war ein Sportwagen, ein Cabrio, ein tolles Auto, 30.000 Euro wert. Ganzes Stolz von Fabian gewesen, hat er gesagt, gib mir Fahrzeugpapiere und Autoschlüssel.

Ich nehme das als Pfand mit und wenn du das Geld dann vorbeibringst, dann kriegst du das Auto wieder. Wurde ihm gesagt. Das ist echt unglaublich. Wir können uns jetzt natürlich schon überlegen, was dann tatsächlich passiert ist. Die beiden haben sich verabredet an einer Arbeitsstelle von Fabian. Und jetzt legt dieser Fall noch die nächste Kapriole, weil Fabian überreicht Mustafa einen Umschlag.

Und da sind nicht 8000 Euro drin, sondern 10.000 Euro. Weil in der Zwischenzeit Fatima in der Wohnung ihm gesagt hat, na ja, es sind ja noch mehr als diese 8000 Euro, die da offen sind. Es sind noch viel mehr Schulden. Und der gutmütige Fabian hat dann bei der Bank seinen Kredit dann tatsächlich noch mal weiter aufgestockt.

Man muss sich diese Situation vorstellen. Da steht Mustafa vor der Arbeitsstelle, will natürlich erst mal nur das Geld und schnell weg. Und dann sagt Fabian, ja, hier sind die 10.000. Er weiß gar nichts von 10.000. Und dann hat er die und, aber reagiert natürlich dann und sagt, ja, super, ich spreche mit Onkelchen und dann ist er weg mit dem Auto und dem Geld und dem Fahrzeugpapier und Fabian steht dann da und.

Lässt aber auch nichts anbrennen, weil ich glaube, du hast geschrieben, er wird direkt zweimal geblitzt in dem Sportwagen. Ja, also Mustafa. Man muss sich diese Situation da vorstellen. Fatima sitzt da in Braunschweig in einer Wohnung, wo sie eigentlich nur weg will. Und Mustafa hat jetzt den Sportwagen, den er richtig toll findet und düst damit durch die Republik. Fährt auch mal ein bisschen schneller, wird zweimal geblitzt.

Und dann irgendwann bekommt Fabian Post von den Behörden. Hier, nehmen Sie mal Stellung, Blitzerfoto, was war da? Und jetzt so langsam dämmert ihn, dass da vielleicht doch irgendwie was nicht so richtig passen könnte. Also wieso sitzt Mustafar in dem Auto? Das wollte doch eigentlich der Onkel als Pfand haben.

Ja, da ist dann der Punkt irgendwann gekommen, wo es umgeschlagen ist. Und dann hat er sich ja auch wirklich dazu entschieden, doch Strafanzeige zu erstatten. Ja, Strafanzeige zu erstatten tatsächlich, aber nur gegen Mustafa. Er ist immer noch davon ausgegangen, er ist halt nur diesem Mustafa als Betrüger dann aufgesessen.

Der Wagen wurde zur Fahndung ausgeschrieben, darin wurde er dann auf irgendeiner Autobahn, wurde er dann von der Polizei erwischt, wurde Mustafa festgenommen und das Auto wurde sichergestellt und dann später auch an Fabian dann wieder ausgeliefert. Und Fabian hat auch bis zu diesem Zeitpunkt der Strafanzeige, der hat sich auch keinem Freund, Familienmitglied oder so mal geöffnet.

Der hat wirklich mit niemandem über diese ganze Geschichte gesprochen. Ja, eigentlich möchte man mal ihn zur Seite nehmen und tatsächlich über die Fragen mal sprechen. Im Prozess ist es nicht zur Sprache gekommen. Aus gutem Grund aber auch, weil die Kammer auch mitbekommen hat, dass er, das sind jetzt meine Worte, dass er wirklich eine arme Wurst war.

Und sie wollten ihn durch diesen ganzen Prozess dann auch nicht nochmal doppelt belasten. Also da wurde jetzt nicht so in die Tiefe dann nachgegangen. Arme Wurst, also weshalb entsteht dieser Eindruck? Dass er eine arme Wurst ist, in deinen Worten? Naja, allein dadurch, sage ich mal, durch seinen Handeln.

Wenn man sieht, dass er mehr Geld als gefordert da auf dem Tisch liegt, dass er durch die Republik fährt und eigentlich bei ihm müssen Alarmanzeichen dann mal irgendwie aufleuchten. Und selbst bei der Polizei, als er dann Anzeige erstattet hat und die Polizisten natürlich, die hören sich die ganze Geschichte, so wie ich es bis hierhin beschrieben habe, an. und die sagen gleich vom Bauchgefühl her, hier stimmt doch was nicht.

Haben sie mal überlegt, ob da die Frau, ob die da möglicherweise da irgendwie auch mit hintersteckt. Und selbst in der Situation sagt er, nee, kann ich mir nicht vorstellen. Wie kann man sich denn Fabian vorstellen? Weil nach diesen Erzählungen hat man ja ein Bild vor Augen, dass Mustafa dreimal so groß sein muss.

Total einschüchternder Typ. Und Fabian vielleicht ein bisschen schmächtigerer und schnell zu verunsichern. Ja, also beide unauffällig, würde ich mal sagen. Also Mustafa, ganz normaler Typ. Jetzt auch nicht, wie man sich jetzt einen klassischen Zuhältertypen irgendwie vorstellt. Also auch nicht so ein muskelbepackter, was weiß ich, ganz normaler, sportlicher, drahtiger Typ.

Und Fabian, ja, Industriearbeiter, unauffällig, würde ich sagen. Gar nichts Auffälliges. Also es war jetzt nichts, wo ich sage, dass da irgendwo ein Gefälle ist. Nö. Aber es einfach die Macht der Worte hat ausgereicht, um Fabian in so eine Panik zu versetzen, dass er da bei allem mitgemacht hat. Mustafa wird festgenommen, Auto sichergestellt und auch an Fabian zurückgegeben.

Was passiert mit Fatima? Ja, ich hatte ja gesagt, Fatima sitzt da in der Wohnung, ist davon ausgegangen, das dauert ja alles nur drei Tage und dann bin ich weg. Dauert tatsächlich dann am Ende zwei Monate ungefähr. So lange sitzt sie in Braunschweig und spielt dieses Spiel da die ganze Zeit, dieses Üble mit Fabian.

Versucht, seinen Avancen auszuweichen. Sie wartet natürlich auch die ganze Zeit, dass sie endlich mal an ihr Geld kommt, weil abgemacht war zwischen Mustafa und Fatima, Hälfte, Hälfte. Geld sollte überwiesen werden, ist nie was angekommen. So, sie sitzt da und wird dann langsam unruhig. Und hat dann entschieden, dass sie jetzt hier raus muss aus dieser ganzen Nummer.

Hat dann übers ihr Datingportal, hat sie dann wieder einen anderen kennengelernt, mit dem sie dann verabredet hat, dass er sie dann aus der Wohnung abholt. Fabian und jetzt schon wieder eine Nummer, die diesen Fall irgendwie unglaublich macht. Sie erzählt Fabian, sie hätte sich eine Wohnung genommen in Braunschweig in der Innenstadt und würde jetzt in einem Kiosk am Wohlweg, arbeiten, mit dem Ziel, ihm auch die Schulden, die sie bei ihm hat, aus diesem ganzen Trubel, dass sie ihm das abbezahlen würde.

Er glaubt ihr das auch. Tatsächlich wechselt sie ihre Telefonnummer, löscht ihr Partnersuche-Portal und ist für ihn nicht mehr auffindbar. Und er zieht dann nochmal los in Braunschweig durch die Innenstadt und klappert die Kiosk ab auf der Suche nach ihr. Und sie ist schon links in Koblenz. Und Geld hat er natürlich auch nie wieder gesehen. Sie oder er? Ja.

Naja, er hat tatsächlich dann später Geld von Mustafa wieder gesehen, als es dann Richtung Prozess ging. Da ging es dann natürlich auch darum, Mustafa als Angeklagter, dass er sich, war ja klar, sag ich mal, durch die Überweisung und alles, dass er dahinter steckt. Ja, kommen wir mal zum Prozess. Er wollte sich natürlich für den Prozess natürlich auch eine gute Absprungbasis dann da schaffen, dass er sich sozusagen räumütig zeigt und auch den Schaden versucht wieder gut zu machen.

2022 hat der Gerichtsprozess dann stattgefunden für Mustafa, genau der erste. Insgesamt waren es drei. Vor dem Landgericht Braunschweig. Da warst du nicht dabei? Nein, leider nicht. Wie ist das denn ausgegangen für Mustafa? Ja, also man muss dazu sagen, Mustafa hat wohl schon ein paar Vorstrafen damals mitgebracht. Das Verfahren.

Deswegen wurde dann natürlich geguckt, was bringt er mit? Was hat er hier für eine Straf begangen? Ich hatte ja mal gesagt, dass das, was er da begangen hat, diese schwer räumische Erpressung ist kein Pappenstiel. Wenn man nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird, dann drohen einem Mindeststrafe fünf Jahre Haft.

Es gibt dann Milderungsgründe. Was das jetzt in seinem konkreten Fall war, das weiß ich nicht. Er war ja schon volljährig, wurde nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Beispielsweise dadurch, dass er sich bereit erklärt hatte, Geld zu zahlen. Diese Schadenswiedergutmachung, das wird sicherlich zu seinen Gunsten dann gesprochen haben, auch dass er ein Geständnis abgelegt hat. Und dann kann man natürlich gucken, kann man aus so einem schweren Fall, einen minderschweren Fall machen und dann mit dem Strafmaß ein bisschen runtergehen.

Was bei ihm diese Strafzumessungspunkte da letztendlich waren, das weiß ich nicht. Auf jeden Fall wurde er in diesem ersten Prozess verurteilt, war schon ein ordentliches Urteil, vier Jahre Haft. Allerdings ist dieses Urteil dann zum Bundesgerichtshof gekommen und wurde dort nochmal überprüft und dann wurden Rechtsfehler festgestellt und es wurde ein zweiter Prozess dann am Landgericht Braunschweig angesetzt. Ist natürlich auch ein bisschen Zeit dann vergangen.

Man sagt dann, je mehr Zeit vergangen ist von Tatzeit bis zu dem Urteil, spricht das natürlich auch wieder für den Angeklagten. Aus dem Grund, dass er natürlich die ganze Zeit damit rechnen muss, dass so dieses Demaklosschwert der Verurteilung über ihn schweben würde und das ihn natürlich auch zusätzlich belasten würde.

Und wenn er in der Zeit dann keine weiteren Straftaten auch begeht, dann spricht sowas in der Regel dann auch zu seinen Gunsten und dann kann das Gericht einen niedrige Strafmaß dann ausurteilen. Und so ist er dann auch hier gekommen, zwei Jahre, sechs Monate Haft. Er saß dann zum Zeitpunkt des Prozesses, wo ich dann dabei gewesen bin und dass der Prozess gegen Fatima gewesen ist, saß er immer noch in NRW in der Haft und ist dann als Freigänger nach Braunschweig zum Prozess dann gefahren.

Ja, der Prozess gegen Fatima, der war jetzt 2026? März, April. Da warst du dabei, Ja, wie ist das verlaufen? Erzähl mal. Ja. Ich hatte ja diesen ganzen Fall da geschildert. Im Grunde genommen durch die Verurteilung von Mustafa war eigentlich schon relativ klar, was da eigentlich passiert ist. Das muss natürlich nochmal Fatima ihre Sicht der Dinge erzählen, die aber von Anfang an auch eingeräumt hat im Sinne der Anklage, dass es genauso gelaufen ist, wie auch im anderen Prozess ihr Mittäter dann verurteilt worden ist.

Also sie hat da jetzt keine andere Geschichte erzählt. Was dann natürlich interessant war, ist eben, wie es mit ihr auch weitergegangen ist. Und sie hat so ein bisschen was im Prozess erzählt und das Gericht dann nachgefragt hat. Und da kippt das Ganze. Also bis hier, bis zu dieser Stelle denkt man ja, das ist ja fast eine Farce, wie sich dieser ganze Fall entwickelt.

Aber dann an der Stelle wird es dann doch schon, muss man sagen, eigentlich eine Tragödie, weil sie dann halt ein bisschen berichtet hat, wie das halt so war. Sie ist in verschiedenen Bordellen als Prostituierte gearbeitet, in verschiedenen Städten in Westdeutschland, dann von Bordell zu Bordell gehabt.

Auch zwischendurch immer wieder Partnerschaften gehabt, Kurzzeitpartnerschaften mit irgendwelchen Männern. Und dann war sie, wenn ich mich richtig erinnere, ist sie dann in Mannheim zuletzt gewesen, hat in einer Wohnung gehockt, die wohl von oben zu unten verschimmelt war. Hat dann so einen Notruf abgesetzt über ihr Portal, hat jemanden, der angeblich aus Köln kam, kennengelernt, der dann...

Für ihren Eindruck Mitleid mit ihr hatte und gesagt hat, du kannst zu mir kommen, kannst bei meiner Mutter, kannst du dann übernachten oder erstmal wohnen, ist kein Problem. Dann hat sie sich mit sechs, sieben Koffern in den Zug gesetzt, von Mannheim nach Köln, Hauptbahnhof gefahren, ist nachmittags da angekommen und dann hat sie erstmal gewartet und keiner ist gekommen. Und dann wurde es immer später und dann wurde es Nacht und dann sind zwei Männer angekommen.

Die haben gesagt, wir sollen dich abholen und mitnehmen. Und sie war dann natürlich auch relativ fertig nach dem ganzen langen Tag. Hat sich auf die Rückbank vom Auto gesetzt und ist dann wach geworden in Belgien und hat dann erzählt, dass sie dann in den folgenden drei Tagen verprügelt worden ist und vergewaltigt worden ist in einer Werkstatt.

Man muss natürlich alles ein bisschen mit Vorsicht betrachten. Sie ist sicherlich eine Person, die auch Geschichten erzählen kann. Ob das tatsächlich alles sich so zugetragen hat, ich weiß es nicht. Sie hat zumindest vor Gericht so erzählt. Es gibt keine Zeugen dafür. Aber auf der anderen Seite möchte man ja auch fast sagen, sie hätte jetzt auch keinen Grund gehabt, sich eine Geschichte da großartig auszudenken.

Sie hat dann erzählt, natürlich nach diesen schrecklichen Tagen in Belgien, dass ihr das natürlich voll auf die Psyche gegangen ist. Depression, Selbstverletzung beispielsweise. Sie hat sich nach Portugal abgesetzt, um dort klarzukommen. Hat wohl nicht so richtig hingehauen. Ist dann wieder nach Deutschland. Hat wieder als Prostituierter gearbeitet.

Hat einen Stammbewerb. freier gehabt, von dem sie schwanger geworden ist, dann hat sie das Kind dann abgetrieben und es ist eigentlich eine menschliche Katastrophe, was sie da erzählt hat. Und tatsächlich sag ich mal, wenn ich bis zu der Stelle davor eigentlich wenig Mitleid mit ihr hatte, muss ich dann sagen, sag ich mal, wenn man gesehen hat, wie das Leben ihr Übel mitgespielt hat, dass ich da sicherlich dann auch Mitleid gehabt habe.

Das war schon tragisch, wie sich das bei ihr entwickelt hat. Und wie ist dann Ihre Strafe ausgefallen? Ja, bei ihr war dann ganz entscheidend, wird sie jetzt nach Jugendstrafrecht oder nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Sie war ja gerade so auf der Kippe, war 19 Jahre alt. Normalerweise, das ist ja so eine Wechselphase, in anderen Ländern beispielsweise wird ganz klar gesagt, ab 18 bist du erwachsen und dann wird nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. In Deutschland ist es ein bisschen anders.

Da sagt man, es gibt unterschiedliche Typen. Es gibt welche, die sind mit 20, knapp 21 immer noch nicht so weit. Die wohnen immer noch zu Hause, konnten sich nicht abnabeln, haben bislang keine selbstständige Entscheidung im Leben getroffen. Und da sagt man, na ja, die sind so von ihrem Charakter her, von ihrem Wesen her eigentlich immer noch einem Jugendlichen gleichzustellen und können dann, obwohl sie schon längst auf dem Papier erwachsen sind, können immer noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Bei ihr hat man gesagt, nee, die hat schon in diesem jungen Alter so viele Entscheidungen für sich selbst getroffen, Wohnungen gemietet, diese Prostitutionsnummer und alles, dass man nicht sagen kann, dass sie da noch wie eine Jugendliche gehandelt hat, sondern eigentlich schon wie eine Erwachsene. Und das hätte bedeutet, dass sie tatsächlich dann Mindeststrafe fünf Jahre hätte bekommen können.

Allerdings wurden dann geguckt, gibt es Milderungsgründe in ihrem Fall. Und die gab es natürlich. Sie war nicht vorbestraft, anders als Mustafa. Sie hatten Geständnis abgelegt. Taten waren zum Zeitpunkt des Prozesses dann auch schon vier oder fünf Jahre her ungefähr. Fünf Jahre her. Ja, sie hat, wie gesagt, sie hat ja auch wirklich Reue gezeigt, dann im Prozess.

Ganz wichtiger Punkt, sie hat kein Geld aus dieser ganzen Nummer rausgezogen, sie ist ja alles beim Musterfahrt geblieben. Das hat dann alles für sie gesprochen, allerdings hat das Gericht dann aber auch ganz klar gesagt, na, das war schon eine raffinierte Nummer. Und da gab es einen Tatplan und die haben überlegt, wie man diesen armen Fabian halt richtig melden kann.

Ja, zwei Jahre Haft zur Bewährung, das ist das Maximalste, was man noch zur Bewährung aussetzen kann. Drei Jahre dann ausgesetzt, Urteil ist auch gleich rechtskräftig geworden. Drei Jahre auf Bewährung dann? Drei Jahre auf Bewährung, genau. Und bei dem Prozess hat sie ja auch sowohl Fabian als auch Mustafa wieder getroffen.

Wie hast du die Beziehung zu Mustafa und Fatima empfunden? Wie hast du das? Tja, es gab so diese interessante Situation. Es gab eine längere Verhandlungspause und dann haben die sich beide draußen zusammengesetzt und haben lange miteinander geredet. Ich war jetzt natürlich nicht dabei und habe nicht gelauscht, über was sie geredet haben, aber ich kann jetzt auch viel spekulieren, was da gegangen ist. Sie haben sich ja zum ersten Mal seit diesem zweiten Prozess dann wiedergesehen.

Zwei Jahre war das dann seitdem vergangen. Diese Beziehung von den beiden, ja, eigentlich möchte man mal gerne mit denen sprechen und mal fragen, was war das denn jetzt hier eigentlich zwischen euch? Letztendlich muss man ja sagen, sind da alle irgendwie, haben alle irgendwie verloren in dieser Nummer. Also Mustafa sitzt im Knast.

Fatima habe ich gerade erzählt, wie das Leben bei ihr weitergestellt hat und, Bei Fabian, ja, da liegt es auf der Hand. Der hat natürlich am meisten unter dieser ganzen Situation gelitten. Und es war ganz interessant, im Prozess kam zur Sprache, bei dem zweiten Prozess, der stattgefunden hat, war Fabian wohl immer noch der Meinung, naja, er ist noch nicht überzeugt davon, dass Fatima tatsächlich Betäterin war. Also er war da immer noch so ein bisschen zwiegespalten.

Jetzt im Prozess vor dem Landgericht hat er dann aber so den Anschein gehabt, dass er dann wirklich auch verstanden hat, was sie da mit ihm gemacht hat. Und es war ganz interessant auch halt zu sehen natürlich, wie tritt so jemand nach so einer Zeit dann vor Gericht auf. Und er hat die ganze Zeit starr eigentlich nur nach vorne geguckt.

Und sie hat immer so ein bisschen verstohlen halt zu ihm geguckt, so als ob sie, ich deute da jetzt mal rein, als ob sie vielleicht Entschuldigung sagen will. Sie hat dann später auch gesagt, sie wollte ihm eigentlich auch im Prozess dann auch nochmal direkt ansprechen und Entschuldigung sagen, aber er ist dann nach seiner Aussage gleich rausgehend und weggegangen.

Und du sagtest aber, er wurde auch entschädigt von Mustafa auf jeden Fall. Da hat er Geld zurückbekommen. Aber er sitzt natürlich immer noch auf seinen Kreditkosten, die er da aufgenommen hat. Wie sich das genau zusammensetzt, das weiß ich nicht. Aber er hatte vor Gericht gesagt, dass er da noch einige Jahre abbezahlen muss für die ganze Nummer.

Sein Auto, seinen geliebten Sportwagen, den hat er dann verkauft. Weil natürlich da diese ganzen Erinnerungen dranhängen. Aber nicht nur das, sondern Mustafa, als er seine Spritztouren gemacht hat, hat er auch kräftig drin geraucht. Und er hat wohl dieses Auto die ganze Zeit immer gepflegt und gehegt.

Und er konnte sich da nicht mehr reinsetzen, weil das alles nach Rauch gerucht hat. Also das Auto auch weg. Fatima, hast du auch im Artikel geschrieben, die wohnt heute in Tirol und arbeitet als Reinigungskraft. Ja, sie sagt, dass sie seit vergangenen Jahren nicht mehr als Prostituierte arbeitet. Okay.

Und hat ihren neuen Partner auch gefunden. Ja, also sie hat da gesagt, Sie hätte mit ihrem neuen Partner offen über das Ganze gesprochen, über ihre ganze Lebensgeschichte. Ich bezweifle das so ein bisschen, ob sie wirklich alles erzählt hat. Aber sie schien jetzt doch dann aufgeräumt zu sein, arbeitet, hat einen Arbeitsplatz.

Ich sage jetzt nicht genau wo, aber es ist was Regelmäßiges. Auf jeden Fall ist eine Reinigungskraft. Ihr freund macht was mit krypto das hat sich so angehört als ob er tatsächlich ein bisschen geld macht aber auf jeden fall als ob das sie verdient wohl nicht so viel aber er dann dann doch so viel dass es dann doch reicht um um tirol ein gutes leben zu führen ja und scheint glücklich zu sein, ja ein unglaublicher fall, Fabian hat auch in einem Zitat, was du im Artikel stehen hast, das fand ich dann sehr treffend, schön blöd, dass ich versucht habe zu helfen.

Ja, natürlich, das Gericht hat ihn gefragt, was denken Sie denn jetzt, wenn Sie das so alles, wenn Sie da drauf zurückblicken. Und er hat halt gesagt, ja, ich wollte halt Ihnen nur helfen. Und diese Hälfte wurde natürlich bestraft und er hat natürlich auch erzählt, dass er so bis heute, das hängt natürlich alles bei ihm nach, psychisch.

Und dass er halt immer wieder an diese Situation natürlich dann auch denken muss in bestimmten Situationen und das hat denen eine richtige Schlagseite mitgegeben, diese Nummer. Ich finde, der Fall zeigt sehr, sehr gut, wie schnell sich so Machtverhältnisse ändern Also Fabian, der als Freier sich da die sexuellen Handlungen erkaufen wollte, der zu so einem Treffen fährt, in der Annahme wahrscheinlich, er sei in Kontrolle.

Wird dann innerhalb von ein paar Momenten auf einmal zum Opfer. Und auch eine Fatima, die selber aus schwierigen Verhältnissen kommt, wie du beschrieben hast, wird zur Täterin. Es ist jetzt kein klassisches Gewaltverbrechen, über die sonst auch bei Tatort Niedersachsen gesprochen werden, weil jetzt in dem Fall niemand wirklich körperlich verletzt wurde.

Und trotzdem ist es natürlich eine Straftat, die eben auch zeigt, wie leicht Menschen zu manipulieren sind. Man muss auch bedenken, es ist ja nicht immer die körperliche Verletzung. Dieser Fall liegt jetzt wirklich einige Jahre zurück und der hat immer noch dran zu knabbern. Und das erlebt man ganz oft bei Straftaten. Klar, so eine Wunde verheilt dann irgendwann, Knochenbruch verheilt, ein Messerstich wird genäht, verheilt.

Aber dieses Psychische, was das mit Menschen macht und gerade diese Situation, wenn das Vertrauen missbraucht wird auf so eine Art und Weise und man will nur helfen. Und am Ende stellt man fest, dass man denjenigen, denen man mit bestem Wissen und Gewissen dann auch tatsächlich helfen wollte, eigentlich der Betrüger ist.

Weil dann, das ist schon hart. Und das kann man auch vorstellen, dass viele da an der Menschheit dann auch zweifeln, vielleicht auch sogar verzweifeln. Er wollte helfen. Und was ich jetzt auch so rausgehört habe, hat er sich, glaube ich, auch nach Nähe einfach gesehen. Sicherlich, ja, klar. Hat sich da auch verliebt und Vertrauen aufgebaut, was dann eben sehr missbraucht wurde. Vielen Dank.

Ich finde an der Stelle wichtig, aber auch noch zu sagen, wenn wir über Prostitution sprechen, dann müssen wir auch über Zwangsprostitution sprechen. Ich habe da eine persönliche Geschichte mit. Ich habe, bevor ich den Weg zum Journalismus gefunden habe, habe ich soziale Arbeit studiert und habe im Rahmen meines Studiums auch länger für eine Frauenberatungsstelle gearbeitet und auch in der Fachstelle für Opfer von Menschenhandel.

Und da kann man auch rückblickend sagen, dass ich glaube, zu der Zeit, wo ich da gearbeitet habe, waren fast 100 Prozent der Frauen, mit denen wir da zusammengearbeitet haben, Opfer von sexueller Ausbeutung. Und das waren alles Frauen. Da war ein auch nicht ganz unerheblicher Teil deutsch, aber ganz, ganz viele eben aus, vor allem Osteuropa und aus Afrika auch.

Und wie du auch eingangs schon gesagt hattest, Das waren Frauen, die wollten nach Deutschland kommen, um Schutz zu suchen. Die wollten nach Deutschland kommen, um Arbeit zu finden, um sich ein neues Leben aufzubauen. Das war nicht so glamourhaft, Escort und Internet. Das ist üble Ausbeute. Die kamen auch selber aus prekären Verhältnissen und wollten dann irgendwie nach Deutschland Schutz suchen und sind dann eben genau an solche Kriminellen geraten, für die sie dann anschaffen gehen mussten.

Und ich hatte eben schon was zu den Zahlen gesagt. Und das ist genau das, was diese Thematik so schwer greifbar macht, dass es einfach überhaupt keine verlässlichen Zahlen gibt. Weil eben die Opfer, das hat man ja jetzt bei dem Fall auch schon so ein bisschen rausgehört, es bestehen Abhängigkeitsverhältnisse, es ist ganz viel mit Angst verbunden.

Angst vor den Zuhältern, Angst vor den Freiern, für Frauen. Ich spreche jetzt einfach mal nur von Frauen, weil die Mehrheit eben weiblich ist. Die zum Teil ja auch ganz große Angst haben, selber zur Polizei zu gehen, weil die zum Teil ja auch aus Ländern kommen, wo die Polizei nicht als Freund und Helfer bekannt ist, sondern vielleicht auch als korrupt gilt, gewaltbereit.

Und wo die eben keine Hilfe erwarten würden. Ich habe noch mal eine Zahl mitgebracht. 2024 sind in Deutschland 465 Opfer von sexueller Ausbeutung erfasst worden. Und man kann da wirklich von ausgehen, dass es da eine sehr große Dunkelziffer gibt. Die Schätzungen gehen da auf dem Gebiet auch weit auseinander.

Aber wir sprechen hier eigentlich von hunderttausenden Menschen. Ja, die Zahl erscheint ein bisschen gering zu sein. Ja, absolut. Hunderttausende Menschen, die sich prostituieren. Und davon eben ein großer Teil, der sich wahrscheinlich mutmaßlich auch unfreiwillig prostituiert. Und ich finde das wichtig, auch wenn wir jetzt über einen Fall sprechen, wo das Opfer, in dem Fall Fabian, ein Freier war, der, wie wir gehört haben, sehr gutwillig war und eigentlich nur helfen wollte und nur das Beste wollte.

Oftmals ist es auch andersrum, dass die Frauen eben in dem Fall die Opfer sind, die sehr, sehr viel Gewalt erfahren von den Zuhältern, von den Freiern und, Und ich finde das wichtig, nochmal ins Bewusstsein zu rufen, dass eben auch in Deutschland Menschenhandel, Zwangsprostitution ein riesiges Thema ist, dass das systematisch abläuft, auch dass da oft organisierte Kriminalität auch dahinter steckt.

Und dass diese Entkriminalisierung 2002 auch dazu beigetragen hat, dass diese Zahlen steigen, dass Deutschland ein attraktives Zielland eben auch für so eine sexuelle Ausbeutung ist. Und das wollte ich an der Stelle einfach nochmal betonen. In der Folgenbeschreibung findet ihr auch Infos zu Hilfsangeboten für Betroffene, die von Gewalt oder von sexueller Ausbeutung betroffen sind.

Wir hoffen, die Folge hat euch gefallen. Ganz lieben Dank, Hendrik, dass du davon berichtet hast. Es war mal eine untypische Folge. Es war eine untypische Folge. Es war auch ein sehr aktueller Fall, den du gerade erst begleitet hast im Landgericht. Da wollen wir jetzt vielleicht auch häufiger machen, darüber zu sprechen, was ihr für aktuelle Recherchen habt.

Ja, ich würde sagen, wir freuen uns immer ganz toll über Feedback, über Kritik in den Kommentaren. Auch zur Körperhaltung habe ich gehört. Auch zur Körperhaltung haben wir auch schon gehört. Offen, ja. Für alle, die zugeschaut haben und nicht nur zugehört haben. Ja, und freuen uns von euch zu lesen. Vielleicht habt ihr Wünsche für Folgen.

Vielleicht habt ihr Anmerkungen, Anregungen. Wir freuen uns von euch zu lesen und hören uns beim nächsten Mal bei Tatort Niedersachsen. Dem Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Bis dahin. Tschüss. Tschüss. Wenn ihr noch mehr Bock auf True Crime habt, dann haben wir hier noch was anderes für euch.

Die Kollegen vom Harz-Kurier haben einen eigenen Newsletter über die dunklen Seiten des Harzes. Da werdet ihr jeden Samstag, 6 Uhr morgens informiert, was es für Geschichten aus dem Harz gibt. Bekanntlich wird ja da nicht nur Holz gehackt. Es gibt nicht nur aber True Crime, sondern auch mal düstere Geschichten.

Für alle True Crime-Fans, ihr könnt euch für den Newsletter anmelden unter harzkurier.de slash dunkle Seite.

Anmelden oder registrieren

Jetzt

0:00 / 0:00