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Tatort Niedersachsen - der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung· Folge 95

Tatort Niedersachsen: „Sie war deren Sklavin“ – Der Folter-Verdacht in Salzgitter

Sonntag, 26. April 2026 · 39 min

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Shownotes

Die Vorwürfe erinnern an Fälle wie das „Horrorhaus“ von Höxter: In Salzgitter sollen eine 62-jährige Frau und ihre 28 Jahre alte Tochter eine 32-Jährige über Jahre auf sadistische Weise misshandelt und gequält haben. Die Rede ist von Nägeln, einer Rohrzange, einem Bunsenbrenner. Zuletzt soll sich auch der neue Ehemann der 62-Jährigen an den Übergriffen beteiligt haben.

Recherchen unserer Zeitung legen nahe, dass der Fall deutlich größer sein könnte als zunächst angenommen. Vieles deutet darauf hin, dass Anwohner ahnten, dass etwas nicht stimmte. Sie sahen die junge Frau mit Verletzungen, Knochenbrüchen, Verbrennungen. Personen aus dem Umfeld der Beschuldigten müssen genauere Einblicke gehabt haben: Doch niemand griff ein.

Den Ermittlern liegen Videos und Fotos vor, die mutmaßliche Misshandlungen zeigen und mindestens bis ins Jahr 2022 zurückreichen. Stück für Stück setzt sich ein Bild zusammen: aus Aussagen, Aufnahmen und Beobachtungen aus dem Umfeld. Zeugen beschreiben ein System aus Kontrolle, Erniedrigung und Gewalt – und eine Frau, die sich daraus lange nicht befreien konnte.

In dieser Folge von Tatort Niedersachsen rekonstruiert Kriminalreporter Erik Westermann im Gespräch mit Redakteurin Stine Hasenforther, was bisher über die Folter-Vorwürfe in Salzgitter bekannt ist. Sie sprechen über die Recherchen vor Ort, Gespräche mit Nachbarn, Bekannten und Freunden der Beschuldigten – und über einen Fall, in dem die Ermittlungen noch am Anfang stehen.

Wenn ihr Hinweise zu den Misshandlungen geben könnt, wendet euch an die Polizei unter nds.hinweisportal.de/schwere-koerperverletzung…

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

In einem Stadtteil in Salzgitter sehen Menschen über Jahre hinweg immer wieder dieselbe Frau. Mit blauen Flecken im Gesicht, mit Verbrennungen an den Armen, manchmal mit gebrochenen Knochen oder fehlenden Zähnen. Wenn man sie darauf anspricht, sagt sie, ich bin mit dem Rad gestürzt oder ich habe mich verbrannt.

Heute glauben die Ermittler, das stimmt so nicht. Heute sind sie überzeugt, diese Frau wurde über Jahre hinweg misshandelt von einer ganzen Familie. Tatort Niedersachsen, der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Alles rund um spannende Kriminalfälle in der Region. Wir blicken gemeinsam mit unseren Redakteuren auf die Hintergründe der spektakulärsten Verbrechen zwischen Harz und Heide.

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Tatort Niedersachsen, dem Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Mein Name ist Dina Hasenforter und mir gegenüber sitzt mein Kollege und Kriminalreporter Erik Westermann. Hallo Erik. Hallo Stina. Wir sprechen heute über einen besonderen Fall, der insofern für diesen Podcast besonders ist, als das, der noch nicht abgeschlossen ist.

Ganz im Gegenteil, eigentlich kann man fast sagen, der beginnt gerade erst richtig. Es hat noch keinen Gerichtsprozess gegeben. Die Ermittlungen stehen auch nach eigenen Angaben der Staatsanwaltschaft noch ganz am Anfang. und das Ausmaß des ganzen Falles ist im Grunde noch überhaupt nicht bekannt. Wichtiger Hinweis vorweg, für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Und es ist auch nach wie vor so, dass jeden Tag Beweise gesichtet werden, neue Indizien eingehen, neue Hinweise eingehen. Wir sprechen über den Folterverdacht in Salzgitter heute. Ein Ehepaar und die Tochter der beschuldigten Frau sollen eine Frau, wir geben ihr jetzt mal einen Namen, wir nennen sie mal Silvia, das ist nicht ihr richtiger Name, zu ihrem eigenen Schutz, Sie soll mutmaßlich von dieser Familie auf ganz sadistische Weise gequält worden sein und misshandelt worden sein.

Anfangs war noch die Rede von Monaten. Inzwischen sind sich die Ermittler sicher, dass es eigentlich über Jahre hinweg der Fall war. Es geht wahrscheinlich zurück bis ins Jahr 2022. Gegen diese dreiköpfige Familie wurde Haftbefehl erlassen. Die sitzen auch alle drei in Untersuchungshaft. Magst du einmal erzählen, was soll da genau passiert sein in Salzgitter?

Ja, also am Anfang ist es so gewesen, dass die Polizei bzw. die Staatsanwaltschaft gesagt hat, hier ist eine Frau mutmaßlich schwer misshandelt worden, gequält worden, tatsächlich auf extrem brutale, sadistische Weise. Die Details wollen wir, das haben wir bisher auch ganz bewusst in der Berichterstattung eher kurz gehalten, gar nicht zu sehr ausbreiten, sondern nur so andeutungsweise.

Die Rede ist von Bunsenbrenner, von Nägeln, Baseballschläger, aber da kann sich jeder genug darunter vorstellen. Und das Ganze soll sich gerichtet haben gegen eine junge Frau, 32 Jahre alt, die in allen Texten immer als Putzhilfe bezeichnet wurde, aber die weit mehr gewesen ist als das. Also keine Putzhilfe, sondern mir haben Zeugen gesagt, das war die Sklaven dieser Familie über Jahre, die im Prinzip alles für die machen musste.

Auf Abruf bereit stand, als mehrfach am Tag, da arbeiten musste, also den Haushalt machen, die putzen, einkaufen musste, die Hunde der einen Beschuldigten irgendwie Gassi geführt hat. Und im Prinzip so eine Art Verfügungsmasse gewesen ist für am Anfang die Frau und ihre Tochter. Also die sind... So habe ich den an, jedenfalls der Kern des Ganzen. Später kam halt noch ein Mann dazu, der dann die ältere Beschuldigte, die 62-Jährige, geheiratet hat.

Genau, 62-jährige Frau, er ist 49 und die Tochter 28 Jahre alt. Und diese junge Frau, die Silvia, so haben wir sie jetzt mal genannt, um sie nicht erkennbar zu machen, die soll total auf Mutter und Tochter fixiert gewesen sein, also eigentlich erstmal eine Freundin der Tochter gewesen sein. Und dann, so scheint es, ist sie immer mehr in diese Rolle reingerutscht und reingedrängt worden.

Und es hängt so, als wenn sie keinerlei Bezugspersonen außerhalb dieser Beschuldigten gehabt hat. Ja, also insgesamt eine ziemlich erschreckende Geschichte, die sich da so andeutet. Weiß man, wie Silvia die Familie kennengelernt hat? Ja, also nachdem wir es Zeugen mir erzählt haben, soll es so gewesen sein, dass Silvia und die Tochter der Familie, die 28-Jährige, am Anfang befreundet gewesen sind.

Und wie sich das ergeben hat, dass sie dann in diese Sklavenrolle, also es gibt Zeugen, die sagten genau das, sie sei die Sklavin gewesen, reingeraten ist, reingedrängt wurde, das ist nicht ganz klar bisher. Also das gehört so zu den blinden Flecken, die es noch gibt. Es wirkt aber so, als wenn sich das Abhöhe immer mehr gesteigert hat.

Also wenn so eine Grenze einmal überschritten ist, eine Grenze von Gewalt, die man jemandem antut, jemanden nötigt, vielleicht auch Dinge zu tun. Wenn sich die einmal verschoben hat, dann wird die immer weiter und vielleicht auch immer leichter überschritten. Und es wirkt so, als wenn es dann am Ende zu so einer regelrechten Abhängigkeit gekommen wäre, also eine Frau, die abhängig gewesen ist von ihren mutmaßlichen Peinigern und sich aus diesem System, von Erniedrigung und Gewalt irgendwie nicht hat, befreien, Was weiß man bisher über die drei Beschuldigten?

Also du sagtest gerade, angefangen hat das mit der 62-jährigen Mutter und der 28-jährigen Tochter. Die 28-jährige Tochter hat selber auch schon Kinder, richtig? Die hat zwei Kinder, ja, genau. Die hat zwei Kinder. Und später kam noch ein Mann dazu, 49 Jahre alt, der dann die 62-jährige Mutter auch geheiratet hat.

Was weiß man über die? Gab es da schon Vorstrafen? Also bekannt ist bisher nur, dass der 49 Jahre alte Mann, der Ehemann der Mutter, dass der eine ganze Latte von Vorstrafen hat, was Gewalttaten angeht. Also meine sieben Verurteilungen gibt es da schon und soll auch eine wegen Vergewaltigung geben. Das weckt natürlich gleich den Eindruck, als wenn wir mutmaßlich hier den Hauptverantwortlichen haben, aber nach meinen Erkenntnissen scheint das so nicht zu stimmen.

Vielleicht aber jemand, der. Wenn sich das alles so bewahrt hat, die Sache nur noch schlimmer gemacht hat. Was die beiden Frauen angeht, ist bisher nicht bekannt, ob die Vorstrafen haben. Zeugen haben mir berichtet, dass die beide aber durchaus verhaltensauffällig sind. Werden als sehr aggressiv geschildert. Gleichzeitig aber Personen, die zwei Gesichter haben.

Also eins, dass sie zeigen, was sozial erwünscht ist vielleicht in Situationen, wo sie irgendwas erreichen möchten. und das eben das andere Gesicht, was nur gelegentlich zum Vorschein kommt. Sind beide auch recht umtriebig in den sozialen Netzwerken, haben da wahnsinnig viele Sachen gepostet. Da kann man einiges finden und zum Teil auch so ein bisschen gruselig anmutende Sachen.

Also sehr, ich muss mal sagen, freizügig und so um Aufmerksamkeit werbend. Aber es ist nicht so, dass man jedenfalls öffentlich zugänglich irgendwelche gewalttätigen Inhalte findet. Die sollen aber durchaus auch in einen gewissen Kreis von Menschen verschickt worden sein. Denn das ist so eine Besonderheit hier.

Viel von dem, was da passiert ist, soll es auf Video auch geben. Da können wir später noch mal ein bisschen genauer drauf eingehen. Nimm uns mal mit in deine Arbeit als Kriminalreporter. Wie und wann hast du von diesem Fall erfahren und wie ist dann so das erste Vorgehen? Ja, also davon erfahren habe ich, als der NDR, der hat das als Erster aufgegriffen, darüber berichtet hat.

Die hatten, so scheint es, den Haftbefehl irgendwie in die Hände bekommen. Zur Einordnung, das war im März 2026. Das ist im März gewesen, genau. Mitte März war das, meine ich. Ja, das war so der erste Knall, weil es gleich relativ breit in den Medien aufgegriffen worden ist, weil die Vorwürfe, die Dinge, um die es da ging, doch sehr extrem waren.

Und ich habe tatsächlich... Dann erst mal, nachdem es so eine erste Nachricht, ich einen Text gab dazu, mir etwas mehr Zeit gelassen und versucht, mir Ansprechpartner vor Ort zu suchen und habe erstaunlich viele Menschen gefunden, die etwas zu sagen hatten, die etwas mitbekommen haben, die zum Teil auch recht nah dran waren an den Beschuldigten und mir da einiges erzählen konnten, was zum Teil auch Jahre zurückging.

Wie ich das nun genau gemacht habe und wie ich an die Gesprächspartner gekommen bin und wer das war, das wird hier nicht ausgebreitet zum Schutze der Personen, die sich da geäußert haben. Und natürlich möchte man dann auch nicht im Detail nachvollziehbar machen, wie das so alles zustande gekommen ist.

Nur so viel. Es gibt auch Menschen, die sich von ganz alleine gemeldet haben, weil sie Redebedürfnis hatten. Und nachdem das Ganze jetzt öffentlich geworden ist und sie vielleicht zum Teil auch lange geschwiegen haben dazu, sich äußern wollten aus verschiedenen Gründen. Ganz kurz Werbung in eigener Sache. Wenn ihr schon immer mal wissen wolltet, wie Alltag und Arbeit eines Kriminalreporters aussieht, dann ist das hier für euch.

Wir feiern am 5. Mai den Tag des Lokaljournalismus bei uns im Medienhaus in Braunschweig. Und um 18 Uhr nehmen wir eine Spezialfolge Tatort Niedersachsen auf, wo ich meine beiden Kollegen Henrik und Erik mit Fragen zu ihrer Arbeit als Kriminalreporter löchere. Tickets sind begrenzt, ihr findet sie auf braunschweigerzeitung.de.

Um nochmal darauf zurückzukommen, die Frage steht ja auch im Raum, wie ist das überhaupt an die Polizei gekommen? Und das war ja so, dass die 32-jährige Silvia, nennen wir sie, tatsächlich selber zur Polizei gegangen ist und Anzeige erstattet hat. Weißt du, wie es dazu dann gekommen ist? Ja, also es soll wenige Tage auch schon, bevor das Ganze öffentlich geworden ist, es ist wahnsinnig schnell gegangen in diesem Fall.

Soll sie zur Polizei gegangen sein und Anzeige erstattet haben mit einer Bekannten zusammen. Und es ist offensichtlich so gewesen, dass sie sich dieser Bekannten anvertraut hat, nachdem sie jahrelang dazu geschwiegen hat. Darüber kann man jetzt spekulieren, warum sie das getan hat. Was Zeugen, die sie kennen, mir erzählt haben, ist, dass das Ausmaß der Übergriffe und der Gewalt, die sie erfahren hat, so schlimm geworden sein muss, dass nach Jahren der Quälereien, sie das nicht mehr ertragen hat und sie selber dann eingesehen hat, das muss irgendwie ein Ende haben.

Und dann hat sie sich dieser Bekannten anvertraut und gemeinsam sind die beiden dann zur Polizei gegangen und, Und auf dem Weg, das haben unabhängig voneinander mir verschiedene Personen erzählt, so soll es noch einen Anruf gegeben haben von der 62-Jährigen der Mutter, nach dem Motto, bist du auf dem Weg zur Polizei, um uns zu verpfeifen.

Und die haben das irgendwie mitbekommen? Wir haben das mitbekommen, da gibt es, also zumindest ist das, heißt es das und es soll, die sollen sie über so GPS-Tracker überwacht haben. Also die Erzählung ist, dass in die Kleidung der Silvia da irgendwie so Tracker eingenäht worden sein sollen und darüber hat man ihren Standort dann scheinbar nachverfolgt.

Ob das stimmt oder nicht? Kann ich nicht überprüfen am Ende, das weiß ich nicht, aber auffällig ist natürlich, dass es verschiedene Personen erzählt haben. Und kann also durchaus sein, dass da was dran ist. Es würde so ein bisschen in dieses Bild passen, was sich bisher ausrollt. Ja, man fragt sich wirklich, wie kann das sein, dass sie nicht schon früher zur Polizei gegangen ist?

Da muss es jetzt ja alles spekulativ, aber da muss ja ein wahnsinniges Abhängigkeitsverhältnis gegeben haben in dieser Familie und auch Angst wahrscheinlich einen Riesenfaktor gespielt haben. Anders kann man das nicht erklären. Also auch dazu ist natürlich eine Frage, die drängt sich auf. Es soll so gewesen sein, dass sie sich im Prinzip frei bewegen konnte.

Also in Salzgitterbad hat man sie immer wieder gesehen an verschiedenen Stellen. Sie war unterwegs mit dem Fahrrad oder zu Fuß, sei es nur, dass sie irgendwie Einkäufe erledigt hat oder beim Umzug geholfen, Waschmaschinen auf Kinderwägen transportieren sollte für die Beschuldigten. Also ganz ja, also, auf jeden Fall ist sie immer wieder im Stadtbild gesehen worden von verschiedenen Personen es ist also nicht so, dass sie eingesperrt gewesen ist oder sowas in der Art, jedenfalls das ist auch wieder was, was eine Zeugin sagte was ich sehr interessant fand als Äußerung also nicht mit Ketten, die man gesehen hätte, sondern.

Eher gebunden durch so ein System aus. Ja, Kontrolle und emotionaler Abhängigkeit. Emotional angekettet. Ja, genau. Also eine Zeugin sagte, man habe sie häufiger angesprochen auch und sie gefragt, ihr Hilfe angeboten, aber das hätte sie abgelehnt. Und das kann man, wenn es dann alles so zutrifft, muss man an dieser Stelle einmal ganz kurz einschieben nochmal, daran erinnern, eigentlich auch nicht anders erklären, als das ist so eine Art Abhängigkeitsverhältnis.

Verhältnis gegeben hat zwischen dem Opfer von Gewalt und dem mutmaßlichen Täter. Das kennt man aus anderen Zusammenhängen, das gibt es häufiger. Insofern wäre das nicht unplausibel, auch wenn es im ersten Moment so ist, dass man sich fragt, wie kann das denn sein, warum geht man denn dann nicht? Vor allem, wenn das über Jahre gedauert hat, wie sich es hier immer stärker andeutet.

Wir drücken uns hier natürlich ganz vorsichtig aus, eben auch deshalb, weil es die Unschuldsvermutung gilt und es noch keinen Prozess gab, es noch kein Urteil gibt. Du hast in deinem allerersten text zu dem fall auch geschrieben dass er natürlich einerseits an das horrorhaus von höxter erinnert das war ein fall aus der wurde 2016 publik auch ein ehepaar das frauen über kontaktanzeigen zu sich ins ins haus gelockt hat wo sie sie dann auch physisch und psychisch ganz schwer misshandelt haben was dann in zwei fällen mindestens wohl auch zum tod geführt hat.

Du hast auch geschrieben, dass du dich anfangs erinnert gefühlt hast an den Horrormissbrauch von Goslar, worüber wir auch ganz viel berichtet haben, oder du in dem Fall. Einem ganz großen Justizirrtum um Josefine R., die 2019 schwere Vorwürfe gegen ihre eigenen Eltern erhoben hat. Sie hätten sie seit Kindheit an misshandelt. Sie hätten sie zur Sexsklavin gemacht.

Sie hätten ihren Tod geplant, um nur so ein paar Punkte zu nennen. Die Vorwürfe haben sich dann letztendlich als Lüge erwiesen. Nachdem die Eltern aber schon zwei Jahre oder über zwei Jahre, glaube ich, sogar schon unschuldig in Urhaft gesessen haben. Einer der größten Justizversagen der deutschen Geschichte. Das schreibst du auch in deinen Artikeln.

Die ganze Story könnt ihr euch auch in den Episoden 76, 77 und 78 von Tatort Niedersachsen noch mal anhören. Deswegen war es so auch anfangs sehr vorsichtig in der Berichterstattung, eben weil es schon mal so einen schlimmen Fall gab, der am Ende dann ganz anders war, als es anfangs den Eindruck hatte.

Und weil wir auch wissen, dass mediale Berichterstattung auch schnell zu einer Vorverurteilung von Menschen führen kann. So lange auch noch kein Urteil gefallen ist, was in dem Fall natürlich sehr, sehr schädlich für die Person war, die da beteiligt waren. Und in diesem Fall, wir hatten es eben schon gesagt, in Salzgitter, es deutet aber alles darauf hin, dass die Vorwürfe begründet sind, weil du sagtest auch schon, es gibt Videoaufnahmen zum Teil, also es gibt wirkliche Beweise. Was kannst du uns dazu sagen?

Ja, tatsächlich hat mich das in mancher Hinsicht sehr an diesen Justizirrtum um Josefinaia im ersten Moment erinnert. Also wirklich im allerersten Moment, weil es Parallelen einfach gibt. Parallelen sind Schilderungen extremer Gewalt und Übergriffen. Auch in diesem alten Fall schien es Videos zu geben.

Und da gibt es noch weitere Parallelen. Aber es hat sich dann relativ schnell herausgestellt, dass, Das hier offensichtlich anders gelagert ist. Zwar muss man auch immer noch die Frage stellen, was die psychische Verfasstheit des Opfers angeht. Die wird durchaus als labil geschildert, aber es deutet überhaupt nichts darauf hin, dass hier irgendwas ausgedacht ist. Das glaubt auch die Staatsanwaltschaft nicht, die am Anfang auch eher skeptisch gewesen ist, wie man mir sagte.

Wir haben hier aber einfach Videos, die so krass sind, dass niemand glaubt, dass die gestellt sein könnten. Und diese Beweise oder diese Indizien sind einfach dann doch relativ stark. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Zeugen, die das schildern, die vielleicht nicht beim unmittelbaren Tatgeschehen in jedem Fall dabei waren, aber die so viele Dinge berichten, die sich decken und die dieses Bild stärken, dass man einfach einen relativ dringenden Tatverdacht ja auch in der Justiz schon gesehen hat.

Und deswegen sind die Haftbefehle erlassen worden. Ja, also diese Videos und Fotos, die es gibt, die vielen Zeugenaussagen, die man schon gehört hat, die kann man einfach nicht wegreden. Und das lässt dann relativ schnell, nachdem man einmal etwas genauer hingeguckt hat, einen ganz anderen Eindruck wieder entstehen.

Es ist vielleicht eine der Spätfolgen dieses Justizirrtums, den negativen Auswirkungen daraus, dass man, das sind Befürchtungen, die damals schon die Leute hatten, dass man tatsächlichen Opfern vielleicht nicht mehr so einfach glaubt. Und glücklicherweise hat sich das hier offensichtlich nicht großartig ausgewirkt.

Nach diesem ersten genaueren Blick waren die Ermittler, glaube ich, recht sicher, was sie hier vor sich haben. Und nach dem, was ich in den Tagen darauf in den Gesprächen mit Zeugen und bei meinen Recherchen so mitbekommen habe, kann ich da nicht mehr an... An irgendwas wie in den Irrtum glauben, sondern es ist ein relativ deutliches Bild, was sich bisher so kristallisiert hat.

Du hast schon gesagt, es gibt sehr viele Zeugenaussagen. Du warst selber vor Ort und hast mit sehr vielen Zeugen, Nachbarn, Menschen, die dort in dem Stadtteil wohnen, gesprochen. Kannst du mal schildern, wie so dein Eindruck ist von diesem Stadtteil? Wie leben die Menschen da? Sind die sich vertraut? Sind die sich bekannt?

Oder ist das eher anonym? Was hast du für einen Eindruck? Naja, es kommt ein bisschen darauf an. Also es gibt einige Leute, die davon mitbekommen haben, was da passiert ist. Also Freunde, Bekannte, je weiter man wegkommt, umso weniger haben die vielleicht auch gesehen, aber Nachbarn haben einiges mitbekommen.

Also das Gitterbad ist kein ganz kleiner Stadtteil, aber doch am Ende überschaubar. Es gab da Aussagen von Nachbarn, die gesagt haben, naja, wir wussten oder wir ahnten, dass die sie prügeln. Wir haben das alle mitbekommen. Wir haben ja gesehen, wie sie aussah. Eine Nachbarin hat mir erzählt, dass die Silvia quasi jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit vor der Tür der Wohnung der Mutter stand, an genau der gleichen Stelle und die durfte nicht klingeln, so war ihr Eindruck, sondern die musste da stehen und warten, bis sie reingelassen wird.

Was so ein Schlaglicht darauf wirft, wie dieses Verhältnis war. Das hat dieses Gefühl, der Sklaven hat das nochmal für mich verstärkt. Am Anfang soll es sogar so gewesen sein, dass da eine Kamera aus der Wohnung auf den Bürgersteig gerichtet war, genau auf die Stelle, wo Silvia immer stand. Und nachdem sich da Leute beschwert haben, weil das nicht erlaubt ist im öffentlichen Raum, ist diese Kamera entfernt worden.

Aber an dem Grundmuster hat sich nichts geändert. Andere Nachbarn haben natürlich auch mal Schreie gehört. Sie so klangen, als wenn sie geschlagen wird. Und es soll Leute gegeben haben, die versucht haben zu helfen, die sie angesprochen haben vor dem Haus. Und dann gab es wohl auch die Frage, warum lässt du dir das denn bieten?

Und da gab es eine recht bezeichnende Antwort. Wieso aber? Das sind doch meine Freunde. Was so diese emotionale Abhängigkeit vielleicht noch mal so ein bisschen verdeutlicht. Trotzdem muss man die Frage auch aufwerfen, warum Leute, die nicht mehr wussten, nicht früher etwas getan haben. Und ob da nicht vielleicht auch.

Und Leute zu lange weggeguckt haben, weil es offenkundig so gewesen ist, dass nicht ganz wenige Menschen davon mitbekommen haben, was die für Verletzungen hatten. Die trug dann Gips, die hatte Brüche, die hatte diese blauen Flecken, die hatte Verbrennungen. Und in der Summe über Jahre hinweg fragt man sich schon, wie das sein kann, dass da niemand was gesagt hat.

Zumal es Leute gibt, die relativ erschreckende Dinge mitbekommen haben und damit wohl nicht sich an die Polizei gewendet haben. Ja, ein Zitat aus einem deiner Artikel war, glaube ich, auch von einer Zeugin, sowas wie, was hätten wir denn tun sollen, wo man sich natürlich fragt, was soll man tun, man sollte die Polizei verständigen, wenn man sowas mitbekommt, zum nächsten anonymen Tipp geben.

Das genau, der anonyme Tipp wäre zumindest eine Möglichkeit gewesen. Das Argument bei einigen war, wenn sie das selber nicht aussagen würde, dann kann man ja auch nichts machen. Das stimmt natürlich ein Stück weit, aber es gibt ganz offenkundig. Also mindestens ein Video, das in Salzgitter kursiert, das älter ist, also von 2022 soll es stammen.

Und das ist so erschreckend und so krass, dass man sich schon fragt, warum die Leute damit nicht losgegangen sind. Das heißt, das Video kursiert auch schon seit 2022. Also das ist nicht jetzt erst zum Vorschein gekommen. Also die Ermittler haben es jetzt erst erhalten, sonst wären sie sicherlich früher schon tätig geworden, aber dieses Video soll schon mehrere Jahre im Umlauf sein.

Wie groß der Kreis der Menschen ist, die das gesehen haben, das weiß ich nicht, aber ich weiß, dass es auf jeden Fall einige sind, also mehr als zwei Personen. Und da wundert man sich dann schon am Ende. Aber von dem, was ich mitbekommen habe, gibt es Menschen, die durchaus auch Angst hatten vor den Beschuldigten.

Ich habe ja vorhin schon mal angedeutet, die sollen durchaus aggressiv aufgetreten sein. Dann ist es vielleicht auch so eine gewisse Gleichgültigkeit bei manchen gewesen, kann ich mir vorstellen. Und das war auch herauszuhören aus einigen Äußerungen. Ich dachte, was geht mich das an? Andere, die davon vielleicht weniger mitbekommen haben, aber es gibt einen Kreis von Menschen.

Also mir sind, ich sag mal, mindestens ein halbes Dutzend Namen bekannt, die enger an den Beschuldigten dran waren und die davon mehr mitbekommen haben müssen. Zum Teil auch selber, wie soll ich sagen, Nutznießer vielleicht sogar gewesen sein sollen, im Sinne von, dass man die Sklavin dann einfach auch mal weitergegeben hat.

Oder dass man vielleicht Gefälligkeiten von ihr dann einfach sich genommen hat oder eingefordert hat, weil man wusste, die macht das vielleicht, weil sie. Dass sie ein Stück weit Interpretation schon gedrillt worden ist, ich möchte nicht sagen abgerichtet, aber doch beeinflusst worden ist, dass sie solche Dinge dann zulässt.

Zum Teil, weil sie vielleicht weiß, was sonst die Konsequenzen sind. Also dieses Video, um nochmal ganz kurz auf das zurückzukommen, das zeigt sexualisierte Gewalt, ist wirklich nicht schön. Was aber noch erschreckender ist, ist die Empathielosigkeit, mit der da agiert wird. Also als diese Frau nicht macht, wie ihr befohlen wird, da schlägt man halt mit einer Flasche auf ihren Kopf ein.

Also keine Glasflasche, aber eine Hartplastikflasche und das einfach ohne jede Regung, außer Wut darüber, dass sie nicht tut, was man ihr befiehlt. Und da sind im Hintergrund dann auch Menschen zu hören, die das mitbekommen haben müssen. Dann hört auch eine Kinderstimme. Das heißt, das ist vielleicht hinter geschlossenen Türen passiert, aber keineswegs ganz versteckt, sondern es gibt einen Kreis von Menschen, die das mitbekommen haben müssen, die aber nichts gesagt haben, die vielleicht bis heute noch nicht ausgepackt haben.

Das ist nicht ganz klar. Es gibt aber mindestens einige, die schon auch Aussagen bei der Polizei gemacht haben. Ja, wie eingangs schon gesagt, das Ausmaß des Ganzen ist noch nicht bekannt. Und da werden hoffentlich die Ermittlungen noch viel mehr offenlegen, und wer davon alles wusste. Eine Frage merke ich gerade, die ich jetzt noch gar nicht gestellt habe, die erstmal so banal klingt, die aber natürlich nur eine komplexe Antwort, wo es nur komplexe Antworten geben kann. Warum macht man sowas überhaupt?

Also gibt es schon irgendwelche Hinweise darauf oder Vermutungen, weshalb es überhaupt zu diesem Gewaltakt gekommen ist, warum die ihr das überhaupt angetan haben oder ist es einfach nur blanker Sadismus? Naja, also wenn man die Tatschilderung hört, was sich alles zugetragen haben soll, dann klingt das schon nach Sadismus, auch nach einer gewissen Lust daran, jemandem Gewalt anzutun, aus welcher Motivation heraus auch immer.

Und also der Eindruck, der sich mir aufdrängt nach allem, was ich bisher gehört habe, ist dass, das hat sich mit der Zeit glaube ich, das ist immer selbstverständlicher geworden, ja, die Grenze hat sich immer ein Stück weiter verschoben dessen, was, was man merkt, was man machen kann, ohne bei einem Opfer, das vielleicht sich nicht zu wehr setzt und dann geht man immer noch ein Stück weiter und immer noch ein Stück weiter und bis zu dem Punkt hin, wo jetzt Anfang dieses Jahres sich das Ganze so nochmal gesteigert zu haben scheint, dass es dann selbst das Opfer nicht mehr konnte.

Am Ende, was genau dahinter steht, da wird es, wenn das Ganze sich verfestigt, was die Ermittlungen angeht, es vielleicht zur Anklage kommt, dann wird da sicherlich nochmal jemand bei psychiatrischer Seite auch drauf gucken müssen, weil man fragt sich natürlich, was steht dahinter. Aber eine Erklärung, die ich irgendwie für mich gefunden habe, eine Interpretation war, wenn ich die Gelegenheit habe, etwas zu tun und ich merke, ich komme damit durch und das kommt auch nicht raus, ich verschicke diese Videos vielleicht sogar auch an weitere Personen, so soll es gewesen sein.

Also Videos von Taten sollen verschickt worden sein an Dritte und trotzdem passiert nichts. Es bleibt also folgenlos über Jahre. Ich glaube, dann fühle ich mich auch irgendwann sicher und vielleicht den Eindruck, dass mir gar nichts passieren kann. Vielleicht ja auch ein Grund, warum niemand einen anonymen Tipp abgegeben hat, wenn man die ganze Zeit beobachtet, wie die Frau sich frei bewegen kann, dass dann gedacht wird, ja, wenn sie selber nicht zur Polizei geht, das ist nicht unsere Verantwortung, die könnte das ja selber entscheiden.

Es ist eine Mischung, glaube ich, aus verschiedenen Sachen. Also man muss vermutlich unterscheiden zwischen denen, die nah dran waren und denen, die weiter weg waren. Je weiter man weg ist, desto weniger genauer kann man es natürlich auch einschätzen. Dann gab es Einzelne, die offenbar versucht haben zu helfen oder Hilfe angeboten haben.

Dann ist die vielleicht abgelehnt worden oder es hat nichts bewirkt. Und dann gibt es aber auch einfach so eine Kultur des Schweigens, die sich da offensichtlich und des Wegschauens, die sich da etabliert hat. Die gibt es ja auch häufiger in unserer Gesellschaft. Das ist ja nicht der erste Fall. Man erinnert nur an Menschen, das ist mir noch so ein Gedächtnis, ein Obdachloser, der zusammengebrochen war.

Ich glaube, das war in der Schalterhalle einer Bank, wo die Leute Geld abheben mussten. Die sind dann einfach über den drüber gestiegen. Das hat niemanden interessiert. Ich will nicht sagen, dass es hier niemanden interessiert hat, Aber es hat auf jeden Fall nicht dazu geführt, dass das früher bekannt geworden ist.

Und es musste ja auch gesehen werden, weil, das hattest du auch geschrieben, es gab ja nicht nur einen Tatort. Also die 28-jährige Tochter, die hat ja auch nicht mehr bei ihrer Mutter gewohnt. Die hat mit ihrer Familie in einem Haus oder in einer Wohnung, auch im gleichen Stadtteil aber gewohnt. Und dazwischen ist auch Silvia immer hin und her gelaufen.

Es ist so, dass Nachbarn mir erzählt haben, dass es tatsächlich eigentlich drei Wohnungen in Summe gab. Also es gab die alte Wohnung der Mutter, schon in Salzgitterbad, und die Wohnung der Tochter, die einige hundert Meter entfernt lag, also Kilometer ungefähr, sagen wir mal. Und zwischen beiden Wohnungen ist sie ist die Silvia teilweise mit dem Fahrrad, teilweise zu Fuß hin und her und die Nachbarn wussten schon, jetzt geht sie wieder zur Mutter oder jetzt geht sie wieder zur Tochter, weil sie da quasi weiter schuften soll und.

Es ist dann Ende 2025 so gewesen, dass die Mutter mit ihrem neuen Ehemann umgezogen ist in ein anderes Haus. Das ist also der dritte mutmaßliche Tatort, dieses neue Haus am Rand des Stadtteils. Das ist das, wo dann alles sich offensichtlich nochmal zugespitzt hat und dann bekannt geworden ist. Also ganz am Anfang dachte man, es gab irgendeinen Bericht eines Mediums, das Horrorhaus von Salzgitter. Und dann wurde halt dieses Haus gezeigt.

Das ist aber eigentlich nur, so ist jedenfalls mein Eindruck, die Spitze des Eisbergs, da wo es richtig ausgeartet zu sein scheint und das Ganze nochmal eine neue Dimension gekriegt hat und eine neue Stufe erreicht hat. Aber die ganze Vorgeschichte hat sich in den beiden anderen Wohnungen mindestens auch schon abgespielt.

Und wo jetzt was passiert ist, das ist Aufgabe der Polizei, das herauszufinden. Ich bin mir relativ sicher, dass auch in der Wohnung der Tochter noch Dinge geschehen sind. Da deutet auf jeden Fall einiges drauf hin. So kann man also sagen, es ist dieses Dreieck, was es dann da gab, sowohl was die Personen angeht, aber auch was die Zahl der Wohnungen betrifft.

Silvia hat aber weder in der einen Wohnung noch in der anderen mitgewohnt. Die hatte ein eigenes Zuhause. Also sie hatte, so sagen das Zeugen, relativ lange eine eigene Wohnung an anderer Stelle und dann... Die Staatsanwaltschaft hat das auch gesagt, soll sie zum Jahreswechsel 2026 mit in dieses neue Haus gezogen sein.

Also zumindest hat sie, so heißt es, dort zeitweise gewohnt. Und es gibt auch Zeugen aus dem Umfeld, die sie da häufiger gesehen hatten, die sagen aber, sie wussten nicht, dass sie da gelebt hätte. Die haben sie dann in ihrer, sie hat scheinbar noch eine Art Nebenjob gehabt. Dort hat man sie dann gesehen und da hatte sie dann schon Verbrühungen im Gesicht und solche Sachen.

Und ihr Zustand soll sich ab Jahresbeginn 2026 einfach nochmal dramatisch verschlechtert haben. Also die war ja unter anderem Einkaufen offensichtlich für die Beschuldigten, so heißt es. Und die Mitarbeiter dieses Einkaufsmarktes haben das dann auch gesehen, dass es ihr immer schlechter ging, dass ihr Zähne fehlten, dass sie wirklich schlimm scheinbar ausgesehen hat, haben auch versucht ihr Hilfe anzubieten, die sie aber erstmal nicht angenommen hat, bis dann dieses, ja, ich sag mal, das Fass übergelaufen ist und sie dann hier von alleine zur Polizei gegangen ist.

Jetzt ist es so, die Polizei steckt mitten in den Ermittlungen und bittet jetzt auch um Hilfe in der Öffentlichkeit von Hinweisgebern. Wie ist da der Stand der Dinge? Genau, das ist vor ein paar Tagen so. Da hat man über das Landeskriminalamt diesen Zeugenaufruf gestartet, dieses Hinbausportal geschaltet.

Der Gedanke dahinter ist, offensichtlich haben die Beschuldigten diese Videos verschickt und das auch schon länger. Vielleicht gibt es noch welche, die die Polizei nicht kennt. Vielleicht gibt es Menschen, die sich noch nicht geäußert haben. Die davon was mitgekriegt haben, das vielleicht wieder an die Seite geschoben haben gedanklich oder versucht haben zu vergessen oder wie auch immer, die jetzt durch die Berichterstattung und die ganze Aufmerksamkeit nochmal wieder daran erinnert werden und dass sie da nochmal neue Erkenntnisse gewinnen können über das Ausmaß dessen, was alles passiert ist. Mit welchem Ergebnis? Das ist noch nicht bekannt.

Die Staatsanwaltschaft ist sehr zugeknöpft, was dieses Verfahren angeht. Da gibt es keine Aussagen dazu, aber man kann schon vermuten, dass es noch mehr Menschen gibt, die was dazu sagen könnten und die jetzt hoffentlich der Wahrheit ans Licht verhelfen und sich dazu äußern. Wir schreiben auch mal in die Folgenbeschreibung, wo Menschen die Hinweise abgeben können für den Fall, dass irgendwer diese Folge hört, der oder die vielleicht auch noch etwas zum Thema beitragen können und der Polizei einen hilfreichen Tipp geben können.

Wie ist denn jetzt der Ausblick? Also gibt es schon irgendwie einen Zeitplan? Ist es absehbar, wann ein Gerichtsprozess starten könnte, wie es jetzt weitergeht? Nee, so weit ist das noch nicht. Also die Polizei ist nach allem, was ich weiß, erst mal dabei noch zu ermitteln. Ja, das Bild ist noch nicht klar. Es gibt wohl auch wahnsinnig viel Material, was gesichtet werden muss, Videos, viele Zeugen, die befragt werden müssen.

Das dauert also tatsächlich noch ein bisschen. Und auf der anderen Seite hat man ja schon so eine Frist, anhand derer man ungefähr abschätzen kann, wie es weitergehen könnte. Erhärtet jetzt sich der ganze Verdacht, dann müsste es zur Anklage kommen. Und man hat dann bis zum Gerichtsprozess so eine Frist, die sitzen ja in Untersuchungshaft, das ist ein halbes Jahr.

Also binnen eines halben Jahres müsste es eigentlich dazu kommen, dass das Ganze, wenn es angeklagt wird, dann da auch anverhandelt wird. In seltenen Fällen kann das mal länger dauern. Dafür müsste es dann aber eine gute Begründung geben. Also ewig kann es dann auch nicht mehr brauchen. Wir haben jetzt Mitte April.

Es ist also ein guter Monat, ist schon rum. Ein bisschen Zeit ist da also noch. Und ich glaube, es gibt auch noch einiges zu tun und zu sichten für die Beamten. Also die Polizei hat da tatsächlich auch eine eigene Ermittlungsgruppe gegründet und die sich mit nichts anderem befasst als mit diesem Fall.

Da mehrere Beamte aus verschiedenen Inspektionen zusammengezogen, die sich der Sache widmen und einfach, weil es dann doch recht umfangreich ist. Und tja, ich glaube, man dann auch gemerkt hat relativ schnell, das ist nicht nur, geht hier nicht nur um ein paar Wochen, sondern das ist eben eine jahrelange Vorgeschichte, die da mit dranhängt. Tja.

Da wird sich noch einiges tun, da wird wahrscheinlich noch viel an Erkenntnissen dazukommen über die nächsten Wochen, Monate, Jahre. Es ist jetzt mal ein Fall, den wir ganz aktuell begleiten können im Podcast, wo wir auch, wenn da was Neues bei rumkommt, wir das auch in der neuen Folge dann nochmal besprechen werden.

Wenn es dann irgendwann zu einer Anklage kommt, zu einem Gerichtsprozess, auch das werden wir dann hier im Podcast alles begleiten. Updates findet ihr also bei Tatort Niedersachsen und wir freuen uns natürlich über Feedback, Anregungen, vielleicht auch Fragen zu dem Fall in den Kommentaren. Danke dir, Erik, dass du erzählt hast.

Wir sind gespannt, was deine Recherche alles noch ergeben wird, was da noch auf uns alle zukommt in dem Fall, was sich da noch ergeben wird und ich würde sagen, bis zum nächsten Mal. Danke fürs Zuhören. Danke.

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