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Tatort Niedersachsen - der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung· Folge 96

Tatort Niedersachsen live: Zwischen Gerichtssaal und Gewissen - Alltag eines Crime-Reporters

Mittwoch, 13. Mai 2026 · 1 h 06

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Shownotes

Erik Westermann ist zusammen mit seinem Kollegen Hendrik Rasehorn als Kriminalreporter für die Braunschweiger Zeitung im Einsatz. Seit acht Jahren berichtet er aus dem Gerichtssaal und recherchiert Verbrechen. Bei Rasehorn sind es schon mehr als 20 Jahre. In dieser Spezialfolge des Podcasts „Tatort Niedersachsen“ schlüpfen sie in die Rolle der Gäste und geben im Gespräch mit Journalistin Stine Hasenforther exklusive und überraschend persönliche Einblicke in ihre Arbeit - live vor Publikum.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Tatort Niedersachsen, der Crime-Podcast der Braunschweiger Zeitung. Alles rund um spannende Kriminalfälle in der Region. Wir blicken gemeinsam mit unseren Redakteuren auf die Hintergründe der spektakulärsten Verbrechen zwischen Harz und Heide. Unsere beiden Kriminalreporter, meine Kollegen Erik Westermann und Hendrik Rasehorn.

Schönen guten Abend. Hallöchen ihr beiden. Hallo. Bevor wir zu den schweren Themen kommen und direkt einsteigen, erstmal eine einfache Frage zum Einstieg. Wenn ihr Menschen neu kennenlernt und erzählt, was ihr beruflich macht, wie reagieren die? Ich muss gestehen, ich erzähle meistens gar nicht genau, was ich mache.

Ich sage nur, ich bin Reporter und für die Braunschweiger Zeitung, wenn dann nochmal eine Nachfrage kommt und wenn dann noch eine Nachfrage kommt, dann erzähle ich, worum es geht. Aber die meisten Leute sind gar nicht so interessiert, dass es bis zur Frage Nummer drei kommen würde. Und wenn, dann sage ich Gerichtsreporter. Das beschreibt es relativ kurz und knapp.

Das ist das, was wir hauptsächlich machen, also nicht ausschließlich. Manchmal setzt es auch ja schon wesentlich früher an, wenn noch die Ermittlungen laufen. Aber ein wesentlicher Teil ist, dass wir im Gericht sind, die Hauptverlandung besuchen, uns anhören, was da ausgerollt wird und dann darüber berichten.

Wie ist es bei dir, Hendrik? Naja, durch unseren Crime-Podcast, den es ja auch als Video gibt, hat man schon eine gewisse Berühmtheit. Tatsächlich wird man ab und zu darauf mal angesprochen. Leute fragen dann auch nach hier, wie war das mit dem, dem Fall? Oder fragen mal nach, können wir nicht da mal einen Podcast draus machen?

Ansonsten, wenn ich jetzt bei meiner eigenen Frau mal hingucke, da ist es schon schwierig, die zum Zeitungslesen manchmal zu bewegen. Manchmal erzähle ich ihr, was ich dann abends erlebe, aber so richtig interessiert sich eigentlich nicht dafür nicht, weil sie jetzt kein Interesse sozusagen an meiner Arbeit hat, sondern eigentlich mehr, weil das, was wir da tagtäglich erleben, das ist nicht sowas, wo man abends beim Abendessen nur noch gerne dann drüber redet.

Also eher Zurückhaltung dann. Jetzt gehe ich mal davon aus, ihr seid nicht eines Morgens aufgewacht und habt gesagt, ich werde jetzt Kriminalreporter, das ist jetzt das, was ich machen möchte. Wie bist du in diesen Job reingerutscht, Erik? Reingerutscht ist wahrscheinlich ein treffendes Wort. Ich bin jetzt seit 15 Jahren ungefähr als Journalist tätig, habe die ersten Jahre als Lokalreporter gearbeitet in Göttingen, da habe ich mein Handwerk gelernt, im Eichsfeld.

Und in Braunschweig dann, Salzgitter, Gifhorn und im Laufe der Zeit hat man dann alle möglichen Themen im Lokalen abgearbeitet und hat, ich möchte nicht sagen, alles schon mal gemacht, aber sehr viel. Das ist ja eine sehr vielseitige Aufgabe, was spannend ist, aber was ich nie so richtig gemacht habe, war Gerichtsberichterstattung.

Und als ich nach Salzgitter gekommen bin, überraschte ich jetzt vielleicht den einen oder anderen Zuhörer nicht, Da ist ja einiges los, was das Thema Verbrechen angeht. Jedenfalls so das Vorurteil. Da habe ich dann die Chance gehabt, ins Amtsgericht häufiger zu gehen. Jetzt geht es hier schon los. Salzgitter. Genau. Salzgitter kommt zu uns.

Das war so spannend, dass ich da hängen geblieben bin. Dass ich gemerkt habe, das macht mir, auch wenn Spaß vielleicht ein falsches Wort ist, aber es ist schon eine spannende Arbeit, weil die Themen doch nochmal eine ganz andere Intensität haben, und man so ganz grundsätzliche Dinge da miterlebt, kennenlernt.

Es gibt ja quasi nichts. Existenzielleres als die Dinge, die vor Gericht verhandelt werden. Im Kleinen, im Amtsgericht ist es vielleicht noch nicht ganz so, aber da sind es alltägliche Dinge, alltägliche Konflikte. Vor dem Landgericht hat man dann eben schon ganz andere Sachen. Und das mitzuerleben und da einzutauchen, die Menschen kennenzulernen, die es gibt und Dinge über sie zu erfahren, die man sonst vielleicht nie erfahren würde, Das ist das, was mich ziemlich fasziniert hat.

Und dann die Themen, die damit einhergehen. Gerechtigkeit, Schuld, Sühne, die Frage, wie kommt es dazu, dass jemand zum Mörder wird oder andere schwere Straftaten begeht. Und dann irgendwann auch die Erkenntnis, dass eigentlich jedem passieren kann. Das war so der Weg da rein. Und ja, ich möchte nicht sagen, man bleibt dann irgendwie hängen drauf, weil das natürlich die anderen Themen, die ich vorher gemacht habe im Lokaljournalismus, die haben eine andere Wucht.

Es fühlt sich dann fast manchmal ein bisschen schal an, wenn man andere Dinge wieder bearbeitet, andere Themen hat. Das ist zwar zur Abwechslung manchmal dann auch ganz gut, aber ich bin dann immer ganz froh, wenn ich wieder zurück kann ins Gericht. Henrik, du bist schon ein paar Jahre länger Kriminalreporter, Polizei- und Gerichtsreporter, seit rund 20 Jahren hattest du im Vorgespräch gesagt.

Bist du auch reingerutscht, war es auch eher Zufall oder war es geplant? Ja, das ist so der klassische Weg, so wie Erik das beschrieben hat. Ich war frei Mitarbeiter erstmal hier für die Zeitung, habe alles gemacht, Wochenenddienst vom Schweinepreisschießen, die Ausstellungseröffnung, keine Ahnung, Volontariat gemacht, verschiedene Stationen und dem Volontariat macht in der Lokalredaktion, so wie jeder Lokalredakteur macht eigentlich jeder alles.

Und dann hieß es irgendwann mal, gehst du zum Gericht, guckst dir das an. Ich war damals Station in Gifhorn und da war ein Amtsrichter, das waren Fälle aus dem Leben und der Amtsrichter war ein sehr menschlicher Typ, der dann auch immer sehr väterlich den Angeklagten was mit auf den Weg gegeben hat. Der hatte immer einen guten Satz, den man dann schreiben konnte, so am Ende des Artikels, das hat mir immer gefallen.

Und dann, wie Erik das auch gesagt hat, dann hat man auch mal den Kontrast, dann kommt man mal zum Landgericht. Da geht es dann wirklich auch um, wie gesagt, existenzielle Sachen. Ich kann mich an meinen ersten Landgerichtsfall erinnern. Das war ein Paar, eine Geschichte, die von über drei Jahrzehnten miteinander verbunden.

Wir haben sich in den 70ern kennengelernt, waren getrennt, sind wieder zusammengekommen, wieder getrennt, dann geheiratet, auseinandergekommen. Beide andere Partner gehabt, die Frau dann Haus gebaut mit ihrem Partner, dann nach ein paar Jahren ihren ersten Partner wieder getroffen, sind wieder zusammengekommen, haben wieder geheiratet, zum zweiten Mal.

Sind dann ungefähr nach der Hochzeit, ich glaube das war so drei Monate später, haben sie eine Reise an die Ostsee gemacht. Beide Reiser an der Ostsee haben sich gestritten, haben die Reise abgebrochen, oder wollten sie abbrechen und ich glaube sie hatten sie abgebrochen, waren dann schon wieder zu Hause, haben sich weiter gestritten, er hat eine Pistole aus dem ersten Weltkrieg ich weiß nicht wo er die hatte, hergeholt er hat vor Gericht behauptet, er hätte, oder irgendwie es rumhantiert oder irgendwas gemacht, tatsächlich sie hat geduscht, die Frau und er hat sie durch den Duschvorhang auf sie geschossen, sehr schwer verletzt.

Sie hat es gerade noch geschafft, mit letzter Kraft Treppe runter zu robben und zum Telefon zu gehen, die Polizei anzurufen. Er hat sich selbst eine Stole auf die Brust gesetzt und wollte sich selbst töten. Auch überlebt, beide dann vor Gericht erlebt, er als Angeklagter, sie als Opfer. Und dort, sage ich mal, dann zu erleben, was so ein Verbrechen, was das mit Menschen macht, mit Tätern wie mit Opfern.

Der Mann, total verzweifelt, er hat immer wieder gesagt, das war die Liebe meines Lebens. Sie von dieser Tat gezeichnet, sage ich mal, dass dem Mann, den sie vertraut hat, dann so eine Tat begangen hat und das Ganze dann vor Gericht aufzuarbeiten, dann auch zu gucken, stimmt das denn, was der Angeklagte dann da gesagt hat, hat er denn wirklich da irgendwie rumhantiert mit dieser Pistole und hat sich zufällig einen Schuss gelöst, so wie er es behauptet hat, wo dann festgestellt wurde, nee, war gar nicht so, weil das eine Weltkriegspistole war, wo man relativ fest den Abzug drücken muss, damit da ein Schuss fällt.

Und dann ist diese ganze Verteidigung so ein bisschen dann in sich zusammengebrochen und letztendlich wurde er dann verurteilt wegen Mordversuchs, eine ganz schlimme Sache, ganz am Anfang sozusagen meiner Karriere als Gerichtsreporter so ein Fall und dann hat man halt gemerkt, das interessiert einen, was da passiert und eigentlich wird Erik wahrscheinlich bestätigen, jeder Fall ist anders, jeder Fall hat so seine eigene Geschichte und dieser Nachweis einer Tat vor Gericht, Das ist natürlich auch spannend, wie Juristen in Zusammenarbeit mit der Polizei, mit Ermittlern, mit Spezialisten dann solche Fälle aufklären und deswegen machen wir das glaube ich auch ganz gern, um das natürlich auch für die Leser dann auch zu übersetzen,

was passiert da eigentlich vor Gericht, weil letztendlich Urteile werden im Namen des Volkes gesprochen und wir sind dann, unsere Aufgabe ist ja so, als Mittler dann da zu sein und den Lesern das zu erklären, warum wird ein Urteil in welcher Weise dann gesprochen. Erik, kannst du dich noch an deinen ersten Fall erinnern? Ich habe gerade eben überlegt und nee, kann ich nicht.

Also es war am Amtsgericht in Salzgitter, da bin ich recht sicher und ich habe ein paar der ersten Fälle noch im Kopf, aber nicht den allerersten, das weiß ich nicht mehr. Und am Landgericht war einer der ersten größeren, die ich da betreut habe, der sogenannte Ehrenmord von Salzgitter. Hat ein junger Mann den Partner seiner Schwester erschossen.

Also es war ein muslimisch-christliches Paar und diese Verbindung war der Familie, der Frau, nicht so genehm. Und die haben dann versucht, erst die beiden auseinanderzubringen und als das nicht geklappt hat, soll es so gewesen sein, dass die Familie beschlossen hat, der Partner ihre Tochter muss weg und dann soll der älteste Sohn eben da den Abzug gezogen haben und den Mann auf einem Parkplatz erschossen haben und das war so eine der ersten, die ich wirklich sehr genau noch im Kopf habe, weil das eigentlich eine tragische Liebesgeschichte gewesen ist.

Also dieses Paar war ganz nah beieinander, die haben unter widrigen Umständen dann trotzdem so zueinander gefunden und zueinander gehalten. Und die Geschichte hat... Mich damals auch emotional sehr mitgenommen oder sehr gefangen genommen. Und ja, das habe ich noch so vor Augen. Und gerade wenn es um Mord und Togstaat geht, in gefühlt 90 Prozent aller Fälle geht es um Beziehungen.

Immer Mann, Frau, irgendwas passiert, dass der eine nicht mehr, sage ich mal, diese Bremse im Kopf hat, dass die sich löst und dann Sachen begeht, die manchmal ganz schrecklich sind. Der Unterschied ist ja oft auch, dass ihr euch viel, viel länger mit diesen Themen, mit den Prozessen beschäftigt, als vielleicht ein Lokalreporter das mit einem Thema sonst tut.

Da wird ein Artikel geschrieben, dann ist das Thema erstmal durch. Ihr habt zum Teil ja Wochen, Monate, manchmal sogar Jahre, wo ihr euch mit einem Thema beschäftigt. Ihr baut ja eine ganz andere Bindung wahrscheinlich auch zu den Menschen auf, mit denen ihr da zu tun habt, oder? Es kommt sehr darauf an, also es kommt auch darauf an, wie man seinen Job versteht wahrscheinlich, aber es gibt Kollegen, die sitzen dann da und hören sich das nur an und mein Ziel ist eigentlich immer den Leuten gerecht zu werden, also allen Beteiligten gerecht zu werden, so gut das geht.

Und dementsprechend dann auch mal ein Gespräch irgendwie am Rande zu führen mit den Angehörigen, die im Publikum, also unter den Zuhörern sitzen, mit anderen Beteiligten und noch ein bisschen mehr mitzukriegen als das, was in diesem ritualisierten Gerichtsprozess ja immer so abläuft. Es ist ja im Prinzip wie so ein Theaterstück, was da aufgeführt wird, könnte man sagen. Jeder hat seine Rolle und das ein bisschen zu durchbrechen, finde ich immer ganz hilfreich.

Und dementsprechend kommt es vor, dass man zu den Menschen, die auch so gut kennenlernt, man kriegt ja so intime Einblicke in das Leben der Menschen. Das hat schon was von einer gewissen Art von Bindung, kann man sagen, die da aufgebaut wird, bis zu einem gewissen Grad natürlich. Es ist immer klar, wir sind Außenstehende und so weit geht es in den meisten Fällen dann auch nicht.

Wie ist das denn? Nehmt mich mal mit, wenn man gerade auch so als angehender Kriminalreporter, wenn man gerade anfängt, ins Landgericht kommt, ist das ja wahrscheinlich erst mal sehr überfordernd und man schreibt den kompletten Block voll, weil man noch gar nicht filtern kann, was ist eigentlich wichtig für den Artikel, was nehme ich mit, was nicht.

Ändert sich das irgendwann oder schreibt ihr jetzt immer noch komplette Blöcke voll? Also ich schreibe alles mit tatsächlich, ob ich alles am Ende brauche, das ist eine andere Frage, aber eigentlich, also früher blöckeweise vollgeschrieben, bis die Hand wehgetan hat, bis man die Schrift auch nicht mehr lesen konnte, was mich dann immer sehr geärgert hat.

Mittlerweile schreibe ich alles mit einem Laptop mit. Ist jetzt vielleicht dann auch nicht ein fließender Satz, der dann am Ende bei rauskommt, aber stichwortartig kann ich dann doch so einen Prozess gut verfolgen. Aber letztendlich durch dieses Schreiben schon während des Gerichtsprozesses entsteht, bei mir zumindest beim Schreiben, auch schon im Kopf der Text.

Und manchmal brauche ich die Notizen dann schon gar nicht mehr. Weil ich dadurch, dass ich schon mitgeschrieben habe, eigentlich schon irgendwo weiß, die Richtung will ich noch mal gehen. Manchmal ein Zitat guckt man doch immer nach oder was hat jetzt der Richter oder ein Staatsanwalt oder ein Verteidiger an einer bestimmten Stelle gesagt, wie war das genaue Zitat des Angeklagten oder des Opfers an einer Stelle, aber eigentlich greife ich kaum noch drauf, dann am Ende zurück.

Ist das bei dir auch so? Es kommt mir bekannt vor, ich schreibe tatsächlich immer noch alles mit und alles per Hand, weil ich, also viele Kollegen machen das mit dem Laptop, ich finde das immer bewundernswert, ich kann so schnell nicht tippen und käme dann überhaupt nicht hinterher und außerdem habe ich das Gefühl, dass das per Handschreiben doch irgendwie was anderes macht mit den Gedanken, die man sich über das Thema schon macht, beim Schreiben, beim Mitschreiben.

Aber ich habe immer noch Panik, irgendwas Wichtiges zu verpassen und dann hinterher zu denken, also bei irgendeinem Prozess, der sich vielleicht auch nochmal entwickelt und wo man dann Jahre später nochmal drüber redet, oder wir sind ja inzwischen auch häufiger in so Fernsehdokumentationen, werden wir angefragt und dass man sich dann nochmal zurück erinnert.

Und dann denke ich immer, um Gottes Willen, wenn ich jetzt dieses Detail dann nicht mehr weiß in drei Jahren, das könnte ja eine Katastrophe sein, dann ärgere ich mich schwarz. Deswegen schreibe ich. So gut wie alles mit, manchmal kommt man nicht hinterher, aber das ist immer noch per Hand und tatsächlich ist es so, in 90% der Fälle schreibe ich meinen Artikel ohne einen einzigen Blick in meine Notizen zu werfen, weil sich das tatsächlich durchs Mitschreiben und Sortieren im Kopf schon so fügt, dass man eigentlich alle Stellen schon fast im Kopf hat, die als Zitate und als Szenen irgendwie wichtig sein könnten.

Ist das so ein Blogarchiv dann zu Hause? Das wollte ich auch gerade fragen. Das ist ein leidiges Thema. Ich habe so Einschlagmappen, in denen ich meine Notizen, ehrlich gesagt, recht wirr reinstopfe. Manche sind dann so dick, dass sie an den Seiten schon rausquellen, die Papiere. Ich habe auch schon versucht, Notizbücher zu nehmen, pro Fall ein Notizbuch, aber das klappt alles nicht, Weil dann klingelt das Telefon und man hat ja drei, vier Themen gleichzeitig, die man bearbeitet.

Dann ruft mal einen Verteidiger an oder man selber erreicht jemanden außerhalb der Gerichtsverhandlung. Das gehört zu unserer Arbeit ja auch dazu. Die Informationsakquise jenseits des Prozesses. Und dann habe ich meine Notizen auf fünf verschiedenen Blöcken. Also das mit den Büchern, das klappt nicht. Es ist weiter eine wirre Zettelsammlung.

Also kontrolliertes Chaos, das funktioniert ganz gut, das hat sich etabliert. Hattet ihr schon Fälle, vielleicht auch früher, vor allem wo ihr heute sagt, das würde ich heute ganz anders angehen, würde ich heute ganz anders machen, als ich es damals gemacht habe? Schreiben oder was meinst du? Schreiben, recherchieren.

Es ist ganz interessant, was ich bei mir beobachtet habe, bevor ich Vater geworden bin. Ich bin jetzt Vater einer vierjährigen Tochter und bevor das Kind halt ins Leben getreten ist, bin ich sehr viel abgebrühter an Fälle, Kindesmissbrauch oder alles, was mit Kindern zu tun hat, rangegangen. Mittlerweile tappe ich mich selbst dabei, dass ich manchmal im Gericht sitze und mir denke, gott wenn das einer mit meiner tochter machen würde und das hat schon auswirkungen also ich bin bin da auch mensch ich hab da auch emotionen das was ich auch mich dran also ganz schlimm fand ich persönlich muss ich auch zugeben den den prozess der immer noch läuft amokfahrt in magdeburg wenn man da teilweise hört was was da menschen familien kindern angetan wurde durch diesen täter.

Das ist schwierig, das vielleicht nicht zu verarbeiten, aber es ist schwierig, dann trotzdem neutral zu bleiben. Und das ist ja immer noch die Aufgabe dann dabei. Also ich merke, diese Fälle, die machen jetzt mittlerweile was mit mir. Ich hatte jetzt vor, ich glaube vor zwei Jahren, drei Jahren war es ein Missbrauchsfall innerhalb einer Familie, wo ein Onkel zwei Kinder über Jahre missbraucht hat und sie immer an der Schule, am Haus, bei der Wäsche, im Keller, bei jeder sich bietenden Gelegenheit abgepasst hat, um die Kinder zu vergewaltigen.

Wir sprechen da nicht über fünf Taten, wir sprechen über tausende Taten, die dann da zusammengekommen sind. Und das sind dann Fälle, also das lässt mich nicht kalt, sowas, gebe ich offen zu. Aber trotzdem muss ich mich bemühen, über sowas objektiv und neutral und fair auch vor allen Dingen, auch fair im Sinne des Angeklagten auch drüber zu schreiben.

Was ja spannend ist, weil man könnte ja auch meinen, wenn man das erstmal ein paar Jahre macht, ist man so abgestumpft, dass das einem nicht mehr so nah geht. Aber das klingt so, als wäre das überhaupt nicht der Fall. Na, man ist natürlich, man entwickelt eine gewisse Routine, was sowas angeht. Auch gerade, wenn es vor Gericht geht, weil ja alles sehr institutionalisiert ist, alles so seinen gewissen Ablauf dort befolgt, gibt es da oft Prozesse, die einen nicht so richtig überraschen, was dort passiert, weil ja auch viel im Vorfeld dann bekannt ist.

Aber manchmal gibt es tatsächlich Fälle, wo das ganze Ausmaß, was dort eigentlich passiert ist, erst in der Gerichtsverhandlung dann wirklich offenbar wird. Und das sind dann, es ist dann auch schwierig, darüber zu schreiben, was man letztendlich dem Leser dann noch zumuten kann. Reicht es, wenn man sagt, dass eine Tat brutal gewesen ist oder geht man tatsächlich in die Details rein?

Weil wir hier Kriminalinteressierte haben, kann ich ja ein Beispiel nennen, wo ich überlegt habe, jetzt auch Anschlag Magdeburg, wie weit geht man da in die Details rein? Es gab eine Situation, dass dort eine Frau, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn dort auf dem Weihnachtsmarkt war, von dem Auto erfasst worden ist und ziemlich schwer im Gesicht verletzt worden ist. Das wurde auch sehr detailliert beschrieben.

Alles aufgerissen, man konnte die Zahnhälse sehen, das Kind panisch geschrien, der Mann paralysiert. Schreibt man das jetzt? Schreibt man nicht. Man versucht zu umschreiben, aber man geht natürlich dann nicht in die Details rein, aber das sind natürlich auch Bilder, diese Vorstellungen, wenn man selbst nicht vor Ort gewesen ist, man entwickelt ja trotzdem Vorstellungen, wie das Ganze ausgesehen hat.

Es ist manchmal nicht leicht tatsächlich, aber ich weiß nicht, wie Eriks handhabt. Ich nehme das jetzt nicht mit nach Hause und liege die ganze Zeit nachts wach und überlege mir, Gott, oh Gott. Da ist schon eine gewisse Professionalisierung, dass man das dann natürlich dann auch professionell damit umgeht und abschalten kann.

Ja, Erik, wie ist das bei dir? Nimmst du auch mal Fälle mit nach Hause, die dich nicht loslassen? Ja, ganz ehrlich gesagt schon. Wahrscheinlich zu häufig, immer noch. Mich beschäftigen, Viele Fälle weit nach Feierabend, ich sag's mal so, nicht weil ich jetzt emotional die ganze Zeit so angefasst wäre oder so, sondern weil man sich dann schon einfach doch noch irgendwie damit auseinandersetzt und weil ich mich damit auseinandersetze.

Und da Fragen sind, die vielleicht irgendwie an einem nagen, manchmal aber auch diese Reflexion noch da ist, bin ich der Sache jetzt gerecht geworden, bin ich den Menschen gerecht geworden und hin und wieder bin ich mir dann nicht sicher und das arbeitet dann auch in mir nach, das ist schon so. Also um nochmal ganz kurz auf den Ausgang, auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, was gibt es Sachen, die wir anders machen würden, die ich anders machen würde?

Da gibt es ganz viele Dinge. Damit angefangen, dass man als damals noch etwas jüngerer, wenn auch nicht mehr jünger Reporter, als ich damit angefangen habe. Natürlich erstmal doch lernen musste. Also es war learning by doing. Es gab niemanden, der einem erklärt hat, wie macht man das am besten, sondern das sich ausprobieren und dann im Laufe der Zeit auch erst merken, ich muss und kann und soll an allen Stellen fragen und mir Informationen auch auf anderen Wegen im Zweifel verschaffen und das Gespräch auch suchen.

Das habe ich am Anfang nicht so gemacht, das habe ich dann aber recht schnell mir angeeignet. Und dann gibt es einen Fall, der sicherlich so, der auch zu denen gehört, die mich wahrscheinlich auch nie mehr so ganz loslassen, das ist der Justizütturm um Josefine R., wo ganz klar ist, da habe ich selber Fehler gemacht.

Das sind ja die Behauptungen einer jungen Frau aus Goslar, die erzählt hat, dass sie Missbrauchsopfer geworden ist seit ihrer Kindheit im Prinzip, von einem großen Täterkreis. Das ist hier in der Justiz auf frustbaren Boden gefallen, diese Behauptung. Und es gab zwei Prozesse mit Verurteilungen gegen vermeintliche Täter, über die habe ich berichtet.

Und da gibt es einen Punkt, aus dem ich sehr gelernt habe, das werde ich nie wieder so machen, nämlich, dass ich die Seite der vermeintlichen Täter, das waren in diesem Fall die Eltern der Lebensgefährtin von Josefine. Und auch Josefines Eltern, nicht selber nochmal gefragt habe, was die eigentlich dazu sagen.

Die haben sich vor Gericht nicht geäußert, die haben sich gegenüber der Polizei nicht geäußert, weil sie Angst hatten, wie ich im Nachhinein erfahren hatte, was man quasi daraus macht und ihre Anwälte ihnen geraten haben, schweigen sie. Und das waren so abstruse Vorwürfe im Nachhinein betrachtet, dass ich weiß, ich hätte sie eigentlich selbst fragen müssen.

Egal, was sie geantwortet hätten, aber ich habe das nicht getan und das... Nagt tatsächlich immer noch ein bisschen an mir. Das war ein Fehler, den würde ich so nicht mehr begehen. Aber einmal gemacht, kann man die natürlich auch nicht wieder zurückholen. Aber so lernt man dann, das ist jetzt eine große Geschichte, für mich jedenfalls eine große Geschichte, gibt auch Kleinigkeiten dann einfach, wie geht man mit Verteidigern um, die unterschiedliche Charaktere sind.

Mit manchen ist das einfacher, haben mit manchen nicht und auch auf Seiten der Staatsanwaltschaft oder Richter. Die wollen nicht unbedingt immer alle mit einem reden. Das sind dann auch so kleine Lernschritte, die man da hat. Aber wahrscheinlich gibt es auch Journalisten, die einfacher sind. Das ganz bestimmt.

Ja, wie geht man denn so eine Recherche an, wenn man jetzt so einen Gerichtsprozess hat? Ihr wollt mit Angehörigen sprechen, ihr wollt vielleicht mit Zeugen sprechen und so. Wo fängt man denn an? Vielen Dank. Ich fange einfach mal an, okay. Ich finde, das ergibt sich immer aus dem, also manchmal ergibt es sich schon im Vorfeld, weil man Kontakt aufnehmen kann mit einem der Beteiligten, weil man Informationen vielleicht schon hat über die Tatvorwürfe, über das vielleicht auch hinaus, was die Staatsanwaltschaft möglicherweise als Anklagevorwurf schon hat.

Und dann klopft man erstmal ab, wo vielleicht eine Gesprächsbereitschaft da ist. Also man fährt wirklich vor Ort, klopft mal an Haustüren? Das kann passieren, ja. Manchmal ist das so, es kommt ein bisschen auf die Sache drauf an. Ich persönlich bin nicht so, ich mag die Leute nicht gerne bei sich zu Hause überraschen und bedrängen, weil die fühlen sich dann oft bedrängt.

Das nennt man unter Journalisten, ist das so ein stehender Begriff der Witwin-Schüttler. Das finde ich sehr unangenehm, das möchte ich nicht gerne machen, weil niemand muss mit mir reden. Insofern finde ich es immer eher ganz angenehm, wenn die die Möglichkeit haben, darauf zu reagieren oder nicht. Also Telefonanruf zum Beispiel oder ich schreibe erstmal eine Mail.

Wenn ich dann eine Mail-Kontakt habe, um auszuloten, um erstmal mich anzukündigen, um zu sagen, hier, ich habe Interesse, würden Sie vielleicht mit mir reden, aus der und der Motivation heraus möchte ich das Thema aufgreifen und dann können die Menschen darauf reagieren oder nicht. Da ergibt sich immer mal wieder schon mal was und manchmal ist es dann auch so, dass man in die Hauptverhandlung schon kommt und relativ schnell, finde ich, spürt und merkt, wo kann man nochmal einhaken, wo kann man nochmal nachfragen.

Wie ist überhaupt die Gemengelage hier in der Sache? Also es ist ein bisschen Vorplanung und ein bisschen auch einfach spontan, was ergibt sich. Oft begleiten wir ja solche Fälle von Anfang an. Das heißt, wir sprechen zwar viel jetzt gerade über Gericht, aber wir sind ja auch Polizeireporter. Das heißt, wenn eine Tat passiert, sind wir auch draußen vor Ort.

Lernen dort natürlich auch schon Menschen kennen, wissen dann von der Polizei auch schon, um was es geht, hören uns dort um, haben vielleicht schon Kontakte zu Verteidigern aus dem Umfeld beispielsweise oder Erik gerade erklärt hat, dass man schon Kontakt dann halt aufnimmt. Also manche Fälle sind ein ganz langer Weg von der Tat bis es tatsächlich dann zum Prozess und bis zu einem Urteil kommt, da vergehen tatsächlich manchmal Jahre.

Und über diese Zeit lernt man dann natürlich auch die Leute kennen, die Anwälte kennen. Man spricht mit Staatsanwälten, die man vielleicht bei anderen Verfahren dann plötzlich trifft auf dem Flur. Kann man kurz mal abklopfen, wie schaut es denn aus, wie entwickelt sich so ein Fall. Man kennt halt seine Leute und wenn man sie nicht kennt, dann muss man versuchen, sie kennenzulernen.

Ja, wie wichtig ist das denn, die Kontakte zu haben, sich das Netzwerk aufzubauen? Hat ja auch viel mit Vertrauen zu tun, was man sich auch erarbeiten muss als Reporter. Ich glaube, wir beide haben ein relativ gutes Standing in Braunschweig, was das angeht, weil viele Leute auch wissen und einschätzen können, dass wir fair berichten, dass wir keinen Quatsch berichten, dass wir auch nach gewissen Standards unsere Arbeit machen.

Und das öffnet natürlich auch Türen, wenn Leute einfach wissen, ich kann dem Erik Westermann vertrauen, dem kann ich auch was erzählen und der schreibt das nicht gleich. Vieles ist auch erstmal nicht für die Berichterstattung in erster Linie interessant, sondern erstmal für uns, um etwas zu verstehen, was da passiert ist, wie sich eine Sache entwickelt, wo es möglicherweise im Prozess auch hingehen wird, was ein Anwalt vielleicht vorhat, was er plant.

Und dafür sind diese Kontakte wichtig und das gelingt natürlich dann auch wirklich über jahreslange Arbeit. Also manche Verteidiger tatsächlich, da braucht man einige Zeit, damit die Vertrauen schöpfen, weil sie auch natürlich auch in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Kollegen gemacht haben.

Wenn große Fälle hier in Braunschweig sind, schweben plötzlich die Reporter aus den großen Städten hier ein und in der Vergangenheit ist auch schon mal vorgekommen, dass da auch, tatsächlich verbrannte Erde dann hinterlassen worden ist, wofür wir uns rechtfertigen müssen. Dabei sind wir hier vor Ort, wir sind die Zeitung vor Ort, wir leben hier auch, wir sind auch das Gesicht dieser Zeitung und wir könnten uns das gar nicht erlauben, jetzt hier mit einem Flammenwerfer dann rumzuspazieren.

Das heißt aber auch, ihr müsst oftmals abwägen, weil du sagtest schon, Stichwort Konkurrenz, Konkurrenzdruck. Manchmal habt ihr vielleicht Informationen, wo man sagen könnte, das wäre jetzt was, womit wir rausgehen könnten, wir hätten das exklusiv, die Konkurrenz hätte das vielleicht nicht, aber sich dann wahrscheinlich doch dagegen entscheidet, weil man eben das Vertrauen von Ermittlern, Verteidigern, wem auch immer genießt.

Und da ein bisschen abwägen muss, was man schon rausbringt und was nicht. Ja, klar. Also natürlich haben sich die Zeiten verändert. Im Vergleich zu früheren Zeiten, ein Gerichts- oder Polizeireporter, diesen Druck, den wir heutzutage haben, auch online jetzt gleichzeitig zu bedienen, relativ schnell dann auch damit mit Geschichten rauszukommen, weil wir wissen, da gibt es Portale, die ebenso schnell sind, vielleicht manchmal sogar schneller sind als wir.

Das ist natürlich dann immer eine Herausforderung, auch immer eine Abwägung. Was machen wir jetzt? Halten wir vielleicht auch nochmal eine Information zurück? Sprechen wir nochmal mit der Polizei, was macht jetzt auch Sinn? Gerade in einem frühen Stadion von Ermittlungen ist es vielleicht auch gar nicht so gut, mit allem, was man weiß, gleich mal rauszugehen und möglicherweise damit Ermittlungen zu torpedieren.

Manchmal wissen wir relativ viel, aber halten damit tatsächlich zurück, eben damit die Polizei auch ermitteln kann in Ruhe. Ihr sagtet im Vorgespräch auch, besonders wichtig ist oder Grundvoraussetzungen sind Schnelligkeit und Belastbarkeit, aber eben auch Genauigkeit und Objektivität. Wie kriegt man das denn unter einen Hut? Weil man möchte ja meinen, je schneller man sein muss, desto fehleranfälliger ist es und desto ungenauer wird man vielleicht.

Wie kriegt ihr das hin? Objektiv bleiben, euch sortieren, aber gleichzeitig muss es irgendwie schnell gehen, es muss schnell raus, die Konkurrenz schläft nicht. Wie geht ihr damit um? Das ist Erfahrung, würde ich mal sagen. Ganz viel Erfahrung. Was man sich über Jahre halt angeeignet hat, was für Berufsanfänger sicherlich schwierig ist in dem Beruf, die sich dann, so wie wir damals auch, erstmal über so einen Amtsgerichtsprozess, erstmal ein bisschen mit dieser Materie dann vertraut machen.

Wir sind ja keine studierten Juristen, laufen da nicht mit dem Strafgesetzbuch rum, sondern wir beobachten ja viel. Wir umobachten viel, wir hören zu, wir schreiben auf. Und ja, halt Genauigkeit, ich meine, das ist bei jeder Aufgabe in der Lokalredaktion wichtig, dass das Sorgfalt, Genauigkeit, Rechtschreibung, dass das alles stimmt.

Das sind so die Standards, die muss man halt für diesen Job halt mitbringen. Aber eben bei Polizei und Gerichtsreportagen ist der Anspruch, finde ich, noch ein bisschen höher. Als vielleicht bei einer normalen Lokalgeschichte. Aber Erik, was sagst du? Ich würde das eh nicht sehen. Die Fallhöhe ist natürlich eine andere.

Schon auch immer im Hinterkopf haben, dass es um das Leben von Menschen geht. Wir berichten ja dann häufig über wirklich schwere Tatvorwürfe. Da wird also jemand gebranntmarkt im Zweifel. Umgekehrt gilt es natürlich genauso auch für die Geschädigten, für die Betroffenen, für die Opfer. Auch da muss man immer ein bisschen abwägen, wie weit kann man gehen, wie weit darf man gehen, was gehört berichtet, was nicht. Das ist quasi eine wichtige Kerninformation zum Verständnis des Ganzen.

Also Thema Kinder zum Beispiel. Kinder von Opfern nennt man das Alter. Da ist man möglichst zurückhaltend bei solchen Sachen, um die Leute nicht identifizierbar zu machen, obwohl es in den meisten Fällen sowieso so ist, dass sowas sich in unserer Region hier sehr stark rumspricht. Das weiß dann immer, das ganze Dorf weiß dann oft schon Bescheid und auch in Braunschweig ist das glaube ich nicht großartig anders in den Nachbarschaften.

Da muss man immer ein bisschen aufpassen, dass man nicht im Eifer des Gefechtes, weil auch bei Journalisten gibt es sowas wie so ein Jagdinstinkt, Und so wie das, glaube ich, bei Ermittlern auch irgendwie ist, dass man, wenn man dann erstmal irgendwo Witterung aufgenommen hat, dann packt einen so ein Adrenalinausstoß und man, ja, dass man davon nicht getragen wird, sondern dass man dann vorsichtig bleibt und sich dann nochmal wieder klar macht, so hier bis hierhin und jetzt erstmal nicht weiter.

Aber tatsächlich ist das hauptsächlich ein Erfahrungswert, finde ich. Also über die vergangenen Jahre hat man dann auch Stück für Stück noch mal was dazugelernt. Glücklicherweise in den meisten Fällen jetzt nicht, weil riesige Fehler passiert sind, sondern nur, weil man gemerkt hat, okay, das könnte ich beim nächsten Mal vielleicht auch anders machen.

Also das ist, glaube ich, die Erfahrung da das Wichtigste. Du sagtest ja auch gerade im Umgang mit Opfern und Angehörigen, da ist ja auch Ethik unverzichtbar. Wie geht ihr das an? Einerseits wollt ihr Informationen sammeln, andererseits will man nicht pietätlos wirken im Gespräch mit Angehörigen, vielleicht auch mit den Opfern, selbst mit den Tätern, wenn ihr mal zu einem Gespräch mit denen kommt.

Da gehört ja auch sehr viel Feingefühl zu, Menschenkenntnis, ist das eine Voraussetzung für den Job oder meint ihr, das kann man sich auch aneignen über die Jahre? Entschuldigung, ich glaube, das kann man sich aneignen, aber so eine Grundempathie gehört, glaube ich, schon dazu. Also Interesse an Menschen, wissen wollen, was ist da passiert, was geht denen vor, was sind das für Personen.

Und wenn es dann jetzt zum Beispiel um Opfer geht, ist ganz klar so, dass man schon so ein bisschen lernt abzulesen, ist das jemand, der vielleicht bereit wäre, etwas zu sagen oder nicht. Und dann, wenn man sich unsicher ist, fragt man, wir sind ja zum Teil auch selber anwaltig vertreten, erstmal den Opferanwalt, die Opferanwältin und kann das ein bisschen ausloten.

Und wenn man merkt, da ist keine Bereitschaft da oder die sind zu angefasst, die sind psychisch so mitgenommen, dass das keinen Sinn macht, dann breche ich das sofort ab. Und ansonsten hat sich bewährt, einfach freundlich zu fragen. Ganz so, wie man möchte, dass mit einem selber auch umgegangen wird, so begegnet man den Menschen, man fragt freundlich, man sagt, wer man ist und was man möchte und macht da keinen großen Hehl draus.

Und erstaunlich häufig ist es so, dass ein freundliches Fragen eine freundliche Antwort hervorbringt und man damit was anfangen kann. Und wenn das dann nicht geht, dann ist das einfach manchmal so, Aber ich fände es unlauter, die Leute zu bedrängen oder unter Druck zu setzen. Da gibt es Kollegen, die machen das auch. Die arbeiten da mit anderen Mitteln manchmal.

Aber ich finde, das verbietet sich. Das kann ich nur unterschreiben. Ich finde wichtig ist, dass man Mensch bleibt und das Gegenüber auch den Menschen immer aussieht. Auch wenn die Geschichte, die dahinter steht, noch so groß ist und man das Gefühl hat, das interessiert viele Leute und man erreicht viele Leser damit, finde ich es immer halt wichtig, tatsächlich Mensch zu bleiben.

Und meine Erfahrung ist auch, gerade wenn es um Berichterstattung geht, mit Opfern, wenn man mit denen zu tun hat, dass man ihnen die Möglichkeit einräumt, auch bis zu einem gewissen Schritt, möglicherweise auch sogar bis zum Ende zu sagen, sie haben immer noch die Möglichkeit zu sagen, wir machen jetzt einen Cut, die Geschichte wird nicht veröffentlicht.

Kann auch passieren, dass dann so eine gesamte Geschichte dann vielleicht überhaupt nicht veröffentlicht wird. Ich habe es noch nie erlebt. Aber es ist gerade für Opfer von Straftaten wichtig, dieses Gefühl zu haben, die Kontrolle wieder zurückzubekommen. Gerade, wenn sie Opfer geworden sind durch einen Täter, sag ich mal, gewissermaßen instrumentalisiert worden sind, dann kommen sie in diese ganze Mühle von der Polizei, wo Sachen mit ihnen gemacht werden, Beweissicherung, dies, das.

Im Grunde genommen wird die ganze Zeit irgendwas mit ihnen gemacht und ich gebe ihnen dann die Möglichkeit zu sagen sie haben die Entscheidung sie können sagen was sie wollen was sie nicht wollen und ich, Wenn wir normalerweise Interviews bei uns in der Zeitung abdrucken, dann ist ja die Regel auch, dass wir Texte dann noch mal vorlegen.

Und ich gehe dann auch jeden einzelnen Satz tatsächlich mit den Betroffenen durch, damit sie am Ende das Gefühl haben, sie sind hier nicht über den Tisch gezogen worden, sondern sie können mit dieser Geschichte dann tatsächlich auch weiterleben. Weil in der heutigen Zeit ist kein Geheimnis, wenn was veröffentlicht wird.

Das steht für Jahre dann im Netz und das kriegt man auch nicht wieder raus. Und das sage ich auch Betroffenen dann, sie müssen damit dran denken, dass möglicherweise diese Geschichte auch nie wieder irgendwie einzukassieren ist, die wird dann auch bleiben. Also ich spiele damit relativ mit offenen Karten und ich habe den Eindruck, wenn man mit offenen Karten spielt, wenn man fair und anständig bleibt, dass dann ein Vertrauensverhältnis dann auch möglich ist, das dann letztendlich auch gewisse Geschichten dann ermöglicht, die vielleicht andere nicht hinbekommen, die dann einfach nur auf den Scoop aus sind wo es einfach nur knallt aber das ist nicht so unser Anspruch würde ich sagen.

Ach nee, man hat sicherlich nichts dagegen, wenn eine exklusive, tolle und große Geschichte einem in die Hände fällt, das ist schon so, aber das, was Hendrik gesagt hat, würde ich unterschreiben, respektvoll mit den Leuten umzugehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Kontrolle zurückzugewinnen, ist glaube ich etwas, was ganz wichtig ist.

Und was dann am Ende aber auch vielleicht sogar eher zum Ziel führt, als das anders zu machen. Also es ist für beide Seiten, glaube ich, der richtige Weg, so vorzugehen. Wenn jemand das dann per Tour nicht möchte und die Notbremse zieht, dann ist das legitim. Ist auch schon vorgekommen bei mir, aber verhältnismäßig selten.

Und ja, ich würde immer noch dabei bleiben, der respektvolle Umgang ist das, was hilft, aber das ist nicht nur bei Geschädigten so, sondern das wünscht sich am Ende jeder. Respektvoller Umgang mit den Menschen, ich kann mir aber auch vorstellen, es gehen ja vielleicht auch nicht alle respektvoll mit euch um, je nachdem, was ihr so berichtet.

Ihr schreibt wahrscheinlich auch mal Sachen, die den Leuten nicht so gut passen, was ihr da geschrieben habt. Hattet ihr das schon mal in den Jahren, dass ihr euch irgendwie dass ihr bedroht wurdet, dass ihr euch bedroht gefühlt habt, dass ihr euch irgendwie in Gefahr begeben habt durch den Job? Salzgitter? Ja, tatsächlich Salzgitter, aber nur so ein bisschen.

Auch Braunschweig, also eine Mischung. Das ist tatsächlich ungewöhnlich gewesen, auch für mich als Gerichtsreporter. Ein junger Mann, der gegen zahlreiche Missbrauchstaten verurteilt wurde und jetzt am Ende auch in Sicherungsverwahrung gegangen ist. Das heißt, anschließend an seiner Haftstrafe bleibt er auf möglicherweise unbestimmte Zeit nicht hinter Gittern, aber in einer Einrichtung, in einer geschlossenen.

Und der war, ich möchte mal sagen, verhaltensauffällig, auch im Prozess. Der hat mehrere Wachtmeister zu Boden gebracht, verletzt, hat sich gesperrt mit allem, was er hatte, dagegen in den Saal gebracht zu werden. Und der hat dann auch Drogen ausgestoßen. Also der wollte nicht in den Saal, solange ich da drin sitze.

Der hat sich geweigert und hat einen riesen Theater veranstaltet. Und dann auch Drogen ausgestoßen. Wie, keine Ahnung, wenn ich wieder raus bin, dann naja. Aber das kommt eigentlich verhältnismäßig selten vor. Das war für mich das erste und einzige Mal, wo sowas wirklich passiert ist. Latente Drohungen dann schon ab und zu mal, je nachdem, über welche Kontexte man so berichtet, also Clan zum Beispiel ist dann so ein Bereich, wo es dann schon mal so Äußerungen gibt, die rein über zwei, drei Ecken erreichen, aber konkreter ist das für mich bisher noch nie geworden.

Hendrik? Ich überlege die ganze Zeit. Also mir fällt nur eine Sache ein, tatsächlich Rechtsradikale. War eine Geschichte, wo ich einem relativ lange auf der Spur geblieben bin. Einer, der im rechten Kontext auch relativ viel organisiert hat, der sich dann vor die Redaktion, in der ich dann damals gearbeitet habe, dann mit seinen Kumpels hingestellt hat, vor der Redaktion zusammen ein Foto gemacht hat, wie sie da stehen und das Foto in den Briefkasten reingesteckt haben.

Ich habe das jetzt nicht als konkrete Bedrohung wahrgenommen, das war jetzt so ein bisschen, wir wollten ein Zeichen setzen. Ein bisschen einschüchtern. Ja, irgendwie sowas. Aber dass jetzt tatsächlich irgendwie persönlich was gegen mich gedrungen, das fällt mir jetzt nicht an, nein. Aber ich will es gar nicht bagatellisieren, es gibt sicherlich in anderen Bundesländern, da muss man nur mal über die Grenze gucken, Richtung Osten, da gibt es sicherlich Kollegen, da ist das real, da sind die Bedrohungen nicht so, wir reden jetzt relativ locker darüber, aber da ist es real und das sind Bedrohungen dann und das sollte man auch nicht kleinreden dann.

Mir fällt dazu noch eine Anekdote ein, das ist keine Bedrohung gewesen, aber ich erinnere mich noch daran, dass ich mal berichtet habe im Kontext eines großen Industriebetriebs hier in der Region und da ging es auch um Straftaten. Und dann hat ein Motorradfahrer, ist hier vorgefahren, das war noch hier, war unten hier in der Lobby auch, also genau hier, wo wir jetzt sitzen, kam ein Motorradfahrer rein, stieg ab von seinem Motorrad mit Helm auf, Visier unten und gab dann ein Paket ab am Empfang mit den Worten, das ist für einen Westermann.

Und die Mitarbeiter hier waren so ein bisschen verängstigt und dachten, naja, da gibt es sich nicht zu erkennen. Der wollte auch, dass die Visier nicht hochklappen. Was ist das für ein Paket? Die haben dann die Polizei gerufen. Die Polizei ist gekommen und hat das Paket geschüttelt. Haben sie erst die Polizei gerufen und dann dir Bescheid gesagt? Oder warst du im Bild?

Ich habe mir das hinterher erzählen lassen und die haben das dann untersucht und haben festgestellt, Naja, es wirkt wie ein Paket, nichts Dramatisches. Es war dann am Ende tatsächlich ein Tippgeber, der Sachen hier abgegeben hat, Unterlagen, aber das verdeutlicht mal so ein bisschen, dass dann manchmal schon etwas mehr Aufregung auch in die Sache kommt und man, ja, dass sowas vielleicht auch mal kippen könnte.

Der gute alte Schütteltest, ne? Genau. Keine Bombe. Ungefährlich, keine Ahnung. Was würdet ihr sagen ist das schwierigste an eurem Job? Als Polizeigrechtsreporter oder als Journalist? Sowohl als auch. Erik hat es schon gesagt, glaube ich, wirklich allem gerecht zu werden. Und gerade bei Polizeigerichtsbestattung hat man wirklich alle Seiten dieser Geschichte dann auch betrachtet, fair betrachtet.

Alle Aspekte mit reingebracht in so eine Geschichte, das ist schon eine Herausforderung, finde ich, oder? Ja, das wäre auch genau meine Antwort gewesen. Also der Versuch, einem gerecht zu werden, das kann man natürlich nicht immer und eine gewisse Wertung muss man natürlich auch vornehmen, also sie sollte möglichst klein ausfallen, die Wertung überlassen wir ja eigentlich anderen.

Das finde ich das herausforderndste, einem gerecht zu werden. Das ist das, was mich tatsächlich auch am meisten beschäftigt, weil manchmal merkt man hinterher, man hat es vielleicht dann doch nicht ganz so geschafft, wie man das wollte, weil man bestimmte Dinge einfach nicht wusste. Aber das ist auf jeden Fall das, was ich am schwierigsten finde.

Es kommt tatsächlich manchmal vor, nicht oft, aber es kommt manchmal vor, dass ich nachts anscheinend dann irgendwie diesen Text, den ich geschrieben habe, nochmal im Kopf durchgehe. Heutzutage haben wir ja viel Homeoffice, Computer zu Hause, müssen nicht mehr extra in die Redaktion fahren, sondern fällt mir nachts mal ein, oh Gott, jetzt hast du deinen Fehler provoziert.

Dann setze mich nachts nochmal ran und schreibe nochmal den anderen Artikel rum. Sollte nicht die Regel sein, ist auch nicht gesund, aber manchmal merkt man so, wie das Unterbewusstsein da noch weiter arbeitet an so einer Geschichte. Und dann plötzlich wachst du nachts auf um zwei und sagst, oh Gott, oh Gott, was hast du denn da geschrieben? Jetzt musst du nochmal ran.

Es ist witzig, dass du das sagst. Wir haben ja noch nie drüber geredet, was man hier vor laufender Kamera über die Kollegen erfährt, das geht mir nämlich ganz genauso. Ich habe das früher mehr gehabt, das ist weniger geworden, dass ich. Vor allem nach größeren Prozessen und entsprechenden Texten, dass ich nachts aufgewacht bin und mein Gehirn diesen Text im Schlaf irgendwie durchgegangen ist und dann bin ich, saß ich auf einmal senkrecht im Bett, weil ich dachte, oh Gott, an der Stelle hast du einen Fehler produziert.

Also im Schlaf ist das, ich kann mir das bis heute nicht so richtig gut erklären, und da danke ich dem Homeoffice genau, dass wir inzwischen von zu Hause an Texte ran können. Meistens sind das nur Kleinigkeiten, aber da ist mal das Alter falsch gewesen oder so. Solche Sachen. Aber das ist schon ärgerlich. Ja genau, es ist also das reicht schon, sowas soll schon nicht sein und also zumindestens, ich glaube es ist bei uns beiden ähnlich, dass der Anspruch ist, dass das bis ins letzte Detail eigentlich stimmen soll.

Und schon bemerkenswert, was das Gehirn im Schlaf so macht. Jetzt sitzt hier unsere Chefredakteurin, unsere Stellvertretende hinten, jetzt überlegt sich, wie die ganzen Überstunden zustande kommen. Ich schreibe ich nicht auf. Man kann bei unseren Online-Artikeln nachvollziehen, wer wann im Artikel war und was geändert wurde. Das heißt, ich kann eurer Artikel jetzt mal durchgehen und gucken.

Ah, 4.03 Uhr, da war Erik nochmal dran. Lieber nicht, bitte. Was ist denn da passiert? Dann kann ich mal gucken, was ihr geändert habt. Okay, das ist das Schwierigste an eurem Job. Erik, du sagtest das eingangs schon, dass Spaß ist irgendwie fehl am Platz bei dem, was ihr tut, der Begriff. Aber irgendwas muss euch an dem Job ja auch gefallen. Das muss euch ja auch irgendwas geben. Was würdet ihr sagen, was macht euch denn, was macht euch Spaß an eurer Arbeit, in Anführungszeichen?

Also ich glaube, dass es ein faszinierendes Thema ist. Faszinierende Menschen, im Guten wie im Schlechten, man lernt wahnsinnig viel über Menschen, weil man ja Einblicke kriegt, die man sonst nie bekäme. Also bis quasi ins Innerste der Personen, soweit man das dann kann, kriegt man was mit von deren Leben und zu was sie fähig sind.

Auch das wieder im Guten wie im Schlechten. Das ist das, was ich eigentlich am spannendsten an allem finde. Das sind die Menschen am Ende noch. Weniger die Geschichten an sich, sondern mehr die Personen, um die es da geht. Weil da sind schon faszinierende Charaktere dabei, manchmal aber auch so Randfiguren, die jetzt gar nicht im Zentrum des Prozesses vielleicht stehen.

Also weder die Täter noch die Opfer, sondern ein Helfer, der irgendwie selbstlos da irgendwie in die Bresche gesprungen ist und versucht hat, jemanden zu retten. Sowas kann dann einfach auch mal ganz faszinierend sein oder man kriegt so Schlaglichter auf Leben und Lebensläufe und das finde ich immer noch am spannendsten.

Also eigentlich ist das der Grund, warum ich überhaupt bei dem Beruf geblieben bin und das ist jetzt nur in einer besonderen Ausprägung so, mit Einblicken, die noch tiefer sind, als ich sie je eigentlich bekommen habe. Hat ein bisschen was mit Neugier zu tun vielleicht, aber eben auch etwas über Menschen zu erfahren, das finde ich immer wieder besonders spannend.

Kann ich so unterschreiben, hat genau die richtigen Punkte getroffen. Ich würde vielleicht auch sagen, man lernt auch ein bisschen was über sich selbst vielleicht. Es gibt sicherlich Situationen im Leben, wo man auch an gewisse Grenzen kommt. Eine Partnerschaft vielleicht oder Zufallsbegegnungen in der Stadt abends.

Und es gibt ja bestimmte Gründe, warum wir reagieren, wie wir reagieren. Hat viel mit Erziehung zu tun, Sozialisierung und, deswegen der Großteil der Menschen wird ja auch nicht kriminell die ziehen sich dann eher zurück oder es gibt eine Bremse im Kopf aber es gibt halt bei bestimmten Menschen dann immer Kipppunkte, wo diese Bremse dann nicht mehr funktioniert und wo dann irgendwas passiert, und das ist interessant, und ich glaube das interessiert auch viele Menschen tatsächlich.

Warum es zu solchen taten dann manchmal kommt das hast du glaube ich auch am anfang gesagt erik es kann jeden treffen oder es kann jedem passieren ist das kann jeder mensch zum täter werden, Also da bin ich ganz sicher, dass das so ist mit der Meinung, das ist auch keine exklusive Meinung, sondern die haben auch andere, die sich mit dem Thema befasst haben, also eine Oberstaatsanwältin, die vor kurzem aus dem Dienst geschieden ist, die hat mal gegenüber einer Kollegin auch gesagt, wenn ich eine Sache gelernt habe aus dem Beruf, ist, dass ich jedem Menschen alles zutraue.

Klingt erstmal hart, heißt aber auch, im Guten wie im Schlechten. Also ich glaube, jeder Mensch ist zu allem fähig, wenn er nur in diese spezielle Situation kommt, die ihn dazu bringt. Auch wenn man das selber für sich nie für möglich halten würde. Weil oft genug sehen wir Menschen, die vor Gericht bestürzt sind über das, was sie selber getan haben.

Es gibt natürlich auch die anderen, die alles abstreiten und immer wieder auch welche, die es dann am Ende vielleicht gar nicht waren. Aber das ist was, was man schon insofern auch über sich selber lernt, nicht auszuschließen, dass einem das auch passieren könnte. Aber vielleicht wappnet einen das Gerichtsreporter-Sein vor dem einen oder anderen Fehler, weil man schon mal gesehen hat, wie es laufen kann. Hoffe ich.

Also ich will definitiv nicht auf der Anklagebank sitzen. Und dann Erik sitzt hinten und schreibt über mich. Da würde ich besonders hart auch rangehen. Also da würde ich aufpassen. Wie geht ihr heute durch die Welt? Habt ihr von dieser ganzen Arbeit, von diesen ganzen Fällen, die ihr mitgenommen habt, die ihr erlebt habt, habt ihr da einen Knacks irgendwie mitgetragen?

Geht ihr jetzt über die offene Straße, guckt jeden Menschen an und denkt, du hast doch Dreck am Stecken, da ist doch irgendwas. Wie Erik gesagt hat, es kann jeder manchmal auch sein. Wir haben alles schon erlebt vor Gericht. Managertypen, Familienväter, ganz anständige Leute, die dann plötzlich auf der Anklagebank sitzen.

Also so ein Grundmisstrauen gegen die Menschheit, das haben wir, glaube ich, nicht entwickelt. Aber ich glaube schon, so ein Misstrauen bei bestimmten Situationen, das schon. Also wenn ich jetzt abends durch die Stadt gehen würde, gewisse Zusammenballungen beispielsweise jetzt an bestimmten Stellen in der Stadt sehen würde, mit meiner Erfahrung als Polizeireporter würde ich sagen, wenn ich gerade mit meiner Frau unterwegs bin, würde ich sagen, gehen wir mal lieber andersrum.

Das würde ich schon sagen. Also es gab eine Zeit, da war mein Menschenbild getrübt durch das, was ich im Gericht und die Kriminalberichterstattung so mitbekommen habe. Da habe ich schon gemerkt, dass mein Bild der Menschen negativer geworden ist. Das hat sich wieder gegeben ein bisschen. Am Ende ist es so, man lernt vielleicht noch ein bisschen genauer hinzugucken.

Aber im Großen und Ganzen ist uns ja recht klar auch, dass es wirklich so ist, dass ein verschwindend geringer Bruchteil der Menschen wirklich schwere Straftaten begeht. Und das oft auch nur an sehr speziellen Situationen. Und außerdem gibt es auch so viel Gutes dann immer noch zu sehen und zu entdecken, dass das wieder ausgleicht, finde ich.

Wenn ihr ein Buch schreiben würdet mit dem Titel Dinge, die man als Täter besser nicht tun sollte. Was wäre das erste Kapitel? Dinge, die man was? Dinge, die man als Täter besser nicht tun sollte. Das Smartphone mitnehmen? Smartphone ausstellen, sofort zu Hause lassen, nicht mitnehmen. Den Google-Suchverlauf speichern? Nichts mit dem Computer machen, auf jeden Fall.

Also nicht irgendwie gucken, wie lasse ich eine Leiche verschwinden, ganz doof. Chat-GPT-Verlauf mittlerweile. Nein, nein, nein. Nichts mit dem Computer machen, nichts mit dem Handy machen, Handy weg. Alufolie drum, weg. Wir wollen ja keine Tipps geben eigentlich. Das entwickelt sich so ein bisschen in eine schwierige Richtung vielleicht gerade und nicht, dass uns das hinterher aufs Brot gesperrt wird.

Ganzkörperanzug ist auch nicht schlecht, damit man kein Haar verliert. Es ist schon erstaunlich am Ende des Tages, welche Fehler dann am Ende doch, und das ist ja auch gut so, weil sonst gäbe es ja vielleicht noch mehr unaufgeklärte und nie gesühnte Verbrechen, welche Fehler dann doch so gemacht werden.

Aber wir haben schon so ein paar Sachen angerissen jetzt, die, glaube ich, sehr typisch sind. Aber das wollen wir vielleicht nicht weiter vertiefen. Wir können sagen, wenn ihr zwei zu Tätern werden solltet, wahrscheinlich werden wir es nie rausfinden, weil ihr seid gut geschult. Das glaube ich nicht.

Die Polizei mittlerweile, die auch immer mehr auf wissenschaftliche Methoden zurückgreift, die ist so gut und die greifen ja auch immer wieder neueste wissenschaftliche entwicklung auf also sachen wo wir jetzt gar nicht dran denken die sehen was im fernsehen und das könnte man für den fall dann verwenden und da werden fälle gelöst.

Jetzt sage ich mal Fingerabdrücke, dass ein Haar gefunden wird, klar, das ist so das einmal eins von der Polizeiarbeit. Aber was da teilweise für Sachen rausgezaubert werden, wir hatten einen Fall in Sachsen-Anhalt, wo ein Mann seine Freundin, die er loswerden wollte, dann ermordet hat und anhand eines Fahrtenschreibers Das konnten dann Informatiker nachzeichnen, wie der Weg von dem Tatauto dann verlaufen ist, inklusive Bremsen an Kreuzungen und Abbiegen und alles.

Und konnten am Ende genau sagen, wo er langgefahren ist und wo er die Leiche versteckt hat. Das ist Wahnsinn. Was die technische Entwicklung auch für die Kriminalarbeit vorruft. Also ich bin ganz sicher, sage ich mal, einen perfekten Mord, wahrscheinlich gibt es ihn gar nicht. Das heißt, ihr habt Vertrauen in die Polizei und auch in unser Justizsystem?

Das ist eine schwierige Frage. Da muss Erik jetzt was zu sagen, glaube ich, weil er natürlich die Erfahrung hat, wo es auch dumm laufen kann. Grundsätzlich schon. Also grundsätzlich würde ich sagen, ist das Bild der Justiz und auch der Polizei in Teilen der Öffentlichkeit zu negativ. Ich glaube und habe den Eindruck, dass da sehr viele Menschen sind, die einen sehr guten Job machen und ihr Möglichstes tun, um die Wahrheit aufzuklären und Gerechtigkeit zu finden.

Das klappt nicht immer, weil, Das System Probleme hat, weil da auch nur Menschen sitzen, weil auch das nur Menschen sind. Insofern passieren da auch Fehler. Aber im Großen und Ganzen würde ich sagen, habe ich das Gefühl, mein Bild der Polizei und der Justiz ist positiver als das von vielen anderen, die da grundsätzlich Dinge unterstellen, die negativ sind.

Das würde ich nicht so unterschreiben. Aber es gibt natürlich auch schlechte Eigenschaften in Polizisten und Juristen. Faulheit, Gleichgültigkeit, sowas kommt überall vor in jedem Beruf und an der Stelle ist das natürlich dann besonders problematisch. Und da gibt es schon manchmal so Erlebnisse und Details, die einen dann so ein bisschen skeptisch werden lassen.

Aber ich glaube, am Ende ist das damit zu erklären, das sind einfach Menschen. Man kann nur versuchen, das bestmöglich auszumerzen und versuchen, so Leitlinien zu finden, die dafür sorgen, dass diese Fehlerquellen möglichst klein werden. Und da ist auch noch ein bisschen Luft nach oben, was Fehlerkultur angeht.

Das ist nochmal so ganz am Rande, sowohl was die Polizei angeht. Die ist da nicht besonders gut drin in meiner Erfahrung, die Justiz aber auch nicht. Und wenn wir das Ganze jetzt mal auf eine egalitäre Ebene heben wollen, auch Journalisten sind meist nicht besonders gut darin, eigene Fehler einzuräumen.

Ist auch nicht einfach, aber ich glaube, es wäre ganz gut, wenn da mehr möglich wäre und man da vielleicht auch wertungsfreier, vorwurfsfreier über Fehler sprechen würde, um einfach zu verhindern, dass sie für die Zukunft nochmal passieren. Bevor ich mich jetzt im Kopf und Kragen rede, höre ich jetzt lieber auf. Alles soweit richtig.

Ich meine, wir leben in einer Zeit, wo natürlich viele Sachen immer weiter hinterfragt werden. Dazu gehören natürlich auch Gerichtsurteile, Prozesse. Ich halte es wie Erik, ich sage, wir haben ein sehr gutes Rechtssystem, das funktioniert, am besten funktioniert im Vergleich auch zu anderen Ländern. Was man natürlich sehen kann, ist, dass gerade so in Diskussionen bei bestimmten Fällen schon eine Entwicklung da ist, dass Menschen, ich möchte fast sagen, totalitäre Vorstellungen haben, was mit Straftätern oder auch schon mit Verdächtigen geschehen soll.

Und dafür ist natürlich dann auch das, was wir hier machen, die Gerichts- und Polizeiberichterstattung natürlich auch da, auch zu vermitteln, wie funktioniert unser Rechtssystem und warum ist unser Rechtssystem auch gut. Zumindest auch unsere Aufgabe dann da drin. Ja, ich glaube, das ist eine ganz wichtige Aufgabe.

Das kommt manchmal vielleicht sogar noch zu kurz, das müsste man noch ein bisschen mehr herausarbeiten, dass nur wenn die Leute verstehen, warum, wie ein Urteil zustande kommt, also Ermittlungen ablaufen, es zur Anklage kommt, ein Urteil gefunden wird und aus welchen Gründen dann so entschieden wird.

Funktioniert ja irgendwie so eine Demokratie. Also wenn die Leute nicht daran glauben, dass das Rechtssystem funktioniert, dann untergräbt das auch die Demokratie. Und deswegen halte ich das eben genauso für wichtig, dass das gut erklärt wird. Manche Entscheidungen sind dann trotzdem nicht nachvollziehbar, das kommt manchmal einfach vor, aber dieses pauschale Urteil von außen, was man häufiger hört, sowieso alles immer nur Bewährungsstrafe und alles viel zu lasch und im Extremfall dann am besten gleich am nächsten Baum aufknüpfen.

Das hört man ja schon hin und wieder mal. Das finde ich dann ein bisschen sehr undifferenziert und auch erschreckend. Also da kann man nur versuchen ein bisschen gegenzuarbeiten. Das klappt mal mehr, mal weniger, aber das ist zumindest was, was man... Immer mitdenken. Und natürlich auch, dass ein Täter auch Menschenbehörde hat.

Da wird auch Rezozialisierung dazu. Und dass wir als Gesellschaft natürlich dann auch akzeptieren müssen, auch wenn einer verdächtig ist, auch wenn gegen ihn ermittelt wird, wenn er aus der Haftheit lassen wird. Ich habe da einen bestimmten Fall im Hinterkopf, vielleicht weiß das der eine oder andere, was ich da anspreche, dass man auch akzeptieren muss, dass so ein Mensch auch ein Recht hat, wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden.

Und dass wir uns vielleicht auch als Gesellschaft, auch wenn es schwerfällt, auch bemühen müssen, dann diese Wiedereingliederung zu ermöglichen. Ich finde, das ist ein sehr schönes Schlusswort. Und es beruhigt mich, dass ihr mit den ganzen Erfahrungen, die ihr habt, mit den Einblicken in Justiz, in Polizeiarbeit, mit den menschlichen Abgründen, die ihr schon gesehen habt, trotzdem noch ein grundsätzliches Vertrauen habt in das System in Deutschland und auch in die Menschen an sich.

Und danke euch ganz herzlich, dass ihr heute Einblicke gegeben habt in eure Arbeit. Ich hoffe, wir konnten es ein bisschen transparenter machen Und für alle, dass sie gute Einsicht bekommen haben, wie unsere beiden Kriminalreporter bei der Braunschweiger Zeitung arbeiten. Und an der Stelle würde ich sagen, danke, dass Sie alle hier waren.

Danke fürs Einschalten und danke euch beiden für eure Arbeit und für die Einblicke heute. Danke.

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