
Wieder was gelernt - der ntv-Podcast
Teure WM-Tickets: Gianni Infantino hat in einem Punkt alles richtig gemacht
Freitag, 10. Juli 2026 · 12 min
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Shownotes
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Die FIFA, das ist schon jetzt klar, wird die Fußball-WM 2026 als Erfolg verkaufen. Zu Recht. Zumindest der Blick auf die Finanzzahlen wird kein anderes Fazit zulassen. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat das Ziel der Erlösmaximierung auf die Spitze getrieben und deshalb finanziell gesehen alles richtig gemacht, sagt Ökonom Dominik Schreyer.
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Moderation: Kevin Schulte (x.com/SchulteKev)
Zu Gast: Dominik Schreyer (whu.edu/de/fakultaet-forschung/entrepreneurshi…)
Das Interview mit Dominik Schreyer führte Stephan Uersfeld (n-tv.de/autoren/Stephan-Uersfeld-article241178…). Sie können es hier (n-tv.de/sport/fussball-wm/Gianni-Infantino-hat…) auch lesen.
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Die FIFA, das ist schon jetzt klar, wird die Fußball-WM 2026 als Erfolg verkaufen. Zurecht. Wenn man die Finanzzahlen anschaut, kann es jedenfalls keine zwei Meinungen geben. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat alles richtig gemacht, sagt Ökonom Dominik Schreier. Infantino hat das Ziel der Erlös-Maximierung auf die Spitze getrieben.
Darum geht es in dieser Folge von Wieder was gelernt. Das ist der Podcast von NTV. Wenn Sie mehr zur Fußball-Weltmeisterschaft mit Blick auf das Geschehen auf dem Platz hören wollen, dann schalten Sie unbedingt auch NTV Sport ein. Dort gibt es derzeit nach jedem Spieltag eine neue Folge zur Fußball-WM.
Ich bin Kevin Schulte, vielen Dank fürs Einschalten und los geht's. Vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft gab es viel Kritik. Die Ticketpreise seien viel zu hoch, die Stadien würden nicht voll werden. Der FIFA drohe ein Desaster wie bei der Club-WM vergangenes Jahr in den USA. Als tausende Plätze in den Stadien leer geblieben und die Ticketpreise Mangelsinteresse selbst für das Halbfinale zwischen Chelsea und Fluminense auf teils 9 Euro gefallen sind.
Kurz bevor dieses Turnier nächste Woche Sonntag mit dem großen Finale in New York endet, lässt sich aber längst feststellen, die Stadien sind voll, die Zuschauer zahlen ein absoluter Erfolg für die FIFA. Wenn überhaupt, sind pro Spiel nur wenige hundert Plätze freigeblieben oder nur wenige Tickets wurden nicht verkauft, sagt die FIFA.
Denn ein paar Ausnahmen gibt es schon, die Zweifel lassen an der Darstellung des Fußball-Weltverbands Südkorea gegen Tschechien etwa, direkt am ersten WM-Tag. Es wirkte jedenfalls weit entfernt von ausverkaufter Spiel. Die FIFA hat gesagt, die Menschen waren im Stadion, nur nicht eben die ganze Zeit an ihrem Platz.
Ob das stimmt, werden wir nie erfahren, sagt Dominik Schreier. Er ist Professor für Sportökonomie an der WHU Otto Beisheim School of Management und leitet dort das Zentrum für Sport und Management. In seiner Forschung fokussiert er sich auf die empirische Analyse der Stadionnachfrage. Tatsächlich ist in so einem Stadion natürlich schon auch Bewegung.
Da stehen auch mal Leute, da gehen Leute raus. Und die Frage ist dann immer auch, wo kommen die Bilder her, wer hat die wann gemacht? Also man sieht dann oft auch Bewegung vor der Halbzeit, nach der Halbzeit. Und tatsächlich auch im VIP-Bereich. So Corporate-Tickets, die dann oft vielleicht nicht so genutzt werden, wie man das plant, sind ja oft dann auch überraschenderweise sehr gute Sitze, die dann leer bleiben, auf der Haupttribüne zum Beispiel oder in irgendwelchen Boxen.
Das hat dann was damit zu tun, dass man dann Kontingente auch an Sponsoren vergibt, die dann vielleicht gar nicht Menschen finden, die ins Schreien kommen wollen oder es nicht schaffen. Das hatten wir bei der EM 2024 auch, da gab es auch so eine Diskussion. Das heißt, es ist nicht ganz unüblich, ob es wirklich stimmt.
Das kann am Ende des Tages nur die FIFA wissen und wahrscheinlich werden wir es nicht rausbekommen. Die meisten Stadien aber sind voll, sogar trotz der teils horrenden Ticketpreise auch oder vor allem auf dem Zweitmarkt. Zum ersten Mal überhaupt setzt die FIFA auf das sogenannte Dynamic Pricing. Dieses dynamische Preissystem bedeutet, es gibt keine einheitlichen Ticketpreise.
Stattdessen orientieren die sich an der Nachfrage und werden in Echtzeit angepasst. Wer jetzt noch zum Finale nächste Woche Sonntag nach New York will, der kann das theoretisch tun, zahlt dafür mehrere tausend Euro. Auf dem Ticket Zweitmarkt der FIFA, wo Ticketinhaber ihre Karten zum Verkauf anbieten können, gehen die Preise in den fünf- oder teils sogar in den sechsstelligen Bereich hoch.
Aber Dynamic Pricing wirkt in beide Richtungen. Tickets für Spiele wie Iran gegen Neuseeland, Österreich gegen Jordanien oder Kap Verde gegen Saudi-Arabien, wo die Nachfrage deutlich geringer war, wurden einige Tage vor dem Spiel teils für wenige hundert Euro verkauft. Ich verstehe die Perspektive, die auch in Social Media oft vorherrscht.
Aber am Ende des Tages geht Infantino da mit einem Auftrag rein. Das ist die Erlösmaximierung. Das kann man gut oder schlecht finden, aber den Auftrag, den erfüllt er. Und ich glaube, dass wir in vielen, vielen Jahren auf diese WM zurückgucken würden. Und aus einer Umsatzmaximierungsperspektive ist das wahrscheinlich nahe an einem Best Case.
Verglichen mit den Preisen für Bundesligaspiele sind aber auch ein paar hundert Euro immer noch horrend viel. Die günstigsten Stehplatz-Dauerkarten zum Beispiel bei Erstligisten in Deutschland kosten etwa 200 bis 250 Euro. Für Sitzplatz-Dauerkarten werden mindestens 400 bis 500 Euro fällig, aber für 17 Spiele wohlgemerkt nicht nur für eins.
Ganz zu schweigen von den noch deutlich günstigeren Ticketpreisen in den nationalen Ligen mancher Teilnehmerländer, vor allem in Afrika. Schließt also die FIFA mit ihrer Preisgestaltung von vornherein bestimmte Fans aus? Ja, sagt Dominik Schreier. Gleichzeitig finde ich, dass dieser Vergleich auch immer ein bisschen schief ist, weil der Ticketpreis ist ja mal das eine.
Ich muss mir Urlaub nehmen, ich muss in die USA reisen, ich muss ein Hotel nehmen. Das hängt ja jetzt nicht nur am Ticketpreis. Das heißt, es ist ja jetzt nicht so, dass selbst ein 35-Euro-Ticket ist ja schon eine extreme Belastung für die allermeisten Menschen, wenn man diese Zusatzkosten mit dazu rechnet.
Das heißt, diese Diskussion, als ob jetzt jeder eine Chance hätte, diese Spiele wahrzunehmen. Und das liegt nur daran, dass die Ticketpreise zu hoch sind. Das ist ja auch so ein bisschen nicht wahr, ehrlich gesagt. Das ist ja von vornherein eine sehr selektive Gruppe, die überhaupt nur die Chance hat, diese Spiele zu gucken. Und da verstehe ich dann schon in der Marktwinde in den USA, dass man versucht, das dann abzuschöpfen, zumal ja das Argument immer ist, dass das Geld wieder zurück ins System geht.
Die Fußball-Weltmeisterschaft ist nur alle vier Jahre. Für viele Menschen ein einmaliges Ereignis. Fußball-Fans aus allen möglichen Ländern wollen einmal im Leben dabei sein. Da ist es fast egal, wie teuer eine Karte ist. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Und es entsteht FOMO, Fear of Missing Out, die Angst, etwas zu verpassen.
Für die FIFA sind Ticketeinnahmen bei dieser WM deutlich wichtiger als in der Vergangenheit. Der Fußball-Weltverband plant mit Einnahmen in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar, gerechnet auf den Vier-Jahres-Zyklus von Anfang 2023 bis Ende 2026. Das ist ein neuer Rekord. Interessant dabei, 9 Milliarden Dollar Umsatz macht die FIFA allein mit der aktuell laufenden WM.
Davon wiederum sind etwa ein Drittel Ticketeinnahmen, also 3 Milliarden Dollar. Die FIFA macht also fast ein Viertel ihres Geldes mit dem Verkauf von Eintrittskarten für die WM, bezogen auf die Gesamteinnahmen im Zeitraum 23 bis 26. Zum Vergleich, von 2019 bis einschließlich der WM 2022 in Katar hat die FIFA nur ein Achtel ihrer Einnahmen aus dem Ticketgeschäft gezogen.
Davor war der Anteil im Zeitraum von 2015 bis 2018 mit der WM 2018 in Russland noch etwas geringer. Ich habe mir die Ticketing-Umsätze angeschaut seit der WM 1966 bis heute und das dann immer durch die Anzahl der Spiele geteilt. Das muss man dann auch für Inflation anpassen, weil natürlich ein Dollar in 1966 ist natürlich anders als ein Dollar in 2026.
Und du siehst dann schon über die Zeit, wie das so sukzessive angestiegen ist. Ja, wir hatten hier am Anfang, also eine relativ lange Zeit war das eigentlich bei, ich sag mal, unter drei Millionen pro Spiel, was man umgesetzt hat. Dann kam man so in diese Zeit, ich sag mal, Frankreich, 1998, da ging man dann langsam so über die sieben Millionen pro Spiel.
Ab Brasilien ist man dann so um die elf, zwölf Millionen. Und jetzt für dieses Jahr wissen wir es nicht genau, aber wenn man so ein bisschen mal so die Splits der letzten Jahre anschaut, dann gehe ich davon aus, dass man so knapp mindestens 20 Millionen pro Spiel, umsetzen wird aus diesen Ticketing-Einnahmen.
Und da sind die ganzen Hospitality-Rechte noch gar nicht umhängt mit dabei. Bei der UEFA in Deutschland, bei der UEFA-Europameisterschaft 2024 ist das weniger als die Hälfte. Das heißt, das hat sich massiv entwickelt. Ökonomisch ist die Sache eindeutig. Die FIFA hat mit ihrer Ticketpreisgestaltung bei dieser WM alles richtig gemacht.
Zumindest kurzfristig erfüllt Präsident Gianni Infantino seinen Auftrag, wie Dominik Schreier erklärt. Langjährige Fans verprellen könnte langfristig aber ein Fehler sein. Die FIFA muss aufpassen, die Preise nicht unendlich zu erhöhen. Wenn sich irgendwann nur noch Fans mit vergleichsweise viel Geld einen Stadionbesuch leisten können, dann wäre das fatal, war ein Schreier. Tatsächlich glaube ich, dass das die ganz große Herausforderung der nächsten Jahre sein wird, diese Stadionkomposition zu gestalten.
Wer bekommt welche Ticket zu welchem Preis und wie wird das vernünftig, ich sag mal, bonanciert. Ich glaube, es braucht beide. Da denke ich immer an Uli Hoeneß, der ja vor vielen Jahren schon gesagt hat, was glaubt ihr denn, wer eure Tickets, eure günstigen Tickets auf der Südkurve, glaube ich, auf der Süd da finanziert, das sind die Leute in Logen, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen.
Das stimmt ja auch. Und die braucht es auch. Die bezahlen am Ende die Party. Und ich glaube, das kann man abschöpfen. Ich glaube, das wird sich noch weiter ausreferenzieren. Da werden wir in so, General Admission Plus-Kategorien mehr so Zwischenprodukte geben von Leuten, die sich das vielleicht leisten können, auch leisten wollen, die auch vielleicht gesicherten Zugriff auf Tickets haben wollen.
Und dann wird es auch eine andere Kategorie geben für die Leute, die richtig Rambule da machen oder Rambazamba, wie unser Kanzler das sagen würde. Und ich glaube, es braucht beide, damit das gut funktioniert. Und die große Herausforderung ist, das nachher auszuloten. Wie viel von wem für wem. Die UEFA, der Europäische Fußballverband, hat mitten in der Debatte um die hohen Ticketpreise verkündet, wir machen es weiter anders.
Auch bei der EM 2028 in England, Schottland, Wales und Irland gibt es kein Dynamic Pricing, also keine massiv hohen Ticketpreise. Somit nimmt der Europäische Fußballverband bewusst eine Gegenposition ein. Das ist ein bisschen fast wie die Bundesliga unter den Kontinentalverbänden, so stärker fanorientiert.
Das kann man natürlich machen, aber gleichzeitig führt das natürlich dazu, dass die Einnahmen deutlich geringer sind. Und die, wenn wir, wir haben gerade darüber gesprochen, die wieder ins System gehen, dann sind da natürlich auch Stakeholder, die daran nicht partizipieren. Die UEFA setzt dann halt nicht darauf, kurzfristig diese Zusatzerlöse zu generieren.
Das kann man machen, aber wir befinden uns natürlich in einem Markt, wo auch die sonst so wichtigen TV-Einnahmen nicht immer weiter ins Unermessliche steigen. Und da suchen natürlich auch Clubs wie Verbände Alternativen, um das ganze Wachstum zu finanzieren, um den Fußball zu entwickeln. Da lässt man das natürlich dann auch aus als UEFA.
Die UEFA erwartet im aktuellen Finanzzyklus von 2024 bis 2027 Einnahmen in Höhe von insgesamt etwa 17 Milliarden Euro. Damit sticht der Europäische Verband den Weltverband klar aus. Der Grund, die UEFA vermarktet jede Saison ihr jährliches Flaggschiff-Produkt, die Champions League. Das Geld durch Ticketverkäufe macht in den Gesamteinnahmen der UEFA aber nur etwa 3-5% aus.
Die FIFA hat dagegen keine jährliche Champions League und nur alle vier Jahre die WM. Deshalb wurde auch die Club-WM eingeführt als eine zusätzliche Einnahmequelle. Für den Finanzzyklus von 2027 bis 2030 erwartet die FIFA eine weitere Einnahmensteigerung. 14 Milliarden US-Dollar sollen in die Kassen des Weltverbands fließen.
Der größte Anteil soll die WM 2030 in Saudi-Arabien einbringen. Das wären aber immer noch umgerechnet 5 Milliarden Euro weniger als die UEFA einnimmt. Das war wieder was gelernt über die Ticketpreise bei der Fußball-WM. Vielen Dank fürs Einschalten. Und vergessen Sie nicht, auch NTV Sport zu abonnieren. Danke, ich bin Kevin Schulte, sage Tschüss und auf Wiederhören.