Wissensreise durch die Länder der Erde· Staffel 1· Folge 32

Finnland - Saunas, Stille und das Land der tausend Seen

Freitag, 22. Mai 2026 · 26 min

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Shownotes

Finnland – das waldreichste Land Europas, das Land der 187.888 Seen, der Mitternachtssonne und der Polarnacht. Wir reisen durch die glaziale Entstehungsgeschichte der finnischen Landschaft, tauchen ein in die Sauna-Kultur, erkunden die einzigartige finnische Sprache, verfolgen den Weg zur Unabhängigkeit und verstehen, warum Finnlands Bildungssystem die Welt fasziniert.
• Glaziale Entstehung der Seenlandschaft und postglaziale Landhebung
• 187.888 Seen – Geologie und das Saimaa-Seensystem
• Wälder: 75 % Waldbedeckung, Arten und Wirtschaft
• Die Sauna: Geschichte, Kultur, Löyly und UNESCO-Erbe (2020)
• Finnische Sprache: Finnougrisch, 15 Fälle, geschlechtsneutral
• Das Kalevala und seine Bedeutung für die nationale Identität
• Geschichte: Schwedische Herrschaft, russisches Großfürstentum, Unabhängigkeit 1917
• Winterkrieg 1939/40 und Fortsetzungskrieg 1941–44
• Das finnische Bildungssystem und seine PISA-Erfolge
• Mitternachtssonne, Polarnacht und Nordlicht
Geografie & Geologie
• Geological Survey of Finland (GTK): gtk.fi
• Finnish Environment Institute (SYKE) – Seen und Gewässer: syke.fi
Sauna
• UNESCO – Immaterielles Kulturerbe Sauna (2020): ich.unesco.org/en/RL/sauna-culture-in-finland-…
• Edelsward, L.-M. (1991). Sauna as Symbol: Society and Culture in Finland. Peter Lang.
Sprache & Kultur
• Karlsson, F. (2008). Finnish: An Essential Grammar (2. Aufl.). Routledge.
• Lönnrot, E. (1835/1849). Kalevala. (Deutsche Übersetzung u. a. von Lore und Hans Fromm, dtv 1985)
• Institut für die Sprachen Finnlands: kotus.fi
Geschichte
• Jutikkala, E. & Pirinen, K. (2003). A History of Finland. WSOY.
• Engle, E. & Paananen, L. (1973). The Winter War: The Soviet Attack on Finland. Westview Press.
• Manninen, O. (Hrsg.) (1993). Finland in the Second World War. Finnish Historical Society.
Bildungssystem
• Sahlberg, P. (2011). Finnish Lessons: What Can the World Learn from Educational Change in Finland? Teachers College Press. (Standardwerk zum finnischen Bildungssystem)
• OECD PISA-Berichte: oecd.org/pisa
Nordlicht & Astronomie
• Finnish Meteorological Institute – Revontulet: en.ilmatieteenlaitos.fi/northern-lights
Demokratie & Gesellschaft
• Transparency International – Corruption Perceptions Index: transparency.org/en/cpi
• Reporter ohne Grenzen – Pressefreiheitsindex: rsf.org

Weitere Schlafreise Reihen:
⁠⁠⁠⁠Schlafreisedurchdas Periodensystem der Elemente⁠⁠⁠⁠ (open.spotify.com/show/03THZe9B4c7Vj9wKhrguAG?s…)
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⁠⁠⁠⁠Wissensreisedurchdie Geschichte⁠⁠⁠ (open.spotify.com/show/22pLqMMAUbfx0gSBzKCZmP?s…)

Hinweis: Die Vertonung ist KI unterstützt. Das Skript an sich wurde von uns ohne KI erstellt. Die neuen Folgen von Schlafreise durch das Universum und der Psychologie sind komplett ohne produziert.

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Wälder, Seen und Saunas. Doch wer dabei stehen bleibt, verpasst eine der faszinierendsten Gesellschaften Europas. Ein Land, das aus den Trümmern von Kriegen und Abhängigkeit eine der leistungsfähigsten Demokratien und eines der fortschrittlichsten Bildungssysteme der Welt aufgebaut hat, ein Land.

Das mehr Seen hat, als es Worte gibt, sie alle zu benennen. Ein Land, dessen Winter so dunkel ist, dass er das Bewusstsein verändert und dessen Sommer so hell, dass die Sonne wochenlang nicht untergeht. Dieses Land heißt Finnland, es liegt im äußersten Nordosten Europas, grenzt im Osten an Russland, im Südwesten an Schweden, im Nordwesten an Norwegen und im Süden an die Ostsee.

Es ist das nördlichste Land der Europäischen Union und das siebtgrößte Europas mit einer Fläche von 338004 155 Quadratkilometern, die es fast so groß macht wie Deutschland und die Schweiz zusammen. Doch während Deutschland über 84000000 Menschen beherbergt, Leben in Finnland nur etwa 5,6 Millionen. Einer der niedrigsten Bevölkerungsdichten Europas um Finnland zu verstehen, muss man zuerst seine Geologie verstehen. Denn die Landschaft, die man heute sieht, ist in ihrer Grundstruktur das Werk einer einzigen gewaltigen Kraft des Eises.

Vor etwa 115000 Jahren begann die letzte große Eiszeit, die als Weichselkaltzeit bezeichnet wird. Über Jahrtausende wuchs ein Eisschild über Skandinavien heran, der auf seinem Höhepunkt vor etwa 20000 Jahren bis zu 3 Kilometer dick war. Sein Gewicht drückte die Erdkruste um hunderte von Metern nach unten, sein vorwärtsgleiten Hobelte Schrubbte und formte das Gestein darunter.

Als das Eis vor etwa 10000 bis 12000 Jahren schmolz, hinterließ es eine Landschaft, die wie kein anderes europäisches Land vom Gletscher geprägt ist. Die charakteristische Oberfläche Finnlands, flach mit unzähligen Hügeln aus gerundeten Felsen, durchzogen von Mulden und Rinnen, gefüllt mit Seen, ist das direkte Ergebnis glazialer Erosion und Ablagerung.

Die Seen Finnlands sind kein Zufall und keine Laune der Natur. Sie füllen die Hohlräume, die der Gletscher in die Landschaft gefräst hat. Der Begriff Land der 1000 Seen ist eine maßlose Untertreibung. Finnland hat offiziell 187008 188 Seen, die größer als 500 Quadratmeter sind, wenn man kleinere Wasserflächen einbezieht, steigt die Zahl auf über ein. 3000000 kein anderes Land der Erde hat im Verhältnis zu seiner Fläche so viele Seen wie Finnland. Der größte Finnlands ist der Seima See im Südosten mit einer Fläche von etwa 4400 Quadratkilometern ist er der viertgrößte See Europas.

Das Seimar Seen System ist so komplex verschlungen mit so vielen Inseln, Halbinseln, Buchten und Kanälen, dass es kaum kartierbar erscheint, eine Bootfahrt durch das System kann Wochen dauern, ohne denselben Weg zweimal zu nehmen. Noch heute hebt sich Finnland, der Prozess heißt Isostatische Landhebung oder Postglaziale Landhebung.

Da das Eis die Erdkruste so stark belastet hatte, federt sie nun, da das Gewicht fehlt, langsam zurück. Finnland hebt sich jährlich um etwa 4 bis 8 Millimeter im Norden des Landes sogar noch etwas mehr. Das ist zwar langsam, aber über Jahrtausende erheblich seit dem Ende der Eiszeit ist Finnland um mehr als 300 Meter aufgestiegen.

Küstenlinien, die noch vor einigen Jahrhunderten unter Wasser lagen, sind heute Land, Wasser und Wald. Das sind die 2 Grundelemente der finnischen Landschaft, etwa 75% der Landfläche Finnlands sind von Wald bedeckt, das Macht Finnland zum Waldreichsten Land Europas im Verhältnis zu seiner Fläche pro Einwohnerin und Einwohner stehen in Finnland etwa 4 Hektar Wald. Mehr als in jedem anderen europäischen Land. Die dominierenden Baumarten sind die Gemeine Fichte, die Waldkiefer und die Birke, die Fichte auf Finnischkusi ist die Königin der südlichen und mittleren Wälder, wo die Böden tiefer und feuchter sind, die Kiefer menty bevorzugt sandige, trockene Böden und prägt die unendlichen Heidewälder Mittel und Nord Finnlands, die Birke,

die. Koi wu ist das sentimentale Symbol Finnlands, ihr weißer Stamm, ihr zartes Laub, ihr goldenes Herbstkleid sind in der finnischen Kunst, Literatur und Musik allgegenwärtig, im äußersten Norden, jenseits der Waldgrenze, beginnt die Tundra, diese Region heißt in Finnisch Lappi Lappland. Auf etwa einem Drittel der Gesamtfläche Finnlands erstreckt sich diese karge, weite Landschaft aus moorflecken, niedrigem Birkengebüsch, flechtenheiden und kargen, fjelden, flachen, abgerundeten Hügeln, die die Baumgrenze überschreiten.

Im Winter ist Lappland schneebedeckt für 4 bis 5 Monate, im Sommer wächst das Pflanzenleben mit einer Intensität, die die kurze Vegetationsperiode kompensiert, in. Die Wälder Finnlands sind seit Jahrhunderten wirtschaftlich entscheidend. Die Holz und Papierindustrie war lange das Rückgrat der finnischen Wirtschaft, heute ist Nokia vielleicht das bekannteste finnische Unternehmen in der Welt, doch die Forstwirtschaft ist nach wie vor eine der bedeutendsten Industrien des Landes. Finnland ist einer der größten Holzexporteure der Welt und einer der größten Papierproduzenten Europas. Die Waldbewirtschaftung ist in Finnland intensiv und gleichzeitig reguliert, etwa 60% der finnischen Wälder sind in Privatbesitz, Waldbesitz ist in

Finnland traditionell verbreitet, viele Familien besitzen kleine Waldflächen, die über Generationen weitervererbt wurden, die ökologische Qualität der bewirtschafteten Wälder ist umstritten. Naturschutzorganisationen kritisieren den hohen Anteil an Kahlschlägen und Monokulturen, während die Forstwirtschaft auf zertifizierte, nachhaltige Bewirtschaftungspraktiken verweist, etwa 12% der Landfläche Finnlands stehen unter Schutz.

Nationalparks, Naturschutzgebiete und strenge Schutzgebiete zusammen. Der älteste Nationalpark Pallas Ülles Tunturi im nördlichen Lappland ist zugleich einer der beliebtesten Wanderdestinationen des Landes. Kein Element der finnischen Kultur ist so tief verwurzelt, so allgegenwärtig und so schwierig für Außenstehende vollständig zu verstehen wie die Sauna für Finnländerinnen und Finnländer ist die Sauna kein Luxus.

Kein Wellnessangebot, keine Fitnessstudioeinrichtung sie ist ein fundamentaler Teil des Lebens. Die Zahlen sind beeindruckend. In Finnland gibt es schätzungsweise 3000000 Saunen auf 5,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, fast jedes Einfamilienhaus hat eine eigene Sauna. Fast jede Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus teilt sich eine Gemeinschaftssauna mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern.

Saunen finden sich in Parlamentsgebäuden, in Botschaften, in Firmengebäuden, in Krankenhäusern, in Militärkasernen und auf Booten. Das Wort Sauna ist eines der wenigen finnischen Wörter, das weltweit verstanden wird, und es ist kein Zufall, dass es aus dem Finnischen kommt. Die Sauna ist eine finnische Erfindung, die von hier aus die Welt erobert hat. Die Geschichte der Sauna in Finnland reicht mindestens 2000 Jahre zurück, möglicherweise weiter archäologische Funde deuten darauf hin, dass die frühe Sauna nicht als Baderaum, sondern als Wohnraum genutzt wurde, die Rauchsauna Sawusauna die.

War die älteste Form ein einfacher Holzraum ohne Kamin, in dem ein Feuer die Steine erhitzte und der Rauch durch eine Öffnung im Dach entwich. Erst nach dem Heizen, wenn der Rauch abgezogen und die Steine gespeichert hatten, betrat man den Raum. Die Rauchsauna ist die ursprünglichste und intensivste Saunaerfahrung, die.

Die Steine halten die Wärme lang und gleichmäßig. Der Rauch hinterlässt einen charakteristischen Geruch und die Atmosphäre ist von einer Weichheit. Die moderne elektrische Saunen nicht replizieren können. In manchen Regionen Finnlands, besonders in Savolax im Osten, sind Rauchsaunen noch heute in Betrieb, der Höhepunkt der Saunaerfahrung ist der Löhli der Dampfstoß.

Der entsteht, wenn Wasser auf die heißen Steine gegossen wird. Der Begriff ist schwer zu übersetzen, er bezeichnet sowohl den Dampf selbst als auch den Geist oder die Seele des Dampfes, ein Wort, das in der alten finnischen Vorstellung mit lebendiger Kraft verbunden war, die Qualität des Loli ist das Kriterium, nach dem Saunakenner innen eine Sauna beurteilen.

Die gesellschaftliche Dimension der Sauna ist genauso bedeutend wie die körperliche. Politische Verhandlungen werden in der Sauna geführt Finnlands bekannteste Unternehmen und politische Entscheidungsträger innen wissen, dass viele wichtige Abkommen zuerst in der Sauna besprochen wurden, die Hemmungen fallen in der Hitze, soziale Hierarchien verflüchtigen sich, wenn alle dieselbe Hitze teilen, es gibt ein finnisches Sprichwort. In der Sauna sind alle gleich.

2020 wurde die finnische Saunakultur in die UNESCO Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Eine Anerkennung, die für Finninnen und Finnen weniger eine Überraschung als eine Selbstverständlichkeit war. Die finnische Sprache ist eines der faszinierendsten Phänomene der Europäischen Linguistik. Finnisch gehört zur Finneugrischen Sprachfamilie, einer Gruppe von Sprachen, die mit den meisten europäischen Sprachen nicht verwandt ist.

Während Deutsch, französisch, Englisch, Russisch, griechisch, e und fast alle anderen europäischen Sprachen zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehören, ist Finnisch mit Estnisch, Ungarisch und einer Reihe kleinerer Sprachen in Russland verwandt. Finnisch hat keine grammatikalischen Geschlechter, es gibt kein Maskulin, feminin oder Neutrum. Das Personalpronomen der dritten Person, Singular hen bezeichnet sowohl Frauen als auch Männer und alle anderen Personen gleichermaßen.

Das macht Finnisch zu einer der wenigen europäischen Sprachen, die von Natur aus geschlechtsneutral ist. Finnisch hat 15 grammatikalische Fälle verglichen mit dem Deutschen mit 4 Fällen. Diese Fülle von Fällen ermöglicht eine außerordentliche Präzision des Ausdrucks, macht das Erlernen der Sprache für Sprecher innen indoeuropäischer sprachen aber zu einer der anspruchsvollsten linguistischen Aufgaben der Welt. Das US amerikanische Außenministerium klassifiziert finnisch als Kategorie 4 Sprache die schwierigste Kategorie für englischsprachige Lernende, gleichauf mit Arabisch, Mandarin und Japanisch.

Finnland hat 2 Amtssprachen, Finnisch und Schwedisch. Etwa 5% der Bevölkerung sind Schwedischsprachig. Die sogenannten Finnlands, Schweden, eine Minderheit mit eigenem kulturellen Erbe, eigenen Schulen und einer langen Geschichte in Finnland. Diese Zweisprachigkeit ist historisch bedingt, Finnland war über 600 Jahre Teil des Schwedischen Reiches und Schwedisch war lange die Sprache der Verwaltung, Bildung und oberen Gesellschaftsschichten.

Erst nach der russischen Übernahme und besonders nach der Unabhängigkeit 1917 wurde Finnisch zur gleichberechtigten und dominierenden Sprache. Das Calevala, das finnische Nationalepos. Zusammengestellt von Elias Lönnroth aus mündlichen Überlieferungen und 1835 erstmals veröffentlicht, spielte eine entscheidende Rolle in der Formung des finnischen Nationalbewusstseins.

Es ist eine Sammlung von Mythen, Legenden und Liedern, die eine eigene, kosmologische Welt beschreibt und die finnische Sprache als Literatursprache etablierte. Das Calevalla beeinflusste auch international. J. Dr. Tolkien war von ihm tief beeindruckt und es hat seine Spuren in der Konzeption von der Herr der Ringe hinterlassen. Finnland ist ein junger Staat, aber kein junges Volk die finnischen Stämme besiedelten das Gebiet seit dem Ende der letzten Eiszeit und die Geschichte der Region reicht in die Steinzeit zurück.

Ab dem 12 und 13 Jahrhundert wurde das Gebiet des heutigen Finnland schrittweise in das Schwedische Reich integriert. Durch Kreuzzüge, Missionierung und Siedlung für mehr als 600 Jahre war Finnland ein Teil Schwedens und diese Epoche prägte die gesellschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Strukturen des Landes tief. Die lutherische Reformation im 16 Jahrhundert, die durch Schweden nach Finnland kam, formte die religiöse Identität des Landes im Russisch schwedischen Krieg von 1808 bis 1809 wurde Finnland von Russland erobert und als autonomes Großfürstentum in das Russische Reich eingegliedert. Der russische Zar war nun auch Großfürst von Finnland, diese Periode wurde.

Die bis 1917 dauerte, war ambivalent. Einerseits erhielt Finnland weitgehende Autonomie und behielt seine eigenen Institutionen, seine eigene Währung und sein eigenes Rechtssystem, andererseits gab es gegen Ende des 19 und Anfang des 20 Jahrhunderts Phasen der Russifizierung, in denen die russische Regierung versuchte, die finnische Autonomie einzuschränken.

Als das russische Reich 1917 im Zuge der russischen Revolution zusammenbrach, erklärte Finnland am 6. Dezember 1917 seine Unabhängigkeit. Der finnische Unabhängigkeitstag ist bis heute einer der bedeutendsten Feiertage des Landes, doch die Unabhängigkeit war kein friedlicher Übergang im Jahr 1918.

Erschütterte ein blutiger Bürgerkrieg das Land, in dem die Roten, sozialistische und kommunistische Kräfte, unterstützt von russischen Bolschewiki, gegen die weißen, bürgerliche und konservative Kräfte, unterstützt von deutschen Truppen, kämpften. Der Krieg endete mit dem Sieg der Weißen, hinterließ aber tiefe gesellschaftliche Narben, die erst nach Jahrzehnten langsam verheilten.

Im Zweiten Weltkrieg führte Finnland 2 Kriege gegen die Sowjetunion, den Winterkrieg von 1939 bis 1940, in dem die Sowjetunion Finnland angriff und trotz enormer zahlenmäßiger Überlegenheit auf erbitterten Widerstand stieß und den Fortsetzungskrieg von 1941 bis 1944. Die finnische Armee unter Marschall Karl Gustav Emil Mennerheim schlug sich außergewöhnlich gut.

Der Winterkrieg wurde zwar verloren, aber Finnland behielt seine Unabhängigkeit. Das war keine Selbstverständlichkeit, die baltischen Staaten, die ebenfalls sowjetische Angriffsziele waren, wurden annektiert. Der Frieden kostete jedoch erhebliche Gebietsabtretungen. Dass Karelien eine Region im Südosten, musste an die Sowjetunion abgetreten werden, etwa 400000 Karelier, innen ein Zehntel der damaligen finnischen Bevölkerung mussten ihre Heimat verlassen und wurden in anderen Teilen Finnlands angesiedelt. Die Erinnerung an Karelien ist bis heute lebendig, in der finnischen Kultur.

Seit den 2000 er Jahren ist Finnland international bekannt für ein Phänomen, das Bildungsforscherinnen und Forscher aus aller Welt nach Helsinki und in die Provinzstädte des Landes zieht. Sein außergewöhnlich erfolgreiches Bildungssystem in den Pisa Studien der OECD, die seit dem Jahr 2000 alle 3 Jahre die Leistungen von 15 jährigen in lesen. Mathematik und Naturwissenschaften vergleichen landete Finnland in den ersten Runden wiederholt auf den Spitzenplätzen der westlichen Welt. Was das System auszeichnet, ist nicht das, was man in vielen Ländern erwarten würde, es gibt keine Hausaufgaben in der Grundschule, zumindest kaum.

Es gibt keine standardisierten nationalen Tests bis zur Sekundarstufe 2. Es gibt keine Selektion der Schülerinnen und Schüler nach Leistung in der Grundschule, alle gehen in dieselbe Schule. Was es stattdessen gibt, hochqualifizierte Lehrerinnen und Lehrer in Finnland ist der Lehrberuf einer der angesehensten Berufe überhaupt.

Nur die besten Absolventinnen und Absolventen der Universitäten werden zu Lehramtsstudierenden zugelassen. Die Zulassungsquoten für Lehrerstudienplätze sind ähnlich niedrig wie für Medizin, das Studium selbst ist Forschungsbasiert und dauert 5 Jahre bis zum Masterabschluss, Lehrerinnen und Lehrer haben ein hohes Maß an professioneller Autonomie und werden von der Gesellschaft respektiert.

Das System beruht auf einem tiefen Vertrauen, Vertrauen des Staates in die Schulen, der Schulen, in die Lehrkräfte und der Gesellschaft, in das System insgesamt. Diese Kultur des Vertrauens ist nicht selbstverständlich, sie wurde in Jahrzehnten aufgebaut und ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, die Bildung als öffentliches Gut und nicht als Marktprodukt behandeln. Im Sommer, wenn die Sonne nördlich des Polarkreises nicht untergeht, erlebt man die Mitternachtssonne. Tage, in denen das Licht nie ganz verschwindet, in denen die Nacht zu einer Art hellgrauer Dämmerung wird und das Zeitgefühl sich auflöst.

In Utzioki, der nördlichsten Gemeinde Finnlands, scheint die Sonne von Mitte Mai bis Ende Juli ohne Unterbrechung mehr als 70 Tage. Dieser permanente Tag kann befreiend und gleichzeitig verstörend sein. Schlafen fällt schwer, der Rhythmus von Tag und Nacht, der den menschlichen Körper strukturiert, fehlt.

Im Winter kehrt sich das um, in Lappland herrscht die Kamos, die Polarnacht in Uzioki geht die Sonne von Ende November bis Mitte Januar nicht über den Horizont. Nicht vollständige Dunkelheit am Mittag gibt es ein kurzes bläuliches Zwielicht, aber kein direktes Sonnenlicht. Diese Dunkelheit fordert die Menschen, sie ist mit erhöhten Raten an saisonal affektiver Störung, kurz Sad S, verbunden, einer Form der Depression, die durch Lichtmangel ausgelöst wird. Lichttherapie mit speziellen Lampen ist in Finnland weit verbreitet.

Und dann gibt es das Nordlicht Reventoulé auf finnisch, wörtlich Fuchsfeuer. Der Name kommt aus einer alten Legende, nach der ein Fuchs beim Laufen mit seinem Schwanz Schnee in den Himmel wirbelte und dadurch das Leuchten erzeugte. Wissenschaftlich ist das Nordlicht das Ergebnis geladener Teilchen aus dem Sonnenwind, die entlang der Magnetfeldlinien der Erde in die obere Atmosphäre eindringen und dort Atome zum Leuchten anregen. Grün ist die häufigste Farbe, erzeugt von angeregtem Sauerstoff in etwa 100 bis 300 Kilometern Höhe, Rot entsteht in noch größeren Höhen Violett und Blau von Stickstoffmolekülen. Finnland belegt regelmäßig Spitzenplätze in internationalen Vergleichen, nicht nur im

Bildungsbereich. Es ist eines der am wenigsten korrupten Länder der Welt, laut Transparency International. Es hat eine der stärksten Pressefreiheiten weltweit, laut Reporter ohne Grenzen. Es hat eines der stabilsten demokratischen Systeme Europas, das ist kein Zufall und kein natürliches Erbe. Es ist das Ergebnis von Jahrzehnten gesellschaftlicher und politischer Arbeit, von institutionellen Entscheidungen und von einer Kultur, die öffentlichen Institutionen grundsätzlich vertraut, was wiederum darauf beruht, dass diese Institutionen grundsätzlich vertrauenswürdig handeln.

Diese Qualitäten, eine funktionierende Demokratie, starke öffentliche Institutionen, Bildung als öffentliches Gut, Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit sind keine Selbstverständlichkeiten in einer Welt, in der demokratische Rückschritte in vielen Ländern zu beobachten sind, ist Finnland ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn diese Werte konsequent gelebt und verteidigt werden.

Und sie sind verknüpft mit dem, was Finnland auch natürlich auszeichnet, der Stille seiner Seen, der Weite seiner Wälder, der Reinheit seiner Luft und seines Wassers. Eine Gesellschaft, die ihre Natur schützt, schützt auch sich selbst. Eine Demokratie, die funktioniert, schützt auch die Umwelt, in der ihre Bürgerinnen und Bürger leben. Unsere Erde und unsere Demokratien sind keine getrennten Anliegen.

Sie bedingen einander. Finnland weiß das still und ohne große Worte, es lebt es einfach, wenn dir diese Folge gefallen hat, hinterlasse bitte eine Bewertung, jede Einzelne hilft uns, weitere Reisen um die Welt zu unternehmen, bis zur nächsten Folge.

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