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Wissensreisende

WR193 - Von der Fechtmeisterin zur skandalösen Operndiva: Das Leben von Julie d'Aubigny

Freitag, 7. November 2025 · 38 min

MP3

Shownotes

In einer Zeit, in der Frauen kaum auf mehr hoffen konnten, als irgendwann verheiratet zu werden, hatte eine junge Frau in Paris ganz andere Vorstellungen vom Leben.
Sie brannte mit einem Fechtmeister durch, um dann in Marsseile zur Opernsängerin zu werden, die es bis an die Pariser Oper schaffte und durch ihre kraftvolle Stimme die Barockoper veränderte.
Durch ihre Liebschaften mit Männern und Frauen ihre Duelle war sie vermutlich eine der kontroversesten Frauen ihrer Zeit. So kontrovers, dass sie zwei Mal zum Tode verurteilt wurde, nur um dann jedes Mal vom König begnadigt zu werden.
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#Julie d'Aubigny #Oper #Fechterin #Frühe Neuzeit #Westeuropa

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Chris, heute habe ich mal wieder eine spannende Persönlichkeit für dich und unsere Hörer mitgebracht. Eine Person, die so ziemlich alle Regeln gebrochen hat, alle Regeln. Brechen. Das klingt interessant. Oh ja. Skandale, Duelle, Verbotene Liebe, alles, was eine gute Geschichte braucht. Und wir kehren wieder an den Ort meiner letzten Geschichte zurück.

Nur ein gutes Stück später, Paris Palais Royale, 1695. Wissensreisende Wow, das Palais Royal, wie beim letzten Mal in Paris ist hier alles voller Prunk und vornehm gekleideter Menschen. Wir sind hier auf einem Ball von Philippe Dolillon, dem Bruder des Königs. Hier feiert die Creme de la Creme der Pariser Gesellschaft siehst du den jungen Mann da drüben, den mit den dunklen Haaren, jep, und jetzt guck mal etwas genauer hin.

Was fällt ihr an ihm auf? Na, für einen Mann bewegt er sich irgendwie ganz schön grazil und die Taille ist auch ungewöhnlich schmal. Könnte das eine Frau und Männerkleidung sein? Exakt das ist Julie Dobiny, 22 Jahre alt, Opernsängerin, fechtmeisterin. Jetzt fordert sie eine junge Dame zum Tanz auf und niemand scheint zu bemerken, dass sie. Ja, zumindest noch nicht.

Pass mal auf, was jetzt kommt die beiden. Tanzen ganz gut zusammen und jetzt beugt sie sich zu ihr. Oh was, was war das? Hat dieser Mann da etwa? Mitten auf dem Ball, vor allen Leuten. Sie hat die Frau geküsst, vor der gesamten Gesellschaft. Und jetzt wird es richtig interessant. Wie könnt ihr es wagen? Das ist eine Schande.

Einer Unverschämtheit sondergleichen. Ihr müsst für diese Beleidigung Rechenschaft ablegen. Meine Herren. Wenn Sie ein Problem haben, stehe ich gern zur Verfügung. Wir fordern Genugtuung. Ein Duell gegen einen, wie langweilig kämpft doch alle 3 gleichzeitig. Alle 3. Ihr seid wahnsinnig. Nein, nur effizient in 10 Minuten im Garten und bringt eure Degen mit.

Hat sie gerade 3 Männer zu einem Duell herausgefordert? Gleichzeitig, und das. Ist auch noch nicht alles. Komm mal mit nach draußen. Es ist dunkel hier, nur ein paar Fackeln da, dort steht sie unter der großen Eiche mit ihrem Degen in der Hand aber sind Duelle in Frankreich zu dieser Zeit nicht strengstens verboten? Absolut.

Ludwig, der 14 Hass, Duelle aber nur weil es verboten ist, heißt das noch lange nicht, dass Julie sich davon irgendwie beeinflussen lässt. Also gut, ihr habt es so gewollt. Wir werden euch lehren, was es bedeutet, die Gesellschaft zu beleidigen. Na dann zeigt es mir, wenn ihr könnt. Bereitet euch vor. Aber das ist 3 gegen eine.

Sie kann doch unmöglich. Jetzt wart s doch erst mal ab. Sie ist einfach zu schnell. Meine Schulter. Rückzug. Das ist heftig. Sie hat alle 3 besiegt und alle 3 liegen jetzt am Boden. Meine Herren, das war durchaus unterhaltsam. Ich hoffe, ein Arzt ist in der Nähe au voir. Die geht jetzt nicht wirklich zurück auf den Ball oder sie hat gerade 3 andere Gäste bei einem verbotenen Duell verletzt.

Natürlich geht sie zurück, die Nacht ist schließlich noch jung und. Und Julie hatte nie Angst vor Konsequenzen. Aber. Illegale Duelle führen 3 Adlige verletzen, das ist ein Verbrechen. Wird man da nicht eigentlich für verhaftet? Ja, sie wird fliehen müssen nach Brüssel. Aber der König, der wird sie begnadigen. Begnadigen nach so einem Skandal? Ja, und das sogar schon zum zweiten Mal. Denn sie ist zu wertvoll, zu talentiert, zu außergewöhnlich, um sie einfach verschwinden zu lassen. Julie dupinie geboren irgendwann zwischen 1670 und 73 gestorben 1707 eine Frau, die in einer Zeit gelebt hat, in der Frauen eigentlich so ziemlich gar nichts durften. Sie wurde Opernsängerin, Fechtmeisterin liebte Männer und Frauen gleichermaßen und stellte

die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit auf den Kopf. Ihre Geschichte ist eine der außergewöhnlichsten des 17 Jahrhunderts und damit auf jeden Fall wert, erzählt zu werden. Hallo und herzlich Willkommen bei Wissensreisende, dem Podcast über Geschichte, Menschen und Hintergründe. Wir, das sind der Jan.

Hallo da draußen. Und ich, der Chris, sitzen hier am Tisch in unserem Podcast Studio in unserem brandneuen Raumzeitschiff, um zusammen eine neue Geschichte zu erleben. Einen kleinen Einblick haben wir gerade schon bekommen, ich bin guter Hoffnung, dass Jan auch den Rest der Geschichte mitgebracht hat, hat er. Und dann würde ich sagen, ohne weiteres Vorgeblänkel erzähl s uns.

Jo, ich leg mal los, aber zuerst mal mit einem kleinen Problem, dass es bei der Geschichte von Julie leider gibt. Was wir nämlich gerade im Hörspiel erlebt haben, dieser skandalöse Abend auf dem Ball im Palais Royal, der macht sehr, sehr gut deutlich, was das Problem mit ihr ist. Wenn wir uns die Geschichte heute angucken, wir wissen, dass da was passiert ist. Wir wissen, dass sie 3 Adlige im Duell besiegt hat. Wir wissen, dass sie fliehen musste und später begnadigt wurde, aber die genauen Details, ob sie wirklich an exakt diesem Abend als Mann verkleidet war, ob sie wirklich eine Frau geküsst hat, das ist nicht so klar, wie man sich das wünschen würde, sondern es könnte auch dazu gedichtet worden sein, um die Geschichte einfach noch

reißerischer zu machen und das zieht sich durch ihr ganzes Leben. Julie Dobiny ist eine dieser historischen Figuren, bei denen man wirklich ständig aufpassen muss. Was ist wirklich passiert und was haben sich Leute erst später ausgedacht? Sie war definitiv Opernsängerin an der Pariser Oper, das ist dokumentiert, sie hat in 29 verschiedenen Rollen gesungen, zwischen 1690 und 1705 steht alles in den Opernarchiven, sie konnte fechten wie die besten Männer ihrer Zeit, darüber gibt es genug Berichte, sie hat öffentlich Männerkleidung getragen und Beziehungen mit Männern und Frauen gehabt, auch das ist belegt, aber dann kommen die wilden Geschichten.

Angeblich hat sie ein Kloster in Brand gesteckt, um eine Geliebte zu befreien. Angeblich hat sie 10 Männer in Duellen getötet, angeblich hat sie sich auf der Bühne mit einem echten Dolch verletzt, um einen Kurfürsten zu beeindrucken, und dabei wird Zeit kompliziert. Manche dieser Geschichten stimmen vielleicht, einige sind definitiv übertrieben und wieder andere sind komplett erfunden, aber warum ist das gerade in diesem Fall so schwierig, das zu differenzieren?

Erstens, Julie war skandalös. Skandalöse Menschen werden den offiziellen Dokumenten oft nicht erwähnt oder nur negativ. Und zweitens, Sie war eine Frau. Frauen wurden damals generell schlechter dokumentiert als Männer, besonders wenn sie sich nicht an die Regeln hielten, drittens, sie starb 1707 also vor über 300 Jahren, viele Dokumente sind einfach verloren gegangen, man bedenke einfach nur, was alles an schriftlichen Dokumenten und nachweisen in den Wirren der französischen Revolution verloren gegangen ist.

Das. Naja, und dann kam da dieser Roman. 1835, schrieb ein französischer Autor namens Theophil Gautier einen Roman über sie, Mademoiselle de Montpin, der war komplett fiktional, aber die Leute haben angefangen, die Romanfigur mit der echten Person zu verwechseln, und plötzlich wurden die Legenden noch schriller. Das ist echt witzig, das kommt mir so ein bisschen so vor wie heute irgendwie.

Rom in sozialen Medien die Person wird größer als sie selbst, weil sie einfach eine gute Story platziert und in diesem Fall kam sie halt von außen. Aber es ist das gleiche Ding, gibt genug Wundergeschichten dazu. Ich glaube einfach jeder glaubt Vin Diesel kann Auto fahren oder stark. Ja, auf jeden Fall. Die Historikerin Kelly Gardener hat 5 Jahre in Archiven verbracht, um rauszukriegen, was wirklich stimmt. Ihr Fazit die echte Julie war außergewöhnlich und krass genug, auch ohne die übertriebenen Geschichten. Also was machen wir jetzt in dieser Folge? Ich erzähle euch die Geschichte, die ich erzählen kann, wo die Quellen unklar sind, sage ich das dann auch und wo es nur Legenden gibt, erzähle ich euch

trotzdem die Legende aber mache auch deutlich, dass es eine ist, denn manche dieser Legenden sind einfach wirklich zu gut, selbst wenn nur die Hälfte der Geschichten stimmt, warum bleibt die Lidobinie eine unglaublich faszinierende Person des 17. Jahrhunderts? Eine Frau, die aufgrund eben ihres Geschlechts eigentlich nichts durfte und die trotzdem scheinbar immer genau das gemacht hat, was sie wollte.

Vollkommen egal, was andere dazu sagen. Fangen wir also am Anfang an, Paris, Anfang der 16 70er Jahre, eine Stadt voller Pracht, macht und strenger Regeln, und mittendrin wird ein Mädchen geboren, das später mal all diese Regeln über den Haufen werfen wird. Julie wurde irgendwann zwischen 1670 und 73 geboren.

Die meisten Historiker sagen heute 1673, aber hundertprozentig sicher ist das nicht, und schon bei ihrem Geburtsjahr fängt die Unsicherheit an, was wir wissen. Ihr Vater hieß Gaston Daubiny und der war Sekretär von Louis de Lorrain, dem Comte D'amagnac und der Comte D'amagnac wiederum war der oberste Stallmeister von Ludwig dem 14.

Das klingt jetzt vielleicht nicht so beeindruckend, aber im 17 Jahrhundert war das eine echt wichtige Position. Der oberste Stallmeister war zuständig für die kompletten königlichen Ställe, die Pferde, die Kutschen, die Reiterei und für die Ausbildung der Hofpagen Gaston Dobiny war aber nicht nur so der Schreibtischtyp, er war selbst ausgebildeter Fechtmeister und hatte die Aufgabe, den jungen Hofpagen das Fechten beizubringen. Diese Pagen waren Söhne von Adelsfamilien, die am Hof erzogen wurden.

Sie lernten reiten, Fechten, tanzen, Musik, halt alles, was ein junger männlicher Adliger damals so drauf haben musste. Und hier kommt dann Julie ins Spiel, Gaston hatte eine Tochter, kein Problem, normalerweise würde so ein Mädchen von ihrer Mutter oder Gouvernanten erzogen werden, sie würde sticken lernen, ein bisschen Musik, vielleicht lesen und schreiben und dann mit vielleicht 15 oder 16 verheiratet werden, Standardprogramm für adlige Mädchen zu der Zeit, aber Julie hatte Glück und.

Oder Pech, je nachdem, von welchem Blickwinkel man das betrachtet. Ihr Vater hatte nämlich anscheinend keine Lust, sie wie ein normales Mädchen zu erziehen, stattdessen nahm er sie einfach mit zu den Pagen und mit etwa 12 Jahren fing Julie an, zusammen mit den Jungs zu trainieren, sie lernte Fechten nicht so ein bisschen Hobby Fechten, sondern richtig, die Pagen wurden von den besten Fechtmeistern Frankreichs ausgebildet und Julie war mittendrin, sie lernte alle Techniken, alle Bewegungen, alle Tricks und. Und sie war gut, verdammt gut sogar. Während andere Mädchen in ihrem Alter lernten, wie man eine perfekte Stickerei macht, lernte Julie, wie man Gegner Entwaffnete, und das war noch

nicht alles, die Pagen bekamen auch akademischen Unterricht, Geschichte, Literatur, Mathematik, Julie saß auch mit in diesen Lektionen, das war komplett ungewöhnlich, klar, es gab immer mal wieder Ausnahmen, Frauen, die Fechten konnten oder gebildet waren. Aber eine Tochter aus dem niederen Adel, die zusammen mit den Hofpagen ausgebildet wurde, das war schon echt was Besonderes.

Und dann kommt direkt der Compdamer Jak ins Spiel, Louis de Loren, der Chef ihres Vaters, der war zu dieser Zeit etwa in seinen 40 ern und unverheiratet oder zumindest ohne offizielle Ehefrau, und Julie war jetzt vermutlich so ungefähr 14 Jahre alt, aber. Was genau passiert ist, wissen wir nicht im Detail, aber dass Julie und Damoniac eine Affäre hatten, ist in zeitgenössischen Quellen belegt.

Das war keine Liebesgeschichte zwischen Gleichaltrigen oder gleichberechtigten, das war ein mächtiger Mann am Hof, der eine Beziehung mit der Teenagertochter seines Sekretärs hatte. Nach heutigen Maßstäben würden wir sagen, dass das ein riesiges Problem ist. Das Machtgefälle, eine Minderjährige, der Arbeitgeber ihres Vaters hat. Aber im 17 Jahrhundert war das halt anders. Solche Beziehungen waren nicht ungewöhnlich, besonders am Hof. Trotzdem war die Situation kompliziert. Und was hat Julies Vater dazu gesagt? Oder hatte er in dieser Sache einfach nichts zu melden? Ja, das ist tatsächlich schwer beziehungsweise gar nicht zu sagen.

Vielleicht hat er protestiert, vielleicht hat er es toleriert, vielleicht hat er es sogar gefördert, weil eine Verbindung zu Damonjak seiner Familie helfen konnte. Wir wissen das einfach nicht. Das Problem immer, man kann nicht. Ein ein wundervolles Raumzeitschiff haben und trotzdem bleibt die Geschichte immer noch so ein bisschen zusammengefaltet.

Ja, ja, das ist so. Die Beziehung zwischen Julie und Damoniak dauerte tatsächlich wohl einige Zeit an und in dieser Zeit lebte Julie am Hof oder zumindest in dessen Nähe. Sie war keine offizielle Mätresse, dafür war Damoniak nicht wichtig genug und Julie nicht aus einer bedeutenden Familie, aber sie war da und jeder wusste Bescheid und dann im Jahr 1687 war Schluss. Julie wurde verheiratet, ihr Mann hieß Jean de Mopin und er war cier de Mopin, also ein niedriger Adliger, nichts wirklich Besonderes.

Die Ehe war arrangiert wie fast alle Ehen damals, möglicherweise hat Damoniac das sogar selber organisiert, um die ganze Situation mit Julie, ja sag mal zu bereinigen. Jean de Mopin bekam einen Job irgendwo in der Provinz und zog dorthin, Julie sollte mitkommen als brave Ehefrau. Sie war jetzt 14 oder 15 Jahre alt, verheiratet mit einem Mann, den sie kaum kannte, und sollte ihr Leben in irgendeinem Provinzkaff verbringen. Das war zumindest der Plan, den man für sie gemacht hatte, aber Julie hatte etwas andere Vorstellungen, wie es in ihrem Leben weitergehen sollte, denn kurz nachdem Jean de Montpin in die Provinz abgereist war, verschwand Julie aus Paris, und zwar nicht alleine, und damit

beginnt auch der wirklich wilde Teil ihrer Geschichte. Bei ihrer Flucht bei ihr war ein Mann namens Ceran. Ceran war Fechtmeister, ein Profi mit dem Degen. Julie hatte ihn möglicherweise schon vorher kennengelernt, vielleicht bei den Trainings am Hof, vielleicht später, die Quellen sind da nicht eindeutig, auf jeden Fall waren die beiden jetzt zusammen unterwegs und natürlich brauchten sie Geld, deshalb zogen sie durchs Land und gaben fechtvorführung ihr müsst euch das so vorstellen, kleine Dörfer, Marktplätze, vielleicht mal ein Schloss von einem Landadeligen.

Cyrann und Julie traten auf, zeigten ihr Können mit dem Degen und die Leute zahlten dafür. Dabei trat Julie oft als Mann auf, sie trug Männerkleidung, Band sich die Haare hoch und wenn sie mit dem Degen kämpfte, dachten die Zuschauer, das wären 2 Männer, das war Teil der Show am Ende, wenn alle begeistert waren, nahm Julie vielleicht ihren Hut ab oder machte sonst irgendetwas, um zu zeigen, Überraschung das hier ist eine Frau und die Leute liebten das, es war spektakulär und es war skandalös. Das war was, das konnte man seinen Nachbarn erzählen. Es ging quasi viral.

Auf jeden Fall. Und Julie war mit dem Degen ja wie gesagt auch echt gut. Sie war keine Anfängerin, die ein bisschen rumfuchtelte, sie hatte jahrelang mit den besten Fechtmeistern trainiert, sie konnte wirklich real kämpfen, irgendwann fing Julie auch an zu singen, wie sie das gelernt hat, ist nicht ganz klar, vielleicht hatte sie schon am Hof ein bisschen Gesangsunterricht. Vielleicht hat sie es sich selbst beigebracht. Vielleicht hat Ceran ihr dabei geholfen, auf jeden Fall, sie hatte eine gute Stimme, und sie nutzte sie, die beiden zogen weiter durch Südfrankreich und kamen schließlich nach Marseille, eine große Hafenstadt, lebendig, voller Händler und Reisender, und dort gab es eine Oper, nicht so eine große und prächtige wie in

Paris, aber immerhin, Julie sprach dort vor und bekam tatsächlich eine Stelle nicht als Star, eher so als Teil des Ensembles. Aber es war ein echter Anfang. Ihre erste richtige Position an einer Oper, das war 1688 irgendwann danach trennten sich Julie uns heran, warum genau, ist nicht klar, vielleicht hatte sie genug von ihm, vielleicht gab es Streit, vielleicht hatten sie einfach unterschiedliche Pläne, was wir wissen. Julie machte danach alleine weiter an der Oper in Marseille traf sie jemanden, der wichtig für sie werden sollte, Gabriele Véson Tévenard.

Das war ein erfolgreicher Opernsänger, ein Tenor mit gutem Ruf und Verbindungen am Pariser Hof. Und er erkannte Julies Talent, nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihr Auftreten und vor allem ihre Präsenz auf der Bühne. Und dann passierte angeblich die Geschichte mit dem Kloster, denn bei dieser Geschichte wird es wieder so ein bisschen kompliziert, die Legende geht so, Julie verliebte sich in eine junge Frau, die Familie der Frau war damit nicht einverstanden und steckte sie in ein Kloster, wie man das damals halt so machte mit unbequemen Töchtern. Julie war verzweifelt und beschloss, ihre Geliebte zu befreien.

Also ging sie zum Kloster, gab sich als Nonne aus und wurde aufgenommen. Sie fand ihre Geliebte und die beiden planten die Flucht, aber einfach so verschwindend ging ja nicht, das wäre zu auffällig gewesen, also wartete Julie, bis eine alte Nonne starb, grub die Leiche aus, legte sie ins Bett ihrer Geliebten und zündete dann das Zimmer an und.

Und während alle mit dem Feuer beschäftigt waren, flohen Julie und ihre Geliebte dann aus dem Kloster. Ich glaube Anbetracht der noch nicht vorhandenen Kriminalforensik ist das ein gar nicht so schlechter Plan. Der Plan ist wirklich absolut gut. Die beiden lebten ein paar Monate zusammen, bis die junge Frau dann aber doch zurück zu ihrer Familie wollte.

Julie ließ sie gehen, aber auch wenn die Beziehung damit beendet war, bedeutete das nicht, dass die Sache nicht doch noch ein Nachspiel hatte. Naja, so ein bisschen klingt das wie ein Film und eigentlich gar nicht mal wie ein besonders guter. Der. Ist das wirklich passiert? Lässt sich das belegen?

Das ist eine durchaus berechtigte Frage. Es gibt Gerichtsakten, die besagen, dass Julie in Abwesenheit wegen Entführung, Leichendiebstahl und Brandstiftung angeklagt wurde, das ist dokumentiert, es gab also wohl ziemlich sicher diese Anklage. Das ist schon öfter erstaunlich, hätte ich nicht gedacht.

Ja, aber jetzt kommt das Große. Aber die Details der Geschichte kommen vor allem aus späteren Berichten und Biografien. Manche Historiker sagen, die ganze Story ist zu perfekt, zu dramatisch, um wahr zu sein. Kelly Gardener, die Historikerin, die ich eingangs schon erwähnt habe, schreibt dazu die Anklage, gab es, aber ob die Geschichte wirklich so abgelaufen ist, ist unklar, möglicherweise wurde sie übertrieben oder sogar komplett erfunden, vielleicht von einem Feind Julies, um ihr zu schaden, irgendetwas ist also passiert oder wurde zumindest so dargestellt, dass es zu dieser Anklage geführt hat. Ob es wirklich die filmreife Rettungsaktion war, wissen wir einfach nicht.

Schade ja, was wir aber wissen, Julie war jetzt in massiven Schwierigkeiten, sie war nicht nur angeklagt, sondern in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden, Brandstiftung, Leichendiebstahl, Entführung, das sind keine Kleinigkeiten, und wenn sie erwischt wurde, konnte sie hingerichtet werden und. Und hier passiert dann etwas wirklich Seltsames in der Geschichte.

Es ist das Jahr 1690 und es kommt eine königliche Begnadigung ins Spiel. König Ludwig der 14. Unterschrieb nämlich ein Dokument, das Julie von allen Anklagen frei sprach, einfach so. Was ist da passiert? Wahrscheinlich eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. Tevena hatte gute Verbindung am Hof und könnte sich für Julie eingesetzt haben Julie hatte auch noch Verbindungen über ihren Vater und Damoniak.

Und vielleicht nur vielleicht hatte der König gehört, dass da eine junge Frau mit außergewöhnlichem Talent war und als großer Verehrer der Künste könnte das sein Interesse geweckt haben. Wie auch immer, Julie war wieder frei, sie konnte wieder nach Paris, das Leben als Umherziehende Fechterin war jetzt vorbei, jetzt begann ihre Karriere als Opernsängerin und damit in den Dezember 1690 die Akademie Royale de Musique in Paris.

Julie steht zum ersten Mal auf der Bühne der wichtigsten Oberfrankreichs die Rolle Pallas Athena in Catmion von Jean Baptiste Lilly Pallas Athena, Die Göttin der Weisheit und des Krieges, eine starke, mächtige Figur, keine zarte Prinzessin, sondern eine Kriegerin, und die Rolle passte perfekt zu Julie, und sie war ein Erfolg. Die Zuschauer waren begeistert, nicht nur von ihrer Stimme, sondern eben von ihrer ganzen Präsenz auf der Bühne. Julie hatte jahrelang gelernt, sich wie ein Mann zu bewegen, aufrecht zu stehen, nicht zurückhaltend zu sein. Und das zahlte sich jetzt aus.

Sie wirkte kraftvoll, überzeugend und echt, aber da war noch etwas Besonderes. Julie war keine Sopranistin, sie war eine Bardissu Bardissu bedeutet wörtlich tiefer Sopran, aber eigentlich ist es das, was wir heute mezzo, Sopran oder Alt nennen würden, eine tiefere Frauenstimme in der französischen Barockoper gab es klare Regeln, die.

Sopranistinnen sangen die Hauptrollen, die Heldinnen, die Göttinnen. Badissu Stimmen waren für Nebenrollen gedacht, Dienerinnen, ältere Frauen, manchmal mystische Figuren. Julie war die erste Badissu, die Hauptrollen bekam. Das war revolutionär, plötzlich hatte eine Heldin nicht mehr nur diese hohe, zarte Sopranstimme, sondern eine tiefere, vollere, kraftvollere Stimme, das änderte, wie diese Figuren wirkten, sie klangen Erwachsener, stärker und realer. Komponisten fingen daraufhin an, speziell für Julie zu schreiben. André Campra, Henry de maré, Michel Richard de Lalande. Sie alle schufen Rollen, die zu ihrer Stimme passten, Kriegerinnen, Königinnen, zauberinnen, Figuren mit Macht. Ach übrigens, wenn ich hier

jetzt sage, dass diese Komponisten Musik für sie geschrieben haben, dann sollte ich vielleicht auch erwähnen, dass Julie keine Noten lesen konnte. Wie bitte ich meine, da müsste man sich ja eigentlich fragen, wie konnte sie sich da vorbereiten? Oder Proben. Ich meine, heutzutage würdest du sagen, gut, ich nehme das Tape und Spiele da so lange drauf bis es passt. Aber die Möglichkeit hatte sie ja damals nicht. Wie ging das?

Ja, ungefähr genauso wie du es gerade gesagt hast. Sie stand halt auf der Bühne der Königlichen Oper und konnte keine einzige Note lesen. Stattdessen lernte sie alles auswendig, jemand spielte ihr die Melodie vor, sie hörte zu und dann konnte sie das und ihr Gedächtnis muss phänomenal gewesen sein. Zwischen 1690 und 94 sang Julie in zahlreichen Produktionen. Die Opernarchive verzeichneten ihre Auftritte, ihre Rollen, sie wurde zu einer festen Größe an der Pariser Oper, nicht die größte Diva, das waren andere Sängerinnen mit mehr politischen Verbindungen oder besserer Herkunft, aber Julie war bekannt, respektiert und ihre Auftritte waren gut besucht. Natürlich blieb sie nicht nur auf der Bühne im Gedächtnis, Julie war schließlich immer noch

Julie. Sie trug weiterhin oft Männerkleidung, auch wenn sie nicht auf der Bühne stand. Sie ging in Tavernen, trank, redete laut, sie benahm sich auf jeden Fall nicht wie eine anständige Frau für die damaligen Anforderungen, und sie duellierte sich was. Auch nicht zu den damaligen Anforderungen einer Frau passte.

Das ist korrekt. Das Duell mit dem Comte D. Albert ist gut dokumentiert. Dalbert war selbst ein Adliger und Fechter, die beiden gerieten in irgendeinen Streit, die Quellen sagen nicht genau, warum. Vielleicht ging es um eine Beleidigung, vielleicht um eine Frau, vielleicht einfach um stolz auf jeden Fall.

Sie kämpften, Julie verletzte Dalbert an der Schulter, nicht tödlich, aber schmerzhaft genug, und dann passierte etwas Merkwürdiges, die beiden wurden nämlich Freunde, mehr als Freunde, sie wurden für eine Weile Liebhaber und dann, als die romantische Phase vorbei war, blieben sie lebenslang befreundet. Dalbert schrieb später Briefe an sie. In denen er Sie Emily nannte.

Ein Kosename, Das war typisch für Julie, sie hatte keine Feinde fürs Leben, sie konnte jemanden im Duell verletzen und einen Tag später mit ihm ein Gläschen Wein trinken. Am Theater hatte sie auch Beziehungen mit Tevena hatte sie wahrscheinlich mehr als nur eine kollegiale Freundschaft, auch wenn die Details unklar sind, es gab Gerüchte über andere Sänger und Sängerinnen, und Julie machte keinen Hehl daraus, dass sie Männer und Frauen liebte, das war ungewöhnlich.

Nicht, dass es passierte, sondern dass sie so offen damit umging und dass es ihr mal ganz offen ausgesprochen, vermutlich komplett am Arsch vorbei gegangen ist. Was irgendwer von ihr gedacht hat. Ihre 4 Jahre an der Pariser Oper zwischen 1619 194 waren eine Zeit des Erfolgs, aber auch eine Zeit, in der sie immer wieder aneckte. Sie passte nicht in die Konvention, sie war einfach zu laut und zu direkt, und das dann halt noch als Frau. Aber sie war zu talentiert, um sie loszuwerden und zu beliebt beim Publikum.

Die Leute kamen, um sie zu sehen, nicht nur wegen ihrer Stimme, sondern weil Julie Dauviny einfach eine Show war auf der Bühne und daneben, und dann kam der Abend, den ihr am Anfang ja schon miterlebt habt, der Ball im Palais Royal, der Skandal, das Duell, ihr wisst ja schon, wie das ausgegangen ist.

Nach diesem Abend war klar, Julie musste weg aus Paris und. 3. Adlige Duell verletzt mitten in der Stadt vor Zeugen, das war zu viel, und zwar selbst für jemanden mit ihren Verbindungen. Also floh sie nach Brüssel, Brüssel war die Hauptstadt der spanischen Niederlande, also nicht französisches Territorium, dort konnte sie erstmal nicht verhaftet werden, und Brüssel hatte auch eine Oper, wenn auch keine so große wie Paris, Julie konnte dort auftreten, Geld verdienen und erstmal abwarten und in Brüssel?

Traf sie dann auf Maximilian, den zweiten Emanuel, den Kurfürsten von Bayern. Der war zu dieser Zeit Gouverneur der spanischen Niederlande und damit einer der mächtigsten Männer in der Region. Er war Kunstliebhaber, förderte Musik und Theater, und als er von der skandalösen französischen Opernsängerin hörte, wollte er sie natürlich kennenlernen.

Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, die beiden hatten eine Affäre. Wie lange genau, ist unklar. Aber es gibt eine Geschichte über das Ende dieser Beziehung, die so typisch Julie ist, dass sie einfach erwähnt werden muss, auch wenn wir nicht sicher sein können, ob sie stimmt. Die Beziehung zwischen den beiden endete nämlich nicht gut, er fand sie angeblich einfach zu viel zu viel von allem, er bot die 40000 Frauen eine wirklich riesige Summe, damit sich die Ruhe lässt und aus Brüssel weggeht.

Dieses Angebot hat der Kurfürst natürlich nicht selber überbracht, sondern einen Abgesandten geschickt. Das ist echt super. Das klingt so wie der wie dieser klassische Meme von du gibst einem Straßenmusiker Geld dafür, dass er aufhört. Absolut. Naja, er hat auf jeden Fall einen Abgesandten geschickt und dem soll Julie dann das Geld vor die Füße geworfen haben.

Würde auf jeden Fall zu ihr passen. Und auch zu dem Straßenmusiker. Absolut. Wie auch immer, Julie blieb noch einige Zeit in Brüssel. Und dann kam 1698 die zweite Begnadigung von König Ludwig, dem 14. Warum hat er sie wieder begnadigt? Nach der ersten Begnadigung für Klosterbrandstiftung und Leichendiebstahl jetzt wieder wegen illegaler Duelle, man könnte ja meinen, der König würde irgendwann sagen, jetzt reicht's aber offensichtlich nicht, vielleicht lag es daran. Dass die 3 Adligen vom Ball nicht gestorben waren, sondern nur verletzt wurden.

Vielleicht hatte jemand am Hof ein gutes Wort für sie eingelegt, Philippe D. Orleans, bei dem der Ball stattgefunden hatte, war der Bruder des Königs und selbst bekannt für seine, Sagen wir mal, unkonventionellen Lebensweisen. Vielleicht hatte er Sympathie für Julie, oder vielleicht fand der König sie einfach zu unterhaltsam, um sie für über zu verbannen, oder er brauchte sie für die Oper. Die Gründe sind wieder unklar, aber das Ergebnis ist klar, Julie durfte wieder zurück nach Paris. Und als sie zurückkam, war sie nicht etwa in Ungnade gefallen, im Gegenteil, sie wurde als Star empfangen, die Leute wollten sie sehen, wollten die Frau erleben, die in Brüssel den Kurfürsten zur Verzweiflung getrieben hat.

Julie war jetzt nicht nur eine gute Sängerin, sie war ein Legende, also ging die Opernkarriere weiter, neue Rollen neuer Auftritte, mehr Erfolg, Julie war zurück und Paris hatte seine skandalöseste Diva wieder. Aber um 1701 oder 1702 passierte etwas, das zeigt, dass hinter den Skandalen Duellen Halt hinter der Legende auch eine echt verletzliche Seite existiert.

Julie verliebte sich in Francoise Moreau, besser bekannt als Franchon die war ebenfalls Opernsängerin, eine gefeierte Sopranistin an der Pariser Oper, und sie war die Geliebte des Grand Dorffin, des Thronvölkers Franchon war also nicht irgendwer, sie war erfolgreich begehrt, und sie hatte mächtige Verbindungen, Julie war. War verliebt, aber vor Sean wie sie zurück. Vielleicht war sie einfach nicht interessiert, vielleicht wollte sie ihre Position nicht gefährden, wie auch immer, Julie hat halt einen Korb bekommen und Julie reagierte darauf drastisch, sie versuchte sich umzubringen, die Details sind wieder mal unklar, aber dass sie es versucht hat es in verschiedenen Quellen erwähnt,

es hat nicht funktioniert offensichtlich, aber es zeigt wie emotional Julie sein konnte und wie sehr sie fühlte. Sie war halt eben nicht nur die coole Fechterin, die alle Regeln gebrochen hat, sie war auch jemand, der sich so sehr verlieben konnte, dass eine Zurückweisung sie fast umgebracht hätte. Und dann im Jahr 1703, traf sie jemanden, bei dem es anders lief, Madame La Marquise de Flora Sac, die Marquise war verheiratet, adlig und wurde von Zeitgenossen als eine der schönsten Frauen Frankreichs beschrieben. Wie genau sie und Julie sich kennenlernten, ist wieder nicht dokumentiert.

Vielleicht im Theater, vielleicht bei einem gesellschaftlichen Anlass. Aber sie lernten sich kennen, und es hat wohl ganz schön gefunkt, was wir über die Marquis wissen, kommt vor allem von einem Mann namens Saint Simon, der war ein Adeliger im Hof von Ludwig dem 14. Und schrieb sehr ausführliche Memoiren über alles, was am Hof passierte, und er erwähnt Julie und die Marquis, das ist wichtig, denn Saint Simon war kein Fan von Julie, er fand sich skandalös und unpassend, aber selbst er.

Beschreibt die Beziehung zwischen Julie und der Marquise als etwas Ernstes und wirklich echtes. Die beiden waren etwa 2 Jahre zusammen, von 1703 bis 1705 und das scheint die glücklichste Zeit in Julies leben gewesen zu sein. Sie sang weiterhin an der Oper, hatte Erfolg, aber sie hat auch jemanden, der wirklich zu ihr passte in diesen Jahren sang Julie einige ihrer bekanntesten Rollen sie. Konkret von andré Campra war eine große Produktion und Julie spielte die Hauptrolle und dann LA Vignette im Mai 1705 das sollte ihre letzte Aufführung werden. Warum die letzte, weil im Juli 1705 etwas passierte, dass Julies leben komplett veränderte am 2. Juli 1705 starb die Marquise de Florenzac plötzlich die genaue Todesursache ist nicht bekannt.

Aber sie starb und Julie brach danach einfach zusammen. Saint Simon schreibt in seinen Memoiren, dass Julie nach dem Tod der Marquis nicht mehr die gleiche Person war, sie sang nicht mehr, sie trat nicht mehr auf, sie zog sich komplett zurück, das war nicht wie nach Francois, wo Julie verzweifelt war, aber weitermachte, das war anders, die Marquise war für Julie nicht irgendeine Liebschaft gewesen, sondern wahrscheinlich die große Liebe, und die war jetzt weg.

Julie war etwas über 30 Jahre alt. Sie hatte eine erfolgreiche Karriere, sie war berühmt, sie hatte Geld, aber nichts davon interessierte sie mehr, sie wollte wohl nur noch weg, weg von der Bühne, weg von Paris und Weg von allem, was sie an die Geliebte und verlorene Person erinnert hat. Sie ging daraufhin in ein Kloster, nicht als Nonne, muss man sagen, also sie ist keinem Orden beigetreten, aber viele Klöster boten damals wohlhabenden Frauen die Möglichkeit, dort zu leben, ohne wirklich Teil des religiösen Lebens zu werden, so als Rückzugsort sie. Julie zahlte für ein Zimmer, lebte dort und man ließ sie in Ruhe.

Ob sie gläubig war, wissen wir tatsächlich nicht, vielleicht suchte sie Trost im Glauben, vielleicht wollte sie echt einfach nur Ruhe und Stille, vielleicht war das Kloster der einzige Ort, wo einfach keiner Fragen gestellt hat und keiner irgendwas von ihr erwartet hat, was wir wissen. Sie lebte dort sehr zurückgezogen, sprach mit kaum jemandem, sang nicht mehr die Frau, die einmal die Pariser Opernbühnen beherrschte, war verstummt und und 1707 starb sie dann. Sie war 33 bis 35 Jahre alt, je nachdem, ob sie 1673 oder früher geboren wurde.

Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt, sondern nur das Jahr, die Todesursache ist ebenfalls unklar, manche behaupteten später, sie sei an gebrochenem Herzen gestorben, an der Trauer um die Marquise, aber das ist wahrscheinlich romantische Übertreibung, wahrscheinlicher ist, dass sie krank wurde, vielleicht eine Infektion. Vielleicht etwas chronisches.

Die medizinische Versorgung war im 17 Jahrhundert ja nicht unbedingt gut und Julie hatte ein Leben gelebt, das ihren Körper nicht unbedingt geschont hatte. Sie wurde im Kloster begraben, wo genau, ist ebenfalls nicht bekannt, es gibt kein Grab, das man heute besuchen könnte, keine Gedenkstätte und auch kein Monument, für eine Weile war Julie Dobiny einfach in Vergessenheit geraten.

Eine skandalöse Opernsängerin aus dem 17 Jahrhundert, deren Name vielleicht noch in Opernarchiven auftauchte, aber sonst nirgendwo, aber dann über 100 Jahre später, fing die Legende an zu wachsen. Schriftsteller entdeckten ihre Geschichte wieder, Theophil Gautier schrieb 1835 seinen Roman Mademoiselle de Montpin komplett fiktional, aber inspiriert von Julie, die Geschichte wurde populär, wurde übertrieben und romantisiert und.

Und im 20. Und 21. Jahrhundert wurde Julie zu einer queeren Ikone. Eine Frau, die Männer und Frauen liebte, die sich nicht um Geschlechterrollen scherte, die kämpfte wie ein Mann und sang wie eine Göttin. Für viele Menschen ist sie heute ein Symbol dafür, dass man sein Leben nach seinen eigenen Regeln leben kann. Was bleibt also von ihr?

Erstmal die Fakten, eine außergewöhnlich talentierte Sängerin, die die französische Barockoper veränderte, indem sie als erste bardissy Hauptrollen sang. Eine Fechterin, die mit den besten ihrer Zeit mithalten konnte. Eine Frau, die zweimal vom König begnadigt wurde und die in ihrer Zeit und danach dann zur Legende wurde. Und dann sind da halt eben diese Legenden, eine Frau, die ein Kloster in Brand steckte, 10 Männer im Duell tötete, sich auf der Bühne erstach und nie Angst vor irgendwas hatte. Die Wahrheit liegt wie immer natürlich dazwischen, aber selbst wenn wir nur die dokumentierten Fakten nehmen, Julie war definitiv außergewöhnlich. Und am Ende, nach all den Skandalen und erfolgen, starb sie einsam in einem Kloster mit

gebrochenem Herzen. Über den Verlust der einzigen Person, die sie wahrscheinlich wirklich je echt geliebt hat. Und damit endet die Geschichte über diese echt faszinierende und vor allem unbeugsame. Frau ja faszinierend in jedem Falle. Das ist wirklich ein ganz besonderes Leben zu dieser Zeit und erstmal vielen Dank fürs Mitbringen von der Geschichte. Ich denke, alle, die sie noch nicht gehört haben, werden sicherlich so ne leicht runtergeklappte Kinnlade haben, denn man muss sich das wirklich reinziehen wann das war. Ja, wir reden hier vom 17.

Jahrhundert, das ist halt 1600 irgendwas, das ist halt wirklich lange her und dementsprechend ungewöhnlich war eben auch das. Was Sie, was Sie? Bedeutete das, was sie war? Ja, und auch wahrscheinlich genau deswegen einfach zur Legende geworden ist diese diese Einstellung von ich lebe mein Leben, so wie ich das für richtig halt, aber ich sag mal, das waren halt doch, das wissen wir ja nun heute sehr, sehr gut, es waren halt einfach regeln, die Menschen generell viel zu sehr beschränkt haben. Auf jeden Fall.

Und natürlich, ich kann mir vorstellen, oder ich bin mir sicher, dass durch die Geschichte der Menschheit das so ne Sache war, die halt immer dann im verdeckten war, weil Menschen sind immer schon Menschen gewesen. Aber sie hatte ja auch noch die besondere Stellung, dass sie auch noch sehr in der Öffentlichkeit stand.

Ja, absolut. Wahrscheinlich ist das eben auch der Teil oder das der Grund, warum sie so zur Legende geworden ist und. Einfach viele. Leute, sie kannten ja. Das ist genau das, was du vorhin gesagt hast. Sie ist halt irgendwie in ihrer Zeit so wie man das dann konnte, viral gegangen, ja, richtig, ja.

Wie gesagt, noch mal vielen Dank und damit sind wir am Ende der Folge angekommen. Wenn ihr uns Feedback geben wollt, worüber wir uns immer sehr freuen. Könnt ihr das über die Kommentarfunktion bei Spotify oder Apple Podcasts machen oder in den sozialen Medien oder auch schlicht und ergreifend per e Mail an feedback@wissensreisende.de? Ihr könnt jetzt auch persönlich schreiben, da gibt es halt noch jan@wissensreisende.de oder Chris ohne hatwissensreisende.de, da könnt ihr auch gerne themenwünsche hinterlassen, was uns natürlich noch mehr freuen würde ist, wenn ihr sagt das was ihr Macht ist echt cool und das möchte ich unterstützen und dafür gibt es die Möglichkeit Premium Mitgliedschaften abzuschließen,

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Und das lautet? Tschüss. Und.

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