
WR195 - Die Katastrophe, die unser Denken über die Natur veränderte
Freitag, 21. November 2025 · 1 h 00
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Shownotes
Der 01.11 1755 ist ein angenehmer Morgen in Lissabon. Und dazu mit Allerheiligen noch ein Feiertag. Die ganze Stadt strömt am Morgen zum Gottesdienst in die Kirchen.
Aber um Uhr beginnt die Erde zu beben, Europa erlebt as größte Erdbeben der Geschichte und Lissabon wird zu einem Trümmerhaufen.
Und während in Lissabon der Wiederaufbau der Stadt beginnt, bringt die Katastrophe auch die Philosophie der Zeit ins Wanken, und eine ganz neue Denkweise entsteht.
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#Erdbeben von Lissabon #Philosophie #Frühe Neuzeit #Südeuropa
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Yes, endlich machen wir mal wieder einen neuen Länderpunkt und die Geburtsstunde einer Wissenschaft. Schauen wir uns obendrauf auch noch an das. Klingt schon mal recht solide. Wo bringst du uns denn hin? Wieder mal auf die Iberische Halbinsel. Aber ich glaube, Portugal hatten wir bisher noch nicht und vor allem klären wir heute die Frage, warum es in einer Stadt, die bereits seit weit über 1000 Jahren urkundlich belegt ist, fast kein Gebäude gibt, das älter als 270 Jahre ist.
Na gut, dann würde ich sagen, spannen uns mal alle nicht länger auf die Folter okay. 1. November, 1755 Lissabon die Kirche von Sao Julian Ortszeit 09:38 Uhr, Wissensreisende. Wir schweben mitten im Kirchenschiff unter uns. Das müssen locker 500 bis 600 Menschen sein, und alle sind auf ihren Knien. Und dann gibt es noch diese riesigen Kronleuchter über uns. 3 Stück, und jeder davon wiegt über eine Tonne. Die.
Hängen aber an ziemlich dünnen Ketten. Moment, bewegen die sich ganz leicht? Ja, noch. Was heißt hier noch? In wenigen Minuten beginnt ein Ereignis, dass die Geschichte verändern wird, und zwar nicht nur hier in der Stadt. Hörst du das, dieses Grummeln? Das kommt von unten, aus der Erde. Die Kerzenständer vibrieren und die Menschen. Einige schauen sich jetzt hektisch um, sie werden immer unruhiger.
Scheiße, was war das denn, das erste richtige Beb Pass auf die Säulen auf, die sind doch aus massiven Steinen da, ein Riss, der wird immer größer, alle Rennen jetzt zur Tür aber aber die ist doch viel zu klein, hält unser Schiff das eigentlich aus wenn hier alles. Ist kein Problem, das Schiff hält die Menschen, aber nicht die Decke.
Die ganze Steindecke senkt sich die Kronleuchter, sie stürzen ab und der Priester bleibt einfach am Altar stehen und betet weiter. Wir sollten hier weg, und zwar besser sofort. Die Kirche, sie ist nur noch Trümmer, und das in diesen paar Sekunden. Aber die ganzen Menschen, die waren noch. Das war nur das erste Beben von dreien.
Es wird noch schlimmer. Ja, viel schlimmer. Und weißt du was dieses Erdbeben und das, was danach kommt, zerstört hier mehr als nur eine Stadt. Es erschüttert den Glauben einer ganzen Epoche. Wie meinst du das? Naja, Gott lässt die Häuser der Gläubigen einstürzen und das auch noch an Allerheiligen, während die Menschen beten. Nach diesem Tag stellen sich die Menschen fragen, die die Kirche bisher immer im Keim erstickt hat, sie suchen nach natürlichen Erklärungen, nicht mehr nach göttlich, und das war der Katalysator für ein neues Denken. Aber lass mich besser mal die ganze Geschichte dieses Tages erzählen.
Herzlich Willkommen bei Wissensreisende, dem Podcast über Geschichte, Menschen und Hintergründe. Wir haben uns hier schon wieder bereit gemacht, am Tisch in unserem Podcast Studio, in unserem Raumzeitschiff und ich freue mich, dass ihr alle hier seid und mit mir, freut sich der Jan. Hallo. Ihr Lieben, ich selbst bin der Chris, ihr kennt das schon.
Wir wollen gar nicht so viel Vorrede hier halten, ich lass den Jan einfach mal erzählen, denn diese Geschichte klingt faszinierend. Aber leider auch schon wieder ganz schön Grimm. Nun gut, liebe Leute, ihr wisst ja jetzt schon, was der Stadt Lissabon am 1. November 1755 droht, aber lasst uns die Stadt vor dem Beben noch mal n bisschen angucken. Lissabon liegt an einer der besten natürlichen Hafenanlagen Europas, die Stadt erstreckt sich über 7 Hügel an der Mündung des Tejo, Portugals Längstem Fluss, der hier in den Atlantik fließt, Mündung ist aber eigentlich schon fast das falsche Wort.
Der Tejo bildet hier einen riesigen Meeresarm, also eine natürliche Bucht, die fast 15 Kilometer ins Landesinnere reicht und stellenweise mehrere Kilometer breit ist. Diese Bucht war ideal für den Hafen, tief genug für die größten Schiffe, geschützt vor Atlantikstürmen und mit direktem Zugang zum Offenen Ozean. Die Stadt selbst war in 3 Bereiche geteilt, die Oberstadt auf den Hügeln, wo die Adligen und reichen wohnten, die. Die Unterstadt, die Baischer unten am Ufer, wo sich Handel und Gewerbe abspielten, und der Tehero do Paso, der große Platz direkt am Wasser mit dem Königspalast. Und jetzt stellt euch vor, ihr steht im Jahr 1755 am Hafen von Lissabon, um euch herum herrscht ein unglaubliches Treiben, Schiffe aus aller Welt legen an,
aus Brasilien, aus Indien, aus Afrika, die Luft ist erfüllt vom Duft exotischer Gewürze, vom Geschrei der Matrosen und vom Rufen der Händler. Und dann ist da eben noch die Stadt selbst, die sich über die 7 Hügel erstreckt, prächtige Paläste mit bunten Kacheln über 40, Kirchen mit goldverzierten Fassaden, die im Sonnenlicht glitzern.
Hier, in diesem Moment befindet ihr euch in einer der reichsten und mächtigsten Städte Europas, denn Lissabon war im 18 Jahrhundert nicht irgendeine Stadt, es war das glänzende Zentrum eines Weltreichs, da fragt man sich natürlich, wie konnte ein relativ kleines Land so reich werden? Und einen Teil der Antwort kennen wir schon aus unserer Folge zu celadenches und der Unabhängigkeit Brasiliens.
Dort in den Minen von Mina Gerais, wurde Gold gefördert, und zwar wirklich unfassbare Mengen Gold Schiff für Schiff brachte es über den Ozean nach Lissabon, man schätzt das allein im 18 Jahrhundert über 800 Tonnen Gold aus Brasilien nach Portugal kamen, das ist mehr als die Spanier zuvor aus ihren gesamten amerikanischen Kolonien geholt hatten, und Gold war nicht alles. In Minas Gerais wurden 1725 nämlich auch noch Diamanten gefunden.
Dazu kamen begehrte Handelswaren wie Gewürze aus Indien oder sei da aus China und alles Floß durch den Hafen von Lissabon. Die Stadt war damals buchstäblich das Tor zur Welt, und das machte Portugal mit diesem unglaublichen Reichtum, naja, König Joan der fünfte, der von 1707 bis 1750 regierte, hatte da sehr klare Vorstellungen, was er damit machen wollte. Er wollte Lissabon zur schönsten Stadt Europas machen. Und genau das hat er auch getan.
Überall entstanden prächtige Bauten, die Königliche Oper, die Opera do teju, war gerade erst im März 1755 eröffnet worden und galt bereits als eine der modernsten in ganz Europa, der Palast Johe, Alda, Hibera am Ufer des Teju, das war nicht einfach nur ein Palast. Er. Es war ein gewaltiger Komplex mit über 200 Räumen, einer eigenen Bibliothek mit Zigtausenden Büchern, königlichen Archiven und einer Schatzkammer, die ihresgleichen suchte, die Straßen gepflastert und sauber, die öffentlichen Plätze geschmückt mit Brunnen und Statuen und überall diese typisch portugiesischen Azuléjos die blau weißen Kacheln, die in der Sonne leuchteten, etwa 250000 Menschen lebten zu dieser Zeit in der Stadt. Das klingt für uns heute nicht
besonders viel, aber für das 18 Jahrhundert war das enorm. Lissabon war damit eine der größten Städte Europas, nur London und Paris waren größer, hier lebten die Adligen in prächtigen Stadtpalästen, Kaufleute aus ganz Europa, Handwerker, Künstler und Gelehrte, die Universität von Coimbra war berühmt in ganz Europa, Portugal war außerdem eine katholische Großmacht, und das sah man.
Kirchen in jeder Ecke, Klöster und religiöse Bruderschaften. Der internationale Handel machte Lissabon zu einer weltoffenen Stadt, man hörte Dutzende Sprachen auf den Straßen Italienisch, Englisch, Französisch, natürlich portugiesisch, jüdische Kaufleute, auch wenn sie offiziell zum Katholizismus konvertiert waren, spielten auch eine wichtige Rolle im Handel, aber auch Sklaven aus Afrika gehörten zur bitteren Realität dieser reichen Stadt, der Hafen war da wirklich das Herzstück von allem.
Hier war immer was los. Schiffe wurden be und entladen, waren wurden Verzollt und Geschäfte gemacht. Die Hiebera die Uferpromenade war ein ständiges Kommen und gehen, hier spazierte der Adel, hier arbeiteten die Hafenarbeiter und hier trafen sich Menschen aus allen Kontinenten und über allem thronte das Castello de Saint George auf einem der Hügel, von dort oben hatte man den perfekten Blick über diese pulsierende Stadt und über den Tejo Fluss, der sich breit und mächtig ins Meer ergießt.
Es war eine Stadt voller Leben, voller Zuversicht, voller Pracht. Eine Stadt, in der die Menschen glaubten, ihr goldenes Zeitalter würde ewig andauern. Keiner hat eine Ahnung, was am Morgen des 1. November 1755 passieren würde, niemand hätte sich den Tag vorstellen können und niemand hätte sich überhaupt vorstellen können, dass diese mächtige, reiche, prächtige Stadt in kürzester Zeit nahezu vollständig von der Landkarte getilgt werden würde, aber genau dazu sollte es halt kommen.
Der 1. November 1755 begann wie ein perfekter Herbsttag. Die Sonne stand schon am Himmel, als die Lissabon aus ihren Häusern kamen. Ein milder, klarer morgen, nicht zu heiß, nicht zu kalt, so einer dieser Tage, an denen man sich einfach gut fühlt, aber es war auch nicht irgendein Tag, denn der 1.
November ist Allerheiligen, und das ist eines der wichtigsten Feste im katholischen Portugal. Damals ein Tag, an dem man der Verstorbenen gedachte, ein Tag der Besinnung, der Andacht und. Und das bedeutete, die ganze Stadt strömte in die Kirchen, 40, Kirchen, dazu noch unzählige Kapellen, und überall läuteten die Glocken. Man konnte Adlige in ihren prächtigen Gewändern sehen, Kaufleute mit ihren Familien und auch einfache Handwerker oder Dienstboten, praktisch alle machten sich auf den Weg zur Messe, in den Kirchen war es feierlich, Hunderte von Kerzen brannten für die Toten, für die Heiligen, für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, und auch die Priester trugen ihre festlichsten Gewänder, die.
Die Orgeln spielten. Es war ein Tag voller Spiritualität und voller Glauben. König Jose der Erste war übrigens nicht in der Stadt, er und seine Familie waren außerhalb Lissabons, in Belem, wo sie eine ihrer Residenzen hatten, auch sie würden natürlich zur Messe gehen, aber eben nicht im Zentrum der Stadt, in der Baischei der Unterstadt am Hafen drängten sich die Menschen besonders dicht, hier lagen viele der wichtigsten Kirchen, die Igoria Jesao Paulo. Die Kirche der Dominikaner, die Kathedrale See, alle waren gefüllt, bis auf den letzten Platz. Und dann, es war kurz vor 10:00 Uhr morgens, hörten manche Menschen ein seltsames Geräusch, ein dumpfes Grollen sowie Donner weit entfernt, aber auch
irgendwie nicht ganz wahrscheinlich haben ein paar Hunde auf den Straßen angefangen zu bellen und Vögel sind plötzlich in Schwärmen hochgeflogen. Aber die meisten Menschen in den Kirchen bemerkten davon wahrscheinlich nichts. Die waren versunken im Gebet, konzentriert auf die Messe oder auf ihre Andacht.
Keiner wusste, dass tief unter dem Meeresgrund, ungefähr 200 Kilometer südwestlich der Küste, in diesem Moment unvorstellbare Kräfte am Werk waren, keiner wusste, dass da, wo die afrikanische und die eurasische Erdplatte aufeinandertreffen, sich die Spannung aufgebaut hat über Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende und. Und dass diese Spannung jetzt in genau diesem Moment freigesetzt werden würde, das war um 09:40 Uhr am Morgen. Und dann bebte die Erde.
Die ersten Sekunden fühlten sich wahrscheinlich fast harmlos an, ein Rütteln oder Zittern in den vollbesetzten Kirchen haben sich die Menschen vielleicht kurz umgeguckt und sich gefragt, was das wohl gewesen sein mochte, und dann wurde aus dem Rütteln ein ein Schütteln und aus dem Schütteln wurde dann ein wirkliches Toben der Erde. Der Boden unter den Füßen der Menschen begann sich zu bewegen, nicht sanft oder gleichmäßig, sondern wild, heftig und unberechenbar, nach links, nach rechts, hoch und runter. Der schönste Vergleich, den ich dazu gefunden habe, war, als würde ein Riese die ganze Stadt wie eine spielzeugschachtel durchschütteln, ja, da möchte man echt nicht in der Stadt sein, auf keinen Fall, wir
sprechen hier von einem Beben mit einer Stärke von geschätzt 8,5 bis 9 auf der Moment magnituden Skala. Diese Skala ist logarithmisch. Das bedeutet, jede Stufe nach oben ist nicht einfach eine Stufe mehr, sondern bedeutet etwa 32 mal so viel Energie. Ein Sprung von 7 auf 8 bedeutet also eben schon die 32 fache Energie nicht 32 dazu, sondern mal 32, um das einzuordnen. Das verheerende Erdbeben in Haiti 2010, bei dem über 200000 Menschen starben.
Hatte eine Stärke von 7,0 das Beben in der Türkei und Syrien 2023 das ebenfalls 10 Tausende Todesopfer forderte, hatte eine Stärke von 7,8 Lissabon 1755 war noch deutlich stärker. Wissenschaftler vergleichen die Energie von Erdbeben ja manchmal mit der Energie von Atombomben, ein Beben der Stärke 8,5 setzt ungefähr so viel Energie frei. Wie 67000 Hiroshimabomben gleichzeitig ja, und dabei muss man noch bedenken, immer wenn man so an so ne Atombombe denkt, die über ne Stadt abgeworfen wird, die explodiert in der Luft und du hast einfach in Anführungsstrichen einfach die Druckwelle, die von oben herunterkommt. Hier hast du das Ding von, dass du die Erde halt eben zum Beben bringst, du du Zündest unter der
Erde, das heißt du hast mit Rissen zu rechnen, du hast mit ganz anderen Auswirkungen zu rechnen. Ja und alleine nur diese Energiemenge ist schon kaum vorstellbar. Die ist nicht vorstellbar. Ich würde überhaupt nicht, kann sie mir nicht vorstellen. Wahrscheinlich nur mit vergleichen halt irgendwo.
Ja genau, aber diese Vergleiche hinken ja auch schon wieder, weil was heißt ich meine man kann sich ja schon nicht mal irgendwie die Energie einer Atombombe vorstellen. Ja, wenn dir dann jemand sagt, es sind 67000 mal ein Wert, den du dir nicht wirklich vorstellen kannst, dann weißt du einfach nur, es ist fürchterlich viel, aber mehr kann man da nicht wirklich draus machen. Diese gewaltige Energie, die war nicht nur in Lissabon spürbar. Dieses Beben erschütterte halb Europa und Nordafrika, in Marokko, in den Städten FES und Mikines kamen tausende Menschen ums Leben, in Algier wurde ein großer Teil der Stadt zerstört, in Luxemburg stürzte eine Kaserne ein, in Holland rissen sich Schiffe aus ihren
Verankerungen, in Venedig wackelte das Dach des Dogenpalastes, in der Schweiz schlugen Binnenseen plötzlich hohe Wellen. Und in Hamburg, in Hamburg war das Beben auch zu spüren. Es war 1 der gewaltigsten Erdbeben, das Europa je erlebt hat. In den Kirchen brach Panik aus, Menschen schrien und versuchten zu fliehen, die Kirchenbänke rutschen über den Boden, Kerzenständer kippten um, die Mauern begannen zu zittern, die ersten Risse erschienen zuerst, feine Linien, die sich blitzschnell durch die Wände zogen, dann breitere Spalten, Putz regnete von der Decke und. Und dann begannen die Gewölbe einzustürzen. Tonnen von Steinen, die auf die betenden Menschen herabstürzten keine Warnung, keine Chance zu
fliehen, ein Ohrenbetäubendes donnern, ein Krachen, das alles übertönte und natürlich Staub, der alles einhüllte. Die Igorische Sao Paulo komplett eingestürzt, die Kirche der Dominikaner zerstört, die Kathedrale schwer beschädigt, Teile der Mauern brachen weg. Überall in der Stadt, in allen 40 Kirchen die gleiche Katastrophe und sie waren alle voll mit Tausenden von Menschen, die die Messe zu Allerheiligen feierten. Aber es waren nicht nur die Kirchen draußen auf den Straßen war das Chaos natürlich nicht weniger schrecklich, Paläste, die seit Jahrhunderten standen, begannen zu wanken, der prächtige Palace viralda Hibera mit seinen 200 Räumen, die Mauern bekamen Risse, die Tür bestürzten, ein ganze Flügel kollabierten.
Die Königliche Bibliothek mit ihren unschätzbaren Büchern, die Archive mit jahrhundertealten Dokumenten, alles unter Tonnen von Schutt begraben. Die Opera do Tejo, dieses wundervolle moderne Theater. Erst im März eröffnet. Sie hielt dem Beben ebenfalls nicht stand, die prächtigen Innendekorationen, das Gold, die Bühne, die Sitzreihen, alles zerquetscht und zerstört, Wohnhäuser fielen in sich zusammen wie kartenhäuser, Menschen, die in ihren Häusern waren, hatten keine Chance. Die Decken stürzten auf sie herab oder die Wände begruben sie und das Beben hörte nicht auf. Es dauerte und dauerte, manche Augenzeugen sprachen später von 3 Minuten, andere von 6.
Selbst 3 Minuten Erdbeben ist unglaublich lang und. Unglaublich heftig. Ja, und es ist die Sache, man muss immer noch wissen, wenn du heute ein Erdbeben erlebst und. Dann bist du dir darüber bewusst. Ich erlebe gerade ein Erdbeben. Stimmt, damals hast warst du dir wahrscheinlich darüber bewusst, dass jetzt die Welt untergeht?
Genau. Was Welt geht unter Gott, straft ich gerade und alle um dich herum für irgendwas, was du nicht verstehst. Aber wirklich 3 Minuten reichen komplett? Ja, stellt euch das einfach vor. 3 bis 6 Minuten, in denen die Erde unter euch komplett verrückt spielt und ihr habt keine Ahnung, was da vor sich geht. Auf den Straßen versuchten Menschen zu fliehen. Aber wohin der Boden unter ihren Füßen bewegte sich so heftig, dass sie kaum stehen konnten, sie fielen hin, rappelten sich wieder hoch, rannten irgendwo durcheinander, Mauern stürzten auf sie herab, Dachziegel flogen durch die Luft wie Geschosse, der Lärm muss unbeschreiblich gewesen sein, das Donnern der einstürzenden Gebäude, das
Krachen von Splitterndem Holz und Brechendem Stein, die Schreie der Menschen dazwischen, alles vermischt sich dann irgendwie zu einer richtigen Kakovonie, reinen Grauens. Und dann, als wäre das nicht genug, begann die ganze Stadt, sich in eine riesige Staubwolke zu hüllen. Der Putz von Tausenden von Gebäuden, der Staub von Zermalen Steinen, die Asche von umgestürzten Feuerstellen, alles wirbelte durch die Luft, die Sonne verschwand hinter diesem grauen Schleier, es wurde dunkel, mitten am Vormittag, die Menschen konnten kaum noch atmen und kaum noch sehen, und die Stadt selber war nach diesen 3 bis 6 Minuten nicht mehr wiederzuerkennen statt. Straßenzüge, die vorher klar definiert waren, existierten einfach nicht mehr.
Nur noch Trümmerberge, prächtige Plätze waren zu schuttfeldern geworden, die stolzen Paläste, Ruinen, die prächtigen Kirchen, Massengräber. Man schätzt, dass 85% aller Gebäude in Lissabon in diesen wenigen Minuten zerstört oder zumindest schwer beschädigt wurden, 85% eine ganze Stadt ausgelöscht in der Zeit, die man braucht, um eine sehr heiße Tasse Kaffee zu trinken. Und dann, gerade als die Menschen dachten, es sei jetzt vielleicht endlich vorbei, kam das erste Nachbeben noch mal etwa 2 Minuten lang.
Gebäude, die nach dem ersten Beben noch standen, wackelten erneut. Menschen, die versuchten, aus den Trümmern zu kriechen, wurden wieder zu Boden geworfen und noch mal kurze Zeit später folgte ein zweites Nachbeben, wieder etwa 2 Minuten, aber es war noch lange nicht vorbei für die Menschen, die jetzt noch in Lissabon am Leben waren, das.
Das Beben und die Nachbeben war nämlich nur der Anfang. Denn die Menschen, die überlebt hatten, die sich aus den Trümmern befreien konnten, die machten sich jetzt auf den Weg zu dem einzigen Ort, der irgendwie Sicherheit zu versprechen schien, und zwar zum Hafen, zum offenen Raum am Wasser, einfach nur weg von den einstürzenden Gebäuden.
Vom Prinzip her auch erstmal kein doofer Gedanke. Absolut nicht. Es war auch ein Gedanke, den hatten Tausende ja leider genau. Weil sie hatten keine Ahnung, dass sie da direkt auf die nächste Katastrophe treffen würden. Ungefähr 10000 Menschen drängten sich irgendwann auf dem Tehero do Passo, dem riesigen Platz direkt am Tejo. Der Platz selbst war offen, und hier fühlten die Menschen sich sicher, immerhin konnten sie hier nicht von einstürzenden Gebäuden erschlagen werden, aber dann bemerkten sie etwas Seltsames, das Wasser des Tejo zog sich zurück, langsam und stetig.
Dann wissen ja eigentlich wir und unsere geneigten Hörer schon, was jetzt kommt. Die Menschen damals wussten das aber nicht. Der Fluss wurde schmaler, immer schmaler und der Meeresarm, der normalerweise breit und tief war, wurde zu einem Rindersaal. In der Situation muss das auf die Gläubigen Christen wie ein Wunder gewirkt haben, vermutlich hat der ein oder andere sogar daran gedacht, dass Gott ja auch das Rote Meer geteilt hat, um Moses und seinem Gefolge die Flucht aus Ägypten zu ermöglichen.
Oder man hat gedacht, die Katastrophe geht einfach nur genauso weiter. Jetzt verschwindet sogar das Meer. Ja, oder das der Grund des Tejo wurde sichtbar und die Schiffe im Hafen lagen auf dem trockenen Schiffswracks, die seit Jahrzehnten auf dem Grund gelegen hatten, kamen zum Vorschein, Ladung, die bei Stürme über Bord gegangen war, Anker, Kanonen, der Ganze versunkene Reichtum des Hafens lag plötzlich da im Schlamm in der Sonne, einige gingen näher ran, fasziniert von dem unglaublichen Anblick. Einige stiegen sogar ins Flussbett herunter. Sie wollten die Schätze sehen, die Wracks und die Verlorenen waren, sie hatten halt keine Ahnung, was das bedeutete, was ich da gerade vor ihren Augen
abspielte, niemand vor Ort damals hatte das in Europa gab es keine Erfahrung mit Tsunamis, niemand wusste, dass das zurückweichende Wasser eine äußerst deutliche Warnung war, und dann hörten sie es, das Rauschen, leise, erst dann lauter, immer lauter und. Und es wurde immer lauter wie Donner und das Meer kam zurück um 09:40 Uhr das Beben um 10:20 Uhr der Tsunami 40 Minuten, das war die Zeit, die die Welle gebraucht hat, um von ihrem Entstehungsort etwa 200 Kilometer südwestlich von Lissabon bis zur Flussmündung zu kommen. Im Tiefen Ozean raste sie mit bis zu 800 Kilometern pro Stunde dahin, schnell wie in Düsenjet, das. Aber je näher sie der Küste kam, desto flacher wurde das Wasser und desto mehr bremste die Welle
ab. Das Wasser wurde langsamer, aber dafür höher, die ganze Energie, die auf dem Offenen Ozean in der Geschwindigkeit gesteckt hatte, ging jetzt in die Höhe, die Welle türmte sich auf, bis auf 12 bis 15 Meter eine Wand aus Wasser. Ihr müsst euch das so vorstellen, da kommt eine Wand aus Wasser, so groß wie ein Vierstöckiges Haus mit immer noch ungefähr 50 Kilometern pro Stunde auf euch zu. Es gibt so ziemlich nichts, was diese Wand aufhalten kann bei dem Tsunami von 2004 im Indischen Ozean erreichten die Wellen in Wanda AK 10 Meter Höhe in engen Buchten sogar 30 Meter 230000 Menschen starben, in Lissabon waren es 12 bis 15 Meter.
Für die Menschen am Tehero Dopasso war das mehr als genug. Als die ersten Menschen die Welle sahen, konnten sie nichts anderes tun als Rennen, auch wenn es schon fast wahrscheinlich sinnlos war, sie konnten einfach nur rennen zurück in die Stadt, zurück zu den Trümmerbergen, alles schon wieder besser als das hier, die meisten hatten aber wie gesagt keine Chance, die Welle rast über den Platz mit der Wucht eines Güterzugs, sie riss alles mit.
Menschen, Trümmer, karren, Pferde, die schweren Marmorstatuen auf dem Platz wurden umgerissen wie Spielzeug. Wie wenn ein kleiner Junge einen Wutanfall bekommt und seine Bauklötze darunter leiden müssen. Das Wasser schoß in die Unterstadt, 250 Meter drang es ins Stadtgebiet ein, durch die engen Gassen und das Wasser Risse weg, was das Beben noch stehen gelassen hatte, und dann kam der sog, als die Welle zurückging, zog sie alles mit ins Meer. Menschen, die sich an Balken festklammern, an Mauern, an irgendwas.
Aber der Zug war zu stark, das Wasser riss sie mit raus auf den Fluss Tejo und raus aufs Meer, es war aber ja nicht nur ein Beben, und darum war es auch nicht nur eine Welle, es war nämlich 3 Monster Wellen analog zu den 3 Beben, die zweite kam 20 Minuten nach der ersten, wieder türmte sich das Wasser auf, wieder rast ist über den Platz und über die Unterstadt.
Die dritte Welle eine weitere halbe Stunde später, die war jetzt schwächer, aber für die Menschen, die um ihr Leben kämpften, machte das keinen Unterschied. Dass die Wellen ein bisschen schwächer war in der Algarve im Süden Portugals war es noch schlimmer, dort erreichten die Wellen 20 Meter Höhe, ganze Dörfer wurden ausgelöscht, einfach weg, die Wellen überquerten den Atlantik, trafen die Azoren, die Kapverden, in Nordafrika, in Marokko starben vielleicht 10000 Menschen. Auch wieder aufgrund dieses Tsunamis. In England lief eine 3 Meter hohe Welle auf und sogar in der Karibik, in Martinico Barbados wurden noch Schäden gemeldet, aber in Lissabon am Tehero Dopasso war jetzt erst einmal Stille, das Wasser war
zurückgegangen und der Platz war leer, übrig waren nur noch Schlamm, Trümmer und Leichen, die Menschen, die überlebt hatten, die in höher gelegene Stadtteile geflogen Waren, kamen ganz langsam zurück. Und starten wahrscheinlich auf das, was von Ihrem Hafen und von ihrer Unterstadt überhaupt noch übrig war. Das war nämlich fast nichts mehr und während die Menschen noch da standen und wahrscheinlich ewig versucht haben zu begreifen, was da gerade um sie herum passiert ist, konnten es die ersten vermutlich so langsam riechen, und zwar Rauch, weil die Stadt brannte, das Waren unter anderem die ganzen Kerzen. In jeder Kirche hatten Hunderte Kerzen gebrannt, Tausende für die Toten, für die Heiligen, auf
jedem Altar, in jeder Nische, überall offenes Feuer. Und dann kam halt das Beben, die Kerzen stürzten um, fielen auf hölzerne Bänke, auf Stoffteppiche, auf die trockenen Holzbalken der Decken, und während die Menschen aus den einstürzenden Kirchen flohen, während sie zum Hafen rannten, während der Tsunami kam, da fraß sich das Feuer schon durch die Ruinen. Natürlich waren es nicht nur die Kerzen. In jedem Haus hat ein Feuer gebrannt. Kochfeuer Herdfeuer der 1.
November war ein Feiertag und die Familien hatten gekocht, Festessen vorbereitet und als die Häuser einstürzten, als die Mauern zusammenbrachen, fielen die glühenden Kohlen auf Holzmöbeln auf. Alles, was irgendwie brennen konnte an 100 Stellen. Gleichzeitig begann es zu qualmen, zu glühen und zu brennen, zuerst merkte das Halt kaum jemand, die Menschen waren mit dem Tsunami beschäftigt und mit dem reinen und nackten Überleben.
Aber dann, als das Wasser zurückgegangen war, als die Stille kam, bemerkten sie die Rauchsäulen. Erst eine, dann 2, dann 10 und dann einfach überall Lissabon Brand und keiner konnte was dagegen tun. Normalerweise hätte die Stadt eine Chance gehabt, Lissabon hatte Brunnen, Wasserleitungen, Aquädukte, ein ganzes System, um Feuer zu bekämpfen, aber das Beben hatte alles zerstört, die Leitungen waren geborsten, die Brunnen verschüttet.
Das große Aquädukt, das frisches Wasser in die Stadt brachte, war gebrochen, und zwar an mehreren Stellen. Manche versuchten es trotzdem, bildeten Ketten vom T Show zu den brennenden Häusern und reichten Eimer weiter, aber das war vollkommen sinnlos, viel zu wenig Wasser für viel zu viele Brände und dann kam auch noch der Wind dazu, ein frischer starker Wind vom Meer an einem normalen Tag wäre das angenehm gewesen, jetzt war es einfach nur noch die nächste Katastrophe. Das Feuer fraß sich durch die Stadt, durch die Alphama, durch die Beischa.
Überall, wo noch etwas stand, überall, wo das Beben und der Tsunami irgendwas übrig gelassen hatten. Das holte sich jetzt das Feuer, die prächtige Oper schon nach dem Beben stand nicht mehr viel, aber jetzt verschlangen die Flammen die Bühne, die Sitze, die kunstvollen Malereien an den Wänden, einfach alles, der Königspalast mit jahrhundertealten Gemälden, mit kostbaren Möbel und.
Und die königliche Bibliothek mit 70000, Büchern, Manuskripten und Dokumenten. Die ganze Geschichte Portugals, alles verbrannte und die Menschen flohen wieder, jetzt weg vom Hafen und der Unterstadt in die höher gelegenen Stadtteile. Aber selbst da waren sie nicht sicher, denn der Wind trieb funken durch die Luft, glühende Holzsplitter fielen auf neue Häuser und entfachten immer mehr Brände, nachts war der Himmel rot, orange und gelb, so als hätte sich die Hölle aufgetan, das.
Der Rauch war so dicht, dass die Sonne tagsüber nicht durchkam. Eine ewige Dämmerung lag praktisch über der Stadt und dieser Brand, der tobte jetzt 5 Tage. Aber so langsam nach diesen 5 Tagen ging dem Feuer die Nahrung aus, es hatte sozusagen fast alles in der Stadt gefressen, was übrig war, war ein Meer aus Ruinen und Asche, hier und da luderte es noch glühte oder rauchte.
Erst nach 6 Tagen war es endlich vorbei und das Feuer Losch nicht weil irgendjemand es gelöscht hätte, einfach weil nichts mehr übrig war zum Verbrennen. Wie schon gesagt, über 85% aller Gebäude zerstört, entweder vom Beben oder vom Tsunami oder vom Feuer oder einfach von allen dreien zusammen, keiner wusste genau, wie viele Menschen das Unglück überlebt hatten oder ihnen zum Opfer gefallen waren, niemand konnte eine Zählung vornehmen, zu viel Chaos, zu viel Zerstörung und zu viele Leichen. Viele waren vom Tsunami ins Meer gespült worden, andere lagen im Moment unerreichbar begraben unter den Trümmern, wieder andere waren einfach zu Asche geworden. Die Schätzungen gingen und gehen auch heute noch auseinander. 30000 Tote, 60000, vielleicht
sogar 100000 Lissabon hatte vor der Katastrophe 250000 Einwohner gehabt, und jetzt war vielleicht ein Viertel tot, vielleicht noch mehr eine der reichsten, prächtigsten Städte Europas. Handelszentrum eine Metropole innerhalb von 6 Tagen komplett vernichtet, aber es war damit noch nicht vorbei, denn jetzt begann das, was vielleicht am schlimmsten war, nämlich das überleben 100 Tausende Menschen ohne Obdach, ohne Essen, ohne Wasser, ohne alles. Der Winter stand bevor und die Nächte wurden langsam kalt und über allem hing der Gestank von Tod und beginnen der Verwesung. Wie sollte es jetzt weitergehen?
Wer hilft, wer soll irgendwie mal irgendeine Form von Ordnung wiederherstellen? Die Antwort auf diese Fragen kamen von einem Mann, den die meisten bis dahin kaum kannten, sein Name war Sebastian Jose Gi Cavalio Imelo Sebastian war 56 Jahre alt, als die Katastrophe Portugal traf, bis zu diesem Moment war seine Karriere durchaus respektabel, aber nicht außergewöhnlich gewesen. Er stammte aus dem niederen Landadel, hatte Jura an der Universität Coimpla studiert und kurz in der Armee gedient. 1738 wurde er als Botschafter nach London geschickt, dort verbrachte er 7 Jahre und beobachtete die britische Wirtschafts und Handelspolitik mit großem Interesse, er lernte nie Englisch, las aber englische
Schriften in französischer Übersetzung und war beeindruckt von Englands kommerzieller Stärke. 1745 wurde er als Gesandter nach Wien geschickt, wo er 2 Jahre später die österreichische Gräfin Eleonora von Daun heiratete. 1750 kehrte er nach Portugal zurück, der neue König josé I. Ernannte ihn zum Minister für Außenbeziehungen.
Doch erst das Erdbeben vom 1. November 1755 sollte Sebastian zu einer entscheidenden Figur der portugiesischen Geschichte machen, allerdings ist er eher bekannt unter dem Titel, den er später erhielt, und zwar marqueste Pombal, der. König Jose der erste hatte die Katastrophe überlebt, war aber traumatisiert. Er weigerte sich, jemals wieder ein steinernes Gebäude zu betreten und verbrachte wirklich den Rest seines Lebens ausschließlich noch in Zelten und Holzpavillons außerhalb der Stadt.
Die Führung des Landes konnte er in diesem Zustand und in dieser Situation definitiv nicht übernehmen, also übernahm Pombal, der König fragte ihn, was sollen wir jetzt machen? Und pombals Antwort wurde berühmt. Knappe Worte, die zeigen, wie er dachte, praktisch, nüchtern und ohne Sentimentalität, und diese Worte lauteten Nth aus Mordus Iqidatus Vivus die Toten begraben und die Lebenden versorgen, und genau das hat er gemacht, sofort und ohne zu zögern. Problem Nummer 1, die Leichen überall lagen Toten. Anfang November war es nicht zu heiß, aber auch nicht kalt genug, um die Verwesung aufzuhalten. Und es war klar, innerhalb kürzester Zeit würden solchen Ausbrechen, Cholera, Typhus oder
vielleicht sogar die Pest. Überlebende würden sterben, und zwar nicht durch die Katastrophe, sondern durch die Krankheiten. Pombal handelte schnell, er befahl, alle Leichen müssen so schnell wie möglich beseitigt werden, aber nicht einzeln begraben, dafür war keine Zeit, Massengräber. Würde auch zu lange dauern.
Seine Lösung war kalt und brutal, aber effektiv. Die Leichen wurden auf Boote geladen und aufs offene Meer gebracht, dort wurden sie ins Wasser geworfen und sozusagen dem Meer übergeben, es war respektlos und einfach schrecklich, Familien konnten ihre Toten nicht betrauern, es gab keine Beerdigungen, keine Riten, aber es verhinderte solchen und damit rettete es die lebenden Problem Nummer 2 Plünderung. In Katastrophensituationen zeigt sich immer wieder das beste und auch das Schlechteste der Menschheit. Viele Menschen halfen einander, teilten ihr Essen, ihr Wasser oder suchten zusammen nach Überlebenden, aber andere nutzten das Chaos aus, sie durchsuchten die Ruinen nicht nach Überlebenden, sondern nach
Gold, Silber oder ein, was irgendwie wertvoll war, Plünderer zogen durch die Stadt, raubten und stahlen, und wenn ihnen jemand im Weg stand, töteten sie manchmal sogar pomba reagierte mit eiserner Härte. Er erließ Kriegsrecht, und zwar sofort. Jeder, der beim Plündern erwischt wurde, wurde hingerichtet, ohne Prozess, ohne Verhandlung, und zwar an Ort und Stelle.
Geigen wurde in der ganzen Stadt aufgestellt, die Leichen der Plünderer ließ man zur Abschränkung hängen, die Message war sehr klar, Ordnung muss sein, auch jetzt und vielleicht gerade jetzt, das war wieder hart und brutal, aber es funktionierte und die Plünderungen hörten auf. Problem Nr. 3 die Überlebende 100 Tausende Menschen ohne Obdach, ohne Essen, ohne Wasser. Pombal organisierte alles, und zwar systematisch, fast schon militärisch.
Nahrung wurde aus dem ganzen Land nach Lissabon gebracht, alles wurde verteilt, und zwar rationiert und kontrolliert, Notunterkünfte wurden errichtet, auf den Hügeln rund um die Stadt entstanden ganze provisorische Zeltstädte, sie schützten zumindest vor Regen und Kälte, Wasser wurde organisiert.
Brunnen außerhalb der Stadt wurden gefunden und frisches Wasser wurde bewacht. Zu den Menschen transportiert und verteilt. Pombal Delegierte befahl und kontrollierte, er war praktisch überall, behielt alles im Auge und ließ sich von niemandem beirren. König josé der erste war auf jeden Fall beeindruckt, er gab Pombal immer mehr macht und Autorität und praktisch wurde Pombal so zum Herrscher über Portugal.
Er war aber nicht nur ein Mann der tat, er war auch ein Mann der Wissenschaft. Oder zumindest hatte er verstanden, wie wichtig wissen ist. Während die Stadt noch rauchte, während die Menschen noch in Zelten hausten, tat er etwas Außergewöhnliches, woran vielleicht zu dieser Zeit in der Geschichte noch nicht viele gedacht hätten. Er verschickte nämlich einen Fragebogen, und zwar an alle Pfarrer, Bürgermeister und alle Beamten des Landes. Der Fragebogen hatte detaillierte Fragen, wie lange dauerte das Beben, wie viele Erdstöße gab es? Welche Gebäude sind eingestürzt und welche stehen geblieben? Gab es ungewöhnliche Phänomene, zum Beispiel bei Tieren oder im Wasser, starben mehr Menschen in
Steingebäuden oder in Holzhäusern und wie hoch war der Tsunami, wie weit ist er ins Land eingedrungen? Es war der erste systematische Versuch in der Geschichte, ein Erdbeben wissenschaftlich zu dokumentieren, der erste Erdbeben Fragebogen der ganzen Welt die Antworten kamen von überall, pomba ließ sie sammeln, auswerten und analysieren.
Und zwar, weil er halt einfach irgendwie verstanden hatte. Das nächste Beben würde kommen, irgendwann, vielleicht in 10 Jahren, vielleicht in 100, aber es würde kommen, und wenn es kam, dann wollte Portugal vorbereitet sein und unter dieser Voraussetzung begann der Wiederaufbau der Stadt. Pombai wollte nicht einfach das alte Lissabon wieder errichten, er wollte eine neue, moderne, erdbebensichere Stadt schaffen.
Er beauftragte ein Team von Architekten und Militäringenieuren unter der Leitung des erfahrenen Ingenieurs Manuel Damaja. Die Herausforderung war enorm. Wie baut man Gebäude, die einem Erdbeben standhalten, die Lösung, die sie entwickelten, war revolutionär, und das war die sogenannte Gaiola Pombalina oder zu Deutsch der Pombalinische Käfig. Das Prinzip war so einfach wie genial. Das Erdbeben hatte gezeigt, dass reine Steinbauten zu starr waren.
Sie konnten die seismische Energie nicht absorbieren und zerbrachen daran. Reine Holzbauten hingegen waren zwar flexibel, aber anfällig für Feuer, wie die Brände nach dem Beben büßen hatten. Die Gaiola kombinierte beide Materialien, eine dreidimensionale Holzstruktur wurde in die Mauerwerkswände eingebettet, quasi ein Skelett aus Holzbalken und Holzstützen innerhalb der Steinmauern, die Inspiration dafür kam aus dem Schiffsbau.
Schiffe mussten auf dem Meer ständiger Bewegung standhalten und ihr Holzgerüst war flexibel genug, Umzug und Druckkräfte aufzunehmen. Das Holzgerüst wurde etwa 5 Zentimeter tief in das Mauerwerk eingelassen, Eisenbänder verbanden die Holzbalken mit den Säulen, mit den Decken und dem Dach und so entstand ein flexibles, aber stabiles System.
Das Gebäude konnte bei einem Erdbeben schwanken, ohne einzustürzen. Die seismische Energie wurde durch die Elastizität des Holzes und die Flexibilität der Verbindungen absorbiert und abgeleitet. Gleichzeitig bot das umgebende Mauerwerk aber Schutz vor Feuer und das war wirklich ein entscheidender Vorteil.
Und selbst wenn Teile des Gebäudes bei einem Beben beschädigt würden, sollte der innere Holzkäfig einen geschützten Bereich für die Bewohner schaffen. Jetzt war nur die Frage, funktioniert das denn auch wirklich, was die sich da ausgedacht haben? Die Architekten testeten ihre Konstruktion auf eine Weise, die echt clever war. Sie bauten Modelle der neuen Gebäude und ließen Soldatenregimenter im Gleichschritt um sie herum marschieren, die rhythmischen Erschütterungen simulierten ein Erdbeben, die Modelle mit der gaiola Konstruktion hielten stand, die traditionellen Bauweisen stürzten ein, es war einer der ersten experimentellen Tests in der Geschichte der Erdbebeningenieurwissenschaft,
die. Das System erwies sich als so erfolgreich, dass es nicht nur in Lissabon, sondern später in ganz Portugal verwendet wurde. Nach dem verheerenden Erdbeben in Kalabrien 1783 wurde ein Palast nach dem gaiola Prinzip in der Stadt Philogaso gebaut, und es war das einzige Gebäude, das das nächste große Beben überstand, das neue Lissabon bekam außerdem ein komplett neues Stadtbild, Breite gerade Straßen statt der engen, verwinkelten mittelalterlichen Gassen. Das Schachbrettmuster der Unterstadt, der Bayscher, war rational geplant.
Wenn ein Gebäude einstürzen sollte, würde es nicht die ganze Straße blockieren, die Plätze waren groß und offen, fluchtpunkte im Notfall es war einer der ersten Fälle von moderner, rationaler Stadtplanung nach einer Katastrophe, eine Stadt, die nicht organisch gewachsen war, sondern am Reißbrett entworfen wurde, mit Sicherheit als oberstem Prinzip. Pombal ließ sich dabei von nichts aufhalten, nicht von Geldmangel, nicht von der schieren Größe der Aufgabe und innerhalb weniger Jahre entstand aus den Trümmern eine neue Stadt, modern, ordentlich und definitiv sicherer. Und während Dessabon aus der Asche wieder auferstanden, während die ersten neuen Gebäude die Skyline prägten, während das Leben in die Straßen
zurückkehrte, da begann in ganz Europa eine ganz andere Art von Wiederaufbau. Oder besser gesagt von Neuaufbau. Und zwar ein Neuaufbau des Denkens, weil ich habe es ja schon gesagt, die Katastrophe von Lissabon hatte nicht nur eine Stadt dem Erdboden gleich gemacht, sie hatte die gesamte Philosophie Europas erschüttert, die Katastrophe stellte Europa nämlich vor eine Frage, die weit über die praktischen Herausforderungen des Wiederaufbaus hinaus ging, und zwar eine Frage, die das Weltbild der Aufklärung ins Wanken brachte, und diese Frage lautete ganz einfach. Warum?
Ja, um zu verstehen, warum das Erdbeben von Lissabon ein so tiefer Einschnitt in das europäische Denken war, muss man sich die Philosophie jener Zeit angucken und im Zentrum dieser Philosophie stand eine Idee, die von Gottfried Wilhelm Leibniz formuliert worden war, die Theodize Theodize das Wort setzt sich zusammen aus Theos für Gott und Dieke für Gerechtigkeit, es geht aber um die Rechtfertigung Gottes angesichts des Übels in der Welt. Die zentrale Frage, wenn Gott allmächtig ist, allwissend ist und gleichzeitig gut ist, warum lässt er leid zu? Leibniz hatte darauf eine Antwort gegeben, die im frühen 18 Jahrhundert weiterhin akzeptiert wurde und seine Antwort lautete, Wir leben in
der besten aller möglichen Welten. Seine Argumentation war komplex, aber im Kern besagte sie. Gott in seiner Allmacht und Weisheit hat aus allen denkbaren Welten diejenige erschaffen, die insgesamt am besten ist. Das bedeutet nicht, dass es kein Leid gibt, aber das Leid, das existiert, ist notwendig für ein größeres Gut.
Jedes Übel hat seinen Platz in einem größeren harmonischen Plan, und diese Vorstellung, die passte perfekt zum Optimismus der Aufklärung, die Welt war geordnet, rational und sinnvoll. Selbst das schlechte hatte einen guten Grund. Man musste nur weit genug denken, um den göttlichen Plan zu erkennen. Und dann kam Allerheiligen, 1755 Lissabon war wirklich keine gottlose Stadt, ganz im Gegenteil, es war eine der katholischsten Städte Europas, die Menschen waren an einer Heiligen in die Kirchen geströmt, um zu beten, sie taten genau das, was gut Christen tun sollten, und dann stürzten die Kirchen über Ihnen ein, da kann man schon mal fragen, wo hier der göttliche Plan gewesen sein soll, das. Wo war die Ordnung, das höhere
gut? Und diese Frage halte durch ganz Europa. Voltaire befand sich in Genf, als die Nachricht vom Erdbeben eintraf. Der französische Philosoph und Schriftsteller war einer der schärfsten Denker der Aufklärung, und er war entsetzt, nur wenige Wochen nach der Katastrophe schrieb er ein Gedicht Poemes se le desastre de Lisbon Gedicht über das Unglück von Lissabon. In diesem Gedicht griff er Leibniz Theodie C direkt an. Er schrieb, und das war für die damalige Zeit echt radikal, dass die Idee von der besten aller möglichen Welten angesichts von Lissabon vollkommen absurd wäre.
Glaubt ihr, dass diese Welt besser wäre ohne diese Schlucht, fragte er rhetorisch, und er meinte damit den Abgrund, der sich in Lissabon aufgetan hatte. Seine Antwort war klar, nein, es gibt keine Rechtfertigung für dieses Leid, und Voltaire ging noch weiter. Er fragte, warum Lissabon, warum nicht Paris oder London waren. Die Menschen in Lissabon schlechter oder Sündiger als anderswo?
Das Erdbeben traf gerecht und ungerecht in gleichermaßen, es traf betende Menschen, den Kirchen genauso wie Plünderer in den Straßen, die Katastrophe war laut Voltaire kein Teil eines göttlichen Plans, sie war willkürlich, sie war sinnlos, und genau das machte sie so entsetzlich. Voltaire liest es aber nicht bei diesem Gedicht. 4 Jahre später 1759 veröffentlichte er seinen berühmtesten satirischen Roman Condit Ole Optimisme Condit oder der Optimismus die Geschichte handelt von einem jungen Mann namens Condit, der von seinem Lehrer Pangloß erzogen wird und Pangloß lehrt ihn genau die Philosophie von Leibniz. Wir leben in der besten aller möglichen Welten, alles hat seinen guten Grund, und dann
beginnt condits Reise und. Und sie ist eine Abfolge von Katastrophen, Kriege, Vergewaltigung, Folter, Krankheiten und im 6. Kapitel ein Erdbeben in Lissabon. Voltaire beschreibt das Erdbeben mit beißendem Spott die Weisen von Coimbra entscheiden, dass ein Auto da fe eine öffentliche Hinrichtung von Ketzern, die beste Methode sei, um weitere Erdbeben zu verhindern, als könnte man die natürliche Bestrafung besänftigen.
Durch das ganze Buch hindurch wiederholt pangloß immer wieder seinen Satz, alles ist zum besten in der besten aller möglichen Welten, egal wie absurd die Situation, egal wie grausam das Schicksal pangloß findet eine Rechtfertigung. Voltaire macht damit die Philosophie der TU, die C lächerlich, er zeigt sie als das, was sie seiner Meinung nach ist, eine intellektuelle Übung, die an der Realität des Leids vorbeisieht eine Möglichkeit, wie man sich selbst im Angesicht von Leid belügen kann. Am Ende von Condit gibt es keine große philosophische Erleuchtung, nur eine sehr, sehr einfache Weisheit. Il Faute courtivea Notre Jardin Wir müssen unseren Garten pflegen, und das bedeutet, wir sollten uns um das konkrete Kümmern, um das, was wir ändern
können, nicht nach großen Erklärungen suchen, wo es keine gibt. Condit wurde zu einem der meistgelesenen Bücher des 18 Jahrhunderts, und die Botschaft war damit angekommen, die alte Ordnung, die alten Gewissheiten. Sie halten der Realität einfach nicht stand. Aber die philosophische Erschütterung ging sogar noch tiefer, denn Lissabon markierte einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie man in Europa über Naturkatastrophen dachte.
Vor 1755 wurden Erdbeben oder andere Katastrophen weitgehend religiös interpretiert, sie waren Gottes Strafe oder Gottes Warnung oder Teil eines göttlichen Plans, den der Mensch nicht verstehen konnte. Diese Interpretation hatte eine gewisse Logik. Denn sie gab Leid einen Sinn, sie machte es erträglicher, weil es Teil einer größeren Ordnung war, aber nach Lissabon funktionierte diese Logik nicht mehr, die Willkür war zu offensichtlich und das Leid zu groß und die Vorstellung, dass das Teil eines göttlichen Plans sein sollte, war genau das, wie Voltaires auch bezeichnet hat, nämlich absurd, und damit begann ein Umdenken, langsam, aber unaufhaltsam. Statt zu fragen warum, hat Gott das zugelassen, begannen die Denker zu fragen, wie
funktioniert eigentlich die Natur, statt nach moralischen Erklärungen zu suchen, suchten sie nach physikalischen, statt das Erdbeben als übernatürliches Ereignis zu sehen, begannen sie es als natürliches Phänomen zu untersuchen. Diese Verschiebung von der religiösen zur wissenschaftlichen Erklärung war fundamental.
Sie veränderte nicht nur, wie Menschen über Naturkatastrophen denken, sie veränderte das gesamte damalige Weltbild. Die Natur war auf einmal nicht mehr der Ausdruck göttlichen Willens, sondern ein System, ein System, das man verstehen und studieren konnte, ein System, das man vielleicht sogar vorhersagen konnte. Immanuel Kant in Königsberg, hunderte Kilometer von Lissabon entfernt, schrieb 3 Texte über das Erdbeben, er versuchte, eine naturwissenschaftliche Theorie zu entwickeln, seine Erklärung, unterirdische Höhlen voller heißer Gase, war, wie wir heute Wissen, komplett falsch.
Aber das spielte dabei erstmal keine Rolle. Wichtig war, er suchte nach einer natürlichen, nicht nach einer übernatürlichen Erklärung, und er war nicht alleine. In ganz Europa begannen gelehrte, Erdbeben zu studieren, sie sammelten Daten, sie befragten Zeugen, und sie versuchten, Muster zu erkennen, und so wurde aus der.
Theologie die Geologie aus göttlichem Zorn wurde Plattentektonik, aus Bestrafung wurde Physik. Das Erdbeben von Lissabon, das war nicht der Anhang dieser Entwicklung, aber es war halt ein Katalysator, der Moment, an dem klar wurde, wir können nicht mehr so denken wie bisher. Die Aufklärung hatte Vernunft und Wissenschaft propagiert, aber sie hatte sie oft im Rahmen einer göttlichen Ordnung gedacht, Lissabon zeigte, wenn es eine Ordnung gibt, dann ist es eine natürliche, und diese Erkenntnisse legten den Grundstein für eine neue Wissenschaft, eine Wissenschaft, die bis heute Menschenleben rettet.
Ich habe euch ja eben schon von pombals Fragebogen erzählt, dieser systematischen Befragung, die er nur Wochen nach der Katastrophe verschickt hat. Die Antworten kamen aus ganz Portugal, aber er bekam auch Informationen aus Spanien und Nordafrika, von der Algarve bis Hamburg, von Marokko bis England, und damit entstand die erste umfassende Datenbasis über ein Erdbeben in Italien begann Giovanni Viventio vergangene Erdbeben zu katalogisieren. In der Schweiz sammelte Eli Bertrand Beobachtungen über die Ausbreitung von Erdbebenwellen und in England diskutierte die Royal Society über mögliche Ursachen. In ganz Europa entstand so ein Netzwerk von Gelehrten, die Informationen austauschten und
Daten sammelten und aus diesen gesammelten Daten ließen sich Erkenntnisse ableiten, ein Beben hatte ein Epizentrum, die Erschütterungen wurden schwächer mit der Entfernung, die Wellen breiteten sich mit bestimmter Geschwindigkeit aus, die Beschaffenheit des Bodens machte einen Unterschied, die. Auf festem Felsgrund standen Gebäude stabiler als auf aufgeschüttetem Boden. Die Unterstadt von Lissabon auf alten Fluss Ablagerungen gebaut, war besonders stark betroffen.
Beobachten, Messen, analysieren, verstehen und damit war die Methode geboren, der Weg zur modernen Seismologie war natürlich noch weit, die Plattentektonik wurde zum Beispiel erst im 20. Jahrhundert entdeckt, die Richterskala kam 1935 und präzise, Seismographen gibt es erst seit dem späten 19 Jahrhundert.
Heute können wir Erdbebenzonen kartieren. Wir bauen Gebäude, die Erdbeben standhalten, von der Guyola bis zu modernen Dämpfungssystemen in Japan, Kalifornien oder Chile gibt es frühwarnsysteme, die Sekunden bis Minuten vorher warnen. Nach dem Tsunami von 2004 im Indischen Ozean wurde auch für diesen Fall ein Frühwarnsystem aufgebaut. Wenn heute ein Seebeben einen Tsunami auslöst, können die entsprechenden Küstenregionen gewarnt werden. All das die.
Erdbebenforschung die Warnsysteme das Erdbebensichere bauen hat seinen Ursprung in jedem November 1755. Zumindest für Europa, denn es ist wieder so ein Ding, wo man guckt, das ist das das Problem, dass wir uns immer wieder selber schaffen, das habe ich gerade in der letzten Folge ja auch schon gehabt, ich bereite das Duellwesen auf und stell dann irgendwann fest, ja, das ist jetzt irgendwie schon eine Stunde lang, was ich habe und ich habe nichts außerhalb von Europa auch nur bearbeitet. Und da musste ich jetzt gerade wieder dran denken, weil die Chinesen ja schon sehr früh dieses Gerät gebaut haben. Das musst du dir so vorstellen, dass es wie sieht aus wie eine Art Vase, wo dann drachenköpfe
an der Seite dran sind und in jedem Drachenkopf liegt eine Kugel und wenn ein Erdstoß kommt, der stark genug ist, dann fällt diese Kugel raus, damit hast du nicht nur die Tatsache, dass eine Schockwelle gekommen ist, sondern du kannst sogar sagen, aus welcher Richtung. Ja, das ist halt wirklich.
Es ist halt so gewesen in Europa. Naja, Lissabon wurde wieder aufgebaut, die Baysha Pombalina mit ihren breiten Straßen und dem Schachbrettmuster steht bis heute, die Gebäude mit der gaiola Konstruktion haben weitere Erdbeben überstanden, 1969 und 2009 das System funktioniert, aber Portugal verlor nach 1755 seine Position als europäische Großmacht, die Kosten des Wiederaufbaus waren enorm, das Gold aus Brasilien floß weiter, aber es reichte nicht mehr für die alte Pracht und die wirtschaftliche Dominanz ging verloren. Pombal fiel 1777 in Ungnade, als kindisch Josie der erste starb. Die neue Königin Maria, die erste, war fromm und hasste seine antiklerikale Politik, er wurde verbannt und starb 5 Jahre später auf seinem Landsitz.
Heute erinnern in Lissabon mehrere Orte an die Katastrophe, das Kloster Convento do Carmo steht als Ruine ohne Dach, die Mauern offen zum Himmel, Man hat's ganz bewusst zugelassen als Denkmal und als Mahnung. Im Museum Quake können Besucher die Ereignisse nacherleben. Simulationen zeigen das Beben, den Tsunami und die Brände. Es ist eines der wenigen Museen weltweit, das sich einem einzelnen Erdbeben widmet und auf einem großen Platz in Lissabon steht eine Statue.
Sie zeigt einen Mann mit einem Löwen zu seinen Füßen, den Mann, der die Stadt wieder aufgebaut hat, den Marqueste Pombal, das wichtigste Vermächtnis dieses Tages ist allerdings eine Erkenntnis, die Erkenntnis. Dass wir was lernen können, dass wir uns auf etwas vorbereiten können und vor allem, dass Wissenschaft hilft. So unangenehm wie die Erkenntnisse auch manchmal sein mögen, die wir dadurch kriegen, und das war die Geschichte der Naturkatastrophe, die in Europa das Denken über die Natur komplett verändert hat.
Ich danke. Erstmal sehr vielmals und es ist spannend, wie einfach gefühlt so Katastrophen immer die größte Triebfeder sind dafür, dass Menschen zusammen und. Was Neues erreichen? Ja, alleine ich glaube, dass dass dieser Wunsch etwas zu verstehen schon ne Menge damit zu tun hat. Es ist halt immer spannend, wann der Punkt kommt, an dem dann Wissenschaft glaube quasi verdrängen kann, denn garantiert bei vielen Erdbeben die davor waren, war die Panik, genauso war der Wunsch das zu verstehen auch genauso, aber. Es war eben nicht die Vision, da es oberhalb einer göttlichen Ebene verstehen zu wollen oder neben parallel einfach dieses grundlegende Ding von, es könnte etwas anderes sein als der Zorn Gottes.
Wahrscheinlich brauchtest du auch hier wieder viele Grundlagen, die es möglich gemacht haben, dass es dann eben dieses Erdbeben war, was so viel verändert hat oder was in den Köpfen der Menschen so hängen geblieben ist, dass sie was verändert haben, weil ich sag mal die, dass man Gott hinterfragt. Das war ja schon der Fall.
Also die Aufklärung hatte da ja schon einiges gebracht, nämlich indem man einfach nur Leid hinterfragt im im Hinblick auf Gott, das durfte man ja schon ja, auch wenn es dann erklärt worden ist, auf eine Art und Weise, aber dass du eben halt, dass okay ich habe jetzt die Grundlagen geschaffen und nachdem diese Grundlagen geschaffen sind, nachdem so dieser, dieser Keim schon gesetzt ist, dann kommt das eine Ereignis, das macht, dass genau diese kleine Idee in den Köpfen der Menschen, die auf einmal Klick macht.
Ja, und auf der anderen Seite hab ich die ganze Zeit auch immer irgendwo an meine Folge gedacht mit dem Donnervogel ja, wo wir das das Ganze hatten, dass wir natürlich Tsunami und und Erdbeben in allen möglichen verschiedenen Kulturen hatten, das ist einfach etwas, das relativ regelmäßig auf dem Planeten passiert, dementsprechend viele Völker irgendwann Kontakt damit hatten, nur ich find das Recht interessant, wie zum Beispiel die quasi naturreligion der nordamerikanischen Ureinwohner. Die Möglichkeit gibt, einen neuen Mythos einzubauen. Das heißt, die haben den Mythos eingebaut, da gibt es halt eben den Wal und den Donnervogel.
Gleichzeitig sind die Warnungen aber drin, da ist genauso was drin, wie wenn das Meer zurückgeht, geh höher an Land, ja wenn es bebt, stell dich auf einen freien Platz und so weiter einfach dieses grundlegende Ding von es wird nicht damit Abgedeckelt zu sagen, nein nein, das hat Gott so gewollt, Feierabend kannst du nichts dran machen, sondern halt dir über eine Geschichte das Wissen mitgibt, wie du dich in einem solchen Moment verhalten musst. Ja, aber all das kommt ja wieder aus Erfahrung. Das sind, das sind die Dinge, die die Menschen irgendwann mitbekommen haben, wenn sich das Meer zurückzieht, dann kommt irgendwann die große Welle, gerade wenn ich so an an Japan zum Beispiel denke, die haben
viele Tsunamis erlebt, das heißt, die haben einfach aus ihren Erfahrungen, die haben einfach von ihren Erfahrungen profitiert und haben das dann in eine. Geschichte verpackt richtig, aber das ist wieder das Ding. Ich habe das Gefühl, dass eben auch viele Religionen, gerade christliche Religionen, ganz gut da drin sind, eben dafür zu sorgen, dass so ein Mythos nicht weitererzählt werden darf.
Dass du genau diese Geschichte hast von es. Es durfte nicht hinterfragt werden, ob das nicht einfach ein Akt Gottes war, das weiß ich tatsächlich. Also das, das wüsste ich jetzt tatsächlich nicht, wenn jetzt das Meer zurückgeht und und die Europäer hätten gewusst, da kommt jetzt eine Welle einfach aus ihren Erfahrungen heraus.
Genau das meine ich. Es ist die Tatsache, wie die Erfahrung weitergegeben werden kann. Es ist einfach das Ding. Hast du eine sensationelle Geschichte über einen mythischen riesigen Vogel zum Beispiel? Das erzählt sich ganz toll weiter. Das ist ne ne sage, die kennt im Endeffekt jedes Kind und du hast dann diese Erfahrungen in die Köpfe der Leute gepflanzt, dass in dem Moment, wo etwas passiert, sie instinktiv Dinge richtig machen können, so, und wenn du einfach nur immer sagst, nein, Moment, die einzige Erklärung ist das und wir dürfen da auch gar nicht mit Rösler dran glauben und jetzt gebeten.
Dann hast du das nicht. Ja, ja, dann ist geht das wirklich nur von Mund zu Mund weiter und das aber in ganz ganz engen Kreisen und das ist so das, was ich immer wieder unglaublich spannend finde, wie verschiedene religiöse Konzepte halt das Verhalten. Und die Entwicklung von verschiedenen Völkern beeinflussen.
Ja, wobei, da stelle ich mir wirklich die Frage, ob die Kirche damals es wirklich verhindert hätte, wenn du einfach nur im Endeffekt die diese Geschichten hast. Alleine was den Tsunami angeht. Wenn das Wasser zurückgeht, ist das eine Warnung Gottes und die Strafe folgt schnell und das dann als sagen oder als Geschichten darüber, hast eben über die Orte, die von Gott bestraft worden sind.
Ich glaube schon, das hättest du, das hättest du halten können. Ja und Nein. Ich glaube, dass da tatsächlich einfach ein Problem ist. Du hast die Bibel, die ist an irgendeinem Punkt festgelegt worden, als die ist jetzt fertig, die schreibe ich nicht mehr weiter. Hast du aber eine mündlich übertragene Fortsetzung von Geschichten, kannst du sie erweitern. Es gibt keinen Grund, warum Geschichten nicht um eine weitere Geschichte erweitert werden sollten, ich glaube aber, wenn du an den Punkt ankommst, wo diese Erfahrungsgeschichten, weil klar in der Bibel sind ja auch schon viele Erfahrungen einfach eingeflossen und verarbeitet worden, ja, aber es wurde gleichzeitig quasi festgelegt. Jetzt darf nichts mehr
hinzugefügt werden und das ist das Problem. Okay kleiner Aufruf an die Theologie, Historiker da draußen. Schlagt uns bitte nicht. Nee, nicht nicht. Schlagt uns bitte nicht, sondern klärt uns bitte auf. Was ist eure Meinung dazu? Glaubt ihr, dass dass wenn Europa häufiger Tsunamis erlebt hätte, dass Geschichten darüber sich gehalten hätten und die Leute vielleicht im Falle von Lissabon gewarnt hätten, oder hätte die Kirche wirklich versucht, das zu unterbinden?
Meldet uns euch mal bei uns, ja, sagt mal Bescheid, wir würden es nämlich beide gerne wissen. Ja, bevor wir uns jetzt weiterhin in tiefere Abgründe manövrieren, werde ich diese Folge einfach mal so ganz offiziell zu am Ende angekommen erklären. Wenn ihr uns Feedback geben wollt, könnt ihr es natürlich sehr gerne tun, wie Jan schon gerade euch eingeladen hat, ihr könnt uns Kommentare bei Spotify, dabei Apple Podcasts oder in den sozialen Medien hinterlassen oder uns einfach auch eine E Mail schreiben, zum Beispiel an Feedback at wissensreisende.
De. Natürlich laden wir euch auch gerne ein, unseren Podcast zu unterstützen und dafür gibt es die Möglichkeit, die Premium Mitgliedschaft bei Spotify oder bei Steady abzuschließen. Links dafür findet ihr in den Shownotes oder von unserer Webseite und für alle Unterstützer gibt es regelmäßig auch noch Sonderfolgen als kleines Dankeschön. Wir freuen uns schon doll auf die nächste Woche und darauf, mit euch eine nächste Geschichte zu erfahren und wir enden diese Folge mit dem einen Wort, mit dem wir sie immer enden lassen und das lautet Tschüss.