
040 Streng vertraulich: Die Lage in Hamburg· Folge 88
Bürgermeister fordert Hamburger auf, E-Auto zu fahren - tut es selbst aber nicht
Freitag, 18. September 2026 · 44 min
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Shownotes
Bürgermeister Peter Tschentscher fordert den schnellen Umstieg auf E-Mobilität – fährt privat bzw. als Dienstwagen jetzt aber wieder Hybrid. Das sorgt selbst in der Chefredaktion des Hamburger Abendblatts für hitzige Debatten zwischen Lars Haider und Matthias Iken. In der neuen Folge von "040 Streng vertraulich" sprechen die beiden außerdem über überraschende Trainer-Entscheidungen beim HSV, die drohenden Parallelen zwischen Harburg und Sachsen-Anhalt sowie die fehlende Anerkennung für Hamburgs Tennis-Weltstar Alexander Zverev.
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Willkommen, mein Name ist Lars Haider und ich erwische den lieben Kollegen Matthias Eken natürlich wie immer freitags um 14 Uhr in seinem Büro in der Hamburger City. Lieber Matthias, ich hatte erst gedacht, als ich die Planung für unseren kleinen Podcast heute in Angriff genommen habe, habe ich gesagt, oh, ist überhaupt was passiert?
Und dann kam doch einiges dazu, deshalb fange ich gleich an mit den Themen, über die wir diese Woche sprechen wollen. Thema Nummer eins ist das Klima, der Klimawandel und die Autos des Hamburger Senats. Unter besonderer Berücksichtigung des Hamburger Bürgermeisters, der ja uns allen geraten hat, sich schnell ein E-Auto zu kaufen.
Er macht aber genau das Gegenteil. Thema Nummer eins. Thema Nummer zwei, da geht es um den HSV, der ja maximal schlecht in die Saison gestartet ist und trotzdem jetzt den Vertrag mit Trainer Merlin Polzin verlängern will. Thema Nummer drei, ich habe es immer wieder Harburg genannt. Wir haben vergangene Woche schon darüber gesprochen, als es um die Unterbringung von Flüchtlingen in einem Hotel ging, von dem man in Harburg nichts wusste, das aber Harburg betraf.
Dass irgendwie Hamburg immer irgendwie benachteiligt wird. Und heute wollen wir über das Abrigado sprechen. Da bist du ja jemand, der da tief drin steckt. Und die Frage, warum wir eigentlich nicht berichten durften, was da gerade im Stadtteil passiert. Dann haben wir Thema Nummer vier. Da geht es um Tierwohl.
Offensichtlich oder nicht. Es geht um den Zirkus Krone und die Proteste gegen den Zirkus Krone in der Stadt, die in diesen Tagen, genauer gesagt am Donnerstag, glaube ich, ausgeartet sind. Und vielleicht sprechen wir insgesamt mal über die Frage, was das eigentlich so mit dem Tierwohl auf sich hat. Und dann haben wir natürlich noch einmal Thema Nummer 5 schon, die Frage Elbdauer, gibt es da was Neues? Da gibt es nämlich was Neues.
Und Thema Nummer 6, das ist mein Lieblingsthema, noch einmal Sport. Ich würde gerne mit dir mal über Alexander Zverev sprechen und die Frage klären, was hat Hamburg, was haben die Hamburger oder was haben einige Hamburger eigentlich gegen den derzeit und auch geschichtlich gesehen einen der besten Sportler, den diese Stadt je hervorgebracht hat?
Bist du bereit, lieber Matthias? Ich bin bereit. Also, Thema Nummer eins. Wir haben, erinnern uns, das schöne Exklusiv-Interview des Hamburger Abendblatts mit dem Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher. Da ging es auch um den Klimawandel und ich erinnere mich, wie er einerseits die Hamburger aufforderte.
Sich möglichst schnell eine Wärmepumpe zuzulegen oder ans Fernwärmenetz einzuschließen, um eben CO2-Emissionen zu vermeiden. Und dann sagt er aber auch, genauso rate ich allen Hamburgerinnen, so schnell wie möglich umzusteigen auf E-Autos, weil das sonst alles viel zu teuer wird. Und was haben wir dann auf deinen Hinweis mal gemacht? Wir haben natürlich ihn sofort quasi erhört und uns ein E-Auto bestellt, wir beide.
Das auch, aber was haben wir dann noch gemacht, was Recherche anbelangt hat? Ja, wir haben uns daran erinnert, dass er doch irgendwann vor nicht allzu langer Zeit sein eigenes E-Auto wieder zurückgegeben hat, weil er damit nicht die Strecken fahren konnte, die er fahren wollte. Und da liegt es ja nahe, als kritischer Journalistenmensch nochmal nachzurecherchieren. Wie war das denn damals?
Und dann haben wir jetzt mal geguckt und dann stellt sich raus, im vergangenen Jahr hatten immerhin sechs Senatoren ein reines E-Auto und ein Senator ausrechnet der, über den am meisten, geschimpft wird, nämlich Agnes Tjaks, der Verkehrssenator, der hatte im vergangenen Jahr kein Auto und in diesem Jahr kein Auto, der ist nur mit dem Rad unterwegs.
Sehr konsequent. Ja, wo man sich auch fragt, wenn das bei dem geht, wieso geht es nicht bei anderen? Aber jetzt kommt es. Von diesen, also sechs Senatoren hatten ein reines E-Auto. Und dann gucken wir in diesem Jahr und stellen erstaunt fest, es sind nur noch vier Senatoren, die ein reines E-Auto haben.
Die zwei, die es zurückgegeben haben, sind unter anderem, und da wird es jetzt interessant, einer davon ist der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher, der von seinem E-Auto wieder auf ein Hybrid umgestiegen ist. Und wir erinnern uns, liebe Leute, schafft euch ein E-Auto an, weil alle anderen Autos sind erstens CO2 problematisch, zweitens werden die Kosten zu hoch.
Und wer sich mal mit Hybrid beschäftigt hat, weiß, mit so einem Hybridwagen kannst du mit E vielleicht, wenn es gut läuft, wenn es wirklich gut läuft, 100 Kilometer fahren, da muss aber schon alles zusammenkommen. Mit so einem E-Auto, egal welches das ist, die modernen E-Autos, da kommst du schon, wenn es schlecht läuft, so 400, 450 Kilometer Reichweite.
Und der Bürgermeister oder sein Umfeld hat das jetzt begründet mit tatsächlich, die Reichweite reicht nicht. Es ist wohl mal aufgefallen, als der Bürgermeister nach Berlin gefahren ist, da hat man festgestellt, man kommt nicht von Hamburg nach Berlin und wieder zurück mit so einem E-Auto. Also man muss zwischendurch mal aufhören.
Hätte ich vorher auch sagen können. Also hätte man gar nicht losfahren brauchen. Naja, du musst ja fairerweise sagen, dass natürlich die Limousinen, die auch spezielle Schutzvorrichtungen haben, extrem schwer sind. Und je schwerer das Auto, desto kürzer die Reichweite, weil natürlich die Batterie auch dieses schwere Gerät erstmal in Bewegung setzen kann.
Insofern so richtig überraschend finde ich das gar nicht. Aber nochmal, das wusste man ja auch schon im vergangenen Jahr, als er ein Eheauto hatte. Ja, aber es geht ja auch ein bisschen darum, also ich finde, wer mal den Terminkalender eines Bürgermeisters sich angeschaut hat oder sogar mal in Wahlkampfzeiten oder anderswo, ich bin auch schon mal in einem Bürgermeisterauto mitgefahren.
Und da habe ich zum einzigen und ersten Mal erlebt, dass es möglich ist, schneller zu fahren, als der Navigationsexperte das Navigationsgerät berechnet hat. Da habe ich schon gestaunt, weil bei mir ist es immer so, dass ich deutlich später ankomme, als das Gerät mir sagt. Die Termine sind extrem eng durchgetaktet.
Und gerade so ein Bürgermeister, der ist ja nicht nur in Neugraben und in Alsterdorf unterwegs, sondern der ist auch in Berlin auf Terminen, Kongressen irgendwo weit außerhalb von Hamburg und da brauchen natürlich ein Auto, was auch in der Lage ist, mal 400, 500 Kilometer am Stück manchmal durchgetreten zu werden, weil die Zeitpläne so eng sind, wie sie sind.
Dass da ein Elektroauto nicht immer irgendwie die erste Wahl ist, kann ich nachvollziehen. Nee, und bei mir ist es genau umgekehrt. Weil weißt du, was bei mir hängen bleibt? Ist genau das Argument, was all die Menschen, die nicht auf E-Autos umsteigen wollen, am häufigsten bringen. Das Argument ist, da kann ich ja nicht mal eben schnell tanken.
Sondern da muss ich mir ein bisschen planen, da muss ich mir ein bisschen Zeit einräumen. Da muss ich vielleicht auch mal 15 Minuten an der Tankstelle stehen, um das Ding aufzuladen. Und wenn der Bürgermeister, also wenn er sagt, das hat mit Sicherheitsgründen zu tun, okay, aber ein Argument ist ja, die Reichweite ist nicht so, wie wir uns das vorstellen.
Und da muss man sagen, nee, es liegt nicht an der Reichweite, es ist dann eine Frage der Planung. Und der Hamburger Bürgermeister ist zwar auch mal in Berlin, aber erstens. Wenn man das ernst mit dem Klimawandel, würde ich sagen, mit dem Auto fährt man nicht nach Berlin, nach Berlin fährt man mit der Bahn.
Mit der Bahn? Ja. Mit der Bahn, die nach Lust und Laune fährt. Ich habe ja bei der Bahn inzwischen ein gut mal-tätisches Gefühl. Da habe ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Fahrpläne verzichtet, weil ich wusste, die sind eh irgendwie nicht zu gebrauchen. Das ist für Deutsche hier in Deutschland ein relativ neues Gefühl.
Aber bei der Bahn kann ich es jedem nur empfehlen, also nicht mehr irgendwie auf die Fahrpläne zu achten, sondern zum Bahnhof zu gehen und zu hoffen, dass da gerade ein verspäteter Zug herumsteht. Ganz im Ernst, also einem Bürgermeister, der zu Terminen muss, dem kann man nicht die Bahn zumuten. Die Zeiten sind vorbei, wo man mit der Bahn fahren konnte. Das muss man auch mal so ganz klar sagen.
Und dass der da mit dem Auto hinfährt, kann ich nachvollziehen. Dass er nicht mit dem E-Auto da hinfährt, kann ich auch nachvollziehen. Nee, und das kann ich wirklich nicht nachvollziehen, weil es geht uns ja allen so, die wir unterwegs sind. Und wenn wir das jetzt ernst nehmen mit der Umstellung, finde ich, dann muss man da auch mal seine Gewohnheiten umstellen und vielleicht auch mal ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen.
Von einem Bürgermeister erwarte ich schon 200% Einsatz für den Job. Die liefert er. Das würde ich überhaupt nicht in Abrede stellen. Aber wenn du jetzt anfängst, aufgrund von Symbolik, Termine, die er an einem Tag hat, wo er länger Auto fahren muss, mit einem großen Fragezeichen zu versehen, wird es schwierig.
Ich finde, das ist das Privileg derer, die so einen harten Job haben, dass sie das Verkehrsmittel nehmen sollen, mitunter vielleicht sogar das Flugzeug, was ökologisch noch schlimmer ist. Dass sie das Verkehrsmittel nehmen sollen, was ihre Arbeit am meisten erleichtert, das ist ein Privileg, das, finde ich, hat der Bürgermeister verdient.
Und da bin ich wirklich, das ist ja zum ersten Mal völlig... Das geht ja gut los mit uns beiden. Nein, da bin ich wirklich völlig anderer Meinung, weil, was ist denn der Unterschied zwischen dem E-Auto und dem Verbrenner und dann schon dem Signal, das der Bürgermeister gibt und das all den Indikaten spielt, ich will jetzt nicht mit meiner Frau argumentieren, die immer gegen das E-Auto gesagt hat, ja, aber die Reichweite.
Und ich mag es, wenn wir schnell unterwegs sein müssen, schnell mal zu tanken. Also der Unterschied ist im Zweifel. Im Zweifel. Fünf Minuten Pause oder zehn Minuten Pause, wenn Sie noch was zu trinken zum Tanken mit Benzin oder 20 Minuten Pause. Und das ist. Ja nur, wenn der Bürgermeister in Berlin ist.
Es ist ja aber der Hamburger Bürgermeister, der 90 Prozent aller seiner Termine in Hamburg und Umgebung hat und das kann man easy-beasy, Entschuldigung, mit dem E-Auto schaffen und offensichtlich auch mit dem Fahrrad. Und jetzt kommst du. Ja, ich muss ganz ehrlich sagen, ich finde dieses Schielen irgendwie, was macht denn die Politik? Nimmt sie sich da irgendwelche Privilegien raus?
Lassen die es krachen? Diese ganze Debatte finde ich schräg. Ich bin immer der Meinung, die sollen alles Mögliche bekommen, um ihren Job maximal gut zu machen. Und aufgrund dieses Termindrucks, den ich ja, wie ich vorhin schon geschildert habe, selber mal erlebt habe, muss ich ganz ehrlich sagen, da will ich nicht sagen, du nimmst jetzt ein E-Auto, stehst 20 Minuten an der.
Aufladestation und was ja auch hinzukommt, du kannst natürlich mit so einem E-Auto auch längst nicht so schnell fahren, wie das mitunter nötig ist. Es wird ja auch keiner darüber diskutieren, ob Krankenwagen irgendwie ein Tempolimit bekommen und ich finde, der Meister soll in dem Tempo fahren, dass sein Job notwendig ist.
Übrigens ist ein guter Vergleich, wir haben gerade neu darüber berichtet, dass auch Rettungswagen E-Autos sind natürlich. Und wir reden doch darüber, dass perspektivisch auf unseren Straßen nur noch E-Autos unterwegs sind. Und ich meine, so wichtig ist der Bürgermeister auch nicht, dass er mit 220 über die Autobahn kacheln muss.
Also Entschuldigung, der kann sich dann ja auch, wie wir alle, übrigens in den meisten Passagen, es ist ja gar nicht möglich, schneller als 130 zu fahren, der kann doch, wie wir alle sich daran halten und im Zweifel kommt er mal fünf Minuten zu spät. Ich finde, das Signal ist schwierig, insbesondere sondern wenn er sagt, kaufen Sie sich doch alle ein E-Auto. Und dazu kommt, die haben natürlich schon Vorbildcharakter.
Sprich mal mit Leuten in der Stadt darüber, wie das mit dem Umstellen auf Wärmepumpen etc. Ist. Und dann guck dir mal an, wie ist es eigentlich bei öffentlichen Gebäuden. Da bin ich mit dir einer Meinung. Ich finde auch, da muss die öffentliche Hand vorangehen. Da kann ich sagen, liebe Bürgerinnen und Bürger, macht da was.
Aber wir selber halten uns zurück. Aber in dem Beispiel des Bürgermeisters bin ich mit dir überkreuz. Ich finde übrigens auch, dass es ein schönes Beispiel dafür ist, dass man immer technologieoffen an die Sache hätte rangehen sollen. Es gibt halt einige Fahrzeuge, dazu ziehe ich übrigens auch Krankenwagen, die haben immer noch ein Prä beim Verbrennermotor.
Und ich bin immer gegen Ideologie gewesen. Natürlich ist das Elektroauto, dem gehört die Zukunft, aber in der Gegenwart mag es immer noch Fahrzeuge geben, die mit einem Verbrenner besser funktionieren. Also beschließen wir und einigen wir uns, dass wir uneins sind. Und ich befürchte, bei Thema Nummer zwei könnte das ähnlich werden.
Offenbar, ist ja viel lustiger. Wir wollen über den HSV sprechen. Wir haben vor drei Wochen darüber gesprochen, über die Last-Minute-Einkäufe und dann dachte man, wow, die hatten das Geld, um sich noch Top-Leute zu kaufen. Drei Spieltage später stehen wir vor dem vierten Spieltag und der anschließenden Länderspielpause gegen den 1.
FC Köln stehen wir, also der HSV steht da mit null Toren, null Punkten, zwölf Gegentoren, also eine wirklich formidable Krise und das ist interessant und in dieser Krise fällt die Verlängerung des Vertrags mit Trainer Merlin Polzin. Was daran liegt, das haben wir ja auch berichtet, eigentlich hätte dieser Vertrag schon längst geschlossen sein sollen, ich glaube eine Verlängerung um drei Jahre.
Und dann käme die neue HSV-Vorständin Katlin Krüger und die wollte sich natürlich erstmal den Polzin angucken und deshalb hat sich das jetzt verzögert. Ist das jetzt in dieser Situation maximal unbekannt? Das ist unglücklich, weil natürlich, was passiert, wenn das jetzt so weitergeht? Dann hat man in einer großen, noch in einer Krise, in dem schlechtesten Start in der Vereinsgeschichte den Vertrag mit dem Trainer verlängert.
Also ideal ist es gerade nicht, oder? Ein Ideal ist es nicht, wobei ich auch mir ein bisschen die Frage stelle, was hat der HSV eigentlich erwartet nach dem Anfangsprogramm? Dass man gegen Dortmund im Westfalenstadion und gegen Leipzig in Leipzig punktet? Ich meine, klar, das 0 zu 5 gegen Mainz im Volkspark war nicht eingeplant, aber dass es jetzt keinen neuen Punktestart wird, hätte ich dir vorher auch sagen können. Insofern kommt die Debatte auch nicht ganz überraschend.
Aber ich glaube, es wird Mittel und Wege finden, auch dieser jetzt etwas speziellen Situation in der Vertragsgestaltung Rechnung zu tragen. Dass man sagt, das sollte irgendwie eine Trennung im laufenden Jahr nötig werden, dann nicht mehr bis 29 quasi der Vertrag weiter ausbezahlt wird. Also ich bin jetzt kein Vertragsexperte, aber die Situation ist, wie sie ist.
Es gibt auch gute Gründe, warum sie so ist, wie sie ist. Und ich glaube, da wird es eine Lösung geben. Fakt ist, und da sind wir uns, glaube ich, einig, Merlin Polzin hat es letztes Jahr geschafft, eine wirklich nicht überragend starke Truppe, doch sehr sicher einig zum Klassenerhalt zu führen. Und das kann ich als St. Pauli-Fan nur sagen, ich würde über unseren Verein gern dasselbe sagen können.
Kann ich aber nicht. Also insofern finde ich schon, dass der HSV dem Merlin Polzin erst der Aufstieg, dann der Klassenerhalt, auch die Verlängerung fast schuldig ist. Das finde ich übrigens auch. und ich finde das, also da sind wir tatsächlich einer Meinung, ich finde auch, dass alles andere falsch wäre.
Jetzt den Vertrag mit diesem Trainer verlängern, den man ja als einen sehr guten Trainer erlebt hat, ähm. Auf ihn setzen und damit glaube ich auch darauf setzen, dass der HSV mittel- bis langfristig immer besser werden wird, weil das zeigt ja die Vergangenheit, dass die Vereine, die relativ schnell Trainer gewechselt haben, zu denen ja auch der HSV gehörte, am Ende keinen Erfolg hatten.
Und es sind oft die Vereine gewesen, die lange an einem Trainer festgehalten haben. Und deshalb finde ich das umso bemerkenswerter, dass der HSV sich da jetzt nicht außer Ruhe bringen lässt, trotz dieses schwierigen Saisonstarts. Du hast recht, gegen Dortmund und in Leipzig kann man verlieren, muss man vielleicht auch noch mit rechnen zu verlieren. Das Problem war das Spiel gegen Mainz.
Aber da jetzt die Ruhe bewahrt, den Vertrag verlängert und ich bin mir sicher, dass der HSV perspektivisch mit diesem Trainer, mit dieser Mannschaft, auch mit dem Gesamtteam, gar nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird. Das ist jetzt einfach nur sozusagen die Schwächephase, die man in jeder Saison hat, ganz am Anfang ist. Und da fällt es natürlich besonders auf, insbesondere wenn der Vertrag... Diesen Optimismus teile ich nicht, dein Optimismus.
Also ich glaube auch, dass morgen diese ganz schwarze Serie gegen Köln durchbrochen wird. Zumindest wird der HSV ein Tor erzielen. Ob es dann wirklich zum Sieg reicht, wage ich dann auch zu bezweifeln. Vielleicht Funfact am Rande, ich bin im Stadion, das ist kein gutes Zeichen für den HSV, denn wenn ich im Stadion bin, hat der HSV in den letzten zehn Jahren nicht mehr gewonnen.
Nun bin ich jetzt auch nicht so rasend oft da, aber vier, fünf Mal war ich schon da und meist gab es eine Heimniederlage zu bestaunen. Ich glaube, morgen gibt es ein Unentschieden und ich glaube auch, das wird ein schweres Jahr, denn das zweite Jahr, nochmal der St. Pauli-Fan spricht, ist das Schwierigere als das Erste.
Immerhin sind wir uns einig, dass es richtig ist, den Vertrag zu verlängern. Das ist ja nach der erhitzten Diskussion zu Thema 1, das freut mich als harmoniebedürftiger Mensch sehr. Thema Nummer drei, Harburg. Ich bin ja in Harburg geboren. Für die, die sich nicht auskennen, Harburg ist ein Bezirk von Hamburg, also Stadt MR.
Südlich der Elbe, das macht vieles nicht so leicht, weil man immer das Gefühl hat, wenn man über die Elbe rüber geht, haben viele Hamburger das Gefühl, damit ist Hamburg zu Ende und da geht es dann ja noch weiter. Wir haben vor einer Woche darüber berichtet, dass da plötzlich ein Designhotel, mit Flüchtlingen belegt wurde und in Harburg das niemand wusste.
Und die Harburger haben immer so ein Gefühl, von Hamburg schlecht behandelt zu werden. Das kenne ich. In meiner Kindheit habe ich das schon erlebt. Und jetzt gibt es aber, muss man sagen, auch einen Grund. Da geht es nämlich, das kannst du besser erzählen, um das Abrigado. Ja, ich weiß gar nicht, wie ich es viel besser erzählen kann.
Ich habe natürlich auch mitbekommen, dass unsere Kolleginnen und Kollegen aus Harburg, Das ist ja eines der super Aufregerthemen. Eine Drogenhilfeeinrichtung ist schon, muss man sagen, auch ein bisschen Euphemismus, wenn man sich die Situation da anguckt. Dass da eine Drogenhilfeeinrichtung ganz nah an einer Schule liegt und dummerweise da nicht nur die Junkies rummarschieren, sondern regelmäßig auch geschossen wird. In dieser Woche war es wieder so.
Und das sind, muss man ganz ehrlich sagen, Zustände. Da denke ich immer noch, da habe ich den alten Olaf Scholz im Ohr, der den schönen Satz geprägt hat, ich bin liberal, aber nicht doof. Inzwischen frage ich mich wirklich, wenn ich nach Hamburg schaue, ob die Stadt Hamburg nur liberal ist oder ob sie nicht auch ein bisschen doof ist. Denn man muss ganz ehrlich sagen.
Die Geduld der Harburger, und das kann ich gut nachvollziehen, ist da wirklich am Ende. Und man muss sich nicht alles gefallen lassen. Und wenn es, wie in diesem Fall, sehenden Auges, nicht funktioniert, dann muss man halt diese Drogenhilfeeinrichtungen entweder anderswo machen. Vielleicht muss man sie auch einfach mal ganz schließen.
Denn am Ende des Tages ist es leider so, dass natürlich das Angebot von Drogenhilfe, auch wiederum Drogenabhängige anzieht. Und es muss langsam die Frage gestellt werden, ob Hamburg nicht insgesamt im Kampf gegen die Drogen falsch aufgestellt ist. Und das Interessante ist dieses Gefühl, dass die Harburger, die Harburger, also die Menschen südlich der Elbe haben, dass sie sowas wie ein Stiefkind sind.
Das wird natürlich durch solche Ereignisse auftrieben, bis hin zu der Tatsache, dass wir über eine Krisensitzung, die da war, live berichten wollten, damit eben alle sehen, was passiert da eigentlich und uns das dann kurzfristig verboten wurde. Ja, das finde ich auch ein Ding. Also ich kann das natürlich ein bisschen verstehen, weil man nervös ist. Aber auf der anderen Seite, wenn das eine öffentliche Veranstaltung ist, ist das schon ein relativ...
Relativ heftiges Verbot und das verstärkt den Eindruck, den du ja gerade schon formuliert hast, dass man am Ende wenig auf die Leute vor Ort hören möchte, auch wenig mit ihnen diskutieren möchte, wenig möchte, dass diese Diskussion auch weitergetragen wird und versucht, dieses Problem klein zu halten.
Aber das Problem ist nicht mehr klein zu halten. Das Problem ist schon relativ groß. Und ich sage es mal zugespitzt, weil wir ja auch über Harburg reden. Wenn man einen Großversuch macht nach dem Motto, was muss man alles tun, damit die AfD richtig stark wird, wenn das der Masterplan ist, dann macht der Senat in Harburg einiges richtig.
Wenn das aber nicht der Masterplan sein sollte, was ich hoffe, dann macht man da im Augenblick einiges falsch. Also man kann nicht sämtliche Probleme südlich der Elbe abladen. Und sich quasi gerade in den grünen Szenen-Stadtteilen einen schlanken Fuß machen. Warum nicht das Abrigado mal nach Ottensen oder nach einem Spittel verlegen?
Da möchte ich gerne sehen, was da los wäre, wenn man das machen würde. Es war ja auch so bei der Flüchtlingsverteilung. Wo sind denn die großen Einrichtungen hingekommen? Nach Harburg. Auch ein bisschen eingedenkter Tatsache, die wehren sich nicht gleich mit Juristen, Nachbarschaftsinitiativen und Klagen.
Und das finde ich ist wirklich ein schweres Versäumnis, zu viele Probleme in einem Stadtteil zu bündeln und andere Stadthalle davon so ein bisschen fernzuhalten. Ich hörte mit einem Politiker, dem ich sprach, der sagte, und das fand ich einen Irrensatz, wir müssen aufpassen, dass Harburg nicht das Sachsen-Anhalt Hamburgs wird.
Und so ein bisschen ist das kurz zusammengefasst das, was du eben gesagt hast. Wenn man sich auch anguckt, der Anteil der Menschen, die da schon in der Vergangenheit AfD gewählt haben, ist halt deutlich höher als in anderen Bereichen und man hat dann das Gefühl, so ähnlich wie die Menschen vielleicht in Sachsen-Anhalt, uns sieht keiner mehr, uns nimmt keiner mehr ernst, uns hört keiner mehr zu, und dann kann auch so ein, das ist ja nicht nur ein Stadtteil, das ist ja ein ganzer Bezirk kippen.
Ja, das ist interessant. Ich war ja kürzlich auch bei meinem Zug durch die Gemeinde, in Hausbruch und als ich mich da mit den Leuten unterhielt, das war noch vor den Schießereien, dem Abrigado, vor Designhotels für Flüchtlinge. Die man auch quasi an der Mehrheit so unbemerkt vorbei irgendwie eingerichtet hat.
Und da war schon am Stammtisch, es gibt ja Leute, die verdammen den Stammtisch so ein bisschen als Inkarnation irgendwie der Vorurteile. Ich würde eher sagen, am Stammtisch kann man mal den Leuten so ein bisschen aufs Maul schauen. Und die hatten das massive Gefühl, dass sie im Süden der Stadt vergessen werden.
Bei Olympia-Bewerbungen fielen sie ja komplett unter den Tisch, keine Wettbewerbe dort. Und da hatte man schon das Gefühl, also für die Probleme sind wir gut, aber für die Hilfen sind wir irgendwie zu weit weg. Und das hat sich jetzt durch die Ereignisse, da ist natürlich auch Pech dabei, in den letzten Wochen und Monaten nochmal massiv verschärft.
Und genau das, was du eben zitierst, ist eine Befürchtung. Also man kann ja auch darauf reagieren, wenn man sieht, dass in Sachsen-Anhalt oder in Harburg immer mehr Leute unzufrieden sind mit der Politik. Dann kann ich entweder die Strategie wählen, am besten reden wir nicht mehr drüber und laden nicht mehr ein.
Oder ich komme auf die Idee, Mensch, die Leute wollen offenbar was anderes. Vielleicht wollen die Leute keine Flüchtlinge in Hotels und vielleicht wollen die Leute auch keine Drogenhilfeeinrichtungen, wo regelmäßig geschossen wird. Und dann muss Politik auch mal die Frage stellen, hey, vielleicht müssen wir auch den Leuten einen Schritt entgegenkommen.
Das ist kein Populismus, sondern das ist einfach Demokratie. Und es gehört dazu, was du vorhin gesagt hast, dass man eben dann die schwierigen Einrichtungen so auf die Stadt verteilt, dass man nicht den Eindruck bekommt, zum Beispiel in Harburg, es trifft immer nur uns. Das dazu, an dem Thema bleiben wir natürlich dran.
Thema Nummer vier, da geht es um Tiere. Das wird jetzt, glaube ich, eine, ich weiß nicht, eine heikle Diskussion, weil ich da eine spezielle Meinung zu habe. Wir entgreifen das Thema auf, weil der Zirkus Krone in der Stadt ist. Zirkus Krone, einer der wenigen Zirkusse noch, wo relativ viele Tiere auch in der Manege sind.
Und da kann man jetzt komplett unterschiedlicher Meinung sein. Da ist aber in dieser Woche was passiert. Da gab es eine Protestaktion. Es gab eigentlich zwei Protestaktionen. Eine Organisation, die vor dem Zirkuszelt protestiert hat, 160 Leute, die Schilder hochgehalten haben und eine andere, ich glaube sie heißt Vier Pfoten, wo, Aktivisten einen Banner anbringen wollten auf dem Zirkuszelt, da hochgekrabbelt sind und dann sind Zirkusmitarbeiter Hände hell gekrabbelt, da hat es zu Gerangel gegeben, da haben sie wieder runtergeholt, dann kam Polizei, Feuerwehr.
Es ist jetzt sehr verhakt, diese Situation. Es gibt jetzt den Vorwurf, die Aktivisten sagen, die Zirkusmitarbeiter haben die geschlagen, die Zirkusmitarbeiter, wir haben sie nicht geschlagen, wir haben sie nur darunter geholt, wir haben uns in Lebensgefahr gebracht, weil die sich in Lebensgefahr gebracht haben, etc.
Und ja, man kann gegenüber Zirkussen, die Tiere vorführen an einer Magnege, glaube ich, sehr unterschiedlicher Meinung sein. Trotzdem finde ich immer, diese Diskussion um das Tierwohl hat in der Gesamtgesellschaft was Bigottes. Wie siehst du das? Leider sehe ich das genau wie du. Das war ja heute Morgen auch sehr lustig in der Konferenz, dass eine seltene Situation eintrat. Wir beide gehen, würde ich mal sagen, die große Mehrheit der Redaktion.
Nein, ich habe mir überlegt, was würden wir davon halten? Hätte ich auch gerne die Kollegen gefragt, die sich stark gemacht haben für die Proteste. Wenn irgendwelche AfD-nahen Aktivisten bei uns am Verlagsgebäude hochklettern würden, um dort das Plakat irgendwie Lügenpresse zu entfalten. Da hätten wir jetzt auch nicht mit Begeisterung und Applaus reagiert, sondern wären wahrscheinlich auch ganz schön grantig geworden.
Und man muss halt verstehen, die Zirkusleute leben von ihrem Zirkus. Das ist ihr Job, das ist ihr Ein und Alles. Und da kommen, Entschuldigung, Leute von außen, und das sind jetzt nicht alles Tierexperten, Tierärzte, Tierpfleger und Sachverständige, sondern das sind wirklich Aktivisten. Ich habe auch mal mit ein paar PETA-Leuten gesprochen.
Da muss ich ganz ehrlich sagen, das war wirklich schon hart an der intellektuellen, nicht mehr nachvollziehbaren Grenze. Das sind Leute, die haben ganz viel Ideale, aber jetzt auch nicht so viel Kompetenz, unbedingt unglaublich zu beurteilen, ob das geht oder nicht geht. Ich kann das auch nicht. Ich weiß nur, dass wir in einem Rechtsstaat leben, wo das relativ streng reglementiert ist, wo aber auch zugehört.
Und das ist natürlich, finde ich, auch ein Aspekt, den sollten wir nicht unter den Tisch fallen lassen. Das gehört auch ein Stück weit zur Tradition des Zirkus. Und der Zirkus ist, ich fahre da mit meinen Kindern immer gern, auch was Besonderes. Und ich muss ganz ehrlich sagen, das ist auch ein Kulturgut.
Ich will nicht sagen, das ist ein Weltkulturerbe, aber vielleicht kann man da auch mal akzeptieren, dass da ein paar Tiger... Und Pferde mitfahren. Also ich bin nicht so klar, nicht so radikal. Und ich finde immer, man muss halt sehen, wenn man so massiv vorgeht gegen eine Institution, dann sollte man zumindest nachvollziehen, es geht um deren Jobs, es geht um deren Existenz. Und nicht nur auf der anderen Seite um ein politisches Hobby.
Und ich weiß jetzt schon, was Menschen, die diesen Podcast hören, sagen werden. Da hat der Iken doch jetzt tatsächlich die Tierschützer mit der AfD gleichgesetzt. Das wird so gesagt werden. Und natürlich ist das auch das Interessante, dass man dann ganz schnell, wenn man versucht, ausgewogen darüber nachzudenken, relativ schnell mundtot gemacht werden kann und dann eine Empörungswelle sich erbricht und all die Dinge, die du ehemalig erzählt hast, gar keine Rolle spielen.
Und zeitgleich zu diesen Protesten haben wir berichtet, gab es einen unangekündigten Besuch der Veterinäramtes, einer Veterinärmedizinerin, die sich überzeugt hat, ob die Tiere so gehalten werden, wie sie in dem Zusammenhang gehalten werden können. Und was ich das Bigotte daran finde, ist, als fast 40 Jahre wehrender Vegetarier.
Dass wahrscheinlich all die Menschen, oder viele Menschen von denen, die das sich dann angucken, sich hinterher hinstellen. Das ist jetzt ein Klischee wahrscheinlich. Ich sage es jetzt gar nicht. Doch, sag es ruhig. Es ist schon ein Argument. Nein. Nein, es gibt so viele Dinge und wenn man über artgerechte Tierhaltung spricht, dann, bin ich mir sicher, dass man ganz, ganz viele Wohnungen und Häuser in Hamburg findet, wo Hunde sind, wo man auch denkt, ja so ein Hund in so einer Wohnung ist das und trotzdem käme ich nie auf die Idee, dagegen zu protestieren, weil es ein Teil unserer Wirklichkeit ist und weil ich mir auch nicht anmaßen würde zu sagen, was ist jetzt richtig und was ist jetzt falsch.
Das ist halt, glaube ich, der Punkt. Also ich will vielleicht auch nicht zurückrudern, aber dass man als Tierschützer der Gegend sein kann, klar. Das ist, muss man sagen, Teil des Programms. Die wollen natürlich auch Aufmerksamkeit bekommen. Das ist ein populäres Thema. Völlig legitim. Dass die Unterschriften sammeln, völlig legitim.
Dass sie aber sich herausnehmen, das Recht an dem Zirkuszelt hochzuklettern, das ist so ein krasser Fall von Hausfriedensbruch. Und auch, da gehe ich weiter, von Provokation. Da, finde ich, kann man nicht mehr sagen, wir kämpfen für die gute Sache. Auch die gute Sache muss sich an Regeln halten. Und da haben wir manchmal so Ungleichgewicht, dass sich manche, die für die gute Sache kämpfen, so ein bisschen herausnehmen, ja, dann kann ich ja auch das eine oder andere Gesetz übertreten.
Das finde ich halt schwierig. Und da bin ich dann automatisch auch als Verteidiger des Rechtsstaats auf der Seite derer, die sich da angegriffen fühlen. Wobei, auch das ist wichtig. Natürlich geht es gar nicht, dann auf die Tierschützer loszugehen, wie das ja offenbar passiert ist. Und die Leute zu verprügeln. Ein absoluter No-Go und auch das ist wiederum ein Fall dann für die Staatsanwaltschaft. Wobei wir stellen fest, die Mitarbeiter des Zirkus und der Zirkus selber hat gegenüber uns erklärt, es ist nicht geprügelt worden.
Es gibt andere Aussagen, also das muss jetzt alles noch abgeklärt werden. Wir machen mal an dieser Stelle einen Strich darunter. Wir haben noch zwei Themen. Thema Nummer 5, der Elbdauer. Wir haben vergangene Woche auch über den Bürgermeister berichtet, der gesagt hat. Dass er sich nicht mehr so sicher ist, dass der Elbdauer weitergebaut wird.
Darauf gab es natürlich Reaktionen. Ja, darauf gab es Reaktionen, sogar einige Reaktionen. Das ist natürlich jetzt, muss man sagen, der Elb-Tower, das ist jetzt ein etwas schiefes Bild, kehrt so auf die Zielgerade ein und jetzt geht es wirklich um die Wurst. Kommt er ins Ziel oder quasi fällt er vorher als Tor so?
Nach dem Bürgermeisterinterview haben natürlich viele irgendwie das Risiko steigen sehen. Das ist ja schon, als sich Dirk Hienchef, der SPD-Fraktionschef, bei uns gemeldet hatte, deutlich geworden, die Vorbehalte in der SPD gerade, auch beim Bürgermeister, gegen dieses Projekt sind groß. Es gibt da auch einen gewissen Unmut, es gibt Verkantung, Verhackung zwischen, den Investoren auf der einen Seite und der Stadt, die ja gesagt hat, wir sind bereit, einen Teil dieses Elbtauers als Teileigentum zu erwerben.
Und das ist, würde ich sagen, erstmal ist das noch üblicher Theaterdonner, um unter Umständen diesen Vertrag dann doch noch irgendwie unterschriftsreif zu bekommen. Die Zeit läuft, das war ja dann interessant, weil wir haben dann ja mit dem Vorstand der Signal Iduna gesprochen, Hamburger Versicherung, die sowohl am Anfang investiert hat, als noch René Benko, diesen Turm bauen wollte und der jetzt in diesem Konsortium dabei ist und sagt, ja, wir sind bereit, das Ding zu Ende zu bauen.
Und der hat sich sehr, sehr deutlich zu Wort gemeldet und nochmal geworben, gesagt, wir werden daran nicht viel verdienen und wir machen das durch die Blume auch nur, damit wir nicht das, was wir schon investiert haben, auch abschreiben müssen. Was natürlich implizit die Logik hat, entweder machen wir es oder es wird keiner machen.
Und diese Argumentation hat wohl auch dazu geführt, dass man jetzt nochmal guckt und nachdenkt, kriegen wir es irgendwie hin? Denn, das ist natürlich dem Bürgermeister auch klar, so ein halbfertiger Torso, am Stadteingang ist so ziemlich das Schlimmste, was man als Signal in die Welt senden kann. Und ich habe da so eine kleine Umfrage gemacht bei LinkedIn, wo ja irgendwie viele Leute aus der Immobilienbranche unterwegs sind.
Und da gibt es noch eine Mehrheit derer, die daran glaubt, dass dieser Tower gebaut wird. Aber ich sage jetzt mal, wir haben heute den 18.09., also innerhalb der nächsten Wochen muss da was passieren, sonst können wir das Ding beerdigen. Wir bleiben dran. Thema Nummer sechs, letztes Thema, liegt schon ein bisschen zurück.
Ich würde gerne mit dir sprechen über den aktuell in diesem Jahr besten, erfolgreichsten Tennisspieler der Welt, der die French Open gewonnen hat der bei den Australian Open ins Halbfinale gekommen ist der in Wimbledon ins Finale gekommen ist und der jetzt am vergangenen Sonntag relativ souverän die US Open gewonnen hat also der beste Tennisspieler der Welt, und das ist ein Hamburger Alexander Zverev.
Und du musst mir jetzt mal erklären, weil ich das nicht so verstehe, er lebt es ja auch in den Redaktionskonferenzen, aber auch sonst in Gesprächen. Und ich habe da ein ganz ungutes Gefühl, dass wann immer man um die Ecke kommt und sagt, ja, Alexander Zverev, ist das nicht toll? Müssen wir uns nicht mal freuen, dass wir da jetzt einen der weltbesten Sportler aktuell, dem ganz, ganz viele Menschen, sehr, sehr viele prominente Menschen, berühmte Menschen zugucken, dass wir denen, dass der aus Hamburg kommt.
Ja, der hat jetzt keinen, und da fängst du bei mir an, der hat jetzt keinen klassischen Hamburger Namen. Der heißt jetzt nicht Schmidt oder Hansen. Und der hält sich auch berufsbedingt nicht besonders viel in Hamburg auf. Und ja, der lebt in Monaco, Stichwort Steuern, alles richtig. Aber wann immer sich Alexander Zverev, wenn er gefragt wird, wo ist der Ort, an dem du am liebsten bist, der dir am meisten bedeutet, dann sagt er Hamburg, Hamburg, Hamburg, Hamburg.
Und wenn dann so ein Finale ist, dann erzählen die im Kommentar und der Hamburger, der Hamburger, der Hamburger. Und ich frage mich, wie können wir denn größere Teile dieser Stadt erreichen? Mit diesem wunderbaren Tennisspieler, der vielleicht nicht ganz so sympathisch ist. Aber das war Helmut Schmidt halt auch nicht. Der war auch nicht besonders sympathisch als Mensch.
Aber du willst uns nicht wirklich Zverev mit Helmut Schmidt vergleichen? Nein, aber ich will nicht vergleichen. Sonst endet das hier gleich irgendwie klar. Ich will ihn nicht vergleichen. Ich wollte nur sagen, es kann doch bei der Bewertung einer Leistung eines Menschen nicht nur eine Rolle spielen. Das ist mein Eindruck.
Der ist mir irgendwie nicht besonders sympathisch. Ich bin mit dir einer Meinung, gibt ihm jeden Tennispreis der Welt, aber was bitte hat er für Hamburg geleistet? Also da stellt sich schon die Frage, und das ist interessant, weil ich weiß ja, dass du da auch schon länger anderer Meinung bist, und ich habe da auch mit vielen Leuten geredet, und immer kommen irgendwelche Geschichten über Familie Zverev oder über Alexander Zverev, wo es dann heißt, wusstest du das? Und ich dachte, boah, nee, wusste ich nicht.
Also, wenn du mir drei Dinge zeigst, die er für Hamburg gemacht hat. Dann können wir gerne diskutieren, mir fällt ja nicht mal einer ein. Also er hat ja auch kurzfristig oft dann abgesagt, hier beim Tennisturnier am Roten Baum. Mir fällt keine MW-Spende ein. Mir fällt nichts ein, wo er sich irgendwie für Hamburg verwendet hat.
Er kam hierher, beziehungsweise seine Eltern kamen hierher als, ja, ich weiß nicht, Flüchtlinge als Migranten aus Russland. Aber sind sie wirklich heimisch geworden? Also. Es ist ja so, ich sage es jetzt mal ganz zugespitzt, Migration ist für mich immer ein Geben und Nehmen. Und Deutschland hat da auch was gegeben. Also er ist ja hier zum Tennisspieler geworden, er hat hier seine Schulausbildung genossen, seine Familie konnte hier toll leben.
Dann irgendwie im ersten Moment, wo man Steuern zahlen darf, sich irgendwie vom Acker zu machen, finde ich jetzt nicht so rasend sympathisch. Und deshalb fehlt mir jede Fantasie, wie man den Hamburger in Anführungsstrichen, irgendwie hier ehren soll. Warum? Wofür? Nein, weil er natürlich aktuell der Erfolg, nicht nur aktuell, er ist einer der erfolgreichsten Sportler, die aus Hamburg kommen.
Ich habe gar nicht gesagt, dass man ihn ehren soll. Aber es ist natürlich schon, also Boris Becker ist natürlich, das soll in Hamburg nicht, Boris Becker ist in Leimen Ehrenbürger geworden. Ja, aber das ist Leimens Problem. Ja, ich sage nur, Steffi Graf ist in Brühl Ehrenbürger geworden, Michael Stich ist in Emshorn Ehrenbürger geworden, das meine ich ja gar nicht.
Ich finde nur so ein bisschen, ich würde mir ein bisschen mehr Respekt wünschen vor dieser Leistung von Alexander Zverev. Und es geht ja in der Argumentation der Menschen, die das so sagen wie du, nie um Tennis. Es geht nie um Tennis. Es geht nur so das Gefühl, irgendwo mag ich den nicht. Ja, aber die Ehrenbürgerschaft und überhaupt eine Auszeichnung der Stadt Hamburg beinhaltet ja irgendwie auch den Aspekt Hamburg.
Wie gesagt, jeder Tennispreis, ich finde auch, er ist ein toller Tennisspieler, beeindruckende Spiele. Überhaupt keine Frage. Aber wenn man von seiner Heimatstadt, wenn es denn die Heimatstadt ist, geehrt werden möchte, muss man auch bereit sein, seiner Heimatstadt was zurückzugeben. Vielleicht bin ich auch ungerecht, Vielleicht kenne ich das nicht, aber ich habe mit verschiedenen Leuten gesprochen und jedem fehlt die Fantasie, was er denn für Hamburg getan hat.
Ja, aber das ist ja die große Frage, ob es sozusagen über das, was er gemacht hat, über den sportlichen Erfolg, über seine Stiftung gegen Diabetes. Über das Aufwachsen in Hamburg, ob man darüber hinaus noch was machen will und nochmal, ich will jetzt nicht sagen, macht ihn zum Ehrenbürger, das wäre wahrscheinlich einer zu viel, aber insgesamt…, Finde ich, ist es sehr schwer. Das liegt auch vielleicht an ihm, aber da ist ein Hamburger, der in der Welt erfolgreich ist, aber irgendwie kommt dieser Hamburger und seine Stadt nicht richtig zusammen.
Und ich finde, was nicht sein muss, ist, wenn man sagen muss, hat er dann auch mal hier eine Kita gerettet. Das kann ja jetzt nicht der alleinige Grund sein. Also es geht ja um die Gesamtleistung und ehrlich gesagt, der macht ja immerhin, ich bin ja in dieser Kongregation, die den Ehrenschleusenwerterpreis verleiht, und da geht es darum, wer sind die Menschen, die die Schleusen für Hamburg aufmachen, die für Hamburg Werbung in der Welt machen und wenn da einer ist, ein Hamburger, der seit einem vierten Lebensjahr Diabetes hat und es trotzdem schafft, zwei der bedeutendsten Tennisturniere der Welt zu gewinnen, dann finde ich, gäbe es schon den Grund zu sagen, ey, das ist einer von uns und ich bin mir nicht ganz, also weißt du, ich zuck immer so ein bisschen so,
wenn dann neu mir jemand sagt, ja, ja, weil es ist Entweidigkeit, ist das ja ein Russe. Und da fremde ich komplett mit. Das finde ich auch. Er ist kein Russe. Das ist Blödsinn. Er ist ein Hamburger. Die Eltern waren Russen, er ist Deutscher. Er ist ein Hamburger. Aber ich verweise dann noch auf den Fall des gerade verstorbenen Klaus-Michael Kühne.
Der hat hier in der Stadt, wenn er die Oper dann braucht, würde ich sagen, ungefähr eine halbe Milliarde seines Vermögens gelassen. Und er wurde nie Ehrenbürger. Was ich auch nachvollziehen kann, auch mit der Begründung, ja, als es darum ging, Steuern zu bezahlen, hat er sich, beziehungsweise damals ja auch schon sein Vater, sich in die Schweiz abgesetzt.
Das ist schon, muss man ehrlich sagen, so als Verständnis eines Bürgers und erst recht als Verständnis eines Ehrenbürgers, funktioniert das nicht. Und ich würde mir halt auch wünschen, von einem Bürger Alexander Zverev, genau wie von einem Bürger Boris Becker, oder einer Bürgerin Steffi Graf, dass die der Gesellschaft, wo sie groß geworden sind, wovon sie profitiert haben, auch ein Stück weit bereit sind, etwas zurückzugeben.
Und die Gewinnmaximierung auf die eigenen Kosten, und da bin ich zutiefst sozialdemokratisch, ist mir wirklich suspekt. Aber ich finde, Kühne ist ein gutes Beispiel. Ich sehe es für Kühne genauso. Ich finde die Art und Weise, wie Hamburg Kühne behandelt hat, mit all dem, was er für diese Stadt getan hat, auch wenn er hier keine Steuern zahlt, war auch nicht angemessen. wir müssen nicht immer über das Ehrenbürgerding sprechen, aber wenn du jetzt sagst, so ein Ehrenbürger muss was Messbares für Hamburg getan haben.
Und dann bin ich jetzt völlig unverdächtig, weil ich der größte Udo Lindenberg-Fan auf diesem Planeten bin. Aber was bitte hat Udo Lindenberg für Hamburg getan, was du messen kannst? Auch das ist eine Frage. Also er hat was für die Musik getan, für die Kultur. Ich glaube, er hat überhaupt deutschsprachige Rockmusik erst möglich gemacht.
Das würde ich auf jeden Fall da erwähnen. Aber was er für Hamburg getan hat, Der hat was für das Atlantik getan als PR. Nein, da muss ich sagen, etwas für die Deutschen. Bei Uwe Seeler oder bei Siegfried Lenz fällt mir das ein bisschen leichter. Bei Helmut Schmidt übrigens auch. Kirsten Boje hat extrem viel für die deutsche Kinderbuchliteratur, Jugendliteratur getan. Aber für Hamburg?
Also die hat auch einen Wohnort in Hamburg, glaube ich, aber die wohnt auch genauso viel an der Schleife. Also ich finde, da wird mit zweierlei Maß gemessen. Da stimme ich dir zu, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird, dass es also Kulturschaffende, in Anführungsstrichen, gibt, die man, wenn man sie mit einem Preis beehrt, erlauben, dass man sich in ihrer Sonne quasi noch ein bisschen sonnt.
Das muss man auf jeden Fall akzeptieren. Und man muss ein bisschen aufpassen, weißt du? ich finde ja auch, wenn man sich das jetzt genau anguckt, Michael Stich lebt seit vielen, vielen Jahren, ich glaube seit Jahrzehnten in Hamburg, ist aber trotzdem nie ein Tennisspieler Hamburgs geworden, obwohl der ja in Hamburg lebt und Hamburg Steuern zahlt. Mein Gefühl ist nur...
Was übrigens sehr sympathisch ist im Vergleich. Oder zum Beispiel Lena, muss man auch sagen, ist ja auch ein bisschen umstritten, hat übrigens auch viel für die Musik getan und die hat sich halt keine Yacht von ihrem Geld gekauft, sondern eine Schule gegründet in Hamburg. Da muss ich ganz ehrlich sagen, hat mehr für Hamburg gemacht, wahrscheinlich, als Udo.
So, also insofern, ich finde, ich habe nur das Gefühl, dass da so eine persönliche Antipathie vieler Menschen ist, die sagen, irgendwie finden wir den nicht, finden wir den doof und deshalb, deshalb reden wir diese. Denn sowas kommt ja nicht aus dem Nichts. Also wie gesagt, ich bin ja am Montag, ich sage auch nochmal, wo ich war, da war ein abendlicher Empfang der CDU.
Und irgendwie kam da auf das Thema Zverev. Und sofort waren Leute da, die auch aus dem persönlichen Erlebnis jetzt nicht die positivsten Geschichten über ihn zu erzählen hatten oder über die Familie. Und ich sage immer, wo Rauch ist, ist auch Feuer. Und da in diesem Fall ist das vielleicht auch so. Ja, aber ich mache dir jetzt fast nicht mehr auf, aber ich könnte dir jetzt ganz viele Menschen erzählen, die über ihre persönlichen Kontakte zu Helmut Schmidt Dinge gesagt haben, wo man wirklich kurz sagt, oh, das ist der Große, der von allen bewunderte Helmut Schmidt halt auch gewesen.
Gut, aber hätte Helmut Schmidt nicht die Bundeswehr eingesetzt in der Nacht der Sturmflut, wer weiß wie viele Leute noch ertrunken werden. Und das meine ich, es geht immer um die Taten und nicht um die Bewertung von irgendwelchen Eigenschaften. Matthias, wir haben heute so viel gestritten, das ist ja sehr schön.
Verquatscht haben wir uns auch. Nächste Woche geht es weiter mit einer neuen Folge und wahrscheinlich mit vielen, vielen interessanten Themen. Schönen Dank fürs Zuhören heute. Bis nächste Woche. Tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.