040 Streng vertraulich: Die Lage in Hamburg· Folge 26

Leben ohne Handy - das Experiment

Freitag, 24. Oktober 2025 · 28 min

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Shownotes

Ohne Handy, ohne jede Nachricht, eine Woche im Kloster! Funkstille statt Dauer-Vibration: Matthias Iken, Host des 040-Podcasts, hat den ultimativen Selbstversuch gewagt. Er ist in ein Kloster in der Eifel gegangen und hat sein Smartphone an der Tür abgegeben – freiwillig! Warum macht man das, obwohl es die Regeln gar nicht verlangen? Wie fühlt sich das Leben ohne digitale Verbindung an und was genau passiert hinter den dicken Klostermauern? Lars Haider befragt den Wiederholungstäter Matthias Iken in dieser besonderen Folge über totale Abschottung, innere Einkehr und die überraschenden Erkenntnisse aus der Handy-Pause.
Jetzt reinhören – in die Folge über das (Über-)Leben ohne unser wichtigstes Gerät!

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Willkommen, ich bin Lars Haider. Und ich bin Matthias Igen. Und du, lieber Matthias, wirst diese Folge, die wir heute aufnehmen, nicht hören können. Nein, zumindest nicht, wenn sie erscheint. Du wirst sie an dem Tag des Erscheins und der Woche des Erscheins nicht hören können, weil du etwas machst und darüber wollen wir sprechen, von dem, glaube ich, viele Leute träumen, manche nehmen sich das vor, die meisten machen es dann aber nicht.

Du gehst eine Woche ins Kloster. Ja. Ganz erzähl, also erzähl mal, ist das so schlimm? Nein, das hat nichts mit diesem Podcast. Das mache ich ja freiwillig. Also es ziehe mich ja keiner mit vorgehaltener Waffe dazu, sondern ich mache das freiwillig und ich freue mich sogar drauf, weil das ja wunderbar quasi, sage ich mal, zum Entschlacken der Seele ist und auch um neue so, ja vielleicht spirituelle Impulse zu bekommen.

Ich mache das einfach, um mal wirklich aus der Welt rauszutreten. Das Handy gebe ich ab an der Ford und dann ist Ruhe. Wie geht sowas? Also erstmal Montag bis Freitag, fünf Tage, sieben Tage, wie lange bist du im Kloser? Das kann man, fünf Tage bin ich insgesamt da, das kann man aber individuell natürlich mit dem Kloster vereinbaren.

Es ist jetzt auch gar nicht so exotisch, wenn man so ein bisschen im Netz recherchiert, hat man die Auswahl zwischen sicher irgendwie Dutzenden Klostern, die so etwas anbieten. Exerzitien auf Zeit, Auszeiten, gibt auch ganz viele verschiedene Möglichkeiten, wie man das gestaltet. Und wenn man sagt, Mensch, das wäre genau das Richtige für mich, dann kann man eigentlich schon anfangen, sich anzugucken, wo will ich eigentlich hin?

In welches Kloster und wie stelle ich mir das vor? In welches Kloster gehst du? Ich gehe in die Eifel nach Maria Laach. Da war ich auch schon mal. Und deshalb können wir jetzt überhaupt den Podcast mit dem Thema füllen. Weil ich da ja gesehen habe, wow, das tut mir total gut. Das bringt mich weiter, das bringt mich auch runter.

Ich meine, wenn man so unsere Podcasts und unsere Tagesabläufe sieht, wir haben ja schon, muss man sagen, relativ viel in der Birne, was wir im Blick haben müssen, was wir einschätzen müssen, wo wir in Gesprächen sind und das alles mal nicht zu haben, ist eine Wohltat. Geht jetzt mit ganz vielen Fragen los. Also das alles mal nicht zu haben, könnte man ja auch haben, wenn man ganz normal, so wie ich jetzt, in Urlaub fährt.

Und dann macht man das Handy aus und dann liest man viele Bücher und ist den ganzen Tag draußen und isst gut und macht Yoga. Und ja, um einen rum sind die Kinder und die Ehefrau, was ja aber auch mal ganz schön ist. Also es gibt ja verschiedene Methoden, um abzuschalten. Man nennt es Urlaub und das werden jetzt viele machen in den Herbstferien. Vielleicht werden viele diesen Podcast gar nicht hören.

Aber da kommt die erste Frage, wie viele der Leute, die Urlaub machen, und dann nehme ich mich selber auch mit rein, machen denn ihr Handy aus? Das weiß ich nicht. Ich kann nur von mir sprechen. Also ich mache es nicht aus im Urlaub. Ich lege es wohl mal weg, dann ist es ein paar Stunden in der Ferienwohnung.

Aber ich mache es nicht aus. Das heißt, ich bin erreichbar, ich gucke auch abends, was macht mein Mailfach. Hat jemand angerufen, checkt die Nachrichten, checkt vielleicht auch Aktienkurse. All das, gucke aufs Wetter. All das, was man halt permanent macht. Und wo man dann ja auch jeden Montag bei seinem iPhone den Bericht bekommt, du warst letzte Woche so und so viele Stunden online.

Und irgendwie bin ich nicht diszipliniert genug, das im Urlaub zu machen, weil du nimmst das Handy ja auch zum Beispiel mit als Fotoapparat. Absolut. Das war ja lustig, weil ich war ja letztes Jahr zum ersten Mal da und ich habe es mir dann am Ende organisiert, das Handy, weil ich wollte noch ein paar Fotos machen.

Also dieses Leben, das ist wirklich auch interessant, weil man merkt, wie man ja eigentlich quasi digitalisiert ist inzwischen. Du glaubst gar nicht, wie oft du in den ersten beiden Tagen dein Handy suchst. Der kurze Griff, wo ist es? Dann der kurze Adrenalinstoß. Scheiße, das Handy ist weg. Und dann, ach, ich habe es ja abgegeben.

Das ist total interessant. Also man ist am Ende ja, also ich zumindest, bin wahrscheinlich so drei Stunden am Tag an diesem Ding. Guckt dann auch, wer noch irgendwie bei LinkedIn was kommentiert. Das ist natürlich, muss man sagen, am Ende des Tages eigentlich Bullshit. Und das nicht zu haben, ist wunderbar. Man lernt auch ganz neue Sachen.

Also ich wandere da immer viel. Eigentlich will ich auch schwimmen, Aber das vermute ich wird jetzt im Oktober doch ein bisschen haarig. Ich war letzte Woche nochmal schwimmen und das war schon echt kalt. Finde dich mal zurecht. Du hast dich total dran gewöhnt, wenn du wandern gehst, dass dir dein kleines iPhone sagt, wo du gerade bist.

Wenn du ins Grüne, ins Blaue losmarschierst. Und dann wieder irgendwie zu lernen, hey, ich muss mich orientieren. Wo ist der See? Wo sind die Himmelsrichtungen? Wo ist das Kloster? Das sind total spannende Erfahrungen, die ich letztes Jahr so überwältigend fand, dass ich gesagt habe, muss ich nochmal hin. Und diesen Sommer hat meine Frau gesagt, ich möchte, dass du wieder ins Kloster gehst, weil du da so wunderbar erholt wiederkommst.

Wie geht das? Also man geht da hin, also es klingt so ein bisschen, als es eigentlich nur darum geht, Urlaub vom Handy zu machen. Nein, nein, nein, dafür müsste man ins Kloster gehen. Genau, also du gehst da hin, dann sagen die Guten Tag, Herr Iken, dann bitte Handy, Laptop, alles nicht dabei. Bücher darfst du mitnehmen? Ja, ich könnte mein Handy auch mitnehmen.

Ich will es doch nicht. Also es ist schon freiwillig. Es gibt sogar, glaube ich, ein paar Zimmer, da gibt es sogar WLAN. Aber natürlich, es ist eine gute Frage. Das ist natürlich ein ganz anderes Leben. Und dieses ganz andere Leben, das strahlt auf dich ab. Und das macht was mit dir. Also wer natürlich, sage ich mal, überhaupt keine religiösen Beziehungen hat, wer also komplett, sage ich mal, christlich-unmusikalisch ist, für den wird ein Kloster nichts bewirken.

Wenn man aber Lust hat, sich so ein bisschen einzulassen, wir leben ja doch in einer sehr, sage ich mal, wissenschaftlich, vernunftgetriebenen Welt, auch so ein bisschen das Übersinnliche, das Mystische auch auf sich wirken zu lassen, dann ist das gut. Du hast zum Beispiel vier Gottesdienstzeiten am Tag.

Ist es nicht so, dass da irgendwie Liste geführt wird nach dem Motto, warst du da oder warst du nicht da? Aber abgesehen beim Frühgottesdienst um 5.30 Uhr, mit dem ich dann schon hadere, habe ich eigentlich meinen Tagesablauf schon versucht daran zu ein bisschen orientieren. Was ich total großartig finde, ist die Vespa am Nachmittag.

Da werden dann von den Mönchen so gregorianische Chorele angestimmt. Und das ist natürlich auch in dieser architektonisch hochinteressanten Kirche. Weltkulturerbe geht bis auf das Ende des 11. Jahrhunderts zurück. Das ist schon was Besonderes und man kriegt den Kopf frei und lässt vielleicht auch neue Gedanken zu und denkt auch ein bisschen darüber nach, was da gepredigt wird, was das Gebet des Tages ist und das ist schon eine gewinnende Erfahrung.

Viermal am Tag Gottesdienste, ab 5.30 Uhr, der letzte? Der letzte ist Abendgebet um 19.30 Uhr. Das heißt, es ist Abendgebet. Danach ist auch, also der Tag ist schon eher, na gut, der Helligkeit angepasst gilt jetzt auch nicht mehr. Erst recht nicht in Zeiten der Sommerzeit, aber man geht da total früh ins Bett.

Also meist um 10 war da entweder der Ofen aus und man steht dann auch früh auf. Als ich das letzte Mal da war im August, bin ich jeden Morgen in den See gegangen. Das ist natürlich großartig, so die Sonne ging auf und dann habe ich erstmal eine halbe Stunde da geschwommen. Das werde ich jetzt vermutlich nicht machen, insofern muss ich noch ein bisschen gucken, wie ich dann in den Tag reinkomme.

Aber ich werde viel lesen, viel spazieren gehen, viel in der Kirche sitzen und mich einfach freuen, dass ich nichts anderes zu tun habe. Das heißt aber, das ist ja nicht so, man kloster denkt immer, dann geht die Tür zu und nach fünf Tagen geht sie wieder auf. Nee. Man kommt schon selber raus, aber die Frage ist nicht schlecht.

Denn Maria Laach, ich habe ja eben gesagt, ist so ein Weltkulturerbe. Das ist auch ein Marktplatz. Da gibt es einen Busparkplatz, wo also die ganzen Reisegruppen aus Deutschland und Holland ausgespuckt werden. Da gibt es einen Hofverkauf, da gibt es Läden, da gibt es eine Töpferei, die die Klosterbrüder betreiben.

Da ist schon richtig, kann man sagen, Remmidemmi. Aber es gibt eine Klostertür, für die hast du deinen speziellen Schlüssel. Da wohnst du auch und dahinter ist Ruhe. Und da kommt auch keiner hin. Und das ist so ein bisschen auch der Reiz dieser beiden Welten. Und, ja klar, ich habe das schon so gemacht, also ich bin ja nicht eingesperrt.

Und wenn du wandern gehen willst, dann gehst du natürlich wieder außerhalb des Klosters raus. Aber es ist schön zu wissen, irgendwann geht die schwere Tür hinter dir zu und dann ist Ruhe. Und dann stellt man sich ja so ein Zimmer ganz karg vor, so eine Holzpritsche und so ein Schreibtisch und Stuhl. Wie viele Sterne hätte das, wenn das Sterne hätte? Es hat keine Sterne, es hat nicht mal einen Fernseher. Also es hat, Holzbritsche wäre zu viel, es ist schon ein normales Bett.

Es hat einen schlichten Schrank, einen kleinen Schreibtisch und es hat eine Nasszelle. Also Nasszelle, wir reden nicht über Badezimmer, doch. Ja, Badezimmer, es ist eine Dusche drin und ein Klo, ja. Das reicht schon. Mehr brauchst du ja nicht, du willst da ja auch. Ist natürlich auch noch eine Bibel drin und quasi Wochengebet.

Aber mehr ist da nicht. Und ja, ich brauche keinen Fernseher. Ich werde dann auch wahrscheinlich erst, wenn ich aus dem Clos da rauskomme, erfahren, wie man FC St. Pauli gespielt hat. Und das Thema ist doch so, wie ich dich einschätze, du brauchst doch zu Hause keinen Fernseher oder sitzt du abends vorm Fernseher?

Nein, ich habe zwar einen großen Hartz-IV-Empfänger, aber habe. Wenn es hochkommt, würde ich sagen, in der Woche gucke ich eine Stunde Fernsehen, weil ich so viermal die Tagesschau gucke. Gut. Und ja, diese Woche war es mehr, weil ich das Nationalmannschaftsspiel, zumindest die zweite Halbzeit gesehen habe. Aber ich bräuchte keinen Fernseher.

Aber das Schöne ist, habe ich das erzählt, wir haben ja irgendwann einen neuen Fernseher uns dann doch zugelegt, weil der Alte irgendwie seinen Geist aufgab. Und die Kinder haben den eingestellt und waren ganz stolz. Papa, guck her, der Fernseher funktioniert schon. Wir haben schon alles gemacht. Und dann setze ich mich abends vor den Fernseher und spiele auf der Fernseher rum und sage, hä?

Rufen dann die Kinder, sag mal, wo ist denn hier das erste Programm? Gucken Sie sich an, wie erstes Programm? Aber was sie eingestellt hatten, war Netflix und Amazon Prime und YouTube und also quasi die ganzen Internetzugänge. Aber auf lineares Fernsehen, da waren sie gar nicht drauf gekommen, das einzustellen.

Aber wenn ich jetzt mir das anhöre, dann sagst du, okay, das ist ein Zimmer, das ist eigentlich ganz normal. Also es ist nicht der allerhöchste Standard. Es gibt kein Schwimmbad da. Essen müssen wir nochmal kurz klären. Frühstück, Mittagessen. Es gibt gemeinsame Essenszeiten. Da kommen dann die Gäste des Klosters zusammen. Das ist jetzt keine Sterne in der Küche, aber ist auch egal.

Und man wird von den Mönchen, das ist vielleicht so ein bisschen Ehre, Anerkennung oder vielleicht auch Zufall, mitunter eingeladen ins Reflektorium. Da muss man sich vorstellen, das ist also ein großer Raum im Klosterbereich, wo du sonst gar nicht hinkommst. Und da bist du eingeladen mit den Mönchen zu essen. Normalerweise aber essen die Gäste unter sich.

Normalerweise essen die Gäste unter sich und wenn du mit den Mönchen isst, ist es so, dass dabei geschwiegen wird. Das heißt, da wird gar nichts gesagt. Das ist so ein bisschen eine Bedingung. Und es wird so lange gegessen, wie der Abt isst. Wenn der Abt aufgegessen hat, ist das Essen vorbei. Aber es gibt schon, muss man sagen, ein bisschen Unterhaltung.

Denn einer der Mönche liest während des Essens vor. Liest aus einem Buch, das er für passend hält. Das kann alles sein von der Name der Rose bis hin zum Reiseführer über das alte Rom. Und das ist dann das Kulturprogramm während des Essens. Das ist schon was Besonderes. Aber was hat man dann davon, dass man mit den Mönchen ist, wenn man mit ihnen nicht sprechen kann?

Man hat davon, dass man in einem Raum sitzt, der auch im 17., 16., 18. Und 19. Jahrhundert so aussah und da mit Menschen sitzt, die auch in diesen Jahrhunderten nicht anders gegessen hätten. Vielleicht kann man sagen, gut die Gläser und das Besteck ist ein bisschen moderner, aber das ist ein Raum, der aus der Zeit gefallen ist.

Und das ist auch was Besonderes. Und es ist auch was Besonderes, dass man mal nicht spricht. Also ich spreche da sowieso immer recht wenig, was ich auch angenehm finde, weil jetzt in diesem Podcast quatsche ich schon wieder so viel. Einfach mal die Klappe halten. Und was ist dann mit anderen Gästen? Tauscht man sich da dann nicht aus?

Und dann geht es doch wahrscheinlich auch schnell wieder, Mensch, was machst du denn im normalen Leben? Und oh, sie sind da vom Hamburger A-Blatt. Einige haben gesagt, ich habe das schon mal gelesen. Kann ja alles passieren. Kann alles passieren, ja. Wobei interessanterweise, also wie gesagt, ich war ja einmal da, die Frage danach, was machst du denn so, die quasi im Urlaub, wenn man mit anderen Urlaubern am Tisch sitzt, sich irgendwie nach fünf Minuten stellt, die stellen ganz viele nicht.

Also es wird schon gefragt, warum bist du hier oder warum sind sie hier und was machen sie morgen und so, dass man sich so ein bisschen über den Alltag austauscht. Aber die Frage, was machen Sie denn so, die ist da so ein bisschen verpönt. Und auch das finde ich manchmal irgendwie ganz nett. Ich hatte zum Beispiel einen, bei meinem letzten Urlaub, den fand ich ganz nett, ein älterer Mann, so ich würde sagen Ende 70, mit dem ich wirklich viel geplaudert habe, der sich auch gut auskannte, den ich nach Wanderwegen auch gefragt habe, am dritten Tag stellte sich heraus, der ist auch Priester.

Und der war quasi im Urlaub im Kloster. Hatte davon aber nichts erzählt, sehr, sehr lustig. Setzt du dich bewusst dann zu anderen Gästen hin? Ja, man mischt schon so ein bisschen durch. ja, ja. Aber das ist jetzt auch so, man fährt ja auch nicht hin, um Freunde fürs Leben zu gewinnen. Und das ist natürlich schon, also wie gesagt, Bedarf einer gewissen religiösen Musikalität, habe ich das vorhin genannt.

Das, glaube ich, ist der Fall. Und das ist schon, also es sind auch Menschen da, habe ich dann so gemerkt, die manchmal in Lebenskrisen sind oder vielleicht auch eine Krankheit haben oder die, sich einfach neu aufstellen wollen. Das sind schon. Oft vielleicht so besondere Momente, wo man sich für sowas entschließt, aber das ist auch völlig in Ordnung.

Also man ist eigentlich mit sich selbst und mit Gott beschäftigt und weniger mit dem Menschen neben dir. Und das würde, du hast es vorhin gesagt, das klingt so ein bisschen wie nach Menschen, die jetzt darüber sprechen, dass sie eine Abnehmenspritze nehmen, weil sie sagen, ich kriege es sonst nicht hin. Ich komme sonst nicht runter von meinem Gewicht.

Und so ein bisschen ist deine Abnehmenspritze das Kloster. Weil du sagst, du schaffst es sonst nicht. Also zu sagen, ich fahre jetzt in Urlaub und mache fünf Tage das Handy nicht an, da wäre schon vieles von dem abgedeckt, was du da abdecken möchtest. Das ist aber nicht dasselbe. Ja, aber da gibt es natürlich die spirituelle Note.

Minute, das hast du da nicht und du bist halt allein mit dir. Und das ist halt auch was, wir sind beides Familienväter, wir haben beide einen anstrengenden Job. Wann haben wir schon mal wirklich, abgesehen vielleicht von ein paar Minuten mal am Tag, die Zeit nur für uns? Weißt du was, und das finde ich, da würde ich jetzt gerne mit dir sprechen, das ist für mich eigentlich die größte Leistung von dir, weil ich möchte eigentlich nicht mit mir alleine sein.

Warum? Du bist doch ein ganz netter Kerl. Ja, aber ich möchte eigentlich möglichst immer meine Familie um mich rum haben. Ich kann es fast schon, also mir fällt es schon schwer, mal hart, aber einen Tag irgendwo anders zu übernachten ohne die Familie ist für mich schon ganz komisch. Da bin ich ganz schnell ganz unglücklich.

Das ist interessant. Nee, also da, das kann ich schon haben. Du willst es ja offensichtlich. Du bezahlst, was kostet sowas? Nicht viel. Nicht viel? Ich zahle da pro Nacht 90 Euro mit Essen. Okay, krass. Also das finde ich jetzt für ein Bett, für eine eigene Dusche. Und eine schöne Ecke, ist ja eine schöne Ecke. Ja, sehr schön.

Die Eifel, also das ist ja direkt an einem Mar gelegen. Also quasi ein gigantischer Vulkanausbruch. Jetzt noch für die Geologen unter den Hörern. Das ist ja einer der größten Vulkanausbrüche der letzten 11.000 Jahre gewesen. Was auch das Klima in ganz Europa radikal verändert hat. Da muss man sagen, das war eine Klimakatastrophe.

Und nach diesem Vulkanausbruch hat sich halt eine Caldera gebildet, mit Wasser gefüllt. Und du merkst immer noch, wie vulkanisch das da ist, weil wie in einer Wasserflasche, das heißt Mofetten, da die Kuhlensorge hochsprudelt. Sehr, sehr schön. Was ich mich dann frage, wenn man da so sitzt und über sich selber nachdenkt und zur Ruhe kommt, ob da nicht die Gefahr besteht.

Mir geht es so, und ich bin noch nicht mal im Kloster gewesen, dass man dann über das, was man sonst so macht, denkt, was mache ich da eigentlich? Warum mache ich das eigentlich? Es ist ja, wenn man darüber nachdenkt, was ist wirklich im Leben wichtig, gibt es halt ganz viele Sachen, die unseren Alltag prägen, die völlig unwichtig sind.

Und man muss nur kurz darüber nachdenken. Wenn man lang darüber nachdenkt, wird es noch heftiger. Und ich könnte mir vorstellen, dass ich aus so einem Kloster rauskäme und alles hinschmeißen würde. Das kann sein. Das kann passieren. Das kann passieren. Das kann passieren, aber ich habe es ja schon einmal gemacht und habe jetzt nicht so viel verändert.

Und das ist offen. Aber so mit Hinschmeißen, das ist ja, und alles anders machen, da ist man ja schnell dann auch wieder im alten Umfeld und da gibt es ja auch gute Gründe für, warum man das Feld, in dem man gerade unterwegs ist, so gewählt hat. Also die Gefahr, glaube ich, besteht, ist aber nicht besonders hoch.

Aber stellst du dir nicht auch manchmal die Frage, ob du die Sachen, die du machst, einfach machst, weil du sie machst und gar nicht lange drüber nachdenkst? Ja klar, das ist ja immer so. Also wenn du erst mal auf einem Gleis unterwegs bist, sage ich immer, so viele Weichen vor dir kommen gar nicht mehr, weil die meisten Weichen hast du schon gestellt, indem du quasi dir einen Job gesucht hast, indem du dich für irgendein Objekt entschieden hast, indem du dich für eine Familie entschieden hast.

Das sind alles so Weichenstellungen, die liegen hinter uns. Und jetzt muss man halt nur noch irgendwie gucken, bleibt man on track oder sucht man sich was Neues. Aber dass man aus dem Kloster rausgeht und sagt, ich bleibe jetzt gleich hier und werde Klosterbruder, ich glaube, die Gefahr besteht nicht.

Sind da nur Männer oder auch Frauen? Auch Frauen zugelassen. Und sind da viele Frauen? Ich könnte auch, wenn ich mich jetzt gleich noch umentscheide. Das geht ja ganz schnell heutzutage. Aber ich würde jetzt so denken, es klingt nach so einem typischen Männerding. Ins Kloster zu gehen. Ja, es sind schon mehr Männer als Frauen.

Also im Kloster natürlich sind nur Kloster, also Mönche. Da sind doch in der Verwaltung auch Frauen. Aber unter den Gästen würde ich sagen 70-30. Aber die lassen dich, wenn du mit niemandem da Kontakt haben wolltest, die lassen dich komplett in Ruhe? Ja. Also die kommen jetzt nicht und wollen dir die Beichte abnehmen oder wollen nicht ein Gespräch verwickeln. Das würde ich auch ehrlich sagen, das hätte ich auch nicht gewollt.

Also es gibt auch Klöster, die bieten die dann richtig an, so Tage der religiösen Orientierung. Aber das will ich nicht. Also ich will schon einmal im Jahr mit mir sein. Und da brauche ich keinen, der mir irgendwie das Händchen hält und mir einen Text vorliest und dann mit mir darüber sprechen möchte.

Könntest du nicht auch, du hast es gesagt, du könntest es, das Handy mitnehmen in dein Zimmer und einfach da ausmachen und Schublade tun? Ja. Warum machst du es nicht? Du rufst auch in den fünf Tagen nicht zu Hause mal an? Nein. Deine Kinder, deine Frau wissen nicht, was macht der Matthias eigentlich gerade? Wie geht es ihm?

Letztes Jahr war es ja sogar so, dass es meiner Mutter nicht gut ging. Da habe ich ein bisschen überlegt. Die hatten dann die Nummer von dem Kloster, was sie auch erreichen können. Nein, ich kenne mich ja. Da wir alle News-Junkies sind und wenn die Nadel dann direkt quasi um die Ecke liegt, dann würde ich wahrscheinlich spätestens beim St.

Pauli-Spiel gucken, Mensch, wie steht es denn? Und dann würde ich mich selber irgendwie unwohl fühlen und nein, nein, nein, nein, nein, ich möchte das Handy nicht haben. Nimmst du dir was zum Lesen mit, ist klar? Muss gerne auch sagen, was, aber zum Schreiben auch? Ja, letztes Jahr habe ich wirklich so eine Art Tagebuch geschrieben und habe dann auch über die Zeit im Kloster geschrieben. Kann man online natürlich noch abrufen.

Und da tauchen auch so ein paar Gedanken auf, die ich während dieses Klosteraufenthalts in das Tagebuch geschrieben habe. Mache ich jetzt wieder und Bücher nehme ich auch mit. Ich hatte letztes Mal zwei Bücher mit, die hatte ich am zweiten Tag durchgelesen, aber Gott sei Dank gibt es auf der anderen Seite des Klosters, auf dem Jahrmarkt, auch eine gut sortierte Buchhandlung und da habe ich mir zwei weitere gekauft. Also jeden Tag ein Buch ist überhaupt kein Ding.

Was für Bücher nimmst du mit? Welche weißt du schon? Das ist gut, das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Klar ist es nur ein Sachbuch und ein Billetristikbuch. Da lasse ich mich am Abend vorher so ein bisschen inspirieren. Gibt es ein paar Möglichkeiten. Aber die hast du schon zu Hause? Ja, die habe ich schon zu Hause.

Und wahrscheinlich den neuen von Harari. Und als Roman habe ich kürzlich angefangen. Ich lese ja immer ein paar Bücher Zeitleiter, das ist manchmal auch doof. Ein Roman über das Geiseldrama von Gladbeck. Und das ist dick und eigentlich ganz gut geschrieben. Ich glaube, das nehme ich mit. Was mir passieren würde, wenn ich dann frei... Oder soll ich deinen Krimi mitnehmen? Das wäre auch schön.

Da gibt es ja vier verschiedene zur Auswahl. Ja, für jeden Tag einen. Ich könnte dir natürlich auch, das kannst du nicht lesen, ich könnte dir auch digital schicken, mein neues Buch, das heißt ja am Ende der Straße die Schlei und da geht es ja tatsächlich so ein bisschen um die großen Fragen des Lebens.

Also es ist so ein bisschen, was für dich das Kloster ist, ist für den Protagonisten in diesem Buch, ein altes Räddauchhaus an der Schlei, was völlig allein, wo er praktisch auch allein ist und dann allein und dann feststellt und auch zwischendurch dann feststellt, dass er gar nicht mehr weiß, wo sein Handy ist und ob es eigentlich aufgeladen ist und solche Geschichten und sich auch fragt, wo ist eigentlich die ganze Zeit hin, die wir früher hatten und dann auf sein Handy blickt und sagt, ja, das ist die Antwort. Du hast schon recht, dass man.

Diese Selbstverständlichkeit, mit der man mit dem Handy Zeit verbringt, ist schon immens, wobei ich neulich gelernt habe, dass sozusagen das Handy so ist, wenn ein Handy auf dem Tisch liegt, ist es so, als ob andere Leute noch mit dabei sind, die dann anrufen, die dir was schicken und so weiter. Aber du hast recht, man kommt davon nicht los. Ja, und gerade weil du das sagst mit dem Handy auf dem Tisch, ich erinnere mich noch relativ genau, da war ich Praktikant bei der Gala.

Und meine Mitpraktikantin legte als erstes ihr Handy auf den Tisch. Ich hatte damals natürlich kein Handy, das war Ende 95. Und da habe ich gedacht, wie bescheuert ist das denn? Heute ist es Alltag. Ja, aber es ist Alltag, weil man nichts dagegen tut. Also ich neige dann dazu, zumindest wenn wir familiär unterwegs sind und Teile der Familie ihre Handys auf den Tisch legen, dann sage ich, jetzt essen wir und jetzt nehmen wir die Handys vom Tisch.

Ich bin ja auch, glaube ich, einer der wenigen. Das machen wir auch, kein Wisch am Tisch. Wobei auch da muss man sagen, bricht immer wieder die Realität ein. Dann piept es und dann greift einer da hin und dann sage ich dann keinen Wisch am Tisch. Aber ich habe auch schon am Tisch gewischt, also insofern.

Und das ist ja, mir war das gar nicht so klar, ich habe das neulich mit einem Freund besprochen, ich mache ja auch immer abends das Handy aus. Ich mache es also, wenn ich dann um 9 Uhr mache ich das Handy aus und mache es dann jeden Morgen an und habe gelernt, dass das eigentlich gar nicht üblich ist bei den meisten Leuten.

Die lassen das Handy, ich denke einfach nur so irgendwie Akku sparen oder ist das, wie machst du es? Ja, ich habe schon die Dumme angewöhnt, dass ich abends das Handy noch quasi am Bett habe. Dann mache ich quasi auf Schlafmodus und am nächsten Morgen. Aber das zeigt schon, dass das Handy also bis zum Abend und gleich am frühen Morgen wieder an ist. Auch weil ich denke, muss ich ja machen, muss ich ja wissen.

Aber ich hatte ja früher auch einen Chefredakteur, der rief gerne mal nachts um halb zwei an und war dann unzufrieden mit aller Zeile, die er irgendwie entdeckt hatte. Insofern habe ich mir auch vielleicht angewöhnt, das Handy zu lange anzulassen. Hast du tatsächlich sowas wie Entzugserscheinungen in den ersten zwei, drei Tagen?

Erst als ersten zwei, drei Tage, da ist ja schon die Hälfte rum. Also kein Schwitzen, keinen erhöhten Puls, aber was ich eben sagte, dieses ständige Greifen, wo ist mein Handy, das habe ich schon. Und was ich halt so interessant fand, und das ist wirklich etwas, was ich als Gewinn betrachtet habe, diese unermessliche Zeit, die man hat.

Weil man ja sonst immer von A nach B nach C, gerade auch hier im Alltag, hier noch eine Geschichte schreiben, da ein Newsletter, da ein Podcast und dann zwischendurch immer aufs Handy gucken. Das ist alles weg und der Tag scheint plötzlich 30 Stunden zu haben. Das ist nicht nur eine Frage der Achtsamkeit, das geht mir ja auch in so einem Podcast so. wenn man jetzt in diesem Podcast einfach in Gedanken bei dem Podcast ist und nicht, so wie ich jetzt gerade, und nicht denkt, was kommt denn jetzt noch und was kommt denn jetzt noch und was kommt heute Abend.

Ich finde, dann ist die Zeit auch, fühlt sich die Zeit länger an, als sie ist, wenn man immer bei jeder Sache, die man macht, eigentlich in Gedanken schon bei der nächsten Sache ist. Ich glaube, das ist aus meiner Sicht eines der Kernprobleme unserer Zeit. Ja, das kann sein, ja. Dass man immer nur daran denkt, was ist das Nächste, was kann ich, oder was kann ich noch erreichen. Ich bin auch schon wieder bei der Kolumne, die ich gleich noch finalisieren muss.

Das ist ein guter Gedanke, den du hast. Also man ist nie voll fokussiert, weil man schon wieder zehn andere Bälle in der Luft hat. Du guckst auch jetzt, das lässt sich auch gerade schon ablenken von irgendwelchen Magazinen hier. Also wir sind, ich wünsche dir, ich wünsche dir auf jeden Fall. Meine maximale Aufmerksamkeit ist genau die Podcast-Linke und dann ist es einfach weg.

Und dann machst du aber in den Herbst während keinen weiteren Urlaub. Doch, dann fahre ich von da nach Paris und treffe meine Familie. Wir fahren ja mit dem Zug hin, damit ich nicht hier unsere CO2-Ausstoß im Sinne des Klimaentscheides zu sehr in die Höhe treibe. Bis aber dann die ganzen Herbstferien wegneifen.

Nein, das kann ich ja den Kolleginnen und Kollegen nicht antun. Das ist eine gute Nachricht, wir haben jetzt diese Folge, vielen Dank dafür, eine besondere Folge und nächste Woche geht es ganz normal weiter mit 040 Hamburg streng vertraulich. Das war jetzt heute 040 Matthias Icken streng vertraulich. Da möchte ich aber auch mal Lars Heider streng verfolgen.

Aber Lars Heider geht ja nicht ins Kloster, das ist das Problem. Ja, aber mach doch mal. Ich bin gespannt. Stell dir das mal vor, damit wird das ganze Projekt, glaube ich, von Anfang an verloren. Und ich glaube, keiner wünscht sich, dass ich in einem Kloster bin. Liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank, dass ihr, dass sie zugehört haben.

Wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dahin. Tschüss. Und tschüss.

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