
040 Streng vertraulich: Die Lage in Hamburg· Folge 75
Muss Hamburg bald Tempo 30 auf allen Straßen einführen?
Freitag, 3. Juli 2026 · 39 min
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Shownotes
Eigentlich hat Hamburg einen klaren Plan: Bis zum Jahr 2040 muss die Stadt nach dem erfolgreichen Zukunftsentscheid komplett klimaneutral sein. Doch die Realität sieht aktuell ganz anders aus, denn der Hamburger Kohlendioxid-Ausstoß ist im vergangenen Jahr nicht etwa gesunken, sondern um satte 2,6 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung bringt den Senat in massive Erklärungsnot und unter enormen Zugzwang. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte die Stadt schon im Jahr 2027 gezwungen sein, drastische Maßnahmen zu ergreifen, um die eigenen Klimaziele überhaupt noch zu erreichen. Die Konsequenzen könnten jeden Hamburger direkt treffen – vom konkreten Abschalt-Datum für das Gasnetz bis hin zu einem flächendeckenden Tempo 30 auf den Straßen der Hansestadt. Darüber sprechen Matthias Iken und Lars Haider in dieser neuen Folge von „040. Hamburg streng vertraulich“. Neben der Klimakrise blicken die beiden Chefredakteure außerdem auf weitere drängende Themen der Stadt: Sie analysieren die aktuelle Entwicklung der Hamburger Mieten, beleuchten die unsichere Zukunft der Schulbegleiter, sprechen über das neue Vorstandsmitglied beim HSV und liefern ein Update zum spektakulären Block-Prozess.
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Willkommen, mein Name ist Lars Haider und vor unserer Julipause, vor unserer Sommerpause, sitzen wir nochmal zusammen. Das heißt, ich sitze zusammen mit dem lieben Kollegen Trommelwirbel. Matthias Igen, ich habe den Trommelwirbel gar nicht gehört, aber ich habe ihn mir vorgestellt. Ich habe ihn sozusagen versucht mit den Händen darzustellen.
Lieber Matthias, ja wir machen den Rest des Julis dann Sommerpause, sind im August wieder da, aber vorher geht es nochmal los mit folgenden Themen. Thema Nummer 1, da geht es um den CO2-Ausstoß in Hamburg. Der entwickelt sich nämlich gar nicht so, wie er es eigentlich sollte und könnte uns alle vor ganz schöne Probleme bringen, spätestens im Jahr 2027.
Thema Nummer 2, da wollen wir einmal mehr über die Mieten sprechen in Hamburg, wie die sich entwickelt haben. Da gibt es nur eine Richtung nach oben, aber die Entwicklung in Hamburg ist schon besonders. Es gibt aber auch eine gute Nachricht dazu. Thema Nummer drei, Schulbegleiter. Da liest man jetzt viel im Hamburger Abendblatt und auch sonst über dieses Thema, nämlich, dass offensichtlich das Prinzip der Schulbegleiter in Hamburg, verändert werden soll, um ein wenig Geld zu sparen.
Thema Nummer vier, der HSV hat eine neue Vorständin, Kathrin Krüger. Mal sprechen, wie deren Auftritt war, was man sich von der erwarten kann. Und vielleicht sprechen wir dann, wie wir schon beim Fußball sind, auch nochmal kurz über die WM. Thema Nummer 5, natürlich der Blog-Prozess. Und wieder gibt es, finde ich, einen Satz, über den man einmal sich unterhalten müsste.
Und ganz am Ende, Thema Nummer 6, sehr aktuell. Es gibt einen Hamburger Professor, der tatsächlich gefordert hat, dass man den für das Wochenende geplanten Parteitag der AfD in Erfurt verhindern, sollte, verhindern müsste. Und das ist interessant. Das haben andere auch vor. Aber dass ein Hamburger Professor, Direktor am Max-Planck-Institut, das tatsächlich auch fordert, darüber sprechen wir gleich auch.
Legen wir mal los. Matthias, CO2-Ausstoß in Hamburg. Es gab jetzt die Zahlen, wie sich der CO2-Ausstoß Hamburgs im vergangenen Jahr entwickelt hat. Und natürlich muss die Tendenz eigentlich immer sein, dass wir weniger CO2 imitieren. Tatsächlich ist es aber so gewesen, dass 2025, und das sind die Zahlen, die wir in dieser Woche exklusiv vermeldet haben, der CO2-Ausstoß in Hamburg um 2,6 Prozent geredet.
Gestiegen ist. Gestiegen, ja. Und nur damit man weiß, was das bedeutet. Bis 20, also gestiegen ist, Punkt. Seit 1990 ist er um 41 Prozent gesunken, immerhin. Aber bis 2030 soll er um 75 Prozent sinken und bis 2040 dann quasi um 100 Prozent. Dann will Hamburg ja klimaneutral sein. Weil aber 2025 es gestiegen ist, Führt das jetzt dazu, und weil wir diese Ziele haben bis 2030, führt es dazu, dass wir jetzt eigentlich im nächsten Jahr den CO2-Ausstoß um 20 Prozent verringern müssten.
Das geht alles gar nicht und das sorgt für Alarmstimmung in der Hamburger Politik, zu Recht. Völlig zu Recht, aber man muss ganz ehrlich sagen, also mich hat jetzt diese bloße Zahl überrascht, weil der Anstieg ist sehr, sehr deutlich. Und ich musste ein bisschen schmunzeln, als ich die Begründung las, warum denn plötzlich der CO2-Ausstoß steigt, statt zumindest zu sinken, dass da auf einen kalten Winter verwiesen wurde.
Wir erinnern uns, 2005, kalter Winter. Ich habe mir extra noch mal die Wetterdaten angeguckt. Das Jahr war deutlich zu warm und der kälteste Tag war nicht mal minus 10 Grad kalt. Also ich habe ein bisschen Angst vor 2026, denn dieses Jahr hat wirklich kalt begonnen. Und da können wir uns wahrscheinlich auf den nächsten CO2-Anstieg einstellen.
Die zweite Begründung war, dass die Wirtschaft so gut läuft. Schön wär's, wenn sie so gut liefe. Sie hat zwar ein kleines Plus, aber das liegt bei 0,8 Prozent. Und die Zahlen zeigen eins, und dass wir die, die sich damals schon mit dem Klimaentscheid auseinandergesetzt haben, nicht wundern, die Zahlen zeigen, dass die Ziele völlig unrealistisch sind. Und sie sind auch politisch.
Und das ist das eigentlich Schlimmere am Ende nicht durchsetzbar, Weil ich glaube, dass das zu so massiven Verwerfungen führt, wir sprechen gleich sicher noch drüber. Dass wir die Ziele verfehlen werden. Aber interessant, das habe ich noch gar nicht bedacht. Du hast recht. Sie haben gesagt, 2025 haben wir insbesondere, der CO2-Ausstieg war so hoch, weil der Winter so hart war. Aber du hast ja recht.
Man erinnert sich, bis Weihnachten war das kein harter Winter. Ganz im Gegenteil. Ich weiß noch, dass ich dann immer guckte, weil ich das bei unserer Wärmepumpe sehen kann, wie der Verbraucher und dachte, wow, wir verbrauchen ja eigentlich gar nichts. Das ging erst los im Januar, Februar, März. Genau, am 2.
Januar wurde es kalt und dann blieb es aber auch sieben Wochen kalt und da war es richtig kalt. Also wir werden garantiert im kommenden Jahr dann hören, oh der kalte Winter, deshalb ist der CO2-Ausstoß nochmal angestiegen. Also die Ziele, die sich Hamburg gesetzt hat und Hamburg ist da ja wirklich das richtige Wort, weil es war die Mehrheit, der Leute, die zur Wahl gegangen sind, die sind nicht erreichbar oder nur um einen Preis erreichbar, den ich zu zahlen nicht bereit bin, nämlich das sind massive ökonomische und soziale Verwerfungen.
Und wir müssen uns nun wirklich langsam ehrlich machen und sagen, was geht und was auch nicht geht. Aber nochmal, dass wir die Zahlen nochmal zusammen haben. 2025 habe ich nochmal rausgesucht, gerade 12 Millionen Tonnen CO2 in Hamburg ausgestoßen. 2026 dürften es nur 9,6 Millionen Tonnen sein. So, was passiert? Und du hast ja recht, wenn man jetzt diesen harten Winter sich anguckt, ist es wahrscheinlich, dass das nicht erreicht wird.
Es ist vielleicht sogar wahrscheinlich, dass es eher in die andere Richtung geht, also dass der CO2-Ausstoß in Hamburg nochmal gestiegen ist und jetzt kommt es, dann wäre der Senat aber verpflichtet, ein Sofortprogramm aufzusetzen, weil diese Ziele, das klingt jetzt schön, wie du es sagst, wir können das nicht so machen und so weiter, aber diese Ziele sind ja verpflichtend.
Und dann habe ich mir mal die Maßnahmen rausgesucht, die dann kommen könnten. Zum Beispiel fossile Heizung, also es heißt Gas- oder Ölheizung, in Neubaugebieten komplett verbieten, könnte ein Ziel sein. Würde ich aber sagen, wäre das jetzt so schlimm? Grüne Wellen für den Radverkehr ausweiten, geschützte Radwege auf Hauptverkehrsstraßen schaffen, Stadtrad- und Lastenradangebot erweitern.
Solche Sachen kommen. Alles gut, aber damit wirst du am Ende nicht diesen Effekt erreichen. Und da sind ja auch Dinge drin, also das sind alles wohlklingende Sachen und da kann man auch einen Haken hinter machen. Ich bin ja der Letzte, der dagegen ist, dass wir die Stadt fahrradfreundlicher machen. Aber da steht zum Beispiel auch drin, dass man Großverbraucher dazu anhalten muss, dass sie in Energiebedarf senken.
Und da gucken wir uns doch mal an, wie sind denn solche Großverbraucher? Klar, einmal Industrie, die können dann die Produktions runterfahren, ein bisschen doof, dann müssen halt Leute freigestellt werden oder aber auch große Vermieter, also auch klassische Genossenschaften, die Saga, wird dann aufgefordert, mehr in Energieeinsparung zu investieren. Ja und wer zahlt das?
Das ist ja, muss man wirklich sagen, die große Irreführung gewesen, bei diesem Klimaentscheid den Menschen zu versprechen, das geht alles sozial gerecht. Aber wenn zum Beispiel, und das ist ein klares Beispiel, diese Wohnungsanbieter. Also die Vermieter, die Genossenschaften, wenn die dann gezwungen werden, massiv Geld zu investieren, werden das am Ende die Mieter bezahlen.
Und da kann man noch so sehr das hohe Lied auf soziale Ausgewogenheit singen. Das Geld ist nicht da. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass es so schnell quasi zum Realitätscheck kommt nach diesem Zukunftsentscheid, hätte ich nicht gedacht, aber er ist jetzt da und ich bin gespannt, wie der Senat da raus will.
Denn am Ende des Tages kann er die Mieter das nicht bezahlen lassen. Aber er kann tatsächlich auch an diesem Zukunftsentscheid nichts machen. Das ist ja beschlossen. Volksentscheid ist bindend für den Senat. Er kommt da nicht raus. Du musst ja noch einen Volksentscheid starten. Der Senat muss einstarten dann, ja. Und meinst du, dass der anders ausgehen wird?
Jetzt noch nicht, weil man glaubt ja immer noch, man ist im Wolkenkuckucksheim und Klimaschutz kostet nichts und uns geht es allen so blendend. In spätestens zwei Jahren sind die Leute leider wahrscheinlich klüger und dann wird es keine Mehrheit mehr für solche Klimaentscheide geben, weil die Leute dann merken, das ist richtig bei ihnen im Portemonnaie und auch, und das ist ja noch die schlimmere Dimension.
Wir haben ja viel zu spät gemerkt in diesem Land, dass wir in einer tiefen Wirtschaftskrise stecken. Die geht seit 2018. Ich würde sagen, ich schreibe seit 2020 davon und habe immer so das Gefühl, ich schreibe über Dinge, die die Leute gar nicht interessiert, weil es auch kaum einer mitbekommen hat. Jetzt ist es angekommen mit sieben Jahren Verspätung. Und jetzt merken wir, oh Gott, uns schwimmen die Fälle weg.
Und das ist dann ähnlich. Und wenn wir da weitere Unsicherheiten sehen, wenn die Leute Angst um ihren Job haben, Wenn die Leute Angst haben, wie soll ich nochmal eine Miete bezahlen, dann wird, so wie Bert Brecht sagt, erst kommt das Fressen, dann die Moral, die Frage nach Klimaschutz in Hamburg ein bisschen weiter nach unten durchrutschen.
Und dann werden die Leute, glaube ich, zu anderen Erkenntnissen kommen. Es gibt noch zwei Maßnahmen, die ich interessant finde, die der Senat, wenn das so käme, dann anwenden könnte, wenn er nicht das macht, was du eben beschrieben hast und versucht, diesen Zukunftsentscheid nochmal zu drehen. Die eine ist, einen verbindlichen Ausstiegsplan für das Gasnetz festzulegen.
Das heißt, den Leuten zu sagen, ab diesem Tag gibt es keinen Gas mehr in Hamburg. Da werden jetzt viele zucken und sagen, Moment mal, ich habe mir vielleicht gerade noch vor fünf, sechs Jahren eine neue Gasheizung gekauft. Was passiert denn dann? Der andere ist, als Regelgeschwindigkeit in Hamburg Tempo 30 einzuführen, wobei ich manchmal so denke, also je nachdem, wo man in Hamburg unterwegs ist, viel schneller kann man oft gar nicht fahren, wenn man mit dem Auto unterwegs ist.
Am Ende sind das nicht die ganz großen Tonnen Einsparungen, die du holst. Die holst du wirklich bei den Großabnehmern. Und diese Großabnehmer, wenn es so einfach wäre, hätten wir es doch lange gemacht. Das ist ja die nächste Lebenslüge der Klimaaktivisten. Die ersten 20, 30 Prozent Reduktionen sind leicht zu holen.
Die letzten 20 Prozent tun so weh und sind so teuer, dass im globalen Maßstab gedacht, uns geht es ja darum, wir wollen weltweit den CO2-Ausstoß senken, es total unökonomisch ist, Milliarden für die letzten 20 Prozent in Hamburg auszugeben, wenn man für den Bruchteil des Geldes anderswo viel mehr CO2-Ersparnis erzielen könnte.
Das ist wirklich eine, ich ärgere mich hier gerade, du weißt ja, ich habe damals auch wirklich relativ engagiert, deutlich gemacht, dass ich das für den falschen Weg halte. Wir machen hier den Fehler, dass wir versuchen, in Hamburg nicht über den Tellerrand zu gucken, das Weltklima zu retten. Und das wird uns nicht gelingen. Nein, schlimmer noch, wir könnten am Ende als Negativbeispiel dastehen, wie man es nicht macht. Und damit ist weder der Stadt noch dem Klimaschutz irgendwie geholfen.
Wir sind gespannt, wir verfolgen das weiter. Die Zahlen sind wirklich beeindruckend, wenn man sich das Ziel anguckt. Und wenn man sich anguckt, dass eben zwischen 1990 und heute haben wir 41% CO2-Reduktion erreicht. Und jetzt müssen wir ja in einem Zeitraum, der viel, viel kleiner ist, nämlich von 2026 bis 2040, das sind ja nur noch 14 Jahre, müssen wir knapp 60% schaffen.
Und du hast es eben gesagt, die letzten Prozente, das ist wie beim Marathon, ist wahrscheinlich immer das Schlimmste. Wir bleiben an dem Thema dran, machen jetzt aber erstmal einen Haken hinter. Thema Nummer zwei, da geht es um die Mieten in Hamburg, ein Riesenthema, da gibt es jetzt neue Zahlen, wie haben sich die Angebotsmieten von 2023 bis 2026 verändert, Angebotsmieten heißt also, das, was auf den Markt kommt, zu welchem Preis wird eine Wohnung angeboten und da ist Hamburg zum ersten Mal die Nummer eins jetzt bei den großen deutschen Städten, weil es in diesen drei Jahren ein Plus von 20 Prozent gegeben hat.
Gut, man muss ein bisschen Statistik immer kritisch sehen. Das sind ja, glaube ich, die Immo-Welt-Mieten, die im Angebot sind, die auf den Portalen umgereicht werden. Das ist nicht unbedingt jetzt der Abgleich der gesamten Mieten, die also auf dem Markt angeboten werden. Nein, das kann man, glaube ich, schon sagen. Aber es ist natürlich so, das sind nur die Mietpreissteigerungen von Wohnungen, die natürlich vergeben worden sind. Es gibt natürlich ganz viele Wohnungen, die gar nicht da rausgekommen sind. Zum Beispiel meine Eltern, die seit 60 Jahren in derselben Wohnung leben, da hat es keine Steigerung gegeben.
Da wäre es auch eine gewaltige Steigerung, wenn die jetzt morgen rausgehen würden. Ja, das glaube ich auch. Aber was natürlich, das zahlt ja auch das, was du eben gesagt hast. Also wenn da jetzt noch zusätzliche Kosten dazukommen, wird es schwierig. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Während zwar die Preise, die Mieten stark gestiegen sind in Hamburg, so stark wie in keiner anderen Stadt, ist, wenn man sich die Quadratmeterpreise anguckt, ist Hamburg gar nicht so weit vorne.
Da ungefähr 14 Euro den Quadratmeter zahlt man jetzt. In München sind es schon 21,50 Euro. Das weiß ich leider aus eigener Erfahrung, weil der Älteste in München studiert. Nein, der Punkt ist, Hamburg ist nicht so teuer, aber da kann man auch schön sehen, dass Politik was verändern kann. Wir haben hier in Hamburg, das muss man sagen, ist ja immer noch das große Verdienst von Olaf Scholz.
Früher als in anderen Städten erkannt, er ist ja 2011 an die Macht gekommen und hat gleich ein Wohnungsbauprogramm aufgelegt. Wir haben massiv Wohnungen gebaut, was dazu geführt hat, dass gerade Neuvermietungen, tendenziell weil das Angebot größer war, nicht so exorbitant gestiegen sind. Und jetzt diese Steigerungen haben durchaus auch damit zu tun, dass halt immer weniger gebaut wird.
Durch die explodierten Baukosten, aber auch, muss man sagen, durch teilweise ewig laufende Genehmigungen. Ich bin ja relativ viel so mit Architekten und so zusammen. Wenn die mal ins Erzählen kommen, sagen immer, ja, das könnt ihr nicht schreiben, wie lange die mitunter auf Baugenehmigungen warten. Dann müsste man mal wieder, wie einstmals Olaf Scholz, glaube ich, alle Bezirksamtsseite zusammentformen und sagen, so Freunde, jetzt muss das mal wieder ein bisschen schneller gehen.
Da hat sich wieder dieser alte Gestus, ach, wir gucken mal, das kann ja auch mal drei Jahre dauern, hat am Ende natürlich die Folge, dass Wohnungen a. Nicht gebaut werden oder erst viel später gebaut werden und b. Viel, viel teurer werden. Denn die Preissteigerungen sind so exorbitant, das kann man über den Baupreisindex sehen.
Und wenn es später fertig wird, wird es auch teurer für den Mieter. Und das sind alles, muss man sagen, durch diese Bummelei in den Behörden. Das ist nicht der einzige Grund, aber es ist einer der Gründe. Durch die Bummelei in den Behörden steigen die Mietpreise. Und ich finde, da kann man als Steuerzahler auch erwarten, dass in den Behörden mal ein bisschen anderer Geist weht und gesagt wird, so, wir winken das jetzt mal durch.
Weil die Klagen, die mir zu Ohren kommen, das sind keine Einzelfälle, sondern es sind so viele Fälle. Jeder kann solche Geschichten erzählen. Und wenn jeder solche Geschichten erzählen kann, dann ist es halt nicht nur anekdotische Evidenz, dann scheint es ein Grundproblem zu sein. Ich hatte neulich auch ein langes Gespräch mit jemandem, der in Hamburg sehr viel in Immobilien investiert und er sagte nur zu mir, erstens, ich habe schon ganze große Projekte abgeschrieben, da ging es um 10, 20 Millionen Euro, die er abgeschrieben hat und zweitens, es lohnt sich nicht mehr.
Weil was ich jetzt für einen Hausbau bezahlen muss, die Miete, die ich dafür nehmen muss, die ist dann eigentlich jenseits von 20 Euro den Quadratmeter. Das bekomme ich aber nicht mehr, weil sich das in Hamburg eben auch keiner mehr leisten kann. Und verkauft als Eigentumswohnung kriegst du das auch nicht mehr, weil der Preis auch zu hoch ist.
Also wird dazu führen, tendenziell, wenn man sich sowas anhört, dass in Hamburg deutlich weniger Wohnungen gebaut werden und dann sich diese Entwicklung verschärft. Bleiben wir dran, gucken wir drauf. Thema Nummer zwei abgehakt. Thema Nummer drei ist etwas, das fand ich immer interessant, das Thema Schulbegleiter.
Ich habe das, als meine Kinder in der Grundschule waren, erlebt, als man dann mal zum Elternabend kam und dann darüber sprach, wie das denn ist mit den Kindern in der Klasse und es dann hieß, ja, wir sind ja dann immer mit vier oder fünf Erwachsenen in der Klasse. Und dann denkst du, wie, vier oder fünf erwachsende Klassenlehrer?
Okay, und vielleicht noch eine Referendar, Referendarin? Nee, und dann waren halt auch drei Schulbegleiter in der Spitze mal vier Schulbegleiterinnen dabei. Ganz interessant, wie sich deren Zahl verändert hat. Das sind jetzt keine Gigantenzahlen, aber die Veränderung ist interessant. Im Jahr 2014, 2015 gab es in Hamburg 1574 Schulbegleiterinnen.
In diesem Jahr, in diesem Schuljahr, das jetzt zu Ende geht, sind es 4011. Damals, vor knapp 10, 11 Jahren, hat man in Hamburg rund 6,8 Millionen Euro dafür ausgegeben. Jetzt sind es 23 Millionen. Und fragt man sich natürlich, warum ist das so angestiegen? Wird das sozusagen häufiger genehmigt? Hat das mit den Flüchtlingswellen zu tun? Das kann durchaus alles sein.
Aber die Stadt Hamburg hat jetzt gesagt, das müssen wir jetzt ändern und will da in dem Bereich offensichtlich sparen und die Rolle der Schulbegleiterinnen mit FSJ-Land machen. Belegen, unter anderem. Interessant, aber lass erst mal sprechen darüber, ist es immer so, wenn es etwas gibt, ein Angebot gibt, ein staatliches Angebot, dass sich das dann so exorbitant entwickeln muss?
Also verdreifacht hat sich die Zahl der Schulbegleiterinnen fast. Die Kosten haben sich sogar versechsfacht. Also insofern hast du ja genau das richtige Problem angesprochen. Naja, versechsfacht nicht. Doch, die Kosten haben sich versechsfacht. Und nix auf 42 Millionen. Nee, 23 Millionen. Habe ich 42 gesagt? 23 Millionen.
Okay, auf jeden Fall sind sie exorbitant gestiegen. Darauf können wir uns einigen. Meine Zahlen waren dann andere. Der Punkt ist halt, dass man da wieder schön sieht, dass Angebote, die der Staat macht, die er natürlich auch macht, aus gutem Grund dazu führen, dass diese Angebote auch in Anspruch genommen werden.
Ich weiß nicht, als wir zur Schule gingen, das ist ja schon drei bis vier Wochen her, da war es ja nun wirklich so, ich glaube, da gab es gar keine Schulbegleitung und es hat irgendwie auch geklappt. Und es gibt sicherlich Fälle von eingeschränkten Schülerinnen und Schülern, wo es nicht ohne Schulbegleitung geht.
Aber ich glaube, die Kosten zeigen, dass da wieder ein Angebot am Ende des Tages aus dem Ruder gelaufen ist und wir können uns nicht mehr alles leisten, was wir gerne hätten. Und mit der Idee, dass man zum Beispiel FSJler daran lässt, zeigt ja, dass der Senat durchaus gewillt ist, da eine Lösung zu finden.
Aber wir können uns nicht mehr überall Ado mit Goldkante leisten. Und insofern kann ich gut verstehen, dass da der Senat versucht zu sparen. Ich kann auch gut die Betroffenen verstehen, aber am Ende des Tages, irgendeiner muss es finanzieren. Und das ist der Steuerzahler. Und auf den kommt immer mehr zu.
Und gleichzeitig haben wir aber weniger Steuernahmen, zumindest weniger als erwartet. Das ist nun wirklich keine höhere Mathematik. Wir müssen sparen und da müssen wir auch bei solchen Angeboten sparen. Und ich finde, da kann man ja auch als Staat durchaus mal lernen, dass man vielleicht sehr vorsichtig sein muss mit allem, was man so an Wohltaten, an speziellen Angeboten anbietet.
Weil zurücknehmen kannst du es nicht. Wir erleben das jetzt ja auch bei der ganzen Thema Förderung von Wärmepumpen, von Dachausbau und so weiter. Wenn du das erstmal eingeführt hast, und das stehen ja bundesweit, glaube ich, für diese energetischen Maßnahmen 12 Milliarden Euro zur Verfügung. Wenn du es erst mal eingeführt hast und die Leute sich daran gewöhnt haben, dann wird natürlich in dem Moment, wo du es ihnen wegnimmst, das als irgendwie etwas empfunden, wo es dann zu Unmut kommt.
Wir sehen es doch überall. Guck dir die Rente mit 63 an, also nach 45 Berufsjahren. Also man muss ja der Regierung Merkel vorwerfen, dass sie lauter Dinge erfunden hat, die heute unheimlich schwer wieder zurückzudrehen sind. Und es gehörte schon damals nicht viel politische Vernunft dazu, zu wissen, dass das eines Tages wieder zurückgedreht werden muss.
Von daher ist es eigentlich fahrlässig gewesen, ständig neue Wohltaten zu versprechen, die wir heute nicht mehr finanzieren können. Denn heute haben wir zweierlei Probleme. Wir haben einmal das Problem, dass wir es zurücknehmen müssen, was immer schwerer ist, als es einzuführen. Und wir haben das zweite Problem, dass die Leute darauf natürlich mit einem, fast defetistischen Lebensgefühl reagieren. Sie haben das Gefühl, es wird alles schlechter.
Vieles ist eigentlich nur der Weg zurück in die Nullerjahre, die gar nicht so schlecht waren. Dass man einfach mal ein paar Dinge quasi abmoderiert, die man vielleicht nicht gebraucht hat. Die Stimmung ist jetzt aber, mein Gott, hier geht alles vor die Hunde. Und damit haben wir einen Schaden angerichtet. Und deshalb war ich ja damals schon auf die Kanzlerin und auf diese katastrophalen Großen Koalitionen so böse.
Und ich bin es heute noch mehr. Denn da wurde wirklich so viel Unheil angerichtet, was heute die neue Große Koalition, die wir jetzt ja immer irgendwie so kritisieren, alles aufräumen muss. Ganz im Ernst. Merz und Frau Baas haben einen viel schwereren Job, als Angela Merkel und ihre sozialdemokratischen Mitstreiter je hatten.
Und deshalb, finde ich, haben sie auch ein bisschen mehr Respekt verdient. Große Worte, aber du hast natürlich in einem Punkt recht, dass man schon jetzt feststellt, wie sehr wir über unsere Verhältnisse gelebt haben. Wenn man sich anguckt, wie sich die Staatsausgaben entwickelt haben. Und die Staatsausgaben sind immer oftmals Ausgaben für all die Themen, über die wir hier auch in diesem Podcast immer sprechen.
Während sozusagen die Einnahmen sich auch nicht ansatzweise in der Geschwindigkeit entwickelt haben. Und da muss man natürlich immer fragen, liegt das an den Einnahmen oder liegt das an den Ausgaben? Und ich finde aber nach wie vor interessant, aber das ist ein anderes Thema, wie sehr man dann auch auf Bundesebene immer auf die Einnahmen guckt und versucht, die Einnahmen zu erhöhen.
Anstatt mal, so wie das Hamburg jetzt in diesem Bereich beispielhaft macht, mal auf die Ausgaben zu gucken. Thema Nummer drei abgehakt, Thema Nummer vier, ich hätte fast gesagt, kommen wir zu was Erfreulicherem, reden wir über Fußball, das ist aber eigentlich gar nicht so erfreulich, kurz natürlich, man muss über die Fußball-WM sprechen, wir haben viele, die auch hier zuhören, haben wahrscheinlich am, ich weiß gar nicht mehr, wann war das denn, am Montag bis 1.30 Uhr, dann war es ja schon Dienstag bis 1.30 Uhr vorm Fernseher gesessen, ich saß da und die ganze Zeit während des Spiels habe ich gedacht, nee, es wird halt nichts, es wird halt nichts, es wird halt nichts, es wird halt nichts.
Bin dann aber auch als großer Fußballfan irgendwie, mir wurde klar, wir sind halt nicht mehr die große Fußballnation. Ich möchte jetzt bitte nicht die Verbindung. Nicht so wie Paraguay. Nee, nee, aber ich möchte jetzt nicht die Verbindung ziehen zu, wir sind auch sonst nicht mehr so toll, weil ich glaube, im Fußball sind wir jetzt wirklich über fast ein Jahrzehnt, haben wir bewiesen, dass wir zweitklassig sind.
Ich habe mir nochmal angeguckt, die Phase davor, da weiß ich noch, da ging es ja eigentlich immer darum, sieben Spiele hatten wir fast immer. Entweder sind wir ins Finale gekommen oder wir hatten dann das Spiel um Platz drei, dass wir sozusagen so wenig Spiele haben bei einer Welt. Ja, das ist neu. Das tut mir auch für die Kinder total leid, weil die natürlich maßlos enttäuscht sind. Ich war es ja auch und bin es eigentlich immer noch, aber da geht natürlich auch was verloren, was unsere Jugend geprägt hat, nämlich eine WM, die bis zum Ende dauert oder fast bis zum Ende dauert.
Ich glaube, man immer das Gefühl hatte, wenn man jetzt auch im Ausland oder so unterwegs war, auf Reisen, dann war immer, oh, ihr mit eurer tollen Mannschaft und Poldi und Schweini und wie sie alle hießen. Aber man muss einfach akzeptieren, glaube ich, auch mit Blick auf den Trainer jetzt, weil es sind ja drei Trainer, die sich daran versucht haben in den letzten zehn Jahren. Löw, Hansi Flick und Nagelsmann muss man akzeptieren.
Im Moment ist halt, wie sagt ihr neulich, das Spielermaterial auch ein furchtbares Wort. Ja, wobei ich finde, und da können wir auch gleich die Gurke schlagen. Da sind wir ja schnell auch beim HSV und bei St. Pauli. Da stellt sich ja die Frage, beim HSV noch weniger als bei St. Pauli, was haben wir eigentlich für einen Beitrag geleistet?
Ich meine, wir hatten jetzt beim FC St. Pauli Spiele, da standen elf quasi Ausländer auf dem Platz. Und mir ist völlig egal, wo die herkommen. Ich finde nur interessant, wenn elf zusammengekaufte Spieler aus Japan, aus Polen, aus England, aus was weiß ich für Staaten dann für den FC St. Pauli spielen, dann geht da auch schon was verloren. Da geht einmal irgendwie so eine Atmosphäre verloren, dass ich was mit den Spielern zu tun habe.
Mir ist, wie gesagt, egal ob die marokkanischen, deutschen oder sonst was Pass haben. Ich hätte nur gerne Leute, die irgendwie ein bisschen was mit Hamburg verbinden. Und wenn ich dann weiß, dass wir sogar einen U17-Weltmeister hatten, von dem wir nichts anderes zu tun hatten, als den gleich ins Ausland zu verkaufen, da stellt sich ja die Frage, was tun wir eigentlich, um Talente aufzubauen?
Da ist ein U17-Weltmeister, der muss ja offenbar kicken können. Warum hat der keine Chance bei St. Pauli? Und kommt mir jetzt nicht mit dem Erfolg, weil Erfolg hatten wir nicht. Wir hatten die schlechteste Mannschaft, die ich beim FC St. Pauli in den letzten 20 Jahren habe kicken sehen. Dann muss ich ehrlich sagen, verliere ich lieber mit ein paar Nachwuchsspielern, denen ich dann zumindest die Chance gegeben habe, sich zu zeigen, als irgendwo wie ein internationales Beratungsunternehmen Leute von überall her anzuheuern, die dann nach dem Abstieg wieder verschwinden.
Und da ist dann auch der Konnex der Nationalmannschaft. Denn wie soll denn, bitteschön, ein Nagelsmann, ein Löw oder ein Hansi Flick, ein großes Spielermaterial haben, wenn jeder guckt, ich suche mir die billigsten Spieler in Japan und sonst wo. Sorry, das funktioniert so nicht. Das ist ja die Frage, ob es die billigsten Spieler sind oder ob es die besten Spieler sind.
Denn, denk mal umgekehrt, wenn das so wäre, dass sich die großen Ligen, die tollen Spieler alle zusammenkaufen, wie die Bundesliga es ja macht, man muss ja nur gucken, wie viele Bayern-Spieler, verteilt auf verschiedene Nationalmannschaften bei der WM dabei sind. Dann denken wir sich, naja, dann müssten doch auch die Premier League oder die Spanische Liga oder wer auch immer die tollen deutschen Spieler kaufen.
Aber es gibt gar nicht so viele tolle deutsche Spieler, die in den großen Ligen auf der Welt spielen. Nö, stimmt, ein paar gibt es. Ein paar gibt es, aber die spielen da auch keine Riesenrolle. Also es gibt kein Ulysse, wie es ihn bei Bayern gibt, irgendwie als deutschen Spieler. Trotzdem muss man nicht gegen Paraguay rausfliegen. Das muss man auch sagen.
Also dieser blutleere Auftritt, das war schon bitter. Und da geht also die Frage, ich bin ja wirklich froh, wenn es jetzt Klopp macht, das ist echt meine Hoffnung. Das ist auch so, muss man sagen, wie ich die letzte Patrone, die Nationalelf. Weil wenn der es auch nicht schafft, dann weiß ich auch nicht mehr. Dann können wir uns erstmal, glaube ich, von internationalen Turnieren abmelden.
Haben wir jetzt. Aber du hast es gut, das war eine gute Überleitung. Ich weiß nicht, hast du den Auftritt von Kathleen Krüger gesehen? Ich habe ihn mir mal angeguckt und da merkte man ja auch, dass ihr total wichtig ist, die Talentförderung und die strukturierte Talentförderung und das auch, mit so einer Weitsicht zu machen, das bringt sie von Bayern München eigentlich mit und vielleicht habe ich gedacht, ist genau das, was der HSV jetzt nochmal gebrauchen kann.
Ich habe auch ein bisschen gezuckt, als es darum ging, um die Die Frage ging, ob man den Vertrag mit Merlin Polzin, der ausläuft, jetzt vorzeitig verlängern sollte. Da hat sie das sehr geschickt abmoderiert, also hat sie gesagt, ja, das steht ja jetzt gerade nicht an und dann wird man sich schon melden, wenn es soweit ist und so.
Aber ich fand diese Fokussierung auf die Talente, auf den Nachwuchs, auf den strukturierten Aufbau, das fand ich schon ganz vielversprechend. Und dann habe ich mich gefragt, weil ja Stefan Kunz sowas war wie das Gesicht, also ihr Vorgänger, wie das Gesicht des HSV, habe ich mir auch gefragt, das wird sie nicht sein.
Sie wird, glaube ich, eher die Strategin im Hintergrund sein und die Rolle des Gesichts des HSV, die fällt dann wahrscheinlich eher Erik Huwer zu. Wobei man sagen muss, vielleicht ist die Rollenverteilung auch gut, weil Huwer jetzt auch schon ein Gesicht in Hamburg ist. Und der HSV dann irgendwie sowohl einer, der nach außen so ein bisschen stärker wirkt und eine, die strategisch nach innen wirkt. Und dann hörte ich ja, soll es vielleicht sogar noch einen dritten Vorstand sein.
Geben. Da denkt der HSV drüber nach. Also ich fand so, aber... Was mich am meisten überrascht hat, ist eigentlich die Meldung vom Rande dieser Veranstaltung, die ich bei uns gelesen habe, dass Markus Kröschel, ja nun wirklich kein No-Name, der bei Eintracht Frankfurt sehr erfolgreiche Arbeit gemacht hat, offenbar im Pitch war mit ihr und unterlegen ist.
Da habe ich gedacht, wow, also entweder haben sie sich beim HSV verhauen, weil der Kröschel, das kann man glaube ich sagen, kann was, oder aber sie haben ein richtiges Händchen. Das werden wir jetzt in den nächsten Monaten und Jahren sehen, aber ich glaube, mit dem Auftritt hat sie erstmal, ein paar Punkte gut gemacht und auf Talente und auf Nachwuchs zu setzen, finde ich auf jeden Fall eine sympathischere Geschichte, als irgendwo halbfertige Billigprofis in anderen Ligen einzukaufen.
Und insgesamt auch irgendwie hat sie einen klaren Fokus, dass sie gesagt hat, ich setze mich nicht auf die Trainerbank, ich gucke mir das Ganze von oben an, das wirkte, das war so ein bisschen ich kümmere mich, warte mal ab im Hintergrund, ich baue das alles sehr professionell aus, auch mit einer großen Ruhe und natürlich hilft es, wenn du da mit dem HSV jemanden hast, der Erfahrung vom FC Bayern München mitbringt.
Haken dahinter, Blockprozess. Wir nähern uns dem Ende. Wir nähern uns dem Ende. Diese Woche, wir haben es schon mal gesagt, es dreht sich ja immer um dieselbe Frage und die Frage war, ist diese Kindesentziehung, war sie sozusagen legal, weil es sozusagen, wenn man einen Zustand hergestellt hat. Den die Behörden nicht hergestellt haben, nämlich, dass eigentlich die Kinder bei Christina Block sein sollten. In Klammern, dann wäre es Selbstjustiz. Auch das ist schwierig.
Und darauf... Berufen sich ja immer die Entführer. Auch diese Woche hat es wieder da Zeugenaussagen gegeben und interessant ist, dass die eigentlich die Zeugen aus diesem insgesamt zehnköpfigen Entführerteam immer dasselbe sagen. Und die entscheidenden Sachen sind, sie sagen erstens, es hat ein Treffen mit Christina Block gegeben, bevor die losgezogen sind nach Dänemark, um die Kinder zu holen.
Dabei hätten die alle Masken getragen, sodass Christina Block die nicht gesehen hat. Und sie sagen alle, wir haben gedacht, das ist legal. Was wir da machen, weil nämlich im Hintergrund es um die Themen Entfremdung und sogar Pädophilie gehen sollte. Also nochmal, alle sagen, es hat ein Treffen mit Christina Block gegeben, das ist für Christina Block schwierig und alle sagen, wir haben gedacht, was wir da machen, ist völlig legal.
Interessant fand ich auch. Ja, aber dann passt es ja nicht zusammen zu sagen, wir setzen uns Masken auf und so wie dieser ganze Verfahren da in Dänemark gestartet wurde, das macht man nicht, wenn man glaubt, man hat das Recht auf seiner Seite. Also das finde ich schon irgendwie ist einer der großen Widersprüche auch.
Dieser israelischen Kombo, die ja wirklich wie ein Geheimdienster agiert hat und sich dann damit rauszureden wird, das ist illegal, das halte ich schon für eine ziemliche Schutzbehauptung. Interessant, da hast du schon das erste Ding, wo ich auch dachte, wie kann das sein, wenn das alles legal ist, dann müsst ihr keine Masken aufsetzen, erstens.
Dann, worauf auch jetzt Ingo Bott, der Verteidiger von Christina Block geht, ist natürlich zu sagen, okay, sagen die alle dasselbe. Es gibt unterschiedliche Angaben, was Christina Block den Entführern mitgegeben hat für ihre Kinder. Am Ende, also ob es jetzt ein Teddybär war oder eine Decke oder sonst was, am Ende, was sie alle gesagt haben, ist, sie hat ihnen etwas mitgegeben mit dem Geruch der Mutter, wo du auch denkst, okay, darauf muss er erstmal kommen und dann hat Ingo Bott auch noch einen interessanten Satz gesagt, ähm.
Was belegen soll, dass sie keine Ahnung hatte, was passieren würde. Mal sehen, was du dazu sagst. Er hat nämlich gesagt, wenn Christina Block davon gewusst hätte, dass es diese Entführung in dieser Form geben würde, dann hätte sie die Entführer doch vorher darauf aufmerksam gemacht, denn das hatte sie wohl gewusst, dass die Kinder Alarmknöpfe tragen.
Ist das eine Argumentation, die sie dann ja gedrückt haben, ist das eine Argumentation, die verfangen kann? Das hätte ich für sehr, sehr konstruiert. Also man muss sagen, nach diesen 61 Tagen, oder wo sind wir jetzt? Ich komme schon mit dem Zählen durcheinander. Ja. Dass die Israelis nicht einfach so aus Jux und Dollerei da losfahren.
Darauf deutet einiges hin. Irgendeiner wird sie beauftragt haben. Und darum geht es jetzt, das herauszufinden. Also insgesamt ist das schon, muss man sagen, ich habe da auch mit verschiedenen Juristen gesprochen. Ich habe keinen getroffen, der gesagt hat, dass die Geschichte der Mutter so richtig überzeugend rüberkommt.
Und das ist fürchte ich auch am Ende das, was für Christina Block schwierig werden kann. Also ich weiß es nicht, aber das sind jetzt wirklich so, also teilweise auch konstruierte Geschichten, wo man denkt, Menschenskinder, also wenn es beauftragt war, wovon ja die meisten ausgehen, hätte man sicher besser sich vor Gericht durchschlagen können, wenn man gleich reinen Tisch gemacht hätte.
Das ist aber eine Wahrnehmung von Leuten, die auf den Prozess schauen, aber natürlich nicht permanent Teil des Prozesses. Die Frage ist ja auch, ist es beauftragt, ist es nicht beauftragt, aber sie hat trotzdem davon gewusst, was macht da den Unterschied und so weiter. Wir werden es vielleicht, wenn wir aus der Sommerpause zurückkommen, werden wir es wissen, weil dann haben wir schon August und laut Richterin könnte es dann ja zu Ende gehen, dieser Prozess, woran ich immer noch nicht glaube.
Thema Nummer 5 abgehakt. Thema Nummer 6. Ralf Michaelis ist ein Professor an der Uni Hamburg, Direktor des Max-Pluggens-Instituts. Mir sagte der Name bisher nichts, aber er hat etwas Interessantes gemacht. Er hat sich geäußert zu einem Thema, wo man denkt, wieso äußert er sich dazu? Das ist eine gute Frage, ja. Er äußerte sich in einem Gastbeitrag für die Taz geschrieben über den AfD-Parteitag, der am Wochenende in Erfurt geplant ist.
Am 4. Juli genauer gesagt und damit exakt 100 Jahre nach einem NSDAP-Reichsparteitag in Weimar. Nach dem NSDAP-Reisbetrag in Weimar, also 100 Jahre später. Und dann hat Ralf Michael Edis gesagt, die Frage ist nicht geschrieben vielmehr, die Frage ist nicht, ob man den AfD-Parteitag verhindern darf, sondern ob man es nicht muss.
Ist das nicht fast die Parallele zum Blockprozess? Wie meinst du das? Naja, ich meine, dass da eine, und das ist der Unterschied, einmal geht es um eine Mutter, wo ich es gut nachvollziehen kann. Beim anderen Fall geht es um einen Juristen, der immer ein Professor an dem Max-Planck-Institut ist, der sagt, es ist nicht entscheidend, was das Recht sagt, sondern es ist entscheidend, wie ich das Recht interpretiere.
Ich halte das für einen ungeheuerlichen Vorgang. Die Frage ist nicht, ob man den AfD-Parteitag verhindern darf, sondern ob man es nicht muss. Es gibt, was Parteitage betrifft, ganz klare Regeln, gesetzliche Regeln, die festgehalten sind. Parteitage müssen abgehalten werden. Das ist eine Pflicht im Parteiengesetz.
Und sich da hinzustellen, bei aller verständlichen Ablehnung, nicht, dass es jetzt hier jemand in den falschen Hals bekommt, wer friedlich gegen die AfD in Erfurt demonstriert, Haken hinter kann ich sehr, sehr gut verstehen. Aber zu verhindern, dass ein Parteitag stattfinden darf und das als Jurist offen zu fordern, ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Ein wirklich komplett ungeheuerlicher Vorgang.
Und da bin ich wirklich mal gespannt auf die Folgen, denn das ist quasi ein Aufruf zum Rechtsbruch. Und da können wir nicht einfach so drüber hinweggehen, denn der Punkt ist ja, und das ärgert mich immer daran, dass die Leute das nicht einsehen. Am Ende wird die AfD wahrscheinlich... Ihren Parteitag abhalten können. Die Polizei muss ihn massiv schützen. Es wird Gewalt geben.
Und 70 Prozent der Fernsehzuschauer werden sagen, die spinnen doch, die Linken. Und das ist der beste Bärendienst, den man dieser AfD erweisen kann. Und dass kluge Köpfe, wie dieser Jurist vom Mark Pflanz so einen Blödsinn schreiben kann, das macht mich wirklich, ich bin heute im Modus der Fassungslosigkeit, am Ende fassungslos.
Und dazu kommt ja, dass man jetzt schon absehen kann, das ist eben nicht nur, Es haben sich bis zu 50.000 Protestler da angesagt, aber auch ein paar Tausende Störer und Blockierer. Das heißt, das wird wirklich... Die können sich ja jetzt ermuntert fühlen. Wir haben ja quasi von oberster Warte nochmal erzählt bekommen, ja, das ist schon okay.
Also das ist so, man nimmt das Recht in die eigene Hand. Und genau das, diese Form der Selbstjustiz, das geht nicht. Also egal, ich meine, auch die AfD hat natürlich Rechte, Auch wenn uns die nicht passen und auch wenn wir ihre Politik ablehnen, können wir nicht sagen, unser Grundgesetz gilt nur für die, die mit uns politisch auf einer Seite stehen.
Also da kommen wir wirklich in den Wald. Und ich bin mal gespannt, was da jetzt passiert, ob er zurückrudert, ob das Max-Planck-Institut sich auch äußert. Die Uni Hamburg. Die Uni Hamburg. Ja, der will natürlich sagen, die Freiheit der Wissenschaft. Ja, aber da wird es... Die freie Meinesäußerung. Ich meine, wenn du jetzt dich hinstellen würdest in einem Gastbeitrag und sagst, Pressefreiheit sollte nur noch für Medien gelten, die vernünftig sind und die Doofen, die sollte man belangen, dann würde das auch Wellen schlagen.
Also ganz so privat ist das nicht, wenn ein Juraprofessor überrechtliche Fragen schreibt. Und so enden wir wenig persönlich in dieser Folge. Wir heute nicht mehr, aber wir fahren jetzt in den Urlaub und da kommen wir tiefenentspannt wieder. Da haben wir den Langmut, den wir brauchen, um auch solche irrigen Gastbeiträge zu kommentieren.
Wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern, wünschen euch da draußen und hier drinnen alles Gute. Einen schönen Sommer und hören uns wieder Anfang August. Bis dahin. Tschüss. Tschüss. Und auf abendblatt.de slash podcast.