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040 Streng vertraulich: Die Lage in Hamburg· Folge 50

Zwischen AfD-Flirt und Olympia-Frust: Hamburgs Baustellen

Freitag, 10. April 2026 · 26 min

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Shownotes

Gleich mehrere Themen haben in dieser Woche die Stadt bewegt: Die Hamburger Ex-Linken-Vorsitzende, die mit der AfD kokettiert. Ein verkehrspolitischer Hamburg-Takt, der aus dem Takt geraten, aber angeblich trotzdem „nicht gescheitert“ ist. Und eine Olympia-Kampagne, die noch nicht alle Bürger mitnimmt, sich nun aber mit neuen Kostenfragen konfrontiert sieht. Matthias Iken spricht mit Landespolitik-Experten Jens Meyer-Wellmann über die Stimmung in der Stadt, falsche Versprechen und die Hufeisen-Theorie. Und beide diskutieren die Folgen des Iran-Krieges für Hamburg.

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Hallo, moin moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Podcastes 040. Streng vertraulich die Lage in Hamburg. Und heute habe ich einen Gast, der nicht Lars Haider ist, dann wäre ich ja auch eher Gast, sondern ja unseren politisches Trüffelschwein, wenn ich das mal so sagen darf. Jens Mayer-Wellmann, der gleich mehrere Geschichten diese Woche in der Zeitung auf abend.de hatte, die, glaube ich, manchen im Senat Kopfzerbrechen gemacht haben. Und diese Woche wollte mir jetzt einfach noch mal Revue passieren lassen.

Ja, Jens, schön, dass du dabei bist. Moin, moin. Ja, ich habe schon gesagt, ein Thema, was im Senat, sage ich mal, für Kopfzerbrechen gesorgt hat, war, glaube ich, die Geschichte, die da hieß, der Hamburg-Takt ist gescheitert. Ja, wie kam es dazu? Also der Hamburg-Takt, muss man mal zur Erklärung sagen, war ein ganz zentrales Wahlversprechen aus der Verkehrspolitik, das Peter Tschentscher aus dem Hut gezogen hat, vor vielen Jahren, also vor sieben Jahren genau, 2019 für den Wahlkampf 2020.

Da hat er den Hamburgerinnen und Hamburgern versprochen, bis 2029 solle es überall in Hamburg die Möglichkeit geben, binnen fünf Minuten ein Nahverkehrsangebot zu erreichen. Das wurde dann auf 2030 nachher geändert. Aber das würde bedeuten, dass man wirklich in der letzten Ecke Hamburgs binnen fünf Minuten einen Bus erreichen können muss oder einen Shuttle-Service oder eine Bahn.

Und das sollte dadurch gelingen, dass man das Busnetz extrem stark ausbauen wollte, die Taktung in den U- und S-Bahnen erhöhen wollte. Und das Kernelement dieser ganzen Geschichte, muss man sagen, war das autonome Fahren. Denn ohne autonome Fahrzeuge ist es kaum möglich, Menschen wirklich aus der letzten Ecke abzuholen. Du kannst ja nicht über einen Bus vorbeifahren lassen.

Wenn ich dich da mal kurz unterbrechen darf, sonst brauche ich ja gar nicht mehr hier dabei zu erzählen. Das hat ja, muss man sagen, schon fast allergische Reaktionen ausgelöst. Es gab ja sogar dann ein Statement, die Darstellung des Hamburger Abendplatzes ist falsch. Gegenüber der Redaktion wurde ausdrücklich festgestellt, dass der Hamburg-Takt nicht gescheitert ist. Ja, ja, das ist Quatsch.

Also, um das zu sagen, sie erreichen das deswegen nicht, weil das Busnetz eben nicht entsprechend ausgebaut worden ist, weil da das Geld fehlt. Das haben sie auch mittlerweile eingeräumt in offiziellen Drucksachen der Bürgerschaft, so ein bisschen versteckt überall. Und die Zahl der autonomen Fahrzeuge, das klappt eben auch nicht.

Tjax hatte 10.000 autonome Fahrzeuge bis 2030 versprochen. Mittlerweile, sagt er kleinlaut, vielleicht noch ein paar Hundert, Wenn überhaupt in Klammern. Es ist also klar, dass das nicht klappt. Dieses harte Dementi kommt zustande, weil sie inzwischen umdefiniert haben, was der Hamburg-Takt für sie ist.

Das ist jetzt nämlich nicht mehr das Fünf-Minuten-Versprechen. Und sie rechnen einfach ihre gesamte Verkehrspolitik im öffentlichen Personennahverkehr dazu, also der Ausbau. Also ein bisschen Sonnenschein ist, wenn es nicht regnet. Ja, genau. Also es ist so ein bisschen sowas, also ich empfinde das wie das berühmte Gaslighting, nennt man das glaube ich jetzt.

Man behauptet einfach was, was eigentlich nicht der Realität entspricht. Denn dieses Kernversprechen war das Fünf-Minuten-Versprechen und das kann nicht eingehalten werden. Das sagen mittlerweile alle Leute, die sich das Thema genau angucken. Ja, selbst der ADAC Hansa ist dir ja beigesprungen und hat ja auch gesagt, dass ein zentrales Vorhaben nicht mehr erreichbar ist.

Und wenn ich zum Beispiel die Mopo lese, steht da auch, es war das zentrale Wahlversprechen der SPD zur Bürgerschaftswahl, der Hamburg-Takt alle fünf Minuten. Warum ist denn das so schlimm? Ich meine, es kommt ja häufiger vor, Stichwort Elbphilharmonie oder Umzug Bahnhof Altona, dass Dinge länger dauern.

Warum sagt man nicht einfach, okay, war ein bisschen ambitioniert, wir schaffen es vielleicht zwei Jahre später? Das ist eben genau die Frage. Und das werfen auch andere Experten dem Senat vor, dass er hier eben nicht mit offenen Karten gespielt hat. Auch zum Beispiel das ganz anerkannte Portal Nahverkehr Hamburg.

Das ist so ein Spezialportal, die sich sehr intensiv und sehr kompetent mit Verkehrspolitik in Hamburg befassen. Die haben auch gesagt, das sei halt niemals tatsächlich abmoderiert worden. Die haben es einfach versucht, in der Versenkung verschwinden zu lassen. Und jetzt hat sich Changer persönlich natürlich wahrscheinlich auch sehr aufgeregt, weil man ihm nun nachweist, dass er ein Wahlversprechen gebrochen hat.

Und das findet er natürlich nicht so vorhanden. Man hätte es auch rechtzeitig sozusagen abmoderieren können, hat man aber einfach nicht. Und wen siehst du dann der Verantwortung? Ist das eher der Verkehrssenator oder ist das der Bürgermeister? Also genau bei diesem speziellen Versprechen Hamburg-Takt, das ist tatsächlich eine Erfindung der SPD gewesen und des Bürgermeisters im Wahlkampf 2019.

Und das haben sie sich dann nachher gemeinsam auf die Fahnen geschrieben und der grüne Verkehrssenator dann auch. Aber es ist eigentlich ein SPD-Baby. Es klang ja auch gut. Also ich kann mich auch an viele Wahlkampfveranstaltungen, ich habe damals ein Wahltagebuch geführt, erinnern. Wo das natürlich sehr prägnant gut verständlich war.

Ich weiß, dass es auch mal eine Rückfrage sogar gab, ob das auch in den vier Marschlanden irgendwie am Ende umsetzbar ist. Da drucks der so ein bisschen rum und sagte, gönnte Gegenden geben, wo es schwierig ist, aber für die Stadt steht das Ziel. Ja gut, für die Innenstadt ist es natürlich einfach. Aber dieses Versprechen war natürlich deswegen so groß und auch großartig und wäre auch toll, wenn es umgesetzt worden wäre, weil das eben bedeutet hätte für alle, auch für die, die weiter draußen wohnen, ist es dann nicht mehr nötig, ein Auto zu benutzen, weil sie in fünf Minuten spätestens von einem Shuttle abgeholt werden und zur Bahn gebracht werden oder so.

Und das, gerade die Außenbezirke waren dafür ja wichtig. Kann natürlich auch damit zu tun haben, dass vielleicht die Träume oder die Erwartungen 2019 an autonome Mobilität so groß waren, oder? Jetzt sind wir ja näher am Jahr 2030 dran als am Jahr 2019 und sehen, so richtig viele Autonomen fahren ist noch nicht.

Nee, es wird jetzt erprobt. Ich habe mich jetzt in dieser Woche ja auch nochmal länger mit Moja befasst, weil die jetzt gerade in Tarifverhandlungen sind und wahrscheinlich möglicherweise bald streiken. Und da, wenn man die fragt, dann hört sich das gar nicht mal so pessimistisch an. Rein technisch meinten die, wäre das sogar möglich in wenigen Jahren, wenn das mit dem EU-Genehmigungsverfahren im nächsten Jahr klappt, eine hohe Zahl von autonomen Fahrzeugen bereitzustellen. Bloß die Frage, um die es wirklich geht, ist die, wer bezahlt denn das?

Denn VW, Moja will das nicht aus eigener Tasche bezahlen. Die Hochbahn hat sowieso ein Rekorddefizit, die kann sich schon keine E-Busse mehr leisten. Deswegen ist es auch vor allen Dingen eine Geldfrage. Dann gibt es noch Forderungen, weil Benzin und Diesel teurer werden, das Deutschland-Ticket noch billiger zu machen. Hast du das verstanden?

Ja, das sind ja immer so reflexhafte Debatten, aber vielleicht wäre das sogar tatsächlich logischer, als jetzt irgendwelche Tankrabatte zu geben, die immer verpuffen und die am Ende irgendwie der Mineralölwirtschaft mehr helfen als dem Tändler. Also ich finde das nicht völlig unlogisch, diesen Vorschlag. Du?

Ich fand die total unlogisch, weil natürlich gerade die Busse auch immer noch meist mit Diesel fahren. Wir haben auch noch genug Diesel-Loks. Das heißt, der öffentliche Personennahverkehr wird definitiv teurer durch die Spritpreisexplosion. Und dann das Angebot noch günstiger zu machen, ist dann halt eine doppelte, wie bei einer Schere, Defizitöffnung.

Du hast gerade gesagt, es fehlt schon überall an Geld. Ich finde, man kann den Leuten doch erklären, hey, wir haben hier ein super Angebot geschaffen, nennt sich Deutschland-Ticket. und jetzt, wo die Benzinpreise so weit steigen, ist es noch günstiger für dich, kauf dir eins. Dann gäbe es eher Mehreinnahmen im ÖPNV. Also ich habe es überhaupt nicht verstanden.

Ich halte das auch für, ja, verkehrspolitischen Populismus. Ja, mag sein. Es gibt ja sowieso sehr viel Populismus in dem Bereich. Schon der Hamburg-Takt dieses Versprechen war ja so ein bisschen überzogen und vielleicht nicht gerade populistisch, aber überzogen. Du hast natürlich recht, aber wenn man es jetzt so denken würde, dass man einen Tankrabatt gibt oder die Steuern senkt in dem Bereich von Sprit, dann wäre es vielleicht doch sinnvoller, dieses Geld zu nehmen, wenn man es eh nimmt und es dann in das Deutschland-Ticket zu stecken, um es nochmal günstiger zu machen für so eine Krisenzeit. Das fände ich jetzt nicht völlig absurd, ehrlich gesagt.

Na gut, es wäre langweilig, wenn wir immer einer Meinung wären. Stichwort immer einer Meinung. Bist du für oder gegen die Olympia-Bewerbung? Also ich gehöre zu den Hamburgern, die eigentlich tendenziell dafür sind, die aber doch noch mal gerne ein bisschen überzeugt werden würden von der Kampagne. Und da bin ich bisher noch nicht so richtig gepackt worden, muss ich sagen. Wie geht es dir?

Ich habe mich ja jetzt am vergangenen Sonnabend geoutet mit dem WC Nein für ein Ja. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe selten so viel Prügel bekommen wie für diese Kolumne. Es gab also massiv Leserzuschriften, die das also inhaltlich total ablehnen, die der Stadt es nicht zutrauen, dass sie die Spiele vernünftig organisieren, die sagen, wir haben andere Probleme.

Und in dieser Massivität war ich schon sehr überrascht. Auf der anderen Seite in den sozialen Netzwerken wiederum lief das ganz gut und da gab es viel Zustimmung. Ich sehe es aber ein bisschen wie du. Es ist so, dass der Kopf sagt, ja, aber das Herz und das Gefühl, das ist noch nicht richtig angesprochen worden.

Ja, das sehe ich auch so. Es wirkt so ein bisschen weit weg alles. Und ja, ich meine, diese Drohnenshows sieht ja schon doll aus und so, aber man wird nicht so richtig gepackt von dieser Kampagne. Die ist irgendwie überall und man muss ja auch sagen, alle hängen sich richtig rein, Senatseitig, Tchentscher tingelt da durch die Stadtteile und Bezirke vielmehr und gibt alles und so, aber irgendwas fehlt dem Ganzen, ich bin nicht sicher, was und dazu muss man sagen, die Hamburger sind eben auch ein extrem skeptisches Völkchen aus dem Kurs, glaube ich auch.

Also wenn man das mit Bayern vergleicht, das hat Grote bei seiner Rede gestern in der Bürgerschaft gesagt, am Donnerstag in der Bürgerschaft gesagt, bei den Bayern in München wurde noch nicht mal ein Finanzkurs Konzept vorgelegt und die haben trotzdem mit 66 Prozent einer sehr hohen Beteiligung zugestimmt.

Die Hamburger gucken sich dann jede Nachkommastelle an, um es mal zu überspitzen und sind dann immer ganz kritisch. Vielleicht wäre es auch klüger gewesen, diese Drohnenshow einfach als Überraschung an diesem 24. April in den Himmel steigen zu lassen. Das soll dann ja so eine zentrale Veranstaltung werden.

Da hätte man wahrscheinlich die Menschen packen können. Ich habe jetzt auch einige Veranstaltungen mitbekommen und natürlich, wir haben auch keinen Felix Neureuther. Wir haben keinen, der wirklich es schafft, mich anzuzünden. Also ich finde Katharina Fegebank macht das ganz gut. Die habe ich bei einer Veranstaltung erlebt. Die hat sehr persönlich erzählt, wie sie als Siebenjährige die Spiele in L.A.

Verfolgt hat auf dem Sofa und wie sie das gepackt hat. Da habe ich gedacht, jetzt kommt mal Emotion in die Geschichte rein. Alles andere ist schon vielleicht auch ein bisschen dem Persönlichen, naturell geschuldet, sehr nüchtern. Das stimmt. Ja gut, Peter Tschentscher ist eben auch ein sehr nüchterner Mensch und auch ein Zahlenmensch. Das hat ja in vielen Punkten auch Vorteile.

Hier ist es vielleicht manchmal, findet die Leute halt auch nicht so richtig an. Aber ich glaube auch, um darauf nochmal zu kommen, warum das so schwierig ist in Hamburg, das ist halt eine Kaufmannsstadt. Hier wird wirklich auf die Zahlen geguckt und dann muss man sagen, das Finanzkonzept, das der Senat vorgelegt hat, hat halt große Lücken.

Also wenn man jetzt sich um Zahlen kümmert, dann muss man sagen, da habt ihr die Sicherheitskosten nicht drin, die in Paris bei 1,7 Milliarden lagen und rennt rum und erzählt allen, wir machen damit Gewinn. Aber bei Sicherheit haben wir Kosten null eingetragen. Das wirkt auf mich jetzt auch nicht sonderlich seriös. Oder wie siehst du das?

Nee, das fand ich auch ein Bild, weil du sagst, Hamburg ist eine Kaufmannsstadt. Diese Zahlen kamen ja von der Linkspartei, die sonst ja, muss man sagen, mit Geld auch eher großzügig umgeht, da aber sehr dezidiert quasi nachgefragt hat, was das denn kostet. Und ja, ich meine, wir sind inzwischen in einer Sicherheitslage, die halt eine andere ist als vor 25 Jahren.

Das ist absolut so. Und was auch ein bisschen unlogisch ist an der Präsentation des Senats, die sagen ja jetzt, wir können die Sicherheitskosten noch nicht beziffern, weil das noch so lange hin ist. Und bis dahin haben wir, wer weiß was, für technische Entwicklungen mit Polizeirobotern und Drohnen sowieso und so und können auch nicht vor der klaren Planung sagen, was das kostet. Das finde ich auch nachvollziehbar.

Andererseits einfach eine Null einzutragen geht irgendwie auch nicht. Und sie haben 2015 bei der Bewerbung für 2024 auch eine Zahl eintragen können. 461 Millionen haben sie damals eintragen. Aber das ist ein bisschen unlogisch, warum das damals ging und heute nicht gehen soll. Zumindest einen Platzhalter da reinzubauen.

Was tippst du denn? Wie will ein Prozent sagen, ja? Also ich bin da sehr zwiegespalten. Also ich bin da skeptisch. Ich würde mich freuen, wenn das klappen würde. Aber wenn es klappt, wird es, glaube ich, nur wirklich sehr knapp werden mit 51, 52 und so. Und dann hat man natürlich den Nachteil, dass man gegenüber München mit 66% Zustimmung nicht so doll dasteht.

Und das ist natürlich im nationalen Vergleich schon nicht so toll. Was tippst du denn? Also ich tippe 54 Prozent, ja, damit war ich, ich hatte gestern einen Termin mit Kommunikationsprofis und die habe ich auch mal abstimmen lassen. Und die meisten, also in so 5 Prozent Abschnitten, ich habe gesagt, wer tippt mehr als 60 Prozent, das waren 25 Leute, gar keiner.

Wer tippt mehr als 55 Prozent, einer. Zwischen 50 und 55 waren es dann, würde ich sagen, eine Handvoll und die meisten tippen auf 45 bis 50 Prozent Ja-Stimmen. Das heißt also, die Kommunikationsprofis sagen, sie erwarten, dass es nicht mal eine Mehrheit gibt. Und das wäre sowohl für die Stadt, glaube ich, als auch für die Politik eine echte Blamage.

Also das ist durchaus denkbar, glaube ich auch. Die Hamburger sind sehr skeptisch und die Hamburger machen ja auch gerne mal das Gegenteil von dem, was der Senat Das haben wir beim Zukunftsentscheid gerade wieder gesehen, beim Netze-Volksentscheid vor 2013 und an anderen Stellen auch. Und ein Punkt kommt, glaube ich, noch dazu.

Also es ist eben so, dass in den letzten Jahren ganz viele Versprechen und Zahlen, Vorhersagen einfach nicht gestimmt haben. Also den Hamburg-Takt haben wir drüber gesprochen, aber zum Beispiel auch Sachen wie Haus der Erde wird viel teurer. Der Elb-Tower fließt jetzt plötzlich doch mittelbar Staatsgeld rein und es hat nicht geklappt.

Und insgesamt hatte ich gerade neulich mal eine Geschichte gemacht, dass die laufenden Projekte der Stadt nun 2,6 Milliarden Euro teurer sind als vorhergesagt. Und da ist es ja fast schon rational, wenn man Angaben des Senats erstmal mit einer gewissen Skepsis sich anschaut angesichts all dieser Erfahrungen.

Das, finde ich, spielt bei der ganzen Geschichte leider auch eine Rolle. Da ist ja schon fast ein Trost, dass der Bund jetzt zugesagt hat, dass er die Milliarden quasi zumindest zum Teil zur Verfügung stellt. Da könnten wir also die Rechnung weiterschieben, wenn es wieder nicht hinhaut. Aber das ist genau, wie du sagst, der Punkt, den viele Leute auch angemerkt haben jetzt zur Kolumne.

Ich finde trotzdem, also es ist ganz, ganz lustige Verteilung. Die Linken sagen, guckt auf das Geld, da sind wir gegen. Ich bin diesmal genau andersrum. da guckt auf die Chancen, guckt auf die Emotionen, guckt auch auf das Sportereignis, was natürlich wirklich Generationen begeistern wird in dieser Stadt, die also jung sind und Sport machen.

Das haben wir überall gesehen, wie plötzlich die Medaillen regneten, weil sich einfach Zehnjährige schon von diesem Gedanken haben anstecken lassen. Die Sportler kommen hier in meine Stadt. Ja, das geht mir auch so. Ich fände es eigentlich eine gute Sache und man kann bei den Finanzen eben noch nicht so genau Sachen vorhersagen.

Was bei der Kampagne ja wahrscheinlich am meisten noch ziehen wird und das fängt ja auch schon an, dass die Leute das sagen, ist so dieser Konkurrenzkampf mit Bayern. Also wir wollen jetzt nicht so schon wieder Weißwurst und irgendwie Söder, den jubelnden Söder überall sehen. Diese Konkurrenzsituation zwischen Hamburg und München, wenn man die noch ein bisschen zuspätzt, mobilisiert das wahrscheinlich noch mal ein paar Leute.

Das wäre ein schöner Kommentar jetzt. Den würde ich mir von dir wünschen. Du hast diese Woche auch eine Geschichte geschrieben, die habe ich wirklich zweimal gelesen, weil die mich echt umgehauen hat. Das war die Geschichte über die frühere Hamburger Linken-Chefin und spätere BSW-Abgeordnete im Bundestag.

Saklin Nastic, die jetzt ja, muss man sagen, unter Absingen schmutziger Lieder aus der Partei von Sarah Wagenknecht ausgetreten ist und jetzt sogar ein bisschen, wie ich finde, oder wie du geschrieben hast, mit der AfD kokettiert, oder? Ja, das ist ganz seltsam. Also in ihrem Austrittschreiben hat sie sehr kritisiert, wie das BSW sich entwickelt habe und vor allen Dingen dann moniert, dass sie nicht auch in ostdeutschen Bundesländern mit der AfD verhandelt hätten, weil die AfD sei doch da quasi die wahre Friedenspartei und SPD und CDU seien extremistische Aufrüsten.

Und dann hat sie an anderer Stelle eben auch noch den AfD-Chef Chrupalla und den Ex-Chef und Ehrenvorsitzenden Gauland in höchsten Tönen gelobt. Und das ist natürlich sehr irritierend. Da kommt man dann doch ganz schnell wieder auf die eigentlich unbeliebte Hufeisentheorie, dass sich die Extreme näher sind, als sie jeweils der Mitte sind.

Bei wem ist die unbedingt, muss ich ja fragen. Vor allem bei den Leuten, die auf dem Hufeisen sitzen. Ja, ja. Also ich glaube, der Hintergrund dieser ganzen Geschichte, das kann man zumindest mutmaßen, die Saklin Nastic war lange mit Dieter Dehm zusammen, diesem früheren Wolf-Biermann-Manager und Musik-Menschen, der lange aber auch für die Linke im Bundestag saß.

Der hat aber in den Klauten eine Nacht auch getextet, oder? Genau. Ja, ich glaube, das hat auch. Ich weiß nicht ganz genau, aber ich glaube schon. Also er hat alles Mögliche gemacht. Der war auch Stasi-IM wohl offensichtlich und soll Biermann dann ausgeforscht haben und so. Der hat jetzt in letzter Zeit eben auch die These vertreten, man müsse sich von links mit der AfD zusammentun, so eine sogenannte Querfront bilden und zwar hauptsächlich, um den Frieden auf der Welt zu erhalten.

Das ist so das Thema, was ihn umtreibt. Und das ist im Grunde genau das, was der sagt, spiegelt sich auch in dem Nastic-Brief an ihre Partei. Und jetzt können wir mal Wetten abschließen, ob sie in vier Wochen in der AfD ist oder nicht. Das wäre für die AfD wahrscheinlich ein riesen PR-Erfolg, oder? Ja, ich glaube schon. Also würden sie sicherlich gerne annehmen.

Sie hat aber auch überlegt und kokettiert wohl damit, ob sie doch in die SPD gehen will. Aber ich würde schwer bezweifeln, dass die SPD Nastic aufnimmt nach dieser Vorgeschichte. Ich weiß auch nicht, ob Pistorius unbedingt eine Genossin haben will, die so argumentiert. Ne, genau, es würde nicht so gut passen.

Aber da bleibst du auf jeden Fall dran. Da bleiben wir dran. Also ich habe mit ihr auch gesprochen, sie ist da sehr offen. Und wenn sie sich für irgendeine andere Partei entscheidet, glaube ich, dann werden wir das auch mitkriegen. Sie weiß ja auch, sich selbst ganz gut zu vermarkten. Vielleicht das letzte Thema. Ich finde, wir müssen auch, wenn wir hier in Hamburg sitzen, über die Weltlage reden, über den Iran.

Da merke ich schon, also ich habe selber eine Demonstration hier in der Stadt gesehen, da waren möglicherweise tausende Iraner und wirkten auch ganz zuversichtlich und froh, dass jetzt die letzten Stunden des Mullah-Regimes geschlagen haben. Heute hat man das Gefühl, sind die Mullahs die großen Gewinner dieses Krieges.

Ja, wir haben ja eben auch in Hamburg eine sehr große iranische Exil-Community. Viele Menschen haben iranische Wurzeln, die in Hamburg leben. Unter anderem ja auch die Wissenschaftssenatorin Blumenthal oder der Ex-Linken-Vorsitzende Taheri oder der Ärztekammerpräsident Imami und SPD-Abgeordneter Ilkanipur und so weiter.

Und die haben sich, einige davon eben, unter anderem auch Blumenthal und Ikanipur, haben sich sehr viel versprochen von diesem Krieg und haben sehr darauf gehofft, dass der zum Sturz des Regimes führen würde. Und da wurde immer darauf hingewiesen, die Leute tanzen auf den Straßen, weil jetzt endlich Krieg ist so ungefähr.

Und das habe ich von Anfang an für extrem gefährlich und auch sehr naiv gehalten. Und es hat sich ja herausgestellt, dass das überhaupt nicht so gelaufen ist, wie die sich das erhofft haben. Es wurden ja sogar schon Daten genannt, wann also quasi das Regime fällt. Auch von Uranern, wo man dachte, gut, die kennen sich aus.

Heute habe ich auch ein bisschen das Gefühl, ausgerechnet Klaus von Donani mit seinen 97 Jahren, der sagte, man kann keinen Regimewechsel durch die Luft erreichen, durch Luftbombardements. Das hätte man schon im Deutschen Reich sehen können. Scheint am Ende recht zu haben. Ja, das ist sicher so. Ich glaube, das war aber auch vorher schon den meisten klar, außer Trump. Und außer den Leuten, die halt wegen der großen Hoffnung das irgendwie so ein bisschen weggeschoben haben.

Es gibt ja eine sehr spannende Recherche der New York Times über die entscheidenden Sitzungen des US-Kabinetts und auch der Vorstellung von Netanjahu bei seinem Besuch. Der hat ja da wohl versprochen, der Mossad würde dafür sorgen, dass binnen weniger Tage dann Aufstand dazu führen würde, dass das Regime weg ist.

Komplette Fehlkalkulation. Oder er hat bewusst zu viel versprochen, man weiß es nicht. Ja, man hat sogar eher das Gefühl, dass auch da kann man fast die Parallel ziehen zu den Bombardements hier in Deutschland, 44, 45, 43, dass es das Regime noch stärkt, weil viele Menschen sagen, also so haben wir uns das nicht vorgestellt, dass sie unsere Krankenhäuser und unsere Straßenzüge bombardieren. Ja, ja.

Und im Übrigen ist das natürlich echt schwierig, dass man sich an den Rand eines möglichen Weltkriegs begibt und die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht, inklusive möglicher sozialer Verwerfungen überall und Hungersnöte, um das Regime in einem Land zu verändern. Das ist sowieso ein wirklich absurder Anspruch.

Ein anmaßendes Verhalten. Also ich muss auch sagen, dieser Präsident überrascht einen immer wieder und zwar negativ. Also die Erwartungen sind ja schon extrem niedrig, aber er schafft es immer wieder, die noch zu enttäuschen. Ja, vor allen Dingen... Vor allen Dingen, was denken die Leute, die sich so viel von ihm versprochen haben, wenn er dann plötzlich sagt, er will die persische Zivilisation zerstören?

Die Uralte, die natürlich viel, viel älter ist als die der USA und auch viel reichhaltiger, muss man sagen. Und dass sowas dann von ihm gesagt wird, aber man... Hüte deine Zunge, sonst gibt es bald Angriffe auf Niendorf. Wie bitte? Ich sage, hüte deine Zunge, sonst gibt es bald Luftangriffe auf Niendorf.

Ja, ich habe noch nie mal einen Keller, in den ich gehen könnte. Da bin ich echt geliefert. Aber ja, also Freunde von uns aus den USA sagen immer, das macht er alles nur, um mit Aktien zu spekulieren. Also der ist sowas von reich geworden und seine Freunde, weil er immer zehn Minuten, bevor er dann seinen Truth Social Post raushaut, Aktien kauft oder verkauft oder fonst oder weiß nicht was.

Also es ist auf jeden Fall, auch das alleine ist schon so unglaublich, das hätten wir vor fünf Jahren nie für Möglichkeiten, oder vor zehn Jahren, bevor Donald Trump kam, dass es einen US-Präsidenten gibt, der sich irgendwie mit goldenen Uhren bestechen lässt und Insider-Geschäfte macht. Dafür wirst du früher, dafür wirst du in jedem Rechtsstaat in den Bau geschickt.

Im Grunde bin ich persönlich auch sehr enttäuscht einfach von der amerikanischen Bevölkerung. Also das ist da, die Leute, die ich kenne, sind natürlich auch alle total empört über das, was Trump macht. Aber es gibt eben doch immer noch eine große Gruppe, die den stützt. Und es gibt nicht so viel Widerstand, wie zu erwarten wäre, finde ich.

Also diese No-Kings-Demos sind ja schon ganz beeindruckend, aber das war es dann auch. Mehr passiert dann irgendwie nicht. Nee, es scheint schon wirklich wie in einem Staat, der nicht mehr frei ist, viel Angst zu geben, dass die Leute nicht auf die Straße gehen und nicht den Mund aufmachen, weil sie befürchten, dass die Repressalien schlimm sein werden. Ja, ganz schlimm ist es.

Heftig. Ganz auf eine letzte Frage, weil wir müssen ja auch mit Blick auf die Zeit gleich schon Feierabend machen, aber weil wir über den Iran sprachen, du hast ja wahrscheinlich auch die Geschichte von unserem jungen Kollegen Philipp Schwenn gelesen, dass jetzt Iraner aus Hamburg als quasi heilige Krieger zurück in ihre Heimat gehen.

Das hat mich, muss ich ganz ehrlich sagen, auch wirklich überrascht. Ja, das ist natürlich so ein Punkt, den hatte man schon bei früheren Kriegen in dem Bereich. Ja, wenn dann Leute sich hier radikalisieren und zurückgehen und dann da kämpfen und dann womöglich wiederkommen. Was passiert denn dann eigentlich in Sachen Terrorgefahr?

Also bei uns, der Iran hat ja schon während des Krieges gedroht, dass er amerikanische und israelische Bürger oder auch Soldaten weltweit treffen will, auch in Urlauben und Ferienparadiesen. Und da muss man natürlich mit großen Bedenken und sehr genau hinschauen. Ich hoffe, dass der Verfassungsschutz das auch tut. Das hoffen wir auch.

Ja, das ist jetzt natürlich kein richtig schönes Schlusswort für unseren Podcast 040, aber zumindest eine Sache kann ich Ihnen versprechen. In der nächsten Woche ist Lars Heiders im Urlaub zurück und wieder hier Host. Und ich wünsche ja allen ein schönes Wochenende. Ein Podcast von Funke.

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