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5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 365

Bärbel Bas: Die merkwürdige Stille nach dem Rücktritt

Dienstag, 13. Oktober 2026 · 5 min

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Shownotes

Selten lag der 5-Minuten-Talk mit einer Einschätzung so daneben wie in der gestrigen Folge. Arbeitsministerin Bärbel Bas meldete sich am Montag mitnichten zurück im Job – sie quittierte ihn. Und den SPD-Vorsitz gleich mit. Seitdem wird diskutiert, ob es ein selbstbestimmter Schritt war oder zumindest in Teilen Resultat unfairer Angriffe vonseiten der Union.

Diesen Vorwurf erhob der verbliebene SPD-Chef Lars Klingbeil gestern so scharf, dass ihm nicht nur der Kanzler umgehend widersprach. Der Streit ist kein unbedeutendes Detail, sondern Ausdruck für ein gewachsenes Misstrauen in der Koalition. Man traut dem anderen inzwischen alles zu, und stets ist es das Schlimmste.

Kann Alexander Schweitzer, der Bärbel Bas im Arbeitsministerium folgt, für neues Vertrauen werben? Kann er womöglich die Blockaden in der Rentendebatte lösen? Oder wird der Streit fortan nur unversöhnlicher geführt? Darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.

+++Anregungen, Wünsche, Kritik? Dann schreibt Veit Medick und Jan Rosenkranz eine Mail an 5mt@stern.de+++

+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz und Isa von Heyl+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Jan Rosenkranz. Und ich bin Veit Medig. Veit, ich habe aus dem Fenster geguckt. Der Staub hat sich offensichtlich gelegt nach dem großen Rücktritt von Bärbel Baas, der Arbeits- und Sozialministerin. Meinst du? Ja, und der SPD-Chefin. Hast du den Eindruck, dass sich das schon gelegt hat?

Naja, wir können jetzt jedenfalls, ist der erste Staub, sagen wir mal, ist weg. Die erste Staubwolke. Und jetzt können wir mal gucken, was da eigentlich hinterhalb blieben ist. Ja, ziemlich viele Ruinen, würde ich sagen. Die werden jetzt sichtbar. Also ich glaube schon, dass dieser Rücktritt, Echt was gemacht hat nochmal mit dieser Koalition und auch ein bisschen was aussagt.

Also es gibt ja jetzt diesen Vorwurf, dass Bärbel Baas sozusagen sehr unfair behandelt wurde in der Zeit ihrer Abwesenheit, weil es viel Kritik an ihr gab, warum der Rentengesetzentwurf noch nicht vorliegt, wo sie eigentlich sei und warum sie nicht richtig ins Arbeiten komme und so. Da gab es ja im Hintergrund so ein Grundrauschen. Es war jetzt nicht der Bundeskanzler, der jetzt sich öffentlich hingestellt hat und gesagt hat, also unglaublich, dass die Bärbel Bas hier rumtrauert, weil sie irgendwie einen privaten Trauerfall hat.

Sondern es war eher so im Hintergrund, kam da sowas zum Vorschein. Dieses Gefühl hat das auf jeden Fall auch bei ihr ausgelöst. Das ging nicht spurlos an ihr vorbei. Das hat sie in ihrer gestigen Rücktrittserklärung ja auch kundgetan, also schriftlich jedenfalls, dass ihr das auch wehgetan hat, wie er damit ihr umgegangen worden ist.

Und dass ich es unfair fand, das hat natürlich dann die SPD auch namentlich Lars Klingbeil, der verbliebene Vorsitzende der Partei, dann auch sehr ausgenutzt oder sagen wir mal sehr betont in seiner Ansprache. Ja, und ich finde, da kommt so was ganz Alarmierendes irgendwie bei raus. Also so diese Neigung gerade in der Koalition, dem jeweils anderen immer das Schlechteste zu unterstellen.

Also die SPD sagt jetzt, ihr habt sozusagen die Arbeitsministerin kritisiert, obwohl ihr doch wusstet, dass sie so einen Schicksalsschlag zu verkraften hat. Aus der CDU war zu hören, Bärbel Baas arbeitet nicht richtig und so. Wir erleben das auch an anderen politischen Fronten gerade, ja, also beispielsweise Magdeburg, da sind alle in der SPD überzeugt, dass die CDU jetzt ein Steigbügelhalter des Faschismus ist.

Andersrum sagt die CDU über die SPD in Berlin, also wenn ihr das macht, dann ist hier die Koalition zu Ende und so, ja, mit Extremisten koaliert man nicht. Es ist ganz krass, dieses mangelnde Vertrauen gerade. Es ist jetzt was anderes, ob du handwerklich oder inhaltlich Probleme hast. Das kriegt man alles weg, glaube ich. Aber dieses Urvertrauen, was man eigentlich haben muss in so einer Koalition, das scheint mir gerade überhaupt nicht mehr vorhanden zu sein.

Ja, jetzt ist die Frage, ob der Neue, der den Job von Bärbel Bas übernehmen soll, ob der da möglicherweise einen Neuanfang hinbekommt. Das ist ja Alexander Schweitzer, der frühere Ministerpräsident von, ich habe ich dieses Land doch schon wieder, Das ist im Westen dieses kleine, ich glaube es heißt Rheinland-Pfalz. So heißt es.

Der ist ja gerade abgewählt worden im Frühling und seitdem geistert er so ein bisschen durch Berlin und hat natürlich die ganze Zeit auch sehr den Kämpfer gegeben für die sozialdemokratische Sache, die rote Fahne am höchsten, gehängt oft auch und nach Gerechtigkeit gerufen und so weiter. Der soll jetzt aber der neue Sozialminister werden. Immerhin ist er vom Fach.

Er war das schon mal, bevor er Ministerpräsident geworden ist. Aber was meinst du, er hat ja eine größere Chance, dann eine Einigung herbeizuführen. Also ich glaube, es gibt einmal dieses Vertrauensding, also das müssen irgendwie Klingbeil und Merz jetzt mal klären, dass sie ihre Leute von diesen Bäumen runterholen und sagen, hey, lass uns jetzt mal versuchen, einmal konstruktiv hier nochmal was zu bewerkstelligen.

Und Alexander Schweitzer, klar, kennt sich aus, er wollte unbedingt einen politischen Top-Job, das ist ja auch schon mal gut. Bei Bärbel Bas hat man immer so ein bisschen den Eindruck gehabt, ah, sie fremdelt mit ihren Ämtern, sie ist nicht so richtig glücklich in der Rolle des SPD-Vorsitzenden, da wollte sie auch sowieso nie richtig rein.

In diesem politischen Grabenkampf fühlte sie sich, glaube ich, nicht so wahnsinnig beheimatet, das wird auch ein Grund für ihn Rückzug sein. Ich glaube, da ist Alexander Schweitzer möglicherweise robuster unterwegs, dem alles egal, der haut sich da in die Schlacht, ist so mein Eindruck. Er hat auf jeden Fall einen Vorteil, er ist nicht so beschrieben, sondern eher, wenn man so will, ein unbeschriebenes Blatt für die Union auch, der steckt noch nicht in so einer Schublade drin, der ist der Blockierer, das war ja auch ein Ruf, den Bärbel Bas in der Union weg hatte, der also auf keinen Fall irgendwas machen will.

Jetzt ist natürlich die Frage, ob er die Kurve kriegt. Nachdem er eben die rote Fahne, ich erwähnte, so hochgehängt hat, bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass er den Job als, neuer Minister dann auch eine Weile behalten will und nicht dafür ersorgen will, dass in wenigen Wochen schon die Koalition auseinanderfliegt, weil es da keine Einigung gibt in der Ente mit 360 beispielsweise.

Das spricht natürlich dafür, dass er ein bisschen geschmeidiger vielleicht ist als andere, weil er selbst ein Interesse daran hat, ein bisschen Minister zu bleiben. Heute hätte er schon fast seinen ersten Auftritt gehabt, weil Bärbel Baas war angemeldet für den Arbeitgebertag. Riesentreffen hier in Berlin, auch der Kanzler ist da und so. Eigentlich ein Schaulaufen der ganzen politischen Spitzen.

Da kommt er aber jetzt nicht hin. Warum? Nee, er muss ja natürlich erst zu Bundespräsidenten und erst mal ernannt werden offiziell. Sich die Urkunde abholen. Das war der Fünf-Minuten-Talk für heute. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hören uns morgen wieder, wenn ihr wollt. Ab 5 Uhr morgens gibt es eine neue Folge. Und schreibt uns gerne einen Kommentar oder auch eine E-Mail an 5mt-at-stern.de.

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