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5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 366

Wildbergers bemerkenswerter Steuer-Flop

Mittwoch, 14. Oktober 2026 · 5 min

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Shownotes

Karsten Wildberger war die große Überraschung im Kabinett von Friedrich Merz. Der Manager sollte als Seiteneinsteiger neue Energie in die Politik bringen. Zuweilen hat er ein wenig viel davon. Am Dienstag preschte er erst mit der Idee vor, Umsätze aus künstlicher Intelligenz mit einer Steuer zu belegen. Nur um wenig später zurückzurudern und zu betonen, es gehe ihm ja um Wachstum, nicht um neue Steuern.

Das war ein bemerkenswerter Fauxpas. Denn eigentlich läuft es für den CDU-Mann seit Monaten gut. In der Partei wird er zunehmend populär. Das liegt auch an seinem Sound. Regelmäßig redet er das Land stark und wehrt sich gegen die Untergangsgesänge. Warum Wildberger im System Merz wichtig ist, das analysieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.

+++Anregungen, Wünsche, Kritik? Dann schreibt Veit Medick und Jan Rosenkranz eine Mail an 5mt@stern.de+++

+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz, Isa von Heyl und Lara Asmann+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Veit Medik. Und ich bin Jan Rosenkranz. Mir ist Carsten Wildberger aufgefallen. Unangenehm gestern, oder? Ja, genau. Eigentlich ja gar nicht so unangenehm in den letzten Monaten. Ja, aber gestern schon. Ja, gestern schon. Warum? Weil er erstmal ein ganz interessantes Interview gegeben hat im Tagesspiegel, wo er gesagt hat, also Moment mal, das mit der künstlichen Intelligenz, das ist ja ein so großer Faktor auch in der Wirtschaftskraft mittlerweile und künftig natürlich noch viel mehr.

Da müssen wir doch irgendwie ran. Das müssen wir besteuern. Klang ruhig war, müssen wir besteuern. Das ist natürlich auch Steuern, Moment. Aber er hatte eine Idee, wir müssen damit finanzieren mit den Einnahmen den Umbau unserer Arbeitswelt, weil, das ist nun mal die traurige Wahrheit, auf der anderen Seite fallen auch Arbeitsplätze weg, die künftig von KI übernommen wird.

Es gibt ja viele Branchen, die machen sich große Sorgen, bis hin zu Programmierern, die vor kurzem noch die riesigen Helden waren, die wir ewig brauchen werden. Egal, er sagte jedenfalls, damit müssen wir den Umbau finanzieren. Klang vernünftig, muss man ja sagen. Ja und dann ist er abends nochmal aufgetreten und zwar bei RTL.

Bei unseren Kollegen und da hat er gesagt, nee also er redet überhaupt gar nicht über Steuern, sondern man solle doch Wachstum generieren mit der künstlichen Intelligenz und da hätte auch Deutschland einen Nachholbedarf und da hätte auch Europa einen Nachholbedarf, stimmt auch alles. War nur irgendwie trotzdem so ein bisschen das Gegenteil dessen, was er im Tagesspiegel gesagt hat.

Richtig, da hatte offensichtlich jemand einen Anruf erhalten und zwar er selbst, möglicherweise ja sogar aus dem Kanzleramt oder aus der Fraktion. Jedenfalls von jemandem, der ihm gesagt hat, pass mal auf Carsten, eigentlich sind wir hier gerade dabei, das Wachstum in diesem Land zu stärken und nicht höhere Steuern noch einzuführen oder überhaupt neue Steuern uns auszudenken.

Da haben wir ja schon genug Ärger mit der Tabaksteuer, mit der Alkoholsteuer, mit der Zuckersteuer, die ganz neu eingeführt werden soll. Und wogegen ja gerade aus der Union sehr viel Protest generiert wird. So, und da habe ich mir doch gedacht, Mensch, das ist ja mal ein interessanter Patzer von Carsten Wildberger, weil eigentlich lief es doch ganz okay für ihn in den vergangenen Monaten. Also ist ja eine interessante Figur in diesem Kabinett.

Carsten Wildberger, Seiteneinsteiger, kommt aus der Wirtschaft, kannte Friedrich Merz so ein bisschen, aber war auch eine Empfehlung. Und das war ja so ein bisschen der Versuch, hey, gucken wir mal, ob jemand, der bisher noch nichts mit Politik zu tun hat, das vielleicht sogar mindestens so gut kann wie die Politiker selbst. Vielleicht bringt er irgendwie eine neue Idee mit, eine neue Art der Kommunikation, der Ansprache.

Und das lief eigentlich in den vergangenen Monaten besser, als man das erwarten konnte. Da hast du recht, die Kommunikation war gut kurzer Schwenk mal in Richtung inhaltliche. Ich habe jetzt persönlich noch nicht gemerkt, dass Deutschland maximal digitalisiert ist oder irre digitaler geworden ist, seit dieses Ministerium existiert.

Das ist aber natürlich ein bisschen gehässig, so schnell geht das alles nicht. Man sagt ihm wirklich nach, er mache dort gute Arbeit, bemühe sich dabei auch Gesetze zu identifizieren oder Vorhaben, die, sagen wir mal, entbürokratisierenden Charakter haben, in der Verwaltung zunächst mal. Das ist für uns als Bürger oft noch nicht sofort spürbar. Ja und ich meine das Stichwort Entbürokratisierung, das ist ja ein großes Stichwort in dieser Koalition und er war zum Beispiel bei der letzten Kabinettsklausur, war er einer der Keynote Speaker, wenn du so willst.

Da hat er seine Agenda vorgetragen, geht ja auch um Milliardeneinsparungen, also sozusagen er tut was für den Haushalt, er tut was für die Digitalisierung und für Wachstum. Er ist eigentlich so eine Art Schattenwirtschaftsminister, so würde ich mal sagen. Katharina Reiche ja nicht so ganz populär und auch nicht so wahnsinnig erfolgreich.

Die Rolle hat er tatsächlich teilweise sogar streitig gemacht, indem er auch ein bisschen die wirtschaftliche Lage erklärt hat, in der Deutschland sich gerade befindet und zum Teil natürlich auch ein bisschen mehr Optimismus verbreitet hat, als es der Wirtschaftsministerin selbst gelungen ist, unter anderem durch, sagen wir mal so, Erzählungen, die von Friedrich Merz kannte, dieses Land ist doch gar nicht so schlecht, der Staat ist auch übrigens gar nicht so schlecht, wie wir alle manchmal tun, also interessant, das Wording sogar zum Teil des Bundeskanzlers übernommen, dürfte ihm auch gefallen haben.

Ja, ich bin mir nicht ganz sicher, weil das hat der Carsten Wildberger in den vergangenen Wochen immer mal wieder so in internen Gremien angetestet, diesen Sound, also im CDU-Bundesvorstand beispielsweise, in der Fraktionssitzung, also es vergeht kaum ein Treffen, wo Carsten Wildberger nicht über Deutschland schwärmt und sagt, also man muss jetzt doch eigentlich nur diese in uns steckende Kraft noch ein bisschen mehr entfesseln, dann wäre da alles wieder gut, so ungefähr.

Das ist ein Sound, den auch Merz anstimmt. Das Problem ist nur, bei Carsten Wildberger hören die Christdemokraten zu und klatschen auch, weil sie es noch wahrnehmen, wenn Friedrich Merz dasselbe sagt, gucken alle weg. Das ist natürlich ein bisschen traurig, der Befund. Aber das ist natürlich typisch, weil Carsten Wildberger kommt aus der Wirtschaft.

In der Wirtschaft ist es relativ üblich, nicht erstmal alles schlecht zu reden, sondern natürlich muss ein Manager irgendwie diese Aufbruchstimmung ständig erzeugen. Ein Gefühl von, es geht los, es geht voran und ich bin übrigens der, der weiß, in welche Richtung der richtige Weg ist. Und das wäre Friedrich Merz gerne, aber er reißt eben immer alles, was er gerade irgendwie aufgebaut hat, mit den Händen mühsam, mit dem Hintern wieder ein. Ja, jetzt hat Carsten Wildberger aber mal von Friedrich Merz gelernt. Die KI-Steuer, das war ein Flop.

Das war der 5-Minuten-Talk für heute. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir sind morgen wieder da, wie immer montags bis freitags um 5 Uhr morgens. Und schreibt uns gerne einen Kommentar hier auf der Plattform oder schreibt uns mal eine Mail.

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