
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 367
Spielt Schwesig mit dem Koalitionsbruch?
Donnerstag, 15. Oktober 2026 · 5 min
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Shownotes
Als „unmenschlich“ bezeichnete Manuela Schwesig die Kritik aus der Union an Bärbel Bas – seitdem ist in der Union aber was los. Fassungslosigkeit macht sich breit über die Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern. Mancher Christdemokrat fühlt sich in der Ehre verletzt. Unmenschlich? Wir? So fragen sie.
In der Kanzlerpartei sieht man hinter Schwesigs Agieren einen Plan. Sie ziele darauf, die Koalition zu Fall zu bringen und als Kanzlerkandidatin die SPD in den nächsten Wahlkampf zu führen, heißt es. Auch Friedrich Merz selbst scheint der Meinung zu sein, dass der Kurs der Sozialdemokraten mittlerweile von ihr vorgegeben werde und nicht mehr von Lars Klingbeil. Ist da was dran? Oder ist das blanke Panik? Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz analysieren die heikle Rolle der Manuela Schwesig.
+++Anregungen, Wünsche, Kritik? Dann schreibt Veit Medick und Jan Rosenkranz eine Mail an 5mt@stern.de+++
+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz, Isa von Heyl und Lara Asmann+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Veit Medeck. Ich bin Jan Rosenkranz. Ich habe mit so ein paar Leuten in der Union geredet, Jan. Und soll ich dir mal sagen, da gibt es eine neue Hassfigur. Ich glaube, so weit kann man fast gehen. Und zwar ist das Manuela Schwesig. Ja, und du bist jetzt ganz Feuer und Flamme, ne?
Naja, ich muss schon sagen, also der Vorwurf ist ja, dass Manuela Schwesig nicht nur im Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern irgendwie einen heißen Reifen gefahren ist und Tram-Wahlkampf gegen die Bundesregierung geführt hat. Sondern dass sie jetzt auch den Rücktritt von Bärbel Baas nutzt, um öffentlich in einer Art und Weise gegen die CDU, also den Regierungspartner in Berlin zu koffern, dass man so den Eindruck bekommt, sie glaubt, das seien alles Tiere, die auf Bärbel Baas losgelassen.
Ja, das ist ungefähr die Sicht in der Union. Da muss ich ganz ehrlich mal sagen, da haben einige aber wirklich irgendwie ein Rad ab. Das muss man so klar sagen. Das muss man erklären jetzt. Ja, pass auf. Also natürlich hat man, Also Manuela Schwesig wird gerade eine ziemliche Schlüsselrolle in dieser ganzen Bars-Affäre, wenn man es mal so will, zugesprochen.
Die Union regt sich tierisch auf darüber, dass sie selbst morgens nach dem Rücktritt am Montagmorgen unmittelbar danach einen Tweet abgesetzt hat mit Solidarität, mit Bärbel Bars und Trauer und so weiter. Aber dann eben auch die beiden Worte, die Angriffe, die Attacken aus der Union gegen Bärbel Bars waren unmenschlich, war zum Beispiel das Wort, was darin vorkam. Das ist drüber, klar und rücksichtslos.
Auch, ja, die Union, wie gesagt, ja, sie wusste zum Teil eben nichts davon aus seinem Wahn, die Vorwürfe ließen sich nicht belegen, wo die Union jetzt wirklich so hart gegen Frau Baas vorgegangen sei. Und ich finde, mal unabhängig davon, ist das in keiner Weise so drüber, über dem, was beispielsweise Lars Klingbeil gesagt hat. Der sprach dann von unanständig und alle müssten mal in sich gehen und so könne es nicht weitergehen.
Also ich habe so ein bisschen den Eindruck, da wird eine Figur jetzt gerade aufgebaut, die eigentlich irgendwie so eine Hassfigur oder so eine neue, so eine Angstgegner. Ja, wobei ich finde die Rolle von Schwesig schon nicht unproblematisch, ganz ehrlich. Weil sie war es doch, die Bärbel Bars als allererste in die Enge getrieben hat in der Rentenpolitik. Indem sie im Wahlkampf immer gesagt hat, die Rente mit 63 muss bleiben.
Bärbel, das war ja so ein bisschen der Subtext, du darfst auf gar keinen Fall hier eine große Reform machen und so, das ist hier SPD pur. Und Bars stand auf der anderen Seite unter Druck vom Kanzler, der gesagt hat, also du musst aber jetzt die Rente mit 63 reformieren, weil das ist das Symbol für unsere Reformfähigkeit.
Nur dadurch ist Baas in so eine Zange geraten, die zusätzlich zu ihrer privaten Situation natürlich nochmal ganz schön schwer war. Und da hat Manuela Schwesig eine Verantwortung für die Krise von Bärbel Baas, ganz klar. Ja, dann hat aber diese Verantwortung ungefähr jeder Ministerpräsident, nicht nur der A-Seite, auch der B-Seite, nicht nur SPD, sondern auch CDU-Ministerpräsident, der gesagt hat, die Rente mit 63 müsse bleiben. Da gibt es einige, um nicht zu sagen, es gibt fast keine, die gesagt haben, das muss unbedingt weg.
Ja okay, aber das sind CDU-Ministerpräsidenten, die können ja Bärbel Baas herzlich egal gewesen sein. Das war die eigene Ministerpräsidentin in Schwerin, die nach Lage der Dinge auch gute Chancen hat, die SPD in den nächsten Bundestagswahlkampf zu führen. Also auf die muss man schon hören. Und ich glaube, dass das super unangenehm war für die Arbeitsministerin, die jetzt zurückgetreten ist. Bestimmt, aber man hatte ihr aber, das ist jetzt mein Wissensstand aus der SPD, durchaus auf Brücken gebaut und hat die ihr nämlich gesagt, der guten Bärbel Baas, pass auf.
Du musst nicht sagen, eins zu eins setzen wir das um. Sag einfach, wir setzen davon das um, aber lass dich nicht von Merz in diese eins zu eins Umsetzung treiben. Das ist eine Kommission, das ist kein politisches Ergebnis. Also da hast du auch selbst vielleicht eine Chance, noch was dran zu drehen. Das wusste Bärbel Baas vorher, bevor sogar der Kommissionsbericht öffentlich gemacht worden ist.
Also das ist eine Zwickmühle, in der sich sie da befand, aber wir wollten ja über Manuela Schwesig reden und da finde ich, das ist und bleibt wirklich großer Käse, dass man sie jetzt aufbaut als diejenige, die demnächst die Koalition sprengt, weil sie selbst dann als Kanzlerkandidatin den Kanzler stürzen will, als 14% SPD macht.
Ich glaube, ich finde, sie wirkt gerade so, als ob sie nicht aus dem Wahlkampfmodus rausfindet. Also alles geschenkt. Sie musste da gegen die Reformpolitik der Bundesregierung zu Felde ziehen. Sie hat gemerkt, dass sie mit so Alltagsthemen wie Pflege und Rente gut ankommt in Mecklenburg-Vorpommern, möglicherweise auch woanders in der Bundesrepublik.
Aber das war ja nun der Landtagswahlkampf da. Aber der Landtagswahlkampf ist jetzt vorbei. Sie kann jetzt auch in den konstruktiven Modus schalten. Diese Bundesregierung hängt am seidenen Faden. Und dass sie im Moment des Rückzugs von Bärbelbars einer absolut zentralen Ministerin der schwarz-roten Koalition in Berlin, an der sie nicht beteiligt ist, auch noch einen Sprengsatz auf dem Schreibtisch platziert, das finde ich schon ziemlich unverantwortlich.
Einen Sprengsatz in Form eines Tweets, nur um mal ganz kurz wieder die Maßstab zu rechts rufen. Okay, werden wir mal schauen, wie das ausgeht. Sie muss erstmal in Schwerin jetzt eine Koalitionsverhandlung über die Bühne kriegen und dabei dann auch zur neuen Ministerpräsidentin gewählt werden. Das war der 5-Minuten-Talk. Wenn er euch gefallen hat, schaltet morgen wieder ein. Wir sind immer da um 5 Uhr.