5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 368

Klingbeils interessanter Machtpoker

Freitag, 16. Oktober 2026 · 5 min

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Shownotes

„Ich klebe nicht an meinem Amt“: Mit diesem Satz überraschte Lars Klingbeil dieser Tage seine Partei. Er ließ damit offen, ob er sich auf dem Parteitag im Januar erneut um den Job des SPD-Vorsitzenden bewirbt. Die Wahl ist nötig, weil Bärbel Bas zurückgetreten ist. Gesucht wird eine Frau, die sie ersetzt. Und neben Klingbeil die Partei führt. Sofern er denn überhaupt noch will.

Schon, dass er seine Ambitionen offen lässt, ist bemerkenswert. Klingbeil gilt bei vielen Sozialdemokraten als Mann, der alle Macht an sich reißen will. Das hat auch damit zu tun, dass er nach der vergeigten Bundestagswahl nicht nur den Finanzministerjob für sich reklamierte, sondern auch den Titel des Vizekanzlers. Jetzt zeigt er sich demütig. Was hat der Niedersachse vor? Und was steckt hinter seiner Strategie? Darüber diskutieren die stern-Reporter Veit Medick und Florian Schillat.

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+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Florian Schillat und Isa von Heyl+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Veit Medik. Und mein Name ist Florian Schillert. Florian, SPD. Heute, deswegen haben wir dich mal eingeladen, weil irgendwie hat man das Gefühl, man muss unbedingt nochmal über die Sozialdemokraten reden. Die sind ja gar nicht so uninteressant, gerade weil sich da einiges tut.

Führung wird neu geordnet nach dem Rücktritt von Bärbel Baas. Und Lars Klingbeil hat ja schon gesagt, ich klebe nicht an meinem Job. So, also Parteitag im Januar. Findest du das klug, wie er das jetzt gerade so angeht, indem er signalisiert, nicht an seinem Job zu kleben? Es ist auf jeden Fall nicht unklug. Also ich glaube, er muss diese Form von Demut zeigen. Also er hat ja schon mal einen Alleingang hingelegt und ja, man kann auch sagen, erfolgreich.

Ja, er ist Vizekanzler geworden, genau, und Finanzminister. Aber dafür wurde er auch beim letzten Parteitag abgestraft und wenn er jetzt gesagt hätte, ich mache das jetzt hier alleine weiter und keine Widerrede, dann glaube ich, wäre ihm der Laden um die Ohren geflogen. Jetzt könnte man aber natürlich auch sagen, okay, indem er sagt, ich klebe nicht an meinem Job, signalisiert er eigentlich selbst nicht so richtig Bock auf diesen Job zu haben und sich regelrecht zu freuen, wenn jemand anders den Finger hebt.

Also es könnte auch sein, dass er natürlich damit jetzt überhaupt erst den Raum schafft, dass Leute sagen, hey, vielleicht wäre ich hier ein ganz guter SPD-Vorsitzender, Stichwort Hubertus Heil, Stichwort Alexander Schweitzer oder wer da sonst noch so auftaucht und sich für den Obersozialdemokraten hält.

Also so ganz unriskant ist das Manöver natürlich nicht. Da gebe ich dir recht und deswegen kann man das auch so von zwei Seiten betrachten. Also einerseits auf jeden Fall, das öffnet so ein bisschen das Feld, auch für Spekulationen, wer könnte denn? Und mal positiv gewendet, Lars Klingbeil gibt damit dann möglichen Kandidatinnen und Kandidaten auch die Gelegenheit, einmal ein bisschen nachzudenken, auch die Möglichkeit, die Hand zu heben.

Andererseits zieht er sich natürlich nicht freiwillig zurück, das hätte er ja jetzt sagen können. Er hätte auch sagen können, also die Bärbel ist nicht mehr da. Ich will übrigens auch nicht mehr, das hat er auch nicht gesagt. Ich glaube, es ist schon ein taktisches Manöver, um so ein bisschen sozusagen neue Sympathien zu kultivieren.

Also um zu signalisieren, hey, wenn ihr jemand anders wollt. Müsst ihr das sagen und nicht als jemand zu wirken, der einfach auf Teufel komm raus an der Macht bleiben will. Absolut, ja. Und daran liegt auch so ein bisschen das Dilemma beziehungsweise die Schwäche von Lars Klingbeil. Er muss jetzt darauf hoffen, dass er eine Partnerin für den Parteivorsitz findet.

Ist ja immer noch eine Doppelspitze, an der will er auch festhalten. Klammer auf, der Parteitag kann auch theoretisch entschließen, wir wollen das mit einer Solospitze machen, Klammer zu. Oder er muss darauf hoffen, dass niemand ein Interesse an dem Job hat. Klammer auf, an seinem Job hat, Klammer zu. Ja, jetzt ist es so, dass man natürlich sagen würde, so lange müsste man doch eigentlich nach einer Frau gar nicht suchen. Das kann doch eigentlich nur Manuela Schwesig sein.

Ich meine, sie hat da den Wahlkampf einigermaßen gut bestritten in Mecklenburg-Vorpommern, fast sogar auf Platz 1 gelandet. Sie ist gerade eine der lautesten, prominentesten Figuren in der SPD. Was spricht denn eigentlich dagegen? Und einerseits fragen sich zumindest manche, was sich programmatisch ändern würde, wenn Manuela Schwesig jetzt auf Lars Klingbeil folgen würde.

Und andererseits ist es natürlich auch so, sie ist die große Kanzlerkritikerin. Sie hat, sag ich mal, sehr engagiert an diesem Ruf gearbeitet und das würde die Koalitionsarbeit auf jeden Fall erschweren. Ja, es ist auch definitiv so, dass in der Partei ihr Name genannt wird, wenn es darum geht, wer könnte auf Lars Klingbeil folgen.

Und man geht auch davon aus, dass sie sich nicht in die Doppelspitze mit ihm begeben würde. Man hat jetzt an den letzten Doppelspitzen gesehen, das war eher unvorteilhaft für die weibliche Seite in diesem Konstrukt. Also Stichwort Saskia Esken, genau, absolut. Stichwort Saskia Esken. Nicht so gut geendet dann.

Und auch bei Bärbel Bas hat man gesehen, Und das ist in dieser Doppelspitzenkonstruktion angelegt, man vergleicht miteinander, es gibt einen stärkeren und einen schwächeren Part sozusagen. Jemand, der mehr im Vordergrund steht, jemand, der weniger im Vordergrund steht. Und jetzt bei Lars Klingbeil und Bärbel Baas war es halt so, dass Lars Klingbeil sich als Reformer feiern lassen konnte und Bärbel Baas stand so als Bremserin irgendwie ein bisschen da.

Obwohl sie, und das hört man aus der SPD auch, die sich so ein bisschen an die eigene Nase fassen, sie war eigentlich diejenige, die ursozialdemokratische Themen nach vorne gestellt hat. Also das schwingt da bei diesem bitteren Umstand, dass sie jetzt zurückgetreten ist, auch mit. Das heißt, dein Tipp ist, Schwesig würde es, wenn, dann auch nur alleine machen.

Das höre ich zumindest, dass das die realistischere Option wäre. Vielleicht lässt sie sich sogar auf eine Doppelspitze mit Lars Klingbeil ein, aber das dürfte eher unwahrscheinlicher sein. Oder sie macht es gar nicht, weil ich glaube, sie hat natürlich auch sehr davon profitiert, gar nicht mit der Bundes-SPD assoziiert zu werden.

Davon könnte einer profitieren, Lars Klingbeil. Das war der 5-Minuten-Talk. Wenn er euch gefallen hat, schaltet Montag wieder ein. Wir sind nämlich immer da von Montags bis Freitags um 5 Uhr morgens. Und wenn ihr uns schreiben wollt, dann könnt ihr gerne das hier auf der Plattform machen oder ihr klickt den kleinen Alarm oder schreibt uns eine Mail an 5mt.

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