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5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 375

Steinmeier-Nachfolge: Warum eigentlich nicht Hendrik Wüst?

Montag, 26. Oktober 2026 · 6 min

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Shownotes

In der Union geht ein Witz um. Mittlerweile sei es fast peinlich, nicht unter den Genannten zu sein, wenn es um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier geht. Der Grund: Neben CSU-Frau Ilse Aigner, die bislang als Favoritin galt, kursieren diverse andere Namen. Auch von Männern.

Für Friedrich Merz wird das langsam zum Problem. Er wollte eigentlich längst jemanden präsentieren, lässt die Koalition aber noch immer zappeln. Dass es nicht automatisch auf Aigner hinauslaufen muss, zeigte sich vor dem Wochenende, als die CDU streute, gern selbst einen Kandidaten stellen zu wollen. Wer das sein könnte, dazu hält sich der Kanzler bedeckt. Auch deshalb wird in der Partei wild drauflosspekuliert. Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz analysieren, wer als Überraschungskandidat infrage kommen könnte.

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+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz und Isa von Heyl+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Jan Rosenkranz. Und ich bin Veit Menig. Veit, es wird langsam eng für die Frage, wer soll eigentlich Bundespräsident werden? Nachfolger oder Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier. Am 30. Januar tritt die Bundesversammlung zusammen und langsam müsste sich das Feld der Kandidaten irgendwie lichten oder verdichten zu einem, der es denn werden soll.

Und am Wochenende oder kurz vorm Wochenende hat die CDU interessanterweise jetzt ein kleines Bömmchen platzen lassen und gesagt, naja, wir könnten uns gut vorstellen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Jetzt natürlich die Frage, hast du eine Idee, wer könnte das sein, außer den üblichen Verdächtigen?

Also Irse Aigner ist es jedenfalls schon mal nicht, die ja immer noch als Favoritin eigentlich gehandelt wird, aber eben von der CSU ist. Das scheint der CDU nicht so richtig zu gefallen. Naja, also mir würden schon ein paar Leute einfallen, gibt ja so ein paar CDU-Politiker. Einer, an den ich jetzt in letzter Zeit häufiger gedacht habe, ist ausgerechnet Hendrik Wüst. Da frage ich mich so ein bisschen, warum eigentlich nicht er?

Ich frage mich ehrlich gesagt andersrum, warum ausgerechnet er? Der hat eine Wahl vor der Brust und zwar gar nicht allzu langer Zeit. Der muss das Bundesland Nordrhein-Westfalen für die CDU verteidigen. Ist der da überhaupt abkömmlich? Naja. Erinnere dich doch mal, wie Angela Merkel das seinerzeit mit Christian Wulff gemacht hat. 2010 war das.

Da hat auch kaum jemand mit gerechnet, dass sie einen aktiven Politiker, einen Ministerpräsidenten aus den eigenen Reihen zieht und zum Bundespräsidenten macht. Und das wäre ja so ein bisschen die Parallele. Mein Gefühl ist, dass Hendrik Wüst seine Chance, Kanzler zu werden, ja eigentlich hatte, als vor einigen Wochen es die Spekulationen darüber gab, ob nicht Friedrich Merz eigentlich ausgetauscht werden müsste.

Und wenn man so in die Union hineinhört, dann kriegt man ganz klar zurückgespielt, das war der Zeitpunkt, wo er den Finger hätte heben können, hat er nicht gemacht. Deswegen frage ich mich fast, hat er möglicherweise sogar ein Interesse daran, nach BW zu gehen? Das ist natürlich eine interessante These. Ich lese es tatsächlich total anders.

Ich würde denken, warum sollte Henrik Wüst jetzt als Bundeskanzler nach Berlin kommen, wo nichts zu gewinnen ist? Der kann auch warten, bis diese Koalition sich durchgemurkst hat bis zum Ende und dann als regulärer Kanzlerkandidat für die Partei antreten. Aber andere Frage ist natürlich viel wichtiger. War nicht ursprünglich mal versprochen worden, wir bekommen die erste Frau im Schloss Bellevue oder im Ersatzgebäude für Bellevue? Das wird ja modernisiert.

Ja, klar. Aber da würde ich auch sagen, Es kommt doch natürlich auch darauf an, was ist überhaupt das Jobprofil jetzt? Also es muss ja jemand sein, der irgendwie was Verbindendes hat. Es muss jemand sein, der sich so ein bisschen mit Politik auskennt, weil da kommen ja schwierige Zeiten möglicherweise auf uns alle zu, wenn die AfD mal mehr Regierungen stellt in diesem Land, möglicherweise sogar mal in Richtung der Bundesregierung kommt.

Und da sollte man schon verfassungsfest sein und sich ungefähr auskennen, wie man mit solchen Situationen umgeht. Und da würde ich sagen, da wäre doch jemand wie Wüst geradezu prädestiniert. Ich war jetzt mit ihm kürzlich in der Türkei und als ich ihm dazugehört habe, habe ich gedacht, Mensch, das wäre doch einer, der könnte das.

Der hat so einen verbindenden Sound, der strahlt so ein Urvertrauen irgendwie auch aus, polarisiert überhaupt nicht, achtet sehr auf seine Sprache und so. Also da habe ich mir gedacht, der würde möglicherweise besser in dieses Amt passen, als in das des Bundeskanzlers. Also ich will ja dir ungerne Recht geben, aber womit du natürlich tatsächlich einen Punkt hast, das ist, die Grünen würden eventuell sogar mitstimmen, mit denen regiert Henrik Wüste Nordrhein-Westfalen ja sogar, dann außerdem hat die SPD vielleicht gar kein Problem damit, weil das wäre ja...

Echt harter Konkurrent im Falle eines regulären Bundestagswahlkampfes für einen SPD-Kandidaten oder eine SPD-Kandidatin. Wenn man den also vorher mal nach Schloss Bellevue abserviert, sage ich mal, vorsichtig, das ist ja ein Top-Job natürlich, den wir uns dazu vergeben gibt, dann wäre das natürlich gar nicht so schlecht aus SPD-Sicht.

Und ich habe noch ein Argument. Friedrich Merz, der ja schon so manche Personalpuzzle versemmelt hat, das muss man ja mal sagen. Erinnere dich mal an Annegret Kramp-Karrenbauer und die Frage, ob sie oder eigentlich sein Kandidat Günther Krings Vorsitzender der Adenauer Stiftung wird. Auch der Kabinettsumbau war auch schwierig und so.

Wenn er jetzt der Meinung ist, es soll ein CDU-Kandidat sein statt Ilse Aigner, die ja von vielen, auch von der SPD, favorisiert wird, dann kann er ja nicht mit einem zweit- oder drittklassigen CDU-Politiker um die Ecke kommen, sondern dann muss es ein Schwergewicht sein. Nur so wäre ja überhaupt erklärbar, dass man Ilse Aigner nicht nimmt und sie sozusagen, dass der Kelch an ihr für rüber geht und man sich auf einen CDU-Politiker einlässt.

Das kann also kein zweit- oder drittklassiger Christdemokrat sein. Naja, da gibt es ja schon noch ein paar mehr, die ich nicht sofort als zweit- oder drittklassig benennen würde. Aber das eigentliche Problem hast du schon angesprochen. Friedrich Merz kann nicht schon wieder eine Personalie versemmeln.

Er ist aber auf bestem Weg dahin. Denn ehrlich gesagt, die Zeit wird doch langsam knapp. Oder kannst du dir vorstellen, dass man diese Frage, wer es werden soll, noch lange auf die Bank schieben kann? Theoretisch kannst du damit natürlich noch ein paar Wochen warten. Aber je länger das dauert, desto mehr beschädigt es alle.

Das war der 5-Minuten-Talk für heute. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir sind wie immer montags bis freitags ob 5 Uhr morgens mit einer neuen Folge hier zu hören. Und schreibt uns mal, was ihr über diesen Talk denkt. Gerne hier auf den Plattformen oder auch als E-Mail an 5mt-at-stern.de.

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