
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 372
Warum Markus Söder nicht die Lösung ist
Donnerstag, 22. Oktober 2026 · 6 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Markus Söder hat gerade die Münchner Medientage eröffnet. Er war selbst mal Journalist, hat also ein gewisses Faible für Menschen, die etwas mit Medien machen. Der CSU-Chef ist schlagfertig und spricht häufig in Schlagzeilen. Auch deshalb glauben viele, er wäre womöglich der bessere Kanzler als Friedrich Merz. Der hat ja bekanntlich so seine Schwierigkeiten mit der Kommunikation.
Söder selbst würde den Teufel tun, allzu sehr für sich zu werben. Er kennt die Widerstände gegen ihn in der CDU. Allenfalls dann, wenn Schwarz-Rot im Vollchaos landen würden, hätte er wohl eine Chance. Aber wäre er überhaupt ein besserer Kanzler als Merz? Darüber streiten die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.
+++Anregungen, Wünsche, Kritik? Dann schreibt Veit Medick und Jan Rosenkranz eine Mail an 5mt@stern.de+++
+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz, Isa von Heyl und Lara Asmann+++
Dieser Podcast wird vermarktet von Julep Media: sales@julep.de
Wir verarbeiten im Zusammenhang mit dem Angebot unserer Podcasts Daten. Wenn Sie der automatischen Übermittlung der Daten widersprechen wollen, melden Sie sich hier: datenschutz@julep.de
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Wir fangen einfach mal an. Fünf-Minuten-Talk. Wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Veit Medik. Und ich bin Jan Rosenkranz. Und ein Hinweis gleich mal an unsere Hörerinnen und Hörer. Lasst euch bitte nicht von der Geräuschkulisse irritieren im Hintergrund. Wir sind nämlich heute ausnahmsweise mal nach München gefahren zu den Münchner Medientagen.
Und da sind wir ehrlich gesagt gleich beim Thema. Ich finde ja persönlich, man kann nicht nach München fahren, ohne über Markus Söder zu reden und die Frage, ob er nicht der bessere Bundeskanzler wäre, Jan. Ja, das ist eine sehr gute Frage und ich würde sie so beantworten, Veit, selbst du wärst der bessere Bundeskanzler als Friedrich Merz.
Das liegt jetzt weniger daran, dass ich so großes Vertrauen in deine Kunst hätte als Politiker, als daran, dass einfach dessen Werte, also die von Friedrich Merz, so dermaßen im Keller sind, dass jeder Wechsel von allen Menschen, glaube ich, momentan als Befreiung empfunden würde, und von daher, glaube ich, wäre da irgendwie, könntest du das auch sein.
Problem, die Grundkonflikte in dieser Koalition der Schwarz-Roten wären genau dieselben, die sie bisher auch schon sind. Also zum Beispiel beim Rentenstreit oder zum Beispiel bei den Verbrauchssteuern. Nichts würde sich ändern. Da bin ich mir nicht sicher mit Markus Söder, ehrlich gesagt. Ich glaube, dass jeder Personalwechsel gerade irgendwie eine Art von Neuanfang, Aufbruch verkörpern würde. Ziemlich egal, wer das wäre, sogar mit Markus Söder.
Er hat auch sogar eine gewisse Form von Glaubwürdigkeit in manchen politischen Themen, natürlich nicht in allen, klar. Und er hat Regierungserfahrung. Eine Sache, die ihn schon sehr stark unterscheidet, finde ich, von Friedrich Merz. Also bin mir gar nicht so sicher, ob es nicht doch eine Art von Neustart für diese Koalition sein könnte, wenn Markus Söder doch Bundeskanzler würde.
Ja, und du würdest jetzt wahrscheinlich sogar noch sagen können, er kann auch ganz toll moderieren. Absolut. Kann er nämlich genau nicht, denn das ist das entscheidende Problem bei Markus Höhler. Der kann sicherlich regieren, hat sehr lange Erfahrung, immer von der Spitze, immer in einer Koalition, die mehr oder weniger problemlos zu führen war in München.
Also in Berlin in so einer schwierigen Konstellation miteinander klar zu kommen, das würde auch ihm nicht so leicht fallen. Und dieses Moderierende zu entdecken für sich, das würde ihm, glaube ich, super schwer fallen. Da müsste er sich regelrecht komplett neu erfinden und möchte ihm nicht zu nahe treten. Aber der wird im nächsten Jahr, Anfang des nächsten Jahres auch schon 60. Da erfindet man sich nicht völlig neu.
Ja, aber ich glaube, in diesen Zeiten braucht man vielleicht auch Politiker mit so einer gewissen Grundlautstärke. Weil ich glaube, viele Menschen haben ja auch Probleme, überhaupt Politikern noch zuzuhören. Markus Söder hat diese Lautstärke, er hat auch ein gewisses Maß an Populismus und kann ja schon die Frage stellen, ob es nicht auch eine Form des Populismus aus der politischen Mitte heraus braucht, um mit der AfD umzugehen, um mit anderen extremistischen Parteien und Politikstilen umzugehen.
Und erinnere dich an seine Auftritte zum Beispiel nach den... Koalitionsausschüssen mit Friedrich Merz, er kann schon kommunizieren. Und wenn wir doch seit Monaten diagnostizieren, dass Friedrich Merz eben ein großes Defizit hat, nämlich die Kommunikation, wäre das doch jedenfalls was, was unter Markus Hüder besser wäre.
Er spricht in Schlagzeilen. Absolut, das kann man ihm nicht vorwerfen. Da ist ein gelernter Journalist ja auch. Das weiß er, wie das funktioniert. Allerdings muss man sagen, dieser Hang zum Populismus, der dann manchmal auch durchkommt, der steht ihm dann wieder ein bisschen im Weg. Da gibt es ja schon ein Original, was manche Leute dann lieber wählen. Also da kann man es auch nicht übertreiben.
Es gibt jetzt nicht zu wenig Populismus in der Welt. Und da würde ich sagen, das Problem ist bei Markus Löder eher, die Botschaften kann er ersetzen, aber er lässt sich dann häufig davontragen von den Botschaften, von Stimmungen auch. Ich erinnere dich nur mal an den Umgang mit den Grünen zum Beispiel.
Da war er eben noch der große Baumumarmer, der unbedingt auch mit den Grünen zusammen was machen wollte. Danach, wenige Monate, vielleicht ein, zwei Jahre später, war er plötzlich auf der Seite, dass die Grünen diesen Untergang der Demokratie bedeuten würden. Also ich will jetzt ja auch nicht den Söder-Ultra spielen, aber ich glaube schon, das sind auch Politiker heutzutage mit so einer bestimmten Bindekraft.
Davon gibt es ja gar nicht mehr so wahnsinnig viele. Also Friedrich Merz ist es jedenfalls nicht. Und besonders braucht es Bindekraft, wenn man mit Parteien zu tun hat, die gerade in Unordnung sind. Die CDU in ziemlich großer Unordnung, strategisch, programmatisch, inhaltlich. Markus Söder schafft es zumindest in Bayern noch, seine Partei bei 36, 37 Prozent relativ stabil zu halten. Es ist ja in diesen Zeiten, finde ich, erstmal eine Leistung. Er schafft das vor allem übers Performative, übers Rhetorische und den Stil.
Und da ist er, finde ich, schon eine Klasse für sich. Und Stichwort Bindekraft könnte er auch vielleicht in der Koalition entfalten, besser als Friedrich Merz, weil seine CSU trägt ja das Soziale im Namen. Also könnte er so eine Art Scharnier zwischen CDU und SPD sein. Zugegeben, das ist alles sozusagen ein sehr optimistischer Blick, aber ich glaube...
Manchmal wird er doch unterschätzt. Sitzt du jetzt hier eigentlich noch als Journalist vom Stern oder bist du jetzt schon Regierungssprecher? Ich bin bald wieder auf dem Weg nach Berlin. Okay, ich wollte es nur wissen, weil ehrlich gesagt, ich will jetzt nicht das Angstnarrativ der Union verbreiten, die ja seit einiger Zeit die Geschichte erzählen, die SPD, sorry, mit Manuela Schwesig, demnächst vielleicht sogar an der Spitze, die will nichts anderes als raus aus dieser schwarz-roten Koalition, um alleine weiterzumachen oder Neuwahlen herbeizuführen, vielmehr.
Das glaube ich nicht, dass das der Fall sein wird. Aber, hey, to break it to you, aber auch ein Markus Söder müsste im Bundestag erst mal gewählt werden als Kanzler. Zwölf Stimmen hat die schwarz-rote Koalition da nur eine Mehrheit. Also ich glaube, das wird auch für ihn sauknapp. Ja, gut, aber ein Risiko hat Markus Söder ehrlich gesagt noch nie gescheut. Und zu verlieren hat er ehrlich gesagt auch nichts. Er ist 59, fast 60 am Ende seiner Laufbahn.
Also, was soll schon schief gehen? Das war der 5-Minuten-Talk heute von den Münchner Medientagen. Wir freuen uns, wenn ihr einschaltet wieder. Wir sind immer montags bis freitags ab 5 Uhr mit einer neuen Folge überall da, wo es Podcasts gibt, zu hören. Und schreibt uns gerne einen Kommentar auf der Plattform bei Spotify oder Apple oder schreibt uns eine Mail an 5mt-at-stern.de.