
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 371
Mega-Leak: Was auf die AfD zukommen könnte
Mittwoch, 21. Oktober 2026 · 5 min
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Shownotes
Es ist ein gigantischer Hack: Mutmaßliche Netzaktivisten haben hunderttausende E‑Mails von AfD-Politikern entwendet und die Dateien zum Download angeboten. Die Kommunikation sei lange her – so spielt die Parteispitze die Angelegenheit herunter. Dabei finden sich auch E‑Mails aus diesem Jahr in den Dateien.
Tatsächlich ist der Diebstahl ein mittelschwerer Gau für die Partei. Mitten in einer Phase, in der sie darauf setzt, dass die Deutschen sich mit ihr arrangieren, könnte jetzt viel aufgewirbelt werden: Schmutzgeschichten, Machtkämpfe, Vorwürfe gegen einzelne AfD-Politiker, womöglich auch verfassungsfeindliches Gehabe. Was hinter dem Leak stecken könnte – und was die AfD fürchten muss: Darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.
+++Anregungen, Wünsche, Kritik? Dann schreibt Veit Medick und Jan Rosenkranz eine Mail an 5mt@stern.de+++
+++Redaktion und Produktion: Veit Medick, Jan Rosenkranz, Isa von Heyl und Lara Asmann+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Jan Rosenkranz. Und ich bin Veit Medik. Die AfD ist offensichtlich Opfer eines Hackerangriffs geworden. Insgesamt 421.000 interne Mails sind da gestohlen worden. Es geht auch um Mitgliederdaten und Informationen und Tagesordnungen und Mitgliederlisten und so weiter.
Und diese Daten sind nicht nur gehackt worden, nein, sie sind im Internet auf einem Download-Server hinterlegt worden. Das ist ja ein tolles Ding, oder Veit? Absolut. Ich finde es tatsächlich sehr interessant, auch wie die AfD darauf reagiert. Also sie hat dann relativ schnell gesagt, Moment mal, also wir haben das hier jetzt mal nachvollzogen und das ist schon so, dass uns da Kommunikation geklaut worden ist und gehackt worden ist.
Aber das liege alles weit zurück, Jahre zurück und betreffe auch nur einen kleinen Teil von allenfalls zehn Postfächern und der aktuelle Bundesvorstand sei auch nicht betroffen. Also bottom line der Botschaft der AfD ist, es gibt hier gar nichts zu sehen. Legt euch alle wieder hin. Das ist natürlich interessant, weil es gibt die ersten Hinweise von Leuten, die in die Daten schon mal reingeschaut haben und die sagen, es sind durchaus auch Vorstandsmitglieder betroffen und es sind auch aktuelle Mails aus dem Sommer 2026 darunter.
Stellt sich die Frage, wer war das überhaupt? Das ist bisher nicht bekannt. Politisch-aktivistische Hackergruppen kommen natürlich in Frage. Möglich aber natürlich auch, dass es ein Inside-Job ist, also irgendwer die Daten intern geklaut hat. Normalerweise denkt man natürlich immer gleich an Russland. In dem Fall natürlich dann eher nicht, weil es steht ja zu erwarten, dass das eine Kraft ist, die der AfD mutmaßlich eher nicht nutzen will, sondern natürlich schaden will.
Und da kommt Russland eher nicht in Frage. Klar, könnte ein Inside-Job sein, könnte ein aus dem Sicherheitsbereich irgendwie was sein. Es gibt noch keinen so richtigen Hinweis. Und ich glaube, gefährlicher für die AfD ist natürlich auch die Frage, was steht da drin und was könnte das auslösen? Absolut, das ist die interessanteste Frage dabei und vor allen Dingen für wen könnte es jetzt richtig peinlich werden?
Wer fliegt da in den nächsten Stunden möglicherweise sogar auf? Wer hat sich da zum Beispiel intensiver mit der AfD befasst und intensiver mit ihr kooperiert, sich ihr angedient als Unterstützer oder vielleicht sogar gespendet? Denn auch Finanzdaten sollen in diesen gehackten Unterlagen dabei sein. Wer ist da also Spender gewesen? Und das ist natürlich interessant.
Und vor allen Dingen eben auch, wie sprechen die Leute miteinander? Wie kommunizieren die eigentlich, wenn sie glauben, unter sich zu sein? Ist ja auch immer wieder interessant. Absolut. Und was ich interessant finde, ist, dass offensichtlich auch E-Mail-Postfächer des AfD-Bundesschiedsgerichts betroffen sein sollen und des Landesschiedsgerichts in Nordrhein-Westfalen.
Und das sind natürlich nicht ganz triviale Postfächer, weil da sammeln sich natürlich alle problematischen Vorfälle, auch solche, wo es um Parteiausschluss geht, um Parteiordnungsverfahren, um Rügen, also um die Problemfälle der AfD. Um kompromittierendes Material möglicherweise, um möglicherweise auch verfassungsfeindliches Verhalten.
Also da ist die Rede in manchen E-Mails, die da schon mal vorsortiert worden sind von den Hackern, da ist die Rede auch von den Hackern, dass da Hakenkreuzfahnen an Wahlkampfständen verkauft worden sind und so. Also da wird sicher einiges aufpoppen, wo möglicherweise auch Sicherheitsbehörden Interesse für haben.
Da sagst du schon, Sicherheitsbehörden ist das Stichwort. Welche Auswirkungen hat das möglicherweise auch auf die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren? Das ist jetzt auch eine interessante Frage. Denn natürlich muss man vorweg sagen, ob sich diese Mails und diese Unterlagen im Zweifel vor Gericht verwerten lassen.
Das ist mindestens fraglich. Jedenfalls ist das nicht eindeutig zu beantworten, denn die sind ja erstmal nicht auf legalem Weg an die Öffentlichkeit gelangt. Aber sie sind natürlich ein Hinweis darauf, wie intern kommuniziert wird, was man da eventuell plant. Das ist ja auch die Rede von Strategiepapieren, die sich in den Unterlagen dort finden sollen.
Da kann man natürlich irgendwie schon vielleicht daraus ablesen, was plant diese Partei also wirklich? Was ist ihr unmittelbares Vorhaben? Und naja, wie verfassungsfeindlich erscheint sie denn eigentlich, wenn man untereinander vermeintlich diskret miteinander kommuniziert? Also alles lange her, alles nicht so wichtig. Diese Darstellung der AfD, das wird sich noch zeigen, ob das so zutreffend ist.
Sicher ist jedenfalls, dass eine ganze Herrscher an Journalisten sich jetzt schon an das Material macht und dabei ist, alle E-Mails und Daten auszuwerten. Übrigens auch RTL und Stern. Wir sind natürlich auch dabei. Unser Kollege Martin Debes beispielsweise hat da ein Auge drauf und wir werden euch weiter auf dem Laufenden halten und schaut auch gerne mal auf unserer Website vorbei www.stern.de.