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Shownotes
Im Notfall: 112. Die Nummer gilt heute in ganz Europa. Wie und warum eine Familie aus Deutschland das angestoßen habt, erfahrt ihr in dieser Folge.
Guckt euch gerne die Björn Steiger Stiftung (steiger-stiftung.de) noch mal genauer an und vielleicht habt ihr Lust nach dieser Folge noch die Geschichte der Reanimationspuppe (open.spotify.com/episode/2A8v6p8Cew74myzQ2Eeej…) zu hören, die des Apgar-Schemas (open.spotify.com/episode/1umzazjPYkwdwsoj60qM8…)für Neugeborene oder der heutigen Blutdruck-Messmethode (open.spotify.com/episode/4PXmiE99jzUTNuX9wljQW…).
“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links, die gerade wichtig sind.
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Schönen Science-Samstag. Es gibt was zu feiern, können wir jetzt, glaube ich, mal so sagen. Ich habe ganz viel Erleichterung zu feiern, denn wir können euch endlich was erzählen, was wir hier bis jetzt so ein bisschen geheim gehalten haben. Ja, irgendwie sind wir sehr geheimniskrämerisch unterwegs gewesen zuletzt.
Also das Geheimnis mit Baby wurde ja schon gelüftet, aber du hast auch die ganze Zeit ein Geheimnis mit dir rumgetragen quasi. Also ich wusste es natürlich. Sorry, Leute, manchmal habe ich hier einen kleinen Hochsprung. Wir erzählen ja hier schon viel, aber das wusste ich. Ja, und ich weiß nicht, du willst einfach mal selber erzählen.
Wir können das jetzt endlich verraten. Wir können das jetzt verraten. Ich habe noch mal was Neues ausprobiert. Also ich habe einfach noch mal was Neues gelernt, worauf ich Lust hatte. Und habe das aber so ein bisschen für mich behalten, weil ich tatsächlich auch einfach bis zum Ende ... Ja aufgeregt war, ob das alles klappen wird. Also, ich sag es einfach mal.
Klassisches Imposter-Syndrom. Ja, genau. Du wusstest natürlich auch die ganze Zeit, dass es klappen wird. Natürlich. Wir haben Mathe zusammen gemacht. Also, wenn das nicht klappt. Das stimmt. Aber ich fand es schon sehr aufregend. Also, ich habe einfach nochmal eine kleine Ausbildung gemacht. Und zwar eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin. Das ist so cool.
Und das geht drei Monate, aber das waren für mich sehr aufregende, intensive Monate und mit staatlicher Prüfung am Ende und so. Und die war jetzt diese Woche, deswegen traue ich mich, das jetzt mit euch zu teilen. Ja, also kam mir auf jeden Fall auch länger vor als drei Monate. Vielleicht auch, weil so früh jetzt dann schon du es mir erzählt hast und wir so überlegt haben, wir machen jetzt einen Podcast und so. Wir haben ja auch hier schon erzählt, wir sehen uns relativ wenig privat und haben relativ wenig Zeit so privat miteinander.
Das ist einer der Gründe. Das ist einer der Gründe. Das ist schon sehr intensiv jetzt gewesen, die Zeit, oder? Ja, also ich kann mal kurz sagen, man hat dann ja nicht nur Schule und lernt Dinge theoretisch, sondern du hast auch einen großen praktischen Teil. Und dann war ich halt in der Notaufnahme in der Uniklinik hier in Köln und habe so zwölf-Stunden-Schichten mitgemacht, richtig im Rettungswagen.
Und das kennen wir beide aus unserem selbstständigen Leben ja gar nicht so, dass man mal so zwölf Stunden am Stück mit so ganz festen Arbeitszeiten nur eine Sache macht. Und dann natürlich auch so wirklich die ganze Zeit von Notfällen umgeben ist und so immer in so einem Alarmmodus unterwegs ist. Da, genau, sind die Gedanken dann irgendwie eher ganz woanders.
Ja, ich finde es auf jeden Fall richtig toll, dass du es gemacht hast, weil auch wenn man sich unter Journalismus, also das ist ja der Beruf, den wir uns ausgesucht haben, vorstellt, dass man häufiger irgendwie auch mal unterwegs ist. Um ehrlich zu sein, ist es auch teilweise echt ein Schreibtischjob, ne?
Ja. Also wir sitzen echt viel auch einfach am Computer, am Laptop. Sorry für alle, denen jetzt die romantische Vorstellung genommen wurde. Und das war ja nochmal sowas ganz anderes. Ja, ich glaube, wir sind beide damit gestartet, dass wir Journalismus auch gemacht haben aus dem Grund. Stimmt, um so hinter die Kulissen zu schauen.
Ja, aber am Anfang war es ja auch so. Guck, ich war bei einer Lokalzeitung, du warst beim Radio, da ist man irgendwie noch am Anfang so ganz viel unterwegs gewesen. Da hat so Leute gesprochen in ihrem Leben. Und es, ja, stimmt, lässt dann so ein bisschen nach, wenn man auch so ein bisschen andere Rollen einfach übernimmt.
Aber das Gefühl hatte ich jetzt oft wieder. Also so dieses, der Pieper klingelt, du steigst in ein Auto, hast irgendwie ein Stichwort und dann kommst du da so zwei Stunden in ein Leben. Darfst da irgendwie reingucken, trist Menschen ja in so Momenten, wo sie total sensibel sind oder verletzlich sind, weil sie gerade deine Hilfe brauchen und das war schon sehr besonders. Glaube ich.
Ich muss jetzt alles erstmal noch so ein bisschen in mir sacken. Jetzt gucken wir mal, was dann daraus wird und was ich damit mache. Selbst wenn es einfach nur die Erfahrung war. Ja. Finde ich richtig toll, dass du es gemacht hast. Ey, ganz im Ernst, das letzte Mal Erste-Hilfe-Kurs war für einen Führerschein.
Oh ja, das ist schlimm, oder? Eigentlich müsste es eine Verpflichtung geben, alle zwei Jahre oder ... Jedes Jahr das einmal aufzufrischen. Ja, also vielleicht habe ich Lust, irgendwie solche Kurse zu geben oder so. Dann können wir uns alle mal verabreden. Sehr gut. Machen alle mal einen Erste-Hilfe-Kurs wieder zum Auffrischen.
Ja, das wäre auf jeden Fall nicht schlecht. Also besonders sowas wie mal, wie heißt das, Herzdruckmassage. Ja. Das nochmal zu wiederholen. Also ich war neulich im Museum, das ist jetzt auch schon wieder was länger her, in Köln in Körperwelten. Und da konnte man das nochmal an so einer Puppe üben. Und ich hatte das bisher nie an einer Puppe geübt.
Und das ist ja so anstrengend. Das ist anstrengend. Das ist richtig hart. Bei der Prüfung haben wir das 20 Minuten am Stück gemacht. Aber nicht alleine, oder? Nee, du wechselst dich dann ab. Ist auch wichtig, dass man sich abwechselt, weil man unterschätzt das total. Aber so die Kraft lässt auch schnell nach.
War diese Puppe verbunden mit so einem Computer? Ja, genau. Also man konnte dann gucken, ob man sie sozusagen wiederbekommen hätte. Ja, und wie tief und wie feste und so. Und ob du richtig entlastest. Ja, das hat man ja auch. Aber spannend war, wer natürlich hier unsere Folgen gehört hat, weiß das auch.
Zum Beispiel haben wir ja eine Folge mal darüber gemacht, warum diese Wiederbelebungspuppe, die heißt Anne, woher die ihr Gesicht hat. Und es gab auch noch andere Sachen, die mir so aus unseren Folgen dann bekannt waren. Zum Beispiel das EPCA-Schema, was man macht, wenn ein Kind... Ganz neu geboren wird, um so einzuschätzen, wie es ihm geht.
Das kennst du, hast du gebraucht bei deiner Geburt von deinem eigenen Kind. Ich habe es jetzt in diesen Kursen wiedergefunden, das war irgendwie cool. Oder auch diese Folge, die wir schon mal hatten zum Menschen, der die Methode zum Blutdruckmesser entwickelt hat. Also ja, die können wir euch schon mal alle noch verlinken. Ist hier wirklich auch lehrreich für uns.
Also wir lernen hier mit jeder Folge und jeder Recherche wieder mehr. Ja, richtig toll. Also ich habe dir meine Bewunderung schon oft ausgesprochen, aber ich finde es ganz toll, dass du es gemacht hast und bin ganz stolz auf dich und wir konnten uns auch nicht anstoßen, aber zumindest jubelndumm abend schon.
Drücken. Du warst eine mit der ersten, die ich auf jeden Fall direkt danach angerufen habe und die erste, die ich in real gedrückt habe danach. Das war richtig schön. Cool. Ja, super. Und jetzt fällt ein bisschen Anspannung ab und, Ja, wir haben es ja durchgezogen, wir haben es geschafft hier neben deiner Ausbildung und so weiter, die Folgen natürlich jeden Samstag hochzuladen, aber jetzt haben wir wieder ein bisschen mehr Zeit auf jeden Fall und wir haben uns heute eine Sache rausgesucht, eine Erfindung, die wir euch vorstellen möchten, die super passend ist für die Ausbildung, die du jetzt gemacht hast.
Für die ist eine ganz starke Motivation auch aus dem echten Leben sozusagen gab. Und zwar sprechen wir heute über die Familie Steiger und die Erfindung der Notrufnummer 112. Behind Science. Geschichten aus der Wissenschaft. Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider. Gab es denn eigentlich die Situation, dass du schon mal einen Notruf wählen musstest? Ja, gab es tatsächlich.
Zum Glück nichts ganz Schlimmes, aber schon eine krasse Geschichte auf jeden Fall. Ich habe da nämlich jetzt auch drüber nachgedacht. So musste ich schon mal Polizei auf jeden Fall. In dem Fall aber Polizei und Rettungswagen. Das war ganz krass. Um zwei Uhr morgens war das. Wir sind irgendwie von einer Party nach Hause gefahren mit einer Freundin und ich.
Und es ist mit dem Fahrrad, es hat geregnet und sie war sehr unsicher auf dem Fahrrad. Kein Alkohol im Spiel oder sonst was. Aber sie ist einfach nicht so eine sichere Fahrradfahrerin gewesen. Und dann war es auch noch glatt, ne? Ja, auf jeden Fall nass und dunkel und müde und wie auch immer. und diese Kombination hat dazu geführt, dass sie irgendwie so ein Burgerscheik übersehen hat und dann, es ist so krass, habe ich dir das noch nie erzählt, dann ist sie vom Fahrrad gefallen und normalerweise, weiß nicht, fällt mal vom Fahrrad, ich weiß immer noch nicht, wie es passiert ist, ich würde es so gerne mal auf Video sehen, ist sie vom Fahrrad gefallen und daneben, neben diesem Bordstein war eine Pizzeria mit so einer großen.
Mit so einer großen Scheibe einfach und dann ist sie volle Granate von dem Fahrrad durch diese Scheibe in die Pizzeria hier geflogen. Ach du Scheiße. Ja, das ist so krass und es ist auch, wenn man es jetzt so erzählt, es ist ja irgendwie auch ein bisschen, weil man weiß, es ist nichts passiert, ist es irgendwie auch ein bisschen lustig, weil sie saß dann wirklich in diesen Scherben in der Pizzeria.
Ach du meinst du. Ist da volle Kanne reingeflogen und wir waren natürlich so, ach du Schande, was machen wir denn jetzt? Und wir wart zu zweit. Genau, und am Anfang sah es so aus, als wäre nichts passiert und wir so, ja super, okay, müssen wir jetzt irgendwie die Polizei rufen, weil die müssen ja auch irgendwie die Scheibe hier wieder absichern und wir haben irgendwie, ne, hier ist was kaputt gegangen.
Und dann haben wir Polizei gerufen und dann kam die und dann haben wir dann gemerkt, dass sie doch arg geblutet hat, so an der Seite. Gar nichts Schlimmes, aber dann musste halt da dann auch doch noch der Krankenwagen gerufen werden und dann bin ich mit dem quasi mit ihr hinten drin auch ins Krankenhaus gefahren und dann musste das so ein bisschen geflickt werden.
Also das war eine richtig üble, Geschichte und auch so eine Verkettung sehr unglücklicher Ereignisse. Aber ja, das war, glaube ich, wenn ich mich richtig erinnere, zum Glück das einzige Mal. Das ist noch gut ausgegangen. Aber krass, ne? Das ist wirklich heftig. Sie saß wirklich so mitten in diesem Pizzalokal.
Heftig. Man denkt ja auch irgendwie, also wie viel Kraft muss sie gehabt haben oder wie viel Schwung. Oder was muss es für eine billige Scheibe gewesen sein vielleicht? Es war echt extrem. Und die Scheibe ist nicht in so ganz vielen kleinen, also schon auch viele kleine Scherben, aber da hingen so richtige Scheiben, so riesen Scheibensplitter.
Also so ein Meter große Scheibensplitter so von hingen quasi noch im Glas. Also so im Fensterrahmen. Boah, das war, da hätte echt mehr passieren können. Das war echt extrem. Boah, das ist heftig. Ja, echt noch mit einem Kratzer davongekommen. Ja, heftig. Es erinnert mich voll dran, weil es ist ja auch eh interessant, dann so mitzubekommen, für was Leute so den Rettungswagen holen. Ja, glaube ich.
Ich erkläre übrigens einmal, ich finde das gut, wenn wir das umgangssprachlich mischen, nur damit ihr wisst, wir können das trennen. Rettungswagen und Krankenwagen ist natürlich ein Unterschied. Krankenwagen sind so die, die die Krankentransporte machen nur. Und Rettungswagen sind dann die, die wirklich zum Retten im Notfall kommen.
Nur, dass ihr es mal gehört habt. Wichtig. Und genau, also die eins sind zwei auf jeden Fall. Wir hatten einen Einsatz, da war auch Stichwort Schnittwunde. Und du kriegst wirklich immer nur so, es kommt so Ding, Ding und dann kommt die Durchsage. In der Durchsage ist meistens chirurgisch eins, Einsatz für und dann kommt so die Nummer von dem Fahrzeug mit dem du fährst und dann hast du auf deinem Pipa oder dann gibt es noch so einen Ausdruck, da stehen dann so ein paar Details die so die Leitstelle noch dazu geschrieben hat und da stand dann irgendwie, Schnittwunde und okay dann machst du dir ja schon deine Gedanken auf den Weg dahin und überlegst, was könnte jetzt alles sein, ja, warst so ein Typ so ein bisschen jünger als wir,
Und hatte sich beim Spülen in den Daumen geschnitten. Ja, so dachte ich auch erst, so wie unnötig. Aber pass auf, dann saß der hinten drin. Es hat keine Minute gedauert, kam raus, dass der absolut kein Blut sehen kann. Und dann ist er halt wirklich nur, weil er das gesehen hat, also so kurz ohnmächtig geworden.
Und das war schon spannend zu sehen. Alle, die dabei waren, die wussten, alles gut. Gut, wir halten das jetzt zu, dann ist er in einer Sekunde wieder bei uns. Das war so gesehen jetzt nicht so schlimm. Aber ja, also Menschen können sehr unterschiedlich auf Schnittbunden reagieren. Also ich glaube, ich bin auch eher empfindlich.
Ich glaube, ich würde das nicht direkt umkippen, aber ich kann es auch nicht so gut sehen. Deswegen wäre so eine Art Ausbildung für mich echt schwierig. Also so von dem Ganzen drumherum finde ich das total spannend und kann das sehr gut nachvollziehen. Aber ich glaube, ich könnte das auch nicht so gut sehen alles.
Aber da gewöhnt man sich vielleicht auch dran, weil man in eine andere Rolle auch schlüpft. Total. Ich hatte auch Angst, ich mag das selber bei mir nicht so gerne, so Nadeln. Und dann sollte ich aber auch einmal üben, einmal echt Blut abnehmen, einmal so einen Zugang legen, nur so zur Probe. Ich muss das jetzt gar nicht, müsste das gar nicht machen, aber es ist nicht schlecht, das mal gemacht zu haben.
Und das war interessant, weil ich finde, wenn man selber so gepikst wird, dann merkst du ja immer so dieses durch die Haut stechen. Und das ist so dieser Moment, den ich nicht mag. Und ich sehe den auch nicht so gerne. Aber wenn du es selber machst ... Das geht einfach so smooth rein, weil das ja so scharf ist. Du fühlst es null.
Und das ist halt, es war irgendwie, hat das so meine Beziehung zu Nadeln im Positiven verändert. Verbessert. Ah, okay, spannend. Oh, wow, ich glaube, wir könnten über deine Ausbildung eine eigene Folge machen. Oh mein Gott, wir kommen ja hier komplett ab von der Geschichte. Oh je, okay, lass uns mal diszipliniert hier jetzt rein starten.
Wir kommen mal wieder zurück. Genau, wir bleiben im Bereich Rettungswagen, Krankenwagen, Notruf. Ja, aber wir kommen mal zu der Geschichte. Genau, und ich würde sagen, wir reisen jetzt auch mal ein paar Jahre zurück in unsere Geschichte. Ja, es ist nämlich so, wir haben vielleicht schon mal den Rettungswagen gerufen oder du bist in ihm selbst mitgefahren, nicht als Patientin, nicht als Begleitung, sondern wirklich als Rettungssanitäterin in Ausbildung damals noch.
Und dass die Rettungswagen heute so schnell da sind, war tatsächlich nicht immer so. Wir gehen jetzt für unsere Geschichte mal so in die 60er, 70er Jahre und wir möchten euch Ute und Siegfried Steiger vorstellen. Beide kommen aus Sachsen. Ute ist ausgebildete Modistin. Das ist eine Hutmacherin. Mussten wir auch erst mal nachgucken, was das für eine Berufsbezeichnung ist.
Und Siegfried hat eine handwerkliche Ausbildung als Zimmermann, Gipser und Maurer und ist studierter Ingenieur. Und 1950 lernen sich die beiden kennen. Aber obwohl sie beide in Sachsen leben, wohnt Siegfried in der DDR und Ute in der Bundesrepublik Deutschland. Und nach zwei Jahren flieht Siegfried Dann zu seiner Ute und ihr gemeinsamer Ort ist jetzt Stuttgart.
Das rührt mich ja immer schon, solche Geschichten, wo Leute eine Flucht auf sich nehmen. Ja und da bauen sie sich jetzt ein Architekturbüro zusammen auf und bekommen drei Kinder. Ja, klingt ja schon hier fast wie ein Happy End. Also das wäre schon in sich, finde ich, eine Geschichte. Allerdings, die Geschichte, die wir euch jetzt heute erzählen möchten, die geht jetzt eigentlich erst richtig los.
Diese Family mit den drei Kindern lebt da jetzt also in Stuttgart. Und jetzt passiert ein tragischer Unfall. Und ich musste eben, als du von der Geschichte da im Regen erzählt hast, schon ein bisschen dran denken. Denn 1969, also vor 56 Jahren, ist Siegfried gerade mit seinem ältesten Sohn Björn im Schwimmbad.
Sie kommen zurück davon, gerade es ist der 3. Mai, es ist eine Woche vor Björns neunten Geburtstag. Und als sie da jetzt auf dem Rückweg sind vom Schwimmbad, fängt es auch so ein bisschen an zu regnen. Und das führt dazu, dass so alle, die da mit dem Auto unterwegs sind, auch nicht mehr so eine richtig gute Sicht haben.
Das merkt Björn aber nicht, der jetzt als Kind über die Straße läuft und wird völlig ungebremst von dem Auto umgefahren. Riesiger, riesiger Schock, furchtbare Situation. Siegfried, also der Vater von Björn, möchte sofort ins Krankenhaus fahren, um seinen Sohn da abzugeben. Aber die anderen Ersthelfer überzeugen ihn, auf den Krankenwagen zu warten, weil, so sagen sie, der hätte ja Sauerstoff dabei und dann sind die Chancen, dass es ihm schnell wieder besser geht, höher.
Also warten Sie und warten. Und warten und es dauert fast eine Stunde, das ist so krass, einfach eine Stunde so lang, bis der Krankenwagen da ist, aber Siegfried ist ja irgendwie jetzt trotzdem hoffnungsvoll, er ist ja jetzt da, er übergibt dann seinen Sohn an die Rettungskräfte, obwohl dieser Wagen tatsächlich keinen Sauerstoff dabei hat und trotzdem in dem Moment lebt Björn.
Also er ist guter Dinge, dass es ihm wieder besser geht, er hat auch ein gutes Gefühl und fährt dem Krankenwagen jetzt hinterher ins Krankenhaus und da kommen sie dann jetzt zurück. Beide an. Ja, und jetzt kommt das Schlimme, was Sigrid überhaupt nicht hat kommen sehen. Denn als er ankommt, ist Björn zwar auch im Krankenhaus angekommen, aber hat nicht überlebt.
Und der Grund dafür ist, dass Björn einen Schock hatte. Und das ist auch so was, das ist so, ich kannte diese Bezeichnung vorher gar nicht. Man benutzt Schock irgendwie so umgangssprachlich anders. Aber schockmedizinisch gesehen ist eigentlich so der Super-Gau, der in deinem Körper passiert. Das bedeutet, dass einfach nicht genug Sauerstoff mehr da ist.
Also es kann zum Beispiel passieren, wenn dein Herz Probleme hat, genug Blut zu pumpen oder wenn du einen allergischen Schock hast. Oder ich denke, so was bei Björn, wenn er so viel Blut verloren hat, das kann ja auch innerlich passieren, dass es einfach nicht mehr genug ist, um den Körper zu versorgen.
Und bei Björn führt das jetzt wirklich dazu, dieser Schock. Und das ist auch, also der Schock ist wirklich so eine ganz lebensbedrohliche Situation, wo es ganz schwierig ist, auch Schlimmeres zu verhindern. Und so ist es bei Björn jetzt eben auch, dass er an diesem Schock stirbt. Und das liegt jetzt schon auch daran, dass das alles so lange gedauert hat.
Also das kann man so sagen. Also es wäre bestimmt anders ausgegangen, wenn die eher da gewesen wären. Das ist so bedrückend, so schrecklich. Und ich kann mir nur wirklich im Entferntesten ausmalen, wie lang diese Stunde auch gewesen sein musste, die da gewartet hat. Also es ist einfach nur furchtbar und wie wir euch vorstellen können, Siegfried ist am Boden zerstört und er hat jetzt wirklich das Gefühl, er hat ja seinen Sohn zuletzt lebend gesehen und jetzt hat er also den dann in die Obhut zurückgezogen.
Von Ärzten gegeben und jetzt ist er tot, also irgendwie kriegt er das so gar nicht zusammen und macht sich natürlich auch total die Vorwürfe, warum sie überhaupt auf den Rettungswagen gewartet haben und so weiter, nicht auf eigene Faust schnell losgefahren sind. Jetzt muss er ja auch erstmal natürlich zu Hause diese schreckliche Nachricht seiner Ute, seiner Frau erzählen. Ja, die weiß das auch gar nicht.
Oh, das ist alles ganz, ganz schrecklich. Die beiden sind natürlich furchtbar traurig, völlig fassungslos und schlafen die ganze Nacht nicht, weil sie so traurig sind. Aber in diese Trauer mischt sich auch noch ein Gefühl und das ist Wut und zwar auf das System. Und diese Mischung aus Trauer und Wut wird sie ihr Leben lang antreiben.
Also ja, dieses Gefühl nehmen sie quasi mit und kreieren daraus eine Idee. Ja, sie beschließen noch in dieser Nacht, okay, selbst wenn wir Björn nicht retten konnten, dann möchten sie wenigstens dafür sorgen, dass sie möglichst viele andere lebend retten. Es gibt aber damals in Deutschland einfach überhaupt gar kein richtiges System.
Das hatten die beiden ja dann auch bemerkt und das hatte sie so wütend gemacht. Es gibt kein System, wie Menschen im Notfall versorgt werden können. Und irgendwie hat man das Gefühl, das nimmt auch niemand so richtig in die Hand. Dafür übernimmt gar niemand Verantwortung. Und die beiden sprechen dann unter anderem mit Hilda Heinemann.
Das ist die Frau des damaligen Bundespräsidenten. Die ist schon so auf der Seite, auf deren Seite und sagt so, ja, ich will euch unterstützen, finde ich total gut. Aber ja, so einmal sprechen oder so, das reicht halt nicht. Und deshalb gründen Siegfried und Ute 1969 einen gemeinnützigen Verein. Den sie die Björn-Steiger-Stiftung nennen. Und mit diesem Verein wollen sie jetzt was bewegen.
Ja, finde ich ja ganz toll und beeindruckend, wenn Menschen so Energie aus so einem... Furchtbaren Ereignis schöpfen können quasi, um da was raus zu kreieren. Ja und am Anfang planen die beiden, dass sie für zwei Jahre diese Stiftungsarbeit machen wollen, um die Notfallhilfe in Deutschland auszubauen und den Behörden zu übertragen.
Spoiler, die Stiftung gibt es immer noch und ja, sie wurde 1969, du hast es gerade gesagt, gegründet. Aber sie hat wirklich bis heute auch extrem viel verändert. Also in der Zeit ist vieles passiert. Eines der ersten To-Dos ist damals mindestens ein Rettungswagen mit medizinischer Ausrüstung für jedes Bundesland.
Das ist so Check 1 sozusagen. Was es damals auch nicht gibt, eine einheitliche Notfallnummer. Zwar gibt es die 110 und 112 schon, nochmal der Reminder, 112, wenn ihr Verletzungen, Rettungswagen und so weiter und 110, die Polizei. Ich habe noch keine sinnvolle Eselsbrücke, muss man sich einfach merken irgendwie.
Und die gibt es schon seit 1956, aber am Anfang eben nur in Großstädten. Ja, das bringt jetzt irgendwie auch nicht dann so viele Leute so viel weiter. Ute und Siegfried möchten jetzt, dass die Nummern überall funktionieren, aber die Politik behauptet, dass das zu teuer sei. Das ist richtig krass. Ja, und irgendwie können die beiden das auch nicht so ganz glauben, deswegen fragen sie da nochmal ein bisschen genauer nach.
Sie rufen unter anderem die Oberpostdirektion in Stuttgart an, denn Stuttgart, da sind sie ja gerade, deswegen ist das ein kurzer Draht. Und da fragen Sie jetzt zu allererstes mal, wie hoch diese Kosten zum Beispiel für den damaligen Regierungsbezirk Nordwürttemberg denn wären? Also zu diesem Bezirk gehören 19 Landkreise und kreisfreie Städte.
Und da kommt als Antwort raus... Also 387.000 Mark. Es ist schon viel Geld, aber wenn man so denkt, es könnte ja den Unterschied machen, Tausenden Menschen das Leben zu retten. Das kann man ja wohl mal in die Hand nehmen, wenn man überlegt, wie viel für Straßenbau und sonst was ausgegeben wird. Also einmal musst du das ja auch nur ausgeben.
Nicht irgendwie. Ja, absolut wichtig. Total, sind wir uns voll eilig. Aber die beiden hören diese Summe und sind natürlich schon im ersten Moment so, okay, das ist jetzt für unsere Stiftung alleine schon ein bisschen viel. Aber wenn wir es vielleicht auf diese 19 Kreise und Städte aufteilen, also irgendwie umlegen, vielleicht könnte es dann klappen.
Ausgerechnet an dem gleichen Tag beschließt aber der Bundestag ganz offiziell, dass diese Notfallnummern nicht eingeführt werden können. Also das beschließen ihr einfach. Das Argument ist Unfinanzierbarkeit, obwohl die beiden ja rausgefunden hatten, es gäbe vielleicht schon Wege, das zu finanzieren, beschließt der Bundestag eben für ganz Deutschland. Nee, das geht nicht.
Und schon wieder spürt sie Krütter jetzt so eine ganz große Wut an sich und will das nicht auf sich sitzen lassen. Und deshalb klagt er. Er klagt 1973 gegen die Bundesrepublik und das Land Baden-Württemberg. Und sein Vorwurf ist, also er klagt auf vorsätzliche unterlassene Hilfeleistung, vor dem Verwaltungsgericht.
Ja, was es ja im Endeffekt auch ist. Also die Antwort darauf, Menschen in einer Notlage, die verletzt sind oder lebensbedrohlich verletzt sind. Schnell zu retten, ihnen Hilfe zu leisten. Es wird quasi unterlassen. Er scheint absolut sinnvoll. Allerdings weiß er, dass das juristisch nicht klappen wird, aber das ist ihm eigentlich auch nicht so wichtig.
Er möchte das Thema einfach öffentlich machen, dass es öffentlich bleibt. Und durch die Klage gibt es zumindest einen gerichtlichen Erörterungstermin und das ist eben sehr, sehr wichtig, sodass das Thema dann nochmal bundesweit zumindest in die Medien gezogen werden kann und eigentlich ist damit sein Ziel schon erreicht. Ja, genau.
Dieser Plan geht auf, denn das Plädoyer, was er da halten kann, bekommt richtig viel mediale Aufmerksamkeit. Und dadurch wächst der Druck auf die Politik und zwar so sehr, dass die Ministerpräsidenten 1973 die Notrufnummern 110 und 112 bundesweit einführen. Und damit hat er es geschafft. Mittlerweile ist die 112 sogar in ganz Europa die Notrufnummer.
Euronotruf heißt das auch. Die ist wirklich in allen Kommunikationsnetzen in Europa installiert und zumindest im Mobilfunknetz funktioniert die 112 sogar weltweit. Also Wahnsinn, sie haben es geschafft. Richtig, richtig toll. Ich glaube, in den USA und in Kanada ist es die 1919, meine ich. Ja, oder 911, glaube ich, in manchen Orten auch.
Ach, nicht 1919, stimmt, 911, ja. Ja, aber was mit 9 und 1, boah, hier und Zahlen ist kompliziert, aber die 1 und 2. Aber im Zweifel 1, 1, 2, die einfach immer merken. Und die Björn-Steiger-Stiftung steckt noch hinter mehr solcher Maßnahmen, zum Beispiel den Notrufsäulen an Autobahnen, die ja mittlerweile teilweise schon wieder abgebaut werden, weil natürlich jetzt mittlerweile die meisten Menschen ein Handy dabei haben.
Aber man sieht sie immer noch, diese orangenen Notrufsäulen. Und die fördern zum Beispiel auch Ausbildungen für Menschen im Rettungsdienst. Marie, du bist ja vielleicht auch indirekt proschettiert. Genau, du darfst so ein bisschen an die Folge vom letzten Mal denken, wo es so um diese Pflegeberufausbildung ging. Man hat einfach so ein System, so eine Systematik hinter gewissen Dingen entwickelt und damit halt schon alles irgendwie vereinfacht und weiterbringt.
Und sie sorgen dafür, dass Kindernotfälle besser versorgt werden können. Ja zum Beispiel sowas wie Baby, Notarzt, Wagen, also ganz, ganz viele wichtige Sachen, die sie aus diesem wirklich tragischen Ereignis heraus sozusagen sich überlegen, durchboxen, diese Wut, diese Trauer nutzen. Um da richtig was voranzubringen.
Ja, diese Baby-Notarztwagen, die sind zum Teil auch für Frühchen so explizit. Die sind auch ganz besonders. Ich meine, wenn du schon mal hinten mitgefahren bist, weißt du ja auch, das ist in so einem Rettungswagen so laut, so wackelig, dass er dann auch schnell fährt mit Blaulicht. Also, oh mein Gott. Ja, da muss alles gut festgemacht sein.
Ja, ich war manchmal nicht so richtig angeschnallt. Und dann gab es auch direkt irgendwie so einen Alarmton, wenn das aufgegangen ist und so. Doll ruckelig. In Köln gibt es auch sehr viele schlechte Straßen, habe ich da bemerkt. Erst da hast du das bemerkt? Ja, jetzt bin da noch mal so aufgefallen. Nicht beim Fahrradfahren. Nee, da kann ich die Schlaglöcher ja umfahren, aber mit so einem großen Fahrzeug.
Rumsdurch da. Wirklich. Und da gibt es eben dann so Rettungswagen extra für Frühchen, wo dann auch die Trage andersrum ist, damit man besser drankommt und die geschützter sind oder Oder es einfach nochmal so ein anderes Federsystem gibt, so eine andere, dass alles gedämpft wird. Ach, mega. Aber alles natürlich immer teuer. Ja, klar, da braucht es schon Menschen, die auf jeden Fall die Vision sehen und dann das Geld irgendwie auftreiben oder selber in die Hand nehmen sozusagen.
Ja, vor drei Jahren sind dann Ute und Siegfried verstorben, beide im Abstand von wenigen Wochen. Ja, die waren einfach wahrscheinlich ein so starkes Team, dass sie ohne einander nicht konnten. Und kriegt direkt Gänsehaut. Die Stiftung wird aber von Björns Bruder weitergeleitet. Er hatte ja noch zwei Brüder und bleibt auf jeden Fall eine Herzensangelegenheit der Familie Steiger.
Ja, sie haben gesagt, Björn sei damals so der hilfsbereiteste in der Familie gewesen und diese Hilfsbereitschaft wollen sie nicht sterben lassen und das hat geklappt. Ich kriege richtig auf ganzem Körper Gänsehaut. Und auch irgendwie krass. Das ist so eine rührende und traurige Geschichte. Ja, ja, und gleichzeitig ermutigend, ne? Und vor allem, ich finde es so schön, dass sie über ein Kind das sagen.
Also der war ja erst acht. Stimmt. Und zu sagen, das war aber immer der mit Abstand hilfbereiteste in unserer Familie. Ja, so die gute Seele irgendwie, ne? Ja. Ja, ich würde sagen, sie wirkt noch, die Seele. Ja, definitiv. Wir werden euch diese Stiftung, die Björn-Steiger-Stiftung, auf jeden Fall mal verlinken. damit ihr sehen könnt, was die noch so angestoßen haben.
Und wenn ihr Fragen zur Rettungsdienstausbildung habt, dann meldet euch damit auch gerne. Und mich würde auch sehr interessieren, ob das vielleicht in ... Eurem Leben sowas gab, wie bei mir, wo ihr sagt, das irgendwie spukt mir jetzt schon ein paar Jahre im Kopf rum und jetzt habe ich das Gefühl, ich glaube, ich muss das mal machen, ich probiere das jetzt, das möchte ich noch lernen, dann erzählt uns total gerne davon oder wenn ihr da jemanden braucht, der euch nochmal anstupst, dann sind wir das auch sehr gerne.
Ja, voll. Vielleicht ja nach dieser Folge. Vielleicht denkt ihr dann, ja, komm, wenn Marie es geschafft hat, dann schaffe ich das auch. Witzigerweise habe ich meiner Mutter auch davon erzählt, dass du diese Ausbildung gemacht hast. Da hat sie erzählt, ja, eine Kollegin von mir hat auch was ähnliches gemacht.
Die hat einfach so völlig out of the blue einen LKW-Führerschein gemacht. Cool. Weil sie irgendwie so dachte, die ist eine Biologin, weil sie irgendwie dachte, ach, könnte ja nochmal nützlich sein. Wenn ich hier den Job nicht mehr habe, dann werde ich einfach LKW fahren. Das finde ich auch so cool. Richtig toll.
Weiß ich nicht, auch nicht so der frauentypische Beruf. Und sie fährt halt irgendwie auch gerne Auto und ist gerne unterwegs. Also ich mache jetzt noch einen LKW-Führerschein. Und den hat sie jetzt einfach. Also ja, vielleicht habt ihr auch sowas oder habt ihr was vor. Vielleicht können wir euch hier den letzten Mut mitgeben, den es dafür braucht, das zu machen. Erzählt uns total gerne davon. Ja, das würden wir gerne.
Spannende Geschichten. erzählen wir doch hier immer gerne weiter und hören sie gerne von euch. Wir hören uns auf jeden Fall nächste Woche wieder mit einer ganz spannenden Geschichte aus der Wissenschaft und versuchen euch auch da vielleicht wieder ein bisschen zu inspirieren. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.