Behind Science

Chad Varah: Ruf mich an!

Samstag, 18. Oktober 2025 · 25 min

MP3

Shownotes

Das Thema Menstruation war so verboten, dass sie ihre erste Periode überhaupt nicht erkannt hat. Sie weiß nicht , warum sie blutet, sondern fühlt nur Panik. Das ist die Geschichte eines 14-jährigen Mädchens aus London in den 1950ern. Ihr Schicksal schockiert den Geistlichen Chad Varah damals so sehr, dass er die erste Helpline (samaritans.org/how-we-can-help/contact-samaritan) der Welt gründet.

Hört gerne unsere Folge zu Mary Kenner (open.spotify.com/episode/4wcGuMmCGnH1AIhGV4XQq…) und dem Menstruationsgürtel noch mal. Und wenn es euch nach aktuell nicht gut geht, wendet euch jederzeit an die Telefonseelsorge (telefonseelsorge.de) (0800 111 0111 / 0800 111 0222 oder 116 123) oder die Nummer gegen Kummer (nummergegenkummer.de) (116 111 oder 0800 111 0550).

“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links, die gerade wichtig sind.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Schönen Science-Samstag. Wir haben jetzt einen Science-Samstag im Oktober. Und was ist für dich Oktober? Und was denkst du da? Was ist für dich Oktober? Was ist der Sinn des Lebens? Ähnlich große Frage. So groß startet und nicht nur mit Oktober. Also ich finde, es ist ein extrem schöner Oktober bisher.

Goldig. Es ist ja so bunt alles. Oh mein Gott, ja. Es leuchtet alles so schön. Und also das Wetter ist jetzt nicht so der absolut goldene Herbst, hier zumindest im Rheinland, aber schon trocken und irgendwie, ich weiß nicht, ich finde, war der Herbst immer schon so schön? So bunt? Also ich finde dieses Jahr ist es extrem bunt. Ich bin neulich sogar, bin ich eine längere Strecke über die Autobahn gefahren und dachte mir so, wow, ist das schön.

Also entweder habe ich das einfach nie so wahrgenommen, dass da auch so viele Bäume stehen oder ich weiß auch nicht, es leuchtet besonders. Also ich finde, Oktober, da denke ich auf jeden Fall dran, ist es extrem bunt. Diese wunderschönen Blätter in allen Farben, das ist, also finde ich ganz, ganz schön.

Ja, aber tatsächlich denke ich auch an Laufnase und das nicht nur bei mir. Also eine laufende Nase? Laufende Nase, Familienmitglied Nummer drei. Oh Gott, Laufnase ist ab jetzt, die läuft jetzt bis Februar, glaube ich, durch. Aber das ist ein süßes Wort, das habe ich so noch nie benutzt. Ey, du Laufnase.

Ich habe heute auch ein nettes Wort gelernt, völlig anderes Thema. Stehrümmchen. Hast du das schon mal gehört? Also ich weiß, was damit gemeint ist. Ich sage das nicht, genau. Hier sagt man auch Prüll oder Nippes. Nippes, genau. Ich würde, glaube ich, sagen, Westfälisch wäre dann eher Gedöns oder Zeugs.

Ja, Zeug. Zeug ist auch so ein deutsches Wort. Überall Zeug dran. Zeug. Kram, ja genau. Auf jeden Fall habe ich das nette Wort heute gelernt, Stehrümmchen. Das fand ich extrem süß. Das ist süß. Das klingt direkt auch hübsch. Man stellt sich was vor, was wirklich gar keine Funktion hat, außer so rumzustehen, aber dabei süß ist.

Genau. Ja, es ist nicht unbedingt was Schlechtes. Es ist kein Zeug. Es ist ein Stehrümmchen. Ja, auch schön. Das fand ich sehr nett. Ja, also ich finde, der Oktober ist hervorragend, um irgendwo rumzustehen, sich anzugucken, wie schön bunt alles ist. Und weil du gefragt hattest, ob das immer schon so war, ich glaube, das kommt auch von dir, ob man gerade so in der Stimmung ist, das zu sehen oder nicht.

Ja, vielleicht. Oder ich bin einfach extrem viel draußen aktuell. Weniger im Büro. Das ist gut. Aber weißt du, was ich ja jetzt, also was ich erwartet hatte, was du eigentlich sagst? Dass der Oktober natürlich auch der Monat ist der Nobelpreise. Das war jetzt ein bisschen enttäuscht. Ich bin einfach gerade so im Oktober-Glow hier mit Blättern und so.

Ja, aber hast du nicht während deiner Herbstspaziergänge ständig die Einmeldung bekommen? Ja, natürlich. Ja, ständig. Das war ganz spannend, fand ich. Da habe ich immer so ein bisschen durchgelesen, was denn da genau ausgezeichnet wurde. Wir haben ja hier auch einige Folgen. Einmal, wie der Nobelpreis überhaupt quasi erfunden wurde, sage ich mal, wer ihn erfunden hat. Der Namensgeber. Alfred Nobel nämlich.

Und wir haben aber auch schon mal eine Nobelpreisträgerin hier vorgestellt. Und die hat uns ja sogar repostet. Das ist immer noch einer der stolzesten Momente meines Lebens. Da haben wir wirklich mal zur Abwechslung über jemanden gesprochen, der noch lebt. Und dann hat sie einfach unsere Story repostet. Das war toll.

Das war krass. Da war ich stolz auf uns. Ja, die zwei Folgen können wir euch auf jeden Fall nochmal verlinken. Könnt ihr dann hier im Anschluss beim nächsten Herbstspaziergang hören. Oh ja, wenn ihr hier durch das leuchtende Laub spaziert. Aber über eine Sache, über die wir heute sprechen müssen, die wird vielleicht jetzt sogar auch nochmal ein bisschen relevanter, weil ja jetzt die Jahreszeit auch so die bisschen dunkle Jahreszeit folgt.

Viele Menschen, die vielleicht sowieso schon Probleme haben oder denen es psychisch nicht so gut geht, die haben es jetzt dann nochmal extra schwer oder tun sich dann extra schwer, sich vielleicht aufzuraffen. Ja, wenn man gerade nicht so in der Stimmung ist, das bunte Laub zu sehen, sondern eher sehr viel Grau wahrnimmt.

Ja, sehr viel Dunkelheit, sehr viel Grau. Deswegen müssen wir über eine Sache sprechen, die versucht, dem so ein bisschen entgegenzuwirken. Und zwar sprechen wir heute über Chad Vera, der die Telefonseelsorge erfunden hat. Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider. Ja, diese Idee kam zu uns quasi, weil hier ging es vor ein paar Folgen um Mary Kenner, die die Menstruationsgürtel erfunden hat.

Also Menstruationsgürtel, das ist so eine Konstruktion, nenne ich es jetzt mal, mit der man damals zum allerersten Mal eine Binde, eine Vorlage angenehm tragen konnte, also Periodenprodukte. Diese Erfindung hat wirklich dafür gesorgt, dass die Frauen extrem viel neue Freiheit bekommen haben, denn sie konnten jetzt, obwohl sie ihre Periode hatten.

Angenehm rausgehen und dadurch war das eine Erfindung, die aber gleichzeitig auch so ein Thema auf den Plan gerufen hat, das eigentlich sehr doll tabuisiert wurde und, am liebsten verschwiegen wurde bis dahin. Super Folge, könnt ihr euch auf jeden Fall noch mal anhören, die auch mit vielen Klischees quasi bricht.

Und nach der Folge ist etwas passiert, was hier ja regelmäßig passiert, uns immer besonders freut. Und auch dieses Mal hat es uns wirklich komplett aus den Latschen gekippt. Und zwar kam eine Mail aus der Community, die uns wirklich sehr berührt hat. Es steckten ganz viele liebe Worte drin, aber auch eine Geschichte und beides möchten wir jetzt mit euch teilen.

Ja, und zwar kam diese liebe Mail von Sebastian und sie fing so an. Hey ihr beiden, zuallererst möchte ich euch zu eurem tollen Podcast gratulieren. Ich folge euch tatsächlich schon fast seit Folge 1. Wärt ihr beiden eine Rockband, dann könnte ich sagen, ich fand euch schon cool, da wart ihr noch gar nicht cool. Just kidding.

Das fand ihr schon mal einen guten Einstieg. Richtig cool, ja. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch an Folge 1 erinnert, ob ihr sie damals schon gehört habt, quasi als sie rauskam, oder ob ihr sie nachgehört habt. Eigentlich habe ich die mal so in regelmäßigen Abständen, habe ich die mal immer wieder gehört, um auch so zu hören, wie wir uns verändert haben und so.

Also das ist auf jeden Fall immer noch eine meiner absoluten Lieblingsfolgen. Es geht um die Entwicklung des Schwangerschaftstests für zu Hause. Das ist einfach eine super spannende Geschichte, die quasi so ein bisschen konstruiert wirkt. Genau so passiert ist und die uns voll reingebracht hat in dieses Behind-Science-Universum.

Also, falls ihr sie noch nicht kennt, hört doch mal rein. Ihr könnt bei dieser Rockband Behind-Science noch einsteigen. Vielleicht seid ihr ja auch schon seit Stunde Null wie Sebastian quasi dabei. Das war cool. Ja, und sonst herzlich willkommen an alle, die hier heute zuhören. Und weiter geht's mit Sebastans Mail.

Aber nun zu meinem Anliegen. Ich habe gerade beim Badezimmerputzen eure jüngste Folge über Mary Kenner gehört. Dabei sprecht ihr das Thema Menstruation an und wie tabubelastet dieses Thema heute noch ist und damals erst recht war. Da musste ich an Chad Vera denken, dem Badezimmerputz mal Badezimmerputz sein lassen und euch eine Mail schicken. Aha.

Sehr cool. Danke, dass du diesen Putsch für uns unterbrochen hast. Ja, das wissen wir zu schätzen. Und jetzt beginnt Sebastian eine Geschichte zu erzählen, die wir euch ein bisschen in seinen Worten und ein bisschen in unserem Wissen oder mit unserem gesammelten Wissen ja auffüllen möchten und weitererzählen möchten.

Wir beamen uns dafür wieder zurück in die 1950er. Zu der Zeit ist das Thema Menstruation nicht nur tabubelastet, wie Sebastian schreibt, es ist ein komplettes Tabu. Also es ist nicht nur quasi belastet, sondern es wird einfach nicht darüber gesprochen, es wird wirklich totgeschwiegen. Undenkbar, dass man darüber mit irgendwem beschäftigt.

Mal, ja, spricht und sich dazu austauscht, also auch noch nicht mal so innerhalb der eigenen Familie und das ist nicht nur total schade, sondern auch echt gefährlich, weil, ja, natürlich viele Sachen, die ja verschwiegen bleiben, über die man sich vielleicht sonst ausgetauscht hätte, wenn zum Beispiel mal was nicht so läuft, wie sonst, was ungewöhnlich ist oder so, ne, wenn man sich einfach mal austauscht, hey, meinst du, das ist noch normal oder so, Und dann hat man da schon mal einen besseren Überblick.

Und dadurch, dass es eben so ein Tabu war, wurde da gar nicht drüber gesprochen. Ich weiß nicht, ob du dich noch an deine erste Periode erinnerst. Glücklicherweise spricht man ja heutzutage meist sehr offen darüber. Doch, ich erinnere mich noch. Also ich habe das so abgespeichert, als wäre das so ein Film.

Also ich habe da so richtig, ich habe so eine kleine Szene im Kopf davon. Also wie ich dann wirklich so ins Wohnzimmer gelaufen bin. und das dann irgendwie wusste und erzählt habe und es auch blöd und komisch fand, aber gleichzeitig auch... Also ich weiß noch, dass alle so die, so meine Familie so ganz lieb reagiert hat.

Und ich hatte das Gefühl sogar, meine Mama zum Beispiel, die freut sich. Also die hat das irgendwie so gefeiert. Das hat sich voll eingeprägt. Und auch so, schon Wochen davor eigentlich, weil ich wusste, was das ist und so. Immer wenn ich mal Bauchschmerzen hatte, dachte ich so, oh Gott, jetzt geht's los.

Ja, voll gut zu wissen, dass das kommen kann. Stell dir mal vor, es hat dir noch nie jemand vorher erzählt, was für ein Schock das sein muss. Und das, da müsst ihr euch jetzt mal reinversetzen. Das ist jetzt nur ein Beispiel. Es gibt ja auch noch andere Sachen, über die nicht gesprochen wird. Also stellt euch mal vor, ihr habt noch nie vorher mit jemandem darüber gesprochen, wie es sein wird, wenn man eben zum Beispiel zum ersten Mal seine Tage bekommt.

So ging das in den 1950er Jahren zum Beispiel einem britischen Mädchen in London. Sie ist gerade 14 Jahre alt und bekommt zum ersten Mal ihre Tage. Aber sie weiß nicht, dass das ganz normal ist, als sie dann eben ihre Periode bekommt und erkennt das eben gar nicht als Periode, sondern denkt, ach du scheiße Blut, was mache ich, ich verblute ihr gerade.

Ja, bei ihr bricht richtig die Panik aus, weil sie das gar nicht einordnen kann, warum sie da gerade blutet. Also sexuelle Aufklärung, die gibt es damals quasi gar nicht. Also weder zu Hause noch im Unterricht oder so hat sie gelernt, was das sein könnte. Niemand hat ihr je erklärt, was während der Pubertät auch jetzt in ihrem Körper passiert.

Und deswegen passiert es jetzt, dass sie da blutet und nicht weiß, warum. Und ich bin mir sicher, sie wird auch Schmerzen gehabt haben. Also das habe ich schon auch noch so sehr in Erinnerung, dass das damals nicht angenehm war. Und ich so dachte, ach du Scheiße. Und das kommt jetzt jeden Monat? Ja, das wusstest du. Ja, also ich erinnere mich, dass ich auch Bauch- und Rückenschmerzen und so hatte. Das war nicht schön.

Schon ein krasser Moment im Leben einer Frau oder einer heranwachsenden Frau. Und das Mädchen kann dieses Bluten überhaupt nicht einordnen und vor allem halt an so einer Stelle, also im Intimbereich, also an der Stelle, wo generell schon so ein fettes Tabu drauf ist, traut sich da überhaupt nicht drüber zu sprechen, irgendwen danach zu fragen und deshalb steigert sie sich komplett in so eine Panik rein.

Und sie ist sich sicher, das muss eine schreckliche, gefährliche, unheilbare und vor allem ansteckende Krankheit sein. Und sie fühlt sich so überfordert, dass sie einen Abschiedsbrief an ihre Familie schreibt und ihr Leben mit nur 14 Jahren beendet. Und das muss man erst mal sacken lassen. Also sie hat diesen Moment, den die meisten Frauen in ihrem Leben irgendwann mal haben.

Und glaubt halt, dass sie sterben wird und nimmt sich das Leben. Um dieses Leiden, was sie da jetzt vorher sieht, zu verkürzen für sich und für ihre Familie. Ja, oder niemand anderen anzustecken oder so. Also ganz krass. Sie weiß ja wirklich gar nicht, was los ist. Sie handelt da komplett aus Panik. Und jetzt kommt Chad Vera ins Spiel, über den wir heute sprechen möchten.

Er ist ein Geistlicher, er wird 1911 geboren, er wäre jetzt also 114 Jahre alt und er begleitet die Familie damals und er macht auch die Beerdigung dieses Mädchens. Und dieser ganze Fall, diese Geschichte ist was, was ihn nicht mehr loslässt. Weil er einfach die ganze Zeit daran denken muss, an diesen Grund, warum dieses Mädchen mit 14 Jahren Suizid begangen hat.

Und er ist sich auch irgendwie sicher ... Das hätte verhindert werden können, wenn die mit irgendwem hätte sprechen können. Gleichzeitig hat er Angst oder ist sich auch da relativ sicher, dass das vielleicht kein Einzelfall ist. Deswegen beschließt er, dass er was dagegen tun möchte. Er schaltet jetzt eine Zeitungsanzeige.

In dieser Anzeige steht nicht viel drin. Er veröffentlicht sie in der Times und schreibt, bevor du dich umbringst, ruf an. Boah, ich kriege direkt Gänsehaut, wenn ich das lese. Das ist ja wirklich nur ein Satz. Aber es hat so eine Kraft, finde ich, dass er einfach erkannt hat, dass Sprechen Menschen aufhalten kann, die vielleicht so eine krasse Entscheidung getroffen haben.

Und darunter setzt er eine Telefonnummer und er macht auch einen Aushang zu Hause an seinem Fenster im Pfarrhaus, da kommen ja auch wahrscheinlich viele Menschen vorbei. Er möchte also den Menschen eine Möglichkeit geben, mit jemandem vertraulich zu sprechen, wenn sie nicht mehr weiter wissen. und die Telefonnummer hat er zusammen mit seinem Kirchengemeinderat eingerichtet.

Seit dem 2. November 1953 ist die Leitung geöffnet und das Krasse ist, nach dieser Anzeige steht sie auch nicht mehr still. Die Leute rufen da an, nehmen sich das zu Herzen. Es ist vielleicht jetzt nicht unbedingt immer quasi, die Leute sind jetzt nicht alle kurz davor, sich das Leben zu nehmen, aber sind vielleicht in einer ausweglosen Situation und müssen mit jemandem darüber sprechen.

Und wählen diese Nummer und das war die erste Telefonseelsorge, von der man so weiß, weltweit, also aufgrund dieses Mädchens und aufgrund dieses Geistlichen, der da die Idee hatte und irgendwie was tun wollte, damit sowas nicht nochmal passiert. Und das verbreitet sich total, also es erzählt sich so weiter, dass es diese Nummer gibt, immer mehr Menschen rufen an und zum Glück weg ist auch das Team an Freiwilligen, also er spricht einfach noch weitere Leute aus der Gemeinde an, die auch besonders empathisch sind, die da mit einsteigen wollen.

Und am Anfang ist diese Nummer eben nur angedockt an seine Gemeinde, aber er gründet dann auch irgendwann mit einer kleinen Gruppe die Organisation Samaritans, also Samariter. Das ist die erste nicht-klerikale Telefonseelsorge, die rund um die Uhr erreichbar ist. Und das läuft dann so, wer da anruft, der bekommt für kurze Zeit, so ist der Ansatz dieser Organisation ein Freund.

Also sie haben die Idee, das Konzept heißt Befriending, also du bekommst ein Samariter kurz an deine Seite in der Zeit, in der es dir nicht so gut geht und es soll sich anfühlen, als wäre man für kurze Zeit befreundet. Also es ist für Menschen mit Selbstgefährdungsgedanken, die dann in so einem ersten anonymen Gespräch erstmal Hilfe bekommen und vielleicht entwickelt sich daraus aber dann auch eine persönliche Beratung.

Also das soll so ein bisschen so eine Brücke dann sein, damit einfach Schlimmeres verhindert werden kann. Ja und jetzt muss man das Ganze ja ein bisschen so psychologisch angehen, also wie führt man überhaupt so ein Gespräch, wie geht man da rein, das ist ja... Ist auch gar nicht so leicht, also man kennt sich ja auch gar nicht und baut quasi ja diese Beziehung auch von Null auf und wie, ja, schaut man quasi den Leuten dann auch so ein bisschen in den Kopf, um sie beraten zu können und da etabliert er dann so Regeln für diese Samaritergespräche und zwar zuhören ohne zu unterbrechen, keine Ratschläge geben und keine Mission, also kein religiöser Einfluss.

Und das ist halt besonders stark, weil er das komplett abgrenzt von dem, wozu er so berufen ist. Außerdem muss jeder Samariter offen gegenüber Menschen sein, unabhängig welche Religion oder Geschichte die Anrufe haben. Und das ist so toll, weil es klingt ja ein bisschen wie so, ich sag mal, wie so ein Beichtstuhl.

Da haben Leute ja auch oft so ihre Sorgen abgeladen, aber da hatte das ja immer so diesen Hintergrund, die dann zu beeinflussen, ja dann machst du halt zweimal das Ave Maria und dann bist du hier von deinen Sünden freigesprochen oder so, sondern das soll ja wirklich einfach nur dafür da sein, um…, ja, die Seele aufzuklaren und, ja, die Psyche oder da zu helfen, eben nicht diese Suizide zu verhindern.

Man merkt, es ist ein echt hartes, schweres Thema, deswegen rege ich so ein bisschen um Worte, aber ja, deswegen umso wichtiger, dass es eben solche Regeln gibt. Regeln, die man sich auch mal so für schwere Gespräche mit Freunden eigentlich notieren kann, ne? Voll, also dieses Zuhören ohne zu unterbrechen.

Das klingt so einfach, Aber guck mal, jetzt habe ich dich schon unterbrochen. Aber es ist so schwierig. Jetzt ist eine Pause. Trauen wir uns beide nicht, das zu sagen. Es ist gar nicht leicht. Aber es führt, glaube ich, echt zu guten Gesprächen, wo man vielleicht auch Dinge hört, die man sonst überhört oder in die man so reinquatscht.

Und Shad merkt schon relativ schnell, du hast schon gesagt, wäre es cool, so ein paar psychologische Leitfäden zu haben. Aber er ist ja überhaupt gar kein Psychologe. Das ist aber was, was in diesen Gesprächen, das sind ja nur so allererste Notfallgespräche, gar nicht schlimm ist. Also er bemerkt, die Menschen, die da anrufen, die brauchen eigentlich gar keinen Fachmann, einen Arzt und auch keinen Priester.

Die brauchen irgendwie einen Rahmen für ein vertrauliches, intimes Gespräch. Irgendeiner Person, die kann auch anonym sein, aber eine Person, die dir zuhört und kurz mitfühlt. Ja, total die schöne, starke Idee. Und diese Telefonseelsorge der Samariter gibt es in England bis heute. Das finde ich richtig toll.

Sie heißt Helpline und der Infospruch auf der Website klingt noch ganz ähnlich wie Chats Zeitungsanzeige. We are waiting for your call. Whatever you're going through, a Samaritan will face it with you. Also wir warten auf deinen Anruf, wo auch immer du gerade durchgehst, ein Samariter ist da, um das Ganze mit dir zu bestreiten quasi.

We'll face it with you, es gibt gar nicht so eine richtig gute Übersetzung, aber will, wird das mit dir sich angucken, das Problem von allen Seiten betrachten. Wie so, hey, wir warten auf dich und wir sind deine Freunde, wir können da zusammen Deutsch. Genau, ja, es gibt eine Lösung. Auch dieses so, wir warten auf deinen Anruf ist so toll, ne?

Also einfach so, hier ist jemand, der wartet. Du musst dich da nicht entschuldigen, dass du das Gespräch suchst oder dich erklären oder so. Ja, wie er das in dieser Anzeige formuliert hat, ruf an. Ja, ja. Ruf mich einfach an. Ja, imperativ, genau. Richtig schön, ja. Und es gibt auch in Deutschland solche Hilfenummern.

1956, da wird zum Beispiel die ärztliche Lebensmüdenbetreuung gegründet, so heißt sie damals noch, die dann irgendwann zur Telefonseelsorge wird. Seit 50 Jahren wird die jetzt von der katholischen und evangelischen Kirche gemeinsam getragen und ist genauso wie diese Helpline in Großbritannien 24-7 erreichbar.

Es gibt auch noch die Nummer gegen Kummer, die ist sehr bekannt. Die ist hauptsächlich für Kinder und Jugendliche und von denen gibt es auch ein Elterntelefon. Und da können wir euch alle nochmal verlinken. Auf jeden Fall verlinken wir euch unter dieser Folge. Und ihr könnt da auf jeden Fall mit allen Anliegen anrufen.

Auch das kam damals, als es entwickelt wurde, schnell raus, dass man Krisentelefone nicht nur braucht, wenn man gerade darüber nachdenkt, sich selbst das Leben zu nehmen. Ich habe es ja schon angedeutet. Damals war ein häufiger Grund zum Beispiel auch das Thema sogenannte Misch-Ehen zwischen Protestanten und Katholiken.

Das hat zu völlig verzweifelten Anrufen geführt. Natürlich jetzt was, was man sich kaum mehr vorstellen kann, aber es gibt heute vergleichbare Sachen, die einen so aufwühlen und die einen vor so große Schwierigkeiten stellen, dass man die einfach mal anonym mit jemandem besprechen muss. Und genau, auch da rufen Menschen an, um das mal durchzugehen mit den Samaritern.

Da kannst du auch alle angeblichen Tabuthemen einfach mal ansprechen. Und bis heute, das finde ich aber auch richtig krass, wird die Telefonseelsorge ehrenamtlich besetzt. Es gibt in Deutschland mittlerweile mehr als 100 Standorte der Telefonseelsorge. Und diese Ehrenamtlichen, die haben ja jetzt auch nicht, wie Chat auch nicht, Psychologie studiert.

Aber die haben alle zumindest eine einjährige Ausbildung gemacht, um dann da am Telefon zu sitzen und können sehr professionell zuhören. Das ist garantiert und das reicht ja oft auch schon und sie sind eben erreichbar und hören euch zu. Ja, und begonnen hat das alles, weil Chad Vera das Mädchen nicht vergessen konnte, das wegen seiner ersten Menstruation Suizid begangen hat.

Ja, also ich glaube, ich werde diese Geschichte von diesem Mädchen auch nicht so schnell vergessen und vielleicht, hoffentlich werdet ihr den Namen von Chad Vera auch nicht so schnell vergessen. Und damit ihr wisst, welche Nummern ihr anrufen könnt, wenn es euch mehr nicht so gut geht, verlinken wir euch die, wie versprochen.

Und da findet ihr dann ja auch die Kontaktwege zu uns. Auch da könnt ihr euch immer melden. Also zum Beispiel per Mail über podcast.behindscience.de oder bei Instagram, da heißt es mir behindscience.podcast. Yes. Also teilt das. Ja, genau. Wenn es euch nicht so gut geht. Und vielleicht habt ihr ja auch so eine ähnliche Geschichte, die wir hier mal erzählen sollen.

Und wenn ihr euch erinnert, Sebastian hat uns ja diese Geschichte hier geschickt. Und seine Mail hat übrigens so aufgehört. So, ich muss jetzt aber noch das Bad weiter putzen. Ihr beiden, bleibt bitte so, wie ihr seid. Und macht bitte noch lange, lange weiter mit eurem Podcast. Stay true and rock on. Machen wir.

Sehr, sehr cool. Vielen, vielen Dank für diese wirklich inspirierende Geschichte, die du uns hier geschickt hast. Das war ganz besonders. Ach, schön. Ja, guckt mal. Und es gibt nicht nur Samariter, die eure Freunde sein möchten. Ich finde, wir haben ja auch so eine Community, die gibt mir auch immer das Gefühl, dass wir hier was haben, was man sehr gut tut. Ja, total. Voll. Ja.

Und ich mochte noch, hast du gesehen, ganz unten bei Sebastian, es stand noch so, andere haben ja manchmal so eine Signatur. Bei ihm stand so ein Spruch und ich finde, das ist auch so ein richtig guter Power-Spruch. Habe ich nicht gesehen. Ja, pass auf, dann sage ich mir jetzt der Stand. If you wanna make the world a better place, take a look at yourself and make a change.

Also, wenn ihr die Welt zum Besten machen möchtet. Oh, guck mal, ey, Chad, Chad Vera, das hätte sein Spruch sein können. Ja, aber auch alle anderen Erfindern, die wir hier so oft vorstellen, wenn ihr die Welt zum Besten machen möchtet. Nee, nicht alle, aber viele. Dann guckt mal auf euch und verändert was.

Boah, ich hoffe, dass wir uns alle sehen können, wie du im Moment die herbstlichen Blätter an den Bäumen siehst. Ja, Leute, geht mal raus da. Lasst mal ein bisschen Blätter rascheln, damit mal ein paar Eicheln und ein paar Kastanien oder so. Das ist der Herbst. Das ist eine schöne Sache. Auch gesund.

Ja, also mit diesem perfekten Erfinderspruch gehen wir raus oder zumindest in die Woche oder ins Wochenende, wann auch immer ihr uns hört. Wir hoffen, es trägt euch bis zum nächsten Science Samstag. Bis dahin, macht's euch schön. Und tschüss. Tschüss.

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