Behind Science

Ine Kusumoto: Westliche Medizin in Japan

Samstag, 4. Oktober 2025 · 29 min

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Shownotes

Die Chancen ein gutes Leben in Japan zu führen, stehen für Ine Kususomoto schlecht. Sie ist eine Ausländerin, dazu eine Frau, ihr Vater wird verbannt und sie erhält keine klassische Ausbildung. Trotzdem schafft sie es, Ärztin in der Geburtshilfe zu werden. Sie bringt westliche Medizin nach Japan und setzt sich gegen all die schlechten Vorzeichen ihres Lebens durch.

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Happy Science Samstag, ihr Lieben. Marie, ich habe aus der Community mein Traumfahrzeug geschickt bekommen. Du weißt ja, ich liebe Fahrradfahren, das weißt du. Das wissen hier, glaube ich, alle. Das tust du auch. Mittlerweile, ne? Du warst nicht immer eine Fahrradfahrerin. Aber ich glaube, wir haben ja den Prozess mit begleitet.

Ja, ich bin jetzt nicht mehr davon loszubekommen. Mein Rad quietscht im Moment ein bisschen, aber ich fahre trotzdem weiter. Sehr gut. Ja, ich fahre ja seit ich Baby habe gar kein Fahrrad mehr und ich glaube, ich habe hier auch schon erzählt, dass ich es ganz schlimm finde und es sehr vermisse und überall ganz langsam nur hinkomme.

Aber jetzt habe ich ein Fahrradsitz hinten drauf und das ist ein absoluter Gamechanger, weil ich wieder mit dem Fahrrad umherfahren kann. Aber jetzt wird es ja Herbst und da habe ich aus der Community sowas Cooles zugeschickt bekommen. Und zwar habe ich in der Regenschirm Folge, also wo wir über den Knirps, also den kleinen Regenschirm gesprochen haben, wie der entwickelt wurde, so ein ganz kleiner Schirm, der in die Handtasche passt, habe ich mich gefragt, ob es ein Fahrrad gibt, was man im Regen nutzen kann.

Und das ist mit Regenschirm unpraktisch. Ich meine, du hast dir mal erzählt, dass du manchmal auch mit Regenschirm Fahrrad fährst oder verwechsel ich das gerade? Nee, nee, ich habe erzählt, dass ich mal so eins gesehen habe, was wirklich wie so ein kleines... Ding darüber gebaut hatte. Das sah aber so aus, als würde das auch gleich mit abheben.

Das sah nach keiner guten Lösung aus. Also mit Regenschwimmfahrrad fahren, da kann man ja ungefähr so zwei kmh fahren. Das würden wir auch hier gar nicht empfehlen. Das ist ja einhändig. Nee, das empfehlen wir hier überhaupt nicht. Und abgesehen davon kann man da auch nur viel zu langsam mit fahren. Auf jeden Fall gibt es tatsächlich ein Fahrrad, was man im Regen nutzen kann. Und das ist das Pedilio.

Also so ein Fahrrad, Man sitzt da drin, also man sitzt nicht da drauf, sondern da drin, würde ich sagen. Und man tritt so nach vorne. Es ist ein bisschen wie so ein Liegefahrrad. Wie so ein Liegerad. Und dann ist da drüber ein Dach. Also ja, es ist eigentlich richtig cool. Und man hat hinten noch so einen Koffer drauf.

Also es ist ein bisschen, es sieht auch ein bisschen lustig aus, muss ich sagen. Es gibt sogar welche mit einer Solarzelle obendrauf auf dem Dach. Und es gibt welche, die haben so einen kleinen Wohnwagen hinten dran. Das heißt, du kannst mit deinem Fahrrad irgendwo hinfahren und dann hast du da noch deinen kleinen Wohnwagen mit hinten dran.

Also ja, es ist meine neue Entdeckung. Alles, was wir brauchen. Herbst, alles, was wir brauchen und noch viel mehr. Ich bin ganz fasziniert. Das ist ja der Hammer. Und das ist ein richtiges Dach dann da drauf, nicht nur so eine Plane oder so. Nee, es ist ein richtiges Dach. Also ich würde jetzt nicht, wenn der Regen seitlich kommt, würde man schon das.

Aber wenn man so von oben oder halt auch so von vorne, hält das schon ganz gut ab. Also ehrlicherweise, glaube ich, ist es noch nichts für mich. Weil ich glaube, ich weiß auch nicht, ich sehe mich dann noch nicht so ganz drin. Aber vielleicht irgendwann würde ich mir das zulegen. Ja, warte mal ab. Ich frage dich am Ende des Winters nochmal, wenn dann irgendwie 20 Mal deine Hose nassgeriert wird. Ja, stimmt.

Oh, schon wieder die Regenhose vergessen. Ja, also das ist auf jeden Fall was Lustiges. Was nicht alles so erfunden wird. Wirklich, man muss hier nur eine Frage stellen und zack, gibt es hier die Antwort mit dabei. Danke, Leute. Ich wünsche mir dann natürlich, wenn jemand mal damit fährt, schickt uns ein Bild und mein Traum wäre dann natürlich, dass man damit unter einem überdachten Radweg auch fährt.

Dann gibt es ja auch welche, die überdacht sind, wo oben dann auch noch Solar drauf ist. Ja, okay, wo oben Solar, ja gut, aber naja, Fahrradfahren, da muss man ja auch ein bisschen Wind und Wetter spüren. Aber wenn man das so als Autoersatz nutzt, also wenn man wirklich damit immer von A nach B fährt und lange Strecken und so, dann kann ich mir das schon gut vorstellen.

Das finde ich ziemlich genial, weil es ist schon auch echt eklig, wenn man auf dem Fahrrad nass wird. Jetzt schon keine Lust drauf auf den Herbst und den Winter, wenn man dann auch noch von Autos nass gespritzt wird. So ist es. So ist es, aber da machen wir jetzt einen Punkt, denn keine Lust auf Regen, aber umso mehr Lust auf diese Folge.

Ja, danke für die Überleitung. Wir reisen nämlich hier an einen Sehnsuchtsort und in meiner Vorstellung ist da gerade schönes Wetter. Da ist es warm. Ja, es ist warm. Ich auch. Und wir sind vielleicht irgendwo, wo es ruhig ist, in den Bergen, alles ist so ganz entsättigt und man findet so ganz zu seiner Mitte.

So stelle ich es mir zumindest vor. Es geht nach Japan und wir sprechen heute über Kusumoto Ine oder wie bei uns üblich zuerst der Vorname Ine Kusumoto, die erste Ärztin, die westliche Medizin in Japan praktiziert hat. Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider.

Ine, nennen wir sie hier also, die kommt 1827, also vor 198 Jahren zur Welt und zwar in einer niederländischen Faktorei bei Nagasaki. Eine Faktorei, das ist ein fester Standort für Kaufleute und Handelskompanien, um so Handel treiben zu können. Und da wird die kleine Ine auf die Welt gebracht. Ines Vater, der ist damals deutscher Arzt in Japan, der heißt Philipp Franz von Siebold, dieser Name von Siebold, den müsst ihr euch merken, der ist wichtig, zu dieser von Siebold Familie gehört jetzt also Ine und der arbeitet damals in der Nähe von dieser Faktorei, die liegt nämlich auf einer kleinen künstlich angelegten Insel in der Bucht von Nagasaki und diese Insel wurde ganz bewusst angelegt, weil da nämlich wirklich gezielt Ausländer sind.

Versammelt werden, die dann da arbeiten dürfen, weil sie ja zwar in Japan leben dürfen, aber immer noch so ein bisschen abgegrenzt werden sollen von der japanischen Bevölkerung. Japan ist lange Zeit komplett von anderen Ländern isoliert und öffnet nur so stückweise die Landesgrenzen. Und als der Vater von ihnen mit 26 Jahren dann berufen wird nach Japan, um dann da als Arzt zu arbeiten.

Da lockt man ihn dann auch damit, dass er nicht nur als Arzt arbeiten darf, sondern auch so Naturforschungen betreiben kann oder halt auch so das Land erforschen darf. Und er bekommt auch tatsächlich finanzielle Mittel bereitgestellt, damit er umfassende Untersuchungen zu Land und Leuten durchführen kann.

Aber er arbeitet eben da auch als Arzt. Nur das überzeugt ihn dann sozusagen vollends nach Japan zu gehen, obwohl man da so ein bisschen am Rande der Gesellschaft halt damals noch lebt als Ausländer. Ja, und das ist, glaube ich, für ihn auch ganz spannend, denn als Arzt auf dieser Insel ist er auch häufig in Kontakt mit höhergestellten japanischen Patienten.

Also die rufen ihn dann halt und dadurch gibt es auch so die Gelegenheit. Sogar zum Teil mehr als es eigentlich die Kaufleute in dem Fall machen, Bekanntschaften zu knüpfen mit den Japanern, vor allem mit den höhergestellten und auch so ein bisschen dadurch an Informationen und Materialien zu kommen, wo man vielleicht sonst keinen Zugang zu hat.

Offiziell dürfen aus der westlichen Welt nur Niederländer den japanischen Boden betreten und er und Ines Familie... Gehören eben dazu. Ja, und irgendwann lernt er dann Ines Mutter Sonogi Otaki kennen aus der Familie Kusumoto, daher der Name Ine Kusumoto. Damals ist sie erst 16 Jahre alt und steht stark unter Druck, denn sie soll einen sehr viel älteren Freund ihres Onkels heiraten.

Dem will sie entgehen und außerdem ist ihre Schwester schon mit Heinrich Bürger, dem Assistenten von Ines Vater, verlobt. Und jetzt lässt sie sich jedenfalls auf diesen Vater von Ine ein. Sie lässt sich so einen roten Stempel in ihren Pass drücken. Dieser Stempel ist der Stempel der Kurtisanen und der erlaubt es sozusagen dann, auf diese künstliche Insel zu gehen, auch als Japanerin.

Sie ist wie gesagt erst 16 Jahre alt und die beiden heiraten und bekommen eine Tochter und die nennen sie Ine. Soviel also zur Vorgeschichte von Ine. Das Ganze ist ein bisschen verwoben, verwurschtelt quasi, wie die Eltern sich auch irgendwie kennengelernt haben. Sie konnten halt nur aufeinandertreffen, weil eben dieser renommierte Arzt auch Kontakt zur japanischen Bevölkerung hatte.

Viele der Handelsleute, die da auf dieser Insel gelebt haben, hatten gar keinen Kontakt. Also nur das Minimum an Kontakt. Und da hatte er so eine Sonderstellung sozusagen. Ja, aber diese ganze Vorgeschichte mit dieser Insel und so, ich finde das sehr spannend und das gehört auf jeden Fall einfach zu Ines Geschichte.

Deswegen wollten wir euch das jetzt erzählen. Also Ine kommt jetzt zu, sie wächst erst mal mit Mutter und Vater auf, aber 1828 geht dann die Dienstzeit von ihrem Vater in Japan zu Ende und es passiert etwas Schlimmes. Denn bei der Ausreise aus Japan fliegt er auf... Er hat heimlich ein paar Sachen mitgehen lassen, deren Ausfuhr aus Japan eigentlich verboten ist.

Und darunter sind unter anderem vertrauliche Informationen, die illegal von einem Geografen gesammelt worden sind. Ich finde irgendwie bei illegalen Informationen denkt man jetzt an Waffen. Ich denke ja nicht an Karten, genau, aber es geht hier wirklich um Wissen quasi, was da illegal geliebt wurde. Ich denke an Waffen und so Schildkröten oder Schlangen oder so. Ja, genau.

Genau, dass solche Sachen da nicht durch die Kontrolle gingen. Aber in diesem Fall ging es jetzt darum, dass Ines Vater Karten mitnehmen wollte, die in die Hände der Feinde Japans, also den Russen, gelangen könnten. Und deswegen, also das war der Grund, dass die japanische Kontrolle da gesagt hat, Moment mal eben, das geht ja jetzt gar nicht.

Damals bedroht Russland Japans Nordgrenzen und weil das eben alles so heikel ist, wird Ines Vater da jetzt als ausländischer Spion eingestuft und komplett aus Japan verbannt. Ja, richtig verrückt. Also wie gesagt, er durfte halt dann da Materialien sammeln, beziehungsweise das war jetzt ja nicht von Japan so unbedingt erlaubt.

Naturforschung, ne? Genau, hat das dann auch gemacht und dafür wurde er von Japan dann eben ziemlich hart bestraft. Irgendwo kann ich es auch gut verstehen. Also ja, wenn sowas dann irgendwie nach außen gelangt, wer weiß, was dann damit angestellt werden kann. Aber was da wohl so gesagt wurde, meinst du, er hat dann so gesagt, Spion?

Nein, ich bin Arzt. Forscher und Arzt. Forscher, genau. Wie könnt ihr das über mich denken? Aber natürlich kann man die Seite da verstehen. Aber aus persönlicher Sicht ist es natürlich katastrophal, weil er da wirklich seine Familie zurücklassen muss, seine Frau, seine Tochter Ine. Er bekommt jetzt das Urteil, du darfst sie quasi erst mal nie wiedersehen.

Das ist richtig, richtig schlimm. Aber es zeigt nochmal, wie wertvoll Wissen einfach sein kann und wie gefährlich dann auch in mancher Hinsicht. Auf jeden Fall, ja. Heute wird das dann von Hackern irgendwie erledigt, dass man an so ein Wissen kommt und damals hat man dann irgendwie Karten mitgehen lassen, wobei wir ihm ja nicht unterstellen, dass er sie sozusagen zum Beispiel den Russen zukommen lassen wollte.

Er hat das ja sicherlich einfach nur aus Interesse gemacht und weil er ja auch den Auftrag so ein bisschen hatte. Ja, und wie geht es jetzt für Ine und ihre Mutter weiter? Die beiden dürfen das Land nämlich nicht verlassen und Ines Mutter heiratet dann neu. Zum Glück hinterlässt Ines Vater der Familie einen Vorrat an anderen wertvollem Material, und zwar Zucker.

Zucker wird in Japan lange nicht als Gewürz, sondern als Medizin eingesetzt und ist deswegen ein absolutes Luxusgut und kann auch erst mal die Lebensgrundlage der Familie sichern. Außerdem sorgt Ines Vater dafür, dass seine Mitarbeiter die beiden schützen, also Ine und ihre Mutter. Bei diesen Mitarbeitern können sie dann auch erst mal eine Zeit im Haus leben.

Ja, irgendwie verrückt, dass Zucker als Medizin galt und heute versuch mal vom Zucker wegzukommen mit Medizin. Ja, es ist ein bisschen crazy, aber ja, andere Zeiten. Einen Vorteil, wenn man das so nennen darf, hat jetzt das Ganze, dass Ines Vater da verbannt wurde sozusagen. Er schreibt ihr ganz viele Briefe und schickt ihr auch Bücher über niederländische Grammatik, die damals für westliche Studien in Japan super wichtig sind.

Und die ehemaligen Schüler des Vaters von Ine bilden sie jetzt auch aus. Und jetzt wird es so ein bisschen vage in der Geschichte von Ine. Es ist ja auch einfach schon sehr lange her, deswegen weiß man nicht so ganz, wie es da verlaufen ist. Eine nicht gesicherte Geschichte erzählt, dass ihnen im Alter von 14 oder 15 Jahren davon gelaufen sei, um bei einem von den Schülern ihres Vaters, der fast 400 Kilometer von Nagasaki entfernt lebt, Medizin, speziell Chirurgie zu studieren.

Eine andere Version der Geschichte spricht davon, dass sie von ihrer Mutter geschickt worden sei, um so die Familientraditionen auf zweierlei Art fortzusetzen. Sie wird nämlich Ärztin mit der Fachrichtung Geburtshilfe. Wie genau das in der Familie liegt, das erzählen wir am Ende. Da geht es nochmal um eine Verwandte, die schon in einer ähnlichen Richtung unterwegs war.

Da ist sie quasi in deren Fußstapfen getreten. Und sie pflegt jetzt diese europäische wissenschaftliche Orientierung in der Frauenheilkunde und lernt die und kennt sich da dann irgendwann richtig, richtig gut aus, mit der auch ihr Vater nach Japan gekommen ist und was auch den Vater sozusagen als Arzt ausgezeichnet hat.

Also diese europäische Wissenschaft, diese europäische Medizin bringt sie jetzt erst mal komplett neu nach Japan. Und das macht sie ja sehr, sehr besonders für die japanische Bevölkerung. Ja, sehr besonders, weil sie eine von wenigen Frauen überhaupt in der Medizin ist damals. Und sie bringt diese europäische Medizinheilkunde nach Japan.

Und deswegen ist es auch wichtig, Immer noch so, dass wenn man in Japan von einer deutschen Ärztin spricht, dass man damit eigentlich im heutigen Sinne so eine Frauenärztin oder Geburtshelferin meint. Also ja, das geht immer noch auf sie als diese originale deutsche Ärztin zurück, deren Fachgebiet das eben war.

Ja, also wenn man sozusagen in Japan, also das ist quasi ein Begriff, deutsche Ärztin sagt, dann meint man sowas wie Frauenärztin oder Geburtshelferin richtig verrückt. Bei uns wäre es dann irgendwie vielleicht Hebamme. Ja, also da hat sie auf jeden Fall sogar die Sprache geprägt. Und im Fürstentum Okayama studiert Ine dann Geburtshilfe und dann passiert etwas wirklich ganz Schreckliches, widerfährt ihr. Mit 24 Jahren wird Ine wohl von ihrem Lehrer schwanger.

Allerdings heißt es, dass sie von diesem sehr viel älteren Mann, der auch dazu noch ein ehemaliger Schüler ihres Vaters ist, vergewaltigt wurde. Ganz, ganz furchtbar und sie bringt dann aber dieses Kind, was aus der Vergewaltigung hervorgeht, zur Welt. Eine Tochter, die zieht sie auch groß und kennt sie als ihre Tochter an.

Mit der wohnt sie dann alleine und vertraut das Baby aber später dann auch ihrer Mutter Taki an, um ihre Studien fortzusetzen. Also nicht, dass ihr da nur etwas, ja, brauchen wir gar nicht so sehr betonen, weil es auf der Hand liegt, dass das ganz schrecklich ist. Sie ist jetzt auch noch quasi in ihren Studien unterbrochen.

Sie ist alleinerziehende Mutter. Also das Ganze zerrüttelt komplett so ihre Pläne von ihrer Zukunft. Aber zum Glück ist ihre Mutter Taki da an ihrer Seite und unterstützt sie da sehr, damit sie da auch ihre Studien eben fortsetzen kann. Mhm. Und dass Ine dann auch so entscheidet, okay, ich möchte meine Studien fortsetzen, ich vertraue das Kind jetzt einfach meiner Mutter an, das ist für sie als Frau damals extrem ungewöhnlich.

Also eigentlich sehr viel an ihrem Leben ist ja ganz ungewöhnlich für die damalige Zeit. Sie führt so ein total modernes Leben für damalige Feindnisse. Sie ist versiert in ihrem Beruf. Sie bewegt sich geschickt in den allerhöchsten Kreisen da in der japanischen Gesellschaft. Also auch in so adeligen Kreisen, da verhält sie sich so gut, dass sie da total respektvoll behandelt wird.

Also sie ist da irgendwie sehr geschickt im Anpassen und dieser rasante Aufstieg, den sie dann auch schafft, der ist einfach nur möglich, weil sie in einer Zeit in Japan lebt, in dem auch ganz, ganz viel im Umbruch ist. Also das ganze Land ist derzeit im Umbruch. Alte Strukturen, die werden aufgebrochen, das Traditionelle verschwindet und es gibt eine Öffnung zu einer moderneren Welt.

Und da ist sie also genau in diesem Moment am richtigen Ort, denn plötzlich zählt nicht mehr nur das Geschlecht oder ihre Herkunft, sondern es geht um Bildung und Intelligenz. Und das ist ja was, was sie sich sehr erarbeitet hat und womit sie auf jeden Fall jetzt punkten kann. Ja, eigentlich ist sie nämlich so wirklich so, also dazu verdammt will ich jetzt nicht sagen, aber mir fällt gerade keine andere Bezeichnung ein.

Als Außenseiterin zu gelten in Japan. Weil sie eine Frau ist, weil sie unverheiratet eine Tochter bekommen hat, die auch noch aus einer Vergewaltigung entstanden ist und so weiter. Also eigentlich spricht nichts dafür, dass diese Frau Erfolg hat in diesem sehr traditionellen Land, aber sie mausert sich da richtig mit dem richtigen Wissen im richtigen Fachgebiet ganz nach oben und weil sie sich eben so geschickt...

In den hohen Kreisen bewegen kann, erhält sie da sehr viel Anerkennung. Und sie kann sich das eben nur aneignen, weil ihr Vater sie aus dem Ausland so unterstützt. Tatsächlich endet 1854 dann die Isolation Japans und mit der Öffnung des Landes kehrt endlich auch ihr Vater nach Japan zurück. Und die beiden können sich wiedersehen.

Als dann einige Jahre später das erste japanische Krankenhaus nach westlichem Vorbild eröffnet wird, bekommt Ine dann die Möglichkeit, dort auf der Frauenstation zu arbeiten. Und bei Operationen auch zu assistieren. Und in diesem Krankenhaus findet zum Beispiel dann auch die erste dokumentierte Autopsie an einem Menschen in Japan statt.

Und Ine ist die erste Japanerin, die Zeugin einer solchen Obduktion wird. Also sie schreibt da wirklich Geschichte im Bereich westliche Medizin in Japan und setzt da ganz, ganz viele Neuerungen auf den Weg, die es so vorher noch nicht gab eben in diesem traditionell geprägten Japan, was natürlich auch der traditionellen japanischen Medizin gefolgt ist.

Und das ist so cool, dass sie als Frau und wie gesagt so ein bisschen als Outcast das schaffen konnte, da hinzukommen, das da hinzubringen. Ja, und liebe Leute, jetzt passiert noch was ganz Besonderes, denn durch ihre Verbindung, die sie da jetzt aufgebaut hat, in diese Kreise von angesehenen Gelehrten.

Wird sie zu einer ganz besonderen Geburt gerufen und zwar ins Kaiserhaus. Die erste Konkubine des Kaisers erwartet das erste Kind des Herrschers. Das Kaiserhaus leidet damals unter einer sehr hohen Mütter- und Kindersterblichkeit, was wahrscheinlich auf eine Kombination aus Inzest und schlechter Ernährung zurückzuführen ist.

Denn ironischerweise ernährt sich die Elite von weißem Reis im Gegensatz zu der einfachen Bevölkerung, die braun Reis und Hirse isst. Aber ja, dadurch entsteht eben bei dieser reichen Bevölkerung ein Vitamin-B-Mangel. Dadurch auch Gesundheitsprobleme. Also ja, es hatte gar nicht so, gesundheitlich nicht unbedingt Vorteile.

Es sah schöner aus in deren Augen, es sah feiner aus. Es war schicker, aber nicht gesünder für sie. Und die Wehen und die Entbindung der Frau des Kaisers, die werden jetzt von ihnen, wir wiederholen das nochmal, Japans erster Ärztin höchstpersönlich betreut. Ja, und die ist richtig erfolgreich als Ärztin, die eben westliche Medizin praktiziert.

Ab 1868 führt die neue Regierung dann überall verwestlichende Modernisierungsreformen ein. Darunter die Einrichtung neuer Universitäten im westlichen Stil und so weiter und das Interesse an Wissen aus Europa trägt dann am Anfang auch dazu bei, Ines Karriere noch mehr voranzutreiben, aber das Ganze hat auch einen Haken, also diese Verwestlichungsreformen dieser Meiji-Regierung, Die beinhalten genauso viktorianische patriarchale Normen, also die Beschränkung für Frauen, wie sie in Europa gang und gäbe sind und auch die Medizin wird reguliert.

Man fordert jetzt, dass im medizinischen Bereich Menschen arbeiten, die so eine ganz offizielle Approbationsprüfung abgelegt haben, eine formell anerkannte Ausbildung abgelegt haben, an anerkannten Schulen und so weiter. Und Ine hat sich ja wirklich so durch Bücher und durch die Lehren der Schüler ihres Vaters und so weiter oder ja auch die Lehren ihres Vaters selber, hat sie sich ja so ein bisschen zur Ärztin gemausert, könnte man sagen.

Also sie hat einfach super viele Erfahrungen selber gesammelt und super viel Wissen gesammelt, aber jetzt nicht so richtig den offiziellen Weg. Und das Problem ist jetzt auch, dass diese Schulen, die die westliche Medizin jetzt anbieten in Japan, die ebenfalls eben westlichen Vorbildern folgen und die sind eben fast ausschließlich männlich.

Ine hat zum Glück vor diesen Beschränkungen genug Berühmtheit erlangt und darf weiter als Ärztin praktizieren, aber dann nur als Hebamme alten Stils, so heißt das dann, und nicht als Medizinerin. Also ja, es kommt der Fortschritt und eigentlich könnte man meinen, okay, sie ist ja quasi auf der Fortschrittswelle ganz vorne, aber leider geht es ihr dann damit eben nicht so gut.

Und das beschneidet so ein bisschen dann ihre Möglichkeiten als Medizinerin. Sie hatte ja auch gar keine Chance, das anders zu machen. Also alles, was sie da an diesem Zusammengesammelt hat, das ist ja voll hart erarbeitet, als es gar nicht anders ging. Sie hat so viel erreicht und scheitert dann wie so viele Frauen am patriarchalen System.

Das ist echt so traurig, vor allem, weil sie, also sie verliert ja ihren Job, Aber auch ihr Rollengefühl verändert sich durch total. Also es ist nicht nur dieses von außen, wie Frauen jetzt wahrgenommen werden in ihren Fähigkeiten, sondern sie fühlt diese Veränderung auch wirklich so in sich. Also sie fühlt sich einfach von ihrem Beruf ausgeschlossen und das bis zum Ende.

Das, finde ich, ist das Allerschlimmste. Nach ungesicherten Quellen zieht sich Ine 1895 in den Ruhestand zurück, lebt zu der Zeit mit ihrer Familie in Tokio und da stirbt sie dann auch mit 76 Jahren. Aber sie bleibt auf jeden Fall die erste Ärztin Japans. So können wir sie in Erinnerung behalten. Ja, so sollten wir sie in Erinnerung behalten.

Eine, die wirklich den Weg geebnet hat für sehr, sehr viele, die nach ihr gekommen sind. Es gibt zum Beispiel auch in Japan Fernsehdramen, die sich mit ihrem Leben beschäftigen und auch einen Manga. Also da kann man mal reingucken. Da wird sie als Frau mit rot gefärbten Haaren dargestellt, die so sehr willensstark ist wegen dieser ganzen Prüfungen, die ihr Leben so bereithält.

Ich finde, das passt ganz gut, auf jeden Fall. Und du hast es eben schon mal so ein bisschen angeteasert. Tatsächlich liegt dieses Medizingen wohl in ihrer Familie, in der Siebold-Familie. Wir haben eine Schule in Würzburg gefunden, das Siebold-Gymnasium und die haben einen Stammbaum der Siebolds aufgefüllt.

Da ist zum Beispiel auch Josepha von Siebold, deren Geschichte wir euch unbedingt noch ganz kurz erzählen möchten, denn Josepha ist Ines angeheiratete Großtante und die war die erste deutsche Frauenärztin, also Frau. In Deutschland irgendwie ist sie einen ganz ähnlichen Weg gegangen. Sie lebte mit ihrem Mann in bescheidenen Verhältnissen und deshalb beschloss Josefa, als Ärztin für Geburtshilfe zu arbeiten und ihren Mann praktisch zu unterstützen finanziell.

Das war ihre Motivation. Da es bis dahin diesen Beruf für Frauen gar nicht gab, war es ein sehr harter Weg, könnt ihr euch vorstellen. Wir kennen jetzt Ines Weg, auch der von Josepha war nicht gleich, aber ihr wurde damals erlaubt, heimlich, könnte man sagen, also wirklich versteckt hinter einem Vorhang als Hörerin, einen Kollegen über Frauenheilkunde an der Uni Würzburg zu besuchen.

Und so ist sie dann an ihr Wissen gekommen. Auch eine wilde Geschichte. Total, ja. Also da ist jemand, der will lernen, der will Menschen heilen, retten, medizinisch behandeln, wie auch immer. Und dann verweigert man das, weil es eine weibliche Person ist. Erlaubt dann aber hinter einem Vorhang der Vorlesung zu lauschen.

Wahrscheinlich noch irgendwie mit so einer Begründung, sonst können sich die männlichen Studierenden nicht konzentrieren oder so. Also wirklich sehr schräg, aber sie zieht da auch voll ihr Ding durch und wird damit die erste weibliche Frauenärztin Deutschlands. Also genau, auch wenn das aus heutiger Sicht natürlich total verrückt ist, es zeigt, dass in dieser Familie irgendwie dieses Medizinergen schon vertreten war. Medizinerinnen gehen.

Medizinerinnen gehen, das stimmt. Aber auch die männlichen Vorfahren und Nachfahren sind irgendwie Ärzte gewesen. Später darf Giuseppe dann tatsächlich die Pockenschutzimpfung verabreichen. Also sie mausert sich dann da wirklich immer weiter nach oben. Womit sich dann hier irgendwie auch der Kreis schließt, weil wir ja neulich eine Folge zur Entwicklung des Pockenimpfstoffs durch Edward Jenner gemacht haben.

Also es ist ja alles ein Kreislauf quasi. Und Josefa erhält dann tatsächlich von der Universität Gießen ehrenhalber den Doktor der Medizin. Das ist die erste Ehrung dieser Art, die eine deutsche Universität einer Frau erteilt hat. Eine... Wirklich beeindruckende Familie, kann man nicht anders sagen. Man könnte hier noch über mehrere Siebold-Familienmitglieder komplette Folgen machen, aber vielleicht machen wir das wann anders.

Wir bleiben jetzt erstmal bei den beiden. Josefa, von der mussten wir euch jetzt einfach noch erzählen. Aber ja, sie verbindet einfach sehr viel mit Ihnen, weil es beide weibliche Ärztinnen waren, was damals ein sehr, sehr großer Schritt war. Ja, auf jeden Fall eine Familie der Superlative, die Siebolds, also die Ersten, die Besten und so weiter.

Wir hoffen, ihr hattet Freude an diesem kleinen Ausflug nach Japan und in die Familie Siebold. Schreibt uns gerne mal, ob ihr diese Familie schon kanntet, ob ihr euch vielleicht von anderen Familienmitgliedern auch nochmal eine Folge wünscht, dann recherchieren wir das nochmal nach. Und wenn ihr jemand ganz anderes im Kopf habt, wir sind auch echt gerne international unterwegs, dann könnt ihr uns diese Person auch immer zukommen lassen.

Wir kriegen hier so coole Vorschläge, also gerne immer her damit. Und wir hören uns auf jeden Fall nächste Woche am nächsten Zeitensamstag wieder. Das ist schon mal ganz klar. Das ist sicher. Das ist sehr ganz wissenschaftlich gesichert. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.

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