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Shownotes
Er richtet Menschen die Ohren und stellt Nasen wieder her - dafür soll Jacques Joseph nicht nur in Verruf geraten, sondern auch seinen Job verlieren. Er bleibt dran und entwickelt als erster Arzt in Deutschland die ästhetische Chirurgie. Sein Geschäft floriert, aber dann werden seine Fähigkeiten plötzlich für politische Zwecke missbraucht und er steht vor einem ethischen Dilemma.
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Happy Science Samstag mal wieder. Ich freue mich sehr, dass ihr hier wieder zuhört und dass wir wieder mit zu euch quatschen können, wir untereinander quatschen können, wie auch immer. Und ich habe mal eine wichtige Frage, Marie. Hast du eigentlich mal irgendwas bei dir machen lassen? Ist deine Nase deine echte Nase?
Ja, die ist echt, die ist auch gar nicht besonders gerade zum Beispiel. Hast du mal drüber nachgedacht, irgendwas machen lassen? An den Ohren, an den Augen, man kann ja alles machen lassen. An der Stirn, irgendwas straffen. Finde ich spannend, diese Frage lasern vielleicht. Aber ich traue mich auch nicht. Aber das ist ja dann kein Beauty-Eingriff, so nenne ich es jetzt mal.
Keine plastische Chirurgie, sondern dass du einfach wirklich besser sehen kannst. Nee, so Beauty-mäßig habe ich da, glaube ich, auch nie drüber nachgedacht. Oder so. Oh ja, meine Zornesfalte ist auch sehr doll, aber irgendwie schließt sich das komplett aus. Ja, habe ich auch schon mal überlegt. Hast du auch schon mal gesehen?
Nein, habe ich bei dir noch nie gesehen. Hast du wirklich noch nie aufgefallen? Das ist auch manchmal der Spiegel, den man braucht. Ja, Zornesfalte, das kann ich verstehen, aber irgendwie denke ich dann immer so, Falten gehören auch irgendwie so zu mir, auch meine Lachfältchen, obwohl die bestimmt auch tiefer werden jetzt so mit dem Alter.
Ich habe tatsächlich schon mal sehr viel drüber nachgedacht, meine Nase richten zu lassen. Ja? Weil ich die doch relativ krumm finde. Und es hat mich auch lange Zeit Überwindung gekostet, mir Fotos anzugucken, wo ich im Profil zu sehen bin. Verrückt, oder? Ja. Wir haben beide, glaube ich, keine, also so ein bisschen eine ruckelige Nase. Ja, genau.
Aber ich hatte viel zu sehr Angst davor, dass ich mich nicht mehr wie ich fühle danach. Ja, und dass man in den Spiegel guckt und so, hä, wer ist das denn? Und ich finde, eine Nase verändert ja auch total stark das Gesicht. Extrem. Ich weiß, bei uns in der Stufe damals in der Schule hatten, glaube ich, drei Leute die Nase sich über die Sommerferien machen lassen. Wow.
Und die sahen halt alle gleich aus. Ja. Also ich bin immer Fan davon, wenn einen das so sehr stört, das dann machen zu lassen, aber ich fand so natürlich als außenstehende Person, ja, es war schon so ein anderes Gesicht einfach. Also musste man sich erstmal dann so, ja, dran gewöhnen wieder. Aber ich habe das dann auch wieder verworfen und bin auch froh, dass ich es nicht habe machen lassen, weil es irgendwie jetzt doch meine Nase ist, die so zu mir gehört.
Aber es gibt natürlich auch Sachen, die stören einen dann so sehr, dass man die dann unbedingt angehen möchte. Warum wir heute darüber sprechen. Wir sind ja nicht auf einmal irgendwie ein Beauty-Podcast geworden oder so, sondern wir sprechen heute genau über dieses Thema ästhetische Chirurgie. Heute geht es nämlich um Jacques Joseph, der die ästhetische Chirurgie entwickelt hat.
Behind Science Geschichten aus der Wissenschaft mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider. Ja, diese Geschichte ist irgendwie traurig, fanden wir. Also ich musste zum Beispiel noch echt lange an Jacques denken, nachdem wir für diese Folge recherchiert haben. Ich finde, das Ende ist auch ziemlich unerwartet und der Beginn irgendwie auch.
Also die Geschichte hat mich irgendwie mitgenommen und beschäftigt. Sie beginnt nämlich auch, wie unsere Folge, mit einer Nase, so könnte man es sagen, beziehungsweise ohne eine Nase. Denn es ist 1916 in Berlin und ein junger Leutnant sucht den Chirurgen Dr. Jacques-Joseph auf, also den, über den wir heute sprechen. Und dieser Leutnant heißt Karl Hassbach und er hat keine Nase mehr.
Das ist richtig, richtig schrecklich. Das ist eine ganz andere Situation. Ganz andere Situation. Er ist einer von vielen Soldaten, die wirklich entstellt aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehren. Also wirklich schrecklich, sich das vorzustellen, dass man eben so entstellt ist, dass man seinen kompletten Gesichtszüge dadurch verliert durch diesen Krieg.
Und das in sehr jungen Alter zum Teil. Also die Soldaten waren damals super jung, manche erst 16, 17 Jahre alt und dann kamen sie teilweise ohne Gliedmaßen oder eben in diesem Fall ohne Nase nach Hause. Und wir haben ja eben schon gesagt, das ist was, was... Dein Gesicht, dein ganzes Aussehen so extrem verändert.
Man kann zwar ohne Nase weiterleben, also rein biologisch ist das möglich. Aber es ist so was, was einfach, was du jeden Tag siehst, was dann auch alle anderen jeden Tag sehen. Ja, man merkt sofort, da fehlt was, da fehlt was ganz Zentrales. Und deswegen ist das dann schon was, was nicht nur optisch fehlt, sondern auch schwer für die Psyche war.
Ja, und auch wenn wir jetzt hier so ein bisschen so, wolltest du mal was machen lassen oder so, eingestiegen sind. Also wir beide sehen total, dass es Eingriffe gibt. Wenn man so sehr unter seinem Aussehen leidet, dass die wirklich die Psyche belasten können. Und das sieht auch Jacques so. Und deshalb will er Abhilfe schaffen.
Und dem jungen Leutnant seine Nase wiederherstellen. Tatsächlich gelingt ihm das. Das ist was ganz, ganz Besonderes. In mehreren Eingriffen formt Jack ihm eine neue Nase aus Stirnhaut, aus Ohrknorpel und aus Knochenstücken aus dem Schienbein. Richtig verrückt. Also er puzzelt da quasi eine neue Nase zusammen.
Boah, das finde ich so interessant, wie man dann auf die Idee kommt, was man jetzt von wo nimmt. und dann am Ende eine Nase mitten im Gesicht wird. Genau, wie mutig auch so. Also das Schienbein sieht ja mal wirklich nicht aus wie eine Nase, aber ja, da kann man einen Knochen nehmen irgendwie. Okay, Stirnhaut ist vielleicht ähnlich dünn, würde vielleicht auch passen.
Also es ist eine Meisterleistung, was er da vollbringt. Wahnsinn. Und da fehlt dir ja wirklich viel. Also das muss man erst mal rekonstruieren. Ja, genau. Rekonstruieren ist das richtige Wort. Und er ist jedenfalls der allererste Arzt, bei dem dokumentiert ist, dass er eine Nase wirklich so wieder rekonstruiert hat.
Und diese Fotos, die man von dem Leutnant sich anschauen kann, sind wirklich beeindruckend, als wenn man nicht wüsste. Dass seine Nase aus anderen Körperteilen geformt wurde, würde einem das gar nicht auffallen, dass das nicht seine ursprüngliche Nase ist. Also obwohl das quasi... Zum allerersten Mal so dokumentiert gemacht wird, ist es auch verdammt gut gemacht so für das allererste Mal und für so eine Art Experiment, muss man sagen.
Ja, also die komplette Form, der Aufbau, das musste er sich ja alles überlegen. Das hatte noch niemand vor ihm so geschafft. Und dann musst du ja auch noch gucken, dass du es nicht nur zusammengebaut hast, sondern dass das dann auch noch mitten im Gesicht hält. Also es sind ja extrem viele praktische Fragen und dass es dann auch gut durchblutet ist und so. Ja, und man dadurch atmen kann, also ganz, ganz beeindruckend.
Ich hatte tatsächlich mal, habe eine Recherche gemacht zu Orthesen, das kannte ich vorher gar nicht so im Detail. Wie eine Prothese? Genau, also bei Prothesen, da ersetzt du ja quasi komplette Gliedmaßen, also Hände, Arme, Beine, sowas. Und bei Orthesen ist das sowas wie Ohren, Nasen, dann werden die nicht, wie jetzt in dem Beispiel.
Aus eigenem, also sozusagen eigener Haut wiederhergestellt, sondern das sind dann so, wie so eine Art Plastik oder so eine Mischung, Gummi-Plastik-Mix, wo du sozusagen Nasenteile wiederherstellen kannst. Wenn zum Beispiel Menschen so ihren einen Nasenflügel verloren haben, wenn sie Hautkrebs hatten, das war da das Beispiel und da kam ein älterer Herr in die Praxis, wo ich diese Recherche gemacht habe und du hast es dem nicht angesehen und diese Orthese hat gehalten durch einen Magneten.
Der in seiner echten Nase befestigt war und dann hat man quasi mit dem Magnet diese Orthese da drauf gesetzt und dann hatte der eine komplette Nase. Also ganz toll und der war so gerührt davon, dass das wieder so funktioniert hat, dass der wirklich so Tränen in den Augen hatte. Es war ganz, ganz, ganz rührend, eine total intime Recherche auch und das fand ich auch sehr, sehr toll.
Also zeigt, was heute quasi schon möglich ist, so in der plastischen Chirurgie. Ist natürlich nochmal ein anderes Feld, aber ja, fand ich irgendwie, ist mir da auch nochmal eingefallen, diese Recherche, das hat mich auch sehr lange beschäftigt. Wobei das ja dann nur dran gesetzt war und wahrscheinlich nicht in dem Sinne chirurgisch, sondern so wie einfach nur daneben.
Und nicht noch mit Haut überzogen oder so. Ganz genau. Zeigt aber halt auch, dass es quasi noch mal ein Feld gibt, auch um halt Gesichter wieder herzustellen, weil das eben sehr stark die Psyche belasten kann, wenn das, ich sag mal, nicht der Norm entspricht und eben so jedem ins Auge fällt, dass da zum Beispiel was fehlt.
Ja, vielleicht können wir noch ein Beispiel von Jacques erzählen. Denn dieses mit der Nase, das ist auf jeden Fall so sein Durchbruch damals. Aber es ist nicht seine erste OP in der plastischen Chirurgie. 20 Jahre vorher kommt nämlich schon mal eine Mutter zu ihm, zusammen mit ihrem zehnjährigen Sohn.
Und sie berichtet, dass ihr Kind wegen der abstehenden Ohren so gehänselt wird. Und damals ist Jacques noch in der Ausbildung. Er lehnt deswegen die Behandlung zuerst ab, weil es ja gerade auch um ein Kind geht. Und eigentlich ist dieses Kind körperlich gesund. Aber gleichzeitig geht ihm diese Geschichte auch nicht mehr aus dem Kopf.
Also er muss immer daran denken, wie es diesem Kind wohl geht und er könnte ja dazu beitragen, dass es diesem Kind vielleicht zumindest seelisch besser geht und es keinen seelischen Schäden davon trägt. Ja, also Mobbing, Hänseleien, das ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Kind in der Schule passieren kann.
War das denn damals zum Beispiel mit der Nase, war das nur Thema für dich oder war das auch irgendwie Thema für die anderen? Gute Frage. Mir ist ein Beispiel ganz, ganz krass hängen geblieben. Da hat einer mal so einen, den kann ich gar nicht aussprechen, also mache ich ja auch nicht, kann ich dir gleich nochmal auf Mikro erzählen.
So einen furchtbaren Spruch über meine Nase gesagt, dass ich wirklich da ganz viele Jahre dran zu knabbern hatte. Aber es war jetzt nicht so Thema per se, also es war jetzt nicht so, hier Luisa mit der großen Nase oder so. Also das jetzt nicht, aber ja. Trotzdem bleibt er hängen. Ein Spruch von jemandem, der mir auch nichts irgendwie bedeutet hat oder so.
Irgendein Typ, es war so eine Ferienfreizeit, ganz blöde Geschichte, der irgendwie so einen Satz da auf Lager hatte. Aber jetzt stell dir mal vor, man hört das ständig. Genau, täglich und dann kannst du es auch nicht verstecken. Also Ohren sind nun mal einfach präsent. Nicht ändern, genau. Und sollte man ja theoretisch auch nicht ändern müssen oder so.
Aber ja, Kinder picken sich dann halt irgendwie sowas raus. Und abstehende Ohren, da weiß ich auch, dass das bei einigen Kindern ein Thema war. Und mittlerweile macht man ja häufig dann da Korrekturen, sodass das dann eben kein Thema mehr ist. Da gab es bei uns auch welche schon in der Grundschule, die dann aus den Ferien zurückkamen mit so einem Kopfverband und man wusste schon, da drunter sind die Ohren jetzt angelegt.
Ja krass, Wahnsinn, ja heute ist es so ein Standardding irgendwie, also so Körpermerkmale, die irgendwie von der Norm abweichen, werden dann vor allem auch bei Kindern halt... Ja, behandelt, damit Personen eben nicht gemobbt werden, gehänselt werden und blöde Sprüche bekommen. Und zu dem Entschluss kommt jetzt Jacques tatsächlich auch und er führt die OP an diesem Jungen durch.
Und zwar ohne seinen Professor vorher zu informieren, bei dem er damals angestellt ist. Er verkleinert dem Jungen die Ohren und legt sie an. Ja, wie gesagt, ist eine Standard-OP mittlerweile. Die OP gelingt Jacques auch, aber er muss leider teuer dafür bezahlen, dass er das gemacht hat. Nicht mit Geld, sondern mit seinem ganzen Job.
Also er wird einfach nach dieser Aktion aus der Klinik geschmissen. Statt irgendwie Anerkennung für diese Leistung zu erhalten, ist er erst mal arbeitslos. Okay, er hat das auch nicht gesagt. Naja, ist auf jeden Fall richtig nach hinten losgegangen für ihn persönlich. Und er wird nicht nur seinen Job los, sondern er erntet selbst richtig viel Spott von Ärztekollegen.
Und das ist was, was ihn jetzt wiederum sein Leben lang verfolgt. Also seine Kollegen finden das absolut skandalös, dass jemand diese heilige Chirurgie für so kosmetische Zwecke nutzen möchte. Das ist so die allgemeine Haltung. Die Chirurgie dient der Heilung und nicht der Verschönerung. Das heißt, ihr merkt schon, er ist da in irgendwas jetzt gestoßen, was noch viel größer ist als dieser eine Fall.
Und deswegen wurde er rausgeschmissen. Ja, deswegen wird er rausgeschmissen und muss sich aber sein Leben lang halt irgendwie so blöde Sprüche anhören und ich muss mich da ja mal selber reflektieren quasi. An die eigene Nase packen wollte ich gerade sagen, ist irgendwie zu passend für diese Folge. Aber auch ich habe ja gerade gesagt, so Beauty-Eingriffe, das ist ja so ein bisschen despektierlich und das ist natürlich klar, es gibt Eingriffe, die, finde ich, gehen auch zu weit und da, finde ich, muss man sich auch fragen, so…, Und muss man da jetzt so viel Geld für ausgeben? Am Ende ist es mir aber natürlich egal, das ist das Geld der Leute, die sollen damit machen, was sie wollen.
Aber es geht hier einfach wirklich um die psychische Gesundheit bei vielen Menschen und vor allem bei diesen zwei Fällen, die wir jetzt hier erzählt haben. Und das ist aber damals halt noch gar nicht anerkannt und Chirurgie ist wirklich so, also Chirurgen sehen sich halt auch oft so als die Ärzte schlechthin, also die wirklich so die harten Eingriffe machen und wenn da einer dann daherkommt und sagt, ich mache jetzt auch die krassen Eingriffe, weil das ist ja Wahnsinns-Handwerk, was er da leistet, aber das dient sozusagen nur der Verschönerung.
Dann ja, sind die natürlich alle direkt dran und sind so, okay, wow, das ist keiner von uns und der zieht hier unseren Beruf in den Dreck und so weiter. Also ja, ziemlich hart, was er sich da anhören muss. Aber nach seinem Rauswurf kommt er zumindest schnell wieder auf die Füße. Er hat ja wirklich Talent, also das kann man nicht von der Hand weisen.
Und er öffnet seine eigene Praxis. Und da operiert er dann so viel, dass er tatsächlich einen entsprechenden Spitznamen erhält. Und dieser Spitzname ist Nasen-Josef. Also in der Zeit erhält er diesen Spitznamen. Und das ist ein bisschen lustig, auch wie er zu diesem Spitznamen kommt, weil in Berlin der 1920er Jahre gibt es wohl einige Ärzte mit dem Nachnamen Josef.
Also es ist ein sehr, sehr häufiger Nachname. Und um die dann zu unterscheiden, gibt es im Volksmund die Josefs Spitznamen sozusagen. Also der Dermatologe wird der Hautjosef. Dann gibt es, oder auch Josef genannt, der Internist wird der Magenjosef. Der Mosef, der Urologe, mein Gott, wird der Blasen-Josef oder Blosef.
Der Gynäkologe wird der Damen-Josef, das ist mein Favorit. Und nicht zuletzt wird der Chirurg Jacques eben zum Nasen-Josef oder Nosef. Ich finde, es ist fast ein bisschen komplizierter, als einfach den Vornamen und den Nachnamen zu sagen. Aber gut, das ist nur meine bescheidene Meinung. Wir haben es hier mit dem Nasen-Josef zu tun. Oder dem No-Sef.
Vielleicht sollten wir den Namen durchziehen und nicht Jacques. Können wir ab jetzt machen. Nee, ich weiß nicht, wie cool er das fand. Ja, doch, das weiß ich auch nicht. Aber ich meine, die anderen hatten ja auch alle irgendwelche Spitznamen. Das ist schon witzig. Ich gehe heute zum No-Sef. Ach nee, ich gehe zum Blo-Sef.
Das ist so bescheuert. Aber der Damen-Josef klingt auch ganz komisch. Das finde ich auch strange. Aber das ist glaube ich, weil Dame mittlerweile, es ist einfach ein komisch besetzter Begriff, ich weiß auch nicht warum. Ja, Leute, wenn ihr schöne Spitznamen habt, schreibt wir uns doch gerne mal. Ja, aber wir haben hier nicht nur ganz kreative Namen.
Unser Josef, der Nosef, der denkt sich auch komplett neue Operationsmethoden aus und legt zum Beispiel Wert darauf, dass Narben nicht mehr so sichtbar sind. Das ist ja heute auch ein ganz eigenes Verhältnis, um Narben verschwinden zu lassen. Er macht das damals so, dass er zum Beispiel Knochen und Knorpel durch Elfenbein ersetzt und auch eigene Operationsinstrumente entwickelt, mit denen das alles dann noch unsichtbarer passiert.
Darunter zum Beispiel das Raspartolium, das heute noch in der Schönheitschirurgie verwendet wird. Und das hat da auch einen Spitznamen und zwar wird es der Josef genannt. Der eine Josef. Hilfe! Ja, Josef, ich bin geschwürt auch so ein bisschen der Kopf. Ja, verrückte Wendungen, die das Ganze hier nimmt. Ja und Jack entwickelt hier quasi so seinen eigenen Ansatz, wieso er diese Eingriffe auch macht.
Er sagt halt, die sollen die psychische Depression des Patienten heilen. Also Zitat, das schreibt Jacques so auf und wie gesagt, er entwickelt da und revolutioniert da total viele Bereiche in der plastischen Chirurgie, aber dann gerät Jacques in etwas, das er so gar nicht kommen sieht. Es beginnt die Zeit des Nationalsozialismus und die Nazis führen die sogenannte Rassenlehre ein.
Es heißt damals, jüdische Menschen stechen durch ihre besonders großen Nasen und die sollen auch besonders markant angeblich sein hervor, was natürlich vollkommener Quatsch ist. Aber ab diesem Moment kommen immer mehr Menschen zu ihm, die Juden sind, um ihre Nase operieren zu lassen, um sich, ja, das ist wirklich in dicken Anführungsstrichen, einzudeutschen.
Also sie sagen halt, ja, um ihre Nase einzudeutschen, genau. Also damit quasi keiner mehr sagen kann, hier, der mit der großen Nase, das ist ein Jude, der wird jetzt verfolgt oder der bekommt seinen Job aberkannt oder darf eine Ehe nicht eingehen. Also es wird hier richtig krass, was er sozusagen dann mit seinen, ja, mit seinen Werkzeugen und den Fähigkeiten, die er sich angeeignet hat, auf einmal machen soll. Also es geht dir jetzt….
Es wird richtig politisch bei ihm. Und natürlich möchte er den Menschen in dieser Notsituation helfen. Aber damit erfüllt er ja gleichzeitig auch die Vorstellung der Nazis. Und das ist noch aus einem anderen Grund ganz besonders heftig. Denn Jack ist selber Jude. Also es ist einfach eine ganz schreckliche Situation, in der er da jetzt auf einmal ist.
Ja, es ist so eine richtige Paz-Situation, weil sein Geschäft floriert. Und er will eigentlich den Leuten natürlich auch helfen, weil er halt irgendwie so sieht, okay, das sind ja auch Menschen, die den jüdischen Glauben haben, so wie ich ja auch. Ja, und die vielleicht deswegen sterben werden. Genau, oder das war damals natürlich noch nicht so klar. Es ist auch dokumentiert, dass er das auch sehr unterschätzt hat.
Also Jacques hat das sehr unterschätzt. Das war ja auch einfach damals vielleicht noch nicht so abzusehen. Und dann denkt er sich, okay, dann kann ich sie sozusagen von diesem Stigma befreien, was da in die Welt gesetzt wurde, aber gleichzeitig erfüllt er sozusagen ja dann damals das Stigma, also sagt sozusagen mit seinen Handlungen.
Ja stimmt, diese Nasen müssen korrigiert werden. Also es ist eine ganz schwierige Situation, genau. Und dann natürlich der wirtschaftliche Faktor, dass er halt ein total gut laufendes Geschäft jetzt auf einmal hat, weil dann ja noch mehr Menschen zu ihm kommen, die eben ja ihre Nase gerichtet haben müssen.
Also ganz schwierige Situation, in der er sich da wiederfindet und eine, die er sicherlich nicht hat kommen sehen, als er da die ersten Ohren und Nasen gerichtet hat, weil Menschen gehänselt wurden oder weil sie eben de facto einfach wirklich keine Nase mehr hatten, weil sie versehrt aus dem Krieg hervorgegangen sind.
Und ich finde, das ist auch nichts, woran man heute denkt. Das ist ja auch so ein bisschen ein Ursprungskonflikt der plastischen Chirurgie, den man heute jetzt auch gar nicht so kennt, wenn man irgendwann in der Praxis vorbeikommt. Ja, stimmt. Ja, heute ist es fast so ein bisschen ein Luxus, sich das leisten zu können, außer man, ich glaube, es gibt bestimmt Fälle, wo man nachweisen kann, dass das die psychische Gesundheit so belastet, dass man das vielleicht auch irgendwie von der Krankenkasse übernommen bekommt oder natürlich, wenn man irgendwie große Brüste, dann Rückenprobleme hat oder so, dann geht das ja auch in die plastische Chirurgie.
Aber ja, um sich die Nase richten zu lassen, da muss man dann einfach selber Geld in die Hand nehmen irgendwie und das macht das Feld, glaube ich, auch so ein bisschen immer noch umstritten, aber ja, damals wieder aus ganz anderen Gründen. Sehr diskussionswürdiges Fachgebiet, was er da besetzt, was er revolutioniert.
Seine Geschichte endet tatsächlich noch vor dem Holocaust. Er stirbt 1934 an einem Herzinfarkt, aber sein Erbe, das bleibt, er ist Mitbegründer der ästhetischen Chirurgie. Und das, wie ihr gehört habt, mit eigenen Werkzeugen, die da immer noch vorhanden sind, mit eigenen Methoden, die er entwickelt hat, die man immer noch so nutzt.
Also das ist ziemlich beeindruckend, finde ich, nach so vielen Jahren. Unter anderem mit dem Josef. Mit dem Josef, genau. Ja, teilt doch gerne auch mal eure Gedanken zu dem Thema mit uns. Findet ihr es vor allem beeindruckend, was er da geschafft hat? Oder wo seht ihr da vielleicht auch eine ethische Grenze, wenn es so um dieses Thema ästhetische Chirurgie geht?
Kommentiert das gerne mal in der App, in der ihr uns hört oder schreibt uns bei Instagram, da heißt es mir behindscience.podcast und per Mail erreicht ihr uns auch immer, über podcast at behindscience.de Ja, boah, wir sind durch alle Emotionen durch, oder? Ja. Also es ist wirklich, ich finde es so tief traurig und dann ist es auch wieder irgendwie so eine hoffnungsvolle Folge und irgendwie war es auch stellenweise lustig mit den ganzen Josefs.
Ja, stimmt. So eine Folge auf dem Leben irgendwie, alle Emotionen einmal durchlebt. Ich denke mir auf jeden Fall, ich bleibe erst mal bei meiner Nase, solange sie mich nicht stört. Solange du keinen Leidensdruck hast, genau. Wenn der Leidensdruck hoch ist, dann kann man das ja dann immer noch machen.
Aber ich finde, sowas ist auch besonders, wenn man so in der Pubertät ist und sich eh irgendwie hinterfragt, sowas führt besonders dazu, dass man irgendwie darunter leidet. Wir stehen ja jetzt schon so zu unseren Merkmalen. Das dauert aber ja auch ein bisschen, bis man sich das erarbeitet hat. Aber vielleicht trotzdem ein wichtiger Satz, wenn man gerade da struggelt.
Und wir können euch sagen, das kann sich halt auch verändern. Ja, kann sich verändern. Und vielleicht seid ihr irgendwann mal froh um eure sehr charakteristischen Nasen oder Ohren oder Zahnlücken oder sonst was. Also ja, eine Zahnlücke zum Beispiel hatte ich sehr, sehr viele Jahre lang. Und die wurde dann mit Zahnspangen gerichtet. Ich auch ein bisschen.
Ja, guck mal, das ist auch so ein Ding. Und weißt du, was krass ist? Die wurden sogar ein bisschen, die Schneidezähne wurden so ein ganz kleines bisschen verkürzt. Ach, krass. Weiß ich noch. Also so kleine Hasenzähnchen? Ja. Aha, ja, guck. Das wurde einfach, es wurde irgendwie einfach gemacht, glaube ich, als sie dann rauskam auf einmal in die Zahnspange.
Und ich habe mich darüber sehr gefreut. Aber wer weiß, wie wir beide jetzt ansonsten aussehen würden. Ja, wirklich. Also ich sehe manchmal Menschen mit Zahnlücken denken mir, wow, das ist so eine schöne Zahnlücke. Aber man muss sich damit wohlfühlen. Also wenn man das Gefühl hat, es ist ein Leidensdruck da und das war in meinem Fall so mit dieser Zahnlücke.
Als Kind ist das dann auch süß irgendwie, aber irgendwann wollte ich sie dann irgendwie nicht mehr haben. Ja stimmt, das ist auf jeden Fall, bei Zähnen ist das irgendwie schon so ganz normal, dass man sich die richten lässt. Stimmt. Bei Nasen und Ohren ist es dann doch irgendwie nochmal ein größeres Ding.
Ein spannendes Thema. Teilt gerne eure Gedanken, die ihr dazu habt. Eure Geschichten vielleicht auch. Vielleicht verbindet ihr auch was mit der Geschichte von Jacques Joseph. Dem Joseph, der als erster Nasen und Ohren gerichtet hat. Und das hier in Deutschland. Also da hat die ästhetische Chirurgie irgendwie so richtig ihren Anfang genommen.
War mir auch nicht so klar bis vor dieser Recherche. Ganz, ganz spannend. Wir hören uns nächste Woche wieder mit einer neuen Folge. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.