
Beruhigt euch - der Podcast für Eltern· Staffel 1· Folge 14
#014 Q&A: Was bedeutet liebevolles Begleiten?
Dienstag, 28. Oktober 2025 · 13 min
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Shownotes
Viele Eltern wollen ihre Kinder heute einfühlsam und bedürfnisorientiert erziehen. Doch oft steht dabei eine Frage im Raum: Was heißt es eigentlich, ein Kind „liebevoll zu begleiten“, besonders, wenn es gerade schreit, wütet oder verzweifelt ist?
In dieser Folge sprechen Marie und Thorsten, aus dem Urlaub in Andalusien, darüber, wie Eltern in solchen Momenten Ruhe bewahren, Nähe zeigen und trotzdem die Führung behalten können. Anhand eines ganz praktischen Beispiels zeigen sie, wie liebevolles Begleiten in der Realität aussieht: nicht reden, nicht retten, nicht verharmlosen, sondern sehen, anerkennen und Halt geben.
Du erfährst:
• warum Kinder in solchen Momenten unsere Ruhe brauchen, nicht unsere Lösungen
• wie du Emotionen anerkennst, ohne sie zu verstärken
• wie Grenzen liebevoll bleiben – auch wenn’s stressig wird
• und warum Kinder durch Erfahrung, nicht durch Worte, lernen
Ein kurzes und knackiges Gespräch über echte Präsenz und klare Führung.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Hallo und herzlich Willkommen bei. Beruhigt euch, dem Podcast für Eltern heute live aus Andalusien. Von unserem Balkon aus. Wir entschuldigen uns für die Hintergrundgeräusche, die haben wir nicht unter Kontrolle, genauso wie unsere Kinder. Ja Marie, gestern haben wir uns darüber unterhalten, dass viele Eltern ihre Kinder. Heute anders erziehen, als sie es vielleicht selber erlebt haben.
Als Kinder und viel auf die Bedürfnisse ihrer Kinder achten, dabei aber manchmal auch Probleme entstehen und auch Missverständnisse entstehen. Wir haben eine Folge ja schon gemacht über das Thema Führung, wo oft Missverständnisse entstehen, dadurch, dass es mit Härte verwechselt wird. Gestern ging's aber ganz konkret um das Wort begleiten.
Und über dieses Wort und was das eigentlich bedeutet, darüber wollen wir heute reden. Wie entstehen denn da die Missverständnisse? Ja, es ist so ein bisschen wie eine neue Sprache zu lernen, würde ich sagen, denn. Wenn man so einen Erziehungsratgeber liest und sich noch nie mit dem Thema Erziehung beschäftigt hat, dann stößt man da auf Vokabeln genauso wie wenn man eine neue Sportart lernt. Oder wir vergleichen das immer ganz gerne mit dem Reitunterricht unserer Kinder.
Du musst eine Parade geben, ja, was heißt das denn? Und genauso ist es auch. Treiben. Ja oder treiben das Pferd richtig treiben. Heißt treiben jetzt die Hacken reinhauen oder mit der Gerte Draufschlagen. Von hinten nach vorne durchtreiben ist dann auch immer schön. Ja, also was genau bedeutet das? Und genauso ist es eben auch, wenn man sich zum ersten Mal mit dem Thema Erziehung beschäftigt und das Wort begleiten war ja 1. Was dir besonders aufgefallen ist, wo du gesagt hast, das habe ich so oft gelesen und muss erst mal drüber nachdenken, was bedeutet das denn eigentlich dazu kann ich direkt mal ausholen und sagen mit begleiten ist eben oft gemeint. Da zu sein und das mit dem Kind zusammen mitzumachen, ohne es ja besonders steuern zu wollen,
lenken zu wollen oder auch groß beeinflussen zu wollen, so, das heißt, wenn du in so einem Ratgeber liest, will dein Kind liebevoll durch den Wutanfall begleiten, ja, das ist ja so ein Klassiker, dann bedeutet das sei einfach da für dein Kind, nimm es an mit all seiner Emotionen, die es gerade hat, also wenn es wütend ist, versuche nicht. Etwas gegen diese Wut zu tun, sondern eben es diese Wut durchleben zu lassen, in dem Wissen, Mama und Papa sind da, egal ob du wütend bist.
Du musst nicht glücklich sein, damit ich da bin. Ich bin auch für dich da, wenn du gerade wütend bist. Aber ganz konkret, es heißt ja nicht einfach, passiv daneben zu stehen und das Kind anzustarren oder Wut anfangen. Ja, es heißt aber auch nicht, das Kind sich selbst zu überlassen und. Oder zu versuchen, seine Stimmung jetzt zu verbessern, auf das Kind einzureden.
Also, was bedeutet denn jetzt begleiten, ganz, ganz konkret? In dem Beispiel einen Wutanfall. Ja, wir können ja mal ein Beispiel nehmen. Also wir hatten ja jetzt ja gerade einen Fall, wo die Lieblingsmütze nicht zur Verfügung stand und das Kind einen völligen Zusammenbruch erlitt und die Personen, die. Das Kind jetzt begleiten sollte.
Liebevoll, völlig verzweifelt war und gar nicht mehr wusste, was es jetzt machen soll, was sie jetzt machen soll. Entschuldigung. Ja, genau das ist ja so eine klassische Situation. Die eine Kleinigkeit, die Lieblingsmütze, und die ist dann nicht da und jede andere passt nicht und eine neue zu kaufen geht auch nicht.
Und wie man sich versieht, ist der emotionale Zusammenbruch da, weil die Lieblingsmütze eben in der Schule geblieben ist und. Liebevoll begleiten bedeutet in diesem Fall schon mal selber nicht in Panik zu geraten. Ja und ruhig zu bleiben und vor allem selber nicht in Stress zu geraten. Also da haben wir ja schon öfter auch drüber gesprochen, es hilft unserem Kind nicht weiter, wenn wir dann die Fassung verlieren, man muss sich eben vorstellen, dem Kind geht es ja gerade wirklich nicht gut, es kriegt ja nicht diesen Zusammenbruch wegen in unseren Augen einer vermeintlichen Banalität, ja mein Gott, Erwachsene denken sich, dann setzt du halt ne andere Mütze auf, warum muss es jetzt genau diese sein?
Aber wir nehmen das Kind mal ernst. Ja, es ist nun mal die Lieblingsmütze und es macht ihm in dem Augenblick dann wirklich etwas aus, dass sie nicht da ist und das schon mal ernst zu nehmen und nicht kleinzureden ist schon mal der Anfang vom liebevollen begleiten, also wirklich auch zu sagen, Mann, das versteh ich total, dass du deine Mütze jetzt gerne hättest. Du bist ganz schön traurig, dass sie nicht da ist, oder also die Emotion das Kind auch zu sehen und auszusprechen, das ist schon mal der erste Schritt, wenn wir über das Thema. Liebevolles Begleiten sprechen also nicht gut zureden im Sinne von ist doch nicht so schlimm.
Und dann nimmst du halt ne andere doch für das Kind ist es schlimm, in diesem Augenblick so und. Es geht im Grunde genommen da drum, das zu trennen, nur weil es für mich jetzt lächerlich ist. In diesem Moment bedeutet es ja nicht, dass es das für das Kind auch ist, oder? Genau. Du musst das Kind darin ernst nehmen, dass es gerade diese Emotion durchlebt. Und nicht nur ernst nehmen, sondern eben auch zeigen. Ich sehe dich, also ich sehe, dass du gerade traurig bist. So, damit das Kind sich eben auch ernst genommen und gesehen fühlen kann und das nimmt schon mal viel emotionalen Wind aus den Segeln auf Seiten des Kindes, weil es eben nicht mehr ankämpfen muss, damit du es endlich verstehst. Ja, anders als wenn du sagst,
ist doch nicht so schlimm. Dann muss es dich ja immer noch davon überzeugen, dass es eben schlimm ist. Ja, wenn du das schon mal anerkennen kannst und sagen kannst, ich sehe, dass es für dich gerade schlimm ist. Das muss es ja für dich nicht schlimm machen, ne, aber ich sehe, dass für dich gerade schlimm ist und dass du ganz schön traurig bist, dass es schon mal der erste Schritt, wenn es um liebevolles begleiten geht, genau sehen, anerkennen, aussprechen, hilft dem Kind auch, seine eigenen Emotionen zu verstehen und einzuordnen und so lernt es auch seine.
Emotionen dann auch in Worte auszudrücken, weil du ihm eben auf diese Art und Weise damit hilfst. Aha, was du gerade spürst, ist Trauer. Was du gerade spürst, ist Wut, ist Verzweiflung, und wenn man sich nicht ganz sicher ist, man möchte jemandem ja auch keine Emotionen zuschreiben, dir, die er oder sie vielleicht gerade gar nicht hat, so, dann könnte man es auch als Frage formulieren. Kann es sein, dass du gerade ganz schön traurig bist, dass deine Lieblingsmütze nicht da ist? So, das ist der erste Schritt, der zweite Schritt ist. Dann eben selber nicht die Fassung zu verlieren. Also ein Kind, das gerade so etwas durchlebt, dem geht es ja offensichtlich nicht gut, das ist traurig, wütend, emotional aufgewühlt und wenn es dir
gerade emotional nicht gut geht, hilft es dir dann mit jemanden zu sprechen, der komplett die Fassung verliert und dann eben auch nervös wird und gestresst wird. Ist das etwas, was dich emotional unterstützt in dem Augenblick? Nein. Und genauso ist es auch für unsere Kinder. Jetzt bin ich gespannt auf den zweiten Schritt und wir dürfen auch nicht vergessen, wie sieht es dann aus mit Grenzen oder auch Entscheidungen, die dann ja getroffen werden müssen.
Jetzt mal angenommen man muss dringend los und hat da gar keine Zeit stundenlang über die Mütze zu lamentieren oder das Kind eine Stunde zu begleiten bis er endlich mal durch ist. Wie geht's da weiter? Liebevoll begleitend. Ja, das kommt darauf an. Natürlich, wie die Situation aussieht. Da muss man erst mal überlegen, was ist jetzt überhaupt in der Sekunde möglich, das Beispiel, über das wir gerade sprechen, das war ja das Beispiel, dass eine Familie los wollte zu einem Ausflug mit einem anderen Kind noch. Und alle haben gewartet.
Alle haben gewartet und das jüngste Kind eben hatte seine Lieblingsmütze nicht und es war kalt draußen. Und dann hieß es eben von Seiten. Der Eltern an der Stelle. Wir müssen jetzt los und ohne Mütze ist es aber zu kalt und so kannst du nicht mit und waren also wirklich regelrecht verzweifelt darüber.
Wie machen wir das jetzt, wie kommen wir jetzt los, wenn das Kind nicht ins Auto einsteigt, so und da wie gesagt hilft es schon mal nicht selber in Panik zu verfallen, wenn du jemanden beruhigen willst, musst du selber ruhig bleiben, du musst für das Kind in dem Augenblick spiegeln ich bin der Anker, auch wenn du gerade die Fassung verlierst, ich verlier sie nicht. Ich bleib da, ich bleib stabil.
Ich bin jetzt dein Anker in der Situation, ja eben auch der zweite Schritt, sozusagen des liebevollen Begleitens, und das bedeutet eben auch, nachdem man dann eben die Emotionen anerkannt hat und nicht dagegen geredet hat, dann eben die Möglichkeiten auch zu benennen, zu sagen, wir können die Mütze jetzt nicht holen, heute ist Sonntag, sie liegt in der Schule, wir kommen da jetzt nicht ran, so, das funktioniert also nicht. Wir haben jetzt die Möglichkeit, ins Auto einzusteigen und die Mütze, die wir noch da haben, einzupacken. Für den Fall, dass dir später doch kalt wird, damit du sie aufsetzen kannst.
Oder wir bleiben hier, wenn du jetzt nicht einsteigen willst. Aber dann bleiben wir zu zweit hier, dann bleibt eben Mama oder Papa mit dem Kind da und das andere Kind fährt dann eben mit Mama oder Papa zu dem Ausflug, so, das heißt. Es ist wichtig, dass Erwachsene in dem Augenblick sich nicht abhängig machen von dem, was das Kind tut, sondern wirklich die Führung übernehmen, weil das gibt dem Kind dann auch den Rahmen und die Sicherheit, weil ansonsten landet hinterher die ganze Verantwortung dafür, was die ganze Familie macht, jetzt auch noch auf dem Rücken von dem Kind, was emotional gerade völlig aufgelöst und überfordert ist.
Man kann sich vorstellen, auch wenn das Kind jetzt nicht. Rational darüber nachdenken wird. Oh, jetzt lass doch die ganze Verantwortung auf meinen Schultern, so spürt es das doch unbewusst. Also wenn Eltern dann da sitzen und sagen, Ach komm, dein Bruder hat sich auch schon so gefreut und jetzt können wir wegen dir nicht losfahren, ja, wenn ich gerade emotional überfordert bin und es mir echt schlecht geht, dann machen solche Aussagen das ja nicht besser, sondern dann fühle ich mich noch mehr unter Druck, alle reden auf mich ein und es eskaliert so, das heißt liebevoll begleiten heißt auch da in die Führung gehen.
Und zu sagen, ich sag meinem Kind jetzt, wir machen es so oder so, du entscheidest aber wenn du dich innerhalb von XY Minuten nicht entscheidest, dann entscheide ich. Also zum Beispiel lange Rede, kurzer Sinn für dieses Beispiel, du, du hast jetzt 5 Minuten Zeit. Die ganze Familie kann nicht den ganzen Tag hier bleiben und warten. Das wäre unfair gegenüber den anderen. So, du kannst dir jetzt aussuchen, ob du einsteigst und wir nehmen eine andere Mütze mit und wenn dir später kalt wird, kannst du die aufsetzen, du kannst es ja erstmal ohne versuchen, ja aber wenn du frierst, dann haben wir eine da oder aber Papa steigt jetzt mit aus und du bleibst hier und Mama fährt mit deinem Bruder deiner
Schwester alleine los. Du hast jetzt 5 Minuten Zeit, länger können wir nicht warten. Du entscheidest, wenn du dich innerhalb von 5 Minuten nicht entscheiden kannst, dann werde ich entscheiden, dass wir hier bleiben. So, das heißt, das Kind weiß dann ganz genau, was passiert, es bekommt diese Last von den Schultern genommen, dass es jetzt alles lösen muss für die ganze Familie und alle darauf warten, dass es eine Entscheidung trifft.
Es hat die Möglichkeit, sich zu entscheiden. Es ist also einbezogen, und das heißt nicht einfach so. Dann bleiben wir jetzt eben zu Hause, wenn du nicht willst, ja, sondern es ist einbezogen, es hat die Wahl, es wird aber nicht mehr die ganze Familie darauf warten und sich abhängig machen davon, was das Kind jetzt gerade in seinem Wutanfall durchlebt und Kinder, die das n paar Mal erlebt haben, dass Mama und Papa dann auch wirklich das machen, was Sie sagen, wissen auch, dass sie dann wirklich zu Hause bleiben werden und nicht mit auf den Ausflug fahren werden. Vielleicht müssen sie 2 dreimal erleben, dass das wirklich passiert.
Und ja, dann muss die Familie auch in den sauren Apfel beißen, eben wirklich mal getrennten Ausflug zu machen. Aber spätestens nach n paar Mal werden die Kinder auch wissen, OK, es passiert jetzt wirklich so und. Schaffen es dann auch besser, sich zu regulieren und zu sagen okay wenn ich jetzt nicht einsteige, mache ich wirklich nicht mit. Ist die Mütze denn jetzt wichtiger als der Ausflug? Ne, aber da lernen sie eben auch nicht durch die Worte kommen, die Mütze ist doch nicht wichtiger als der Ausflug, sondern eben durch die Erfahrung, dass sie dann eben wirklich mal zu Hause geblieben sind und beim nächsten Mal dann eben sagen, nee, ich möchte eigentlich doch lieber mit so wichtig ist mir die Mütze jetzt
vielleicht doch nicht. Ja, vielen Dank für diese ausführliche Erklärung. Mir ist das jetzt wesentlich klarer. Ich hoffe unseren Hörerinnen und Hörern auch, wir machen diese Folge heute ein bisschen kürzer, ich hoffe, das ist okay für alle, denn wir machen jetzt weiter Urlaub und für die, die das Video sich angucken, komme ich mal kurz rum Hallo sa bis nächste Woche und bye bye.
Bye Bye.